Wir fahren heute mit Matthäus 24 in der Ölbergrede des Herrn Jesus fort. Beim letzten Mal haben wir nur den Anfang etwas betrachtet. Jetzt aber kommen wir in diese gewaltige Endzeitrede des Herrn hinein.
Zunächst lesen wir Matthäus 24, Verse 1 bis 14:
Jesus trat hinaus und ging vom Tempel weg. Seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch, hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“
Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: „Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Seht zu, dass euch niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: ‚Ich bin der Christus‘, und sie werden viele verführen.
Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.
Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich. Es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. All dies aber ist der Anfang der Wehen.
Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten. Ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.
Und dann werden viele verleitet werden und einander überliefern und einander hassen. Viele falsche Propheten werden aufstehen und viele verführen.
Weil die Gesetzlosigkeit Überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten.
Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Und dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreis allen Nationen gepredigt werden zu einem Zeugnis. Dann wird das Ende kommen.“
Vielen Dank.
Die Ablehnung Jerusalems und die Ankündigung der Tempelzerstörung
Wir haben beim letzten Mal gesehen, dass der Herr Jesus einen feierlichen Aufruf an Jerusalem als Stadt und als Hauptstadt des jüdischen Volkes richtete. Dies lesen wir nochmals in Matthäus 23, Vers 37 bis 39:
„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel versammelt, und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gepriesen sei der, der da kommt im Namen des Herrn!“
Der Herr hat so viele Gelegenheiten zur Umkehr und zur Rettung gegeben. Doch ich muss sagen: Ihr habt nicht gewollt. Nun folgt eine Gerichtsankündigung: „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.“
Was ist mit „euer Haus“ gemeint? Der Tempel, genau. Auf Hebräisch sagt man für den Tempel oft einfach „Habeid“, das Haus. Man unterscheidet das erste Haus, also den ersten Tempel, „Beidrichon“, den zweiten Tempel, der zur Zeit des Herrn Jesus stand, „Habeid Hascheni“, das zweite Haus, und den dritten Tempel in der Zukunft, der ebenfalls einfach „das dritte Haus“ genannt wird.
Darum klingt es für uns im Deutschen vielleicht etwas fremd, wenn es heißt: „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.“ Doch wenn man es ins Hebräische zurückübersetzt, ist klar, dass damit der Tempel gemeint ist.
Ganz erstaunlich ist, dass der Herr ankündigt, dass er jetzt lange Zeit nicht mehr gesehen wird: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen.“ Aber nicht für immer, sondern „bis ihr sprecht: Gepriesen sei der, der da kommt im Namen des Herrn!“ Damit macht er deutlich, dass er nach langer Zeit wiederkommen wird.
Dann wird das jüdische Volk bereit sein und ihn willkommen heißen. Denn das ist, wie wir beim letzten Mal gesehen haben, ein Vers aus Psalm 118, Vers 26. Dieses Wort wird gebraucht, um den Messias bei seiner Ankunft zu begrüßen und willkommen zu heißen.
„Gepriesen“ heißt auf Hebräisch „Baruch“ und bedeutet „Gesegnet“ oder „Gepriesen“. Es ist der normale Ausdruck, um „Willkommen“ zu sagen. Wenn jemand an der Tür in Israel klopft, macht man auf und heißt ihn willkommen mit „Baruch haba“ (Gesegnet sei der, der kommt). Wenn mehrere Personen kommen, sagt man „Baruchim habaim“ (Gesegnet seien die, die kommen).
Jetzt wurde der Herr abgelehnt – das haben wir an diesem besonderen Dienstag vor Karfreitag gesehen, wie immer wieder betont und wiederholt, besonders ab Kapitel 21, Vers 20. An diesem Tag wurde klar, dass alle Gruppen des Judentums, ihre Führer, den Herrn Jesus als Messias ablehnen.
Als Konsequenz dieser Ablehnung kündigt er die Zerstörung des Tempels an. Doch er verspricht auch, dass er nach langer Zeit wiederkommen wird. Dann wird das jüdische Volk bereit sein und ihn willkommen heißen.
Die Fragen der Jünger auf dem Ölberg
Nun haben wir beim letzten Mal gesehen: Der Herr ist mit den Jüngern aus dem Tempelbezirk hinausgegangen. Die Jünger zeigten ihm noch die eindrücklichen Gebäude des Tempels. Daraufhin weist er darauf hin: „Schaut das an, es wird eine totale Zerstörung geben.“
Dann ging er auf den Ölberg, also durch das Kedrontal auf den Ölberg. Wir haben bereits gesehen, dass man von dort aus die schönste Übersicht über den Tempelplatz hat, weil der Ölberg etwas höher ist als der Tempelberg.
In Vers 3 heißt es: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger zu ihm.“ Sie stellen hier drei Fragen. Wenn man die Parallelstellen hinzuzieht, nämlich Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21, sieht man, dass die Jünger insgesamt vier Fragen gestellt haben. Drei davon finden wir hier, nämlich:
Die Frage: „Was ist das Zeichen der Zerstörung des Tempels?“ Diese Frage wird nur in Lukas 21, Vers 7 gestellt.
Die Frage: „Wann ist die Zerstörung des Tempels, wann wird das sein?“ Diese findet sich in Matthäus 24,3, Markus 13,4 und auch in Lukas 21.
Diese beiden Fragen gehören eng zusammen: Wann soll der Tempel untergehen, und was wird unmittelbar davor das ankündigende Zeichen sein?
- Die dritte Frage lautet: „Was ist das Zeichen deiner Ankunft?“ und das Zeichen der Vollendung des Zeitalters. Auch diese beiden gehören eng zusammen: Was ist das Zeichen der Wiederkunft Christi? Die Jünger wollen wissen, was unmittelbar davor geschehen wird, das das ankündigende Zeichen ist.
Ganz allgemein stellen sie noch die Frage: „Was ist das Zeichen der Endzeit?“ Wenn hier von der Vollendung des Zeitalters die Rede ist, leben wir heute nach der Bibel in diesem Zeitalter. Das zukünftige Zeitalter ist das tausendjährige Friedensreich. So finden wir das in Epheser 1, Vers 21.
Ich möchte betonen, dass diese Ausdrucksweise im rabbinischen Judentum ganz üblich war. Die Rabbiner unterschieden zwischen Haolam Hazeh, diesem Zeitalter, und Haolam Haba, dem zukünftigen Zeitalter. Dieses Zeitalter ist die Zeit, in der wir jetzt leben. Das zukünftige Zeitalter ist die Zeit, wenn der Messias als König der Welt kommt.
Darf ich bitten, Epheser 1, Vers 21 vorzuschlagen? Dort geht es um den Herrn Jesus, der den höchsten Platz zur Rechten Gottes eingenommen hat. Er steht hoch über jede Gewalt, Macht, Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird.
Dort sehen wir, dass das Neue Testament diese Redeweise der Rabbiner bestätigt. Nicht alles, was die Rabbiner gesagt haben, war richtig. Aber manche Dinge werden im Neuen Testament als richtig erwiesen, andere hingegen als falsche Auslegung verurteilt.
Diese heilsgeschichtliche Einteilung in Epochen – heute würde man das Lehre von Dispensationen nennen – ist biblisch. Ganz im Gegensatz zu denen, die behaupten, die Dispensationalisten hätten ein menschliches System erarbeitet, das sie in die Bibel projizieren, und das sei überhaupt nicht gemäß der Schrift. Das ist vollkommen falsch.
Die Schrift macht diese Unterscheidung zwischen diesem Zeitalter und dem zukünftigen. Noch mehr dazu finden wir in Kolosser 1. Wenn wir dort kurz aufschlagen, sprechen Epheser, Philipper und Kolosser vom Geheimnis „Christus in euch“ und sagen, dass es erst jetzt in der jetzigen Zeit den Aposteln von Gott mitgeteilt worden ist. Früher war es verborgen, ein Geheimnis. Jetzt nicht mehr, aber damals, in der Vergangenheit, war es ein Geheimnis.
Paulus sagt, in den früheren Zeitaltern hat Gott das nicht mitgeteilt. Das wären also die Zeitalter vor diesem Zeitalter. Schlagen wir Kolosser 1, Vers 26 auf:
„Das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist. Ihnen wollte Gott zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“
Hier wird also über das Geheimnis gesprochen, das in den früheren Zeitaltern verborgen war. Im Deutschen haben wir Singular und Plural. Singular steht für Dinge, die einmal vorkommen, und Plural für Dinge, die zwei oder mehr vorkommen – zwei, drei, vier oder auch tausend oder eine Million.
Es wird nicht gesagt, wie viele Zeitalter es sind. Aber da die Mehrzahl verwendet wird, sind es mindestens zwei. Damit haben wir allein mit Epheser 1,21 und Kolosser 1,26 biblisch belegt, dass es mindestens vier Dispensationen gibt.
Ich muss vielleicht noch erklären: Der Ausdruck „Dispensation“ ist ein Fremdwort. Dispensation bedeutet einfach ein Heilszeitalter. Dispensationalismus ist die Lehre von den Heilszeitaltern der Bibel. Das ist keine menschliche Erfindung, sondern steht direkt so in der Bibel. Man muss es nicht erst ableiten.
So bestätigt also der Herr Jesus diese heilsgeschichtliche Sicht, die auch im Judentum bekannt war. Dass Darby sie im 19. Jahrhundert erfunden hätte, ist nicht wahr, sondern biblisch belegt und war im Judentum bekannt.
Darum fragen die Jünger: „Was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters?“ Vers 3 bedeutet, dass wir jetzt in diesem Zeitalter leben. Wenn dieses Zeitalter zur Vollendung kommt, zum Abschluss, und das künftige Zeitalter anbricht, in dem der Messias als König regiert, wie kann man erkennen, dass wir am Ende dieses Zeitalters sind?
Dieser Schluss wird in der Bibel „Endzeit“, „Ende der Tage“, „letzte Stunde“ oder „letzte Tage“ genannt. Es gibt verschiedene Ausdrücke, die diesen Abschluss bezeichnen.
Fassen wir zusammen: Es gibt vier Fragen. Zwei hängen mit dem Anfang zusammen. Der Herr Jesus kam vor etwa 2000 Jahren in diese Welt. Damit begann eine ganz neue Zeit. Johannes 1 beginnt mit den Worten „Was von Anfang an war, was wir gesehen und gehört haben und was unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens.“ Herr Jesus ist das Wort, der Logos, das Wort des Lebens.
Mit seinem Kommen wurde also ein Neuanfang gesetzt. Er war der Abschluss der alttestamentlichen Offenbarung Gottes. Wenn wir nun an die lange Zeit denken, in der Jesus nicht mehr sichtbar sein soll – er sagt ja: „Ihr werdet mich nicht mehr sehen bis ich wiederkomme“ – dann muss diese lange Zeit einen Abschluss haben. Das ist das Ende, die Endzeit.
So haben wir zwei Fragen im Zusammenhang mit dem Anfang: Kurz nach der Ablehnung des Herrn Jesus bei seinem ersten Kommen sollte der Tempel zerstört werden. Die Fragen lauten: Wann ist das, und was ist das unmittelbare Zeichen?
In Verbindung mit dem Abschluss dieses Zeitalters sind zwei weitere Fragen: Was ist das Zeichen, das direkt vor der Wiederkunft geschieht? Und was ist das Zeichen, damit wir wissen, dass jetzt Endzeit ist?
In Matthäus 24 finden wir die Antworten des Herrn Jesus auf die Fragen drei und vier. Die Antworten auf die Fragen eins und zwei finden wir in Lukas 21. Genau dort, in dem Evangelium, von dem ich schon sagte, dass nur dort die Frage „Was ist das Zeichen der Tempelzerstörung?“ vorkommt.
Dort geht der Herr direkt darauf ein und beantwortet beide Fragen: Wann wird das sein, und was ist das Zeichen der Tempelzerstörung? Weil wir aber jetzt nicht Lukas studieren, gehen wir nach Matthäus.
Wir wissen also: Der Herr antwortet auf die Fragen drei und vier, während die Fragen eins und zwei in Lukas 21, Vers 12 beantwortet werden. Dort finden wir auch Antworten auf die Fragen drei und vier, aber nicht so ausführlich wie in Matthäus 24. Dort haben wir eine sehr ausführliche Antwort.
Die allgemeine Warnung vor Verführung
Und nun antwortet der Herr. In Vers 4 lesen wir nochmals: „Seht zu, dass euch niemand verführe, denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“
Bevor der Herr Jesus überhaupt auf all diese Fragen eingeht, gibt er eine allgemeine Warnung. „Seht zu“ ist eine wörtliche Übersetzung und bedeutet „Gebt Acht“ oder „Seid aufmerksam“. Er richtet sich warnend an die Herzen der Zuhörer. Das zeigt, dass Jesus nicht einfach die Neugierde der Menschen beantworten möchte, was die Zeichen der Endzeit sind, sondern dass er alles auf Herz und Gewissen beziehen will.
Er sagt: Ihr müsst aufpassen, es ist gefährlich. Er warnt vor der Gefahr der Verführung und erklärt, dass viele kommen werden, die sich als Messias ausgeben. Er sagt: „unter meinem Namen“, und sie sagen: „Ich bin der Christus.“ Christus ist das griechische Wort für das hebräische Messias oder Maschiach. Die hebräische Aussprache ist Maschiach, die griechische Umschrift dieses Wortes ist Messias – nicht die Übersetzung, sondern die Umschrift.
Die Griechen konnten das „sch“ nicht aussprechen, deshalb gibt es im Griechischen keinen Buchstaben für „sch“, sondern nur „ss“. Darum wird es Messias geschrieben. Das erklärt auch, warum es nicht Messia oder Maschiach, sondern Messias heißt. Im Griechischen klingt ein „s“ am Schluss männlich. Deshalb sagen die Griechen nicht Jesaja, sondern Jesajas, nicht Mose, sondern Moses, nicht Jeremia, sondern Jeremias. Dieses „s“ am Ende zeigt das Männliche an.
Sie konnten auch nicht Jeshua sagen, deshalb sagten sie Jesu. Das „sch“ wurde zu „s“. Und warum ein „s“ am Schluss? Weil es ein männlicher Name ist. Daraus entstand Jesus, die griechische Aussprache von hebräisch Jeshua, und bedeutet genau dasselbe.
Es gibt Leute, die denken, sie seien biblischer, wenn sie Jeshua sagen. Das ist aber nicht der Fall. Es ist einfach eine andere Aussprache. Die Italiener sagen Gesu, was in die italienische Sprache passt. Auf Französisch wiederum anders, aber passend zur französischen Sprache. Man muss einfach wissen, was es bedeutet.
Wenn ich in Israel predige, in messianischen Gemeinden, sage ich natürlich Jeschua. Wenn ich Hebräisch spreche, sage ich nicht griechisch Jesus, aber es ist dasselbe. Wenn ich Deutsch spreche, sage ich nicht ständig Jeshua, sondern Jesus. Man muss nicht meinen, man sei besser, wenn man Jeshua sagt.
Der Herr warnt also vor denen, die unter seinem Namen kommen, nämlich unter seinem Titel Messias, und sagen: „Ich bin der verheißene Erlöser, der Messias.“ Er sagt, sie werden viele verführen.
Das ist hier noch kein Endzeitzeichen, sondern eine Vorbemerkung zu seinen Antworten. Wenn wir alle drei Berichte zusammennehmen, geben sie Antworten für die Anfangszeit, die Zeit der Tempelzerstörung, und Antworten für die Endzeit.
Was er hier eigentlich sagt, ist eine Warnung, die von der Anfangszeit bis in die Endzeit gilt. Tatsächlich, dadurch dass das jüdische Volk – ich meine jetzt die Masse – Jesus Christus als Messias abgelehnt hatte, begaben sie sich auf gefährliches Terrain. Wer die Wahrheit ablehnt, öffnet sich automatisch der Verführung. Das ist ein geistliches Prinzip.
Wir können das mit einem Bibelvers belegen, damit es nicht nur philosophisch klingt, sondern wirklich die Wahrheit der Schrift ist. Jesus sagt in Johannes 5, Vers 43: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.“
Man sieht also, wenn man den Herrn Jesus nicht annimmt, ihn ablehnt, wird man empfänglich für einen anderen, der aber ein Verführer ist. Dieser Satz aus Johannes 5 weist ganz speziell auf den Antichristen hin. Das wird der letzte falsche Messias sein in einer ganzen Reihe von falschen Messias.
Gerade in den Jahren nach der Kreuzigung kam ein falscher Messias, ein Jahr später wieder einer, dann wieder einer. Ganz schlimm war im Jahr 132 n. Chr. Bar Kochba. Er sagte auch: „Ich bin der Messias“ und nannte sich Sternensohn. Damit wollte er auf 4. Mose 24, Vers 17 verweisen, wo Bileam sagt: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt. Ein Stern geht hervor aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel.“ Das ist natürlich ein Hinweis auf den Messias.
Bar Kochba bezeichnete sich als Sternensohn. Rabbi Akiva, ein großer Rabbiner des Judentums, der eine wichtige Rolle im Talmud spielt, sagte, Bar Kochba sei der Messias. Die Massen nahmen ihn an. Er versprach: „Ich werde euch vom römischen Joch befreien.“
Es gab einen Aufstand gegen Rom, der von Kaiser Hadrian so brutal niedergeschlagen wurde, dass etwa eine halbe Million Menschen im Krieg selbst und durch Seuchen und Hungersnot ums Leben kamen. Durch den Krieg starben etwa eine halbe Million, und durch Seuchen und die Folgen des Krieges – Hungersnot – nochmals etwa eine halbe Million. Insgesamt etwa eine Million Menschen. Unglaublich.
Dann war klar, dass Bar Kochba nicht der Messias war. Wenn man die jüdische Geschichte durchgeht, sieht man, dass immer wieder falsche Messias kamen. Bis zum letzten großen falschen Messias.
Das war Menachem Mendel Schneerson. Er war in New York, und seine Anhänger sagten, er sei der Messias. Er selbst hat es nie gesagt. Aber er war sehr klug: Er sagte auch nicht, dass er es nicht sei. Man stellte extra ein Haus für ihn in Israel bereit. Er ging nie nach Israel. Aber man erwartete, dass er, wenn er sich offenbart und sagt: „Jetzt ist die Zeit des Galut, die Zeit der Erlösung gekommen“, nach Israel gehen und die Königsherrschaft beginnen würde.
So wartete man lange, bis er schließlich starb. Man hatte viel Personal bereitgestellt, wie Psychologen, um eine Massenhysterie von etwa dreihunderttausend Anhängern aufzufangen. Der Mann starb, und es geschah nichts.
Man sagte dann: Jesaja 53 sagt ja, der Messias wird sterben. Jetzt ist er gestorben, und er wird wieder auferstehen. Das ist schon eine Weile her, seit 1992, also etwas mehr als drei Tage. Aber man wartet immer noch.
Plötzlich wird Jesaja 53 herangezogen. Die alten Rabbiner haben gesagt, das ist der Messias. In jeder Rabbinerbibel steht das so. Das muss man wissen, wenn man mit Orthodoxen spricht.
Man muss sagen: Nimm deine Rabbinerbibel, die Mikra'ot Gedolot heißt. In vielen Ausgaben steht der hebräische Text groß, daneben die aramäische Übersetzung. Dort steht in der aramäischen Übersetzung von Jonathan ben Uzziel bei Jesaja 52, Vers 13: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln.“ Noch erklärend wird eingefügt: „Siehe, mein Knecht Meschicha“, das ist Aramäisch für Maschiach, der Messias, „wird einsichtig handeln.“
Das ist der Messias in Jesaja 53. Im Mittelalter haben berühmte Rabbiner wie Raschi und Abrabanel gesagt, sie hätten die Interpretation gegenüber früheren Rabbinern geändert. Sie glauben, dass der leidende Knecht in Jesaja 53 nicht der Messias, sondern das Volk Israel sei, weil sie so viel von heidnischen Völkern verfolgt würden.
Aber man muss wissen: In Jesaja 53 heißt es: „Von dem Knecht, der leidet wegen der Übertretung meines Volkes“, sagt Gott, „hat ihn Strafe getroffen.“ Also ist er nicht das Volk Israel, sondern er leidet für das Volk Israel. Die Interpretation, dass es der Messias ist, war richtig.
Nun sagen manche: „Rabbi Menachem Mendel Schneerson ist der Messias.“ Aber in Jesaja 53 steht, dass der Messias gewalttätig stirbt und völlig entstellt ist. Es heißt: „Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden, und sein Angesicht und sein Aussehen war entstellt, so dass es nicht mehr menschenähnlich war.“ Das bedeutet, er war nicht mehr menschlich.
Das ist nicht ein alter Mann, der schwach wird und stirbt. Man sieht, wie Verführung zu totaler Blindheit führt und dass man entgegen dem Bibeltext Dinge glauben will.
So war es also von der Zeit des ersten Jahrhunderts bis heute: Über fünfzig falsche Messias sind im Judentum aufgetreten. Aber der Herr hatte seine Jünger gewarnt: „Gebt Acht, dass euch niemand verführe. Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen.“
Die ersten Endzeitzeichen: Kriege und Naturkatastrophen
Und dann kommt Vers 6. Lies du nochmals Vers 6: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht, denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.“ Danke.
Hier ist es sehr wichtig, eine ganz wörtliche, genaue Übersetzung zu haben. Manche Übersetzungen sagen nur: „Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören.“ Es muss unbedingt das Wort „aber“ drinstehen: „Ihr werdet aber...“. Haben das alle? Oder wer hat es nicht? Die meisten haben „aber“ drin, nur ganz wenige nicht. Das Wort „aber“ ist sehr wichtig.
Das griechische Wort „de“ drückt einen leichten Absatz aus. Dieser Satz wird also gegenüber dem vorherigen Satz abgesetzt. Das war klar. Ich habe gesagt: Vorher war eine allgemeine Warnung vor falschen Messiasen, die von der Anfangszeit bis zur Endzeit auftreten werden. Vers 6 geht nun wirklich in die Endzeit und zählt einzelne Zeichen auf.
Die Jünger haben ein Zeichen für die Endzeit gewünscht, aber der Herr gibt ihnen mehr als zwanzig. So ist der Herr: Er gibt mehr, als wir erwarten. „Überbitten und verstehen“, sagt Epheser 3 am Schluss.
Lies du nochmals Vers 7: „Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“ Jawohl.
Wie viele Zeichen hast du, Christian, in deinem Text? Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich, Hungersnöte, Erdbeben. Vier, oder drei, wenn wir das zusammennehmen: Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich, das wären also Kriege. Dann Hungersnöte, Erdbeben.
Und jemand fragt: „Ich habe die eigene Lesart, es steht noch ‚Seuchen‘.“ Ja, und die CSV hat das auch in Klammern, um anzudeuten, dass das der Mehrheitstext ist. Der Mehrheitstext bezeugt Seuchen. Natürlich, wenn wir die anderen Evangelien dazunehmen, Markus und Lukas, dann haben wir Seuchen auch.
Ich möchte betonen: Hier erwähnt der Herr Jesus in Matthäus 24 vier Zeichen, aber es gibt noch ein fünftes. Darum ist es wichtig, dass wir das parallel studieren, und zwar in Lukas 21. Schlagen wir auf Vers 10: Lukas 21, Vers 10: „Er sprach zu ihnen: Es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden große Erdbeben sein und an verschiedenen Orten Hungersnöte und Seuchen, auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.“
Hier erwähnt Jesus also auch Kriege: Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich, dann wie Matthäus auch Erdbeben, Hungersnöte, aber hier haben wir noch die Seuchen. Und ferner wird hinzugefügt: „auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.“ Diese Gruppe – Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich, Erdbeben, Hungersnöte, Seuchen – bildet eine Einheit.
Schlagen wir noch auf Markus 13, Vers 7: „Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, so erschreckt nicht, es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende; denn es wird sich Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben. Es werden Erdbeben sein an verschiedenen Orten, es werden Hungersnöte sein. Dies ist der Anfang der Wehen.“
Auch hier sieht man wieder diese Gruppierung: Kriege, Kriegsgerüchte (Vers 7) und dann Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich (Vers 8), genau wie in Matthäus. Dann Erdbeben – übrigens in Lukas haben wir gelesen: große Erdbeben, das war ein Zusatz, nicht nur Erdbeben, sondern große Erdbeben – und dann Hungersnöte. Im Mehrheitstext steht hier noch „Unruhen“. In Lukas 21 kann man das auch noch ergänzen, in Vers 9: „Wenn ihr aber von Kriegen hört und Empörungen.“
Welche Übersetzung hast du? Das griechische Wort „Akatastasiai“ ist ein anderes Wort für Revolutionen. Also haben wir Unruhen in Markus (Tarachai) und hier Akatastasiai, das sind Revolutionen.
Das ergibt für diese erste Gruppe fünf Zeichen: Erstens Massenkriege. Der Herr sagt nicht einfach „Kriege“, sondern „Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich“. Er sagt, ihr werdet von Kriegen hören – das sind Kriege in der Nähe – und von Kriegsgerüchten, das sind Gerüchte von weit her. Das heißt Massenkriege, die geografisch weit ausgedehnt sind.
Man könnte sich fragen: Wie kann der Herr sagen, Kriege sind Endzeitzeichen? Kriege hat es ja schon immer gegeben, durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch. Wie kann er das so sagen? Jemand wird bedenken: Wenn der Herr etwas sagt, dann hat das einen besonderen Grund. Und spätestens in der Zeit, in der es aktuell wird, wird man das klar erkennen.
Wir haben ja letztes Mal über die Endzeit gesprochen und dass das grundlegende Kennzeichen für die Endzeit im Alten Testament ein bestimmtes Ereignis ist: die Heimkehr des jüdischen Volkes aus der weltweiten Zerstreuung zurück ins Land.
Es gibt so viele Stellen im Alten Testament, die das im Detail beschreiben. Es wird an vielen Stellen berichtet, woher sie kommen: aus allen vier Himmelsrichtungen. Dann wird gesagt, aus welchen Ländern genau, und dass das in Phasen geschehen wird. Ab 1882 begann die erste große Masseneinwanderung von Juden – Tausende, die heimkehrten. Das war vorher undenkbar, weil es nicht die Reisemöglichkeiten gab wie ab Ende des 19. Jahrhunderts.
Tausende kehrten heim. Das war die erste Welle von 1882 bis 1903. Als sie versiegt war, kam die zweite Welle von 1904 bis 1914. Wieder Tausende, die heimkehrten. Dann kam der Erste Weltkrieg.
Nach dem Ersten Weltkrieg, der natürlich einen Unterbruch in der Heimkehrwelle bewirkt hatte, kamen die dritte Rückkehrwelle, dann die vierte und so weiter bis heute. So sind etwa drei Millionen Menschen von allen fünf Kontinenten aus etwa 130 verschiedenen Ländern heimgekehrt.
Der Herr Jesus spricht hier in Matthäus 24 nicht darüber, weil das schon so ausführlich im Alten Testament beschrieben ist. Er spricht hier eigentlich über Dinge, die man so genau im Alten Testament nicht findet. Darum ist die Ölbergrede ein ganz, ganz wichtiges ergänzendes Glied zur bestehenden Prophetie des Alten Testaments mit Jesaja, Jeremia, Ezechiel, den zwölf kleinen Propheten und anderen.
Ganz entscheidend. Da sagt der Herr: In dieser Endzeit, in der Vollendung des Zeitalters, werdet ihr von Kriegen und Kriegsgerüchten hören, von Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich.
Tatsächlich, nach der zweiten Aliyah-Heimkehrwelle – auf Hebräisch „Aliyah“ – spricht man von der ersten Aliyah 1882 bis 1903, der zweiten Aliyah 1904 bis 1914, dann kam der Erste Weltkrieg.
Das ist eigentlich eine Sensation. Warum spricht man in der Geschichte nicht vom 27. Weltkrieg? Kriege gab es doch schon immer. Man sagt den Ersten Weltkrieg, weil es noch nie einen Krieg gab, der alle fünf Kontinente betraf.
Das war ein neues Phänomen von Massenkrieg, bei dem wirklich Königreiche kämpften, Nationen – wie es heißt – Königreich gegen Königreich, Nation gegen Nation, geografisch weit ausgedehnt. Man hörte von Kriegen in der Nähe, aber auch von weit entfernten Kriegsgerüchten.
Sobald es Realität wurde, gibt es keinen Zweifel mehr: Kriege können ein Endzeitzeichen sein. Der Erste Weltkrieg forderte 18 Millionen Tote und war der erste Einsatz von chemischen Massenvernichtungswaffen. Grauenhaft, nicht wahr?
Nun wollen wir das genaue Wort anschauen. In Vers 8 sagt der Herr Jesus von diesen ersten Zeichen, lies nochmals Vers 8: „Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.“
Das ist wichtig. Wir haben das letztes Mal schon ein bisschen erläutert. Darum werde ich jetzt nicht mehr ausführlich über die Details von Wehen sprechen, sondern nur daran erinnern: Wehen sind Endzeitzeichen, vergleichbar mit der Schwangerschaft von etwa neun Monaten.
Wie lange genau, weiß niemand. Wichtig ist, dass man auf den Moment achtet, in dem die Wehen einsetzen. Sie kommen und gehen, hören auf und kommen wieder, und in der Tendenz nehmen sie an Stärke zu.
Sie können auch wieder zurückgehen, dann plötzlich einen längeren Stopp im Prozess geben. Aber dann kommen sie wieder, bis schließlich die Presswehen einsetzen. Am Schluss wird ein Mensch geboren.
So stellt Jesus hier diese Zeichen dar: Sie kommen nicht einmal, sondern sie wiederholen sich und entwickeln sich weiter bis zu den Presswehen, dem Höhepunkt des Leidens bei einer Geburt.
Dann kommt ein Mensch in die Welt, und so wird es sein, dass der Herr Jesus, der Sohn des Menschen, auf den Wolken des Himmels kommt.
Lesen wir Vers 30, Matthäus 24, Vers 30: „Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme des Landes an den Kopf fassen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.“
Man sieht, die Analogie ist grandios. Es geht um dieses Zeitalter, um die Vollendung des Zeitalters, also den Abschluss der Schwangerschaft. Es gibt Zeichen, und diese Zeichen sind Wehen.
Dann, auf dem Höhepunkt der Wehen, kommt der Sohn des Menschen in diese Welt.
Wenn wir von Massenkriegen sprechen: 1914 bis 1918 ereignete sich der Erste Weltkrieg. Einige Jahre später folgte der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945.
Auch wieder ein Krieg, bei dem alle fünf Kontinente betroffen waren, aber mit noch mehr Toten: etwa 70 Millionen. Zum ersten Mal wurden atomare und chemische Waffen eingesetzt.
Es war ein unvorstellbar schrecklicher Krieg.
Ist es nicht eindrücklich, dass genau in der Zeit, in der die Juden heimkehren, zwei Weltkriege stattfinden, etwas, das es vorher noch nie gegeben hat?
Wenn der Herr etwas sagt, und er sagt es knapp und kurz, benutzt nie viele Wörter, dann kann man jedes Wort auf die Goldwaage legen.
Da muss man bei uns aufpassen, aber beim Herrn ist alles vollkommen.
Darum ist es so wichtig, wenn er sagt „aber“ – dann setzt der Herr das ab von der allgemeinen Warnung vor falschen Messiasen und jetzt kommen die Endzeitzeichen, und das erste sind Massenkriege.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viele Stellvertreterkriege mit Abermillionen von Toten.
Wenn wir nur an den Golfkrieg von 1991 denken: Das war ein Weltkrieg, denn Nationen aus allen fünf Kontinenten kämpften gegen Babylonien – die Mutter aller Nationen.
Die Menschheit ist über die fünf Kontinente verteilt, und beim Golfkrieg 1991, unter der Leitung der UNO, führten die Amerikaner den Krieg aus. Es war offiziell ein Krieg der UNO gegen den Irak.
Etwa 40 Nationen aus allen fünf Kontinenten waren beteiligt.
Dann gab es noch den Golfkrieg 2003, nicht mehr von der UNO, aber geführt von Amerika mit einer Koalition der Willigen.
Das waren etwa 70 Nationen, viel mehr, auch wieder aus allen fünf Kontinenten, die den Irak militärisch besiegten.
Man kann sich kaum vorstellen, wie schrecklich diese zwei Irakkriege waren.
Was heute in der Ukraine geschieht, ist auch ein Weltkrieg, denn Nationen aus der ganzen Welt schicken Waffen, damit die Ukrainer an ihrer Stelle den Krieg führen.
Russland bekommt auch Waffen von China, der Weltmacht.
Das ist ein Weltkrieg.
Noch schrecklicher wäre es, wenn es zu einem Flächenbrand käme, was jederzeit möglich ist.
Wir sind wirklich am Rand eines Flächenbrandes.
Das entspricht genau dem, was Jesus für die Endzeitkriege vorausgesagt hat: Massenkriege von geografischer, ja sogar weltweiter Ausdehnung.
Revolutionen als weiteres Endzeitzeichen
Dann haben wir eben das zweite Zeichen: Revolutionen, wie sie in Lukas 21 und Markus 13 beschrieben sind. Da könnte jemand sagen: Revolutionen hat es doch schon immer gegeben. Man fragt zurück: Welche denn?
Zum Beispiel die Französische Revolution 1789. Und was noch? Zum Beispiel die Glorious Revolution in England. Ja, aber du weißt schon, im zwanzigsten Jahrhundert? Ach so, ich meine 1848. Ja, genau, danke, 1848. Aber dann... Ja, in Russland natürlich. 1905 gab es die Revolution, um den Zar zu stürzen. Es ist aber nicht gelungen, das Zarenreich konnte sich halten. Doch das ging weiter.
Während des Ersten Weltkrieges gab es 1917 die Februarrevolution. Das war die bürgerliche Revolution, und dabei wurde das Zarenreich gestürzt. Lenin, der damals in der Schweiz war, fuhr mit der Bahn durch Deutschland weiter nach Sankt Petersburg, später Leningrad. Dort hat er die bürgerliche Revolution angeheizt und zur kommunistischen Oktoberrevolution gemacht. Dadurch entstand 1922, nach dem Ersten Weltkrieg, die Sowjetunion als Frucht dieser Revolution.
Aber es gab viel, viel mehr Revolutionen. Ich möchte nur einmal einige erwähnen: In dem Zeitfenster von 1882 bis 1922, also bis zur Entstehung der Sowjetunion, gab es die philippinische Revolution von 1896 bis 1898, dann die konstitutionelle Revolution im Iran von 1905 bis 1911 und, wie gesagt, die russische Revolution 1905, die ich schon erwähnt habe.
Außerdem die Jungtürkische Revolution im Osmanischen Reich. Die Osmanen, also die Türken, beherrschten damals den ganzen Nahen Osten. Dort kehrten die Juden als Siedler in den ersten Einwanderungswellen zurück. Im Osmanischen Reich gab es 1908 die Jungtürkische Revolution.
In Mexiko begann 1910 die Mexikanische Revolution und zog sich über die Folgejahre hin. Man darf auch die chinesische Revolution, die Xinhai-Revolution von 1911, nicht vergessen. Dort stürzte China in jahrzehntelangen Bürgerkrieg.
Das geschah alles nicht in einem kleinen Winkel der Welt. Auch die arabische Revolution im Osmanischen Reich fand von 1916 bis 1918 statt. Ich habe schon die Februar- und Oktoberrevolution in Russland erwähnt, ebenso die Novemberrevolution in Deutschland 1918 nach dem Ersten Weltkrieg und die Aster- oder auch Aston-Revolution in Ungarn 1918.
Das sind schon elf ganz bedeutende Revolutionen allein in diesem Zeitfenster ganz am Anfang. Aber es waren noch viel mehr. Jetzt könnte ich Revolutionen bis heute aufzählen, und wir kämen auf weit über 330 Revolutionen.
Diese Zeit, in der die Juden heimkehren, ist zugleich die Zeit der Revolutionen in der Weltgeschichte. So etwas hat es in dieser Art noch nie gegeben. Da merkt man wieder: Wenn der Herr von Revolutionen spricht, dann hat das eine ganz besondere Bedeutung.
Wenn man es im Voraus nicht versteht und nicht richtig glaubt, was der Herr da sagt, dann kann man es zwar erkennen, wenn es passiert, aber man muss auch die Augen offen haben. Manche sind blind und realisieren gar nicht, dass wir im Zeitalter der Revolutionen leben.
Das ist natürlich ganz stark bedingt durch Karl Marx, der im neunzehnten Jahrhundert eine antichristliche Lehre aufgebaut hat: den Marxismus. Das ist eine Lehre der Revolution. Sie sagt, Revolution sei etwas Gutes, etwas Notwendiges. Die Mächtigen müssen unbedingt gestürzt werden, das sei Gerechtigkeit.
Das hat die Geschichte des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts ganz deutlich geprägt. Es ist eine Zeit der Revolutionen geworden. Aber der Herr Jesus hat das vorausgesagt.
Jetzt machen wir eine Pause und gehen dann weiter mit diesen fünf Zeichen der Anfangszeit. Der Herr sagt ja: Das alles ist der Anfang der Wehen. Es kommt noch mehr.
