
Einführung: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt
Wir kommen nun zum letzten Vortrag des heutigen Abends. Ein älterer Mann hat gesundheitliche Probleme und geht zum Arzt. Der Arzt teilt ihm mit, dass seine Beschwerden, vor allem im Magenbereich, aber nicht nur dort, daher rühren, dass er sich ziemlich einseitig ernährt.
Der Arzt nimmt sich viel Zeit, damit der Mann genau versteht, was er jetzt nicht mehr essen darf und was er stattdessen essen soll. Es gibt tatsächlich Ärzte, die ihren Job mit ganzer Hingabe machen und auch Dinge tun, die sie nicht müssten. Der Arzt schreibt dem älteren Mann genau auf, was er nicht mehr essen darf: keine Fastfood-Gerichte, nicht so viel Fettiges und so weiter. Stattdessen soll er viel Salat essen. Er macht eine Liste.
Der Mann kommt natürlich motiviert nach Hause, gibt seiner Frau die Liste, damit sie das beim Kochen berücksichtigt. Er hält sich einige Wochen daran. Dann kommt die Frau irgendwann nach Hause und sieht ihn im Wohnzimmer hinter einem Berg von Hamburgern, jede Menge Pommes, und unterm Tisch liegt noch ein leerer Pizzakarton. Die Frau bekommt einen Schrecken und sagt: „Schatz, was machst du denn da? Der Arzt hat doch gesagt, du darfst diese Dinge nicht essen!“
Er antwortet: „Ja, weißt du, schmatz schmatz, ich habe den Arzt gewechselt, und bei diesem Arzt darf ich wieder alles essen, was ich möchte.“
Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, sucht man sich die Leute, die einem das sagen, was man hören will. Das sagt auch Paulus in 2. Timotheus 4,2: „Sie werden die heilsame Lehre nicht mehr hören können, sondern werden sich selber Lehrer anhäufen, die ihnen das sagen, wonach ihnen die Ohren jucken.“
Das ist das Prinzip. Aber was machen wir, wenn wir Gegenwind bekommen, weil Leute die Wahrheit nicht hören wollen? Was machen wir, wenn Leute uns sagen: „Du bist viel zu intolerant mit deiner Bibel, du bist ein religiöser Fanatiker, du gehörst zu den Fundamentalisten, und eure Gemeinde ist eine Sekte“?
Wie gehen wir damit um? Das haben wir wahrscheinlich schon erlebt, oder? Ich habe das vor einiger Zeit nach einer Predigt erlebt. Da kam eine Frau zu mir, nicht aus unserer Gemeinde, eine Besucherin. Sie sagte: „Das, was Sie gepredigt haben, war zu hart. Ich bin gerade auf Gemeindesuche, aber jetzt muss ich mir überlegen, ob ich hier in diese Gemeinde will.“
Da kriegen wir manchmal Gegenwind, weil wir Gottes Wort verkündigen.
Das letzte Thema heute Abend lautet: „Wenn die Wahrheit nicht jedem passt – Anweisungen zum Umgang mit Gegenwind.“
Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, möchte ich uns drei Ratschläge mitgeben, wie wir uns da verhalten sollen. Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, wenn wir Gegenwind bekommen, dann rechne...
Gegenwind als Teil des Glaubenswegs
1. Rechne mit Anfeindung
Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, muss man mit Anfeindungen rechnen. Zunächst erfährt Amos in diesem Abschnitt Anfeindungen hinter seinem Rücken. Lesen wir dazu die Verse 10 und 11:
Da heißt es: „Da sandte Amasja, der Priester in Bethel, zu Jerobam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: ‚Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel. Das Land kann seine Worte nicht ertragen, denn so spricht Amos: Jerobam wird durch das Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Land gefangen weggeführt werden.‘“
Was passiert hier eigentlich? Ein Priester beschwert sich über seinen Kollegen, den Propheten, beim Politiker, also beim König. Das ist eine Anfeindung hinter dem Rücken. Amasja hat zwei Beschwerden über Amos.
Die erste lautet: „Amos macht gegen dich, König, einen Aufruhr in Israel.“ Damit lügt Amasja. Amos plant keinen Aufruhr gegen den König. Das ist eine reine Lüge. Solche Situationen erleben wir immer wieder: Menschen geben hinter dem Rücken Lügen weiter.
Die zweite Beschwerde lautet: „Das Land kann die Worte des Amos nicht ertragen.“ Mit anderen Worten: „Lieber König, du bist für die Belange deines Volkes zuständig, und das Land kann die Worte von diesem Fundamentalisten, von diesem religiösen Fanatiker Amos nicht mehr ertragen. Lieber König, es reicht!“
In Vers 11 folgt die Begründung für diese Beschwerde: „Denn so spricht Amos: Jerobam wird durch das Schwert sterben.“ Ist das wahr? Hat Amos das wirklich so gesagt? Diese Aussage ist vielleicht zu 80 oder 90 Prozent wahr, denn in Vers 9 hat Amos bereits gesagt, dass die Dynastie von Jerobam ein Ende haben wird.
Allerdings frisiert Amasja die Wahrheit ein wenig, damit es drastischer klingt. Das ist typisch bei Anfeindungen. Man findet eine Mischung aus krassen Lügen, Halbwahrheiten und manchmal auch Wahrheiten.
Die zweite Aussage in Vers 11 lautet: „Und Israel wird aus seinem Land gefangen weggeführt werden.“ Das hat Amos tatsächlich so gesagt, zum Beispiel in Kapitel 5, Vers 27. Hier haben wir also dieses Gemisch aus Wahrheit und Lüge, und genau das macht Anklagen so kompliziert. Einiges ist wahr, anderes eine glatte Lüge, und wieder anderes eine Halbwahrheit, die drastischer formuliert wird.
Zusammenfassend erlebt Amos hier Anfeindungen hinter seinem Rücken.
2. Anfeindung offen und direkt
In den Versen 12 und 13 sehen wir, dass sich Amasja nicht mehr beim König über Amos beschwert. Stattdessen spricht er Amos direkt an und richtet seine Anfeindung offen gegen ihn. Dort heißt es:
Und Amasja sprach zu Amos: „Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst. Aber weissage nicht mehr in Bethel, denn es ist das Königsheiligtum und der Tempel des Königreichs.“
Wenn Amasja hier sagt, Amos solle ins Land Juda fliehen, meint er damit nicht, dass er sich um Amos’ Sicherheit sorgt. Vielmehr sagt er mit anderen Worten: „Geh weg!“
Könnt ihr euch an die erste Predigt am Sonntagmorgen erinnern? Dort ging es um die Rivalität zwischen Nord- und Südreich. Amos kam aus dem Südreich und predigte nun im Nordreich. Hier zeigt sich deutlich die Feindschaft zwischen den beiden Reichen. Amasja sagt Amos ins Gesicht: „Geh zurück, wo du herkommst, ins Südreich. Wir wollen dich hier nicht!“
Diese offene Anfeindung richtet sich gegen Amos’ Wirken in Bethel. Er soll nicht mehr in Bethel weissagen. Warum gerade Bethel?
Liebe Zuhörer, Bethel war damals eine Hochburg der Sünde, vergleichbar mit heutigen Orten wie Sankt Pauli, Köln oder Las Vegas. Diese Städte sind bekannt für ihr sündiges Treiben. In Amos 4,4 lesen wir: „Kommt, lasst uns nach Bethel ziehen und dort Sünde treiben.“ Bethel war also ein Ort, an dem Sünde offen gelebt wurde.
Wenn Amos nun in Bethel predigt und Gottes Wort verkündet, wollen sie ihn dort nicht hören, weil sie in ihrer Sünde leben wollen.
Wenn du heute auf der Kölner Domplatte mit einer Bibel stehst und sagst: „Homosexualität ist Sünde“, wirst du schnell angefeindet. Du hältst in einer Hochburg der Sünde Gottes Maßstab hoch. So müssen wir mit Anfeindungen rechnen. Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, ist mit Gegenwehr zu rechnen.
Ich möchte euch ein Beispiel nennen: In Amerika gibt es eine christliche Restaurantkette, die wirklich christlich ist. Der Inhaber schließt sonntags, obwohl viele Amerikaner sonntags essen gehen. Er verzichtet auf viel Geld, weil er sagt: „Sonntag arbeiten wir nicht.“ Außerdem unterstützt er Missionseinsätze seiner Mitarbeiter.
Dieser Mann ist ein bibeltreuer Christ. Die Restaurantkette heißt Chick-fil-A. Vor einiger Zeit äußerte sich der Inhaber zur Homoehe. Er sagte sinngemäß: „Ich denke, wir laden Gottes Gericht über unsere Nation ein, wenn wir ihm die Fäuste entgegenstrecken und sagen, wir wissen besser als Gott, was Ehe bedeutet.“
Das ist ein mutiges Statement. Ich würde sagen, es ist sogar moderat formuliert. Die biblische Wahrheit wird hier in Liebe hochgehalten. Die Reaktionen waren heftig.
Seine Restaurantketten wurden beschmiert, Vertreter der Homo-Lobby riefen zum Boykott auf und beschädigten teilweise die Restaurants. Gleichzeitig schlossen sich Christen in Amerika zusammen und gingen gerade dort essen, um ihn zu unterstützen.
Der Punkt ist klar: Wo Sünde beim Namen genannt wird, gibt es immer Widerstand.
Einige von euch haben vielleicht die Situation von Olaf Latzel mitbekommen, einem bibeltreuen Mann in Bremen. Wir als Gemeinde veranstalten in zwei Wochen am Freitag zusammen mit der Gemeinde Sankt Martini einen Gebetstag. Wer an diesem Freitag mitbeten möchte – nicht nur für Olaf Latzel, sondern auch für die Situation in Deutschland und für Erweckung – ist herzlich eingeladen.
Wir müssen nicht nach Amerika schauen: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, ist mit Anfeindungen zu rechnen.
Liebe Zuhörer, ich möchte uns das deutlich machen: Wir müssen uns als bibeltreue Christen nichts vormachen. Nicht jeder wird unseren Predigten zustimmen. Wenn du in der Seelsorge biblische Ratschläge gibst, zum Beispiel dass es Sünde ist, einen nichtchristlichen Partner zu haben oder vorehelich zusammenzuleben, wirst du dir unbeliebt machen.
Auch wenn du es in Liebe sagst, wirst du Gegner bekommen. Nicht jeder wird deinen Ratschlägen zustimmen. Wir müssen nicht bei allen beliebt sein.
Ich würde sogar noch weitergehen: Wir dürfen nicht bei allen beliebt sein. Jesus hat gesagt: „Sie haben mich verfolgt, sie werden euch verfolgen.“
Deshalb ist die Frage, die wir uns heute stellen sollten, nicht, ob Anfeindung kommt, sondern wie wir auf Anfeindung reagieren.
Der erste Rat lautet: Rechne damit! Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, sei darauf vorbereitet. Das ist eine Bestätigung, dass du richtig liegst.
Klarheit über den Auftrag trotz Gegenwind
2. Sei dir deines Auftrags bewusst
Wie reagiert Amos jetzt? Ein Priester sagt ihm direkt ins Gesicht: „Geh weg, wir wollen dich hier nicht haben.“ Deshalb lautet die zweite Anweisung: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, sei dir deines Auftrags bewusst. Schauen wir mal, wie Amos darauf antwortet.
Er sagt in den Versen 14 und 15:
Amos antwortete und sprach zu Amasja: „Ich bin kein Prophet, noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirte, der Maulbeeren züchtet. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel.“
Amos reagiert, indem er einfach auf seinen Auftrag verweist. Der Priester sagt ihm: „Hör auf zu predigen!“ Und Amos antwortet: „Ich habe einen Auftrag von Gott, dass ich predigen soll.“ Deshalb gilt: Wenn Anfeindung kommt, sei dir deines Auftrags bewusst. Das ist das, was Amos macht.
Es ist trotzdem interessant, wie Amos hier antwortet. In der Elberfelder und in der Lutherübersetzung heißt es: „Ich bin kein Prophet und ich bin kein Prophetensohn.“ Das könnte auch „Prophetenschüler“ bedeuten. In der Schlachter-Übersetzung steht: „Ich war kein Prophet.“ Wenn jemand eine Schlachter hat, könnt ihr das nachvollziehen, je nachdem welche Version ihr lest. „Ich war kein Prophet und kein Prophetensohn.“
Hier gibt es ein kleines Problem, denn im Hebräischen steht nur: „Ich kein Prophet.“ Ohne Verb ist es schwer, die Zeitform zu erfassen. Aber im Kontext haben wir ein Verb, denn in Vers 15 ist die Rede von der Vergangenheit. Deshalb denke ich, dass Amos hier eigentlich sagen will: „Ich war ursprünglich kein Prophet, ich komme einfach vom Land, aber der Herr nahm mich, und der Herr hat gesagt, ich soll predigen. Und deswegen werde ich predigen.“
Ich möchte dich ermutigen: Sei dir deines Auftrags bewusst! „Der Herr nahm mich“, sagt Amos. Er war sich so sicher, dass Gott es wollte. Bist du dir sicher, was Gott von dir will? Bist du dir sicher, was dein Auftrag ist? Es ist wichtig, dass wir eine gewisse Sicherheit darüber haben: Was will Gott von mir? Was ist mein Auftrag als Christ im einundzwanzigsten Jahrhundert in Heidelberg? Was ist mein Auftrag? Wo will Gott mich haben? Was soll ich tun?
Cleon Rogers, einer unserer Bibelschullehrer, kam eines Tages in die Klasse und hat uns im ersten Moment etwas irritiert. Er sagte: „Wisst ihr was? Wenn ihr etwas anderes tun könnt als Gemeindedienst, macht etwas anderes.“ Wir dachten: Hä? Wir sitzen doch alle hier, weil wir dem Herrn dienen wollen in der Gemeinde. Er sagte: „Wenn ihr etwas anderes tun könnt als Gemeindedienst, macht etwas anderes. Aber wenn ihr nichts anderes tun könnt, dann seid ihr hier richtig.“ Da haben wir ihn wieder verstanden.
Und dieses Bewusstsein brauchen wir: Ich kann nicht anders, als dem Herrn zu dienen. Und deswegen stehe ich hier und werde weitermachen, auch wenn Anfeindung kommt.
Mir hat vor einiger Zeit ein älterer Bruder, jahrelanger Pastor einer Gemeinde, gesagt, wie schwer die Zeit für ihn als Pastor war. Einige von euch wissen das vielleicht nicht, aber so mancher Pastor macht auch Schweres durch, manchmal sogar von der eigenen Gemeinde. Dieser Bruder sagte zu mir: „André, ich war einmal auf der Mitgliederversammlung, und es stand ein Mann auf und sagte mir ins Gesicht: ‚Lege dein Amt nieder!‘ Dann stand ich hier vor der Gemeinde und wurde beschossen.“
Aber André, weißt du, was ich diesem Bruder gesagt habe? „Ich habe nicht dir mein Versprechen gegeben, sondern ihm.“ Und deswegen mache ich weiter.
Durchhaltevermögen im Dienst, weil wir wissen, wer uns beauftragt hat. Das ist das, was wir brauchen. Schaut mal: Nicht wir entscheiden, wo wir dienen und wo nicht. Nicht wir entscheiden, was wir sagen und was nicht. Nicht wir entscheiden, unter welchen Umständen wir Gott dienen und unter welchen nicht. Das entscheiden nicht wir.
Wenn er der Herr ist, dann sind wir Sklaven und zugleich Kinder. Und wenn er der Herr ist, dann entscheidet er, wo wir dienen und wie lange wir dienen. Er entscheidet.
Ich möchte dich ermutigen: Wenn Gott dich gerade in der Jugendarbeit hier gebraucht, mach weiter, auch wenn es manchmal hart ist. Wenn du in der Kinderarbeit hier bist und die Kinderstunden machst, und manchmal bekommst du nicht einmal einen Dank, sondern vielleicht sogar Kritik von anderen Eltern, mach weiter. Denn du bist genau da, wo Gott dich haben will.
Sei dir deines Auftrags bewusst! Wir brauchen Durchhaltevermögen, damit wir nicht beim Gegenwind direkt aus dem Dienst aussteigen. Das können wir von Amos lernen: Er hält die Stellung. Er sagt: Ich werde weitermachen, weil Gott mich hier hingestellt hat. Deswegen sagst du mir nicht, dass ich aufhören soll zu predigen.
Wahrheit trotz Widerstand verkünden
3. Verkündige die Wahrheit
Wir kommen zum letzten Punkt. Hier haben wir offensichtlich einen Interessenskonflikt, oder? Amasja sagt: „Hör auf zu predigen!“ Amos antwortet: „Gott hat mich berufen.“ Wie wird Amos reagieren?
In den Versen sechzehn und siebzehn heißt es: „So höre nun das Wort des Herrn! Du sprichst: ‚Weiß ich nicht, dass Israel nicht mehr sein wird?‘ und du eiferst nicht mehr für das Haus Isaak. Darum spricht der Herr: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durch das Schwert fallen. Dein Acker wird mit der Messschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Land sterben, und Israel wird aus seinem Land vertrieben werden.“
Bis hierhin lautet der dritte Punkt: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verkünde die Wahrheit.
Der Punkt lautet nicht: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, frisiere die Wahrheit.
Der Punkt lautet nicht: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verwässere die Wahrheit.
Der Punkt lautet nicht: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verschweige die Wahrheit.
Der Punkt lautet: Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verkündige die Wahrheit.
Was hier passiert, ist Folgendes: Amasja sagt Amos ins Gesicht, dass seine Predigten zu hart seien. Er predigt gegen die Sünde, er predigt Gericht. Man will nicht mehr, dass er hier predigt. Amos sagt darauf: „Ich habe ein Wort für dich: Deine Frau wird zur Hure.“ Und er predigt einfach weiter das Wort Gottes – einfach die Wahrheit.
Er hat sich vorhin beschwert, dass Israel aus seinem Land gefangen weggeführt werden wird. Amasja sagt: „Amos, hör auf, das zu sagen!“ Amos antwortet: „Ich habe eine Predigt für dich: Israel wird gefangen weggeführt werden.“ Versteht ihr? Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verkünde einfach die Wahrheit. Einfach weitermachen, einfach zum Wort Gottes stehen.
Ich war vor einiger Zeit in einer Nachbargemeinde zum Predigen eingeladen. Ich habe nicht immer die Zeit, neue Predigten vorzubereiten. Was ich dann mache, ist Folgendes: Wenn ich woanders eingeladen werde, schicke ich dem Pastor manchmal eine Liste mit Predigten. Mir ist es lieb, dass er entscheidet, was ich predigen soll. Er weiß, was gerade für seine Gemeinde dran ist. Ich habe ihm einen Vorschlag gemacht: Diese Predigten könnte ich bei euch halten, und er wählt sich eine bestimmte aus.
Nachdem er ausgewählt hatte, sagte er: „Übrigens, André, was du auch noch wissen solltest: Gerade an diesem Sonntag wird eine CDU-Abgeordnete bei uns im Gottesdienst sein, und der Vertreter des Immigrationsrates, ein Moslem, wird auch im Gottesdienst sein.“ Ich schaute mir die Predigt an, die er ausgewählt hatte, und hatte jetzt diese Hintergrundinformation: CDU-Abgeordnete und Politiker sind im Gottesdienst, und ein Moslem vom Immigrationsrat wird ebenfalls dabei sein.
Ich muss zu meiner Schande sagen, ich habe die Predigt noch einmal auf meinem Laptop geöffnet und noch einmal darüber geschaut – immer mit der Brille dieser Leute. Ich habe angefangen zu denken: Ja, okay, das könnte ich auch ein bisschen anders formulieren. Dann habe ich mir irgendwann selbst die Frage gestellt: Nee, das ist doch eigentlich nicht richtig, oder? Aber die Versuchung war da.
Ich liebe meine Frau, meine Frau ist schwarz-weiß. Ich habe mit ihr darüber gesprochen und gesagt: „Ich habe gerade das und das, das ist so eine Versuchung für mich, dass ich das ein bisschen anders sage.“ Sie sagte: „André, predige einfach das Wort.“ Ich antwortete: „Ja, stimmt, nichts verändert.“
Ich ging in diesen Gottesdienst. Ich saß in der ersten Reihe. Sie kamen alle mit Ehepartnern, und sie saßen direkt in der Reihe hinter mir – eine komplette Delegation hoher Politiker im Gottesdienst. Ich ging auf die Kanzel. Ich war an diesem Tag schwach, aber der Herr hat mir Gnade geschenkt.
Ich sagte: Jesus ist der einzige Weg. Niemand kommt zum Vater außer durch Christus. Und weißt du, da war so eine Tür, und am liebsten hätte ich „Amen“ gesagt und wäre direkt rausgegangen. Versteht ihr? Nach dem Gottesdienst setzte ich mich hin. Sofort nach dem Gottesdienst kam der Moslem auf mich zu. Ich dachte: Jetzt knallt es. Er kam auf mich zu und sagte: „Vielen Dank für Ihre Predigt, das hat mich sehr angesprochen.“
Ich dachte nur: Ich Tor, da wollte ich die Wahrheit ein bisschen verändern, ein bisschen anpassen. Aber das, was die verlorene Welt braucht, ist die Wahrheit.
Gott hat sich so sehr dazu bekannt, gerade auch durch diese Predigt, und hat mich so ermutigt: André, wenn die Wahrheit nicht jedem passt, stehe zur Wahrheit!
Denn das, was die verlorene Welt braucht, ist die Wahrheit – das Wort Gottes, ungekürzt, unverwässert, so wie es steht. So predigen wir es.
Die Wahrheit in der heutigen Welt
Es wird gesagt, in dieser Welt sei das Universum durch einen Urknall entstanden oder durch die Evolution. Wir sagen: Es steht geschrieben in 1. Mose 1,1: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
In dieser Welt wird gesagt, der Mensch sei von sich aus gut. Wir sagen: Es steht geschrieben in Römer 3,23: „Denn alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck.“
Es wird gesagt, es gebe viele Wege in den Himmel. Wir sagen: Es steht geschrieben in Apostelgeschichte 4,12: „In keinem anderen ist das Heil, und auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den sie selig werden sollen.“
In unserem Land wird gesagt, Abtreibung sei das Recht jeder Frau: „Mein Bauch gehört mir.“ Unsere Antwort beginnt mit Es steht geschrieben in 2. Mose 20,13: „Du sollst nicht töten.“
Es wird gesagt, die Bibel sei nicht ernst zu nehmen, sie sei eine Sammlung von Mythen, Legenden und Märchen. Wir sagen: Es steht geschrieben in 2. Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben.“
In unserer postmodernen Welt wird gesagt, es gebe keine allgemeingültige Wahrheit mehr. Jeder habe seine eigene Wahrheit, Wahrheit sei relativ. Wir sagen: Es steht geschrieben in Johannes 17,17: „Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit.“
Es wird gesagt, Homosexualität sei ein alternativer Lebensstil. Wir sagen: Es steht geschrieben in 1. Korinther 6,9-10: „Macht euch nichts vor, keiner, der ein unmoralisches Leben führt, Götzen anbetet, die Ehe bricht oder homosexuelle Beziehungen hat, wird am Reich Gottes teilhaben.“
Es wird gesagt, Kinder seien ein Hindernis auf dem Weg zur großen Karriere. Wir sagen: Es steht geschrieben in Psalm 127,3: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“
Es wird gesagt, man solle versuchen, das Beste aus seinem Leben zu machen, sich selbst lieben und verwirklichen. Wir sagen: Es steht geschrieben in Lukas 9,23: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Ihr Lieben, ich könnte noch viele andere Bereiche aufzählen. Ich wollte damit einen Punkt machen: Unsere Antwort fängt immer an mit den Worten „Es steht geschrieben.“
Wenn die Wahrheit nicht jedem passt, verkündige die Wahrheit. Amen.
Schlussgebet und Segenswünsche
Lass uns aufstehen und mit einer Gebetsgemeinschaft schließen.
Herr, wir danken dir dafür, dass wir dein Wort haben und darin Wahrheit finden. Wir brauchen immer wieder deine Wahrheit, denn uns begegnen so viele Lügen – Lügen aus der Gesellschaft, Lügen aus den Medien, aber auch Lügen, die aus unserem eigenen Herzen kommen, weil unser Herz trügerisch ist.
Herr, hilf uns immer wieder, dass wir uns an deiner Wahrheit orientieren, an deinem Wort, in erster Linie an deinem Wort. Aber hilf uns auch, für dein Wort einzustehen, selbst wenn das mit Anfeindungen verbunden ist.
Herr, bitte hilf uns, die Wahrheit aufrechtzuerhalten. Die Gemeinde ist eine Grundfeste der Wahrheit, heißt es in deinem Wort.
Ich möchte dich bitten, dass du diese Gemeinde auch dabei segnest, Herr, dass du jeden Einzelnen, der heute zugehört hat, segnest, damit er die Wahrheit hochhält.
Herr, wir wollen die Wahrheit den Menschen nicht einfach um die Ohren hauen. Wir wollen die Wahrheit in Liebe weitersagen. Herr, bitte hilf du uns, Liebe und Wahrheit immer beisammenzuhalten, damit wir ein Segen sein können für die verlorene Welt.
Herr, wir haben heute auch über die Macht des Gebets gesprochen. Ich möchte dich bitten, dass du den Geschwistern, die ungläubige Familienangehörige haben, neuen Mut schenkst, weiter im Gebet für die Errettung dieser Seelen einzustehen.
Herr, ich bitte dich, dass du die Gebetsstunden dieser Gemeinde noch mehr füllst und dass wir alle gemeinsam – auch wir in Köln – als Gemeinden noch mehr erkennen, wie wichtig es ist, auf den Knien zu sein.
Nicht nur während der Gebetsstunde, sondern auch im stillen Kämmerlein, Herr, dass wir betende Christen sind, in der Erwartung, dass du Großes tun kannst.
Herr, nun bitte ich dich, dass du uns auch jetzt auf dem Heimweg bewahrst und uns segnest beim Nachdenken über dein Wort. Amen!
Wir setzen uns aber noch einmal kurz hin.