Einführung in die Bedeutung des ersten Tages der Woche
Wir stehen in Johannes 20 und lesen zunächst einmal das ganze Kapitel gemeinsam durch. Nun kommen wir zur Auferstehung des Herrn Jesus am dritten Tag. Hier wird der Auferstehungstag als der erste Tag der Woche beschrieben (Johannes 20,1). Das war also der Sonntag. Dieser entspricht dem ersten Tag in der Bibel.
Mit welchem Tag hat die Schöpfung begonnen? Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde – welcher Tag war das? Es war der erste Tag, also der Sonntag. Der siebte Tag ist dann der Schabbat.
Lesen wir nun den ersten Schöpfungstag in 1. Mose 1,1-5:
„Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis. Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.“
Jawohl, ein Tag – oder Yom Echad – das ist der erste Tag. So war der erste Schöpfungstag der Tag des Lichts in der Dunkelheit.
Die Auferstehung als göttliches Licht und Leben
Nun lesen wir aus 2. Timotheus über die Auferstehung, die am ersten Tag der Woche stattgefunden hat. Wer liest 2. Timotheus 1,10? Dort geht es in der Mitte um die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus.
Der Text lautet: „Jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“
Man erkennt hier eine Parallele: Am ersten Schöpfungstag brachte Gott Licht in die Dunkelheit. Nun, am ersten Tag der Woche, wie es in Johannes 20 beschrieben ist, hat Jesus Christus Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht – durch das Evangelium.
Psalm 24 und die Bedeutung des ersten Wochentags im Judentum
Im Tempel in Jerusalem wurden an jedem Tag der Woche bestimmte Psalmen vom Priesterchor und dem levitischen Orchester aufgeführt.
Weiß jemand, welcher Tag als erster Tag der Woche festgelegt war? Psalm 24 gibt darauf eine Antwort. Das ist übrigens auch in den gewöhnlichen Gebetsbüchern im Judentum nachzulesen. Dort gibt es für jeden Wochentag einen bestimmten Psalm zur Lektüre. Diese Psalmen entsprechen denjenigen, die im Tempel an den jeweiligen Wochentagen gesungen wurden, wie es auch im Talmud überliefert ist. Psalm 24 gilt demnach für den ersten Wochentag.
Wer liest Psalm 24, Vers 7? „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.“
Wer ist dieser König der Herrlichkeit? „Der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Kampf.“
Noch einmal: „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.“
Wer ist dieser König der Herrlichkeit? „Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.“
Jawohl, das war also der Psalm, der eine Woche zuvor, am Sonntag, gesungen wurde. Welches Ereignis war das? Der Herr Jesus zieht von Osten her, vom Ölberg, dort wo am Morgen die Sonne, das Licht, über Jerusalem aufgeht. Von dort reitet er durch das Kidrontal nach Jerusalem ein und geht als König, als Sieger, als König der Herrlichkeit durch die geöffneten Tore hinein. Diese Tore sollen sich ihm öffnen.
Am Tag der Woche darauf geht der Herr Jesus als Sieger aus dem Grabestor hinaus. Auch an diesem Tag mussten sie wieder diesen Psalm singen: „Ihr Tore Jerusalems, ihr seid viele, erhebt eure Häupter“, damit der König hindurchziehen möge.
Und das ist wiederum der erste Tag der Woche.
Der erste Tag der Woche als Tag der neuen Schöpfung
Wir sehen daraus, dass der erste Tag der Woche ein Tag ist, der im Alten Testament tief verwurzelt ist. Die Bibel beginnt ja mit dem ersten Tag der Woche. Dieser Tag wird nun gewissermaßen der Tag, der die neue Schöpfung eröffnet – durch den Sieg des Herrn Jesus am Kreuz.
Hier haben wir die Grundlage für das, was dann in Offenbarung 21 verkündet wird. Lesen wir Offenbarung 21,1: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“
Die Auferstehung des Herrn Jesus ist also die Basis für diese neue Schöpfung. Das können wir ganz eindeutig im Kolosserbrief nachlesen, Kolosser 1,20-22. Es geht um die Fülle der Gottheit – das ist der dreieinige Gott, die Fülle der Gottheit, die in Christus wohnte.
In Vers 20 heißt es: „Und durch ihn alles mit sich zu versöhnen, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes, durch ihn sei es, was auf der Erde oder was in den Himmeln ist.“
Und in Vers 21-22: „Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er nun versöhnt im Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen.“
Hier geht es um die Versöhnung aller Dinge. Das ist nicht dasselbe wie die Versöhnung aller Menschen. Es ist die Versöhnung aller Dinge, und durch ihn sollen alle Dinge mit sich versöhnt werden. Dann wird präzisiert, dass es die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln sind.
Die Menschen sind darin noch nicht eingeschlossen, denn die Menschen kommen noch dazu. Es heißt: „Und euch, die ihr einst in Fremdheit und Feindschaft wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er nun versöhnt im Leib seines Fleisches.“
Das ist die Versöhnung der Menschen, die sich bekehren. Aber zusätzlich gibt es noch die Versöhnung aller Dinge.
Bedeutung des Wortes „versöhnen“ und die Umwandlung der Feinde
Es ist nützlich zu wissen, dass das Wort „versöhnen“ im Griechischen „apokatalasso“ heißt. Es hat die Grundbedeutung „umwandeln“. Das Wort „alasso“ bedeutet „umwandeln“. Mit der verstärkten doppelten Vorsilbe „apo“ wird daraus „apokatalasso“. „Apo“ bedeutet „weg“, „kat“ bedeutet „herab“, also „weg“ oder „herab verwandeln“. Daraus ergibt sich die Bedeutung „versöhnen“.
Ursprünglich wurde „alasso“ auch verwendet, um das Wechseln von Geld zu beschreiben, also das Umwandeln von einer Währung in eine andere. Bei der Versöhnung ist besonders der Gedanke wichtig, dass Feinde in Freunde umgewandelt werden.
In Vers 21 heißt es: „und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er nun versöhnt.“ Aus Feinden Gottes wurden Freunde Gottes. So haben wir die Versöhnung aller Dinge.
Wie funktioniert das? Wie soll die Erde versöhnt werden? Das erfahren wir im Hebräerbrief, Kapitel 1, Verse 10 bis 12. Dort spricht Gott der Vater zu seinem Sohn: „Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Und sie alle werden veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie zusammenwickeln, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen.“
Der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist der Schöpfer, der am Anfang Himmel und Erde geschaffen hat, wie es in 1. Mose 1 beschrieben ist. Diese Schöpfung wird jedoch vergehen, veraltet sein. Dann heißt es: „und sie werden verwandelt werden“. Das ist das Wort „alasso“ – umwandeln.
Das bedeutet, die ganze Schöpfung wird nicht aufgelöst oder ins Nichts vernichtet, sondern sie wird umgewandelt in eine neue Schöpfung. Das ist die Versöhnung aller Dinge. Die gesamte Materie des Kosmos wird von Gott in eine neue Schöpfung umgewandelt.
Diese neue Schöpfung wird keine „creatio ex nihilo“ sein, also keine Erschaffung aus dem Nichts, wie es bei der ersten Schöpfung der Fall war. Die neue Schöpfung wird aus der alten hervorgehen.
Diese Umwandlung ist jedoch nur möglich durch das Blut des Herrn Jesus, durch das alle Dinge versöhnt werden. Deshalb ist der Auferstehungstag die Grundlage für die neue Schöpfung, für einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Die Bedeutung des Blutes Christi erhält dadurch eine ganz neue Dimension. Es wurde nicht allein vergossen, damit aus Feinden, also schuldigen Menschen, gereinigte Freunde werden, deren Schuld vergeben ist. Es dient auch dazu, dass die ganze Natur, die gesamte Schöpfung, einmal in eine vollkommene neue Schöpfung umgewandelt wird.
In dieser neuen Schöpfung werden keine Spuren des Zerfalls der alten Schöpfung durch die Sünde mehr sichtbar sein.
Die neue Schöpfung in Offenbarung 21 und die Vorstellung der Zeugen Jehovas
In Offenbarung 21,1 steht: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen.“ Wie kann man das Wort „vergangen“ verstehen? Es bedeutet: vorüber, vorbei, gibt es nicht mehr.
Man könnte denken, der erste Himmel und die erste Erde wurden nur verwandelt und sind irgendwo noch vorhanden. Doch das ist nicht der Fall. Sie sind wirklich vergangen, weil sie einmal bestanden haben, aber jetzt ist diese Zeit vorbei. Sie wurden umgewandelt.
Es ist nun ein neuer Himmel und eine neue Erde. Das Alte ist vergangen, alles ist neu geworden.
Die Zeugen Jehovas glauben ebenfalls an eine Art Runderneuerung der Erde, oder daran, dass die Erde irgendwie wieder neu entsteht. Ja, das ist richtig. Sie sprechen oft davon, speziell vom Tausendjährigen Reich, das eine weitgehende Erneuerung sein wird. Aber es bleibt trotzdem die alte Erde.
Da sie keine himmlische Hoffnung haben, gibt es für sie nur eine künftige Erde. Deshalb sprechen sie ständig davon. Das haben sie aber nicht selbst erfunden. Die Bibel spricht davon, sowohl vom Tausendjährigen Reich, das für diese Erde kommen wird, als auch von der Ewigkeit, wie sie in Offenbarung 21 beschrieben ist.
Die Befreiung der Schöpfung in Römer 8
Ja, Römer 8,21 drückt das ebenfalls aus. Genau, wir können gleich dort nachschlagen.
Liest du vor? Römer 8, ab Vers 18:
„Denn ich halte dafür, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat – in Hoffnung darauf, dass auch sie selbst von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes.“
Die Befreiung der Schöpfung, die leidet und seufzt, wird angekündigt in Verbindung mit dem Kommen und dem Offenbarwerden der Söhne Gottes. Vers 19 sagt: „Die Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.“
Das geschieht bei der Wiederkunft Christi mit allen Gläubigen. Dann wird die Schöpfung weitgehend von dem Fluch befreit, der heute noch auf ihr lastet. Darum nennt Petrus diese Zeit des Tausendjährigen Reiches in Apostelgeschichte 3,19 die Zeit der Wiederherstellung aller Dinge.
Doch auch das Tausendjährige Reich wird noch kein vollkommener Zustand sein, denn der Tod ist weiterhin möglich für Menschen, die rebellieren. Interessanterweise wird in Hesekiel 47 beschrieben, wie das Tote Meer im Tausendjährigen Reich gesund gemacht wird und Fische darin leben werden. Dennoch heißt es, dass die Lachen und Sümpfe rund ums Tote Meer salzig bleiben.
Dieser Überrest, die weiterhin übersalzenen Lachen, zeigt, dass das Tausendjährige Reich noch nicht der vollkommene Zustand ist. Das Vollkommene wird erst erfolgen, wenn Gott am Ende des Tausendjährigen Reiches Himmel und Erde zuerst auflöst.
Bevor er sie verwandelt, löst er sie auf – nicht ins Nichts, sondern auf eine neue Weise. Wir schlagen dazu 2. Petrus 3,10-13 auf.
Das Ende der alten Schöpfung und der Beginn der neuen
Wird aber der Tag des Herrn kommen, dann werden die, an ihm, mit gewaltigem Geräusch vergehen. Die Elemente aber werden im Brand aufgelöst, und die Erde sowie die Werke darauf werden im Gericht gefunden werden.
Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute sollen dann nicht heiligen Wandel und Gottseligkeit führen? Sie erwarten und beschleunigen die Ankunft des Tages Gottes, um dessen Willen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst sowie die Elemente im Brand zerschmelzen werden.
Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Ab Vers 10 wird der Tag des Herrn eingeführt, der kommen wird wie ein Dieb. Der Tag des Herrn ist im Alten Testament der Jom Adonai. Zum Beispiel kommt dieser Ausdruck in Zephanja 1 mehrmals in verschiedenen Variationen vor. Es ist der Tag des Gerichts über diese Erde. Er schließt die große Drangsalzeit mit ein und erreicht seinen Höhepunkt, wenn Christus erscheint – am Ende dieses dreieinhalbjährigen Weltkriegs, der um die Herrschaft auf dieser Erde geführt wird.
Dieser Tag des Herrn dauert dann das ganze tausendjährige Reich hindurch. Es ist eben der Tag, an dem Jesus Christus als Herr das letzte Wort über diese Erde sprechen wird. Ganz so, wie es Hiob gesagt hat, plötzlich in der tiefen Depression diese Aufhellung: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er auf der Erde stehen.“ Das heißt, er wird das letzte Wort über diese Welt sprechen.
Das ist der Tag des Herrn, der kommt wie ein Dieb in der Nacht – also völlig überraschend und unerfreulich für diese Welt. Man weiß ja nicht, wann der Dieb kommt, und es ist nie ein erfreuliches Kommen. So wird das Kommen des Herrn Jesus als König der Welt eben überraschend sein. Die Menschen erwarten es nicht, und es wird sehr unerfreulich sein.
Dann heißt es, an welchem die Himmel vergehen werden. Aber das ist eben gemeint am Ende dieses Tages, denn die ganze Zeit des tausendjährigen Reiches gehört mit zum Tag des Herrn. Am Ende davon werden Himmel und Erde aufgelöst.
Wir haben dann noch einen anderen Ausdruck: In Vers 12 heißt es, dass man erwartend und sorgfältig die Ankunft des Tages Gottes vorbereitet, dessentwegen die Himmel in Feuer geraten.
Der Tag Gottes ist dann der Tag, der den Tag des Herrn ablöst. Die ganze Welt wird aufgelöst und in einen neuen Himmel und eine neue Erde umgewandelt.
So kann man sich das gut vorstellen: Der große Drangsal, das tausendjährige Reich, der Tag des Herrn – und der Tag des Herrn trifft sich dann mit dem Tag Gottes. Darum kann gesagt werden: Am Tag des Herrn, an welchem Himmel und Erde vergehen, und am Tag Gottes, dessentwegen die Himmel in Feuer geraten.
Die Elemente werden im Feuer aufgelöst – Parallelen zur modernen Physik
Und übrigens ist es interessant: Dieser ehemalige Fischer aus Galiläa schreibt, dass die Elemente im Brand aufgelöst werden (Vers 10).
Die alten Griechen waren schon ziemlich klug. Sie sprachen von Atomen als Grundbestandteilen der Materie und nannten diese Teile „Toatomon“, das Unteilbare, „Atomon“, unteilbar. Sie dachten, das sei die Grundeinheit, die nicht weiter aufgespalten werden kann.
Nun spricht Petrus davon, dass die Elemente aufgelöst werden. Das ist eine Erkenntnis, die erst in der modernen Physik des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde: Es gibt tatsächlich Kernspaltung. Wenn diese erfolgt, entsteht eine unglaubliche Energieentfaltung im Feuer. Genau das beschreibt Petrus mit den Worten: „Die Elemente aber im Brand werden aufgelöst.“
Er sagt noch mehr: In Vers 12 steht, dass die Elemente im Brand zerschmelzen werden. Die moderne Physik des 20. Jahrhunderts hat nicht nur die Kernspaltung, sondern auch die Kernfusion entdeckt. Durch die Verschmelzung der Atomkerne kann ebenfalls Energie gewonnen werden.
Das ist übrigens die Art und Weise, wie die Sonne uns tagtäglich diese unglaubliche Energie liefert. Auf der Sonne geschieht nicht Kernspaltung, sondern Kernfusion. Eigentlich müsste es dann „Verschmelzung“ heißen und nicht „Zerschmelzung“. Bei „Zerschmelzen“ hat man den Eindruck, dass etwas verschwindet, aber bei „Verschmelzen“ gehen zwei Dinge zusammen.
Ganz genau. Aber in dem Wort „tekomai“ ist die ganze Bandbreite enthalten. So steht es da – das ist wirklich göttliche Inspiration der Heiligen Schrift, die man hier sieht.
Auf diese Art und Weise wird also das Universum nicht ins Nichts aufgelöst. Die Atome werden aufgelöst, diese Einheit wird aufgelöst, es entfaltet sich Feuer im ganzen Kosmos. Auch werden Atome beziehungsweise Atomkerne verschmolzen. Gott macht daraus einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Die Auferstehung der Erlösten und ihre Verwandlung
Nun, um das Ganze noch ein wenig abzurunden, stellt sich die Frage: Wo bleibt in diesem Chaos der Mensch? Wenn wir schon auf Ewigkeit programmiert sind, wo bleiben wir dann? Eine ganz kurze Frage.
Darauf komme ich jetzt gerade, im Zusammenhang mit den Erlösten und dem, was mit ihnen geschieht. In 1. Korinther 15 wird die Auferstehung bei der Entrückung der Gemeinde beschrieben. Das hängt direkt mit unserem Thema zusammen: der Auferstehung Jesu, der Auferstehung der Erlösten.
Wenn wir schon 1. Korinther 15 offen haben, lesen wir zuerst die Verse 3 bis 9:
„Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift, und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln, zuletzt ist er auch mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden, denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“
Bis hierhin sehen wir, dass Paulus sagt: Das Evangelium, das ich euch verkündigt habe und das ihr angenommen habt – so steht es in Vers 1 – ist Folgendes. Ab Vers 3 fasst er zusammen: Christus ist gestorben für unsere Sünden, begraben und auferweckt am dritten Tag. Das ist die absolute Grundlage für das Evangelium.
Dann erklärt er in Vers 20:
„Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen.“
Bis Vers 23 heißt es weiter:
„Denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden, jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling Christus, danach die, die Christus angehören bei seiner Ankunft, dann das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergibt, wenn er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht weggetan hat; denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.“
Hier wird also gezeigt: Die Auferstehung von Jesus Christus bedeutet Folgendes. Er ist der Erstling der Entschlafenen. „Erstling“ ist ein Begriff aus dem Alten Testament. Man musste die Erstlinge der Ernte, zum Beispiel der Gerstenernte, zuerst in Jerusalem auf einem Feld abernten. Diese wurden zum Tempel gebracht am Erstlingsfest, das in der Passahwoche stattfand. Erst danach durfte man im ganzen Land Israel die Gerste ernten.
Nun heißt es hier, Christus sei der Erstling der Entschlafenen. Das bedeutet, er ist gewissermaßen die Vorhut. Er ist als Erster auferstanden, um nie mehr zu sterben. So ist er die Garantie, dass alle, die an Christus glauben, einmal so auferstehen werden, wie er auferstanden ist.
Darum heißt es in Vers 23: „Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung“ – oder Abteilung, ein militärischer Ausdruck. Also zuerst Christus, dann die, welche Christus angehören bei seiner Ankunft. Das ist die Entrückung. Dann werden die, die Christus angehören, auferweckt. Das ist gewissermaßen eine weitere Phase der zweiten Auferstehung zum Leben: zuerst Christus, dann die Erlösten.
Weiter lesen wir noch etwas aus diesem Kapitel, ab Vers 51:
„Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunend wird es, und die Toten werden auferweckt werden unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen.“
Und diese unsterbliche Unvergänglichkeit wird anziehen. Dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht:
„Verschlungen ist der Tod in Sieg. Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?“
Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.
Hier geht es also um die Auferstehung bei der Wiederkunft Christi, bei der Entrückung der Gemeinde. Es wird erklärt, dass die dann noch lebenden Gläubigen verwandelt werden. Wir werden aber alle verwandelt werden – in einem Nu, in einem Augenblick. Das heißt, sowohl diejenigen, die entschlafen sind, also als Gläubige gestorben sind, als auch die, die dann noch leben. Alle werden verwandelt werden.
Und zwar so, dass – Vers 53 – das Verwesliche an unserem Körper Unverweslichkeit anziehen muss, und das Sterbliche an unserem biologischen Körper Unsterblichkeit anziehen wird.
Wichtig ist: Das Wort „verwandelt werden“ ist wieder „allasso“, also das Grundwort für wechseln, tauschen, versöhnen. Das heißt, bei der Entrückung der Gemeinde geschieht mit der Materie, dem Körper aller Erlösten, bereits das, was mit dem ganzen Kosmos am Tag Gottes geschehen wird. Dann wird die ganze Schöpfung umgewandelt, um eine ewige, vollkommene Schöpfung zu werden.
Aber bei der Entrückung erleben das alle Erlösten schon: Ihr natürlicher Körper mit den Atomen, die den Körper ausmachen, wird umgewandelt in einen unsterblichen Körper, der der neuen Schöpfung bereits entspricht.
Und die, die im tausendjährigen Reich leben, bis zum Schluss – die Gottlosen werden ja nochmals vernichtet beim Aufstand von Gog und Magog durch Feuer vom Himmel. Aber es bleiben doch auch welche leben, die nicht gottlos sind.
Diese wird Gott offensichtlich auch umwandeln, als Erlöste, so dass sie dann auf der neuen Erde leben können. Also ähnlich wie bei der Entrückung auch.
Ganz genau.
Wir haben nämlich in den Psalmen – ich kann das vielleicht später noch zeigen – eine interessante Stelle über Entrückung im Alten Testament, wo es natürlich nicht um die Entrückung der Gemeinde geht.
In Offenbarung 20 finden wir das letzte Gericht und die Auflösung von Himmel und Erde. Offenbarung 20,1-10 beschreibt das tausendjährige Reich, und ab Vers 11 heißt es...
Das letzte Gericht und die Auflösung von Himmel und Erde
Wer liest? 2011.
„Und ich sah einen großen weißen Thron, und den, der darauf saß, dessen Angesicht die Erde und der Himmel entflohen, und keine Stätte wurde für sie gefunden.“
Dieses Entfliehen der Erde und des Himmels beschreibt mit anderen Worten das gleiche Ereignis, das in 2. Petrus 3 als der Moment dargestellt wird, wenn Himmel und Erde aufgelöst werden, die Elemente im Feuer aufgelöst, zerschmolzen und verschmolzen werden.
Also handelt es sich um dasselbe Ereignis. Das bedeutet, dieser weiße Thron steht nicht auf der Erde. Himmel und Erde entfliehen, und trotzdem steht dieser weiße Thron da. Dann wird beschrieben, wie alle unerlösten Menschen auferstehen, um für ewig im Feuersee gerichtet zu werden.
Es gibt also beides: Die Unerlösten, die im Moment, wenn dieser Kosmos aufgelöst wird, vor den Richter gestellt werden, um dann ewig im Feuersee gerichtet zu werden. Und alle Erlösten, die entrückten sowieso – das ist uns klar – sie haben ja einen unverweslichen Leib, der nicht mehr aufgelöst wird.
Was die Erlösten bei der Entrückung und bei der Auferstehung erleben, ist die Vorwegnahme dessen, was einmal die ganze Schöpfung beim Weltuntergang und der Welterneuerung erleben wird.
Dabei wird uns auch klar, dass Gott als der Herr der Atome diese Körper auferwecken und verwandeln kann. Er kann die Atome wieder sammeln, selbst wenn jemand verbrannt worden ist – das ist kein Problem. Denn bei der Verbrennung geht kein Atom verloren. Es werden keine Atome geschmolzen, verschmolzen oder gespalten, die Atome bleiben erhalten.
Durch die Verbrennung verdunstet zwar ein großer Teil unseres Körpers, etwa 70 Prozent Wasser, aber die H2O-Moleküle sind immer noch da. Was dann übrig bleibt, ist hauptsächlich Kohlenstoff. Die Atome gehen nicht verloren, sie sind vorhanden.
Gott kann sogar aus dem verbrannten Körper einen neuen Körper schaffen. Auch bei der Verwesung geht kein Atom verloren. Der Herr der Atome sammelt sie und schafft daraus den unverweslichen Körper.
Wichtig ist dabei die Erhaltung der Identität, auch des Körpers. Seele und Geist bleiben erhalten. Das ist vielleicht noch eher klar: Wenn der Gläubige stirbt, gehen Geist und Seele zu Gott zurück, ins Paradies, und warten dort auf die Auferstehung des Körpers.
Die Auferstehung des Körpers bedeutet nicht, dass Gott irgendeinen neuen Leib schafft, sondern der alte Leib wird zu einem neuen Körper geschaffen und umgewandelt.
So haben wir als gläubige Menschen, als erlöste Menschen, die innerliche Erneuerung bereits jetzt. Schlagen wir auf 2. Korinther 5,17 nach.
Die innere Erneuerung als neue Schöpfung
Karja, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Jawohl! Wenn sich jemand bekehrt, wird er innerlich von Gott erneuert durch die Wiedergeburt und ist bereits eine neue Schöpfung.
Übrigens liest der Mehrheitstext: „siehe, alles ist neu geworden“. Das sind dieselben Worte, die man auch in Offenbarung 21 bei „Neuer Himmel“ und „Neue Erde“ findet. Diese Beziehung ist sehr wichtig, denn im 2. Korintherbrief wird dasselbe Wort verwendet wie in Offenbarung 21. Viele moderne Übersetzungen basieren jedoch auf dem Minderheitstext aus Ägypten, wo es heißt: „Siehe, Neues ist geworden“. Eigentlich heißt es aber nach dem Mehrheitstext, der von der großen Masse der Handschriften einstimmig bezeugt wird: „Siehe, alles ist neu geworden“.
Dabei ist der Körper ausgenommen, wie wir ausdrücklich in Römer 8 gelesen haben. Dort wird erklärt, dass diese Schöpfung wartet, bis sie endlich von der Vergänglichkeit erlöst wird. Auch wir selbst seufzen und warten auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Der Ausdruck in Römer 8 lautet „die Erlösung des Leibes“. Die Erlösung der Seele haben wir bereits, aber die Erlösung des Körpers steht noch aus. Deshalb können Erlöste auch heute noch krank werden und sterben.
Vor dem Sündenfall gab es zum Beispiel keinen Tod für die Tierwelt. Denn es heißt in Römer 8,21, dass auch die übrige Schöpfung, also die Tierwelt, von der Vergänglichkeit, also vom Tod, befreit werden wird. Man könnte sagen, das betrifft vor allem das beseelte Leben, insbesondere auch das Leben, das Blut hat. Wir sprechen ja auch in Verbindung mit Pflanzen von Leben, denn Biologie bedeutet „Lehre des Lebens“ und umfasst auch Pflanzenkunde.
Pflanzen sollten Adam und Eva als Nahrung dienen, ebenso wie Tiere. Diese Form des pflanzlichen Lebens ist jedoch unbeseelt, im Gegensatz zu den Säugetieren. Offensichtlich war der Tod für die Tiere vor dem Sündenfall noch nicht vorhanden, denn nach Römer 5,12 kam das Phänomen des Todes erst durch den Fall des Menschen in die Welt. Das haben wir auch in 1. Korinther 15 gelesen: So wie der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung durch einen Menschen.
Dieser Zustand wird weitestgehend im Tausendjährigen Reich aufgehoben werden. Was heißt „weitestgehend“? Ich versuche, das genau auszudrücken: Die Beschreibung des Hesekiel-Tempels (Hesekiel 40 bis 48) spricht von Tieren, die geopfert werden und sterben. Das wäre dann nicht der Tag Gottes.
Du sprichst nicht vom Tausendjährigen Reich, sondern vom ewigen Zustand Gottes, vom Neuen Himmel und der Neuen Erde. Dort wird nirgends von Tieren gesprochen. Wenn wir Aussagen über die Tiere im ewigen Zustand machen würden, würden wir zu weit gehen. Aber Römer 8,21 deutet doch auf das Tausendjährige Reich hin, und dort gibt es Tiere.
Dort wird auch der Fluch der Tierwelt weitgehend aufgehoben. Der Löwe wird nach Jesaja 11 Gras fressen und neben dem Lamm weiden. Das wird nach Römer 8 eine Realität sein bei der Offenbarung der Söhne Gottes und der Wiederkunft Christi im Tausendjährigen Reich. Wir können das jedoch nicht einfach auf den ewigen Zustand übertragen, denn die Bibel spricht über die Neue Schöpfung nicht im Detail über Tiere.
„Alles ist neu geworden“ verstehe ich immer so, dass sich das nur auf unsere Stellung als Gläubige bezieht. Das heißt, der heilige Gott sieht mich nicht mehr als den alten Menschen, sondern ich sehe mich in Jesus Christus. Deshalb ist alles neu geworden. Aber der alte Mensch ist, wie gesagt, noch vergänglich.
Darum habe ich gesagt: Die Neuschöpfung, wenn jemand in Christus ist, bezieht sich auf den inneren Menschen, der erneuert ist. Vom Körper lesen wir jedoch, dass wir noch auf die Erlösung des Leibes warten. Das ist noch zukünftig.
Es ist ganz wichtig, dass wir das festhalten, damit wir nicht auf moderne Lehrer hereinfallen, die behaupten, wenn ich auf Christus schaue, kann ich nicht krank sein. So wird das gelehrt: „Ich kann nicht krank sein“, und dann kann man auch nicht im Rollstuhl bleiben und so weiter. Das ist eine Lüge, weil sie dem Wort Gottes grundsätzlich widerspricht.
Die Erlösung des Körpers ist noch nicht da, aber sie wird kommen. Sie ist genauso gewiss wie all das, was wir schon jetzt in Christus empfangen haben. Darum war es mir wichtig, das mit dem Körper klarzustellen, bevor wir jetzt weiter auf Johannes 20 und die Details eingehen.
Warum sterben Menschen im tausendjährigen Reich noch?
Ich habe noch eine weitere Frage: Warum ist es möglich, dass im tausendjährigen Reich Menschen immer noch sterben, obwohl der Satan gebunden ist? Theoretisch könnten sie dann nicht mehr sündigen, da sie nicht mehr verführt werden.
Diese Annahme wäre richtig, wenn Sünde wirklich nur von Satan abhängig wäre. Die Bibel lehrt jedoch, dass das Böse in uns ist, vererbt von Adam. Das, was im Römerbrief als „die Sünde in uns“ oder „das Fleisch“ bezeichnet wird, bleibt bestehen.
Die Menschen, die durch die Drangsal hindurchgehen und ins tausendjährige Reich kommen, werden diese Sünde also weiterhin in sich tragen. Deshalb ist es möglich, dass man auch im tausendjährigen Reich sündigt. Aus diesem Grund wird nach Ezechiel auch von Sündopfern zur Vergebung gesprochen.
Die Menschen, die aber verwandelt ins tausendjährige Reich eingehen, können nicht mehr sündigen. Sie sind frei von Sünde. In diesem Zustand gibt es keinen Tod mehr und keine Veränderung.
Gut, jetzt machen wir zwanzig Minuten Pause und gehen dann Vers für Vers durch Johannes 20.
Der erste Tag der Woche im Alten Testament und im Neuen Bund
Wir haben in der vorigen Stunde gesehen, dass der erste Wochentag der Tag der Auferstehung und des Sieges ist – der Tag der Neuen Schöpfung. Schon im Alten Testament war dieser Tag von großer Bedeutung verankert. Die Schöpfung wurde am Sonntag, dem ersten Tag der Woche, ins Leben gerufen.
Im Judentum spielte dieser erste Tag der Woche ebenfalls eine besondere Rolle. Er steht in Verbindung mit dem Tagespsalm, Psalm 24, der den Tag beschreibt, an dem der König der Herrlichkeit durch die Tore einziehen würde. Genau an diesem ersten Tag der Woche, dem Pansontag, ist das geschehen.
Am ersten Tag der Woche zog der Herr auch durch die verschlossene Grabestür hindurch. Übrigens wird in Matthäus 28 für den Zugang zur Gruft das griechische Wort „Tür“ verwendet. Der Gedanke der Tür ist also auch hier präsent, wenn der Herr als Auferstandener hinausgeht.
Eine weitere besondere Seite des ersten Tages der Woche findet sich im Alten Testament, in 3. Mose 23. Dort sind die sieben Feste des Herrn beschrieben: das Passa, die ungesäuerten Brote (Verse 4 bis 8) und dann das dritte Fest. Wer liest ab Vers 9?
„Und der Herr redete zu Mose: Redet zu den Söhnen Israel und sagt zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch gebe, und ihr seine Ernte erntet, dann sollt ihr eine Gabe der Erstlinge eurer Ernte zum Priester bringen. Er soll die Gabe vor dem Herrn schwingen zum Wohlgefallen für euch. Am anderen Tag nach dem Sabbat soll der Priester sie schwingen. Und ihr sollt an dem Tag, an dem ihr die Gabe schwingt, ein einjähriges Lamm ohne Fehler zum Brandopfer für den Herrn opfern und sein Speisopfer.“
Das ist das Erstlingsfest, das im 3. Mose 23 nicht mit einem besonderen Datum versehen ist, wie das Passa am 14. und das Fest der ungesäuerten Brote am 15. des ersten Monats. Das Erstlingsfest wird mit dem Hinweis geregelt: „Am Tag nach dem Sabbat soll diese Erstlingsgabe gebracht werden.“
Der Herr feierte das Passa genau nach dem biblischen Kalender. Am 14. wurde am Nachmittag das Passalam geschlachtet. Petrus und Johannes hatten das bereits für das Essen am Abend, dem 15. Nissan, vorbereitet. Das war also Donnerstagabend. Im Judentum beginnt jedoch am Donnerstagabend bereits der Freitag, der 15. Nissan. Das war gleichzeitig der Beginn des Festes der ungesäuerten Brote.
Der Tag nach dem Sabbat war dann der erste Tag der Woche. An diesem Tag wurde ein bestimmtes Feldstück in Jerusalem abgeerntet. Die Gerste wurde gedroschen, die Körner gemahlen und daraus ein Brot gemacht, das als Speisopfer im Tempel dargebracht wurde.
Ausgerechnet am Auferstehungstag, als der Herr Jesus als der Erstling der Entschlafenen aus den Toten auferstand, wurde diese Gabe dargebracht. So wie das Passa am 15. gegessen wurde, am gleichen Kalendertag, an dem Jesus als das Passalam gestorben ist. Eine wunderbare Übereinstimmung, die erneut die Bedeutung des ersten Tages der Woche zeigt.
Dann folgt ein nächstes Fest, 3. Mose 23, Verse 15 und 16. Wer liest?
„Und ihr sollt euch zählen vom anderen Tage nach dem Sabbat, von dem Tage, da ihr die Webegabe gebracht habt. Es sollen sieben volle Wochen sein. Bis zum anderen Tag nach dem siebten Sabbat sollt ihr fünfzig Tage zählen. Und ihr sollt dem Herrn ein neues Schweissopfer darbringen.“
Von diesem Erstlingsfest, das mit dem Auferstehungstag zusammenfiel, mussten also fünfzig Tage abgezählt werden. Dann kam das Pfingstfest, das Fest der Wochen, weil man sieben volle Wochen zählen musste. Im Griechischen heißt es „Pentecoste“, der fünfzigste Tag. Daraus stammt auch das französische Wort „Pentecost“ und im Englischen heißt es ebenso „Pentecost“.
Das Fest wird im Gesetz nicht mit einem bestimmten Kalendertag beziffert, sondern richtet sich vom Erstlingsfest aus. Das bedeutet, das Pfingstfest fiel auf den Sonntag, den ersten Tag der Woche. An diesem Tag entstand die Gemeinde.
Jetzt wird deutlich, wie wichtig dieser Tag gerade für die Gemeinde, für das himmlische Volk ist. Der Herr ist am ersten Tag der Woche auferstanden, und die Gemeinde wurde an diesem Tag gegründet und ins Leben gerufen.
Darum wurde dieser Tag von den frühen Christen bereits als der „dem Herrn gehörende Tag“ bezeichnet, wie es in Offenbarung 1, Vers 10 heißt. Wer liest?
„Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune.“
Johannes empfängt auf Patmos diese Visionen, als er in der Verbannung war und nicht in die Gemeinde gehen konnte. Am Tag des Herrn erhält er die Vision des auferstandenen Christus und der Zukunft.
Im Griechischen steht hier nicht das gleiche Wort wie sonst, wenn im Neuen Testament vom Gerichtstag, dem Tag des Herrn, die Rede ist. Hier steht „Kyriake Hemera“, ein Ausdruck, der nur hier vorkommt und wörtlich „der dem Herrn gehörende Tag“ bedeutet.
Man kann diese Bezeichnung bis in die früheste Christenheit zurückverfolgen, auch außerbiblisch bis ins frühe zweite Jahrhundert. So wurde der Sonntag als der dem Herrn gehörende Tag gefeiert.
Wenn Adventisten behaupten, dass dies erst Kaiser Konstantin eingeführt habe, in Anlehnung an den Sonnenkult, ist das historisch falsch. Wir können zurückverfolgen, dass der Tag des Herrn, also der Auferstehungstag, von den Christen von Anfang an gefeiert wurde.
Zum Beispiel lesen wir in Apostelgeschichte 20, Vers 7:
„Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um das Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte, und zog das Wort hinaus bis Mitternacht.“
Paulus war offensichtlich am Montag davor in die Gemeinde von Troas gekommen (Vers 6). Dort verweilten sie sieben Tage. Am ersten Tag der Woche versammelten sie sich also speziell, um das Abendmahl zu feiern. Danach wollte Paulus abreisen.
Das zeigt deutlich, dass der erste Tag der Woche besonders genutzt wurde, um die Mahlfeier zu halten.
In Apostelgeschichte 2 sieht man gerade nach Pfingsten, dass das Brot täglich gebrochen wurde. Es gibt also kein biblisches Gebot, dass dies am Tag des Herrn geschehen müsse. Dennoch ist dieser Tag besonders geeignet.
Eine weitere nützliche Beobachtung: Das Wort „Kyriake“, also „dem Herrn gehörig“ (männlich „Kyriakos“, weiblich „Kyriake“), kommt noch einmal im Neuen Testament vor, und zwar in 1. Korinther 11, beim Mahl des Herrn. Das ist das dem Herrn gehörige Mahl – der gleiche Ausdruck wie hier beim dem Herrn gehörigen Tag.
Diese Nähe wird auch in Troas deutlich, wo sie sich am ersten Tag der Woche versammelten, um Brot zu brechen. Es war der Auferstehungstag, es war der Tag von Pfingsten.
Im Gegensatz zum Volk des Alten Bundes, das die ganze Woche auf den letzten Tag, den Sabbat, hin lebte und ihn als Tag der Ruhe erwartete, leben die Erlösten im Christentum aus der Erfüllung des vollbrachten Werkes Jesu heraus.
Für sie ist der erste Tag der Woche ein besonderer Tag, der dem Herrn geweiht ist, von dem aus sie in die Woche hinausgehen. Die Perspektive ist also ganz anders: Das Judentum lebte auf die Zukunft hin, wo die Erfüllung kommen sollte, während das Christentum aus der Erfüllung lebt und in den Alltag hinausgeht.
Der Tag des Herrn ist kein verschobener Sabbat. Es gibt auch keine Anweisungen, wie man diesen Tag genau handhaben soll, was Arbeit und Ähnliches betrifft. Das ergibt sich alles aus der richtigen Prioritätensetzung.
Dieser Tag ist ganz besonders der Tag des Herrn, so wie im Italienischen der Sonntag „Domenica“ genannt wird. Das bedeutet „Herrentag“ und kommt von „Dominus“, lateinisch für Herr.
Im Deutschen haben wir die Bezeichnung „Sonntag“, die tatsächlich an den Sonnengott erinnert. Fast alle Wochentage sind nach Gottheiten oder falschen Göttern benannt: Montag nach dem Mond, Dienstag nach Diana, Mittwoch ist neutral, Donnerstag nach Donar, dem Donnergott, bei den Griechen Zeus.
Das ist jedoch kein Problem. Wie hieß der treue Mitarbeiter von Paulus, der sich so hingab, dass er fast in seinem Dienst starb? In Philipper 2, Vers 25 spricht Paulus über diesen Bruder: Epaphroditus.
Der Name Epaphroditus bedeutet „der der Aphrodite geweiht ist“ – Aphrodite ist die Venus, eine unmoralische Göttin. Epaphroditus hat seinen Namen nicht geändert, Paulus spricht weiterhin von ihm mit diesem Namen, den er vor der Bekehrung hatte.
Dieser bürgerliche Name enthielt nichts Okkultes, nur weil er so hieß. Ähnlich gibt es viele weitere Beispiele, etwa in Römer 16, wo jemand „Nerois“ heißt, was „dem Meergott geweiht“ bedeutet.
Wir hatten keine Probleme mit solchen Namen; sie sind einfach Namen, so wie man Fritz oder Franz heißen kann. Sonst müsste ich ja meinen Namen auch ändern – Isidor bedeutet „Geschenk der Göttin Isis“ – furchtbar!
Aber mit dem gleichen Recht wie Epaphroditus kann man seinen bürgerlichen Namen behalten und sich auf den neuen Namen freuen, den der Herr auf einen weißen Stein schreiben wird, wie in Offenbarung 2 beschrieben.
Das sind manchmal praktische Fragen, die auftauchen. Hattest du nicht das letzte Mal gesagt, unsere Namen bleiben erhalten? Unsere Identität bleibt erhalten.
Gott hat Abram in Abraham und Sarai in Sara umbenannt. Das Wichtige ist, dass unsere Identität erhalten bleibt. Wir bleiben wir und sind wiedererkennbar.
Genau deshalb habe ich gesagt: Abraham wird im tausendjährigen Reich mit Isaak und Jakob zu Tisch liegen, mit denen, die im Reich von Osten und Westen kommen werden. Die Identität Abrahams bleibt also erhalten, und das ist sehr wichtig.
Gut, jetzt gehen wir zu Johannes 20.
Die Auferstehungserzählung in Johannes 20 – Das leere Grab
Eben am ersten Wochentag kommt Maria Magdalena zur Gruft und sieht, dass der Stein von der Gruft weggenommen ist. Sie geht daraufhin und meldet das Petrus und Johannes, der hier wieder genannt wird als der andere Jünger, den Jesus lieb hatte.
Was denkt sie von diesem offenen Grab? Dass der Leichnam gestohlen worden ist. Genau, sie sagt es so: „Weggenommen, sie haben den Herrn weggenommen.“ Wer ist denn „sie“? Die Jünger, die Wächter oder die Römer?
Das ist sprachlich ganz einfach erklärbar. Im Deutschen können wir sagen „Man hat ihn weggenommen.“ Das gibt es im Griechischen nicht. Für das Unpersönliche benutzt man dort meistens die dritte Person Plural. Also heißt es „Sie haben“, und das kann man im Deutschen mit „Man hat den Herrn weggenommen“ wiedergeben. Wer genau das war, ist nicht die Frage. Sie denkt nicht an Auferstehung.
Steht nicht in einem der anderen Evangelien, dass Wachen vor dem Grab aufgestellt wurden? Ja, natürlich, in Matthäus 28 waren es römische Soldaten. Also besteht doch der Verdacht, dass sie vielleicht dachte, die römische Armee hätte es gemacht. Irgendwie schon. Aber ich will nur sprachlich erklären, dass sie einfach meint: „Man hat ihn weggenommen.“ Irgendwer kann das gewesen sein. Sie denkt also nicht an Auferstehung.
Wie reagieren nun Petrus und Johannes? Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, und sie gingen zur Gruft. Sie wollen das Geschehen nun unter die Lupe nehmen. Einer ist sportlicher als der andere: Johannes war deutlich schneller als Petrus und kommt zuerst zur Gruft. Was sieht er? Die Leintücher liegen da, aber ohne den Körper. Er bückt sich vor die Gruft, geht aber nicht hinein.
Möglicherweise wollte er sich nicht rituell verunreinigen, denn durch die Berührung mit einem Grab war man sieben Tage unrein und musste das Ritual der roten Kuh anwenden sowie spezielle Ritualbäder nehmen (4. Mose 19). Das erklärt, warum er nicht gleich mit dem Grab in Berührung kommen wollte. Nur so hineinsehen reicht ihm.
Dann kommt Petrus. Was macht er? Er will es genau nehmen. Für ihn ist die ganze Passawoche vorüber, er ist entweiht und kann an den Festtagen im Tempel nicht mehr teilnehmen, denn für sieben Tage war er ausgeschlossen. Aber es ist ihm wichtig zu sehen, was geschehen ist. Er sieht die Leinentücher und was noch? Das Schweisstuch, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Das ist eine interessante Feststellung.
Dadurch wird Johannes offensichtlich motiviert, auch die rituelle Reinheit preiszugeben, und er schaut sich das selbst an (Vers 8). Was geschieht? Er sah und glaubte.
Interessant ist, dass hier mehrmals das Wort „sehen“ vorkommt, aber Johannes benutzt, durch den Heiligen Geist geleitet, drei verschiedene griechische Wörter für „sehen“. In Vers 5 sieht er, wie Petrus sich vornüberbeugt, mit dem Wort „bleppo“, das einfach „sehen“ als normalen Akt des Hinblickens bedeutet.
In Vers 6, als Petrus hineingeht und die Leinentücher sieht, wird das Wort „theoreo“ verwendet. Daraus stammt unser Wort „Theorie“. Es bedeutet, etwas aus der Distanz genau anzuschauen. Es ist eine Art Untersuchung, nicht nur einfaches Hinsehen.
In Vers 8, als Johannes hineingeht, wird ein anderes Wort verwendet: „eiden“. „Eiden“ bedeutet „er sah innerlich“. Das Wort beinhaltet den Gedanken, dass hier etwas innerlich wahrgenommen wird. Es gibt also eine klare Steigerung im Sehen.
Das wird in einem Atemzug mit „glauben“ gebracht. Es ist nicht nur ein einfaches Sehen von Tüchern oder ein genaues Anschauen. Das Schweisstuch ist schön zusammengelegt, das geht jetzt tiefer. Kann das ein Grabraub gewesen sein? Wer würde schon vier hochmotivierte, wie Löwen kämpfende römische Soldaten überwältigen? Sie machten die Wache aus und wussten, dass bei Versagen ihr Kopf riskant war. Solche Leute kämpfen gut.
Müsste man sie überwältigen, und wer würde dann noch das Schweisstuch schön zusammenlegen an einem Ort? Johannes merkt, dass es kein Grabraub war, sondern etwas anderes. So heißt es: „Er sah und glaubte.“
Johannes erklärt selbst, dass er damals noch nicht ganz verstand, dass dies die Erfüllung dessen sein musste, was im Alten Testament schon längst steht: „Am dritten Tag auferstanden, nach den Schriften“, wie wir in 1. Korinther 15,3 lesen. Für ihn war das noch nicht klar, obwohl der Herr immer wieder gesagt hatte, er werde in die Hände der Sünder überliefert, getötet und am dritten Tag auferstehen.
Es gibt eine interessante Analogie zum Schweisstuch, das hier zusammengewickelt ist. Wenn man von der Schöpfung ausgeht, wird am Ende der Tage auch Jesus kommen. Es wird zerschmelzen und zusammengewickelt, wie ein Mantel. Das ist eine Analogie, eine interessante Parallele, denn dieser Tag bringt die neue Schöpfung, und das Alte ist dann vorüber, wird zusammengewickelt. Sehr schön, siehe Hebräer 1,10-12.
Die Jünger gehen wieder nach Hause. Sie bleiben nicht mehr dort. Das zeigt den Unterschied bei einer gläubigen Frau: Sie ist zwar weniger weit als Johannes, denn sie denkt einfach, der Leichnam sei gestohlen worden, aber sie bleibt beim Grab.
Das zeigt ihre stärkere innere Beziehung zu ihrem Herrn als bei den Männern. Emotional ist ihr Glaube stärker als der Männerglaube, der sehr stark auf Fakten setzt und das reicht. Das ist die Belohnung für ihre Treue: dass sie die Erscheinung des Herrn erlebt.
Die Wächter am Grab und ihre Flucht
Da kommen wir hin. Es hat doch niemand gefragt: Was ist denn aus den Römern geworden? Wenn dort Wächter standen, muss man sich doch fragen, wo sie geblieben sind. Ja, aber das wussten sie in dem Moment auch nicht. In Matthäus 28 wird erklärt, dass sie geflohen waren.
Wir können das kurz nachlesen, damit wir es sehen. Matthäus 28, Vers 2 beschreibt, wie das Grab geöffnet wurde. Wer liest?
„Und siehe, da geschah ein großes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aber aus Furcht vor ihm wurden die Wächter wie tot.“
Jawohl. Später haben sie das den Hohenpriestern gemeldet, ab Vers 11:
„Während sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündigten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Sie versammelten sich mit den Ältesten und hielten Rat. Sie gaben den Soldaten reichlich Geld und sagten: ‚Sprecht, seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen. Wenn dies dem Statthalter zu Ohren kommen sollte, so werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr ohne Sorge seid.‘ Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet worden waren. Diese Rede verbreitete sich bei den Juden bis auf den heutigen Tag.“
Jawohl, also sie hofften mit einem speziellen Arrangement mit den führenden Juden, ihren Kopf vor der Enttäuschung zu retten. Diese Abmachung war quasi zugunsten der führenden Juden geschehen und nicht eine direkte Anordnung der Römer, sondern indirekt zugunsten der führenden Juden.
So hofften sie, mit den Hohenpriestern ein Abkommen treffen zu können, um zu überleben. Das Ganze wurde mit Geld geregelt. Ja, das war es zu den Wächtern.
Maria Magdalena am Grab und die Begegnung mit den Engeln
In Johannes 20,11 sehen wir, dass Maria draußen weint. Von Petrus und Johannes wird jedoch nicht berichtet, dass sie weinten. Das zeigt, welche Unterschiede im Glauben von Männern und Frauen bestehen können. Man muss nicht sagen, dass das eine besser sei als das andere, aber man sollte sich bewusst sein, wo gewisse Akzente unterschiedlich gesetzt werden.
Männer legen oft großen Wert darauf, Fakten zu haben, auf die sie sich stützen können. Sie sind dann leicht mit Fakten zufrieden, auch wenn das Herz dabei nicht unbedingt ergriffen sein muss – eigentlich sollte es das aber. Hier besteht die Gefahr, dass es eben nicht so ist. Bei Maria hingegen sehen wir, dass sie keinen Blick für die Fakten hat; sie realisiert das nicht mit den Tüchern. Für Johannes war das sofort klar.
Dafür hat Maria eine sehr starke Bindung an ihren Erlöser. Man darf nicht vergessen, was bei ihrer Bekehrung geschah: Sie hatte sieben Dämonen. Diese Frau war also sehr stark in der Finsternis gebunden, wie man in Lukas 8 nachlesen kann (Lukas 8,2). Übrigens war Maria ein sehr verbreiteter Name. Maria ist die Kurzform von Mariam; das „M“ fällt manchmal weg, manchmal steht es da. Der Name Maria kommt im Neuen Testament sowohl als Mariam als auch als Maria vor. Beide sind nichts anderes als das alttestamentliche Miriam.
Die ursprüngliche Aussprache war Mariam. Erst im Mittelalter entwickelte sich daraus Miriam. Im hebräischen Text, der im Mittelalter von Rabbinern mit Vokalzeichen versehen wurde, ist Mariam als Miriam punktiert, weil es sprachgeschichtlich eine vokalische Änderung gab. Der Konsonantentext blieb jedoch unverändert. Lediglich die Aussprache hat sich geändert.
Weil es so viele Marias gab, konnte man sie zur Unterscheidung genauer benennen, zum Beispiel als Maria Magdalena oder Magdalena. Das bedeutet die Maria, die aus Magdala stammt, einem Ort am See Genezareth in Galiläa. Magdala heißt eigentlich „Turm“ oder „Turmstadt“. Türme waren dort wichtig im Zusammenhang mit der wichtigsten Erwerbsquelle am See Genezareth: dem Fischfang.
Im See Genezareth gab es viele Sardinen, die getrocknet und gesalzen wurden. Diese wurden in Türmen gelagert. Daher kommt der Name Magdala, die Turmstadt. Das hängt eng mit den Fischwundern des Herrn am See Genezareth zusammen. Dieser Frau wurden sieben Dämonen ausgetrieben, wie in Lukas 8,2 zu lesen ist.
Hier gilt auch der Grundsatz: Wem viel vergeben ist, der liebt viel (Lukas 7). Diese Dankbarkeit für die Befreiung, die der Herr ihr aus der Finsternis gegeben hat, zeigt sich darin, dass sie am Grab weint.
Maria begegnen dort zwei Engel. Man sollte bedenken, dass Engel oft in ganz normaler Menschengestalt erscheinen. Natürlich gibt es die Cherubim, die Löwenkopf, Adlerkopf usw. haben, sowie die Seraphim, die sechs Flügel besitzen. Das sind spezielle Engel. Sonst erscheinen Engel einfach in menschlicher Gestalt.
Maria sieht also zwei Engel in weißen Kleidern, das heißt in Priestergewändern. Engel haben eine priesterliche Funktion im himmlischen Tempel, daher die weißen Kleider. Wenn wir daran denken, haben wir schon in Matthäus 28 gelesen, dass der Engel, als das Grab geöffnet war und der auf dem Grab sitzt, ebenfalls ein blitzweißes Priestergewand trägt.
Diese Engel in Priestergewändern im Zusammenhang mit dem Grab des Herrn Jesus sind bedeutsam. Es geht hier um eine priesterliche Angelegenheit: die Erlösung durch das Opfer des Herrn Jesus, der gestorben, auferstanden und lebt.
So verkünden diese Priesterengel die vollbrachte Erlösung. Wir dürfen nicht vergessen, wie wichtig die Auferstehung war. In Römer 4 wird erklärt, warum Gott Christus auferweckt hat, unter anderem in Römer 4,24-25: Christus wurde unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt.
Der Herr Jesus hat am Kreuz unsere Sünden getragen. Von allen, die an ihn glauben, ist er gestorben. Aber die Frage blieb: Hat Gott dieses Opfer angenommen? Das war die Situation am Versöhnungstag, als der Hohepriester mit dem Blut des Opfers ins Allerheiligste ging. War das Opfer angenommen? Ja.
Dann kam der Hohepriester lebend aus dem Allerheiligsten heraus. Dem Volk war klar: Unsere Sünden sind vergeben, das Opfer ist vollbracht. Die Auferstehung ist die Bestätigung, dass Gott uns durch den Glauben an Christus als gerecht betrachtet.
Darum ist es so wichtig, dass die Priesterengel verkünden und bezeugen, dass der Herr auferstanden ist. Sie fragen Maria: „Was weinst du?“ Sie ist weiterhin traurig. Die Engel wissen, warum, aber sie wollen ihr bewusst machen, was sie jetzt glaubt.
Maria bleibt bei ihrem Standpunkt: Man hat ihren Herrn weggenommen, und sie weiß nicht, wo er ist. Für sie ist er gestorben und noch tot. Sie möchte den toten Körper finden.
Dann kommt eine der größten Erkennungsszenen in der Bibel, eine Wiedererkennungsszene. Die zweitgrößte ist wohl die mit Joseph und seinen Brüdern, nach all den Jahren, als Joseph sagt: „Ich bin Joseph, euer Bruder“, und sie zusammenbrechen und weinen.
Hier denkt Maria, der Gärtner spreche mit ihr (Johannes 20,14). Sie realisiert nicht, dass Jesus, der Auferstandene, vor ihr steht. Sie weint weiter und fragt in Vers 15: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn holen.“
Wir wissen aus Johannes 19,41, dass es dort bei der Kreuzigung einen Garten gab. Das Ganze war ein Steinbruch außerhalb Jerusalems. Das nahegelegene Tor Jerusalems heißt das Gartentor, das nach dem Sechstagekrieg ausgegraben wurde. Es ist das direkte Tor nach Golgatha, wo der Herr wohl mit dem Kreuz hinausging.
Weil es dort einen Garten gab, hält Maria Jesus für den Gärtner. Sie bittet ihn, ihr zu sagen, wo er den Leichnam hingelegt hat, damit sie ihn holen kann.
Dann spricht der Herr ein Wort, das eines der wichtigsten in ihrem Vokabular ist: „Maria.“ Unser Eigenname ist eines der wichtigsten Wörter; Kinder lernen ihn als Erstes zu schreiben.
Als der Herr sie mit Namen ruft, erinnert das an Jesaja 43: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Das zeigt die enge Beziehung, die der Herr zu den Seinen hat.
In Johannes 10,3 heißt es: „Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme; er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus.“ Wenn er alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
Das zeigt die persönliche Beziehung des Herrn zu den Einzelnen, die ihm nachfolgen, ob Jünger oder Jüngerinnen. Die Schafe kennen seine Stimme.
Als Maria ihren Namen hört, erkennt sie plötzlich die Stimme. Das war bei der Frage noch nicht der Fall.
Weiter lesen wir in Johannes 10,27-29: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“
Warum steht im Deutschen „meines Vaters“ in Klammern? Im Urtext fehlt das Wort „sie“. Es ist sinngemäß ergänzt, denn der Grundtext sagt: „Niemand kann aus der Hand des Vaters wegreißen.“ Gemeint sind die Schafe.
Zum Schluss möchte ich betonen: Maria erkennt den Herrn und nennt ihn „Rabbuni“. Das ist eine Anrede für Rabbiner und bedeutet wörtlich „mein Großer“ oder „mein großer Lehrer“. Der Rabbi ist einfach der Große, der große Lehrer.
Sie spricht ihn nicht als Sohn Gottes oder als den ewigen Gott an, sondern auf einem tieferen Niveau. Sie sieht ihn als den großen Lehrer von früher, aber jetzt als Auferstandenen.
Der Herr fährt mit seiner Botschaft fort, damit sie erkennt, wer er ist. Er gibt ihr den Auftrag, zu den anderen Gläubigen zu gehen und ihnen zu verkünden, dass er auferstanden ist (Johannes 20,17).
Er sagt: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.“ Er sagt nicht „unser Vater und unser Gott“. Natürlich dürfen wir Gott als unseren Vater nennen, aber es besteht ein unendlicher Unterschied zwischen dem Herrn Jesus, der von Ewigkeit her Gottes Sohn ist, und uns.
Er macht diesen Unterschied deutlich: „Zu meinem Vater und eurem Vater.“ Als Kinder Gottes durch die Wiedergeburt dürfen wir Gott als unseren Vater kennen, aber wir müssen immer daran denken, dass Kinder Gottes zu sein nicht dasselbe ist wie der ewige Sohn Gottes zu sein.
Maria soll erfahren, dass Jesus nicht nur ihr Rabbuni ist, der auferstandene Rabbuni, sondern der ewige Sohn Gottes, der in einer einzigartigen Beziehung zum Vater steht.
In diese Beziehung sind wir als Erlöste hineingeführt. Hier nennt der Herr Jesus die Gläubigen zum ersten Mal „meine Brüder“. Das finden wir vorher nicht.
Mit der Auferstehung ist etwas ganz Entscheidendes geschehen. Das werden wir beim nächsten Mal sehen, besonders in Verbindung mit Johannes 20,22, wo der Herr sagt: „Empfangt den Heiligen Geist“ und in die Jünger haucht.
In Verbindung mit dem Auferstehungsgeschehen werden wir verstehen, was das genau bedeutet. Es hat mit einer ganz neuen Beziehung zu tun, in der der Herr seine Erlösten „meine Brüder“ nennt.
Warum gab es das Verbot der Berührung, während Thomas später seine Hände an ihn legen durfte? Das wollen wir beim nächsten Mal ausführlich betrachten.
Ich kann aber schon sagen: Im Griechischen gibt es zwei gebräuchliche Imperative, den Imperativ Präsens und den Imperativ Aorist. Wenn der Imperativ Präsens mit einer Verneinung steht, bedeutet das: Hör auf, etwas zu tun.
Der Imperativ Aorist bedeutet: Tu das nicht als einzelne Tat.
Hier steht der Imperativ Präsens. Maria hatte Jesus berührt, aber sie soll ihn jetzt loslassen. „Rühre mich nicht an“ bedeutet: Halte Abstand.
Der Herr sagt das, weil er noch nicht aufgefahren ist. Er muss jetzt von dieser Erde weg. Maria hatte so große Mühe, dass sie den Herrn verloren hatte. Sie sagte: „Man hat meinen Herrn weggenommen.“
Jetzt ist er als Auferstandener da, aber es beginnt ein Zeitalter, in dem er im Himmel sein wird und die Erlösten auf der Erde.
Es kommt eine Zeit der Trennung, die notwendig ist. Der Herr muss zuerst zum Vater auffahren, um dann wiederzukommen und uns zu sich zu holen.
Wie er den Jüngern am Vorabend erklärte: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wenn ich hingehe, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.“
Maria wollte den Herrn als Messias hier auf der Erde, der sein Reich aufrichtet. Der Herr sagt ihr jedoch: Das ist jetzt nicht die Zeit. Er muss weg. Es kommt die Zeit, in der der König im Himmel ist und nur die Knechte und Mägde des Herrn auf der Erde als Zeugnis dienen.
Das Präsenshistorikum in Johannes
Ist der Tempuswechsel hier mal in der Vergangenheitsform, dann wieder in der Gegenwartsform, auch so im Vortex? Das kommt immer vor. Jetzt müssen wir schauen, welche Sie meinen. Das ist bei Johannes sehr typisch.
Er stand draußen, und dann nachher spricht Jesus zu ihr. Dann sind wir plötzlich im Präsens. Also jetzt, Vers elf, Maria, aber stand draußen – der hätte ja auch irgendwo stehen, stehen, steht draußen, nein, stand draußen. Und sie sieht zwei Engel, und jeder sagt zu ihr. Aber dann kommt sie...
Ja, ja, das ist so. Plötzlich ist Vers zwölf im Präsens. Das ist das Präsenshistorikum, das kennt man in der antiken Literatur. Also das historische Präsens wird in vergangenen Erzählungen benutzt, um gewisse Ereignisse ganz lebendig zu schildern und hervorzuheben. Beim Lesen sollen wir dort ganz besonders darauf achten.
Das hatten wir schon, zum Beispiel in Johannes 1, wo Johannes der Täufer den Erlöser sieht und sagt: Johannes 1, Vers 29: „Des folgenden Tages sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt.“ Ja, auch plötzlich Präsens, um zu betonen, etwas ganz Wichtiges, das besonders lebendig geschildert werden soll. Und das eben auch jetzt hier in diesem Bericht.
Das, was wir das nächste Mal besprechen, Vers 19, kommt buchstäblich in einem Halbsatz vor: „Jesus kam und trat in die Mitte“ – zweimal Vergangenheit – und „spricht“.
Ja, ganz genau. Aber das ist also im Altgriechischen ganz normal, das Präsenshistorikum. Das machen wir eben im Deutschaufsatz nicht oder im Deutschessay. Aber wir müssen immer daran denken, dass jede Sprache ihre eigenen Konventionen hat, wie man Texte schreibt. Das darf man nicht miteinander vergleichen, sondern das bringt auch gar nichts. Man soll verstehen, was das bedeutet im biblischen Text.
Gut, dann wollen wir noch beten zum Schluss.
