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Vom Sklaven Christi an die Geliebten Gottes

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 1/16
12.01.2025Römer 1,1-7
SERIE - Teil 1 / 16Wir betrachten den Römerbrief
Was macht den Römerbrief zum Schlüssel der Bibel? Warum veränderte er Leben von Augustinus bis Martin Luther radikal? Entdecke, wie echte Freiheit nicht Selbstbestimmung bedeutet, sondern Sklaverei unter Christus – eine Freiheit, die Ketten sprengt! Wer sind die „Geliebten Gottes“ eigentlich, und wie wirkt Gottes ewige Liebe in uns? Bist du bereit, diese tiefgründige Botschaft zu erleben und zu verstehen?

Begrüßung und Zeugnis einer Glaubenserfahrung

Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite.

Christian hat es eben im Gebet zum Ausdruck gebracht: Wir beten auch für die Anliegen unserer Missionsfreunde und für Menschen, die über unseren Livestream mit uns verbunden sind.

Gestern oder vorgestern haben wir hier eine kleine Zuschrift erhalten. Sie lautet so:
„Hallo, ich möchte euch danken für eure Predigten auf YouTube. Ich habe sie angehört und habe Gott gefunden. Heute ist Jesus Christus mein Erretter, Erlöser und Helfer jeden Tag.“

Es ist eine liebe Frau, die schreibt, durch wie viel Not sie geht. Sie hatte einen schweren Unfall, war beim Notarzt, hat schwere Kopf- und Rückenverletzungen erlitten, wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen, mehrfach operiert und hat ihre linke Niere verloren. Sie hat ums Überleben gekämpft.

Ihr geht es den Umständen entsprechend. Gesundheitlich kämpft sie immer noch mit den Folgen. Ob sie jemals wieder in ihrem Beruf arbeiten kann, ist ungewiss. Aber sie ist sehr dankbar für unsere wertvollen Predigten, die ihr helfen, darin zu bestehen.

Ist das nicht schön? Wir dürfen immer im Bewusstsein hierher kommen, dass wir nicht alleine sind. Der Gottesdienst ist ein Zeugnis für viele, viele Menschen auch außerhalb unserer Mauern.

So wollen wir den Herrn loben und ehren für sein Wirken, auch wenn wir jetzt mit dem Römerbrief beginnen.

Einführung in den Römerbrief und seine Bedeutung

Ich lade euch ein, mit mir aufzustehen und die ersten sieben Verse zu lesen. Es wäre gut, wenn ihr nach Möglichkeit eure Bibeln mitbringt. Das müssen wir euch ja nicht immer wieder sagen. Inzwischen kann man die Bibel ja auch auf dem Handy lesen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich bevorzuge immer noch das gedruckte Buch. Manchmal nutze ich auch den Computer oder das Handy.

 Römer 1: Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor durch seine Propheten in heiligen Schriften verheißen hat, über seinen Sohn, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit. Durch die Auferstehung aus den Toten, Jesus Christus, unserem Herrn, durch welchen wir Gnade und Aposteldienst empfangen haben, zum Glaubensgehorsam für seinen Namen zu wirken unter allen Heiden, unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi. An alle in Rom anwesenden Geliebten Gottes, an die Berufenen, Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Lasst uns Platz nehmen. Ich möchte vorweg ein paar allgemeine Worte zum Römerbrief sagen. Er bringt uns, wie wohl kaum ein anderes Buch, die Struktur des Heilsplans so nahe, dass wir das Konzept, die Konstruktion des Heils, des Evangeliums viel besser, tiefgründiger und klarer verstehen.

Wenn wir das wahre Wesen des Evangeliums erfassen wollen, dann gehört dazu auch der Römerbrief. Diesen sollten wir nicht nur einfach lesen, sondern wirklich studieren – und zwar immer und immer wieder. Vom großen Prediger Chrysostomus weiß man, dass er sich den Römerbrief einmal pro Woche vorlesen ließ und natürlich darüber nachdachte.

Johannes Calvin schreibt in der Einleitung zu seinem Römerkommentar, dass jeder, der diesen Brief wahrhaft erfasst hat, alle Türen zu den verborgenen Schatzkammern der Schrift offen findet. Er will sagen: Wer die Epistel an die Römer versteht, der versteht die ganze Bibel.

Der Römerbrief ist ein Schlüssel, der uns Zugang verleiht – nicht nur zum Neuen Testament, sondern auch zum Alten Testament. Ihr habt es ja auch gelesen, dass Paulus schreibt über seinen Sohn und dass er das Evangelium Gottes zuvor durch seine Propheten in heiligen Schriften verheißen hat (Römer 1,2).

Der Römerbrief erklärt uns, was die Propheten des Alten Testaments vorausgesagt haben und was das bedeutet.

Historische Beispiele der Wirkung des Römerbriefs

Kaum ein Buch in der Bibel hat das Leben so vieler Menschen so nachhaltig verändert wie der Brief an die Christen in Rom.

Augustinus war ein sehr intelligenter junger Mann, der sich dem Studium heidnischer Philosophen widmete. Gleichzeitig führte er ein hochgradig unmoralisches und zügelloses Leben. Das ist allgemein bekannt.

Eines Tages begegnete dieser Playboy einigen spielenden Kindern. Sie riefen sich immer wieder auf Lateinisch zu: „Tolle lege, tolle lege“, was „Nimm es und lies“ bedeutet. Sie spielten irgendein Spiel, bei dem sie sich gegenseitig aufforderten: „Nimm es und lies, nimm es und lies.“

Der junge Augustinus hörte das und dachte: „Da musst du doch mal nach Hause gehen und auch mal etwas nehmen und lesen.“ Er suchte sich etwas zum Lesen. Was hat er gefunden? Ihr könnt es euch vorstellen: das Neue Testament. Er blätterte darin, denn damals lagen die Schriften noch auf Rollen vor, und öffnete den Römerbrief.

Sein Auge fiel auf diese Worte: „Lasst uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid, sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung eurer Begierden“ (Römer 13).

Diese Worte trafen Augustinus wie ein Blitz. Er kam zum Glauben. Der Heilige Geist ergriff ihn durch diese Worte und führte ihn zur Buße. Augustinus las weiter, und der Römerbrief verwandelte sein Leben so sehr, dass viele ihn für den größten Heiligen der frühen Kirchengeschichte halten.

Auch von John Bunyan, John Wesley, Jonathan Edwards und zahllosen anderen Männern und Frauen der Christenheit wissen wir, dass der Römerbrief ihr Leben auf den Kopf gestellt hat und sie zu Christus geführt wurden.

Uns allen ist auch die Geschichte von Martin Luther bekannt, den wir jetzt nicht auslassen dürfen. Sein sogenanntes Turmerlebnis im Augustinerkloster zu Wittenberg veränderte buchstäblich den Lauf der Weltgeschichte.

Martin Luthers Erkenntnis im Römerbrief

Und wir lassen Martin Luther selbst zu uns sprechen, hier wörtlich.

Ich war von einem hitzigen Eifer ergriffen, Paulus im Römerbrief kennenzulernen. Dabei war mir im ersten Kapitel das Wort zuwider: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbar.“ Ich hasste das Wort „Gerechtigkeit Gottes“, weil ich es so verstand, dass Gott gerecht sei, indem er die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, den Sünder strafenden Gott nicht lieben, ich hasste ihn vielmehr.

Obwohl ich als untadeliger Mönch lebte, fühlte ich mich vor Gott als Sünder. Mein Gewissen war unruhig, und ich traute mich nicht zu hoffen, dass ich durch meine Genugtuung versöhnt sei. Ich war voll Unmuts gegen Gott, wenn nicht in heimlicher Lästerung, so doch mit mächtigem Murren. Ich sprach: Soll es denn nicht genug sein, dass die Elenden durch die Erbsünde ewiglich verdammte Sünder sind, nun auch noch im Evangelium mit Gottes Gerechtigkeit und seinem Grimm bedroht werden?

Ich hatte ja gelesen, dass die Gerechtigkeit Gottes im Evangelium offenbar wird, und ich hatte diese bedrohliche Vorstellung von der Gerechtigkeit Gottes. So raste ich vor Wut in meinem verwirrten Gewissen, pochte aber dennoch ungestüm an dieser Stelle bei Paulus an, voll glühenden Durstes zu erfahren, was der heilige Paulus meinte.

Da erbarmte sich Gott meiner. Unablässig sann ich Tag und Nacht, bis ich den Zusammenhang der Worte erkannte, nämlich: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbar“ – und jetzt, wie geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine Gerechtigkeit zu begreifen, die uns geschenkt wird mittels des Glaubens.

Ich merkte, dass dies so zu verstehen sei, dass Gott uns aus Gnade und Barmherzigkeit rechtfertigt durch den Glauben, wie ja geschrieben steht und Paulus schreibt: „Der Gerechte wird durch Glauben leben.“ Luther erkannte also, dass Gottes Gerechtigkeit, die uns im Evangelium begegnet, nicht mehr sein verdammender Feind ist, sondern sein erlösender Freund geworden ist.

Was das mit seiner Seele gemacht hat, beschreibt er mit diesen Worten weiter: „Da fühlte ich mich ganz und gar neu geboren. Die Tore hatten sich mir aufgetan, ich war in das Paradies selbst eingegangen. Da zeigte mir sogleich auch die ganze Heilige Schrift ein anderes Gesicht. Wie ich zuvor das Wort ‚Gerechtigkeit Gottes‘ mit allem Hass hasste, so erhob ich es nun mit heißer Liebe. Das gleiche Wort wurde mir süß und lieblich über alle anderen Worte.“

So wurde mir die Stelle bei Paulus eine rechte Pforte zum Paradies. Wenn du wirklich glaubst, so fuhr Luther fort, dass Christus dein Retter ist, dann hast du mit einem Mal einen gnädigen Gott. Denn der Glaube führt dich zu Gott und öffnet dir sein Herz, sodass du reine Gnade und überfließende Liebe sehen kannst.

Das heißt, Gott im Glauben zu schauen und sein väterliches, freundliches Herz zu erkennen, in dem weder Zorn, verdammender Zorn, noch Unbarmherzigkeit zu finden ist. Wer Gott als zornig erkennt, sieht ihn nicht richtig, sondern schaut nur auf seinen Vorhang, als ob eine dunkle Wolke über seinem Gesicht läge.

Die zentrale Botschaft des Römerbriefs für die Reformation

So sehen wir also, dass der Römerbrief der Durchbruch in Luthers Herzen war. Das Wort aus dem Römerbrief: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ wurde zum Schlachtruf, zum Kampfruf der Reformation. Dieses Erlebnis, „Der Gerechte wird aus Glauben leben“, wurde zum Tor der Reformation und veränderte den Lauf der Weltgeschichte.

Der Gedanke, dass die geforderte Gerechtigkeit Gottes nicht durch unsere eigenen Leistungen, sondern nur als Gottes Geschenk zu uns kommt – aus Glauben und Gnade allein – war für Luther so zentral, dass er ihn wörtlich als den Glaubenssatz bezeichnete, mit dem die Kirche steht oder fällt. Auch heute wissen wir, dass wir mit diesem Wort aus dem Römerbrief stehen oder fallen: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“

Kaum ein Buch der Bibel macht uns das Evangelium so klar wie der Römerbrief. Er ist der Schlüssel zur gesamten Heiligen Schrift. Deshalb, liebe Gemeinde, liebe Freunde: Wenn wir uns in den nächsten Wochen – ob drei Monate oder drei Jahre – mit diesen Worten beschäftigen, dann kannst du dich ein Leben lang mit diesem Text auseinandersetzen. Und es wird dir immer herrlich bleiben.

Deshalb laden wir euch ein: Ihr solltet keinen Gottesdienst ab heute mehr versäumen. Lest mit uns, denkt mit uns nach, betet und lobt mit uns. Denn wir treten vor das Angesicht Gottes, und seine Herrlichkeit kommt zu uns in diesen wunderbaren Texten.

Der Römerbrief stammt nicht nur von Paulus, sondern vom Heiligen Geist. Gott hat ihn uns gegeben.

Vorstellung des Absenders Paulus und seine Demut

Und so wollen wir uns dem Text zuwenden. Leider kann ich nicht alle sieben Verse jetzt auslegen. Stattdessen erzähle ich euch ein wenig über den Absender und die Empfänger, von denen Paulus schreibt.

Paulus stellt sich vor mit den Worten: Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes. Obwohl es ein Brief an die Römer war, stellte er sich nicht mit seinem römischen Namen vor. Ihr wisst ja noch, wie sein römischer Name war: Saulus. Wäre es nicht klangvoller für die Empfänger gewesen, wenn er geschrieben hätte: Saulus, ein Knecht Jesu Christi? Nein, er stellte sich mit Paulus vor, mit dem Namen, der den großen Wendepunkt in seinem Leben markierte. Denn auf dem Weg nach Damaskus, als er Christen verfolgte, stellte sich ihm Jesus plötzlich in den Weg.

Obwohl Paulus inzwischen als herausragender Theologe galt – ja, er nennt sich im selben Vers auch berufener Apostel –, setzt er allem, was er schreibt, und auch der Begrüßung und der Absendervorstellung voran, dass er ein Knecht Jesu Christi ist. Anspruchslos und demütig!

Das griechische Wort doulos bedeutet auf Deutsch nicht nur Knecht oder Diener, sondern in erster Linie Sklave. So gibt es auch die konkordante Übersetzung wieder: Paulus, Sklave Jesu Christi.

Warum erniedrigst du dich so, Paulus? Du bist doch ein Akademiker! Du bist ein Gelehrter, ein führender Apostel, eher ein Doktor und Professor der Theologie. Und jetzt schreibst du den Römern, dort in der Hauptstadt des Weltreiches, als Paulus, ein Sklave Jesu Christi. Was ist das für eine Vorstellung?

Aber er stellt sich vor als Sklave. Er hatte verinnerlicht, dass Jesus zu seinen Jüngern gesagt hatte: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, der Christus. Ihr aber seid alle Brüder. Auch ihr sollt euch nicht Meister nennen lassen, denn einer ist euer Meister, Christus. Der Größte aber unter euch soll euer aller Diener sein“, im Sinne eines Sklaven.

Die Bedeutung der Sklaverei Christi und wahre Freiheit

In der Antike wurde unterschieden zwischen einem Diener und einem Diener oder zwischen einem Diener und einem Sklaven. Ein Diener war ein Angestellter, der jederzeit kündigen konnte und somit selbst entschied, wo er arbeiten wollte. Ein Sklave dagegen wurde nicht angestellt, sondern gekauft und war der unwiderrufliche Besitz seines Herrn.

Genau dieses Bild wird in der Bibel verwendet, um die Beziehung zwischen Jesus und seinen Nachfolgern darzustellen. Wir gehören zu Christus als unserem Herrn und Meister. Im 1. Petrus 2,9 heißt es: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk und ein Volk des Eigentums.“ Der erste Korintherbrief erinnert uns daran, dass wir das nicht vergessen sollen und sagt: „Wisst ihr nicht, dass ihr euch nicht selbst gehört?“ (1. Korinther 6,19-20).

Bist du Christ, ein Jünger Jesu? Dann gehörst du dir nicht mehr selbst. Selbstbestimmung ist das große Wort unserer Zeit. Doch wenn du Christ wirst, hörst du auf mit der Selbstbestimmung. Dann bestimmt ein anderer über dich. Das ist revolutionär in unserer humanistisch selbstbestimmten Zeit. Die Sklaverei ist abgeschafft, und es ist gut, dass ein Mensch nicht mehr über den anderen herrscht. Trotzdem sind Christen Sklaven Jesu Christi. „Wisst ihr nicht, dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören“ (1. Korinther 6,19-20).

Darum hat Jesus das Recht, als unser Herr und Meister uns Pflichten aufzuerlegen. Er hat uns mit seinem heiligen Blut erkauft, zu seinem Volk und zu seinem Eigentum gemacht. Nun sagen einige, die Bibel lehre doch Freiheit. Wie kann es sein, dass wir als Gläubige Sklaven sind? Paulus bezeichnet sich selbst als Sklave Christi, schreibt aber auch: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17).

Wie passt das zusammen? Jesus sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen“ (Johannes 8,31-32). Also: Sklave Jesu Christi und zugleich frei. Das müssen wir verstehen.

Die Antwort lautet: Wir sind nur dann frei, wenn wir Sklaven Jesu Christi geworden sind. Hast du das gehört? Das ist eine Definition von Freiheit. Erkläre das mal den Philosophen von heute! Du bist nur frei, wenn du ein Sklave Jesu Christi bist. Unter seiner Herrschaft zu stehen, das ist Freiheit.

Weltmenschen können das nicht nachvollziehen. Sie meinen, frei zu sein heißt, von Gott frei zu sein, sich von aller theologischen, lehrmäßigen und religiösen Bevormundung zu befreien. Von Gott frei zu sein, das sei Freiheit. Doch die Bibel sagt das nicht so. Deshalb wollen sich viele von Gott emanzipieren und Jesus loswerden.

Wir sehen, wie die sogenannte tolerante Welt alle Religionen respektiert. Mit allen Religionen kann diese Welt fertig werden. Es heißt, man dürfe keine religiösen Gefühle verletzen. Aber das gilt nicht für Christen. Ihren Jesus kann man öffentlich verlästern, wie beispielsweise bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im letzten Jahr in Paris.

Dort wurden in Anlehnung an Leonardo da Vincis Gemälde vom Abendmahl die Jünger Jesu von Drag Queens dargestellt, und der Heiland von einem fast nackten Sänger. Auf Nachfrage hieß es, das solle die Befreiung von religiöser Bevormundung darstellen. So wollten sie ihr Verständnis von Freiheit zeigen.

„Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“, haben sie schon in der Bibel geschrien. Diesen Schrei hört man heute durch unsere gesamte aufgeklärte Gesellschaft: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche. Wir wollen frei sein.“ Doch was geschieht mit einer Gesellschaft, die mit aller Macht die Fesseln des Glaubens abstreifen will? Ist unsere Gesellschaft frei?

Darauf muss ich nicht länger eingehen. Wir sehen es jeden Tag: Wie gebunden und gefesselt unsere Gesellschaft ist. Nein, sie verstrickt sich immer mehr. Je mehr sich unser Land von Christus befreit, desto dramatischer ist der moralische Niedergang und desto verheerender nehmen Hass und Gewalt zu.

In der Silvesternacht haben wir gerade erst gehört, dass in Berlin vier Polizisten im Einsatz waren, um die Stadt vor einer Katastrophe zu bewahren. Das ist eine ganze Armee, eine Heeresmacht, die aufgebracht werden muss, um einige wenige Verrückte zu bändigen. Insgesamt gab es 1.453 Straftaten, und 44 Polizisten wurden teils schwer verletzt.

Kann man das Freiheit nennen? Nein, das ist Sklaverei – Sklaverei der Sünde.

Die scheinbar widersprüchliche, aber verlässliche Botschaft des Evangeliums lautet – ich habe es mit diesem Satz zusammengefasst: Eines Menschen wahre Freiheit besteht darin, ein Sklave Christi zu werden. Willst du frei von der Knechtschaft der Sünde sein?

Einladung zur persönlichen Hingabe an Christus

Jetzt kommen wir zu dir persönlich, und das ist das Wichtigste: Wenn du von deinen Leidenschaften, deinen bösen Gewohnheiten, deinen Süchten – insgesamt von deiner gefallenen Natur – frei werden möchtest, mein Freund, dann begib dich unter die Herrschaft Christi.

Werde sein Eigentum, werde sein Knecht, wirf dich ihm zu Füßen, ordne ihm dein Leben unter und gehorche seinem Wort. Du wirst sehen, wie deine Ketten brechen und du zu einer königlichen Freiheit gelangst. Du wirst aufatmen können und mit Freuden singen: „Meine Sünden sind vergeben, ich bin frei, ich bin frei! Christus schenkte mir das Leben, ich bin frei, ich bin frei! Halleluja, Amen!“

Oh, wie schön ist das! Darf ich fragen, wer von euch freut sich darüber, dass er ein Sklave Christi ist? Stellt euch das mal vor: lauter Sklaven hier! Herrlich ist das! Jesus ist unser Chef, er ist unser Meister, und wir dürfen ihm folgen. In ihm ist die Erlösung, in ihm ist die Freiheit.

Du musst nicht mehr deinen alten Lüsten und Süchten unterworfen sein, sondern du kannst frei sein. Die Ungerechtigkeit, die Sünde, die Lüge, die Unzucht, der Ehebruch und die Schweinereien in deinem Leben – all das kannst du überwinden und Sieger sein in Jesus Christus. In ihm bist du frei. Halleluja, Amen!

Das ist ganz herrlich, ja, ganz herrlich ist das! Das ist so wunderbar, das ist das Evangelium, ganz anders als das, was wir sonst hören. Es kommt ja auch von Gott.

Fortsetzung der Auslegung: Empfänger des Briefes und ihre besondere Stellung

Jetzt kommen wir zu einem großen Sprung im Text. Nachdem er sich als Absender vorgestellt hat – als Sklave Jesu Christi –, wendet er sich im Vers 7 an „alle in Rom anwesenden Geliebten Gottes“. Das ist ein wichtiger Punkt, den ich nicht überlesen konnte. Der Brief richtet sich an die Geliebten Gottes.

Seid ihr Geliebte Gottes? Gerade habe ich gefragt, wer sich freut, ein Sklave zu sein. Jetzt darf ich euch sagen: Wer ist glücklich darüber, ein Geliebter Gottes zu sein? Ja, schau mal, du bist ein Geliebter Gottes. Das bedeutet, Sklave bei Gott zu sein.

Deshalb sage ich euch: Dieser Brief ist für euch. Er richtet sich an die Geliebten Gottes. Die Bibel lehrt uns, dass Gott grundsätzlich für alle Menschen eine gewisse Liebe hat. Das ist doch klar. Die Bibel sagt, er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte (Matthäus 5,45). Durch den Propheten ruft er aus: „Habe ich etwa Gefallen am Tod des Gottlosen und nicht vielmehr daran, dass er sich von seinem Wege bekehrt und lebt?“ Nein, Gott liebt alle Menschen. Er liebt sie im allgemeinen Sinn.

Doch Paulus meint mit den Geliebten Gottes nicht alle Menschen. Er schreibt an die Gemeinde, an die Christen. Er schreibt nicht: „Alle Römer sind Geliebte Gottes“, sondern sagt: „Ihr seid die Geliebten Gottes“ und fügt hinzu: „an die berufenen Heiligen“. Das ist ein Ausschlusskriterium.

Jesus hat Petrus geliebt, aber meinen wir, dass er Judas mit der gleichen Liebe geliebt hat? Nein. Wir lernen, dass es eine besondere Liebe gibt, die Jesus zu den Seinen hat, und eine allgemeine Liebe, die er zu allen Menschen hat.

Ich liebe alle Kinder der Welt, das hoffe ich, kann man auch von euch sagen. Immer wenn ich auf Missionsreise war, nahm ich die Kinder Afrikas oder Indiens in meine Arme und liebte diese kleinen, entzückenden Wesen. Aber jedes Mal, wenn ich nach Hause kam und meine eigenen drei Kleinen umarmte, liebte ich sie doch mit einer anderen Liebe als die Kinder anderswo. Denn sie waren ja meine Kinder, im Unterschied zu den Kindern der ganzen Welt.

Mit meinen Kindern verband mich eine besondere Liebe, eine Vaterliebe. Mit den Kindern der Welt verband mich eine universelle Liebe. Verstehen wir das? So ist es auch bei Gott.

Deshalb steht in der Bibel einerseits: „So sehr hat Gott die Welt geliebt“, aber andererseits: „So wie er die Seinen geliebt hatte, so liebte er sie bis ans Ende.“ Sehen wir den Unterschied? Das lernen wir.

Wie ist diese Liebe zu den Seinen entstanden? Indem Jesus sie aus der Welt herausgerufen hat. Er hat sie, wie er wörtlich sagt in Johannes 15, aus der Welt heraus erwählt. Es gibt also die Welt, die er liebt, und es gibt die, die er aus der Welt heraus erwählt hat und liebt.

So war es mit den Heiligen zu Rom. Gott hat sie aus der Welt heraus erwählt und darum sind sie Geliebte Gottes. Die Liebe, mit der Gott sie liebt, ist eine erwählende Liebe. Darüber müssen wir nachdenken. Es lohnt sich, jedes Wort in der Bibel auf sich wirken zu lassen und es im Kontext der gesamten Offenbarung zu sehen.

Wenn er schreibt „an die in Rom, an die Geliebten Gottes, die berufenen Heiligen“, dann steckt da eine Geschichte dahinter.

Ähnlich halten wir es ja auch, wenn wir heiraten. Wir heiraten doch nicht alle Frauen der Welt, sondern nur eine, eine besondere. Wie nennen wir sie gerne? Jemand fragte mal, als Gertrud das erste Mal dabei war, als er mich sah und mich kannte: „Ist das deine Auserwählte?“ Ja, das ist sie. Wir nennen sie die Auserwählte. Das ist kein neuer Begriff. Es ist unsere Auserwählte.

Während wir alle Menschen, ja sogar unsere Feinde lieben, verbindet uns mit unserer Auserwählten eine besondere, exklusive Liebe.

Weil Jesus die Christen in Rom so exklusiv herausgeliebt hat, nennt Paulus sie Geliebte Gottes.

Wie immer wird auch zur Lehre von der Gnadenwahl Stellung genommen. Egal, wie wir sie drehen und wenden, sie steht schlicht in der Bibel. Wenn du alle Seiten herausreißt, die dir wegen der Auserwählung nicht gefallen, und zum nächsten Buchladen gehst, um dir eine neue Bibel zu kaufen, steht die Lehre dort wieder drin.

Sie ist Bestandteil, sogar ein zentraler Bestandteil der Offenbarung Gottes. Deshalb können wir sie nicht loswerden – egal ob wir sie verleugnen oder umdeuten wollen. Was der Heilige Geist geschrieben hat, das hat er geschrieben.

Darum rate ich: Nimm diese Wahrheit in dein Herz auf, tief in dein Herz. Sie wird dir zu einer der kostbarsten Lehren in der gesamten Heiligen Schrift.

Lass dich nicht von ihr abstoßen, sondern suche sie ehrlich zu erfassen. Sobald sie in dir aufleuchtet und du erkennst, mein Freund, dass Gott dich vor Grundlegung der Welt, vor Grundlegung der Welt, ganz persönlich für dich auf ewig erwählt hat, dann fängt dein Herz vor Freude an zu tanzen.

Die ewige Liebe Gottes und die Wirkung der Gnadenwahl

Gott hat ein Volk auf dieser Erde, dessen Menschen er für sich selbst auserwählt hat. Diese übergab er vor ewigen Zeiten seinem Sohn Jesus Christus, damit er für sie sein Leben gebe und sie, wie es wörtlich heißt, aus der Welt erlöse. Darum heißt es, dass Christus die Gemeinde geliebt hat.

Hier zeigt sich wieder die besondere Einschränkung dieser Liebe: Christus hat die Gemeinde geliebt und sich für sie selbst hingegeben. Das sind die, die Paulus mit den Worten „Geliebte Gottes“ anschrieb. Hinter dieser Anrede verbirgt sich diese besondere Liebe.

Ich freue mich, dass wir sagen dürfen: „Zu euch predige ich heute.“ Das ist unglaublich! Ich predige heute Morgen zu den Geliebten Gottes. Halleluja! Es rührt mich zu Tränen, wirklich. Ihr seid von Ewigkeit her berufen. Ich kann es nicht fassen: Gott hat es gewollt. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, und du bist mein.“ Das ist so herrlich! Werde doch ein glücklicher Christ und freue dich über die unbegreifliche Erlösung in deinem Leben.

Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen: Man kann diese erwählende Liebe auch als eine entschlossene Liebe bezeichnen. Als Gott sich aus Liebe für die Seinen in Ewigkeit entschied, da war er auch entschlossen, sein Heil an ihnen von Anfang bis Ende durchzuziehen. Er war entschlossen, die er von Ewigkeit her liebte, definitiv in der Zeit zu erretten. Er wollte sie zur Buße und zur Annahme des stellvertretenden Opfers Christi führen.

Deshalb spricht der Prophet Jeremia dieses köstliche Wort: „Von ferner her ist mir der Herr erschienen, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“ (Jeremia 31,3) Von Ewigkeit her geliebt – und deshalb kam es dazu, dass du dich auch eines Tages bekehrt hast.

Wenn du dich heute bekehrst – und ich glaube, heute werden sich Menschen bekehren, hier oder an den Bildschirmen –, dann geschieht das, weil ein Beschluss über dein Leben bestand vor aller Zeit und Ewigkeit. Gott löst mit deiner Bekehrung ein, was er vor unendlichen Zeiten schon mit dir vorgehabt hat. Sag doch mal Amen! Gewaltig, mein Gott! Da kann ich nur anbeten und niederfahren.

Der Allmächtige war fest entschlossen, durch den Heiligen Geist so an den Herzen seiner Geliebten zu wirken, dass sie treu bleiben bis an ihr seliges Ende. Sie sollen sicher ins ewige Leben eingehen. Das tut er nicht mit Gewalt oder gegen ihren freien Willen, wie manchmal fälschlicherweise behauptet wird.

Manche sagen: „Wenn Gott das vorherbestimmt hat für dich, dann bist du ja nur eine Marionette. Dann tut er das ja gegen deinen freien Willen.“ Nein, nein, nein! Du musst nachdenken und darfst nicht vorlaut sein. Gott tut nie etwas gegen deinen freien Willen. Die Geliebten Gottes sind keine Marionetten, sondern freie Menschen.

Was mit ihnen passiert, ist, dass Gott ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt. Er führt sie von der Finsternis zum Licht und zeigt ihnen die Herrlichkeit Christi. Wenn Menschen diese Herrlichkeit geschaut haben, musst du sie nicht mehr zwingen. Dann laufen und springen sie freiwillig und voller Freude in die Arme des himmlischen Vaters.

Ich bin nicht gegen meinen Willen an meinen Haaren und an meinen Ohren zu Christus gezogen worden. Jesus hat mich an meinem Herzen zu sich gezogen. Halleluja! Und ich bin so froh, dass ich ihm gehöre. Ja, das ist so köstlich, liebe Gemeinde!

Jeder, der zu Christus kommt, kommt freiwillig. Es gibt keinen Menschen, der zu Christus kommt, ohne dass er will. Aber Gott ist es, der ein Wunder an seiner gefallenen Natur und an seinem sündhaften Willen vollzogen hat. Er macht ihn willig und freudig, Jesus in sein Leben aufzunehmen und ihm zu folgen. Halleluja! So herum ist das Evangelium, und nicht anders.

Wenn du das erkannt hast, dann tust du es freiwillig. Das sind die Geliebten Gottes, an die Paulus in seinem Römerbrief schreibt. (Römer 8)

Ermutigung für Zweifler und Abschlussappell

Ja, vielleicht hören Menschen diese Predigt, die als Christen an sich zweifeln. Du glaubst und weißt, dass du ein Kind Gottes bist, aber du fürchtest dich wegen deiner Unzulänglichkeiten, wegen deines Unvermögens, ein guter Christ zu sein. Das kenne ich. Du verzweifelst sogar daran, das ewige Leben möglicherweise nicht zu erreichen. Das kommt auch aufgrund von falschen Lehren, die immer wieder propagiert werden: Du musst und du sollst, du musst und du sollst. Und wenn du nicht genug willst, musst und kannst, dann wird das nichts mit dir.

Nein, du bist ein geliebter Gottes. Gott hört nicht auf, an deinem Herzen zu arbeiten und dich so zu bereiten, dass du mit Freuden seinen Weg gehst. Er hat dich bereits in der Ewigkeit auserwählt und beschlossen, dich am Kreuz zu erlösen, dich zu bewahren und für immer selig zu machen. Er, der den Glauben angefangen hat, wird den Glauben auch in dir vollenden. Also, ihr Geliebten Gottes: Der Römerbrief ist für euch. Habt ihr gehört? Ein Liebesbrief an die Geliebten, an die geliebten Kinder Gottes.

Wir wollen ihn gemeinsam lesen und das Heil Gottes immer besser verstehen. Und wir werden immer glücklicher, immer erfüllter, immer seliger. Und wenn Menschen hier sind, die dem lebendigen Glauben noch fernstehen – oder an den Bildschirmen draußen – du aber in deinem Herzen schon manchmal in deinem Leben eine Sehnsucht nach Gott verspürt hast: Das sagen uns viele Menschen, die dann eines Tages endgültig zu Christus finden. Sie sagen: „Ich habe schon immer wieder gespürt, es muss ein Gott geben. Ich habe schon immer gemerkt, dass irgendetwas mich zieht. Ich wusste nie was, aber heute weiß ich, es waren die Seilen der Liebe Gottes. Die Gnade, die vorlaufende Gnade Gottes, die mich gezogen hat. Und heute bin ich hier.“

Und wenn du in deinem Herzen heute Morgen ein Echo in deiner Seele verspürst, wenn du das, was du hier heute gehört hast, noch nie gehört hast, aber irgendwie sagt deine Seele zu dir: „Der Mann hat nicht unrecht, die Bibel hat vielleicht doch recht“, dann sage ich dir: Diese Regungen, die kommen von Gott. Das ist schon das Wirken des Heiligen Geistes in deinem Leben. Das sind die Zeichen, dass Gott nicht nur an dir interessiert ist, sondern das sind die Zeichen dafür, dass Gott dich haben will. Er wird dich weiterführen.

Und vielleicht ist heute der Tag, an dem du ganz zu Jesus findest. Dann gehört der Römerbrief auch dir, und er schreibt an dich: die Geliebten Gottes, die berufenen Heiligen in Jesus Christus. Und alles Volk sagt: Amen. Halleluja, wir stehen auf. Halleluja, oh Herr, wie herrlich ist das! Wir beugen uns vor Jesus.

Millionen und Milliarden Menschen laufen in dieser Welt umher, haben noch nie etwas von dem Brief an die Geliebten Gottes in Rom gehört. Und wir dürfen ihn haben. An uns ist er geschrieben. Wir dürfen ihn lesen, und wir dürfen lernen: den Ratschluss Gottes, die Gerechtigkeit Gottes, die aus Glauben zu uns kommt, die große Gnade, das Heil unseres Erlösers.

Ich danke dir und bitte dich von Herzen: Schenk der Gemeinde eine tiefe Weihe für die nächsten Monate, mit Hingabe und Liebe dein Wort im Römerbrief zu studieren. Es wird ein großer Reichtum und eine große Freude und Erfüllung sein. Und lass auch viele Menschen durch die Betrachtung dieses Briefes den Anstoß zu ihrer Seligkeit empfangen. Darum bitten wir dich, auch schon für heute. Amen.