Dann wollen wir zu Beginn noch miteinander beten.
Herr Jesus, wir danken dir, dass wir heute Nachmittag wieder einige Kapitel im Buch Jesaja gemeinsam studieren dürfen. Wir wissen, dass wir darin deine Herrlichkeit finden werden.
So bitten wir dich, dass du diese Zeit jetzt segnest, in der wir in Frieden und Ruhe zusammen sind. Richte unsere inneren Augen auf dich. Lass uns dich groß sehen, damit auch die Pläne des Vaters mit dieser Welt für uns groß und wertvoll werden.
Hilf uns zu erkennen, Herr Jesus, dass du das Zentrum all dieser Pläne bist und dass dir alle Ehre gebührt. Amen!
Wir sind bald am Ende mit dem Buch Jesaja. Heute wollen wir die Kapitel 61 bis 64 betrachten. Danach bleibt noch ein Bibelstudientag, um zum Schluss der 66 Kapitel zu kommen.
Wir sind ziemlich Vers für Vers durchgegangen. In dieser einen Rolle findet sich ein gewaltiger Reichtum.
Der Geist des Herrn und die Botschaft des Messias
Jetzt lese ich aus Kapitel 61, ab Vers 1:
Der Geist des Herrn, des Ewigen, ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, um den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, um zu verbinden die Gebrochenen Herzenssinn, Freiheit auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, um auszurufen das Ja der Annahme des Herrn und den Tag der Rache unseres Gottes und zu trösten alle Trauernden, um den trauernden Zions aufzusetzen und ihnen zu geben Kopfschmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie genannt werden Theresebim der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des Ewigen, zu seiner Verherrlichung.
Zunächst einmal bis hierhin: Hier hören wir die Stimme des Messias im Alten Testament. Er verkündet Gottes Gnade und Gottes Gericht.
Wir haben ja in Jesaja bereits vier messianische Gottesknechtgedichte gefunden: Kapitel 42, Verse 1 bis 9, wo Gott über den Messias sagt: „Siehe, mein Knecht“; dann Jesaja 49, Verse 1 bis 13, wo der Messias speziell Europa anspricht. Dort haben wir gesehen, dass das Kapitel sich ganz speziell an die Iyim, die Inseln, richtet. Das hebräische Wort Iyim bezeichnet speziell die Inseln des Mittelmeers auf der europäischen Seite, zusammen mit den Küsten von der Türkei bis nach Spanien. So ist in jedem Fall ganz speziell Europa im Alten Testament gemeint, und der Messias spricht dort Europa ganz besonders an als den Kontinent von allen fünf Kontinenten, der eine ganz besondere Beziehung zu dem Messias bekommen sollte.
Dann haben wir auch Kapitel 50 betrachtet, wo der Messias über seine Geißelung und Misshandlung spricht. Und schließlich das bekannteste, Jesaja 53, eigentlich Jesaja 52, Vers 13 bis 53 am Schluss. Das bekannteste dieser Gottesknechtgedichte, das auch in missionarischer Hinsicht von besonderer Bedeutung ist. Denn wohl die meisten messiasgläubigen Juden – man rechnet heute mit etwa 400 bis 500 Bekehrten weltweit, natürlich nicht in Israel, sondern weltweit – und die meisten sind in den USA und Kanada. Aber die meisten werden wohl bezeugen, dass dieses Kapitel eine Schlüsselstelle für ihre Bekehrung war.
Wir haben aber gesehen, dass dieses Kapitel nicht nur wichtig zur Bekehrung von Juden ist. In Apostelgeschichte 8 sehen wir, wie ein Afrikaner aus Schwarzafrika durch dieses Kapitel zum Glauben an einen Retter kam. Er ging dann zurück mit der Jesajarolle nach Schwarzafrika.
Und jetzt schließlich eben Jesaja 61, Verse 1 bis 3, das letzte in dieser Fünfer-Serie. Die Auslegung finden wir so wunderbar im Neuen Testament, in Lukas 4, wo der Herr Jesus in der Zeit seines öffentlichen Dienstes wieder zurückkam nach Nazareth, wo er die meiste Zeit seines Lebens hier auf Erden verbracht hatte.
Die Erfüllung in Lukas 4: Jesus verkündet die frohe Botschaft
Ich lese aus Lukas 4, Vers 14: „Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück. Und das Gerücht über ihn verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in ihren Synagogen, wurde von allen geehrt. Er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war. Und wie es seine Gewohnheit war, ging er am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.“
Ich muss erklären, wie der Synagogengottesdienst damals im ganzen Land Israel ablief. Zuerst wurde ein Abschnitt aus der Tora verlesen. Die fünf Bücher Mose waren damals so eingeteilt, dass man innerhalb von drei Jahren alle fünf Bücher Mose einmal vollständig durchlas. Erst später in der Geschichte des Judentums wurden die Paraschot, also die Abschnitte, verlängert. Heute sind sie so eingerichtet, dass man in einem Jahr einmal durch alle fünf Bücher Mose hindurchkommt.
Das war die grundlegende Lesung. Danach wurde in einem zweiten Teil ein Abschnitt aus den Propheten verlesen. Nun sehen wir, dass dies der zweite Teil war – die Prophetenverlesung. Und da steht, dass der Herr Jesus aufstand (Vers 17). Ihm wurde das Buch des Propheten Jesaja gereicht. „Buch“ meint hier natürlich eine Rolle. Dieses Wort wurde auch für die Rollen benutzt.
Als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben stand – „aufgerollt“ bedeutet, dass er die Schriftrolle entrollte. Die Kapitelunterteilung gab es damals noch nicht. Es war viel schwieriger, einen Abschnitt zu finden als heute, wo wir die Kapitel- und sogar Verseinteilung haben, die erst viel später hinzukam.
Er schlug die Stelle auf, die wir heute als Jesaja 61 bezeichnen, und las: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen. Er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden das Augenlicht zurückzugeben, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, das angenehme Jahr des Herrn auszurufen.“
Als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich hin. Ich muss erklären: Bis zum heutigen Tag ist es so, dass man beim Lehren des Wortes Gottes in der Synagoge sitzt und nicht steht. Wir sind es vielleicht anders gewohnt, dass man beim Lehren normalerweise steht. Aber damals und bis heute sitzt man in der Synagoge beim Lehren. Deshalb setzt sich der Herr hin.
Vielleicht kennen wir auch Lukas 5, wo Jesus in ein Boot stieg und die Leute am Ufer lehrte. Dort heißt es: „Er setzte sich in das Boot und lehrte die Volksmenge.“ Das war ganz normal, so wie man es auch in der Synagoge machte. Auch bei der Bergpredigt (Matthäus 5) sehen wir, dass Jesus sich setzte, als er die Volksmenge lehrte.
Darum setzt er sich nach der Lesung hin. Nun folgt die Lehre, die Auslegung. Alle Augen in der Synagoge sind auf ihn gerichtet. Er beginnt zu ihnen zu sagen: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.“ Alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen. Sie fragten: „Ist dieser nicht der Sohn Josephs?“ und so weiter.
Der Herr erklärt also, dass diese Worte sich auf ihn beziehen – den Gesalbten mit dem Heiligen Geist. Er nimmt Bezug auf die Salbung, die am Jordan stattfand, als er sich von Johannes dem Täufer taufen ließ. Dort kam der Heilige Geist auf ihn als Menschen.
Jesus ist wahrer Mensch geworden, und am Jordan wurde er für den Dienst der drei Jahre öffentlichen Predigens gesalbt. Das zeigt uns hier in Jesaja 61, dass Jesus Christus selbst spricht: „Der Geist des Herrn, des Ewigen, ist auf mir, weil der Ewige mich gesalbt hat.“
Dann folgt die Aufzählung, wie er gekommen ist, um den Menschen in Not den Ausweg aus der Gefangenschaft der Sünde und der Knechtschaft Satans zu weisen.
Das Jahr der Annehmung und das Jubeljahr als prophetisches Bild
Interessant ist, dass in Lukas 4 das Zitat nur bis zu dem Punkt wiedergegeben wird, wo in Jesaja 61,2 steht: „Um auszurufen das Jahr der Annehmung des Herrn.“ Danach folgt nicht der Teil „Und den Tag der Rache unseres Gottes.“
Wir haben gesehen, dass die Menschen in der Synagoge alle Zeugnis von den Worten der Gnade geben. Der Herr Jesus sagt: „Jetzt ist diese Zeit gekommen“, die ja genannt wird „das Jahr der Annehmung des Herrn“ oder, wie es in Lukas 4 wiedergegeben ist, „das angenehme Jahr des Herrn“. Dieser Ausdruck ist eine Anspielung auf 3. Mose 25, wo es um die Gesetzgebung über das Jubeljahr geht.
Gott hat dort festgelegt, dass die Israeliten in einem Siebenjahrzyklus rechnen mussten. Alle sieben Jahre war ein Sabbatjahr, in dem die Felder brachliegen gelassen werden mussten, damit sie sich erholen konnten. Das war also das siebte Jahr, das Sabbatjahr, das man auch als ein Jahr der Ruhe für die Bauern bezeichnen kann. Die meisten Menschen in Israel zur Zeit des Alten Testaments waren Bauern. Diese Regelung war auch eine Einrichtung zugunsten der Gesundheit.
Nicht nur musste Israel jeden siebten Tag ruhen, sondern auch alle sieben Jahre gab es eine deutliche berufliche Rückstufung. Dann wird in 3. Mose 25 erklärt, dass alle sieben mal sieben Jahre das Jubeljahr ausgerufen wurde. Das war das Jahr der Befreiung und der Erlösung.
Ich muss erklären, dass die Wirtschaft Israels, von Gott geordnet für sein Volk, ganz speziell war. Sie war erhaben über jeglichen Kapitalismus und auch über jeglichen Kommunismus. Jede Familie bekam Grundeigentum im Land Kanaan. Nachdem das Land unter Josua erobert worden war, wurde es unter die zwölf Stämme verteilt, und jede Familie erhielt Grundeigentum.
Das zeigt uns grundsätzlich: Gott will Privatbesitz. Wenn Sozialisten lehren, Eigentum sei Diebstahl, dann ist das eine Lüge und eine Auflehnung gegen Gottes Gedanken. Gott will Privateigentum und schützt es sogar durch die Zehn Gebote, wenn es heißt: „Du sollst nicht stehlen“ und im zehnten Gebot: „Du sollst nicht begehren, was deines Nächsten ist“, gefolgt von einer Aufzählung. Also umfasst das alles. Grundsätzlich will Gott Privateigentum; Kommunismus ist unbiblisch.
Es konnte aber sein, dass es Missernten, Krankheiten, Feuersbrünste und Ähnliches gab, sodass gewisse Familien in Not gerieten. Dann konnten sie ihr Land verkaufen und so Geld oder Kaufkraft freisetzen. Gott hat jedoch einen Riegel vorgeschoben. Das sollte nicht dazu führen, dass eine Masse von mittellosen Leuten entsteht und andere immer mehr Grundeigentum anhäufen und zu Großgrundbesitzern werden.
Nach fünfzig Jahren, also nach sieben mal sieben Jahren, wurde das Jahr der Freiheit mit dem Schofahorn geblasen – am Anfang des Jahres. Das Neujahr ist im Herbst nach dem biblischen Kalender. Dieses Jahr der Befreiung wurde geblasen, und dann mussten alle verarmten Familien wieder in den Besitz ihres ursprünglichen Grund und Bodens zurückkehren. So konnten Großgrundbesitzer nicht beliebig expandieren, und es konnte kein verarmtes Proletariat entstehen. Es ist wunderbar, wie das eingerichtet war.
Damit war auch gesichert, dass je näher man zum Jubeljahr kam, desto weniger Wert der Boden hatte. Es gab eine deutliche Wertschwankung, je nachdem, wo man in Bezug auf das Jubeljahr stand. Dann kam das Jubeljahr, das ein Jahr der Freude war, in dem verarmte Familien, die in Not geraten waren, wieder zu dem Grundeigentum zurückkehrten, das Gott ihnen zugedacht hatte.
In Jesaja 61 sehen wir, dass Gott dies als prophetisches Bild eingerichtet hat. Es sollte zeigen, dass, wenn der Messias kommt, er ein Jubeljahr ausrufen wird. Das Schofahorn, mit dem das angekündigt wurde, spricht von einem Messias, der mit Autorität und Macht Befreiung verkündigen wird.
Im geistlichen Bereich, wenn hier von den Gebundenen im Kerker die Rede ist, sind damit Menschen gemeint, die an Sünde und Satan gebunden sind. Diese werden durch den Messias befreit werden. Das Schofahorn steht hier für Autorität und Kraft. Man muss mal ein Schofahorn ein bisschen auf den Kopf schlagen, dann merkt man, warum es von Autorität und Stärke spricht. Oder man muss mal mit einem männlichen Schaf einen Konflikt bekommen, dann merkt man es auch.
So hat sich das erfüllt, als der Herr Jesus in Nazaret verkündete: „Jetzt sind diese Worte erfüllt.“ Der Retter ist da, und jeder kann befreit werden von Schuld, Sünde und der Gebundenheit an die Macht der Finsternis. Die Menschen waren überwältigt – aber interessant ist, dass sie überwältigt waren über die Worte der Gnade. Der Herr hat das Wort „den Tag der Rache“ nicht ausgeführt, sondern das „Jahr der Annehmung“.
Wir merken den Unterschied: Das Jahr der Annehmung und der Tag der Rache. Der Tag der Rache meint prophetisch nur die letzten Jahre vor der Wiederkunft Jesu Christi als Messias und Richter der Welt. Die große Drangsalszeit wird in der Bibel an vielen Stellen als der Yom Adonai, der Tag des Herrn, bezeichnet. Das ist der Tag des Gerichts und des Wolkendunkels, an dem Gottes Gericht die ganze Erde treffen wird.
Ich habe auf dem Blatt alle Stellen angegeben, an denen dieser Tag des Herrn im Alten Testament beschrieben wird: an vielen Stellen in Jesaja, Hesekiel, Joel, Amos, Obadja, Zephanja, sehr oft in Maleachi und auch im Neuen Testament wird er erwähnt.
Übrigens darf man ihn nicht mit dem „Tag des Herrn“ in Offenbarung 1,10 verwechseln, wo Johannes sagt: „Am Tag des Herrn war ich im Geist“ und dort die Offenbarung empfing. Dieser Ausdruck ist im Griechischen ganz anders als in den Stellen Apostelgeschichte 2,20 oder 1. Thessalonicher 5,2, wo der Tag des Herrn als Gerichtszeit erwähnt wird.
Der Ausdruck in Offenbarung 1,10 „He Kyriake hemera“ kommt nur dort vor und bedeutet „der dem Herrn gehörende Tag“. Das ist ein Tag in der Woche, der ganz besonders dem Herrn geweiht ist. Von der frühesten Christenheit an war das die Bezeichnung für den ersten Tag der Woche.
Die Bibel spricht nicht vom Sonntag, sondern vom ersten Tag der Woche. Das war der Tag, an dem der Herr Jesus auferstanden ist als Sieger. Es ist auch der Tag, mit dem die Bibel beginnt. Die Bibel beginnt mit dem Sonntag, sagt aber nicht Sonntag, sondern „der erste Tag“. An diesem Tag rief Gott die Welt ins Dasein: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Der erste Tag der Woche war auch der Tag, an dem Gott Leben aus den Toten wirkte, als der Herr Jesus auferstand, um nie mehr zu sterben. Sein Sieg wurde für alle Ewigkeit offenbar.
So ist der Tag des Herrn im Neuen Testament der Tag geworden, an dem sich Christen ganz besonders versammeln. Darum sehen wir in Apostelgeschichte 20, dass Lukas schreibt: „Als wir versammelt waren am ersten Tag der Woche, um Brot zu brechen.“ Das war der spezielle Tag des Zusammenkommens.
Dies nur als Zwischenbemerkung, damit man keine Verwechslung macht zwischen dem Tag des Gerichts, „dem Tag des Herrn“ oder hier in Jesaja „dem Tag der Rache unseres Gottes“.
Der Herr Jesus kam das erste Mal, um Gnade zu bringen, nicht Gericht. Er kam als Heiland der Welt. Erst das zweite Mal wird er als Richter der Welt kommen. Darum hat er in Nazareth betont: „Um auszurufen das Jahr der Annehmung des Herrn.“ Die Leute waren erstaunt über diese Worte der Gnade, nicht des Gerichts.
Dieses Jubeljahr war also ein prophetisches Bild auf die Zeit, in der Gott den Menschen auf besondere Weise seine Gnade offenbaren würde, wenn der Messias das erste Mal kommt – eben als der leidende Messias, der für unsere Sünden sterben musste, wie wir es in Jesaja 53 gefunden haben. Er löst das Problem der Sünde und steht als Sieger von den Toten auf. Die Auferstehung haben wir in Jesaja 53 gefunden.
So können wir sagen: Die Epoche, in der wir leben, in der das Evangelium auf allen fünf Kontinenten verkündigt wurde und noch mehr allen Nationen verkündet wird, ist die Zeit der Gnade.
Dort ist Wirklichkeit geworden, was wir schon in Jesaja 49 gefunden haben. Gott sagt dem Messias in Jesaja 49,6 am Schluss: „Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde.“
Wir haben schon gesehen, dass das „Ende der Erde“ das Festland der Erde meint, das vom Land Israel aus, das Gott als Mittelpunkt der Welt betrachtet (siehe Hesekiel 5,5), am weitesten entfernt ist. Wenn man nach Patagonien geht, nach Argentinien oder Chile, ist man am Ende der Welt. Auch China, die Philippinen, Neuseeland, Südafrika, Alaska oder Skandinavien zählen dazu. Dort hört es auf, dort ist Schluss mit weiter Reisen.
So ist es heute, dass alle Nationen der Welt erreicht sind. Nicht alle Stämme und nicht alle Völker – es gibt etwa zehntausend verschiedene Völker. Indien besteht aus vielen Völkern, Russland auch. Aber alle Nationen sind erreicht.
Das hat der Herr Jesus in Matthäus 24 vorausgesagt: Das Evangelium des Reiches wird allen Nationen verkündigt. Er benutzt das griechische Wort Ethnos, das eine größere Einheit als „Volk“ (Laos) bezeichnet. In unserer Zeit sind alle Nationen erreicht worden, und alle werden gleichzeitig mit dem Evangelium bedient.
Dann sagt der Herr Jesus: „Und dann wird das Ende kommen.“ Das Ende ist eine Bezeichnung für den letzten Abschnitt, die Jahre vor der Wiederkunft Christi, die große Drangsal, der Tag des Herrn.
So leben wir in einer wunderbaren Zeit: Es ist das Jahr der Annehmung des Herrn, in dem Gott Menschen aus allen Völkern annimmt, die kommen, ihre persönliche Schuld bekennen und glauben, dass der Messias, der Herr Jesus, für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist, wie in Jesaja 53 beschrieben.
In 2. Korinther 6,2 finden wir einen besonderen Ausdruck in diesem Zusammenhang. Dort heißt es am Schluss: „Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“ Hier wird unsere Epoche als „der Tag des Heils“ bezeichnet, in Jesaja 61 und Lukas 4 als „das Jahr der Annehmung“.
Wenn wir Jesaja 61 weiter studieren, sehen wir, dass das erste Kommen des Herrn Gnade bringt als Heiland der Welt. Wir müssen aber auch die andere Seite betonen: den Tag der Rache unseres Gottes. Das Gericht kommt auch; der Richter der Welt wird bald kommen.
Wir leben in der Endzeit, in der Zeit, in der das Evangelium alle Nationen erreicht hat. Dann wird weiter erklärt: Der Messias wird kommen, „um zu trösten alle Trauernden, um den trauernden Zion zu krönen und ihnen Kopfschmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer“ zu geben.
Der Messias wird als Richter der Welt kommen – der Tag der Rache. Aber es ist auch die Zeit, in der Zion, Jerusalem, schließlich befreit wird und die größte Herrlichkeit seiner Geschichte erleben wird. Jerusalem wird aus aller Not herausgeführt werden. Wenn der Herr Jesus als König der Welt hier auf Erden herrscht, wird Jerusalem die Hauptstadt der Welt sein. Diese Stadt liegt am Knotenpunkt der drei Kontinente Europa, Asien und Afrika.
In Jesaja 61,4 heißt es weiter: „Und sie werden die uralten Trümmer aufbauen, die Verwüstungen der Vorzeit aufrichten und die verödeten Städte erneuern, die wüstlagen von Geschlecht zu Geschlecht.“
Die Endzeit und die Rückkehr Israels ins Land
Nun muss uns klar sein: Die Endzeit beginnt nicht erst mit dem Tag der Rache. Die Endzeit, das haben wir immer wieder gesehen, beginnt damit, dass Gott sein unter alle Völker zerstreutes Volk Israel wieder heimführt ins Land der Väter.
Ich habe das schon so oft gesagt: Das hat begonnen 1882, als die erste Einwanderungswelle damals aus Russland stattfand. Dann folgten die zweite, die dritte, die vierte und so weiter bis heute. Insgesamt sind etwa drei Millionen Menschen aus rund 130 Ländern zurückgekehrt.
Und was haben sie gemacht? Sie haben begonnen, alttestamentliche Städte wieder neu aufzubauen. Für uns sind das heute moderne Städte mit pulsierendem Leben. Aber das geht weiter. Die Endzeit ist nicht nur die Zeit von 1882 bis heute, sondern sie dauert an bis zur Entrückung der Gemeinde, die jeden Tag geschehen könnte.
Danach wird eine Erweckung in Israel stattfinden, bei der sich der Überrest Israels zum Messias bekehren wird. Dann wird die große Drangsalzeit kommen, der Antichrist tritt auf und so weiter, bis schließlich Jesus Christus als König und Richter der Welt wiederkommt.
So bezieht sich das hier bereits auf die heutige Zeit, geht aber darüber hinaus. In diesen Versen geht es bis ins Tausendjährige Reich.
Das Land Israel war wirklich ein heruntergekommenes Land, in aller Munde einfach Palästina genannt. Es war wirklich heruntergekommen. Mark Twain besuchte Palästina in den 1860er Jahren und schrieb später in seinem Buch „Unsträflich im Ausland“ über dieses Land: Es ist spärlich bewohnt, hat nichts Liebliches für das Auge, es ist ein Land ohne Perspektive, gebrochen, ohne Hoffnung.
Und es entspricht genau dem, was geschrieben steht: „Ihr werdet die uralten Trümmer aufbauen, die Verwüstungen der Vorzeit aufrichten, und ihr werdet die verödeten Städte erneuern, die Wüste, die von Generation zu Generation lag.“ Das ist so geschehen in den vergangenen zweitausend Jahren.
Aber dann wird weiter erklärt, was noch kommen wird: Fremdlinge werden dastehen und eure Herden weiden, und Söhne der Fremden werden eure Ackerleute und Weingärtner sein. Natürlich könnte man sagen, da sind all diese Ausländer, die gekommen sind, um in den Kibuzim zu helfen. Aber es geht viel weiter, denn wir sehen bereits ein erneuertes Israel.
In Vers 6 steht: „Ihr aber werdet Priester des Herrn genannt werden, Diener unseres Gottes, so wird man euch nennen. Ihr werdet der Nationen Reichtümer genießen und in ihre Herrlichkeit eintreten.“ Das ist heute noch nicht so. Das Volk Israel wird zwar gesammelt zurück ins Land geführt, aber die meisten sind noch nicht bekehrt.
Das musste so sein, denn in Hesekiel 36 steht, dass Gott sein Volk in einem unreinen Zustand zurückführt und erst, wenn sie im Land sind, wird er sie reinigen. Das wird nach der Entrückung der Gemeinde geschehen. Wenn diese heute stattfinden würde, dann würde in der nächsten Zeit eine Erweckung in Israel folgen. Zuerst werden 144.000 zum Glauben kommen und evangelisieren. Schließlich wird sich durch die Drangsal hindurch ein Drittel der Bevölkerung bekehren.
Denn in Sacharja 13,8 steht, dass in der großen Drangsal, das heißt in den dreieinhalb Jahren vor der Wiederkunft Christi, zwei Drittel der Bevölkerung in Israel ums Leben kommen werden. Ein Drittel aber wird sich in dieser Not bekehren, zu Gott rufen und befreit werden, wenn der Herr Jesus auf dem Ölberg kommt und sein Volk befreit.
Dann wird wahr sein: „Ihr aber werdet Priester des Herrn genannt werden, Diener unseres Gottes wird man euch heißen.“ Israel wird eine Sonderstellung unter allen Völkern einnehmen. Das ist heute nicht so.
Im Galaterbrief 3 lesen wir ganz klar, was für die Zeit der Gnade, die Zeit der Gemeinde gilt: Da ist nicht Jude noch Grieche, sondern ihr seid einer in Christus. Das heißt, jüdische Abstammung hat in Bezug auf die Stellung in der Gemeinde keine Bedeutung. Das muss man immer wieder betonen.
Aber nach der Entrückung wird Israel als das irdische Volk wieder eine Sonderstellung bekommen, so wie es in Römer 11 heißt: „Alsdann wird ganz Israel gerettet werden.“ Wobei „ganz Israel“ hier ein Drittel meint, das überlebt. Wenn zwei Drittel umkommen, dann ist das ein Drittel „ganz Israel“. Da muss man tief durchatmen. Wenn man wüsste, dass ein Drittel der Schweiz gerettet wird, könnte man auch tief aufatmen.
Ich lese weiter: „Anstatt eurer Schmach…“ Wenn wir bedenken, dass das vor etwa 700 Jahren vor Christus geschrieben wurde, war all das noch nicht geschehen. Die Verlästerung der Juden bis in unsere Zeit war damals noch nicht Realität. Aber Jesaja schreibt schon, wie es sein wird, wenn die Endzeit da ist und der Messias kommt: Dann wird die Schmach den Juden weggenommen werden.
Merkt, wie viel prophetisches Gewicht darin liegt: „Anstatt eurer Schmach werdet ihr das Doppelte haben, und anstatt der Schande werden sie jubeln über ihr Teil. Darum werden sie in ihrem Lande das Doppelte besitzen, werden ewige Freude haben, denn ich, der Ewige, liebe das Recht, ich hasse den frevelhaften Raub. Und ich werde ihnen ihre Belohnung getreulich geben und einen ewigen Bund mit ihnen schließen. Und ihr Same wird bekannt werden unter den Nationen und ihre Sprösslinge inmitten der Völker. Alle, die sie sehen, werden sie erkennen, dass sie ein Same sind von dem Herrn, den der Herr gesegnet hat.“
Hier wird gesagt, dass Gott mit Israel einen ewigen Bund schließen wird. Das ist der neue Bund. In Jeremia 31,31 sagt Gott, dass er in der Zeit des Messias mit Israel, mit dem zwölfstämmigen Volk Israel, nämlich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda, also mit den zehn und den zwei Stämmen, einen neuen Bund schließen wird.
Wir sehen auch, dass der neue Bund nicht mit der Gemeinde geschlossen wird, sondern mit Israel. Das ist dieser ewige Bund.
Ich habe trotzdem eine gute Nachricht: Die Grundlage dieses Bundes hatte Jesus bereits gelegt, als er das erste Mal kam und sein Blut vergoss. Als er das Abendmahl einsetzte, am Vorabend der Kreuzigung, erklärte er im Zusammenhang mit dem Kelch: „Das ist das Blut des neuen Bundes.“ Das Blut, auf dessen Grundlage dieser Bund einmal mit Israel geschlossen wird, wurde damals gelegt.
Aus diesem geflossenen Bundesblut entsteht, wie Jeremia 31 erklärt, gewaltiger Segen. Gott spricht dort zum Beispiel davon, dass er ihnen ein neues Herz geben wird. Das heißt, er wird die Wiedergeburt wirken.
Das haben wir Gläubigen der Gemeinde heute schon jetzt. Alles, was dort aufgezählt wird, auch dass Gott allen ihre Sünden vergeben und nie mehr daran denken wird, haben wir bereits. Das heißt, obwohl der Bund nicht mit der Gemeinde geschlossen wird, sondern mit Israel, haben wir bereits alle Bundessegnungen erhalten – und noch viel mehr.
So wie es in Epheser 1,3 heißt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auch vor Grundlegung der Welt in ihm erwählt hat.“
Jede geistliche Segnung. Aber eben wichtig: Der Bund ist nicht mit der Gemeinde geschlossen, sondern – wie hier und an vielen anderen Stellen bestätigt wird – mit Israel.
Dieser neue Bund wird an vielen Stellen im Alten Testament erwähnt, immer in Bezug auf Israel.
Der Apostel Paulus sagt in 2. Korinther 3, dass wir Diener des neuen Bundes sind. Das heißt, wenn wir heute das Evangelium verkündigen und Menschen weltweit zum Glauben und zur Bekehrung kommen, dann werden sie wiedergeboren, bekommen ein neues Herz, völlige Sündenvergebung und völlige Entlastung.
Es ist das Jahr der Annehmung, in dem aller Druck der Sünde und der Herrschaft Satans weggenommen wird. So sind wir Diener des neuen Bundes, denn wir verbreiten weltweit die Segnungen des neuen Bundes.
Aber nichtsdestotrotz bleibt es dabei, dass Gott diesen Bund mit Israel am Anfang des Tausendjährigen Reiches schließen wird.
In Vers 10 sehen wir, wie das erneuerte Israel jubelt. Das können wir natürlich wunderbar auf uns anwenden. Ich lese nochmals: „Hoch erfreue ich mich in dem Herrn, meine Seele soll sich freuen in meinem Gott, denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan. Wie ein Bräutigam den Kopfschmuck nach Priesterart anlegt und wie eine Braut sich schmückt mit ihrem Geschmeide, so wird der Herr, der Ewige, Gerechtigkeit und Ruhm aufsprossen lassen vor allen Nationen.“
Diese wunderbaren Aussagen können wir ganz persönlich auf uns übertragen.
Es ist einfach wichtig bei der Bibelauslegung, dass wir zuerst sehen: Die direkte Auslegung bezieht sich auf Israel, aber die Anwendung und Übertragung bezieht sich auf uns.
Wir können sagen: „Hoch erfreue ich mich in dem Herrn, meine Seele soll sich freuen in meinem Gott, denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils.“
In vielen Gemeinden hat man sich angewöhnt, beim Gemeindegesang so zu singen, dass jeder nur so laut singt, dass vielleicht der Nebenmann noch etwas hört.
Ich war vor kurzem in Brasilien auf einer Konferenz mit etwa 730 Teilnehmern, die in drei Hotels untergebracht waren. Einige kamen tausend Kilometer, andere zwei, drei oder viertausend Kilometer vom Amazonasbecken entfernt. Das wäre, als würde man von Zürich nach Saudi-Arabien für eine Konferenz reisen.
Was ich von den Brasilianern gelernt habe, ist, wie sie singen. Das ist wunderbar. Sie haben das Gefühl, alle singen so, dass man nicht nur gerade nebenan noch etwas hört.
Nicht alle Lieder müssen so gesungen werden. Zum Beispiel heißt es in Psalm 88 in der Überschrift, dass es nach Machalat-le-Anot gesungen werden soll, also auf schwermütige Weise. Dort geht es um einen Kreuzespsalm, in dem die Leiden des Herrn besungen werden. Das muss man nicht herausschreien.
Aber wenn wir ein Lied singen, in dem wir unsere Freude des Heils ausdrücken, wie hier: „Hoch erfreue ich mich in dem Herrn, meine Seele soll sich freuen in meinem Gott“, dann müssen wir nicht ausflippen, aber wir können wirklich von Herzen singen.
Das klingt so viel schöner, als wenn hundert Leute nur ein bisschen brummen. Das klingt zwar noch recht gut, drückt aber einfach zu wenig aus von dem, was in diesen Versen ausgesagt wird.
So sollten wir in den Liedern Freude ausdrücken können, aber auch Traurigkeit und Zurückhaltung.
Fahren wir weiter.
Die Wiederherstellung Zions und Jerusalems
Kapitel 62. Gott spricht
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht still sein, bis ihre Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und ihr Heil wie eine lodernde Fackel.
Sehen wir uns die erste Verszeile an: „Um Zions willen will ich nicht schweigen.“ Die nächste Zeile lautet: „Und um Jerusalems willen will ich nicht still sein.“ Es ist alles ein Gedicht, fast alles im Buch Jesaja. Hier wird das Gleiche mit verschiedenen Worten ausgedrückt. Wir sehen parallel, dass Zion und Jerusalem gleichgesetzt werden.
Der Ausdruck Zion wird oft austauschbar mit Jerusalem verwendet. Dennoch muss man sich immer wieder klar machen, wovon eigentlich die Rede ist. Zion ist im Alten Testament der Name des Tempelberges im heutigen Ostjerusalem. Dieser Berg wird an einigen wenigen Stellen auch Berg Moria genannt. Heute wird in Jerusalem ein Nachbarhügel „Zion“ genannt, was verwirrt. Diese Bezeichnung ist jedoch erst seit etwa hundert nach Christus belegt und somit eine nachbiblische Bezeichnung.
In der Bibel bezeichnet Zion immer den Tempelberg, also den Berg Moria. Auf dem Südabhang des Berges Zion beziehungsweise Moria war das ursprüngliche Jerusalem aufgebaut. Schon zur Zeit Abrahams wurde es Salem genannt, eine Kurzform von Jeru-Salem, was „Gründung des Friedens“ bedeutet.
David hat diese kleine Stadt später erobert und seinen Palast am Nordende außerhalb der Stadtmauer gebaut. Sein Sohn Salomo baute die Stadt weiter aus und errichtete dort den ersten Tempel auf der Bergeshöhe. Unter den Königen von Juda wurde die Stadt nach Westen hin erweitert. So ist Jerusalem im Lauf der Geschichte gewachsen und heute eine Großstadt mit etwa einer halben Million Einwohnern.
Zion bezeichnet also die gleiche Stadt wie Jerusalem, jedoch mit dem Schwerpunkt auf das Herzstück, den Tempelberg in Jerusalem.
Am 29. November 1947 fand eine wichtige Abstimmung bei der UNO statt. Dort wurde beschlossen, dass die Juden einen Staat in Palästina gründen dürfen. Die Mehrheit der Nationen stimmte zu. Allerdings wurde beschlossen, dass der Berg Zion, also Ostjerusalem, ausgeklammert bleiben soll.
Am 14. Mai 1948 gründeten die Juden den Staat Israel, jedoch ohne Zion. Man muss sich vorstellen, dass das Herzstück ausgeklammert wurde. Daraufhin brach ein totaler Krieg aus. Etwa acht bis neun Armeen gingen gegen Israel vor, um den Staat zu vernichten und die Juden auszulöschen.
In diesem Krieg konnte Jordanien mit seinen Verbündeten Ostjerusalem mit dem Tempelberg erobern, das Gebiet, das die UNO eigentlich als internationale Stadt vorgesehen hatte. Jordanien errichtete eine Mauer und trennte es ab. Kein Jude aus dem israelischen Staatsgebiet durfte mehr zum Klagemauer, auf Hebräisch Hakotel, um dort zu beten. Das war ein unmöglicher Zustand.
Die UNO hatte keine Kraft, etwas zu ändern, und ließ die Situation jahrelang bestehen. Es gab keine weltweite Diplomatie, die Jordanier sollten das Gebiet zurückgeben, das wäre gegen internationales Recht gewesen – doch das war kein Thema. Das blieb einfach so.
Später versuchte die arabische Welt ein zweites Mal, Israel auszulöschen, diesmal jedoch hochgerüstet mit modernen sowjetischen Waffen. Es kam zum Sechstagekrieg. Die israelische Regierung beschloss, den Tempelberg zurückzuerobern. Im Sechstagekrieg wurde Ostjerusalem mit Zion erobert, die Mauer wurde entfernt, Jerusalem vereinigt. Man erklärte, dass dies die ewige, ungeteilte Stadt Jerusalem sei.
Man kann sich die Euphorie damals in Israel kaum vorstellen. Es war genau so, wie es im Psalm 126 prophetisch beschrieben wird:
„Als der Herr das Schicksal Zions des Tempelbergers wendete, waren wir wie Träumende. Da wurde unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Jubels. Da sagte man unter den Nationen: Der Herr hat Großes an ihm getan. Der Herr hat Großes an uns getan, wir waren fröhlich.“
Tatsächlich war nach sechs Tagen an allen drei Fronten Ruhe. Die Übermacht war enorm, und die ganze Welt sah, dass etwas Außergewöhnliches geschehen war. Es war unglaublich, aber das gehört dazu, wie Gott sagt: „Um Zions willen will ich nicht schweigen.“
Es hatte jahrhundertelang den Anschein, als sei Zion kein Thema mehr. Im Judentum betete man jedoch dreimal täglich durch all die Jahrhunderte hindurch, dass Gott die Zerstreuten zurückführen und den Tempel wieder aufbauen möge. Dieses Gebet wurde lange Zeit nicht erhört.
Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, und man sieht, dass Gott Zion nicht vergessen hat. Aber wir sind noch nicht am Ende.
Die ganze Welt protestiert jetzt und sagt, das sei ein Verstoß gegen internationales Recht, dass die Juden nun in Ostjerusalem seien. Früher hat das niemand interessiert, es war kein Thema in der Weltpolitik. Jetzt plötzlich ist es ein Thema.
Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Gott sagt hier: „Ich will nicht still sein, bis ihre Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und ihr Heil wie eine lodernde Fackel.“
Die Prophetie geht weiter bis ins Tausendjährige Reich. Dann wird Jerusalem, Zion, vollkommen befreit sein, und die Nationen werden deine Gerechtigkeit sehen.
Jetzt stellen sie die Gerechtigkeit in Frage. Sie sagen, das sei ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit des internationalen Rechts. Aber dann werden sie alles anerkennen müssen, und alle Könige deine Herrlichkeit.
Du wirst mit einem neuen Namen genannt werden, den der Herr selbst bestimmen wird. Du wirst eine prachtvolle Krone sein in der Hand des Herrn und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes.
Nicht mehr wird man dich Asuwa nennen, den hebräischen Namen, den ich im Skript aufgeführt habe, was „Verlassene“ bedeutet. Über Jahrhunderte war das eine heruntergekommene Stadt, verlassen genannt, und ein Land, das Shemama heißt, was „Wüste“ bedeutet.
Das ist nicht das Wort, das man zum Beispiel für die Wüste Judäa verwendet, wo man das ganze Jahr über Kleinvieh wie Ziegen und Schafe halten kann, die dort genügend zu fressen finden.
Shemama bedeutet eine Wüste, die von einer Wurzel kommt, die „erschrecken“ heißt. Shemama ist ein Land, das beim Anblick das Gefühl des Schreckens hervorruft.
Mark Twain sagte dazu: „Es gibt nichts Liebliches für das Auge, es ist ein Land ohne Perspektive, gebrochen, ohne Hoffnung.“
Nicht mehr wird man dich Shemama nennen, sondern man wird dich nennen „Chepzibar“ – das ist wieder so ein schöner Name, der „Meine Lust an ihr“ bedeutet.
Chepzibar war übrigens der Name von Frau Hiskia, der zweiten Königin (2. Könige 21), die diesen schönen Namen trug.
So wird das Land Israel genannt werden: Chepzibar.
„Und dein Land wird vermählt sein, Beulah, denn der Herr wird Lust an dir haben, und dein Land wird vermählt werden.“
Wie der Jüngling sich mit der Jungfrau vermählt, so werden deine Kinder sich mit dir vermählen. Das heißt, das Land und das Volk werden wieder verbunden sein.
Fast zweitausend Jahre lang war das jüdische Volk bekannt, ohne Beziehung zum Land. Aber Gott sagt: „Ich werde das Volk und das Land wieder so zusammenführen wie Verheiratete, die einfach zusammengehören.“
Diese dürfen nicht getrennt werden. Die Welt heute möchte die Juden jedoch mindestens von gewissen Teilen des Landes trennen. Die islamische Welt möchte sie sogar ganz vom Land trennen.
Es gibt Vorschläge, die Juden sollten doch nach Europa gehen, und Deutschland solle zum Beispiel ein Land für die Juden geben. Aber sie haben nichts im Nahen Osten zu suchen.
Gott sagt: „Nein, ich werde euch mit dem Land verbinden, so wie Mann und Frau zusammengehören. Wie der Bräutigam sich an der Braut erfreut, so wird Gott sich an dir erfreuen.“
Es geht nicht nur um die Verbindung von Volk und Land, sondern auch um die Beziehung zwischen Gott und Israel.
Vers 6 lautet:
„Auf deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt. Den ganzen Tag und die ganze Nacht werden sie keinen Augenblick schweigen. Ihr, die ihr den Herrn erinnert, gönnt euch keine Ruhe und lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem befestigt und bis er es zum Ruhm macht auf Erden.“
Es werden noch schwere Tage kommen, die schwersten Tage über Jerusalem. Doch selbst in dieser Not werden Gläubige in Jerusalem sein, aus dem Überrest Israels, wie Wächter auf den Mauern. Sie werden Gott an seine Verheißungen erinnern.
Gott sagt: „Macht das so. Ich möchte, dass ihr Tag und Nacht an meine Zusagen erinnert, dass diese Stadt schließlich befreit und verherrlicht wird, bis er sie zum Ruhme macht auf Erden, bis diese Stadt die Hauptstadt der Welt wird.“
In Vers 8 heißt es:
„Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Wenn ich fortan deinen Feinden dein Korn zur Speise gebe und wenn Söhne der Fremde deinen Most trinken werden, um welchen du dich abgemüht hast – sondern die es einsammeln, sollen es essen und den Herrn preisen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums.“
Das jüdische Volk wird nicht auf den Ertrag dieses Landes verzichten müssen. Das Land wird ihnen gehören, ebenso der Ertrag des Landes.
Und dann heißt es noch: „in den Vorhöfen meines Heiligtums.“ Daraus folgt, dass wieder ein Tempel in Jerusalem gebaut werden muss.
Ja, natürlich, wie an vielen Stellen im Alten und Neuen Testament bezeugt wird, wird ein Tempel in Jerusalem kommen. Hier wird er erneut erwähnt.
Vers 10 lautet:
„Ziehet durch die Tore, bereitet den Weg des Volkes, bahnet die Straße, reinigt sie von Steinen, erhebt eine Fahne über die Völker. Siehe, der Herr hat eine Kunde erschallen lassen nach dem Ende der Erde hin: Sage der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt, siehe, dein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung geht vor ihm her. Man wird sie nennen das heilige Volk, die Erlösten des Herrn, und dich wird man nennen die gesuchte Stadt, die nicht mehr verlassen wird.“
Der Messias wird kommen, und zwar mit Gericht und Lohn:
„Siehe, dein Heil kommt, siehe, dein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung geht vor ihm her.“
Er kommt als Belohner und Richter.
Genau das wird im Neuen Testament in der Offenbarung wieder aufgenommen. Der Herr Jesus sagt in Offenbarung 22:
„Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches; die Zeit ist nahe.“ (Vers 10)
Und in Vers 12:
„Siehe, ich komme bald, und mein Lohn ist mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk sein wird.“
Wir sehen, wenn Jerusalem befreit wird, dass die ganze Welt das wahrnimmt. Deshalb heißt es hier:
„Bis an die Enden der Erde erhebt eine Fahne über die Völker. Siehe, der Herr hat eine Kunde erschallen lassen nach dem Ende der Erde hin. Sage der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt.“
Das macht deutlich, dass in der Endzeit die ganze Welt mit einbezogen sein wird. Früher konnte man sich das nicht vorstellen. Doch mit der Globalisierung ist es so gekommen, dass die ganze Welt alles sofort wahrnehmen wird.
Es wird nicht so sein, dass Jesus Christus kommt und nur der Nahe Osten davon weiß. Die ganze Welt wird alles mitbekommen und auch die Befreiung Jerusalems miterleben.
Jesaja 63: Das Kommen des Herrn als Richter
Nun wenden wir uns Kapitel 63 zu:
Wer ist dieser, der von Edom herkommt, von Bozra in hochroten Kleidern, prächtig in seinem Gewand, der ein Heer zieht in der Größe seiner Kraft? Ich bin es, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten. Warum ist Rot an deinem Gewand, und sind deine Kleider wie die eines Keltertreters?
Ich habe die Kelter alleine getreten, und von den Völkern war niemand bei mir. Ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm. Ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand. Denn der Tag der Rache war in meinem Herzen, und das Jahr meiner Erlösung war gekommen.
Wir merken, dass hier wieder auf Kapitel 61 angespielt wird, wo ebenfalls vom Tag der Rache und dem Jahr der Erlösung die Rede ist.
Ich blickte umher, und da war kein Helfer. Ich staunte, und es war kein Unterstützer da. Da half mir mein Arm, und mein Grimm unterstützte mich. Ich trat die Völker nieder in meinem Zorn und machte sie trunken in meinem Grimm. Ich ließ ihren Saft zur Erde rinnen.
Das ist sehr geheimnisvoll, nicht wahr? Einer kommt von Edom her. Wo liegt Edom? Das ist ganz einfach: Man kann ein Bibellexikon oder eine biblische Karte nehmen und sieht, dass Edom das Land von Esau ist, das Land der Nachkommen Esaus, südlich des Toten Meeres, auf der jordanischen Seite.
Wenn man zum Beispiel mit dem Auto durch die Negev-Wüste in Israel fährt, kann man ziemlich nahe an der jordanischen Grenze bis nach Eilat kommen. Dort sieht man auf der linken Seite ein langgezogenes, rötliches Gebirge – das sind die Berge von Edom.
Edom heißt auch „Rot“. Das hängt damit zusammen, dass Esau, als er geboren wurde, rötlich war. Er hatte zwar keine roten Haare, aber war gut durchblutet bei der Geburt. Viele Kinder kommen etwas bläulich zur Welt, weil sie zu wenig Sauerstoff bekommen haben. Wenn ein Kind jedoch rötlich zur Welt kommt, weiß man, dass es bei der Geburt gut versorgt war. Esau war also sehr gut durchblutet, und deshalb sagt die Bibel, er sei rötlich.
Später hatte er eine Leibspeise, die ich nicht ganz verstehe, aber es waren rote Linsen. Darum bekam er den Namen Edom. Später wanderte er aus dem Land Kanaan aus und ließ sich auf den rötlichen Bergen von Edom nieder.
Das ist das Land Edom. In der biblischen Geschichte ist es ein Land, das immer wieder feindlich gegen Israel war, obwohl eine Bruderbeziehung bestand. Denn Esau war der Bruder von Jakob, der später Israel genannt wurde und Stammvater des Volkes Israel ist.
Nun wird hier beschrieben, dass einer von Edom herkommt. Das ist der Herr Jesus bei seiner Wiederkunft. Doch jemand könnte sagen: Das geht doch nicht! Ich habe immer gelernt, dass am Ende die Schlacht von Harmagedon stattfindet.
Harmagedon liegt allerdings nicht in Jordanien, sondern im Norden Israels, in der Ebene hinter Haifa. Diese riesige Ebene heißt Harmagedon oder auch Ebene Jezreel.
In der Bibel steht, dass Jesus Christus als Richter der Welt kommen wird und in Harmagedon die dort versammelten Feinde bestrafen wird.
Aber jemand fragt sich: Ich verstehe das nicht. Ich habe auch gelernt, dass Jesus Christus auf dem Ölberg wiederkommen wird. So steht es in Sacharja 14.
Der Ölberg liegt östlich von Jerusalem, gegenüber vom Tempelberg Zion.
Ich lese aus Sacharja 14, Vers 3: „Und der Herr wird ausziehen und mit jenen Nationen streiten, wie an dem Tag, da er streitet, an dem Tag der Schlacht. Seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt.“
Der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, nach Osten und Westen hin zu einem sehr großen Tal.
Am Schluss von Vers 5 heißt es: „Und der Herr, mein Gott, wird kommen, und alle Heiligen mit dir.“
Ja, aber das ist bei Jerusalem ein ganz anderer Ort als Harmagedon. Wo kommt Jesus Christus nun wirklich wieder?
Machen wir es noch etwas komplizierter: Die Wiederkunft Christi wird auch in Jesaja 19 beschrieben, einer Prophetie über Ägypten. Das wird eine Überraschung sein für Ägypten und alle Moslembrüder.
Dort heißt es: „Siehe, der Herr fährt auf schneller Wolke und kommt nach Ägypten.“
Jesus Christus wird mit den Wolken des Himmels wiederkommen. Und da steht „nach Ägypten“.
Was stimmt jetzt? Natürlich alles.
Aber es ist viel zu einfach, wenn man lehrt: große Drangsal, Endschlacht von Harmagedon.
Es ist auch völlig zu einfach, wenn man sagt, es wird ein kommender Diktator kommen, ein Weltherrscher, und dann die große Drangsal und die Schlacht von Harmagedon.
Dieser kommende Herrscher wird Herrscher über das wiederhergestellte römische Reich sein. Das können wir den Westen nennen, ganz besonders Europa.
Natürlich wird dieser Diktator aus Europa eine so gewaltige Macht haben, dass er Einfluss auf die ganze Welt nimmt.
Aber die Bibel beschreibt, dass es mehrere Machtblöcke geben wird.
In Offenbarung 16 lesen wir zum Beispiel von den Königen des Sonnenaufgangs, die in die Endkämpfe eingreifen werden, jenseits des Euphrat. Es werden keine Namen genannt, auch nicht von Japan oder China.
Doch es sind die Könige des Sonnenaufgangs, also Machtblöcke aus dem Osten, die ebenfalls kommen werden.
Dann wird zum Beispiel von den Ländern gesprochen, die heute zur arabischen Welt gehören, mit den Ausdrücken Assur, Syrien.
Es wird von den libanesischen Städten Tyrus und Sidon gesprochen, von Ägypten, von Ammon (Nordjordanien), Moab (Mitteljordanien), Edom (Südjordanien) und von Ismael, arabischen Stämmen in der saudischen Wüste.
Diese werden in der Bibel, etwa in Psalm 83, als ein Machtblock beschrieben, der miteinander verbündet ist gegen Israel.
Wir sehen also: Die Welt wird komplizierter sein, als manche es darstellen.
Eine Einheitsregierung wird es nicht geben, sonst gäbe es ja gar keinen Krieg.
Nein, es müssen Blöcke sein, die aufeinanderprallen – ein Clash der Zivilisationen.
So wird es kommen.
Und so wird der Herr Jesus auch verschiedene Feinde an verschiedenen Orten richten müssen.
Er wird in Harmagedon kommen und dort ganz speziell die Armeen Europas, des wiederhergestellten römischen Reiches, richten, weil sie gegen ihn Krieg führen werden.
Das römische Reich hat Jesus Christus bei seinem ersten Kommen gekreuzigt, und beim zweiten Mal werden sie Krieg gegen ihn führen, sagt Offenbarung 17, Vers 14.
Schrecklich!
Dazwischen wurde Europa evangelisiert und hat die frohe Botschaft wie kein anderer Kontinent gehört.
Aber es begann mit der Kreuzigung und endet mit einem Krieg gegen Jesus Christus.
Dann wird Jesus Christus auch in Ägypten erscheinen und auf dem Ölberg.
Er wird die Nationen richten, die gegen Jerusalem kommen – das werden arabische Nationen sein.
Und in Edom, in Südjordanien, wird ein ganz besonderes Völkergericht stattfinden.
Das wird komplex sein.
Jetzt sieht der Prophet in der Vision Jesus Christus, der von Edom kommt.
Dann erst kommt er auf den Ölberg.
Zuerst hatte er eine Völkerschlacht in Jordanien.
Sein Kommen wird hier mit einem Keltertreter verglichen.
Im Altertum machte man eine Vertiefung im Boden, in die man Trauben legte.
Die Keltertreter standen barfuß darin und zerquetschten die Trauben mit den Füßen.
Dabei wurden ihre Kleider besudelt und befleckt.
So wird dieses Gericht hier beschrieben – wie das eines Keltertreters.
Darum steht hier: „Wer ist dieser, der von Rotland herkommt, von Edom, von Bozra in hochroten Kleidern, prächtig in seinem Gewand, der ein Heer zieht in der Größe seiner Kraft?“
Dann erklärt er, dass er so wie ein Keltertreter gehandelt hat und seine Kleider mit dem Saft bespritzt hat.
Eine schreckliche Beschreibung.
Das zeigt uns den Jesus Christus, der für jeden Menschen der Heiland sein will.
Es gibt keinen, der von diesem Angebot des Heils ausgeschlossen ist.
Dieser Jesus Christus wird aber auch der Richter für die sein, die ihn ablehnen und seine Gnade verachten.
Wir müssen beides lehren: Gott ist Liebe und Gott ist Licht – und keine Finsternis ist in ihm, lehrt der erste Johannesbrief.
Habakuk 3: Ein Gebet über das Kommen Gottes
Jetzt können wir noch in Habakuk 3 aufschlagen. Es ist ein wunderbares Gebet, ein Psalm von Habakuk.
Habakuk 3, Vers 1: Gebet Habakuks, des Propheten, nach Shigyonot. Am Schluss schreibt er dem Vorsänger, also für den Dirigenten: „Mit meinem Seitenspiel.“ Shigyonot bedeutet „in aufgeregter Weise“. Hier wird erklärt, wie man dieses Lied singen muss. Es darf nicht in schwermütiger Weise gesungen werden, wie etwa Psalm 88. Stattdessen ist es ein aufgeregtes Lied.
Und warum? „Herr, ich habe deine Kunde vernommen, ich fürchte mich. Herr, belebe dein Werk inmitten der Jahre, inmitten der Jahre mache es kund im Zorn. Gedenke des Erbarmens.“
Gott kommt von Teman her. Teman ist eine Ortschaft, ähnlich wie Bozra, die Jesaja 63 in Edom erwähnt. Hier sehen wir, wie Habakuk genau mit Jesaja übereinstimmt: Das Kommen Gottes aus dem Land Edom. „Gott kommt von Teman her und der Heilige vom Gebirge Paran.“ Das ist auch dort unten, wenn man an den Bergen Edoms vorbeifährt, durch die Negevwüste nach Eilat. Dort gibt es eine Stelle mit einem Schild „Paran“ in der Wüste Paran, durch die man hindurchfährt.
Hier haben wir also eine geografische Angabe, die genau in diese Richtung weist.
„Seine Pracht bedeckt die Himmel, und die Erde ist voll seines Ruhmes. Es entsteht ein Glanz wie das Sonnenlicht. Strahlen sind zu seinen Seiten, und daselbst ist die Hülle seiner Macht. Vor ihm geht die Pest, und die Seuche zieht aus seinen Füßen nach.“
Jetzt muss man das wirklich lesen und überlegen, was da steht. „Er stand und machte die Erde schwanken, er schaute und machte aufbeben die Nationen, und es zerbarsten die Berge der Vorzeit. Da brechen Berge zusammen, es barsten die Berge der Vorzeit, es senkten sich die ewigen Hügel.“
Hier ist nicht von Millionen von Jahren die Rede – das ist Geologie in Echtzeit. Die ewigen Hügel senken sich. „Seine Wege sind die Wege vor Alters.“ So eindrücklich wird hier die Wiederkunft Christi in diesem aufgeregten Lied beschrieben.
Doch das Lied beruhigt sich dann wieder. In Vers 16 schreibt Habakuk: „Ich vernahm es, und es zitterte mein Leib, bei der Stimme bebten meine Lippen. Morschheit drang in meine Gebeine, und wo ich stand, da zitterte ich – der ich ruhen werde am Tag der Drangsal, wenn derjenige gegen das Volk herannaht, der es angreifen wird.“
In Vers 18 heißt es: „Ich aber will im Herrn jubeln, will jubeln in dem Gott meines Heils. Der Herr, der Herr ist meine Kraft und macht meine Füße denen der Hindinnen gleich und lässt mich einherschreiten auf den Höhen.“
Also ist er ganz entsetzt, und am Schluss kommt er richtig zur Ruhe. Er kann jubeln und danken.
Jetzt wäre Zeit für eine Pause.
Jesaja 63,7-9: Die Treue Gottes trotz Israels Ungehorsam
Wir fahren jetzt weiter in Jesaja 63, Vers 7. Ich will der Gütigkeiten des Herrn gedenken, der Ruhmestaten des Herrn nach allem, was der Herr uns erwiesen hat, und der großen Güte gegen das Haus Israel, welche er ihnen erwiesen hat nach seinen Erbarmungen und nach der Menge seiner Gütigkeiten.
Wir haben hier das Wort „Gütigkeiten“. Im hebräischen Text ist das wiederholt das Wort Chesed. Zuerst das Wort Chesed: Ich will der Gütigkeit des Herrn gedenken und aller Ruhmestaten, und dann der großen Güte – dort ist ein anderes Wort. Aber das erste Wort ist Chesed. Chesed meint Gütigkeit ganz speziell im Blick auf Bundestreue, also Loyalität gegenüber dem, was man abgemacht hat.
So wird in der Bibel dieses Wort Chesed immer wieder gebraucht, speziell um zu zeigen, dass Gott seinen Versprechungen, seinen Bundesversprechen, treu ist. Jetzt hier, Israel angesichts dieses Gerichts über die Völker, sagt: Ich will eben der Gütigkeiten der Bundestreue des Herrn gedenken, wie Gott sich also an diese Versprechungen hält, die er schon Abraham, Isaak und Jakob gegeben hat, wie er diese Versprechen nie aufgegeben hat.
Das waren die Versprechen: Erstens, deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben (1. Mose 12). Und dann ist es auch das Versprechen, dass Israel zu einem Segen werden soll für alle Völker, nämlich dadurch, dass der Messias aus Israel kommen sollte, um all die Menschen aus allen anderen Völkern zu retten, die zu Gott umkehren, ihre Schuld bekennen und den Retter, den Erlöser, im Glauben annehmen.
Jetzt sehen wir, dass auch nach Jahrtausenden dieser Bund nicht aufgelöst worden ist; er ist immer noch gültig. Aber wir sehen, wie die Welt sich zum Beispiel ganz ausdrücklich heute gegen den Bund mit Abraham richtet. Es ist ja im Moment eine Riesendebatte im Gang wegen der Beschneidung, und die ist letztlich nicht gegen den Islam gerichtet, sondern gegen das Judentum.
Und zwar aus folgendem Grund: Jetzt, nachdem all diese Dinge abgelaufen sind in Deutschland, wird ja eine Nationalrätin hier in der Schweiz, Jacqueline Fehr, so wie sie es gesagt hat, im Parlament einen Vorstoss einbringen, dass man die Kinder erst beschneiden darf ab einem gewissen Alter, wo sie dann Ja oder Nein sagen können.
Im Islam spielt es keine Rolle, in welchem Alter man ein Kind beschneidet. Das kann sechsjährig sein, vierjährig, zwölfjährig oder auch anders. Aber im Judentum hat Gott bei Abraham (1. Mose 17) festgelegt: Am achten Tag nach der Geburt. Da darf man nicht warten, bis es irgendein bestimmtes Alter erreicht hat, sondern am achten Tag nach der Geburt.
Das ist ja auch der Tag, an dem die Prothrombinbildung im Blut am höchsten ist im ganzen Leben. Prothrombin ist wichtig, damit das Blut gerinnen kann und eine Wunde wieder verheilt wird. Kurz nach der Geburt, wenn sich ein Baby verletzt, ist das lebensgefährlich. Aber die Prothrombinwerte steigen dann prozentual an, so 30, 40 usw. Am achten Tag erreicht es 110, und am neunten Tag geht es wieder runter auf 100. Beim gesunden Menschen bleibt es dann das ganze Leben lang so.
Aber der höchste Punkt, der idealste Punkt für eine Beschneidung, ist der achte Tag nach der Geburt. So hat Gott das festgelegt. Es ist so wichtig, dass der Herr Jesus das selbst in Johannes 7 sagt: Wenn dieser achte Tag nach der Geburt auf einen Schabbat fällt, dann wird das Kind trotzdem auch am Schabbat beschnitten, obwohl das ja Arbeit ist, wenn der Mohel operiert. Aber das Sabbatgebot steht unter dem Gebot der Beschneidung. Es ist so wichtig, dass es genau am achten Tag geschieht.
Und da sehen wir: Diese Vorstösse sind Vorstösse, und da stehen ja auch ganz speziell Atheisten hinter dieser Kampagne, zum Beispiel die Giordano Bruno Stiftung, eine bekannte atheistische Organisation, die wirklich Stosskraft gibt, um gegen die Beschneidung vorzugehen. Das wird als archaisches magisches Relikt aus der Bronzezeit von vielen Gegenden heute eben heruntergemacht.
Aber es ist das Zeichen dieses Bundes, den Gott mit Israel geschlossen hat, wo Gott versprochen hat: Dieses Land, Israel, werde ich euch geben in Ewigkeit. Und obwohl das jüdische Volk das Land verloren hat, nachdem der Messias gekreuzigt worden war, ab dem Jahr siebzig, ist das jüdische Volk über die ganze Welt zerstreut worden.
Aber Gott hat gesagt: Ich bin meinem Versprechen treu, und darum werde ich euch wieder sammeln, sogar im unreinen Zustand (Hesekiel 36), und euch in euer Land zurückbringen. Also was wir heute sehen, ist Gottes Bundestreue, Chesed, von hier, Israel gegenüber, denn er hat versprochen, das Land Kanaan ihnen zu geben in Ewigkeit, also ohne zeitliche Limite.
Und jetzt sehen wir: Dieser Kampf heute gegen die Beschneidung, das ist letztlich auch ein Kampf gegen Gottes Zusagen, dass dieses ganze Land Kanaan Israel gehört. Aber wir können nicht annehmen, dass diese Atheisten das wissen oder realisieren. Aber wir realisieren, welch ein Geist sie antreibt: Einer, der diesen Bund mit Abraham hasst, in dem, was er bedeutet für Israel, aber auch in dem, was er bedeutet für alle Völker der Welt, nämlich Segen für alle aus allen Völkern, die den Erlöser annehmen.
Da sieht man übrigens auch sehr schön, dass die Erwählung Israels nicht die Verwerfung der anderen Völker war. Ich kenne jemanden, der wird so wütend, wenn man über Israel als auserwähltes Volk spricht. Aber dann habe ich feststellen dürfen: Er wird so wütend, weil er es nicht verstanden hat. Er meint, wenn man sagt, Israel ist Gottes auserwähltes Volk, dann hat er die anderen Völker verworfen. Das ist eine falsche Logik.
Ich hätte jetzt fast gesagt, das ist eine calvinistische Logik. Es ist falsch. Gott hat Israel erwählt als sein Volk, aber um schließlich durch den Erlöser, der aus diesem auserwählten Volk kommen sollte, alle anderen Völker zu segnen – aber natürlich nur die, die sich bekehren. Es gibt keine Allversöhnung.
Aber es ist auch wunderbar, wie in diesem Bund auch der Heilsplan Gottes für alle Völker mit enthalten ist. Und wenn man das so vor Augen hat und dann hier liest: Ich will der Chesed, der Gütigkeiten des Herrn gedenken, der Ruhmestaten des Herrn nach allem, was der Herr uns erwiesen hat, dass er schließlich den Retter gesandt hat, der gekommen ist, um für unsere Sünden zu sterben (nach Jesaja 53), und der großen Güte gegen das Haus Israel, welche er ihnen erwiesen hat, nach seinen Erbarmungen und nach der Menge seiner Gütigkeiten, dass er dieses Volk wieder sammelt und zurückführt, obwohl sie es gar nicht verdient haben.
Niemand könnte sagen, Israel hat jetzt dieses Land wieder, weil es sich so gut benommen hat in der Geschichte. Kein Volk kann so etwas von sich behaupten. Aber auch Israel kann das nicht. Es ist allein die Güte Gottes, weil er sich an diese Versprechungen an Abraham, Isaak und Jakob hält, und die sind durch Jahrtausende hindurch gültig.
Wir denken, über alles Mögliche kann Gras wachsen, aber über Gottes Verheißungen wächst kein Gras. Die bleiben unberührbar, wie das auch Römer 11 sagt, dass die Berufungen Gottes und die Gnaden unberührbar sind (Römer 11,29).
Gut, jetzt gehen wir weiter: Und er sprach: Sie sind ja mein Volk, Kinder, die nicht trügen werden. Und er wurde ihnen zum Heiland, in all ihrer Bedrängnis war er bedrängt. Und der Engel seines Angesichts hat sie gerettet, in seiner Liebe und in seiner Erwärmung hat er sie erlöst. Und erhob sie empor und trug sie alle Tage von Alters. Sie aber sind widerspenstig gewesen und haben seinen Heiligen Geist betrübt, da wandelte er sich ihnen in einen Feind, er selbst stritt gegen sie.
Also hier wird gesprochen darüber, wie Gott treu ist und wie er sich Israel gegenüber treu erwiesen hat (Vers 9). In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt. Dieses Wort dürfen wir natürlich wieder direkt auch auf uns Gläubigen der Gemeinde übertragen. Das bedeutet also, wir dürfen wissen: In jeder Not, in die wir hineinkommen, da fühlt der Herr so mit, als wenn er selber auch in dieser Bedrängnis wäre.
Das ist ein unfassliches Wort, was hier steht: In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt. Dass der allmächtige, ewige Gott nicht einfach distanziert ist und über alle unsere kleinen und auch ganz großen Probleme herrscht. Nein, er fühlt mit, als wenn er selbst in der Bedrängnis wäre.
Aber die Verse sagen auch: Israel war untreu, widerspenstig, ungehorsam, und sie haben seinen Heiligen Geist betrübt. Jetzt sehen wir, woher das kommt, wenn in Epheser 4, Vers 30 der Apostel Paulus sagt: Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit welchem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung.
Und jetzt wird plötzlich noch etwas klar: Hier wird im Alten Testament über den Heiligen Geist gesprochen, aber der Heilige Geist kann betrübt werden. Wenn jemand denkt: Ja, in 1. Mose 1, Vers 2 steht ja schon vom Heiligen Geist: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag über der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“
Und da könnte man denken, ja, der Heilige Geist ist einfach eine Umschreibung der Kraft Gottes. Aber wir wissen: Eine Kraft – ob das jetzt Gravitationskraft ist, also Schwerkraft, oder elektrische Kraft oder was auch immer – ist unpersönlich. Eine Kraft kann man nicht betrüben.
Und hier wird gesagt, sie haben den Heiligen Geist betrübt. Es ist tatsächlich so: Wenn man im ganzen Alten Testament über den Heiligen Geist nachforscht, merkt man, dass das nicht einfach die Kraft Gottes ist, sondern der Heilige Geist eine Person ist.
Und dann haben wir hier noch etwas Interessantes gelesen (Vers 9): In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt, und der Engel seines Angesichts hat sie gerettet. Dieser Engel seines Angesichts, durch den Gott sich offenbart, durch den Gott sich gewissermaßen sehen lässt, sein Gesicht sehen lässt, das ist diese geheimnisvolle Person im Alten Testament, die immer wieder vorkommt und hebräisch genannt wird Malach Adonai – der Engel oder der Gesandte des Herrn.
Malach ist nicht speziell das Wort für das, was wir Engel bezeichnen, also Geistwesen, sondern Malach wird auch gebraucht für Abgesandte eines Königs (2. Könige 1). Malach ist einfach jemand, der geschickt ist, gesandt von jemandem. Also der Malach Adonai ist geschickt von Jahweh, dem ewigen Gott, dem Ewigen.
Zum ersten Mal kommt er so mit diesem Namen vor in 1. Mose 16, und das sieht Hagar. Schlagen wir das mal auf, um das wirklich deutlich zu sehen. Da wird der Gesandte des Herrn plötzlich der Herr, hebräisch Yahweh, genannt. Das ist so interessant.
1. Mose 16, Vers 7: Hagar war eben geflohen in die Wüste, und der Engel des Herrn oder einfach der Gesandte des Herrn, Malach Adonai, fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Sur. Wichtig: Man kann also nicht übersetzen „ein Engel des Herrn“, sondern Malach Adonai ist klar der Engel des Herrn, so nach hebräischer Grammatik.
Und er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du und wohin gehst du? Und sie sprach: Ich fliehe hinweg von meiner Herrin Sarai. Und der Malach Adonai sprach zu ihr: Kehre zu deiner Herrin zurück und demütige dich unter ihre Hände.
Und der Malach Adonai sprach zu ihr: Ich will sehr mehren deinen Samen, dass er nicht gezählt werden soll vor Menge. Und der Malach Adonai sprach zu ihr: Siehe, du bist schwanger, und du wirst einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Ismael geben; denn Adonai, das ist immer für Yahweh, der Ewige, hat auf dein Elend gehört, und er wird ein Wildesel von Mensch sein; seine Hand wird gegen alle und die Hand aller gegen ihn sein, und angesichts aller seiner Brüder wird er wohnen.
Da nannte sie Adonai, der zu ihr redete: Du bist ein Gott, der sich schauen lässt. Denn sie sprach: Habe ich nicht auch hier geschaut, nachdem er sich hat schauen lassen?
Merken wir: Es wird immer klar gesagt, es ist der Malach Adonai, der mit ihr spricht, und dann wird in Vers 13 gesagt, dass das Adonai war, der mit ihr sprach. Plötzlich wird der Gesandte des Herrn zum Herrn, dem Ewigen, genannt.
Das hat man im Judentum schon längst entdeckt, auch im antiken Judentum, dass da mehr als eine Person vorhanden ist. In der alten rabbinischen Literatur gibt es Stellen, wo zum Beispiel gefragt wird, im Buch Sohar, wie denn das geht, dass diese drei eins sein können: Avinusche Baschamayim, der Vater im Himmel, und dann eben diese zweite Person, die auch genannt wird in der rabbinischen Literatur der Memra Adonai, das Wort des Herrn, das ist das gleiche wie der Bote des Herrn, der Malach Adonai, und dann der Heilige Geist.
Da wird gefragt: Wie können drei eins sein? Und es wird klar betont, es gibt nur einen Gott, so wie es im Glaubensbekenntnis steht in 5. Mose 6: Schma Israel, höre Israel, der Herr, dein Gott, ist ein Herr, ein Yahweh. Es gibt nur einen Gott. Aber man findet Stellen in der rabbinischen Literatur, die ganz klar unterscheiden und deutlich machen, es gibt mehr als eine Person.
Und das steht sogar im Buch Sohar, Band 2: Das Geheimnis, wie diese drei eins sein können, kann man nur verstehen durch den Heiligen Geist.
Und warum sage ich das? Weil in den letzten Jahren immer mehr Irrlehrer kommen, die behaupten, es sei völlig falsch zu sagen, Jesus Christus sei Gott. Das sei eine heidnische Idee, die man erfunden habe im vierten Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Konzil von Nizäa 325 nach Christus. Dort habe man Jesus Christus zu Gott gemacht.
Aber, sagen diese Irrlehrer, wir müssen zurück zu den jüdischen Wurzeln. Und im Judentum ist immer klar gewesen, es gibt nur einen Gott. Und darum sei die Dreieinheitslehre eigentlich eine falsche Lehre, die aus dem griechischen Denken gekommen ist, aber der jüdischen Lehre fremd und auch nicht im Neuen Testament.
Da müssen wir sagen: So ein Unsinn! Wir finden sie sogar in der rabbinischen Literatur. Und ich weiß von einem australischen Rabbi, der hat gesagt, das Problem mit diesem Memra Adonai, diesem Wort des Herrn, nein, halt, mit diesem Engel des Herrn ist so groß, dass wir es eigentlich letztlich nur lösen können, wenn wir die Dreieinheitslehre akzeptieren.
Ja, und es ist eine Tatsache, dass das orthodoxe Judentum in der Zeit der vergangenen zweitausend Jahre, das ist ja geprägt von der pharisäischen Richtung, die sich entschieden haben, dass Gott nur eine Person ist. Aber trotzdem haben sie diese Schriften immer noch, und eigentlich sind sie für das orthodoxe Judentum von Autorität. Dort finden wir diese Hinweise, dass drei eins sind in Gott.
Also das sage ich nur, damit man sich einfach nicht blenden lässt von Leuten, die da kommen und sagen: Ja, wir müssen wieder die Wurzeln des Judentums erkennen, und man habe sich so weit entfernt im Christentum von den eigentlichen jüdischen Wurzeln, aber wir müssen da zurück. Ja gut, aber dann richtig, oder?
Ich sage das, weil das so verbreitet wird, jetzt auch in der Zeitschrift Israel heute. Von Ludwig Schneider war in der vergangenen Ausgabe ein ganzer Artikel drin, wo er ganz klar sich gegen die Gottheit Christi wendet. Das darf man nicht akzeptieren. Es ist eine fundamentale Irrlehre.
Das Neue Testament lehrt ganz klar, dass Jesus Christus Gott ist. In Johannes 1, Vers 1 heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Und jetzt sehen wir: Das ist ganz jüdisch, denn man hat ja in der rabbinischen Literatur so oft geschrieben über den Memra Adonai, eben diese zweite Person in der Gottheit, das Wort des Herrn.
Und das sagt Johannes: Am Anfang war das Wort, und das ist eben der Sohn Gottes. Denn in Vers 14 lesen wir: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Nicht der Vater ist Mensch geworden, auch nicht der Heilige Geist, aber der Sohn, der ewige Sohn Gottes, ist Mensch geworden. Das Wort wurde Fleisch.
So haben wir noch viele weitere Stellen im Neuen Testament, die ganz ausdrücklich die Gottheit Christi lehren. Ich möchte noch hinweisen auf Römer 9, Vers 5, wo es heißt in Bezug auf Israel, deren die Väter sind und aus welchen dem Fleisch nach der Christus ist, das heißt der Messias, welcher über alles ist, Gott gepriesen in Ewigkeit. Amen.
Hier wird von dem Messias gesagt: Er ist über alles Gott gepriesen, also angebetet in Ewigkeit. Da sehen wir auch, wie wichtig es ist, dass wir auch die Lehre festhalten, dass der Sohn auch angebetet wird im Neuen Testament.
In Offenbarung 5 zum Beispiel sehen wir, wie die 24 Ältesten vor dem Lamm Gottes, dem Herrn Jesus, niederfallen und das Lamm anbeten und sagen: „Würdig ist das Lamm“ und beten. Sie beenden mit Amen.
Also hier in Jesaja finden wir den Heiligen Geist, der betrübt worden ist, und wir finden auch diesen geheimnisvollen Gesandten, den Engel seines Angesichts. Das ist der Sohn Gottes, der Herr Jesus.
Gerade im Johannesevangelium lesen wir über vierzig Mal, dass der Vater den Sohn gesandt hat in diese Welt, eben weil er der Malach Adonai ist, der vom Vater gesandt wird. Das finden wir schon im Alten Testament vor seiner Menschwerdung.
Dann der Höhepunkt: Das Wort wurde Fleisch, ist von dem Vater ausgegangen, in die Welt gekommen und dann wieder zurückgekehrt zum Vater.
Und jetzt lesen wir Jesaja 61,1 nochmals: Ich war wie wissender Herr Jesus, der Sohn Gottes, spricht, und er sagt: „Der Geist des Herrn, des Ewigen, ist auf mir, weil der Ewige mich gesalbt hat, um den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen.“
Der Gesandte hier, um frohe Botschaft zu bringen, das ist der Sohn, und er ist gesalbt mit dem Heiligen Geist, dem Geist des Herrn, und der, der sendet, das ist der Vater im Himmel.
So gibt es viele Stellen im Alten Testament, die das so bezeugen: diese Drei Einheit Gottes. Auch zum Beispiel in Jesaja 42 finden wir den Vater, der sagt: „Siehe, mein Knecht“ – „Mein Knecht, das ist der Messias“ – und dann wird gesagt: „von dem Heiligen Geist, der auf ihn gelegt ist.“ Auch da haben wir in Jesaja 42,1 und folgende die Dreieinheit Gottes erwähnt.
Ganz wichtig: Man merke sich Sacharja 2. Dort hat man zweimal den Vers, es spricht der Herr der Heerscharen, Yahweh Zebaoth, und dann spricht er und sagt am Schluss: „Und ihr werdet erkennen, dass Yahweh Zebaoth mich zu euch gesandt hat.“
Wie geht das? Yahweh wird gesandt von Yahweh. Ja, natürlich. Der Vater im Himmel hat seinen ewigen Sohn gesandt, aber der Sohn ist Yahweh. Oder im Judentum, aus Ehrfurcht, spricht man dieses Wort normalerweise nicht aus.
Bis ins Jahr 70 hat man nur bei ganz besonderen Gelegenheiten den Namen ausgesprochen. Wenn die Priester in Verbindung mit dem täglichen Brandopfer das Volk segneten, jeden Tag „Der Herr segne dich und behüte dich“, dann haben sie ausgesprochen: „Jevarechacha Yahweh.“ Yahweh segne dich.
Und der Hohepriester hat am Jom Kippur zehnmal diesen Namen ausgesprochen. Aber sonst sagt man aus Ehrfurcht normalerweise Adonai, Herr, als Ersatz für diesen Eigennamen Gottes.
Und jetzt versteht man auch, was steht in 2. Korinther 3, Vers 17: „Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“
Sehen wir: Der Geist wird Adonai genannt, auf Hebräisch zurückübersetzt, der Herr ist der Geist, und dann wird doch wieder unterschieden: der Geist des Herrn. Aber sowohl der Vater im Himmel ist der Ewige als auch der Sohn und der Heilige Geist.
Gehen wir zurück zu Jesaja 61, und ich lese weiter in Vers 11: Da gedachte – nein, das muss ich noch etwas ergänzen: Diese Stellen aus der rabbinischen Literatur über die Dreieinheit Gottes wurden so schön zusammengestellt von einem gewissen Rabbi Zwinassi, der war Dozent an der Hebräischen Universität, hebräisch Dozent an der Oxford University.
Er hat das Buch geschrieben The Great Mystery or How Can Three Be One – das große Geheimnis oder Wie können drei eins sein? Er zeigte aus der antiken alten rabbinischen Literatur, die bei Orthodoxen Autorität hat, dass diese Lehre bekannt war.
Wenn man das Juden geben will, gibt es das auch auf Hebräisch: Haras des Schlosschah – Das Geheimnis von den Dreien: Wie können drei eins sein? Das wurde herausgegeben von Achwa Keren Achwa Meschichit, das ist ein Herausgeber in Israel. Das hängt zusammen mit Viktor Smadja. Dieser Verlag hat am meisten messianische Bücher produziert in Israel in den vergangenen Jahren.
Sie haben in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Bücher gratis im ganzen Land verteilt. Es ist unglaublich, was die an Rückmeldungen bekommen. Ständig kriegen sie Briefe aus Kibbutzim oder von anderen Orten: „Ich habe ein Buch von Ihnen bekommen, und es hat mich so interessiert. Ich möchte mehr über den Messias erfahren. Können Sie mir noch weitere Bücher schicken?“ Die werden gratis geschickt. Es geht alles über Spenden.
Aber sie haben über eine Million verschickt, und was sie an Rückmeldungen bekommen, ist beeindruckend. Ich möchte, wir hätten solche Briefe aus der Schweiz. Das ist also ganz unglaublich, wie offensichtlich ein Hunger im ganzen Land besteht, um den Messias kennenzulernen, und zwar eben diesen Messias, der Gott ist und nicht einfach irgendein Mensch.
Ja, das war so ein kleiner Einschub, aber eben ganz wichtig. Und jetzt fahren wir weiter in Jesaja 63, Vers 11:
Da gedachte sein Volk der Tage vor Alters, der Tage Moses: Wo ist der, welcher sie aus dem Meer heraufführte samt den Hirten seiner Herde? Wo ist der, welcher seinen Heiligen Geist in ihre Mitte gab, der seinen herrlichen Arm zur rechten Moses einherziehen ließ, der die Wasser vor ihnen herspaltete, um sich einen ewigen Namen zu machen, der sie durch die Tiefen ziehen ließ, gleich dem Roß in der Steppe, ohne dass sie strauchelten, gleich dem Vieh, welches in das Tal hinabsteigt?
Brach der Geist des Herrn sie zur Ruhe? Also hast du dein Volk geleitet, um dir einen herrlichen Namen zu machen.
Wir haben in den Versen vorher gesehen: Der Herr war treu, aber Israel ist untreu geworden, und sie haben den Heiligen Geist betrübt. Dann musste Gott sie strafen, da wandelte er sich ihnen in einen Feind, er selbst stritt gegen sie.
Wir denken an die schreckliche Wegführung der Juden nach Babylon und davor schon an die Wegführung der zehn Stämme nach Assyrien. Wir denken an die Wegführung aller Juden aus dem Land Israel ab dem Jahr siebzig nach Christus. Diese Zerstreuung in alle Welt, nur ein ganz kleiner Überrest blieb zurück, so wie es Jesaja 6 vorausgesagt hatte.
Aber weltweit wurden sie zerstreut. Und jetzt, Vers 11: Da gedachte sein Volk der Tage vor Alters, der Tage Moses.
In all dieser Zerstreuung der Völker, heimatlos, ständig verfolgt durch die Jahrhunderte hindurch, kam die Frage auf: Wo ist dieser Gott, der so eingegriffen hatte früher, der uns aus Ägypten herausgeführt hatte, durchs Rote Meer hindurchgehen ließ, das Meer spaltete? Wo ist dieser Gott?
Sehen wir hier die Sehnsucht des Volkes, wieder eine Beziehung zu haben mit diesem Gott, von dem sie sich abgewendet haben. Sie sehnen sich danach, dass er wieder eingreift in ihre Geschichte.
Vers 15, nochmals ein solches sehnsüchtiges Gebet:
Blicke vom Himmel herab und sie von der Wohnstätte deiner Heiligkeit und deiner Majestät. Wo sind dein Eifer und deine Machttaten, die Regung deines Innern? Wir haben ja vorhin gelesen in Vers 9: In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt. Wo ist das jetzt geblieben in all diesen Jahrhunderten, in denen die Juden gehasst und verfolgt waren?
Die Regung deines Innern und deine Erbarmungen halten sich gegen mich zurück, denn du bist unser Vater.
Sehen wir im Alten Testament: Unser Vater. Das ist auch in den jüdischen Gebetsbüchern verbreitet, dass man Gott Avinu, unser Vater, nennt oder Avinusche Baschamayim, unser Vater, der du bist in den Himmeln.
So sehen wir, dass „unser Vater“ eine ganz jüdische Art zu beten ist. Aber was man in den jüdischen Gebetsbüchern nicht findet, ist, dass Gott Abba genannt wird. Da haben die Rabbiner gelehrt, man solle Gott nicht Abba nennen. Das sei viel zu intim, weil Abba dem Deutschen etwa „Papa“ entspricht, viel zärtlicher.
Es ist der Unterschied: Es gibt so 15-jährige Jungs, die würden zu ihren Kollegen nicht von ihrem Papa sprechen. Ja, das machen sie aber zu Hause schon und sagen: „Mein Vater hat dazu gesagt.“ Ja, das ist viel distanzierter, aber der Ausdruck „Papa“ ist viel intimer. So ist der Unterschied zwischen Avinu und Abba.
Aber im Neuen Testament sehen wir, dass der Herr Jesus, der ewige Sohn Gottes, diese Beziehung hatte. In Markus 14, im Garten Gethsemane, betet er „Abba, Vater! Wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“
In der größten Not betonte er diese innige Beziehung, die er als ewiger Sohn von Ewigkeit mit dem Vater hatte.
Und so schön dann in Galater 4 und in Römer 8 wird gesagt von den Erlösten der Gemeinde, dass Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt hat, der da ruft: Abba, Vater.
Das ist unerhört, das ist für das Judentum undenkbar. So kann man Gott nicht anrufen, aber wir können es, weil wir eine so tiefe Beziehung haben als Kinder Gottes (Johannes 1, Vers 12): So viele ihn, den Messias, aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein.
Und das bedeutet, diese Beziehung zu dem ewigen Gott zu haben, die der Herr Jesus als der ewige Sohn von Ewigkeit hatte. Der Herr Jesus wird nicht Kind Gottes genannt, wir aber. Er ist von Ewigkeit Sohn Gottes, und wir sind es geworden durch die Wiedergeburt.
Aber wir dürfen jetzt diese innige Beziehung haben zum Vater, so dass wir nicht nur sagen können: Unser Vater, sondern Abba, Vater.
Jetzt lese ich weiter, Vers 16 von Kapitel 63:
Denn du bist unser Vater, denn Abraham weiß nicht von uns, und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater, unser Erlöser; von alters her ist dein Name.
Warum, Herr, lässt du uns von deinen Wegen abirren? Verhärtest unser Herz, dass wir dich nicht fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils.
Sehen wir diese Sehnsucht: Gott soll jetzt vom Himmel herabblicken und sich dieses Volkes im Elend annehmen.
Und das hat Jesaja alles prophezeit zu einer Zeit, als das Volk im Land war. Die Wegführung nach Babylon war ja noch gar nicht geschehen, und die Wegführung ab dem Jahr siebzig in alle Welt war auch noch nicht geschehen.
Da wird beschrieben diese lange Zeit der Zerstreuung und der Beziehungslosigkeit zu Gott. Und das ist wirklich ein Punkt: Wenn man mit orthodoxen Juden eine so tiefe Beziehung bekommen kann im Gespräch, dann kann man das erleben, dass sie sagen: Wir tun so viel, wir machen das, wir beachten diese Vorschriften, aber wir haben keine Beziehung.
Sie sehen, wie solche, die an Jesus Christus glauben, eine ganz lebendige Beziehung zu Gott haben. Und das kann wirklich eine Sehnsucht wecken, was sie im Judentum so nicht gefunden haben.
Diese Sehnsucht wird hier beschrieben. Gott möchte doch kommen und eingreifen. Sie fühlen sich so weit weg.
Vers 17 ist ja schon gewaltig:
Warum, Herr, lässt du uns von deinen Wegen abirren? Das ist ein klares Bekenntnis: Wir sind in einen falschen Weg gegangen, weg von deinem Wort.
Das ist das große Problem, das der Apostel Paulus in Römer 9 und Römer 10 aufzeichnet. Es beginnt eigentlich am Schluss von Römer 9. Da zeigt er: Israel hat durch seine Auslegung eine Parallelgerechtigkeit aufgebaut zu Gottes Gerechtigkeit.
Sie haben versucht, die Gebote so auszulegen, dass man das Gefühl hat, wir halten eigentlich so ziemlich das Gesetz Mose ein, und erkennen gar nicht, dass sie es gebrochen haben und gar nicht in der Lage sind, dieses Gesetz einzuhalten.
Darum gehört das eben auch zu diesem Abweichen, dass man diese ganz komplizierte Auslegung aufgebaut hat, wie sie im Talmud beschrieben ist, und das ist effektiv ein Hindernis.
Der Herr Jesus hat ja diese Überlieferung der Ältesten sehr stark angegriffen. In Markus 7 sagt er: „Mit euren Überlieferungen der Ältesten hebt ihr sogar die Gebote Gottes auf. Jesaja hat trefflich über euch geweissagt: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit weg von mir.“
Der Herr Jesus hat immer wieder aufgezeigt, wie verschiedene Auslegungen falsch waren. Aber man war nicht bereit zu sagen: Jawohl, das war falsch, sondern man hat gesagt: In dem Fall ist dieser Mann aus Nazaret ein Verführer, und er muss sterben.
So hat das letztlich zu seiner Verwerfung geführt.
Aber hier sehen wir das Gebet: Warum, Herr, lässt du uns von deinen Wegen abirren? Verhärtest unser Herz, dass wir dich nicht fürchten?
Und denken wir daran: In Römer 11, Verse 8-10 und Vers 25 heißt es, dass Israel in der heutigen Zeit zum Teil Verstockung widerfahren ist.
Darum sind in den vergangenen zweitausend Jahren so prozentual so wenige Juden zum Glauben gekommen. Heute zeichnet sich eine Wende ab.
Aber hier wird gesagt: Warum verhärtest du unser Herz, dass wir dich nicht fürchten? Kehre zurück!
Und jetzt noch Vers 18:
Auf eine kleine Zeit hat dein heiliges Volk – ich muss noch vorherlesen – Kehre zurück um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils, das Land Israel.
Auf eine kleine Zeit hat dein Volk es besessen, unsere Widersacher haben dein Heiligtum zertreten.
Wir sind zu solchen geworden, über die du von Alters her nicht geherrscht hast, die nicht genannt gewesen sind nach deinem Namen.
Merkt man, was darin steckt? Hier wird gesagt: Es war eine kleine Zeit, in der wir das Land Israel besessen haben.
Nun, wenn wir heute die Geschichte Israels anschauen, dann können wir sehen, durch das ganze Alte Testament hindurch, mit der Ausnahme der babylonischen Gefangenschaft, bis ins Jahr siebzig hat Israel das Land besessen, von Joshua an.
Aber seither in weiteren Jahrhunderten nicht mehr. Erst ab 1882 kamen erste, zweite, dritte Einwanderung.
Das heißt also, die Zeit, die Jahre, die Israel das Land besessen hat, ist deutlich kleiner. Ich habe ja auf dem Blatt die Jahre davor gerechnet. Es ist ganz klar kleiner als die Zeit, wo es das Land nicht mehr besessen hat.
Aber das steht schon in Jesaja: Eine kleine Zeit, also den kleineren Teil haben wir das Land besessen.
Und jetzt sind wir ein Volk, über das du von Alters her nicht geherrscht hast.
Wenn wir vergleichen die letzten zweitausend Jahre jüdische Geschichte und das vergleichen mit dem Alten Testament, wo Gott ständig eingegriffen hat und sich um das Volk ganz deutlich gekümmert hat, ab dem Auszug aus Ägypten, Wüstenwanderung, dann in der Zeit der Richter, wo Gott immer wieder Richter geschickt hat, und wie Gott durch die ganze Geschichte hindurch so direkt gehandelt hat mit diesem Volk, und plötzlich nichts mehr.
2000 Jahre einfach ein Volk, das herumreist, aber in der ganzen Welt und nirgends zuhause ist.
Man fragt sich: Was ist mit diesem Volk? Und die sagen: Wir sind zu solchen geworden, über die du von Alters her nicht geherrscht hast.
Da sehen wir also, wie der Prophet Jesaja das wirklich in die Endzeit versetzt.
Und die Juden in der Endzeit, rückblickend auf die ganze Geschichte, beten so.
Es ist gewaltig, es sind prophetische Gebete.
Jesaja 64: Die Sehnsucht nach Gottes Eingreifen
Und jetzt wird es so schön ab Kapitel 64, Vers 1:
"Oh, dass du die Himmel zerrissest, herniederführst, dass vor deinem Angesicht die Berge erbebten wie Feuerreisig entzündet. Feuer, die Wasser wallen machen, um deinen Namen kundzutun, deinen Widersachern, damit die Nationen vor deinem Angesicht erzittern, indem du furchtbare Taten vollziehst, die wir nicht erwarteten.
Oh, dass du herniederführst, dass vor deinem Angesicht die Berge erbebten!"
Sie beten darum, dass Gott jetzt eingreift, nach dieser langen Zeit, in der einfach alles so trostlos ausgesehen hat. Und sie beten darum, dass der Himmel zerrissen wird. Das ist doch gewaltig, wenn wir daran denken, was geschehen ist, als der Herr Jesus am Kreuz gestorben ist. Da wurde der Vorhang im Tempel zum Allerheiligsten zerrissen, um zu zeigen: Jetzt ist der Zugang zum Herzen Gottes geöffnet.
Mit dem geschlossenen Vorhang konnte man Gott nur Avino, unser Vater, nennen. Aber mit dem zerrissenen Vorhang können wir ihn jetzt Vater nennen. Damit wollte Gott deutlich machen: Jetzt ist der Weg zu mir in die himmlische Herrlichkeit offen.
Ich habe einmal die Idee gehabt, die Stellen im Alten und im Neuen Testament durchzugehen, an denen gesagt wird, dass der Himmel geöffnet wird. Zum Beispiel Hesekiel 1,1: "Da taten sich die Himmel auf, und ich sah Visionen Gottes", schreibt Hesekiel. Also war der Himmel zuvor zu, und dann wurde er geöffnet.
In Matthäus 3,16 und Lukas 3,21, als der Herr Jesus am Jordan war und betete, heißt es: Da tat sich der Himmel auf. Da kam die Stimme: "Dieser ist mein geliebter Sohn." Aber danach kam das Kreuz, und seit dem Kreuz wird, wenn über einen offenen Himmel gesprochen wird, nicht mehr gesagt, der Himmel wurde geöffnet, sondern der Himmel war offen.
Es ist wichtig, dass man jedenfalls eine genaue Bibelübersetzung hat, wie die Alte Elberfelder oder die Elberfelder CSV. Hückeswagen ist so genau. Man lese also Apostelgeschichte 7,56 bei Stephanus nach dem Kreuz, Apostelgeschichte 10,11, Offenbarung 4,1. Dort sagt Johannes nach den Sendschreiben: "Nach diesem sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan in dem Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte, wie die einer Posaune mit mir reden, sprach: Komm hierherauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss."
Wenn hier steht, dass eine Tür aufgetan war, ist es falsch, zu übersetzen, sie sei aufgetan worden. Die Zeitform ist klar: war aufgetan. Und jetzt verstehen wir dieses Lied, das wir singen: "Der Himmel steht offen." Das ist genau richtig gedichtet, nicht wahr? Es gibt manchmal kleine Fehler in Liedern, aber das ist so genau ausgedrückt: Der Himmel steht offen, Herr, weißt du warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet hat darum. Seit dem Kreuz steht der Himmel offen.
Hier sehen wir, wie der Überrest in der Endzeit betet: "Oh, dass du die Himmel zerrissest!" Und die Antwort wäre: "Schon längst zerrissen, steht offen." Dann beten sie, dass Gott vom Himmel herabkommen solle, eingreifen solle. Interessant ist, dass sie nicht beten, der Messias solle in Bethlehem geboren werden.
Aber es ist ja das Eigenartige: In Micha 5 steht, der Messias wird aus Bethlehem kommen. "Und du, Bethlehem Ephrata, zu klein, um von den Tausenden Judas zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher in Israel sein soll." Die alten Rabbiner haben das richtig verstanden. Im Targum Jonathan ben Uzziel, einer aramäischen Übersetzung des Alten Testaments, die in jeder Rabbinerbibel enthalten ist, steht nicht nur "Aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher sein soll", sondern sie haben auf Aramäisch "Meschicha", den Messias, eingesetzt.
Es war klar, der Messias wird in Bethlehem geboren werden. Aber in Daniel 7,14 war auch immer klar: Der Menschensohn ist der Messias, und er kommt auf den Wolken des Himmels und wird dann die Weltherrschaft übernehmen.
Was soll jetzt sein? Soll er in Bethlehem geboren werden, oder soll er mit den Wolken des Himmels kommen? Die Antwort ist ganz einfach: Er kommt zweimal. Das erste Mal als Kind, geboren in Bethlehem, und das zweite Mal wird er direkt aus dem Himmel kommen als der Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels. Und da beten sie um das zweite Kommen, dass er herabfahre, um Israel zu befreien.
Ich lese jetzt weiter:
"Denn von Alters her hat man nicht gehört noch vernommen, hat kein Auge Gott gesehen, außer dir, der sich wirksam erwiese für den, der auf ihn harrt. Du kommst dem entgegen, der Freude daran hat, Gerechtigkeit zu üben, denen, die auf deinen Wegen deiner gedenken. Siehe, du, du ergrimmtest, und wir haben gesündigt."
Darin sind wir schon lange. So lass uns gerettet werden! Und wir alle sind dem Unreinen gleich geworden, und alle unsere Gerechtigkeiten sind gleich einem unflätigen Kleid. Wir verwelken alle wie ein Blatt, und unsere Missetaten raffen uns dahin wie der Wind.
Ganz interessant: Im Gebet sagen sie hier nicht, unsere Ungerechtigkeiten seien gleich einem unflätigen Kleid, sondern sie sagen, unsere Gerechtigkeiten seien gleich einem unflätigen Kleid. Alles, was wir meinten, mit unserer Auslegung in talmudischer Auslegung als eine Parallelgerechtigkeit aufzubauen, das ist ein unflätiges Kleid vor dir.
Im Gesetz steht zum Beispiel, man soll das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen. Das ist eine klare Aussage. Man soll nicht genau die Milch von einem Muttertier nehmen und darin das Junge kochen. Das ist eine Achtung gegenüber dem Muttertier, das innere Gefühle für das Junge hat.
Aber jetzt hat man sich gesagt: Ja, es könnte ja sein, wenn man irgendeine Milch nimmt und mit Fleisch kocht, dass es gerade die Milch der Mutter ist. Was kann man da machen, damit das nicht geschieht? Man kocht grundsätzlich keine Milchprodukte zusammen mit Fleischprodukten, außer es wäre Fisch. Dort weiß man, dass die Mutterfische keine Milch haben.
Wie ist es bei Geflügel? Die haben ja auch Milch? Nein, Geflügel könnte man verwechseln mit Rindfleisch, wenn man nicht darauf achtet. Also grundsätzlich trennen.
Aber das Problem ist: Wenn man isst, Milch und Joghurt und dann noch ein bisschen Fleisch, dann kommt im Magen, der wie ein Kochtopf ist, alles wieder zusammen. Gut, dann muss man das so trennen. Es gibt eine Mahlzeit, da darf man nur Milchprodukte essen, aber kein Fleisch. Erst eine Stunde später darf man wieder wechseln.
Aber wie ist es dann mit dem Geschirr? Es gibt Leute, die können abwaschen, aber es gibt Leute, die können nicht abwaschen. Es gibt Leute, die können abwaschen, aber es gibt Leute, die schaffen es nicht ganz. Da können ganz mikroskopisch kleine Reste von Fleisch übrig bleiben.
Jetzt stellen Sie sich vor: Man isst darin einen Joghurt, und zufällig wäre dieser Joghurt von einem Muttertier. Da muss man eben zwei Geschirre haben, eines für Milchprodukte und eines für Fleischprodukte.
Man merkt, man hat es immer weitergezogen, weitergezogen, weitergezogen, völlig über das hinaus, was Gott eigentlich meinte. Dadurch ist das Gefühl entstanden: Wir handeln gerecht. Jetzt sagen sie hier: Unsere Gerechtigkeiten sind geworden wie ein unflätiges Kleid. Wir können es gar nicht, wir brauchen einfach Vergebung.
Ich lese noch weiter:
"Und da war niemand, der deinen Namen anrief, der sich aufmachte, dich zu ergreifen, denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns vergehen lassen durch unsere Missetaten.
Und nun, Herr, du bist unser Vater, wir sind der Ton und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände.
Herr, zürne nicht allzu sehr und gedenke nicht ewig der Missetat. Sieh, schau doch her, dein Volk sind wir alle. Deine heiligen Städte sind eine Wüste geworden, Zion ist eine Wüste geworden, Jerusalem eine Einöde.
Unser heiliges und herrliches Haus, worin unsere Väter dich lobten, ist mit Feuer verbrannt, und alle unsere Kostbarkeiten sind verheert.
Willst du, Herr, bei solchem an dich halten? Willst du schweigen und uns ganz und gar niederbeugen?"
Wenn wir dann nächstes Mal weiterlesen, sehen wir: Nein, Gott wird kommen, wird eingreifen und sein Volk zum Ziel führen.
Aber ich möchte noch mit diesem Gedanken schließen: In Vers 7 sagen sie: "Du hast dein Angesicht vor uns verborgen."
In der Philosophie spricht man seit Auschwitz von der Gottesfinsternis. Seinen Ausdruck hat Martin Buber, ein Jude aus Deutschland, der vor den Nazis nach Amerika geflohen ist, geprägt. Er hat dort nach der Judenvernichtung Vorträge gehalten und ein kleines Büchlein mit dem Titel "Gottesfinsternis" geschrieben.
Damit wollte er nicht sagen, Gott existiere nicht, wie viele atheistische Philosophen behaupten, sondern er wollte sagen: In unserer Zeit ist es wie eine Sonnenfinsternis. Die Sonne ist zwar da, aber wir sehen das Licht nicht so, wie man es sehen sollte.
Wir leben heute in der Zeit der Gottesfinsternis. Gott verbirgt sich. Ja, das ist genau das, was die Bibel sagt: Gott hat sein Angesicht verborgen. Aber jeder aus diesem Volk und aus allen Völkern, die Jesus Christus als Retter ergreifen, erfahren, dass Gott sich völlig offenbart. Und zwar so, dass wir Gott Vater nennen können.
Das ist doch wunderbar.
Herr Jesus Christus, wir danken dir für dein Wort, das so reich und so tief ist. Wir können es einfach lesen, und die Kraft ist so deutlich, dass es Gottes Wort ist, das wir lesen. Es ist nicht Menschenwort.
Wir staunen immer wieder über deine Allwissenheit und wie das in dem prophetischen Wort so deutlich zum Ausdruck kommt. Herr Jesus, danke, dass du den Weg aufgetan hast, dass du den Himmel aufgerissen hast, so dass er jetzt offen steht für jeden, der zu dir kommt und mit dir ins Reine kommt.
Danke, Herr Jesus, dass wir auch diese frohe Botschaft heute noch verkündigen dürfen all den Menschen um uns herum: Der Himmel steht offen, weil du alles gut gemacht hast am Kreuz.
Wir bitten dich, dass wir alle erleben dürfen, wie Menschen in unserer Umgebung umkehren und deinen rettenden Arm in Anspruch nehmen.
Wir danken dir, dass du gekommen bist und dass du all diese Heilspläne des Vaters im Himmel ausgeführt hast, du der ewige Sohn, du der ewige Gott. Amen.
