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Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 21/60

Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 21/60
12.10.2008Psalm 89,1-53
SERIE - Teil 21 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)

Einführung in die messianischen Psalmen und Psalm 89

Wir sind zurzeit bei den messianischen Psalmen, das heißt bei den Psalmen, die prophetisch auf das erste Kommen von Jesus Christus hinweisen. Beim letzten Mal haben wir den Kreuzespsalm 88 genauer betrachtet. Jetzt kommen wir zu Psalm 89.

Wir lesen diesen langen Psalm mit 52 Versen zunächst durch. Beim Mitlesen sollte man auf Schlüsselwörter achten, also Begriffe, die ständig wiederkehren und prägend für den ganzen Psalm und seine Aussage sind.

Wer liest uns vor? Psalm 89. Eine Unterweisung Ethans des Esrachiters:

Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest, du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.

Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten; ich habe David, meinem Knecht, geschworen: Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig und deinen Thron bauen für und für. Und die Himmel werden, Herr, deine Wunder preisen und deine Treue in der Gemeinde der Heiligen.

Denn wer in den Wolken könnte dem Herrn gleichen und dem Herrn gleich sein unter den Himmlischen? Gott ist gefürchtet in der Versammlung der Heiligen, groß und furchtbar über alle, die um ihn sind.

Herr Gott Zebaoth, wer ist wie du? Mächtig bist du, Herr, und deine Treue ist um dich her. Du herrschst über das ungestüme Meer, du stillst seine Wellen, wenn sie dich erheben. Du hast Rahab zu Tode geschlagen und deine Feinde zerstreut mit deinem starken Arm.

Himmel und Erde sind dein; du hast den Erdkreis gegründet und was darin ist. Nord und Süd hast du geschaffen, Tabor und Hermon jauchzen über deinen Namen.

Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist deine Hand und hoch ist deine Rechte. Gerechtigkeit und Gericht sind die Stütze deines Thrones; Gnade und Treue gehen vor dir her.

Wohl dem Volk, das jauchzen kann, Herr! Sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln, sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein. Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke, und durch deine Gnade wirst du unser Haupt erhöhen. Denn dem Herrn gehört unser Schild, und dem Heiligen in Israel ist unser König.

Damals hast du geredet durch ein Gesicht zu deinem Heiligen und gesagt: Ich habe einen Helden erweckt, der helfen soll. Ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk. Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl.

Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken. Die Feinde sollen ihn nicht überwältigen und die Ungerechten ihn nicht demütigen. Ich will seine Widersacher vor ihm zerschlagen und die ihn hassen zu Boden stoßen.

Aber meine Treue und Gnade soll bei ihm sein, und sein Haupt soll erhöht sein in meinem Namen. Seine Hand lasse ich herrlich über das Meer herrschen und seine Rechte über die Ströme.

Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft. Und ich will ihn zum Erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Königen auf Erden.

Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade, und mein Bund soll ihm festbleiben. Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt.

Wenn aber seine Söhne mein Gesetz verlassen und in meinen Rechten nicht wandeln, wenn sie meine Ordnungen entheiligen und meine Gebote nicht halten, so will ich ihre Sünde mit der Rute heimsuchen und ihre Missetat mit Plagen.

Aber meine Gnade will ich nicht von ihm wenden und meine Treue nicht brechen. Ich will meinen Bund nicht entheiligen und nicht ändern, was aus meinem Munde gegangen ist.

Ich habe einmal geschworen bei meiner Heiligkeit und will David nicht belügen. Sein Geschlecht soll ewig bestehen und sein Thron vor mir wie die Sonne sein, wie der Mond, der ewiglich bleibt, und wie der treue Zeuge in den Wolken.

Aber nun hast du verworfen und verworfen und zürnst mit deinem Gesalbten. Du hast den Bund mit deinem Knecht zerbrochen und seine Krone entweiht in den Staub.

Du hast eingerissen alle seine Mauern und hast zerstört seine Festungen. Es berauben ihn alle, die vorübergehen, er ist seinen Nachbarn ein Spott geworden.

Du erhöhst die Rechte seiner Widersacher und erfreust alle seine Feinde. Auch hast du die Kraft seines Schwerts weggenommen und lässt ihn nicht siegen im Streit.

Du hast seinem Glanz ein Ende gemacht und seinen Thron zu Boden geworfen. Du hast die Tage seiner Jugend verkürzt und ihn bedeckt mit Schande.

Herr, wie lange willst du dich so verbergen und deinen Grimm wie Feuer brennen lassen? Gedenke, wie kurz mein Leben ist, wie vergänglich du alle Menschen geschaffen hast!

Wo ist jemand, der lebt und den Tod nicht sieht, der seine Seele errettet aus der Hand des Todes?

Herr, wo ist deine Gnade von einst, die du David geschworen hast in deiner Treue? Gedenke, Herr, an die Schmach deiner Knechte, die ich trage in meinem Herzen von all den vielen Völkern, mit denen, Herr, deine Feinde dich schmähen, mit denen sie schmähen hinter deinem gesalbten Heer.

Gelobt sei der Herr ewiglich! Amen, Amen!

Die besondere Stellung von Psalm 89 im Psalter

Dieser Psalm zeichnet sich durch eine besondere Länge und eine besondere Position im Buch der Psalmen aus. Was genau ist eine besondere Position im Buch der Psalmen? Man sieht, nach Psalm 89 folgt das vierte Buch. Und dann kommt Psalm 90. Haben das alle Übersetzungen so? Denn das ist keine späte Hinzufügung, sondern gehört zum hebräischen Grundtext.

Die Psalmen sind in fünf Bücher eingeteilt. Deshalb spricht man auch vom Pentateuch der Psalmen, in Analogie zum Pentateuch des Gesetzes Mose. Pentateuch bedeutet das Fünfbuch. Das Gesetz Mose besteht ja aus fünf Büchern. Aber auch die Psalmen sind als fünf Bücher aufgebaut. Inhaltlich gibt es ganz direkte Parallelen zwischen den fünf Büchern Mose und den fünf Büchern der Psalmen.

Es gibt einen Refrain, der jeweils das Ende eines Buches markiert. Das ist hier der letzte Vers: „Gepriesen sei der Ewige, ewiglich, Amen, ja Amen!“ Schauen wir uns ganz kurz das Ende des dritten Psalmbuches an, Psalm 72. Das war ja auch ein messianischer Psalm, der als Psalm über das kommende Königreich des Messias eine ganz besondere Bedeutung innerhalb des Psalmbuches hat.

Kann jemand Psalm 72, Vers 18 und 19 lesen? Es ist ein erweiterter Refrain, aber man sieht die Grundstruktur: „Gepriesen sei der Ewige“ haben wir auch am Ende von Psalm 89. Dort wird es erweitert durch „Gott, der Gott Israels, der Wunder tut, er allein“. Und in unserem Schlussvers haben wir „Amen, ja Amen“ und es wird hinzugefügt: „und gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit, und die ganze Erde werde erfüllt mit seiner Herrlichkeit, Amen, ja Amen.“

Diese Ausdrucksweise kommt in der Bibel sehr selten vor: „Amen, ja Amen“, aber genau hier, am Schluss des dritten Psalmbuches. Schauen wir uns den Schluss des zweiten Psalmbuches an. Verzeihung, bei mir ist noch ein Vers 20. Lesen Sie ihn bitte vor, dann erkläre ich noch etwas dazu.

Es sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais, am Ende. Das bedeutet: Mit diesen Gebeten im Blick auf das messianische Königreich sind eigentlich alle Bitten, die in Davids Herzen waren, zum Abschluss gekommen. Das beinhaltet den Endpunkt der Bitten Davids. Das verleiht diesem Psalm nochmals ein besonderes Gepräge am Schluss des zweiten Psalmbuches.

Nun schauen wir uns den Schluss des ersten Psalmbuches an, das ist Psalm 41. Der letzte Vers lautet: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen, ja Amen!“ Also haben wir wieder das Gleiche: „Gepriesen sei der Ewige“ oder „der Herr, Yahweh“. Hier wird es ergänzt durch „der Gott Israels“, aber das hatten wir auch am Schluss des zweiten Buches, „der Gott Israels“. Und weiter: „Von Ewigkeit bis in Ewigkeit“. Bei uns am Schluss von Psalm 89 heißt es „Gepriesen sei der Ewige, ewiglich“. Und jetzt wieder zurück zu Psalm 41: „Amen, ja Amen“. Wieder diese typische Abschlussformel.

Nun bleibt noch das Ende des vierten Buches. Das ist Psalm 106. Der letzte Vers bitte: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk sage Amen, Halleluja!“ Auch hier wieder die Parallele: „Gepriesen sei der Ewige“, dann der Zusatz „der Gott Israels“, den wir schon zweimal gehabt haben, „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Und dann wieder das Amen, das hier nicht verdoppelt ist, aber verstärkt wird, indem das ganze Volk dieses Amen aussprechen muss.

Es ist also ein Refrain in Variationen, der immer das Ende eines Buches markiert. Am Schluss des fünften Buches braucht es den Refrain nicht mehr. Dort ist sowieso klar, dass das Psalmbuch fertig ist, mit Psalm 150. In gewisser Weise ist der ganze letzte Psalm ein solcher Höhepunkt des Lobes Gottes: „Gepriesen sei der Ewige“. Psalm 150, dieser ausgesprochene Halleluja-Psalm, krönt so das ganze Psalmbuch.

Schlüsselwörter in Psalm 89: Treue und Gnade

Der Psalm 89 innerhalb des Psalmbuches wurde gelesen mit der Aufgabe, nach Schlüsselwörtern zu suchen. Dabei fiel auf, welche Begriffe ständig vorkommen. Besonders häufig erscheinen die Wörter „Ewig“ und „Treue“.

Wir haben das Wort „Treue“ genauer betrachtet und gezählt, wo es jeweils zum ersten Mal vorkommt. Das erste Vorkommen ist in Vers 1. Danach kommt es im Vers 3 wieder vor. Wer liest? Jawohl. Das dritte Mal steht es in Vers 6. Das vierte Mal taucht es in Vers 9 auf. Das fünfte Mal in Vers 15. Ist es bei Ihnen mit „Treue“ übersetzt? Dort steht „Wahrheit“, was ein anderes Wort im Hebräischen ist. „Wahrheit“ und „Treue“ hängen im Hebräischen eng zusammen, aber in Vers 15 sollte man besser mit „Wahrheit“ übersetzen, damit der Kontrast zu „Treue“ klar wird.

Das Wort „Treue“ kommt dann erneut vor, und zwar in Vers 25. Dort heißt es: „Meine Treue und meine Gnade sollen ihm sein, und in meinem Namen soll sein, warum er lebt.“ Das ist das sechste Mal. Das siebte Mal findet sich in Vers 38, zumindest als Adjektiv. Das ist ein anderes Wort und bezieht sich auf den Mond, während sich sonst immer „Treue“ auf Gott bezieht. Das Hauptwort „Treue“ erscheint schließlich ein siebtes Mal in Vers 50: „Du musst deine früheren Gnaden erlernen, die du gar nicht zugeschworen hast in deiner Treue.“

Insgesamt kommt das Wort „Treue“ siebenmal vor. Dabei handelt es sich siebenmal um das Wort „Emunah“, während in Vers 15 das andere Wort „Emet“ verwendet wird. Beide stammen zwar von der gleichen Wurzel, sind aber nicht dasselbe Wort.

Ein weiteres Schlüsselwort, das auffiel, ist „Gnade“. Wie oft kommt es vor? Zählen wir es zusammen aus: Das erste Mal in Vers 2: „Die Gnadenerweise des Herrn will ich ewiglich besehen, von Geschlecht zu Geschlecht eine Treue mit meinem Mund verkünden.“ Hier kommen die beiden Begriffe „Gnade“ und „Treue“ zusammen vor. Die Alte Elberfelder übersetzt „Gnadenerweise“ mit „Gütigkeiten“ (Plural von „Geset“).

Das nächste Mal erscheint „Gnade“ in der Einzahl in Vers 3. Es ist dasselbe Wort wie in Vers 1, nämlich „Chesed“. Das dritte Mal taucht es wieder auf. Das vierte Mal ist ein anderes Wort, nämlich „Razon“, was mehr „Wohlgefallen“ oder „dem Willen entsprechend“ bedeutet. Es ist weniger „Gunst“ oder „Gnade“, sondern eher „Wohlgefallen“ oder „Willen“.

Das nächste Vorkommen ist wieder in Vers 25, kombiniert mit „Treue“ („Emunah“): „Meine Treue und Gnade wird mit ihm sein, hoch soll sein Horn tragen, Kraft meines Namens.“ Hier steht erneut „Chesed“ für „Gnade“, „Güte“ oder „Gnadenerweis“.

Insgesamt kommt „Chesed“ zum sechsten Mal vor. Man sieht hier wieder die Kombination von „Gnade“ und „Treue“. Diese beiden Begriffe gehören eng zusammen. Schließlich erscheint „Gnade“ ein siebtes Mal in Vers 50, wieder kombiniert mit „Emunah“: „Herr, wo ist deine heilige Gnade, die du David geschworen hast in deiner Wahrheit?“

Zusammenfassend kommt das Wort „Treue“ siebenmal vor, ebenso „Gnade“ oder „Güte“ siebenmal.

Bedeutung von Chesed und der Bund mit David

Der Begriff Chesed wird oft mit „Gnade“ übersetzt, doch eigentlich trifft „Loyalität“ oder „Treue gegenüber einer Abmachung“ den Sinn besser. Chen bedeutet wirklich „Gnade“, während Chesed eher die Treue gegenüber einem Bund beschreibt.

Deshalb wird in der Bibel derjenige, der sich an den Bund Gottes hält – insbesondere der Israelit, der sich seit dem Sinai an diesen Bund gebunden fühlt –, als Chassid bezeichnet. Ein Chassid ist also jemand, der seinem Gottesbund loyal ist und sich auch mit seinem Herzen daran verpflichtet fühlt. Die Mehrzahl lautet Chassidim.

Dieser Ausdruck wurde im Judentum, vor allem in Osteuropa, für eine bestimmte Richtung unter den Ultraorthodoxen verwendet. Diese betonten die persönliche Verbindung mit Gott und nannten sich selbst Chassidim. Der Begriff ist jedoch biblischen Ursprungs: Ein Chassid ist derjenige, der treu gegenüber Gottes Abmachung ist. Wenn Gott von seiner Güte spricht, meint er damit, dass er sich an seine Bundesabmachungen hält, loyal ist und nicht davon abweicht.

Hier begegnet uns auch ein weiterer wichtiger Begriff, der eng mit Chesed zusammenhängt: der Bund. Wie oft wird der Bund in diesem Psalm ausdrücklich erwähnt? Zum ersten Mal in Vers 4, beziehungsweise im nächsten Vers. Es geht hier um einen Bund – aber um welchen? Es ist der Bund mit David, dem Auserwählten. Natürlich hat das auch mit dem Herrn Jesus zu tun, wie wir gleich sehen werden, doch im Text steht das nicht direkt. Der Name Jesus wird nicht genannt. Es geht um den Bund, den Gott mit David geschlossen hat.

Dieser Bund ist nicht derselbe wie der Bund vom Sinai, den Gott mit Israel als Volk geschlossen hat, als er ihnen die Tora, das Gesetz, gegeben hat. Es ist der Bund mit David. Wo wird im Psalm 89 noch einmal von einem Bund gesprochen? Genau, in Vers 28: „Ich will meine Gnade bewahren, und mein Bund soll ihm festbleiben.“ Hier sehen wir, wie das Wort Chesed mit dem Bund verbunden ist. Gott sagt: „Ich will meine Güte bewahren“, also Chesed, und bestätigt dies in der nächsten Verszeile mit dem Versprechen, dass sein Bund mit David fest bestehen wird.

Man merkt hier wiederum, dass „Gnade“ nicht ganz den Sinn trifft. Gnade ist eine unverdiente Gunsterweisung Gottes. Doch hier geht es um eine Gunsterweisung, die auf einer Abmachung, einem Versprechen, einem Bund beruht. Diese Nuance ist wichtig.

Ein drittes Mal wird der Bund erwähnt – in Vers 35: „Ich will meinen Bund nicht entweihen und was meine Lippen gesprochen haben, nicht ändern.“ Auch wenn hier nicht das Wort Chesed oder Emunah (Treue) vorkommt, drückt Gott auf andere Weise aus, dass er sich an seinen Bund hält. Dieser Bund soll nicht abgeändert oder entweiht werden.

In Vers 40 heißt es dann: „Du hast den Bund mit deinen Knechten preisgegeben, hast ihn zu Boden geworfen und seine Krone entweiht.“ Hier entsteht ein Problem. Der Psalmist fragt: Warum hat Gott den Bund mit David zu Boden geworfen? Gott ist doch der gütige Gott, der sich loyal an sein Versprechen hält. Er ist der treue Gott, für den eine Abmachung unabänderlich ist. Doch nun heißt es, Gott habe den Bund verworfen.

Der Psalm behandelt ein großes Problem: Wie kann Gott treu sein, wenn die Geschichte Israels so verlaufen ist? Ab Vers 39 gibt es einen klaren Einschnitt im Psalm. Noch in den zwei Versen davor steht etwas ganz anderes: „Sein Same wird ewig sein und sein Thron wie die Sonne vor mir; ewiglich wird er feststehen wie der Mond, und der Zeuge in den Wolken ist treu.“

Dann folgt: „Du aber hast verworfen und verstoßen, bist sehr zornig gewesen gegen deinen Gesalbten, du hast den Bund deines Knechtes verworfen, hast zu Boden geworfen und seine Krone entweiht.“

Aber sehen wir das Wort, das ich dazwischen nicht gelesen habe? Sela. Was bedeutet Sela? Es wird oft einfach überlesen, ist aber ein musikalisches Zwischenspiel, wahrscheinlich vom Orchester im Tempel. Die levitischen Priester-Sänger singen den Text bis Vers 37, der noch positiv ist. Dann folgt Sela, eine Pause zum Nachdenken über Gottes Treue. Danach kommt die Wende: „Du aber hast verworfen, verstoßen...“

Dieses Sela markiert also einen tiefen Einschnitt im Psalm und macht den Konflikt deutlich. Einerseits steht fest, dass Gott seinem Bund mit David treu sein muss. Andererseits ist die Realität eine andere: Das Königtum Judas ist zusammengebrochen. Im Jahr 586 v. Chr. zerstörten die Babylonier den Salomontempel, Jerusalem wurde niedergebrannt, und die Juden wurden nach Babylon deportiert. Von da an war das Königtum aus dem Haus Davids faktisch beendet.

Bereits Zedekia, der letzte König auf dem Thron Davids, stammte nicht mehr direkt aus der Linie, sondern aus einer Seitenlinie. Hier ist der Bruch gekommen. Die große Frage lautet: Wie kann das sein? Gott ist treu, aber das Königtum der Dynastie Davids ist zerbrochen.

Nach diesem Einschnitt folgt in Vers 46 ein weiteres Sela. Es markiert erneut eine musikalische Pause. Danach liest man in Vers 47: „Bis wann, Herr?“ Das lässt die Möglichkeit offen, dass es doch noch eine Wende geben könnte. Bis wann bleibt alles am Boden? Wann wird Gottes Treue sich endgültig bestätigen?

Dann folgt wieder ein Sela. In Vers 50 heißt es: „Wo sind deine früheren Gnaden, Herr, die du David zugeschworen hast in deiner Freude?“ Noch immer gibt es keine Wende, nur die Frage, wo die Güte sichtbar wird, die Gott David versprochen hat.

Im Gebet wird Gott daran erinnert, dass die Völker Israel schmähen und höhnen. Gott müsste eingreifen, denn das ist ein Angriff auf seinen Namen.

So zeigt dieser Psalm die Dramatik eines grundlegenden Problems in der Bibel: Wie kann Gottes Treue und die Realität des Leidens und Zusammenbruchs Israels miteinander in Einklang gebracht werden?

Der Bund mit David im Alten Testament

Jetzt fangen wir aber mal wieder vorne an. Es geht also hier um den Bund mit David. Wo hat Gott diesen Bund mit David geschlossen? Wo lesen wir mehr über diesen Bund?

Dann schlagen wir mal auf 2. Samuel 7 auf. Liest jemand ab Vers 1?

„Und es geschah, als der König in seinem Haus wohnte und der Herr ihm ringsumher Ruhe verschafft hatte, vor allem seinen Feinden, da sagte der König zum Propheten Nathan: Siehe doch, ich wohne in einem Haus aus Zedern, während die Lade Gottes in einem Zelt wohnt. Und Nathan sagte zum König: Geh hin, tu alles, was du in deinem Herzen hast, denn der Herr ist mit dir. Und es geschah in jener Nacht das Wort des Herrn zu Nathan: Geh hin und sage meinem Knecht David: So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen als Wohnung für mich. Wahrhaftig, nie habe ich in einem Haus gewohnt von dem Tage an, als ich die Söhne Israels aus Ägypten herausgeführt habe bis zum heutigen Tag, sondern ich bin herumgezogen in Zelt und Wohnung. In der ganzen Zeit, die ich unter allen Söhnen Israels herumgezogen bin, habe ich da damals zu einem anderen Stamm Israels, dem ich gebot, mein Volk Israel zu weiden, ein Wort geredet und gesagt: Warum habt ihr mir nicht ein Haus aus Zedern gebaut? Und nun sollst du zu meinem Knecht David sagen: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich selbst habe dich von der Weide genommen, hinter der Schafherde weg, dass du Fürst sein solltest über mein Volk, über Israel. Und ich bin mit dir gewesen überall, wohin du gegangen bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet. Ich mache mit dir einen großen Namen, gleich den Namen der Großen, die auf Erden sind. Ich setze für mein Volk, für Israel, einen Ort fest und pflanze es ein, dass es an seiner Stätte sicher wohnt und nicht mehr in Unruhe gerät. Und die Söhne der Ruchlosigkeit es nicht mehr unterdrücken wie früher, und zwar seit dem Tag, dass ich Richter über mein Volk Israel gestellt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor all deinen Feinden. So verkündige ich nun, der Herr, dass der Herr dir ein Haus machen wird. Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann werde ich deinen Nachkommen, die aus deinem Leib kommen, nach dir aufstehen lassen und werde sein Königtum festigen. Er wird meinen Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königszuges festigen für ewig. Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Und wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit der Rute der Menschen und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen. Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul habe weichen lassen, den ich vor dir weggetan habe. Dein Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.“

Nach all diesen Worten und nach diesem ganzen Gesicht so redete Nathan zu David.

Dann ging der König David hinein und setzte sich vor dem Herrn nieder und sagte: „Herr, wer bin ich, Herr, Herr, und was ist mein Haus, dass du mich hierher gebracht hast? Und das war noch zu gering in deinen Augen, Herr, Herr. Du hast sogar über das Haus deines Knechtes auf ferne Zukunft hingeredet und dies als Weisung für Menschen, Herr, Herr. Doch was soll David noch weiter zu dir reden? Du kennst ja deinen Knecht, Herr, Herr. Um deines Wortes willen und nach deinem Herzen hast du all dieses Große getan, um es deinem Knecht erkennen zu lassen.“

Also, Gott nein, ich muss anders anfangen.

David hatte den Wunsch, Gott einen Tempel aus Stein zu bauen. Er wollte also der Wanderschaft der Stiftshütte, die Gottes transportabler Tempel war, ab dem Auszug aus Ägypten ein Ende setzen. Er wollte Gott ein Haus aus Stein bauen. Das kam eigentlich aus der Überlegung heraus: Ich bin jetzt König in Jerusalem, in der Davidstadt.

In 2. Samuel 5 wird beschrieben, wie er die Burg Zion, das war das kleine eingemauerte Jerusalem am Südabhang des späteren Tempelberges, erobert hatte. Diese Burg Zion nannte er dann Stadt Davids. Gleich darauf haben die Bauleute von König Hiram aus Tyrus, aus dem Libanon, David einen Palast gebaut, und zwar gerade nördlich von der Davidsstadt.

Das ist aber gerade eine Stelle, wo der Bergrücken ganz besonders schmal wird. Um die Bodenfläche zu erweitern, haben sie eine riesige Steinaufschüttung errichtet. Diese heißt in der Bibel „der Millo“. Der Millo kommt immer wieder vor, schon in 2. Samuel 5 und anderen Stellen. Millo heißt einfach Auffüllung, eine ganz gigantische Steinaufschüttung. Dadurch konnte etwa 200 Quadratmeter Bodenfläche hinzugewonnen werden, um dort den Palast von David zu bauen.

Ein wunderbares Haus, das also diese Spezialisten für Architektur damals, die Tür David, gebaut haben. Übrigens, diesen Palast hat man vor drei Jahren begonnen auszugraben in der Davidsstadt. Die Archäologin Eilat Mazar ging von Bibeltexten aus. Viele Archäologen hatten gesagt, an der Stelle, wo sie meinte, da müsse der Davidspalast sein, sei nichts mehr zu finden. Man hatte zum Teil schon Grabungen gemacht bis auf den Grundfelsen, aber da war nichts zu finden.

Sie ging davon aus: Nein, in 2. Samuel 5 steht doch, nachdem David die Burg Zion erobert hatte, da wurde sein Palast gebaut. Der muss offensichtlich dann eben gerade nördlich angebaut worden sein, noch ohne Stadtmauer rundherum. Als dann die Philister kamen, in 2. Samuel 5, um Krieg gegen David zu machen, heißt es, David ging hinab von seinem Palast in die Burg Zion. Das war also noch zu unsicher in seinem Palast, weil noch keine Stadtmauer da war, und er ging also wieder runter in den eingemauerten Bereich.

Da war für sie klar: Ich muss also dort an dieser Stelle beim schmalen Bergrücken, dort, wo man den Millo schon lange entdeckt hatte, weitergraben. Und tatsächlich kamen ab 2005 die mächtigen Palaststeine von Davids Haus ans Licht.

Genau in diesem Haus saß David, 2. Samuel 7, Vers 1: „Und es geschah, als der König in seinem Haus wohnte und der Herr ihm ringsherum Ruhe geschafft hatte vor allen seinen Feinden, dann kam der Wunsch: Ja, wenn ich schon einen Palast habe, soll Gott auch einen Palast haben. Ich will ihm einen Tempel bauen.“

Aber Gott erklärte ihm: Nein, erst dein Sohn soll mir dann einen Palast bauen, einen Tempel. Aber wenn du schon den Wunsch hast, mir ein Haus zu bauen, will vielmehr ich dir ein Haus bauen.

Das ist jetzt ein Wortspiel, denn das hebräische Wort „Bayit“ (Haus) hat einen Doppelsinn: ein Wohnhaus oder eben eine Familie beziehungsweise, wenn die Familie über Generationen weitergeht, eine Dynastie. Das ist eben der Begriff „Haus Davids“ – die Dynastie.

Ja gut, und da hat Gott also versprochen, und das war ein Bund mit David: Ich baue dir eine Familie und eine Königsdynastie. Deine Nachkommen sollen auf deinem Thron sitzen, und zwar soll dieses Königtum bleiben bis in Ewigkeit.

Lesen wir nochmals 2. Samuel 7, Vers 12: „Also, am Schluss von Vers 11 sagt Gott, dass der Herr dir ein Haus machen wird. Und jetzt Vers 12: Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann werde ich deinen Nachkommen, der aus deinem Leib kommt, nach dir aufstehen lassen und werde sein Königtum festigen.“

Jawohl, also dein Nachkomme, wörtlich dein Same. Das bezieht sich jetzt da in erster Linie mal auf die nächste Generation, auf Salomo.

Und weiter Vers 13: „Er wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königstums festigen für ewig.“

Jawohl, also der soll einen Tempel bauen für Gott. Und so hat Salomo dann den Salomontempel an dem von Gott auserwählten Ort, Jerusalem, bauen lassen.

Also das ist auch ein Element, das mit zum Davidsbund gehört: der Tempel in Jerusalem. Und damit eben die auserwählte Stadt, nicht wahr? Schon im 5. Mose hat Mose einundzwanzig Mal von diesem Ort gesprochen, den der Herr einmal in einem deiner Stämme auserwählen wird, um dort seinen Namen wohnen zu lassen. Und nur an diesem Ort darf man schließlich Schlachtopfer bringen.

Wir können eine von diesen dreimal sieben Stellen aus dem 5. Mose aufschlagen. Das ist so ein ganz wichtiger Schlüsselbegriff für das fünfte Buch Mose: dieser auserwählte Ort, wo Gott seinen Namen wohnen lässt.

 5. Mose 12, lesen wir schon mal Vers 4 und 5: „Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, nicht auf diese Weise dienen, sondern an dem Ort, den der Herr, euer Gott, aus allen euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dorthin zu setzen, damit er dort wohne. Da sollt ihr ihn suchen, und dahin sollt ihr kommen.“

Jawohl, und dann kommt dieser Ort nochmals vor in Vers 11, und jetzt lies mal Vers 13 und 14: „Büte dich, dass du deine Brandopfer nicht an irgendeinem Ort opferst, den du dir erwählst, sondern an dem Ort, den der Herr in einem deiner Stämme erwählt. Da sollst du deine Brandopfer opfern, und dort sollst du alles tun, was ich dir gebiete.“

Jawohl, also der einzige ausgewählte Ort für die Opfer, da, wo der Tempel einmal hinkommen soll.

Aber Mose erwähnt kein einziges Mal den Namen dieses Ortes, er wird nur geheimnisvoll immer „der Ort, den der Herr erwählen wird“ genannt. Es vergingen noch Jahrhunderte, bis schließlich David, 2. Samuel 5, Zion, Jerusalem, eroberte. Dann wurde ihm durch prophetische Offenbarung mitgeteilt: Hier ist der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen lassen wird.

Und so schloss Gott diesen Bund mit David, der bedeutete: Es soll hier in Jerusalem, da soll der Tempel gebaut werden, von Davids Sohn, und die Nachkommenschaft Davids wird das Königtum weiterführen. Dieses Königtum wird dauern bis in Ewigkeit.

Kernaussage des Davidsbundes.

Jetzt lesen wir aber nochmals in 2. Samuel 7, Vers 13: „Er wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königszuges festigen auf ewig. Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen. Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul habe weichen lassen, den ich vor dir weggetan habe.“

Jawohl, also hier wird gesagt, dass die Nachkommenschaft Davids nicht automatisch treu sein wird. Gott sagt: Wenn es da zu Untreue kommt, dann wird Gott eingreifen durch Zucht, mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder. Das heißt, Gott wird Menschen benutzen, die das Königtum Davids schlagen.

Aber Gott verspricht: Meine Güte – jetzt haben wir wieder den Ausdruck „Chesed“ – soll nicht von ihm weichen. Das heißt, Gott wird sich an diesen Davidsbund halten. Das Versprechen wird bleiben, trotz der folgenden Untreue. Es wird nicht so kommen, wie das bei Saul war.

Saul wurde als König eingesetzt, nicht von Gott aus. Die Menschen wollten einen König haben, und so hat Gott es zugelassen, dass sie einen König nach ihrem Herzen wählen konnten. Aber dieser König hat versagt, und Gott hat ihn weggetan. So hatte also die Nachkommenschaft von Saul keine Zukunft mehr als Könige.

Und da gab es die Verheißung, dass diese Dynastie von Saul, die fortbestand haben sollte. Gott sagt also zu David: Es wird zwar so sein, wenn deine Nachkommenschaft untreu wird, dann werden sie durch Menschen geschlagen werden. Aber es wird nicht so sein wie bei Saul, dass ich dann mal diese Dynastie ein Ende setze. Nein, sondern da wird es nie ein Ende geben.

Darum noch Vers 2. Samuel 7, Vers 16: „Dein Haus aber und dein Königstum sollen vor dir Bestand haben für ewig, dein Thron soll feststehen für ewig.“

Jawohl, aber jetzt kommt eben in Psalm 89 die große Frage: Nun ist es so geschehen, Gott hat mit Menschenruten die Dynastie Davids schlagen lassen.

Nochmal Psalm 89, Vers 39.

Ich denke, das sind ganz starke Hinweise auf Jesus. Also er wird mein Sohn sein, und ich werde sein Vater sein, das sagt er für mich zu Salomo.

Es ist so: Im Neuen Testament wird dieser Vers dann auf den Herrn Jesus bezogen, und zwar in Hebräer 1. Da geht es im Zusammenhang um den Herrn Jesus, Vers 5: „Denn zu welchem der Engel hat er je gesagt? ‚Psalm 2: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt‘, und wiederum: ‚Ich will ihm zum Vater sein, und er soll mir zum Sohn sein.‘“ Und das ist die parallele Stelle Erste Chronik 17, Vers 13.

Schlagen wir kurz auf Erste Chronik 17, Vers 11 bis 13. Liest jemand ab Vers 11?

„Und ich will ihm Bestand geben in meinem Haus und in meiner Königsherrschaft auch ewig, und sein Thron soll feststehen für ewig.“

Jawohl, also das ist die exakte Parallelstelle zu 2. Samuel 7.

Aber die Sohnschaft Jesu bestand doch von Anfang an. Warum heißt es hier: Ich will ihm Vater sein? Dass Gott mit diesem Nachkommen aus dem Haus Davids ein Verhältnis haben wird von Vater zum Sohn.

Und es ist eben noch so, dass ganz wörtlich zuerst bezieht sich in 2. Samuel 7 die Verheißung auf Salomo. Denn schauen wir nochmals 2. Samuel 7, Vers 12: „So werde ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leib kommen soll, und werde sein Königtum befestigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königtums befestigen auf ewig. Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute.“

Also da wird die Möglichkeit gezeigt, dass er verkehrt handelt und dann geschlagen wird. Das kann sich natürlich nicht auf den Herrn Jesus beziehen.

Darum ist auch der Unterschied interessant: In 2. Samuel 7 wird diese Ungehorsamkeit und das Schlagen erwähnt, in 1. Chronik 17 aber nicht, obwohl es die Parallelstelle ist.

Also in 2. Samuel 7 geht es zunächst auf Salomo. Der hat wirklich versagt. Aber diese Verheißung geht weiter und hat sich dann vollkommen erfüllt in dem Herrn Jesus, der aus dem Haus Davids ist.

Also so kann man sagen: Salomo war der Vorgeschmack auf den Herrn Jesus, ein Vorhinweis auf ihn. Aber dieser Vorhinweis hat versagt.

Und die volle Erfüllung ist gekommen in dem Herrn Jesus.

Aber Salomo hat eine ganz besondere Beziehung zu dem Herrn, und das wird auch daran deutlich. David hat diesem Kind von Bathseba den Namen Salomo gegeben. Und dann kam ein Prophet und sagte: Der Herr lässt dir sagen, dass du diesen Sohn wie nennen sollst? Jedidja, der Geliebte des Herrn.

Das zeigt also diese ganz besondere Beziehung, die Salomo zum Herrn hatte. Aber er hat dann schließlich versagt. Und so ist er aber doch in seiner engen Beziehung ein kleiner Voraushinweis auf den Herrn Jesus, der als Mensch von Gott gezeugt war.

 Psalm 2: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“, das haben wir gerade gelesen in Hebräer 1, zusammen mit der Stelle: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein.“

Also das ist bei Salomo überhaupt nicht der Fall gewesen. Aber der Herr Jesus ist als Mensch von Gott gezeugt und war als Mensch Gottes Sohn. Aber seine Sohnschaft beschränkt sich nicht darauf, denn er war als Gott schon von Ewigkeit her Sohn Gottes.

Also die Gottsohnschaft Christi.

Da muss man in zwei Hinsichten sehen: Er ist Sohn Gottes als Gott, und er ist Sohn Gottes als Mensch durch die Zeugung. Das sind zwei verschiedene Seiten, die das Wort Gottes uns über seine Person offenbart.

Aber man kann sagen, also in 2. Samuel 7 ist der Fokus noch auf Salomo gerichtet. Wenn er eben abweicht, dann wird er geschlagen werden, gezüchtigt werden.

Aber in 1. Chronik 17 wird einfach gezeigt: Er wird meinem Namen ein Haus bauen, und sein Königtum wird bestehen bis zum Schluss.

Da ist dann der Fokus auf dem großen Sohn von Salomo, von David her, dem Herrn Jesus.

Das erfüllt sich eben doppelt: Salomo baute den ersten Tempel, und der Herr Jesus wird den dritten Tempel bauen.

Wir werden das zwar nach der Pause kurz anschauen, wie das gemeint ist, der dritte Tempel, den der Herr bauen wird.

Also, wir haben vor der Pause gesehen: Salomo ist ein Vorbild auf den Herrn Jesus hin. Also Vorbild im Sinne von griechisch „Typos“, eine Vorabbildung, eine Vorschattierung auf Christus hin.

Und das ist eben etwas, was wir im ganzen Alten Testament finden. Es gibt so viele Personen, die solche Voraushinweise sind.

Zum Beispiel Joseph, der zuerst von seinen Brüdern verworfen wurde, den Heiden überliefert, verkauft, aber später zum Königtum aufsteigt und auch Herrscher wird über seine Brüder. Da finden wir eine wunderbare Parallele auf den Herrn Jesus hin. Es gibt insgesamt etwa 300 Parallelen im Leben von Joseph.

Dann ist auch Isaak ein Vorbild auf den Herrn hin, eben im Sinne von Vorschattierung des geliebten Sohnes, der von dem Vater hingegeben wird als Opfer (1. Mose 22).

Dann habe ich gerade gehört, jemand hat gerufen: Melchisedek, König von Salem, ist auch so ein Vorauszeiger auf den letzten König von Salem, Jerusalem, den Herrn Jesus.

Und so ist eben auch Salomo ein Hinweis, dadurch, dass er als Same Davids auf den Thron kam und den ersten Tempel gebaut hat, genauso wie es von dem Messias heißt, dass er den Tempel Gottes bauen wird.

 Sacharja 6, können wir dazu aufschlagen? Liest jemand Sacharja 6, Verse 12 und 13?

„Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross.“

Man bedenke, dass Nazareth von der hebräischen Wurzel „Näzer“ (Spross) kommt. Also Nazareth ist auf gut Deutsch „Sprosslingen“.

Also siehe, ein Mann, sein Name ist Spross, Jesus von Nazareth. Und von ihm heißt es: Ja, er wird den Tempel des Herrn bauen.

Nun gibt es da ein Problem, weil viele prophetische Stellen sprechen, dass in der Endzeit ein Tempel stehen wird auf dem Zionsberg, auf dem Tempelberg in Jerusalem, bevor der Messias kommen wird als König der Welt.

Zum Beispiel in Joel 2: Dort wird eine künftige Invasion von Norden her beschrieben, bei der das ganze Land Israel, das wie ein Garten Eden ist, von dieser Armee verwüstet wird.

Und bei dieser Verwüstung wird gesprochen über den Tempel auf Zion und wie die Priester sich zwischen der Halle und dem Altar versammeln sollen, um Gott um Gnade anzurufen.

Eine Stelle, die noch nie in der Vergangenheit in Erfüllung gegangen ist, die ist noch zukünftig.

Aber da wird gesprochen von einem Tempel in der Endzeit, und erst danach kommt der Messias, um dann sein Volk aus dieser Not zu befreien.

Er wird den Tempel des Herrn bauen.

Nun, das erklärt sich so: Der Endzeittempel in der Bibel ist genau beschrieben in seinen Maßen in Hesekiel 40 bis 48.

Und die orthodoxen Juden heute wissen: Wir sind jetzt in der Endzeit, weil wir zurückkehren aus aller Welt in unser Land, und das haben die Propheten vorausgesagt.

Wenn wir so zurückkehren, dann ist es Endzeit.

Man bereitet sich heute schon vor auf den Bau eines Tempels.

Aber man hat ein Problem: Wie können wir den Tempel nach Hesekiel bauen? Denn da gibt es viele Dinge, die sind uns gar nicht klar, wie man die bauen soll, weil es Lücken in der Beschreibung gibt.

Dann kommt noch dazu: Die inneren Vorhöfe kann man sehr gut bauen, die bedecken ein 500 Ellen Quadrat, genau so wie der Salomontempel.

Und man weiß heute wieder ganz genau, wo sich das 500 Quadrat auf dem Tempelplatz befindet.

Aber der dritte Vorhof ist so groß, eineinhalb auf eineinhalb Kilometer. Da müsste man alle Täler rundherum auffüllen, um diese Plattform überhaupt zu bekommen.

Nun, es wird so kommen: Der dritte Tempel wird gebaut werden, noch vor der Wiederkunft Christi.

Aber in den kleineren Maßen, und es ist auch im Judentum so abgesprochen: Wir bauen das nach Hesekiel, was wir verstanden haben, und was wir nicht verstanden haben, da richten wir uns nach dem zweiten Tempel, das ist der Tempel zur Zeit Jesu.

Und sie sagen: Elija muss kommen, der Vorläufer des Messias, um uns zu erklären, wie man Hesekiel verstehen soll in allen Details.

Also sie werden diesen Tempel bauen, er wird stehen, der Antichrist wird ihn entweihen.

Aber nirgends wird gesagt, dass dieser Tempel zerstört werden wird.

Und wenn der Herr Jesus dann kommt auf den Wolken des Himmels und schließlich auf dem Ölberg erscheint, wird er nachher alles erklären, wie man Hesekiel 40 bis 48 verstehen muss, und wird den Tempel in seiner vollen Ausdehnung bauen.

Also man kann also so zählen, wie das bisher getan worden ist: Ein neuer Tempel wird gezählt ab einer vorangegangenen Zerstörung.

Und darum war der Tempel nach der Rückkehr aus Babylon, das war der zweite Tempel.

Er wurde zwar dann später groß ausgebaut unter König Herodes, aber es war nicht ein neuer Tempel, sondern es war der gleiche Tempel, der eben ausgebaut wurde, weil er nie zerstört worden war, der kleinere.

Und so wird es auch in der Zukunft sein: Der dritte Tempel wird gebaut, aber wird nicht zerstört werden, doch Jesus wird ihn ausbauen, den dritten Tempel.

Und so wird sich dann eben dieses Wort erfüllen: Er wird den Tempel bauen, oder wie in 2. Samuel 7: „Der wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde den Thron seines Königtums befestigen auf ewig.“

Jetzt haben wir auch gleich verstanden, worin die Lösung des großen Problems liegt.

Gehen wir zurück zu Psalm 89, Vers 39.

Also wie gesagt, das Königtum der Dynastie Davids ging endgültig unter im Jahr 586 v. Chr., als die Babylonier Jerusalem und damit auch die Königsstadt und den Tempel zerstört haben.

Danach gab es keine Nachkommen mehr aus der Linie von David, die je wieder Könige geworden sind.

Und das Ganze ist noch viel dramatischer, wenn man Folgendes bedenkt: Der letzte König aus dieser direkten Linie von David über Salomo war Jojachin.

Zedekia war schon eine Seitenlinie, schon aus der Linie Davids, aber nicht aus der direkten.

Aber dieser Jojachin wurde verflucht durch den prophetischen Ausspruch in Jeremia 22.

Das müssen wir aufschlagen.

Liest uns jemand Jeremia 22, Verse 24 und folgende?

Da wird Jojachin, mit seinem Kurznamen Konia, erwähnt.

Das ist ein echtes Problem, diese Stelle.

Und das zeigt jetzt die Dramatik: Jeremia hat in dieser Zeit gelebt, als die Babylonier dem Königtum ein Ende gesetzt haben, 586 v. Chr.

Und jetzt wird dieser letzte König aus der Davidslinie verflucht, und es heißt, man soll ihn aufschreiben, gewissermaßen als kinderlos, weil keiner von seinen Nachkommen je auf dem Thron Davids sitzen wird.

Wie soll jetzt noch die Verheißung Gottes je erfüllt werden können?

Gott hat doch David versprochen, dass aus dieser Linie der Messias kommen wird.

Und jetzt versteht man, mit welcher Inbrunst man Psalm 89 im Tempel singen konnte, im zweiten Tempel.

Warum? Bis wann, Herr, willst du immerfort verbergen? Und so weiter.

Jetzt, wie hat Gott dieses Rätsel gelöst?

Nämlich so: Joseph, der Mann der Maria, war ja ein Nachkomme aus dem Haus Davids, und zwar über Salomo und über Jojachin.

Joseph von Nazareth war ein direkter Nachkomme aus der Königsdynastie.

Wir finden das dokumentiert im Geschlechtsregister in Matthäus 1.

Der Jesus stammt ja von David ab, aber eben über Maria.

Das Geschlechtsregister von Maria wird beschrieben in Lukas 3, ab Vers 23 und folgende.

Da wird der Vater von Maria erwähnt, und dann geht die Linie zurück bis auf David, bis auf Abraham und sogar zurück bis auf Adam.

Und so war der Herr Jesus als Mensch wirklich ein Same von David, genau so wie es hier steht in Psalm 89, Vers 5.

Liest jemand?

Jawohl, im Hebräischen steht wörtlich nicht „deine Nachkommen“, sondern „dein Same“.

Aber „dein Same“ kann bedeuten „deine Nachkommenschaft“ oder eben auch eine bestimmte Person, dein Nachkomme, ewig.

Also geht ganz klar daraus hervor, aus dem Samen Davids sollte der Messias kommen.

Nun, Herr Jesus ist aus dem Samen Davids über Maria, aber Maria stammte nicht aus der Königslinie, sondern aus einer Seitenlinie.

Sie geht zurück bis auf Nathan, das war ein Bruder von Salomo, aber der hat eben nicht das Erbrecht für den Königsthron bekommen.

Aber dadurch, dass Joseph und Maria sich zunächst verlobt haben und dann auch geheiratet haben, wurde Joseph der gesetzliche Vater Jesu.

Und so hatte Jesus wegen dieser Heirat legal den Anspruch auf die Königslinie.

Dadurch, dass Maria eben über all diese Generationen zurück auch aus dem Haus Davids war, war er wirklich ein Same Davids.

Und durch diese Kombination ist in dem Herrn Jesus beides vereinigt: ein Sohn Davids, und er hat den legalen Anspruch auf die Königslinie, ohne aber ein biologischer Nachkomme von Jojachin zu sein.

Also das ganze Problem war nur lösbar über die Jungfrauengeburt.

Und das ist ja dieses große Zeichen, dass Jesaja dem König Ahas aus dem Haus Davids schon um 700 vor Christus verkündigte.

Gott sagt in Jesaja 7: Er soll mit seinem Sohn Scherjaschub hingehen bis zum Ende der Wasserleitung des oberen Teiches. Man kann heute in der Davidstadt alles schön sehen: den oberen Teich.

Ich habe gerade vor ein paar Tagen eine Gruppe da durchgeführt, den großen Teich gezeigt und Leute durch diesen alten kanaanitischen Silberkanal gehen lassen.

Und am Ende beim Walkerfeld, also ganz unten in der Davidstadt, dort, wo die Gärten im Kidrontal waren, dort ist Jesaja mit Ahas zusammengetroffen und hat ihm gesagt:

Ahas, der in einer schwierigen Situation war, du darfst von dem Herrn ein Zeichen fordern.

Er tut so fromm: Nein! Das ist nicht gut, wenn man ein Zeichen fordert.

Dann sagt Jesaja: Dann sagt der Herr, ich werde dir, weil du kein Zeichen willst, werde ich dir ein Zeichen geben.

Eine Jungfrau wird schwanger werden und wird einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen Immanuel heißen.

 Jesaja 7, Vers 14 war die Verheißung.

Der Messias wird aus dem Haus Davids von einer Jungfrau geboren werden.

So konnte der Davidsbund aufrechterhalten werden.

Trotz diesem Zusammenbruch des Königtums, trotz der Verfluchung der authentischen Königslinie.

Der Jesus kam vor zweitausend Jahren, geboren in Bethlehem, in der Stadt, wo David als Kind lebte.

Aber er wurde von seinem Volk, von der Masse als König abgelehnt, und dadurch wurde sein Königtum verschoben auf später.

Und wenn Jesus dann bei seinem zweiten Kommen in Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels, nicht mehr geboren in Bethlehem, sondern auf den Wolken des Himmels kommen wird, wird er die Herrschaft, die Weltherrschaft übernehmen und wird dann herrschen bis ans Ende des tausendjährigen Reiches.

Und dann wird Gott dieses Weltall auflösen.

So wird also bis ans Ende der Welt der Same Davids regieren, und nachher geht sein Königtum weiter, weil Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, und der Herr Jesus wird auch dann als König über diese neue Schöpfung regieren.

Schauen wir mal ganz kurz in Lukas 1, was der Engel Gabriel Maria verheißt hatte, als er in Nazareth zu ihr gekommen war.

 Lukas 1, Vers 26.

Also nicht nur bis ans Ende der Welt, sondern kein Ende.

Seine Herrschaft wird dann über das tausendjährige Reich in alle Ewigkeit reichen, über die neue Schöpfung.

Und so wird Gott also seine Verheißung, seinen Bund mit David eben trotzdem noch wahrmachen.

Also man staunt über die verschlungenen Wege Gottes.

Jetzt sehen wir, wie wichtig dieses Siebenmal „Chesed“ – Gottes Bundestreue – und dann eben das andere Wort, Siebenmal „Emunah“ – Treue, Beständigkeit –, Schlüsselwörter für den Davidsbund, der Israel bis an einen Punkt brachte, wo sie fast verzweifelten.

Und das ist ja heute auch im Judentum ein Riesenproblem.

Seit 2600 Jahren haben wir keinen Nachkommen mehr von David auf dem Thron gehabt.

Müssen wir wirklich einmal warten auf einen bestimmten Messias aus der Linie von David, der König sein wird?

Ja gut, es gibt ja schon mal das Problem: Die Geschlechtsregister wurden ja verbrannt im Jahr 70, als die Römer Jerusalem zerstörten.

Das ganze Archivhaus in Jerusalem wurde zerstört.

Seither ist es ja normal, dass ein Jude nicht mehr genau sagen kann, aus welcher Linie er kommt.

Aber es gibt doch Familien, die haben das sehr stark bewahrt in der Familientradition.

Zum Beispiel gerade diejenigen, die wussten: Wir sind Nachkommen von Aaron aus der Priesterlinie.

Die haben das von Generation zu Generation weitergegeben.

Das sind die Kohanim, hebräisch Priester, oder Einzahl Kohen.

Darum haben diese oft den Familiennamen später gewählt: Kohen oder Khan, Kahane.

Das sind alle aus diesem Priestergeschlecht.

Und vor einiger Zeit war ja in Nature zu lesen, dass man bei den Leuten, die Kohen heißen, eine spezielle Markierung im DNS, im Erbgut gefunden hat, das statistisch überwältigend oft vorkommt.

Man kann also sogar in den Genen ablesen, wer ein Kohen ist.

Es gibt aber trotzdem Juden noch heute, die haben auch die Tradition, dass sie aus dem Haus David sind.

Auch schon der Rabbi Raschi im Mittelalter, das ist einer der wichtigsten Kommentatoren noch heute, Raschi wird von orthodoxen Juden viel gelesen, der wusste auch noch, dass er aus dem Haus Davids ist.

Es gibt also Familien bis heute, die haben die Familientradition bewahrt, dass sie aus dem Haus Davids sind.

Aber was nützt das ihnen, wenn das zurückgeht bis auf Jojachin?

Sie sind verflucht, sie können nicht auf den Thron Davids gehen.

Und wenn sie aus einer Seitenlinie kommen, was nützt es ihnen?

Sie haben ja nicht eben den Anspruch auf die legale Königslinie.

Es nützt alles nichts.

Und darum hat sich das im Judentum, vor allem in den liberalen Kreisen, verbreitet: Wir müssen gar nicht auf einen Messias warten.

Das ist mehr einfach so eine Idee, dass mal eine gute Zeit kommt und eine Zeit, wo Frieden herrscht und alles gut gehen wird.

Das ist so quasi das messianische Ideal.

So verzweifelt sind sie an dieser Frage.

Weil man menschlich gesprochen sagen muss: Wie soll das jemals realisiert werden, dass diese Verheißungen wortwörtlich in Erfüllung gehen sollen?

Aber dank der Erfüllung in dem Herrn Jesus Christus und mit Hilfe des Neuen Testaments sehen wir: Natürlich geht das.

Der Herr Jesus ist vor zweitausend Jahren von einer Jungfrau aus dem Haus Davids geboren worden.

Und der legale Vater, der Mann, der Maria, kommt aus der korrekten Linie.

Und das war noch vor dem Jahr 70.

Darum das Geschlechtsregister war dokumentiert, und bis im Jahr 70 konnte jeder das noch in Jerusalem nachprüfen.

Darum gibt es ja auch im Judentum keine Schriften aus der Frühzeit, die irgendwie das Geschlechtsregister von Joseph in Frage stellen würden.

Das wäre ein Betrug gewesen.

Wenn das so gewesen wäre, dass seine Abstammung gar nicht stimmt, hätte man im Judentum natürlich sofort das als die Hauptwaffe einsetzen können: Jesus ist gar nicht aus dieser Linie.

Aber dieses Argument hat man nicht verwendet.

Paulus hat die Christen verfolgt, die Judenchristen, aber nicht mit diesen Argumenten.

Wir haben ja in Jerusalem das nachkontrolliert.

Das stimmt ja alles nicht.

Das war so klar, so eindeutig klar, was da in Matthäus 1 steht.

Und wir haben dieses Geschlechtsregister noch heute in Händen und können beweisen.

Auch mit dem Geschlechtsregister in Lukas 3.

Der Jesus erfüllt die Voraussetzungen.

Davids Bund geht in Erfüllung.

Gottes Treue bleibt.

Und darum ist siebenmal die Zahl sieben in der Bibel die Zahl der Vollkommenheit.

Mit den sieben Schöpfungstagen war alles vollkommen, vollendet, sehr gut.

Darum hat sieben also nichts zu tun mit irgendwelchen Dingen, sondern einfach die Symbolik der Vollkommenheit.

Gottes Treue bleibt bestehen, auch wenn der Mensch in Situationen kommt, wo er plötzlich denkt: Wie kann Gott noch treu sein? Es geht ja gar nicht mehr.

Und so ist dieser Psalm 89 natürlich auch eine Hilfe für jeden, der in seinem Leben in solche Nöte kommt, wo er irgendwie verzweifelt an Gottes Treue oder verzweifeln will an Gottes Treue.

Aber dann darf er wissen: Selbst wenn ich nicht verstehe, einmal wird trotzdem klar werden, Gott ist treu.

Auch in dieser Sache.

Jetzt rückblickend können wir sagen: Natürlich ist alles gelöst.

All dieses Warum, warum, bis wann, wo sind, o Herr, deine früheren Gütigkeiten, die du dem David zugeschworen hast in deiner Treue, gedenke, Herr!

Jetzt können wir abschließen mit dem letzten Vers des Psalms:

Gepriesen sei der Herr ewiglich! Amen, ja, Amen!

Fragen und Erläuterungen zum Psalm 89

Gibt es noch weitere Fragen zu Psalm 89? Wir sind jetzt nicht auf jeden Vers eingegangen, da wir für den Rahmen schon sehr viel Zeit gebraucht haben. Ist das so?

Horn – aber bei wem steht anstatt Horn „Haupt“? War das ein Lesefehler oder steht es so? Nein, in Psalm 89 kommt dreimal „Horn“ vor, und immer haben sie „Haupt“ vorgelegt. Also machen wir gerade einen Test: Vers 16 oder liest der Leser gerade mal Vers 18? Bei mir steht „Haupt“, also ist es doch ein Fehler. Und zwar ja, im Hebräischen steht „Keren“, das heißt „Horn“, ganz klar, das Horn eines Tieres.

Das ist eben das Bild der Stärke und der Kraft. Wenn man mit einem Stier zu tun hat, merkt man sehr bald, dass das Horn ein Bild der Macht und der Beständigkeit ist. Wenn also Gott sagt, dass er das Horn erhebt, dann heißt das, dass er Festigkeit gibt.

Interessant ist Folgendes: Womit wurde David zum Königtum gesalbt? Mit einem Horn, mit Öl drin, in einem Horn, 1. Samuel 16. Womit wurde Saul gesalbt? Mit einer Flasche, 1. Samuel 10. Wenn man eine Flasche zu Boden wirft, zerbricht sie. Ein Horn bleibt. So sollte das Königtum von Saul zerbrechen und untergehen, aber das Königtum von David nicht.

Darum ist das Wort „Horn“ in diesem Kapitel ganz, ganz wichtig. Es ist auch das Mittel gewesen, mit dem David gesalbt worden ist. So sehen wir die Bedeutung des Davidsbundes.

Und wenn wir jetzt schon beim Thema Bund sind, zum Abschluss noch kurz die Frage: Gibt es in der Bibel noch mehr Bündnisse Gottes? Ja, natürlich. Die Frage ist ein bisschen suggestiv, aber jetzt kommt die schwierige Frage: Welche Bündnisse?

Der Bund mit Abraham? Ja, also der Bund wurde zuerst geschlossen in Sichem, 1. Mose 12, und Gott sagte ihm: Deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben. Das ist der Bund der Landverheißung und des Segens für alle Völker. Gott hat diesen Bund dann mehrmals immer wieder bestätigt, auch später gegenüber Isaak, dass er über diese Linie gehen soll, und gegenüber Jakob, dem Stammvater der zwölf Stämme Israels. Das ist der Bund Abrahams.

Da haben wir also schon zwei Bündnisse.

Der Bund mit Noah: Das ist ein Bund, der mit der ganzen Welt geschlossen wurde. In diesem Bund hat Gott zum Beispiel auch die Obrigkeit eingesetzt. Wer Menschenblut vergießt durch den Menschen, dessen Blut soll vergossen werden. Gott gibt der Obrigkeit die Schwertgewalt. Das ist der Bund von Noah, der aber noch viel mehr umfasst, denn Gott schließt ihn mit allen Lebewesen, solange die Erde besteht. Der Bogen war dann das Symbol dieses Bundes mit Noah.

Dann haben wir drei Bündnisse.

Weiter: Der neue Bund, der im Alten Testament in Jeremia 31 angekündigt wird. Gott sagt, dass er einen neuen Bund mit Israel schließen wird. Wenn Gott einen neuen Bund sagt, ist das der Kontrast zum alten Bund, dem Bund vom Sinai, den Gott mit Israel am Sinai geschlossen hat, 2. Mose 19.

Ja, jetzt haben wir schon fünf.

Der Bund mit Adam, in dem Gott die Einehe eingesetzt hat, einen Mann und eine Frau, und in dem Gott den Menschen als Untertan und Diener Gottes eingesetzt hat. In Hosea 6 wird ausdrücklich von diesem Bund mit Adam gesprochen.

Ja, jetzt haben wir schon sechs Bündnisse.

Aber es wäre schön, wenn wir sieben hätten, oder? Ja, und das ist der Nebukadnezar-Bund. Es ist so, dass mit dem Ende des Königtums der Familie Davids die Babylonier die Macht übernommen haben. Die Babylonier haben dann von sich aus noch Zedekiah eingesetzt, einen, der nicht mehr aus der direkten Linie war, nur an der Seitenlinie.

Die Babylonier haben mit dem Haus Davids einen Bund geschlossen. Ich gebe ganz kurz die Stelle an: Hesekiel 17. In diesem Buch nennt Gott diesen Bund den Nebukadnezar-Bund.

Ich gebe nur ganz kurz die Stellen an, wir haben nicht mehr die Zeit dazu: Hesekiel 17, Vers 13: „Und er hat von dem König Samen genommen und einen Bund mit ihm gemacht und hat ihn in einen Eid eingehen lassen.“

In Vers 14 wird dieser Bund nochmals genannt, ebenso in Vers 15, Vers 16 und Vers 18. Dort wird gesagt, dass dieser Bund von den Juden gebrochen worden ist. Vers 18: „Da er den Eid verachtet und den Bund gebrochen hatte, und siehe, er hatte seine Hand darauf gegeben und tat dennoch alles dieses, so wird er nicht entrinnen.“

In Vers 19 nennt Gott dies „meinen Bund, den er gebrochen hat“. Also Nebukadnezar, als die neue Weltmacht, die Gott eingesetzt hatte, setzte das Haus Davids als Untertan ein.

Von da an beginnt die Zeit der Nationen. Daniel sieht im Traum von Nebukadnezar, wie die Babylonier die Weltherrschaft bekommen. Nach ihnen werden die Perser, die Medo-Perser, die Weltherrschaft haben, dann die Griechen und schließlich Rom.

Im Neuen Testament wird erklärt, dass das vierte Weltreich, Rom, drei Phasen hat: Es war, ist nicht und wird wieder aus dem Abgrund hervorkommen. Heute sehen wir das alte römische Reich, das sich wieder erhebt. Das neue Europa wird als die Wiederentstehung der Einheit des alten römischen Reiches gesehen. Das war schon die Sicht unter Europavisionären früherer Zeiten.

Ja, das römische Reich kommt wieder, und dann wird der Herr Jesus kommen und sein Königreich einsetzen.

So haben wir ab Nebukadnezar die Zeit, in der die Heidenvölker die Weltherrschaft haben und nicht mehr Israel oder die Dynastie von David. Die Dynastie von David wurde unter den Bund von Nebukadnezar gesetzt, und Gott nennt diesen Bund „meinen Bund“. Weil sie rebelliert haben gegen Nebukadnezar, sagt Gott, sie haben meinen Bund gebrochen.

So können wir genau nach diesen Bündnissen die ganze Heilsgeschichte in sieben Zeitalter einteilen.

Wir haben die Zeit vom Paradies, den Bund von Adam, aber der Mensch bricht auch diesen Bund, den Sündenfall, und das Böse entwickelt sich so, bis die ganze Erde voll des Bösen ist. Dann kommt die Sintflut. So wird das erste Zeitalter abgeschlossen.

Dann wählt Gott Noah aus, macht einen Bund mit ihm und mit all seinen Nachkommen. Aber wir sehen, wie im Turmbau von Babel die Menschen gegen Gott rebellieren und auch diesen Bund brechen.

Dann wählt Gott einen neuen Menschen, Abraham, schließt einen Bund mit Abraham und später mit seinen Nachkommen, dem Volk Israel.

Gott schließt einen Bund am Sinai, so schließt Gott den Bund mit dem auserwählten Volk. Später kommt der Bund mit David, und als das Königtum fertig war, kommt der Bund von Nebukadnezar, die Zeiten der Nationen.

Dann kommt der Herr Jesus, wird die Herrschaft übernehmen und den neuen Bund mit Israel schließen.

Das ist das siebte Zeitalter.

Jetzt fehlt uns natürlich das Zeitalter der Gemeinde. Das Zeitalter der Gemeinde ist ein Einschub in die Zeit der Nationen.

Das ist ein bisschen kompliziert. Wer das noch nie gehört hat, kann jetzt nicht alles verstehen, weil ich nur andeutungsweise darauf eingehe. Man kennt doch die Prophetie der siebzig Jahrwochen in Daniel 9. Das fällt alles in die Zeit der Nationen hinein.

69 Jahrwochen waren, bis der Messias kam. Dann kam ein Unterbruch in der Zählung. Erst gerade vor der Wiederkunft Christi, sieben Jahre vorher, geht die siebzigste Jahrwoche weiter.

Das heißt, es gibt einen Unterbruch zwischen der neunundsechzigsten und der siebzigsten Jahrwoche, und genau dazwischen fällt das Zeitalter der Gemeinde, von dem Paulus in Epheser 3 sagt, dass es ein Geheimnis war, das Gott im Alten Testament nie einem Propheten mitgeteilt hatte.

Man sieht im Alten Testament eine Lücke, aber man versteht nicht, was diese Lücke bedeuten soll. Das ist genau die Zeit, in der Gott die Gemeinde realisiert hat.

Die wird also da eingeschoben in die Zeit, in der die Heidenvölker herrschen.

Aber wir sehen, dass die Juden nun zurückgekommen sind und Jerusalem wieder erobert haben, den Tempelberg.

Da sehen wir, dass es jetzt zu einem Abschluss der Zeiten der Nationen kommt. Denn der Herr Jesus sagt in Lukas 21, dass Jerusalem von den Heiden zertreten werden wird, bis die Zeiten der Nationen vollendet sind.

Seit dem Jahr 70 war Jerusalem ständig unter Fremdherrschaft. 1967 haben die Israelis die Hand auf den Tempelberg, auf Ostjerusalem, gelegt. Die ganze Welt schreit, wir müssen es zurückgeben, das sei gegen Völkerrecht und widrig.

Sie haben die Hand daraufgelegt und bereiten schon den dritten Tempel vor.

Jetzt merken wir, dass wir in dieser Übergangszeit sind, und der König kommt bald aus dem Haus Davids, der Herr Jesus, um das siebte Zeitalter einzuführen.

So kann man wirklich schön zeigen, wie die ganze Heilsgeschichte in sieben Zeitalter aufgeteilt ist. Jedes Mal beginnt es mit einem Bündnis Gottes, jedes Mal.

Noch weiter geführt, nur so als Anregung: Zu all diesen sieben Zeitaltern mit den sieben Bündnissen gibt es eine schöne Parallele mit den sieben Schöpfungstagen. Das geht schön auf.

Es ist wie das Inhaltsverzeichnis da vorne, das erste Blatt der Bibel, das Inhaltsverzeichnis für den ganzen Ratschluss Gottes mit dieser Welt.

Der Herr Jesus ist das Zentrum in all diesen Bündnissen.

Vielleicht können wir dann nächstes Mal die Fragen beantworten, die jetzt sicher aufgekommen sind. Das heißt übernächstes Mal, denn nächstes Mal wird ja ein spezielles Thema vor uns stehen.

Wir wollen noch zum Schluss beten.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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