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Wenn Gott zertrümmert und wieder aufbaut

Das Buch des Propheten Amos, Teil 13/13
21.03.2023Amos 9,1-15
SERIE - Teil 13 / 13Das Buch des Propheten Amos
Was passiert, wenn alles zerbricht – und gibt es danach wirklich Hoffnung? Das Buch Amos zeigt: Gott richtet gerecht und gnadenlos, es gibt kein Entkommen vor seinem Blick. Doch trotz Gericht verspricht er Wiederaufbau und Rettung – nicht nur für Israel, sondern für alle, die sich zu ihm wenden. Wie kann Gottes Zorn und seine Liebe gleichzeitig wahr sein? Und warum lohnt sich ein Neuanfang mit Gott auch heute noch?

Die Zerstörung Deutschlands und der Beginn des Wiederaufbaus

  1. Mai 1945: Deutschland gleicht einem einzigen Trümmerhaufen. Die Luftangriffe der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs hinterlassen in Deutschland eine Milliarde Tonnen Schutt und Gestein. Jede Stadt mit mehr als 50 Einwohnern ist betroffen.

Ich habe gehört, Heidelberg ist stehen geblieben, während Mannheim zerbombt wurde. Die Luftangriffe der Alliierten verfolgen dabei vor allem das Ziel, die Infrastruktur und die Industrie zu schwächen, um auf diese Weise ein schnelleres Kriegsende herbeizuführen – und das mit Erfolg.

 Am 7. Mai 1945 unterzeichnet Deutschland die Kapitulationsurkunde, die dann einen Tag später in Kraft tritt. Die Alliierten übernehmen die Regierungsgewalt. In dieser Gegend waren es die Amerikaner.

Nach der Zerstörung helfen sie auch beim Wiederaufbau. Erst wurde zertrümmert, dann wieder aufgebaut. Besonders bekannt ist das Aufbauprogramm des US-Außenministers George Marshall, der sogenannte Marshall-Plan, dessen Name heute noch in unserem Wortschatz verwendet wird.

Durch diesen Marshall-Plan erhält Deutschland neben anderen europäischen Ländern Hilfe für den Wiederaufbau in Form von Finanzen, Rohstoffen, Lebensmitteln und Sachgütern. Also: Zuerst wurde zerstört, aber dann auch wieder aufgebaut.

Gottes Gericht und die Endabrechnung im Buch Amos

Und das ist das letzte Thema im Buch Amos: Wenn Gott zertrümmert und wieder aufbaut. Wir haben Amos bisher als einen Propheten kennengelernt, der sehr viel Gericht predigt – sehr viel. Kaum ein anderer Prophet spricht, gemessen an der Länge des Buches, so viel Gericht aus wie Amos.

Auch in diesen Versen geht es zunächst einmal um Gericht. Ich sage „zunächst einmal“, weil das Buch Amos einen hoffnungsvollen Schluss hat, mit dem ich euch heute Abend dann auch entlassen möchte.

Kommen wir zum ersten Punkt: Die Zertrümmerung. Gott rechnet ab. Es ist sozusagen die Endabrechnung Gottes. Die ersten Verse des Kapitels 9 zeigen uns eine ausweglose Situation des sündigen Volkes.

In Vers 1 heißt es: „Ich sah“ – also wieder eine Vision, die Amos hat – „den Herrn über dem Altar stehen, und er sprach: Schlage an den Knauf, dass die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen. Und was noch übrig bleibt von ihnen, will ich mit dem Schwert töten, dass keiner von ihnen entfliehen noch irgendeiner entkommen soll.“

Amos sieht wieder eine Vision, mittlerweile ist es die fünfte Vision im Buch Amos. Er sieht Gott auf einem Altar stehen. Wahrscheinlich ist hier das Heiligtum in Bethel gemeint. Dort stand ein Altar, und Gott gibt den Befehl: „Schlage an den Knauf, dass die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen.“

Was ist ein Knauf? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen. Der Knauf ist das letzte Stück an einer Säule. Damals wurden Gebäude – wie auch hier – durch Säulen im Raum gestützt. Die Decken ruhten auf diesen Säulen, und das obere Stück der Säule wurde verziert. Dieses obere Stück nennt man den Knauf.

Der Gedanke ist: Wenn man gegen diesen Knauf schlägt, kippt die Säule um, und das ganze Gebäude stürzt ein. Simson lässt grüßen – im Alten Testament bei den Philistern hat er zwei Säulen umgeworfen, und das ganze Gebäude stürzte ein.

Und genau das befiehlt Gott hier. Gott zertrümmert. Er sagt: Jetzt wird abgerechnet, und es wird kein Entkommen geben.

Die ausweglose Lage und Gottes unerbittliches Gericht

Schaut mal in den Versen zwei bis vier, da werden sämtliche Fluchtoptionen aufgegriffen. Könntet ihr vielleicht dahin fliehen? Nein. Könntet ihr dahin fliehen? Nein. Und wenn sie sich auch unten bei den Toten vergruben, so soll doch meine Hand von dort sie holen. Und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen. Und wenn sie sich auch versteckten oben auf dem Berg Kamel, will ich sie doch suchen und von dort herabholen. Und wenn sie sich vor meinen Augen verbergen im Grunde des Meeres, so will ich doch der Schlange befehlen, sie dort zu beißen. Und wenn sie vor ihren Feinden gefangen einhergehen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten, denn ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.

Schau mal, was hier passiert. Hier werden zunächst einmal einige Fluchtoptionen aufgegriffen. Zunächst wird in Vers 2 der höchste und tiefste Punkt im Kosmos erwähnt. Das Totenreich ist der tiefste Punkt, der Himmel der höchste Punkt. Und Gott sagt: Selbst wenn ihr da unten hinflieht oder da oben hinflieht, ich kriege euch. Die Logik gilt natürlich auch überall dazwischen.

Dann greift Amos den damals höchsten geografischen Punkt und den tiefsten Punkt auf: den Berg Kamel und den Boden des Meeres. Hätte Amos das Buch heute geschrieben, hätte er den Mount Everest als geografisch höchsten Punkt und den Marianengraben als tiefsten Punkt erwähnt. Und Gott sagt: Selbst wenn ihr euch da verstecken würdet, ich würde euch bekommen.

Dann denken die Leute nach: Okay, aber was ist, wenn wir nicht fliehen, sondern wenn unsere Feinde uns in die Gefangenschaft bringen? Dann ist das doch vielleicht eine Möglichkeit zu überleben. Diese Möglichkeit wird in Vers 4 abgewiesen: Und wenn sie von ihren Feinden gefangen einhergehen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten.

Und dann heißt es am Ende von Vers 4: Denn ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten. Das ist ein harter Text. Das steht in der Bibel, das steht nicht im Koran. Das hier ist Bibel. Und Gott sagt: Ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.

Wie können wir das einordnen? Vielleicht sitzt du jetzt hier und sagst: Moment, das bereitet mir jetzt Probleme in meinem Gottesbild. Ich will das euch ein bisschen erklären.

Gottes Geduld und das Ende der Gnade

Grundsätzlich verfolgt Gott immer gute Absichten. In Jeremia 29,11 heißt es: „Hört genau hin! Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke“, spricht der Herr, „Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“

Gott liebt Menschen, er ist gerne gnädig und sehr geduldig. Wieso aber ist Gott an dieser Stelle so zornig, dass er sagt, es gibt jetzt keine Gnade mehr für euch? Jetzt wird gerichtet.

Ich möchte diese Situation nutzen, um das Buch Amos hier am Ende unserer Bibeltage noch einmal ganz kurz zusammenzufassen und zu erklären.

In Kapitel 2 haben wir gesehen, wie Gottes Gnade aufgeleuchtet hat. Gott war gnädig und hat dem Volk viele Gnadenerweise erwiesen. Er hat Israel aus der Sklaverei befreit, sie vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt und versorgt. Außerdem hat er ihnen ein ausgezeichnetes Land gegeben und durch die Propheten zu ihnen gesprochen. Doch sie missachten alles und treten seine Gnade mit Füßen.

In den Kapiteln 2 und 3 haben wir gesehen, dass Gott durch die Propheten zur Umkehr ruft. Doch das Volk sagt den Propheten, sie sollen nicht mehr predigen.

Was haben wir in Kapitel 4 gesehen? „Der Ofen ist aus“ – das war die Predigt. Gott setzt sämtliche Dinge in Bewegung und erzieht das Volk, damit es umkehrt. Immer wieder heißt es in Kapitel 4: „Dennoch seid ihr nicht umgekehrt.“ Gott hat es sehr, sehr lange versucht.

Dann erinnern wir uns an Kapitel 5, an das Lied vom Tod mit dem Refrain vom Leben. Gott sagt immer noch: „Sucht mich, und ihr werdet leben.“ Aber sie suchen ihn nicht.

In Kapitel 7 haben wir die Gerichtsvision betrachtet, die wir uns gestern angeschaut haben. Zwei Visionen zeigt Gott, die er über das Volk bringen will. Amos bittet: „Bitte vergib, Herr, sei geduldig!“ Doch Gott sagt: „Es soll nicht geschehen.“ Und das Volk hat im Herbst immer noch keine Buße getan.

Schaut mal: Wir wären nicht so geduldig, oder? Gott ist viel geduldiger als wir. Er lässt Raum zur Buße. Übrigens lässt Gott auch in deinem Leben Raum, um Buße zu tun. Er hat schon so viel Geduld mit dir gehabt.

Wenn das Volk aber permanent seine Gnade mit Füßen tritt, dann sagt Gott: „Jetzt ist es vorbei! Der Mensch kann nicht vor Gott fliehen.“

Gottes Allmacht und die Unmöglichkeit der Flucht

Warum kann er nicht vor Gott fliehen?

Die Verse 5 und 6 beschreiben es so: Denn Gott, der Herr Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, sodass sie bebt und alle ihre Bewohner trauern müssen. Er lässt sie sich heben wie die Wasser des Nils und senken wie den Strom Ägyptens. Er ist es, der seinen Saal im Himmel baut und seinen Palast über der Erde gründet. Er ruft das Wasser im Meer herbei und schüttet es auf das Erdreich. Er heißt Herr.

In diesen Versen wird die Souveränität Gottes dargestellt. Er ist der Allmächtige. Gott muss die Erde nur anrühren, und sie bebt. Vor diesem Gott kannst du nicht fliehen, wenn er entschieden hat zu richten. Einer meiner Bibelschullehrer sagte immer: „Wenn Gott mit Steinen wirft, hast du ein Problem, denn Gott trifft immer.“

Du kannst vor Gott nicht fliehen.

Ich finde es immer wieder amüsant, wenn man mit kleinen Kindern Verstecken spielt. Vielleicht kennt ihr solche Situationen als junge Eltern. Es ist so, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter denken, wir sehen sie nicht, wenn sie sich die Augen zuhalten. Kennt ihr das?

Ich muss an ein Versteckspiel mit meinem zweiten Sohn, also dem zweitältesten, denken. Er lag auf dem Sofa, hatte nur ein Kissen über seinen Kopf gelegt, und wir spielten Verstecken. Er dachte, er wäre im Versteck. Ich habe mich angeschlichen und so getan, als würde ich ihn nicht sehen. Dann habe ich ihn überrascht. Er war ganz überrascht, dass ich ihn gesehen habe, denn er hatte ja nichts gesehen. Aber das heißt ja nicht, dass ich ihn nicht sehe.

Darüber können wir jetzt wieder schmunzeln. Doch so denken wir manchmal in Bezug auf Gott. Wir meinen, wir könnten vor Gott fliehen. Und für Gott muss es manchmal so sein, als wenn wir sehen, dass das Kind sich vor uns verstecken will, aber es kann sich auf diese Weise nicht vor uns verstecken.

Vielleicht bist du heute Abend auf der Flucht vor Gott. Vielleicht nicht geographisch, aber du weißt, dass du vor Gott nicht fliehen kannst.

Verschiedene Formen der Flucht vor Gott

Es gibt Menschen, die vor Gott fliehen, indem sie der Evolutionstheorie glauben. Sie fliehen in eine vermeintlich wissenschaftliche Theorie. Nun gut, in gewisser Weise ist es eine wissenschaftliche Theorie, doch aus meiner Sicht und aus der Sicht der Bibel ist sie abzulehnen. Es bleibt eine Theorie.

Diese Menschen fliehen nicht unbedingt, weil sie wirklich an die Evolution glauben. Vielmehr wollen sie die Alternative nicht akzeptieren: einen Gott über sich, der ihnen vorschreibt, wie sie zu leben haben. Das wollen sie nicht. Deshalb fliehen sie in eine wissenschaftliche Theorie, die besagt, dass es keinen Gott gibt.

Dann gibt es Menschen, die bereits an die Existenz eines Gottes glauben, aber vor einem gerechten Gott fliehen. Sie sagen: „Mein Gott ist ausschließlich ein Gott der Liebe, und ich kann tun und lassen, was ich will. Der liebe Gott wird mich schon in den Himmel aufnehmen.“ Auch das ist eine Flucht vor Gott.

Die Bibel lehrt deutlich, dass wir vor Gottes Gericht nicht fliehen können. Gottes Gericht am Ende der Zeit ist keine Erfindung des Mittelalters. Es ist auch keine Erfindung der katholischen oder evangelischen Kirche. Es ist biblische Wahrheit.

In Hebräer 10,31 heißt es: „Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen, der zornig ist auf den Sünder.

Zur Zeit von Amos war das eine ausweglose Situation. Doch wir heute sind noch nicht in dieser ausweglosen Lage. Denn es gibt noch einen Ausweg vor dem Zorn Gottes. Dieser Ausweg heißt Jesus Christus. Er hat die Strafe auf sich genommen.

Wenn du Jesus vertraust, dann vergibt Gott dir alle deine Sünden. Du wirst nicht einem zornigen Gott begegnen, sondern einem Vater, einem liebenden Vater, der dich gerechtgesprochen hat.

Darauf werden wir am Ende noch einmal zurückkommen. Zunächst möchte ich hier weitermachen.

Die fatale Illusion des Volkes Israel

Das Volk lebt in einer fatalen Illusion; sie bilden sich etwas ein. Das haben wir inzwischen häufiger gesehen, und die nächsten Verse machen es wieder deutlich.

Ab Vers sieben heißt es: „Seid ihr Israeliten mir nicht gleich wie die Mooren?“, spricht der Herr. „Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kier?“

„Siehe, die Augen Gottes, des Herrn, sehen auf das sündige Königreich, dass ich es vom Erdboden vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht ganz vertilgen will“, spricht der Herr. „Denn siehe, ich will befehlen, und das Haus Israel unter alle Heiden schütteln lassen, gleich wie man mit einem Sieb schüttelt, und kein Stein zur Erde fällt. Alle Sünder in meinem Volk sollen durch Schwert sterben, die da sagen, es wird das Unglück nicht so nah sein noch uns begegnen.“

Die fatale Illusion besteht darin, dass sie denken, sie könnten so weiterleben, Gott werde sie nicht richten. Die Verse davor zeigen, warum das Volk in dieser Illusion lebt.

Da heißt es in Vers sieben: „Seid die Israeliten nicht gleich wie die Mooren?“ Der Begriff „Moor“ ist ein altdeutscher Begriff, den wir früher von den Moorenköpfen kennen. Mittlerweile ist das ein politisch etwas umstrittener Begriff; deswegen bevorzuge ich das Wort, das auch im Hebräischen steht. Im Hebräischen ist hier von den Koschiten die Rede, das sind Menschen aus Äthiopien mit dunkler Hautfarbe. Dabei liegt kein verächtlicher Unterton vor.

Was Amos hier sagt, ist: Er stellt den Israeliten die Menschengruppe vor, die aus ihrer Sicht am fremdartigsten ist. Diese Menschen sind ganz weit weg von ihnen. Und Gott sagt: „Denkt ihr wirklich, ich liebe euch mehr als diese Menschen in Afrika? Die liebe ich genauso wie euch. Ihr seid nichts Besonderes. Bildet euch nicht darauf ein, dass ihr das Volk seid, das ich am meisten liebe.“

Gott möchte ihnen die Illusion nehmen. Und jetzt denkt Israel sich: „Na ja, okay. Aber Gott, du hast uns doch aus Ägypten geführt.“ Und schaut mal, wie der Vers weitergeht: „Habe ich nicht Israel aus Ägypten geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kier?“

Also sagt Gott: „Denkt ihr wirklich, ihr seid etwas Besonderes, weil ich euch aus Ägypten geführt habe? Wusstet ihr, dass ich die Philister auch aus Kaftor geführt habe? Und die Aramäer habe ich genauso behandelt wie euch, die habe ich aus Kier geführt.“ Denkt nicht, dass ihr etwas ganz Besonderes seid und deswegen weiter in der Sünde leben könnt.

In den Versen acht bis zehn wird dann deutlich, dass sich Gottes Gericht immer auf die Sünder bezieht. Gott richtet nie einfach so; er macht immer einen Unterschied.

Deswegen wird im Vers neun das Bild von einem Sieb verwendet. Gott siebt aus, er trennt. Die Sünder werden gerichtet, aber nicht die Gerechten. Somit wird deutlich, dass Gott immer einen Unterschied macht.

Aber das Volk lebt aufgrund einer Erfahrung mit Gott in der Vergangenheit in einer gegenwärtigen Illusion.

Ich möchte euch meine Geschichte erzählen.

Die Bedeutung der gegenwärtigen Lebensführung trotz vergangener Gnade

Es ist die Zeit des Wilden Westens. In einer kleinen Stadt in Amerika löst sich ein Pferd und galoppiert mit einem kleinen Baby im Pferdewagen einfach wild davon. Ein Mann sieht das und erkennt sofort die Gefahr: Da ist ein Baby hinten im Pferdewagen. Er setzt sein Leben aufs Spiel, um das Pferd irgendwie zu stoppen und das Baby zu retten.

Das Baby, das gerettet wurde, wächst auf und wird zu einem Schwerverbrecher. Irgendwann wird dieser Schwerverbrecher gefasst und dem Richter vorgeführt. Dabei erkennt der Verbrecher den Richter wieder als den Mann, der ihm damals das Leben gerettet hat. Er bittet um Gnade auf der Grundlage dieser vergangenen Erfahrung: „Du hast doch damals mein Leben gerettet, bitte sei mir auch jetzt gnädig.“

Der Richter antwortet: „Ja, damals habe ich dir das Leben gerettet, aber heute stehe ich vor dir als Richter. Du bist schuldig und wirst verurteilt.“

Diese Geschichte zeigt: Eine Erfahrung mit Gott in der Vergangenheit rechtfertigt niemals einen gegenwärtigen Lebensstil in Sünde. Vielleicht findest du dich genau darin wieder. Vielleicht warst du hier mal als Kind in dieser Gemeinde, bist mit deinen Eltern mitgegangen oder sitzt heute vor dem Livestream. Du weißt, dass du in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bist und es irgendwann eine Begegnung mit Gott in deinem Leben gab.

Vielleicht denkst du insgeheim: „Na ja, das wird vielleicht reichen für den Himmel.“ Doch eine Erfahrung mit Gott in der Vergangenheit rechtfertigt niemals einen gegenwärtigen Lebensstil ohne Gott. Gott macht da einen klaren Unterschied.

Deshalb fordert uns dieser Text auf, unsere Gottesbeziehung heute zu überdenken: Lebe ich momentan wirklich mit dem Herrn, oder habe ich mich von ihm entfernt? Lebe ich in Sünde?

Wenn das so ist, möchte ich dich einladen, einen Neuanfang mit Gott zu machen.

Gottes Verheissung des Wiederaufbaus und der Erneuerung

Und das führt uns zum letzten Punkt im Buch Amos: zum Wiederaufbau. Gott möchte wiederherstellen, was kaputtgegangen ist. Ihr Lieben, das ist so eine unglaublich gute Nachricht.

Ich lese den ganzen Text einmal vor und möchte ihn dann auf uns anwenden. Da heißt es:

Ab Vers 11: „Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern, und was abgebrochen ist, wieder aufrichten und ich will sie bauen, wie sie vor Zeiten gewesen ist, damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom und alle Heiden, über die mein Name genannt ist“, spricht der Herr, der solches tut.

„Siehe, es kommt die Zeit“, spricht der Herr, „dass man zugleich ackern und ernten, zugleich kältern und säen wird, und die Berge werden von süßem Wein triefen und alle Hügel werden fruchtbar sein. Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, und dass sie Weinberge pflanzen und den Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe“, spricht der Herr, dein Gott.

Ihr Lieben, das Buch Amos endet mit einem Happy End. Man könnte im ersten Moment sagen: Woher kommt das plötzlich? Gerade noch so finster, und jetzt plötzlich Licht. Gerade hat Amos Blut und Eisen gepredigt, jetzt predigt er Rosen und Lavendel. Wie kommt dieser Unterschied zustande?

Erst Verwüstung, jetzt Verheißung; erst Abbruch, jetzt Aufbau; erst Fluch, jetzt Segen; erst vorbei und jetzt doch nicht vorbei. Wie können wir das einordnen?

Wir müssen verstehen, dass sich diese Zusage nicht an die Zeitgenossen von Amos richtet. Die Sünder zur Zeit von Amos, die er vor sich hatte, als er ihnen gepredigt hat, sind tatsächlich gerichtet worden – im Jahr 722 durch die Assyrer.

Aber Gott ist ein treuer Gott, der zu seinen Zusagen steht und der mit denen weitermacht, die sich zur Zeit von Amos nicht gebeugt haben unter Baal, unter die Götzen. Mit denen macht Gott weiter, und Gott kündigt hier an: Er wird sein Volk wieder segnen.

Ja, er muss jetzt zertrümmern, aber er lässt nicht los. Er macht weiter, er wird wieder aufbauen, was er zertrümmert hat.

Schaut mal in Vers 11, da heißt es: „Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten.“ Wisst ihr, worum es hier geht? Es geht hier um den David-Bund.

Gott hat David ein Versprechen gegeben. Es war die Zeit, dass David ein Haus für Gott bauen wollte, und Gott sagt: „Nein, nicht du baust mir ein Haus, ich baue dir ein Haus“ – und zwar eine ewige Dynastie. Gott gibt David ein Versprechen: Es wird immer einen Sohn Davids auf dem Thron geben.

Und wisst ihr, wie das Neue Testament anfängt? Das Neue Testament fängt im Matthäus-Evangelium mit einem Geschlechtsregister an, in dem aufgezeigt wird, dass Jesus ein Sohn Davids ist.

Das heißt, das, was wir hier haben, mitten in dieser düsteren Zeit voller Sünde, ist eine Verheißung: Der Messias wird kommen, der Retter wird kommen.

In Matthäus 1, Vers 21 gibt der Engel Joseph den Auftrag: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“

Ihr Lieben, Jesus ist der Retter. Er kann von allen Sünden retten, und das wird hier in Amos 9, Vers 11 schon aufgezeigt. Die davidische Linie wird weitergehen, der Retter wird kommen, der das Problem der Sünde ein für alle Mal beseitigt.

Das ist unser Herr Jesus, der am Kreuz für dich gestorben ist, um deine Sünden zu bezahlen.

Dann heißt es hier weiter in Vers 12: „Damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom und alle Heiden, über die mein Name genannt ist“, spricht der Herr, der solches tut.

Wir haben nicht mehr ganz die Zeit, ausführlich hier theologisch reinzugehen, aber hier ist der Abraham-Bund im Blick.

Gott hat Abraham versprochen: Durch dich werden sogar die Heiden gesegnet sein. Die Heiden werden irgendwann auch dazugehören zum Volk Gottes.

Interessanterweise gibt es im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte 15, eine theologische Debatte: Gehören die Heiden zur Gemeinde, oder müssen sie sich erst beschneiden lassen? Müssen sie erst Juden werden?

Und mitten in dieser theologischen Debatte steht Jakobus auf – ihr könnt es nachlesen in Apostelgeschichte 15 – und Jakobus zitiert, wisst ihr welchen Vers? Amos 9, Vers 12.

Danach war alles klar: Die Heiden gehören dazu zur Gemeinde, auch sie haben einen Platz im Volk Gottes. Und damit sind wir gemeint, ihr Lieben.

Das wird in Amos 9, Vers 12 verheißt.

Und dann wird in den Versen 13 bis 15 ein unfassbarer Segen geschildert.

Da heißt es: „Siehe, es kommt die Zeit“, spricht der Herr, „dass man zugleich ackern und ernten, zugleich kältern und säen wird, und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein.“

Wisst ihr, was das bedeutet, wenn man zugleich erntet und ackert? Weizen erntet man normalerweise im April oder im Mai, und ackern tut man erst wieder im Oktober. Dann pflügt man das Feld wieder für die neue Saat.

Und wenn Amos sagt, der Segen Gottes wird so groß sein, dass man zugleich erntet und ackert, bedeutet das, dass die Ernte sich so weit zieht, dass sie im Oktober immer noch nicht fertig sind mit der Ernte.

Also ein unfassbarer landwirtschaftlicher Segen.

In Vers 14 sagt Gott: „Ich werde das Schicksal des Volkes wenden.“ Ja, sie gehen in die Gefangenschaft, aber ich werde die Gefangenschaft wenden.

Ihr Lieben, Gott kann Schicksale wenden. Gott kann Schicksale in deinem Leben wenden. Das kann er, er hat die Macht dazu.

Und in Vers 15 heißt es, dass Gott ihnen Frieden und Wohlstand verheißt im verheißenden Land.

Ich persönlich denke, dass diese Segensverheißungen vor allem Israel gelten und dass sie sich im tausendjährigen Reich, also in den Versen 13 bis 15, auf das tausendjährige Reich beziehen.

Aber, ihr Lieben, wir können so viel aus diesem Text lernen, denn schaut mal: Dreimal finden wir am Ende dieses doch so düsteren Buches Amos Gottes Zusage: „Ich will.“

Gott sagt: Ich will, ich will wiederherstellen, was kaputtgegangen ist. Ich will die Risse wieder zumauern, ich will wieder aufbauen.

Was für eine wunderbare Botschaft!

Gottes Angebot der Erneuerung für unser Leben

Und vielleicht sitzt du heute Abend hier, mein lieber Freund, oder vor dem Livestream und denkst: In meinem Leben ist schon so viel passiert. Da hat sich so viel Sündenschutt angehäuft, das kann nicht mehr gut werden.

Gott sagt dir heute: Ich will. Gottes „Ich will“ steht fest.

Ich stelle fest, dass manchmal ältere Christen, Geschwister auch aus unserer Gemeinde, plötzlich wieder ins Zweifeln kommen, je näher der Tod rückt. Sie stellen sich die Frage: Wer hat es hier geschafft, am Ende dabei zu sein?

Ich kann dir heute sagen: Gott sagt, ich will.

In Philipper 1,6 heißt es: „Ich habe in dir das gute Werk begonnen, ich werde es vollenden in dir.“ Gott sagt dir heute ermutigend: Ich will. Mein „Ich will“ steht.

Ich muss an die Begebenheit denken, wenn ich an Gottes „Ich will“ denke – an die Szene im Garten Gethsemane. Jesus hat Angst vor dem Kelch. Der Kelch ist der Zorn Gottes über die Sünde. Jesus hatte keine Angst vor dem Sterben, er hatte keine Angst vor den Römern, aber in diesem Moment fürchtete er den Zorn Gottes.

Jesus betet und sagt: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“

Und, ihr Lieben, wir wissen, wie die Situation ausgegangen ist. Jesus ist am Kreuz gestorben. Mit dem Blut Jesu sagt Gott: Ich will. Ich will den Sünder retten. Deshalb geht mein Sohn ans Kreuz, weil ich den Sünder retten will.

Gott sagt dir heute: Ich will. Ich will dich retten. Ich will dir deine Sünden vergeben.

Vielleicht denkst du: Ich bin schon so viele Meilen von Gott weggegangen. Weißt du was? Der Rückweg ist immer nur ein Schritt. Du bist immer nur ein Schritt von Gott entfernt, egal wie weit du schon gegangen bist. Der Weg zurück – wenn du ihn gehst – Gott läuft dir entgegen, wie beim verlorenen Sohn.

Ich habe euch ein Bild mitgebracht: ein ziemlich kaputtes Haus. Dieses Haus ist ein Trümmerhaufen. Es wurde lange von allen Leuten als hoffnungsloser Fall angesehen. Ich meine, das ist wirklich kaputt.

Vielleicht sitzt du heute Abend hier und sagst: Das ist mein Leben. André, du beschreibst gerade mein Leben. Mein Leben ist kaputt. Wenn du wüsstest, was in meinem Leben alles schiefgelaufen ist. Mein Leben ist eine Bruchbude. Da hat sich so viel Sündenschuld angehäuft. Ich habe so viel falsch gemacht. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, wieder aufzuräumen. Kann Gott mir überhaupt noch so eine Bruchbude vergeben?

Weißt du, es gab einen Tag, an dem sich ein Mann über dieses Haus erbarmt hat. Er hat es gekauft, diese Bruchbude, und er hat angefangen, Stück für Stück neu zu machen.

Und das möchte ich dir heute Abend mitgeben: Gott kann dein Leben neu machen. Jesus möchte in dein Leben kommen, und er kann dein Leben neu machen.

Glaube nicht der Lüge Satans, dass du zu weit weg bist von Gott, als dass er dir nicht vergeben kann. Das Einzige, was du tun musst, ist, dich als Sünder zu bekennen und zu ihm zu kommen, zu kapitulieren und zu sagen: Jesus, vergib du mir meine Sünden. Komm du in mein Leben. Ich möchte mich für dich entscheiden. Sei du der Herr in meinem Leben und regiere du in meinem Herzen.

Ich lade dich ein, heute zurückzubleiben, wenn du dich bekehren möchtest. Wenn du vor dem Livestream sitzt und sagst: Ja, das ist die Entscheidung, die in meinem Leben ansteht, dann möchte ich dich einladen, heute vor dem Livestream zu beten.

Bekenne Jesus deine Sünden. Nenne sie beim Namen, alles, was du falsch gemacht hast. Bitte ihn, dir zu vergeben und in dein Leben zu kommen.

Denn Gott sagt: Ich will. Ich will nicht den Tod des Sünders, ich will das Leben.

Einladung zur Erneuerung und zum öffentlichen Glaubensbekenntnis

Aber, ihr Lieben, die meisten von uns, die heute Abend hier sitzen, leben schon seit längerer Zeit mit dem Herrn. Vielleicht sind es fünf Jahre, vielleicht zehn Jahre. Vielleicht sitzt du heute Abend hier und lebst schon seit fünfzig Jahren mit dem Herrn.

Auch in unserem Leben als Christen kann sich wieder viel Schutt ansammeln. Es gibt Dinge, bei denen wir es mit der Sünde in unserem Leben zu leicht nehmen. Vielleicht hast du heute Abend festgestellt, dass in deinem Leben vieles brachliegt.

Dann lade ich dich ein, heute eine Erneuerung in deinem Glauben zu erleben. Sage: Herr, ich will einen Neuanfang mit dir machen. Denn du sagst: Ich will. Dann komme ich zu dir und bitte dich: Bitte mach du mich neu. Mach du mein Leben neu!

Vielleicht sitzt du heute Abend hier und glaubst an Jesus, hast deinen Glauben aber noch nie in der Taufe öffentlich bezeugt. Gott sagt dir heute: Ich will. Die Taufe ist ein öffentliches Bekenntnis, bei dem auch du sagst: Ich will. Ich will mit Gott leben.

Ich weiß, dass ihr bald im Sommer wieder eine Taufe hier in der Gemeinde habt. Es wäre doch schön, wenn du dieses Jahr dabei bist. Wenn du sagst, ich will meinen Glauben bezeugen, weil ich verstanden habe, was Jesus Christus für mich getan hat, dann lade ich dich ein, dich bei den Ältesten der Gemeinde schon jetzt für die Taufe zu melden.

Ich wünsche es mir so sehr, ihr Lieben, dass wir das Buch Amos als ein Buch in Erinnerung behalten, in dem Gott am Ende sagt: Ich will. Amen.

Gebetsgemeinschaft und Abschluss

Lasst uns aufstehen und eine Gebetsgemeinschaft bilden.

Herr, auch in einem so düsteren Buch wie Amos zeigst du immer wieder deine Gnade, deine Langmut, deine Güte, deine Liebe und deine Geduld. Wir danken dir dafür, dass das Buch mit diesen hoffnungsvollen Worten schließt.

Ich möchte dich bitten, Herr, dass du heute Abend Menschen rettest – ob sie im Livestream dabei sind oder hier vor Ort. Lass sie heute eine Entscheidung treffen und die Sündenvergebung annehmen. Hilf ihnen, zu dir zu sagen: „Ja, ich will, dass du der Herr in meinem Leben bist, dass du mein Heiland wirst.“

Herr, ich bitte dich für diejenigen, die einen Neuanfang brauchen, weil sie so viel Schutt angesammelt haben. Schenke ihnen den Mut, diesen Schritt zu gehen und mit deiner Hilfe ganz neu für dich zu leben.

Ich möchte dich auch bitten für diejenigen, die sich noch nicht haben taufen lassen. Lass sie die Entscheidung treffen, dir öffentlich zu sagen: „Ich will“, durch die Taufe und damit ihren Glauben bekennen.

Ich bitte dich für diejenigen, die als Besucher hier sind und überlegen, sich wieder einer Gemeinde anzuschließen. Gib ihnen den Mut, sich verbindlich einer Ortsgemeinde anzuschließen und konsequent mit dir zu leben.

Herr, wir bitten dich, wirke auch weiterhin durch das Wort des Propheten Amos, das wir gehört haben.

Amen.

Ihr dürft euch jetzt wieder hinsetzen.