Einführung in die Bibelklasse und zeitlicher Kontext
Ich möchte alle ganz herzlich zu dieser Bibelklasse begrüßen, in der wir mit Matthäus 22 weitermachen. Zunächst lesen wir die Verse 1 bis 14.
Ich möchte vorwegschicken, dass wir uns immer noch an diesem denkwürdigen Dienstag vor Karfreitag befinden. In Kapitel 21 haben wir in den Versen 1 bis 11 den Palmsonntag. Die Verse 12 bis 19 beschreiben den Montag. Und ab Vers 20 beginnt der Dienstag vor Karfreitag.
Der Herr Jesus verbringt diesen Tag im Tempel, wo es sehr intensive Angriffe und Diskussionen mit verschiedenen Gruppen des Judentums gibt. An diesem Dienstag wird deutlich, dass alle Gruppen des Judentums den Herrn Jesus als Messias ablehnen.
Am Ende dieses Tages verlässt der Herr zusammen mit den Jüngern den Tempel. Das ist in Kapitel 24 beschrieben. Er geht hinüber zum Ölberg und hält dort die Endzeitrede, die in den Kapiteln 24 und 25 aufgezeichnet ist. All dies geschieht an diesem Dienstag.
Um es noch einmal zusammenzufassen: Von Kapitel 21, Vers 20 bis zum Schluss von Kapitel 25, Vers 46, spielt sich alles an diesem einen Tag ab. Dieser Tag hat es also in sich.
Wir sind nun also mitten in den Diskussionen, und zwar mit dem Sanhedrin, den führenden Priestern und Ältesten, die zum obersten Gerichtshof gehörten. Das haben wir schon im letzten Mal ab Kapitel 21, Vers 23 gesehen.
In diesem Gespräch mit Mitgliedern des höchsten Gerichtes Israels erzählt der Herr Jesus in Kapitel 22, Vers 1 ein weiteres Gleichnis. Dieses wird zu den zwei Gleichnissen hinzugefügt, die wir im letzten Mal bereits in Kapitel 21 behandelt haben.
Darf ich bitten, wer möchte vorlesen? Soll ich aus der Schlachter-Bibel lesen oder aus der Elberfelder? Elberfelder, dann haben wir den gleichen Text, und es geht einfacher. Alles klar.
Das Gleichnis von der Hochzeit und seine Bedeutung
Und Jesus begann wieder, in Gleichnissen zu ihnen zu sprechen, und sagte: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn eine Hochzeit vorbereitete.
Er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen.
Wiederum sandte er andere Knechte aus und sagte: „Sagt den Eingeladenen, siehe, mein Mahl ist bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“
Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere zu seinem Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.
Da wurde der König zornig. Er sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.
Dann sagte er zu seinen Knechten: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und ladet ein, wen immer ihr findet, zur Hochzeit!“
Die Knechte gingen hinaus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.
Als aber der König hereinkam, um die Gäste zu sehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war.
Er sprach zu ihm: „Freund, wie bist du hier hereingekommen, ohne Hochzeitskleid?“
Er aber verstummte.
Da sagte der König zu seinen Dienern: „Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis. Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.“
Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.
Umgang Jesu mit seinen Gegnern und die Bedeutung von Hebräer 12
Wir haben beim letzten Mal bereits gesehen, wie wunderbar der Herr Jesus mit den verschiedenen Gruppen umgeht, die ihn angreifen. Dabei können wir viel darüber lernen, wie wir mit anderen Menschen umgehen sollten – insbesondere mit solchen, die uns feindlich gesinnt sind.
Wir haben auch beobachtet, wie der Herr Jesus auf eine herausfordernde Frage mit einer Gegenfrage antwortet. Diese Methode zwingt dazu, über die ganze Sache nachzudenken. Zudem haben wir gesehen, dass der Herr Jesus nicht einfach mit direkter Härte auf diese Gegner reagiert. Stattdessen benutzt er Gleichnisse, durch die die volle Wahrheit nur indirekt vermittelt wird.
Dabei kommt es sehr auf den Tonfall an. Auf Französisch sagt man: C'est le ton qui fait la musique – es ist der Ton, der die Musik ausmacht. Genauso ist es auch, wie wir mit Menschen sprechen. Die Wahrheit kann man auf verschiedene Weise sagen. Der Herr Jesus hat die Wahrheit nicht so ausgesprochen, dass sie verletzt.
Später an diesem Tag, nachdem klar geworden war, dass alle diese Gruppen des Judentums den Herrn Jesus als Messias ablehnen, wird die Schärfe in seinen Worten zunehmen. Das werden wir später in den Weherufen über die Pharisäer sehen. Diese sind dann sehr direkt und scharf, aber alles hat seinen Platz.
Der Herr hat also zunächst versucht, mit Sanftmut diese Gegner zu gewinnen. Dazu gehört auch unser Kapitel 22. Bevor wir dort weitermachen, möchte ich noch eine Stelle aufschlagen, die uns hilft, das Ganze auf unser Leben zu beziehen: Hebräer 12, besonders Vers 2 und 3.
Darf ich bitten, Christian? Hebräer 12, Vers 2 und 3:
„Indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.“
Zunächst wird hier gesagt, wir sollen auf Jesus hinschauen. Das griechische Wort bedeutet wörtlich „wegschauen“, wurde von den alten Griechen aber verwendet, um auszudrücken, dass man auf einen Punkt ganz genau hinschaut. Das heißt, man schaut weg von allem anderen und nur auf den Herrn Jesus.
Er wird als der Anfänger des Glaubens bezeichnet. Wie die Elberfelder Bibel in der Fußnote erklärt, bedeutet das auch „Urheber“ oder „Anführer“ – also jemand, der in einer Sache den ersten Schritt tut und anderen vorangeht. So ist der Herr Jesus mit seinem Beispiel vorangegangen, und zwar bis zum Schluss, bis zum Kreuz.
Er ist also der Anfänger und zugleich der Vollender des Glaubens. Weiter heißt es, dass er die Schande des Kreuzes nicht beachtet hat. Er hat auf das Ziel geschaut: die große Freude, die nachher kommen würde. Die Frucht der Mühsal seiner Seele, wie es in Jesaja 53,10 heißt, nämlich die Erlösten, die als Ergebnis seines Erlösungswerkes um ihn versammelt sein werden.
Diese Freude hat der Herr Jesus vor Augen gehabt und deshalb das Kreuz erduldet. Schließlich hat er sich als Sieger zur Rechten Gottes gesetzt – nach seiner Auferstehung.
Und nun Vers 3: „Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat.“ Widerspruch meint hier die Argumentationen und Diskussionen gegen den Herrn.
Das werden wir gleich noch deutlicher sehen, wenn wir uns den Dienstag genauer anschauen, aber auch sonst. Wenn wir betrachten, wie der Herr Jesus diesen Widerspruch erduldet hat, gibt uns das Kraft, auch solche Widerwärtigkeiten besser auszuhalten.
Der Sinn ist: Damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet. Solche Erlebnisse machen müde. Man muss sich bewusst sein, dass es sich hier nicht um Heiden handelt, sondern um Menschen aus dem irdischen, auserwählten Volk Gottes. Und nicht irgendwelche Randgruppen, sondern die Führer.
Diese Menschen studierten eigentlich das Wort Gottes, und doch sprachen sie gegen den Herrn. Solche Auseinandersetzungen können auf Dauer richtig ermüden, sodass man wirklich genug hat.
Deshalb betrachten wir diesen Vers: „Den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.“ Es gibt Mut, trotz solcher Widerstände weiterzumachen.
In diesem Sinne wollen wir nun weiterstudieren.
Bedeutung des Ausdrucks „Reich der Himmel“ im Matthäusevangelium
Das Gleichnis beginnt in Matthäus 22,2 mit den Worten: „Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der ...“
Können wir kurz zusammentragen, was „Das Reich der Himmel“ im Matthäusevangelium bedeutet? Es ist ein Ausdruck, der nur hier vorkommt. Was bedeutet er? Im Matthäusevangelium wird dieser Begriff 32 Mal verwendet, was eine deutliche Wiederholung darstellt. Aber was bedeutet „Das Reich der Himmel“? Wenn nichts weiter gesagt wird, was haben Juden damals unter diesem Ausdruck verstanden?
Sehr gut, wer hat das gesagt? Ganz versteckt, ja, sehr gut: das messianische Königreich. Das haben wir genannt „Malchut Schamain“. „Malchut“ bedeutet Königreich, nicht nur Reich, sondern Königreich. Auch hier auf Griechisch heißt es „Basileia“, was eigentlich Königreich meint. „Basileus“ ist König, „Basileia“ hier bedeutet Reich, also das Königreich, auf Englisch „Kingdom“.
Und zwar Himmel – was bedeutet das in der Sprache der Rabbiner damals? Meine Frau sagt: Gott. Genau. Man hat aus Ehrfurcht schon in alttestamentlicher Zeit begonnen, den Eigennamen Gottes, der auf Hebräisch mit vier Buchstaben JHWH geschrieben wird, nicht auszusprechen. Das dritte Gebot sagt, man soll den Namen JHWH nicht zum Eitlen aussprechen. Deshalb hat man aus Ehrfurcht diesen Namen vermieden und Ersatzwörter verwendet. Zum Beispiel sehr prominent in der Synagoge: „Adonai, Adonai“. Sobald der Vorleser, der Chasan in der Synagoge, das Wort JHWH sieht, liest er nicht „Jahwe“, sondern „Adonai“, was „Herr“ bedeutet.
Das habe ich aber nicht verstanden, Peter, was ist „Logos“? Ja, wir kommen gleich darauf. In der Synagoge wurde beim Vorlesen des hebräischen Textes „Adonai“ gesagt. In den aramäischen Umschreibungen des Alten Testaments, den sogenannten Targumim, die in jeder Rabbinerbibel neben dem hebräischen Text stehen, ist es sehr interessant, dass immer wieder der Name Gottes umschrieben wird mit dem aramäischen Wort „Memra“, „Dadonai“, also „das Wort des Herrn“.
Yahweh heißt „das Wort“. Deshalb sagt man „Logos“, weil das Johannesevangelium, geschrieben von einem Juden, Johannes, dem Jünger, am Anfang schreibt: „Im Anfang war das Wort“, der Logos. Das ist im jüdischen Kontext zu verstehen als „Memra Dadonai“ aus den aramäischen Targumim. Das bedeutet nichts anderes, als dass Jesus Christus Yahweh ist, der Ewige, der Unwandelbare – das bedeutet ja der Name.
Es gab auch noch andere Ersatzwörter, wie zum Beispiel „Majestät“. Deshalb steht in Hebräer 1, dass der Herr Jesus sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe. Das ist die rechte Seite JHWHs. Man hat auch den Begriff „Gwura“ gebraucht, was „Macht“ heißt. Herr Jesus wird bald, wenn wir so weit sind in Matthäus, in den letzten Kapiteln vor dem Hohenpriesterverhör, sagen: „Ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zu Rechten der Macht und kommend auf den Wolken des Himmels.“ „Zur Rechten der Gwura“ ist genau dieser Ausdruck, der im Matthäusevangelium verwendet wird.
Weiter war da der Begriff „Himmel“, „Schamay“. Jetzt versteht man auch besser das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er überlegt sich nämlich: „Ich will zu meinem Vater zurückkehren und ihm sagen: Ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich.“ Das heißt, ich habe gesündigt gegen „Schamay“, gegen den ewigen Gott.
Hier im Matthäusevangelium spricht der Herr Jesus immer wieder vom Königreich der Himmel. Das ist das Königreich JHWHs. Unter langer Rede kurzer Sinn: Darunter verstand man das Reich, wenn der Messias als König kommt, um das weltweite Friedensreich auf der Erde aufzurichten.
Das Reich Gottes und seine neue Form in der Zeit Jesu
Nun ist es so, wie wir im Matthäusevangelium gesehen haben: Der Herr Jesus hat seine Predigt begonnen und gesagt, dass das Reich der Himmel nahegekommen ist.
Noch einmal, in Matthäus 4 wird die Predigt des Herrn Jesus ganz am Anfang so zusammengefasst: Lies bitte Matthäus 4, Vers 17. Dort heißt es: „Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.“
Dieses messianische Reich ist also jetzt unmittelbar da, ganz nahegekommen. Warum? Weil der König da war. Darum sagte der Herr Jesus auch in Lukas 17: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“
Der König war da, er stand auf dem Boden Israels, des verheißenden Landes. Das Reich war damit nahegekommen. Und der König hat gepredigt und im ganzen Land das Reich Gottes verkündet. Doch die Masse seines eigenen Volkes lehnte ihn ab.
Dann haben wir gesehen, besonders in Verbindung mit Kapitel 13, dass durch die Verwerfung dieses Reiches eine ganz neue Form angenommen wurde. Eine Form, die im Alten Testament nicht vorausgesagt worden war.
Das ist die Zeit, in der der Messias als Verworfener in den Himmel zurückging, aber seine Knechte auf der Erde ließ, damit sie dort dienen, bis er wiederkommen würde.
Wir können sagen, dass die vergangenen zweitausend Jahre darstellen, wie das Reich Gottes eine neue Form angenommen hat.
In Matthäus 13 sehen wir, wie der Herr Jesus sagt: „Das Reich der Himmel ist gleich geworden.“ Dort beschreibt er in sieben Gleichnissen die neue Form des Reiches Gottes.
Diese neue Form zeigt, dass der König verworfen ist, in den Himmel gegangen ist, und die Knechte hier auf der Erde sind. Dabei gibt es jedoch eine Vermischung.
Das Gleichnis vom Schleppnetz und die Vermischung im Reich Gottes
Wenn wir noch einmal kurz zurückgehen zu Matthäus 13, haben wir dort zum Beispiel das Gleichnis vom Schleppnetz betrachtet. Auch das ist eine Wiederholung, aber die Römer sagten ja, die Wiederholung sei die Mutter des Lernens. Deshalb schlagen wir es nochmals kurz auf. Christian, liest du Matthäus 13,47-50?
Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische von jeder Art zusammenbrachte. Als es voll war, zogen sie das Netz ans Ufer. Dann setzten sie sich nieder und sammelten die Guten in Gefäße, aber die Faulen warfen sie hinaus. So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden hinausgehen, die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussortieren und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Weinen und Zähneknirschen sein.
Jetzt sehen wir eine direkte Verbindung zu unserem Gleichnis, denn es endet ähnlich. Matthäus 22, Vers 13 sagt: Da sprach der König zu den Dienern: „Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis. Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.“
Wir erkennen also eine große Verwandtschaft zwischen den Gleichnissen. Jesus beschreibt ein Schleppnetz, das durchs Meer gezogen wird. Es handelt sich um ein riesiges Netz, das von mehreren Männern geführt wird. Diese gehen zu Fuß ins Wasser und ziehen das Netz durch. Dabei fängt das Netz natürlich alles Mögliche ein. Es heißt hier, dass gute und schlechte Fische gefangen werden.
Was sind gute Fische, und was sind schlechte Fische? Noch einmal zur Wiederholung: Gute sind koschere Fische, schlechte nicht koschere. Welche Fische im Segen Israel sind nicht koscher? Die, die keine Schuppen haben. Nach 3. Mose 11 müssen koschere Fische, die im Judentum gegessen werden dürfen, Schuppen haben.
Der Katzenfisch zum Beispiel, den man im Segen Israel an manchen Stellen beobachten kann, ist nicht koscher. Es gibt viele davon. Diese wurden von Alters her nicht gegessen, sondern beim Fischen wieder ausgeworfen. Andere Fische, wie der Muscht, der Petrusfisch, sind natürlich koscher und sehr fein. Er ist der einzige große Fisch, der in Schwärmen schwimmt.
Dann gibt es Barben, zwei verschiedene Arten. Die schmecken nicht so gut. Das sind sogenannte Gründler, die am Boden fressen. Sie können gelegentlich auch mal einen Starter verschlucken. Das haben wir in Matthäus 17 gesehen, als Petrus mit der Angel einen Fisch fing, in dessen Maul ein Starter war. Das war kein Petrusfisch, denn der hat einen zu kleinen Mund und könnte das gar nicht verschlucken. Aber diese Gründler, die Barben, können recht groß werden und verschlingen solche Beute. Geschmacklich sind sie allerdings nicht sehr beliebt.
Außerdem gibt es die Süßwassersardinen in großer Menge. Diese sind koschere Fische. Mit dem Schleppnetz werden also gute und schlechte Fische zusammen gesammelt. Der Herr Jesus macht klar, dass es in dieser Zwischenzeit eine Vermischung von wahren Gläubigen und solchen gibt, die nur Bekenner sind.
Was soll man mit den wahren Gläubigen machen? Sie sollen in Gefäße, also in örtliche Gemeinden, gesammelt werden. Die anderen hingegen schwimmen lassen, sie gehen wieder baden.
Dann, in Vers 49, folgt eine Ergänzung, die keine Auslegung ist. Der Herr Jesus fügt hinzu: So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Die Engel werden ausgehen, nicht die Menschen. Die Engel werden die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussortieren und sie in den Feuerofen werfen.
Ganz am Schluss, wenn der Herr Jesus wiederkommt, werden die Engel ausgesandt. Dann wird es ein Endgericht auf der Erde geben.
Nun erkennen wir, dass es ganz wichtige Parallelen zu Matthäus 13 gibt.
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und die Geduld Gottes
Übrigens noch Matthäus Kapitel 13, Vers 24, falls du das liest. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach:
„Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg. Als aber die Saat aufspross und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut?“
Er aber sprach zu ihnen: „Ein feindseliger Mensch hat dies getan.“ Die Knechte aber sagten zu ihm: „Willst du denn, dass wir hingehen und es zusammenlesen?“ Er aber spricht: „Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen ausreißt. Lasst beides zusammenwachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber sammelt in meine Scheune.“
Ja, Christian, das hast du offensichtlich in der Elberfelder Übersetzung gelesen, aber die Revision Brockhaus verwendet eine andere Formulierung. In der alten Elberfelder und in der sanften Revision CSV Höckiswagen steht in Vers 24: „Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinem Acker säte.“ Bei dir steht einfach „gleich“, nicht wahr?
Die Revisoren damals haben gedacht, das kommt ja nicht so darauf an, ob das heißt, es ist gleich oder gleich geworden, es ist ungefähr dasselbe. Aber es ist nicht dasselbe. Darum haben die alten Übersetzer Wert darauf gelegt, das ganz wörtlich zu übersetzen: „Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden“, weil eben das Reich Gottes, so wie es angekündigt war als messianisches Reich hier auf Erden, Reich des Friedens, nach der Phase A – der König ist da – nicht realisiert werden konnte. Es musste verschoben werden auf später, auf eine Phase B, in der dieses Reich eine ganz andere Form annimmt.
Und zwar so, dass der Same ausgestreut wird. Das wird zum Beispiel in Lukas 8 erklärt: Der Same ist das Wort Gottes. Also in der ganzen Welt, wie in Matthäus 13 erklärt, ist der Acker die Welt, in der das Wort Gottes verkündigt wird. Aber was geschieht? Da kommen Menschen zum Glauben. Das ist der gute Weizen, der da aufwächst.
Aber der Satan, dieser Feind, hat Lolch dazwischen gesät. Und das haben wir damals gesehen: Lolch ist ein Unkraut, das dem Weizen täuschend ähnlich aussieht. Aber erst in der Schlussphase, wenn die Ähren kommen, kann man klar unterscheiden zwischen Lolch und Weizen.
Lolch ist gefährlich. Das kann sehr schwere Symptome geben wie Schwindel, Sehstörung, Aphasie. Man kann noch ein bisschen stottern oder bissig sein. Neben Kopfschmerzen kann es zu eingeschränktem Denkvermögen, starkem Erbrechen, Magen- und Darmbeschwerden, Schläfrigkeit, Schlafsucht und Müdigkeit kommen. Tiefer Schlaf kann es auch sein. Schlussendlich kann es den Tod bewirken.
Dieser Lolch stellt all die Namenschristen dar. So hat Jesus vorausgesagt, dass in der Phase B, wo das Reich Gottes eben anders wird, eine totale Vermischung von echten Christen und reinen Bekennern stattfinden wird. Und 2000 Jahre Rückblick können wir sagen: Genau so ist es gekommen.
Die Knechte sagen: „Sollen wir nicht den Lolch ausreißen?“ Der Herr sagt: „Nein.“ Ausreißen wäre ja Hinrichten. Er sagt: „Nein, dann wäre ja die Gefahr, dass ihr plötzlich auch richtigen Weizen ausreißt.“ Die katholische Kirche hat gemeint, den Auftrag zu haben, Lolch auszureißen. Dabei waren es meistens solche, die die wahre Lehre wiedererkannt haben, die sie umgebracht haben – und den Lolch noch gefördert haben.
„Nein“, sagt der Herr, „wartet bis zum Schluss, und dann werden die Schnitter ausgesandt.“ Und der Herr Jesus erklärte die Schnitter in dem Vers. Können wir kurz schauen? Liest du ab Vers 36 die Auslegung?
Dann entließ er die Volksmenge, kam in das Haus, und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: „Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers.“ Er antwortete und sprach: „Der, der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen. Der Acker aber ist die Welt. Der gute Same sind die Söhne des Reiches. Das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen. Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters. Die Schnitter aber sind Engel.“
Ah, sagen wir es noch einmal: Die Schnitter sind Engel. Das trifft sich genau mit dem, was wir schon gesehen haben im Gleichnis vom Netz und dem Schleppnetz. Das sind eben die Engel, die am Schluss die Ungerechten aussortieren. Sie werden speziell eingesammelt, um dann hingerichtet zu werden bei einem Gericht der Völker.
Die drei Phasen der Einladung zur Hochzeit im Gleichnis
Ja, jetzt wird deutlich, was unser Gleichnis genau bedeutet. Die Hochzeit, die ein König für seinen Sohn veranstaltet, steht für die vergangenen zweitausend Jahre. Diese Zeit wird hier als Festzeit dargestellt. Dadurch sieht man die ganze Geschichte etwas anders – als eine Festzeit.
Bei einer Festzeit werden Leute eingeladen. Wie viele Phasen der Einladung haben wir gesehen? Zwei? Oder doch drei? Genau, drei Phasen!
Christian liest noch einmal in Vers 3: „Und er sammelte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen.“ Doch sie wollten nicht kommen.
In Vers 4 folgt die zweite Phase: „Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sag den Eingeladenen, siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!“
Doch sie kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.
Damit haben wir zwei Phasen: Die erste Phase entspricht dem, was wir in Matthäus 10 gefunden haben. Der Herr hat seine zwölf Apostel ausgesandt, um in Israel das Evangelium zu verkündigen und Israel einzuladen.
Wir können Matthäus 10 noch einmal aufschlagen. In den Versen 1 bis 4 werden die zwölf Apostel aufgezählt. Wir hatten sie damals immer in Dreiergruppen eingeteilt. In Vers 5 folgt der Auftrag an sie: „Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der Nationen und geht nicht in eine Stadt der Samariter; geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“
Wenn sie hingehen, sollen sie predigen und sagen: „Das Reich der Himmel ist nahegekommen“ – und so weiter.
Der Herr Jesus schickt also diese Diener nur zu Israel, um das Evangelium zu predigen. Sie verkündigen das Reich der Himmel. Wenn man weiterliest, in den Kapiteln 10, 11, 12, 13 und so weiter, sieht man, dass die Masse in Israel diese erste Einladung ablehnt. Es heißt hier: „Und sie wollten nicht kommen.“
Zu diesem „Sie wollten nicht kommen“ passt noch ein Vers aus Matthäus 23, dem Kapitel mit den Weherufen über die Pharisäer. Lesen wir Vers 37 zusammen mit Vers 38:
„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.“
Der Herr sagt also: „Ihr habt nicht gewollt.“
Wenn ein Mensch verloren geht, kann er nicht sagen: „Oh, ich war nicht auserwählt.“ Nein, vom großen weißen Thron wird ihm gesagt werden: „Du hast nicht gewollt.“ Gott hat schon gewollt, denn 1. Timotheus 2,4 sagt deutlich: Unser Heilandgott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
2. Petrus 3,9 formuliert es noch schärfer: Gott will nicht, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.
Es liegt also nicht an Gott, wenn jemand verloren geht, sondern an dem Menschen, der nicht will. „Ihr habt nicht gewollt“, sagt Jesus in diesem Gleichnis. „Sie wollten nicht kommen.“
Ich habe das schon ein paar Mal erzählt, aber für die, die es noch nie gehört haben: Ich hatte einen jüdischen Mitschüler, als ich noch jünger war. Seine Mutter ging übrigens mit dem späteren Ministerpräsidenten Rabin zur Schule. Mit ihm habe ich viele Gespräche über den Glauben geführt. Alle intellektuellen Stolpersteine haben wir ausgeräumt, und schließlich sagte er mir: „Weißt du, ich würde auch nicht glauben, wenn alles stimmt.“ Ihm wurde klar, dass es nicht ein Problem des Verstandes ist – diese Probleme kann man lösen –, sondern ein Problem des Willens. Er wollte nicht.
Und da heißt es: „Sie wollten nicht kommen.“
Zur Ergänzung noch ein Vers aus Jeremia im Alten Testament, Kapitel 30, Vers 15. Dort sieht man, dass weder das Alte noch das Neue Testament kalvinistisch sind. Was steht dort?
„Was schreist du um Hilfe über deinen Bruch, dass dein Schmerz unheilbar ist? Um der Größe deiner Schuld willen, weil deine Sünden zahlreich sind, habe ich dir das angetan. Darum sollen alle, die dich fressen, gefressen werden, und alle deine Bedränger sollen in die Gefangenschaft gehen. Deine Plünderer sollen der Plünderung anheimfallen, und alle, die dich beraubt haben, werde ich dem Raub preisgeben.“
Ich werde die Stelle später noch einmal wiederholen. Das war nicht der Vers, den ich meinte. Gleich danach kommt eine Stelle, die genau dasselbe aussagt: „Sie wollten nicht.“ Also, nicht wollen – im Alten und im Neuen Testament. Ich werde das gleich noch nachreichen.
Der Punkt ist: Der Herr Jesus sagt nach dieser ersten Phase eine zweite Phase an, in Vers 4. Kannst du den Vers noch einmal lesen?
„Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen, siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!“
Was ist bei der zweiten Einladung anders als bei der ersten? Was könnte man sagen?
Die Einladung wird noch eindringlicher, die Vorbereitungen werden beschrieben, der Menüplan wird genannt. Ja, der war wohl schon vorher da, aber der große Unterschied ist: Das Mahl war noch nicht bereit.
Zu Hause ist das auch so: Es ist klar, was auf dem Menüplan steht, aber das Essen ist noch nicht fertig. Man kann die Leute zwar schon an den Tisch holen, wenn es noch nicht fertig ist, aber es ist ganz anders, wenn das Menü wirklich bereit ist und man dann ruft. Dann ist die Einladung dringlicher.
Das ist der Unterschied. Bei der ersten Einladung wird einfach eingeladen, bei der zweiten wird gesagt: „Es ist alles bereit.“
Alles bereit? Ja. Die Schlachtung der Tiere hat stattgefunden. Bei der ersten Einladung war die Schlachtung noch nicht erfolgt.
So hatte Jesus in Matthäus 10 die Jünger ausgesandt, um zu predigen: „Das Reich der Himmel ist nahegekommen.“ Aber das Opfer auf Golgatha, das Schlachten des „Fleisches“, war noch nicht vollbracht.
Das ist der Unterschied.
Jesus hatte damals noch nicht gesagt: „Es ist vollbracht.“ Johannes 19,30 sagt:
„Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!“
Das ist natürlich etwas ganz anderes. In diesem Moment war das Erlösungswerk am Kreuz vollendet. Das entspricht hier der Schlachtung der Ochsen und des Mastviehs – alles ist bereit.
Übrigens, auf Griechisch heißt „Es ist vollbracht“ Tetelestai. Ein Wort, das viel eindrücklicher klingt als das deutsche „Es ist vollbracht“. Wenn Jesus das am Kreuz auf Hebräisch gesagt hat, war das nicht schlimm. Auf Aramäisch klingt es noch dramatischer. Dieser Ausruf hat große Bedeutung.
So sehen wir also die zweite Einladung, die erfolgt, nachdem alles bereit und vollbracht ist.
Das entspricht der Einladung in der Apostelgeschichte. Dort mussten die Diener des Herrn Israel erneut predigen und einladen. Das geschieht ab Apostelgeschichte 2.
Nun kommen auch viele andere Zeugen hinzu, von denen wir in den Evangelien noch nichts gelesen haben, zum Beispiel Stephanus.
Sie verkündigten das Wort von Pfingsten bis zur Steinigung Stephanus’ in Apostelgeschichte 7.
Schauen wir, was bei der zweiten Einladung in Vers 5 geschieht. Lies noch einmal:
„Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.“
Das haben wir vorher bei der ersten Phase nicht gelesen. Keine dieser Zeugen wurden damals ermordet.
Aber bei der zweiten Einladung, nachdem alles vollbracht war, kam es zur ersten Ermordung – bei Stephanus.
Schlagen wir Apostelgeschichte 7 auf: Stephanus gibt ein wunderbares Zeugnis ab, das sich durch den größten Teil des Kapitels zieht. Schließlich wird er als Antwort auf sein Zeugnis gesteinigt.
Lesen wir Vers 57:
„Sie schrien mit lauter Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los. Und als sie ihn aus der Stadt hinausstießen, steinigten sie ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes namens Saulus.“
Sie steinigten Stephanus, der betete und sprach: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.“ Niederkniend rief er mit lauter Stimme: „Herr, rechne ihnen diese Sünden nicht zu.“ Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.
In Kapitel 8, Vers 1 heißt es:
„Saulus aber wütete gegen die Gemeinde in Jerusalem und begann eine große Verfolgung. Alle wurden in die Landschaften Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel.“
In Vers 3 lesen wir:
„Saulus aber verwüstete die Gemeinde, indem er der Reihe nach in die Häuser ging, sowohl Männer als auch Frauen fortschleppte und ins Gefängnis überlieferte.“
Daraufhin erhielt er Empfehlungsschreiben von den führenden Priestern des Sanhedrins, um die Jesusnachfolger bis nach Syrien, nach Damaskus, zu verfolgen.
Das ist anders als bei der ersten Einladung: Dort gab es keine Misshandlungen und Tötungen. Bei der zweiten Einladung kam es genau dazu.
Gott hatte Israel also nochmals eine besondere Chance gegeben – von Apostelgeschichte 2 bis 7.
Wie lange dauerte diese Periode? Genau ein Jahr.
Das wird auch im Gleichnis in Lukas 13,6-9 deutlich. Dort spricht Jesus davon, wie jemand drei Jahre lang an einem Feigenbaum vorbeikommt und Frucht sucht. So hat Gott im Dienst Jesu, der drei Jahre öffentlich gepredigt hat, Frucht am Feigenbaum Israel gesucht – und keine gefunden.
Dann sollte der Baum umgehauen werden. Aber der Gärtner, ein Bild des Heiligen Geistes, setzt sich ein und sagt: „Ich möchte noch ein Jahr um ihn graben und düngen. Wenn er dann immer noch keine Frucht bringt, kann man ihn künftig abhauen.“
Die Chronologie in den Evangelien und Briefen gibt genügend Zahlenangaben, um das genau zu bestimmen. Pfingsten war im Jahr 32 nach Christus, im gleichen Jahr wie die Kreuzigung. Saulus kam ein Jahr später zum Glauben. Das steht im Zusammenhang mit der Stephanus-Verfolgung bis nach Damaskus und seiner Bekehrung.
Man kann also ganz klar berechnen, dass diese Periode ein Jahr dauerte.
Auf dem Livestream gibt es eine Chronologie zum Alten Testament, die ich behandelt habe, und auch eine zum Neuen Testament. Dort zeige ich, wie man das Jahr genau ausrechnen kann.
Die dritte Einladung und die Ausweitung der Mission
Das war also dieses Jahr, in dem Israel nochmals eine ganz besondere Chance bekam. Dann kam die dritte Einladung. Liest du Vers neun? Oder besser Vers acht, Verzeihung: Da sagte er zu seinen Knechten: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.“
Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, böse wie gute. Das ist eine dritte Phase, und jetzt kann einfach jeder kommen.
Ja, aber in Matthäus 10 haben wir klar gesehen, dass der Herr Jesus gesagt hat: „Geht nicht auf den Weg der Heiden, der Nationen, sondern nur zu dem Haus Israel.“ Das war so in der ersten Phase und auch in der zweiten Phase. Das Evangelium wurde ab Pfingsten in Jerusalem und Judäa verkündet, aber sie gingen nicht zu den Samaritanern und nicht zu den Heiden, so wie es eben auch in Matthäus 10 gesagt wurde – Jesus sagt, geht nicht zu den Samaritanern, nicht zu den Heiden.
Dem jüdischen Volk gab es nochmals eine Chance. Es wurde gegraben, Dünger gelegt, damit der Feigenbaum für Gott trotzdem noch Frucht bringen könnte.
Schauen wir nun, was in Apostelgeschichte 7 mit der Steinigung des Stephanus geschieht und wie die Verfolgung und Zerstreuung der Gemeinde in Kapitel 8 beschrieben wird. Christian liest uns vor, Kapitel 8, Vers 4: „Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus.“
Das ist der Hammer! Durch die erzwungene Zerstreuung kommen sie an andere Orte und predigen das Wort. Sie verstecken sich also nicht hinter jedem Baum, sondern evangelisieren. Übrigens: „das Wort verkündigten“ heißt auf Griechisch „evangelisieren“.
Alle, obwohl nur wenige Evangelisten mit der Gabe waren, evangelisierten. Nicht alle sind Evangelisten, aber alle können evangelisieren. Das ist nicht dasselbe. Man muss nicht denken, ich muss ein Evangelist sein, um evangelisieren zu können. Nein, man muss das Evangelium verkündigen, dann tut man den Dienst eines Evangelisten.
Der Apostel Paulus sagt in 2. Timotheus 4 zu Timotheus: „Tue das Werk eines Evangelisten.“ Das ist nicht dasselbe wie „habe die Gabe des Evangelisten“. Übe das Werk eines Evangelisten aus! Das tun wir alle, wenn wir das Evangelium weitersagen. Und weil alle einen Mund haben, können alle evangelisieren.
So haben sie es gemacht. Dann lesen wir in Vers 5: Philippus geht jetzt über die Grenze, die der Herr in Matthäus 10 gesetzt hat – nur zu dem Haus Israel, nicht zu den Samaritern. Jetzt geht er weiter. Warum? Weil die Zeit gekommen war, von Phase C im Missionsbefehl des Herrn Jesus in Apostelgeschichte 1, Vers 8, noch auf dem Ölberg.
Gerade bevor er in den Himmel fuhr, sagte er den Aposteln, dass sie Kraft empfangen würden, wenn der Heilige Geist auf sie komme: „Ihr werdet meine Zeugen sein“, ein Vier-Punkte-Programm in Vers 8 – sowohl in Jerusalem als auch in Judäa, Samaria und bis an das Ende der Erde.
Jetzt sehen wir, nachdem ein Jahr Phase A ausgeübt wurde, kommt nach diesem Jahr bereits Phase C: Samaria. Die Samariter waren ein Mischvolk, sie hatten israelitische und auch heidnische Gene. Das ist ein Mischvolk bis zum heutigen Tag.
Dann ist es so, dass Philippus weitergeht. Lukas unterbricht in Apostelgeschichte kurz, nämlich in Kapitel 8, Vers 26, und bringt ein Porträt von einer Bekehrung. Wer kommt da zum Glauben und wird als Porträt beschrieben? Der Kämmerer von Äthiopien.
Äthiopien damals war Sudan, das heißt das Königreich südlich von Ägypten, das man als Äthiopien bezeichnet. Er war Kämmerer der Kandake, der Herrscherin damals über Sudan. Ein Schwarzafrikaner kommt zum Glauben, ein Sohn Hams.
Dann folgt ein nächstes Porträt in Kapitel 9: Wer kommt dort zum Glauben und wird detailliert beschrieben? Saulus. Er war ein Sohn von Sem, ein Jude, also ein Semit. Und danach, in Kapitel 10, wird ein weiteres Porträt angefügt: Cornelius, der Italiener.
Er gehörte zur italischen Schar, einer speziellen Truppe in den römischen Legionen. Er war ein Italiener und ein Sohn von Japheth. Nach 1. Mose 10 gingen die Nachkommen Japhets zu den Inseln, was in der Elberfelder Übersetzung mit „Inseln“ bezeichnet wird, insbesondere die Inseln des Mittelmeers auf der europäischen Seite, aber auch das Festland.
Japheth hat also eine besondere Beziehung zu Europa. Der Italiener kam aus dem Gebiet der Inseln und Küstenländer Europas, also war er ein Sohn Japhets.
Lukas zeigt mit diesem Porträt: Achtung, liebe Leser, jetzt beginnt etwas ganz Neues. Ich habe schon gezeigt, dass Philippus zu den Samaritanern ging. Gleich werde ich zeigen, wie das Evangelium allen Menschen gebracht wird – und zwar betrifft das die Söhne von Ham, Sem und Japheth.
Man merkt eine ungewöhnliche Reihenfolge. Wie würden die Söhne eigentlich genannt? Sem, Ham und Japheth. Warum sagen wir Sem, Ham und Japheth und nicht Ham, Sem und Japheth? Warum immer Sem, Ham und Japheth?
Weil Israel aus Sem kam und von der Wichtigkeit her. Natürlich. Noah hat vorausgesagt, prophezeit in 1. Mose 9: Gott ist der Gott Sems. Das heißt, Gott sollte sich über die Linie von Sem offenbaren. Darum kam später Abraham aus dieser Linie, das Volk Israel und der Messias.
Sem war nicht der Älteste. Wer war der Älteste? Japheth. Man muss all diese kleinen Angaben aus 1. Mose 10 zusammenfügen, dann findet man: Japheth war der Älteste, Ham der Jüngste und Sem der Zweite. So steht es in 1. Mose 10: Sem, Ham und Japheth.
Sem wird zuerst genannt, weil er wichtiger ist. Ham wird als Zweiter genannt, weil er in Bezug auf Israel ebenfalls wichtig ist. Von Ham stammen nicht nur die Schwarzafrikaner ab, über seinen Sohn Kusch, der in 1. Mose 10 erwähnt wird. Kusch heißt „Schwarz“, und im Alten Testament ist Kusch der Name für Sudan.
Im weiteren Sinne bezeichnet Kusch Äthiopien. Über Kusch leiten sich alle Schwarzafrikaner her, bis nach Südafrika. Aber Ham war auch der Vater von Kanaan, den Kanaaniter, die nicht schwarz waren. Kusch heißt übrigens „schwarz“ auf Deutsch, aber der Bruder war Kanaan. Die Kananiter waren hellhäutig und besiedelten das Land, das später Israel bekommen sollte.
Wegen der Wichtigkeit in Bezug auf die Geschichte Israels heißt es also Sem, Ham. Japheth wird erst in der späteren Geschichte wichtig für Israel. Deshalb diese Reihenfolge.
Ganz wunderbar: In Apostelgeschichte 8, bei diesen drei Porträts, ist das erste nicht Sem und auch nicht Japheth, sondern Ham.
Noah hat in 1. Mose 9 Sem gesegnet: Gott ist der Gott Sems. Dann wird auch Japheth gesegnet, dass er sich weit ausdehnen würde. In der Geschichte sollte er am meisten expandieren. Man sagt heute in der Geschichte, das war Kolonialismus. Aber die Ausdehnung war im Segen von Japheth durch Noah beinhaltet.
Darum, als vor einigen Jahrhunderten unsere Gottesfürchtigen und auch Kriminellen aus Europa über den großen Teich nach Amerika gingen, das waren Japhethiten. Sie haben sich ausgedehnt und sich auch nach Australien und anderen Orten verbreitet.
Was aber heißt das bei Ham? Hamm war verflucht? Nein, sehr gut, nicht Ham war verflucht, sondern Kanaan, verflucht sei Kanaan, sein Sohn. Also die Linie von Kusch war nie verflucht, nur die Linie von Kanaan.
Ham war der, der seinen Vater so richtig verachtet hat und ohne Hemmungen seine Entblößung im Alkoholrausch angeschaut hat. Die anderen Brüder wollten das nicht. Sie schauten nicht hin und machten sich auch nicht lustig über ihren betrunkenen Vater. Sie gingen rückwärts rein und deckten ihn zu.
Aus diesen Anfängen sollte schließlich ein Volk kommen, das sexuell so pervers wurde wie die Kananiter, die sogar Prostitution als Mittel für ihre Kulte für Baal einsetzten. Diese Linie war verflucht.
Das ist ganz wichtig, denn in der Vergangenheit wurde oft verkündet, die Schwarzafrikaner seien unter einem Fluch Gottes, und deshalb wäre die Sklaverei richtig gewesen. Das ist verdreht, falsch und übel! Kusch wurde nicht verflucht, keine Ahnung, aber nicht Kusch.
Was man sagen kann: Kusch bekam keinen Segen. Aber das ist etwas anderes als verflucht zu sein.
Nun ist es wunderbar: Die Gnade Gottes, der Messias kam, alles ist vollendet. Nun gilt die dritte Einladung: Alle sollen eingeladen werden. Lukas zeigt uns als Porträt: Schaut, das Evangelium kommt nach Afrika. Darum wird das zuerst genannt – das ist ganz wichtig. Afrika zuerst, dann die Bekehrung eines Juden, Saulus, und dann die Bekehrung eines Japhethiten.
Die Pointe, auf die ich hinaus wollte, kommt nach der Pause. Machen wir zwanzig Minuten Pause, und dann fahren wir gleich weiter mit den drei Porträts, wie das Evangelium dann weitergeht.
