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Das Evangelium Gottes

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 2/16
19.01.2025Römer 1,1-7
SERIE - Teil 2 / 16Wir betrachten den Römerbrief
Was steckt wirklich hinter dem Evangelium? Es hat göttliche Autorität, ist keine neue Erfindung, sondern tief in der Geschichte Gottes mit uns verwurzelt – schon Propheten kündigten es an. Es bringt Jesus, wahrer Mensch und Gott, und verändert radikal unser Leben, vereint Menschen über Grenzen hinweg und ruft uns zu einer neuen Lebensausrichtung. Wie kann das Evangelium in dir heute Freiheit und Veränderung bewirken?

Einführung in den Römerbrief und die Bedeutung des Evangeliums

Wir machen heute weiter im Brief des Apostels Paulus an die Römer. Ich lade uns ein, zur Textlese aufzustehen. Den Predigttext finden wir in Kapitel 1 des Römerbriefes, und wir lesen die Verse 1 bis 7, also Römer 1,1-7:

Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten, nämlich das Evangelium von seinem Sohn, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir Gnade und Aposteldienst empfangen, zum Glaubensgehorsam für seinen Namen unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi. An alle in Rom anwesenden Geliebten Gottes, an die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen!

Nehmt gerne Platz!

In diesen Einleitungsversen, die einschließlich Vers 17 im Römerbrief vorkommen, stellt sich Paulus vor. Das haben wir am letzten Sonntag gehört: Er nennt sich einen Knecht Jesu Christi. Das Wort „Knecht“ kann auch mit „Sklave“ übersetzt werden. Wir haben letzte Woche einen Kernsatz gelernt, der lautet: „Eines Menschen wahre Freiheit besteht darin, ein Sklave Christi zu werden.“ Wer dazu Fragen hat, kann sich die Predigt online noch einmal anhören.

Die Empfänger des Briefes, nachdem Paulus sich als Absender als Knecht Christi vorgestellt hat, finden wir in Vers 7. Er nennt sie die Geliebten Gottes. Sie stehen nicht nur unter der allgemeinen Liebe Gottes, wie jeder Mensch auf dieser Welt, sondern sie empfangen Gottes auserwählte, Gottes entschlossene Liebe. Der Römerbrief ist also ein Brief von einem Knecht Gottes an die Geliebten Gottes.

In diesen ersten sieben Versen ist jedoch weit mehr enthalten als das, was wir bisher gesagt haben. Deshalb heute Morgen noch einmal eine Predigt über die weiteren Wahrheiten, die uns in diesem Abschnitt begegnen.

Überhaupt hat der einleitende Abschnitt des Römerbriefes ein großes Thema. Das wichtigste Wort, das uns dort begegnet, ist das Wort „Evangelium“, was übersetzt „die gute Nachricht“ heißt. Es kommt in den ersten siebzehn Versen sechsmal vor. Es ist wichtig, weil es das Thema des gesamten Briefes setzt.

Der Römerbrief wurde geschrieben, um dieses großartige Evangelium Gottes weithin bekannt zu machen. Zum ersten Mal erwähnt Paulus es in Vers 1, er nennt es „Evangelium Gottes“. In Vers 2 geht er etwas näher darauf ein und erklärt, was dieses Evangelium ist. Es ist ein Evangelium, das „Gott zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten“, nämlich das Evangelium von seinem Sohn.

In Vers 9 nennt er es das Evangelium des Sohnes und sagt, er möchte dieses Evangelium predigen und verkündigen. In den Versen 15 und 17 spricht er erneut von seinem Eifer, dieses Evangelium verkünden zu wollen. Darum schreibt er: „Bin ich bereit, so viel an mir liegt, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen, denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen.“

Dann kommt er zu dem großartigen Ausruf, dass „der Gerechte aus Glauben leben wird.“ Mit anderen Worten: Gleich zu Beginn führt Paulus uns zu diesem großartigen Thema des Evangeliums. Und das nicht in einem Nebensatz, sondern immer und immer wieder spricht er davon.

Das soll auch das Ziel dieser Römerbriefbetrachtung sein: dass wir insgesamt ein richtiges, ein echtes, ein wahres Verständnis des Evangeliums von Jesus Christus bekommen und all das mehr und mehr verstehen, was darin impliziert ist. Das ist das Anliegen Gottes mit diesem Brief.

Die Autorität des Evangeliums

Und nun zurück zu den sieben Versen. Darin, so habe ich es gegliedert, lernen wir erstens, dass das Evangelium Autorität hat. Zweitens lernen wir, dass das Evangelium eine Geschichte hat. Und drittens lernen wir, dass das Evangelium uns radikal verändert.

Punkt Nummer eins: Das Evangelium hat Autorität. Es kommt zu den Römern nicht allein durch Paulus, den Knecht Jesu Christi, sondern auch durch Paulus, den berufenen Apostel (Römer 1,1). Paulus schreibt: „Knecht Jesu Christi“ – darüber haben wir letzten Sonntag gehört – „berufener Apostel“. Gott selbst, Jesus Christus, begegnete Paulus, damals Saulus, sichtbar und hörbar. Er berief ihn nicht nur in die Nachfolge Jesu, sondern auch zum Aposteldienst.

Das geschah damals auf dem Weg nach Damaskus, als Saulus die Christen verfolgen, töten, verschleppen und misshandeln wollte. Jesus Christus erschien ihm, er wurde auf den Boden geworfen und hörte die Stimme von Jesus: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Nicht nur erlebte er dort Christus für seine persönliche Nachfolge, sondern wir lesen im Kontext, Apostelgeschichte 9,16: „Denn ich werde ihm, Paulus, zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.“ Gleich bei seiner Bekehrung wurde Paulus vom Herrn Jesus Christus abgesondert zu einem besonderen Dienst, nämlich als Botschafter Gottes, der mit himmlischer Autorität versehen ist.

Ein Apostel ist ein Zeuge der Auferstehung Jesu Christi, der von Jesus selbst für das Apostelamt auserwählt und berufen wurde (Apostelgeschichte 1,15-16). Gott entschied, durch diese Apostel mit Autorität zu sprechen. Dies wird im Galaterbrief deutlich, in dem Paulus sein Apostelamt verteidigt. Zu Beginn betont er den göttlichen Ursprung seiner Berufung. Er schreibt: „Paulus, Apostel, nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat aus den Toten“ (Galater 1,1).

Danach verbindet Paulus das Wesen und die Autorität des Evangeliums mit diesem Apostelamt. Er schreibt weiter: „Ich lasse euch aber wissen, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von Menschen stammt. Ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi“ (Galater 1,11-12). Hier stellt er sich vor als berufener Apostel, von Jesus Christus selbst berufen und in dieses Amt eingesetzt, sodass das, was er sagt, in der Autorität Gottes als das Wort Gottes hier niedergeschrieben ist.

Das ist wichtig zu bedenken, denn es gibt Christen, die meinen, die Briefe der Apostel hätten nicht den gleichen Wert wie die Worte Jesu in den Evangelien. Das ist keineswegs der Fall. Paulus ist nicht allein Knecht, sondern auch Apostel, und zwar berufener Apostel.

Welche Bedeutung dies hat, macht er auch in seinem Brief an die Thessalonicher klar. Er schreibt dort in Kapitel 2, Vers 13: „Darum danken wir auch Gott unablässig, dass ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort.“

Mit anderen Worten sagt Paulus den Lesern und auch uns heute Morgen hier: Was ich hier schreibe, ist nicht meine persönliche Meinung, es sind nicht meine privaten Gedanken, auch nicht meine jahrelange Erfahrung, die mich zu diesen Schlüssen brachte. Das, was ich euch schreibe, ist das Wort Gottes.

Das hat nicht nur Bedeutung damals, sondern ist auch wichtig für uns heute, zu verstehen, anzunehmen und uns vor Augen zu malen. Denn wenn das so ist, dann haben wir mit diesem Buch, mit diesem Römerbrief, über den wir in den nächsten Monaten, Jahren und Jahrzehnten – nein, keine Angst, sprechen werden – es mit dem Wort Gottes zu tun.

Damit verbunden ist ein absoluter Wahrheitsanspruch. Studenten unter uns kennen das: Auch wenn wir die gesellschaftlichen Entwicklungen verfolgen, ist es uns bekannt. Der Mensch von heute tut sich schwer mit absoluter Wahrheit. Der Relativismus bestreitet sie. Er argumentiert, die Existenz einer absoluten Wahrheit sei nicht gegeben. Wahrheit sei immer von Kontexten wie Kultur, Gesellschaft oder individuellem Standpunkt abhängig.

Die Postmoderne leugnet die Existenz einer objektiven, absoluten Wahrheit und legt Wert auf die Vielfalt von Perspektiven. Man sagt: Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Nach dieser Sichtweise ist Wahrheit oft ein soziales Konstrukt, das durch Machtstrukturen beeinflusst wird.

Das zeigt sich zum Beispiel im sogenannten Selbstbestimmungsgesetz, das seit November 2024 in Deutschland in Kraft getreten ist. Demnach kann durch eine einfache Erklärung gegenüber dem Standesamt jedes Jahr neu der Geschlechtseintrag einer Person geändert werden, weil es die subjektive Wahrnehmung ist, die ein Individuum empfindet. Und weil wir die objektive Wahrheit ablehnen.

In dieser Woche berichtete mir mein Sohn, aus seiner Vorlesung an der Uni kommend, dass der Professor die Studenten unterrichtet hat, es gäbe keine Wahrheit. Sie sei variabel und werde von jedem Einzelnen definiert. Sie ändere sich auch im Laufe der Zeit. Eine Zeit lang habe man schließlich geglaubt, die Erde sei eine Scheibe, heute glaubt man, sie sei rund, und morgen vielleicht etwas anderes. Aber in der jeweiligen Zeit war es dann eine begrenzte Wahrheit, keine absolute Wahrheit.

Er brachte auch das Beispiel von einer Frau, die glaubt, dass alle Menschen schwanger seien. Der Professor bestätigte, dass dies wahr sei, weil es für die Frau wahr ist. Deshalb sei es eben wahr, dass alle Menschen schwanger sind.

Auf die Frage, ob es eine objektive Wahrheit gibt, wich der Professor zunächst aus. Erst nach dreimaligem Nachfragen verneinte er und sagte tatsächlich: Es gibt keine objektive Wahrheit.

Mit solch einem Satz wird man Opfer seiner eigenen Theorie, denn wenn es keine objektive Wahrheit gibt, dann ist der Satz „Es gibt keine objektive Wahrheit“ auch nicht wahr.

Mein Sohn ergänzte bei mir am Tisch schmunzelnd und sagte: In der nächsten Vorlesung tanze ich auf den Tischen. Ich fragte: Warum? Er antwortete: Dann wird er sagen, setzen Sie sich, und dann werde ich sagen, ich sitze doch. Das ist meine individuelle Wahrnehmung.

Der Mensch fühlt sich unwohl bei dem Gedanken an eine objektive Wahrheit. Wir wollen es nicht ins Lächerliche ziehen, wir wollen das ernst nehmen. Das ist eine ernste Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft, und es ist traurig: Der Mensch lehnt objektive Wahrheit ab.

Warum? Weil es dann eine Definition für sie geben müsste, die von jemandem aufgestellt wird. Und dies führt zwangsläufig zu Gott. Aber ihm wollen wir uns nicht unterordnen. Es besteht die Angst, dass durch eine objektive Wahrheit die Freiheit eingeschränkt wird und wir nicht mehr tun können, was wir wollen.

Aber die Bibel lehrt uns, dass Gottes Wort und Gott selbst objektive Wahrheit sind. Sie sind der Kompass und die Norm, nicht nur unseres Glaubens, sondern auch unserer Ethik. Sie führen uns zur Wahrheit.

Jesus sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen“ (Johannes 8,31-32). Er sagt: „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit und ich bin das Leben“ (Johannes 14,6).

Paulus macht gleich zu Beginn des Briefes deutlich: „Ich bin ein Apostel, berufen von Gott selbst, und habe eine Botschaft von Gott an euch. Es ist die Wahrheit, sie verändert euer Leben, euer Denken, eure Zukunft in Ewigkeit.“

Er bringt hier nicht die Meinung einer Kirche, er bringt hier auch nicht die Meinung einer Glaubensgemeinschaft. Es ist auch nicht seine individuelle Auffassung oder das Ergebnis einer privaten mystischen Begegnung mit Gott. Er sagt: Nein, das ist Gottes Wort für dich, das ist die frohe Botschaft des Herrn für dich.

Wir müssen das Evangelium annehmen, nicht weil wir denken, dass es gut für uns sei, sondern schlicht, weil es die Wahrheit ist. Es ist nicht eine von vielen Optionen, es ist die einzige Wahrheit, wie Gott sich rettend über den Sünder erbarmt.

Wenn es abgelehnt wird, bedeutet es ewige Verdammnis. Wenn es angenommen wird, bedeutet es ewige Glückseligkeit.

In unserem pluralistischen, relativistischen, postmodernen Zeitalter wirft Paulus das Evangelium Gottes in den Ring und sagt: Schau, das ist Gottes Botschaft für dich. Es gibt nur einen Weg, ein Evangelium, eine Hoffnung, eine Wahrheit, einen Herrn.

Glaub an Jesus Christus und nimm das Evangelium an, und du wirst frei durch die Wahrheit, die du darin findest.

Amen, Halleluja!

Die geschichtliche Verankerung des Evangeliums

Das Evangelium ist also erstens mit Autorität versehen. Zweitens lernen wir in den ersten sieben Versen auch, dass das Evangelium eine Geschichte hat. Paulus schreibt weiter, schauen wir hinein: Vers 1 und 2 – Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor verheissen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten.

So neu das Evangelium auch schien, als es damals auftrat, war es dennoch keine Neuheit. Im Gegenteil: Es war das Ziel, auf das alle früheren Offenbarungen Gottes hinwirkten, schon während der Zeit des Alten Testamentes. Deswegen schreibt Paulus, es ist das Evangelium, das Gott zuvor verheissen hat in heiligen Schriften – das sind die alttestamentlichen Bücher und die Propheten. Die Apostel bestätigen das immer wieder im Neuen Testament.

Es ist hier nichts Neuerfundenes, sondern es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Heilsgeschichte hindurch – dieses Evangelium, das Paulus gleich zu Beginn so wichtig ist. Keine neue Erfindung, sondern Paulus führt es zurück auf den Beginn der Heilsgeschichte. Und nicht nur er tut das: In fast allen Predigten der Apostel finden wir diese Bezüge zum Alten Testament.

Paulus selbst erklärt in seiner ersten aufgezeichneten Predigt, die wir vor uns haben, in Apostelgeschichte 13, dass Jesus ein Nachkomme Davids ist und dass alles, was er auf Erden tat, eine Erfüllung der Propheten ist. Er zitiert dort Psalm 2, Vers 7, um zu zeigen, dass Jesus Gott ist: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“

In Thessalonich predigte Paulus das Evangelium, und in seiner Predigt machte er klar: Das ist nicht insofern neu, als dass es zum ersten Mal erscheint. Nein, ihr lieben jüdischen Mitbrüder, die ich hier in der Synagoge besuche und euch unterweise, ich erkläre euch, dass das Evangelium seine Wurzeln schon bei den Propheten hat. Es heißt dort in Apostelgeschichte 17: „Paulus aber ging nach seiner Gewohnheit zu ihnen hinein und redete an drei Sabbaten mit ihnen aufgrund der Schriften, in dem er erläuterte und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste.“

Beim Studium des Römerbriefes in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren ist es wichtig für uns, nicht zu vergessen, dass es eine Botschaft mit Autorität von Gott ist. Aber diese Botschaft kam nicht mit Paulus auf, sondern ist in der Geschichte verankert.

Philippus machte dem Kämmerer aus Ägypten deutlich, dass Christus das Evangelium des Heils schon im Propheten Jesaja zu finden ist. Er zitiert Jesaja 53: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht auftut. Infolge von Drangsal und Gericht wurde er weggenommen. Wer aber will sein Geschlecht beschreiben? Denn er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen. Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.“

Philippus erklärt dem Kämmerer, nachdem er ihn fragte: „Verstehst du das, was du da liest?“ und erläutert ihm das Evangelium von Jesus Christus, verwurzelt in den Propheten des alten Bundes.

In seiner Pfingstpredigt steht Petrus auf. Mehrfach zitiert er das Alte Testament und macht ebenfalls klar, dass das Evangelium der Gnade eine Geschichte hat. Fast die Hälfte seiner Predigt waren Zitate aus dem Alten Testament: Joel 2, Psalm 16, später predigte er aus Psalm 118, Jesaja 8 und Jesaja 28.

Woher hatten die Apostel diese wichtige alttestamentliche Herangehensweise an das Evangelium? Wieso schreibt Paulus auch hier wieder „ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor verheissen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten“ schon damals? Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Apostel waren Schüler Jesu Christi. Sie haben es von ihrem Meister selbst gelernt.

Denn was sagte er den verstörten Emmausjüngern? Auf dem Weg nach Emmaus, nachdem sie traurig waren, dass ihr Christus gekreuzigt wurde, sprach er zu ihnen: „O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.

Schau mal, das Evangelium ist kostbar. Es ist keine Luftnummer, sondern tief verankert in der Geschichte unseres Planeten. Es ist Gottes Wahrheit.

Warum lieben die Amerikaner die alten Burgen in Deutschland? Weil sie schon seit Jahrhunderten stehen, und sie sind neidisch darauf, dass sie nicht solche alten Häuser haben. Denn etwas Festes und Altes ist bewundernswert, was über Jahrtausende Bestand hat. So ist es mit dem Evangelium noch viel mehr, denn es hat seinen Ursprung bei Gott vor aller Ewigkeit.

Das Evangelium ist eine gute Nachricht, aber nicht nur das, sondern es ist die gute Nachricht, die Gott von Anfang an der Menschheit verkündigt hat. Von Anfang an, vom ersten Mose 3,15 an, wo das Evangelium angekündigt wird, dass der Nachfahre der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Am Kreuz von Golgatha wird das geschehen.

Bis Maleachi 3,24, der letzte Vers im Alten Testament, wo Elia als Vorläufer Christi angesprochen wird.

Ihr Lieben, das ist der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Alten Testamentes. Es ist der Schlüssel. Das Evangelium ist der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Neuen Testamentes. Das Evangelium, das Paulus so wichtig ist und über das wir in den nächsten Wochen detailliert sprechen werden, ist auch der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Geschichte dieser Welt: Gott rettet Menschen durch das Werk seines Sohnes Jesus Christus, das er zuvor verheissen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten.

Was für ein kostbares Evangelium!

Die zentrale Rolle des Sohnes im Evangelium

Und dann fährt er fort, dass es im Evangelium vor allem um den Sohn Gottes geht (Vers 2), den er zuvor in den Heiligen Schriften durch seine Propheten verheißen hat (Vers 3). Es handelt sich nämlich um das Evangelium von seinem Sohn.

Es ist die gute Nachricht vom Sohn Gottes, die eine großartige Bedeutung hat. Im Mittelpunkt steht Christus und sein Erlösungsplan, der in der Person und im Werk Christi offenbart ist. Diese Botschaft müssen wir auch heute hören.

Das Evangelium erklärt uns, dass wir alle unter der gerechten Verurteilung Gottes stehen, weil wir alle gesündigt haben und an Adams ursprünglicher Rebellion beteiligt waren. Doch Gott hat in seiner Barmherzigkeit und Gnade seinen Sohn gesandt, damit dieser an unserer Stelle stirbt. So können wir durch Christus zur Gerechtigkeit Gottes werden.

Das Evangelium beginnt nicht mit unserer Reaktion, sondern bei Gott. Deshalb beginnt auch Paulus mit der Aussage, dass das Evangelium ein Evangelium Gottes und ein Evangelium seines Sohnes ist.

Dieser Sohn wird uns hier in Vers 3 beschrieben. Er ist nämlich sowohl wahrer Mensch als auch wahrer Gott. Er ist wahrer Mensch (Vers 3), denn er ist hervorgegangen aus dem Samen Davids nach dem Fleisch. Gleichzeitig ist er wahrer Gott, denn er ist, wie in Vers 4 beschrieben, erwiesen als Sohn Gottes in Kraft, nach dem Geist der Heiligkeit, durch die Auferstehung von den Toten: Jesus Christus, unser Herr.

Das Evangelium bringt uns Jesus nahe – wahrer Mensch und wahrer Gott –, der die Herrlichkeit des Himmels verließ, sich erniedrigte und Mensch wurde, um für unsere Schuld zu sterben.

Die radikale Veränderung durch das Evangelium

Das Evangelium hat also Autorität und Geschichte, verankert in den Propheten. Und drittens verändert das Evangelium unser Leben.

In den Versen 5 bis 7 heißt es: „Durch welchen wir Gnade und Aposteldienst empfangen haben, zum Glaubensgehorsam für seinen Namen unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi. An alle in Rom anwesenden Geliebten Gottes, an die Berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“

Zum Ende dieses Abschnitts wird deutlich, wie radikal das Evangelium unser Leben verändert. Es lässt keinen Stein auf dem anderen, nichts bleibt, wie es war. Wenn du Jesus Christus annimmst, ändert sich dein Blick auf dich selbst. Es verändert dein Selbstverständnis, deine Selbstwahrnehmung – es verändert dich und mich rigoros.

Wir müssen verstehen, dass das Evangelium von Jesus Christus kein kleines Sahnehäubchen auf einer großen Torte ist, kein kleiner Zusatz, der mal da ist oder auch nicht. Nein, das Evangelium ist viel mehr. Es verwandelt dich, durchdringt dein Denken, deine Werte, deine Prioritäten, deinen Blick auf die Welt, deine Zukunft, deine Hoffnung, dein Investment, deinen Charakter und deine Freuden.

Vier Dinge, die sich durch das Evangelium verändern, benennt der Apostel hier in den letzten Versen.

Das eine ist, dass das Evangelium sowohl Juden als auch Nichtjuden vereint. Es schließt Freie ebenso ein wie Sklaven. In Vers 5 heißt es: „Durch welchen wir Gnade und Aposteldienst empfangen haben zum Glaubensgehorsam für seinen Namen unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid.“

Das ist ein Wunder. Gott vollbringt im Evangelium ein großes Werk, um Juden und Heiden, Israel und die Nationen in eine Gemeinschaft zu führen. Das ist radikal anders als das, was uns die natürliche Welt zeigt und vorlebt. Durch das Evangelium und den Glauben an Jesus Christus werden wir vereint, Teil eines gemeinsamen Leibes.

Es verändert die Art und Weise, wie wir einander betrachten. An diesem Tag wird uns besonders bewusst, wie es um das Leben der Geiseln im Gazastreifen steht. Die ganze Welt hält den Atem an und hofft auf ihre Freilassung. Wie kann es sein, dass Juden und Araber jemals Frieden miteinander schließen? Die Antwort liegt im Evangelium, in Jesus Christus allein.

Ich erinnere mich an eine Missionsreise mit Frank nach Israel zu unserem lieben Bruder Zadok. Er setzte uns ins Auto, und wir fuhren ins Westjordanland, nach Bethlehem, palästinensisches Gebiet. Wir waren fast in der zivilen Verwaltung und mussten durch mehrere Checkpoints. Er führte uns in eine kleine Kirche, wo gläubige Araber versammelt waren. Nicht nur wir, die Heiden aus Hamburg, die zu Christus gefunden hatten, fielen ihnen um den Hals, sondern auch unser jüdischer Christ David Zadok.

Wir umarmten uns, hatten Gemeinschaft in Jesus Christus, beteten zusammen, sangen zusammen. Wir waren Brüder und Schwestern – und sind es bis heute. Das Evangelium verändert radikal. Es macht möglich, was für Menschen unmöglich ist.

Er schreibt: „Durch welchen wir Gnade und Aposteldienst empfangen haben zum Glaubensgehorsam für seinen Namen unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid.“ Damit sind auch Araber und Deutsche eingeschlossen.

Noch etwas ändert sich radikal durch das Evangelium. Nicht nur Paulus hat einen Ruf bekommen. Sein Ruf war ein besonderer zum Aposteldienst, den wir nicht erhalten werden. Aber derselbe Herr und Meister, der ihn in die Nachfolge berief, derselbe Jesus Christus, der am See Genezareth einen Jünger nach dem anderen mit Namen rief, derselbe Jesus Christus, der unter dem Maulbeerbaum stand und nach oben schaute und sagte: „Zachäus, steig herab, noch heute will ich in dein Haus einkehren“, kam auch zu deinem Baum und rief deinen Namen.

Kannst du dich erinnern? Denn was schreibt Paulus hier in Vers 6? „Unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi.“

Was für eine Veränderung: Einst ein Feind, einst in Feindschaft mit Christus lebend, einst nichts von ihm wissen wollend, kam er in voller Gnade und Barmherzigkeit und berief dich. Er rief dich, machte seine Erwählung, die er vor Grundlegung der Welt im ewigen Ratschluss Gottes festgemacht und festgehalten hat. Er rief dich bei deinem Namen, und der Ruf des Evangeliums drang zu deinem Herzen durch.

Wenn du damals oder vor kurzem auf dieses Evangelium im Glauben reagiert hast, als dir das Wort verkündigt wurde, dann hast du Jesus selbst durch sein Wort zu dir sprechen hören. Er rief dich in eine Beziehung zu sich selbst. Du bist von Christus gerufen, berufen. Was für eine radikale Veränderung!

Eine Frage: Betrachtest du dich auch so? Hast du das verinnerlicht? Du bist von Jesus berufen. Halleluja!

Die dritte radikale Veränderung, von der wir letzten Sonntag gehört haben, möchte ich hier nicht überspringen. Du bist auch was? Geliebt.

Ihr habt den Text vor euch, oder? Vers 7: „An alle in Rom Anwesenden, Geliebten Gottes, an die Berufenen Heiligen.“

Wie wichtig muss das für die römischen Christen gewesen sein! Sie wurden von der Welt um sie herum gehasst, viele von ihnen starben aufgrund ihres Glaubens und Bekenntnisses zu Jesus Christus. Man grenzte sie aus, hielt sie für eine Sekte, beschuldigte sie zu Unrecht. Sie wurden von den Zeitgenossen gehasst. Aber Paulus sagt, dass auch sie von Gott geliebt sind. Ihr seid vom himmlischen Vater geliebt, auch wenn die Welt euch hasst.

Das ist die Wahrheit auch für dich, du Kind Gottes heute: Du bist von Gott geliebt. Das Evangelium von Jesus Christus macht aus dir eine Person, die unter der Gunst des Vaters lebt. Nimm das mit – auch das ist eine radikale Veränderung.

Und zum Schluss die vierte Veränderung, die Paulus hier anspricht. Er schreibt: „An alle in Rom anwesenden Geliebten Gottes, an die Berufenen Heiligen.“

Ihr seid von Gott geliebt, ihr seid als Heilige berufen. Eure Marschrichtung ist jetzt eine andere. Ihr macht nicht mehr denselben Fehler wie vorher, sondern euer Charakter und euer Wandel werden aufgrund und als Folge des Evangeliums verändert.

Ihr werdet nicht durch eure Veränderung zu Nachfolgern Christi, sondern die Berufung zum Nachfolger macht euch im Herzen neu. Der Glaube verändert nicht allein, wer wir sind, sondern auch, wozu wir da sind.

„Ihr seid jetzt Heilige“, sagt Paulus. Ihr seid geschaffen für das Streben nach Heiligkeit. Ihr seid geschaffen, um Gott ähnlich zu werden. Ihr seid geschaffen, um in Gerechtigkeit zu wandeln. Das Evangelium hat euch eine neue Ausrichtung gegeben.

Und dieser Ausrichtung wollen wir uns freudig anschließen und sagen: Herr, verändere mein Herz. Lass mich in der Heiligung zunehmen. Lass mich mehr und mehr werden wie du. Lass mich morgens aufstehen und sagen: Lass diesen Tag von mir zu deiner Ehre gelebt sein.

Eine radikale Umkehr, eine vollkommen neue Ausrichtung, neue Ziele im Leben. Das Evangelium macht dich neu.

Um dieses Evangelium geht es hier in den ersten sieben Versen. Es ist der einzige Weg, es hat Autorität, es hat eine lange Geschichte, und es verändert.

Es ist die Botschaft von Jesus Christus, dem Erlöser. Wenn du ihn annimmst, wird auch dein Leben neu, und du findest ewiges Leben. Amen.

Schlussgebet und Bekenntnis zur Wahrheit Gottes

Herr, wir danken dir für deine Wahrheit, die uns geoffenbart wurde. Wir sehen, wohin es führt, wenn kein Kompass mehr vorhanden ist. Alles wird auf den Kopf gestellt: Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein, und was gestern falsch war, ist morgen wieder richtig.

Du aber bist die Wahrheit, und du führst uns zur Wahrheit. Diese deine Wahrheit macht uns frei. Herr, wir bekennen: Ohne dich und deine Wahrheit sind wir gebunden und versklavt, Sklaven der Sünde, hin- und hergeworfen von den Meinungen der Zeit.

Doch ich danke dir, dass du uns festigen und gründen willst. Du willst unser Fels sein, auf dem auch unser Leben gedeihen kann. Wir danken dir, Herr Jesus, für dein Erlösungswerk auf Golgatha. Wir wollen uns auch verändern lassen und mehr und mehr in dein Bild verwandelt werden.

Ich bete für Menschen, die diese Botschaft hören, Herr. Dass wir, sofern wir dir schon folgen, ermutigt werden und erkennen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und sofern wir dies zum ersten Mal hören, möge sich unser Herz für die verändernde Kraft deines Wortes öffnen.

Hilf du uns. Amen.