
Einführung und Lesung des Textes
Wir kommen heute zu 1. Mose 13, und wir lesen die Verse 1 bis 4. Darf ich bitten, Uwe, dass du uns vorliest?
Übrigens, Uwe, der heute vorliest, ist zum ersten Mal in der Mittelklasse dabei. Aber er war schon öfter dabei als viele andere. Er hat zum Beispiel die ganze Serie von Matthäus transkribiert – Dutzende von Serienteilen. Das hat er als Buch aufbereitet. Das sind etwa 540 Seiten. Ich habe ein bisschen übertrieben, ich bin kein Amerikaner, aber so ungefähr. Also, 540 Seiten werden als Buch herauskommen.
Ich freue mich ganz besonders, Uwe, dass du diesen Part übernimmst. Bitte, lies die Verse 1 bis 4.
1. Mose 13, Verse 1-4:
Und Abram zog herauf aus Ägypten, er und seine Frau und alles, was er hatte, und Lot mit ihm in den Süden.
Und Abram war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold.
Und er ging auf seinen Zügen vom Süden bis Bet-El, bis zu dem Ort, wo anfangs sein Zelt gewesen war, zwischen Bet-El und Ai, zu der Stätte des Altars, den er dort zuvor gemacht hatte.
Und Abram rief dort den Namen des Herrn an.
Rückblick auf Abrahams Geschichte und sein Gehorsam
Wir haben bereits die Geschichte Abrahams in den Kapiteln elf und zwölf betrachtet. Abraham war ursprünglich ein Götzendiener in Ur in Chaldäa, dem heutigen Südirak. Der wahre Gott erschien ihm in Herrlichkeit und rief ihn heraus aus diesem Götzendienst, um ins verheißene Land zu ziehen. Er sollte das Vaterhaus und die Verwandtschaft verlassen.
Abraham folgte diesem Ruf gehorsam und hatte sich bekehrt. Er wandte sich vom Götzendienst in Ur ab und dem wahren Gott zu. Er war bereit, einen ganz neuen Weg zu gehen. Doch sein Gehorsam war nicht vollkommen. Denn er nahm seinen Vater Tara mit, was im Widerspruch zu dem Gebot stand, das Vaterhaus zu verlassen. Deshalb erreichte er nicht sofort das verheißene Land.
Die Reise führte über den fruchtbaren Halbmond nach Norden bis nach Harran, dem heutigen Südosten der Türkei. Dort blieb Abraham stecken. Er kam nicht ins verheißene Land, obwohl er von dort eigentlich nach Süden hätte weiterziehen müssen. Das geschah erst, nachdem das Hindernis beseitigt war: der Tod seines Vaters Tara. Danach setzte Abraham seine Reise fort.
So ist es auch im Glaubensleben: Wenn man blockiert wird, muss man sich fragen, was das Hindernis ist. Dieses Hindernis muss überwunden, im übertragenen Sinne also in den Tod gebracht werden. Danach kann der Weg weitergehen.
Abraham kam schließlich ins verheißene Land, doch bald entstand ein neues Problem: eine große Hungersnot. Er hätte sich fragen müssen, was der Grund für diese Hungersnot war. Es könnte sein, dass große Probleme im Leben mit etwas zusammenhängen, das nicht richtig ist. Das muss aber nicht immer so sein. Es gibt auch große Schwierigkeiten, die gerade deshalb kommen, weil wir treu sind.
Der Apostel Paulus sagt in 1. Korinther 16: „Eine große Tür ist mir aufgetan in Ephesus, und der Widersacher sind viele.“ Wenn Gott uns in unserem Auftrag eine offene Tür gibt, mobilisiert der Feind seine Kräfte. Man muss sich fragen, wie man darauf reagiert. Abraham hat sich nicht gefragt, sondern ist gleich ausgewichen und nach Ägypten gegangen.
Abrahams falscher Weg nach Ägypten und seine Folgen
Wenn es im Nahen Osten nicht regnet, kann man nach Ägypten gehen. Das ist ein Land mit sehr, sehr wenig Regen. Es braucht den Regen auch nicht, weil das Wasser aus Schwarzafrika über den Nil kommt.
Für uns ist aber klar: Der Herr wollte, dass Abraham im Land Kanaan bleibt, nicht in Ägypten. Das war falsch. Er hätte fragen müssen, was das Problem ist. Und wir finden das Problem sofort im Text. Abraham hatte Lot mit dabei. Lot war zwar ein Verwandter, doch Abraham sollte das Vaterhaus und seine Verwandtschaft verlassen. Das war noch ein Problem.
Anstatt das Problem zu lösen und sich von Lot zu trennen oder ihn wieder heimzuschicken, ging Abraham mit ihm weiter. Wenn man an den falschen Ort gegangen ist, muss man einfach wieder heimgehen, wenn man merkt, dass es der falsche Ort ist. Eigentlich ziemlich einfach.
Abraham geht nach Ägypten. Auf dem Weg realisiert er, dass seine Frau sehr schön ist. Das könnte bedeuten, dass Abraham in Ägypten, in diesem heidnischen Land, umgebracht wird, weil jemand seine Frau haben will. Er wird nicht umgebracht, aber in dem heidnischen Land merken sie, dass die Frau sehr schön ist. Nicht nur schön, sie sehen mehr als Abraham, und das ist nicht gut. Der Mann sollte am meisten sehen.
Als Vorsorge hatte Abraham bereits seiner Frau gesagt: Wenn wir nach Ägypten kommen, dann sag bitte, du bist meine Schwester beziehungsweise ich bin dein Bruder. Das war ja gar nicht so falsch, denn in Kapitel 20 sehen wir, dass sie Halbgeschwister waren. In dieser Zeit vor viertausend Jahren war das noch üblich. Erst mit dem Auszug aus Ägypten vor etwa 3600 Jahren wurde es im Gesetz Mose ganz scharf verboten. Dort werden alle verbotenen Verwandtschaftsgrade feinsäuberlich in 3. Mose 18 aufgelistet.
Aber eben, das muss man wissen: Er sagt, sag, ich bin dein Bruder. Das war ja wahr, aber er wollte so vorgehen, damit die Leute denken, aha, das ist nicht die Frau. Also Lügen mit der Wahrheit. Wir haben gesehen, das ist nicht das Gleiche, wie wenn wir nicht alles erzählen. Wir müssen nicht allen Leuten alles erzählen. Aber wenn wir es so sagen, dass der andere etwas Bestimmtes meint, dann ist es auf indirektem Weg Lügen. Man muss das feinsäuberlich unterscheiden.
Es kommt dazu, dass die Ägypter wirklich denken, die Frau sei sehr schön und sie müsse die Frau des Pharao werden. Der Pharao heiratet sie. Doch dann greift Gott ein mit Plagen, und die ganze Sache wird schließlich bekannt. Der Pharao annulliert die Ehe, gibt die Frau zurück und sagt: Warum hast du mir das nicht gesagt?
Man sieht, Abraham, der ein Missionar sein sollte in Kanaan für den wahren Gott unter den Götzendienern, kommt als Missionar nach Ägypten, und es kommt Schande über sein Zeugnis. Ein Heide muss ihm sagen, was der richtige Weg wäre: Warum hast du mir das nicht gesagt? Hier, wenn das deine Frau ist, dann ist das nicht meine.
Es wird nichts davon gesagt, dass die Ehe im Beischlaf vollzogen worden wäre. Es wird nur gesagt, dass er sie genommen hatte. Dann ist natürlich klar: Die Ehe ist illegal, wird annulliert, die Frau wird zurückgegeben. Gott hat eingegriffen.
Es war natürlich eine Attacke von Satan. Satan wusste seit dem Garten Eden, dass Gott angekündigt hatte, der Same der Frau werde eines Tages kommen und der Schlange den Kopf zertreten. Es wurde klar, als Gott Abraham berief, dass über diese Linie von Adam, nämlich über Noah und dann über Abraham, einmal der Erlöser kommen wird, der der Schlange den Kopf zertritt.
Darum war es wichtig, dass Gott Abraham eine Nachkommenschaft verhiess, in der einmal die ganze Welt gesegnet wird. Aber Satan versuchte, noch bevor ein Kind in der Ehe geboren wurde, diese Ehe zu zerstören. Dass also Sarah sich mit dem Pharao verheiratet und Abraham kein Kind von Sarah bekommt, wie es von Gott geplant war.
Man merkt diese Attacke. Das war wirklich eine satanische Attacke auf den Heilsplan Gottes. Darum hat Gott mit Plagen in Ägypten eingegriffen, die Sache ans Licht gebracht und im letzten Moment noch die Katastrophe verhindert. Das ist schon ganz eindrücklich, was da geschehen ist.
Abraham hatte viele Hochzeitsgeschenke bekommen: Mägde, Knechte, Haustiere. Offensichtlich musste er diese nicht mehr zurückgeben. Der Pharao war so großzügig. Wir haben letztes Mal gesehen, dass sogar eine Delegation aus Ägypten ihn auf dem Heimweg nach Kanaan begleitet hat.
Rückkehr nach Kanaan und Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott
Und jetzt sind wir zu Kapitel 13 gekommen. Abram zog herauf aus Ägypten, Vers 1. Geografisch gesehen geht es von Ägypten nach Kanaan hinauf. Damals, als er nach Ägypten ging, in Kapitel 12, da ging er eben nach Ägypten hinab. Das war nicht nur geografisch, sondern auch geistlich ein Abstieg. Nun jedoch geht es geistlich wieder aufwärts.
Mose betont, dass Abram Kleinvieh, Rinder und Zelte hatte, in Vers 5. In Vers 2 wird gesagt, dass Abraham sehr reich an Vieh, Silber und Gold war. Warum wird das an dieser Stelle erwähnt? Weil er in Ägypten noch sehr viel dazugewonnen hatte. Das wird später von großer Bedeutung sein, wie wir noch sehen werden.
In Vers 3 lesen wir, dass er auf seinen Zügen vom Süden bis Bethel ging. Weiß jemand, welches hebräische Wort für Süden hier steht? Negev. Negev. Kannst du etwas zum Hebräischen sagen? Wie würde man sonst Süden sagen? Darom, glaube ich. Genau, Darom. Also sagt man auf Hebräisch Südamerika nicht Negev-Amerika, sondern Darom-Amerika. Negev bedeutet zwar Süden, bezeichnet aber speziell die südliche Gegend Israels, die Wüste Negev. Hier steht Negev, also ging er in den Südbereich des heutigen Landes Israel, des Landes Kanaan.
Von dort aus zog er weiter nach Norden, an Salem vorbei, Jerusalem und nach Bethel. Das liegt im heutigen sogenannten besetzten Westjordanland. Ich habe immer wieder betont, dass das, was die UNO als Westjordanland bezeichnet, in Wirklichkeit das Kernland Israels ist. Von dort ging er nach Bethel.
Ganz wichtig: Dort hatte das Abweichen nach Ägypten begonnen. Wir haben gelesen, dass er von Bethel bis zu dem Ort ging, wo sein Zelt ursprünglich gewesen war, zwischen Bethel und Ai, zu der Stelle des Altars, den er dort zuvor gemacht hatte. Das steht in Vers 8 von Kapitel 12. Uwe, liest du noch einmal?
1. Mose 12, Vers 8: „Und er brach auf von dort in das Gebirge, östlich von Bethel, und schlug dort sein Zelt auf, Bethel im Westen und Ai im Osten. Und er baute dort dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an.“
Ab Vers 9 wird dann die Hungersnot beschrieben, in Vers 9 und 10, und das Hinabgehen nach Ägypten. Der glückliche Ort im Land war also in Vers 8 zwischen Bethel und Ai. Dort lebte er die Gemeinschaft mit dem Herrn aus. Der Ort des Altars ist der Ort der Anbetung, der Ort der Gemeinschaft mit Gott, wo er den Namen des Herrn anrief. Dann wich er ab.
Abweichen ist etwas, das zuerst kaum bemerkbar ist. Abweichen kann bedeuten, nur ein paar Meter vom Weg abzukommen. Aber je länger man auf den Schenkeln eines Dreiecks nach unten geht, desto weiter wird die Entfernung. Schließlich war er in Ägypten.
Jetzt geht es darum, dass er wieder an den ursprünglichen Ort zurückkehrt. Das ist wichtig, das ist Wiederherstellung. Wenn jemand in schwere Sünde gefallen ist, dann kommt das gewöhnlich nicht von heute auf morgen. Es ist eine Entwicklung, die beginnt und immer weitergeht.
Darum ist es wichtig, wenn man jemandem seelsorgerlich hilft, wieder zurückzugehen, dass er den ganzen Weg bis zum Beginn des Abweichens zurückgeht. Das ist hier so eindrücklich. Abraham geht zurück bis zu der Stätte zwischen Bethel und Ai, wo er den Altar hatte und in Gemeinschaft mit dem Herrn war. Wieder heißt es, er rief dort den Namen des Herrn an.
Kapitel 13, Vers 4 schließt genau an 12, Vers 8 an: Ein Altar, und er rief den Namen des Herrn an. Das ist Wiederherstellung.
Was auch auffällt: In Ägypten hatten wir nichts von einem Altar gelesen. Gut, jemand könnte sagen, es wird ja nicht alles berichtet. Ja, das stimmt. Aber die biblischen Geschichten sind typischerweise sehr knapp geschrieben. Sie sind gewissermaßen Strichzeichnungen mit einer schwarzen dünnen Feder. Nur das Wesentliche wird gesagt. Das, was gesagt wird, ist ganz wichtig. Man muss es beachten und mit dem vorherigen und nächsten Abschnitt vergleichen, um zu erkennen, was Gott eigentlich genau sagen möchte.
Hier sehen wir: Im Land hat Abraham einen Altar in Sichem. Dort hat Gott ihm die Verheißung gemacht, in Vers 7: „Deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben.“ Sichem ist heute Nablus im Westjordanland, eine der größten palästinensischen Städte. Dort hat Gott gesagt: „Deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben“, Israel.
Dann der zweite Altar zwischen Bethel und Ai, auch dort Gemeinschaft mit dem Herrn mit einem Altar. In Ägypten hatten wir keinen Altar, in Haran auch nicht. Aber jetzt ist er wieder beim Altar, und das wird erwähnt, obwohl so wenig gesagt wird, nur wenige Sätze.
Wir würden eine solche Geschichte heute sofort mit einem Buch von mindestens hundert Seiten erzählen. Romane sind typischerweise 400, 500 oder 600 Seiten lang. Gut, das Matthäusevangelium hat 540 Seiten, aber das ist kein Roman, und es war eine ganz lange Serie.
Ich will nur sagen: Es geht hier um knappe Geschichten, und das Wenige, was gesagt wird, muss man beachten. Hier wird betont: Altar, und da ist er wieder zurück.
Streit zwischen Abram und Lot wegen Platzmangel
Und jetzt gehen wir weiter, Verse 5 bis 13, bitte, Uwe.
1. Mose 13,5: Auch Lot, der mit Abraham zog, hatte Kleinvieh, Rinder und Zelte. Das Land konnte nicht genug tragen, dass sie beieinander wohnten, denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht zusammenbleiben.
Es gab Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Die Kanaaniter und Peresiter wohnten damals im Land.
Da sprach Abram zu Lot: „Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten, denn wir sind Brüder. Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir. Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden; willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden.“
Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan. Sie war damals ganz bewässert, bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstört hatte, gleich dem Garten des Herrn, wie das Land Ägypten bis nach Zoah hin. Lot erwählte sich die ganze Ebene des Jordan und zog ostwärts. So trennten sie sich voneinander.
Abram wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom. Die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem Herrn.
Jetzt gibt es wieder Probleme, Streit – Streit unter Brüdern. Natürlich, Lot war ja sein Neffe, aber im Hebräischen wird „Bruder“ auch im weiteren Sinn für Verwandte und sogar für Angehörige des gleichen Volkes benutzt. In der Apostelgeschichte, wenn sich jemand an die Volksmenge richtet, sagt er „Brüder“ oder „Väter“ – das ist eine übliche Anrede, denn man ist ein Brudervolk.
Aber hier gibt es Streit unter Brüdern. Mose fügt an dieser Stelle gleich in Vers 7 hinzu: „Und die Kanaaniter und die Peresiter wohnten damals im Land.“ Warum steht dieser Satz hier? Das waren quasi Zeugen des Streits.
In liberalen, theologischen Kommentaren kann man lernen, dass dieser Satz fehlerhaft eingefügt sei und gar nicht dorthin gehöre. Doch das bestätigt nur 1. Korinther 2,14: „Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; er ist eine Torheit für ihn, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.“
Das zeugt nur von ihrer Torheit. Die liberale Theologie ist Torheit. Aber es wurde gleich gesagt: Die Kanaaniter haben den Streit mitbekommen.
Wenn in Gemeinden gestritten wird, bekommt die Welt das zumindest zum Teil mit. Und sie sagen oft nichts. Es wird nicht berichtet, dass sie reagiert haben. Es wird einfach gesagt: „Die Kanaaniter und die Peresiter wohnten damals im Land.“
So ist es: Sie reagieren nicht.
Ich mache keine Reklame für Tim und Struppi. Aber in diesen „Bandes dessinés“ gibt es zwei komische Männer mit schwarzem Hut, Anzug und Stock. Wie heißen die? Schulze und Schulze. Im Französischen, im Original, heißen sie anders.
Das waren tatsächlich zwei Brüder – also eine Brüderversammlung in Paris. Der Autor hatte sie immer wieder beobachtet, wenn sie in die Versammlung gingen. Die zwei fand er irgendwie toll und baute sie in Tim und Struppi als wichtige Nebenpersonen ein.
Das hat mir gezeigt: Die Welt beobachtet, wie wir in die Versammlung gehen und wie wir wieder herauskommen. Ich habe auch schon von jemandem gehört, der festgestellt hat: Wenn sie reinkommen, schauen sie irgendwie streng rein, und wenn sie rauskommen, strahlen ihre Gesichter.
Die Welt kann so etwas sehen. Das ist einfach grandios, nicht wahr?
Darum macht Paulus in 1. Korinther 11 den Vorwurf, dass sie nicht zum Besseren zusammenkommen, sondern zum Schlechteren. Das heißt, eigentlich sollte es so sein, dass es mit jeder Gemeindezusammenkunft, die wir besuchen, mit unserem Leben vorwärts geht.
Aber es gibt die Möglichkeit, dass man in die Gemeinde geht und mit jedem Gemeindebesuch wird es noch schlechter als vorher.
Bei den Korinthern war das so – und es wurde immer schlimmer. Sie kamen zum Schlechteren zusammen, aber sie sollten zum Besseren zusammenkommen.
Nun, die Welt beobachtet das, und manchmal sagt sie etwas! Manchmal fügen sie das sogar in Bildbände ein, die in der ganzen Welt bekannt werden.
Wir müssen uns bewusst sein: Wir werden beobachtet, und wir haben den Auftrag, ein Zeugnis zu sein.
Und das war natürlich ein Antizeugnis.
Ursachen des Streits und Abrahams großzügiges Angebot
Nach dem, was in Ägypten geschehen war, gab es jetzt Streit in Kanaan. Aber warum gab es Streit? Der Bibeltext gibt darauf eine Antwort: Unter den Hirten kam es zum Streit. Ja, das Land war noch groß, aber man muss bedenken, dass die Kanaaniter im Land lebten. Die Hirten mussten immer darauf achten, die Weidegründe zu nutzen, die die Kanaaniter nicht beanspruchten. Das Territorium war also begrenzt.
Doch das reichte irgendwann nicht mehr aus, und es kam zum Zank. Erklär mir bitte: Wenn du sagst, sie hatten zu wenig Platz für das Vieh von Lot und Abraham, warum gab es dann vorher keinen Streit, zum Beispiel in Kapitel zwölf? Warum erst jetzt? Und wenn es ums Geld ging, warum war das vorher kein Thema?
Abraham, der Bruder von Sarah oder zumindest ein angeblicher Bruder, wurde durch den Aufenthalt in Ägypten reicher. Er erhielt Hochzeitsgeschenke, weil der Pharao Sarah nahm. Das steht in Kapitel zwölf, Verse 15 und 16. Dort heißt es:
„Die Fürsten des Pharaos sahen sie und priesen sie dem Pharao. Die Frau wurde in das Haus des Pharao geholt, und er tat Abraham Gutes um ihretwillen. Er bekam Kleinvieh, Rinder, Esel, Knechte, Mägde, Eselinnen und Kamele.“
Abraham wurde also durch den Ägyptenbesuch erheblich reicher. Er erhielt Kleinvieh, also Schafe und Ziegen, Rinder, Esel und Eselinnen sowie Menschen als Knechte und Mägde. Eine dieser Mägde hieß Hagar – das wird später noch von Bedeutung sein. Hagar hätte Abraham nie gehabt, wenn sie nicht den falschen Weg gegangen wären.
Jetzt haben sie Streit, weil sie zu viel besitzen. Dieses „Zu viel“ ist aber die Folge eines falschen Weges. Die Kette der Ereignisse geht weiter: Statt in der Hungersnot zu fragen, warum das geschieht und was zu tun ist, verlässt Lot sein Leben. Er geht nach Ägypten, den falschen Weg. Er lehrt seine Frau zu lügen. Schließlich sagt er, sie sei seine Schwester.
So ergibt eins das andere: Abraham, dessen Frau vom Pharao als Frau genommen wurde, erlebt, dass das Ganze auffliegt. „Warum hast du mir das getan?“ – Schande über den Missionar für den einen wahren Gott! In Ägypten, dem Land vieler Götter mit typischerweise Menschenkörpern und Tierköpfen, kehrt Abraham zurück. Die Folge ist Streit – wieder ein schlechtes Zeugnis für die Kanaaniter.
Abraham erkennt das Problem, wie wir in Vers 8 lesen. Er sagt: „Lass doch kein Gezänk zwischen uns sein, weder zwischen mir und dir noch zwischen meinen Hirten und deinen Hirten.“ Er sieht, dass das so nicht weitergehen kann. Der Streit muss gelöst werden.
Nun wird ihm klar, dass sie sich trennen müssen. Onkel Abraham zeigt sich dabei sehr großzügig: Er lässt seinen Neffen wählen. Unglaublich! Er sagt: „Wenn du dort bleiben willst, gehe ich hierhin, wenn du dort gehen willst, dann gehe ich dorthin.“ Großartig! Wichtig ist Vers 9: „Trenne dich doch von mir.“
Ist Trennung nicht grundsätzlich etwas Falsches? Wie kann er sagen: „Trenne dich von mir?“ Sie gehörten doch zur gleichen Familie, oder? Aber wir haben bereits festgehalten – wie bitte, Nathanael? Ja, er hätte Lot nie mitnehmen sollen. Er hätte ihm sagen müssen, er solle zurück nach Ur in Chaldäa gehen und dort ein Zeugnis sein, aber nicht hier.
Es ist wichtig, dass wir am richtigen Ort Zeugnis geben, wo der Herr uns haben will. Lot hatte keinen Ruf, Ur zu verlassen. Also sollte er zurückgehen.
Ich erzähle mal etwas Persönliches: Während meines Musikstudiums hatte ich eine schwere Krise. Ich wollte alles aufgeben, am liebsten abbrechen. Doch ich hatte keinen Auftrag vom Herrn, das Studium zu beenden, obwohl ich es gerne getan hätte. Das hätte viele Probleme erspart.
Musikstudium kann echte Gewissensprobleme bringen. Ich dachte daran, ein Linguistikstudium zu beginnen und dann zu einem Indianerstamm in Kanada zu gehen, um dort die Bibel zu übersetzen. Das sollte mein Lebenswerk werden. Aber ich hatte keinen Ruf dazu.
Der Herr zeigte mir einen anderen Lebensweg. Wenn ich jetzt in Kanada gewesen wäre und gemerkt hätte, dass der Herr mich dort gar nicht haben wollte – im Urwald von Kanada, im Tannenwald – dann hätte ich einfach zurück in die Schweiz gehen müssen. So einfach ist das.
Das war übrigens, bevor ich geheiratet habe. Dann hätte ich keine Indianerin geheiratet. Ich sage das nur, um zu zeigen: Nichts grundsätzlich gegen interkulturelle Ehen, aber das kann sehr schwierig sein, wenn man nicht flexibel ist. Und man muss schon in der gleichen Kultur flexibel sein. Wirklich, ich lerne das bis heute. Ja, alle anderen auch, danke, das tröstet.
Lot hätte also zurück nach Ur in Chaldäa gehen müssen. Abraham aber sagt zu ihm: „Willst du links, dann gehe ich rechts; gehst du rechts, dann gehe ich links.“
Biblische Orientierung: Links, rechts, Norden, Süden
Übrigens, was bedeutet links und rechts in der Geographie?
Wie kommst du darauf, dass links Osten ist? Oder wenn man von Süden kommt, wäre links oder rechts eine Richtung. Links wäre dann Westen.
Ach so, ja gut, das ist doch die Frage: Wenn du sagst, man kommt von Süden, dann ist Osten auf der rechten Seite und Westen auf der linken Seite. Aber dabei orientierst du dich am Süden.
In der Bibel hingegen orientiert man sich am Orient. Daher kommt auch das Wort „Orient“ als Orientierung. Im Hebräischen heißt Osten „Mizrach“. Das ist der Ort, wo die Sonne aufgeht. Man sagt auch „Kedem“, was wörtlich „vorne“ bedeutet.
Man schaut also zur aufgehenden Sonne, das ist vorne. Westen ist hinten, Süden ist rechts und links ist Norden.
Im Hesekiel 16 wird gesagt, dass Sodom rechts ist und Samaria links. Die Stadt Samaria im sogenannten Westjordanland liegt im Norden, und Sodom war im Süden. Dazu kommen wir noch, wenn wir über das Tote Meer im Süden sprechen.
Darum wird in Joel 2 zum Beispiel gesagt, dass ein Teil der Armee des Königs des Nordens, wenn der Messias kommt, vernichtet und ins vordere Meer gestoßen wird. Der andere Teil wird ins hintere Meer gestoßen. Das vordere Meer ist das Tote Meer und das hintere Meer ist das Mittelmeer.
Das ist ein bisschen biblische Geographie.
Also: rechts und links entsprechen Süden und Norden.
Lots Wahl der Ebene des Jordan und seine Folgen
Und nun sehen wir uns Vers 10 an. Liest du den Anfang nochmals, Uwe?
1. Mose 13,10: „Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war, bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstört hatte, gleich dem Garten des Herrn, wie das Land Ägypten bis nach Zoar hin.“
Danke. Hier wird besonders betont, was Lot mit seinen Augen gemacht hat. Es wird sehr stark hervorgehoben: Er erhob seine Augen – also die Bewegung der Augen – und dann sah er die ganze Ebene. Es wird genau beschrieben, was er mit seinen beiden Augen sieht: die Ebene des Jordan, die ganz bewässert war.
Moos erklärt, dass das natürlich vor der Zerstörung von Sodom und Gomorra durch den Herrn geschah, in der Gegend des Toten Meeres. Das Ganze erschien Lot wie der Garten des Herrn, also wie der Garten Eden, und wie das Land Ägypten bis nach Zoar hin.
Ich mache das bei mir in der Bibel so: Wenn es um das Thema Sehen geht, male ich mir ein Auge mit Pupille stilistisch hinein. Das habe ich hier auch gemacht.
Dann lesen wir weiter in Vers 14: „Und der Herr sprach zu Abram, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Erhebe doch deine Augen und schau von dem Ort, wo du bist, nach Norden und nach Süden und nach Osten und nach Westen, denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben. Und deine Nachkommenschaft bis in Ewigkeit.“
Auch hier sieht jemand mit seinen beiden Augen. Es gibt viele Stellen in der Bibel, die sich mit dem Thema Sehen beschäftigen. Das ist natürlich nur ein Thema. Man könnte auch die Themen Hören, Fühlen und so weiter betrachten.
Zum Beispiel habe ich mir in den Evangelien speziell notiert, überall dort, wo der Herr Jesus Menschen anschaut und es zu Augenkontakt kommt. Eine der Stellen ist, als Jesus vor dem Hohenpriester Kajaphas verhört wird. Während des Prozesses war die Tür offensichtlich offen, und sein Blick ging hinaus in den Vorhof, wo Petrus am Kohlenfeuer saß und den Herrn dreimal verleugnet hatte. Dann gibt es einen kurzen Augenkontakt (Lukas 22), und Petrus bricht zusammen.
Diese sieben Stellen in den Evangelien, in denen Jesus Augenkontakt mit Menschen aufnimmt, sind sehr wertvoll. Man kann sich dort Augen am Rand der Bibel malen, um die Stellen schnell wiederzufinden.
Hier geht es jetzt um ein wichtiges Thema. Im Vers 14 sagt der Herr zu Abraham: „Erhebe doch deine Augen!“ Aber hier ist es Lot, der aufgrund eines falschen Rates handelt. Abram hätte sagen müssen: „Geh nach Ur“, und nicht: „Geh nach Norden oder Süden.“ Lot schaut sich die Landschaft an, und sie sieht unter anderem aus wie das Land Ägypten. Ägypten war ein Land, in dem viel bewässert wurde.
Die Leute von Sodom, Gomorra, Adama, Zeboim und Zoar – das sind die fünf Städte der Ebene beim Toten Meer – hatten ein Bewässerungssystem eingerichtet. Ich werde nach und nach etwas über die Identifikation dieser Ortschaften erzählen.
Ich kann schon mal sagen: Es sind fünf Ortschaften auf der jordanischen Seite des Toten Meeres, und zwar jeweils an einem Wadi gelegen, also einem Tal, das Wasser von den Bergen bis ins Tote Meer führt.
Vor einiger Zeit war ich beim Wadi Numeira – das war ganz eindrücklich. Wenn man in dieses Wadi hineingeht, ist das pure Freude für die Geologie: man sieht Kreuzschichtung im Sandstein und vieles mehr. Wirklich beeindruckend.
Dieses Wadi war die Wasserversorgung für Gomorra. Meine Frau und ich sind auch nach Sodom gegangen, ebenfalls an einem solchen Wadi. Die Wasserversorgung war also sehr gut eingerichtet. Das Land war bewässert, und man nutzte das Wasser ähnlich wie in Ägypten.
Aber wie kommt ein Iraker, Lot, auf die Idee, wenn er da in die Landschaft schaut, zu sagen: „Das sieht aus wie Ägypten“? Er war mit Onkel Abraham auf einer Ägyptenreise, und das hat ihn irgendwie auf den Geschmack gebracht. Ägypten, diese ägyptische Kultur und die Bewässerungsanlagen – sie hatten ein System aufgebaut, das fantastisch war.
Sie nutzten den Nil, weil sie kaum Regen hatten. Und Lot sagt: „Das ist Ägypten, da muss ich hin.“
Das heißt also, dieser falsche Weg hat Lot auf einen falschen Geschmack gebracht. Wir werden später sehen, dass Lot sich von Abraham trennt und seine Zelte gegen Sodom hin aufschlägt.
Später im Bibeltext – ich sage jetzt nicht, an welcher Stelle, das schauen wir uns später an – ist er in Sodom, in dieser moralisch verdorbenen Stadt. Noch später sehen wir, dass er am Tor von Sodom sitzt. Inzwischen ist er Richter geworden, natürlich mit guten Absichten. Er war ein Gerechter.
2. Petrus 2 sagt, dass Lot seine Seele täglich quälte mit dem, was er sah und hörte in Sodom. Dort war er nicht zu Hause. Es war wirklich eine Katastrophe, diese Stadt. Die Menschen dort waren unflätig, und was man sehen konnte, war schrecklich. Er fühlte sich nicht wohl.
Aber warum wohnte er dort? Vielleicht kann man etwas verbessern: Er wurde zwar Richter, aber nicht akzeptiert. Die Leute in Sodom sagten: „Dieser will den Richter spielen, dieser Fremde.“ Er war nie akzeptiert, nie integriert, obwohl er bis zum Richteramt aufgestiegen war.
Immer tiefer geriet er in diese Stadt hinein. Als Gott schließlich Sodom zerstören wollte, musste Lot fliehen. Er ging, aber seine Frau war so sehr mit Sodom verbunden, dass sie zurückblickte. Sie hatte keine Kraft zu fliehen.
Sie verlor alles, und wurde von der Katastrophe getroffen, die vom Himmel kam. Lot verlor seine Frau deswegen.
Mit den Töchtern ging er weiter, doch die Töchter merkten bald, dass es schwierig werden würde, jemanden zu heiraten. So kam es zum Inzest.
Wir müssen uns anschauen, wie das geschah – eine Katastrophe, alles, weil Abraham damals nicht den Herrn gefragt hatte: Warum ist diese große Hungersnot? Wegen Lot? Nein, eins ergibt das andere.
Man könnte natürlich auch noch auf einen weiteren Punkt eingehen: In 1. Mose 13,10 steht: „gleich dem Garten des Herrn.“ Für Lot kam das paradiesisch vor.
Im Paradies gab es vier Flüsse, die von einer Quelle ausgingen, vom Bergland des Garten Edens. Dort entstand diese Quelle und daraus die vier Flüsse, wie in 1. Mose 2 beschrieben.
In der Ebene sind Oadis wie Numeira, Gomorra, Sodom, Adama, Zeboim und Zoar. Das erinnert irgendwie an den Garten Eden.
Aber den Garten Eden hatte Lot nie gesehen. Er gab es ja vor der Sintflut, und der Osteingang wurde von Cherubim bewacht, sodass niemand mehr zum Baum des Lebens gelangen konnte.
Die Geographie in 1. Mose 2 wird sehr detailliert beschrieben. Sie entspricht aber überhaupt nicht der Geographie, die wir heute irgendwo auf der Erde finden.
Natürlich kann man sagen, dass es dort noch einen Fluss gab, der Euphrat hieß, und einen anderen, der Tigris hieß, sowie zwei weitere. Auch nach der Sintflut gibt es Euphrat und Tigris.
Ja, natürlich, aber das sind nicht dieselben. Euphrat und Tigris entspringen nicht aus einer Quelle, sondern beide in der Türkei, aber nicht aus einer gemeinsamen Quelle. Und wo sind dann die beiden anderen Flüsse? Die gibt es heute gar nicht.
Die ganze Geographie in 1. Mose 2 passt nicht zur heutigen irdischen Geographie. Ein Kritiker könnte sagen, das sei nur ein Mythos. Nein, das ist vorsintflutlich.
Durch die Sintflut wurde die gesamte Topologie der Erde vollkommen verändert. Nebenbei gesagt: Bei der Flut brach auch der Superkontinent auseinander in die heutigen Kontinente.
Nach der Flut erinnerten sich die Menschen an die alte Welt. Das gab so etwas wie Heimweh, ähnlich wie diejenigen, die vor ein paar Hundert Jahren oder weniger nach Amerika gingen und sich an York erinnerten. So entstand New York.
Auch Zürich, Bern und Luzern gibt es dort drüben in Amerika. Das sind Heimweh-Namen.
So war das auch mit Euphrat, Tigris und anderen Bezeichnungen.
Darum will ich sagen: Lot wusste gar nicht, wie der Garten Eden ausgesehen hat. Er stellte es sich vor mit den vier Flüssen und hier mit vier Oadis. Die kommen zwar nicht aus einer Quelle, aber es erinnert irgendwie daran.
Diese fünf Oadis erinnern an die vier Flüsse. Man könnte sagen, das ist ein bisschen religiös, ein bisschen fromm, dieser Vergleich.
Aber was Lot gesehen hatte, sah aus wie das Land Ägypten, und das wurde ihm zum Verhängnis – dieser falsche Blick.
Von Abraham heißt es in Vers 12 – ich lese nochmals: 1. Mose 13,12: „Abraham wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom.“
Abraham wohnte im Land. Das ist ein schöner Ausdruck. Er war wirklich zu Hause, dort, wo Gott ihn haben wollte.
Das ist sehr wichtig: Wenn wir die Überzeugung haben, dass das der Ort ist, wo der Herr uns haben will, dann können wir auch Probleme besser ertragen. Wenn man weiß, man gehört hierher – auch in der Gemeinde: „Ich gehöre hierher, ich wohne hier.“
Das erinnert mich an den Ausdruck der sunamitischen Frau in 2. Könige. Elisa hatte Kontakt mit einem wohlhabenden Ehepaar, der sunamitischen Frau und ihrem Mann, und wollte ihr etwas Gutes tun, weil sie so Gutes für ihn getan hatte.
Er fragte sie: „Was könnte ich für dich tun? Soll ich zum König reden oder zum Heerobersten?“ Man nennt das heute „Vitamin B“. Er hatte den Draht zum König von Israel und zur Spitze der Armee.
Sie antwortete: „Nein, wenn nichts anderes.“
In 2. Könige 4,13b sagt sie: „Ich wohne inmitten meines Volkes.“
Sie brauchte keinen Draht zum König oder zum Heerobersten. Sie war im Volk Gottes zu Hause und hatte alles.
Diese Genügsamkeit, diese Zufriedenheit und Dankbarkeit wohnte im Land Israel.
Das ist nicht bei allen Gläubigen so. Ich weiß, was manche in der Gemeinde sagen können: „Ich wohne inmitten des Volkes Gottes.“ Es gibt manche Gläubige, die sind Randgänger oder Grenzgänger in der Gemeinde. Dann kommen sie wieder, dann nicht mehr.
Aber zu Hause sein – da braucht man kein Vitamin B.
Abraham wohnte im Land, aber Lot näherte sich der gefährlichen, unmoralischen und schrecklichen Stadt.
In Vers 12 habe ich mir in der Bibel eine Eins an den Rand geschrieben. Das ist das erste Stadium. Dann kommt das zweite Stadium in 1. Mose 14,12, wo er in Sodom wohnt. Und in 1. Mose 19,1 sitzt er am Tor von Sodom. Dort habe ich eine Drei notiert.
So findet man die Zusammenhänge auch viel schneller optisch.
Der Heilige Geist fügt an dieser Stelle hinzu, in Vers 13: „Und die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem Herrn.“
Hier wird gezeigt, dass Lot einen ganz gefährlichen Weg eingeschlagen hat. Er begibt sich richtig in den Rachen des brüllenden Löwen.
Der Teufel wird in 1. Petrus 5 mit einem brüllenden Löwen verglichen, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann.
Und tatsächlich geschah es: Die Frau wurde bildlich gesprochen verschlungen, und die Töchter wurden moralisch zerstört.
Die göttliche Trennung und die Verheissung Gottes an Abraham
Aber Abraham, Vers 14: Gott sagt ihm, nachdem er sich getrennt hatte – und das war eine göttliche Trennung. Ich glaube, ich habe gefragt, ob Trennung nicht immer falsch sei. Es gibt tatsächlich ganz falsche Trennungen. Wenn Geschwister, die gemeinsam auf biblischer Grundlage den Weg gehen, sich trennen, ist das unbiblisch.
Aber wenn man sich vom Bösen trennt, ist das etwas ganz anderes. Wo finden wir Kapitel im Neuen Testament, die von göttlicher Trennung sprechen? Zum Beispiel 1. Korinther 5, dort geht es um die Trennung von jemandem, der in schwere Sünde fällt, wie Unzucht, innerhalb der Gemeinde. Eine solche Person muss aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Das ist also eine Trennung von einer Person.
Es gibt aber auch Stellen, die von einer größeren Trennung sprechen. Zum Beispiel 2. Korinther 6. Wir können das nach der Pause noch genauer anschauen, aber schon mal in der Übersicht: In 2. Korinther 6 sagt Paulus, dass, wenn man als Gemeinde mit Nichtbekehrten, also Ungläubigen, zusammenlebt, man sich von ihnen absondern muss. Mit anderen Worten lehrt 2. Korinther 6 das Prinzip, dass es keine Volkskirche geben kann, wie es die Reformatoren hochhielten. Das ist nicht biblisch. Es gibt nur die Kirche der Gläubigen. Und 2. Korinther 6 fordert, dass sie sich trennen sollen.
Dann gibt es Hebräer 13. Dort sagt der Hebräerbrief, dass die messiasgläubigen Juden sich absondern sollen aus dem Lager. Damit meint er die Stadt Jerusalem mit dem Tempel. Sie sollen absondern, herausgehen außerhalb des Tores, dorthin, wo der Herr Jesus gelitten hat. Das heißt, die messiasgläubigen Juden damals im Jahr 62 sollten sich vom offiziellen Judentum, verbunden mit dem Tempel, trennen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt.
Acht Jahre später wurde die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht und der Tempel vernichtet – bis heute gibt es keinen Tempel mehr. Warum? Weil das ein Glaubenssystem war, in dem der Herr Jesus keinen Platz hatte.
Zum Beispiel ist die EKD, um ein konkretes Beispiel zu nennen, ein System geworden, in dem der Herr Jesus keinen Platz hat. Dort wird Bibelkritik als Basis gewählt, die Bibel wird nicht als Gottes Wort in ihrer Gesamtheit anerkannt. Ich spreche hier nicht von einzelnen Christen, die für die Wahrheit kämpfen, sondern vom System, das vollkommen verdorben ist – auch moralisch vollkommen verdorben. Dort haben der Herr und sein Wort keinen Platz. Da muss man hinausgehen, außerhalb des Tores.
Eine weitere wichtige Stelle ist 2. Timotheus 2, wo gelehrt wird, dass man sich von Irrlehren trennen muss. Es gibt also göttliche Trennungen. Wir werden uns nach der Pause noch einige Verse dazu anschauen.
Bevor wir in die Pause gehen, noch ein Hinweis: Der Herr sprach zu Abraham, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: „Erhebe doch deine Augen.“ Der Herr gibt ihm wieder Klarheit durch sein Wort, wie es vorher nicht war. Wenn wir gehorsam sind und göttliche Trennungen durchführen, wird uns das im Glauben weiterbringen. Das Wort wird uns noch mehr aufgehen und Freude wird geweckt werden.
Ich mache jetzt eine halbe Stunde Pause.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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