Die Bibel von Anfang an erzählen
Wer letztes Mal nicht da war, das ist nicht schlimm, wir hatten die
Kapitel 1-12 durchgenommen. Aber ich versuche das ja immer so zu machen,
dass es als Block in sich etwas Abgeschlossenes ist. Also wenn wir so
weiterfahren mit 2. Mose, dann ist auch das in sich geschossen. Natürlich
ist es am Besten, wenn man die ganze Abfolge hat. Und was wir hier
eigentlich machen seit wir mit 1. Mose 1 begonnen haben, ist ja im Prinzip
etwas ähnliches was die New Tribes Mission macht bei den
Eingeborenenstämmen. Die haben nämlich festgestellt, wenn man das
Evangelium zu irgendeinem Eingeborenenstamm in den Regenwald oder so
bringt, dann ist das gar nicht so gut, wenn man sofort mit dem Evangelium
und dem Neuen Testament beginnt. Die Leute bekehren sich dann zwar, aber
sie vermischen sehr schnell das Evangelium mit ihren Stammesriten und es
kommt so zu einer Religionsvermischung. Und man hat festgestellt, wenn man
die Bibel einfach von Anfang an erzählt, von 1. Mose 1 an, dann erleben
diese Leute die Heilsgeschichte genau so wie sie abgelaufen ist. Ihre
Urzeitmythen stimmen oft in überraschenden Details überein mit den ersten
Kapiteln der Bibel. Da gibt es dann schon mal die erste Begegnung. Aber
dann auch die Antworten auf offene Fragen, die in ihren Urzeitmythen nicht
beantwortet werden. Und da geht man so durch und sie lernen, wie Gott das
Gericht gebracht hat bei Noah, wie er aber auch die Möglichkeit zur Rettung
gegeben hat. Man kommt dann nach Ägypten und sieht, wie Gott als Richter
durch Ägyptenland gegangen ist, aber wie Menschen durch das Blut des Lammes
gerettet werden konnten. So geht man durch die ganze Bibel hindurch und man
kommt zur Gesetzgebung und sie sind überrascht, dass sie ja zum Teil ganz
anders gelebt haben, als was die zehn Gebote fordern und sie beginnen dann
gesetzlich danach zu leben, bekommen allerdings nach einiger Zeit schon
Probleme; sie merken sie können das gar nicht. Und so geht man einfach
Schritt für Schritt durch und man kommt zum Neuen Testament. Man erzählt,
das ist jetzt der Retter, der damals schon im Garten Eden angekündigt
worden ist und sie erleben das ganz bewusst mit. Und schließlich kommt es
zur Kreuzigung und die erleben das wirklich als eine Katastrophe. Jetzt
haben die gehofft, jetzt kommt der Verheißene und jetzt wird er ermordet.
Die sind ganz erschlagen und da macht man einen Stopp, die Leute sollen
darüber nachdenken. Und dann kommt die nächste Lektion, die Auferstehung.
Und da erlebt man es, dass da plötzlich, je nachdem, hundert Leute sich
sofort am gleichen Abend bei dieser Lektion bekehren. Vorher noch keiner!
Und die erleben das so ganz bewusst mit, den zusammenhängenden Heilsplan,
und das hat zu der Überzeugung geführt, dass soll man unbedingt bei solchen
Völkern auf diese Art tun. Das ist die Art wie sie am klarsten die
Botschaft verstehen und auch den totalsten Bruch mit der Vergangenheit dann
vollziehen.
Und nun, im Prinzip gehen wir so vor, aber was wir ein bisschen anders
machen ist, dass wir uns schon bei jeder Textstelle, wo wir einen Bezug
sehen zur Vollendung und zur Erlösung im Neuen Testament, sofort darauf
eingehen wollen. Aber eben weil wir in einer anderen Situation sind. Es ist
kaum jemand hier, der nicht weiß, was nachher noch kommen wird. Also wir
müssen den Bezug jetzt schon herstellen. Aber überhaupt die Heilsgeschichte
im Zusammenhang zu verstehen und durchzugehen, das ist etwas ganz
wichtiges. Wir sind vielleicht schon in der zweiten Klasse bei den
Eingeborenenstämmen. Wenn man nämlich einmal durch ist, dann kann man ihnen
ja erklären, seht ihr die Rettung durch Christus. Das ist im Prinzip genau
schon geschehen bei Abel, da gab es auch schon ein Opfer, dann bei Noah gab
es die Rettung durch die Arche, dann in Ägypten gab es die Rettung durch
das Lamm. Und so sehen sie die Heilsgeschichte als etwas in sich
Geschlossenes, in sich Stimmiges. Also in diesem Sinn gehen wir durch und
kommen jetzt zu diesem Block Von Ägypten zum Sinai.
Der Zusammenhang zwischen Genesis und Exodus
Nun zunächst, wie letztes Mal möchte ich zeigen, wie die Bücher Genesis
und Exodus zusammenhängen. Wir haben schon letztes Mal gesehen, dass das 1.
Buch Mose mit Gottes Herrlichkeit in der Weite der Schöpfung beginnt. Der
Schöpfungsbericht in 1. Mose 1 zeigt uns die Herrlichkeit Gottes. Psalm 19erklärt uns ja: «Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.» Aber dieses
Buch endet mit dem Verhängnis des Todes in der Enge eines Sarges in
Ägypten. In 1. Mose 50, 26 haben wir eine Mumie im Sarg, das ist Joseph. So
endet das erste Buch Mose. Und was ist der Wendepunkt, der zu dieser
Katastrophe geführt hat, zu dem Verhängnis des ´Todes? Das ist das
Schlüsselkapitel 1. Mose 3, der Sündenfall. Aber wenn wir nun zum zweiten
Buch Mose kommen sehen wir, dass dies mit dem Verhängnis des Todes beginnt
und der einengenden Sklaverei in Ägypten. Israel unter der
Sklavenherrschaft des Pharaos. Aber das Buch endet mit der Freiheit
Israels, im Anschauen der Herrlichkeit Gottes. In 2. Mose 40, 34-35 da
sehen wir, wie die Schechina, die Wolke der Herrlichkeit Gottes kommt und
die Stiftshütte erfüllt. Das heißt also, der Kreis ist geschlossen. Das
zweite Buch Mose endet da, wo das erste Buch Mose begonnen hat. Aber wie
ist es wieder zu dieser Wende gekommen? Und da ist das Schlüsselkapitel 2.
Mose 12, was wir letztes Mal gesehen haben, die Erlösung durch das Blut des
Lammes.
Wir können auch das Ganze so betrachten: Das erste Buch Mose beginnt mit
dem Menschen in dem umzäunten Heiligtum in Eden. Eden war ja ein Garten. Im
Neuen Testament wird ja der Ausdruck Paradies verwendet, das ist der
Ausdruck der für den Garten Eden gebraucht wird schon in der griechischen
Übersetzung, der Septuaginta. Paradies ist ein Wort, das eingezäunter
Garten bedeutet. Und das war ein Heiligtum, denn in diesem Bereich hatte
die Sünde keinen Platz. Sobald der Sündenfall kam, musste der Mensch
hinausgetrieben werden. Darum sage ich, 1. Mose beginnt mit dem Menschen im
umzäunten Heiligtum in Eden und der durch die Sünde bedingten Vertreibung
nach Osten hinaus. Es gab einen Ausgang in Eden, der war nach Osten
gerichtet und dort wurde der Mensch hinausgetrieben, nach Osten. Und gegen
Osten waren dann auch die Cherubim, diese Thronwächter-Engel, die mit einem
feurigen Schwert den Zugang zum Baum des Lebens versperrten. Nun, das
zweite Buch Mose endet mit dem nach Osten hin geöffneten Heiligtum. Die
Stiftshütte, ein eingezäunter Bereich, mit einem Ausgang nach Osten. Und
dort kann der Mensch nun von Osten her hineingehen in die Stiftshütte. So
endet das zweite Buch Mose. Und wieder mit den Cherubim dort. Die Cherubim-
Engel findet man nirgends mehr im ersten und zweiten Buch Mose, erst als
die Stiftshütte kommt, da werden die Cherubim auf der Bundeslade
angebracht, auf dem Scheidevorhang und auf der Decke oben über dem
Heiligtum. Also, bemerken wir die Parallelen und die Gegensätze? 2. Mose
endet also mit einem erlösten Volk, das wortwörtlich heimkehrt, nach Hause
kommt, ins Haus Gottes.
Wir können das auch so anschauen. Das erste Buch Mose beginnt mit der
Sabbatruhe Gottes, grad nach der Schöpfung. Aber dann kam der Sündenfall
und diese Ruhe wurde jäh zerstört. Aber im zweiten Mosebuch wird das
erlöste Volk in die Sabbatruhe eingeführt. In 2. Mose 20, 8 ist das Gebot
des Sabbats, 2. Mose 31, 17 spricht über den Sabbat und auch 2. Mose 34, 21und 2. Mose 35, 1-3. Und es wird gesagt, dass der Sabbat das Zeichen des
Bundes ist zwischen Gott und seinem Volk Israel. Also auf diese Sabbatruhe
wird viel Wert gelegt. Und da sehen wir, das erste Buch Mose beginnt mit
der Sabbatruhe, aber dann kommt der Sündenfall und alles Elend, aber am
Schluss vom zweiten Mosebuch kehrt gewissermaßen ein Volk in die Ruhe
Gottes ein. Nun, wenn wir das übertragen wollen, dann müssen wir uns
darüber im Klaren sein, dass der Sabbat ausdrücklich ein Zeichen des Bundes
zwischen Gott und Israel ist, 2. Mose 31, 17. Und niemals zwischen Gott und
der Welt, der Menschheit. Der Sabbat ist nicht für die christliche Gemeinde
bestimmt, das geht auch klar aus Kolosser 2, 16-17 hervor, wo gesagt wird,
niemand soll euch Christen verurteilen im Zusammenhang mit Sabbat und
anderen Festen. Aber im übertragenen Sinn hat der Sabbat natürlich eine
große Bedeutung. Hebräer 4, 9 sagt ausdrücklich: «Also bleibt für das Volk
Gottes noch eine Sabbatruhe übrig». Die Ruhe Gottes in der himmlischen
Herrlichkeit ist ein Ziel der Erlösten heute. Und schon heute. Der Herr
Jesus sagt in Matthäus 11, 28: «Kommet her zu mir alle ihr Mühseligen und
Beladenen; ich will euch Ruhe geben». Das ist die göttliche Sabbatruhe.
Interessant, grad die nächsten Verse drauf handeln dann vom Sabbat, in
Matthäus 12. Gut, im übertragenen Sinn ist der Sabbat eben ein Hinweis auf
die Ruhe, die der Erlöser durch sein Erlösungswerk einmal bringen sollte.
Der langen Rede kurzer Sinn: Also das erste Mosebuch beginnt mit der
Sabbatruhe und das zweite Mosebuch zeigt, wie das Volk Gottes in diese
Sabbatruhe schließlich eingeführt wird. Also so haben wir den Zusammenhang
der ersten zwei Bücher, die gewissermaßen so ein abgerundetes Ganzes
bilden.
Der Auslegungsschlüssel
Nun, wenn wir jetzt weitergehen, 2. Mose 13ff, wollen wir uns den
Auslegungsschlüssel in 1. Korinther 10 genauer anschauen. Paulus spricht
dort über die Wolke, über den Durchzug durchs Meer, über das Manna, das
Wasser aus dem Felsen und dann sagt er in Vers 6: «Diese Dinge aber sind
als Vorbilder für uns geschehen, dass wir nicht nach bösen Dingen gelüsten,
gleich wie auch jene gelüsteten.» Vers 11. «Alle diese Dinge aber
widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer
Ermahnung, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist.» So eindeutig
und deutlich wird hier gesagt, dass die Geschichte Israels in der Wüste als
Vorbild und als Warnung für uns Christen aufgeschrieben worden ist. Also
wir müssen das zweite Buch Mose bewusst so lesen; es ist für uns Christen
geschrieben worden. Natürlich ist es damals auch für Israel geschrieben
worden, aber Gott hat das schon damals bewusst so schreiben lassen im Blick
auf die Gemeinde. Das gibt uns den Schlüssel. 2. Mose 13, Israel ist gerade
ausgezogen aus Ägypten, auf der Grundlage des Blutes des Passahlammes. Die
Erstgeborenen Ägyptens sind erschlagen worden und jetzt in 2. Mose 13 sagt
Gott zu Mose als neue Offenbarung: Von jetzt an sollen überhaupt die
Erstgeborenen, die ja jetzt so speziell verschont worden sind, die sollen
ganz besonders mir geweiht werden und auch die Erstgeborenen Tiere. Was
will uns das sagen? In Kapitel 12 wurden ja die Erstgeborenen durch das
Blut des Lammes gerettet. Nun sollen die Erstgeborenen Gott geweiht werden.
Und daraus lernen wir, wen Gott erlöst, den nimmt er ganz in Anspruch, den
will Gott ganz für sich haben. 1. Korinther 6, 19-20 zeigt uns das in
neutestamentlicher Sprache: «Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib der
Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt,
und dass ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft
worden; verherrlichet nun Gott in eurem Leibe.» Also erlöste Menschen
gehören Gott. Daraus folgt, es ist Gottes Wille, unsere praktische
Heiligung, das ist die Konsequenz aus der Errettung. Und ich muss erklären,
das Wort heilig im Alten Testament auf Hebräisch und auch auf Griechisch im
Neuen Testament hat die Grundbedeutung von « absondern für». Heilig heißt,
für Gott reserviert sein. Wer errettet ist, ist für Gott reserviert, das
können wir lernen aus 2. Mose 13, 1-16.
Und noch etwas. Die Erstgeburt der Esel musste man nicht unbedingt weihen
und durch einen Preis loskaufen, sondern denen konnte man auch das Genick
brechen. Da gab es also zwei Möglichkeiten, entweder einem erstgeborenen
Esel wurde das Genick gebrochen oder man musste ihn freikaufen, und zwar
durch ein Lamm. 2. Mose 13, 13: «Und jedes Erstgeborene des Esels sollst du
mit einem Lamme lösen, und wenn du es nicht lösest, so brich ihm das
Genick; und jedes Erstgeborene des Menschen unter deinen Söhnen sollst du
lösen.» Also bei den Menschen konnte man nicht wählen, das ist klar, die
musste man freikaufen. Aber beim Esel. Ich meine ein Lamm, wenn einer sich
sagt, ich habe genug Esel, das lohnt sich jetzt nicht da ein Lamm dafür
herzugeben, dann musste man ihm aber das Genick brechen. Nun, die Esel sind
ein sehr gutes Bild für unser rebellisches, störrisches Wesen. Es gibt nur
zwei Möglichkeiten, entweder muss Gott uns richten, unseren harten Nacken
brechen, oder er kauft uns frei durch das Lamm. Also hier haben wir sehr
drastisch die Erlösung dargestellt in dem Esel und dem Lamm.
Gottes Führung
Wir gehen einen Schritt weiter, 2. Mose 13, 17-22. Ich lese ein paar
Verse: «Und es geschah, als der Pharao das Volk ziehen ließ, da führte Gott
sie nicht den Weg durch das Land der Philister, wiewohl er nahe war; denn
Gott sprach: Damit es das Volk nicht gereue, wenn sie den Streit sehen, und
sie nicht nach Ägypten zurückkehren. Und Gott führte das Volk herum, den
Weg der Wüste des Schilfmeeres; und die Kinder Israel zogen gerüstet aus
dem Lande Ägypten herauf.» Um nach Kanaan zu gehen, wäre der direkte Weg
gewesen entlang der Mittelmeerküste hinauf und dann südlich vom
Gazastreifen nach Kanaan hinein. Ein ganz kurzer Weg. Gott aber sagt: Nein,
ich führe Israel nicht dort hindurch. Wenn es nämlich später Probleme gibt,
dann wollen die alle schnell wieder nach Ägypten zurück. Ich führe sie also
nach Süden hinunter, durch das Rote Meer, und dann gibt es gewissermaßen
eine natürliche Barriere. Und wenn sie Probleme bekommen, dann sagen sie
sich: O ein so weiter Weg und dann müssen wir da ums Rote Meer herum und
dort hinauf und erst so können wir nach Ägypten. Was lernen wir daraus? Aus
dem Umweg durch das Schilfmeer lernen wir, Gott will die Brücken zum alten
Leben abbrechen. Ich lese dazu Galater 6, 14, wo Paulus sagt: «Von mir aber
sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus
Christus, durch welches mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt.»
Also Paulus sagt, ich bin quasi für die Welt gekreuzigt, also für das
sündige Leben in dieser Welt, da bin ich nicht mehr zu haben. Da ist ein
totaler Bruch mit der Vergangenheit. Und das wollte Gott erreichen durch
diesen Umweg über das Schilfmeer.
Und weiter, ich lese 2. Mose 13, 21-22: «Und der HERR zog vor ihnen her,
des Tages in einer Wolkensäule, um sie auf dem Wege zu leiten, und des
Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht
ziehen könnten. Des Tages wich nicht die Wolkensäule noch des Nachts die
Feuersäule vor dem Volke.» Die Rabbiner haben diese eigentümliche Wolken-
oder Feuersäule die Schechina genannt. Das ist ein Ausdruck, der im Alten
Testament so nie vorkommt. Das ist hebräisch und kommt von einem Verb, das
oft vorkommt im Alten Testament. Das Verb ist «schachan»[1] und bedeutet
Wohnen, Zelten und ganz besonders dann, wenn es um das Wohnen Gottes geht
inmitten seines Volkes. Und auch die Stiftshütte wird oft genannt
«mischkan»[2], da bemerken wir die gleichen Konsonanten. Mischkan, das ist
der Ort, wo Gott wohnt. Also die Schechina haben die Rabbiner so genannt,
weil sie gewissermaßen das Wohnen Gottes unter den Menschen sichtbar
darstellte. Und diese Wolkensäule erscheint plötzlich hier nach dem Auszug
aus Ägypten und geht voran und zeigt den Weg durch die Wüste. Der Sinai ist
eine ganz gefährliche Wüste und wer nicht rauskommt, das ist
lebensgefährlich. Es ist eine wunderbare Wüste, beeindruckend, man sieht
die Größe Gottes in dieser Wüste, aber gefährlich.
Ich habe einen
Bekannten, einen Palästinenser, der ist etwa 80 Jahre alt, der heißt Nofel,
ist ein Gläubiger. Er ist geboren worden in einer drusischen Familie in
Syrien und er wollte Geld machen, also sein Glück im Leben, und so sagte er
sich, da gehe ich doch nach Europa. Aber wie komme ich nach Europa? Da hat
er sich gedacht, ja ich gehe nach Ägypten, dann den langen Weg über
Nordafrika und dort, wo es ganz eng ist, da gehe ich dann rüber nach
Europa. Damals war das noch Palästina, nicht Israel. Da ging er also zu Fuß
runter und da hat er noch andere kennengelernt, die mit ihm durch den Sinai
wollten. Er ging also mit ihnen auf die Reise nach Ägypten, aber alle sind
gestorben auf dem Sinai. Das zeigt also etwas davon, wie gefährlich das
ist. Nofel ist dann angekommen in Ägypten. Allerdings haben dann die
Alliierten gesagt: Du das geht nicht, du kannst da nicht weitergehen, es
ist Weltkrieg. Das war der zweite Weltkrieg. Und dann hat er sich gesagt,
ja gut, dann mache ich einen Umweg und dann startete er runter nach
Schwarzafrika. Niemand weiß, wie weit er da gekommen ist. Und dann hat er
dort mal gearbeitet und in der Regenzeit konnte er nicht arbeiten und da
dachte er sich, dann gehe ich auf den Markt und kaufe mir ein Buch. Und
dann hat er das größte Buch gekauft, das er gefunden hat und das war eine
Bibel und so ist er dann zum Glauben gekommen. Also er ist nie nach Europa
gegangen. Aber er ist ein großartiger Missionar geworden unter den
Palästinensern. Noch während des Golfkrieges war er in dem besetzten
Westjordanland und hat gepredigt. Der ist immer wieder mit dem Taxi in den
Gazastreifen gefahren und hat dort das Evangelium verkündigt. Also das nur
so als kleine Anekdote, um zu zeigen wie gefährlich der Sinai ist und wie
wichtig die Führung Gottes war für Israel. Nun das ist genau das, was Gott
will, auch im Neuen Testament. Römer 8, 14 sagt: «Denn so viele durch den
Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes.» Also Führung durch
den Heiligen Geist ist schlicht das Normale für einen Erlösten Menschen.
Das ist eine Folge der Erlösung.
Gott hilft durch
Jetzt kommen wir zu 2. Mose 14. Plötzlich überlegt sich der Pharao: Was
für eine Dummheit, dieses Volk einfach so gehen zu lassen. Wer tut jetzt
die Gratisarbeit?' Und er mobilisiert die Armee, um Israel zurückzuholen.
Und nun kommen die Israeliten da ans Schilfmeer. Sie sind ja mit Mose da
runtergeführt worden zum Schilfmeer, das im Neuen Testament auch das Rote
Meer genannt wird, beide Begriffe sind korrekt. Und jetzt sehen sie
plötzlich: Vor uns das Schilfmeer und hinter uns die ägyptische Armee. Und
das ganze Volk kommt in größte Not und innere Bedrängnis. Was lernen wir
daraus? Mit der Bekehrung sind die Schwierigkeiten des Lebens nicht vorbei.
Das ist ganz wichtig für die Evangeliumsverkündigung. Wie oft wird den
Menschen suggeriert, wenn man sich bekehrt, dann bekommt man ein Leben auf
einer ganz anderen Ebene, wo man praktisch keine Probleme hat. Und das ist
kein biblisches Evangelium. Das sehen wir schon im Heilsplan im zweiten
Buch Mose. Ein Volk, das erlöst wird, hat nachher Probleme. Und zwar kann
es sein, ganz neue Probleme, die man früher gar nicht hatte. Dieses Problem
war ja ganz neu. Das hatten sie in Ägypten nicht. Nun, was wir da sehen:
Satan, dargestellt hier durch den Pharao, möchte die Erlösten wieder unter
seine Herrschaft bringen. Wir haben schon das letzte Mal gesehen, dass ja
der Pharao als ein Gott verehrt worden ist, und zwar als Sohn des
Sonnengottes. Und wir haben auch gesehen letztes Mal, dass diese Mächte
hinter den Göttern Ägyptens, ganz reale Mächte sind. Also der Bezug Pharao-
Satan ist nicht einfach so mutwillig, sondern er ist sehr, sehr direkt. Und
der Pharao ließ sich gewissermaßen durch diesen Engelfürsten, der hinter
ihm stand, führen. Und nun, das Volk soll nun zurück. Dann kommt aber der
Durchzug durchs Rote Meer. Israel sieht keinen Ausweg und Gott schafft doch
einen Ausweg. Also das können wir sagen in der Evangeliumsverkündigung, es
gibt zwar weiter Probleme im Leben, sogar ganz neuartige, aber wir dürfen
in der Not zu Gott rufen und wir dürfen immer wieder seine Durchhilfe
erleben. Genau so wie Israel das erlebt hatte. Sie gehen trockenen Fußes
durchs Rote Meer, durchs Schilfmeer, hindurch. Und nun, als sie drüber
waren, wollten die Ägypter das auch, da kam aber die Flut des Roten Meeres
zurück und sie ertranken.
Die Taufe auf Moses
In 1. Korinther 10 bezeichnet Paulus den Durchzug durchs Rote Meer als
Taufe auf Moses. Taufe auf jemand heißt, dass man sich auf die Seite von
jemandem stellt und dadurch die Brücke zum Früheren abbricht.
Neutestamentlich haben wir dann z. B. in Römer 6 die Taufe auf Christus.
Das heißt, die Taufe ist ein Bekenntnis, ich gehöre jetzt zu Christus und
das Alte ist abgeschnitten. 1. Korinther 10, 1: «Denn ich will nicht, dass
ihr unkundig seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und
alle durch das Meer hindurchgegangen sind, und alle auf Moses getauft
wurden in der Wolke und in dem Meere,» Also sie waren unter die Führung
Moses gestellt und durch das Rote Meer wurde gewissermaßen der Weg
abgeschnitten in die Sklaverei Satans, des Pharaos. Nun, die Taufe drückt
eigentlich genau das aus. Das Untertauchen ist gewissermaßen ein Begraben
werden. Wenn man auf Hoher See ist und jemand stirbt, - gut heute hat man
andere Möglichkeiten, aber früher. Was machte man mit so jemandem, wenn man
z. B. auf dem Weg nach Amerika war? Die musste man über Bord werfen. Das
Meer wurde ihnen dann zum Grab. Und so ist es auch in der Taufe; das
Untertauchen bedeutet ein Begraben werden. Und das bedeutet, der Tod von
Jesus Christus, das war der Tod, der mir zustand. Also mit dem, dass
Christus für mich gestorben ist, ist mein altes Leben begraben, vorbei. Ich
will nichts mehr mit dem alten Leben zu tun haben. Und das Auftauchen ist
die Darstellung des Auferstehens, ich bin mit Christus auferweckt. Ich will
ein ganz neues Leben in der Gemeinschaft mit meinem Erlöser führen. Kann
man lesen in Römer 6, 1 eben dieses Begrabenwerden, auf den Tod Christi
getauft werden.
Übrigens beim Taufen muss man ja immer die Leute untertauchen, allerdings
nicht zu lange, denn sonst würde es effektiv zum Grab werden. Aber das ist
ja nur ein Bild. Also hinuntertauchen, das alte Leben abgeschnitten,
fertig. Und dann hinauf, das neue Leben mit Christus. In 1. Petrus 3, 21haben wir einen ganz interessanten Ausdruck. Es geht mir jetzt nicht um den
Zusammenhang mit Noah und der Arche, sondern einfach um die Aussage über
die Taufe dort. Da heißt es: « .welches Gegenbild auch euch jetzt errettet,
das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches,
sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die
Auferstehung Jesu Christi,». Wird hier übrigens Gegenbild genannt,
antitypos, und bedeutet ein anderes Bild für das Gleiche. Im Zusammenhang
geht es um die Arche, die durch die Fluten der Sintflut hindurchgegangen
ist. Und dann sagt Petrus, und nun gibt es ein anderes Bild, das die
gleiche Bedeutung hat, das ist die Taufe. Und er sagt von der Taufe, das
ist nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches. Also wenn man
jemanden tauft, da geschieht nicht magisch etwas. Bei den animistischen
Völkern ist das eine große Gefahr. Wenn man in Afrika Leute taufen will,
ist das gar kein Problem. Da kann man ohne Problem Massentaufen
hinbekommen. Dann kann man einen Missionsbericht machen, schon wieder
hundert Leute getauft, und schon wieder zweihundert Leute getauft, kein
Problem. Afrikaner lassen sich gerne taufen, weil sie glauben, und das
kommt aus ihrer animistischen Religion her, dass eine solche rituelle
Handlung irgendwie etwas Positives bringt, eine geheimnisvolle magische
Veränderung. Darum muss man dort sehr vorsichtig sein. Wir sollten also
zusehen, dass Leute das Thema gut verstanden haben und sie erst dann
taufen.
Petrus erklärt hier, dass es eben nicht um das Ablegen der
Unreinigkeit des Fleisches geht, sondern um das Begehren eines guten
Gewissens vor Gott. Und das Wort für Begehren, das griechische eperotema,
bedeutet auch Verpflichtung, Forderung. Das heißt in der Taufe drücke ich
aus, jetzt will ich ein Christ sein, der ein neues Leben mit Jesus Christus
lebt und zwar so, dass ich ein gutes Gewissen dabei habe vor Gott. Also die
Verpflichtung eines guten Gewissens. Und wenn man die Taufe wirklich so
nimmt, dann hilft das einem aus manchen schwierigen Situationen heraus.
Dann überlegt man sich, soll man sich so oder so entscheiden. Und dann sehe
ich, ja aber das führt genau wieder ins alte Leben zurück. Was habe ich in
der Taufe ausgedrückt? Ich habe mich da verpflichtet, Gott gegenüber ein
Leben zu führen mit dem Auferstandenen, so dass ich ein gutes Gewissen
haben kann vor Gott. Und so kann die Taufe effektiv aus manchen
Versuchungen retten. Und darum heißt es hier: ...welches Gegenbild auch
euch jetzt errettet. Das ist die Taufe. Erretten heißt in der Bibel nicht
immer erretten vor der Verdammnis. Das Wort wird zum Beispiel auch
gebraucht, wenn jemand geheilt wird, das gleiche Wort retten. Oder wenn man
aus einer schwierigen Situation oder Not gerettet wird. Das sagt man ja
auch auf Deutsch, jemand konnte gerettet werden in den Bergen. Da meint ja
niemand, der kommt jetzt in den Himmel. Retten kann also auch aus Not, aus
Schwierigkeit, aus Versuchung sein. Und so ist die Taufe effektiv ein
Rettungsmittel und zwar, wenn wir die Zeitform im griechischen betrachten,
euch immer wieder errettet; in jeder neuen Situation, wo ich mir wieder
darüber bewusst werde, was das eigentlich bedeutet. Und da wird gleich
Vorschub geleistet, damit man das nicht falsch versteht, und darum sagt er:
Nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches. Das Böse in uns ist mit
der Taufe nicht eliminiert. Die Erbsünde ist nicht eliminiert. Die ist noch
da, genau so wie vorher. Aber es ist eine Verpflichtung Gott gegenüber, ein
neues Leben zu führen mit Christus. Und so war das genau für Israel, der
Durchzug war gewissermaßen die Hilfe, um nun die Brücken zu Ägypten
abzubrechen.
Der Pharao und sein Heer finden den Tod
Der Pharao und sein Heer kommen um im Roten Meer. Was bedeutet das?
Christus hat Satan und sein Heer am Kreuz besiegt. Ich lese Kolosser 2, 14-
15. Das ist der prinzipielle Sieg über die Macht der Finsternis. Also
Kolosser 2, 13-15: «Und euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in
der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm, indem er
uns alle Vergehungen vergeben hat; als er ausgetilgt die uns
entgegenstehende Handschrift in Satzungen, die wider uns war, hat er sie
auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie an das Kreuz nagelte; als er
die Fürstentümer und die Gewalten (das sind Ausdrücke für Engelfürsten)
völlig entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er
durch dasselbe über sie einen Triumph hielt». Das ist der Triumph des
Gekreuzigten. Also die Macht der Finsternis wurde ausgezogen, das heißt
völlig entwaffnet durch den Triumph am Kreuz. Und darum schreibt Paulus in
Kolosser 1, 13: « der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und
versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe», Die Zeitform im
Griechischen bei «errettet hat» ist Aorist, der drückt eine einmalige,
abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit aus. Das ist ganz wichtig,
dass bekehrte Menschen das deutlich sehen: Ich bin errettet aus der Gewalt
der Finsternis. Satan hat kein Anrecht auf mich, aber er möchte es gern
wieder haben. Darum eben dieses Nachstellen der Armee des Pharao.
Das Anbetungslied
Nun, wir kommen zu 2. Mose 15, 1-21. Da finden wir das erste
Anbetungslied in der Bibel. Interessant, da sind ja schon Jahrtausende
vergangen von 1. Mose 1 an, und wir finden kein einziges Anbetungslied in
der Bibel für diese Zeit. Und hier, wo wir zum ersten Mal Erlösung durch
das Blut des Lammes finden, da heißt es in 2. Mose 15, 1: «Damals sangen
Mose und die Kinder Israel dieses Lied dem HERRN und sprachen also: Singen
will ich dem HERRN denn hoch erhaben ist er; das Ross und seinen Reiter hat
er ins Meer gestürzt. Meine Stärke und mein Gesang ist Jah, denn er ist mir
zur Rettung geworden; dieser ist mein Gott, und ich will ihn verherrlichen,
meines Vaters Gott, und ich will ihn erheben.» Und so weiter. Und dann kam
Mirjam in Vers 20 mit dem Tamburin und den Frauen, und da haben sie im
Wechselgesang gesungen. Sie haben gesungen, die Männer, und dann haben die
Frauen ihnen im Wechselchor geantwortet. Alles ganz spontan. Das war kein
Gottesdienst, das war ganz spontan nach der Errettung aus Ägypten, dieses
Lied der Erlösung. Und was will uns das lehren? Gott schenkt seinen
Erlösten die Freude des Heils im Singen. Das ist ganz wichtig. Man kann zum
Teil daran erkennen, ob Menschen errettet sind oder nicht, ob sie Freude
daran haben das Heil in Christus in Liedern auszudrücken oder nicht. Also
gut, ich will jetzt nicht - es gibt Leute, die haben wirklich eine Mühe mit
Singen, und das ist dann eine Qual - also da will ich nichts Dummes gesagt
haben. Aber im Allgemeinen ist es so, dass man Freudigkeit bekommt im Heil
und dass man die Möglichkeit hat, diese durch das Singen auszudrücken.
Übrigens dieses Kapitel, 2. Mose 15, wird in Offenbarung 15, 3 das Lied
des Lammes genannt. In Offenbarung 15 sieht Johannes in den Himmel, er
sieht den himmlischen Tempel und davor, beim Waschbecken, sieht er die
Überwinder - die Menschen, die einmal den Götzendienst des kommenden
Diktators von Europa überwinden werden - mit Harfen. Und da heißt es, sie
singen das Lied Moses und das Lied des Lammes. Das ist genau so wie im
zweiten Tempel zur Zeit der Evangelien. Da waren nämlich die Leviten vor
dem Waschbecken, der vor dem Tempel stand, beim Altar versammelt und da
haben sie mit den Tempelharfen Lieder gesungen. Und zwar in der Zeit der
Evangelien war das so, man findet das im Alten Testament noch nicht, das
hat sich später entwickelt, genau am Sabbat haben sie am Morgen das Lied
von Mose gesungen, 5.Mose 32, wo es heißt: «Der Fels: vollkommen ist sein
Tun, denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug,
gerecht und gerade ist er!» Das haben sie gesungen beim Morgenbrandopfer um
9:00 Uhr. Und dann beim Abendbrandopfer um 15:00 Uhr da haben sie 2. Mose
15 gesungen, das Lied des Lammes. Und Johannes kannte natürlich all diese
Riten aus dem zweiten Tempel. Und da sah er dann eine Sabbatsituation im
Himmel. Diese Menschen, die einmal durch den größten Druck und die größte
Not und Versuchung hindurchgehen werden, dann im Himmel entlastet, keine
Versuchung mehr, kein Druck. Das ist die Sabbatruhe, die noch auf das Volk
Gottes wartet. Also darum der Hinweis, dass dieses Lied im Neuen Testament
ausdrücklich das Lied des Lammes genannt wird.
Die Israeliten in Mara
Ja, wir sind gut im Rennen, wir kommen zu 2. Mose 15, 22-26. Sie haben
also das Lied so gesungen und dann geht die Reise weiter. «Und Mose ließ
Israel aufbrechen vom Schilfmeer, und sie zogen hinaus in die Wüste Schur
und wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Da kamen sie
nach Mara, aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war
bitter. Darum gab man ihm den Namen Mara (hebr. für Bitterkeit). Und das
Volk murrte gegen Mose: Was sollen wir trinken? Da schrie er zum HERRN und
der HERR zeigte ihm ein Stück Holz; das warf er ins Wasser, und das Wasser
wurde süß.» Also sie gehen weiter, sie hatten große Freude gehabt und schon
kommen wieder Probleme. Das ist ganz normal, das ist das Christenleben. Es
gibt dauernd Probleme, aber es gibt auch so schöne Gelegenheiten, wo wir
unsere Freude über das Heil ausdrücken können. Drei Tage kein Wasser mehr,
das ist ja schon gefährlich. Ich meine, im Prinzip kann man ja drei Tage
leben ohne Wasser. Wir haben das so gelernt: Dreißig Tage ohne Essen, drei
Tage ohne Wasser und drei Minuten ohne Luft. So kann man sich das merken.
Drei Tage ohne Wasser und dann kommen sie an ein Wasser. Wunderbar! Und
dann versuchen sie es zu trinken und es ist brack, bitteres, untrinkbares
Wasser. Das Volk rebelliert und Mose schreit in der Not zu Gott. Gott sagt,
du musst ein Holz nehmen. Und Mose wirft dieses Holz ins Wasser und das
Wasser wird trinkbar.
Nun, wenn wir das neutestamentlich deuten, Galater 3, 13: «Christus hat
uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns
geworden ist - denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der am
Holze hängt!"; auf dass der Segen Abrahams in Christo Jesu zu den Nationen
käme, auf dass wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben.»
Also wie hat Gott Fluch zum Segen werden lassen? Durch das Holz! Das Kreuz
Christi wird ausdrücklich als Holz bezeichnet. Und so sehen wir hier, wie
Gott durch das Kreuz Christi Fluch in Segen umwandeln kann. Und das ist
eine wunderbare Erfahrung, dass wenn wir in die Schwierigkeiten des Lebens
das Kreuz Christi hineinnehmen und Gottes Liebe dort sehen, was er da für
uns getan hat, wir dann wirklich auch bittere Situationen, dadurch dass sie
im Licht des Kreuzes betrachtet werden, plötzlich ganz anders sehen können,
sogar als etwas, das Gott zum Segen brauchen kann. Ganz im Sinn von Römer
8, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken müssen,
durch das Kreuz Christi.
Zwölf Wasserquellen in Leim
Und dann noch der letzte Vers vom gleichen Kapitel, 2. Mose 15, 27. Da
haben wir die Palmen von Elim: «Und sie kamen nach Elim, und daselbst waren
zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume; und sie lagerten sich daselbst
an den Wassern.» Das ist doch wunderbar. Nach dieser Notsituation von Mara
plötzlich zwölf Quellen und siebzig Palmbäume. Das ist doch ein richtiger
Ferienort, oder. Und da sehen wir ein Prinzip: Gott überrascht seine
Erlösten immer wieder mit ganz unerwarteten und unerhofften
Freundlichkeiten. 1. Petrus 2, 3 sagt: «wenn ihr anders geschmeckt habt,
dass der Herr gütig ist.» Und dafür sollten wir immer offene Augen haben.
Wie viele Dinge es im Leben gibt, selbst in Bitterkeiten des Lebens, die
wir nie erwartet haben und plötzlich schenkt uns das Gott so. Und das sind
so – auf Französisch kann man das so schön sagen Caresses de Dieu' –
Liebkosungen Gottes. Das ist wirklich eine Realität des Christenlebens. Das
ist Evangelium, das ist kein Wohlstandsevangelium. Gott führt uns durch
schwierige Dinge, aber immer wieder plötzlich auch diese unverhofften,
wunderbaren Dinge, für den einen dies, für den anderen das. Aber Gott zeigt
uns auf jeden Fall immer wieder, dass er freundlich ist. Ja, damit können
wir doch in die Pause.
Brot vom Himmel
2.Mose 16, 1: «Und sie brachen auf von Elim, und die ganze Gemeinde der
Kinder Israel kam in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai ist, am
fünfzehnten Tage des zweiten Monats nach ihrem Auszuge aus dem Lande
Ägypten. Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel murrte wieder Mose und
wider Aaron in der Wüste. Und die Kinder Israel sprachen zu ihnen: Wären
wir doch im Lande Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir bei
den Fleischtöpfen saßen, als wir Brot aßen bis zur Sättigung! denn ihr habt
uns in diese Wüste herausgeführt, um diese ganze Versammlung Hungers
sterben zu lassen.» Nun, wir haben das Wasserproblem gehabt in Mara, dann
kam die Ermutigung von Elim und jetzt haben sie ein Hungerproblem. Und
wieder wird rebelliert. Aber wir lesen weiter. Vers 4: «Da sprach der HERR
zu Mose: Siehe, ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen; und das Volk
soll hinausgehen und den täglichen Bedarf an seinem Tage sammeln, damit ich
es versuche, ob es wandeln wird in meinem Gesetz oder nicht.» Was folgt ist
das Manna vom Himmel, das zum ersten Mal dort erscheint und weitergeht
durch die ganze Wüstenwanderung von 40 Jahren. Was hat das im Licht des
Neuen Testaments zu bedeuten? Das ist ganz einfach, denn in Johannes 6, in
einer Predigt in der Synagoge von Kapernaum, legt der Herr Jesus, der
Messias, diese Ereignisse aus. Und er deutet das Brot aus dem Himmel auf
sich selbst. Ich lese Johannes 6, 32-33: «Da sprach Jesus zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Moses hat euch das Brot aus dem
Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem
Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herniederkommt
und der Welt das Leben gibt.» Wir sehen also, das Manna wird auf Christus
bezogen, der gewissermaßen als Nahrung Gottes auf die Erde gekommen ist vom
Himmel.
Interessant ist ja, nebenbei gesagt, Bethlehem, der Geburtsort des
Erlösers, durch den Propheten Micha schon vorausgesagt, Bethlehem,
Hebräisch Bet Lechem, bedeutet Haus des Brotes, oder auf Deutsch auch
Brothausen. Das Brot aus dem Himmel wurde in Brothausen geboren. Und das
Ganze ist noch etwas drastischer. Bethlehem liegt ganz nahe an der Wüste
Judäa. Also das Umfeld von Bethlehem ist noch sehr fruchtbar für die
Landwirtschaft, denken wir da an das Buch Ruth, da geht es ja um die
Landwirtschaft, wie dort die Gestenernte gekommen ist nach der Hungersnot.
Dort haben wir also den Gegensatz zwischen Fruchtbarkeit dort und dann die
Unfruchtbarkeit der Wüste. Und gerade da wird der Erlöser, das Brot aus dem
Himmel, also geboren. Nun ist folgendes noch bemerkenswert. In Johannes 6,
wo der Herr Jesus das so auslegt, sind zwei Aussagen besonders zu
unterscheiden. In Vers 51 sagt er: «Ich bin das lebendige Brot, das aus dem
Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, so wird er
leben in Ewigkeit.» Johannes verwendet im Grundtext für Essen die Zeitform
des Aorist. Der Aorist drückt eine punktuelle Handlung aus, eine einmalige
Handlung. Der Vers bedeutet, wenn jemand den Akt des Essens dieses Brotes
vollzieht, so wird er leben in Ewigkeit.
Vergleichen wir das mit Vers 54.
Dort verwendet Johannes dann bei den Verben nicht mehr den Aorist, sondern
das Präsens – eigentlich sollte man das Präsens im Griechischen besser
einen Durativ nennen. Das Präsens drückt wiederholte Handlungen aus. Es
heißt also in Vers 54: «Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat
ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage;» Also: Wer
mein Fleisch immer wieder isst und mein Blut immer wieder trinkt, hat
fortdauernd ewiges Leben. Es heißt hier nicht: Wer mein Fleisch isst, der
bekommt ewiges Leben, sondern er sagt, «der hat» fortdauernd ewiges Leben.
Hier geht es nicht um die Bekehrung, die haben wir in Vers 51. Jemand, der
diesen Akt des Essens, Jesus Christus wirklich ganz bewusst in sich
aufnimmt als Erlöser, - nicht nur kosten, essen, dann wird es Teil von
einem selbst, wirklich aufnehmen - wird leben in Ewigkeit. Hier geht es um
einen Erlösten und seine tägliche Nahrung ist Jesus Christus. Wer mein
Fleisch isst und mein Blut trinkt, also sich immer wieder geistlich von
Christus ernährt, hat ewiges Leben. Das ist einer, der ewiges Leben hat.
Also diese beiden Punkte sind sehr wichtig. Das erstmalige Essen – da heißt
es wird leben in Ewigkeit. Und dann das ständige sich nähren von Christus.
Das steht nun hier beides in 2. Mose 16. Hier haben wir nämlich das erste
Mal essen und dann wird das zur täglichen Nahrung. Als die Israeliten diese
eigenartige Speise aus dem Himmel zum ersten Mal sahen, eigenartig war sie
ja auch, denn sie konnten 40 Jahre davon leben, also waren alle Vitamine,
alle Aufbaustoffe, alles was eine Vollwertnahrung enthält, drin enthalten.
Also das mit dem Busch im Sinai, der so Ausflüsse bekommt, das kann man
grad vergessen. Das war eine übernatürliche Nahrung aus dem Himmel von Gott
und die enthielt effektiv alles was der menschliche Körper braucht.
Nun,
als sie diese eigenartige Nahrung zum ersten Mal sahen, da riefen sie alle:
man hu? 2. Mose 16, 15-18: «Und die Kinder Israel sahen es und sprachen
einer zum anderen: Was ist das? (hebr. man hu = wörtl. was das) denn sie
wussten nicht, was es war. Und Mose sprach zu ihnen: Dies ist das Brot, das
Jahwe euch zur Nahrung gegeben hat. Dies ist das Wort, das Jahwe geboten
hat: Sammelt davon, ein jeder nach dem Maße seines Essens; einen Ghomer für
den Kopf, nach der Zahl eurer Seelen, sollt ihr nehmen, ein jeder für die,
welche in seinem Zelte sind. Und die Kinder Israel taten also und
sammelten, der viel und der wenig. Und sie maßen mit dem Ghomer: da hatte,
wer viel gesammelt hatte, nicht übrig, und wer wenig gesammelt hatte, dem
mangelte nicht; sie hatten gesammelt, ein jeder nach dem Maße seines
Essens.» Deshalb wurde diese Speise von da an Man genannt in Hebräisch.
Dann in der griechischen Aussprache später hat man dieses Wort
ausgesprochen als Manna. Deshalb ist die neutestamentliche Form Manna
eigentlich die griechische Aussprache von dem hebräischen Wort Man. Die
Griechen haben die hebräischen Wörter immer ein bisschen verändert, wenn
sie sie in ihre Sprache aufgenommen haben. Aus Jeschua haben sie Jesus
gemacht und so weiter, wie die Franzosen, oder. Die ändern auch alle Namen.
Ja, aus Maschiach haben sie Messias gemacht die Griechen. Das ist kein
Problem, man muss nur wissen, worum es sich eben handelt. Also das Manna
ist eigentlich eine Frage: Was ist das?
Bezogen auf Christus, das Zeugnis über Jesus Christus finden wir in der
Bibel. Im Licht des Neuen Testaments finden wir sogar Christus auf jeder
Seite im Alten Testament, oft verborgen, manchmal direkt, in wunderbaren
Bildern. Aber beim Lesen müssen wir immer fragen: Man hu? Was ist das? Was
hat das zu bedeuten? Was sagt das über Jesus Christus? Was lerne ich hier
über Gott, den Vater? Was lerne ich über den Heiligen Geist? Was lerne ich
daraus für mein praktisches Leben? Wer fragend die Bibel liest, der hat
wirklich Gewinn. Also das können wir lernen, wir sollten immer fragend sein
und die Leute, die am meisten Fragen haben, das sind auch die, die am
meisten vorwärts kommen. Gut, wenn sie bereit sind, die Fragen des Wortes
Gottes auch anzunehmen, das ist immer Voraussetzung. Also das lehrt uns
einiges auch über das tägliche Bibellesen, denn das Manna musste jeden Tag
aufgesammelt, geholt, werden. Und gut, der eine hat mehr Kapazität, der
andere weniger, aber jeder soll sammeln nach seiner Kapazität. Und es wird
hier so wunderbar gesagt, jeder hatte dann genug. Wer viel sammelte hatte
genug, wer wenig sammelte, hatte auch genug, weil jeder für seine Kapazität
gesammelt hat und die ist verschieden von einem Gläubigen zum anderen. Das
ist doch kein Problem, das ist ganz einfach so, das ist normal. Aber jeder
soll für seine Kapazität sammeln und es ist wichtig, das eben täglich zu
tun. So haben wir also in 2. Mose 16 eine sehr grundsätzliche Belehrung für
das Christenleben, die tägliche Ernährung von Jesus Christus durch das
Lesen des Wortes Gottes, indem wir ständig Fragen stellen. Und es gibt ja
so Bibellesehilfen, schon für Kinder, die haben z. B. ein Buchzeichen, da
stehen Fragen drauf und dann muss man sich Fragen stellen: Was sagt dieser
Text heute über Gott, über Jesus, über den Heiligen Geist? Was sagt dieser
Text für mich oder welcher Vers ist für mich in diesem Abschnitt der
goldene Vers für den heutigen Tag, der mir ganz besonders etwas gibt? Eben,
man muss Fragen stellen an den Text, so kommt man weiter. Was ist das
Hauptthema in diesem Kapitel? Wie ist das Kapitel eingeteilt? Wir können
viele, viele andere Fragen an den Text stellen und dann plötzlich wieder
Text, lebendiges Wort Gottes für uns.
Das Volk dürstet nach Wasser
Dann gehen wir weiter und kommen zu Kapitel 17. Und es gibt wieder ein
Problem. Aber wie gesagt, Problem über Problem, aber dann immer wieder das
Eingreifen Gottes. Gott wird real erlebt und dann auch die Gütigkeiten und
Freundlichkeiten Gottes. 2. Mose 17, 1: «Und die ganze Gemeinde der Kinder
Israel brach auf aus der Wüste Sin, nach ihren Zügen, nach dem Befehl des
HERRN; und sie lagerten sich zu Rephidim; und da war kein Wasser zum
Trinken für das Volk.» Nun, jetzt hätten sie ja sagen können, ich glaube
wir haben ein Dejavue, oder. Das gibt es ab und zu mal. Aber jetzt sind wir
gespannt was kommt. Oder? Mose schreibt: «Und das Volk haderte mit Mose,
und sie sprachen: Gebet uns Wasser, dass wir trinken!» Ich sage Mose
schreibt. Er schreibt von sich immer in der dritten Person, Caesar hat das
im gallischen Krieg auch so geschrieben. Er spricht immer über Er, Julius
Caesar. Das ist ein Stilmittel. Im Altertum hat das schon Mose angewandt.
«Und Mose sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir? Was versuchet ihr den
HERRN? Und das Volk dürstete daselbst nach Wasser, und das Volk murrte
wider Mose und sprach: Warum doch hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um
mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?» Wir
sehen, immer wieder kommt der Gedanke, wir toll war das doch in Ägypten.
Dabei hatten sie so gelitten. Das kann man auch als Gläubiger erleben,
diese Kurzsichtigkeit. Plötzlich ist diese Sehnsucht nach dem früheren
Leben. Dabei war das wirklich Mist. Und plötzlich sehnt man sich, so im
Abstand fängt man an sich zurückzusehnen. Das ist ganz eigenartig. Also die
haben das so gemacht und sich zurückgesehnt, aber glücklicherweise gab es
diese unüberwindliche Barriere des Roten Meeres. Das hat sie vor manchem
falschen Schritt rückwärts bewahrt.
Ich lese Vers 4ff: «Da schrie Mose zu dem HERRN und sprach: Was soll ich
mit diesem Volke tun? Noch ein wenig, und sie steinigen mich. Und der HERR
sprach zu Mose: Gehe hin vor dem Volke, und nimm mit dir von den Ältesten
Israels; und deinen Stab, womit du den Strom geschlagen hast, nimm in deine
Hand und gehe hin. Siehe, ich will daselbst vor dir stehen auf dem Felsen
am Horeb; und du sollst auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus
demselben herauskommen, dass das Volk trinke. Und Mose tat also vor den
Augen der Ältesten Israels. Und er gab dem Orte den Namen Massa
(Versuchung) und Meriba (Hader), wegen des Haderns der Kinder Israel und
weil sie den HERRN versucht hatten, indem sie sagten: Ist der HERR in
unserer Mitte oder nicht?» Eigenartig ist, wie Gott auf gleiche Probleme
immer wieder anders handelt. Jetzt nicht mit dem Holz, jetzt kommt das mit
dem Felsen. Es ist ganz wichtig das zu sehen, Gott ist ja der Unwandelbare.
Das heißt ja auch schon sein Name Jahwe, der gegen 7.000 Mal im Alten
Testament vorkommt, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Das ist eine
Grundtatsache. Das bedeutet aber nicht, dass Gott immer gleich handelt. Das
ist ganz wichtig. Auch die, die sich fragen: Warum handelt Gott heute nicht
mit den Christen genau wie in der Apostelgeschichte? Warum erleben wir
nicht mehr das, was die Menschen in der Apostelgeschichte erlebt haben?
Gott ist doch derselbe Gott. Ja, ist er, aber er handelt nicht immer
gleich. Und so handelt er auch da ganz unterschiedlich.
Jetzt wollen wir das wieder im Licht des Neuen Testaments betrachten. 1.
Korinther 10 gibt uns wieder den Schlüssel. Paulus erklärt dort, Vers 3:
«Und alle haben dieselbe geistliche Speise gegessen,» das ist das Manna.
Aber das war ja wirkliche Speise. Warum heißt es geistlich? Weil diese
Speise eine geistliche Bedeutung hatte, wie wir schon gesehen haben im
Licht von Johannes 6. Und nun heißt es weiter: «und alle denselben
geistlichen Trank getrunken;» das war aber normales Wasser, Sinaiwasser.
Aber es war geistlich, weil es eine geistliche Bedeutung hat, wie wir noch
sehen werden. Weiter: «denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen,» Das
war auch ein ganz normaler Felsen im Sinai. Aber er war geistlich, weil er
eine geistliche Bedeutung hatte. Jetzt wird es aber schwierig: «sie tranken
aus einem geistlichen Felsen, der nachfolgte.» Ein Felsen mit Beinen? Und
dann erklärt Paulus: «Der Fels aber war der Christus.» Christus ist
griechisch für Messias. Ja, war das kein normaler Felsen, war das Christus
dort? Das heißt ja schließlich nicht, der Fels bedeutet Christus, sondern
es heißt, der Fels war Christus. Nun, wir müssen nicht wieder den Zwingli-
Luther Streit beginnen. Zwingli sagt, das bedeutet den Leib Christi, das
Brot im Abendmahl und der Wein bedeutet das Blut Christi. Aber Luther
sagte, nein, es heißt hier, dies ist mein Leib und dies ist mein Blut. Ja
gut, Luther war falsch, er war damals noch viel zu katholisch. Zwingli war
viel reformierter. Und dann erst recht Calvin. Aber er war immer noch zu
wenig reformiert in manchen Dingen. Wenn es um Prophetie und Israel ging,
da war er noch zu wenig reformiert. Aber das war wohl einer der
reformiertesten Reformatoren. Die haben verstanden, das hat den Sinn von:
das bedeutet. Und das machen wir doch auch, wenn wir ein Foto zeigen: Das
ist meine Familie. Dann weiß jeder, dass das nicht die Familie ist, sondern
ein Stück Papier, aber das stellt die Familie dar. Der Fels aber bedeutet
Christus.
Der Fels folgte nach
So, jetzt haben wir den Auslegungsschlüssel. Aber jetzt muss ich
natürlich noch aus der Verlegenheit herauskommen, zu erklären, was es
bedeutet: Der Fels folgte nach. Wie ist das zu deuten? In Psalm 105 wird
poetisch die Wüstenwanderung erzählt. Nach dem Himmelsbrot in Vers 40 und
den Wachteln heißt es in Vers 41: «Er öffnete den Felsen, und es flossen
Wasser heraus; sie liefen in den dürren Örtern wie ein Strom.» Das war kein
Rinnsal. Geht auch nicht für ein Viermillionenvolk. Haben Sie sich das
schon einmal so überlegt? Diese Quelle wurde zu einem Strom im Sinai. Und
dieser Strom hat Israel auch weiterhin begleitet, so dass sie hier immer
wieder neu Wasser holen konnten. Und insofern folgte ihnen der Felsen nach,
indem das Wasser aus dieser Quelle, der Strom, Israel in der Wüste
begleitet hatte. Also so folgte der Felsen nach. Jetzt haben wir aber in 1.
Korinther 10 gelesen, der Felsen bedeutet Christus. Was bedeutet das
Wasser? Die Auslegung finden wir in Johannes 7, das bedeutet den Heiligen
Geist. Johannes 7, 37-38: «An dem letzten, dem großen Tage des Festes aber
stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir
und trinke. Wer an mich glaubt, gleichwie die Schrift gesagt hat, aus
dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen». Und jetzt legt
Johannes das aus und erklärt: «Dies aber sagte er von dem Geiste, welchen
die an ihn Glaubenden empfangen sollten; denn noch war der Geist nicht da,
weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.» Das lebendige Wasser,
Ströme lebendigen Wassers, wird hier erklärt als ein Bild von dem Geist
Gottes, den die Gläubigen empfangen sollten. Aber der Geist konnte noch
nicht ausgegossen werden damals, weil Christus noch nicht verherrlicht und
zuvor noch nicht gestorben war. Verherrlicht, indem er dann auferstand, zum
Himmel fuhr und sich zur Rechten Gottes setzte. Das ist die Verherrlichung
Christi. Hier wird also erklärt, was das bedeutet. Ich muss aber noch
erklären, was dieser eigenartige Ausdruck «lebendiges Wasser» bedeutet. Für
uns ist das so mysteriös auf Deutsch. Für einen Juden ist das ganz normal.
«Majim chajim», lebendiges Wasser, ist auch heute auf Modernhebräisch der
normale Ausdruck für frisches Quellwasser. Eben weil es sich bewegt und
fließt nennt man es im Hebräischen lebendiges Wasser, im Gegensatz zum
bracken, zum stehenden, abgestandenen Wasser. Das frische, erfrischende
Wasser weist hin auf den Heiligen Geist, der nach Tod, Auferstehung und
Himmelfahrt Christi ausgegossen werden sollte.
Nun haben wir die nötigen Schlüssel. Mose musste den Felsen schlagen - in
Jesaja 53, 10 wo über den leidenden Messias prophetisch gesprochen wird -
und dann kam Wasser heraus. Und die alten Rabbiner haben übrigens dieses
Kapitel ganz klar auf den Messias bezogen; das muss man betonen. Jesaja 53,
der Messias, und dort heißt es: «Es gefiel dem HERRN ihn zu zerschlagen. Er
hat ihn leiden lassen.» Am Kreuz haben die Menschen Christus angetan was
sie konnten, aber dann in den drei Stunden der Finsternis, wo er der
Sündenträger war, da wurde er von Gott geschlagen. Da kam das Gericht
Gottes über unsere Sünde. Was die Menschen getan hatten, das brachte keine
einzige Sünde weg von uns; das war ein Leiden von Seiten der Menschen. Auch
die Leiden Christi während seines Lebens, was er gelitten hat durch all die
Verfolgungen, Spott, Hohn und Drohungen, hat keine Sünde weggenommen.
Christus wurde erst am Kreuz der Sündenträger und Gott hat ihn in den drei
Stunden der Finsternis geschlagen. «Es gefiel dem HERRN ihn zu
zerschlagen.» Und das haben wir hier vorgebildet, indem Mose mit dem Stab
den Felsen schlagen musste. Und dann kam das Wasser heraus. Das heißt,
Christus musste sterben, denn nur so war eine Ausgießung des Geistes
möglich. Und sie ist dann Pfingsten gekommen und wir müssen gar nicht mehr
darauf warten, er ist schon längst da. Das sage ich, weil viele Christen
auf eine neue Geistesausgießung warten. Müssen wir aber nicht, denn den
haben wir schon längst. Und der Heilige Geist ist nie weggegangen seither.
Er wird erst bei der Entrückung der Gemeinde weggehen. Und dann wird es
eine neue Geistesausgießung über Israel am Anfang des 1000-jährigen Reiches
geben, Joel 3, nach diesen Dingen. Nach der großen Drangsal von Joel 2kommt eine neue Ausgießung, aber das ist noch zukünftig. Wir dürfen den
Fahrplan nicht durcheinander bringen. Der Heilige Geist ist da, er ist
ausgegossen worden, weil Gott Christus geschlagen hat. Und so können wir
sagen, aufgrund des Todes des Herrn Jesus Christus konnte uns der Heilige
Geist als Erfrischung gegeben werden, die eben in den Momenten des Durstes
im Leben uns immer wieder neu Christus vor Augen malt und so unser Inneres
immer wieder neu erfrischt.
Nun wir kennen doch eine andere Geschichte, fast ganz am Ende der 40-
jährigen Wüstenwanderung. Hier sind wir am Anfang. In 4. Mose 20 gab es
wieder ein Problem, dort hatten sie auch kein Wasser. Also das mit dem
Strom, der sie begleitete, war offensichtlich vorbei am Ende der
Wüstenwanderung. Und dann sagte Gott: Sprich mit dem Felsen dort und ich
werde ihnen Wasser geben. Und Mose, in seiner Ungeduld, hat dann den Stab
genommen und auf den Felsen dort geschlagen. Und deswegen durfte er dann
nicht in das verheißene Land. Nun man ist irgendwie überrascht, gelinde
gesagt. Warum einmal so und beim anderen Mal war das so ein schweres
Vergehen? Die Lösung liegt darin, Mose benutzt im Grundtext von 2. Mose 17ein anderes Wort für Fels als in 4. Mose 20. Ich habe das hier auf dem
Blatt aufgeführt, hier in 2. Mose 17 steht das Wort «tsur» und bedeutet
einen Fels im Sinne von Felsblock. In 4. Mose 20, 8 steht für Fels «sela»
und das ist im Sinne von Felsmassiv. Das war ja geographisch ein ganz
anderer Ort, da ging es um ein Felsmassiv und da sollte Mose vor dem Volk
mit dem Felsen sprechen. Und er schlug ihn. Nun, der Felsblock in 2. Mose
17 spricht von Christus, der sich laut Philipper 2, erniedrigt hat bis zum
Tod am Kreuz. Dort wurde er von Gott geschlagen. Das Felsmassiv aber
spricht von Christus, der nach seinem Kreuzestod hoch erhoben worden war
zum Herrn über alle und alles, Philipper 2, 10. Und mit dem erhöhten
Christus müssen wir im Gebet sprechen. Christus ist ein für allemal von
Gott geschlagen worden, jetzt ist er der Erhöhte und darum war es, von der
Symbolik her gesehen, ganz wichtig, dass der Fels nicht geschlagen wurde.
Und Mose hat das trotzdem getan und damit war ihm der Weg ins Land
versperrt. Also wir sehen da etwas von der lebendigen Symbolik des Alten
Testaments.
Der Kampf mit Amalek
Wir gehen weiter zum Kampf mit Amalek. Nach dieser Erfrischung in Massa
und Meriba kommt wieder ein neues Problem. 2. Mose 17, 8: «Und es kam
Amalek und stritt gegen Israel in Refidim.» Jetzt werden die plötzlich von
einer feindlichen Armee im Sinai überfallen. Ein verheerender Kampf
entsteht. Und Josua muss unten kämpfen, aber Mose, als Volksführer, geht
auf den Berg und betet zu Gott. Seine Arme müssen gestützt werden von Aaron
und Hur, denn jedes Mal, wenn er die Arme sinken ließ im Gebet, dann hatte
Amalek die Überhand. Und jedes Mal, wenn er wieder beten kann, hat Israel
Übermacht, bis schließlich Amalek geschlagen wurde. Nun, was bedeutet
dieser Kampf? Wir wissen, dass Christus, Kolosser 2, Satan und sein Heer
besiegt hat durch sein Kreuz. Der Triumph des Gekreuzigten. Und dennoch
sagt Epheser 6, 10 ff, dass unser Kampf als Gläubige nicht gegen Fleisch
und Blut, nicht gegen Menschen, sondern gegen geistliche Mächte der Bosheit
ist. Also Satan hat heute noch die Möglichkeit uns Christen anzugreifen. In
den benannten Versen wird die Waffenrüstung der Christen beschrieben, mit
der Offensivwaffe der Bibel, das Schwert des Geistes, welches ist Gottes
Wort. Also wir haben einen Kampf, einen geistlichen Kampf und wir müssen
mit der Bibel kämpfen und Satan widerlegen und überwinden, so wie das
Christus in der Wüste getan hat. Auf jede Versuchung hat er mit einem
Bibelwort reagiert und gesiegt. Also wir haben einen Kampf. Wir werden als
Gläubige immer noch angegriffen, aber wir haben alle Waffen und weiter, so
wie Mose auf dem Berg betete, so betet der Herr Jesus Christus im Himmel
für sein Volk. Hebräer 7, 25 sagt das ausdrücklich. Es geht um den
Hohenpriester Jesus Christus: «Daher vermag er auch völlig zu erretten, die
durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden»
(oder um für sie zu bitten). Jesus Christus betet im Himmel für uns, um uns
zu erretten, das heißt aus diesen Gefahren des Lebens, wo Satan Gläubige
angreift.
Nun wir haben im Alten Testament diese Bilder und oft gibt es auch
Gegensätze. Mose hatte ja Arme, die müde wurden. Sein Gebet, können wir
sagen, war Stückwerk. Aber das Gebet von Jesus Christus ist vollkommen.
Genauso wie wir im Alten Testament einen Hohenpriester haben, der selber
schwach ist, der selber durch den Tod verhindert wird, haben wir im Neuen
Testament, - das wird ausdrücklich dort betont - Christus und er bleibt
immer Hohenpriester und er selber musste nie für eigene Sünden ein Opfer
bringen. Also das sind die Übereinstimmungen und die wunderbaren
Gegensätze. Aber das war nicht der letzte Kampf gegen Amalek. Diese Kämpfe
sollten sich immer wieder wiederholen. Und so ist es auch im Leben des
Gläubigen. Man muss nicht denken, so jetzt mache ich mal Schluss und dann
gibt es Ruhe. Das ist nicht so. Amalek kommt dann immer wieder.
Wiedersehen mit Schwiegervater Jethro
Nun kommen wir zu Kapitel 18. Eine wunderbare Schluss-Szene, bevor dann
die Gesetzgebung am Sinai einen ganz neuen Abschnitt einleitet in Kapitel
19. Mose hat jetzt Israel aus Ägypten geführt und jetzt gibt es ein
Wiedersehen mit seinem Schwiegervater Jethro. Das ist doch der Mann, den er
in der Wüste Midian, als er geflüchtet war, kennengelernt hatte, bei dem er
Hirte wurde. Und da hat er sich in seine Tochter Zippora verliebt und es
kam zur Heirat und es gingen zwei Söhne aus dieser Ehe hervor. Und jetzt
das Wiedersehen. Jethro begegnet ihm dort im Sinai. Und natürlich nicht nur
der Schwiegervater. Das wäre ja traurig, wenn nur der Schwiegervater kommt.
Zippora kommt, ein ganz romantischer Moment. Jetzt kommt die Geliebte Mose
entgegen in der Wüste, nachdem Israel frei ist. Und dann wird ein Fest
gefeiert. Ich lese ab Vers 9: «Jethro aber freute sich über alles Gute, das
der HERR an Israel getan hatte, und dass er sie errettet hatte aus der Hand
der Ägypter. Und Jethro sprach: Gelobt sei der HERR, der euch errettet hat
aus der Hand der Ägypter und aus der Hand des Pharao, ja, der sein Volk aus
der Gewalt der Ägypter errettet hat! Nun weiß ich, dass der HERR größer ist
als alle Götter; denn in der Sache, worin sie in Vermessenheit handelten,
ist er über sie gekommen! Und Jethro, Moses Schwiegervater, nahm Brandopfer
und Schlachtopfer, um Gott zu opfern. Da kamen Aaron und alle Ältesten von
Israel, um mit Moses Schwiegervater ein Mahl zu halten vor dem Angesicht
Gottes.» Das ist ganz gewaltig, wenn wir bedenken, dass Jethro ja ein Heide
war. Das hier war eine ganz ergreifende Szene. Israel und die Heiden in
Opfergemeinschaft.
Nun was haben wir hier? Eigentlich einen Ausblick, einen
prophetischen Ausblick auf die Vollendung der Erlösung auf Erden. So wird
es einmal kommen nach der Wiederkunft Christi im 1000-jährigen Reich.
Christus regiert – Mose an der Macht als Volksführer. Sacharja 14, 9 sagt:
«Und der HERR wird König sein über die ganze Erde. An jenem Tag wird der
HERR der einzige sein und sein Name der einzige.» Israel ist erlöst von
seinen Feinden, so wie das Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer, so
schön in seinem Gebet ausgedrückt hat. Lukas 1, 74: «uns zu geben, dass
wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten ohne Furcht in
Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens». Das ist der
Ausdruck für Israel, dieser Moment Gott zu dienen, aber eben errettet aus
der Hand aller Feinde. Heute ist Israel nicht errettet aus der Hand aller
seiner Feinde, sondern im Zentrum des Konflikts. Das wird aber kommen. Und
dann lesen wir hier von den Heidenvölkern. Laut Sacharja 14, 16 werden sie
aus allen Völkern der Erde nach Jerusalem kommen zum Tempel und werden dort
Opfergemeinschaft haben mit Israel. Die Heidenvölker beten den wahren Gott
an. Heute Morgen habe ich auch die Stellen gezeigt von Ägypten und
Assyrien, Jesaja 19. Sie werden den HERRN erkennen. Ich habe auch gezeigt,
Kapitel 45, wie die Sudanesen und die Jeminiter den Gott Israels anerkennen
und sagen werden, dass er der einzig wahre Gott ist. Aber jetzt haben wir
noch Zippora. Und Zippora ist eigentlich ein Hinweis auf die Gemeinde, die
ja nach Epheser 5, die Frau von Christus ist. Und die Gemeinde wird nach
Epheser 1, 10-11 im 1000-jährigen Reich, zur Fülle der Zeit, mit Christus
zusammen regieren. Also Zippora ist hier auch wieder auf dem Plan und alles
weist eben hin auf diese Opfergemeinschaft im 1000-jährigen Reich in
Jerusalem, wie es in Hesekiel 40 und 48 so breit ausgeführt und plastisch
gemalt wird.
___
[1] schachan: שכן
[2] mischkan: משכ

