Einleitung und Bibeltext
Biblische Urgeschichte, so heißt unser Thema. Wir gehen Kapitel für
Kapitel durch das erste Buch der Bibel bis zum Turmbau zu Babel in Kapitel
11. Also wir beginnen mit 1. Mose 1 und ich lese ein paar Verse vor:
«Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und
leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte
über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und
Gott sah, dass das Licht gut war; da schied Gott das Licht von der
Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er
Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der erste Tag.
Und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, die bilde
eine Scheidung zwischen den Wassern! Und Gott machte die Ausdehnung und
schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung.
Und es geschah so. Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde
Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag.
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einen Ort,
damit man das Trockene sehe! Und es geschah so. Und Gott nannte das
Trockene Erde; aber die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah,
dass es gut war. Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs,
das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume auf der Erde, von denen jeder
seine Früchte bringt nach seiner Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah
so. Und die Erde brachte Gras und Gewächs hervor, das Samen trägt nach
seiner Art, und Bäume, die Früchte bringen, in denen ihr Same ist nach
ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde
Morgen: der dritte Tag. »
Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde
Wir haben also in 1. Mose 1 die Schöpfungswoche vor uns. Noch einmal der
erste Vers: «Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.» Dieser Vers
umschreibt gewissermaßen die Erschaffung des Weltalls. In Jeremia 10, 16lesen wir, dass Gott das All erschaffen hat, Himmel und Erde. Interessant
ist das Wort für Schaffen auf Hebräisch «bara», denn dieses Wort wird nur
gebraucht im bibelhebräisch für Gott. Im Deutschen gebrauchen wir Schaffen
auch für Künstler; wir gebrauchen Schaffen auch für Gott. Aber in der Bibel
wird das Wort bara nur für Gott verwendet. Zweitens: bara bezeichnet immer
die Erschaffung von etwas Neuartigem. Es kommt in 1. Mose 1 an drei Stellen
vor: Nämlich zuerst im ersten Vers hier, wo wir gewissermaßen als etwas
Neues haben, dass überhaupt Materie erschaffen wird. Zur Erschaffung der
Erde wird Materie erschaffen. Dann finden wir es zum zweiten Mal in Vers 20-
21, da geht es um die Erschaffung von Lebewesen im Wasser, und die werden
im Hebräischen folgendermaßen genannt. In Vers 20 die lebendigen Wesen, da
haben wir den Begriff «nefesch chajah», wörtlich «lebendige Seelen». Da
wird also beseeltes Leben erschaffen, das ist in der Qualität wieder etwas
ganz Neues. Und da kommt, auch wieder in Vers 21, dieses bara vor, nämlich:
«und Gott schuf die lebendigen Seeungeheuer.» Dann zum dritten Mal in
Verbindung mit der Erschaffung des Menschen (V.27). Dort gleich dreimal
feierlich verwendet: «Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild
Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.» Und der Mensch ist ja
eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Materie, Beseeltes, aber auch der
Geist kommt dazu und hier wird wieder dieses Wort bara verwendet.
Dann ist weiter zu bemerken, der erste Vers, der so gewissermaßen die
Erschaffung der Erde und des Weltalls umschreibt, besteht im Hebräischen
aus sieben Wörtern und viermal sieben Buchstaben. Keine Angst, ich halte
nichts von Bibelcode, aber nichts desto trotz gibt es in der Bibel eine
Zahlensymbolik. Und die Zahl sieben spielt gerade im 1. Buch Mose eine
große Rolle, also hat das schon seine Bedeutung. Und nur so
andeutungsweise: Zum Beispiel dieser Abschnitt in 1. Mose, wo es um das
Geschlecht von Adam geht, wenn man das auszählt, kommt man auf 930 Wörter
und 930 Jahre alt ist Adam geworden. Also ganz interessant, nicht wahr.
Solche Zusammenhänge bestehen, aber das hat mit Bibelcode gar nichts zu
tun.
Ich habe hier den ersten Satz der Bibel gleich ausgedruckt: «bereschit
bara elohim et haschamajim ve'et ha'aretz.» Das ist der erste Satz der
Bibel. Es bezeichnet die vollkommene Schöpfung, die Schöpfung aus dem
Nichts. Römer 4, 17 spricht von diesem Gott, der das Nichtseiende ruft, wie
wenn es da wäre. Also wir haben hier das lateinische «creatio ex nihilo»,
die Erschaffung aus dem Nichts. Und Hebräer 11, 3 erklärt uns «durch
Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden
sind, so dass die erscheinenden Dinge aus Nichterscheinendem geworden
ist.», eben aus dem Nichts durch Gottes Wort.
Und die Erde war Wüstheit und Leere
Wir kommen bereits zum zweiten Vers und da gibt es einiges zu bedenken
bei der Übersetzung. «Und die Erde war Wüstheit und Leere». Man kann
übersetzen: «Und die Erde jedoch wurde Wüstheit und Leere», also einen
Gegensatz andeutend. Es ist so: Das hebräische Wort «hajah» bedeutet sein
oder werden. Darum kann man sowohl «war Wüstheit und Leere» als auch «wurde
Wüstheit und Leere» übersetzen. Nun der Ausdruck «tohu vavohu» also
Wüstheit und Leere, kommt hier vor. Und wenn man diesen Worten nachgeht,
hängt ihnen ein besonderer Klang an. Zum Beispiel in Jesaja 45, 18 heißt es
vom Schöpfer: «Nicht als ein tohu hat er sie (die Erde) erschaffen. Um
bewohnt zu werden hat er sie gebildet.» Weiter: Der Ausdruck «tohu vavohu»
kommt noch einmal so zusammen in Jeremia 4, 23 vor, und da geht es um das
Land, das durch Gottes Gericht verwüstet werden wird: «und siehe da, tohu
vavohu». Also das hat schon seine Gründe, wenn man übersetzen würde: «Die
Erde jedoch wurde Wüstheit und Leere.» Es ist auch noch interessant, in
Jesaja 34, 11 kommen die beiden Wörter, tohu und vohu, getrennt noch einmal
vor und auch dort geht es um ein Land, das total verwüstet wird durch das
göttliche Gericht, nämlich Edom, Südjordanien.
Nun, wir können uns fragen,
wenn das heißt, dass Gott die Erde zuerst vollkommen geschaffen hatte, wie
ist dann Wüstheit und Leere geworden? Nun wir wissen aus anderen
Bibelstellen, es hat in der Engelwelt einen Fall gegeben. Satan war ein
Engelfürst, der gefallen ist. Nun, die Frage stellt sich: Wann ist er
gefallen? Es stellt sich denn auch die Frage: Wann sind die Engel
erschaffen worden? Denn von Engeln lesen wir nichts in 1. Mose 1, im
Schöpfungsbericht. Und dennoch wird in Kolosser 1, 16 gesagt, dass der Sohn
Gottes, der Herr Jesus, die Engel erschaffen hat, die Engelwelt. Also es
ist so: In Hiob 38, 7 da sehen wir, dass die Engelwelt jedenfalls vor der
Erschaffung der Erde bereits existierten. Gott spricht zu Hiob über die
Erschaffung der Welt und fragt ihn als Menschen: Wo warst du, als ich die
Erde gemacht habe? Ich lese Hiob 38, 4:
«Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du
Bescheid weißt! Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die
Mess-Schnur über sie ausgespannt? Worin wurden ihre Grundpfeiler
eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne
miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten?»
Die Söhne Gottes kommen in Hiob 1 und 2 auch noch vor und wir sehen, es
ist die Engelwelt, die so bezeichnet wird. Diese waren also am Jauchzen im
Moment von 1. Mose 1, 1. Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Sie
jauchzten, als der Eckstein für die Erde gelegt wurde. Also war die
Engelwelt schon erschaffen vor 1. Mose 1, 1. Und wichtig ist hier, es
heißt, und alle Söhne Gottes jauchzten, d.h. die ganze Engelwelt war
positiv eingestellt. Aber, auf der anderen Seite, in 1. Mose 3 haben wir
bereits den Verführer, die Schlange. Also das bedeutet, der Fall Satans
muss stattgefunden haben vor 1. Mose 3, dem Sündenfall Adams, aber nach 1.
Mose 1, 1, denn dort haben alle Söhne Gottes noch gejauchzt, als die Erde
erschaffen wurde. Gut, ich erzähle hier etwas, wenn das jemand nicht
glaubt, dann bin ich niemandem böse. Wir müssen ja unterscheiden zwischen
Dingen, die ganz ausdrücklich im Bibeltext stehen und solchen, wie hier, wo
wir verschiedene Schlussfolgerungen ziehen können und das darf man nicht
auf die gleiche Stufe stellen. Das ist ganz wichtig. Also, wir sind uns
klar, hier im Text selber steht das nicht, aber wir können gewisse
Schlussfolgerungen ziehen durch Vergleich.
Es kommt weiter dazu, dass in 1. Mose 1, 2 neben tohu vavohu auch die
Finsternis erwähnt wird, die in der Bibel sowieso symbolisch für das
Negative steht. Also das ist auch etwas, das zu bedenken ist, die
Finsternis. 1. Johannes 1, 5 sagt: «Gott ist Licht und gar keine Finsternis
wohnt ihn ihm». Und weiter wird die Tiefe erwähnt. Tiefe heißt auf
Hebräisch «tehom». Dieses Wort, tehom, bedeutet eine tiefe, rauschende,
also aufgewühlte Wassermenge, ein rauschender Ozean. Der Geist Gottes
schwebte über den Wassern. Das Wort schweben, hebr. «richaph», bedeutet mit
den Flügeln flattern oder schützend schweben. In 5. Mose 32, 11 wird das
Wort für einen Adler, der schützend über den Jungen im Nest schwebt,
gebraucht. Also dieses Schweben des Geistes Gottes über dem tohu vavohu
würde dann bedeuten, es wäre quasi wie ein schützendes Schweben, um
weiteres Verderben aufzuhalten, bzw. dem Verderben entgegenzutreten, denn
dann haben wir im weiteren Verlauf Gottes Schöpfungswerke: Licht, das in
die Finsternis kommt usw.
Zeitliche Einordnung
Aber jedenfalls ist klar, dass der Zustand von Wüstheit und Leere nur
kurz war, denn wir können das nachlesen. In Hebräer 4, 3-4 wird die
Schöpfungsruhe, der Sabbat, der siebte Tag der Schöpfungswoche, in
Verbindung gebracht mit der Grundlegung der Welt. Also 1. Mose 1, 1 spricht
ja über die Grundlegung der Welt. Wenn also in der Zeit der Grundlegung der
Welt der siebte Tag ein Ruhetag war, dann kann man nicht annehmen, dass da
die Erschaffung der Welt war und dann ein Millionen Jahre langes Chaos,
geologisches Chaos sagen wir, und dann wäre die Schöpfungswoche gekommen.
Das geht nicht. Das liegt jedenfalls nahe beieinander. 1. Mose 9, 26 bringt
den Sündenfall zusammen mit dem Opfer, das nötig ist seit dem Sündenfall,
in Verbindung mit der Grundlegung der Welt. Also ist 1. Mose 3 ganz nahe
bei 1. Mose 1. Und in Lukas 11, 50-51 geht es um die Ermordung von Abel,
die stattgefunden hat, auch dort in der Zeit der Grundlegung der Welt. Also
kann 1. Mose 4 nicht viel, viel später stattgefunden haben, als die
Erschaffung der Erde, denn die Geschichte von Abel und Kain findet
praktisch statt zur Zeit der Grundlegung der Welt.
Also man kann, was einige versucht haben, hier nicht irgendwie Millionen
Jahre der Geologie unterbringen. Ich muss erklären: In der Geschichte der
Geologie hat man bis 1800 n. Chr. in der wissenschaftlichen Welt allgemein
geglaubt, dass die Erdschichten durch die Sintflut gebildet worden sind.
Und erst speziell ab 1830 n. Chr. ist die Idee aufgekommen, die
geologischen Schichten in riesigen Zeiträumen unterzubringen. Zu der Zeit
sind die Millionen Jahre entstanden, übrigens bevor man irgendwelche
Datierungsmethoden hatte. Das war also aus philosophischen Voraussetzungen
heraus. Und dann haben manche Christen, aus dem Eindruck heraus, dass man
das ja nicht einfach so vom Tisch wischen kann, versucht, mit der
Lückentheorie eben diese Millionen Jahre von geologischen Umwälzungen in
die Zeit des tohu vavohu von 1. Mose 1, 2 hineinzuflicken. Eine
Lückentheorie, die aber nicht aufgeht. Und sie funktioniert auch aus
anderen Gründen nicht. Ein sehr ernster Grund sogar ist der: In den
Erdschichten haben wir tote Tiere und tote Menschen. Aber der Römerbrief
(Römer 5, 12) sagt als grundlegende Lehre des Glaubens, dass durch den Fall
des Menschen, durch Adam, der Tod in die Welt gekommen ist. Das heißt, man
darf mit dem Tod gar nicht rechnen vor 1. Mose 3. Also können die
Erdschichten, die den Tod dokumentieren, nicht in die Zeit fallen vor dem
Sündenfall. Gut, aber wir werden sehen, wir haben es auch gar nicht nötig.
Dann kommt dazu, die Verse 1 und 2 gehören mit zum ersten Schöpfungstag. In
2. Mose 20, 11 lesen wir nämlich, in den zehn Geboten, also ein wichtiger
Vers, der auf die beiden Tafeln geschrieben wurde von Gott, die dann auch
in die Bundeslade gelegt wurden: «Denn in sechs Tagen hat der HERR den
Himmel und die Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und
er ruhte am siebten Tag; darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte
ihn». Das ganze ist geschehen in einer Woche.
Der erste Tag
Also wir können nur soweit
gehen und sagen: Am ersten Tag hat Gott Himmel und Erde erschaffen und es
kam zu einem tohu vavohu, aber sogleich hat Gott interveniert und das Licht
in die Finsternis gebracht.
Aber interessant ist folgendes: Erst mit Vers 3: «Und Gott sprach es
werde Licht», beginnt in der Erzählung 1. Mose 1 so das eigentliche
Nullniveau der Zählung, jetzt wird richtig gestartet. Und zwar kann man das
aus dem Grund sagen: Im Hebräischen gibt es eine Verbform, die gebraucht
wird für eine Erzählung. Also wenn man eine Geschichte erzählt, entspannt
zurückgelehnt, dann erzählt man es im Deutschen in welcher Zeitform?
Imperfekt, ja? Imperfekt, Präteritum sagen die Schüler heute. Das ist die
Erzählform und im Hebräischen gibt es auch eine Form, die normal für eine
Erzählung gebraucht wird. Aber dann gibt es andere Verbformen, die braucht
man um einen Hintergrund zu beschreiben, und diese werden gebraucht in den
Versen 1 und 2. Da wird also quasi der Hintergrund beschrieben und jetzt
geht die Erzählung los ab Vers 3.: «Und Gott sprach es werde Licht». Diese
Erzählform, diese Narrativform, nennt man heute vajikdol-Formen, das sage
ich für die, die Hebräisch können. Für Licht steht im hebräischen «or». Das
bedeutet das Licht an sich, also nicht eine Lampe, sondern die Wellen, die
dort ausgehen, das wird mit «or» bezeichnet. Es gibt nämlich im
Schöpfungsbericht noch einmal das Wort Licht, in Vers 14, aber dann ist es
«ma'or» und dann meint es einen Lichtkörper. Das ist also nicht das
Gleiche. Or ist also das Licht an sich und in Vers 14 kommen dann erst die
Lichtkörper, Sonne Mond und Sterne.
Das Licht in Vers 1 war Licht aus der Gegenwart Gottes. Paulus hat etwas
Ähnliches erlebt bei seiner Bekehrung, als er auf dem Weg war nach Damaskus
war, beschrieben in Apg 26, 13. Da ist er auf den Boden gefallen und er sah
ein Licht mitten am Tag, das das Licht der Sonne überstrahlte. Das war kein
Sonnenlicht, das er gesehen hatte, das war Licht aus der Gegenwart Gottes. 1. Tim. 6, 16 sagt: «Gott bewohnt ein unzugängliches Licht.» Und dann sagt
Vers 2, 22, dass bei ihm das Licht wohnt. Aber im Neuen Testament wird nun
von diesem Schöpfungsakt eine geistliche Übertragung gemacht. Wir wollen
das gleich anschauen in 2. Kor. 4.
Paulus spricht über das Problem, dass Menschen blind sein können für die
frohe Botschaft des Evangeliums. Und er sagt, es ist der Gott dieser Welt,
der Teufel, der ihnen ihre Augen verblendet, der ihre Gedanken verblendet,
damit sie das Licht des Evangeliums nicht sehen können. So steht es in 2.
Korinther 4, 4. Aber dann sagt er in Vers 6: «Denn der Gott, der aus der
Finsternis Licht leuchten hieß, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet
hat, zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht
Christi.» Also Paulus sagt: Der Gott, der damals in 1. Mose 1 gesagt hat:
jehi or, es werde Licht, dieser Gott ist es, der in unsere Herzen
hineingeleuchtet hat, in unsere finsteren Herzen, damit wir Gott und sein
Evangelium erkennen konnten.
Also leiten wir etwas Interessantes ab: Der Zustand des Menschen vor der
Hinwendung zu Gott entspricht dem Zustand von 1. Mose 1, 2, tohu vavohu.
Und es können viele von uns ein Lied davon singen, was das konkret
bedeutet. Das Leben der Wüste und Leere ist geistlich zu verstehen:
Finsternis war über der Tiefe, rauschende Wassermenge, innere Unruhe,
Aufgewühltsein; aber dann der Geist Gottes, der wirkt. Nach Johannes 16:
Der Geist Gottes überführt die Menschen von Sünde. Das Wirken des Geistes
Gottes, dass es zum Punkt kommen kann, dass Gott sagt: jehi or, es werde
Licht. Und das passt alles wunderbar. Der Mensch ist nach Prediger 7 von
Gott einmal vollkommen erschaffen worden. Aber der Mensch ist in Sünde
gefallen. So wie in 1. Mose 1, 1 alles vollkommen ist, dann haben wir das
Chaos, tohu vavohu in Vers 2, und dann die Neuordnung, indem zuerst Licht
in die Finsternis hineinkommt.
Der zweite Tag
Nun wir kommen schon zum nächsten Tag, Verse 6-8, und da haben wir wieder
Probleme. Da haben wir nämlich den Ausdruck «es werde eine Ausdehnung.»
Luther übersetzt: Feste. Und das hat er so übersetzt, weil schon in der
lateinischen Übersetzung «firmamentum» stand, das Firmament. Das kommt von
englisch «firm» und heißt fest, das kommt von der gleichen Wurzel. Also
eine Feste, firmamentum. Und der lateinische Übersetzer Hieronymus hatte
das schon von der ältesten Bibelübersetzung, der Septuaginta. Die haben
nämlich im 3. Jahrhundert vor Christus schon übersetzt mit «stereoma», und
das heißt auch Feste, etwas Starres. Das ist aber sprachwissenschaftlich
ein Fehler. - Luther war ein ausgezeichneter Bibelübersetzer, er hat die
Bibel gut übersetzt, und manchmal auch zu gut. In Römer 8 hat er zum
Beispiel übersetzt, dass alle Dinge, denen, die Gott lieben, zum Besten
mitwirken. Aber im Grundtext steht nur zum Guten. Da hat er zu gut
übersetzt. Aber es hat seinen Grund, dass eben nicht steht zum Besten,
sondern zum Guten. Das ist Hausaufgabe. -
Wir wollen dem Wort hier nachgehen. Auf Hebräisch steht ja hier das Wort
«raqia», das kommt von der Wurzel «raqa» und bedeutet plätten,
breitschlagen, dünnschlagen. Das Wort bezeichnet daher etwas, das sehr dünn
und weit ausgebreitet ist. Und damit ist es eine schöne Bezeichnung für die
Atmosphäre. Denn diese Ausdehnung wird nämlich nachher in Vers 8 Himmel
genannt. Und wir sprechen ja auch, wenn wir die blaue Hülle sehen, das Blau
kommt ja von der Luft, denn das Weltall ist ja nicht blau, da sprechen wir
auch vom blauen Himmel. Das ist der Lufthimmel, weit ausgebreitet und
hauchdünn. Also in dem Wort raqia steckt gar nichts von Metall oder so
drin. Das haben ja manche in die Bibel hineinlesen wollen und sagen, das
Wort drücke aus, so eine metallene Kuppel. In der revidierten Elberfelder
in der Fußnote steht das zum Beispiel, das könnt ihr grad rausstreichen,
das ist sprachwissenschaftlich nicht haltbar, in dem Wort ist nichts von
Metall drin, aber der Grundgedanke vom Dünnen. Ja, wir kennen zum Beispiel
das Wort «raqa» als Schimpfwort aus der Bergpredigt. Und was heißt das?
Dünnkopf! Also wo gar nichts drin ist. Dünnkopf, Hohlkopf, also da ist gar
nichts drin, so dünn.
Also wir haben hier die Atmosphäre, aber hier am zweiten Tag wird gesagt,
dass Gott von dem Wasser unterhalb einen Teil genommen hat und es oberhalb
der Ausdehnung hingetan hat. Das muss man dann so verstehen, wohl in Form
einer Wasserdunsthülle und das wirkt sich aus – man kann das übrigens
physikalisch nachvollziehen, etwa in einer Höhe von drei Kilometern müsste
das sein, und der Effekt wäre ein starker Strahlenschutz und zweitens ein
Treibhauseffekt, der das Klima gleichmäßig über die ganze Erde verteilt.
Aber heute finden wir nichts mehr davon. Viele von uns sind schon auf zehn
Kilometern gewesen und wir haben nichts davon gesehen. Aber wir werden
später noch sehen, dass offensichtlich diese Wasserdunsthülle in der
Sintflut abgestürzt ist. Wir werden uns dem noch stellen, denn es ist ja
die Frage, woher kommt das Wasser, das die ganze Erde überflutet werden
kann. Jedenfalls ist es ja so, dass die Bibel mit der Erde beginnt, die
wasserbedeckt ist. Es gibt auch solche, die sagen, in der Bibel steht, die
Erde ist eine Scheibe, dabei wird die Erde ja beschrieben, als etwas, wo
nur Wasser zu sehen ist, das wird hier in Vers 2 mit Erde bezeichnet. Nicht
das Festland wird in Vers 2 als Erde bezeichnet, sondern die Erde als
vollständig von Wasser überflutet. Nur nebenbei gesagt: Das Wasser heute
hier auf der Erde, wenn das Wasser gleichmäßig ausgeglichen wäre, also
sagen wir die tiefen Meeresbecken wären ausgeglichen gegenüber dem
Himalaya, dann reicht das Wasser auf der Erde, um den gesamten Globus 3
Kilometer hoch zu bedecken. Die Wassermenge auf der Erde reicht aus, um
sie, wenn sie gleichmäßig nivelliert ist, drei Kilometer hoch zu bedecken.
Aber wir kommen auf diese Details sowieso noch zurück. Also ich behaupte
jetzt einfach mal, wir müssen damit rechnen, das ist abgestürzt, abgeregnet
bei der Sintflut.
Und nun haben wir hier gleich die Erklärung, dass die Bibel über drei
Himmel spricht. Wir haben nämlich erstens die Atmosphäre, den Lufthimmel.
Zweitens haben wir den Kosmos, den Sternenhimmel, das Weltall, dies
bezeichnen wir ja auch als Himmel. Und jetzt verstehen wir zum Beispiel,
warum in 1. Könige 8, 27 bei der Einweihung des Tempels Salomo zu Gott
sagen konnte: «Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht
fassen; wie viel weniger dieses Haus». Nicht wahr, die heidnischen
Gottheiten, die hatten Platz in Tempeln und ganz kleinen Tempelchen, aber
Salomo sagt, Gott kann gar nicht in einem Allerheiligsten gefasst werden
von 10 mal 10 Metern. Er kann nicht einmal durch den Lufthimmel und nicht
einmal durch den Astralhimmel, den Kosmos, gefasst werden, wie viel weniger
durch dieses Haus. Also haben wir schon zwei Himmel: den Himmel und den
Himmel Himmel. Aber Paulus spricht dann in 2. Korinther 12 davon, dass er
entrückt worden ist, dass er einen Menschen kennt, der entrückt worden ist,
in den dritten Himmel und er nennt ihn das Paradies. Das bedeutet also,
dass das Paradies, der Ort, wo der Thron Gottes ist, nicht identisch ist
mit dem Weltall. Also als Gagarin damals als erster Kosmonaut etwas über
den ersten Himmel hinauskam, über die Lufthülle, da ist er ja
zurückgekommen und hat gesagt: Ich habe Gott nicht gesehen. Diese Aussage
war also nicht gerade umwerfend. Denn die Bibel unterscheidet den dritten
Himmel als etwas, das nicht identisch ist mit dem, was wir da sehen,
Lufthimmel und Kosmos.
Der dritte Tag
Am dritten Tag, Verse 9-13, findet etwas ganz interessantes statt; da
kommt nämlich das Trockene hervor aus dem Wasser, also das Festland.
«jabbaschah», das Trockene, braucht man im Modernhebräisch für das
Festland. Also das Festland wurde sichtbar. Was ist geschehen? Eine erste
geologische Auffaltung! Der Meeresboden wurde verschoben und so kam es zu
einer massiven geologischen Auffaltung und somit zur Bildung des
Festlandes. Und erst hier, am dritten Tag, wird begrifflich das Festland
auch wieder Erde genannt. Aber früher im Text war der Begriff Erde
umfassender, nämlich den ganzen Urozean umfassend war die Erde. Hier wird
es eingegrenzt, mit Erde wird nun das Festland bezeichnet.
Der vierte Tag
Wir haben am vierten Tag die Erschaffung der Lichtträger: Sonne, Mond und
Sterne. Es ist interessant, dass gerade diese Himmelskörper, die bei den
heidnischen Völkern als so wichtige Götter verehrt wurden, so sagt das
jüdische Volk, das Volk Israel, sogar erst am vierten Tag gekommen sind.
Die sind weit hintenan. Und übrigens sind es nur «ma'or», das sind nur
Lampen. Warum den Mondgott verehren, warum die Planeten verehren, warum den
Sonnengott verehren? Das sind gar keine Götter, das sind nur Lichtträger,
Lampen. Und die kamen sogar später erst als die Erde. Nun, hier gibt es
etwas interessantes, da wurden die Sterne sichtbar am Himmel. Aber wenn wir
nun rechnen, ja wie weit weg sind denn diese Sterne, da merken wir, das
sind Distanzen, die den menschlichen Geist absolut übersteigen. Wir sehen
kein Ende und man entdeckt immer weiter entfernte Sterne. Ja, jetzt muss
man rechnen. Vom Licht wissen wir genau wie schnell das ist, also zumindest
wissen wir, wie schnell es heute ist. Es ist nicht einmal sicher, ob diese
Geschwindigkeit immer gleich war. Aber heute ist es 300.000 km in der
Sekunde. Jetzt können wir doch rechnen wie weit diese Sterne sind, dann
können wir rechnen wie lange das Licht gebraucht hat bis hierher. Also
braucht es Milliarden von Jahren. Wenigstens fünf Milliarden Jahre. Nun ist
das eine Rechnung, in dem man den Schöpfer herauslässt. Schöpfung erscheint
immer in einem gewissen Alter, in einem Scheinalter.
Stellen wir uns einmal vor: Hochzeit zu Kana, wundervolle Hochzeit, der
Wein ging aus und dann hat der Herr Jesus, der Sohn Gottes, der Schöpfer,
aus Wasser Wein gemacht. Und der Spezialist hat dann gekostet: wow, - o.k.
er hat das wohl auf Hebräisch gesagt - das ist ja ganz wunderbarer Wein. Er
konnte also schnell denken. Diese Trauben mussten einmal lange reifen, dann
musste man sie ernten, dann musste man sie treten, dann musste man den Wein
lange pflegen, das war eine Sache von Jahren. Dabei hat er es am gleichen
Tag gemacht. Tja, das ist Schöpfungswerk. Schöpfungswerk sieht schon aus,
als wenn es ein Alter hätte. Denken wir ein bisschen weiter. Wir gehen am
sechsten Schöpfungstag in den Garten Eden und sehen da einen jungen Mann,
wunderschön, eine junge Frau, sagen wir fünfundzwanzig Jahre alt. Dabei
sind sie erst an diesem Tag entstanden. Die sind nicht als Baby entstanden.
Oder wir gehen spazieren im Garten Eden und wir sehen viele Bäume – ach
mich hätte es interessiert einen umzuhauen und die Jahresringe zu zählen.
Schöpfung gibt automatisch – es ist Täuschung – aber es gibt automatisch
einen Anschein von Alter. Wenn Gott das Licht leuchten ließ auf die Erde,
dann war das ein Schöpfungsakt. Gott brauchte nicht 5 Milliarden Jahre um
das Licht herzubringen. Aber für uns gibt es bereits den Anschein von
Alter. Aber nur dann, wenn wir Erschaffung ausschließen.
Der fünfte, sechste und siebte Tag
Nun wir finden am fünften Tag die Erschaffung der Tiere im Wasser und in
der Luft. Am sechsten Tag die Erschaffung der Landtiere und dann die
Erschaffung des Menschen, Mann und Frau. Kapitel 2, 1-3, der siebte Tag:
Gott hört auf mit Erschaffen. Das hebräische Wort für ruhen, Gott ruhte am
siebenten Tag, heißt «schabath», klingt ähnlich wie das Hauptwort
«schabbath», Ruhetag. «schabath» heißt ruhen im Sinn von Aufhören, Stoppen,
Fertigsein. Es sagt also überhaupt nicht, Gott sei müde geworden. Das wird
manchmal so vorgeworfen. Das Deutsche würde das vielleicht noch nahelegen,
aber schabbath heißt einfach nur aufhören, stoppen. Gott hat aufgehört zu
erschaffen. Und das ist der Sabbat, in dem Sinn der stoppende Tag. Und ich
habe hier noch zwei Stellen aufgeführt und zwar 1. Mose 8 und Josua 5, wo
das Wort auch vorkommt und ganz eindeutig die Bedeutung von Stoppen, von
Fertigsein im Vordergrund steht.
Charakteristische Ausdrücke in 1. Mose: Sieben mal heißt es, dass es gut
war.
Pause. Wir fahren weiter mit unserem großen Programm. Ich habe gemerkt, dass
etwas nicht ganz klar herausgekommen ist, und zwar das mit dem Fall Satans.
Ich muss mich noch ein bisschen klarer ausdrücken. Ich gehe also davon aus,
Vers 1, im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde, bezeichnet die
vollkommene Erschaffung der Erde und des Weltalls. Dann kam der Fall
Satans, dieses Engelsfürsten, der sein wollte wie Gott, Jesaja 14, 12ff,
Hesekiel 28, 12ff. In Jesaja 14 wird er beschrieben als Geist, der hinter
dem König von Babylon stand und in Hesekiel als Geist, der hinter dem König
von Tyrus stand. Dieser Engelfürst ist gefallen, weil er werden wollte wie
Gott; nach Jesaja 14 zur Erde geschmettert. Und das erklärt dann, warum die
Erde in Vers 2 dann ein tohu vavohu geworden ist. Und dann, - und das alles
gehört in den ersten Schöpfungstag hinein- noch am gleichen Tag finden wir
das Schweben des Geistes Gottes über den Wassern und Gottes Eingreifen,
indem er in die Finsternis Licht leuchten ließ. Ich hoffe, dass es so ein
bisschen klarer geworden ist.
Charakteristische Ausdrücke
Jetzt zu den charakteristischen Ausdrücken:
Sieben Mal kommt gut vor. Wir sehen, die ganze Schöpfung, inklusive
Materie, war alles gut. Sehen wir, wie pervers in der griechischen
Philosophie die Verachtung der Materie, die Verachtung der Ehe, die ja auch
mit zur Schöpfung gehört, der Sexualität, die mit in die Schöpfung hinein
gehört, ist? Das ist eine Perversion des Schöpfungsberichtes. Gott sagt,
dass alles gut war. Darum hatten übrigens die Gnostiker schon früh große
Probleme mit dem Schöpfungsbericht. Die Bibel sagt sieben Mal gut und das
siebte Mal, nachdem nicht nur Adam, sondern auch Eva geschaffen war, dann
heißt es gar sehr gut. Also das braucht es noch, dann ist es sehr gut.
Wir finden mehrere Male, ich habe alle Stellen aufgeführt, das Wort
scheiden. Gott scheidet z.B. zwischen Licht und Finsternis. Ganz wichtig:
Wir haben bei Gott begriffliche Unterscheidung. Er unterscheidet z.B.
begrifflich zwischen Finsternis und Licht, einen nennt er jom, Tag, das
andere lajlah, Nacht. Gott macht begriffliche Unterschiede. Gott scheidet
auch andere Sachen in der Schöpfung. Es ist eben nicht alles einfach eine
Einheit. Merken wir den Unterschied zu den östlichen Religionen? Alles ist
eins?! Und XXX (hier fehlt ein kleiner Teil) des Menschen gibt es gar
nicht, das ist alles nur Einbildung, denn alles ist eins. Die Hindus würden
sagen, alles ist Brahman. Nein, Gott macht ganz klare Unterschiede. Und
dazu gehört auch der vierte Punkt hier.
Zehn Mal finden wir im Schöpfungsbericht den Ausdruck «Art», hebräisch
«mijn». Gott hat Pflanzen nach ihrer Art geschaffen, Tiere nach ihrer Art,
oder nach ihren Arten. Wobei Achtung: Das Wort mijn darf man nicht einfach
mit dem heute gebräuchlichen biologischen Artbegriff gleichsetzen. Und zwar
weil es im Laufe der Biologiegeschichte Artaufspaltung gegeben hat. Am
Besten kann man das zeigen beim Hund. Denn in den letzten dreihundert
Jahren hat man etwa dreihundert verschiedene Hundearten hingekriegt. Die
kommen aber alle von dem gleichen Urhund. Das heißt also, das genetische
Vermögen, der genetische Pool, der sehr riesig sein kann, ist in den
Tierarten enthalten und dadurch kann es zu Artaufspaltungen kommen. Aber
alle Hunde sind gewissermaßen eine Art oder alle 140 Entenarten, die es
gibt, ist eigentlich eine Art. Oder man kann z. B. kreuzen Tiger und Löwe.
Alles also, was sich z.B. kreuzen lässt, direkt oder indirekt, das geht
zurück auf eine Urart. Darum muss man also klar unterscheiden, man darf
nicht sagen, die heutigen Arten in der Biologie, das sei prinzipiell das
Gleiche. Aber was wir sehen ist, Gott hat am Anfang nicht eine Uramöbe
geschaffen und dann ist es irgendwie von selber gegangen: von der Amöbe bis
zu Goethe. Nein, sondern mehrere Arten nebeneinander. Also sie können, oder
die Kinder, dem Biologielehrer sagen: Sie glauben an eine monophyletische
Entstehung des Lebens, alles ist aus einem Stamm hervorgekommen, eben von
der Amöbe aus. Ich glaube an eine polyphyletische Entstehung, d.h. dass es
verschiedene Urarten nebeneinander gegeben hat und von daher kommt die
Artfülle heute. Zehn Mal kommt dieser Ausdruck in 1. Mose vor.
Elf Mal liest man: Gott sprach. Und denken wir noch an Psalm 33, 9: «Er
gebot und es war, er sprach, und es stand da.» Das braucht keine Zeit. Gott
spricht und es wird. Gott gebietet und es steht da. Gott braucht keine
Zeit. In Kapitel 1 wird immer von Gott gesprochen, Gott, Gott, Gott,
Hebräisch Elohim. Aber wir sehen, jetzt in Kapitel 2 wird Gott immer
genannt Jahwe Elohim, der HERR Gott. Sehr früh hat man dann die Idee
entwickelt, nicht so früh, in der neueren Zeit erst, 18. Jahrhundert, dass
das auf verschiedene Quellen zurückgehen könnte, dass also ein Schreiber,
und das war nicht Mose, immer über Elohim schreibt und ein anderer
Schreiber schreibt immer über Jahwe. Und so hat sich dann die
bibelkritische Hypothese JED. Petrus entwickelt, wo man unterscheidet, der
Jahwist, der Elohist, der Deuteronomist und der Priester. Man wollte also
sagen, Mose hat die Bücher nicht geschrieben, das sind verschiedene Quellen
und das merkt man, es gibt verschiedene Stile: Kapitel 1 immer Elohim,
Kapitel 2 immer Jahwe Elohim. Nun, da hat man aber nicht geachtet darauf,
dass die biblischen Gottesnamen eine Bedeutung haben.
Erklärung: Elohim bezeichnet Gott den Schöpfer und Erhalter des Weltalls.
Schön ist beispielsweise 1. Chronik 18, 31. Josaphat ist im Krieg. Die
fremden feindlichen Armeen kommen hin, sie wollen den König töten. Josaphat
schreit zu dem HERRN, betet, schreit und dann heißt es im gleichen Vers,
dass Jahwe ihm hilft und Elohim wandte die Heere von ihm ab. Ich muss
erklären: Das Wort Jahwe bezeichnet in der Bibel ganz speziell Gott, der in
Bundesbeziehung zum Menschen steht. Der Name des Bundesgottes. Ich habe
hier die Stelle angegeben, in 2. Mose 6. Also Jahwe hilft dem Josaphat,
antwortet ihm, der in der Not ist, weil er eine Beziehung hat zu ihm. Aber
Er, der Mächtige, der Erhalter des Weltalls, kann die Armeen von ihm
wegwenden. Sind das zwei verschiedene Schreiber, die den einen Vers dort
geschrieben haben? Nein, das hat seine Bedeutung.
Zum Beispiel im Predigerbuch, geschrieben von Salomo, da kommt nur, und
zwar 40 Mal, der Name Elohim vor. Salomo beschreibt eine Zeit, wo er mit
Gott keine Beziehung hatte, und darum Elohim, Gott, Gott. Alles ist eitel,
sagt er vom Leben enttäuscht. Aber in den Sprüchen, dort kommt praktisch
nur der Name Jahwe vor, aber auch ein großer Teil von Salomo geschrieben.
Im Buch der Sprüche haben wir 87 Mal Jahwe und nur 5 Mal Elohim. Sind das
verschiedene Schreiber? Nein, aber in den Sprüchen finden wir einen
Menschen, der in Beziehung zu Gott steht und seine Weisheit bekommt. Und
nun, in 1. Mose 1 haben wir eine Übersichtsbeschreibung der Erschaffung der
Welt. Gott der Erschaffer der Welt, Elohim. In Kapitel 2 finden wir eine
Detailbeschreibung von der Erschaffung des Menschen und wie Gott mit Adam
einen Bund schließt, Jahwe. Aber weil er dort auch als Schöpfer beschrieben
wird, Elohim. Darum Jahwe Elohim. Also der Gebrauch der Gottesnamen ist
ganz stimmig. Also nun, in Kapitel 1, Gott erschafft alle Dinge, Kapitel 2
eine detaillierte Beschreibung, wie Gott den Menschen erschafft und mit ihm
einen Bund aufstellt mit dem Verbot, von dem einen Baum, dem Baum der
Erkenntnis, zu essen. In Hosea 6 wird das als Bund bezeichnet, Bund mit
Adam, den er übertreten hat. Also die Quellenscheidungstheorie können wir
vergessen, die ist völlig unhaltbar, aus vielen anderen Gründen auch noch.
Wichtig ist zu sehen, in 1. Mose 1 haben wir eine wunderbare Symmetrie.
Am ersten Tag geht es um Licht, am zweiten um Wasser und Luft, am dritten
um Land. Dann kommt eine zweite Serie, da geht es wieder um Licht, am
vierten Tag, da wurden die Himmelskörper geschaffen, am fünften Tag die
Geschöpfe im Wasser und in der Luft, und am sechsten Tag die Landtiere und
der Mensch auf dem Land. Also eine wunderbare symmetrische Struktur haben
wir hier. Jetzt etwas ganz Interessantes: Wie haben sich die biblischen
Völker rund um Israel die Entstehung der Welt vorgestellt? Und darüber
wissen wir heute sehr viel, seit wir so viel Keilschrift aus dem Nahen
Osten haben. Und jetzt müssen wir uns ja vorstellen: Nach der Bibel haben
ja all die Völker einen gemeinsamen Ursprung, wie wir noch deutlicher sehen
werden, zurück bis auf Noah. Also man kann erwarten, dass diese Völker von
Noah her ein Wissen mitbringen konnten von den Dingen, die vor der Flut
waren bis auf die Schöpfung. Jetzt wollen wir einmal diese heidnischen
Schöpfungsvorstellungen ganz kurz miteinander anschauen und sehen, ob wir
hier irgendwelche Übereinstimmungen finden.
Andere Schöpfungsüberlieferungen
Die Kanaaniter, nach der Überlieferung von Philo, sprachen von der
Schöpfung so: Am Anfang gab es eine dunkle windartige Luft und ein dunkles
schlammiges Chaos und daraus entsteht die Schöpfung in Form eines Eies. Tja
wir haben am Anfang den Geist Gottes. Ruach bedeutet Wind oder Geist, das
gleiche Wort. Ruach Elohim kann einen heftigen Wind bedeuten oder der Geist
Gottes. Und wir finden ein tohu vavohu und Wasser, ein dunkles schlammiges
Chaos und daraus entsteht Weiteres.
Dann gehen wir zum Gilgamesch-Epos bei den Sumerern, dem Bericht
«Gilgamesch, Enkidu und die Unterwelt». Diese Schöpfungsvorstellung spricht
über die Zeit als Himmel und Erde voneinander getrennt wurden durch Enlil,
den Gott der Luft. Eigentümlich, Himmel und Erde werden getrennt durch die
Luft. Was haben wir am zweiten Schöpfungstag? Die Ausdehnung, die scheidet
zwischen den Wassern unterhalb und den Wassern oberhalb. Eigentümlich! Aber
jetzt alles schon mit Naturgottheiten eben identifiziert, da wird über
Enlil, den Gott der Luft, gesprochen, der diese Scheidung vollzieht. Es
gibt eine andere Überlieferung bei den Sumerern, die sagt, die Göttin
Nammu, das ist die Personifizierung des Süßwasserozeans, bringt Himmel und
Erde hervor. Und Himmel und Erde vereinen sich in einer kosmischen Hochzeit
und da bringen sie Erde, Kräuter, Wein und Honig hervor. Beginnt also auch
mit einem Urozean, der Himmel und Erde hervorbringt und diese ließen durch
Vereinigung in der Folge die Erde mit ihren Kräutern und Erzeugnissen
entstehen. In dem Bericht Enki und Ninmach, da klagen die Götter über die
Schwierigkeit der Nahrungsbeschaffung. Und der Gott Enki erschafft dann den
Menschen, um den Göttern Nahrung zu beschaffen. Aber interessant ist ja, in
der Bibel sehen wir, wie Adam ein Bauer ist, den Boden bebauen muss – wir
werden diese Verbindung noch deutlicher sehen nachher. Es gibt in Sumer
auch das sogenannte Lehrgedicht von der Hacke. Enlil, der Gott der Luft,
erschafft nach der Trennung von Himmel und Erde, die Hacke. Er machte damit
ein Loch in die Erde und daraus wuchsen die Menschen hervor. Danach wurden
die Gottheiten Lachar und Aschnan geschaffen, die Götter für Vieh und
Getreide, und so entstanden Viehzucht und Ackerbau. Aber interessant ist
auch hier wieder die Verbindung: der Mensch wird geschaffen in Verbindung
mit dem Ackerbau. Und in 1. Mose 2 wird ja der Mensch berufen, den Garten
zu bebauen und zu bewahren, als Ackersmann.
Jetzt kommen wir zu Babylonien und Assyrien. In dem babylonischen Epos
«Enuma Elish» geht es so los: Am Anfang existieren Apsu (Süßwasserozean)
und die Göttin Tiamat (Salzwasserozean). Verbindung also auch mit den
Urwassern. Die Vermischen sich und da entstehen neue Götter. Und dann gibt
es zwischen den jüngeren und den älteren Göttern Streit. Da kommt es zu
ganz brutalen Auseinandersetzungen und Marduk geht daraus als Sieger
hervor, in diesen Abschlachtungen von Göttern und Göttinnen, und er ordnet
die Sternbilder und regt die Erschaffung des Menschen aus Blut an. Also
auch da haben wir gewisse Parallelen, nebst all dem mythischen.
Wir gehen nach Ägypten. Hier wird's noch interessanter. Es gibt
verschiedene Schöpfungsvorstellungen. Zuerst in Heliopolis, das ist Kairo.
Atum, der Sonnengott, erscheint auf einem Urhügel, der sich aus dem
Urozean, das ist der Gott Nun, erhob. Atum erzeugt, - es gibt da zwei
verschiedene Versionen – nach der einen Version ein Geschwisterpaar, die
Gottheiten Schu (Luft) und Tefnut (Feuchtigkeit). Und danach entstehen die
Gottheiten Geb (Erde) und Nut (Himmel). Anfangs waren sie vereint, später
wurden sie durch Schu (die Luft) getrennt. Eigentümlich, auch hier wieder
diese Trennung von Himmel und Erde durch die Luft. Und es beginnt auch
gewissermaßen mit einem Urozean und mit dem Sonnengott Atum: Licht. Licht
beim ersten Schöpfungstag. Wir gehen nach Memphis. Dort steht der Gott Ptah
im Mittelpunkt und von ihm wird gesagt, er erschuf durch sein
schöpferisches Wort. Was er denkt und danach ausspricht wird Wirklichkeit.
Ist doch frappant! Gott sprach, Gott sprach, Gott sprach. Aber da gibt es
noch andere Götter, die sind symbolisiert als seine Zähne und seine Lippen
und diese dienen ihm als Hilfsmittel. Also der ganze Polytheismus hat alles
verfremdet und entstellt. Ptah bestimmt dann den Göttern Kultorte und
verlangt ihre Verehrung.
Jetzt gehen wir nach Theben. Dort sagt man, am Anfang gab es acht Götter,
vier männliche und vier weibliche, die werden dargestellt als Frösche oder
Schlangen. Die befinden sich am Anfang auf der Flammeninsel, der
Geburtsstätte des Sonnengottes. Die acht Götter sind Nun und Naunet
(Urozean), Huh und Hauhet (die Unendlichkeit), Kuk und Kauket (die
Finsternis) und – das ist nicht ganz klar – entweder Amun und Amaunet (das
Unsichtbare) oder Niau und Niaut (das Nichts). Aber ich glaube, es ist doch
frappant, dass überall diese Parallelen da sind. Und wenn man jetzt noch
weitergeht, über den Nahen Osten hinaus, in alle Kontinente, auch da kann
man diese Parallelen finden. Ich habe gerade kürzlich einen
Schöpfungsbericht bei den Maori gefunden, das ist praktisch wie in der
Bibel. Und die haben das von ihren Vorfahren noch, dieses Wissen, zum Teil
ist es auch massiv verzerrt, aber das ist ja auch zu erwarten bei einer so
langen mündlichen Überlieferung.

