
Einführung in das dritte Buch Mose und Gottes Ruf
Wir kommen zum dritten Buch Mose, das in der hebräischen Bibel den Titel Vayikra trägt. Das Buch beginnt mit dem ersten Wort: „Vayikra el Mosche, vaydaber Adonai elav me’ohel moed“. Übersetzt bedeutet das: „Und er rief Mose, und der Herr sprach zu ihm aus dem Zelt der Zusammenkunft.“
Das ist ungewöhnlich. Meistens heißt es in den fünf Büchern Mose: „Gott sprach“ oder „Gott redete“. Hier jedoch heißt es: „Gott rief.“
Wir haben gesehen, dass am Ende des Buches Exodus (2. Mose) beschrieben wird, wie die Stiftshütte vollendet wurde und die Wolke der Herrlichkeit Gottes die Stiftshütte erfüllte. Gott wohnte unter seinem heimgekehrten Volk. Nun kommt aus der Stiftshütte, wie Vers 1 des dritten Buches Mose sagt, Gottes Ruf.
Wenn Gott ruft, hat das eine besondere Bedeutung. Auch in den Evangelien heißt es meist „Jesus sagte“ oder „Jesus sprach“. An einigen Stellen jedoch heißt es, dass der Herr Jesus rief oder sogar mit lauter Stimme rief. Diese Stellen müssen wir ganz besonders beachten, denn das hat eine wichtige Bedeutung.
Gott rief Mose aus der vollendeten Stiftshütte herbei, um ihm mitzuteilen, wie man ihn mit Opfern anbeten kann.
Die Bedeutung der Opfer und Heiligkeit im dritten Buch Mose
In den Kapiteln 1 bis 7 wird erklärt, welche verschiedenen Opfer es gibt, insbesondere die vier blutigen Opfer. Diese verweisen auf die vier Evangelien, denn jedes Blutopfer entspricht einem der Evangelien.
Darüber hinaus wird in diesem Buch erläutert, wie Israel für Gott ein heiliges Volk sein kann. Im Skript habe ich die Wörter „heiligen“, „heilig“, „Heiligtum“ und ähnliche Begriffe notiert. Diese kommen etwa 150 Mal in dem Buch vor. Die Grundbedeutung von „heilig“ ist „abgesondert“, also abgesondert vom Bösen.
Das macht deutlich: Dieses Buch ist das Buch der Gemeinschaft mit Gott. Gemeinschaft mit Gott können wir jedoch nur haben, wenn wir in unserem Leben immer wieder Ordnung schaffen und alles, was Sünde und Unreinheit ist, hinaustun. Dieser Aspekt wird in dem Buch besonders betont.
Der Unterschied zwischen „heilig“ und „unheilig“ wird zum Beispiel am Ende von 3. Mose 11 hervorgehoben, um klarzumachen, was das Heilige vom Unheiligen trennt. So ist dieses Buch das Buch der Gemeinschaft mit Gott. Hier wird auch die Bedeutung der Anbetung vorgestellt, die getrennt von allem Bösen stattfindet.
Es ist Gottes Ruf zur Begegnung mit ihm im Anschauen der Herrlichkeit Gottes und im stellvertretenden Opfer.
Der große Versöhnungstag und die Entstehung des Buches
Das ganz zentrale Kapitel im 3. Buch Mose ist 3. Mose 16, das Kapitel über den Yom Kippur. Dieser große Versöhnungstag findet einmal im Jahr im Herbst statt. An diesem Tag werden durch das Opfer oder durch die Opfer die Sünden Israels aus dem vergangenen Jahr abgeschafft.
Dieser Tag ist ein gewaltiger Hinweis auf das Opfer des Herrn Jesus. Am Ende von Sacharja Kapitel 3 wird gesagt, dass an einem Tag die Sünde abgeschafft wurde. Ebenso heißt es im Schluss des Hebräerbriefs Kapitel 9, dass die Sünde durch ein einziges Opfer beseitigt wurde. Auf genau dieses Ereignis weist der große Versöhnungstag hin.
Übrigens wurde das dritte Buch Mose innerhalb eines Monats verfasst, und zwar im Monat Nissan, auch Abib genannt – beides ist dasselbe. Der Auszug aus Ägypten fand im Monat Abib, am Passahfest, statt. Israel lagerte am Sinai, erhielt das Gesetz und baute die Stiftshütte. Dieser Prozess dauerte ein Jahr und wurde nach einem Jahr vollendet.
Genau im Monat Abib wurde das dritte Buch Mose inspiriert. Es erklärt, wie man als erlöstes Volk Gemeinschaft haben kann, in der Nähe Gottes bleibt und seine Herrlichkeit durch das Opfer anschauen darf.
Das vierte Buch Mose: Wandel und Treue in der Wüste
Das führt uns zum vierten Buch Mose. Im ersten Vers wird das Wort „be“ mit „bar“ erwähnt. „Be“ bedeutet übrigens „in“. Es ist jedoch kein eigenständiges Wort, das man alleine schreiben kann. Es muss immer an ein anderes Wort angehängt werden. Auf Hebräisch ist es nur ein Buchstabe. „Be“ mit „bar“ bedeutet „in der Wüste“. Genau dieses Buch beschreibt sehr ausführlich die insgesamt vierzigjährige Wüstenwanderung.
Dieses Buch zeigt das vielfältige Versagen des Volkes und im Gegensatz dazu Gottes große Treue. Es wird dargestellt, wie das erlöste Volk, das im zweiten Buch Mose berufen wurde, in Gemeinschaft mit Gott leben soll. Das dritte Buch Mose zeigt die Herausforderung, in der Treue zu Gott den Weg zu gehen.
Das vierte Buch Mose beschreibt den Wandel. Es zeigt, dass das, was wir in der Gemeinschaft mit Gott im Verborgenen erleben, sich im sichtbaren Leben auswirken muss. Gleichzeitig wird deutlich, wie das Volk in dieser Hinsicht oft versagt hat. Man kann sagen, es ist das Buch des Wandels in einer Welt voller ungünstiger Bedingungen.
Es zeigt die Würde der göttlichen Berufung. Das dritte Buch Mose verpflichtet zu einem würdigen Wandel mit Gott. Man könnte darüber schreiben: Noblesse oblige – Würde verpflichtet.
Der Aufruf zum würdigen Wandel im Neuen Testament
Das ist genau das, was wir auch in Epheser 4,1 finden. Nachdem in den Kapiteln 1 bis 3 von Epheser erklärt wird, was wir alles durch die Erlösung in dem Herrn Jesus haben, sagt der Apostel als Schlussfolgerung: „Ich ermahne euch nun zum würdigen Wandel.“
Ich zitiere: Epheser 4,1: „Ich ermahne euch nun“ – als Schlussfolgerung aus den Kapiteln 1 bis 3 – „ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.“
Also die Berufung haben wir in 3. Mose (Vayikra), und das würdige Wandeln dementsprechend im 4. Buch Mose.
Aber wir sehen eben, dass viele versagen. Dazu kann man auch Jakobus 3,1 schreiben. Denn wir alle straucheln oft, sagt sogar Jakobus. Er war ein Mann, der Treue und Hingabe an Gott zeigte und bekannt für seine Konsequenz in seinem persönlichen Leben war. Jakobus sagt: „Wir alle straucheln oft.“
Aufbau und zentrale Themen des vierten Buches Mose
Das vierte Buch Mose zeigt, wie der Herr uns trotz allem treu bleibt. Die Kapitel eins bis elf sind im Grunde eine Einleitung.
In meinen Vorträgen mache ich manchmal eine längere Einleitung, und das ist für mich sehr tröstlich. Denn auch in der Bibel gibt es immer wieder solche Einleitungen. Die Kapitel eins bis elf zeigen Gottes Hilfsmittel für eine erfolgreiche Reise.
Die Kapitel zwölf bis sechsunddreißig beschreiben dann die eigentliche Reise. Ein zentrales Kapitel ist dabei 4. Mose 19, das Opfer der roten jungen Kuh.
Es zeigt, wie man sich mitten in der Wüstenwanderung verunreinigen kann, aber auch, dass es eine Möglichkeit gibt, sich immer wieder neu reinigen zu lassen. Das Opfer der roten jungen Kuh spielt dabei eine ganz zentrale Rolle.
Verfügbarkeit weiterführender Vorträge und Überblick über die Bibelbücher
Übrigens gibt es zu fast allen Bibelbüchern detaillierte Vorträge von mir auf sermononline.de. Dort sind über 500 Vorträge verfügbar, die nicht auf meinem Kanal Roger Liby live zu finden sind.
Das sind also nochmals über 500 weitere Vorträge auf Sermon Online. Dort findet man zu fast allen Bibelbüchern Einleitungen und ausführliche Erklärungen. Zum Beispiel gibt es Vorträge zum Jom Kippur, 3. Mose 16, oder zum Opfer der roten jungen Kuh, 4. Mose 19.
Jetzt machen wir jedoch einen Drohnenflug und gehen deshalb schnell über die Themen hinweg. Mal sehen, wie weit wir heute kommen.
Das fünfte Buch Mose: Abschiedsreden und Vorbereitung auf das verheißene Land
Wir befinden uns bereits im Buch Fünfter Mose, wo im ersten Vers das Wort Hadwarim vorkommt. Dieses Wort passt wunderbar in den Kontext, denn im Fünften Mose sind wir am Ende der Wüstenwanderung angekommen. Israel lagerte am Fuß des Berges Nebo in den Gebieten Moabs, das heute jordanisches Gebiet ist. Genau dort, wo der Jordan in das Tote Meer mündet.
Interessanterweise ist dies auch der Ort, an dem Johannes der Täufer seine ersten Taufen vollzog. In Johannes 1 wird von Bethanien am Jordan gesprochen, das heute auf Arabisch „Kasr al-Yahud“ genannt wird.
An diesem Ort hielt Mose bei der letzten Aufstellung der Stiftshütte acht Abschiedsreden. Am Ende der Wüstenreise richtete Mose diese Reden an das Volk, um es auf die neue Situation im verheißenden Land vorzubereiten.
In einem Rückblick betonte er Gottes Gnade und Treue in der Vergangenheit. Dies sollte das Volk ermutigen, den Weg im Gehorsam gegenüber Gottes Wort weiterzugehen.
Im Schlussteil der Reden wird das zukünftige Versagen Israels detailliert prophezeit. Auch die Zerstreuung Israels unter alle Völker wird erwähnt (5. Mose 28,64).
Doch trotz allem wird durch Gottes große Gnade eine völlige Wiederherstellung Israels in der Endzeit verheißen.
Rückblick und Prüfung in der Wüste
In den Kapiteln 1 bis 4 des Buches wird ein Rückblick auf Israels Vergangenheit gegeben. Mose richtet sich an die neue Generation, die kurz nach seinem Tod, der am Ende des Buches beschrieben wird, unter der Führung Josuas in das verheißene Land ziehen wird. Er sagt ihnen: Schaut zurück, wie es war – vierzig Jahre Wüstenwanderung und wie oft ihr dem Herrn nicht treu wart, aber er ist treu geblieben.
Ein eindrückliches Beispiel dafür findet sich in 5. Mose 8. Dort heißt es: „Das ganze Gebot, das ich dir heute gebiete, sollt ihr halten und tun, damit ihr lebt, euch mehrt und hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das der Herr euren Vätern zugeschworen hat. Und du sollst dich an den ganzen Weg erinnern, denn der Herr, dein Gott, hat dich diese vierzig Jahre in der Wüste wandern lassen. Warum? Um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Und er demütigte dich und ließ dich hungern, und er speiste dich mit dem Manna, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht“ (5. Mose 8,1-3).
Der Herr wollte in diesen vierzig Jahren testen, was im Herzen der einzelnen Israeliten war. Auch wir gehen als Erlöste durchs Leben und werden durch vielfältige Herausforderungen geprüft. Dabei hören wir viele Stimmen, die uns in verschiedene Richtungen ziehen, die unsere bisherigen Erkenntnisse aus dem Wort Gottes relativieren oder in Frage stellen. Warum lässt der Herr das zu? Um zu prüfen, was in unserem Herzen ist.
Deshalb ist der Rückblick in den Kapiteln 1 bis 4 so wichtig. Er zeigt Gottes Treue trotz der Untreue seines Volkes. In den Kapiteln 5 bis 27 wird dann der Wille Gottes dargelegt. Hier wird erklärt, wie man die Gebote, die in der Wüstensituation galten, auf die neue Situation im Land übertragen muss.
Ab Kapitel 28 bis 34 folgen prophetische Ausblicke auf Israels Zukunft. Dort wird auch auf die drei Landverluste Israels hingewiesen, die in 5. Mose 28 beschrieben sind. Der erste Landverlust trat ein, als die zehn Stämme nach Assyrien deportiert wurden (5. Mose 28,25). Der zweite war die Wegführung nach Babylon zu einem anderen Volk (Vers 36). Der dritte Landverlust beschreibt die Zerstreuung unter alle Völker ab dem Jahr siebzig nach Christus (Vers 64).
Alle drei Landverlustflüche und die entsprechenden Kapitel zeigen jedoch auch, dass Gott in der Endzeit Israel wiederherstellen und seine Treue erweisen wird.
Das Buch des Gehorsams und die Versuchung Jesu in der Wüste
Warum gibt es all diese Landverlustflüche und weitere Flüche? Das fünfte Buch Mose ist das Buch des Gehorsams. Es betont immer wieder, dass wir Gottes Wort gehorsam sein müssen. Gehorsam bringt als Folge Segen, während Ungehorsam immer Fluch in unser Leben bringt.
Darum sind Wörter wie „Hören“ und „Gehorchen“ so wichtig. Auf Hebräisch heißt das Wort Schamma und kommt etwa fünfzig Mal vor. Ebenso wichtig sind „Beobachten“, „Bewahren“ oder „Halten“. Das Wort „Gebote halten“ heißt auf Hebräisch Shamar und kommt ebenfalls ungefähr fünfzig Mal vor.
Interessanterweise ist das fünfte Buch Mose das Buch des Gehorsams. Wenn wir in Matthäus 4 nachsehen, sehen wir, dass der Herr Jesus in der Wüste war. Am Ende von vierzig Tagen in der Wüste wurde er vom Satan versucht. Bei jeder Versuchung zitierte Jesus ein Bibelwort und wies damit den Satan mit seinen falschen Gedanken zurück. Jedes Mal stammt das Zitat aus dem fünften Buch Mose.
Der Herr blieb gehorsam, auch nach diesen vierzig Tagen in der Wüste, während Israel vierzig Jahre in der Wüste war.
Überblick über die ersten fünf Bücher Mose
Zur Abfolge der ersten fünf Bücher der Bibel:
Das erste Buch Mose betont die Verdorbenheit des Menschen durch die Sünde. Das zweite Buch Mose zeigt die Erlösung durch das Blut des Lammes.
Das dritte Buch Mose hebt die Gemeinschaft mit dem heiligen Gott in der Anbetung hervor. Das vierte Buch Mose thematisiert den Wandel in den Schwierigkeiten, Anfechtungen und Nöten des Lebens.
Das fünfte Buch Mose gibt Belehrungen über den Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Ganz entsprechend sagt der Herr Jesus in Johannes 14,21.23: Wer mich liebt, der hält meine Gebote, der hält mein Wort.
Das Buch Joshua: Erfüllung der Verheißungen und Landnahme
Kommen wir nun zum Buch Josua. Das Buch Josua ist die geschichtliche Fortsetzung der fünf Bücher Mose. Das fünfte Buch Mose führt das Volk Israel an den Eingang zum verheißenden Land. Es enthält acht Abschiedsreden Mose. Das Buch Josua beschreibt die darauf folgende Landnahme.
Somit schließt das Buch Josua die Bücher Mose ab und stellt zugleich den Beginn der langen Geschichte Israels in seinem Land dar. Man könnte sagen, das Buch Josua ist die Erfüllung all der Prophezeiungen in den fünf Büchern Mose, die das Land Kanaan für Israel verheißen.
Das beginnt bereits mit 1. Mose 12,7, dem Bundesschluss in Sichem. Dort sagt Gott: „Deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben.“ Das Buch Josua zeigt, dass dies geschehen ist und sich unter Josua erfüllt hat.
Man kann also sagen, das Buch Josua steht zu den fünf Büchern Mose in einem ähnlichen Verhältnis wie das Neue Testament zum Alten Testament. Im Alten Testament haben wir die Verheißung, im Neuen Testament die Erfüllung. Im fünften Buch Mose haben wir die Verheißung für Israel in Bezug auf das Land, im Buch Josua die Erfüllung.
Man könnte auch sagen, das Buch Josua ist das Buch des Sieges und des Überwindens. Zwar gibt es auch Versagen in diesem Buch, doch es ist geprägt von vielen gewaltigen Siegen unter Josua.
Die konkrete Besitznahme des Landes und geistliche Übertragung
Schon im Buch Fünfter Mose sagt Gott: „Ich habe euch das Land gegeben.“ Bevor die Israeliten ins Land hineingingen, wussten sie bereits, dass das Land ihnen gehörte. Es war ihr Besitz.
Das Buch Josua zeigt jedoch, besonders im ersten Kapitel, dass jede Fußsohle, die sie auf das Land setzten, mit den Worten bedacht wurde: „Euch habe ich es gegeben.“ Das bedeutet, dass sie das Land, obwohl es ihnen grundsätzlich gehörte, konkret in Besitz nehmen mussten. Erst dann konnten sie sich wirklich daran freuen und das Land genießen.
Interessant ist, dass man im Land Israel, insbesondere in der Nähe von Jericho in Agaman, Versammlungsstätten gefunden hat. Wenn man dort mit einer Drohne darüber fliegt – das haben wir so gemacht, nicht wahr, Elia? – sieht man einen Fußabdruck, der aus Steinen geformt ist. Von unten betrachtet sieht man das nicht so deutlich, aber von oben ist die Fußspur perfekt erkennbar.
Ähnliche Orte wurden auch auf dem Berg Ebal gefunden, wo der Josua-Altar wiederentdeckt wurde. Dieser Altar ist ebenfalls mit Steinen umgeben. Wenn man direkt am Altar steht, sieht man diese Formationen kaum. Erst wenn man ein Stück den Berg hinaufsteigt, erkennt man den Fußabdruck. Das entspricht genau dem, was in Josua 1 steht: „Jede Fußsohle, die er daraufsetzt, euch habe ich es gegeben.“
Für diejenigen, die im September mit nach Israel kommen, haben wir vor, nach Agaman zu gehen, um diesen Fußabdruck zu sehen, und auch zum Berg Ebal zum Josua-Altar. Dort befinden wir uns im militärischen Sperrgebiet Israels. Das wird sehr eindrücklich sein.
Diese Stellen zeigen also, dass man das Land konkret in Besitz nehmen muss, indem man den Fuß darauf setzt.
So ist es auch im Neuen Testament: In Epheser 1,3 heißt es, dass wir, die an den Herrn Jesus glauben und wiedergeboren sind, mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern gesegnet sind. Das ist einfach so.
Wenn man sich bekehrt und wiedergeboren wird, muss man nicht denken, dass man erst warten muss, um eine höhere Stufe zu erreichen oder weitere Segnungen zu bekommen, als ob es einen Aufstieg gäbe.
In 2. Petrus 1 wird gesagt, dass uns alles geschenkt worden ist – wirklich alles. Doch jetzt gilt es, die Bibel zu studieren und diese Dinge kennenzulernen. Das ist der erste Schritt. Dann muss man sie im Glauben annehmen und anfangen, sich daran zu freuen.
Wir müssen wegkommen von einem oberflächlichen Christentum, das sagt: „Ja, wir sind gesegnet mit allen Segnungen, fertig.“ Nein, wir müssen Detailisten werden, die sich mit den einzelnen Segnungen beschäftigen. Zum Beispiel mit denen, die im Epheserbrief Kapitel 1 bis 3 so ausführlich beschrieben werden, aber natürlich auch an anderen Stellen der Bibel.
So wachsen wir im Glauben. Nicht, indem wir von Stufe zu Stufe aufsteigen, sondern indem wir realisieren: „Das gehört uns, das gehört uns.“ Und wir können uns daran freuen.
Auf diese Weise lässt sich das Buch Josua wunderbar geistlich auf unser heutiges Leben übertragen.
Das Buch der Richter: Versagen und Gnade Gottes
Wir gehen nun weiter zum Buch der Richter. Es ist interessant, wie dieses Buch beginnt. Das Buch Josua beginnt mit den Worten: „Und es geschah nach dem Tod Moses, des Knechtes des Herrn, da sprach der Herr zu Josua.“ Man merkt, dass es mit „Und“ beginnt. Das zeigt, dass es direkt an das fünfte Buch Mose, also an die fünf Bücher Mose, anschließt.
Man könnte sagen, das hängt mit der hebräischen Grammatik zusammen. Dort beginnen Verben oft mit „und“. Wenn man liest: „Und Gott sprach“, „Und Gott sah“, dann liegt das vermutlich an den Verbformen im Hebräischen. Aber es ist nicht automatisch so. Das erste Buch Mose beginnt nicht mit „und“, sondern mit „Im Anfang schuf Gott...“. Denn es ist das erste Buch der Bibel.
Josua beginnt mit „Und“ und auch das Buch der Richter beginnt mit „Und“: „Und es geschah nach dem Tod Josuas.“ Man sieht also die Verbindung: Nach dem Tod von Mose, dann Josua, und nach dem Tod Josuas beginnt das Buch der Richter.
So ist das Buch der Richter direkt an das Buch Josua angeschlossen, das bereits zum hebräischen Kanon der Bibel gehörte. Damals wurde das nicht durch ein späteres Konzil entschieden. Im Judentum war es gar nicht nötig, ein Konzil einzuberufen. Es war klar, dass das Buch der Richter dazugehört.
Das Buch der Richter zeigt einen Kontrast: Josua ist das Buch des Sieges, Richter das Buch des Versagens. Im Verlauf der Geschichte von vierzehn Richtern, die beschrieben werden, fällt das Volk insgesamt siebenmal von Gott ab.
Ich habe hier die sieben Stellen aufgeführt, an denen der Refrain vorkommt, immer wieder mit den Worten: „Und das Volk fiel ab von dem Herrn.“ Das Volk fiel ab, fiel ab, fiel ab. So haben wir im Buch der Richter sieben Abfallgeschichten.
Ich habe mal in Deutschland in einem Vortrag über Abfall in der Endzeit gesprochen. Dabei meldete sich ein Kurde und fragte, ob das Wort „Abfall“ Müll bedeute. Ich erklärte, dass es nicht Müll bedeutet, sondern „Wegkommen von Gott und seinem Wort“. Natürlich kann man es auch als Müll verstehen.
Dieser siebenfache Abfall von Gott wird uns im Buch der Richter beschrieben. Doch wir sehen, wie Gott immer wieder Gnade schenkt, um eine Umkehr und Wiederherstellung zu ermöglichen. So kann man sagen: Das Buch der Richter ist das Buch, das überwältigend die Gnade Gottes vorstellt. Es zeigt, dass es einen Weg zurück gibt.
Manche Gläubige kommen in die Seelsorge und sagen: „Ich habe so oft versagt, jetzt kann der Herr nicht mehr.“ Hier sieht man, wie wichtig gesunde Lehre als Grundlage für Seelsorge ist. Seelsorge ist nicht so, dass jemand sagt: „Ich brauche jede Woche eine Stunde Seelsorge.“
Oft reicht es, wenn man kurz am Telefon ein Gespräch führt und vielleicht ein falscher Gedanke anhand des Wortes Gottes korrigiert wird. Dann ist das Problem gelöst. Man braucht nicht wie beim Psychiater jede Woche eine Stunde, die dann von der Krankenkasse bezahlt wird und das über Jahre.
Man kann nicht sagen: „Ich brauche jede Woche Seelsorge.“ Aber man kann sagen: „Ich brauche mal.“ Dann kann man schauen. Wichtig ist nicht, einfach nur zu reden, sondern herauszufinden, wo das Problem liegt, welches Gedankenproblem vorhanden ist, und was die Schrift dazu sagt. Dann wird es gelöst.
Wenn jemand denkt: „Der Herr vergibt mir nicht mehr“, dann liest man das Buch der Richter mit den siebenfachem Abfall und Untreue. Doch Gott schenkt immer wieder Gnade – aber nicht einfach so, sondern erst dann, wenn das Volk begann, zum Herrn zu schreien.
Dann sendet Gott einen Richter, um zu retten. Dieses Prinzip sehen wir immer wieder im Buch der Richter. In der Not schickt Gott eine Person, die hilft und unterstützt.
Darum haben wir hier eine wunderbare Illustration von Sprüche 24,16: „Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf, aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück.“ Das muss man im Köcher haben, wenn man Seelsorge macht und mit diesem Problem zu tun hat, das immer wiederkommt.
Es ist interessant, wie oft die gleichen Probleme in der Seelsorge auftauchen. Dieses Problem taucht immer wieder auf. Dann kann man erklären: „Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf.“ Sprüche 24,16 macht Mut.
Man muss nicht denken, jetzt sei es zu spät. Jedes Mal, wenn man wirklich umkehren will und dem Herrn reuig die Sache bekennt, gibt es auch Wiederherstellung. Das ist die Lehre, die wir aus dem Buch der Richter entnehmen können.
Das Modell der Stiftshütte und die Bedeutung der Wiederherstellung
Übrigens, Paul Kiene war ein Mann, der in meiner Jugend eine entscheidende Rolle spielte und meinen Dienst stark geprägt hat. Er hat dieses schöne Modell der Stiftshütte entworfen.
Meine Frau sagt, ich soll das nicht so sagen, denn ich behaupte immer wieder, dass es das Schönste ist, was es auf der ganzen Welt gibt. Sie entgegnet, ich kenne ja gar nicht alle Modelle, die es weltweit gibt. Das stimmt zwar, aber ich habe noch nie ein so schönes gesehen wie dieses – obwohl ich viele gesehen habe.
Paul Kiene hat das Buch „Das Heiligtum Gottes in der Wüste Sinai“ geschrieben. Es enthält wunderbare vierfarbige Bilder und Erklärungen, die sehr zu Herzen gehen. Für mich ist es das beste Buch zu diesem Thema. Vielleicht hat jemand in Singapur ein besseres Buch geschrieben, aber ich kenne es nicht, vor allem nicht auf Chinesisch.
Er hat beim Langlaufen immer wieder zitiert, wenn er gefallen ist. Typischerweise war es Sprüche 24,17: „Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf.“ Das kann man sich gut merken. Über das Buch der Richter schreibt Sprüche 24,16.
Das Buch Ruth: Treue in schwierigen Zeiten
Das führt uns zum Buch Ruth. In der hebräischen Bibel ist das Buch Ruth den Ketuvim zugeordnet. Das hat natürlich seinen Grund. Wenn wir noch einmal zurückblicken, sieht man in meiner Bibel, die die Bücher entsprechend ordnet, wie im Kodex Leningradensis, dem ältesten erhaltenen Kodex des gesamten Alten Testaments, dass unter den Ketuvim zuerst die Psalmen aufgeführt werden, dann Hiob, Sprüche, Ruth und Hohelied.
Sprüche, Ruth, Hohelied – womit endet das Buch der Sprüche? Mit einem starken Abschnitt für alle, die meinen, die Bibel unterdrücke Frauen. Dabei ist dies die Krönung des Weisheitsbuches Sprüche. Dort wird uns Frau Weisheit vorgestellt. Weisheit ist nämlich auch weiblich auf Hebräisch: Chochma, die Weisheit, nicht „der Weisheit“, sondern „die Weisheit“. Im Buch der Sprüche wird Weisheit wiederholt als eine Frau dargestellt.
Sprüche 31,10 bis zum Schluss umfasst 22 Verse. Der erste Vers dieser Serie, Vers 10, beginnt mit dem ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, der nächste Vers mit dem zweiten und so weiter bis zum letzten Buchstaben. Dort wird die tugendhafte Frau beschrieben, Eshet Chayil auf Hebräisch, die Frau der göttlichen Tugendhaftigkeit – die Frau nach Gottes Gedanken.
In Israel findet man oft wunderbare kalligraphische Darstellungen dieses Abschnitts auf Hebräisch. Besonders stark tritt am Anfang hervor: „Eshet Chayil“, die tugendhafte Frau. „Wer wird sie finden?“, wird dort gefragt. Und es ist eine verheiratete Frau.
Nun kommt das Buch Ruth, und dort geht es um eine Frau, die allein war. Sie kommt aus dem Heidenland Moab und möchte unbedingt nach Israel gehen. Sie sucht Zuflucht unter den Flügeln des Gottes Israels. Ihre Schwiegermutter sagt zu der verwitweten jungen Frau Ruth: „Schau, komm nicht mit mir nach Israel. Bleib hier, dann bekommst du wieder einen Mann und hast Ruhe. Suche Ruhe im Haus eines neuen Mannes, den du heiraten wirst.“ Ruth hat ihren Mann verloren, aber sie antwortet: „Nein, ich will mit dir nach Israel. Ich will zu dem lebendigen Gott und dort Zuflucht suchen.“
Das heißt also, es war ihr sehr wichtig, dort zu sein, wo Gott ist. Es war ihr egal, ob sie heiraten kann oder nicht. Die Frage des Heiratens war für sie nicht entscheidend.
Dann kommt sie, scheinbar zufällig, auf das Feld von Boas. Er sieht, was für eine Frau sie ist, und unterstützt sie. Er sagt: „Geh nicht auf ein anderes Feld, bleib hier! Ich sorge dafür, dass du von den jungen Männern hier nicht belästigt wirst.“ Er war älter als sie und nennt sie immer wieder „Bitti“, meine Tochter. Später kann er sagen: „Alle Leute hier wissen, dass du eine tüchtige Frau bist.“ Eshet Chayil – genau dieser Ausdruck.
Natürlich führt der Herr sie, und schließlich wird sie durch Umstände die Frau von Boas. Der Herr gibt ihr das, was sie nicht um jeden Preis haben wollte – aber was er ihr gibt, ist ein Segen.
So zeigt Sprüche 31 die verheiratete Frau. Vor kurzem sagte mir jemand: „In letzter Zeit haben wir in der Gemeinde viel über Verheiratete gesprochen. Was ist mit den Unverheirateten?“ Da ist das Buch Ruth!
Auf meinem Livestream gibt es eine ausführliche Serie nur über Ruth. Das Buch ist eine Perle! Die Geschichte Ruths „Zur Zeit der Richter“ ist wie eine Perle auf schwarzem Hintergrund. Das Buch Richter zeigt Untreue, Untreue, Untreue und Gottes Treue. Aber das Buch Ruth zeigt, wie in einer sehr schwierigen Zeit, in der die meisten nicht treu sind, eine treue Frau Ruth einfach das tun will, was der Herr will.
Es geht ihr nicht darum, um jeden Preis zu heiraten, sondern sie möchte den Herrn und dort sein, wo er ist. Und so wird sie gesegnet.
Die Geschichte von Ruth und Gottes Zucht
Ich lese mal vor: Das Buch Ruth zeigt, wie eine Familie aus dem Volk Gottes, die den von Gott angewiesenen Platz verlassen und gegen göttliche Verbote verstoßen hatte, unweigerlich unter Gottes Zucht kommen musste.
Elimelech und Noomi gingen mit ihren beiden Söhnen von Israel weg, weil es schwierig war. Es gab Hungersnot. So machen das manche: Wenn es in der Gemeinde Schwierigkeiten gibt, sagen sie, „Ja gut, dann gehe ich.“ Die Familie wohnte in Bethlehem, dem Haus des Brotes, und dort gab es zu wenig Nahrung. Das kann wirklich eine Gemeinde betreffen – Schwierigkeiten, Not. Die Leute sagen dann: „Ich kriege nicht mehr, was ich jetzt da kriegen sollte.“ Aber das ist eine Zucht des Herrn.
Sie gehen weg, der Mann stirbt, die beiden Söhne sterben, und dann bleibt Noomi mit ihren zwei Schwiegertöchtern zurück. Sie sagt: „Ihr müsst schauen, dass ihr heiratet, das ist ja das Wichtigste. Ich kann nicht mehr, ich bin zu alt.“ Orpa sagt schließlich: „Ja gut, dann mache ich es,“ und geht zurück zu den Götzen in ihrem Land. Aber Ruth sagt: „Nein, ich gehe mit dir.“
So wird gezeigt, wie diese Familie den von Gott angewiesenen Platz verlassen hatte und unter die Zucht Gottes kam. Auf der anderen Seite erzählt das Buch die Geschichte einer jungen Frau, die eine Heidin war und den wahren Gott nicht kannte. Doch weil sie sich von ihren falschen Göttern abwandte und ihr Herz ganz dem Gott Israels weihte, kam sie unter den gewaltigen Segen des Herrn.
Sie wurde im Volk Gottes aufgenommen, durfte eine glückliche Ehe mit Boas eingehen – in ihm ist Stärke – und wurde schließlich in Bethlehem Stammmutter des Königs David. Unglaublich! In Ruth 4 am Schluss wird der Stammbaum verdeutlicht, wie es auf König David zurückgeht.
Sie ist Stammmutter von David und damit Stammmutter des Herrn Jesus Christus, und zwar sowohl über die Königslinie von Joseph, dem Mann der Maria, als auch über die biologische Linie Marias (Matthäus 1 und Lukas 3). Das ist so gewaltig, dieses Buch.
Es heißt dort wirklich: Sie kam zufällig auf das Feld von Boas. Gibt es Zufall in der Bibel? Natürlich gibt es Zufall, aber nur subjektiven Zufall. Das heißt, wir Menschen sehen manchmal nicht, warum etwas geschehen ist, und wir erkennen nicht den Zusammenhang. Aber von Gott her gibt es keine Zufälle. Er hat seine Hand in unserem Leben.
Weil sie eben darum, sage ich, scheinbar subjektiv zufällig auf das Feld von Boas kam, wurde sie Stammmutter des Erlösers der Welt. Das ist gewaltig, so ist Gott.
Das werden wir heute Nachmittag im Zusammenhang mit dem Kolosserbrief noch ausführlicher sehen, im Zusammenhang mit Tychikus, der den Epheser- und den Kolosserbrief überbracht hatte. Sein Name bedeutet „Zufallstreffer“. Und er bringt den Brief, in dem es heißt, dass wir Erlöste von Gott von Ewigkeit her gewollt waren.
Ja, das ist eben Zufall und Notwendigkeit nach der Bibel.
Frauenfiguren im Alten Testament: Ruth und Esther im Vergleich
Noch etwas: Wir haben hier ein Buch, in dem eine Frau die Hauptperson ist. Im Alten Testament, ebenfalls in den Ketuvim, gibt es ein weiteres Buch mit einer Frau als Hauptfigur – das Buch Esther.
Vergleicht man diese beiden Frauenbücher, fallen einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf: Ruth war eine Heidin, Esther eine Jüdin. Ruth lebte durch freie Wahl im Land Israel; es war eine bewusste Entscheidung ihrerseits. Esther hingegen lebte aufgrund einer erzwungenen Wegführung in einem Land der Heiden.
Ruth heiratete einen Juden, Esther heiratete einen Heiden. Ruth hatte königliche Würde, denn sie heiratete einen Ahnen der Königslinie, Boas, auf den später David folgte. Esther hatte ebenfalls königliche Würde, da sie einen König heiratete.
Für Ruth war Gott wichtiger als ihr eigenes Leben – genauso war es bei Esther. Als es darum ging, Israel zu retten, sagte ihr Mordechai, ihr Adoptivvater: „Du musst zum König gehen.“ Doch das konnte bedeuten, dass der König ihr das Zepter nicht entgegenstreckte und sie sterben müsste. Schließlich entschied sich Esther, um das Volk zu retten: „Komme ich um, so komme ich um.“
Was für Frauen das sind, denen die Sache des Herrn am wichtigsten war! Für Esther war Gott wichtiger als ihr Leben.
Im Buch Ruth geht es um die Vorsehung Gottes, der über scheinbaren Zufall alles lenkt bis hin zum Erlöser. Im Buch Esther geht es ebenfalls um die Vorsehung Gottes, der alles bis zur letzten Minute führt, sodass Israel schließlich vor der Totalvernichtung bewahrt bleibt.
In beiden Büchern geht es um Rettung und Erlösung.
Beim Bibelstudium sind solche „Drohnenflüge“ notwendig, sonst sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. So erkennen wir den Zusammenhang.
Jetzt verstehen wir auch, warum in den Ketuvim zuerst die Sprüche mit der tugendhaften Frau, Eshet Chayil, stehen. Danach folgt das Buch Ruth, in dem eine leidende Frau zu Boas kommt. Boas ermutigt und fördert sie, weil diese Frau Potenzial hat. Er setzt sich für sie ein und sagt: „Du bist eine Eschet Chayil, das weiß jeder.“
Dann haben wir das Hohelied, in dem die Ehebeziehung als ideale, herrliche Beziehung zwischen Salomo und Sulamit dargestellt wird. Sulamit, Shulamit, wie man auf Hebräisch sagt, ist diese Eschet Chayil, der der Mann völlige Erfüllung schenken kann – so wie der Mann auch ihr.
Darum stehen in den Ketuvim Sprüche, Ruth und das Hohelied beieinander.
Die Samuelbücher: Übergang von der Richterzeit zur Königszeit
Ja, wir kommen nun zu Samuel. Wie gesagt, der erste und zweite Samuel waren ursprünglich ein Buch. Deshalb spreche ich jetzt einfach von den Samuel-Büchern, um nicht vom „Buch Samuel“ zu sprechen.
Die Samuel-Bücher zeigen den Übergang von der Richterzeit zur Zeit der Könige. Im Buch der Richter haben wir vierzehn Richter, davon eine Richterin, Deborah. Im Buch Samuel wird dann Eli als Richter nach Simson beschrieben, gefolgt vom letzten Richter, Samuel.
In den Samuel-Büchern wird erzählt, dass das Volk keine Gottesherrschaft mehr wollte. Sie wünschten sich dringend einen König, so wie die Heidenvölker. Sie verwarfen Gott und erhielten einen König, der sie in die Katastrophe führte. Gott hatte nach dem Auszug aus Ägypten zu Israel gesagt: „Ihr seid ein königliches Volk“ (2. Mose 19). Denn Gott war der König, und er wollte keine Könige über Israel einsetzen, sondern Richter.
Richter waren Leute, die bei Problemen die biblische Lehre erklärten und Seelsorge leisteten. Sie zeigten auf, was die Bibel zu einem Problem sagt. Das funktionierte aber nur so lange, wie das Volk sich der Bibel unterstellte. Das Buch der Richter macht deutlich, dass die meisten einen eigenen Weg gehen wollten. Als Refrain wird im Buch der Richter immer wieder gesagt: „Ein jeder tat, was recht war in seinen Augen.“
Sobald Relativismus in die Gemeinde kommt – so wie damals in Israel: „Ich sehe es so, du siehst es so“ – funktioniert Gottes Herrschaft nicht mehr. Und wenn das nicht durch einen König organisiert wird, bricht alles zusammen. Das haben sie erlebt.
Eine biblische Gemeinde funktioniert, solange alle den Wunsch haben, sich Gottes Wort unterzuordnen. Tun sie das nicht, dann bricht alles zusammen. Es sei denn, die Gemeinde ist durchorganisiert mit einem Vorstand und festen Kompetenzverteilungen, die unflexibel und menschlich streng geregelt sind. So kann man eine Gemeinde auch dann weiterführen, wenn sie eigentlich schon auseinanderfallen sollte.
Die Israeliten merkten also, dass es mit den Richtern nicht funktionierte. Sie wollten einen König, der denkt, und dem sie einfach folgen können, ohne selbst zu denken. Das funktionierte aber nicht.
Für Samuel war das sehr schlimm. Er sagte, es sei nicht sein Dienst, der vorbei sei, sondern Gott erklärte: „Nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sei.“ Daraufhin musste er ihnen Saul als König geben.
Saul war der ideale Mann nach den Vorstellungen der Menschen. Sie dachten, wenn der König ein starker Mann und ein Genie über dem Durchschnitt ist, kann er alle großen Probleme lösen. Doch die Pointe im Buch Samuel ist, dass das nur so lange gut ging, bis jemand kam, der noch größer war: Goliath von Gat, sechs Ellen und eine Spanne groß – fast drei Meter.
Saul war ein Gericht Gottes, wie es in Hosea 13,11 heißt, weil sie Gott als König verworfen hatten. Anfangs sah es gut aus, doch letztlich führte Saul Israel in einen Krieg gegen die Philister, in dem Israel katastrophal verlor. Viel Land ging verloren, selbst dort, wo sie zuvor fest standen.
So ist es auch für uns: Wenn wir nicht mit dem Herrn treu gehen, sondern eigene Wege gehen, kann es sein, dass wir das Licht verlieren, das wir früher hatten. Dieses Licht ist nicht nur Kopfwissen, sondern das, woran wir uns im Herzen erfreuen und was uns stärkt. Das ist so geschehen.
Doch danach erweckte Gott einen König nach seinen Gedanken: David. Von diesem König sollte der Messias abstammen, der in der Endzeit über die ganze Welt regieren wird.
David weist in seinem Leben als verworfener und später anerkannter König auf den Messias hin – auf Jesus. Jesus wurde zuerst von seinem Volk verworfen, als er zum ersten Mal kam. Doch am Ende der Tage, wenn er auf den Wolken des Himmels kommt, wird er als König anerkannt werden.
All dies wird in den Samuel-Büchern beschrieben. Gott zeigt: Wenn ein König, dann ein König nicht nach den Gedanken der Menschen. Er gibt David, einen Mann nach seinem Herzen.
David ist ein wunderbarer Hinweis auf den Herrn Jesus. Zuerst verworfen, vom König Saul verfolgt, doch ihm halten Leute in schweren Zeiten die Treue – so wie wir uns zu Jesus halten wollen, während er in dieser Welt verworfen ist.
Dann, wenn Jesus König sein wird, werden wir mit ihm seine Herrlichkeit teilen. Das wird in Samuel schön vorgedeutet.
Ich habe noch hinzugefügt, dass Davids Versagen schonungslos beschrieben wird. Warum? Um uns klarzumachen, dass nur Jesus vollkommen ist. Dieser Kontrast in Davids Leben ist wichtig, damit wir uns an Jesus klammern. Er ist der, der nie versagt und immer treu ist. Dieser Kontrast hat große Bedeutung.
Die Bücher der Könige: Vom Glanz Davids zum Untergang des Königreichs
Und nun kommen wir zum Buch der Könige. Die Bücher der Könige erzählen die Geschichte von den letzten Tagen Davids bis zum Untergang seiner Königsdynastie zur Zeit der Wegführung nach Babylon.
Gott versprach David in 2. Samuel 7, dass er seine Söhne, die ihm auf dem Königsthron folgen würden, züchtigen würde, wenn sie nicht gehorsam seien. Die Bücher der Könige zeigen nun, wie sich dies auf traurige Weise erfüllte.
Wir schlagen das entscheidende Kapitel 2. Samuel 7 auf. David sitzt vor dem Herrn in dem Zelt neben seinem Palast. Dieses Zelt wurde tatsächlich wieder ausgegraben; man fand die Überreste davon bei der Bundeslade. David sitzt hier vor dem Herrn, und der Herr gibt ihm durch den Propheten Nathan ein Wort. In Vers 12 heißt es: „Wenn deine Tage erfüllt sein werden und du bei deinen Vätern liegst, so werde ich deinen Nachkommen nach dir erwecken, der aus deinem Leib kommen soll, und ich werde sein Königtum befestigen. Er wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königtums befestigen in Ewigkeit. Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder. Aber meine Güte soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir weggetan habe.“
Das ist auch der Grund, warum Salomo so lange abweichen konnte und später wieder zurückfinden durfte. Im Rechenschaftsbericht seiner Rückkehr, den man im Buch Prediger findet, wird dies bestätigt. Weiter heißt es: „Und dein Haus und dein Königtum sollen vor dir beständig sein in Ewigkeit, dein Thron soll fest sein in Ewigkeit.“
Das Buch der Könige zeigt nun, wie die Nachkommen Davids, beginnend mit Salomo, versagten und Gott züchtigen musste. Die zwölf Stämme spalteten sich in zwei Königreiche: zehn Stämme im Norden und das Königreich im Süden mit Juda und Benjamin als Führung.
Ich lese weiter aus dem Skript: Die Bücher der Könige zeigen, wie sich dies auf traurige Weise erfüllte. Nach Salomos schwerem Versagen spaltete sich Israel in zwei Königreiche. Das Nordreich Israel gab sich ganz dem Götzendienst hin und ging schließlich unter, als das Volk nach Assyrien deportiert wurde.
Im Südreich Juda waren die meisten Könige untreu, doch es gab wunderbare Ausnahmen. Am Ende der letzten Serie untreuer Könige kam es zum Untergang des Königreiches und zur Wegführung nach Babylon. So endet das Buch der Könige.
Die Königsbücher betonen im Gegensatz zu den Büchern der Chronik die Verantwortung des Menschen und das Gericht Gottes. Die Bücher der Chronik hingegen heben die Gnade Gottes hervor.
Die Bücher der Chronika: Gnade und messianische Verheißungen
Das führt uns jetzt schon zum nächsten Buch, den Chronika, ursprünglich ein Buch. Ich habe bereits erklärt, dass zwischen Chronika und Samuel umfangreiche Parallelen im Zusammenhang mit der Geschichte Sauls und Davids bestehen.
Jetzt kommt noch etwas dazu: Auch die Bücher der Könige und der Chroniker erzählen große Abschnitte der Geschichte des Königreiches Juda parallel. Es gibt einige Parallelen im Alten Testament, auf die ich später noch zurückkomme.
Der Inhalt der Chronika zeigt uns die Geschichte von David über die Wegführung nach Babel bis zur Rückkehr aus der Gefangenschaft. Das haben wir in den Königsbüchern nicht; dort endet die Geschichte in Babylon. In Chronika hingegen endet sie mit der Heimkehr. Das ist ganz wichtig. Es gibt also viele Parallelen und doch Unterschiede.
Ich habe versucht, das so knapp darzustellen: Diese verschiedenen Berichte ergänzen einander genauso, wie sich die vier Evangelien im Neuen Testament ergänzen und vervollständigen. Samuel und Könige betonen zusammen mehr die Verantwortung des Menschen, während die Chronika mehr die Gnade Gottes hervorheben. Ferner stehen der Tempel und das messianische Königshaus Davids besonders im Mittelpunkt.
Hier muss man den Zusammenhang sehen: Wer hat Chronika geschrieben? Das wird uns im Judentum überliefert, im Traktat Baba Batra im Talmud. Es war Esra, derselbe Priester. Darum betont er das Priestertum so stark, aber auch das Königtum, um zu zeigen, dass es um die Gnade geht.
Davids Ehebruch und Mord werden von den Chronikern nicht erwähnt. Wie ist das möglich? Weil es um die Gnade geht, und David hier völlige Vergebung erlangt hat. Auch die schweren Sünden seiner Söhne Amnon, Absalom und Adonia werden nicht erwähnt. Ebenso fehlen der Abfall und die extreme Polygamie Salomos. Das ist kein Zufall.
Glücklicherweise haben wir im Neuen Testament nicht nur ein großes Evangelium, sondern vier: Matthäus zeigt uns den König, Markus den Kontrast, den Knecht, Lukas betont die Menschlichkeit des Herrn Jesus – der Arzt Lukas hebt die Menschlichkeit hervor – und das Johannes-Evangelium betont die Gottheit des Herrn Jesus als Kontrast dazu. Das ist so herrlich, wenn man das parallel liest.
So kann man übrigens, wie die Evangelien in parallelen Spalten, auch Samuel, Könige und Chroniker in parallelen Spalten studieren. Ich habe ein Buch, in dem alle Parallelen im Alten Testament zusammengestellt sind: Macbillot Bamikra. Das ist ein hebräisches Buch, das Parallelen in der Bibel zeigt. Dabei sind alle Texte in Spalten aufgeführt. Wo es einen kleinen Unterschied gibt, ist dieser im Wortlaut rot hervorgehoben, sodass man sofort sieht, wo die Unterschiede liegen. Man kann darüber nachdenken, warum es hier und dort so ist.
Ein Freund von mir möchte das Buch auf Deutsch herausbringen. Das wäre wirklich toll, wenn das so weit ist.
Weiter: Die Bücher der Chronika betonen den Tempel in Jerusalem und das Priestertum Levis sowie die messianische Stadt Jerusalem und das Königtum Davids aus dem Stamm Juda. Die Geschichte der zehn Stämme und ihres Königreiches wird weggelassen; sie kommt dort gar nicht vor. Es geht nur um die messianische Davids-Dynastie, die auf den Herrn Jesus hin ausgerichtet ist und auf sein Kommen.
Die Bücher der Chronika illustrieren die Wahrheit der messianischen Verheißungen Gottes an David in 1. Chronika 17. Das ist der Hammer: Wenn man das einmal verstanden hat, löst das gerade Probleme beim Bibellesen.
Viele meinen, 1. Chronika 17 sei dasselbe wie 2. Samuel 7. Das ist nicht so. In 2. Samuel 7 spricht Gott zu David und sagt ihm: Wenn deine Söhne ungehorsam sind, werde ich sie bestrafen. Dort geht es um Salomo und die weiteren Könige.
Aber in 1. Chronika 17, obwohl es das gleiche Ereignis beschreibt, hat Esra es so ausgewählt, dass herauskommt: Wenn Gott zu David über seinen Samen spricht, der auf seinem Thron sein wird, dann ist das nicht Salomo, sondern der Herr Jesus.
Darum muss man sagen: 2. Samuel 7 wird durch die Bücher der Könige illustriert, 1. Chronika 17 wird durch die Erfüllung in den Chronikabüchern dargestellt.
Dann haben wir noch die ersten neun Kapitel, bei denen viele Bibelleser verzweifeln, weil es viele Namen sind – ein Geschlechtsregister. Doch in diesen neun Kapiteln wird wie eine Strichzeichnung begonnen. Die Darstellung fängt mit Ausführungen an und endet plötzlich. Es soll quasi eine Tuschfederzeichnung sein, die an den Rändern ausläuft – ganz künstlerisch.
Diese neun Kapitel zeigen zunächst die Verwandtschaft der ganzen Menschheit. Es beginnt mit Adam, Seth, Enos, Kenan, Mahalalil usw., über Noah, Sem, Ham, Japheth. Dann wird gezeigt, wie aus dieser Linie von Sem schließlich Abraham und das Volk Israel hervorgehen.
Diese Kapitel erläutern den Platz Israels im Stammbaum der Menschheit als auserwähltes Volk. Dort werden die Stämme auch mit den Geschlechtsregistern beschrieben. Besondere Beachtung wird dem Königsstamm Juda und dem Stamm Levi geschenkt.
Warum? Weil es in Chronika um das Priestertum des Stammes Levi und um das Königtum von David geht, das auf den Messias hinführen sollte.
Die Bücher Ezra und Nehemiah: Rückkehr und geistliche Erweckung
Ha, wir kommen ja fast durch! Jetzt folgt Esra-Nehemia. Ich habe diese beiden Bücher zusammengefasst, weil sie ursprünglich auf einer Rolle geschrieben wurden.
Das Buch Esra zeigt in den Kapiteln 1 bis 6 Gottes Gnade, indem es die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft schildert. Die ersten Verse sind ganz parallel zum Schluss von 2. Chronik. Warum? Weil Esra sowohl den Chronik- als auch das Esra-Buch verfasst hat. Die Rückkehr wird in Chronik beschrieben, um zu zeigen, dass Gottes Gnade die Juden aus der Gefangenschaft nach Hause führte. Esra wiederholt dies in den Kapiteln 1 bis 6 und zeigt Gottes Gnade, indem der Altar und das Tempelhaus wieder aufgebaut werden konnten.
Durch den Wiederaufbau von Altar und Tempel konnte der Gottesdienst erneut eingerichtet werden. Dies führte zu massivem Widerstand durch die Feinde. Doch durch den treuen und ermutigenden Dienst der Propheten Haggai und Sacharja konnte der Tempelbau schließlich vollendet werden. So zeigt Esra diese Rückkehr und wie der Gottesdienst freudig neu eingerichtet wurde – alles durch Gottes Gnade.
Zwischen Kapitel 6 und 7 liegen 57 Jahre, scheinbar eine Lücke. Doch diese ist keine echte Lücke, denn in diese Zeit fällt das Buch Ester hinein. Darauf kommen wir gleich noch zurück.
Die Kapitel 7 bis 10 in Esra zeigen den treuen Dienst des Schriftgelehrten und Priesters Esra, der das Wort studierte, umsetzte und in Israel lehren wollte. Er beschreibt, was Jahre vor ihm als Neuanfang geschehen war und wie er von Persien nach Israel zurückkehrte, um dort ein Segen für das Volk Gottes zu sein.
Dieser Mann Esra ist sehr interessant. Er spricht immer wieder von der Hand Gottes, von der guten Hand Gottes, die über ihm war. Das tut dann Nehemia ihm gleich, wie wir im nächsten Buch sehen.
Ich lese Esra 7,10: „Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und den Israel Satzung und Recht zu lehren.“ Drei Dinge – eine Herzensentscheidung: Ich will dem Herrn treu sein. Das führt dazu: Ich will die Bibel studieren, ich will sie auch in meinem Leben umsetzen, und dann möchte ich das auch anderen weitergeben. Nicht zuerst weitergeben und dann selber umsetzen. Die Reihenfolge ist wichtig.
So konnte Esra, wie ich schon schrieb, eine Erweckung wieder auslösen. In seiner Zeit hatte die anfängliche Erweckung aus den Kapiteln 1 bis 6 einen tragischen Niedergang erlebt. Das passiert immer wieder. Man muss nicht verwundert sein, wenn nach zwanzig Jahren Gemeinde plötzlich eine große Krise kommt. Das ist ziemlich typisch in der Bibel. Kaum geht es länger als zwanzig Jahre gut, dann geht es oft bergab. Aber das ist nicht das Ende.
In dieser Zeit hatte die anfängliche Erweckung einen tragischen Niedergang erlebt. Esra trauerte tief, war erschüttert und setzte schließlich eine biblische Absonderung vom Bösen durch. So endet das Buch Esra.
Für Esra war es sehr wichtig, dass das Volk Gottes ganz auf die Bibel ausgerichtet sein muss. Die Bibel muss klar gelehrt werden. Einmal hat jemand auf der Suche nach einer biblischen Gemeinde geschrieben: „Was ich suche, ist eine Gemeinde, die sich nach Gottes Wort ausrichtet, es studiert, erklärt, lehrt, lebt und liebt.“ Sechs Punkte – und am Schluss noch ein Stab mit dreimal L. Das ist genau eine Esra-Gemeinde.
Schließlich zeigt das Buch Nehemia, wie die Hingabe eines Mannes an den Herrn zu einem gewaltigen Aufbruch führen kann. Nehemia motivierte das Volk zum Mauerbau. Das war nötig, um den Tempel und den Altar, die schon früher gebaut worden waren, zu schützen.
Es ist ganz wichtig: Wenn man Gemeinde aufbaut und Gottesdienst mit Abendmahl einrichtet und sagt, dass alle teilnehmen können, die wiedergeboren sind, dann kommen auch Leute, die sagen: „Ich bin wiedergeboren“ und nehmen das Abendmahl. Sie meinen, sie könnten das beurteilen, weil sie es erlebt haben. Doch mancher von ihnen lebt anders. Wir haben gesagt: „Nein, das geht nicht. Wir wollen zuerst ein Gespräch führen.“ Es geht um die Liebe, das war Nehemia ganz wichtig. Aber er wusste auch, dass jemand zu Hause seine Frau schlägt. Trotzdem konnte dieser Mann teilnehmen. Da fehlen die Mauern – und die braucht es auch.
Das Buch Nehemia zeigt, dass das Hauptanliegen der Wiederaufbau der Mauer war, um Tempel und Altar zu schützen. Trotz massivem Widerstand der Feinde gelang dieses Werk schließlich. Es gab starken Widerstand.
In dieser Zeit wirkte auch Esra, indem er das Wort Gottes erneut in den Mittelpunkt stellte. Durch Vorlesen und Erklären des Wortes Gottes kam es zu einer weiteren geistlichen Erweckung unter dem Volk Gottes. Schön, es war nicht das Ende.
Als es wieder zu einem geistlichen Niedergang kam, setzte Nehemia erneut eine Absonderung von allem Bösen durch. So endet das Buch Nehemia.
Das Buch Esther: Gottes verborgene Gegenwart und Vorsehung
Und jetzt noch in der gestreckten letzten Minute: Ja, ich denke da an Einsteins Dilatation der Zeit, da wird die Zeit so auseinandergezogen.
Das Buch Esther schildert die dramatische Geschichte von Hamans Versuch, das gesamte indische Volk im Perserreich, im Gebiet von Afrika bis nach Indien, vollständig zu vernichten. Durch die Treue und Hingabe von Esther und ihres Adoptivvaters Mordechai – der diese junge Frau gefördert und weitergebracht hat – wurde diese Katastrophe jedoch abgewendet. Es heißt, dass Esther immer auf Mordechai hörte. Darum konnte der Herr sie so gebrauchen.
Das Buch zeigt, wie Gott die Geschichte und den Zeitablauf bis ins kleinste Detail in seiner starken Hand hält. Es zeigt uns, dass wir nicht einem blinden Schicksal anvertraut sind. Ganz speziell erwähnt das Buch Esther Gottes Namen jedoch nicht ein einziges Mal. Weder Gott, Elohim, Yahweh, der Ewige, der Herr noch Adonai – nichts, nie.
Warum ist das so? Dies sollte die Wahrheit aus 5. Mose 32,20 illustrieren. Dort hat Gott durch Mose vorausgesagt: „Ich werde vor diesem Volk mein Angesicht verbergen.“ Gott hat sich also irgendwie zurückgenommen.
Martin Buber konnte ja vor den Nazis nach Amerika fliehen. Nach dem Krieg, nach der Nazizeit, hielt er Vorträge mit dem Titel „Gottes Finsternis“. Dieses Wort hat er selbst erfunden, abgeleitet von Sonnenfinsternis. Er sagt in diesen Vorträgen, dass wir heute in einer kalten Zeit des Atheismus und Agnostizismus leben, in der viele sagen, man könne nicht wissen, ob es Gott gibt. Viele Menschen haben das Gefühl: Wo ist Gott? Ich spüre Gott nicht.
Buber beschreibt, dass wir eine Zeit der Gottesfinsternis erleben, ähnlich wie bei der Sonnenfinsternis: Die Sonne ist da, aber sie wird verdunkelt. So erleben es viele Menschen in unserer Gesellschaft. Gott ist so weit weg – wo ist er? Das ist dieses Gericht aus 5. Mose 32,20. Gott hat sich zurückgezogen.
Doch auch in dieser Zeit erleben Menschen wie Mordechai und Esther und schließlich das Volk Israel im Ganzen, dass Gott da ist und handelt. Er hält die Zeit bis ins Detail in seiner Hand. Man muss das Buch noch einmal lesen, es ist so spannend. Ich habe es schon als Kind geliebt, dieses Buch Esther.
Dort wird klar: Gott hat alles in seiner Hand und führt alles wohl aus. Darum wird sein Name nicht erwähnt. Es ist, als ob man Gott nicht wahrnimmt, und trotzdem ist er überall da.
Abschluss: Vertrauen auf Gottes Führung in allen Lebenswegen
Also ganz nach Sprüche 3. Damit möchte ich enden, und die Ausführung ist damit abgeschlossen.
Sprüche 3, Vers 5: Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade.
Wie geht das, ihn auf allen Wegen zu erkennen? Man muss sein Leben betrachten und sehen, wie der Herr in der Vergangenheit geführt hat, wie er gehandelt hat, wie er plötzlich in einer Schwierigkeit eingegriffen und geholfen hat. Dann erkennt man: Der Herr ist da, obwohl wir ihn nie gesehen oder eine Vision gehabt haben.
Wenn wir mit Glaubensaugen hinschauen, erkennen wir, wie man im Buch Esther, in dem Gottes Name nicht genannt wird, dennoch sieht, wie Gott am Handeln ist.
Erkenne ihn auf allen deinen Wegen und an deine Verheißung, und er wird gerade machen deine Pfade.
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