Gerichtsurteil über das Pharisäertum II

Matthäus 23,6-12
Roger Liebi
Serie | 80 Teile

Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi

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Der Herr Jesus setzt seine Verurteilung der Schriftgelehrten und Pharisäer fort, entlarvt ihre egoistischen Motive und ruft zu wahrer Demut und Selbsterniedrigung auf. Diese Verse enthalten auch klare Verbote, sich von Menschen auf irgendeine höhere Position setzen zu lassen.


Wie am Ende vom letzten Vortrag schon angesprochen, macht Vers 5 deutlich, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer sehr darauf bedacht waren, vor den Menschen gut dazustehen, und dass sie sich dabei stolz und groß vorkamen. Darum machten sie sich breite Gebetsriemen und Quasten (siehe 4. Mose 15,38-39). Diese Quasten waren angeordnet worden, um sie stets an die Gebote Gottes zu erinnern. Wovon sprechen die Farben der Riemen?

  • Die weisse Farbe soll sie daran erinnern, dass Gott Reinheit gebietet und Enthaltsamkeit von jeder Art von Hurerei.
  • Die blaue Farbe soll sie daran erinnern, dass es keine Menschengebote, sondern Gebote des Himmels sind, Gebote, die von Gott kommen.

Die Verse 6 und 7 beziehen sich auf falschen Stolz und die Suche nach Menschenehre in geistlichen Dingen.

Darum belehrt der Herr Jesus an dieser Stelle seine Jünger und uns, dass wir uns vor jeder Art von geistlichen Titeln fernhalten sollen, durch die sich Menschen in geistlicher Hinsicht in Positionen stellen oder setzen lassen, die absolut gegen die Lehre Jesu sind (siehe Matthäus 13,51-52: es gibt sehr wohl “Schriftgelehrte” im Reich der Himmel, aber diese lassen sich nicht so nennen)

Vers 8 unterstreicht diese Lehre nochmal und sagt, dass wir alle “Brüder”, d.h. Geschwister einer geistlichen Familie sind. Darum ist es unfassbar, dass entgegen dieser klaren Belehrungen sich in der Christenheit klerikale Systeme mit geistlichen Positionen und Titeln gebildet haben, bei denen sich Menschen als “Pastoren”, “Vater”, “Pfarrer”, “Meister” und noch mehr ansprechen lassen. Es geht sogar soweit, dass in der großen Kirche mit Sitz in Rom der Mensch, der die oberste Position besetzt, als “Heiliger Vater” und sogar “Allerheiligster Vater” tituliert wird.

Paulus hatte viele geistliche “Kinder”, z.B. Timotheus (1. Timotheus 1,18), aber er hat sich nie als “Vater” oder “Pater” (lateinisch für “Vater”) ansprechen lassen. Er hatte z.B. zu den Korinthern eine geistliche Beziehung wie ein Vater zu seinen Kindern (siehe 1. Korinther 4,15).

Dem stellt der Herr in Vers 12 das Prinzip gegenüber, dass wir uns selbst erniedrigen sollen, statt uns stolz über andere zu überheben.

Hinweise

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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