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Religiös oder ein neues Herz?

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 9/33
23.03.2025Römer 2,17-29
SERIE - Teil 9 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Wie echt ist dein Glaube? Der Text prangert Heuchelei an: Wer sich fromm gibt, aber Gottes Gebote bricht, schadet dem Glauben und macht ihn unglaubwürdig. Es geht um mehr als Traditionen oder äußere Zeichen wie Taufe oder Beschneidung – wahre Zugehörigkeit zeigt sich im Herzen und im gelebten Glauben. Bist du wirklich neu geboren oder nur ein Nachahmer? Wie sieht dein echtes Glaubensleben aus?

Einführung in den Text und Thema der Heuchelei

Wir wollen gemeinsam einen weiteren Abschnitt aus dem Römerbrief lesen, und zwar Römer Kapitel 2, Verse 17 bis 29.

Siehe, du nennst dich einen Juden, verlässt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes. Du kennst seinen Willen und verstehst zu prüfen, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist. Du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht für die, die in der Finsternis sind, ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen. Du hast den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz.

Nun also, du lehrst andere, dich selbst aber lehrst du nicht? Du verkündest, man solle nicht stehlen, und stiehlst selbst. Du sagst, man solle nicht Ehe brechen, und brichst selbst die Ehe. Du verabscheust die Götzen und begehst dabei Tempelraub. Du rühmst dich des Gesetzes und verunehrst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes. Denn der Name Gottes wird um euretwillen gelästert unter den Heiden, wie geschrieben steht.

Die Beschneidung nämlich hat nur Wert, wenn du das Gesetz hältst. Bist du aber ein Übertreter des Gesetzes, so ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden. Wenn nun der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes befolgt, wird ihm dann nicht seine Unbeschnittenheit als Beschneidung angerechnet werden? Und wird nicht der von Natur Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, dich richten, der du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist?

Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, und auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht. Sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist. Und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

Der Herr segne euch alle. Amen.

Worum geht es hier in diesem Textabschnitt? Es geht um Heuchelei, um fromme Heuchelei. Zusammengefasst haben wir es gerade gelesen, ich will es nicht noch einmal vorlesen, aber die Verse 17 und 23 sagen uns: Siehe, du nennst dich einen Juden, du rühmst dich des Gesetzes und verehrst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes. Du bist nicht, was du vorgibst zu sein. Du täuschst, führst ein Doppelleben, hast den Schein von Frömmigkeit, aber diese scheinbare Frömmigkeit hat keine Auswirkungen.

Jesu Urteil über Heuchelei und Paulus’ Warnung

Mit nichts, liebe Gemeinde, ist Jesus mehr ins Gericht gegangen als mit der frommen Heuchelei. Sie ist eine der abscheulichsten Sünden, in die ein Mensch verstrickt sein kann.

Jesus hatte es leichter mit den Ehebrechern und Huren sowie mit den Zöllnern und Sündern als mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. In Matthäus 23,27 sagt er: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler, ihr gleicht getünchten Gräbern, die äußerlich zwar schön scheinen, inwendig aber voller Totengebeine und aller Unreinheit sind.“

Obwohl Paulus bereits ein großer Apostel war, nahm er diese Warnung des Herrn ernst. Er schrieb im 1. Korintherbrief: „Damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde.“ Es ist eine große Versuchung, anderen zu sagen, was sie alles falsch machen, während man heimlich dasselbe tut oder sogar noch Schlimmeres treibt.

Genau das war die große Sünde, in der viele Juden, insbesondere die religiöse Elite, verstrickt waren.

Die Heuchelei der religiösen Elite im Blick auf das Gesetz

Wie beschreibt Paulus nun ihre Heuchelei? Worin besteht sie und wie kommt sie zum Ausdruck?

Der Vers lautet: „Du rühmst dich des Gesetzes.“ Heute würden wir vielleicht sagen: „Du rühmst dich der Bibel.“ Die Juden hatten tatsächlich Grund zum Ruhm, Grund sich zu freuen. Sie waren ein bevorzugtes Volk. Mit keiner anderen Nation hat Gott je einen Bund geschlossen – nur mit Israel.

Nur diesem Volk hatte Gott sich offenbart und ihm das heilige und ewig gültige Gesetz gegeben. Dazu kamen noch die Verheißungen und die Propheten. Deshalb hat der Herr einst im fünften Buch Mose zu ihnen gesagt: „Denn ein heiliges Volk bist du für den Herrn, deinen Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, aus allen Völkern erwählt.“

Das war Israel – so wie Israel war und ist keine andere Nation auf der Erde herausgehoben, gesegnet, geehrt und erwählt. Paulus fragt: Was hat nun der Jude für einen Vorzug? Das kommt in Kapitel 3, Vers 1: „Was hat der Jude für einen Vorzug?“ Die Antwort in Vers 2 und 3 lautet: „Fiel in jeder Hinsicht.“ Israel ist ein von Gott auserwähltes, erhöhtes Volk, mit dem er Heilsgeschichte schrieb.

Jesus hat uns gesagt: „Das Heil kommt aus den Juden.“ Aus keinem anderen Land oder keiner anderen Nation kommt das Heil, sondern aus dem Volk der Juden, weil Gott es dazu erwählt hat. Er fügt hinzu: „Ihnen gehören die Bündnisse.“ Paulus ergänzt: „Ihnen gehören die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst, die Väter. Und von ihnen stammt dem Fleisch nach Christus, der über alle ist, hoch gelobt in Ewigkeit.“

Verantwortung und Versagen des Volkes Israel

Ja, liebe Gemeinde, die Juden sind ein besonderes Volk. Sie sind die Auserwählten Gottes und haben das heilige Gesetz im Zuge einer Offenbarung am Berg Sinai von Gott persönlich empfangen.

Wer so bevorzugt ist, hat auch Verantwortung. Er sollte diesem Gottesbund treu bleiben. Es reicht nicht, sich des Gesetzes nur zu rühmen oder sich darauf selbstgefällig auszuruhen. Vielmehr sollte man das Gesetz auch tun und entsprechend dieser Erwählung leben.

Das Volk sollte seiner Bevorzugung entsprechend leben und ein Vorbild sein. Doch darin haben, hört gut zu, bis auf einen begnadeten Überrest in Israel alle versagt – besonders die religiösen Leiter. Das ist der Vorwurf des Textes.

Ihr habt einen unglaublichen Vorzug: Ihr habt die Offenbarung, ihr habt das Gesetz, ihr habt die Verheißung eines Messias. Aber ihr habt ihn verworfen, ihr habt das Gesetz übertreten und nicht geglaubt – bis auf einen geringen Teil.

Paulus vergleicht diesen geringen Teil später im Römerbrief mit den siebentausend, die ihre Knie vor Baal nicht gebeugt haben (Römer 11,4). Dieser geringe Überrest in Israel ist diesen Weg des Abfalls nicht gegangen, aber alle anderen sind ihn gegangen.

Gott hat sie samt der Verheißung des Messias verworfen. Israel ist im Unglauben gestorben, bis auf diesen Überrest.

Warnung an Christen und Bedeutung der Taufe

Dabei – und das ist jetzt der Punkt – hielten sie aber am äußeren Judentum und an den religiösen Traditionen fest.

Und genau hier liegt die ernste Warnung auch für Christen, für uns. Dieser Text richtet sich vielmehr an uns. Paulus beschäftigt sich mit den Juden als einem Juden. Ich habe nicht das Recht, mit Juden hier zu rechten. Aber das, was Gott mir gegeben hat, ist, mit der Gemeinde hier zu sprechen.

Aufgrund dieses Textes steht die Warnung auch für uns Christen in Jakobus 3,1: „Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein strengeres Urteil empfangen werden.“ Denn auch wir haben von Gott mächtiges empfangen. Je mehr wir von ihm empfangen, je mehr Erkenntnis wir besitzen, desto größer wird unsere Pflicht.

Denn so sagte der Herr Jesus in Lukas 12: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.“

Ihr Lieben, die ihr den Vorzug habt, euch Christen zu nennen, die ihr aus einem gläubigen Elternhaus kommt, die ihr in der Sonntagsschule von Jesus unterwiesen wurdet wie keine anderen Kinder in Deutschland und auf der Welt: Ihr habt viel über das Evangelium gelernt und euch vielleicht über die Sünder dieser Welt erhoben.

Wir rühmen uns unserer christlichen Ethik. Von uns wird mehr erwartet als von den anderen. Von uns wird erwartet, dass wir auch wirklich sind, was wir vorgeben zu sein.

Die Gefahr der Heuchelei und ihr Einfluss auf das Zeugnis

Und so sagt Paulus noch einmal in unserem Abschnitt: Du nennst dich einen Juden und kennst Gottes Willen. Du verstehst es, zu prüfen, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist.

Und du traust dir sogar zu, ein Leiter der Blinden, der Nichtwissenden und der Unwissenden zu sein. Du willst ein Licht für die sein, die in der Finsternis sind, ein Erzieher der Unverständigen und ein Lehrer der Unmündigen. Du hast den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz.

Nun also lehrst du andere, dich selbst, aber du lehrst nicht.

Und jetzt folgt ein schwerwiegender Vorwurf, liebe Gemeinde, der uns alle angeht: Denn der Name Gottes wird um eueretwillen gelästert unter den Heiden. Fromme Heuchler sind ein Anlass für die Heiden, Gott zu lästern.

Was haben die Christen bloß für einen Gott? Sie glauben ja selbst nicht an das, was sie predigen. Sie zanken sich in ihrer Ehe und lassen sich scheiden, genauso wie wir.

Und dann hört die ganze Welt von großen Predigern, die Millionen durch Spenden armer Menschen gesammelt haben, von Finanzbetrug und Steuerhinterziehung. Sie haben immer gut gepredigt und andere gelehrt, nur sich selbst nicht. Und andere Frauen hatten sie auch noch.

Wir sind unglaubwürdig. Wir veranlassen die Welt, über unseren Gott zu lästern. Ich gehe davon aus, dass wir solche schrecklichen Heuchler hoffentlich nicht sind.

Aber immer wieder möchte ich ein ganz einfaches Beispiel nennen: Unsere Nachbarn beschweren sich über uns, weil wir auf ihren Grundstücken parken. Du fährst am Sonntagmorgen zur Arche zum Gottesdienst – natürlich zu spät, denn alle Parkplätze sind belegt. Also stellst du dein Fahrzeug widerrechtlich irgendwo ab.

Und während es da so steht und der Nachbar wütend überlegt, den Abschleppdienst zu rufen, stehst du in der Arche mit erhobenen und gottgeweihten Händen, lobst den Herrn und sagst: Herr, lass die Arche zum Licht unserer Nachbarn werden.

Und während du betest, bekommen die Nachbarn einen Wutanfall. Sie sind voller Ärger und Zorn. Du tust das Gegenteil von dem, was Jesus sagt: "Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

So soll es sein. Aber wenn wir ihnen statt guter Werke unsere bösen Werke zeigen, dann veranlassen wir sie nicht, unseren Vater im Himmel zu preisen, sondern ihn zu verlästern.

Und das geschieht, wenn wir Christen mit zwei Gesichtern sind, wenn wir Scheinkristen und nicht Realkristen sind, wenn wir mit unseren Lippen bekennen, aber mit unserem Herzen und unserem Handeln fern von Gott sind.

Die wahre Bedeutung der Beschneidung und des Glaubens

Und jetzt kommt Paulus in Vers 25 zum Punkt, was wirklich zählt. Er schreibt, er komme zur Beschneidung. Die Beschneidung nämlich hat nur dann Wert, wenn du das Gesetz hältst. Bist du aber ein Übertreter des Gesetzes, so ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden.

Das heißt: Die Beschneidung im Judentum, durch die die Zugehörigkeit zum Bundesvolk Gottes gekennzeichnet werden sollte, ist nur dann von Wert, wenn sie auch mit Leben erfüllt wird. Sie muss sich durch einen gottgemäßen Lebenswandel als wirksam erweisen.

Und, Freunde, das gilt wiederum auch für uns Christen. Im neuen Bund werden die Dazugehörigen nicht mehr beschnitten, sondern sie werden getauft.

Jetzt kommen wir zu euch: Wie die Beschneidung ist auch die Taufe nur ein Zeichen. Im Laufe der Kirchengeschichte sind unendlich viele Menschen getauft worden, als Baby oder auch als Erwachsene. Aber ihre Taufe ist nie durch eine echte Christusnachfolge bestätigt worden.

So sind tragischerweise Millionen getaufter und konformierter Menschen in der Hölle gelandet. Es geht hier jetzt weniger um die Juden, sondern um die Christen.

Wir haben auch gehört, dass Pfarrer dringend zu sterbenden Neugeborenen ins Krankenhaus gerufen werden, um sie schnell noch zu taufen. Ein paar Wassertropfen sollen sicherstellen, dass sie in den Himmel kommen.

Aber weder durch die Beschneidung noch durch die Taufe kommt man in den Himmel. Sondern nur dann, wenn das, was als Botschaft hinter dem Zeichen steht – hinter dem Zeichen der Taufe in unserem Fall –, auch Wirklichkeit wird. Wenn daraus ein schriftgemäßes Leben entsteht.

Nur nebenbei: Um Babys brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, wenn sie sterben. Jesus hat gesagt, ihnen gehört das Himmelreich.

Durch das Zeichen der Beschneidung und durch das der Taufe wird man vor Gott weder ein Jude, ein wahrer Jude, noch ein wahrer Christ.

Die innere Beschneidung des Herzens als entscheidendes Kriterium

Deshalb wird der Apostel noch deutlicher. Vers 28: Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist das nicht die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach.

Hier haben wir nun die Antwort: Nur ein verändertes Herz zählt, nicht eine veränderte Sprache, nicht die Taufe, nicht die Beschneidung, nicht die Konfirmation, nicht irgendeine Kirchenmitgliedschaft. Auf das Herz kommt es an. Wenn das Herz verwandelt ist, dann ist auch das Leben verwandelt.

Es geht um die Frage: Wollen wir echt sein? Wollen wir nur angemalt sein als Christen oder wollen wir durch und durch ehrlich, aufrichtige Christen sein? Nicht Falschgeld, sondern echtes Geld, das Wert hat – das ist der Punkt.

Darum hat Jesus gesagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von Neuem geboren wird. Das gilt jetzt auch für die lieben Täuflinge. Das ist die Prüfung eures Herzens, das hat Pastor Andi mit euch besprochen.

Vollzieht ihr nur einen äußeren kirchlichen Ritus oder seid ihr von Neuem geboren? Ist Jesus in eurem Herzen? Habt ihr Jesus lieb, gehorcht ihm auch, tut, was er sagt, und folgt ihm nach? Das gilt uns allen, das ist der Punkt.

Dieser Maßstab, die neue Geburt, gilt für alle Menschen, sowohl für Juden als auch für Heiden. Niemand gilt vor Gott als Jude, der es nur von der Abstammung her ist und sich nur an die Traditionen hält. Sondern der ist ein Jude, der innerlich beschnitten ist, das heißt von Neuem geboren und entsprechend lebt.

Und auch nur der ist ein Christ, der innerlich getauft ist, innerlich beschnitten ist, wie Paulus in Kolosser 2 nochmals formuliert und unterstreicht: der innerlich beschnitten ist mit der Beschneidung des Christus durch das Ablegen des fleischlichen Lebens der Sünden.

Die Wiedergeburt als universeller Weg zum Heil

Oft wird behauptet, dass die Juden einen anderen Heilsweg hätten als die Gemeinde. Es heißt, die Wiedergeburt sei für die Heiden notwendig, aber nicht für das Volk Israel. Doch das ist falsch.

Wenn man Hebräer 11 aufschlägt, begegnet einem eine große Zahl von wiedergeborenen Juden aus dem Alten Testament. Sie werden aufgezählt; wir nennen sie gerne die Glaubenshelden. Darunter sind Abel, Henoch und Noah, Abraham, der Vater aller Glaubenden, von dem Jesus gesagt hat, dass er seinen Tag gesehen hat.

Dann hören wir von Isaak, Jakob und Joseph, ebenso von Mose. Über ihn heißt es, dass er die Schmach Christi für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens. Er hat an Jesus geglaubt. Außerdem werden alle gläubigen Israeliten erwähnt. Der Schreiber des Hebräerbriefes fasst sie kurz zusammen:

„Und was soll ich noch sagen? Die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon und Barak und Simson und Jephtha und David und Samuel und den Propheten. Sie alle, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen, in Höhlen und Löchern der Erde. Diese alle haben das Verheißene nicht erlangt, sie sind zu dem verheißenden Christus nicht gekommen, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.“

Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben – und jetzt kommt es – lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt. Lasst uns die Sünde ablegen.

Sie alle waren wiedergeboren und lebten im lebendigen Glauben an den kommenden Christus, an die Verheißung ihres Messias. (Hebräer 11)

Die Glaubensgemeinschaft des Alten Testaments und ihre Bedeutung für die Gemeinde heute

Dazu gehören auch Simeon und Hanna zu Weihnachten. Wir kennen sie. Sie alle waren die Wiedergeborenen, die am Herzen Beschnittenen, die Juden, der Überrest der Glaubenden. Sie haben ihre Knie vor Baal nicht gebeugt und sind nicht abgefallen. Das war das wahre Israel, das glaubende Israel.

Sie lebten im lebendigen Glauben an den kommenden Christus. Schon damals waren sie am Herzen beschnitten und bildeten die Gemeinde des Alten Testamentes.

Weil wir eine solche Wolke von Glaubenszeugen um uns haben, staune ich oft. Ich habe immer so oberflächlich gelesen. Es heißt nicht nur, dass wir eine solche Wolke von Zeugen vor uns haben, sondern dass wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben. Sie sind um uns.

Die Wolke der Zeugen, der Wiedergeborenen und Glaubenden des Alten Testamentes, ist mit uns vereint. Wir sind eine Gemeinde, die am Herzen beschnitten ist.

Und weil wir eine solche Wolke von Glaubenszeugen um uns haben, sind sie unser Ansporn, unsere Sünde abzulegen, der Heiligung nachzujagen und nicht nur Hörer des Wortes, sondern auch Täter zu sein.

Die jüdischen Wurzeln der ersten Christen und die Fortsetzung der Glaubensgemeinde

Zu dieser großen, wiedergeborenen Judengemeinde gehörten auch die Jünger Jesu. Er war der Pastor der allerersten Christengemeinde auf der Welt. War dieser Pastor ein Jude oder ein Heide? Es war ein Jude. Sein Name war Jakobus, der Pastor von Jerusalem, ein Jude. Auch Paulus war ein Jude. Es waren keine Heiden, sondern Juden, die das weltweite Christentum begründet haben.

Diese jüdischen Glaubenshelden, die am Herzen Beschnittenen, sind die Wurzel des Ölbaums, von dem der Apostel noch in Römer 11 schreibt. In diesen Ölbaum wurden wir Heidenchristen eingepflanzt. Manchmal wird dieses Einpflanzen der Heidenchristen in den Ölbaum Israels so verstanden, als würden wir ins fleischliche, säkulare Israel, also ins ethnische Israel eingepflanzt. Das ist jedoch nicht wahr.

Wir sind eingepflanzt in das Israel Gottes, das glaubt, das am Herzen beschnitten ist, also in das wiedergeborene Israel. Deshalb vertreten wir auch keine sogenannte Ersatztheologie, wie uns oft unterstellt wird. Die neutestamentliche Gemeinde Jesu ist kein Ersatz, sondern eine Fortsetzung.

Der Gründer unserer Gemeinde ist nicht Bruder Böttcher, sondern Abraham. Er ist der Vater aller Gläubigen. Die Gemeinde Jesu ist die Fortsetzung der seit Abraham bestehenden Glaubensgemeinde innerhalb Israels. Darum sagt die Schrift, dass alle, die aus Glauben sind, Abrahams Kinder sind.

Damit taten sich die gebürtigen Juden sehr schwer, vor allem die religiösen Führer. Sie pochten darauf, Kinder Abrahams zu sein; sie wollten Juden sein, Kinder Abrahams.

Jesu und Johannes’ klare Worte zur wahren Zugehörigkeit zu Abraham

Wiewohl sie es biologisch waren, widersprach ihnen Johannes der Täufer trotzdem. Er rief wörtlich: Matthäus 3, "Denkt nicht, sagen zu können, wir haben Abraham zum Vater." Und jetzt kommt der Hammersatz: "Die Axt ist bereits an eure Wurzel gelegt."

Jesus wurde mit derselben Sache konfrontiert und schlug den gleichen Ton an, als die Juden um ihn herum behaupteten, Abraham sei ihr Vater. Hört mal, das ist hammerhart und erschreckend. Sie pochten darauf, Abraham sei ihr Vater. Und was antwortet Jesus? "Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so würdet ihr Abrahams Werke tun. Ihr habt den Teufel zum Vater."

Die Botschaft ist klar: Alle diejenigen, die meinen, lediglich aufgrund ihrer Abstammung auf den Himmel hoffen zu können, sind nicht Gottes Volk, sondern sie sind verloren.

Paulus wiederholt diese Wahrheit später in Römer 9, Vers 6 noch einmal. Er verwendet dafür ein ganzes und ein halbes Kapitel. "Nicht alle", schreibt er, "die von Israel abstammen, sind Israel." Wir heißen: Jude ist nicht gleich Jude. Und Christ ist nicht gleich Christ.

Mit dieser Unterscheidung war Paulus vor dem verderblichen Irrtum bewahrt, ein Jude sei schon deshalb gerettet, weil er ein Jude ist. Nein, ist er nicht. Und niemand ist ein Christ, weil er eine christliche Oma hatte. Niemand ist ein Christ, weil er sich so nennt, weil er in einem christlichen Land aufgewachsen ist, weil er christliche Bräuche pflegt und christliche Feiertage hält, weil er christlich getauft ist.

Nein, nur die, die aus Gnade von Neuem geboren sind und entsprechend ihrem Bekenntnis auch leben – ehrlich, glaubwürdig, authentisch leben – die sind wirklich Christen.

Ihre Anerkennung, wie Paulus nun ganz zum Schluss in Vers 29 schreibt, kommt nicht von Menschen. Du kannst von Menschen für deinen Christsein Anerkennung bekommen, regelmäßig in der Kirche den Zehnten geben, alle wunderbaren christlichen Sachen tun, und die Menschen applaudieren dir. Aber Gott sieht ins Herz hinein, sieht das Verborgene in deinem Herzen und applaudiert nicht.

Aber wenn du von Neuem geboren bist und innerlich das bist, was du nach außen ausstrahlst, dann hast du Anerkennung von Gott – Anerkennung nicht von Menschen, sondern von Gott.

Schlussfolgerung und Aufruf zur Selbstprüfung

Zum Schluss: Welche Konsequenz sollten wir, liebe Gemeinde, aus unserem heutigen Bibelabschnitt ziehen? Ihr habt gemerkt, ich habe versucht, die Predigt zeitlich ein wenig zu komprimieren, da wir ja auch noch die Taufe haben.

Überprüfe dich selbst: Bist du wirklich im Glauben oder nur eine Imitation eines Christen?

Ich hatte unseren lieben Praktikanten, Niklas, gebeten, sich meinen heutigen Bibeltext schon einmal anzuschauen und mir eine kleine Idee für eine Predigt zu verfassen. Das hat er gemacht. Ich weiß nicht, ob Niklas heute hier ist oder auf Station – super, super!

Er hat gesagt: Stell dir mal vor, da ist ein wunderbares Schälchen, ein Bankett, und darin liegen köstliche Früchte und Äpfel. Du hast richtig Appetit, dir läuft das Wasser im Mund zusammen, du greifst zu und möchtest hineinbeißen – und hast Plastik in der Hand. Ich habe gedacht, das ist ein gutes Beispiel.

Haben unsere Mitmenschen Plastik in der Hand, wenn sie unser Christentum anfassen und „schmecken“ wollen? Oder sind wir ein guter Geruch, wie der Apostel sagte, vor der Welt und den Heiden? Ehren wir Gott mit unseren Werken? Gott schaut ins Verborgene!

Ich möchte mich besonders an solche lieben Menschen wenden, die möglicherweise in gewisser Hinsicht ein Doppelleben führen. Geht das ganz schnell? Gibst du dich nach außen als Christ, während heimlich ganz andere Vorgänge bei dir ablaufen? Wo bist du unterwegs, wenn du allein bist? Gott schaut ins Verborgene und sieht dein religiöses Schauspiel.

Bitte Jesus um Vergebung und rufe mit dem Psalmisten: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz! Und gib mir einen neuen, beständigen Geist!“ Du kannst ein Doppelleben nicht lange aushalten. Es kommt irgendwann ans Licht, das Kartenhaus bricht zusammen.

Ich rate dir aufgrund dieses Textes: Werde ehrlich vor Gott und auch vor Menschen. Bitte Jesus, dir seinen Heiligen Geist in dein Inneres zu geben – für eine Herzensbeschneidung. Dann wirst du erlöst von der Schande, die du vor dir selbst empfindest, wenn du aus der Dunkelheit deines Privatlebens kommst und wieder in die Öffentlichkeit des Religiösen trittst.

Diese Spannung ist furchtbar. Hör damit auf! Wenn du das tust und dich Jesus anvertraust, wirst du Teil der wunderbaren Verheißung des neuen Bundes. Diese Verheißung steht schon im Alten Testament und war damals schon gültig:

„Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen, in ihr Herz schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“

Dann versuchst du, mein Freund, nicht mehr über den Buchstaben Christ zu sein, sondern durch dein erneuertes Herz und die Kraft des Heiligen Geistes.

Gott schenke es dir, in Jesu Namen. Amen.

Gebet und Segensbitte für die Gemeinde

Wir stehen auf. Du hast dieses Wort aus Liebe gegeben – den Juden und auch den Christen, uns hast du es gegeben.

Ich möchte dich ganz herzlich bitten für die zwiespältigen Menschen, für diejenigen, deren Leben mit Gott nur vorgetäuscht wird, aber nicht wirklich stattfindet. Sei es bei jungen Menschen oder alten Menschen, bei Ehemännern oder Ehefrauen, bei Alleinstehenden – wer auch immer.

Ich bitte dich, Heiliger Geist: Meine Worte habe ich jetzt in deinem Auftrag gesprochen. Lass sie deine Worte werden und berühre jetzt die Herzen der Menschen.

Schaffe Wahrheit und Ehrlichkeit. Bitte, mein Gott, schenk Buße, schenke Erneuerung, Wiedergeburt und Herzensbeschneidung. Lass diese Menschen noch zum Gebet bleiben, dass sie nicht einfach nach Hause gehen, sondern hilf ihnen, ihr Leben zu klären.

Herr Jesus, lass sie nicht nur Namens-Christen sein, sondern echte, durch und durch echte Christen – so, wie du sie dir schaffst, durch deine Gnade!