Einleitung: Dank und Bitte um Gottes Wort
Lasst uns beten!
Vater im Himmel, wir danken dir für diesen Morgen. Wir danken dir auch für diese Zeit, in der wir auf deinen Sohn schauen dürfen, auf Jesus Christus, und ihn besser kennenlernen können.
Herr, ich bitte dich, dass du unsere Herzen durch dein Wort ansprichst. Lass uns dir begegnen, wenn wir dein Wort studieren und lesen. Herr, öffne du uns die Augen dafür. Lass uns dadurch im Glauben und im Vertrauen zu dir wachsen.
Amen!
Die Sehnsucht nach ewigem Leben und ihre Grenzen
Ewiges Leben – demnächst für alle! Das las ich vor einigen Monaten auf dem Spiegel. Auf dem Titelbild war zudem ein Bild von Jesus Christus mit der Dornenkrone. Da dachte ich mir: Mensch, werden die noch evangelistisch auf ihre alten Tage?
Doch ich wurde schnell enttäuscht. Es ging um eine ganz andere Religion, nämlich die Religion Gesundheit und Medizin. Welche Antworten gibt es für uns, um vielleicht doch eines Tages ewig zu leben? Es gab spannende neue Erkenntnisse. Die Forscher arbeiten an Anti-Aging-Pillen, die gegen Demenz, Schlaganfälle, Krebs und andere Krankheiten helfen sollen. Sie sind schon weitergekommen und es gibt erste Ansätze, wie man das wirklich lösen kann.
Dann gibt es Experimente mit Mäusen. Jetzt müsst ihr stark sein: Zwei Mäuse – eine alte und eine junge – werden, ich sage es mal vereinfacht, aneinander getackert und bekommen so einen gemeinsamen Blutkreislauf. Was passiert? Die ältere Maus wird jünger. Ihre Gene, ihr Blut werden ausgetauscht, und die ältere Maus lebt länger. Das ist faszinierend, aber auch ein bisschen gruselig. Die Forscher fragen sich: Kann man das auch mit Menschen machen? Vielleicht wollte ich euch das nur freiwillig mitteilen.
Alle großen Internetunternehmen wie Google, Amazon, Facebook und viele andere investieren Milliarden in das Geschäft Gesundheit. Wie kann man Menschen gesünder machen? Da wir momentan noch nicht so weit sind, lassen sich einige Menschen in den USA – mittlerweile über 200 – schockfrosten. Sie werden in flüssigem Stickstoff eingefroren, für den Tag, an dem man die Krankheiten besiegen, sie wieder auferwecken und ewig leben kann. Das kostet, ich habe es mal nachgeschaut, 28.000 Dollar – natürlich Vorkasse. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Angetrieben sind diese Projekte von einer tiefen Sehnsucht: Wir wollen die Krankheit in dieser Welt überwinden und den Tag erleben, an dem all das weg ist. Eine Welt, um es mal mit Angela Merkel zu sagen, in der wir gut und gerne leben.
Aber wäre es wirklich so, wenn alle Krankheiten weg wären? Diese Spiegelausgabe war ganz spannend. Ein Journalist, der ganz bestimmt kein Christ war, hat darüber nachgedacht: Wie wäre das, wenn wir Hunderte Jahre leben würden? Ich möchte euch ein paar Sätze daraus zitieren. Er war sehr pessimistisch und schrieb:
„Die erhoffte Befreiung von den letzten irdischen Grenzen, also lebensbedrohlichen Krankheiten, wird nicht gelingen, denn die Dauer des Lebens verändert nicht seine Qualität – nicht, wie wir es empfinden. Wer es sich auf der Erde in siebzig Jahren nicht nett macht, dem werden auch achthundert weitere Jahre voller Nachbarschaftsklagen, Ehezwist und Meckern über seine unzulänglichen Kollegen nicht weiterhelfen. Selbst als attraktive Alte mit XXL-Lebenserwartung werden wir uns im Dunkeln mit dem Zeh am Bett stoßen und vor Liebeskummer weinen.“
Das ist natürlich sehr sarkastisch ausgedrückt, aber er erkennt eine tiefe Wahrheit: Krankheit ist nicht das Einzige, was uns das Leben schwer macht. Es wäre vielleicht gar nicht so schön – oder ganz sicher nicht – ewig in dieser Welt zu leben. Es gibt viel größere Nöte, und die kann man nicht mit einer Pille lösen.
Wir sehen das heute, wenn wir im Lukasevangelium weiterlesen, Lukas 5,12-32. Ich möchte mit euch heute Schritt für Schritt anschauen, was Jesus dort immer wieder tut. Ich hoffe, dass wir uns darüber wundern können. Ich möchte euch dabei helfen, dieses Wunder zu sehen. Am Ende möchte ich mit euch fragen: Was hat das mit unserem Leben zu tun? Wie verändert das unsere Perspektive?
Jesus heilt den Aussätzigen – Begegnung mit großer Not und Glauben (Lukas 5,12-16)
Lest zunächst die Verse 12 bis 16.
Und es begab sich, als Jesus in einer Stadt war, da war ein Mann voller Aussatz. Als dieser Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht, bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen?
Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun, sei rein! Sogleich wich der Aussatz von ihm. Er gebot ihm, dass er es niemandem sagen solle, sondern ging hin und zeigte sich dem Priester und opferte für seine Reinigung, wie Mose geboten hatte, ihnen zum Zeugnis.
Aber die Kunde von ihm breitete sich immer weiter aus. Es kam eine große Menge zusammen, um zu hören und gesund zu werden von ihren Krankheiten. Jesus zog sich zurück in die Wüste und betete.
Ich weiß nicht, ob wir uns die Not dieses Aussätzigen richtig vorstellen können. Es ist manchmal fast eine Gnade, dass das in der Bibel nicht ausführlich beschrieben wird, denn es war wirklich furchtbar. Wenn ihr mal googelt, die Bildersuche ermöglicht uns, herauszufinden, wie ein Aussätziger aussah: deformierte Gliedmaßen, ein entstelltes Gesicht. Der war ganz arm dran, es war wirklich eine große Not.
Lukas, der ja Arzt war, schreibt uns, der Mann war voller Aussatz. Das ist ein medizinischer Begriff, nicht einfach nur ein paar Pickel. Es hieß austherapiert – eine schreckliche Diagnose. Er war krank, und nicht nur das: Die Leute mieden ihn. Mit so einem wollte niemand etwas zu tun haben. Man durfte nichts mit ihm zu tun haben, weil man dadurch unrein wurde. Und dann konnte man selbst nicht mehr in den Tempel gehen und dort Opfer bringen.
Das war ein ganz armer Tropf.
Und dann hört dieser Aussätzige, der wahrscheinlich schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, dass Jesus in die Stadt kommt. Wahrscheinlich die allerletzte Chance, um gesund zu werden. Und er ergreift sie. Er packt sie beim Schopf, passt Jesus ab, als er in die Stadt kommt, wirft sich ihm zu Füßen und schreit seine ganze Not heraus, seine ganze Verzweiflung: Herr, wenn du willst, dann kannst du mich gesund machen.
Wir sehen hier ganz viel Glauben. Ganz viel Vertrauen. Dieser Jesus, von dem er schon gehört hat, hat an vielen Orten Wunder gewirkt. Dieser Jesus kann mich gesund machen. Und ich hoffe, dass wir das auch glauben: dass Jesus Kranke gesund machen kann, und dass er das nicht nur vor zweitausend Jahren konnte, sondern auch heute noch.
Er ist der Herr über diese Welt, das haben wir letzte Woche gesehen. Er ist der Herr, dem die Natur gehorchen muss, der Petrus einen Fischfang beschert, den er so noch nicht erlebt hat. Er ist der Herr über unser Leben. Jesus kann Kranke gesund machen.
Dieser Aussätzige weiß das.
Aber er ist nicht vermessen genug, zu Jesus zu gehen und zu sagen: Mach mich gesund! Er sagt: Herr, wenn du willst, kannst du mich gesund machen. Vielleicht ist das Demut. Vielleicht auch Angst. Wird er es wirklich tun? Wird er mir in meiner Not helfen?
Er ist nicht so vermessen zu glauben, dass Jesus jede Not und jede Krankheit sofort wegnehmen will und dass er das mit jedem machen möchte. Der Kranke glaubt es nicht. Er sagt: Herr, wenn du willst, dann kannst du. Ich weiß das.
Und schaut, wie liebevoll Jesus ist: Er will. Er streckt seine Hand aus, berührt den Mann. Ihr müsst euch vorstellen: Niemand hat ihn berührt, vielleicht über Jahre, vielleicht über Jahrzehnte. Niemand wollte mit ihm zu tun haben. Und Jesus sagt: Komm!
Wir wissen, Jesus konnte es auch anders. Er konnte einfach nur Worte sprechen, und es musste geschehen. Aber diesen Mann lässt er es spüren. Er fasst ihn an, berührt ihn, umarmt ihn. Das heißt, er wendet sich ihm liebevoll zu und sagt: Ich will es. Werde rein!
Das ist eine ganz große Botschaft der Liebe. Jesus zeigt ihm nicht nur Liebe und Trost, indem er ihn umarmt, sondern er macht ihn wirklich rein, wirklich heil. Diese Berührung macht ihn heil.
Es ist etwas Erstaunliches, dass Jesus hier nicht unrein wird, nicht krank wird und sich nicht ansteckt. Wo Jesus einen Menschen berührt, steckt Jesus den Menschen an. Da wird der Mensch heil, da wird der Mensch rein.
Wir werden das gleich noch tiefer sehen. Aber schon hier erkennen wir: Dieses Geschehen ist ein geistliches Prinzip, das passiert, wenn Jesus einen Menschen berührt.
Jesus sagt jetzt: Geh zum Priester und lass dir das amtlich bestätigen. Der Priester soll das feststellen. Er soll es nicht jedem erzählen.
Die Priester in dieser Zeit konnten nicht heilen. Sie waren keine Ärzte. Sie konnten nur feststellen: Hier hat jemand gewirkt, der größer ist als ich. Hier hat Gott selbst gewirkt und einen Menschen rein gemacht.
Dann sagten sie ihm, wie es weitergeht.
Das war wahrscheinlich ein Wunder, das zunächst für den Aussätzigen galt, aber auch für die Priester. Sie sollten erkennen: Hier ist einer, der die Macht hat zu reinigen, einer, der das tun kann, was wir nicht können.
Wir sehen aber auch in diesen ersten Versen, dass die Botschaft, die beim Volk ankam, vielleicht eine andere war.
Was passiert? Die Massen kommen, sie bringen die Kranken, sie tragen die Kranken heran. Jesus muss sie auch berühren, damit sie heil werden, damit sie gesund werden.
Und jetzt macht Jesus etwas Erstaunliches, vielleicht sogar etwas, worüber wir uns ärgern könnten: Heilt er die Kranken? Nein, er geht weg. Er zieht sich in die Wüste zurück und betet.
Ist das ärgerlich? Hätten diese Kranken es nicht auch verdient? Hätten sie es nicht auch gebraucht, dass Jesus sie berührt und gesund macht?
Jesus geht beten. Er ist nicht gekommen, um jede Krankheit sofort zu heilen. Es gibt eine größere Not in dieser Welt. Um diese Not zu besiegen, um sie an der Wurzel zu packen, brauchte Jesus die Gemeinschaft mit seinem Vater mehr als alles andere.
Er geht in die Wüste und betet. Er sucht die Nähe zu Gott, dem Vater, weil es eine größere Not in unserer Welt gibt.
Die tiefere Krankheit der Welt: Sünde als Ursache allen Leids
Kann man sich das vorstellen? Es ist vielleicht anstößig, größere Not als das Leid dieser Kranken zu sehen, die da kamen. Der Schaden dieser Krankheit, die hinter dieser Welt steht und über allem liegt, ist so unermesslich groß, dass man ihn eigentlich nicht in Zahlen beziffern kann.
Ich möchte uns trotzdem ein Gespür dafür geben, was diese Krankheit mit dieser Welt macht. Es gibt über dreißig Kriege und bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt und mehr als 65 Millionen Flüchtlinge, die dadurch vertrieben werden und in andere Länder gehen müssen.
Außerdem gibt es 800 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die abends hungrig ins Bett gehen – obwohl seriöse Studien sagen, dass das nicht sein müsste, weil wir genug zu essen haben, damit es für alle reichen könnte.
Wir können auch nach Deutschland schauen: Über hunderttausend Kinder verlieren jedes Jahr ihr Leben, weil sie im Mutterleib getötet werden und nicht zur Welt kommen dürfen, da andere Werte wichtiger sind.
Jährlich gibt es circa 24.000 Ehescheidungen allein in Bayern, Mobbing am Arbeitsplatz, sexuelle Gewalt – und wenn euch das immer noch zu weit weg ist, dann denkt an den Streit in den Familien jeden Tag, an wüste Beschimpfungen und daran, wie wir uns beim Autofahren über andere aufregen.
Das sind Lästerworte, die Vertrauen zerstören. Der Schaden, den diese Krankheit anrichtet, ist unermesslich. Jeder von uns leidet an ihr, jeder von uns gibt sie weiter, jeder von uns empfängt sie. Sie klebt an uns wie der Aussatz.
Bei diesem Aussätzigen bekommst du das nicht weg mit einer Pille, keine Bluttransfusion hilft, kein Psychologe, keine Verhaltenstherapie. Das ist einfach da. Der Mann vom Spiegel hat das begriffen: Diese Not ist da, sie bleibt, diese Krankheit bleibt – auch wenn wir ewig leben würden.
Und die Krankheit heißt Sünde. Es ist die Sünde.
Genau das hat Lukas nicht einfach der Reihenfolge nach erzählt, wie es passiert ist, sondern er hat die Geschichten so angeordnet, dass wir etwas tiefer begreifen können.
Genau das verstehen wir jetzt, wenn wir weiter lesen: Jesus ist für diese Krankheit zuallererst gekommen, um sie zu heilen.
Jesus vergibt Sünden und heilt den Gelähmten (Lukas 5,17-21)
Ich lese uns die Verse 17 bis 21:
Anderer Tag, anderer Ort
Es begab sich eines Tages, als Jesus lehrte, dass auch Pharisäer und Schriftgelehrte zuhörten. Sie waren aus allen Orten in Galiläa, Judäa und aus Jerusalem gekommen. Die Kraft des Herrn war mit ihm, sodass er heilen konnte.
Und siehe, einige Männer brachten einen Menschen auf einem Bett, der gelähmt war. Sie versuchten, ihn zu Jesus hineinzubringen und vor ihn zu legen. Weil sie wegen der Menge keinen Zugang fanden, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel mit dem Bett mitten unter die Leute vor Jesus herunter.
Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er: „Mensch! Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu überlegen und sprachen: „Wer ist der, der Gotteslästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben außer allein Gott?“
Also war Jesus wieder an der Arbeit, an einem anderen Ort, und sie brachten erneut die Kranken zu ihm. Die Schriftgelehrten wirkten fast wie eine Jury, die sehen wollte, was Jesus heute tun würde.
Dann nahmen diese Männer die Mühe auf sich, brachten ihren kranken Freund, stiegen aufs Dach und ließen ihn vor Jesus herunter. Heilt Jesus ihn? Nein, er redet lieber und sagt: „Mensch, dir sind deine Sünden vergeben.“
Wie bitte? Ist Jesus deshalb gekommen? Haben seine Freunde ihn deshalb so weit hergeschleppt? Sind sie deshalb aufs Dach gestiegen und haben sich einen klugen Plan gemacht, um Jesus dazu zu bringen, ihm zu sagen: „Deine Sünden sind vergeben“?
Wenn du krank bist und von Jesus erwartest, dass er dich gesund macht, und er dir stattdessen sagt: „Dir sind deine Sünden vergeben“, wie begeistert wärst du auf einer Skala von eins bis zehn? Wir wissen es nicht, wie begeistert dieser Mann war, aber es war schon ziemlich anstößig.
Man merkt es besonders an der Reaktion der Schriftgelehrten, die sagen: „Wer ist denn der, der Sünden vergibt?“ In diesem Vorwurf stecken eigentlich zwei Dinge. Erstens: „Wer ist denn der?“ Der kann ja nicht mal diesem Gelähmten helfen. Jesus hat versagt, die Krankheit ist zu groß, da versagen seine Wunderkräfte. Dann versteckt er sich hinter frommen Floskeln: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Das klingt ganz groß und von oben herab.
Ist die Empörung nicht verständlich? Wer mag schon solche frommen Vertröstungen, wenn es einem schlecht geht? Wenn dann jemand zu dir kommt – die Bibel kennt das –, wenn es dir schlecht geht, und jemand sagt: „Gott segne dich, geh in Frieden“ – macht Jesus das nicht genau? Fromme Sprüche.
Und was für eine anmaßende Aussage, zu sagen: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Das kann doch nur Gott! Die Bibel macht immer wieder deutlich, dass die Sündenvergebung Gottes Sache ist. Menschen können das nicht tun, denn alles, was in diesem Leben schiefläuft, alles, was wir falsch machen und wo wir gegen Gottes Regeln für diese Welt verstoßen, macht uns zuerst an Gott schuldig.
Eine Regel sagt Gott: „Lieb deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn wir darin versagen, werden wir an Gott schuldig, weil wir seine Regeln missachten.
Die Vorwürfe sind groß, und wahrscheinlich wurden sie nicht laut ausgesprochen. Wahrscheinlich hat man sich das eher so zugeraunt, wie im Gottesdienst, wenn man mit dem Pastor nicht einverstanden ist: „Das ist ja unerhört, was Jesus da sagt.“
Aber Jesus kennt die Herzen. Er findet das wunderbar. Das zeigt uns auch etwas von seiner Göttlichkeit. Er sieht in diese Herzen hinein und erkennt die Vorwürfe, die sie haben und vorbringen. Dass sie das richtig stört und ärgert.
Er geht darauf ein und fragt ab Vers 22: „Was ist leichter zu sagen, dir sind deine Sünden vergeben oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Was ist leichter zu sagen?“ Natürlich sind warme Worte leichter. Es ist leichter, jemandem zu sagen: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Das kann ja jeder behaupten.
„Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben“, sprach er zu dem Gelähmten: „Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim.“
Jesus heilt. Das Unmögliche geschieht: Dieser Gelähmte wird gesund, er kann aufstehen, sein Bett nehmen und fröhlich nach Hause gehen.
Aber seht ihr, worum es Jesus in diesem Wunder eigentlich geht? Ich erinnere mich noch an die Jungscharzeit, da ging es immer darum, dass gute Freunde einen Kranken zu Jesus bringen.
Aber eigentlich geht es in dieser Geschichte darum, dass Jesus ein ganz großes Wunder tut: Er lässt diesem Menschen seine Schuld, vergibt ihm seine Sünden. Das Wunder, dass der Gelähmte aufstehen darf und heimgehen kann, ist der Beweis dafür, dass Jesus das wirklich kann.
Jesus beweist mit diesem Wunder, dass er alle Macht hat – auch die Macht über die Sünde. Gerade die Macht über die Sünde, um sie an der Wurzel zu packen und auszurotten.
Er nimmt das genau für sich in Anspruch. Zum ersten Mal lesen wir hier bei Lukas, dass Jesus sich selbst als etwas viel Größeres bezeichnet als einen Menschen. Er nennt sich den Menschensohn.
Er sagt, der Menschensohn hat die Macht, das zu tun, die Vollmacht. Er bezieht sich dabei auf den Propheten Daniel, der von diesem Menschensohn geschrieben hat.
Ich möchte uns die Verse lesen, wo Daniel von diesem Menschensohn spricht. Das ist in Daniel Kapitel 7, Verse 13 bis 14, wo er eine gewaltige Vision vom Menschensohn hat:
„Und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, wie eines Menschensohns, und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht.“
Dieser Uralte ist Gott selbst. Er gab ihm Macht, Ehre und Reich, sodass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.
Sein Reich hat kein Ende.
Das nimmt Jesus für sich in Anspruch an diesem Tag: „Der bin ich, der mit dieser Kraft wirkt, dieser Menschensohn, dem Gott alle Macht über die Welt gegeben hat.“
Und er gibt eine Kostprobe von dieser Macht, indem er den Gelähmten gesund macht.
Es ist nur eine Kostprobe. Es geht um etwas Tieferes.
Ich hoffe, wir sehen es alle: Es geht darum, dass er die Sünde beendet, dass er die Sünde vergibt, dass er Sünde erlässt und Menschen von der wirklich tieferen Krankheit, die hinter allen Krankheiten und allem Leid steht, heilt.
Ich möchte an dieser Stelle sagen: Ich behaupte nicht, dass jede Krankheit, die du hast, eine Folge von konkreter persönlicher Sünde ist. Aber dass Krankheit in dieser Welt ist, dass sie kaputt ist, ist die Folge der Sünde.
Die Krankheit ist eine der schlimmsten Folgen, die wir in dieser Welt erfahren.
Also sehen wir hier, dass Jesus ein Arzt für Sünder ist.
Jesus sucht die Nähe der Sünder (Lukas 5,27-32)
Und genau das wird jetzt noch einmal sehr anschaulich, wenn wir uns den letzten Abschnitt anschauen und sehen, wie Jesus den Sündern begegnet und wo dieser Arzt für Sünder als Erstes hingeht (Lukas 5,27-32).
Danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen. Er sprach zu ihm: „Folge mir nach!“ Levi verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Levi richtete ihm ein großes Mahl in seinem Haus aus, und viele Zöllner und andere saßen mit ihm zu Tisch.
Die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern: „Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?“ Jesus antwortete ihnen: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.“
Es zieht ihn regelrecht dahin, wo die Sünder sind. Für uns ist es ja so: Je nachdem, ob man natürlich christlich groß geworden ist, ist einem schon klar, dass die Zöllner auch irgendwie die Bösen sind. Aber man könnte ja auch denken, Zöllner sei doch ein ehrenwerter Beruf. Wenn du in die Schweiz fährst, grüßen sie sich freundlich: „Haben Sie etwas zu verzollen?“ Doch damals war das anders. Das waren die, die mit den Feinden zusammenarbeiteten.
Das waren die, die sich gegen ihr eigenes Volk stellten, die Juden unterdrückten, indem sie mit den Römern zusammenarbeiteten, den Zoll eingezogen haben und sich dann nebenbei noch selbst etwas aus dem Ganzen herausgeholt haben. Das muss ja lukrativ gewesen sein. Es war der Abschaum, den wollte man auch nicht im Tempel sehen, mit denen wollte man nichts zu tun haben. Es war ein Gebet: „Herr, danke, dass ich kein Zöllner bin, danke für die große Gnade.“
Und Jesus geht gerade zu denen. Ich hoffe, wir sehen, dass das sehr anstößig ist, dass Jesus mit denen Zeit verbringt. Man versucht, sich das vorzustellen: Wie würden wir das übertragen? Vielleicht, wenn Jesus nachts um drei mit den Alkoholikern in der Kneipe sitzt. Das ist doch einem Bibellehrer nicht würdig, dass er so etwas macht, oder? Man soll früh ins Bett gehen, damit er morgens ausgeschlafen ist und predigen kann. Oder in prekären Stadtvierteln sehr viel Zeit verbringt.
Vielleicht kannst du es auch ganz persönlich überlegen: Welche Menschen findest du richtig schwierig? Wen verachtest du vielleicht sogar in deinem Herzen? Wahrscheinlich wäre Jesus bei diesen Menschen. Wahrscheinlich würde er ihre Nähe ganz besonders suchen. Genau so macht Jesus deutlich: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.“
Er ist ganz nah bei denen, die offensichtlich ein Problem haben, die im Leben gegen die Wand gefahren sind, die in den Dreck gesetzt wurden. Da will Jesus sein, weil diese Menschen es – das zeigt die Erfahrung – einfach besser begreifen können, dass sie wirklich ein Problem haben. Die Macher, die alles im Leben auf die Reihe kriegen, erkennen das nicht. Und die, die meinen: „Ach ja, die Gebote, die halte ich ja eigentlich ganz gut“, mit denen kann Jesus nichts anfangen.
Es ist nicht so, dass diese Menschen Jesus nicht brauchen würden. Diese Schriftgelehrten hatten Jesus genauso nötig, diese Pharisäer haben ihn gebraucht. Ein paar Kapitel später hält er eine heftige Strafpredigt für diese Pharisäer, die meinten, sie bräuchten Jesus nicht. Aber sie können es nicht erkennen. Sie sehen ihre Not nicht, sie sehen ihre Krankheit nicht.
Jesus sagt: „Ich bin für die gekommen, die am Leben verzweifeln, die ihre eigene Schuld erkennen und begreifen, wie dringend sie einen Arzt brauchen.“ Für sie ging er ans Kreuz, für sie ging er nach Golgatha durch Schmerz und Leid, das wir uns nicht vorstellen können. Er hat die ganze Krankheit getragen, um die Krankheit dieser Welt zu tragen, die alles vergiftet. Diese Krankheit wäre auch dann noch da, wenn wir ewig leben würden: die Krankheit der Sünde.
Ich habe heute Morgen gebetet, dass es jemanden gibt, der sagt: „Ich erkenne, dass ich diesen Arzt brauche.“ Wenn es nur einen gibt, dann wäre das ein Zeichen, dass Gottes Wort hier getroffen hat, denn jeder von uns braucht diesen Arzt so sehr. Ich hoffe wirklich, dass du das erkennst, dass du ihn brauchst. Vielleicht erkennst du es zum ersten Mal, und deine Antwort kann und soll nur sein, das, was Jesus hier sagt: „Tue Buße!“ Das heißt: Kehr um, folge Jesus nach! Er ruft jeden, der erkennt, dass er diese Not hat, der ihn braucht.
Ich weiß aber auch, dass viele von uns schon mehr oder weniger lange, manche Jahrzehnte, Jesus nachfolgen. Was machen diese Verse mit uns? Was machen sie mit dir? Es ist ja nicht so, dass wir einmal im Leben umkehren, uns einmal rufen lassen und dann auf der Spur sind. Ich glaube, jeder von uns erlebt es, dass wir uns immer wieder von Jesus wegbewegen, immer wieder den Kurs verlieren und eine Kurskorrektur brauchen.
Umkehr ist etwas, das wir immer wieder tun müssen, eigentlich täglich: täglich zurück zu Jesus, Jesus hinterher. Vielleicht erkennst du gerade in diesen Versen auch ganz konkreten Umkehrbedarf, wo Jesus dich anspricht und dir sagt: „Du bist vielleicht geworden wie einer dieser Pharisäer und Schriftgelehrten.“
Es ist eine der größten Versuchungen gerade von bibeltreuen Gemeinden, die sagen: „Wir halten das Wort hoch“, dass wir uns dann doch für etwas Besseres halten und herabschauen – erst einmal auf andere Christen, die ja noch nicht so weit sind, aber auch auf die, die Jesus nicht kennen. Dass wir sagen: „Wir haben unseren Laden zusammen.“
Ich möchte dazu einladen, dein Herz neu Jesus zu geben, dich von ihm berühren zu lassen, dass er Liebe schenkt und keine Verachtung für andere. Das ist das Wichtigste, was eigentlich unsere Gemeinde auszeichnen soll: dass wir in Liebe miteinander unterwegs sind, ohne Verachtung füreinander. So wie Jesus bei diesen Zöllnern sitzt.
Er sagt nicht: „Eure Sünde ist okay“, aber er sucht ihre Nähe und nimmt sie in Liebe an.
Es gibt aber auch noch einen anderen Punkt, an dem uns das treffen kann. Vielleicht ist es bei dir gerade so, dass es dir nicht genug ist, dass Jesus dir nur die Sünde vergibt. Vielleicht wünschst du dir eigentlich viel mehr von Jesus. Vielleicht leidest du an einer Krankheit und du wünschst dir so sehr, dass er dich gesund macht.
Dann möchte ich dich bitten, dass wir diesen Gottesdienst heute gerade dafür nutzen, dafür zu beten. Jan Henning hat gesagt, wir haben nachher die Möglichkeit für Gebet. Lasst uns diesen Gott anrufen, der alle Macht hat, dass er heilt. Er ist der Arzt, er hat die Macht, Krankheit zu heilen.
Lasst uns aber auch dafür beten, dass er unsere Herzen verändert, dass uns die Krankheit und alle andere Not, die wir im Leben haben, nicht größer werden als er. Dass wir neu erkennen, dass er die größte Not, die wir im Leben haben, schon beseitigt hat. Dass er mit der Sünde ein Ende gemacht hat und dass wir Gotteskinder sein dürfen.
Das ist ein Riesenwunder, und das ist viel wichtiger als körperliche Unversehrtheit. Du kannst sagen: „Ja, du kannst fromme Sprüche machen.“ Ich würde das nicht tun, wenn ich das nicht schon bei so vielen Menschen gesehen hätte.
Da steht mir einer besonders vor Augen: Hein heißt er. Er hatte eine ganz schwere Nervenkrankheit, die den ganzen Körper zerfressen hat. Er konnte keinen Muskel mehr bewegen, konnte nicht mehr mit seiner Zunge Gott loben, weil sie gelähmt war. Er konnte nur noch mit seinen Augen kommunizieren, aber er war Christ.
Was er mit seinen Augen diktiert hat, hat mich wirklich umgehauen. Er diktierte, was er von der Freude an Jesus, seinem Heiland, hat und wie er sich freut auf den Tag, an dem alle Schmerzen weg sind, an dem er Jesus schauen darf, an dem er vor ihm steht, ihn anbeten darf und alle Not und alle Tränen weg sind.
Das kennt die Welt nicht: so eine Hoffnung, so ein Vertrauen darauf, dass Jesus uns heil gemacht hat und uns vorbereitet auf diese Ewigkeit, in der alle Tränen weg sind und alles Leid weg ist.
Ich weiß, dass so ein Gottvertrauen ein Geschenk ist, aber es fängt damit an, dass wir wirklich auf Jesus schauen, schauen, wer er ist, was er tun kann und was seine Hauptmission für diese Welt ist: Sünder heilzumachen und uns vorzubereiten auf eine Welt, in der es kein Leid mehr geben wird, keinen Krebs, keine Schlaganfälle, nicht einmal das, was der Spiegel-Redakteur da geschrieben hat, nicht einmal den Fuß ans Bett anstoßen, auch keinen Liebeskummer – ewige Freude im Schauen auf Jesus Christus.
Und ich weiß, dass auch in unserer Gemeinde derzeit einige leiden und einige von Krankheit geplagt sind. Ich möchte euch noch einmal einladen: Lasst uns dafür beten!
Ausblick auf die neue Welt ohne Leid (Offenbarung 21,3-5) und Schlussgebet
Aber ich möchte euch auch Verse aus der Offenbarung zum Ende zusprechen, die uns darauf vorbereiten. Wir gehen auf einen ganz anderen Tag zu, auf eine ganz andere Zeit, in der dieses Leid nicht mehr sein wird.
Offenbarung 21,3-5:
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thronherrn, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und er, der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.
Lasst uns beten. Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir eine andere Antwort auf das Leid dieser Welt haben dürfen. Du hast uns gezeigt, was die große Not, die große Krankheit ist, an der wir leiden. Aber du machst uns auch gesund. Wo Jesus uns berührt, dürfen wir wirklich heil werden. Wir kommen in die Beziehung zu dir und werden von Feinden zu deinen Freunden.
Ich möchte dich bitten, dass uns das immer kostbarer wird und dass wir auch all unsere Probleme im Leben in diesem Licht sehen. Du bist so viel größer, und wir gehen auf diesen Tag zu.
Herr, danke, dass das keine Ewigkeitsvertröstung ist, sondern eine klare Perspektive. Du machst alles neu.
Ich möchte beten für alle, die krank sind und wirklich darunter leiden. Herr, du siehst die körperlichen Nöte, du siehst auch die seelischen Plagen. Bitte greif du ein. Du bist der Herr dieser Welt, du kannst heilen. Wir wollen dich bitten, dass du es tust. Und wir wollen dich darum bitten, dass wir in unseren Herzen die Gesundheit nicht höher stellen als dich.
Herr, dass du der Größte bist in unseren Herzen, größer als alles andere, größer als Leid und Not. Danke, dass du das kannst und dass du an uns wirkst durch dein Wort. Amen.