Wir fahren weiter.
Überblick über biblische Stellen zum Sprachenreden
Wir haben uns nun eine Übersicht über diese acht Bibelstellen zum Thema verschafft. Ich wiederhole zusammenfassend:
Im Alten Testament gibt es drei Stellen:
Erstens, 1. Mose 2, die Ursprache für Adam, die Gott ihm eingegeben hat.
Zweitens, 1. Mose 11, die Ursprachen der Welt, die Gott anlässlich der Sprachenverwirrung von Babel eingegeben hat.
Drittens, Jesaja 28, eine prophetische Ankündigung des Sprachenwunders als Zeugnis für Israel.
Im Neuen Testament finden wir folgende Stellen:
Markus 16, die Ankündigung dieses Sprachenzeichens aus Jesaja, nun unmittelbar durch den Herrn Jesus Christus verheißt.
Apostelgeschichte 2, das Sprachenwunder am Pfingsttag im Zusammenhang mit dem Kommen des Heiligen Geistes, die Erfüllung der Verheißung aus Jesaja 28 und Markus 16.
Dann Apostelgeschichte 10, wo die Heiden das Evangelium annehmen und offiziell in die Gemeinde Gottes eingeführt werden. Dies wird wiederum durch das Sprachenwunder bestätigt.
Apostelgeschichte 19, wo alttestamentlich gläubige Johannesjünger Christen werden und sich der apostolischen Autorität des Paulus unterstellen. Auch hier gibt es das Sprachenzeichen und die Handauflegung.
Schließlich 1. Korinther 12 bis 14, mit Belehrung und Korrektur zum Thema.
In der Fußnote 1 habe ich noch bemerkt, dass in gewissem Sinn auch die Heilungen von Tauben und Stummen durch den Messias Jesus in die Nähe dieser Thematik gehören. Diese Wunder waren ja schon in Jesaja 35,4 als messianische Zeichen angekündigt. Die Evangelien bezeugen eine Reihe solcher Fälle, in denen Menschen nach der Heilung ohne Lernprozess plötzlich sprechen konnten.
Man denke an Matthäus 9,32, wo ein Stummer geheilt wird, oder Matthäus 11,5, wo ein Tauber, der also auch nicht durch das Hören die Sprache lernen konnte, plötzlich spricht. Noch eindrücklicher ist Matthäus 13,16, wo ein Taubstummer vom Herrn geheilt wird und plötzlich spricht. Weitere Beispiele finden sich in Lukas 7,22, wo es um Taube geht, und Lukas 11,14, wo ein Stummer geheilt wird.
Diese Stellen unterscheiden sich jedoch graduell von der vorliegenden Thematik. Ich war ein Stummer, der nicht taub war, konnte wenigstens die Sprache früher hören. Deshalb habe ich diese Fälle nicht unter die klassischen Passagen über Sprachenreden aufgenommen. Aber im weitesten Sinne finden wir auch dort wieder das Wunder des Sprachenredens.
Noch als Bemerkung zu den Apostelgeschichte-Stellen: Es ist eindrücklich zu sehen, wie diese Stellen ganz speziell mit dem Anfang des Christentums verbunden sind.
Apostelgeschichte 2 beschreibt das Kommen des Heiligen Geistes und den Beginn der Gemeinde überhaupt.
Apostelgeschichte 10 markiert den Anfang der Heiden, die in die Gemeinde aufgenommen werden.
Apostelgeschichte 19 zeigt den Übergang alttestamentlicher Gläubiger auf den Boden des Neuen Testaments.
Das fällt auf – diese starke Verbindung zur Anfangszeit des Christentums.
Die Sprache der Engel und ihre Bedeutung
Nun kommen wir auf Seite zwei unter den sprachlichen Hinweisen zu Punkt sechs.
In 1. Korinther 13,1 wird über die Sprachen der Engel gesprochen. Oft wird gesagt: Dieses Lallen heute – ja gut, das können die Bösen ja nicht verstehen auf der Straße. Als ich in Kanada war und plötzlich hinter mir Leute hörte, die in Zungen redeten, verstand ich nichts, obwohl ich Schweizerdeutsch spreche. Das wäre die Gelegenheit gewesen, für Kanadier mal Schweizerdeutsch zu sprechen, aber davon war nichts zu hören. So wird gesagt: Ja, das sind eben Engelzungen, das ist diese höhere Kommunikation, Engelsprachen.
1. Korinther 13,1: „Wenn ich mit den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber nicht Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. Und wenn ich Prophezeiung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse weiß und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber nicht Liebe habe, so bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, auf dass ich verbrannt werde, aber nicht Liebe habe, so ist es mir nichts nütze.“
Nun ist es wichtig zu verstehen: Der Zusammenhang ist nicht, dass Paulus sagt, „Ich tue das, und nun ist das so und so“, sondern er sagt: „Wenn ich das tue, aber nicht Liebe habe.“ Ob er das tatsächlich tut, steht jetzt nicht zur Debatte. Aber er sagt, wenn ich das tue, aber keine Liebe habe, dann ist das eben auf jeden Fall nichts.
Paulus wurde nie verbrannt, aber er sagt, wenn ich das tun würde – mich hingeben ins Martyrium, ich würde von den Römern verbrannt werden –, aber ich habe keine Liebe zum Herrn, dann ist das eben nichts nütze. Also sagt er hier nicht, ich rede in Sprachen der Engel, sondern das wird offen gelassen. Jedenfalls haben wir hier diesen interessanten Ausdruck „Sprache der Engel“.
Nun möchten wir gerne etwas über die Natur der Sprachen erfahren, wie Engel reden. Ja, wir erfahren doch einiges in der Bibel. Wir sehen zum Beispiel in Jesaja 6 eine Vision: Jesaja sieht Engel um den Thron Gottes, wie sie Gott anbeten, und sie sagen: „Kadosh, Kadosh, Kadosh, Adonai Zwa'ot“ – Heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Die Engel sprechen zu Gott, aber der Prophet versteht, was sie sagen.
Nun die Frage: Sprechen Engel effektiv eine andere Sprache als Menschen? Das ist noch schwierig zu beantworten. Ja, der Satz kann auch bedeuten: „Wenn ich mit den Sprachen, die die Menschen und die Engel reden, spreche, aber nicht Liebe habe.“ Denn wir sehen in der Bibel immer wieder, wie Engel sprechen. Da kommt Gabriel zu Daniel (Daniel 9) und spricht perfektes Hebräisch mit ihm. Und da kommt ein Engel zu dem römischen Hauptmann Cornelius (Apostelgeschichte 10). Cornelius hat ihn verstanden; der Engel wird Latein oder Griechisch mit ihm gesprochen haben.
Also, wenn wir in der Bibel lesen, sehen wir, wie Engel mit den Menschen in ihren Sprachen kommunizieren. Wir sehen sogar Stellen, wo Engel einfach an Gott gerichtet sprechen und die menschlichen Zuhörer verstehen, was sie sagen. So auch in Offenbarung 5, wo Johannes Abermillionen von Engeln sieht, wie sie Gott anbeten, und er kann uns erzählen, was sie beten.
Das hängt natürlich auch ein bisschen zusammen mit der Frage, was eigentlich die Sprache Adams war. Nirgends wird das in der Bibel so ausdrücklich gesagt, aber wir können etwas schließen.
Zum Beispiel sind alle Namen der vorsintflutlichen Patriarchen vom Hebräischen her zu erklären: Adam, Sheth, Enosh und so weiter bis Methusalah. Noach verstehen wir als „Trost“ auf Hebräisch, Adam heißt „Erdling“, Sheth „Ersatz“. Nun kann jemand sagen, Mose hat vielleicht diese Urnamen aus der Ursprache ins Hebräische übersetzt. Ja gut, aber wenn ich weiterlese in 1. Mose, da kommt der Kampf der Könige in Kapitel 14, da tauchen Namen wie Tidal und Kedolaomer auf. Tidal ist ein hethitischer Name, Kedolaomer ist elamitisch. Mose übersetzt diese Namen nicht, er lässt sie so im Bibeltext stehen.
Später in Ägypten heißen Potiphar und Asnat, die Frau von Joseph, so, das sind altägyptische Namen. Mose übersetzt sie nicht. Auch später in Bibelbüchern, wenn assyrische Könige auftauchen wie Sanherib, Sanballat und Salmaneser, werden die Namen nicht übersetzt; sie sind assyrisch. Und später die Perser Atak, Sasta und Ahasveros – das sind persische Namen, die ebenfalls nicht übersetzt werden.
Nun ist das ein starkes Argument, dass die Namen original sind und dass die Patriarchen vor der Flut offensichtlich ab Adam ein Urhebräisch gesprochen haben. Der Name Babel lässt sich nämlich vom Hebräischen her erklären als „Verwirrung“ und nicht vom Sumerischen oder Babylonischen. Bereits für die Sumerer war der Name Babel ein Fremdwort. In altsumerischen Texten ist Babel kein sumerisches Wort, sondern für sie bereits ein nicht mehr verständliches Wort.
Darum kann man sehr gut argumentieren, dass Hebräisch die Ursprache war. Gott hat so mit Adam gesprochen, und es kann darum auch gut sein, dass die Engel diese Sprache reden und, wenn sie mit den Menschen sprechen, auch die anderen Sprachen sprechen.
Also: „Wenn ich in den Sprachen der Engel und der Menschen rede, aber nicht Liebe habe, so bin ich nichts.“ Von daher kann man sicher nicht ableiten, dass Lallen eine höhere Engelskommunikation wäre. So geht das natürlich nicht.
Denn es kommt ja dazu, dass dieses Lallen heute so auffällig ein Lallen ist mit fehlender Prosodie. Ich erkläre dieses Wort auf Seite zwei in Fußnote zwei. Die Prosodie beinhaltet den rhythmischen und metrischen Aspekt der Sprache im Zusammenhang mit Ton, Intonation, Akzent und Länge.
In der Prosodik, einem Teilgebiet der Phonologie, beschäftigt man sich mit diesem Gebiet. Die gesprochene Sprache zeichnet sich klanglich unter anderem durch Rhythmus, Betonung sowie durch Heben und Senken der Stimme aus. Dadurch werden sinngebende Einheiten strukturiert.
In der Schrift wird so etwas zum Teil durch Satzzeichen, Kommas, Punkte, Ausrufe- und Fragezeichen sowie durch Absätze ausgedrückt.
Bei dem heutzutage von Tausenden oder Millionen praktizierten Zungenreden fällt das Fehlen prosodischer Elemente auf. „Hatschellaballl“ und so klingt das, ja, wie ein Bandwurm.
Aber schauen Sie: Selbst wenn Sie eine Sprache hören, die Sie nicht kennen, merken Sie, es ist eine Sprache. Sie hat Intonation, sie hat Akzent, sie hat Strukturierung. Zum Beispiel: „Aschreha isch. Asher lo halach bat Zadraschain, uwe derechata im lo amad, uwe moschaw lezim lo yaschaw, ki im betorata dunaychefzu, wei hege betorato yomam veleila, we haja schatul al palgemayim“ – das ist Psalm 1.
„Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen“ und so weiter, der seine Freude hat am Gesetz, an der Tora des Herrn. Aber so Zungenreden normalerweise nicht.
Jede Sprache ist eben so aufgebaut, weil sie eine innere Logik hat, und so sind auch die Biblesprachen aufgebaut. Ich meine, wenn man schon perfekte Gebetssprache anstrebt, dann könnte man ja die Psalmen umschreiben.
Ich habe in dem angekündigten Buch über Sprachenreden Psalm 1 umgeschrieben. Jeder könnte Psalm 1 auf Hebräisch beten – und ein bisschen mit modernhebräischem Akzent, eben wie ich das jetzt gezeigt habe.
Ja, und was nützt das? Das ist mal interessant zu hören, wie Hebräisch tönt und wie der Rhythmus geht und so weiter. Aber erbaut worden ist niemand, nur ich.
Als die Übersetzung kam, hat man sofort reagiert: die Freude, nicht? Psalm 1, „Glückselig der Mann“ und so ist das eben.
Eine Sprache wird an ganz bestimmten Zeichen erkannt, und das ist gerade so anders als bei diesem Lallen, das dann sogar noch eine höhere Kommunikation sein will als das, was wir kennen mit den von Gott geschenkten menschlichen Sprachen.
Soll man wirklich glauben, dass Engel, die in der Bibel verschiedenste menschliche Fremdsprachen beherrschen – das heißt wunderbare, komplex aufgebaute Codesysteme –, unter sich keine höhere Kommunikation besitzen als nur gerade ein Lallen, wie das Millionen von Zungenrednern heute praktizieren?
Lallen, unartikulierte Laute. Ich habe mal jemanden gehört, der wollte jemanden im Rollstuhl heilen, und da hat er in Zungen geredet. „Sie sehen, Sie können auch Zunge reden.“ So hat es geklungen. Das ist doch keine höhere Kommunikation in einem Tempo, sondern hat nunmehr mit Dadaismus zu tun als mit Sprache.
Also, das ist noch nicht eben Engelsprache.
Eine solche Meinung mit den höheren Sprachen beinhaltet letztlich – ohne dass man das beabsichtigt, das muss man immer betonen – eine Verachtung der von Gott dem Menschen geschenkten Sprachen.
Man sagt: So wie ich spreche, kann ich mit Gott nicht würdig reden und ihn anbeten. Das stimmt einfach nicht.
Wir können mit unserer Sprache alles sagen, und wenn uns die Wörter fehlen, dann machen wir neue Wörter. Das geht ja, das hat ja immer funktioniert.
Und gut, das Wort Amen hat man in den meisten Sprachen aus dem Hebräischen übernommen. Also, wenn ein Wort wissen will, das praktisch in allen Sprachen gebraucht wird, dann ist es das Wort Amen. So sage ich es: Das hat man aus der Bibel übernommen.
Wir sollten die Indianer sagen am Schluss des Gebetes ganz einfach Amen, so wie wir das auch immer gemacht haben. Dann fragt man: Wo habt ihr das her? Ja, haben wir auch aus der Bibel. Ja, woher? Ihr habt es? Ja, das ist die Bibelsprache Amen.
Wenn uns ein Wort fehlt, dann holen wir es aus einer anderen Sprache oder machen gleich ein neues Wort. Also, das ist nicht das Problem.
Verantwortung und Nüchternheit im Sprachgebrauch
Und nun noch eine wichtige Sache: In Matthäus 12 nennt Herr Jesus ein ganz wichtiges Prinzip in Verbindung mit dem Reden allgemein.
Matthäus 12, Vers 36: „Ich sage euch aber, dass von jedem unnützen Wort, das irgend die Menschen reden werden, sie von demselben Rechenschaft geben werden am Tag des Gerichts; denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.“
Prinzipiell erwartet Gott also, dass wir Rechenschaft ablegen über unsere Worte. Das sagen wir unseren Kindern immer wieder. Das ist wirklich aktuell. Man kann also nicht einfach so leichtfertig mit der Sprache umgehen. Wir sind verantwortlich dafür, wie wir sprechen.
Nun könnten wir glauben, dass der Geist Gottes uns erlöste Wörter eingibt, von denen wir keine Ahnung haben, was sie bedeuten, und dass der Verstand dabei abgeschaltet ist, sodass letztlich unsere Verantwortung für das, was über unsere Lippen kommt, gar nicht mehr gegeben ist. Dabei geben wir uns in einen Bereich, in dem wir die Kontrolle loslassen.
Aber der Geist Gottes ist nach 2. Timotheus 1,7 nicht ein Geist der Furcht, sondern ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit beziehungsweise der Selbstbeherrschung. Der Heilige Geist führt uns gerade dazu, dass wir lernen, uns selbst zu kontrollieren – auch in unserer Sprache. Er bewirkt nicht, dass wir unkontrollierte Lautäußerungen von uns geben.
Das kennen wir aus dem Heidentum: In den Stammesreligionen praktiziert man das Lallen, das Zungenreden als Lallen. Der Schamane, der Zauberer, lallt und kommt dann in die Ekstase und in Kontakt mit den Geistern. Oder umgekehrt: Wenn er schon in der Ekstase ist, beginnt er so zu lallen. Das kennt man auch von den Spiritisten und aus östlichen Religionen.
Was man jedoch nicht kennt, ist, dass jemand eine Fremdsprache spricht, die er versteht und beherrscht, ohne sie gelernt zu haben. Das können die Zauberer nicht! Denn dann müsste ja jemand sie befähigen, ihnen etwas einzugeben, ohne dass sie ihre Persönlichkeit auf die Seite setzen.
Der Okkultismus ist gerade durch Medialität gekennzeichnet, das heißt, ein Mensch wird zum Mittel, zum Medium, in dem sein kontrollierender Verstand geschwächt oder sogar beseitigt wird. Dann kann ein fremder Geist sprechen und wirken. So wirkt der Teufel: Er muss unsere Persönlichkeit schwächen oder sogar beseitigen, um zu wirken.
Der Heilige Geist stärkt hingegen unsere Selbstkontrolle. Darum nimmt er uns nie unsere Kontrolle weg, sondern hilft uns, uns selbst zu kontrollieren. Deshalb kann nur Gott offensichtlich Sprachen eingeben, die der Mensch beherrscht, ohne sie gelernt zu haben. Das ist ein Wunder Gottes.
Lallen kann ich auch. Aber was wirklich beeindruckend wäre, ist, wenn man das tun könnte, was die in der Bibel konnten, was Adam konnte, was die Menschen in Babel konnten. Aber wer kann das schon? Die Millionen müssen sagen: Nein, das können wir nicht.
Ihr könnt also nur das, was die Schamanen auch können – aber das, was die in der Bibel konnten, das können die Schamanen nicht. Das ist eine ganz entscheidend wichtige Sache.
Nüchternheit und geistige Kontrolle als Gebot
Und da kommen wir zum nächsten Punkt auf Seite drei: Kein ekstatischer Zustand, kein eingeschränktes Bewusstsein.
Der Apostel Paulus sagt in 2. Timotheus 4,5 zu Timotheus: „Du aber sei nüchtern in allem.“ Das griechische Wort „nefo“ bedeutet nüchtern sein. Nach dem griechischen Standardwörterbuch zum Neuen Testament von Walter Bauer heißt es: Freisein von jeder geistigen und seelischen Trunkenheit, von Leidenschaft, Überstürzung, Verwirrnis und Exaltiertheit.
Und das ist ein Befehl, kein Vorschlag. Es heißt nicht: Es ist gut, wenn du nüchtern bist. „Du aber sei nüchtern in allem“ ist ein Befehl, ein göttliches Gebot.
Es gibt Christen, die sagen, im Alten Testament habe man Gebote gehabt, aber wir hätten heute keine Gebote mehr, sondern Freiheit. Das stimmt nicht. Der Herr hat uns im Neuen Testament Gebote gegeben, die an Christen gerichtet sind, und davon gibt es ziemlich viele.
Zum Beispiel habe ich im ersten Timotheusbrief alle Befehlsformen in meiner Bibel angestrichen. Dabei habe ich etwa dreißig Befehle gefunden, also dreißig Gebote für Christen. Im zweiten Timotheusbrief habe ich das auch gemacht, dort gab es schon sechzig Befehle. Dann habe ich noch den Titusbrief hinzugefügt, ein kurzer Brief, und dort gab es nochmals dreißig.
Allein mit diesen drei kleinen Briefen kommt man auf neunzig christliche Gebote. Das Neue Testament ist also sehr reich an Geboten. Wenn jemand nicht mehr weiß, was er tun soll, findet er hier viele Anweisungen.
Man könnte sogar eine Systematisierung vornehmen, ähnlich den 613 Geboten, wie sie im Judentum für die Tora systematisiert wurden. Ja, man könnte so eine Systematisierung auch für die neutestamentlichen Gebote machen.
Eines dieser Gebote lautet: „Du aber sei nüchtern in allem.“ Das heißt, wenn wir das nicht einhalten – frei sein von jeder geistigen und seelischen Trunkenheit, von Leidenschaft, Überstürzung, Verwirrnis und Exaltiertheit – dann brechen wir ein Gebot der Bibel.
Das ist ernst, wenn man bedenkt, wie in der heutigen Zeit, im zwanzigsten und nun beginnenden einundzwanzigsten Jahrhundert, dieses Gebot ganz besonders oft gebrochen wird – am laufenden Band.
So sehen wir: Nüchternheit ist sehr wichtig. Allerdings wollen wir beachten, dass Psalm 100, Vers 1 sagt, dass wir uns freuen und im Herrn jubeln sollen. Große Freude ist also absolut biblisch und richtig, aber keine künstlich erzeugte Freude.
Es gibt einige ganz einfache Techniken, wie man Menschen innerhalb von Minuten bis zu einer Viertelstunde in Glücksgefühle versetzen kann. Ich habe das in Togo erlebt. Die Afrikaner können rhythmisch ganz anders klatschen als wir. Wenn sie klatschen, ist das sehr intensiv.
In einer Viertelstunde hat der Leiter die ganze Masse in Ekstase versetzt, und alle redeten in Zungen. Unglaublich! Aber die Technik, wie man das erreicht, ist klar gegeben.
Das ist aber nicht biblisch. Große Freude ist immer eine Freude, bei der wir uns selbst beherrschen und ganz klar bei Sinnen sind.
Das Neue Testament ruft elfmal zur Nüchternheit auf. Ich habe hier alle Stellen auf dem Blatt aufgeführt, zum Beispiel 1. Korinther 15,34, 1. Thessalonicher 5,6 und 5,8.
Manche sagen, das stünde ja nur einmal in der Bibel, also sei es nicht so wichtig. Aber hier steht es elfmal, und Jesus ruft in den Evangelien ebenfalls dazu auf.
In vielen anderen Stellen im Neuen Testament wird die Aufforderung „Wachet!“ gefunden. Insgesamt findet man den Aufruf 14 Mal im Neuen Testament.
Gott will keine Passivität des Geistes, sondern Aktivität. Er will, dass wir dem Teufel widerstehen und den guten Kampf des Glaubens kämpfen.
Das ist genau das Gegenteil von dem, was man in östlichen Religionen findet. Dort strebt man an, dass der Verstand langsam passiv wird.
Mit Yoga-Übungen wird das über Jahre hinweg erreicht. Das sind Übungen, keine Gymnastik. Dabei ist es sehr wichtig, alles sehr langsam zu machen. Die Übungen sind so strukturiert, dass dadurch eine Passivität des Geistes entsteht. Schließlich bekommt man Visionen.
Man kann das auch mit Meditation oder Mantras erreichen, indem man Wörter ständig wiederholt – immer das gleiche Wort, wiederholen, wiederholen, wiederholen.
Das wirkt ähnlich wie das Tamtam, das im Busch stundenlang geschlagen wird, damit der Schamane in Ekstase gerät. Auch das entthront die Persönlichkeit und das bewusste Denken.
Traumreisen, Trance, autogenes Training, Rockmusik mit dem dauernden, hämmernden Schlag, Drogen – all das wirkt in dieselbe Richtung.
Man wusste das schon von Alters her und hat es bewusst benutzt, damit fremde Geister Macht übernehmen können. Dann wird man zum Medium, aber Gott will keine Medien aus uns machen.
Das sehen wir auch deutlich in der Bibel. Die biblischen Schreiber haben hundert Prozent Gottes Wort aufgeschrieben. Paulus sagt in 2. Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben, von Gott inspiriert.“
Man kann dennoch merken, dass Johannes anders schreibt als Paulus, mit kurzen Sätzen. Er hat ein anderes Vokabular als Paulus. Hosea hat einen ganz unruhigen Stil, ganz anders als König Salomo, der seine Weisheit in den Sprüchen verkündet.
Der Heilige Geist hat diese Menschen im ganzen Leben geformt. Als er sie inspirierte, wurden sie nicht zu Medien. Ihre Persönlichkeit blieb hundert Prozent erhalten, und trotzdem schrieben sie hundert Prozent Gottes Wort auf.
Das ist göttliche Inspiration. Nicht einmal in der höchsten Form der Inspiration wird der Mensch ausgeschaltet. Und das ist doch schon sehr beachtlich.
Missverständnisse über unaussprechliche Seufzer und Sprachenrede
Ein weiterer Punkt auf unserem Blatt betrifft manche Charismatiker, die die in Römer 8,26-27 erwähnten unaussprechlichen Seufzer des Heiligen Geistes mit dem Lallen des Zungenredens in Verbindung bringen.
Ich lese diese Stelle folgendermaßen: „Desgleichen aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an, denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt. Aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern.“ Diese Stelle hat nichts mit Sprachenrede zu tun.
Das Adjektiv „unaussprechlich“ bringt gerade zum Ausdruck, dass es sich hier um eine stumme und wortlose Kommunikation handelt – etwas, das nicht ausgesprochen wird. Alla Letos. Das heißt also, es geht hier um Kommunikation ohne Sprache, also auch ohne Sprachenrede.
Sprachenrede ist gerade nicht wortlos, sondern Kommunikation mit hörbaren Wörtern oder auch nicht hörbaren Wörtern – ja, solche gibt es auch –, aber es sind Wörter. Hier heißt es „Alla Letos“, also ohne dass gesprochen wird. Sie sind stumm, sie sind gar nicht hörbar.
So spricht Römer 8 vom Wirken des Heiligen Geistes, das jedem Erlösten zukommt: Wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, vertritt der Heilige Geist uns. Das ist nicht davon abhängig, ob wir Sprachenrede haben oder nicht. Das tut er für alle Kinder Gottes.
Das Sprachenreden aber – wie wir gleich noch sehen werden – ist eine Gabe, die nie für alle Kinder Gottes vorgesehen war. Darauf werden wir noch eingehen.
Die Notwendigkeit der Auslegung beim Sprachenreden
Nun aber noch etwas ganz Wichtiges in Verbindung mit 1. Korinther 14: die Erbauung durch Sprachenreden.
Es gab also das Problem in Korinth, dass keine Fremdsprachigen anwesend waren oder dass die Fremdsprachen nicht verstanden wurden. Wenn die Fremdsprachen eben nicht verstanden wurden, gab es keine Erbauung. Daher wird in diesem Fall die Auslegung absolut notwendig. Zum Beispiel in 1. Korinther 14,5 finden wir das Wort „diermeneio“, das bedeutet übersetzen, auslegen, deuten, erklären.
Dort habe ich schon darauf hingewiesen, dass nicht das Sprachphänomen an sich, sondern allein die dadurch übertragene Botschaft erbauend war. Aber nun haben wir noch ein ganz wichtiges Problem, das wir anschauen müssen. Und zwar dort, wo in 1. Korinther 14 über den Verstand gesprochen wird, der fruchtleer sei.
Ich lese mal nur 1. Korinther 14,14: In den meisten Übersetzungen steht es etwa so: „Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer.“
Man kann natürlich aus dieser Stelle ableiten: Ja, seht ihr, beim Sprachenreden ist der Verstand abgekoppelt, oder? Ja, aber wenn wir noch weiterlesen, dann heißt es – ich schlage auf in der alten Elberfelder – Vers 14: „Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer.“
Was ist es nun? „Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand. Ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.“ Sonst, wenn du mit dem Geist preisen wirst, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er nicht weiß, was du sagst? Denn du dankst wohl gut, aber der andere wird nicht erbaut.
„Ich danke Gott, ich rede mehr in einer Sprache als ihr alle, aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, auf dass ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache.“
Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid unmündige Kinder; am Verstand aber seid Erwachsene.
Nun haben wir hier eine ganz interessante Gegenüberstellung zwischen Verstand und Geist. „Ich will beten mit dem Geist, ich will auch beten mit dem Verstand.“
Nun die Frage: Was ist der Verstand, was ist der Geist des Menschen? Der Geist des Menschen hat nach Psalm 77, Vers 7 die Eigenschaft, dass er denken und erkennen kann. Der Geist des Menschen hat gerade die verstandesmäßigen Kräfte. In Römer 8, Vers 16 wird gesagt: „Der Geist Gottes bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“
Ja, es ist aber ein Problem, wenn hier Geist und Verstand einen Gegensatz darstellen. Da muss man sich fragen: Ist die Übersetzung „Verstand“ hier gerechtfertigt? Was bedeutet dieses Wort „Nous“?
Gut, die Hauptbedeutung von „Nous“ ist Verstand, aber das Wort hat noch viele andere Bedeutungen. Zum Beispiel hat es auch den Sinn von Bedeutung von Wörtern. Also der „Nous“ eines Textes ist seine Aussage, der Sinn dessen, was der Text sagt – das ist auch „Nous“.
Da müsste man natürlich den „Nous“ nicht mit Verstand übersetzen, sondern eben mit Bedeutung, mit Aussage.
Ja, und jetzt übersetze ich mal so, dann schauen wir mal, was da rauskommt. Ich lese ab Vers elf in meinem Text auf Seite sechs:
„Wenn ich nun die Bedeutung der Stimme nicht weiß, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar. Also auch ihr, da ihr um geistliche Wirkungen eifert, so sucht, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Gemeinde. Darum: Wer in einer Sprache redet, bete immer wieder, damit er es immer wieder übersetze. Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist. Aber mein Redesinn oder meine Aussage ist fruchtleer.“
Also das Fruchtleer bezieht sich nicht auf den Redenden. Darum habe ich in Klammer ergänzt: „Ist fruchtleer für die Zuhörer.“
Was ist es nun? „Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Redesinn. Ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Redesinn.“ Sonst, wenn du mit dem Geist preisen wirst, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu einer Danksagung, da er ja nicht weiß, was du sagst? Denn du sagst Dank wohl gut, aber der andere wird nicht erbaut.
„Ich danke meinem Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle, aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Wörter reden mit meinem Redesinn oder mit meiner Aussage, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Wörter in einer Sprache.“
Da macht es Sinn, oder? Hoffe ich.
Nun kommt Vers zwanzig: „Brüder, werdet nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid unmündige Kinder, am Verstand aber werdet Erwachsene.“
Ja, aber jetzt kommt doch wirklich der Verstand hier, oder? Nun ist es plötzlich nicht mehr „Nous“. Hier benutzt Paulus „Frän“, ein Wort, das im Neuen Testament nur hier vorkommt, nirgends sonst. Also offenbar hat Paulus hier das Wort „Frän“ genommen, um klarzumachen, weil er „Nous“ schon benutzt hat im Sinne von Aussage, Rede, Sinn, und jetzt möchte er wirklich vom Verstand des menschlichen Geistes sprechen, braucht er ein neues Wort, das eindeutig war.
Also er sagt: „Brüder, werdet nicht Kinder am Verstand!“ Gerade in Verbindung mit dem Kapitel über Sprachenreden sagt er, also hängt nicht den Verstand an den Nagel. Als Christen sollen wir Erwachsene sein am Verstand! Und das Wort „erwachsen“ ist umso stärker, als es gleichzeitig im Griechischen „telos“ bedeutet, also vollkommen.
Hier wird deutlich, dass Verstand und Glaube keine Gegensätze sind. Der Verstand ist eine Gabe Gottes, und wir müssen den Verstand unter die Autorität Gottes stellen. Wenn der Verstand selbständig wird, dann wird er, wie Luther gesagt hat, eine Hure.
Der Verstand als Gabe Gottes ist eine gute Sache, wenn er unter der Autorität Gottes steht. Also gerade im ganzen Zusammenhang sagt Paulus: „Seid nicht Kinder am Verstand.“ Verstand ist ganz wichtig.
Und überlegt euch mal: Wenn jemand in einer Fremdsprache spricht und die anderen verstehen nichts, bringt das doch nichts. Ihr seid doch echt kindisch, wenn ihr denkt, das bringt etwas. Das ist Vergeudung.
Überlegt euch doch mal: Es geht darum, dass die anderen einen Gewinn haben. Dann müsst ihr in einer verständlichen Sprache sprechen, und wenn ihr schon in fremden Sprachen redet, dann müsst ihr es mindestens übersetzen. Und das konnte auch der Sprachenredner selbst tun, es war nicht unbedingt ein anderer, der die Auslegung hatte.
So lesen wir ja in 1. Korinther 14, ich habe bereits Vers 13 gelesen: „Darum, wer in einer Sprache redet, bete.“ Es ist ein Durativ im Griechischen, darum habe ich in Klammer übersetzt: „bete immer wieder, damit er es immer wieder übersetze.“
Er konnte also selbst übersetzen, und es geht hier nicht darum, dass er jetzt bittet: „Herr, gib mir die Gabe des Übersetzens“, sondern er betet jedes Mal: „Hilf mir, wenn ich übersetze.“
Ich könnte mir nicht vorstellen, eine Predigt zu halten, ohne dass ich vorher den Herrn um Hilfe bete. Man könnte sagen: „Wieso beten? Ich weiß doch die Bibelstellen auswendig, die ich da brauche.“
Nein, natürlich nicht, wir haben die Sache nicht in der Hand. Wir brauchen Gottes Hilfe für jeden Dienst.
Und so heißt es hier: „Wenn jemand in der Sprache betet, so betet er immer wieder, betet, so betet er immer wieder, damit er es immer wieder übersetze.“
Also auch das ist wichtig.
Und noch ein Punkt: 1. Korinther 14,14: „Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist.“ Und das ist nun ganz wichtig.
Das heißt hier nicht: „So betet der Heilige Geist.“ Und es ist so, dass es moderne Übersetzungen gibt, die hier schreiben: „So betet der Heilige Geist in mir.“ Und das ist natürlich eine schwerwiegende Fälschung.
Nirgends in der Bibel, wenn Menschen sagen „mein Geist“, ist damit der Heilige Geist gemeint. Gott kann sagen: „Mein Geist soll nicht ewig richten mit dem Menschen, da er Fleisch ist, und seine Tage seien hundertzwanzig Jahre“ (1. Mose 6). Da spricht Gott aber von seinem Geist, dem Geist Gottes.
Aber wenn Paulus sagt: „So betet mein Geist“, dann meint er seinen Geist, den er von Gott bekommen hat.
Wir sehen nach 1. Thessalonicher 5,23 eine Einheit von Geist, Seele und Körper. Und wenn man in Sprachen betete, dann betete der Geist des Menschen, das heißt gerade der Aspekt des Menschen, der bewusst denken, erkennen und verstehen kann.
Gott hat dem Sprachenredner diese Sprache eingegeben. Er konnte sie so gut wie Adam am ersten Tag seines Lebens, so gut wie die Leute in Babel am Tag der Verwirrung.
Ja, also so betet mein Geist in einer Sprache, die Gott mir eingegeben hat, aber mein Redesinn ist fruchtleer, nützt den anderen nichts.
Und es geht dauernd darum: Der andere kann nicht Amen sagen, der andere ist ein Barbar, der andere wird nicht erbaut, der andere wird nicht unterwiesen. Und dann sagt Paulus: „Bitte, seid doch keine Kinder am Verstand, Frän!“
Es muss doch etwas bringen, sonst bringt das Ganze nichts.
Ja, also das ist die ganze Argumentationsweise durch 1. Korinther 14 hindurch.
Paulus nimmt zwei Gaben heraus: Sprachenreden und Weissagen. Weissagen ist immer nützlich, Sprachenrede ist nur unter Umständen nützlich.
Und Paulus sagt: „Ich rede mehr in Sprachen als ihr alle“ (Vers 18). Ja, er hatte ja auch viel mehr Gelegenheiten auf seinen Missionsreisen. Da war er zum Beispiel zusammen mit den Barbaren auf Melite (Apostelgeschichte 28,1) oder den lykaonisch sprechenden Heiden in Lystra (Apostelgeschichte 14), die meinten, er sei Hermes, ein Halbgott vom Himmel.
Ja, bei diesen Barbaren war natürlich Sprachenreden eine nützliche Sache.
Er als reisender Missionar hatte mehr Gelegenheit, diese Gabe zu nutzen als die Korinther, die vor Ort waren.
Und so erklärte er dann 1. Korinther 14 auf Seite 7.
Sprachenrede als Zeichen und ihre Grenzen
Ich habe den Abschnitt übersetzt: Sprachenrede ist ein Zeichen für das ungläubige Israel, aber nur, wenn man die Sprache versteht. Es steht im Gesetz geschrieben – jetzt kommt das Jesaja-Zitat: "Ich will in anderen Sprachen und durch andere Lippen zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören."
Dann erklärt Paulus in Vers 22: Sprachen sind ein Zeichen nicht für Glaubende, sondern für Ungläubige. Die Weissagung ist aber nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
Und dann sagt er: "Jetzt schauen wir mal an, wie das ist in Korinth." Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme (Vers 23) und alle in Sprachen redeten, und es kämen Unkundige oder Ungläubige herein, würden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid. Wenn aber alle weissagten und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger käme herein, so würde er von allen überführt, von allen beurteilt, und so würde das Verborgene seines Herzens offenbar werden. Dann würde er auf sein Angesicht fallend Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist.
Nun, mein Mann, das ist ein totaler Gegensatz. Vorher sagt Paulus, Sprachen seien für Ungläubige, und jetzt sagen, wenn Ungläubige zu euch in die Gemeinde kommen, dass ihr spinnt. Ja, das ist das Problem: Wenn Ungläubige in Korinth kommen, die nicht fremdsprachig sind, dann nützt eigentlich die Gabe, die für Ungläubige ist, in dem Fall gar nichts – im Gegenteil.
Aber Weissagung, obwohl das eine Gabe für Gläubige ist, nützt dann auch für Ungläubige, denn sie kann auch Ungläubige überführen, wenn jemand so predigt, dass er genau die Zustände des Herzens offenbar macht. Ohne dass er die Person kennt. Die Ungläubigen fragen dann: "Wie hat die Ihnen das alles von mir erzählt? Bitte, wer sind Sie?" Ja, so kann der Herr das führen in einer Gemeinde.
Paulus sagt aber auch, unter Umständen kann Sprachenreden für die Gläubigen nützlich sein, aber dann muss es eben übersetzt werden. Er sagt in den weiteren Versen, dass höchstens drei Personen in Sprachen reden dürfen. Man muss immer bedenken: Wenn jemand in einer Fremdsprache in der Gemeinde spricht, ist das tote Zeit. Zu viel Übersetzung von der Fremdsprache bringt gar nichts, es nimmt zu viel Zeit weg. Darum setzt Paulus eine oberste Grenze von höchstens drei.
Auch bei der Weissagung sagt er dann: "Propheten, lasst zwei oder drei reden, die übrigen lasst urteilen." Aber er sagt nicht "höchstens drei", sondern "zwei oder drei" als Hinweis. Dabei hat er mehr die Überforderung der Gemeinde im Auge. Wenn es zu viele und zu lange Beiträge gibt, dann ist man am Schluss einfach erschlagen. Ob das zum fünf Uhr nicht der Fall sein wird? Aber wir machen das ja nicht jeden Tag, sondern wie am Studientag.
Das Ende der Gnadengaben und die Bedeutung der Liebe
Gut, und jetzt möchte ich noch zum Schluss auf den Punkt eingehen, das Aufhören der Sprachen.
Auf Seite 5 lese ich den Text aus 1. Korinther 13,8 vor, überschrieben mit „Von der Vorläufigkeit der Gnadengaben“:
„Die Liebe vergeht nimmer, seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden, seien es Sprachen, sie werden abklingen, seien es Erkenntnis, sie wird weggetan werden, denn wir erkennen stückweise und wir weissagen stückweise. Wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, dann wird das, was stückweise ist, weggetan werden. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. Denn wir sehen jetzt durch ein Fenster undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, die grösste aber von diesen ist die Liebe.“
Es ist klar, die Liebe Gottes bleibt für immer. Aber die Gaben, die Gott jetzt der Gemeinde auf Erden gegeben hat, haben keine Ewigkeitsbedeutung. Sie sind nur für die Erde gegeben.
Übrigens interessant: Wenn es Engelssprachen wären, könnten wir sie im Himmel wieder brauchen, oder? Aber die Bedeutung dieser Gaben ist für die Erde, sie sind dafür gegeben.
Nun heißt es, Weissagung wird weggetan werden, Erkenntnis wird weggetan werden, und es heißt auch, die Sprache wird ein Ende haben, Sprachen werden abklingen.
Ich habe in der Fußnote erklärt, dass der Ausdruck „weggetan werden“ (Fußnote 9) im Griechischen „katargeo“ bedeutet. Wörtlich heißt das „herabmachen“, sodann „vernichten, zerstören“. In Hebräer 2,14 bedeutet dieses Wort: „Der Herr Jesus hat den Teufel zunichte gemacht.“ Ein starkes Wort, oder?
Bei der Entrückung wird der Herr all die Gaben, die bis dahin bleiben, in einer Minute wegtun. Diese brauchen wir nicht mehr. Im Himmel läuft das ganz anders.
Aber in Verbindung mit den Sprachen sagt er, sie werden abklingen. Und da habe ich in Fußnote 10 erklärt, dass das griechische Wort „pauo“ bedeutet: aufhören, abklingen. Vergleiche das allmähliche Abklingen des Tumults in Ephesus in Apostelgeschichte 20,1. Dort kommt das Wort „pauo“ vor.
Die Leute hatten gestöhnt, stundenlang geschrien: „Groß ist die Artemis der Epheser!“ Die meisten wussten gar nicht, warum sie da waren. Interessant, das ist sehr heidnisch. Man schreit mit und weiß gar nicht warum.
Und dann heißt es: „Als der Tumult aufgehört hatte.“ Das ist klar, ein Volkstumult hört nicht von einem Schlag auf den anderen auf, sondern klingt ab. Und dieses Wort wird hier für die Sprachen gebraucht: Sie werden abklingen.
Gut, jetzt geht es aber noch darum: Es gibt viele bibeltreue Ausleger, die sagen, Vers 10: „Wenn das Vollkommene gekommen sein wird, dann wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“ Das ist nicht die Entrückung, sondern der Abschluss der biblischen Bücher, also des letzten Buches des Neuen Testaments. Dann ist Gottes Offenbarung an uns vollständig.
Vorher war sie nur stückweise, und dann ist sie vollständig da. Und das stimmt ja. Gott hat seine Erkenntnis in seinem Wort vollständig gegeben.
Aber Paulus sagt das nicht auf den einzelnen Menschen bezogen, er sagt nicht „wir“. Er sagt in Vers 12 in der Mitte: „Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin.“
Also es geht um die Erkenntnis als Einzelner, subjektiv. Jetzt ist sie stückweise, und das ist so geblieben, auch seit die Bibel vollständig ist.
Es gibt keinen Gläubigen, der sagen kann: Ich kann das Ganze überblicken. Wir können immer nur stückweise erkennen, Stück um Stück. Aber wenn wir einmal im Himmel sind, dann bekommen wir eine vollkommene Erkenntnis.
Er sagt, jetzt ist es so, als sähen wir durch ein Fenster. Die Fenster der Alten waren halbdurchsichtige Gläser. Muss man sich mal anschauen, so römische alte Gläser, dann versteht man diese Stelle gut.
Also, es ist jetzt nicht alles ganz klar, aber dann in der Herrlichkeit werden wir alles verstehen. Auch unser Leben und die offenen Fragen in unserem Leben werden dann klar werden.
Wunderbar, vielleicht nicht jetzt, aber dann werden wir Gott anbeten.
Also, es geht subjektiv: Das Vollkommene ist dann, wenn der Einzelne vollkommen erkennen wird. Dann werden diese stückweisen Gaben weggetan werden.
Bei den Sprachen heißt das, sie werden abklingen. Und es wird nicht gesagt, wann.
Historische Zeugnisse zum Verschwinden der Sprachenrede
Aber jetzt lese ich vor von Augustinus, einem Kirchenlehrer um 400 nach Christus. Er schreibt in seinem Johannesbrief-Kommentar 6,10 Folgendes:
Er zeigt, dass das Zeichen der Sprachenrede sich ereignet habe, doch danach sei es verschwunden. Es war nötig, dass der Heilige Geist so mit allen Sprachen zeichenhaft bezeugt würde, weil Gottes Evangelium mit allen Sprachen dem ganzen Erdkreis zugänglich gemacht werden sollte. Jenes wurde zeichenhaft bezeugt und danach verging es.
Also sagt Augustinus um 400 nicht, dass die Christen aller Welt in Zungen sprechen. Nein, er sagt, die Sprachen waren da, es war ein Phänomen, es ist so aufgetreten. Es war das Zeugnis Gottes, dass jetzt das Evangelium zu allen Völkern gehen sollte. Dieses Zeichen sei aufgetreten und danach verschwunden.
Noch ein paar weitere Zitate:
Augustinus schrieb auch um 392 nach Christus im Blick auf Zeichen und Wunder:
„Warum geschehen heute solche Dinge nicht? Sie würden niemanden bewegen, wenn sie nicht wunderbar wären. Gott ist darum in Weisheit mit uns umgegangen, indem er sie ein für allemal gab, um die Welt zu überzeugen, damit sie sich in der Folge auf die Menge verlasse, die auf diese Weise überführt wurde.“
Oder Chrysostomus, der große Prediger des vierten Jahrhunderts, sagte im Blick auf die Wunder zur Zeit der ersten Christen:
„Behaupte nicht, Wunder geschahen damals nicht, weil sie heute nicht geschehen. In jenen Tagen waren sie nützlich, heute aber nicht. Von Wunderkräften ist nicht die geringste Spur geblieben.“
Isidor von Pelusium spekuliert im vierten Jahrhundert:
„Vielleicht würden heute auch Wunder geschehen, wenn das Leben der Lehrer dem der Apostel an Bedeutung entspräche.“
Sogar im siebten Jahrhundert, als Aberglauben und die Jagd nach Übernatürlichem längst einen großen Platz in der römischen Kirche eingenommen hatten, schrieb Isidor von Sevilla:
Der Grund, warum die Kirche heute nicht die Wunder wirkt wie zur Zeit der Apostel, ist der, dass die Wunder damals notwendig waren, die Welt von der Wahrheit des Christentums zu überzeugen. Jetzt steht ihr zu, nachdem sie überzeugt ist, durch gute Werke zu leuchten.
Und gerade das ist das Problem unserer Zeit: Wir als Christen führen keinen überzeugenden Lebenswandel, sodass die Welt nicht sagen kann, die leben ja genau gleich wie wir. Und sie sagen es vielleicht anders, aber schau mal, wie die angezogen sind.
Ja, und das stellen sie fest. Das kann man in der Tageszeitung nachlesen, wie sie feststellen: „Schau mal, wie die herumlaufen“, und dann sagen sie, sie seien die Frommen.
Also können wir doch etwas von diesem Isidor lernen: durch gute Werke zu leuchten.
Wer heute als Gläubiger nach Wunderkräften strebt, trachtet nach eitler Ehre und menschlichem Beifall. So schreibt er.
Praktische Anweisungen für den Umgang mit Verführungen und Lehren
Ja, was können wir nun abschließend zu all dem sagen?
Was heute geschieht, passt genau zu dem, wie Jesus die Endzeit beschrieben und gewarnt hat, wie es in Matthäus 24 steht. Es ist so schön, wenn Paulus in 2. Timotheus 3 über die Endzeit spricht. Auf Seite 5, oben, steht der oberste Titel „Schutz in den letzten Tagen“. Dort sagt der Apostel Paulus, es werden Verführer kommen. Dann erklärt er: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast.“
Paulus betont, dass Timotheus von Kind auf die Heiligen Schriften kennt. Diese sind vermögend, ihn weise zu machen zur Seligkeit. Er erklärt weiter, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist. Also sagt Paulus zu Timotheus: „Du aber“ – es gibt Verführung, aber Paulus spricht den Einzelnen ganz persönlich an, um ihn aufs Gewissen zu erreichen. „Du aber halte dich an die Heilige Schrift.“ Dort finden wir alle Hilfsquellen, um bewahrt zu bleiben.
Wie sollen wir aber im Einzelnen helfen? Das wird ebenfalls in diesem zweiten Timotheus, in diesem Endzeitbrief, geschrieben. Ich lese jetzt noch abschließend aus 2. Timotheus 2,24: „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle Milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden.“
Wir haben hier das Wort „nüchtern“. Es bedeutet, nüchtern zu werden aus dem Fallstrick des Teufels, der sie gefangen hält für seinen Willen. Ganz wichtig ist also dieser liebevolle, sanftmütige Umgang im Bewusstsein: Wenn ich etwas klar sehe, dann ist es sowieso nur Gnade Gottes. Und wie geduldig ist Gott mit jedem Gläubigen! So sollen wir auch gegeneinander geduldig sein, eben nicht streiten, sondern milde sein, lehrfähig – also die Dinge erklären können. Nicht einfach behaupten, einfach das Blaue vom Himmel herab behaupten: „Das ist so, warum ist es so? Erkläre mir!“
Wirklich Gläubige erkennen Gottes Autorität in der Heiligen Schrift an. Wenn wir ihnen anhand der Heiligen Schrift helfen – da steht: „Du aber sei nüchtern in allem“ und so weiter –, dann kann man eben auch gewinnen. Lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut zurechtweist – das sind praktische Anweisungen im Umgang unter Christen.
Ja, wir wollen zum Schluss noch beten.
