Einführung und archäologische Entdeckungen in Tel Hazor
Ich möchte alle ganz herzlich zu diesem Bibelstudientag begrüßen. Das Thema heute Morgen lautet: Tel Hazor und Tel Dan – Zeugen der Glaubwürdigkeit der Bibel.
Tel Hazor, auf Deutsch Hazor, heißt auf Hebräisch ebenfalls Hazor. Es befindet sich im oberen Teil Israels, in Galiläa. In den vergangenen Jahrhunderten war dieser Ort unter dem arabischen Namen Tel El Keda bekannt. Eine wichtige Wende für diesen Ort kam im Jahr 1875, als der Gelehrte Leslie Porter diesen Erdhügel mit der biblischen Stadt Hazor identifizierte.
Erst 1928 wurden kleine Probegrabungen durchgeführt, damals durch John Gersten. Die intensiven, großen Grabungen begannen von 1955 bis 1958 und wurden 1968 unter der Leitung von Yigael Yadin fortgesetzt. Yadin spielte übrigens als Militärführer im Krieg 1948, als es um das Überleben Israels ging, eine entscheidende Rolle. In diesen Jahren grub Yigael Yadin viel aus. Ab 1990 wurden die Ausgrabungen unter Professor Amnon Bentor wieder neu aufgenommen. Das ist die kurze Geschichte der Archäologie von Tel Hazor.
In früherer Zeit, man kann sagen vor unserer Zeit, war dieser Hügel ein Geheimnis von Jahrtausenden. Was verbarg sich darunter? Das war die große Frage für frühere Menschen. Hier sehen wir Tel Hazor nach den Ausgrabungen aus der Luft.
Übrigens heißt Tel auf Hebräisch und auch auf Arabisch „Hügel“. Es handelt sich dabei aber nicht um einen natürlichen Hügel, sondern um einen Zivilisationsschutthügel. So ist es auch hier. Das, was man hier sieht, ist kein natürlicher Hügel, sondern ein Ort, an dem eine erste Siedlung in der ältesten Vergangenheit gebaut wurde.
Diese Siedlung wurde zerstört, dann wieder auf den Trümmern aufgebaut, erneut zerstört und wieder aufgebaut. So ging das immer weiter, bis ein Tell, ein künstlicher Hügel, entstanden war. Das ist ganz typisch für den Nahen Osten.
In Hazor kann man 21 verschiedene Schichten von unten nach oben unterscheiden. Deshalb ist es sehr wichtig, beim Graben sorgfältig die verschiedenen Schichten zu unterscheiden. Es ist von vornherein klar: Je weiter oben eine Schicht liegt, desto jünger ist sie.
In der Geologie kann es Ausnahmen geben, wenn zum Beispiel eine Faltung später erfolgt und dadurch die Reihenfolge der Erdschichten umgedreht wird. In der Archäologie hingegen kommt so etwas nicht vor. Deshalb muss jede Schicht beim Runtergraben ganz sorgfältig dokumentiert werden.
Besonders wichtig sind dabei die Scherben, also die Keramik. Es ist ähnlich wie heute: Auch in der Vergangenheit gab es Modeerscheinungen, und bestimmte Arten von Geschirr waren typisch für eine bestimmte Generation. Aufgrund der Veränderung der Keramik im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende konnte man eine relative Chronologie errichten.
Man weiß also, dass eine bestimmte Art von Keramik typisch für eine bestimmte Epoche ist, eine andere Art für eine frühere Epoche usw. So kommt man zu einer relativen Datierung.
Schauen wir uns hier die dritte Schicht in Tel Hazor an. Findet man dort Keramik, die man genau in der gleichen Art in einem anderen Hügel, zum Beispiel in der fünften Schicht, entdeckt, dann kann man die dritte Schicht mit der fünften Schicht am anderen Ort zeitlich relativ in Verbindung bringen.
Diese Art der relativen Datierung wurde im zwanzigsten Jahrhundert sehr stark weiterentwickelt.
Die Bedeutung von Hazor in der biblischen Geschichte
Die Untersuchungen in Tel Hazor haben gezeigt, dass es die größte Stadt in der kanaanitischen Zeit war. Das gesamte Gebiet umfasst achtzig Hektar – also die Oberstadt hier und die Unterstadt dort zusammen. Das entspricht etwa elf Fußballfeldern nach FIFA-Norm.
Das bedeutet, dass in biblischer Zeit des Alten Testaments, zur Zeit der Kananiter, etwa 15.000 Menschen in dieser Stadt lebten. In 1. Mose 11, Vers 10 lesen wir, dass Hazor die Hauptstadt der Königreiche von Kanaan war.
Die Kananiter waren so organisiert, dass es eine Stadt mit einem König gab. Rundherum gehörten alle Dörfer und Siedlungen als Tochterstädte dazu. Das bildete ein Königreich. Dann gab es wieder eine andere Stadt mit ihren Tochterstädten, die ein weiteres Königreich bildeten. So versteht man, warum im Buch Joshua gesagt wird, dass Joshua, als er das ganze Land Kanaan, das spätere Land Israel, eroberte, mehr als dreißig Königreiche unterwarf.
Diese einzelnen Königreiche waren nicht so groß, wie wir uns das vielleicht fälschlicherweise aus europäischer Sicht vorstellen könnten. Hazor war jedoch die Königsstadt über alle Königstädte – die Hauptstadt der Königreiche von Kanaan. Hier sieht man nochmals die Oberstadt und die Unterstadt.
Nun lesen wir in Joshua 11, wie die Israeliten Hazor eroberten. Nach strenger biblischer Chronologie, in der alle Zahlen ernst genommen werden – und übrigens keine einzige korrigiert werden muss, da sie sich alle in ein geschlossenes System einfügen – war der Auszug aus Ägypten im Jahr 1606 vor Christus.
In Europa spricht man zu dieser Zeit von der Jungsteinzeit, doch hier befinden wir uns voll in der biblischen Geschichte mit konkreten Personen und Ereignissen. Vierzig Jahre später, nach einer vierzigjährigen Wüstenwanderung, fand die Landnahme unter Joshua statt, und zwar während der sechs Jahre von 1566 bis 1560 vor Christus.
Leider stimmt diese Datierung nicht mit der Datierung liberaler Theologen überein. Diese sagen, der Auszug aus Ägypten sei etwa um 1250 vor Christus gewesen. Das widerspricht jedoch vollkommen den Zahlen der Bibel und hat dazu geführt, dass Liberale behaupten, man finde in den Schichten von 1250 vor Christus keine Zeugnisse der Landnahme durch Joshua. Daraus folgern sie, die Bibel sei falsch.
Das Erstaunliche ist, dass diese Leute nicht auf die Idee kommen, dass vielleicht ihre Chronologie falsch sein könnte. Geht man nämlich nach der biblischen Chronologie, dann stimmt alles und passt zusammen. Dann findet man die Zeugnisse der Eroberung Kanaans durch die Israeliten.
In evangelikalen Kreisen ist es üblich, den Auszug aus Ägypten auf 1445 vor Christus anzusetzen. Aber auch dort liegt ein Fehler vor, denn man beachtet nicht die Zeitangaben in Apostelgeschichte 13, die Paulus dort macht. Diese bringen den Auszug aus Ägypten viel weiter zurück.
Wenn man also streng nach der Bibel rechnet, kommt man auf eine so frühe Zeit.
Die Schlacht bei Hazor und ihre Folgen
Josua 11,1
Und es geschah, als Jabin, der König von Hazor, davon hörte, dass er zu Jobab, dem König von Madorn, sandte, sowie zu dem König von Schimron und zu dem König von Achschaf. Ebenso sandte er zu den Königen, die gegen Norden im Gebirge und in der Ebene südlich von Kinnerath waren, und in der Niederung sowie im Hügelgebiet von Dor gegen Westen. Dazu kamen die Kanaanitern gegen Osten und gegen Westen, die Amoriter, die Hethiter, die Perisiter und die Jebusiter im Gebirge sowie die Hewiter am Fuße des Hermon im Land Mitzpa.
Sie zogen aus, sie und alle ihre Heerlager mit ihnen, ein großes Volk wie der Sand am Ufer des Meeres an Menge, mit sehr vielen Rossen und Wagen. Alle diese Könige trafen zusammen, kamen und lagerten sich miteinander am Wasser Meerom, um mit Israel zu streiten.
Wir sehen also eine unglaubliche Koalition von Königreichen unter der Führung von Hazor. Das war der größte Kampf, den Israel zu bestehen hatte. Jericho war ja schon etwas Menschlich gesprochen Unmögliches, aber es wurde überwunden. Dann ging es nach Bethel und Ai und so weiter ins Bergland. Aber als Israel schließlich in den Norden vordrang, kam es zu diesem Kampf mit Hazor und seinen Verbündeten.
Vers 6
Da sprach der Herr zu Josua: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn morgen um diese Zeit will ich sie allesamt erschlagen vor Israel dahingeben.“
Vers 7
Und Josua und das ganze Kriegsvolk mit ihm kamen plötzlich über sie am Wasser Merom und überfielen sie. Der Herr gab sie in die Hand Israels, und sie schlugen sie und jagten ihnen nach bis Zidon, der großen Stadt, und bis Misrefod-Mayim sowie bis in die Talebene von Mizbe gegen Osten. Sie schlugen sie, bis kein Entronener übrig blieb.
Vers 10
Und Josua kehrte in derselben Zeit zurück, nahm Hazor ein und erschlug seinen König mit dem Schwert, denn Hazor war zuvor die Hauptstadt all dieser Königreiche. Sie töteten alle Seelen, die darin waren, mit der Schärfe des Schwertes und verbannten sie. Nichts blieb übrig, was Odem hatte. Hazor verbrannte er mit Feuer.
Dieser Hinweis ist wichtig: Hazor wurde verbrannt. Es gab Gelehrte in der Vergangenheit, die haben alle möglichen Städte in Kanaan untersucht, um Brandspuren der Israeliten bei der Eroberung zu finden. Sie fanden an vielen Orten keine Brandspuren. Man muss die Bibel genau lesen. Die Bibel sagt nicht, dass Israel alle Städte, die sie erobert hatten, verbrannt hat. Es wird ausdrücklich von Jericho gesagt. Im Zusammenhang mit Hazor haben wir eine ganz wichtige Bemerkung.
Vers 12
Und alle Städte dieser Könige samt allen ihren Königen nahm Josua ein, schlug sie mit der Schärfe des Schwertes und verbannten sie, so wie Mose, der Knecht des Herrn, geboten hatte. Nur alle Städte, die auf ihren Hügeln standen – im Hebräischen steht hier „Tell“, das ist nicht das normale Wort für einen natürlichen Hügel, sondern ein künstlich aufgeschütteter Hügel – verbrannte Israel nicht. Ausgenommen Hazor allein, das verbrannte Josua.
Das ist also ein wichtiger Hinweis: Wenn man alle möglichen „Tells“ in Israel ausgräbt, dann ist zu erwarten, dass man normalerweise keine Feuerspuren aus der Eroberungszeit von Josua findet. Aber in Hazor muss man sie finden, ebenso in Jericho.
Archäologische Befunde aus der Zeit der Eroberung
Nun schauen wir uns die Ausgrabungen aus der mittelkanonäischen Zeit an. Diese Epoche umfasst das 18. bis 16. Jahrhundert vor Christus.
Es handelt sich um einen Palast, der durch die mächtigen Mauern eindeutig dieser Zeit zugeordnet werden kann. Biblisch entspricht dieser Palast dem von Jabin, dem König von Hazor, im 16. Jahrhundert vor Christus. Nach biblischer Datierung liegt das Jahr bei etwa 1560 v. Chr., was mit den archäologischen Funden übereinstimmt.
Wichtig ist, dass diese Datierung auch in der säkularen Geschichte anerkannt wird, allerdings meist ohne Bezug zur Bibel. Die allgemein verbreitete Datierung basiert auf der bibelkritischen Forschung des 19. Jahrhunderts, die sich bis heute gehalten hat. Demnach fand die Landnahme unter Josua etwa um 1250 v. Chr. statt. Diese Landnahme wird nicht als einmaliger Einfall verstanden, sondern als ein Prozess in mehreren Phasen.
Nehmen wir jedoch die offizielle Datierung, so stimmt sie genau mit der biblischen Zeitangabe überein. Zudem wurden in Hazor Brandspuren aus dieser Zeit eindeutig dokumentiert gefunden.
Lesen wir weiter in der Bibel, so finden wir in Richter 2 von der Zeit nach Josua, der Richterzeit, Berichte darüber, dass sich das Volk Israel immer wieder vom wahren Gott abwandte. In Richter 2,12 heißt es: "Und sie verliessen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hatte. Und sie gingen anderen Göttern nach, den Göttern der Völker, die rings um sie her waren. Sie warfen sich vor ihnen nieder und reizten den Herrn. Sie verliessen den Herrn und dienten dem Baal und dem Astaroth."
Die Geschichte von Ehud und seinem Ende zeigt, dass die Kinder Israel immer wieder Böses taten in den Augen des Herrn, besonders nachdem Ehud gestorben war. Während der Richterzeit fielen die Israeliten immer wieder ab. Dadurch gerieten sie immer wieder unter Fremdherrschaft. Sobald sie jedoch in ihrer Not zu Gott schrieen, sandte Gott ihnen einen Richter, der sie befreite.
Die Richterin Deborah und die erneute Bedrohung durch Hazor
Und so finden wir in Richter 4 die Geschichte von Deborah, der Richterin Deborah. Dort wird plötzlich Hazor wieder erwähnt. Der aufmerksame Bibelleser denkt sich: Aha, Josua hat Hazor zerstört und verbrannt. Aber wir lesen nicht, dass die Israeliten danach Hazor bewohnt hätten.
Die anderen Städte, die sie nicht verbrannten, hatten sie danach bewohnt. So, wie Mose es ihnen schon gelehrt hatte: Sie sollten diese Städte der Kanaaniter übernehmen, aber alle ihre Götter und Altäre vernichten. Bei Hazor sehen wir jedoch, dass die Kanaaniter offensichtlich die Stadt wieder aufgebaut haben. Denn in Richter 4, Vers 2 lesen wir: „Da verkaufte sie der Herr in die Hand Jabins, des Königs der Kanaaniter, der zu Hazor regierte. Sein Heeroberster war Sisera, und er wohnte zu Haroschet-gojim.“
Interessant ist, dass dieser König ebenfalls Jabin heißt, aber wir befinden uns hier in einer viel späteren Zeit. Bei den Ausgrabungen in Hazor wurde eine Keilschrifttafel gefunden, die auf etwa das 18. Jahrhundert vor Christus datiert wird. Darauf wird ein König Ibni erwähnt, akkadisch Ibni, was für Jabin steht. Das bedeutet, dass es schon vor der Zeit Josuas einen König Jabin in Hazor gab. Vielleicht war das ein beliebter Name in diesem Ort. Und genau in dieser Linie regierte später wieder ein König namens Jabin in Hazor.
Nun lese ich weiter in Vers 3: „Und die Kinder Israel schrien zum Herrn, denn er hatte 900 eiserne Wagen, und er bedrückte die Kinder Israel mit Gewalt zwanzig Jahre.“ Deborah, eine Prophetin und Frau Lapidotz, richtete Israel in derselben Zeit. Sie wohnte unter der Deborahpalme zwischen Rama und Bethel auf dem Gebirge Ephraim. Die Kinder Israel gingen zu ihr hinauf, um Gericht zu halten.
Diese Deborah ist eine ganz besondere Frau. Sie nennt sich in ihrem Lied in Richter 5 eine Mutter in Israel. Sie sah sich also nicht als Vaterfigur, sondern als Mutter in Israel. Das war eine Zeit des Niedergangs, und offensichtlich gab es keine Männer, die bereit waren, ihre Aufgabe wahrzunehmen.
Als Richter bedeutete das, anhand der Tora, des Gesetzes Mose, in allen Streitfällen Rat zu geben und zu sagen, was Gott dazu sagt. Denn es war Gottes Wille, dass es keinen König in Israel geben sollte. Gott wollte selbst durch sein Wort König über Israel sein. Dafür war es notwendig, dass alle auf die Bibel hörten. Hätten sie das getan, hätte es funktioniert.
Aber weil die Leute immer wieder von Gott und seinem Wort abfielen, war die Richterzeit eine sehr schwierige Zeit. In dieser Zeit gab es nicht einmal einen Mann, der bereit war, das zu tun. So übernahm Deborah diese Aufgabe.
Es fällt auf, dass sie das nicht wie üblich tat. Die Richter saßen normalerweise im Stadttor, das war ihr öffentlicher, autoritärer Sitz. Deborah wollte jedoch eine Frau bleiben und nicht die Stellung eines Mannes einnehmen. Deshalb lesen wir in der Bibel, dass sie unter der Deborahpalme zwischen Rama und Bethel ihren Dienst als Richterin und Prophetin ausübte.
Eine Parallele dazu ist die Prophetin Hulda zur Zeit von König Josia. In der Bibel wird erwähnt, wie eine Delegation des Königs zu ihr ging, um den Willen Gottes zu erfragen. Dort heißt es ausdrücklich, dass sie in den zweiten Stadtteil Jerusalems zu ihr nach Hause gingen. Sie trat also nicht, wie ihr Zeitgenosse Jeremia, im Stadttor oder auf dem Tempelplatz öffentlich und autoritär auf, sondern man ging zu ihr nach Hause.
Das sind feine Hinweise, die wir beim Lesen wahrnehmen müssen.
Ich lese weiter in Richter 4, Vers 23: Dort wird gezeigt, wie Gott Israel schließlich aus der Unterdrückung des Königs von Hazor befreite. Es ist eine ganz interessante Geschichte.
„So beugte Gott an selbigem Tag Jabin, den König von Kanaan, vor den Kindern Israel, und die Hand der Kinder Israel wurde immer stärker über Jabin, den König von Kanaan, bis sie ihn ausgerottet hatten.“
Man lese genau: Hier wird nicht gesagt, dass sie in der Zeit Deborahs Hazor zerstört hätten, aber der König wurde schließlich getötet. Wir sehen, dass das Ganze ein Prozess war, bei dem Israel immer stärker gegen Hazor wurde.
Der Tod Jabins wird laut Bibel auf das Jahr 1380 vor Christus datiert. Wenn wir die Ausgrabungen in Hazor betrachten, sehen wir, dass der Palast dieses Jabin im 13. Jahrhundert durch einen Großbrand zerstört wurde.
Dieses Stärkerwerden Israels setzte sich also fort, und einige Zeit später gelang es Israel, Hazor endgültig zu zerstören. Auch dort wurden Ascheschichten gefunden, die zu den eindrucksvollsten überhaupt gehören.
Es war ein Großbrand, von dem Professor Amnon Bentor sagt, dass dabei eine Hitze von etwa 1200 Grad entstanden sein muss. Normalerweise erreicht ein Großbrand Temperaturen von 600 bis 700 Grad. Doch was dort geschehen ist, war ein ganz ungewöhnlicher Brand.
Das bedeutet das Ende des kanaanitischen Hazor.
Architektonische Einblicke in Hazor und religiöse Praktiken
Jetzt schauen wir uns nochmals den Tell von oben an. Ich habe den Palast aus der mittelkananäischen Zeit gezeigt, das wäre dieser hier. Dabei habe ich mit den Pfeilen einen Fehler gemacht, das muss noch umgestellt werden. Das ist der Palast von Jabin zur Zeit von Joshua.
Der andere Palast stammt aus der spätkananäischen Zeit, das ist dieser Palast hier. Er wurde zum Schutz mit einem Dach gedeckt.
Was wollen wir genauer anschauen? Hier sehen wir die wunderbare Rekonstruktion dieses Palastes aus der Richterzeit. Ganz typisch für die kananäische Bauweise, besonders in Syrien. Die Kananiter in Syrien übten ihren Einfluss bis nach Hazor aus. Man baut mit Holz, Lehmziegeln und Steinen, hier Basaltsteine. Diese Kombination ist ganz typisch kananäisch, also im nördlichen Bereich, von Hazor aufwärts bis nach Syrien. Dort sieht man auch wieder diese Kombination aus Holz und Lehmziegeln.
Jetzt sind wir bereits im Thronsaal drin und schauen hinaus. Der Eingang wurde von zwei Säulen gesäumt. Man hat natürlich nur die Steinbasis gefunden, das Holz ist verrottet. Hier wurde das Holz zur Veranschaulichung ergänzt.
Man sieht, wie dieser Palast gebaut ist, nämlich wie ein Tempel. Wir kennen auch die zwei Säulen vor dem Tempelhaus im Tempel Salomos, und solche Säulen findet man immer wieder bei götzdienerischen Tempeln. Woher kommt diese Übereinstimmung?
Ganz einfach: Die Bibel sagt in Offenbarung 11,19, dass es einen himmlischen Tempel gibt, einen Tempel Gottes im Himmel. Mose und später David erhielten im Blick auf den salomonischen Tempel göttliche Offenbarungen über das Aussehen des himmlischen Tempels. Deshalb wurde der irdische Tempel, die Stiftshütte, der Tempel in Jerusalem nach dieser Vorlage gebaut.
Aber Satan hat ja auch Zugang zum Himmel, und er weiß, wie dieser himmlische Tempel aussieht. Darum hat er in den falschen Religionen die Menschen inspiriert, ebenfalls Tempel nach diesen Vorlagen zu errichten. Deshalb gibt es diese Übereinstimmungen weltweit beim Tempelaufbau, sei es im Hinduismus, im alten Ägypten oder im Buddhismus. Überall findet man ähnliche Grundstrukturen.
Auch dieser Palast ist wie ein Tempelgebäude gestaltet. Es gab hier einen Holzfußboden, der jetzt ergänzt wurde, damit man sieht, wie das ursprünglich ausgesehen hat. Das ist ein Seitenraum des Thronsaales. Auch hier sieht man wieder die Kombination: unten Basaltstein – Basalt ist ein vulkanisches Gestein –, dann Zedernholz als Zwischenschicht und darüber Lehmziegel. Diese typische kananäische Bauweise.
Blick von hinten: Das ist also der Thronsaal, und das ist der Ausgang, den wir vorhin gesehen haben. Nun, da vorne beim Eingang, gibt es ein erhöhtes Podium. Auf Hebräisch nennt man das Bamar, eine Höhe. Das war ein Ort zur Verehrung von Götzenbildern.
Hier noch einmal etwas deutlicher: In 2. Könige 17,11 lesen wir von den Israeliten, die abgefallen waren. Dort heißt es: „Sie räucherten auf allen Höhen, hebräisch Bama, wie die Nationen, die der Herr vor ihnen weggeführt hatte, und sie taten böse Dinge, um den Herrn zu reizen.“
Es gibt viele Stellen in der Bibel, wo diese Bama, Mehrzahl Bamot, erwähnt werden. Das war also ganz typisch für die Kananiter und die Israeliten. Weil sie sich nicht klar absonderten, wie Gott es geboten hatte – obwohl Gott geboten hatte, dass sie sich ganz absondern sollten –, trennten sie sich nicht konsequent davon und übernahmen schließlich diese Praktiken.
So kann man sich nun etwas Konkretes darunter vorstellen: Was war eigentlich eine Höhe? Darauf waren Götzenbilder positioniert. Übrigens hat man auch Götzenbilder im Palast von Jabin gefunden.
Stadttor und Kultstätten in Hazor
Nun schauen wir uns den Übergang von der Oberstadt zur Unterstadt in kanaanitischer Zeit an. Ich zeige hier ein Luftbild, auf dem dieser Übergang zu sehen ist.
Das große Feld ist die Unterstadt, und dort waren wir gerade im Palast. Jetzt gehen wir diesen Übergang hinunter zur Unterstadt. Dort sehen wir das Tor. Man erkennt die Torsteine, die man dort gefunden hat. Durch dieses Tor gelangt man hinein, dreht sich und geht hinauf in die Oberstadt.
Was sehen wir hier? Natürlich wieder eine Höhe, direkt beim Stadttor. Nun lesen wir einen Vers aus einer anderen Zeit, 2. Könige 23,8. Dort wird von den Israeliten berichtet, die viele Dinge von den Kanaanäern übernommen hatten. Doch der treue König Josia, der in 2. Könige 23 beschrieben wird, vernichtete solche Kultorte, weil er eine Rückkehr zum wahren Gott vollzog.
Josia riss die Höhen und die Bamah nieder, die sich am Eingang des Tores Josuas, des Obersten der Stadt, und am Stadttor zur Linken jedes Eintretenden befanden. Man sieht, wie hilfreich die Archäologie ist, um sich Dinge, die in der Bibel erwähnt werden, ganz konkret vorstellen zu können. Auch hier gab es wieder einen Kult, eine Götzenfigur, die beim Stadttor aufgestellt war.
Das alles stammt also aus kanaanitischer Zeit. Im Bibelvers wird gesagt, dass die Israeliten später ebenfalls so handelten und sich von der Umwelt prägen ließen, anstatt Salz und Licht der Erde zu sein. Danach wurde Hazor verlassen. Das ist auch das Ende der Unterstadt; die Geschichte geht hier nicht weiter.
Von dieser Zeit an hatten die Israeliten Hazor übernommen. Ab etwa 1250 v. Chr., nach der Zerstörung von Jabins Palast in der Richterzeit, kamen die Israeliten und nahmen Wohnsitz in Hazor, und zwar nur in der Oberstadt.
Man hat eine israelitische Höhe, eine Bamah, aus der Eisenzeit I gefunden. Diese datiert ins zwölfte oder elfte Jahrhundert v. Chr., also ganz ans Ende der Richterzeit. Das Buch der Richter macht deutlich, dass das Volk in dieser Zeit ständig anderen Göttern diente (Richter 2,12):
„Und sie verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hatte. Und sie gingen anderen Göttern nach, den Göttern der Völker, die rings um sie waren, und sie warfen sich vor ihnen nieder und reizten den Herrn. Sie verließen den Herrn und dienten dem Baal und dem Astaroth.“
Warum wird eigentlich Astaroth im Plural genannt? Astarte war ja eine Göttin. Das kommt auch bei Baal vor: Manche Stellen sprechen von den Baalen. Das hängt damit zusammen, dass derselbe Gott an verschiedenen Orten verehrt wurde. Eine Parallele sind die Marien oder Madonnen, zum Beispiel die Madonna von hier oder dort. Es ist doch immer dieselbe Frau.
Genauso verhält es sich im Götzendienst: Derselbe Abgott oder dieselbe Abgöttin wird an verschiedenen Orten unterschiedlich verehrt. Hier haben wir also diese israelitische Höhe.
Salomonisches Stadttor und Stadtstruktur
Und nun gehen wir weiter in die Eisenzeit II. Wir unterscheiden also schön die verschiedenen Schichten.
Jetzt schauen wir uns das salomonische Stadttor in Hazor an. Hier sieht man es, denn es wurde dort gefunden. Wer ein scharfes Auge hat, wird sagen: „Oh, dieser Aufbau ist interessant!“ Zwei Türme, dann Wächterzellen, jeweils drei und drei – das erinnert an den Hesekiel-Tempel. Die Eingangstore des Hesekiel-Tempels haben genau diese Struktur.
Übrigens sieht man hier noch die Doppelmauer von Salomo, die sogenannte Kasemattenmauer. Das heißt, eine Doppelmauer, die immer wieder durch kleine Öffnungen voneinander getrennt ist, als doppelter Schutz der Stadt. Das bedeutet also, Salomo hat diese Stadt hier in diesem Bereich aufgebaut – man kann sagen, die Hälfte der Oberstadt. Die Unterstadt wurde gar nicht mehr bewohnt.
Im 10. Jahrhundert umfasst Hazor noch 35 Hektar und hatte etwa 1.000 bis 1.500 Einwohner. Wenn man an die Zeit von Jabin denkt (Josua 11), als es noch 15.000 Einwohner waren, war es also keine so große Stadt mehr.
Salomo regierte gemäß strenger biblischer Chronologie von 1016 bis 976 v. Chr. In den Lexika wird das normalerweise ein paar Jahre später angegeben. Das macht zwar nicht mehr viel aus, aber es ist doch noch ein Unterschied.
Wir lesen in 1. Könige 9,15: „Und dies ist die Sache mit der Frohn, welche der König Salomo aushob, um das Haus des Herrn zu bauen und sein Haus und das Millo und die Mauer von Jerusalem und Hazor und Megiddo und Gezer.“
Hier erfahren wir, dass Salomo als Baumeister besonders in Jerusalem wirkte, das ist klar. Aber auch in den Städten Hazor, Megiddo und Gezer.
Das Interessante ist: An all diesen Orten hat man in den Schichten von Salomo, also in der Eisenzeit II im 10. Jahrhundert, denselben Typ von Stadttor gefunden. Das ist eine interessante Bestätigung dieses einen Bibelverses. Salomo hat an diesen drei Orten gebaut, und genau dort findet man die direkten Übereinstimmungen.
Größe der Städte und Bevölkerung
Übrigens noch eine kleine Zwischenbemerkung zur Größe der Städte in der Bibel. 1000 bis 1500 Einwohner sind ja nicht so viel. Dann stellt sich die Frage: In der Bibel lesen wir doch, dass in dieser Zeit das Volk Israel so enorm zahlreich war. Die Armee umfasste ja Hunderttausende von Soldaten. Wie kann man sich das vorstellen bei so kleinen Städten, wenn selbst Hazor nur so klein ist?
Es hat tatsächlich Gelehrte gegeben, die in den vergangenen Jahren Diskussionen geführt und angezweifelt haben, ob diese Zahlen der Bibel überhaupt stimmen können. Denn wenn man die verschiedenen Städte ausgräbt, sind das relativ kleine Städte. Was macht man dann, wenn man so einen Konflikt hat?
Man kann, wie viele es tun, vorschnell sagen: Die Zahlen der Bibel sind einfach falsch, sie sind etwas übertrieben von den Schreibern. Oder man kann abwarten, wie die Forschung da weitergeht. Oder man liest die Bibel genau.
Dann findet man nämlich immer wieder zum Beispiel in 2. Samuel mehrere Stellen, an denen das Volk versammelt wird, etwa zu David. Danach gehen sie wieder nach Hause, und es heißt, sie gingen zurück zu ihren Zelten. Sogar noch in der Zeit Davids heißt es ganz allgemein, dass sie zurückgehen in ihre Zelte.
Man muss sich also vorstellen, dass die besonders gehobene Schicht in den ummauerten Städten wohnte. Die einfacheren Leute lebten auf dem Land, betrieben Landwirtschaft, und es war üblich, dass man in Zelten wohnte.
Durch die Archäologie kann man auf Häuser zurückgreifen, die aus Stein gebaut waren, weil diese nicht verrotten. Holz ist auch problematisch, aber davon kann man immerhin noch ein paar Überreste finden. Bei Zelten ist das natürlich anders – sie verschwinden vollständig.
Viele Probleme lassen sich also lösen, wenn man die Bibel einfach genau liest.
Aufbau des salomonischen Stadttors und seine Bedeutung
Hier das salomonische Stadttor in Hazor. Wir kommen zum Besuch und gehen durch das Stadttor hinein. Ein Wächter tritt heraus und kontrolliert uns. Auf einer Seite des Stadttors sieht man einen Turm, dann folgt eine erste Wächterzelle, danach eine zweite und eine dritte. Hier erkennt man eine sehr markante, erhöhte Schwelle, die als Grenzwehr bezeichnet wird.
Auf der anderen Seite gibt es ebenfalls drei Zellen mit Grenzwehr. Drei Wächter sind also für den Besucherstrom zuständig, der in die Stadt hineingeht. Drei weitere Zellen sind für diejenigen bestimmt, die aus der Stadt herausgehen und ebenfalls kontrolliert werden können. So ist das Tor in seinem Aufbau genau so gestaltet, wie es in Hesekiel 40,6-37 detailliert mit allen Maßen beschrieben wird.
Der Bibelleser hat oft Schwierigkeiten, weil dort von Grenzwehr, Wächtern und Zellen die Rede ist, aber man nicht genau weiß, was Grenzwehr eigentlich bedeutet. Wer nach Hazor geht, versteht, was Grenzwehr ist. Es sind diese drei Wächterzellen, die Türme und die erhöhten Schwellen. Diese Schwellen zwingen den Wächter zu einer gewissen Zurückhaltung. Es ist nicht so, dass er jedes Mal sofort zuschlägt, wenn jemand kommt. Er muss sich überlegen: Muss ich den kontrollieren? Kenne ich ihn wirklich nicht? Erst dann tritt er heraus.
Hier sieht man das Stadttor von Geser in einer Rekonstruktionszeichnung. Das Prinzip ist genau dasselbe: drei und drei Zellen, mit der Grenzwehr davor, auf zwei Stockwerken und mit zwei Türmen. Es entspricht exakt dem Prinzip des Hesekiel-Tempels. Übrigens wurde in Geser sogar die Wasserkanalisation gefunden, die dort hindurchführt.
Das hat mir geholfen, eine Frage zu beantworten: In Hesekiel wird vom Endzeittempel im Tausendjährigen Reich gesprochen. Dort entspringt eine Quelle aus dem Tempelhaus, aus dem Felsen heraus. Sie fließt am Altar vorbei und verlässt den Tempel. Das Wasser wird zu einem Strom, schließlich zu einem Doppelstrom. Ein Arm fließt ins Mittelmeer, der andere ins Tote Meer, das dadurch gesund werden soll.
Wie fließt dieses Wasser hinaus? Hier haben wir es gerade so schön in Geser illustriert. Woher hatte Salomo diesen Aufbau? In 1. Chronik 28 lesen wir, dass David durch den Geist Gottes eine Tempelrolle geschrieben hatte. Sie enthielt alle Anweisungen zum Bau des Salomotempels. Das war keine menschliche Fantasie.
So baute Salomo den Tempel in Jerusalem nach diesem Grundprinzip, wie es von Gott offenbart wurde. Offensichtlich waren die Torgebäude im Salomotempel schon genau so gestaltet, wie sie später im Hesekieltempel in der Endzeit sein werden. Salomo übernahm diese gleiche Struktur auch in anderen Städten wie Hazor, Geser und Megiddo.
Diese Torgebäude sind mächtige Festungen. Hier sieht man ein Modell des Hesekiel-Tempels. Der zweite Vorhof hat drei solcher Zugänge, der innere Vorhof nochmals drei. Das Tempelhaus ist ebenfalls nach diesem Design aufgebaut. So ist der Endzeittempel nach Hesekiel förmlich durch diese mächtigen Tore charakterisiert.
Man kann von sieben Turmgebäuden mit Toren sprechen, die für Einladung stehen. Gott ist ein einladender Gott. Der Herr Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.“ In Sprüche 18,10 lesen wir: „Der Name des Herrn ist ein starker Turm, der Gerechte läuft dahin und ist in Sicherheit.“
Zum Schluss noch ein letzter Blick: Ich zeige ganz kurz die Kasemattenmauer von Salomo neben dem Stadttor.
Hazor in der Zeit von König Ahab und spätere Entwicklungen
Nun gehen wir in der Geschichte weiter. Wir graben also die tieferen Schichten aus und kommen zu Hazor zur Zeit von Ahab, König Ahab. Im Buch der Könige lesen wir, wie Ahab militärische Erfolge hatte, schließlich gegen den König von Aram, den König von Syrien im Norden. Dieser war eine schwere Bedrohung für Israel, für die zehn Stämme.
Was ist die Folge, wenn ein König ein nördliches, gefährliches Königreich zurückschlagen konnte? Dann heißt es, die Städte im Norden müssen befestigt werden, um weiter bestehen zu können. Genau das finden wir in der Zeit von Ahab im 9. und 8. Jahrhundert. Hazor wird ausgebaut, und zwar doppelt so groß wie zur Zeit von Salomo.
Im 9. und 8. Jahrhundert wird die gesamte Oberstadt mit hundert Hektar ausgebaut. Es wird eine neue Stadtmauer gebaut, rundherum eine mächtige Burg, eine sensationelle Wasserversorgung und Lagerhäuser.
Wir schauen uns die Burg Israels an, ganz im Norden des Tells. Hier ist sie: die Burg von Ahab. Allerdings ist sie eher zerstört, nicht einfach zusammengefallen, sondern wirklich zerstört worden. Wann genau die Zerstörung erfolgte, werde ich später erklären. Aber hier sieht man wenigstens noch die Grundmauern dieser einstigen Burg von Ahab in Hazor.
Hier befindet sich ein öffentliches Lagerhaus. Dort konnte man das Korn, also die Erträge von den Feldern, einsammeln und öffentlich lagern. Es war eine Halle mit Stützpfeilern, das Dach in der Mitte war höher als an den Seiten. Es war also eine dreiteilige Lagerhalle. Das Licht kam durch den Höhenunterschied des Daches in der Mitte hinein und zudem durch Öffnungen an den Seiten.
Hier sehen wir ein Privathaus, das ausgegraben worden ist, ein ganz typisch israelisches Haus. Was war typisch für die Israeliten? Ein Haus mit drei Seitenräumen, die um einen Innenhof herum gebaut waren. Die Häuser waren zweistöckig. Die Leute wohnten im oberen Stock, und im Innenhof befand sich die Ölpresse. Diese rekonstruierte Ölpresse wurde genau an der Stelle aufgestellt, an der man die Originale gefunden hat.
Doch jetzt sieht man ein Problem in der Archäologie: Der Standort, den ich gerade gezeigt habe, von Lagerhalle und Privathaus ist nicht original. Er lag nämlich über dem Palast von Jabin aus der Richterzeit. Archäologie bedeutet immer Zerstörung. Man arbeitet sich Schicht für Schicht nach unten. Dabei muss man sich überlegen, welche Schicht man für die Nachwelt erhalten will. Deshalb muss bei der Arbeit alles genau dokumentiert werden, sonst geht es unwiederbringlich verloren. Es sind gewaltige biblische Schätze, die so verloren gehen können.
So hat man die Haushaltszeit von Ahab Stein für Stein abgetragen und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut. Dabei wurde ganz exakt nach der Vorlage gearbeitet, damit man den Palast von Jabin schön für die Besucher herrichten konnte.
Nun schauen wir uns die Wasserversorgung für Kriegszeiten an, ebenfalls aus der Zeit von Ahab. Auch das passt wieder: Ahab hatte Aram, den König von Syrien, geschlagen. Der Prophet Elija hatte ihm das ja verheißen. Der Sieg wurde errungen, und nun musste er den Norden ganz besonders festigen – gerade für Kriegszeiten.
Wenn Hazor belagert war, konnte man nicht mehr hinaus, um Wasser aus den Quellen rundherum oder im Wadi zu holen. Was war dann? Es ist fantastisch: König Ahab ließ an einem bestimmten Standort alles bis auf den Grundfelsen ausgraben, durch alle früheren Schichten des Tells hindurch.
Hier sehen wir den ersten Teil, den Zugangsbereich zur Wasserversorgung. Alles wurde bis auf den Grundfelsen freigelegt. Diese Mauer stammt von Ahab. Hier befindet sich die originale Treppe, die hinunter zum Grundwasser führt. Insgesamt 45 Meter weiter unten kam dann das Wasser.
Wir blicken zurück und sehen nach diesem vertikalen Schacht, dem Zugangsbereich, eine schiefe Rampe, die als Tunnel durch den Felsen hindurchgeschlagen wurde. Der Weg zurück besteht aus den originalen Treppen, die aus dem Felsen herausgeschlagen wurden, und führt in den 25 Meter langen Tunnel.
Ein weiterer Blick zurück, und jetzt sind wir wieder unten beim Grundwasser. Dort konnte man in Kriegszeiten Wasser holen, ohne die Stadt verlassen zu müssen.
Diese Idee einer Wasserversorgung, bei der man die Stadt nicht verlassen muss, kennen wir schon längst aus Jerusalem. Allerdings hatte diese Wasserversorgung dort einen kleinen Schwachpunkt, den David kannte. So konnte später sein General Joab die Stadt erobern, indem er an die Wasserleitung gelangte und in die Stadt hinaufging. Das habe ich in einem Vortrag im Zusammenhang mit der Davidsstadt gezeigt.
Das gleiche Prinzip findet man nochmals in Megiddo. Diese Parallelen sind ganz interessant.
Befestigungsturm und das Ende von Hazor
Ja, jetzt machen wir eine Viertelstunde Pause, und dann geht es weiter mit dem Befestigungsturm aus dem achten Jahrhundert. Also etwas später als die Zeit Ahabs.
Vor der Pause habe ich gerade noch den Befestigungsturm angesprochen, der im achten Jahrhundert errichtet wurde. Hier stehen wir oben auf diesem originalen Turm. Er sollte damals der Gefahr durch Assyrien widerstehen. Assyrien war ein Großreich, das eine Nation nach der anderen unterwarf.
Doch die Propheten warnten die zehn Stämme: Wenn ihr nicht zum einen wahren Gott umkehrt und den Götzendienst aufgebt, wird Assyrien die zehn Stämme in die Gefangenschaft deportieren. Man hat nicht auf diese Warnungen gehört, sondern mächtige Festungswerke gebaut. Das nützte jedoch nichts.
In 2. Könige 15,28 heißt es: „Und er, Pekach, tat, was böse war in den Augen des Herrn; er wich nicht von den Sünden Jerobams, des Sohnes Nebats, wodurch er Israel zum Sündigen gebracht hatte.“ Jerobam war der erste König der zehn Stämme nach Salomo. Er hatte das goldene Kalb in Dan und Bethel eingeführt. Die späteren Könige verehrten weiterhin diesen Gott von Dan und Bethel, wie hier nochmals erwähnt wird.
„Er wich nicht von den Sünden Jerobams, des Sohnes Nebats, wodurch er Israel zum Sündigen gebracht hatte.“ In den Tagen Pekachs, des Königs von Israel, kam Tiglath-Pileser, der König von Assyrien. Er nahm Ijon ein, ebenso Abel-Bed-Makka, Jannoach, Kedes, Hazor, Gilead und Galiläa – das ganze Land Naftali – und führte die Bewohner nach Assyrien weg.
Dieser Turm wurde zerstört, ebenso die Burg von Ahab. Wir können die Spuren der Zerstörung aus dieser Zeit noch sehen. Im Jahr 732 v. Chr. wurde Hazor zerstört und die Bevölkerung weggeführt. Die endgültige Wegführung und Zerstörung von Samaria erfolgte zehn Jahre später. Das war das Ende der Geschichte der zehn Stämme im Land.
Zusammenfassung der Bedeutung von Hazor
Zusammenfassend können wir sagen, dass Hazor die biblische Geschichte von 1566 bis 732 v. Chr. auf eindrückliche Weise dokumentiert.
Wir haben die Zeit Josuas entdeckt, einschließlich des Palastes von Jabin, der zu seiner Zeit zerstört wurde. Außerdem fanden wir Spuren aus der Zeit der Richter, als die Kanaaniter wieder in Hazor herrschten. Schließlich wurde auch dieser spätere Palast durch Israel zerstört.
Zur Zeit der Richter entdeckten wir zudem eine Götzenhöhe der Israeliten. Später fanden wir Überreste aus der Zeit Salomos, darunter ein Stadttor und eine Stadtmauer.
Dann folgen die Funde aus der Zeit des Königreichs der zehn Stämme: Bauwerke von Ahab, die Wasserversorgung, ein öffentliches Lagerhaus, eine Burg und später der Bau eines Turmes als zusätzliche Festigungsanlage. Auch die Wegführung nach Assyrien ist nachvollziehbar.
All diese Funde stimmen genau mit den Angaben der Bibel überein. Wenn man bedenkt, dass die Bibelkritik ab dem 19. Jahrhundert die gesamte Geschichte Israels infrage stellen wollte, muss man sagen: Das ist Unsinn. Die Bibel sollte einfach so akzeptiert werden, wie sie ist. Das entspricht auch den Tatsachen, die bei den Ausgrabungen zutage treten.
Wir gehen nun in den Norden. Aber vielleicht noch eine Nebenbemerkung: Hazor wurde aus 200 verschiedenen Tels in Israel ausgewählt, um Teil der Welterbestätten der UNESCO zu sein. Diese Orte gelten als von herausragender Bedeutung für die Menschheit.
Doch die UNESCO weiß vermutlich nicht nur um die kulturelle Bedeutung von Tel Hazor, sondern auch um die biblische Bedeutung. Tel Hazor zeigt uns, dass die Bibel wahr ist.
Übrigens wurden neben Tel Hazor auch Tel Megiddo und Tel Beerscheva als Welterbestätten ausgewählt.
Einführung zu Tel Dan und seine Bedeutung
Ja, jetzt gehen wir ganz in den Norden hinauf, nach Tel Dan. Früher nannte man den Ort im Arabischen Tel Elkadi, als noch niemand so recht wusste, was sich unter diesem Erdhügel verbirgt.
Tel Dan war in der Bibel ganz klar der nördlichste Außenposten Israels, und das ist auch heute noch so. Im modernen Israel sehen wir das hier. In 1. Samuel 3,20 lesen wir: „Und ganz Israel, von Dan bis Beerscheba, erkannte, dass Samuel als Prophet des Herrn bestätigt war.“ Also befindet sich Beerscheba da unten; das war das biblische Israel von Dan bis Beerscheba.
In 1. Könige 4,25 heißt es: „Und Juda und Israel wohnten in Sicherheit, ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, von Dan bis Beerscheba alle Tage Salomos.“ Es gibt noch andere Stellen, die die Identifikation von Tell el-Kadi mit der biblischen Stadt Dan vornehmen.
Dieser Hügel wurde dann wirklich gründlich ausgegraben, erst ab 1966, und zwar durch Professor Abraham Biran. Das ist eindrücklich: Ein Mann, der damals ungefähr sechsundfünfzig Jahre alt war, hat von da an noch ein jahrzehntelanges Lebenswerk gemacht. Er hat an Tel Dan bis in die 1990er Jahre gearbeitet. 2008 ist Abraham Biran gestorben, einen Monat vor seinem neunundneunzigsten Geburtstag.
Nun, Dan, Tel Dan, ist eine ganz besondere Ortschaft. Dort befindet sich eine der drei Jordan-Zuflüsse und Jordan-Quellen. Hier sind wir gerade an der Quelle, in diesem Naturschutzgebiet. Übrigens ist das Gebiet wunderbar. Es lohnt sich also nicht nur wegen der Archäologie, sondern auch wegen der Landschaft. Meine älteste Tochter hat schon gesagt: „Ich werde in Tel Dan heiraten.“ Das will schon etwas sagen, oder? Was Romantik anbetrifft.
Die Quelle hier liefert dreizehn Kubikmeter Wasser pro Minute. Das heißt im Jahr 250 Millionen Liter. Und weil das ganze Gebiet dort sehr karstig ist – wir sind hier am Fuß des Hermon-Gebirges und der Golanhöhen – bleibt das Wasser das ganze Jahr über stabil bei 14,5 Grad. Die Wasserqualität ist fantastisch. Das Wasser enthält weniger als zehn Milligramm Chlorin pro Liter. Das ist ja eines der Bilder auf meiner Homepage.
Das kananitische Stadttor von Tel Dan
Nun wenden wir uns dem kananitischen Stadttor zu, das Abraham Biran 1979 zu untersuchen begann. Die Untersuchungen der Scherben und weiterer Funde ergaben, dass es aus der Zeit um 1700 vor Christus stammt. Das ist eine sehr eindrucksvolle Erkenntnis.
Erstmals wird dieses Stadttor in der Bibel in der Geschichte Abrahams erwähnt, und zwar in 1. Mose 14,14. Später, im Buch Josua aus dem Jahr 1947, erfahren wir, dass die Kanaaniter diese Stadt Leschem nannten. Nach Richter 18,7 hieß sie auch Laiesch. Das war der ursprüngliche Name. Der spätere Name Daan wurde offenbar erst von einem Propheten eingefügt.
Das Stadttor selbst ist etwa 3700 Jahre alt. Es ist 15,45 Meter breit und etwa sieben Meter hoch. Diese Höhe entspricht wahrscheinlich der originalen Bauhöhe, die noch erhalten ist. Der Torweg, also der Durchgang durch das Tor, ist teilweise noch mit Füllmaterial versehen. Dies wurde so belassen, um einen Einsturz zu verhindern. Es ist außergewöhnlich, dass ein Lehmziegeltor über eine so lange Zeit in dieser Form erhalten geblieben ist.
Dies liegt vermutlich daran, dass das Tor etwa hundert Jahre nach dem Bau vollständig mit Erde und Sand überschüttet wurde. Dadurch ist es ungewöhnlich gut konserviert geblieben. Der Torweg nach innen misst eine Länge von zehneinhalb Metern und verfügt über vier Innenräume. Der originale Eingang hat eine Höhe von drei Metern und eine Breite von 2,4 Metern. Er wurde aus sonnengebackenen Lehmziegeln errichtet und mit weißer Tünche überkalkt. Reste dieser Tünche wurden ebenfalls gefunden.
Das Tor besitzt insgesamt drei hintereinander liegende Bogenbauten, jeweils mit drei Reihen von Ziegeln. Die reine Bogenhöhe beträgt fast einen Meter. Für Abraham Biran war dies etwas ganz Besonderes. Er hatte in der Schule gelernt, dass der Bogenbau von den Römern stammt, die ihn in Israel erst rund zweitausend Jahre später eingeführt hatten. Doch hier fand man ihn bereits bei den alten Kanaanäern.
Dies führte 1979 zu großer Spannung und Vorfreude auf die nächste Grabungssaison, um weitere Geheimnisse dieses Stadttors zu entdecken.
An der Seite des Tores befinden sich zwei mächtige Türme. Sie sind jeweils 5,15 Meter breit, die Mauerdicke beträgt an einer Stelle drei Meter, an einer anderen 3,5 Meter. Die Dicke der Turmmauern selbst misst 1,8 Meter, was ebenfalls beeindruckend ist.
Vor dem Stadttor lag die Hauptstraße, die drei Meter fünfundzwanzig tiefer verlief. In einer Entfernung von 14,5 Metern zum Tor führte eine originale Treppe hinauf in die Stadt Laish, beziehungsweise Leschem.
Die Eroberung von Leschem (Dan) und ihre archäologische Bestätigung
Die Bibel berichtet uns, dass diese Stadt bereits zur Zeit Abrahams existierte. Sie wird als Stadt der Kanaaniter beschrieben, und auch archäologische Ausgrabungen bestätigen dies. In Tel Dan wurden Überreste gefunden, die aus der Zeit Abrahams und sogar noch davor stammen. Die Stadt existierte also tatsächlich.
Die Eroberung durch Israel wird in Josua 19,47 beschrieben: Die Grenze der Kinder Dan erstreckte sich später weiter als ursprünglich. Die Kinder Dan zogen hinauf und stritten gegen Leschem. Zunächst befanden sich die Daniter im Süden, im Gebiet von Tel Aviv und dessen Umgebung. Später wanderten sie jedoch ganz in den Norden und nahmen Leschem ein. Sie schlugen die Stadt mit der Schärfe des Schwertes, nahmen sie in Besitz und wohnten darin. Die Stadt nannten sie Dan nach dem Namen ihres Vaters Dan.
Im parallelen Bericht, Richter 18, finden wir eine ergänzende Beschreibung: Die Daniter nahmen, was Micha gemacht hatte, sowie den Priester, den er besaß. Sie überfielen Laish, auch ein anderer Name für Leschem. Laish war ein ruhiges und sicheres Volk. Die Daniter schlugen es mit der Schärfe des Schwertes und verbrannten die Stadt mit Feuer. Es gab keinen Retter, denn die Stadt lag fern von Sidon und war eine kanaanäische Stadt, die nichts mit anderen Menschen zu tun hatte.
Diese Ereignisse fanden zur Zeit Josuas statt, noch vor seinem Tod um 1560 v. Chr. In Dan wurden in den Schichten der Mittleren Bronzezeit II C, etwa um 1550 v. Chr., Brandspuren von Zerstörung gefunden. Dies passt exakt zur biblischen Chronologie. Wenn man von dieser Chronologie abweicht, ergeben sich Probleme mit der Datierung von Dan.
Weiter heißt es im Text, dass die Stadt in einem Tal lag, das sich nach Bedrichow erstreckte. Die Daniter bauten die Stadt wieder auf und wohnten darin. Sie gaben ihr den Namen Dan, nach dem Namen ihres Vaters, der Israel geboren wurde. Ursprünglich hieß die Stadt Laish oder Leis.
Archäologisch wurde eine enorme Ascheschicht in der Mittleren Bronzezeit II b beziehungsweise c gefunden, also um 1560 v. Chr. Dies bestätigt die biblischen Berichte über die Zerstörung und Wiederbesiedlung der Stadt.
Jerobeams goldene Kälber und der Synkretismus
Später lesen wir in der Bibel, wie König Jerobeam, nachdem er sich mit den zehn Stämmen vom Haus Davids und von der Hauptstadt Jerusalem abgespalten hatte, ein goldenes Kalb in Dan aufrichtete. Diesen Kultort hat man auch ausgegraben; hier ist er.
Ich lese aus 1. Könige 12,25: Jerobeam, der Sohn Nebats – das ist übrigens interessant, denn Nebat ist im Ägyptischen eine Bezeichnung für die Göttin Hathor, eine Kurgöttin. Die Familie von Jerobeam hatte also offenbar einen Bezug zum Götzendienst in Ägypten.
Zur Zeit, als Salomo noch lebte, war Jerobeam bereits ein Feind von Salomo. Er ging ins Exil nach Ägypten. Nach dem Tod Salomos kehrte er aus Ägypten zurück und wurde König über die zehn Stämme. Jerobeam baute Sichem, das heutige Nablus im Westjordanland im Gebirge Ephraim, und wohnte dort. Das war die Königsstadt der zehn Stämme – Nablus. Das sollte auch die UNO wissen, nicht wahr? Nablus war keine Nebensache, sondern eine wichtige Hauptstadt der zehn Stämme und bedeutend in der Geschichte Israels.
Jerobeam baute sich im Gebirge Ephraim eine Residenz und wohnte darin. Dann zog er weiter und baute Pnuel. Jerobeam sprach in seinem Herzen: „Nun wird das Königreich an das Haus Davids zurückkommen.“ Er überlegte, dass in der Tora, im Gesetz Mose, steht, dass alle Männer dreimal im Jahr vor dem Herrn erscheinen müssen. Das heißt, sie mussten dreimal jährlich nach Jerusalem zum Tempel zu den Festen Pessach, Schawuot (Pfingsten) und Sukkot (Laubhüttenfest im Herbst) gehen.
Jerobeam sagte sich: Wenn meine Untertanen ständig nach Jerusalem zu diesen Festen des Herrn pilgern, werden sie sich wieder mit dem Königshaus Davids verbinden. Die Spaltung zwischen dem Norden, den zehn Stämmen, und dem Süden, den Stämmen Juda und Benjamin, würde geheilt werden. Er musste sich also etwas überlegen, um das zu verhindern.
In 1. Könige 12,27 heißt es: „Wenn dieses Volk hinaufzieht, um im Hause des Herrn zu Jerusalem Schlachtopfer zu opfern, so wird sich das Herz dieses Volkes zu ihrem Herrn zurückwenden, zu Rehabeam, dem Sohn Salomos, der in Jerusalem regierte, dem König von Juda, und sie werden mich töten.“ Jerobeam fürchtete also, dass die Leute sich zu Rehabeam zurückwenden würden.
Daraufhin beriet sich der König und machte zwei goldene Kälber. Diese sollten die Alternative zum Tempel Gottes in Jerusalem werden. Aber warum ausgerechnet goldene Kälber? Wir kennen das goldene Kalb schon aus der Zeit nach dem Auszug aus Ägypten. Damals wurde ein goldenes Kalb gemacht als Weiterführung des Götzendienstes aus Ägypten, wo zum Beispiel der Apis-Stier-Kult betrieben wurde. Der Apis-Stier-Kult war eng verbunden mit der Verehrung des Sonnengottes.
So sehen wir, dass der Bezug von Jerobeam zur ägyptischen Religion ganz klar war. Er machte also zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: „Es ist zu viel für euch, nach Jerusalem hinaufzuziehen. Siehe da, Israel, deine Götter, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.“
Das ist typisch für Unwahrhaftigkeit in der Politik: Man hat einen Gedanken, begründet ihn aber anders. Jerobeam sagte nicht offen, dass es schlimm wäre, wenn es zu einer Wiedervereinigung des Volkes Gottes käme. Stattdessen behauptete er, der Weg nach Jerusalem sei zu anstrengend, besonders für die Leute im Norden, etwa von Hazor oder Dan. Das könne man ihnen nicht zumuten.
Er stellte eines der goldenen Kälber in Bethel auf und das andere in Dan. Das eine war also ganz im nördlichsten Außenposten, das andere im Süden seines Reiches, sodass die Leute von allen Ortschaften eines der goldenen Kälber leicht besuchen konnten.
In Vers 31 heißt es weiter: „Auch baute er Höhenhäuser und machte Priester aus sämtlichen Völkern, die nicht von den Kindern Levi waren.“ Jerobeam führte zudem ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tag des Monats, ein, ähnlich dem Fest, das in Juda gefeiert wurde. Er opferte auf dem Altar.
Was ist hier mit dem Fest gemeint, das in Juda stattfand? Es ist Sukkot, das Laubhüttenfest. In 3. Mose 23 sind die sieben Feste des Herrn aufgeführt. Sie beginnen mit dem Passafest, dem Fest der ungesäuerten Brote, dem Fest der Erstlinge, Schawuot (Wochenfest) und enden mit Sukkot. Die Tora nennt Sukkot dreimal ein Fest der Freude, einmal heißt es sogar, man solle sich nur freuen.
Das Laubhüttenfest fasst inhaltlich alle Feste zusammen und wird daher in 3. Mose 23 auch „Hachak“, das Fest, genannt. Es begann immer am fünfzehnten Tag des siebten Monats. Jerobeam feierte es ähnlich, aber am fünfzehnten Tag des achten Monats.
Von den Kälbern sagt Jerobeam nicht, dass es ägyptische Götter seien. Er nennt sie „eure Götter, die euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben“. So wie Gott sich in den Zehn Geboten vorstellt: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Im Zusammenhang mit den Zehn Geboten sagt Gott, dass er Israel aus Ägypten geführt hat. Das ist der Gott, der in der Geschichte nachweislich gehandelt und das Volk aus der Sklaverei befreit hat.
Was sehen wir hier? Keine völlig neue Religion, sondern Religionsvermischung. Intellektuell nennt man das Synkretismus. Heute hat Synkretismus oft einen Flair von Buddhismus, New-Age-Ideen oder indianischer Mystik. Jeder mischt sich irgendetwas zusammen. Das ist nicht neu, sondern finden wir schon in traurigen Beispielen in der Bibel.
Vor diesem Synkretismus warnt bereits das Gesetz in den Zehn Geboten: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Hier ist keine Vermischung möglich.
Das ist natürlich ein Ärgernis in Zeiten der Political Correctness, in denen man nichts gegen andere Religionen sagen darf. Die Zehn Gebote beginnen mit einem Protest gegen alle anderen Religionen der Welt. Wer Massen erreichen will, mischt alles zusammen. Das wusste auch Jerobeam: Synkretismus hält die Leute politisch bei der Stange.
Wir sehen das sogar unter den Gläubigen im evangelikalen Raum, wie vieles einfließt. In den vergangenen Jahren wurde säkulare Psychologie in die Seelsorge eingeführt und vermischt. Gottlose Musik, geprägt vom Neomarxismus der 1960er Jahre, genannt Rock- oder Popmusik, fand Eingang in Gemeinden.
Heute propagiert man in evangelikalen Publikationen oft das Zurückziehen in ein Kloster für einige Tage und ein wenig Mystik, etwa nach Ignatius von Loyola. Diese Methoden kennt man aus dem Buddhismus, Hinduismus und anderen Religionen. Das ist genau Religionsvermischung.
Ich lese nochmals Vers 32 im Zusammenhang: „Und Jerobeam machte ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tage des Monats, wie das Fest, das in Juda stattfand, und er opferte auf dem Altar.“ Hier wird der Altar in Dan speziell erwähnt. Jerobeam opferte dort.
Ebenso tat er es in Bethel, indem er den Kälbern opferte, die er gemacht hatte, und dort bestellte er Priester der Höhen, die er eingesetzt hatte.
Hier ist der Eingang zu diesem heiligen Bereich. Diese Mauer stammt aus einer viel späteren Zeit, aus der hellenistischen Zeit, ab 300 vor Christus. Was hat man hier gefunden?
Je weiter man hineinging, desto mehr sah man den Standort des Altars. Man fand nur noch einige Steine als Überreste, zum Beispiel einen Stein vom Horn des Altars. Aufgrund der Überreste konnte man zeigen, wie massiv groß dieser Altar war. Dort opferte Jerobeam, und die zehn Stämme hielten dort über Jahrhunderte bis zur Wegführung nach Assyrien ihren Kult.
Hier ein Blick von hinten: Man sieht noch den Aufstieg zum Altar. Auch hier weicht man von der Bibel ab. In 2. Mose 20 steht, dass beim Altar keine Treppen erlaubt sind, sondern eine Rampe, damit der Priester mit seinen langen Kleidern hinaufsteigen kann, ohne Fleisch zu zeigen.
Warum war das wichtig? Weil Unzucht im Zusammenhang mit den Kulten der Kanaaniter eine zentrale Rolle spielte. Beim Gottesdienst sollte kein Fleisch sichtbar sein, um sich klar von Unmoral abzugrenzen.
In Israel gelten die Zehn Gebote: „Du sollst nicht Ehe brechen“, kein vorehelicher Geschlechtsverkehr, keine Homosexualität usw. Hier aber war man nicht so strikt. Treppen zum Altar waren erlaubt. Alles etwas frei erfunden. Jerobeam war wirklich kreativ.
Man sieht nochmals den Eingang von vorne, den Weg zum Altar, den Aufstieg zum Altar, den Altar selbst und den Weg vom Altar auf die Höhe. Dort oben stand das goldene Kalb auf einer Plattform von 19 mal 19 Metern, schön quadratisch wie der Salomonische Tempel, der damals ein Quadrat von 500 mal 500 Ellen war.
Man erkennt die Anspielungen: Ähnlich, aber doch anders. Die Leute aus den zehn Stämmen stiegen hinauf, um das Kalb anzubeten.
Das goldene Kalb hat man nicht mehr gefunden – aus verständlichen Gründen. Solche Dinge werden meist anderswo hingebracht.
Man sieht, wie die Plattform aus sorgfältig behauenen Steinen gebaut wurde. Sie ist über 2.900 Jahre alt. Daneben fand man Priestergebäude, verschiedene Zellen und Geräte für Rauchopfer, Räucherwerkopfer und Götterstatuen.
Archäologische Funde aus der Zeit von König Ahab in Dan
Ja, und jetzt gehen wir weiter in der Zeit. Ein bisschen später, nach Jerobeam, findet man die Ausgrabungen aus der Zeit von König Ahab. Ahab regierte nach strengerer Chronologie, sonst ein paar Jahre nach unten verschoben, von 916 bis 897 v. Chr. Sein Nachfolger Ahasja regierte von 898 bis 897 v. Chr.; ein Jahr hat er zusammen mit dem Vater regiert. Joram folgte von 897 bis 886 v. Chr.
Die Tonscherben, die Keramik, machen deutlich, dass diese Stadtmauer aus dieser Epoche stammt. Das sind natürlich nur noch Überreste. Original war die Mauer wohl etwa zwölf Meter hoch, man muss sie sich also noch viel höher vorstellen. Ahab musste den Norden befestigen gegen das Königreich Aram, das er ja besiegt hatte.
Hier finden wir das Stadttor von Ahab mit einem gewaltigen Vorplatz, der so schön mit Steinen besetzt war. Was gibt es hier beim Eingang des Tores? Natürlich wieder eine Höhe, so wie die Kanaaniter das vorgemacht hatten. Man sieht den Einfluss der ägyptischen Religion, den Einfluss der kanaanitischen Religion, von überall ein bisschen – wie heute ein bisschen Buddhismus, ein bisschen Hinduismus, ein bisschen Stammesreligionen, Animismus, wenn man so an Steine glaubt, die Kraft und Energie enthalten.
Hier sieht man wieder diese Höhe beim Stadttor, so wie wir das auch in Hazor bei den Kanaanäern gefunden haben. Jetzt sind wir innerhalb der Stadt und gehen den Weg zum Stadttor hinunter. Draußen sieht man wieder die Höhe, draußen vor der Tür. Im Stadttor drin hat man diesen eindrücklichen Sitz gefunden. Da konnte man einen Thron aufstellen, sieht man das? Zwei Stufen führen zum Thron hinauf, und hier sind diese Steinbehälter, diese Sockel. Dort konnte man Holzpfosten anbringen und darüber mit Stoff ein Dach, einen Baldachin, herrichten.
Jetzt versteht man eben auch gut, warum es in der Bibel immer wieder heißt, dass man im Tor, ins Tor hinaufging, um zu den Richtern zu gelangen. Im Buch Ruth zum Beispiel, als es um die Frage geht, ob Boas Ruth heiraten darf, muss die ganze Angelegenheit vor die Ältesten gebracht werden. Sie gehen hinauf ins Stadttor. Dort wurden öffentlich die Dinge richterlich entschieden.
Oder von Lot lesen wir: 1. Mose 19,1 – Lot saß im Stadttor. Später im Text sagen die Sodomiter: „Dieser Fremde will hier bei uns der Richter spielen.“ Lot hatte zuerst seine Zelte aufgestellt, so bis nach Sodom, und dann ließ man später, dass er in Sodom wohnte. Schließlich stieg er sogar zum Richteramt auf. Er fand es nicht lustig, wie die Leute in Sodom lebten. 2. Petrus 2 sagt, dass Lot ein Gerechter war und dass er seine Seele Tag für Tag quälte mit dem, was er die Leute reden hörte und was er sah – diese ganze Unmoral, in dem Stil von heute, von unserer Gesellschaft.
Aber dann stieg er auf ins Gericht, weil er dachte, offensichtlich könnte er so noch etwas Moral nach Sodom bringen. Nun kann man natürlich aufgrund dieses negativen Beispiels nicht grundsätzlich sagen, dass ein Christ niemals ein höheres Amt bekleiden sollte. Aber bei Lot kann man sagen, es war auf jeden Fall falsch. Denn Gott hat ja Abraham aus Ur in Chaldäa berufen (1. Mose 12,1-3) und sagte ihm ausdrücklich, er solle seine Verwandtschaft verlassen. Lot, sein Neffe, ging mit ihm. Das war klarer Ungehorsam gegen das Wort Gottes. Darum hätte Lot nie nach Kana gehen sollen. Er hätte ein Zeugnis in Ur und Chaldäa sein sollen. Aber er ging mit, war am falschen Ort, und so war es gar nie Gottes Auftrag, dass er Richter in Sodom werden sollte.
Und dort liegt das Problem: Wenn jemand eine solche Position einnimmt, ohne seine Berufung von Gott zu haben, dann kommt es nicht gut heraus. Es geht um David: Da machte sich der König auf und setzte sich in das Tor. Man berichtete dem ganzen Volk und sprach: „Siehe, der König sitzt im Tor.“ Da kam das ganze Volk vor den König. Israel aber war geflohen, jeder nach seinen Zelten. Übrigens haben wir hier jetzt eine solche Stelle, wo die Leute nicht in ihre Häuser gehen, sondern in ihre Zelten.
Dieser Reiseteilnehmer hat uns gezeigt, wo der Richter saß, aber einfach ohne Thron. Der Thron ist in der Zwischenzeit verrottet. Man hat in Dan unter den Bausteinen diesen Stein oder diese Steine, drei Bruchstücke, gefunden mit einer Inschrift darauf. Da hat man gemerkt: Ach so, da hat man offensichtlich schon bestehende Steine später als Bausteine eingebaut – hier in Dan.
Die Schrift ist aramäisch, sehr schön geschrieben, nicht wahr? Jeden Buchstaben kann man gut erkennen. Es ist natürlich die Schrift von Aramäisch und Hebräisch aus der Zeit der Könige, eben hier im neunten Jahrhundert v. Chr. Die hebräische Schrift hat sich ständig gewandelt. Wir wissen also genau, in welchem Jahrhundert wie hebräisch geschrieben wurde. So können wir heute auch aufgrund des Schriftbildes allein schon sagen, diese Inschrift stammt aus dieser und jener Zeit. Auch da haben wir eine relative Chronologie in der Veränderung des Schriftbildes festgehalten.
Hier ist eine sehr schöne, sehr gut lesbare Schrift, und zwischen jedem Wort gibt es einen Punkt, den man zum Beispiel hier als Worttrenner sieht. Was wird hier berichtet? Ein König von Aram berichtet darüber, wie er zwei Könige, den König von Israel und den König vom Haus David, getötet habe. Wow, das ist ja genau die Geschichte aus 2. Könige 9! Dort geht es um den Krieg des Königs Hasael von Aram (Syrien) mit dem König des Nordreichs und dem König des Südreichs. Eine direkte Bestätigung der biblischen Geschichte durch diese Inschrift.
Vom König von Juda wird gesagt: der König des Hauses Davids. Was kann man hier lesen? Hier steht B, Taw, Beit, D, ein Waw und wieder D – David, Beit David, Haus Davids. Übrigens die alte Schreibweise: Nach dem Exil in Babylon, also nach 538 v. Chr. in Chronika, wird David geschrieben D, V, J, D – David. Aber im Buch der Könige, das älter ist als Chronika, wird David geschrieben D, V, D – David. Hier haben wir auch die alte Schreibweise Beit David, Haus Davids.
Das war natürlich der Hammer, als in den 1990er Jahren Abraham Biran diese Inschrift fand. In der liberalen Theologie sagt man ja, David habe es nie gegeben, das sei ein Mythos, eine Erfindung. Und jetzt plötzlich kommt hier eine Inschrift aus dem neunten Jahrhundert, also gar nicht so viel später, als David gelebt hat – sagen wir etwa 150 Jahre nach David. Er wird als Königshaus, seine Nachkommen, als das, was die Bibel Beth David nennt, also Haus Davids, bezeichnet.
Wie hat man reagiert? Da kam zum Beispiel die Reaktion: Das heißt gar nicht Beth David. Was heißt es dann? „Das ist ein Wort, das wir nicht kennen.“ Tatsächlich soll man so reagieren. Das ist eine intellektualistische Bescheidenheit. Nein, ich denke nicht, dass das so sein könnte. Aber was ist es? Das wissen wir auch nicht. Aber das ist so bescheiden überlegen, wenn man sagt: Wir wissen das nicht.
Das ist zum Beispiel wie in der Evolution, da fragt man: Wie ist das Leben entstanden? Ja, wir wissen nicht genau, wie das gegangen ist. Da forscht man noch, aber es ist einfach noch nicht geklärt. Aber kann es sein, dass Gott das Leben erschaffen hat? Nein, nein, nein! Aber wie? Ja, das wissen wir auch noch nicht genau. Da müssen wir einfach noch weiter forschen. Es ist genau dieser Stil.
Dann wurde eine Begründung vorgebracht: Beit David, das sind ja zwei Wörter. Aber hier gibt es gar keinen Punkt dazwischen. Wenn es wirklich zwei Wörter wären, müsste ein Punkt dazwischen sein. Das ist ein anderes Wort. Wir wissen nicht, wie man es ausspricht und was es bedeutet.
Man hat aber eine andere Inschrift an einem ganz anderen Ort gefunden, auch aus der Zeit des ersten Tempels. Darauf fand man den Ausdruck „Beet Adonai“, also Beit Jahwe, sogar J-H-W-H, das Haus des Herrn, das Haus des Ewigen – das ist der Salomontempel, original erwähnt in einer Inschrift aus der Zeit, als er noch existierte. Dort gibt es zwischen Beit Adonai keinen Worttrenner, sonst schon.
Da ist natürlich jetzt klar geworden: Wenn zwei Wörter ganz eng zusammengehören, dann müssen sie nicht durch einen Punkt getrennt werden. Also das Haus des Herrn ohne Punkt, das Haus Davids ohne Punkt. Man kann sagen, was man will, hier ist David als historische Person, als das Haupt der Dynastie der Könige von Juda, erwähnt. Die ganze Geschichte aus 2. Könige 9 ist auch hier historisch bestätigt.
Wenn man herumgräbt, kommt man zum Schluss, den der Herr Jesus in Johannes 17,17 im Gebet an den Vater nennt: „Dein Wort ist Wahrheit.“ Es gibt Leute, die sagen, ja, da gibt es so komische Leute, die wollen die Bibel mit Archäologie beweisen. Nein, was haben wir jetzt getan? Wir haben die Bibel getestet – mit der Archäologie. Da, wo wir sie testen können, sehen wir auf Schritt und Tritt Übereinstimmung.
Wir sehen, dass dort, wo Situationen entstanden sind, in denen es eine Spannung gab, der Fehler nicht in der Bibel lag, sondern zum Beispiel in einer falschen Chronologie, indem man die Chronologie der Bibel gar nicht ernst genommen hat. So sehen wir immer wieder: Die Bibel ist nicht isoliert für sich, und dann gibt es die Realität, sondern es ist eine Einheit. Das ist wichtig, weil die Bibel Gottes Wort ist, hineingesprochen in Raum und Zeit.
Ich wurde einmal im Rahmen einer Fernsehserie über die Bibel gefragt: Was beeindruckt Sie ganz besonders, wenn Sie in Israel sind? Ich antwortete: Hier sieht man, dass die Geschichten der Bibel wirklich in Raum und Zeit konkret geschehen sind. Das sind keine Geschichtchen, sondern wirklich Geschichte – und zwar Geschichte, die Gott mit uns Menschen macht. So ungefähr habe ich das erklärt.
Das haben wir jetzt eben auch nur an diesen zwei Beispielen Tel Hazor und Tel Dan wieder sehen können. Das soll uns auch darin bestätigen, dass wir der Bibel unser volles Vertrauen schenken, eben auch in den Bereichen, wo wir sie nicht kontrollieren können. Niemand von uns war im Jenseits – das kommt noch. Aber dann ist es zu spät. Wir müssen jetzt die Frage der Ewigkeit klären, nicht erst, wenn wir die Linie überschritten haben. Das ist definitiv.
Wir müssen jetzt entscheiden, und die Bibel sagt uns, dass eine Bekehrung nur in der Zeit vor dem Tod geschehen kann. Nach dem Tod ist keine mehr möglich. „Da, wo der Baum fällt, da bleibt er liegen“, steht im Prediger. Wenn wir mit Gott Frieden bekommen, indem wir unsere Schuld ihm bekennen und die Vergebung durch das Opfer des Herrn Jesus in Anspruch nehmen, dann sichern wir jetzt das ewige Leben im Jenseits.
Aber wenn wir daran vorbeigehen, werden wir ewig verloren gehen, garantiert, sagt die Bibel. Jemand könnte sagen: Niemand ist je auf der anderen Seite gewesen von uns. Ja, ich meine, Lazarus war drüben und ist wieder zurückgekommen, und der Herr Jesus war drüben und ist wieder zurückgekommen. Er hat uns auch erklärt, wie es ist, zum Beispiel in Lukas 16, in der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus.
Es ist eben so: Wir können es nicht nachprüfen, aber wir dürfen volles Vertrauen haben in die Wahrheit der Bibel, weil sie sich da, wo wir sie nachprüfen können, als wahr erweist. Jemand könnte sagen: Ich kann mir ja vorstellen, dass auch ein menschliches Buch geschichtlich korrekt geschrieben wird. Das ist schon mal ein Schritt, wenn jemand anerkennt, dass die Bibel geschichtlich korrekt ist. Aber das ist natürlich noch zu wenig.
Wie können wir dann erkennen, dass die Bibel Gottes Wort ist? Dafür ist die erfüllte Prophetie da. Durch die erfüllte Prophetie zeigt Gott, der hinter der Bibel steht, dass er über Raum und Zeit steht. Weil es die erfüllte, wirklich erfüllte Prophetie über Jahrtausende gibt, die in Details geht, nur in der Bibel, können wir zeigen, dass hinter der Bibel der ewige Gott steht.
Natürlich gibt es auch im Hinduismus, im Buddhismus usw. ganz klar übernatürliche Phänomene, übrigens schreckliche Dinge. Aber das, sagt die Bibel, sind Wirkungen von bösen Geistern. Böse Geister sind nach der Bibel auch an Raum und Zeit gebunden, sogar der Teufel sagt in Hiob 1 auf die Frage, woher er komme: vom Umherstreifen auf der Erde. Er ist nicht allgegenwärtig, nur Gott ist allgegenwärtig.
Darum weiß er auch nicht die Zukunft. Wahrsager und Wahrsagerinnen wissen auch nicht, wer Sieger wird bei der nächsten Fußball-WM. Das war doch regelmäßig so, oder? Sie haben vorausgesagt, wer es wird, und es ist nicht eingetroffen. Das zeigt uns: Böse Geister kennen die Zukunft nicht, aber sie können übernatürlich auf natürliche Dinge wirken.
In der Bibel sehen wir, dass da jemand dahintersteht, der über Raum und Zeit steht – das ist der wahre Gott. Darum ist neben dem Erweis der Geschichtlichkeit der Bibel auch der prophetische Erweis ganz, ganz wichtig. Deshalb lesen wir 77 Mal im Buch Ezechiel – ich zähle hier alle abgewandelten Versionen – „Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin“ oder „Und sie werden erkennen, dass ich der Herr bin“ usw.
77 Mal findet man diesen Ausspruch im Zusammenhang mit prophetischen Aussprüchen. Wenn sie in Erfüllung gehen, wird man erkennen, wer der Herr ist. So können wir anhand der Bibel ganz klar zeigen: Dieser Gott, der aus der Bibel hier spricht, das ist der Herr.
Diesen Herrn haben wir gefunden, auch im Zusammenhang mit Hazor und Tel Dan und der Abgötterei dort. Dieser Herr hat gesagt: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ So lehrt uns eben das, was wir in Hazor und Tel Dan gefunden haben, wie wichtig es ist, dass wir keine Kompromisse machen mit irgendwelchen Vermischungen, sondern ganz klar den biblischen Weg gehen.
Wir haben die Spuren in Hazor gesehen. Hazor wurde zusammengeschlagen durch die Assyrer, ganz klar, wie die Propheten gesagt haben, weil sie den Herrn und sein Wort verlassen hatten. Und wir wollen festhalten daran: Dein Wort ist Wahrheit.
