Wir fahren mit den noch offenen Fragen von vor der Pause fort.
Eine häufig gestellte Frage von Christen ist: Was hindert den Herrn Jesus daran, wiederzukommen, um seine bluterkauften Gläubigen zu holen? Anders ausgedrückt: Was ist der Grund, warum die Entrückung noch nicht stattgefunden hat und weiterhin aussteht?
Die Antwort finden wir in 2. Petrus 3. Dort erklärt der Apostel, dass es so lange dauern wird, bis Spötter auftreten, die sagen: „Wo ist die Wiederkunft Christi? Jetzt ist es schon so lange her“, – ich sage das mit meinen eigenen Worten – „schon so lange her, und er ist immer noch nicht gekommen.“
Diese Stelle gibt uns eine kleine Anleitung, um zu verstehen, dass es tatsächlich erstaunlich lange dauern kann. Wenn man 2. Petrus 3 ab Vers 1 liest, sieht man, dass die Spötter in der Endzeit sagen werden: „Seht ihr mal, ihr wartet immer noch, und es ist nichts geschehen.“
Die Verzögerung der Wiederkunft Christi und die Geduld Gottes
Der Apostel erklärt in 2. Petrus 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber. Er will nicht, dass jemand verloren geht, sondern dass alle zur Buße kommen.
Wir sehen hier, dass der Herr möchte, dass alle Menschen errettet werden. Deshalb ist die Entrückung noch nicht geschehen. Gott gibt eine lange Gnadenzeit, damit möglichst viele Menschen noch errettet werden können.
Du hast vor der Pause noch etwas angedeutet: In der Offenbarung sagt der Herr Jesus viermal „Ich komme bald“. Wie verträgt sich das damit, dass Petrus etwa im Jahr 66, als er in Rom in der Todeszelle war, sagt: „In der Endzeit werden Spötter kommen“? Das macht deutlich, dass Petrus nicht glaubte, er lebe schon in der Endzeit, sondern er spricht von der Zukunft.
In der Endzeit werden solche Spötter kommen, die sagen: „Jetzt geht es schon so lange, und er ist immer noch nicht gekommen. Was wartet ihr noch?“
In der Offenbarung, Kapitel 22, Vers 20, lesen wir an einer dieser vier Stellen: „Ja, ich komme bald.“ Der, der diese Dinge bezeugt, spricht: „Ja, ich komme bald.“ Und der Text endet mit dem Ruf: „Amen, komm, Herr Jesus.“
Jesus sagt hier im Text der Offenbarung: „Ich komme bald.“ Aber das passt irgendwie nicht zu zweitausend Jahren, die seitdem vergangen sind.
Das Verständnis des Ausdrucks „Ich komme bald“ in der Offenbarung
Aber die Elbefelder macht noch eine Fußnote. Und da steht „schnell“ beziehungsweise „Islands“. Tatsächlich ist dieser Ausdruck grammatikalisch korrekt. Ich schlage den griechischen Text kurz auf: Es handelt sich um einen adverbialen Ausdruck.
Jetzt müssen wir uns wieder an die Schule zurückerinnern. Ein Adjektiv ist vielleicht noch bekannt: Ein Adjektiv beschreibt, wie ein Hauptwort ist. Zum Beispiel: „ein starker Hund“ – „stark“ ist ein Adjektiv. Wie ist der Hund? Stark. Das ist ein Adjektiv.
Ein Adverb hingegen beschreibt, wie die Tätigkeit ist. Wenn ich sage: „Ich komme schnell“, dann beschreibt „schnell“ nicht, wie ich bin, sondern wie ich komme. Das Kommen, die Tätigkeit, ist schnell. Und das ist ein adverbialer Ausdruck: „erchomei tachy“. Das bedeutet also, wenn er kommt, geschieht alles ganz schnell.
Aber das heißt nicht, dass sein Kommen zu einem ganz nahen Zeitpunkt sein muss. Das wird gar nicht gesagt, wie lange es dauert. Es wird nur gesagt: Wenn er kommt, dann geht alles ganz schnell. Die Toten werden aufgeweckt und verwandelt, und zwar in einem Nu, in einem Augenblick, wie es in 1. Korinther 15,51 heißt.
So muss man das verstehen: Viermal „Ich komme schnell“ – und die Ereignisse werden sich überstürzen. Ich habe gesagt, wenn der Herr heute Abend nach der Bibelklasse käme, dann würde etwas passieren. Ja, und das ist die Aussage.
Aber es ist nichts falsch daran, dass der Herr bis heute noch nicht zur Entrückung gekommen ist. Dennoch muss es geschehen, dass dies vor der großen Drangsal geschieht, bevor der Zorn Gottes kommt.
Die große Drangsal und die Gerichte Gottes vor der Entrückung
Und übrigens, das muss ich noch ergänzen: Der Zorn umfasst nicht nur die große Drangsal, sondern alle Gerichte ab dem ersten Siegel. Das erste Siegel wird noch vor der großen Drangsal stattfinden.
Ich kann das vielleicht einfach so als Behauptung hinstellen. In meiner Vortragsserie auf dem Kanal "Roger Liby live" in vier Teilen über die Offenbarung erkläre ich das im Detail. Man kann das dort nachhören, wenn man möchte. Aber jetzt einfach mal als Behauptung: Das siebte Siegel wird die große Drangsal eröffnen.
Das erste Siegel ist das Kommen des Antichristen, der Reiter auf dem weißen Pferd, der Jesus Christus gleicht, wenn er auf dem weißen Pferd kommen wird (Offenbarung 19,11). Der Reiter auf dem weißen Pferd ist der Antichrist, der sich als Christus ausgibt. Das ist das erste Siegel. Es wird erst nach der Entrückung erfüllt werden. Diese Offenbarungsstelle wird dann in Erfüllung gehen.
Und das gehört auch schon zum Zorn, denn in 2. Thessalonicher 2 heißt es: Deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, damit sie alle der Lüge glauben. Das kommende Kommen des Antichristen wird also ein Gericht Gottes sein. Dort wird gesagt, dass dies geschieht, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie gerettet würden (2. Thessalonicher 2).
Der Zorn umfasst also das Ganze ab dem ersten Siegel. Erst das siebte Siegel eröffnet jedoch die große Drangsal und besteht inhaltlich aus den sieben Posaunengerichten. Dabei ist zu sagen, dass die siebte Posaune inhaltlich aus den sieben Schalen-Gerichten besteht. Danach kommt Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit.
Das Evangelium des Reiches und das Evangelium der Gnade
Ja, es gab noch eine Frage, die aufkam. Wir haben in Matthäus 24,14 gehört, dass bevor das Ende kommt, das Evangelium des Reiches auf der ganzen Erde verkündet wird. Kann man es mit dem Evangelium der Gnade gleichsetzen, das besagt, dass derjenige, der die Erlösung durch Jesus für sich persönlich in Anspruch nimmt, errettet wird?
Ja, sehr gut. Die Frage ist: Wenn in Matthäus 24,14 vom Evangelium des Reiches, also des Königreiches, die Rede ist, ist dieses Evangelium des Königreiches dasselbe wie das Evangelium der Gnade Gottes?
Warum ist diese Frage wichtig? Es gibt Bibelausleger, die sagen, wir leben heute in der Gnadenzeit. Das ist richtig und biblisch. 2. Korinther 6 spricht davon, dass heute der Tag des Heils und die wohlangenehme Zeit ist. Das Evangelium wird in der ganzen Welt verkündigt. Diese Ausleger sagen, dass heute das Evangelium der Gnade Gottes verkündet wird, aber nicht das Evangelium des Reiches.
Das Evangelium des Reiches werde erst der Überrest aus Israel nach der Entrückung verkünden. Er werde dann betonen, dass der Messias, Jesus, bald in Macht und Herrlichkeit kommt. Das sei das Evangelium des Reiches. Daraus folgt, dass Matthäus 24,14 noch nicht erfüllt sei.
Ich habe hingegen dargelegt, dass Matthäus 24,14 bereits erfüllt ist. Das ist ein bedeutender Unterschied.
Was sagt das Wort in Apostelgeschichte 20? Der Apostel Paulus, der am Anfang der Gnadenzeit lebte und wirkte, verkündigte das Evangelium der Gnade Gottes. Christian, bitte Apostelgeschichte 20,24: „Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich vom Herrn Jesus empfangen habe, das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.“
Und weiter: „Nun sehe ich, dass ihr alle, unter denen ich umhergegangen bin und das Reich gepredigt habe, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.“
Wir sehen, der Apostel Paulus hat sowohl die Gnade verkündigt als auch das Reich. Evangelium bedeutet ja frohe Botschaft. Wenn wir über die Gnade Gottes sprechen, bedeutet das: Jeder Sünder, der seine Schuld vor Gott bekennt, sie bereut (nach 1. Johannes 1,9) und an das Opfer des Herrn Jesus glaubt, dem vergibt Gott die ganze Schuld.
Das ist eine frohe Botschaft, eine gewaltige Botschaft der Gnade Gottes. Diese Botschaft wird seit zweitausend Jahren in der Welt verkündigt.
Aber Paulus hat auch über das Reich gepredigt. Denn von Anfang an, auch in diesen 2000 Jahren, wurde über die Gnade Gottes gesprochen und darüber, dass Jesus Christus als König wiederkommt.
Was wir in der ersten Hälfte dieser Bibelklasse getan haben, war, das Evangelium des Reiches zu verkündigen. Wir haben erstaunt vom Kommen des Herrn als König und Richter der Welt gesprochen – das Evangelium des Reiches.
Das Evangelium wird auch als Evangelium der Herrlichkeit bezeichnet. Ich gebe kurz die Stelle an, für die, die mitschreiben: 2. Korinther 4,4. Dort wird vom Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit Christi gesprochen.
Ist das ein anderes Evangelium als das Evangelium der Gnade? Nein. In der Frohen Botschaft, die wir verkündigen, sprechen wir über die Gnade Gottes. Wir sprechen darüber, wie wunderbar Jesus Christus ist.
Wir sprechen über das Evangelium der Herrlichkeit Christi, des Messias, und über das kommende Königreich, in dem alles grün werden wird, wie ich bereits nach Jesaja 35,1 und folgende gesagt habe.
Das sind keine Gegensätze, sondern verschiedene Aspekte der frohen Botschaft, die wir in der Bibel finden und verkündigen. Wir verkündigen das ganze Wort.
Wenn wir nicht über die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit sprechen würden, hätten wir eine verkürzte Verkündigung. Das geht nicht!
Der Apostel Paulus sagt in Apostelgeschichte 20 weiter: „Ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, nicht nur ausschnittweise, sondern alles.“
Man muss die ganze Bibel verkündigen.
So verkündigen wir heute das Evangelium des Reiches, das Evangelium der Gnade und das Evangelium der Herrlichkeit Christi. Wir könnten noch weitere Bezeichnungen des Evangeliums im Neuen Testament nennen.
Diese Aspekte müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Darum, wenn der Herr Jesus sagt, dass das Evangelium des Reiches auf der ganzen Erde verkündet wird, ist das auch in den vergangenen Jahrhunderten geschehen.
Der Herr Jesus hat von Anfang an das Reich Gottes verkündigt. Markus 1 beschreibt den Anfang seiner Verkündigung: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.“ Das Reich Gottes ist nahegekommen (Markus 1).
Was bedeutet das? Der Herr Jesus sagte, er, der König, ist da und ist im Begriff, seine Königsherrschaft aufzurichten.
Doch in den Evangelien sehen wir, dass Jesus von der Mehrheit seines Volkes abgelehnt wurde.
So wurde Gottes Plan, dass der Messias ein Friedensreich über die ganze Erde aufrichtet, noch nicht umgesetzt, sondern verschoben.
Ab Matthäus 13 verkündigt Jesus, dass das Reich Gottes eine andere Form annehmen wird. Ich könnte viele andere Stellen erwähnen, aber es ist wichtig, die Gedanken an einer Stelle zu verankern, damit es nicht nur Philosophie ist, sondern auf dem Wort Gottes beruht.
In Matthäus 13 erklärt Jesus in den Gleichnissen vom Reich der Himmel, dass das Reich der Himmel ein jüdischer Ausdruck für das Reich Gottes ist.
Er erklärt, dass das Reich Gottes jetzt eine andere Form annimmt, weil der König verworfen ist.
In den weiteren Kapiteln von Matthäus 13 wird klar, dass der König in den Himmel geht und später zurückkommt, um das weltweite Reich aufzurichten.
Das führt dazu, dass das Reich Gottes drei Phasen hat.
Die drei Phasen des Reiches Gottes
Phase A: Der König ist da und kündigt das Reich für Israel an, doch er wird von der Masse verworfen.
Jetzt folgt Phase B: Der König ging zurück in den Himmel und ließ seine Knechte auf der Erde zurück. Sie sollen handeln, bis er wiederkommt. Er hat ihnen Talente gegeben, mit denen sie arbeiten müssen, bis er zurückkehrt. Das beschreibt das Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25.
Wenn er dann zurückkommt, wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit hier auf der Erde sitzen (Matthäus 25,31). Das ist das tausendjährige Reich.
Es gibt also drei Phasen:
- Der König ist auf der Erde und bietet Israel das Reich an.
- Der verworfene König geht zurück in den Himmel und übergibt die Arbeit auf der Erde seinen Knechten.
- Der König wird wiederkommen und das Friedensreich aufrichten, wie es im Alten Testament vorausgesagt wird.
Das verkündigen wir überall. Das ist das Evangelium des Reiches. Es geht nicht nur um das zukünftige Reich, sondern auch um das Reich Gottes heute, als der Herr Jesus auf der Erde war, und um das Reich Gottes, wenn er wiederkommt. Das ist das vollständige Evangelium.
Dieses Evangelium soll allen Nationen zum Zeugnis verkündigt werden, und dann wird das Ende kommen.
Gut, gehen wir weiter. Darf ich bitten, Christian, Matthäus 24,15:
„Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel den Propheten geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! –, dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen. Wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus seinem Haus zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen!
Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschieht, noch am Sabbat, denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Erwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“
Wenn dann jemand... Das reicht, das reicht. Bisher ja, bis Vers 22.
Der Gräuel der Verwüstung und seine Bedeutung
Schauen wir uns Vers 15 an. Jesus sagt hier etwas über den Gräuel der Verwüstung, und zwar darüber, wo dieser gesehen wird – an welcher Stelle? Im Tempel? Dort steht zwar nicht explizit „Tempel“, sondern „heiliger Ort“. Das ist ein Ausdruck für den Tempelplatz in Jerusalem.
Jetzt haben wir aber ein Problem: Was genau ist der Gräuel der Verwüstung? Wir können das ganz genau sagen, obwohl es ein schwerer Ausdruck ist. Trotzdem wissen wir genau, was damit gemeint ist.
Jesus sagt, von diesem Gräuel ist im Buch Daniel an mehreren Stellen die Rede. Dabei gibt es eine Stelle, die schon längst erfüllt ist, und zwei weitere, die noch zukünftig sind. Das ist wunderbar, denn so können wir uns zunächst auf die erste Stelle konzentrieren, die schon erfüllt ist, und schauen, was damals geschah.
Okay, Daniel 11. Während wir darauf warten, dass die Stelle geöffnet wird, erzähle ich schon mal weiter. So kann man die Zeit sinnvoll nutzen, sie ist nicht verloren. Daniel 11, die Verse 1 bis 35, sind alle erfüllt in der Geschichte. Ich habe das mal ausgezählt. In meinem Buch „Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel“ behandle ich über zweihundert erfüllte Prophezeiungen aus dem Buch Daniel und belege sie mit Geschichtsliteratur. Dabei habe ich die einzelnen prophetischen Aussagen in diesen erfüllten Versen gezählt und bin auf über hundertfünfzig Einzelaussagen gekommen. Das ist beeindruckend!
Damit kann man sehr deutlich beweisen, wenn jemand sagt: „Beweis mir, dass die Bibel Gottes Wort ist.“ Das ist einzigartig, so etwas gibt es neben der Bibel nicht. Diese Präzision und die Erfüllung aller Aussagen in der richtigen Reihenfolge sind einmalig.
Nun finden wir in Daniel 11 eine Prophetie, die sich in Antiochus Epiphanes, einem syrischen König im zweiten Jahrhundert vor Christus, erfüllt hat. Dort wird beschrieben, wie dieser in Israel wüten wird, den Tempel entweiht und die Treuen umbringt. Das hat sich alles in der Makkabäerzeit, der sogenannten Makkabäer-Zeit im zweiten Jahrhundert vor Christus, durch Antiochus Epiphanes erfüllt.
Jetzt lesen wir Vers 31: „Und Streitkräfte von ihm werden dastehen, und sie werden das Heiligtum, die Bergfeste, entweihen und werden das regelmäßige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen.“
Eine Armee ist gekommen und hat den Tempelberg erobert. Wie es hier steht: Die Streitkräfte werden das Heiligtum, die Festung – denn der Tempel war ja mit den Mauern rundherum ein eigentliches Festungsgebäude, das heilige 500 Ellen Quadrat – diese Festung entweihen.
Und das hat er so gemacht: Er ließ ein Schwein auf dem Tempelplatz schlachten und opferte es auf dem Brandopferaltar für den Herrn. Das war ein fürchterlicher, abscheulicher Frevel gegen Gott. Weiterhin hat er das beständige Opfer abgeschafft. Man hat sofort den Opferdienst in Israel gestoppt, denn der Tempel war durch diese Handlung mit dem Schwein unrein, und man konnte nicht mehr opfern.
Das Morgenbrandopfer im Frühjahr um neun Uhr, das Morgenbrandopfer und dann das Abendbrandopfer, das letzte wurde um fünfzehn Uhr aufgelegt – all diese Opfer konnten nicht mehr dargebracht werden. Auch diese Prophezeiung hat sich genauso erfüllt.
Dann heißt es: „und den verwüstenden Gräuel aufstellen.“ Er ließ tatsächlich etwas aufstellen beim Brandopferaltar, nämlich ein Götzenbild von Zeus, dem obersten Gott der griechischen Religion, bei den Römern Jupiter genannt. Dieses Götzenbild trug seine Gesichtszüge.
Antiochus Epiphanes ließ sich also als Zeus, Jupiter, im Tempel Gottes in Jerusalem verehren. Diesen Gräuel hat er aufgestellt. Das war etwas Grauenhaftes, darum wird es Gräuel genannt. Jetzt wissen wir ganz genau, was es ist: Ein Götzenbild auf dem Tempelplatz, das ist der verwüstende Gräuel.
Aber wir erfahren in Offenbarung 13, Vers 11, dass in der Zukunft der Antichrist, das Tier aus der Erde, das aussieht wie ein Lamm – also ein Mann, der Jesus Christus als Lamm Gottes imitieren wird, weil er sagen wird „Ich bin der Messias“ – ein Bild herstellen wird, das sprechen kann. Er verlangt, dass alle getötet werden, die das Bild nicht anbeten.
Dieses Bild wird er für den kommenden Diktator, das Tier aus dem Meer, herstellen. Dieser Diktator wird der Herrscher des Westens in der Zukunft sein.
Genau dieses Bild, das sprechen kann, wird der Antichrist auf dem Tempelplatz in Jerusalem aufstellen. Und das ist der Gräuel der Verwüstung.
In Daniel 11, ab Vers 36, ist alles noch zukünftig. Gerade in den Versen 36 bis 39 wird der Antichrist als König in Israel beschrieben. Von ihm heißt es, wir können das kurz lesen:
„Und der König wird nach seinem Belieben handeln, und er wird sich erheben und sich groß machen gegen jeden Gott, und gegen den Gott der Götter wird er unerhörte Reden führen, und er wird Erfolg haben, bis die Verfluchung vollendet ist, denn das Festbeschlossene wird vollzogen.“
Also bis der Zorn vollendet ist. Es ist genauer als Fluch: Der Zorn wird vollendet sein. Wir wissen, was der kommende Zorn ist: Das sind die Gerichte nach der Entrückung, und diese werden vollendet, wenn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit kommt.
Hier wird darüber gesprochen, bis der Zorn vollendet ist, und weiter: „denn das Festbeschlossene wird vollzogen.“
Nun weiter in Vers 37: „Und er selbst wird auf den Gott seiner Väter nicht achten, und weder auf den Schatz der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben.“
Er wird sich über alles erheben im unvorstellbarsten Hochmut und Stolz. Dass er auf den Gott seiner Väter nicht achten wird, macht klar, dass er ein Jude sein wird. Der Gott seiner Väter ist in der Bibel der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Und ganz einfach: Wer ein Jude ist, ist jemand, der von Abraham, Isaak und Jakob abstammt. Auf den Gott seiner Väter wird er nicht achten, das heißt, er wird den Glauben des Alten Testaments verwerfen.
Weiter heißt es: „und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten.“
Die Sehnsucht der Frauen? Das muss jemand sein, der göttlich ist. Hier heißt es noch „auf irgendeinen Gott“. Das ist die Bezeichnung für den Messias. Jede jüdische Frau hatte im Prinzip die Hoffnung oder konnte die Hoffnung haben, vielleicht werde ich die Mutter des Messias.
Dieses Sehnen der Frauen, mit dem Gedanken „Vielleicht ich, die Auserwählte, die den Messias gebären darf“ – das ist die Sehnsucht der Frauen.
Wir wissen, der Messias, der von einer Jungfrau geboren werden sollte (Jesaja 7,14), ist nach der Bibel Gott. Er sollte darum genannt werden Immanuel, Gott mit uns. Das ist die Sehnsucht der Frauen.
Der Antichrist wird auf Jesus Christus nicht achten, noch auf irgendeinen Gott. Dann heißt es weiter: „sondern er wird sich über alles erheben.“
Jetzt kommt Vers 38: „Und stattdessen wird er den Gott der Festungen ehren, und den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kostbarkeiten ehren.“
Ja, danke, das reicht. Er wird den Gott der Festungen ehren. Er ehrt gar nichts, was von Menschen als göttlich bezeichnet wird. Aber es gibt eine Ausnahme: den Gott der Festungen.
Was ist das? In der Vergangenheit wurde Jupiter als Jupiter Capitolinus verehrt. Für Jupiter oder Zeus wurde bei den Griechen eine Festung gebaut, in Rom. So ist Jupiter oder Zeus der Gott der Festung.
Er wird also nichts Göttliches über sich verehren, außer den Gott der Festungen, Jupiter Kapitolinus.
Das heißt, der Antichrist, das Tier aus der Erde, das wie ein Lamm aussieht, wird seinen Freund, den kommenden Diktator des Westens, das Tier aus dem Meer, offenbar um Daniel 13, Vers 1, ehren als Jupiter.
Genau wie der syrische König Antiochus Epiphanes sich als Jupiter oder Zeus verehren ließ, wird der kommende Diktator das Heidentum Europas als Wurzel Europas gewissermaßen wiederentdecken. Er selbst wird sich als Jupiter verehren lassen, als ein Vatergott.
Der Antichrist, der das Lamm Gottes imitiert, wird sich als Sohn Gottes ausgeben. Der Messias sollte ja nach Psalm 2 Sohn Gottes sein. So sehen wir eine teuflische Imitation.
Der Gott der Festungen, das ist Zeus. Er wird durch ein Götzenbild verehrt werden, das auf dem Tempelplatz in Jerusalem aufgestellt wird.
Wir können also ganz genau verstehen: Verwüstender Gräuel bedeutet ein Götzenbild.
Nun zu den Stellen, wo das prophetisch für die Zukunft in Daniel gesagt wird, nämlich Daniel 9, Vers 27. Lesen wir bitte ab Vers 27:
„Und stark machen wird er einen Bund für die vielen eine Woche lang, und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen, und auf dem Flügel von Gräueln kommt ein Verwüster, bis festbeschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird.“
Hier wird über die siebzigste Jahrwoche gesprochen. Nicht die neunundsechzig Jahrwochen bis zum ersten Kommen des Messias, die erfüllt sind. Darüber habe ich schon an vielen anderen Orten gesprochen. Das erklärt Daniel 9,25 und 26. Das hat sich genau so in der Vergangenheit erfüllt.
Aber hier bleibt noch eine Jahrwoche übrig, das sind sieben Jahre, die letzten sieben Jahre. Diese sind in zwei Hälften geteilt, denn hier steht, dass ein fester Bund mit den vielen, Rabbim oder Harabbim, geschlossen wird. Im Buch Daniel ist das ein Ausdruck speziell für das jüdische Volk, für die Masse des jüdischen Volkes.
Da wird ein Bund mit Israel für sieben Jahre geschlossen, und der, der diesen Bund schließt – hier heißt es „er“ – wird zur Hälfte der Jahrwoche Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Zur Hälfte der Jahrwoche sind das nach wie viel? Nach dreieinhalb Jahren.
Dann wird der Opferdienst in Jerusalem gestoppt werden.
Heute wird der Opferdienst vorbereitet. Ich habe gerade vor wenigen Tagen wieder Leute durch das Templinstitut in Jerusalem geführt und den Altar gezeigt, der bereitsteht. Für den Fall, dass der Tempelplatz frei wird, kann man die Steine nehmen, auf den Nachbarhügel rüberbringen, auf den Tempelberg, und man könnte im Prinzip mit den Opfern loslegen.
Diese Opfer werden also wiederkommen auf dem Tempelplatz. Aber nach dreieinhalb Jahren wird das gestoppt werden, Schlachtopfer und Speisopfer werden aufhören.
Warum? Dann wird über einen Gräuel gesprochen. Wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden.
Hier wird über einen Gräuel gesprochen, und das ist der Gräuel der Verwüstung.
Es wird gesagt, dieser Gräuel wird aufgestellt, und dann kommt ein Verwüster, der alles verwüstet. Darum heißt es „Gräuel der Verwüstung“ – der Verwüstung bringt.
Versteht man? Wir wissen, dass der Gräuel, der verwüstende Gräuel, ein Götzenbild war, wie wir in der erfüllten Prophetie in Daniel 11 gesehen haben.
Das bedeutet, die Opfer werden in der Zukunft nach dreieinhalb Jahren gestoppt, indem ein Götzenbild aufgestellt wird – so wie es schon einmal war.
Damals war es ein Bild von Zeus, bei dem sich ein Mensch so verehren ließ. In der Zukunft wird es ähnlich sein: Ein Mensch wird sich als Vatergott Zeus verehren lassen.
Jetzt wird hier gesagt: „Wegen der Beschirmung der Gräuel“ – das bedeutet, die Masse in Israel wird das rechtfertigen und sagen: „Das ist gut, was er macht, das ist der Messias, und er kann das machen.“ Sie werden das beschirmen.
Die Elberfelder Übersetzung gibt das Wort als „Flügel“ wieder, also ein schützender Flügel darüber. Das ist richtig: „Wegen der Beschirmung der Gräuel“ wird ein Verwüster kommen.
In der Prophetie wird wiederholt über den Verwüster gesprochen, der über Israel kommen wird. Das ist der König des Nordens.
In der erfüllten Prophetie war der König des Nordens immer das Gebiet von Syrien, Libanon, Türkei, Aserbaidschan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak.
Das ging jetzt ein bisschen schnell, aber das ganze Gebiet ist heute so Israel feindlich durch den Islam.
Im Libanon, gerade im Norden, werden Zehntausende von Raketen gelagert, um eines Tages Israel von Norden her völlig zu verwüsten.
Aber Gott hat das bis heute nicht erlaubt. Vor kurzem kamen wieder einige Raketen aus dem Libanon auf Nordisrael, und sogar von Syrien her auf den Golan.
Das war aber nur kurz. Vor ein paar Tagen war ich auf dem Golan und habe nach Syrien rübergeschaut – es war soweit wieder ruhig.
Aber dieser Verwüster, wenn sich dieses ganze Gebiet zusammenschließt, um Israel von Norden her anzugreifen, dann wird die große Drangsal beginnen.
Und eben weil die Masse in Israel diesen Gräuel beschirmen wird und sagt: „Das ist richtig, das ist nicht falsch“, wird Gott die schützende Hand von Israel wegnehmen, und dann wird es losgehen.
Wenn Tausende von Raketen gleichzeitig kommen, nützt auch der Iron Dome nichts mehr. Der Iron Dome ist eine fantastische Erfindung, wie er die Raketen abfängt. Man sieht nachts Lichter am Himmel, die nacheinander angehen und wieder ausgehen. Mit diesem Antiraketenschutz werden die Raketen heruntergeholt.
Aber sie haben Zehntausende von Raketen verschiedener Reichweiten, und das wird eine Katastrophe auslösen. Das wird den Weltkrieg in Gang bringen, die große Drangsal.
Also: Wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden.
Das ganze Land wird verwüstet und überrannt werden.
Der Herr Jesus nimmt auf diese Stelle Bezug und sagt in Matthäus 24,15: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel den Propheten geredet ist, stehen seht an heiligem Ort…“
Er nimmt darauf Bezug. Wenn das auf dem Tempelplatz gesehen wird, dann beginnt die große Drangsal.
Die orthodoxe Sicht auf Antiochus Epiphanes und die Zukunft
Da gab es schon längst eine Frage, verzeihung, Christoph! Also, ich wiederhole die Frage: Sehen die orthodoxen Juden das mit Antiochus Epiphanes auch so?
Ja, es ist sogar so, dass die orthodoxen Juden das mit Antiochus Epiphanes genauso sehen. Das erste und zweite Buch der Makkabäer sind jüdische Bücher, die nach Maleachi, dem letzten Propheten des Alten Testaments, geschrieben wurden. Sie beschreiben die gesamte Geschichte, wie es damals in der Makkabäerzeit geschehen ist. Diese Bücher sind eigentlich ein Dokumentationsbuch zu Daniel 11, zu all den Versen, die dort beschrieben werden. Man kann also wirklich davon ausgehen, dass das verstanden wird.
Was die Zukunft betrifft, ist die Sicht der Orthodoxen jedoch ziemlich unklar. Sie sprechen meistens nur von Gog und Magog, immer wieder von Gog und Magog. Das bezieht sich auf Ezechiel 38 und 39. Aber wenn es um Sacharja 12 bis 14 geht, dann ist auch dort immer wieder von Gog und Magog die Rede. Überall heißt es Gog und Magog, Gog und Magog. Die prophetische Sicht und eine detaillierte prophetische Darstellung der Ereignisse, wie wir sie jetzt miteinander studieren, sucht man im Judentum vergeblich.
Warum ist das so? Weil sie den Heiligen Geist nicht haben. Das ist der Unterschied. Darum ist es ziemlich unklar. Aber sie wissen schon, dass wenn wir aus allen Völkern zurückkehren, dann ist die Endzeit da und dann kommt Gog und Magog.
Gehen wir weiter. Hier sagt also der Herr Jesus: Wenn das an heiligem Ort gesehen wird, was muss dann geschehen? Es gibt eine wichtige Fluchtbewegung. Dann sollen diejenigen, die in Judäa sind, in die Berge fliehen. Wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um Sachen aus seinem Haus zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um sein Oberkleid zu holen.
Das heißt also, Jesus spricht seine Nachfolger an und sagt: Wenn ihr das seht, dann müsst ihr in die Berge fliehen. Nun kann man sich fragen: Der Herr sagt das ja den Jüngern. Bedeutet das, dass die Jünger, also die Apostel, in die Berge fliehen müssen? Wie kann man das verstehen?
Ja, siebzig Jahre nach Christus gab es auch eine Flucht, aber damals gab es keinen Gräuel der Verwüstung an heiligem Ort. Stattdessen war es ein Armeelager rund um Jerusalem. Das war das Zeichen in Lukas 21. Können wir das kurz aufschlagen? Ab Vers 12 beantwortete Jesus die Frage, was das Zeichen der Zerstörung des Tempels ist. Das wird nicht in Matthäus 24 behandelt, sondern in Lukas 21.
Unterschiedliche Fluchtzeichen in Lukas 21 und Matthäus 24
Nein, Lukas 21, Vers 12 und folgende: Da sagte Herr Jesus in Vers 20: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerlagern umzingelt seht, dann erkennt, dass ihrer Verwüstung nahegekommen ist. Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen, und die, die in Jerusalem in der Mitte sind, sollen hinausziehen. Die, die auf dem Land sind, sollen nicht in sie hineingehen, denn dies sind Tage der Rache.“
Das ist auch ein Zeichen und eine Flucht in die Berge. Aber jetzt sieht man, wie wichtig es ist, die Bibel genau zu studieren. Hier sagte Herr Jesus, wenn ihr Jerusalem von Heerlagern umzingelt seht, dann flieht. Aber in Matthäus 24 sagt er, wenn ihr den Gräuel der Verwüstung am heiligen Ort seht – das ist nicht dasselbe. Und das hat sich erfüllt in Lukas 21.
In meinem Buch „Leben wir wirklich in der Endzeit? 180 erfüllte Prophezeiungen“ erkläre ich das ganz im Detail. Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 zeigen unterschiedliche Aspekte. Lukas 21, ab Vers 12 und folgende bis Vers 24, beschreibt das, was schon erfüllt ist, nämlich: Im Jahr 68 haben die Römer rund um Jerusalem ihre Armeelager aufgestellt. Die messiasgläubigen Juden, die damals zur Gemeinde gehörten, wussten nun, dass sie fliehen mussten. Sie flohen auf die Berge. Die Checkpoints waren offen, weil Kaiser Nero nach der Aufstellung der Armeelager Selbstmord beging. Daraufhin stoppte der General in Israel den Krieg, da er Nachfolger des Kaisers werden wollte.
Wegen des gestoppten Krieges konnten die messiasgläubigen Juden auf die Berge fliehen, die gegenüber dem Jordan nach Pella gingen. Dort wurden sie von König Agrippa II. als friedvolle Bürger aufgenommen. So erlebten sie die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nicht am eigenen Leib und wurden gerettet aufgrund dieser Stelle. Das ist erfüllt, aber das mit dem Gräuel ist noch nicht erfüllt.
Jetzt muss ich ein ernstes Wort sagen: Ständig gibt es Leute im Internet und natürlich auch auf Kanzeln, die behaupten, Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 hätten sich schon im Zusammenhang mit dem Jahr 17 nach Christus erfüllt. So ein Unsinn! Jesus spricht in Matthäus 24 davon, dass nach dieser Drangsal der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen wird. Das ist im Jahr 17 nicht geschehen. Es ist unglaublich, wie man so etwas Unsinniges sagen kann, einfach gegen den Bibeltext.
Das erinnert mich an den Lubavitscher, von dem ich erzählt habe, der mir sagte: „Man kann das nicht verstehen, was da in der Bibel steht. Man muss die Chachamim, die Weisen, befragen, und sie sagen, was es bedeutet. Und wir müssen es auch glauben, selbst wenn es gegen die Realität geht.“ Das ist tatsächlich eine Bibelauslegung gegen jegliche Realität.
Die Wahrheit ist folgende: In Lukas 21, Vers 12 spricht Jesus über die Dinge, die im Zusammenhang mit dem Jahr 70 in Erfüllung gingen. In Matthäus 24 beantwortete Herr Jesus die Frage nach dem Zeichen der Endzeit. Dort wird etwas Ähnliches geschehen, nämlich ein Zeichen – der Gräuel auf dem Tempelplatz – und dann müssen die Gläubigen fliehen.
Sehen wir: Die Jünger, die damals auf dem Ölberg saßen, wurden angesprochen, dass sie fliehen müssen. Wer ist geflohen? All die messiasgläubigen Juden im Jahr 68. Sie sind geflohen. Das heißt, die Jünger standen als Vertreter für alle Gläubigen, die zur Gemeinde gehören. Die Jünger wurden ja erst an Pfingsten Glieder am Leib Christi. Darum stehen diese Jünger, die Glieder am Leib Christi wurden, für die Gläubigen der Gemeinde.
Aber es ist noch etwas: Die Jünger damals auf dem Ölberg waren noch nicht Glieder am Leib Christi, das war erst an Pfingsten so. Damals waren sie gläubige Juden, messiasgläubige Juden, die noch nicht zum Leib Christi gehörten. Darum stehen sie hier auch als Vertreter für die Gläubigen nach der Entrückung, die als Juden zum Glauben kommen werden (vgl. Sacharja 13, Vers 8).
So sehen wir in Matthäus 24, Verse 1 bis 14, dass die Jünger als Vertreter der Gemeinde stehen. Das ist alles schon erfüllt bis Vers 14. Ab Vers 15 geht es erst nach der Entrückung um die Jünger als Vertreter der gläubigen Juden, die nach der Entrückung im Land Israel zum Glauben kommen werden. Wenn sie das Zeichen sehen, müssen sie fliehen. So einfach ist das.
Ich möchte noch etwas hinzufügen: In 5. Mose 28, ab Vers 14, beschreibt Mose dieser Generation, die im Begriff war, mit Josua ins Land zu gehen, die Zukunft Israels. Er sagt, welche Flüche über Israel kommen werden, wenn sie nicht auf Gottes Wort hören.
Zum Schluss noch kurz: In 5. Mose 28, Vers 36 sagt Mose zu dieser Generation zur Zeit von Mose und Josua: „Der Herr wird dich und einen König, den du über dich setzen wirst, zu einer anderen Nation wegführen.“ Wann hat sich diese Prophetie erfüllt? Fast tausend Jahre später, nämlich als die Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt wurden – mit ihrem König, den es damals noch gab.
Das heißt, die Generation damals vertrat das Volk Israel, aber auch die späteren Generationen. Mose sagt ihnen, der Herr wird dich wegführen, doch sie sind alle gestorben; es war eine spätere Generation gemeint. Gott sieht das Volk Israel als eine Einheit durch die Geschichte hindurch.
Wenn man weiterliest, in 5. Mose 28, Vers 64, steht: „Der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde.“ Wann hat sich das erfüllt? Erst ab dem Jahr 70 nach Christus kam die weltweite Zerstreuung der Juden. Aber das waren nochmals viel spätere Generationen.
Mose spricht also zu seiner Generation, weil sie auch die späteren Generationen vertrat. So spricht die Heilige Schrift. Wir müssen die Bibel so verstehen, wie sie selbst verstanden werden will.
Ich glaube, wenn man eine Fremdsprache lernt, muss man die Regeln der Sprache akzeptieren. Man kann nicht sagen: „Für mich ist das nicht logisch, ich spreche anders.“ Nein, man muss die Sprache so akzeptieren, wie sie ist. Ich erinnere mich, dass ich einmal diese Entscheidung traf: Ich akzeptiere die Sprache, so wie sie ist. Danach ging das Sprachenlernen viel leichter. Das war ein entscheidender Klick in meinem Gehirn.
Genauso ist es mit der Bibel: Man muss die Sprache, wie die Bibel spricht, akzeptieren, dann versteht man sie natürlich. So ist es hier: Die Jünger sind Vertreter für die gläubige Gemeinde, aber auch für den gläubigen Überrest.
In Matthäus 24, ab Vers 15, geht es um den Überrest, der den Gräuel auf dem Tempelplatz sehen wird. Dann wissen sie: „Jetzt können wir sowieso nicht mehr opfern, jetzt müssen wir sofort fliehen, bevor der Verwüster kommt.“
Dieser katastrophale Angriff von Norden, den Joel 2 beschreibt, ist eine Armee, die von Norden kommt wie keine zuvor und auch nie wieder danach kommen wird. Sie wird das ganze Land verwüsten und verbrennen. Überall, wo die Armee durchkommt, wird das Land verbrannt sein.
Vor der Armee ist das Land wie der Garten Eden, danach alles verbrannt. Das war schrecklich. Wir waren unter anderem in den Bergen von Judäa, die heute aufgeforstet sind und schön, aber man sieht, dass sie früher verwüstet waren. Das ist der Gräuel der Verwüstung.
Der Überrest wird also fliehen. Der Herr Jesus sagt: Wenn das Zeichen sichtbar ist, soll man, wenn man auf dem Dach ist, nicht noch hinuntergehen, um etwas zu holen, sondern sofort fliehen. Wer auf dem Feld draußen ist, soll nicht noch schnell nach Hause gehen, sondern sofort weg.
Jetzt verstehen wir auch, warum der Herr sagt: „Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen.“ Es ist wirklich so: Wenn man hochschwanger ist und dann fliehen muss, ist das gar nicht lustig. Oder wenn man ein Baby stillt, das schreit einfach los, egal ob es Zeit für Milch ist oder nicht. Sie wollen Milch, weil sie Durst haben.
Darum sagt der Herr: Wehe, denn es wird sehr schwierig sein. Man muss sofort fliehen, ohne Verzögerung. Dann sagt der Herr: Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter stattfindet. Betet, dass dieses Ereignis nicht auf den Winter fällt. Im Winter ist es kalt in Israel, es regnet, und man kann durchnässt werden – furchtbar.
Ich kenne das: Wenn man an Orten ist, schlottert man im Februar, während es im Mai oder Juni schön warm ist. Eine solche Flucht in die Berge wäre im Winter schrecklich! Auch nicht am Sabbat, wenn man nicht mehr zum Haus zurückkehren soll, um das Auto zu holen. Dort fährt der öffentliche Bus und dann weg. Am Sabbat, wenn der öffentliche Verkehr gestoppt ist, geht das gar nicht.
Darum sagt der Herr: Betet, dass dieser Moment nicht auf einen Sabbat fällt. In Vers 21 sagt er: „Denn dann wird große Drangsal sein, wie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nicht wieder sein wird.“
Das heißt, der Erste Weltkrieg und der Zweite Weltkrieg waren dagegen nichts. Es wird alles viel schlimmer sein. Dann sagt der Herr Jesus: „Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden.“ Gott hat genau diese Zeit festgelegt – dreieinhalb Jahre, nicht mehr.
An anderen Stellen, wie in Offenbarung 11, sehen wir diese dreieinhalb Jahre als 1260 Tage oder 42 Monate. Gott hat die Zeitspanne genau bestimmt und verkürzt. Jesus sagt, wenn Gott das nicht verkürzen würde, dann würde kein Fleisch, also kein Mensch, überleben.
Die Menschheit würde sich mit Atombomben und anderen Massenvernichtungswaffen selbst auslöschen. Aber der Herr Jesus wird nach 1063 Tagen kommen und die Vernichtung stoppen. Er sagt: „Aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden auf diese Zeit.“
Jetzt überspringe ich ein bisschen, um heute abzuschließen. Wirklich zum Schluss: Vers 29 beschreibt, was nach der Verkürzung auf 1260 Tage geschieht. Jesus sagt: „Gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, der Mond seinen Schein nicht geben, die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen. Und dann werden Wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“
Den Herrn Jesus haben sie damals nicht gesehen. Darum sage ich, es ist völlig unsinnig, etwas anderes zu behaupten. Wie kann man sich da täuschen lassen und so etwas akzeptieren?
Ich bekomme E-Mails und werde gefragt: „Was halten Sie von der Lehre, dass alles schon erfüllt ist, Matthäus 24?“ Man kann nur sagen: Totaler Unsinn, gegen das, was im Wort steht. Das wird in der Zukunft geschehen. Jesus wird sichtbar auf den Wolken des Himmels kommen, um sein Reich des Friedens aufzurichten.
Jetzt wollen wir nächstes Mal hier in Vers 23 weitermachen.
