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König Amazja

Die 8 Erweckungskönige von Juda, Teil 9/16
06.03.20252. Chronik 25,1-13
SERIE - Teil 9 / 16Die 8 Erweckungskönige von Juda
Amazja (= der HERR stärkt / ermutigt) folgte Gott aber nicht mit ungeteiltem Herzen. Er rächt den Mord an seinem Vater und achtet dabei auf das Gesetz. Doch nach seinem Sieg gegen Edom verfällt er dem Götzendienst.

Guten Abend, ich möchte alle begrüßen. Wir stehen in 2. Könige 25 und kommen heute zu Amatja, dem vierten König in der Reihe der acht Erweckungskönige von Juda.

Nach dem traurigen Ende mit Joas, das gut begonnen, aber schlimm aufgehört hatte, stellt sich die Frage, ob sein Sohn die Königslinie weiterführen durfte. Dabei stellt sich auch die Frage, ob diese Chance, die Gott hier gibt, für einen Neuanfang wahrgenommen wird.

Jerry, darfst du uns bitte zunächst Kapitel 25, Verse 1-4 vorlesen?

Einführung in das Königtum von Amasja und Bedeutung seines Namens

Fünfundzwanzig Jahre war Amasia alt, als er König wurde. Er regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Der Name seiner Mutter war Joatan von Jerusalem. Er tat, was recht war in den Augen des Herrn, jedoch nicht mit ungeteiltem Herzen.

Als das Königtum bei ihm erstarkt war, tötete er seine Knechte, die den König seines Vaters erschlagen hatten. Ihre Söhne aber tötete er nicht. Stattdessen handelte er gemäß dem Gesetz im Buch Mose. Dort hat der Herr geboten und gesagt: Väter sollen nicht um der Kinder willen sterben, und Kinder sollen nicht um der Väter willen sterben. Jeder soll für seine eigenen Sünden sterben.

Der Herr stärkt oder ermutigt. Der Name ist wichtig, auch für die Geschichte. Auf diesen Namen wird direkt Bezug genommen in Vers elf. Wir greifen voraus: In Vers elf heißt es: „Amasia aber fasste Mut und führte sein Volk aus, und er zog in Salstagl und schlug die Kinder Seir, zehntausend Mann.“

Amasia – der Herr ermutigt. Das hört man, wenn man den hebräischen Namen versteht. Amatz-Ja bedeutet: Der Herr, der Ewige, ermutigt. „Ja“ ist die Kurzform von Yahweh, dem Herrn. Das Wortspiel ist bemerkenswert: Obwohl im Hebräischen ein anderes Wort für „Mut fassen“ verwendet wird, bedeutet es doch das, was im Namen Amasia steckt – der Herr ermutigt.

Diesen Namen hatte er von seinen Eltern mitbekommen. Er drückt auch einen Wunsch aus, und hier sind wir wieder beim Wort Gottes: Ein Elternwunsch kann in der Bibel auch eine Prophetie sein. Der Name hat eine prophetische Bedeutung, die sich erfüllt. Im Leben von Amasia sehen wir, dass er tatsächlich ermutigt wurde.

Was zuerst auffällt: Er wurde mit fünfundzwanzig Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre. Damit wurde er vierundfünfzig Jahre alt – nicht gerade besonders alt. Im Neuen Testament gibt es keine Verheißung für langes Leben. Doch die Tora, das Gesetz Mose, wiederholt immer wieder den Wunsch, dass man lange lebt auf Erden.

Mose schreibt am Ende der Wüstenwanderung im Psalm 90: „Die Lebenstage sind siebzig Jahre, und wenn es hochkommt achtzig Jahre.“ Das war ein Durchschnittsalter, ein Phänomen. Denn wenn man bedenkt, dass die Israeliten aus Ägypten ausgezogen sind und die durchschnittliche Lebenserwartung dort nur etwa dreißig Jahre betrug – das wissen wir aus den Pharaonenlisten –, dann ist das bemerkenswert.

Natürlich konnten einzelne Pharaonen sehr alt werden, doch das Durchschnittsalter lag bei dreißig Jahren. In Israel hingegen betrug das Durchschnittsalter siebzig bis achtzig Jahre – und das vor über 3600 Jahren. Das ist grandios.

Das geteilte Herz von Amasja und die Bedeutung des Herzens in der Bibel

Hier sehen wir Amazja im Alter von 54 Jahren, und das wird bereits in der Lebensbeschreibung als Gesamtübersicht deutlich. Es gab ein Problem.

Vers 2, liest du nochmals, Jerry? „Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, jedoch nicht mit ungeteiltem Herzen.“ Das ist schlimm. Er hatte ein geteiltes Herz.

Das Herz ist das Zentrum unserer Person. Darum steht in Sprüche 4, dass man mehr auf das Herz achten soll als auf irgendetwas anderes, denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. Das Herz wird hier im übertragenen Sinn verstanden. Weil dieser Muskel gewissermaßen der Motor unseres Körpers ist, wurde er zum Bild für das Zentrum unserer Person. Dort treffen wir unsere Entscheidungen und fällen unsere tiefsten persönlichen Überlegungen, die unser ganzes Leben wesentlich bestimmen. Denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens (Sprüche 4).

Bei Amazja sehen wir also, dass er schon mit dem Herrn ging, aber nicht mit ungeteiltem Herzen.

Die Bedeutung der Parallelstellen in Könige und Chronika

Wo ist die Parallelstelle? In den Büchern Könige finden wir viele Geschichten, die parallel in den Büchern Erste und Zweite Chronika aufgeschrieben sind. Warum ist das so? Es ist eigentlich ähnlich wie bei den Evangelien.

Warum haben wir nicht nur ein langes, großes Evangelium, sondern vier Evangelien? Weil jedes Evangelium einen anderen Aspekt von Herrn Jesus zeigt. Dadurch, dass in jedem Evangelium ein neuer Aspekt hervorgehoben wird, entsteht eine große Bereicherung.

Der Jesus der Herrlichkeit wird von verschiedenen Seiten beleuchtet: In Matthäus liegt der Akzent auf „Er ist der König“, in Markus auf „Er ist der Knecht“, in Lukas wird betont „Er ist der vollkommene Mensch“ und in Johannes „Er ist der ewige Gott“. Hier sehen wir einen göttlichen Plan: Es braucht genau diese vier Evangelien, die sich ergänzen. König oben, Knecht unten – das sind zwei verschiedene Sichtweisen auf den Herrn. Er war beides und war wirklich Mensch, hat aber nie aufgehört, Gott zu sein.

Darum ist es wichtig, die Evangelien als einzelne Schriften zu studieren. Genau so, wie die Geschichten, Ereignisse und Bemerkungen in jedem Evangelium zusammengestellt sind, kommt in jedem eine ganz bestimmte Botschaft zum Ausdruck. Wenn man nur eine Evangelienharmonie möchte, also alles zu einem Evangelium zusammensetzt, hätten wir diese besondere Schönheit der einzelnen Evangelien nicht.

Natürlich können wir die Evangelien auch synoptisch anschauen, eben als Evangelienharmonie. Das bringt ebenfalls etwas, vor allem wenn man schaut, warum in einem Evangelium etwas so steht und im anderen Evangelium anders. Auch in der Ergänzung gibt es eine Bereicherung.

Es gibt also zwei verschiedene Arten, die Evangelien zu studieren: jedes Evangelium für sich und alle Evangelien miteinander.

Bei den Büchern Könige und Chronika ist es ähnlich. In den Büchern Könige wird die Verantwortung des Menschen viel stärker betont, während in Chronika mehr die Gnade Gottes im Vordergrund steht. Diese beiden Aspekte ergänzen sich.

Man kann die Parallelen auch aufzeichnen und auf die Unterschiede achten. Wir haben bisher die Erweckungskönige anhand des Zweiten Buches Chronika studiert und ich wollte die Geschichten so betrachten, wie sie in Chronika dargestellt sind. Entsprechend studieren wir das Matthäusevangelium und nicht die anderen Evangelien, höchstens zwischendurch als Ergänzung.

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, immer die Parallelstellen miteinander zu lesen und auch auf die Unterschiede zu achten. Das wäre eine andere Herangehensweise gewesen.

Man kann die Parallelen auch in Spalten aufschreiben. Auf Deutsch gibt es das bisher noch nicht. Auf Hebräisch hat das ein gewisser Ben David herausgegeben – wunderbar! Im hebräischen Text sieht man in Spalten und mit roten Buchstaben sofort die kleinen Unterschiede, sogar in der Rechtschreibung.

Zum Beispiel sieht man, dass Chronika deutlich eine spätere Rechtschreibung aufweist als Könige. Das stimmt auch mit dem biblischen Hintergrund überein: Das Erste und Zweite Buch Chronika wurden viel später geschrieben, von Esra, einem der letzten Bibelschreiber, nämlich im fünften Jahrhundert vor Christus. Könige hingegen wurden von Jeremia geschrieben, der um 600 vor Christus lebte. Deshalb ist die Rechtschreibung in Könige älter und altertümlicher als in Chronika.

Das sieht man alles, wenn man Ben David hat. Es ist geplant, eine deutsche Übersetzung herauszugeben. Bei CMV Hagedorn, wo ich auch gewisse Bücher verlegt habe, wird die Übersetzung von Ben David als deutsche Ausgabe geplant. Darauf kann man sich freuen. Man braucht ja manchmal ein bisschen Vorfreude.

Vergleich von Zweiter Chronika 25 mit Zweiter Könige 14

Und jetzt zurück zu 2. Chronik 25. Schauen wir uns die Parallelstelle in 2. Könige 14 an. Ich hatte gefragt, wo die Parallelstelle ist, und es wurde gesagt, in 2. Könige 14.

Also schlagen wir 2. Könige 14 auf. In Vers 1 wird beschrieben, dass Joas, der gestorben war, durch Amazja ersetzt wird. Vers 1. Dann folgt in Vers 3 ein Überblick über sein Leben: Er tat, was recht war in den Augen des Herrn, jedoch nicht wie sein Vater David. Er tat nach allem, was sein Vater Joas getan hatte.

Man merkt den Unterschied. In Chronik betont Esra, dass sein Herz nicht ungeteilt war. Das war Esra sehr wichtig, denn er schreibt von sich selbst in Esra 7,10, dass er sein Herz darauf gerichtet hatte, das Wort zu studieren, zu tun und andere dazu zu lehren.

Damit wir das nochmals hören: Esra hatte sein Herz ungeteilt darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen, also wirkliches Bibelstudium zu betreiben, es im Leben umzusetzen und es auch weiterzugeben und zu lehren. Darum muss es ihn bewegt haben, wenn er von Amazja schreibt, dass er tat, was recht war, aber nicht mit ungeteiltem Herzen.

Jeremia schreibt, er tat nicht wie sein Vater David. Dabei bedeutet „Vater“ hier „Vorfahre“. Im Althebräischen gibt es kein Wort für Großvater. Das wurde im Neuhebräischen aus dem Aramäischen übernommen. „Saba“ ist der Großvater, „Abba“ der Vater.

König David war natürlich der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater über viele Generationen. Er war ein Mann, der zwar in seinem Leben versagt hat, aber trotzdem wird er in Apostelgeschichte 13 als ein Mann nach dem Herzen Gottes dargestellt. Das war das Vorbild für die Könige, die von ihm abstammten.

Darum ist es traurig zu sagen, dass Amazja das Vorbild von König David nicht wirklich vor Augen hatte. Sein Vater war sein Vorbild, doch wir haben gesehen, dass das eine Katastrophe war. Der Mann war treu, solange er von Jojada, dem Hohenpriester, geführt wurde. Aber seine persönliche Beziehung war nicht da.

Das, was Jojada getan hat, war gut, aber Joas hätte auch auf eigenen Beinen stehen müssen. Sobald sein Ziehvater gestorben war, wandte er sich vom Herrn ab und wurde quasi ins Grab gebracht. Man begrub ihn außerhalb der Königsgräber.

Er starb durch eine Verschwörung, und wir werden sehen, dass sein Sohn, der ihm nachfolgte, ebenfalls durch eine Verschwörung sterben wird. Traurig!

Lesen wir bitte noch Vers 4 dazu, das finden wir nämlich nicht in Chronik. Dort steht: „Doch die Höhen wurden nicht zerstört, das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen.“ Das ist eine Bemerkung, die in Chronik fehlt, aber wichtig ist, um einiges zu verstehen.

Wie ist es zu erklären, dass Amazja später, obwohl er einen guten Anfang hatte, auf Abwege geriet? In Vers 4 wird gesagt, dass das Volk immer noch auf den Höhen, nach dem Vorbild der Kanaaniter, auf allen möglichen Hügeln ihre Kultstätten hatte und dort falschen Göttern räucherte.

Amazja tat das nicht, aber das Volk tat es. Darin liegt eigentlich ein Vorwurf: Er hat das böse Treiben geduldet. Er hat es irgendwie stehenlassen. Als König hätte er die Autorität gehabt, dagegen vorzugehen.

Wir können vieles nicht einfach selbst regeln. Ich erinnere mich, als meine Kinder klein waren, hatten sie viele Ideen. Das war nicht immer einfach als Vater. Wir waren im Wallis, und sie sahen eine Marienfigur an einer hohen Mauer. Diese wurde mit einem Stein heruntergeworfen.

Ich habe ihnen nie gesagt, dass ich Marienstatuen gut finde, aber das haben unsere Kinder gelernt: Wir sind nicht diejenigen, die aufräumen. Wir haben kein Recht dazu. Von Gideon wird gesagt, dass er den Altar seines Vaters zerstörte. Aber er gehörte zur Familie und konnte das tun.

In der eigenen Familie kann man also aufräumen. Das lernen wir auch von Jakob, der sagte: „So, jetzt ist Schluss!“ Er ließ alle götzendienerischen Dinge und amulettartigen Schmuckstücke, die okkulte Bedeutung hatten, einsammeln und begraben.

Aber das ist in der eigenen Familie. Paulus berichtet in Apostelgeschichte 19 von einem großen Aufstand im Zusammenhang mit der Göttin Diana. Ein vernünftiger Politiker sorgte für Ruhe im Theater von Ephesus und sagte: „Diese Leute sind keine Tempelräuber.“

Paulus ging also nicht durch Ephesus und räumte Statuen weg. Das geht nicht. Ich war natürlich im Zwiespalt: Was soll ich tun? Diese Figur will ich nicht wieder aufstellen, aber ich bin der Vater und verantwortlich für das, was meine Söhne tun.

Es gibt noch Schlimmeres, aber ich will nur sagen: Die Situation ist anders, wir haben da kein Recht. Paulus hatte sogar das Zeugnis, dass er kein Tempelräuber war. Seine Mitarbeiter wussten das. Sie predigten das klare Evangelium.

Deshalb wurde der Tourismusverkauf von kleinen Tempeln der Diana und kleinen Götterfiguren in Ephesus ruiniert. Aber nicht, weil Paulus sich falsch verhalten hätte, sondern weil er das Evangelium verkündete und die Menschen frei wurden vom Götzendienst.

Das als kleiner Exkurs. Amazja war in diesem Sinn indifferent gegenüber dem Götzendienst im Volk, und das sollte Auswirkungen haben, wie wir noch sehen werden.

Amasjas militärische Aktivitäten und göttliche Warnung

Jetzt gehen wir zurück zu 2. Chroniker 25 und sehen uns dort Vers 3 an. Er hatte eine Zeit des Aufbaus; es geschah, als das Königtum bei ihm erstarkte. Seine Regierung lief immer besser, und er saß immer fester auf dem Thron. Dann tat er etwas Entscheidendes: Er tötete seine Knechte, die den König, seinen Vater, erschlagen hatten.

Wir haben ja beim letzten Mal gesehen, dass Joas durch eine Verschwörung ums Leben kam (Kapitel 24, Vers 25). Er wurde wegen Sünde schwer krank und dann ermordet. Noch einmal lesen wir in Vers 26: „Und diese sind es, die die Verschwörung gegen ihn machten, Sabbat, der Sohn Shimeaz, der Amoriterin, und Josabbat, der Sohn Schimritz, der Moabiterin.“ Das waren Minister in der Regierung.

Man muss wissen, dass das hebräische Wort „ewed“ je nach Zusammenhang Knecht, Sklave oder auch Minister bedeuten kann. Übrigens stammt das Wort Minister eigentlich aus dem Griechischen und bedeutet Diener. Ein Minister ist also ein Diener, nicht ein selbstherrlicher Politiker. Das Wort drückt aus, dass jemand dem Volk durch seinen Staatsdienst nützlich und behilflich ist.

Wir kennen das von den alt-hebräischen Inschriften und Siegeln. Heute haben wir viele originale Siegel von einer großen Zahl von Königen in Juda und auch von Ministern. Diese werden als „ewed“ bezeichnet, also hohe Minister der Regierung.

Diese beiden Männer waren Israeliten, aber ihre Väter hatten gegen das Wort Gottes gehandelt und götzendienerische Frauen aus Ammon und Moab geheiratet. Hier wird deutlich, dass ein götzendienerischer Einfluss in die Familie kam. Das darf man nicht mit Ruth verwechseln. Ruth war eine Moabiterin, aber sie verließ den Götzendienst aus Moab und schloss sich von ganzem Herzen dem Volk Gottes an.

Hier aber wird betont, dass diese Mörder von ihren Müttern beeinflusst waren, die nicht hinter dem Volk Gottes standen. Nun wird klar: Das waren Minister in der Regierung. In den ersten Jahren seines Königtums wusste Amazja, dass diese Minister seinen Vater umgebracht hatten. Als er dann richtig fest im Sattel saß, entschied er, dass sie bestraft werden müssten.

Nach dem Bund mit Noah (1. Mose 9) gilt grundsätzlich die Todesstrafe für Mord. Deshalb lesen wir hier, dass er seine Knechte, seine Minister, tötete, die den König, seinen Vater, erschlagen hatten.

Es war ein Gericht über Joas. Aber ein Gericht Gottes kann auch etwas Böses sein, das Gott zulässt. Das macht das Böse nicht gut, obwohl es ein Gericht war. Wenn man das vor Augen hat, versteht man vieles in der Weltgeschichte besser. Genau so war es hier.

Dann finden wir ein wichtiges Wort: „Er tat, was im Gesetz geschrieben steht.“ Im Buch Mose steht das. Du hast eine ganze Reihe von Wörtern gebraucht, aber ich meine nur ein ganz wichtiges Wort: Gehorsam. Wo liest du das? Natürlich übersetzt du den Inhalt korrekt, aber hier steht ein Wort, das ich gehört habe. Es ist sehr wichtig, weil es zeigt, dass er sich genau an die Bibel hielt.

Er tötete aber nicht ihre Söhne, sondern handelte so, wie es im Gesetz im Buch Mose geschrieben steht. Dort hat der Herr geboten: „Väter sollen nicht um der Kinder willen sterben, und Kinder sollen nicht um der Väter willen sterben, sondern jeder soll für seine eigene Sünde sterben.“ Das ist ein Zitat aus 5. Mose 24,16.

Eigentlich sollten alle Könige in Israel und Juda nach 5. Mose 17 eine Abschrift vom Gesetz anfertigen und täglich darin lesen. Ob Amazja das getan hat, wird nicht gesagt. Aber woher wusste er so genau, was im Gesetz steht? Wenn er regelmäßig darin las, wusste er, dass er gerecht handeln musste.

Die Kinder sind nicht verantwortlich für das, was die Eltern tun. Das ist ein sehr wichtiger Grundsatz. Manchmal gibt es Kinder in schwierigen Familienverhältnissen, die ein schlechtes Gewissen haben, weil ihre Eltern sich scheiden lassen. Sie haben gar nichts getan, um das zu fördern, nehmen aber trotzdem Schuld auf sich – und das darf nicht sein.

Das ist ein göttlicher Grundsatz: Jede Generation ist vor Gott selbst für das verantwortlich, was sie tut, nicht für die Eltern. Das können wir in Hesekiel 18 nachlesen. Es ist sinnvoll, das ganze Kapitel zu diesem Thema zu lesen. Wir fassen kurz zusammen und lesen Hesekiel 18,19-20:

„Und sprecht ihr: Warum trägt der Sohn die Ungerechtigkeit des Vaters nicht mit? Hat der Sohn Recht und Gerechtigkeit geübt, alle meine Satzungen gehalten und getan, so soll er gewiss leben. Die Seele, die sündigt, soll sterben. Ein Sohn soll nicht die Ungerechtigkeit des Vaters mittragen, und ein Vater nicht die Ungerechtigkeit des Sohnes. Die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gottlosigkeit des Gottlosen soll auf ihm sein.“

Man ist also nicht automatisch mitverantwortlich für die Schuld, wenn die Eltern einen falschen Weg gehen. Jede Generation muss sich neu entscheiden.

Darum bin ich sehr empfindlich, wenn ich beobachte, dass manche Deutsche ein schlechtes Gewissen im Umgang mit Israelis haben. Sie denken oft: Deutschland hat eine sehr dunkle Vergangenheit. Ja, das ist einige Jahrzehnte her, aber nicht alle Deutschen haben dem Programm der Nazis zugestimmt. Viele Nachkommen haben sich innerlich klar distanziert und das, was ihre Vorfahren taten, verurteilt.

Es ist ein Unrecht, wenn man ihnen das heute noch anlastet. Manche Deutsche sagen sogar, sie könnten in Israel das Evangelium nicht weitergeben, das müssten messiasgläubige Juden tun. Klar, das sollen sie auch, aber in Israel gibt es Religionsfreiheit.

Wenn Deutsche das Evangelium weitergeben und die Reaktion erleben, dass man ihnen sagt: „Was ihr uns als Deutsche sagt, wer der Messias ist, das haben wir verurteilt“, dann ist das richtig.

Es gibt bis heute Leute, die sagen, Juden seien Gottesmörder. Das ist ein Unrecht! Wer war schuldig an der Kreuzigung? Die, die vor Pilatus schrien: „Kreuzige ihn!“ Das war nicht ein ganzes Volk von Millionen, sondern eine bestimmte Gruppe.

In den Evangelien sehen wir auch viele andere, die Jesus als Messias ablehnten. Aber sie sind dafür verantwortlich, nicht die nächste Generation. Jede Generation muss sich neu entscheiden.

Es ist wichtig, dass jede Generation sagt: „Dieser Prozess damals war übel, und ich distanziere mich davon.“ Man ist nicht automatisch verantwortlich für das, was die Vorfahren taten.

Dazu noch eine Stelle aus der Tora, aus den Zehn Geboten: 2. Mose 20. Die ersten beiden Gebote behandeln Götzendienst – das Verehren anderer Götter neben dem wahren Gott und das Verehren von Bildern und Statuen.

Im Zusammenhang mit dem Götzendienst steht in 2. Mose 20, Vers 5: „Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen und ihnen nicht dienen, denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern, an der dritten und vierten Generation derer, die mich hassen. Und der Güte erweist auf Tausende hin an denen, die mich lieben und meine Gebote halten.“

Manche sagen, wir seien verantwortlich für das, was die Vorfahren taten, und es gebe einen Generationenfluch, der weitergehe. Hier aber wird klar gesagt, dass Gott die Ungerechtigkeit der Väter an den Kindern heimsucht – an der dritten und vierten Generation – wenn diese den Weg weitergehen.

Es ist wichtig, dass man nachforscht, was die Vorfahren getan haben – an Götzendienst, Okkultismus und so weiter. Die Bibel sagt nicht, dass wir das unbedingt tun müssen. Aber was wir wissen, müssen wir klar verurteilen und uns davon distanzieren.

Götzendienst ist Hass gegen den wahren Gott. Wenn die Kinder diesen Weg weitergehen, fällt das Gericht Gottes auch auf die weiteren Generationen.

Im Kontrast dazu steht: „Und der Güte erweist er auf Tausende.“ Das heißt Tausende Generationen. So viele gab es in der Menschheitsgeschichte gar nicht.

Allein im Stammbaum des Herrn Jesus in Lukas 3 werden viele Namen genannt. Im letzten Abschnitt wird Joseph erwähnt, der gesetzliche Vater, dann Eli, der Vater von Maria, und diese Linie wird bis auf Adam zurückverfolgt – „des Gottes“. Insgesamt sind dort 77 Namen genannt. Das ist Design.

Das macht uns klar: Tausend Generationen hat es noch nie gegeben. Gott sagt aber, dass er über Tausende Generationen Güte erweist an denen, die ihn lieben.

Wir halten also nochmals Hesekiel 18,19 fest: „Warum trägt der Sohn die Ungerechtigkeit des Vaters nicht mit? Der Sohn hat Recht und Gerechtigkeit geübt, alle meine Satzungen gehalten und getan, er soll gewiss leben. Die Seele (Nefesh) bedeutet hier Person; die Person, die sündigt, soll sterben. Ein Sohn soll nicht die Ungerechtigkeit des Vaters mittragen.“

Das ist sehr wichtig und beantwortet auch die Frage: Für was bin ich eigentlich verantwortlich, wenn andere etwas tun? Wir müssen sehr darauf achten, keine Verunreinigungsketten zu bilden, die über unsere eigene Verantwortung hinausgehen. Das wäre unverantwortlich. Wir müssen sehen, wo unsere persönliche Verantwortung liegt.

Kehren wir zurück zu 2. Chroniker 25. Amazja hält sich an das Wort und sieht ganz klar: Sabbat und Josabbat waren verantwortlich, aber nicht ihre Kinder.

 2. Mose 20 hatte ich schon erwähnt, um zu zeigen, dass Kinder auch bestraft werden können, wenn sie den Weg der Eltern weitergehen.

Wie war das bei den Königen von Juda? Die meisten waren gottlos. Zwischendurch gab es acht Erweckungskönige. Bei den Königen von Israel, den zehn Stämmen, waren alle Könige gottlos, und schließlich kamen die Assyrer und zerstörten das Königreich. Das erlebten die früheren gottlosen Könige nicht selbst, sondern ihre Nachkommen.

Ebenso bei den Königen von Juda: Schließlich kam Nebukadnezar, zerstörte das Königreich Juda und führte die Juden in die Gefangenschaft nach Babylon. Das erlebten die früheren bösen Könige nicht selbst, aber es kam der Moment, wo Gott eingriff. Das hing damit zusammen, was die Vorfahren getan hatten und was die Nachkommen weiterführten.

So geht das immer wieder weiter. In 2. Chroniker 25 hält sich Amazja an das Wort Gottes und sieht deutlich, dass Sabbat und Josabbat verantwortlich waren, aber nicht ihre Kinder.

Amasjas Heeresaufstellung und der Rat des Mannes Gottes

Wir gehen weiter. Jerry, liest du bitte ab Vers 5 bis 10 vor?

Amasia versammelte Juda und stellte sie auf nach Vaterhäusern, nach Obersten über Tausend und nach Obersten über Hundert, von ganz Juda und Benjamin. Er musterte sie von zwanzig Jahren an und darüber und fand unter ihnen dreihunderttausend Auserlesene, die zum Heer auszogen und Lanze und Schild führten.

Dann warb er aus Israel hunderttausend tapfere Helden für hundert Talente Silber an. Da kam ein Mann Gottes zu ihm und sprach: "O König, lass das Heer von Israel nicht mit dir ziehen, denn der Herr ist nicht mit Israel, mit allen Kindern Ephraims. Wenn du ziehst, sei stark zum Kampf, aber so wird Gott dich zu Fall bringen vor dem Feind, denn bei Gott ist Macht zu helfen und zu Fall zu bringen."

Amasia sprach zu dem Mann Gottes: "Und was ist bezüglich der hundert Talente zu tun, die ich an die Schar von Israel gegeben habe?" Der Mann Gottes antwortete: "Der Herr hat dir mehr als das zu geben."

Darauf sonderte Amasia die Schar, die von Ephraim zu ihm gekommen war, ab, damit sie an ihren Ort zurückkehrten. Ihr Zorn entbrannte sehr gegen Juda, und sie kehrten in glühendem Zorn an ihren Ort zurück.

Also, Amasia ist stark geworden, wie wir in Vers 3 gesehen haben. Er stärkte das Heer. Dann hat er als oberster Richter von Israel auch mit Mördern abgerechnet. Jetzt hat er den Gedanken, mit seiner Armee etwas zu unternehmen. Es gibt eine Zählung, eine Musterung.

Dabei findet er nicht nur einfach 300 Soldaten. Es gab nämlich mehr. Wir sehen schon bei Josaphat, dass er ein viel größeres Heer hatte. Aber hier findet Amasia diese Aushebung von 300 Auserlesenen, also wirklich Helden.

Irgendwie hat er die Idee, es könnte doch zu wenig sein. Es ist schon ein recht ordentliches Heer, 300. Wie wollte Deutschland das heute aufstellen? Das geht einfach nicht. Israel hatte diese 300.000 Auserlesenen, sie hätten noch mehr ausheben können. Aber er denkt, das ist zu wenig.

Da kommt er auf die Idee, von den zehn Stämmen, den gottlosen Stämmen, Söldner zu kaufen – und zwar für einen stattlichen Preis von 100 Talenten Silber. Ein Talent wiegt ungefähr 34 Kilo. Das würde mit dem momentanen Silberpreis etwa 3.111.758 Franken entsprechen.

Der Geldwert damals ist natürlich nicht eins zu eins zu übertragen. Also das war ein riesiger Staatsschatz, den er da einsetzen wollte. Aber was fällt uns auf? Er fragt den Herrn nicht. Er überlegt auch nicht, obwohl er eine Beziehung zum Herrn hat.

Der Herr kann doch helfen – durch viele oder durch wenige. Wir sehen das in 1. Samuel 14, eine ganz andere Geschichte. Da geht es um Jonathan, den Sohn Sauls, der eine wirklich tiefe Beziehung zum Herrn hatte. Er war der beste Freund von David.

Jonathan stand im Konflikt mit den Philistern. Was lesen wir in 1. Samuel 14, Vers 6? "Und Jonathan sprach zu dem Knaben, der seine Waffen trug: Komm und lass uns hinübergehen zu der Aufstellung dieser Unbeschnittenen. Vielleicht wird der Herr für uns wirken, denn für den Herrn gibt es kein Hindernis, durch viele zu retten oder durch wenige."

Wie kommt Jonathan auf diese Idee? Er sagt nicht, dass Israel viele Soldaten braucht. Vielmehr kommt es aus einer Glaubensüberzeugung, weil er weiß, wie der Herr ist. Darum sagt er: "Denn für den Herrn gibt es kein Hindernis; er kann durch viele retten oder durch wenige." Und er erlebt, wie der Herr wirklich eingegriffen hat und Jonathan geholfen hat.

Sein Glaube wird belohnt. Aber bei Amasia fragt er den Herrn nicht und überlegt sich auch nicht aus Glaubensüberzeugung heraus, wie der Herr helfen kann. Für ihn scheint das nicht entscheidend zu sein.

Wir hatten auch Gideon gesehen. Zuerst waren dreißigtausend da, aber der Herr schickte sie nach und nach nach Hause. Er wollte den Sieg mit nur dreihundert geben – gegen eine totale militärische Übermacht.

Auch hätte Amasia zurückdenken können, wie es mit Vater Abraham war. Was hat der gemacht? Er besiegte fünf Könige, fünf Königreiche – und das mit wie vielen Leuten? Dreihundertachtzehn. Das sind Vorbilder gewesen.

Aber Amasia wusste lediglich den Satz aus 3. Mose, dass die Kinder nicht für die Väter sterben sollen. Das hat er befolgt, weil es klar dastand. Doch das Herzensverhältnis, in dem man weiß, wie der Herr ist und dass er auch in dieser Situation helfen kann – das sehen wir hier nicht. Das ist ein Unterschied.

Jesus sagt in Johannes 14: "Wer meine Gebote hat und sie hält, der liebt mich." Und weiter: "Wer mein Wort hält, liebt mich." Der Unterschied ist, dass die Gebote klare Anweisungen sind, während das Worthalten bedeutet, das Ganze der Heiligen Schrift zu lesen und zu lernen, wie Gott ist und wie er in bestimmten Situationen handelt.

Das sehen wir bei Amasia nicht. Er sagt sich: "Hundert Talente Silber" und verbindet sich mit diesen Gottlosen. Dabei wusste er, dass es falsch war. Schon bei Josaphat, seinem Vorfahren, war das so. Josaphat hatte sich mit den zehn Stämmen unter Ahab verbündet, dann Joram – und jedes Mal war das schlimm.

Doch Gott schickt in seiner Gnade einen Propheten (Vers 7), der sein Herz erreichen will. "O König, lass das Heer von Israel nicht mit dir ziehen, denn der Herr ist nicht mit Israel." Die zehn Stämme haben den Herrn verworfen und sich von seinem Wort abgewandt. Gott ist nicht mit ihnen, mit all diesen Kindern Ephraim.

Ephraim war der Hauptstamm der zehn Stämme, darum werden diese manchmal Ephraim genannt. Der Prophet sagt weiter: "Wenn du ziehst, sei stark im Kampf" – das ist Ironie –, "so wird Gott dich zu Fall bringen vor dem Feind."

Dann erklärt er: "Denn bei Gott ist Macht zu helfen und zu Fall zu bringen." Dieser Gedanke erinnert an 1. Samuel 14,6: Es hängt von Gott und seinem Segen ab. Das müssen wir immer vor Augen halten. Es hängt nicht von unserer eigenen Kraft ab, sondern davon, ob Gott uns den Segen gibt.

Schön ist die Reaktion von Amasia in Vers 9: "Ja, was? Werden wir es zusammentragen?" Jetzt hat er schon bezahlt – ein riesiger Verlust, dreieinhalb Tonnen Silber, und alles umsonst.

So können wir auch manchmal in Situationen kommen, in denen wir uns falsch entschieden haben und einen finanziellen Verlust erleiden. Dann sollten wir das Geld fahren lassen. Es ist viel wertvoller, gut schlafen zu können mit einem guten Gewissen.

Eindrücklich ist, dass der Mann Gottes – so wird der Prophet hier genannt, nicht alle Propheten werden so genannt – ein Mann mit einer ganz besonderen Beziehung zu Gott war. Im Neuen Testament finden wir in den Timotheusbriefen den Ausdruck "Mensch Gottes", was zeigt, dass es nicht nur Männer Gottes gibt, sondern auch Frauen Gottes, die eine tiefe Beziehung zum Herrn suchen.

Dieser Mann Gottes wird hier nicht namentlich genannt. Wichtig ist seine Botschaft: "Der Herr hat dir mehr als das zu geben." Wenn wir in eine Situation kommen, in der wir sagen müssen, wir lassen das Geld fahren, dürfen wir wissen, dass der Herr viel mehr hat, um uns das zu erstatten.

Und wirklich, in Vers 10 ist Amasia gehorsam. Er schickt die Söldner nach Hause. Doch diese werden wütend. Das ist schwer zu ertragen, denn der Zorn der Menschen ist etwas Schlimmes.

"Ihr Zorn entbrannte sehr gegen Juda, und sie kehrten in glühendem Zorn an ihren Ort zurück." Diese Demütigung, zurückgewiesen zu werden, war schlimm für sie.

Dann kommt wieder das Wort von Amasia, aber fast der Mut. Der Herr half ihm, in dieser schwierigen Situation standzuhalten – ganz entsprechend seinem Namen.

Amasjas Sieg über die Kinder Seir und die Grausamkeit der Kriegsführung

Und dann geht er mit der Armee hinab ins Salztal. Das ist die Tiefebene beim Toten Meer, die in 1. Mose 14 als das Tal Sittim genannt wird. Das bedeutet das Blattal. Dort unten, beim Toten Meer, auf etwa minus vierhundert Meter, ist es ganz flach. Das ist eben das Salztal. Der Boden dort ist so salzig, dass man es schmecken kann, wenn man ein wenig Erde ableckt – natürlich nicht zu viel, aber man merkt es.

Im Salztal kämpft er gegen die Kinder Seir, die Nachkommen von Esau. Diese waren erbitterte Feinde Israels durch die ganze Geschichte hindurch. Er schlägt zehntausend Mann. Doch dann liest man in den Versen 12 und 13: „Und die Kinder Juda führten zehntausend lebendig Gefangene weg und brachten sie auf die Spitze eines Felsens. Dort stürzten sie sie hinab, sodass sie alle zerschmettert wurden. Aber die Männer der Schar, die Amasia hatte zurückkehren lassen, damit sie nicht mit ihm in den Kampf zögen, fielen in die Städte Judas ein, von Samaria bis Bethoron, schlugen von ihnen dreitausend und machten große Beute.“

Wie sollen wir das einordnen? Das widersteht einem doch, oder? Natürlicherweise. Zehntausend werden gefangen genommen, dann führt man sie auf einen hohen Felsen und wirft sie einzeln hinab, sodass sie zerschmettert werden. Wo findet man in der Bibel so etwas über Kriegsführung? Das ist Grausamkeit und Unmenschlichkeit pur.

Ein weiterer Fall findet sich im Buch der Richter. Dort wird gezeigt, wie Israel sich Schritt für Schritt immer weiter von Gott entfernt. Das beginnt schon in Kapitel eins. Sie nehmen einen feindlichen König gefangen und schneiden ihm Daumen und große Zehen ab. Der Daumen ist sehr wichtig; ohne ihn ist man behindert. Betrachtet man die menschliche Hand im Vergleich zur Affenhand, sieht man, dass diese sich nicht in ein paar Hunderttausend Jahren durch Mutationen so verändert hat. Aus ingenieurwissenschaftlicher Sicht ist das grandios. Deshalb können Affen nie ein Beethoven-Klavierkonzert spielen. Unsere Hände sind genau so gemacht, dass das funktioniert. Und dann werden die Daumen abgeschnitten – eine grausame Tat, die aus Bosheit heraus geschah. Das war eines der Anzeichen dafür, wie Israel immer weiter von dem Herrn und seinem Wort abwich.

Hier ebenso. Natürlich konnte Amasia denken, dass er richtig handelte. Im Buch Obadja, dem ältesten der zwölf kleinen Propheten, geht es um Edom, die Kinder Seir. Diese Prophetie ist bis heute hochaktuell. Dort spricht Gott gegen den Hochmut der Nachkommen von Esau. In Obadja 1, Vers 3 heißt es: „Der Übermut deines Herzens hat dich verführt, der du in Felsklüften auf hohem Sitz wohnst und in deinem Herzen sprichst: ‚Wer wird mich zur Erde hinabstürzen?‘ – auch wenn du dein Nest hoch gebaut hast wie ein Adler und es zwischen den Sternen gesetzt wäre.“

Gott sagt: „Ich würde dich von dort hinabstürzen, spricht der Herr.“ In der Parallelstelle in 2. Könige 14 wird bei diesem Sieg von Amasia gegen Edom, gegen Seir, erwähnt, dass er die Stadt Säla erobert hat. Säla bedeutet auf Deutsch „Fels“. Übersetzt ins Griechische gibt es Petra, die Felsenstadt Petra. Diese Stadt ist tief in die Felsen der roten Berge von Edom, Seir, eingeschnitten. Gott spielt hier in Obadja auf Petra an – der Ausdruck „Felsklüfte“ bezieht sich auf Sela, die Klüfte von Petra.

Wenn man dort oben auf dem Felsen steht und hinunterblickt in diese Felsenstadt, die von den Felswänden geschützt war, erkennt man, dass Petra über lange Zeit unbekannt war, bis sie in der Neuzeit wiederentdeckt wurde. Im Westen wusste man nichts mehr davon. Die Edomiter waren stolz darauf, in den Felsen zu wohnen und von dort drohend herabzublicken.

Gott sagt: „Der Übermut deines Herzens hat dich verführt, der du in Felsklüften auf hohem Sitz wohnst und in deinem Herzen sprichst: ‚Wer wird mich zur Erde hinabstürzen?‘“ Und dann sagte sich Amasia: „Das mache ich.“ Er warf die Gefangenen von den Felsen hinab.

Doch Gott gibt keinen Auftrag, so etwas zu tun. Er sagt zu diesem Hochmut, der sich fragt, wer ihn zur Erde stürzen könne: „Wenn du dein Nest hoch gebaut hast wie ein Adler und es zwischen die Sterne gesetzt wäre, ich würde dich von dort hinabstürzen, spricht der Herr.“ Gott zeigt, dass er in der Lage ist, sie von den Felsen herunterzuholen – nicht irgendwo anders, sondern von genau dem Ort, an dem sie sich sicher fühlen. Sogar wenn sie eine Astronautenstation zwischen den Sternen errichten würden, würde er sie von dort holen. Eindrücklich, nicht wahr?

Das, was Amasia hier getan hat, ist Ausdruck eines verdrehten und perversen Empfindens. Er stürzte sie hinab (Vers 12). Und dann kommt Vers 13, und jetzt sieht man, wie wichtig es ist, langsam zu lesen und genau den Anschluss zu verfolgen. Welches kleine, aber wichtige Wort folgt dann? „Aber.“ Dieses Wort hat es in sich.

In 1. Mose 3, Vers 1 müsste man „we“ im Hebräischen, das „und“ oder „aber“ heißt, öfter mit „aber“ übersetzen. So heißt es: „Die Schlange aber war listiger als alle Tiere des Feldes.“ Dieses teuflische „aber“ führte nach dem Paradies zum Sündenfall und zur Katastrophe bis heute – mit Tod, Leiden, Schmerzen und Tränen.

In Epheser 2 wird beschrieben, wie wir tot waren in Sünden und Vergehungen, und dann kommt das göttliche „aber“: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit wegen seiner vielen Liebe, hat uns geliebt.“ Dieses „aber“ steht im Zusammenhang mit der Not aus dem Sündenfall.

Hier haben wir wieder dieses „aber“: Die Männer der Schar, die Amasia hatte zurückkehren lassen, kommen jetzt zornig aus dem Norden und machen einen Einfall in Juda. Das war ein Gericht Gottes über diese Grausamkeit. Sie fallen in die Städte Judas ein, von Samaria bis Bethoron, erschlagen dreitausend Mann und machen große Beute.

Weiter heißt es: „Nachdem Amasia von der Schlacht gegen die Edomiter zurückgekommen war, brachte er die Götter der Kinder Seir mit, stellte sie sich zu Göttern auf, beugte sich vor ihnen nieder und räucherte ihnen.“ Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Amasia. Er sandte einen Propheten zu ihm, der sprach: „Warum hast du die Götter des Volkes gesucht, die dein Volk nicht aus deiner Hand errettet haben?“

So ist das also. Amasia kehrt aus der Edomiter-Schlacht zurück und bringt Götterfiguren aus Edom mit. Übrigens: Wer schon einmal im Israel-Museum in Jerusalem war, einem der besten Museen der Welt für biblische Archäologie, weiß, dass die Israelis im zwanzigsten Jahrhundert die großen Museen wie das Louvre in Paris und das British Museum in London überholt haben.

Dort gibt es eine Abteilung mit edomitischen Göttern. Diese Götterfiguren sehen nicht künstlerisch großartig aus, wie die griechischen, die die Vollendung der Bildhauerei erreicht hatten, sondern eher ziemlich einfach. Diese Figuren hat Amasia mitgebracht und verehrt sie. Dabei haben sich die Edomiter auf diese Götter gestützt und doch verloren.

Im Prinzip ist das vergleichbar mit der arabischen Welt, wo man täglich „Allahu Akbar“ sagt. „Allah ist nicht groß“ wäre „Kabir“ – größer. Damit betont man, dass Allah militärisch allen anderen überlegen ist. Das geht auf Mohammed zurück, den einzigen Religionsstifter, der ein General war. Im Koran und in den Hadithen, den islamischen Traditionen, wird der militärische Sieg Mohammeds auf der Arabischen Halbinsel als Beweis für die Wahrheit des Islam gesehen.

Nach seinem Tod 632 n.Chr. zogen seine Nachfolger nach Norden, eroberten 638 Jerusalem und den ganzen Nahen Osten. Später wurde ganz Nordafrika erobert. Diese militärischen Erfolge im Mittelalter galten für Muslime als Beweis, dass ihre Religion wahr sei.

Doch der ganze Nahe Osten wurde dabei verwüstet. Das Bild der Verwüstung findet sich im Standardwerk der israelischen Autorin Bat Ye’or, die die islamische Verwüstung der frühen Jahrhunderte beschreibt.

Die Geschichte ging weiter. Als Napoleon Ende des 18. Jahrhunderts in Ägypten und Akko (heute Israel) einfiel, übernahmen die Franzosen die Macht in der islamischen Welt. Das war eine Katastrophe für die islamische Welt. Schon im Hochmittelalter hatten sie erlebt, wie die Kreuzfahrer aus Europa kamen. Diese brachten viel Verderben und Tod, kamen aber, um die Christen im Nahen Osten zu befreien, die unter dem Druck des Islams litten.

Es ist eine komplexe Geschichte. Sultan Saladin konnte schließlich die Kreuzfahrer aus Jerusalem vertreiben, und dann war wieder klar: „Allah ist größer.“ Doch Napoleons Einfall verletzte die islamische Welt tief bis heute. Frankreich ist deshalb ein besonderes Feindbild im Islam, was man mit den heutigen Ereignissen in Frankreich in Verbindung bringen muss.

Im Ersten Weltkrieg eroberten die Engländer und Franzosen den Nahen Osten: Palästina, das spätere Irak, Syrien, Libanon. Sie ordneten die Region neu, schufen moderne Staaten wie Syrien, Libanon und Irak. Diese Grenzen wurden von der islamischen Welt nie wirklich anerkannt. Das ist bis heute eine tiefe Verletzung.

1948 entstand der Staat Israel. Die islamische Welt beschloss daraufhin, alle Juden zu vernichten. Es kam zum totalen Krieg. Israel überlebte und besiegte alle Feinde. Das war eine tiefe Demütigung. Man sagte sich, mit modernen Waffen würden sie es später schaffen.

Dann kam der Sechstagekrieg. In sechs Tagen besiegte Israel eine Übermacht, die es auslöschen wollte. Das war eine kaum vorstellbare Demütigung. Auch der Oktoberkrieg 1973, der Jom-Kippur-Krieg, endete ähnlich – die Araber verloren erneut.

In den Moscheen hört man trotzdem täglich „Allahu Akbar“. Doch die Realität zeigt, dass diese Worte nicht stimmen. Mit konventionellen Kriegen konnten die Gegner Israel nicht besiegen.

Nach dem Sechstagekrieg begann der Terrorismus. Jordanien und Ägypten schlossen Frieden. Im islamischen Sprachgebrauch nennt man das „Hudna“ – einen Frieden mit Feinden, die zu stark sind. Wenn diese später schwächer werden, kann man die Hudna wieder brechen. Das zeigt, wie komplex die Lage ist.

Diese Entwicklung geht bis heute weiter. Am 7. Oktober, als ich 23 war, startete Hamas einen großen Angriff auf Israel, zusammen mit der Hisbollah aus dem Libanon, die etwa 300 Raketen besitzt, sowie mit Verbündeten in Jemen, Syrien und Irak. Heute ist der Gazastreifen eine Ruine.

Ein hoher Hamas-Funktionär sagte kürzlich, wenn man von Anfang an gewusst hätte, was daraus wird, wäre er gegen den 7. Oktober gewesen. Trotz der Zerstörung rufen sie immer noch „Allahu Akbar“. Wo ist die Kraft dieses Gottes? Sonst hätte Hamas nach ihrer Ideologie siegen müssen.

Man müsste eigentlich erkennen, dass etwas in dieser Religion nicht stimmt. Warum wird das Volk Israel ständig bewahrt? Wer steht hinter diesem Volk? Es ist der Gott der Bibel, der dieses Volk beschützt und die Verheißung gegeben hat, dass es nicht untergehen kann. Jesus sagt das in Lukas 21: Dieses Geschlecht, also dieses Volk, wird nicht vergehen, bis alles geschehen ist.

Amasia hat gesehen, dass die Götter von Edom nicht helfen können, und doch verehrt er sie. Das war ein großer Irrtum. Wir werden nächstes Mal weitermachen.

Ein Prophet kommt in Gottes Gnade zurück (Vers 15) und fragt: „Warum hast du die Götter des Volkes gesucht, die dein Volk nicht aus deiner Hand errettet haben?“ Dieser Vorwurf ist unlogisch: Wie kannst du Götter anbeten, die nichts geholfen haben? Das ist töricht.

Ein Beispiel: In unserer Gemeinde war einmal ein Mann aus Sri Lanka, dessen Vater Hindu-Priester war. Als kleiner Junge wurde er selbst Hindu-Priester. Er erzählte, wie er merkte, dass diese Götter nicht antworten und nicht helfen. Er hatte keinen Kontakt zu Christen, aber eines Tages zerstörte er seine eigenen Götter in Zorn, weil sie ihm nicht halfen. Später kam er zum Glauben an Jesus Christus.

Das ist eindrücklich. Er erkannte, dass tote Götter nichts bewirken. So hätte es auch Amasia merken müssen. Doch sehen wir die Gnade Gottes: Der Prophet sagt nicht „Was hast du getan?“, sondern fragt: „Warum hast du die Götter des Volkes gesucht?“ Mit einer Frage kann man oft Zorn abwenden. Fragen wie „Warum?“ können helfen und Herzen erreichen. Doch Amasia ließ sein Herz nicht mehr erreichen. Er folgte dem Weg seines Vaters Joas.

Zum Schluss noch eine Bemerkung: Im Judentum gibt es die hebräische Bibel, die alle Bücher von 1. Mose bis Maleachi enthält, genau wie in jeder deutschen Bibel. Was im Judentum fehlt, ist das Neue Testament.

 Jesaja 53, das Kapitel, das deutlich auf den Messias und sein Leiden hinweist, ist in jeder jüdischen Bibel enthalten, nicht aber im Koran. Im Koran gibt es nur kurze Anspielungen auf biblische Geschichten, die man ohne die Bibel kaum versteht. Die längste ist die Josefsgeschichte, die aber viel kürzer ist als in der Bibel.

Das Alte Testament ist komplett im Koran nicht enthalten, das Neue Testament fehlt ganz. In Israel gibt die Israelische Bibelgesellschaft in Jerusalem eine schöne Ausgabe heraus, die Altes und Neues Testament auf Hebräisch zusammen in einem Buch enthält. Der Titel lautet „Zephyr Britot“, die Bündnisse, also der Alte Bund und der Neue Bund.

Reicht das als Antwort? Gut.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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