Rückblick auf Psalm 22 und seine messianische Bedeutung
Letztes Mal haben wir uns in der Reihe der messianischen Psalmen, also der Psalmen, die prophetisch auf Jesus Christus hinweisen, mit Psalm 22 beschäftigt. Dieser berühmte Kreuzpsalm sagt die Kreuzigung Jesu über tausend Jahre im Voraus bis ins kleinste Detail voraus.
Übrigens ist hier noch nachträglich zu erwähnen, dass Psalm 22 auch in der rabbinischen Literatur auf den Messias bezogen wurde. Das ist wichtig, denn unsere Gegner sagen oft: „Ja, ihr Christen interpretiert diesen Psalm erst nachträglich auf die Kreuzigung.“ Doch im orthodoxen Judentum, das Jesus als Messias ablehnt, steht im rabbinischen Buch Pesikta Rabbatti, dass hier der Messias spricht und für die Sünden seines Volkes leidet.
Das ist doppelt interessant, denn in diesem Psalm haben wir nichts von stellvertretendem Leiden für Sünden gelesen. Wir haben nur die Leiden des Herrn gesehen, wie er unter der Hand Gottes litt – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – und unter der Hand der Menschen: „Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.“
Die Rabbiner haben im früheren Jahrhundert diesen Psalm also auf den Messias bezogen, der nicht nur leiden sollte, sondern stellvertretend leiden würde. Woher hatten sie dieses Wissen über das stellvertretende Leiden? Eigentlich nicht aus Psalm 22, denn das geht dort nicht so hervor. Sondern aus welchem Kapitel? Aus Jesaja 53.
Jesaja 53 ist ein Kapitel, das die Rabbiner im Altertum mit Selbstverständlichkeit ganz klar auf den Messias bezogen haben. Psalm 22 wurde ebenfalls so verstanden, was unserer Argumentation zusätzliches Gewicht verleiht – sogar im Judentum und im Mittelalter. Dort, wo das orthodoxe Judentum sich längst klar davon distanziert hatte, dass Jesus der Messias sei, bezogen sie Psalm 22 gemäß ihrer Tradition dennoch auf den Messias.
Darum ist die Erfüllung in Jesus Christus umso eindrücklicher. Genau das, was hier ausgesagt wird, hat sich im Detail in seinem Leiden im Jahr 32 auf Golgatha vor den Toren Jerusalems wortwörtlich erfüllt.
Einführung in Psalm 23 und seine Verbindung zu Psalm 22
Heute kommen wir zu Psalm 23. Wir lesen den Psalm zuerst gemeinsam durch. Anschließend wollen wir uns mit der Beziehung zwischen Psalm 22 und Psalm 23 beschäftigen.
Wer liest vor, bitte?
„Mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele, er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und dein Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“
Ja, also der berühmte Psalm 23, der von Gott als dem Hirten spricht. Warum behandeln wir diesen Psalm in der Reihe der messianischen Psalmen? Hätte jemand ein Argument, das mich in meiner Wahl unterstützen könnte?
Ja, jawohl. Der Messias hat sich, als er gekommen war, ganz deutlich als der Hirte Gottes zu erkennen gegeben.
Schlagen wir mal auf Johannes 10 im Evangelium auf. Dort spricht Jesus über das Thema des Hirten schon sehr ausführlich.
Ab Vers 1, aber wir lesen jetzt nicht alles. Wir können später darauf zurückkommen, zum Beispiel Johannes 10, Vers 11. Wer liest?
„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“
Jawohl, und dann Vers 14 und folgende.
Und noch die Verse 27 bis 29:
„Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach. Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“
Ja, Jesus stellt sich vor als der Hirte, und dieses Thema entfaltet er sehr, sehr breit.
Wie hat das auf seine Zuhörer damals gewirkt? Welche Verbindungen haben sie damit gemacht, wenn er vom Hirten spricht? Welche Verbindungen zum Alten Testament?
Man denkt jetzt im Zusammenhang mit Psalm 23, wo es heißt: „Der Herr ist mein Hirte.“ Ja, den Bezug zu Psalm 23 konnten sie herstellen, aber nicht nur das.
David, von dem Gott ja verheißen hat, dass von ihm der Messias abstammen sollte, war Schafhirte und erst später wurde er König – aber ein König nach dem Vorbild des Hirten.
Nämlich ein König, der sich um sein Volk kümmert und es pflegt, eben nicht wie ein Jäger.
Nimrod, der erste Herrscher nach der Sintflut, war ein gewaltiger Jäger (1. Mose 10). Er war auch der Gründer des Turmbaus zu Babel, der Stadt Babel. Er war ein Jäger.
So haben sich viele Herrscher eben als Jäger erwiesen – Gewaltherrscher. Aber das Ideal Gottes ist ein Herrscher wie David, der eben Hirte war und weiß, was es heißt, sich um die Schafe zu kümmern.
Der Messias als Hirte in den prophetischen Schriften
Aber ich möchte in eine andere Richtung zielen. Wo wird ihm zum Beispiel zuerst in Sacharja 11 erklärt, warum? Dort werden der schlechte und der gute Hirte vorgestellt. In Sacharja 11 ist dieser gute Hirte der Messias.
Die akustischen Verhältnisse hier sind jetzt ganz anders, das merkt man. Jeder muss sich ein bisschen bemühen. Soll das Mikrofon aufgestellt werden? Geht es da hinten, kann man es verstehen, oder ist es besser mit Verstärkung? Ja, es könnte ein bisschen schärfer sein, auch von meiner Seite her.
Was wir sicher sofort machen könnten, ist, dass diejenigen, die vom Gehör her eher ein Problem haben, weiter nach vorne kommen. Das wäre jetzt noch möglich. Geht das mit dem Mikrofon so schnell? Wir lösen das Problem. Wichtig ist, dass man aus dem Publikum auch versucht, deutlich zu artikulieren und ein bisschen lauter zu sprechen. Vielleicht wäre es auch nützlich, aufzustehen, das hilft auch.
Ich versuche es mal. Man hört schon etwas, oder? Gut.
Sehr wichtig ist Sacharja 11. Der Messias wird dort als Hirte bezeichnet. Schlagen wir Sacharja 11 auf, dann kann ich das noch erklären. Eigentlich ist in Sacharja alles ein Block von Kapiteln 9 bis 14. Aber dieser Block ist zweigeteilt: Kapitel 9 bis 11 bilden einen Teil, und Kapitel 12 bis 14 den anderen.
In beiden Abteilungen wird über den Messias gesprochen. In den Kapiteln 9 bis 11 geht es ganz besonders um das erste Kommen Jesu, in den Kapiteln 12 bis 14 um das zweite Kommen Jesu in Macht und Herrlichkeit.
Sacharja 11 handelt im ganzen Kapitel vom Thema des Hirten. Wir lesen in Vers 7 ein paar Verse. Liest bitte jemand vor, aber laut und deutlich!
Hier spricht der Messias, der gekommen war, um sein Volk zu weiden. Doch die Herde wollte ihn nicht, sie wurden seiner überdrüssig, wie wir gelesen haben. So hat die Masse des jüdischen Volkes den Messias, Jesus, abgelehnt. Er sagte daraufhin: Gut, dann höre ich auch auf, euch zu weiden.
Aber es gibt eine Gruppe, die sich von der Masse unterscheidet. In Vers 11 heißt es: „Und er wurde gebrochen an jenem Tage, und die Elenden der Herde, die auf mich achteten, erkannten, dass es das Wort des Herrn war.“ Die Elenden der Herde waren diejenigen, die sich aus Israel wirklich zum Messias bekehrt hatten.
Der Messias gibt dieses Volk auf. So kam es zur Katastrophe im Jahr 70, als der Staat Israel zusammengeschlagen wurde und das jüdische Volk unter alle Völker zerstreut wurde. Diese Brüderschaft unter dem Volk wurde aufgebrochen. In Vers 14 heißt es: „Und ich zerbrach meinen zweiten Stab, die Bande, um die Brüderschaft zwischen Juda und Israel zu brechen.“
Das ganze Volk wird zerstreut in alle Welt, diese Gemeinschaft wird aufgelöst. Der Messias bekommt seinen Lohn: dreißig Silberschäkel. Es ist bekannt, dass Judas den Herrn für dreißig Silberschäkel verraten hatte. Dann wollte er das Geld aber zurückbringen und warf es den hohen Priestern in den Tempel zu. Die führenden Priester wollten das aber nicht gelten lassen, denn es war Blutgeld im Tempel.
Sie benutzten das Geld, um einem Töpfer zu geben, damit er damit ein Grab für die Armen auf seinem Grundstück kaufte. So wird hier gesagt, es sei in das Haus Gottes geworfen worden, dem Töpfer zu. Jeder Punkt hat sich so erfüllt.
Das Volk wurde ab dem Jahr 70 unter alle Völker zerstreut. Der Hirte hätte sie eigentlich zusammenhalten sollen, aber sie wollten den Hirten nicht. Dann kommt als Gericht der falsche Hirte, das ist der Antichrist, der noch kommen wird.
Lesen wir Kapitel 11, Verse 15-17: „Denn siehe, ich lasse einen Hirten im Land aufstehen, um die verkommenen Tiere kümmert er sich nicht, das Versprengte sucht er nicht, und das Zerbrochene heilt er nicht, das Gesunde versorgt er nicht. Aber das Fleisch des Fetten isst er und zerreißt sogar ihre Klauen. Wehe dem nichtigen Hirten, der die Schafe verlässt! Das Schwert über seinen Arm und über sein rechtes Auge! Sein Arm verdorren, ja verdorren, und sein rechtes Auge erlösche, ja erlösche!“
Das ist der Antichrist. Ich spreche hier immer von der Masse des Volkes Israel. Wenn der Messias nicht gewollt wird, lässt Gott eben den Antichristen kommen. Der Herr Jesus sagt in Johannes 5, Vers 45: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf. Wenn ein anderer in seinem Namen kommen wird, so werdet ihr ihn aufnehmen.“
Eine ganze Serie von falschen Messias ist in den vergangenen zweitausend Jahren gekommen und hat viele Juden verführt. Durch die Jahrhunderte hindurch gab es etwa 50 falsche Messiasse nach dem Kommen des Herrn Jesus. Aber der Schrecklichste kommt noch, und das ist dieser törichte Hirte.
Der Antichrist wird Herrscher in Israel sein, doch das Gericht Gottes ist über ihn angekündigt, und zwar in Vers 17 in zwei Phasen: Das Schwert über seinen Arm. Er wird erfolgreich herrschen, bis zu Beginn der großen Drangsalzeit. Dann wird Syrien mit allen Verbündeten Israels Israel vollkommen überrennen können. Da muss der Antichrist fliehen und verliert seine Macht, seinen rechten Arm.
Er hat aber einen Freund in Europa, den kommenden Diktator über das neue Europa. Zusammen werden sie ihre Truppen nach Harmagedon verschieben. In Harmagedon, das man in Offenbarung 19 nachlesen kann, wird der Herr Jesus wiederkommen. Dort wird er das Tier, den Diktator des neuen Europas, und den falschen Propheten, den Antichristen, vernichten und richten. Sie werden lebendig in die Hölle geworfen.
Dann erfüllt sich das Wort: „Über sein rechtes Auge. Sein Arm soll gänzlich verdorren und sein rechtes Auge völlig erlöschen.“ Dieser Grundsatz, wie der gute Hirte abgelehnt wird, ist eigentlich dazu bestimmt, dass die Menschen in die Arme des falschen Hirten, des Verführers, fallen.
Wir sehen immer wieder Menschen, die vielleicht eine Zeit lang suchend sind, aber nicht ernst machen mit dem Evangelium und der Bekehrung. Sie fallen dann plötzlich auf die absonderlichsten Verführer herein.
Das ist ein Grundprinzip: Wer die Wahrheit verwirft, fällt in die Arme des Verführers. Das ist der große Gegensatz: Christus, der Hirte, der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, und der Antichrist, der törichte Hirte, der sich überhaupt nicht um die Einzelnen und ihre Nöte kümmert, wie wir gelesen haben.
Weitere biblische Stellen zum Messias als Hirte
Es gibt viele weitere Stellen, die vom Messias als Hirten sprechen. Schlagen wir zum Beispiel Jeremia 31,10 auf. Dort heißt es: "Hört das Wort des Herrn, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln. Sagt: Der Israel zerstreut hat, wird er wieder sammeln und wie ein Hirte seine Herde hüten."
Hier geht es um die Zerstreuung der Juden in alle Welt. Doch gleichzeitig wird die Verheißung gegeben, dass Gott dieses Volk wieder sammeln wird. Schließlich wird er es hüten wie ein Hirte seine Herde. Der Herr Jesus wird also wiederkommen. Wenn der Antichrist gerichtet sein wird, wird Jesus die Herrschaft über sein Volk antreten – als der wahre, als der gute Hirte.
Es gibt viele weitere Stellen, die dies bestätigen. Zum Beispiel möchte ich noch auf Hesekiel 37,24 hinweisen. Dort wird der Messias David genannt. Das war auch für die Rabbiner im Altertum eine klare Sache: Wenn in der Zukunft von dem Knecht David gesprochen wird, ist damit der große Sohn Davids, der Messias, gemeint.
David bedeutet "der Geliebte". Herr Jesus wird in Epheser 1,7 zum Beispiel "der Geliebte" genannt: "Wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten." Wer liest Hesekiel 37,24, der findet dort: "Und mein Knecht David wird König über sie sein, und sie werden allesamt einen Hirten haben. Sie werden in meinen Rechten wandeln und meine Satzungen bewahren und tun. Sie werden wohnen in dem Land, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, worin eure Väter gewohnt haben. Sie werden darin wohnen, sie und ihre Kinder und ihre Kindeskinder bis in Ewigkeit. Und mein Knecht David wird ihr Fürst sein ewig."
Auf welche Zeit bezieht sich das? Ganz klar auf das tausendjährige Reich, wenn Israel eine endzeitliche Wiederherstellung erfahren wird. Sie werden in dem Land wohnen, also zurückgeführt werden. Ahmadinejad meint zwar, sie sollten alle auswandern und in Schleswig-Holstein einen Staat Israel gründen oder in Kanada. Ich bin gerade aus Kanada zurückgekommen – dort gibt es wirklich unglaubliche unbewohnte Weiten. Das wäre kein Problem.
Aber Gott sagt: Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, worin eure Väter gewohnt haben. Es gibt keine Alternative. Sie werden dort unter der Herrschaft des Messias bleiben bis ans Ende. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Ratschluss Gottes abzuändern.
Schon in Hesekiel 34 wird von schlechten Hirten gesprochen, das heißt von falschen Volksführern in Israel. Das ganze Kapitel handelt davon. Dann folgt die Verheißung des wahren Hirten in der Endzeit. Hesekiel 34,23 sagt: "Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Er soll ihr Hirte sein. Ich, der Herr, will ihr Gott sein, und mein Knecht David soll Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, der Herr, habe es gesagt. Ich will einen Friedensbund mit ihnen schließen und alle bösen Tiere im Land ausrotten, damit sie in der Steppe sicher wohnen."
Ganz klar: Der Messias wird der Hirte sein.
Die Trilogie der Psalmen 22, 23 und 24
Und nun kommen wir zurück zu Psalm 23.
Wir haben in Johannes 10 gelesen, dass der gute Hirte sein Leben für die Schafe lässt. Und was hatten wir gerade vor Psalm 23 für ein Thema? Die Kreuzigung Jesu. Also ist das eigentlich der gute Hirte in Psalm 22, der sein Leben für die Schafe lässt.
Später werden wir dann auf Psalm 24 kommen. Dort wird eindeutig der Messias beschrieben, in der Zukunft, wenn er regieren wird. Schlagen wir Psalm 24 auf. Kann bitte jemand die Verse 7 bis 10 vorlesen?
Wer ist dieser König der Herrlichkeit, der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Kampf? Jawohl, beim ersten Mal kam der Herr ja nicht, um zu kämpfen, aber beim zweiten Mal wird er kämpfen – in Harmagedon. Er wird kämpfen in Jerusalem, kämpfen in Edom und so weiter. Das ist der Herr, stark und mächtig im Kampf.
Bitte weiterlesen.
Dass der König der Herrlichkeit einziehe. Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit. Jawohl, da haben wir also den Herrn Jesus als Herrscher in der Zukunft.
Wir haben auch gesehen, wie Hesekiel 34, Jeremia 36 und Sacharja 11 den Messias als den endzeitlichen Hirten beschreiben.
Nun schlagen wir im Neuen Testament auf. Dort finden wir einen schönen Titel für den Herrn Jesus als Hirten, gerade für die Zukunft: 1. Petrus 5.
Im Zusammenhang geht es um Älteste in den Gemeinden, die einen Hirtendienst ausüben sollen. Sie sollen die Herde Gottes hüten, nicht aus Zwang oder um schändlichen Gewinn willen, sondern als Vorbilder der Herde. Wenn sie das tun und wirklich Vorbilder sind, dann gibt es einmal eine Belohnung.
Kann bitte jemand 1. Petrus 5, Vers 4 vorlesen?
Ja, wenn der Oberhirte – oder in anderen Übersetzungen der Erzhirte – offenbar wird, dann wird es eine Belohnung geben für Älteste, die treu gedient haben. Sie werden die Siegerskrone der Herrlichkeit erhalten.
Hier wird der Herr Jesus also bei seiner zukünftigen Erscheinung, der Wiederkunft, als der Erzhirte, der Oberhirte beschrieben. Das passt wunderbar zu Psalm 24, wo wir eben diesen kommenden König finden.
Also: Psalm 22 – der gute Hirte, Psalm 24 – der Oberhirte oder Erzhirte.
Nun gibt es einen Titel für den Herrn Jesus und seinen Hirtendienst in der jetzigen Zeit an seinem Volk, und zwar in Hebräer 13.
Schlagen wir dort auf. Im Schlussgebet in Hebräer 13, Verse 20 und 21, kann das jemand vorlesen?
Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unseren Herrn Jesus, von den Toten herausgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Glauben, zu tun seinen Willen und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Welchen Titel hat der Herr Jesus hier?
Es geht hier um den Herrn, der bereits gelitten hat und wieder auferstanden ist. Wenn der Herr Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte“, dann steht er vor seinem Leiden. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Aber hier geht es um den Herrn Jesus, der aus den Toten auferweckt wurde durch den Gott des Friedens. Er wird hier genannt der große Hirte der Schafe. Er vollendet jetzt die Gläubigen, damit sie gute Werke tun können, Gottes Willen ausführen und das tun, was vor Gott wohlgefällig ist.
Das passt natürlich genau zu Psalm 23.
In Psalm 22 sehen wir die Leiden des Herrn: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Psalm 23 beschreibt den Auferstandenen. Wir haben ja letztes Mal in Psalm 22 die Auferstehung gefunden. Nach all den Leiden kam die große Wende in Vers 21 beziehungsweise 22, je nach Bibelausgabe in der Mitte: „Ja, du hast mich erhört von den Hörnern der Büffel.“ Ab da fanden wir die Prophetie der Auferstehung Christi.
Psalm 23 beschreibt den Herrn Jesus als den großen Hirten der Schafe, der in der heutigen Zeit sein Werk an seinem Volk tut.
Psalm 24 ist dann der Oberhirte im Tausendjährigen Reich.
So sehen wir, dass es eine Trilogie gibt – drei Psalmen, die inhaltlich ganz direkt miteinander verknüpft sind: 22, 23 und 24.
Das überrascht überhaupt nicht einen Bibelleser, der gewohnt ist, auf diese Verknüpfungen in den Psalmen zu achten. Viele denken, die Psalmen seien irgendwie zusammengestellt worden – das stimmt überhaupt nicht.
Auch die Reihenfolge der Psalmen stand unter der Inspiration des Heiligen Geistes. Schon die Einteilung der 150 Psalmen in fünf Bücher unterschiedlicher Länge ist kein Zufall.
Das erste Buch der Psalmen geht bis Psalm 41, dann kommt das zweite Buch, von Psalm 42 bis einschließlich 71, dann das dritte Buch, und so weiter.
Auch diese Einteilung in fünf Bücher ist kein Zufall, denn es gibt inhaltlich Parallelen zu den fünf Büchern Mose.
Darum nennt man die Psalmen auch in Analogie zu den fünf Büchern Mose den Pentateuch Davids. Pentateuch heißt „fünf Bücher“. Das sind die fünf Bücher Mose, das „Fünfbuch von David“, der ja die meisten Psalmen geschrieben hat.
Kein anderer Autor hat so viele Psalmen geschrieben wie er.
Die Reihenfolge ist absolut gottgewollt und geplant. Wir müssen das Muster darin erkennen. Das sehen wir ganz schön am Beispiel dieser drei Psalmen.
Psalm 23 im Hebräischen und seine tiefere Bedeutung
Gut, jetzt wollen wir Psalm 23 etwas genauer anschauen. Im Hebräischen ist das Ganze viel knapper ausgedrückt, in etwa fünf Wörter: „Der Herr ist mein Hirte.“ Paulus sagt in 1. Korinther 14, dass es nicht gut ist, wenn man in der Gemeinde in Fremdsprachen spricht, die die Gemeinde nicht versteht. Es bringt nur Erbauung, wenn das auch übersetzt wird oder eben wenn es verstanden wird, was gesagt wird. Er möchte lieber fünf Wörter in verständlicher Sprache sagen, damit es auch Erbauung bringt. Das wäre ein Beispiel: Der Herr, der Herr ist mein Hirte. Ja, das ist so ein Minimum an Erbauung. Und was darin beinhaltet ist, das ist gewaltig.
Auf Hebräisch ist das noch viel knapper. Dort heißt es einfach Adonai roi – zwei Wörter: Herr, mein Hirte. „Mein Hirte“ ist eben ein Wort auf Hebräisch, roi. Das „mein“ ist kein einzelnes Wort, sondern ein Anhängsel an das Hauptwort Adonai roi. Ja, es steht nicht einmal „Der Herr ist mein Hirte“, sondern Adonairoi – „Herr, mein Hirte!“
Die Zeit ist dabei gar nicht festgelegt. Man kann im Prinzip auch denken: Der Herr war mein Hirte, der Herr ist mein Hirte, der Herr wird mein Hirte sein. Es ist einfach die Tatsache „Der Herr, mein Hirte“, ohne dass das Zeitliche hier eine Rolle spielt. Und man kann es ganz unterschiedlich betonen:
„Der Herr ist mein Hirte.“ Damit drückt man aus: Der Herr ist der, der sich kümmert um all meine Belange. Schafe sind ja Tiere, die sich selbst nicht versorgen können, sie sind abhängig von Pflege. Alle Pflege, alle Fürsorge ist in ihm vereinigt – der Herr ist mein Hirte.
Man könnte aber auch lesen und betonen: „Der Herr ist mein Hirte.“ Dann drückt man diese ganz persönliche Beziehung aus. Was nützt es, wenn jemand sagen kann, der Herr ist ein wunderbar großer Hirte, wenn er nicht sagen kann: „Ich stehe in Beziehung ganz persönlich zu diesem Hirten.“ Der Herr ist mein Hirte.
Oder man könnte auch betonen: „Der Herr ist mein Hirte“, eben nicht der Antichrist und nicht irgendein Guru oder Verführer in dieser Welt. Es gibt so viele schlimme böse Hirten, nicht nur unter den religiösen Verführern, sondern auch unter den Politikern, die als solche auftreten und das Wohl des Volkes suchen wollen. Wenn jemand in der Vergangenheit sagen musste: Stalin war mein Hirte – wehe dem! Aber hier steht: Der Herr ist mein Hirte, und das ist das Entscheidende.
Für „Herr“ steht im Hebräischen Yahweh, das ist der Eigenname Gottes im Alten Testament, der gegen siebentausend Mal vorkommt. Was bedeutet dieser Name eigentlich ganz genau? Auf Hebräisch schreibt man die Konsonanten J H V H. H V H ist eine Wortwurzel. Im Hebräischen sind praktisch alle Wörter zurückzuführen auf normalerweise dreikonsonantige Wurzeln, also Wortwurzeln, die aus drei Konsonanten bestehen. Das sind normalerweise Tätigkeitswörter, diese Wurzeln. Praktisch alle Hauptwörter kann man so zurückführen.
Darum ist es im Hebräischen auch viel einfacher, schnell herauszufinden, was eigentlich die Wortherkunft eines bestimmten Begriffs ist. Auf Deutsch ist das sehr schwierig. Wenn jemand sagt „Stier“, haben wir keine Ahnung, einfach so auf Anhieb, woher das Wort „Stier“ kommt. Warum heißen Stiere Stiere? Man kann danach in einer Etymologie-Duden schauen, der die Wortherkunft aufzeigt, aber im Hebräischen ist das ganz einfach.
Hebräisch „Par“ heißt Stier. Die Wurzel „Parar“ bedeutet niedertreten, annullieren, niederstampfen. Also der Stier ist eben der Niederstampfer. Und das war ja das Opfer für die Priester am Jom Kippur – ein Stier für das Volk. Da waren es zwei Böcke, ein Stier. In Hebräer 9, im Zusammenhang mit dem Jom Kippur, wird gesagt, dass Jesus Christus gekommen ist zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer.
Dann hat diese ganze Etymologie schon ihre Bedeutung: Der Stier ist der Niedertreter, der alles annulliert, niederstampft. Und der Herr Jesus ist das wahre Jom-Kippur-Opfer, das gekommen ist, um die Sünde abzuschaffen durch sein Opfer.
So ist es eben auch ganz einfach mit dem Wort „Yahweh“. Die Wurzel Hvh, Hwa bedeutet „Sein“. Yahweh ist der Seiende. Darum wird von Gott selbst der Name Yahweh gegenüber Mose erklärt, als Gott Mose im Feuerbusch erschien (2. Mose 3). Mose stellt die Frage: „Wer bist du? Was ist dein Name?“ Und dann sagt Gott: „Ich bin, der ich bin.“
Das Verbalsystem im Hebräischen ist ganz anders als im Deutschen. „Ich kann bedeuten ich werde sein.“ Oft ist das die Futurform, aber das Wort drückt einfach eine Handlung aus, die nicht abgeschlossen ist. Es gibt Wortformen, die abgeschlossene Handlung bedeuten, andere nicht abgeschlossene. Es ist die nicht abgeschlossene Form.
Im Prinzip kann diese Form manchmal auch verwendet werden, sogar für die Vergangenheit. So könnte man theoretisch übersetzen: „Ich war, der ich war.“ Aber auch „Ich bin, der ich bin“ ist richtig. Oder „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Man könnte auch übersetzen: „Ich werde sein, der ich war.“ Oder „Ich werde sein, der ich bin“ oder „Ich war, der ich bin“ oder „Ich war, der ich sein werde.“ Es gibt neun Möglichkeiten, das zu übersetzen.
Aber dann kommt der Sinn klar heraus: Gott ist – ob in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft – immer derselbe. Er ist diesem Wechsel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht unterworfen, wie wir. Alle Geschöpfe sind dem unterworfen: Pflanzen, Tiere, Menschen, das ganze Weltall, auch die Engel.
In Daniel 10 kommt ein Engel mit drei Wochen Verspätung zu Daniel. In Hiob 1 muss der Teufel erklären, auf die Frage, woher er komme, dass er vom Umherwandern auf der Erde komme. Auch Engel, obwohl sie Geister sind und sich natürlich viel schneller bewegen können als wir Menschen, sind trotzdem Raum und Zeit unterworfen. Darum weiß der Teufel auch die Zukunft nicht.
Ich habe das Beispiel schon mal erwähnt: Er wusste auch nicht bei der Fußball-WM, dass Italien gewinnen würde. Darum hat eine der berühmtesten Wahrsagerinnen gesagt, es wird Brasilien sein. Es war aber Italien. Er wusste das nicht, weil er auch Raum und Zeit unterworfen ist.
Gott aber ist es nicht. Gott ist der Ewige, er steht über allem. Man könnte sich das irgendwie menschlich veranschaulichen, so vorstellen: einen Tisch, auf dem verschiedene Dinge ausgebreitet sind. Das hier wäre die Schöpfung am Anfang, dann hier die Zeit der Auserwählung Israels, dann hier die Zeit der Gnade, hier das tausendjährige Reich.
Für Gott ist alles ausgebreitet wie auf einem Tisch. Er ist nicht diesem Wechsel der Zeit unterworfen. Darum konnte er auch immer genau voraussagen, was kommen wird. So ist die Prophetie in der Bibel ein ganz entscheidender Beweis dafür, dass die Bibel Gottes Wort ist, eben dass die Bibel von jemandem kommt, der diesem Wechsel nicht unterworfen ist. Deshalb ist die Prophetie der Bibel so perfekt.
Wir müssen unbedingt mehr Prophetie benutzen, gerade zum Evangelisieren, denn die Menschen fragen: „Ja, wie kann ich wissen, dass die Bibel Gottes Wort sein soll?“ Ganz einfach: Schau dir die erfüllte Prophetie an. 77 Mal heißt es in Hesekiel: „Und sie werden erkennen, dass ich der Herr bin“, wenn die Prophetie in Erfüllung geht. Oder es gibt Variationen wie: „Ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin“ und so weiter – 77 Mal.
Dadurch können wir Gott erkennen. Und nun sagt David: Yahweh Roi – der Ewige, der Unwandelbare, der über allem steht und nichts unterworfen ist, auch überall gegenwärtig im ganzen Weltall. Das ist mein Hirte, das ist der, der sich um mich kümmert.
Darum kommt dann diese Gewissheit: „Mir wird nichts mangeln.“ Auf Hebräisch noch viel knapper: „Lo echsa.“ Das heißt schon „Mir wird nichts mangeln.“ Badanei roi lo echsa.
Das ist übrigens ganz typisch für die hebräische Poesie. Ein Drittel der Bibel ist Poesie. Sie ist ganz knapp gehalten. Im Deutschen hat man ganz andere Ideale für Poesie – so blumig und weitschweifend wie möglich. Im Arabischen ist das noch viel schlimmer. Im Hebräischen ist das ganz, ganz knapp ausgedrückt. Das ist das Typische.
Es ist ja so, dass auch die Sprüche erklären, dass der Weise eben wenig Worte macht. Wenn Leute viel schwatzen, dann ist Vorsicht geboten. Wenn sie versuchen, mit vielen Wörtern und Gerede jemanden zu überzeugen, braucht der Weise nicht viel zu sagen, aber er muss die Fakten sagen: Adonai roi lo echsa – der Herr, mein Hirte, nichts wird mir mangeln.
Bis dahin ist es eine Frage. Auf dieser Ewigkeitsperspektive Gottes konnte Gott auch die Opfer im Alten Testament, die unter dem Alten Bund geschehen sind, auf Jesus beziehen, oder?
Ganz genau, ganz genau. So steht es in Hebräer 10, dass eben diese Opfer alle ein Schatten waren auf die zukünftigen Dinge, die Christus bringen sollte.
Für uns Menschen war das ein Unterschied, eben Vergangenheit und Zukunft. Für Gott aber nicht. Für uns Menschen hat er darum diese Vorbilder früher gegeben, auf Christus hin, als Hinweis auf ihn. Genau.
Die grüne Aue und die stille Wasserquelle als Bild für Gottes Fürsorge
Noch etwas? Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern.
David wohnte in seiner Jugend in Bethlehem. Bethlehem liegt genau am Rande der jüdischen Wüste und ist sehr fruchtbar. Darum heißt es auch Bethlehem Ephrata. Bethlehem bedeutet auf gut Deutsch „Brothaus“ – „Bet“ heißt Haus, „Lechem“ Brot, also Brothaus. „Ephrata“ ist der Zusatzname, der dieses Bethlehem von einem anderen Bethlehem in Galiläa unterscheidet. Ephrata bedeutet fruchtbar, also das fruchtbare Brothaus.
Von dort aus ging David mit den Schafen in die Wüste Judäa. Diese liefert während etwa acht Monaten genügend Nahrung für Schafherden. Gerade in der Winterszeit, der Regenzeit von Oktober bis Anfang April, kann die Wüste richtig aufblühen. Dann entstehen grüne Teppiche mit vielen Blumen.
„Er lagert mich auf grünen Auen.“ Das Wort „lagern“ ist interessant, besonders wie es in der englischen King-James-Übersetzung wiedergegeben wird. Weiß das jemand? King James sagt: „He causeth me to lay down.“ Das ist eine eigenartige Übersetzung. Er veranlasst mich, mich niederzulegen.
Das ist eine Spezialität im Hebräischen. Alles ist zurückzuführen auf dreikonsonantige Wurzeln. Man kann wunderbare Zusammensetzungen mit diesen Wurzeln machen. Es gibt verschiedene Wortstämme, indem man diese Wurzeln etwas abändert. So kann man aus einem Aktiv, zum Beispiel „ich wasche“, ein Passiv bilden: „ich werde gewaschen“. Mit etwas Variation entsteht ein Intensivstamm, der eine intensive, kräftige Handlung ausdrückt, wiederum mit Passiv.
Dann gibt es noch den Veranlassungsstamm. Dabei wird das Wort etwas verändert, sodass es bedeutet, dass jemand veranlasst wird, etwas zu tun. Dazu gibt es auch ein Passiv. Außerdem existiert der Reflexivstamm und noch viele weitere, die aber seltener verwendet werden. Das ist typisch für semitische Sprachen, auch im Arabischen.
Ein konkretes Beispiel ist das Verb „Qatal“ – es bedeutet „töten“. Die Wurzel ist Q-T-L. Das Passiv heißt „Niktal“, indem man einfach ein „N“ davor setzt, und bedeutet „getötet werden“. „Kittel“ heißt „ermorden“, „Kuttal“ bedeutet „ermordet werden“. „Hickdil“ entsteht, indem man ein „H“ vorne anhängt und bedeutet „veranlassen, dass jemand tötet“. „Hockdal“ ist eine weitere Form mit „H“ vorne und bedeutet „jemand wird veranlasst zu töten“. „Hitkatel“ entsteht durch das Anhängen von „ht“ und bedeutet „ich töte mich selbst“. So funktioniert Hebräisch.
Hier, der langen Rede kurzer Sinn: David verwendet eben diesen Hif'il, die Kausativform, also die Veranlassungsform, dass ich mich niederlege. Das ist ein wunderbarer Vers für Menschen, die vor einem Herzinfarkt stehen und nicht wissen, wie sie zur Ruhe kommen können.
Das ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Man weiß, man muss dies und das tun, aber wie? Der Herr veranlasst, dass jemand einfach mal abliegen muss. Das kann auch ein Krankenbett sein, das sehr heilsam sein kann, um die Ruhe zu finden, die wir anders nicht bekommen.
Das ist sehr schön ausgedrückt, wenn auch in der King-James-Version etwas komisch: „He causeth me to lay down“ – er veranlasst mich, mich niederzulegen. Doch es ist ganz tiefsinnig und entspricht genau dem hebräischen Text.
Wenn wir schon von Wasserquellen und grünen Auen gehört haben, dann machen wir jetzt unsere Erfrischungspause.
Fragen zur Ältestenschaft und Frauen in der Gemeinde
Frau Präsidentin! Zurzeit finden die Ältestenwahlen im November in den Gemeinden statt. Für mich wäre es wichtig zu wissen, ob es eine Stelle in der Bibel gibt, die besagt, dass Frauen sich nicht für das Ältestenamt in der Gemeinde aufstellen lassen sollen.
Ja, es gibt solche Stellen. Jesus hat Älteste unter seinen Jüngern eingesetzt, und das waren ausschließlich Männer. Obwohl die Bibel ausdrücklich von Jüngern und Jüngerinnen spricht – also Nachfolgern des Herrn, zu denen Männer und Frauen gehören – waren die Apostel, die Zwölf, nur Männer. Sie hatten eine ganz besondere Autorität vom Herrn für ihren Dienst an Israel. Deshalb gab es zwölf Apostel, entsprechend den zwölf Stämmen Israels. Der Apostel Paulus war Apostel für die Heidenvölker, aber es gab nie eine Frau in diesem Amt.
Die Apostel haben Älteste eingesetzt. Der Apostel Paulus gibt auch Anweisungen, welche Voraussetzungen Älteste erfüllen müssen. Diese kann man in Titus 1 und 1. Timotheus 3 nachlesen. Dort wird gesagt, dass ein Ältester Mann einer Frau sein soll, er soll seiner Familie gut vorstehen usw. Es wird ausschließlich über Männer gesprochen.
Das war in der gesamten Kirchengeschichte eigentlich nie eine Frage. Doch heute, im 20. und 21. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des Feminismus, wird dies in Frage gestellt. Der Feminismus ist eine Ideologie, die ganz bewusst versucht, die Ordnungen Gottes in der Natur und in der Schöpfung zu durchbrechen. Diese Ideologie ist schon viele Jahrzehnte alt, doch inzwischen hat sie auch Eingang unter Christen gefunden, die sich zur Bibel bekennen. Das ist eigentlich eine endzeitliche Katastrophe, weil die Schöpfungsordnung dadurch durchbrochen wird.
Was will der Feminismus? Er will alle Ordnungen aufbrechen, die Gott in die Schöpfung gelegt hat. Letztlich ist auch die Aufhebung und Zerstörung der Ehe ein Ziel des Feminismus. Damit wird auch die Beziehung von Mann und Frau infrage gestellt. Der Feminismus behauptet, die Geschlechter seien austauschbar. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass im Gefolge des Feminismus die gesamte Homosexualität mitkommt. Alles wird zerstört, was Gott in seinem Wort als Ordnung hineingelegt hat.
Deshalb müssten eigentlich die Alarmglocken läuten, wenn wir bemerken, dass diese Ideologien längst in die Gemeinden eingedrungen sind.
Als Kurzantwort: Es wird gesagt, dass es keine jungen, hübschen Frauen sein sollten, auch keine jungen Witwen, sondern alte, gesetzte Frauen, die länger Mitglieder in der Gemeinde sind und für solche Aufgaben tauglich sind. Ich weiß nicht genau, worum es geht. Sie spielen vermutlich auf 1. Timotheus 5 an. Dort geht es um Witwen, die verzeichnet werden sollen, wenn sie nicht jünger als sechzig Jahre sind, wenn sie den Heiligen Füßen gewaschen haben, Kinder aufgezogen haben usw. Es geht also um die Unterstützung von Witwen in der Gemeinde. Diese Unterstützung wird ihnen als Recht zugesprochen. Solche Witwen, die diese Punkte erfüllen, haben ein Anrecht darauf, dass die Gemeinde sie unterstützt.
Es gibt auch andere Personen in der Gemeinde, die unterstützt werden können, aber nicht, weil sie ein Recht darauf haben. Dort ist es Barmherzigkeit, nicht ein Anrecht.
In 1. Timotheus 5 wird erklärt, dass jüngere Witwen wieder heiraten sollen. Es geht also nicht um einen Dienst.
Was den Diakonendienst betrifft, spricht die Bibel auch über Frauen. Zum Beispiel wird die Diakonin Phöbe in Römer 16 von Paulus empfohlen. Dort geht es um praktische Dienste in der Gemeinde. Aber es handelt sich nicht um eine Aufgabe, die Führung beinhaltet. Gottes Plan war immer, dass der Mann die Führung hat. Deshalb ist das Ältestenamt für Frauen nicht vorgesehen.
Unterstützen Sie denn das Ältestenamt in der Gemeinde? Das ist noch ein anderer Punkt: Wie kommen Älteste überhaupt zustande? Es gibt nur drei Stellen im Neuen Testament, die sich mit der Einsetzung von Ältesten beschäftigen.
Erstens: Apostelgeschichte 14, Vers 23. Paulus und Barnabas wählen Älteste in den Gemeinden aus.
Zweitens: Titus 1, wo Titus als Abgesandter des Apostels Paulus beauftragt wird, in jeder Stadt auf Kreta Älteste einzusetzen.
Drittens: Apostelgeschichte 20, wo Paulus zu den Ältesten von Milet spricht, die er als Aufseher anspricht.
Älteste sind also Aufseher, das sind dieselben Personen. In Apostelgeschichte 20, Vers 28 heißt es: Der Heilige Geist hat sie als Aufseher eingesetzt, um die Gemeinde Gottes zu hüten. So kommen wir wieder zum Thema des Hirten zurück.
Apostel beziehungsweise deren Abgesandte wählen und setzen Älteste ein. Der Heilige Geist setzt Älteste ein. Nun haben wir ein Problem: Es wird nie erklärt, dass die Gemeinde die Ältesten wählt. Die Autorität wird nicht von unten nach oben eingesetzt, so wie in der Demokratie, sondern von oben nach unten.
Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, und der Herr Jesus, der sich als Mensch Gott unterstellt hat, hat Apostel eingesetzt. Die Apostel wiederum haben Leute abgeordnet, wie zum Beispiel Titus, der dann Älteste eingesetzt hat.
Die Autorität wird also von oben nach unten übertragen, nicht von unten nach oben.
Heute haben wir das Problem, dass es keine Ältestenapostel mehr gibt. Die Apostel hatten ja keine Nachfolger, sonst wären wir Katholiken. Die katholische Kirche glaubt an die apostolische Sukzession und sagt, die Päpste seien direkte Nachfolger von Petrus. Die Bibel spricht jedoch klar von den Aposteln, aber nicht von einer Nachfolge der Apostel. Deshalb haben wir diese Möglichkeit heute nicht mehr.
Der Heilige Geist ist aber immer noch da und setzt Älteste ein. Natürlich kann jeder sagen, er sei vom Heiligen Geist für das Ältestenamt berufen. Dafür muss man aber nicht viel glauben. 1. Timotheus 3 und Titus 1 sagen uns sehr deutlich, welche Eigenschaften ein Ältester haben soll.
Wenn jemand diese Eigenschaften zeigt, ist das ein Beweis dafür, dass er vom Heiligen Geist für diesen Dienst qualifiziert ist. Die Gemeinde muss ihn deshalb anerkennen. Das ist nicht dasselbe wie eine demokratische Wahl, aber es ist etwas, das die Gemeinde erfordert.
In 1. Thessalonicher 5, Vers 12 heißt es: „Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die erkennt.“ Dasselbe Wort „erkennen“ bedeutet auch „anerkennen“. Also: „Wir bitten euch, dass ihr die anerkennt, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen, und dass ihr sie über die Maßen in Liebe achtet um ihres Werkes willen.“
Die Gemeinde muss also aufmerksam sein und erkennen, wer die Eigenschaften eines Ältesten hat. Wer tut diesen Dienst eigentlich schon? Es geht nicht, dass jemand einfach sagt: „Ab nächstem Montag werde ich Ältester.“ Nein, er muss schon ein Interesse daran gehabt haben, einzelnen Geschwistern, die Mühe in der Gemeinde haben, nachzugehen, sie zu ermutigen und Seelsorge zu betreiben.
Es muss jemand sein, der bereits Vertrauen in der Gemeinde hat, zu dem Leute mit ihren Nöten kommen, ohne dass er zu ihnen geht. Er muss also schon eine moralische Autorität besitzen und diesen Dienst bereits ausüben. Dann muss die Gemeinde ihn anerkennen.
Es geht nicht darum, dass eine Mehrheit abstimmt: „Herr Müller soll Ältester werden.“ Herr Müller hat sich vielleicht nie um die Geschwister gekümmert, aber er war ein guter Manager. Das ist jedoch keine Qualifikation für das Ältestenamt. Natürlich hat er die Aufgabe zu führen, aber er muss ein geistlicher Führer sein.
Wenn jemand als geistlicher Führer erkannt wird und aufgestellt wird, wie es heute bei Wahlen üblich ist, und er will nicht, gibt es viele Brüder, die sagen: „Ich will nicht in der Gemeindeleitung arbeiten“, obwohl sie vielleicht qualifiziert wären.
Dann muss man auch sagen: Haben sie bereits erfüllt, was 1. Thessalonicher 5 sagt, nämlich die Anerkennung derer, die unter ihnen arbeiten und vorstehen? Wenn nicht, dann üben sie diesen Dienst auch nicht aus.
Es muss nicht unbedingt sein, dass jemand in der Gemeindeleitung sein muss, um diesen Dienst zu tun. Aber 1. Thessalonicher 5, Verse 12 und 13 sagen ja, dass die Gemeinde diejenigen anerkennen soll, die unter ihnen arbeiten und vorstehen.
Das sind also Leute, die diesen Dienst schon tun, ohne dass allgemein bekannt ist, dass sie Älteste sind. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass jemand die Qualitäten eines Ältesten hat, das Vertrauen der Gemeinde gewinnt und dann steht nichts mehr im Weg, dass er anerkannt wird.
Das ist wirklich ein Ältester, der in der Gemeinde ein führendes Wort hat.
Die Grundlage dafür ist das Gebet der Gemeinde. Wenn das ausbleibt, will man ihn nicht anerkennen.
Dann verkommt das Ganze zu einer politischen, demokratischen Führungssache. Es ist aber eine geistliche Angelegenheit, bei der der Heilige Geist in einem Menschen wirken muss, damit er diesen Dienst tun kann.
Wollen wir noch einmal zu Psalm 23 zurückkehren? Ich denke, das ist gut. Man kann auch weiterhin zwischendurch Fragen stellen, die nicht direkt das Thema betreffen. Aber hier betrifft es eigentlich das Thema, denn wir haben gesehen, dass die Ältesten in 1. Petrus 5 einen Hirtendienst tun, entsprechend dem Hirtendienst des Herrn Jesus, der der Oberhirte oder der große Hirte der Schafe genannt wird.
Psalm 23: Die Fürsorge des Hirten im Alltag
Wir haben bereits gehört von dem Lagern auf grünen Auen und dem Führen zu stillen Wassern. In der jüdischen Wüste gibt es reißende Wadis, die sehr gefährlich sind. Dort haben schon viele Menschen den Tod gefunden. Der Hirte führt seine Schafe jedoch nicht zu solchen Winterbächen, die gefährlich sind, sondern zu Orten, an denen das Wasser ruhig steht. Dort hat sich der Dreck bereits abgesetzt. Diese stillen Wasser sind sicher, und die Schafe können dort ohne Gefahr nicht nur essen, wie auf den grünen Auen, sondern auch trinken.
In Vers 3 heißt es: „Er erquickt meine Seele eigentümlich.“ Wie macht ein Hirte das? Es geht ja immer um das Bild des Hirten. Wie erquickt ein Hirte die Seele eines Schafs?
Von den Tieren wird ebenfalls von einer Seele gesprochen. Zum Beispiel in 1. Mose 1, wenn Gott die lebendigen Wesen im Wasser erschafft, heißt es wörtlich „nefesh chaya“, lebendige Seelen. Besonders Tiere, die Blut haben, werden als lebendige Seele bezeichnet. Diese Tiere zeigen auch Empfindungen, was bei Schafen, Ziegen oder Hunden der Fall ist.
Die Seele ist eigentlich das Leben, aber das Leben beinhaltet auch ein gewisses Bewusstsein und damit Gefühle. Hier wird gesagt, dass der Hirte die Seele des Schafs erquickt. Wie kann er das tun? Allein schon durch seine Nähe, indem er da ist und vielleicht ein freundliches Wort spricht. Die Tiere reagieren auf diesen freundschaftlichen, liebevollen Umgang.
Schafe können unter Umständen auf den Rücken fallen, manchmal in Situationen, in denen sie sich nicht mehr aufrichten können. Das Zappeln, das sie zeigen, beschreibt Keller in seinem Buch sehr schön. Es ist wirklich zu empfehlen. Das Buch heißt „Ein Schafhirte studiert Psalm 23“ von Keller.
Er erklärt, wie er das erlebt hat: Die Schafe zappeln wild, versuchen sich aufzurichten, aber es gelingt nicht. Dann hören sie auf und wirken fast depressiv. Der Hirte kommt, wendet sie um und bringt sie wieder auf die Beine. Dann kommt das Leben zurück, die Depression vergeht.
Im Hebräischen steht hier wörtlich „nafshi yeshowew“ – „meine Seele wendet er zurück“ oder „kehrt sie zurück“. Das bedeutet, dass das Schaf gedreht werden muss, damit es wieder aufstehen kann, und die natürliche Fröhlichkeit kehrt zurück.
Diese Erfahrung lässt sich gut auf Gläubige übertragen. Ein wahrer Gläubiger wird immer unglücklich, wenn er sündigt. Jesus wirkt an den Seinen, damit sie erkennen, dass sie auf einem falschen Weg sind. Gerade das Unglücklichsein ist eine Wirkung des Herrn, damit der Gläubige umkehrt.
Nach 1. Johannes 1,9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ So kommt die Freude des Heils wieder zurück. Das entspricht genau dem „Er wendet meine Seele um“. Sinngemäß ist es richtig: Er erquickt, belebt meine Seele.
Im Arabischen steht in der Bibel genau diese Umkehrung. „Meine Seele wird gedreht“ – so wird es übersetzt, wie es im Urtext steht. „Erquickt“ bedeutet belebt oder lebendig gemacht. Im Englischen heißt „quick“ schnell oder lebendig, „quickly“ bedeutet schnell. Daraus leitet sich das deutsche „erquicken“ ab, was „beleben“ oder „neues Leben und Freude schenken“ bedeutet.
Arabisch ist dem Hebräischen sehr nahe, da es verwandte Sprachen sind. Im Deutschen muss man das anders ausdrücken, sonst versteht man es nicht.
Durch alles, was der Herr an Freundlichkeit schenkt, beglückt er unsere Seele. Das sollen wir dankbar aus seiner Hand annehmen. Das Buch Prediger behandelt besonders dieses Thema: Wie Gott all die natürlichen Dinge in seiner Schöpfung gegeben hat, damit der Mensch sie mit Dankbarkeit aus seiner Hand empfängt.
Dann kann man sogar ganz alltägliche Dinge wirklich genießen. Menschen, die ohne Gott genießen, haben es schwer, weil der Genuss schnell vergeht. Aber wenn man das Essen aus der Hand Gottes annimmt, kann man es ganz anders genießen als ein Gottloser. Das ist ein deutlicher Unterschied.
Das Buch Prediger zeigt das in Prediger 3 sehr genau: „Wer kann genießen ohne ihn? Wer kann den wirklichen Genuss haben, der nie überbordend ist, sondern die Grenzen kennt?“ Wenn man das weiß, ist der Genuss ein wahrer Genuss und nicht etwas Selbstsüchtiges, das letztlich nur zu einem Kater führt.
Weiter heißt es: „Er erquickt meine Seele, er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.“
Der Weg der Gerechtigkeit und Gottes Führung
Was ist der Pfad der Gerechtigkeit? Der schmale Weg? Ja, aber warum heißt er Pfad der Gerechtigkeit? Es ist eigentlich ganz einfach: Er bedeutet nichts anderes als der richtige Weg. Er leitet mich auf dem richtigen Weg.
Im Hebräischen gibt es vergleichsweise wenige Adjektive, also Eigenschaftswörter. Das ist jedoch kein Problem, denn man drückt Eigenschaften anders aus. Man verwendet ein Hauptwort. So sagt man zum Beispiel „der Pfad der Gerechtigkeit“, was „der richtige Weg“ bedeutet. Richtig ist ein Eigenschaftswort, aber auf Hebräisch sagt man eben „der Pfad der Gerechtigkeit“. Das ist der richtige Weg.
Ein weiteres Beispiel findet sich in Hebräer 1, wo vom „Wort seiner Macht“ die Rede ist. Das ist typisch hebräisch ausgedrückt. Im griechischen Text steht dort „das mächtige Wort“. Auch „der Sohn seiner Liebe“ in Kolosser 1,12 bedeutet „der geliebte Sohn“. Selbst im Neuen Testament verwenden die Schreiber oft diese Ausdrucksweise, weil sie würdevoller klingt. „Der Sohn seiner Liebe“ klingt viel ehrwürdiger als nur „sein geliebter Sohn“.
Oder wenn vom Herrn Jesus als dem ewigen Sohn Gottes gesagt wird, dass er alle Dinge hält, das ganze Weltall, durch „das Wort seiner Macht“ – anstatt nur durch „ein mächtiges Wort“. Das ist ganz typisch hebräisch. Wenn man das weiß, kann man viele Ausdrücke im Bibeltext besser verstehen.
Man muss sich nur überlegen, wie man das mit einem Eigenschaftswort ausdrücken würde: „Der Weg der Gerechtigkeit“ – der richtige Weg. Er führt auf dem richtigen Weg.
In der Wüste Judäa gibt es viele Wege. Wenn ich eine Gruppe nach Israel führe – nächstes Jahr habe ich vor, das sogar zweimal zu machen, im April und Ende September/Anfang Oktober, jeweils etwa neun Tage – fahren wir zum ersten Mal mit dem Bus durch die jüdische Wüste. Die Leute sehen diese Hügel, aber keiner käme auf die Idee, die unzähligen Wege auf den Hügeln zu bemerken. Sie sehen sie einfach nicht. Man sieht nur das, was man schon weiß oder erwartet. Das ist oft so.
Dann erkläre ich: „Seht ihr dort überall diese Wege? Schau, es gibt überall kleine Wege, einen Weg unter dem anderen.“ Plötzlich sehen sie es. Die Hügel sind voller Wege. Diese Wege kommen von wilden Tieren in der Wüste. Sie gehen auf ganz bestimmten Pfaden und fressen die Pflanzen ab. Natürlich gehen auch die Schafe und Ziegen der Beduinen auf diesen Wegen.
So sind die Wege voll, voll, voll. Aber diese Wege sind gefährlich für ein Schaf, das seinen eigenen Weg geht. Denn die Wege führen rund um den Hügel herum. Ein Schaf, das diesen Wegen folgt, kommt nie mehr nach Hause. Die Wege führen irre, so wie es in Jeremia heißt: „Die Hügel haben mein Volk irregeführt.“ Das ist eine Anspielung auf den Götzendienst, die kanaanitischen Höhenkulte, die Israel nachgeahmt hat.
Das kommt von der Sprache dieser Wege in der Wüste, die die Schafe irreführen. Ein Schaf für sich allein hat tausend Wege, aber nicht alle Wege führen nach Jerusalem oder Bethlehem. Das ist einfach nicht wahr. Der ewige Spruch „Alle Wege führen nach Rom“ ist frei abgewandelt.
Es braucht den Hirten, der dem Schaf genau zeigt, wo es langgeht, bis es wieder zur Schafhürde kommt. So sagt David: „Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, auf dem richtigen Weg, um seines Namens willen.“ Welcher Name ist gemeint? Gottes Name. Welcher Name? Jachwe.
Was hat das mit dem richtigen Weg, dem Weg der Gerechtigkeit, zu tun? Warum gerade Jachwe? Es gibt noch einen Namen, der viel naheliegender wäre: „Der Ewige rettet“, „der Gerechte“.
Frau Pilatus hat während des Prozesses jemanden abgesandt und gesagt: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn viel habe ich im Traum gelitten um seines Willens.“ Sie hatte Albträume in der Nacht zuvor und warnte ihren Mann: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten.“ Im Neuen Testament wird Jesus siebenmal „der Gerechte“ genannt.
Das passt gut: Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit. Dieser richtige Weg ist der Weg, auf dem man in der Gerechtigkeit Gottes lebt. Darum ist der Ausdruck „Weg der Gerechtigkeit“ besser als nur „der richtige Weg“. Ich möchte das nie in meiner Bibel ändern.
Der Pfad der Gerechtigkeit bedeutet also den Weg, auf dem ich nach Gottes Gerechtigkeit und Maßstäben leben kann. Da führt er mich um seines Namens willen, eben weil er der Gerechte ist.
Matthäus 27,19: „Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten!“ Und im gleichen Kapitel, Vers 24, sagt Pilatus, indem er seine Hände wäscht: „Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten.“ So siebenmal.
Vielleicht noch eine Stelle: 1. Johannes 2,1 – „Jesus Christus, der Gerechte, und er ist die Sühnung für unsere Sünden.“ Der Gerechte – ein wunderbarer Name.
Also führt er mich auf Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen. Und jetzt, auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir.
Das Tal des Todesschattens und Gottes Trost
Was ist das Tal des Todesschattens jetzt konkret für das Schaf? Es ist das Tal! Es lohnt sich, die Wüste Judäa zu erleben und vielleicht eine Wanderung zu machen. Dort gibt es tief eingeschnittene Täler, sogenannte Wadis. In diesen Tälern fallen die Schatten, die dunklen Schatten, und das ist das Normale in dieser heißen Wüste, wo sonst alles von der Sonne erleuchtet wird.
Diese tiefen, schmalen Täler, in denen die Schatten liegen, sind sehr gefährlich für Schafe. Hirten müssen durch solche Wadis hindurch und den Schafen helfen, über Felsblöcke hinwegzukommen. Das ist ganz gefährlich. Es gibt solche Abschnitte im Leben des Schafes, genauso wie es sie im Leben von uns Menschen, von uns Gläubigen gibt.
Das sind die Momente, in denen die Dunkelheit des Todes uns nahekommt. David sagt sogar dann: „Ich fürchte nichts Übles, denn du bist bei mir.“ Das betont: „Der Herr ist mein Hirte.“ Denn du bist bei mir. Und zwar sind es zwei Dinge, die ihn trösten: sein Stecken und sein Stab. Wozu ist das Stecken da, und wozu der Stab?
Der Stab ist für die wilden Tiere. Er ist auch für die Herde da, um die einzelnen Schafe, die sich von der Herde abgewandt haben, wieder zurückzuführen. Der typische lange Hirtenstab, ob gebogen oder nicht, muss lang sein. Der Stecken ist ein Knüppel, um die wilden Tiere zu erschlagen. David hat mit Löwen und Bären gekämpft, erklärt König Saul in 1. Samuel. Dafür war dieser Knüppel wichtig.
Der Stab hat verschiedene Funktionen. Eine davon wird mehrfach in der Bibel erwähnt: die Funktion des Zählens. Wenn die Schafe am Abend in die Schafhürde zurückkehren, hält der Hirte über die Eingangsöffnung seinen Stab. Dann zählt er jedes Mal, wenn ein Schaf unter dem Stab hindurchgeht: eins, zwei, drei, vier, fünf bis neunundneunzig, wenn eines verloren gegangen ist, nach Lukas 15.
Ich gebe mal die Stellen an: Jeremia 33, Vers 13. Dort heißt es: „In den Städten des Erlangen, in den Städten der Spitzela und in den Städten des Neges aus dem Land Benjamin und in der Umgebung von Jerusalem und in den Städten Judas sollen die Schafe wiederum unter den Händen des Zählers vorübergehen.“
Dazu schlagen wir noch 3. Mose 27, Vers 32 auf: „Was den ganzen Zehnten von Rindern und Schafen betrifft, von allem, was unter dem Hirtenstab hindurchgeht, soll jeweils das zehnte Tier dem Herrn heilig sein.“ Da haben wir den Ausdruck „unter dem Stab hindurchziehen“. Jedes zehnte Tier soll heilig sein. Der Stab ist also das Mittel, um die Schafe zu zählen.
So bedeutet „dein Stecken und dein Stab trösten mich“: Der Herr ist stärker als alle meine Feinde. In Epheser 6, Vers 10 und folgende wird gezeigt, dass Satan und die Dämonen unsere Feinde sind. Aber der Herr Jesus ist stärker. Es gibt viele Leute, die betonen, wie stark sie sind und wie sie geistliche Kampfführung führen können. Das ist es nicht.
Wir müssen uns klar machen, wie stark der Herr ist, der Hirte, und wie er die Feinde schlägt. Das tröstet uns. Der Herr ist stärker. Der Stab bedeutet: „Ich bin unvergesslich.“ Sogar dann, wenn ich das Gefühl habe, „Wo ist der Herr? Hat er mich vergessen? Warum greift er jetzt nicht ein?“ Dein Stab tröstet mich. Ich darf wissen: Ich bin gezählt, der Hirte vergisst mich nie.
Wir sind eigentlich am Ende unserer Zeit, aber noch ganz kurz zu Vers 5: „Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde.“ Das hebräische Wort für Tisch, Schulchan, bezeichnet ursprünglich ein Fell, das man am Boden ausbreitet. Die ursprüngliche Bedeutung ist also nicht ein Tisch mit Beinen, sondern einfach der Ort, wo man isst – am Boden.
„Du bereitest vor mir einen Tisch“ bedeutet also für ein Schaf, dass der Hirte die Weide, den Ort zum Essen, vorbereitet. Er passt auf, dass es keine giftigen Kräuter gibt, die er vorher entfernt. So stellt er einen Bereich bereit, wo die Schafe abfressen können. Er bereitet den Tisch für die Schafe auf diese Weise.
„Angesichts meiner Feinde“ – es gibt gefährliche Tiere, die eine Bedrohung für die Schafe sind. Aber der Hirte ist da mit seinem Stecken, und die Schafe können diese präparierte Weide einfach benutzen und genießen, auch wenn Gefahren da sind.
„Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt.“ Es gibt Krankheiten bei Schafen und anderen Haustieren, die durch Insekten entstehen, die ihre Eier in den Nasenbereich ablegen. Diese Würmer entwickeln sich und wandern bis ins Gehirn. Das kann dazu führen, dass Tiere wahnsinnig werden.
Eine einfache Methode für Hirten ist, Olivenöl zu nehmen und die Nasen der Schafe einzureiben. So können sie sie vor diesen Krankheiten schützen. Deshalb wird der Kopf gesalbt. Das ist auch eine Aufgabe des Hirten, der mich vor Wahnsinn schützt.
In Psalm 91 heißt es: „Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Inneren erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne.“ Manchmal spielen die Gedanken verrückt, und da darf man als Gläubiger erfahren, wie der Herr eingreifen kann. Er salbt mein Haupt mit Öl.
„Mein Becher fließt über.“ Das kann man in Israel ganz konkret erklärt bekommen: Wie sieht der Becher von Schafen aus? Es war üblich, Steinblöcke auszuhöhlen, um Wasser hineinzugießen in den Schafhürden. Das ist ein Trinkbecher für die Schafe. Wenn der Hirte Wasser hineingießt, tut er das nicht sparsam, sondern im Überfluss. Darum sagt David: „Mein Becher fließt über.“ Der Hirte gibt Überfluss.
So sagt der Herr Jesus in Johannes 10: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und dass sie es in Überfluss haben.“
Schließlich: „Fürwahr, Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens, und ich werde wohnen im Haus des Herrn auf immerdar.“ Was ist das Haus des Herrn? Eigenartig, was hat der Tempel mit Schafen zu tun? Sehr viel.
In Johannes 10 spricht der Herr Jesus über den Hof der Schafe. Das ist dasselbe Wort, das auch für die Vorhöfe des Tempels gebraucht wird. Auf der Nordseite des Tempels in Jerusalem gab es ein Tor, das hieß „die Tür der Schafe“ – das Schaftor. Durch dieses Tor wurden die Schafe hineingeführt.
Wir haben jetzt nicht die Zeit, alle Details zu besprechen, aber es gibt viele Stellen, die den Tempel als Schafhof beschreiben und die Menschen, die hineingehen, als Schafe. Ich verweise nur auf Psalm 100, der so bekannt ist: „Jauchzet dem Herrn, alle Erde! Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Jubel! Erkennt, dass der Herr Gott ist; er hat uns gemacht und nicht wir selbst.“ Ein wichtiger Satz für die Evolutionisten: „Er hat uns gemacht und nicht wir selbst.“
„Sein Volk und die Herde seiner Weide kommen in seine Tore mit Lob, in seine Vorhöfe mit Lobgesang.“ Das Volk wird als Schafherde gesehen, die in den Schafhof des Tempels kommt. So vergleicht David die Schafhürde mit dem Haus Gottes. Wörtlich heißt es hier: „Ich werde wohnen im Haus des Herrn auf Länge der Tage.“
Das drückt die Gemeinschaft aus, die wir mit dem Herrn haben können, schon heute in seinem Haus. Heute ist die Gemeinde der Tempel Gottes, 1. Korinther 3, Vers 16: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Die Gemeinde ist der Ort, wo wir als Gläubige zu Hause sein können, da, wo Gott sich zu Hause fühlt. „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“
Natürlich haben wir als Gläubige auch den zukünftigen Aspekt, dass wir einmal im Haus des Vaters in Ewigkeit wohnen werden, Johannes 14, Vers 2. Das Haus des Vaters ist in Johannes der Ausdruck für den Tempel, und Johannes 14 bezeichnet den Tempel im Himmel. Das ist der Ausblick des Gläubigen, der heute vom Herrn Jesus, dem großen Hirten der Schafe, geführt wird. Er wohnt jetzt schon im Haus des Herrn, aber wir werden ewig im Haus des Herrn im Himmel wohnen, im Tausendjährigen Reich.
Vielleicht als Ankündigung: Ich will dann erklären, dass Psalm 24 jeweils im Tempel am Sonntag gelesen und gesungen wurde. Das heißt, als der Herr Jesus als König nach Jerusalem einzog, am Palmsonntag, sang man genau diesen Psalm, in dem es heißt: „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ewige Pforten; der König der Herrlichkeit zieht ein.“ Das war ein Volltreffer, dass dieser Psalm an diesem Tag gesungen wurde.
Ich werde zeigen, wie alle anderen Psalmen, die an den weiteren Wochentagen gesungen wurden, genau mit dieser Woche von Palmsonntag bis zur Auferstehung übereinstimmen. Dazu nehmen wir die anderen sechs Psalmen noch hinzu. Das ist sehr eindrücklich: Ein Drittel aller vier Evangelien beschäftigt sich mit dieser Woche. Ich habe das mal ausgezählt: Über dreißig Prozent aller Verse handeln nur von dieser Woche.
Diese Woche entspricht genau den sieben Wochenpsalmen, die der Herr durch sein Kommen damals erfüllt hat. Außerdem werden wir sehen, dass in Israel in den Synagogen an jedem Tag ein Abschnitt aus 1. Mose 1 gelesen wurde – jeder Schöpfungstag. Wir werden entdecken, wie zwischen den sieben Schöpfungstagen und den sieben Wochentagen ab Palmsonntag direkte Übereinstimmungen bestehen.
Das ist wirklich zum Staunen über den Reichtum des Wortes Gottes. Nächstes Mal wird das im Dezember sein. Jetzt wollen wir noch beten, und dann erklärt Peter noch, wie es außer- und wie es weitergeht, nächstes Mal mit einem Spezialthema.
