Als Jugendlicher habe ich sehr gern Theater gespielt. An unserer Schule gab es eine Theater-AG und einige Lehrer, die das wirklich ernst genommen haben. Das hat richtig Spaß gemacht. Sie haben uns zu den tollsten Rollen verholfen.
Einmal durfte ich sogar den König von Navarra spielen. Das war eine großartige Zeit. Der größte Lohn war immer der Applaus des Publikums, wenn die Vorstellung vorbei war.
Wenn man merkt, dass es den Leuten gefallen hat, dass man sie begeistern, mitnehmen oder unterhalten konnte – vielleicht auch zum Nachdenken gebracht hat –, dann ist das der schönste Lohn. Wenn die Zuschauer lange und ausdauernd klatschen, zeigt das, dass die Performance gelungen ist.
Der Beifall ist der beste Gradmesser für Schauspieler, ob ihre Darbietung gut war.
Die Gefahr der Anerkennung durch Menschen
Ganz anders ist es im Leben als Christ. In der Bergpredigt warnt uns Jesus sehr deutlich davor, für den Applaus und die Anerkennung der Menschen zu leben. Er sagt in Matthäus 6,1:
„Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr sie nicht vor den Leuten übt, um von ihnen gesehen zu werden. Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.“
Das ist das große Prinzip, das über dem Abschnitt heute steht und auch über den Abschnitten der nächsten Wochen.
Ich möchte es noch einmal anders formulieren: Jesus sagt hier in anderen Worten, dass, wenn du deine Frömmigkeit – also das, was du für Gott tust – zur Schau stellst, um den Beifall der Leute zu bekommen, du von Gott keinen Lohn erwarten darfst. Nicht nur ein bisschen weniger oder viel weniger Lohn, sondern überhaupt keinen Lohn.
Es mag seinen Reiz haben, von anderen gesehen und anerkannt zu werden. Ich weiß das von mir selbst: Es reizt mich, wenn andere mich sehen, mir zujubeln und gut finden, was ich tue. Aber das ist vor Gott absolut nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass Gott mich sieht und wie er mich sieht.
Ihm kann ich nichts vormachen. Er schaut hinter die fromme Maske und durchschaut jedes fromme Theater. Deshalb geht es nicht darum, eine Rolle zu spielen wie im Theater. Es geht um ein echtes, hingegebenes Leben für Gott.
Vom Schein zur echten Hingabe
Das buchstabiert Jesus jetzt in Matthäus 6 am Beispiel des Gebets und am Thema Fasten, das in den nächsten Wochen behandelt wird. Heute geht es zuerst um das Thema Geben.
Ich möchte uns gleich die Verse 2 bis 4 vorlesen. Zuvor möchte ich noch beten:
Vater, wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir an diesem Abend noch einmal zusammenkommen dürfen und auf dein Wort hören können. Wir erwarten, dass du zu uns sprichst. Wir wollen gern auf dich hören. Wir beten, dass du unsere Herzen bewegst, erreichst, unseren Glauben vertiefst und uns Selbsterkenntnis sowie Gotteserkenntnis schenkst. Wir wollen auf dich hören. Bitte sprich du zu uns. Amen.
Also, nach dieser Warnung sagt Jesus jetzt: Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibt. Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Zwei Arten des Gebens
Ich möchte das mit euch in zwei Punkten anschauen: zwei Dinge, die Jesus sagt.
Der erste Punkt betrifft eine Art zu geben, die keine Verheißung vom Vater hat. Es geht um das Geben, das auf den Applaus der Leute ausgerichtet ist. Dieses Geben hat keine Verheißung.
Als Erstes schauen wir uns dazu den Vers 2 an und dann die Verse 3 bis 4. Dort geht es um das Geben im Vertrauen auf den Vater. Dieses Geben hat die Verheißung Gottes.
Geben für den Applaus der Menschen
Jesus sagt hier, dass der Applaus der Leute keine Verheißung hat. Du kannst aus deiner Großzügigkeit eine Show machen und sie ins Schaufenster stellen, um gesehen und bewundert zu werden. Jesus erklärt, dass du deinen Lohn bereits erhalten hast, wenn du das tust. Du warst der Held auf der Bühne und hast die Streicheleinheit für dein Ego gesucht – und vielleicht auch bekommen. Die Leute sagen dann: „Das ist aber toll, wie großzügig der mit seinem Geld umgeht“ oder „wie sie mit ihrem Geld umgeht“ – das wird zelebriert.
Aber Jesus sagt dir: Das ist dann dein Lohn, dass die Leute klatschen – vielleicht auch lange klatschen. Doch mehr gibt es nicht.
Ich habe mich gefragt, ob das überhaupt unser Thema ist. Viele von uns haben vielleicht eine regelmäßige Überweisung eingerichtet, bei der sie ihren Zehnten anonym überweisen. Manche verteilen das Geld noch auf Gemeinde und andere Dinge, aber es bekommt ja keiner mit. Wenn wir hier am Sonntag die Körbe herumgeben, habe ich bei uns noch nie jemanden gesehen, der mit den Scheinen wedelt, sich umguckt und etwas Großes hineintut. Das ist doch gar nicht unser Thema.
Vielleicht ist es vielmehr unser Thema, ob wir überhaupt geben. Jesus geht hier ganz selbstverständlich davon aus, dass man gibt und zeigt, wie man geben soll. Aber ich habe schon Christen getroffen, die sagen: „Das kann ich mir doch gar nicht leisten. Ich habe ja selber viel zu wenig, da kann ich doch nicht auch noch etwas abgeben.“ Müssen wir nicht viel mehr darüber reden, dass wir am Ziel vorbeileben, wenn wir nicht etwas zurückgeben? Wenn wir als Christen gar nicht spenden?
Dann habe ich gedacht: Almosen geben steht ja für etwas Größeres. Es steht für ganz praktische Nächstenliebe – dafür, dass wir auf das schauen, was andere brauchen, dass wir für sie da sind und Nächstenliebe üben. Und da kommt es uns gleich viel näher, denn die Versuchung, eine fromme Show aus unserer Nächstenliebe zu machen, kennen viele von uns, das glaube ich. Ich kenne sie, aber ich glaube, ich bin nicht der Einzige.
Denk nur mal darüber nach: Wann gibst du lieber Geld, aber vielleicht auch deine Zeit, deine Kraft, deinen Einsatz? Dann, wenn dich keiner sieht? Dann, wenn das ganz unentdeckt bleibt? Dann, wenn dich niemand dafür lobt und toll findet? Oder wenn dich die Leute dabei beobachten und sehen? Wenn jemand es wertschätzt, dir auf die Schulter klopft und sagt: „Toller Einsatz, weiter so!“
Ich würde sagen, viele von uns geben viel eifriger, zeigen mehr Leidenschaft und Hingabe, sind zu größeren Opfern bereit und dienen anderen mehr, wenn wir von Menschen gesehen werden, die das gut finden. Jesus stellt diese Haltung infrage: Warum ist dir das so wichtig? Welches Bild sollen die Leute von dir haben? Wieso sollen sie dich toll finden? Warum stellst du deine Nächstenliebe zur Schau? Und warum bist du in der Öffentlichkeit oft viel hingegebener als im Geheimen, zuhause, da wo dich keiner sieht? Warum ist das so?
Jetzt kannst du sagen: „Aber wir sollen doch Salz und Licht sein. Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Das steht doch auch in der Bergpredigt. Das sagt Jesus ebenfalls, das haben wir uns erst vor kurzem angeschaut.
Das stimmt. Gute Werke sind für Christen alternativlos, dazu sind wir berufen. Das sollen wir tun. Wir sollen Salz und Licht sein, und das müssen dann auch Menschen sehen. Jesus sagt ja selbst, dass Licht, wenn es verborgen ist unter dem Scheffel, niemand sieht.
Die Frage ist aber: Für wen tust du diese guten Werke? Für dich selbst, damit du geehrt und angesehen wirst? Oder für Gott, damit die Menschen ihn erkennen und ehren? Damit Gott den Applaus bekommt und groß herauskommt?
Jesus sagt sogar bei Salz und Licht, dass die Leute durch diese Werke den Vater preisen sollen, nicht uns.
Wirklich gut sind die Werke nur, wenn du sie nicht tust, damit Menschen dein Ego streicheln, sondern damit sie Gott groß machen und er die Ehre bekommt.
Wir sehen also hier: Es geht nicht nur darum, die richtigen Dinge zu tun, sondern auch darum, die richtigen Dinge richtig zu tun – mit der richtigen Herzenshaltung, mit den richtigen Motiven und auf eine Weise, die Gott gefällt.
Geben im Vertrauen auf den Vater
Und das bringt mich zum zweiten Punkt: Jesus spricht in den Versen 3 und 4 genau darüber, über die richtige Art zu geben und über die richtige Art, Nächstenliebe zu üben. Wie soll das aussehen? Was soll uns dabei leiten? Und welche Verheißung haben wir dabei?
Das ist der zweite Punkt: Geben im Vertrauen auf den Vater. Ich möchte uns die Verse einfach noch einmal vorlesen:
"Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe. Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, der wird dir’s vergelten."
Jesus sagt also: Gib dein Almosen im Verborgenen. Mach keine große Sache daraus – weder aus deiner Art zu spenden noch aus deiner Nächstenliebe. Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut. Das ist ein Bild dafür, dass wir uns nicht einmal selbst dafür applaudieren sollen. Wir sollen es nicht zu groß werden lassen in unserem Herzen, was wir für andere tun.
Heutzutage wird Achtsamkeit großgeschrieben. Es gibt viele Bücher und Vorträge, die uns raten, achtsamer zu sein. Zum Beispiel wird empfohlen, ein Tagebuch zu führen, in dem man festhält, was einem an diesem Tag gut gelungen ist, was man gut gemacht hat und worauf man stolz sein kann.
Das kannst du als Christ auch machen, entweder tatsächlich in einem Tagebuch oder in Gedanken. Du kannst dir einfach aufschreiben, wo du Nächstenliebe geübt hast. Aber dieser Text hier ist eine Warnung: Mach das nicht! Denk nicht viel darüber nach. Denk lieber darüber nach, wie du Salz und Licht sein kannst, wie du andere mit der Liebe Gottes segnen kannst. Und wenn du es getan hast, dann lass es los.
Du schreibst dir nicht ein Buch mit all deinen Werken, um es dir irgendwann mit achtzig Jahren durchzulesen und zu denken: "Was bin ich doch für ein guter und toller Mensch." Das machst du nicht. Vergiss es einfach, lass es wieder los.
Es gibt jemand anderen, der Buch führt. Du musst das nicht tun, weil Gott selbst Buch führt. Er sieht jede gute Tat, die du aus Liebe zu ihm tust, und er freut sich darüber. Du musst dir das nicht selbst aufschreiben.
Jesus sagt: Der Vater im Himmel sieht in das Verborgene und wird dir’s vergelten.
Gottes Sicht als Grundlage für unser Leben
Das ist der entscheidende Schlüssel, um wirklich anders zu leben: Ich muss mir tief bewusst machen, dass ich in Gottes Hand bin. Mein ganzes Leben liegt vor ihm wie ein offenes Buch, in dem er lesen kann. Er sieht, was ich tue, er hört, was ich sage, er kennt meine Gedanken. Er sieht mein Herz, durchschaut mich, kennt mich durch und durch. Er weiß, wie ich es meine, und er weiß, warum ich es tue.
Vor anderen kann ich mich verstecken oder verstellen, aber nicht vor Gott. Er schaut hinter die Maske. Ich kann ihn nicht blenden. Jede fromme Show muss enden, wenn mir das wirklich klar ist. Das Problem ist, dass es uns oft nicht klar ist. Ja, im Kopf wissen wir, dass Gott derjenige ist, der alles sieht. Er ist der Allmächtige, der Allwissende. Aber wir leben oft so, als wäre das gar nicht so. Wir versuchen, Menschen zu blenden. Doch der Herr, Gott der Vater, sieht viel tiefer. Er sieht hinter die Masken.
Ich weiß, dass das manche eher unruhig macht. Es ist ja auch ein bisschen ein schwieriges Gefühl: Gott sieht das alles, sieht dein Leben und, wenn du ehrlich bist, auch deine Heuchelei, deine Scheinheiligkeit immer wieder. Gott sieht das alles. Und du fragst dich: Wenn Gott mich so durchschaut, bin ich dann überhaupt sicher? Das ist doch total unangenehm, einer, der einfach alles über mich weiß. Es ist auch ein bisschen peinlich, wenn man sich das mal so überlegt. Für manche von uns ist das vielleicht sogar beängstigend. Das ist doch gefährlich, einer, der alles über mich weiß.
Aber schau, wie Jesus uns Gott vorstellt: Er sagt, er ist der Vater. Er ist dein Vater, wenn du dich Jesus wirklich anvertraut hast, wenn du an Jesus glaubst und ihm nachfolgst. Dann ist Gott dein Vater.
Und bevor du irgendetwas aus Liebe für diesen Vater tun kannst, hat er dir schon seine Vaterliebe auf atemberaubende Weise gezeigt. So, dass man das eigentlich fast nicht in Worte fassen kann, nicht beschreiben kann, wie schön Gottes Vaterliebe für seine Kinder ist. Er hat seinen Sohn Jesus Christus für uns in diese Welt geschickt und gesagt: Ich liebe diese elenden, verlorenen, diese scheinheiligen Menschen so sehr, dass ich mein Bestes für sie gebe. Ich gebe meinen eigenen Sohn für sie.
Jesus ist gekommen, um unsere Schuld zu tragen – ja, auch die Scheinheiligkeit, diese ganzen Masken und so weiter – und dafür am Kreuz von Golgatha zu bezahlen. Der Vater sagt: Ich gebe euch meinen Sohn, weil nur so könnt ihr Kinder in meiner Familie werden, nur so könnt ihr gerettet werden. Ein Vater, der sich aufopfert, der sich hindert, der sein Bestes gibt, seine Liebe zeigt am Kreuz von Golgatha. Jesus hat das auf sich genommen für uns.
So sehr liebt uns der Vater. Und wenn du das glaubst, dann darfst du wissen, dass dein Vater im Himmel für dich ist. Wie kann er es dir anders beweisen als mit dem, was er am Kreuz gegeben hat – mit Jesus? Er ist für dich, er ist gut.
Du stehst nicht auf der Bühne, und er schaut sich mal die Performance an. Wenn sie schlecht ist, senkt er den Daumen, schreit "Bu" oder wirft mit Tomaten und findet dich ganz schlimm. Wenn du gut ablieferst, klatscht er. Und wenn es richtig gut ist, klatscht er auch mal lange. So ist dieser Vater nicht.
Wirklich gute Väter bei Menschen sind schon so, dass sie die Liebe nicht von der Performance abhängig machen. Ein wirklich guter Vater wird sein Kind nicht erst dann lieben, wenn es gute Schulnoten mit nach Hause bringt, wenn es auf dem Fußballplatz die meisten Tore schießt oder wenn sonst irgendeine Leistung so grandios ist, dass der Vater sagt: Jetzt hast du meine Liebe verdient.
Ein guter Vater liebt sein Kind von Anfang an. Wenn er das Kind das erste Mal auf dem Ultraschall sieht, schlägt schon sein Herz schneller. Und wenn er es dann in seinen Armen hält als Baby, das noch gar nichts machen kann, das schreien kann, das essen kann – das ist alles, was ein Baby kann – liebt er sein Kind. Er freut sich auch, wenn es keine guten Schulnoten mit nach Hause bringt.
Wie viel mehr unser Vater im Himmel! Er macht seine Liebe nicht abhängig von unserer Performance. Deshalb ist diese Botschaft hier tatsächlich sehr befreiend: Dein Vater sieht dich. Das ist keine Drohbotschaft, das ist eine fröhliche Botschaft.
Dein Vater sieht dich. Er sieht ins Verborgene, er sieht, wie du dich abmühst, wie du die Liebe, die du von ihm empfangen hast, weitergibst, wie du sie weiterträgst. Und das Entscheidende ist wirklich, dass dieser gute Vater das sieht. Auf nichts anderes kommt es an.
Und wenn alle Menschen sagen: Das ist doof, was du machst, das wollen wir ganz anders haben – wenn du aus Liebe zum Vater lebst und das gibst, was er dir anvertraut hat – denn er hat ja auch nicht alles gegeben, jeder hat andere Gaben, jeder kann etwas anderes, jeder hat andere Möglichkeiten – das Entscheidende ist: Der Vater sieht es. Dafür sollst du leben.
Gottes Sicht auf dich zählt. Er freut sich, wenn du dein Leben für ihn lebst, wenn du mit deinem Leben ein Hinweisschild auf ihn bist, so dass die Menschen deine Werke sehen, aber den Vater im Himmel darüber preisen.
Darum geht es.
Umgang mit gemischten Motiven und praktische Hilfen
Niemand von uns sollte denken, dass unsere Motive immer rein sind und dass wir stets aus Liebe zum Vater leben. Das wird niemals der Fall sein, solange wir hier auf der Erde leben. Unsere Motive sind oft gemischt. Mal ist es die Liebe zum Vater, mal doch wieder die Liebe zu unserem eigenen Ego, das gestreichelt werden will.
Viele Pharisäer und Schriftgelehrte haben das nicht erkannt. Deshalb haben sie sich komplett verrannt und einer frommen Illusion hingegeben: Sie glaubten, für Gott zu leben, doch tatsächlich lebten sie nur für sich selbst.
Wir müssen achtsam sein, dass wir nicht in dieselbe Falle tappen. Ich glaube, verschiedene Dinge können uns dabei helfen.
Das Erste und Wichtigste, worüber wir gerade schon länger nachgedacht haben, ist, dass wir immer wieder auf den Vater schauen. Wir sollten uns bewusst machen, wer unser Vater im Himmel ist, wie gut er ist und dass nur sein Urteil entscheidend ist. Das ist das Allerwichtigste.
Was hilft noch? Zum Schluss möchte ich euch zwei Dinge mitgeben.
Das eine, was wirklich hilft, um uns immer wieder unsere Motive klarzumachen und zu erkennen, wo wir in unserer Beziehung zum Vater stehen, ist, dass wir darum beten: Vater, zeig du mir, was in meinem Herzen vor sich geht. Denn oft kann ich das selbst gar nicht gut beurteilen oder sehen.
Ich kann beten wie David, der in Psalm 139,23 sagt: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine.“ Dieses Gebet brauchen wir, damit Gott selbst uns prüft, wie wir es meinen, und es uns zeigt. So erkennen wir, ob wir für ihn leben oder doch für uns selbst.
Das zweite ist: Ich kann einüben, andere aus Liebe zu Gott zu segnen, ihnen Gutes zu tun und für sie zu leben – also Nächstenliebe zu üben. Ich kann das bewusst trainieren.
Das beste Übungsfeld sind wahrscheinlich gerade die Situationen, in denen ich mich übersehen fühle, wenn ich mich ärgere, weil mein Einsatz nicht gewürdigt wird und ich keinen Applaus für meine Opfer bekomme.
Jedes Mal, wenn das so ist, ist es ein guter Impuls, sich bewusst zu machen: Für wen mache ich das eigentlich? Tue ich es, um anderen Menschen zu dienen und ihre Wertschätzung zu bekommen? Ist mein Ziel, Applaus zu erhalten? Oder mache ich es, um meinem Vater Liebe zu zeigen, weil er mich zuerst so sehr geliebt hat?
Mache ich es für Menschen oder für Gott?
Wenn du innerlich so „krummelst“ und dich über mangelnde Wertschätzung ärgerst – wir wollen uns diese Wertschätzung in der Gemeinde nicht entziehen, überhaupt nicht. Das ist nicht meine Botschaft, versteht mich nicht falsch. Wir wollen uns gerne Wertschätzung weitergeben, unsere Freude teilen, alles ist gut.
Aber es gibt viele Situationen, in denen wir denken, wir kämen zu kurz, die Leute sehen gar nicht, was wir tun. Dann ist es gut zu sagen: Wofür mache ich das? Nicht für den Applaus, sondern für meinen Vater im Himmel.
Einladung zur Großzügigkeit und Abschlusssegen
An dieser Stelle möchte ich noch einmal den konkreten Punkt aufgreifen, den Jesus hier macht: das Almosengeben, das Spenden.
Ich glaube, viele von uns geben weniger, als wir könnten – und zwar genau aus dem Grund, dass es nicht gesehen wird, dass es so anonym ist. Ob und wie viel du spendest, weiß kaum jemand, vielleicht weiß es sogar überhaupt niemand. Gerade deshalb ist es ein gutes Übungsfeld für uns, um eine bestimmte Haltung einzuüben: Ich gebe nicht, damit mir Menschen zujubeln, sondern ich tue das für Gott, für meinen Vater.
Vielleicht könntest du großzügiger spenden, als du es im Moment tust. Ich bin mir sicher, dass das auf viele von uns zutrifft, dass wir mehr geben könnten. Ich nenne dir jetzt keine Summe und keine Prozentsätze, wie viel mehr du geben könntest, sondern nur einen Gedanken: Der Zehnte muss gar nicht das Limit sein. Es steht nirgendwo in der Bibel, dass der Zehnte das Limit ist.
Viele machen es so und sagen: „Ja, ich gebe ja meinen Zehnten, dann bin ich ja fein raus.“ Es gibt viele Menschen, gerade in unserem reichen Land Deutschland, die könnten mehr als den Zehnten geben – und es wäre überhaupt nicht verkehrt. Gott würde sich freuen.
Ich will nicht wissen, ob du das machst, denn dann würde ich dich um deinen Lohn bringen. Jesus sagt: Der Vater sieht es und freut sich. Hier geht es um dieses Thema. Ich weiß, dass viele mehr geben könnten. Manche von uns müssen vielleicht erst einmal anfangen mit dem Zehnten – aber auch nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen, sondern weil ich weiß: Mein Vater hat mich so reich beschenkt, und ich möchte jetzt aus dem weitergeben, was er mir geschenkt hat.
Es ist wirklich eine geistliche Übung, und sie tut uns sehr gut. Ich möchte das zum Schluss noch sagen: Wenn du großzügig und treu im Verborgenen gibst – nicht damit Menschen es sehen und bewundern, sondern aus Liebe zum Vater –, dann liegt ein unfassbar großer Segen darauf. Das verspricht dir Jesus hier. Er sagt: Der Vater sieht, er sieht in das Verborgene, und sein Lohn ist ungleich größer als jeder Applaus von Menschen und alles, was du dir sonst in dieser Welt erträumen kannst.
Lass uns für diesen Lohn leben, lass uns für den Vater leben. Ich möchte beten:
Vater, wir danken dir, dass du wirklich der beste Vater bist, dass du uns geliebt hast, als wir noch deine Feinde waren, und dass du alles für uns gegeben hast. Du hast deinen Sohn in diese Welt geschickt. Jesus Christus, wir danken dir, dass du arm geworden bist für uns, damit wir durch deine Armut reich werden konnten. Du hast uns überreich gesegnet und beschenkt.
Wir wollen dir bekennen, dass wir oft immer noch den Applaus der Menschen suchen und uns wünschen, dass man unser Ego streichelt und uns gut findet. Wir beten, dass du uns wirklich darin wachsen lässt und uns an den Punkt bringst, an dem es uns viel, viel mehr um dich geht als um uns selbst. Dass du groß gemacht wirst, dass Menschen, wenn sie uns sehen, dich erkennen und den Vater preisen.
Das beten wir in Jesu Namen. Amen.