
In der Schule Gottes
Ich möchte diese Predigt mit einem Weisheitswort eines sehr großen Lehrers beginnen. Er lebte vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Er war klein, grün, äußerlich schwächlich, hatte spitze Ohren – und die Experten wissen schon, von wem ich rede. Von wem? Von Meister Yoda, einem Jedi. Ganz genau.
Dieser Yoda hat Weisheitsworte geprägt, die man später auf T-Shirts, Poster und Kaffeetassen gedruckt hat, damit man immer von seiner Weisheit geprägt wird. Unter anderem hat er folgenden schweren Satz gesagt – grammatikalisch völlig verheerend, aber doch so wahr: „Noch viel zu lernen du hast.“ Kein Bibelwort, aber ein gutes Wort, das man sich an den Spiegel hängen kann: Noch viel zu lernen du hast. Wir sind noch nicht fertig.
Und das sehen wir heute auch in unserer Bibelgeschichte. Es gilt auch für die großen Glaubensväter, dass sie nicht von einem Tag auf den anderen fertig waren. Wir haben uns letzte Woche angeschaut, wie Gott dem Jakob in Bethel in der Krise seines Lebens begegnet ist. Er hat ihm seine ganze Gnade und Liebe gezeigt und sein Leben völlig verändert.
Wir haben auch gesehen, wie Jakob aus dem Traum erwacht, aufsteht und sagt: „Jetzt will ich anders leben.“ Er tut Dinge anders, gibt große Versprechen gegenüber Gott und sagt: „Ich weih mein Leben dir, du sollst mein Gott sein.“ Dann lebte er mit Gott Tag für Tag ganz treu in einer erfüllenden Gottesbeziehung – bis er eines Tages starb und heimging zu seinem Vater. Richtig? Nein, ganz anders.
An dem Tag hat Gott etwas mit ihm angefangen, das noch ganz lange gedauert hat. Er begann, Jakobs Leben in die Hand zu nehmen, es zu formen und in der Beziehung mit ihm zu arbeiten. Wir sehen, dass Jakob noch ganz viel nicht verstanden hat – gerade im heutigen Bibeltext.
Ich möchte beten, dass wir die Bedeutung dieser Geschichte für uns wirklich verstehen und uns auch wiederfinden in dieser Geschichte Gottes mit Jakob.
Vater im Himmel, wir danken dir, dass du jetzt hier bist, dass du diesen Gottesdienst gebrauchen willst, um zu uns zu reden, unseren Glauben zu stärken und uns auch zur Umkehr zu bringen, da wo wir noch völlig falsch von dir und auch von uns denken. Wir wollen beten, dass uns dein Wort trifft, verändert und näher zu dir bringt. Amen.
Gottes Führung in Jakobs Reise
Und wir machen das, wie letzten Sonntag, nicht alles auf einmal – das wäre eine Überforderung. Wir gehen Schritt für Schritt durch den Bibeltext, den wir in 1. Mose 29 finden. Ich möchte die ersten acht Verse lesen:
Da machte sich Jakob auf den Weg und ging in das Land, das im Osten liegt. Übrigens sind das Hunderte Kilometer, die er von Bethel aus marschiert ist. Es war also ein langer, langer Fußmarsch.
Er sah sich um, und siehe, da war ein Brunnen auf dem Feld. Drei Herdenschafe lagen dabei, denn von dem Brunnen pflegten sie die Herde zu tränken. Ein großer Stein lag vor dem Loch des Brunnens. Sie pflegten die Herden alle dort zu versammeln, den Stein von dem Brunnenloch zu wälzen und die Schafe zu tränken. Danach taten sie den Stein wieder vor das Loch an seine Stelle.
Jakob sprach zu ihnen: „Liebe Brüder, wo seid ihr her?“ Sie antworteten: „Wir sind von Haran.“ Er fragte: „Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors?“ Sie antworteten: „Ja, wir kennen ihn.“ Jakob fragte weiter: „Geht es ihm auch gut?“ Sie antworteten: „Es geht ihm gut.“ Und siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen.
Jakob sprach: „Es ist noch hoher Tag, und es ist noch nicht Zeit, das Vieh einzutreiben. Drängt die Schafe und geht hin und weidet sie.“ Sie antworteten: „Wir können es nicht, bis alle Herden zusammengebracht sind und wir den Stein von des Brunnens Loch wälzen und dann die Schafe tränken.“
Was Jakob hier erlebt, würden viele als Zufall bezeichnen. Er marschiert Hunderte Kilometer und kommt ganz zufällig in die Gegend von Haran. Ganz zufällig trifft er dort Menschen, die seinen Onkel kennen, den Laban aus Haran. Ganz zufällig tränken diese Hirten regelmäßig mit der Tochter Labans ihre Schafe. Und ganz zufällig sind diese Hirten mitten am Tag am Brunnen.
Jakob sagt ihnen: „Warum seid ihr denn hier am Brunnen? Es ist doch noch mitten am Tag. Geht mal wieder schön raus auf die Weide und weidet eure Schafe, hängt hier nicht faul rum.“ Sie antworten: „Das können wir nicht. Wir warten immer auf alle.“ Und ganz zufällig warten sie auch auf Rahel, die Tochter von Laban.
Ja, man kann das alles als Zufall abtun. Aber man kann es auch ganz anders sehen – nicht als Zufall, sondern als eine herrliche Führung Gottes. Im Abschnitt davor hat Gott Jakob ganz konkret diesen Zuspruch gegeben: „Ich will dich führen, ich werde dich leiten, ich bringe dich sicher in die Fremde und auch wieder sicher nach Hause.“
Hier sehen wir Gott bei der Arbeit. Er führt Jakob gut. Er schenkt ihm diese unwahrscheinliche Begegnung zu einem unwahrscheinlichen Zeitpunkt, an einem Ort mitten in der Einöde, an diesem Brunnen. So lässt er Jakob erneut spüren: „Ich bin mit dir, ich bring dich ans Ziel, verlass dich drauf.“
Unser Denken springt: Wie schafft Gott das, in dieser Welt alles zu überblicken – die Umstände, das, was für uns so chaotisch aussieht? Und doch tut er genau das. Er kennt jeden, er weiß, er kennt unsere Schritte.
Im Psalm 139 betet David: „Wenn ich mich setze oder aufstehe, du weißt es. Meine Absichten erkennst du schon im Voraus. Ob ich gehe oder liege, du siehst es. Mit allen meinen Wegen bist du vertraut.“
Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass Gott nicht nur unsere Wege kennt und damit vertraut ist – wir können ihn nicht überraschen mit dem, was wir tun. Sondern dass Gott auch lenkt. Er lenkt zum Beispiel die Herzen der Könige, beeinflusst sie. Wir können nicht einfach machen, was wir wollen, und Gott ist nicht ohnmächtig dabei.
Gott hat diese Welt in seiner Hand – und auch unsere Umstände. So erlebt es Jakob an diesem Tag. Er kommt an den Brunnen und findet alles so vor, als wäre es vorbereitet. Das ist wirklich erstaunlich.
Wie denkst du über die Umstände deines Lebens? Sind das Zufälle, oder kannst du Gottes Führung in deinem Leben erkennen? Wenn du zum Beispiel darüber nachdenkst, wie du zum Glauben an Jesus Christus gefunden hast – ich denke oft darüber nach und staune immer wieder, wie das in meinem Leben gelaufen ist.
Ich war wirklich nicht auf der Suche nach Gott, das kann ich sagen. Ich bin zum Studium nach Bayreuth gegangen, und innerhalb kürzester Zeit schickt mir Gott an verschiedenen Orten Christen über den Weg: zuerst bei mir in der Wohngemeinschaft, dann an der Universität, dann bei einer Stipendienauswahltagung in Bonn, ganz anders.
Diese Christen sagten mir: „Gott liebt dich, und du kannst umkehren. Du musst sogar, wenn du einen Sinn im Leben haben willst. Du brauchst Gott dringend. Wenn du Vergebung für deine Schuld haben willst, brauchst du Gott.“
Ganz unterschiedliche Menschen, an unterschiedlichen Orten. Da habe ich kapituliert und gesagt: Das kann nun wirklich kein Zufall mehr sein.
Wo hast du Gottes Führung erlebt? Hoffentlich, als du zum Glauben an Jesus gefunden hast. Vielleicht auch beim Finden deines Ehepartners, vielleicht in der Bewahrung vor großem Unglück, vielleicht bei der Suche nach einer Gemeinde.
Er führt uns auf beeindruckende Weise und schenkt immer wieder erstaunliche Begegnungen. Das ist die erste Lektion, die wir als Menschen in Gottes Schule lernen dürfen – die Jakob gelernt hat und auch nicht nur an diesem Tag: wie Gott führt, wie er sein Leben in seiner Hand hat.
Jakobs Verhalten und Gottes scheinbare Abwesenheit
Jetzt müssen wir aber ein zweites sehen, und zwar, wie Jakob sich in dem Ganzen verhält. Ich möchte euch bitten, dass wir die Übung, die wir gerade bei der Textlesung gemacht haben, einfach nochmal wiederholen, wenn wir weiterlesen. Ihr habt hoffentlich darauf geachtet, welche Rolle Gott bei der Partnersuche für Isaaks Frau gespielt hat.
Lasst uns nun lesen, wie das im Leben von Jakob läuft, ab Vers neun:
Als er noch mit ihnen redete, da kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters, denn sie hütete die Schafe. Als Jakob aber Rahel sah, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und die Schafe Labans, trat er hinzu, wälzte den Stein von dem Loch des Brunnens und trieb die Schafe Labans vor sich her.
Er küsste Rahel, weinte laut und sagte ihr, dass er ihres Vaters Verwandter sei und Rebekkas Sohn. Da lief sie und sagte es ihrem Vater. Als aber Laban hörte von Jakob, seinem Schwestersohn, lief er ihm entgegen, herzte und küsste ihn und führte ihn in sein Haus.
Da erzählte Jakob Laban alles, was sich begeben hatte. Laban sprach zu ihm: „Fürwahr, du bist von meinem Gebein und Fleisch.“ Und nachdem er einen Monat lang bei ihm gewesen war, sprach Laban zu Jakob: „Zwar bist du mein Verwandter, aber solltest du mir darum umsonst dienen? Sage an, was soll dein Lohn sein?“
Laban hatte zwei Töchter: die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel. Aber Leas Augen waren ohne Glanz. Rahel dagegen war schön von Gestalt und von Angesicht. Jakob gewann Rahel lieb und sprach: „Ich will dir sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter, dienen.“
Laban antwortete: „Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen. Bleib bei mir.“ So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor wie einzelne Tage, so lieb hatte er sie.
Wo ist Gott? Scheinbar kommt Gott gar nicht vor, aber wir wissen, es ist nicht so, dass Gott weg wäre. Er ist nah, das hat sich nicht verändert. Das hat Jakob zugesagt: Gott ist nah.
Und doch ist es ganz interessant, dass in diesem Abschnitt, aber auch im ganzen Predigttext – dreißig Verse, in denen Gott nicht erwähnt wird – und das ist kein Zufall.
Wir haben vorher den Abschnitt gehört von dem Knecht Abrahams, der eine Frau für Isaak sucht. Er beginnt die Reise oder die Suche nach einer Frau mit Gebet. Er fragt: „Herr, welche Frau ist denn die Richtige? Gib mir Zeichen, zeig mir, welche die Richtige ist.“ Dann sieht er eine Frau, die die Richtige sein könnte, und sagt: „Herr, ist es wirklich sie? Ich will sicher sein, Herr.“ Am Ende merkt er, das ist die richtige Frau, und er betet ein großartiges Dankgebet und dankt Gott für seine gute Führung bei der Suche nach der Frau.
Und Jakob? Jakob macht ganz viel, er ist richtig geschäftig. In den Versen zehn bis elf tut er viel: Als Rahel kommt, wälzt er den Stein zum Beispiel weg, nimmt ihre Herde und treibt die Schafe. Er küsst seine Cousine zur Begrüßung – das war damals nicht unüblich, also nichts Unanständiges. Er küsst seine Verwandte, weint wahrscheinlich, weil das eine lange Reise war, weil er gerührt ist, endlich am Ziel seiner Reise angekommen zu sein. Tränen der Dankbarkeit – wir wissen es nicht genau.
Er weint, er tut viel, aber er betet nicht. Jakob redet auch viel. Er hatte gerade schon mit den Hirten geredet – vielleicht ist euch das aufgefallen, er musste ihnen die Information sozusagen aus der Nase ziehen. Er redet und redet. Jetzt redet er weiter mit Rahel, erzählt ihr, wer er ist, vielleicht ein bisschen von seiner Lebensgeschichte. Sie bringt ihn heim zum Vater Laban und erzählt diesem seine ganze Geschichte, vielleicht sogar den Betrug und wie es zur Flucht kam. Er redet und redet, aber er redet nicht mit Gott, er betet nicht.
Jakob arbeitet fleißig im Haus seines Onkels Laban. So fleißig, dass der Onkel nach einem Monat sagt: „Also, so eine gute Arbeitskraft will ich mir gern länger halten, die will ich gern binden. Jakob, such dir was aus! Du sollst ja hier nicht umsonst arbeiten. Was willst du für einen Lohn?“
Jakob weiß schon ganz genau: kein Gold, keine Schafe, kein Haus – die Rahel findet er gut. Das ist eine hübsche, sogar sehr hübsche Frau. Wir sehen das hier beschrieben, na, wo haben wir es? Helft mir! Vers 17: Sie war schön von Gestalt und von Angesicht, also richtig, richtig schön.
Die ältere Tochter Lea dagegen war nicht besonders schön. Es heißt hier, sie hatte „Augen ohne Glanz“. Das ist eine nette Umschreibung dafür, dass sie hässlich war – in Jakobs Augen. Das liegt ja immer im Auge des Betrachters, aber für Jakob war sie wirklich nicht schön, nichts, wofür man sieben Jahre arbeitet.
Frauensuche und in all dem fleißigen Arbeiten – wo ist Gott? Wo fragt er mal, was die Richtige wäre? Der Knecht Abrahams sieht wohl, dass Rebekka eine schöne Frau ist, aber prüft erst mal ihren Charakter. Jakob sagt: „Mensch, das reicht doch, sie ist hübsch, die hätte ich gern als Ehefrau, da lohnt es sich zu arbeiten.“
Und er arbeitet wirklich hart. Er ist so verliebt in diese Frau, dass er sieben Jahre arbeitet und sie ihm wie ein paar wenige Tage vorkommen, weil er immer dieses Ziel vor Augen hat: „Mensch, es lohnt sich zu arbeiten für diese Schönheit, für diese Perle.“
Aber in all dem verliert er Gott aus den Augen. Das ist kein Zufall, dass Gott hier nicht vorkommt. Gottes Wort – Gott hat so eine Freude, uns Gebete zu überliefern, weil er Freude daran hat, wenn wir in Beziehung zu ihm kommen, mit ihm reden. Das verschweigt die Bibel nicht.
Das war kein großer Bestandteil von Jakobs Leben, wahrscheinlich sogar gar kein Bestandteil. Jakob hat sein Ding gemacht. Man will ihn fast fragen: Jakob, wie konntest du nur nach all dem, was du erlebt hast? Kurze Zeit zuvor hattest du doch so ein brennendes Herz für Gott. Hast du ihm nicht dein Leben geweiht und gesagt: „Für dich will ich leben, Gott, du bist mein Gott. Wenn du mich führst, wenn du für mich sorgst, du bist so ein guter Gott, für dich will ich leben.“ Jakob, was ist aus deinem Glauben geworden? Wie kannst du denn so lau sein?
Doch dann merkt man vielleicht: Das beschreibt ja mein Leben. So gehe ich selber durch den Tag. Ich rede viel mit allen möglichen Leuten – angefangen von meiner Familie, auf der Arbeit, mit Freunden. Ich rede so viel, aber ich rede so wenig mit Gott.
Ich mache auch ganz viel, ich schaffe etwas, zuhause, auf der Arbeit, aber ich schaffe es so selten, mir Zeit zu nehmen für meinen Gott, mit ihm zu reden und ihn auch mal zu fragen: „Was hast du denn mit mir vor, Herr?“
Ich treffe kleine und sehr große Entscheidungen: Ich ziehe um, kaufe ein Haus, heirate. Bei all diesen Dingen nehme ich mir nur wenig Zeit für meine Beziehung zu Gott. Ich bete nicht oder nur sehr wenig.
Und wenn es bei dir ganz anders ist, dann freue ich mich von Herzen. Dann freue ich mich für dich, weil es schön ist, eine andere Beziehung zu Gott zu haben – eine, die jeden Tag durchdrungen ist vom Gebet und Gespräch mit dem Vater. Das ist schön für dich und auch ein Segen für uns als Gemeinde. Wir brauchen Menschen, die so eng mit dem Herrn wandeln. Seid ein Segen für uns!
Und doch glaube ich, dass das auf viele von uns nicht zutrifft. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe eine Zeit lang in Hauskreisen gefragt: Wie ist das denn bei euch, wenn ihr über euer Gebetsleben nachdenkt? Wie viel betet ihr denn am Tag? Wie viel Zeit nehmt ihr euch wirklich für den Austausch mit eurem Vater?
Ich fand es schön, dass die Leute so ehrlich waren, auch ein bisschen erschreckend, dass sie sagten: „Da ist nicht viel. An manchen Tagen beten wir gar nicht, vielleicht noch ein rituelles Tischgebet, aber wir beten so wenig.“
Wie oft dankst du Gott für seine Versorgung und gute Führung in deinem Leben? Wie häufig bittest du ihn um Wegweisung, ganz konkrete Fragen? Und machst du das wirklich, fragst du Gott, was er eigentlich will?
Das kann ganz schön weit gehen. Ich kenne eine Frau, die sagt: „Wenn ich etwas für die Gemeinde koche, bespreche ich das mit meinem Herrn und frage ihn: Herr, was wollen wir kochen?“ Ich finde das klasse, das ist wirklich Glaube im Alltag.
Pflegst du täglich eine enge Beziehung zu deinem Gott? Ich fürchte, viele von uns müssten antworten: Nein, das tun wir nicht. Da sind wir nicht anders als dieser Jakob.
Die Bedeutung des Gebets im Glaubensleben
Und das ist besonders erschreckend, wenn wir uns bewusst machen, wie das der gemacht hat, dem viele von uns nachfolgen – wie das Jesus Christus gemacht hat. Gottes Sohn selbst ist ein Beter vor dem Herrn. Er hat sich jeden Tag morgens und abends zurückgezogen. Er geht in die Wüste, er steigt auf einen Berg, und er verbringt viel Zeit zu zweit mit seinem Vater im Gebet.
Jesus geht ins Gebet vor wichtigen Entscheidungen. Es ist sehr erstaunlich, dass er sich zu einer intensiven Gebetszeit zurückzieht, als er seine Apostel beruft. Er sagt nicht einfach: „Das ist ja alles schon klar.“ Stattdessen betet er, bereitet sich vor und beruft dann seine Apostel.
Auch in ganz schwierigen Zeiten, in Krisen, sagt Jesus nicht: „Ich ziehe das jetzt durch, ich gehe mit dem Kopf durch die Wand, ich mache das einfach, irgendwie muss ich da durchkommen.“ Stattdessen sucht er den Vater. Am eindrücklichsten zeigt sich das vielleicht in Gethsemane, kurz vor seiner Kreuzigung. Dort ist ihm nach Davonlaufen zumute. Doch er geht zum Vater und erhält neuen Mut und neue Kraft aus dieser Zeit im Gebet.
Jesus hatte wirklich eine ganz enge Beziehung zu Gott. Diese Beziehung hat er uns geschenkt. Er hat sich am Kreuz für uns hingegeben, damit auch wir in diese Beziehung kommen können. Er hat den Weg für uns freigekämpft und unsere Schuld am Kreuz getragen, damit wir mit diesem wunderbaren Vater leben können.
Aber was ist das für eine Beziehung, wenn wir nicht mit Gott reden? Deine Frau würde an deiner Liebe zweifeln, wenn du keine Zeit mit ihr verbringst und nicht mit ihr sprichst. Freunde wären irritiert, wenn du nie mit ihnen zusammen bist. Wenn wir nicht beten, wenn wir es so machen wie Jakob, dann stimmt etwas nicht zwischen uns und Gott. Die Beziehung ist belastet.
Ein gebetsarmes Leben ist immer ein Symptom eines halbherzigen Glaubens. Immer. Es sagt viel über unseren Glauben aus, wenn wir nicht mit Gott reden oder nur sehr wenig und nur ganz rituell.
Jakob hat diese Lektion erst sehr viel später gelernt. Gott verwirft ihn nicht, er ist nicht aus der Beziehung raus. Jakob hat es erst später verstanden. Wir könnten es schon heute lernen, wenn wir uns dafür öffnen. Wenn wir bereit sind, in Jakobs Gebetslosigkeit unsere eigene Gebetslosigkeit zu erkennen und das wirklich ernst zu nehmen.
Dann können wir Schritte gehen ins Gebet, Schritte mit Gott, unserem Vater. Und zwar vielleicht gar nicht gleich die ganz großen Schritte. Vielleicht habt ihr das auch schon mal so gesagt: „Ab heute jeden Tag eine Stunde Gebetszeit.“ Doch dann macht man das zwei, drei Mal, und langsam kommt der Frust. Nach der ersten Woche hört man wieder auf. Manche ziehen es noch ein bisschen länger durch. Doch dann ist man frustrierter und vielleicht auch lauer als je zuvor.
Vielleicht sind erst einmal kleine Schritte besser. Zum Beispiel, wenn du nach Hause fährst von der Arbeit, dann fährst du nicht einfach nach Hause und drehst den Radiosender auf. Stattdessen bereitest du dich im Gebet darauf vor, was du vorfinden wirst. Vielleicht eine gestresste Frau, vielleicht müde und erschöpfte Kinder. Wir bereiten uns darauf vor und sagen: „Herr, führ mich. Lass mich da ein Licht sein, lass mich liebevoll sein. Jetzt nicht die Beine hochlegen, sondern rüste du mich aus mit dem, was ich jetzt brauche, um in diese Situation hineinzugehen.“
Es ist ganz einfach: Auf dem Nachhauseweg, im Auto oder auf dem Fußweg kannst du ein einfaches Gebet sprechen, das du jeden Tag beten kannst. Du kannst es dir zur Gewohnheit machen. Wenn du mit Kunden oder Kollegen sprichst oder einen schweren Anruf hast, kannst du beten. Das ist auch eine Erinnerung, zu beten und zu sagen: „Herr, führ mich in diesem Gespräch. Ich möchte es unter deine Führung stellen.“
Als älterer Mensch, als Senior, kannst du dich fragen: „Herr, was hast du noch mit mir vor? Hast du noch eine Aufgabe für mich?“ Ich kenne einen alten Pastor, der diese Frage immer wieder stellt und betet. Er sagt: „Es ist ja kein Zufall, dass ich noch da bin. Ich sitze jetzt nicht meine Zeit ab. Herr, hast du noch einen Auftrag für einen alten Mann wie mich?“ Dieser Pastor hat oft einen neuen Auftrag bekommen, eine neue Berufung, eine neue Aufgabe, die er tun konnte.
Jakob hat seine Halbherzigkeit damals nicht erkannt. Wir sehen, dass er in Gottes Schule noch viel zu lernen hatte – wie wir alle. Wir sehen auch, dass Gott dazu manchmal ganz schwierige Umstände gebraucht.
Lektionen durch schwierige Erfahrungen
Jetzt im letzten Abschnitt, und zwar ab Vers 21:
Und Jakob sprach zu Laban nach diesen sieben Jahren: Gib mir nun meine Braut, denn die Zeit ist da, dass ich zu ihr gehe. Da lud Laban alle Leute des Ortes ein und machte ein Hochzeitsmahl.
Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu Jakob, und er ging zu ihr. Und Laban gab seiner Tochter Lea seine Magd Silpa zur Leihgabe. Am Morgen aber siehe, da war es Lea.
Und Jakob sprach zu Laban: Warum hast du mir das angetan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen?
Laban antwortete: Es ist nicht Sitte in unserem Land, dass man die Jüngere vor der Älteren weggebe. Halte mit dieser die Hochzeitswoche, so will ich dir die andere auch geben für den Dienst, den du bei mir noch weitere sieben Jahre leisten sollst.
Na, guter Deal.
Das tat Jakob und hielt die Hochzeitswoche. Da gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau. Und er gab seiner Tochter Rahel seine Magd Bilha zur Leihgabe. So ging Jakob auch zu Rahel ein und hatte Rahel lieber als Lea, und er diente bei ihm noch weitere sieben Jahre.
Das ist schon eine ganz bittere Geschichte, die Jakob hier erlebt. Er arbeitet diese sieben Jahre immer mit dem Ziel vor Augen, und dann wird er so enttäuscht, und dann wird er so über den Tisch gezogen und so furchtbar betrogen.
Wie kann das passieren, fragen sich manche. Ist der denn blind gewesen, voll Liebe und voller Hormone? Nein, damals waren die Bräute oft sehr verschleiert, man hat sie nicht so erkannt. Es war in der Nacht dunkel im Zelt. Vielleicht war Jakob auch angetrunken. Das soll auch damals schon vorgekommen sein, dass man sich auf einem Hochzeitsmahl es auch mal gut gehen lässt und auch ein bisschen mehr trinkt.
Also ist es nicht so weit weg, dass er wirklich in der Nacht diesen Betrug übersehen hat, nicht erkannt hat. Es ist nicht so absurd, wie man das vielleicht zuerst meinen könnte.
Und es ist erstaunlich, wenn wir uns das anschauen, wie viele Parallelen es in dieser Geschichte gibt zu dem, was Jakob bis dahin erlebt hat, auch zu dem, was Jakob selbst getan hat.
Drei Parallelen sind besonders offensichtlich:
Die erste: Jakob hat das Recht seines erstgeborenen Bruders furchtbar missachtet. Wir haben das noch im Kopf, oder ein paar Abschnitte vorher, wo er seinen Bruder betrügt, um sein Erstgeburtsrecht. Er hat sich einfach darüber hinweggesetzt.
Und jetzt argumentiert Laban – das ist eine Ironie – wirklich genau mit dem Erstgeburtsrecht und sagt: "Es ist bei uns nicht Sitte, dass man zuerst die Jüngere weggeben darf. Die Ältere kommt zuerst, dann die Jüngere." Also muss Jakob lernen, auf eine ganz harte Art und Weise das Erstgeburtsrecht anzuerkennen.
Die zweite: Jakob hatte seinen Vater und seinen Bruder Esau betrogen, indem er die Blindheit des Vaters Isaak schamlos ausgenutzt hatte. Seht ihr die Parallele? Jakob ist so blind für diesen Betrug. Sei es das dunkle Zelt, sei es, dass er betrunken ist, was auch immer – er ist blind für diesen Betrug.
Und stellt euch mal die Lea vor. Irgendwie hat sie zumindest nichts gesagt, sie hat mitgespielt, vielleicht hat sie sogar getan, als wäre sie Rahel. Er merkt das nicht. Einen ganz ähnlichen Betrug erlebt er, in seiner Blindheit wird er betrogen, über den Tisch gezogen.
Und dann das dritte: Jakobs Betrug hatte lebenslange Konsequenzen für seinen Vater, der den Erstgeburtssegen vergeben hatte an den Falschen aus seiner Sicht, für seinen Bruder Esau, der sein Leben lang nicht diesen Segen haben konnte.
Und dieser Betrug, den Jakob jetzt erlebt, hat auch lebenslange Konsequenzen für ihn. Ein ganzes Leben lang wird er daran zu knabbern haben, darunter zu leiden haben, dass er die falsche Frau untergejubelt bekommen hat. Und er merkt, ich kann das nur jetzt irgendwie noch geradebiegen, indem ich mir jetzt noch mal weiter diene um die Rahel.
Plötzlich hat er zwei Frauen und hat große Probleme sein ganzes Leben lang dadurch, dass er diese zwei Frauen im Haus hat.
Das heißt auch nicht, dass Gott das irgendwie gut findet, dass er das gemacht hat. Gott toleriert das an dieser Stelle einfach, lässt das zu.
Und an diesen vielen Parallelen sollen wir erkennen, dass auch das kein Zufall war, dass Jakob genau das passiert ist. Warum genau das? Warum hat das so viel mit seiner Lebensgeschichte zu tun? Weil Gott ihn auch darin geführt hat, nicht nur in der guten Zeit, nicht nur in den segensreichen Tagen, sondern auch jetzt.
Er hat ihn geführt in diesen Betrug hinein.
Wenn wir wirklich glauben, dass Gott Menschen lenken kann, dass er Menschen führen kann, dann hätte er ihn gut bewahren können vor diesem Betrug, hätte das aufdecken können, hätte ihn warnen können.
Gott lässt ihn da reinlaufen, weil Gott ihm eine Lektion erteilen möchte.
Im Hebräerbrief lesen wir Folgendes über Gottes Absicht mit seinen Kindern, Hebräer 12, Vers 7:
"Wenn ihr Nöte durchmachen müsst, dann seht darin Gottes Absicht, euch zu erziehen. Er macht es mit euch wie ein Vater mit seinen Kindern."
Und wenig später heißt es dort in Hebräer 12, dass Gott so mit jedem seiner Kinder umgeht, dass er jedem seiner Kinder Nöte zumutet als seine Erziehung.
Das ist ein ganz schwieriges, herausforderndes Wort erst mal, wenn wir sagen: Nöte – das bringen wir nicht zusammen mit einem guten Gott, der uns doch liebt, der einen guten Plan hat für unser Leben.
Wie kann der uns denn so etwas Schweres zumuten, so etwas wie das, was Jakob hier erlebt?
Wir können uns vorstellen, am Anfang hadert er mit Gott: Wie kannst du mich in den Betrug reinlaufen lassen? Warum hast du das zugelassen, Gott?
Und doch müssen wir verstehen: Wenn Gott erzieht, dann ist das nicht so anders wie bei uns Menschen.
Wenn wir ein Kind erziehen, dann nicht nur mit Zuneigung und mit Nähe, sondern wir zeigen unseren Kindern, wenn wir sie gut erziehen, auch die Konsequenzen ihres Handelns auf.
Das bedeutet auch, dass wir strafen, dass wir zurechtweisen, dass wir Dinge tun im Leben unserer Kinder, die sie erst mal nicht so schön und toll finden.
Ich muss denken an meine Erziehung, die ich genossen habe. Es war auch nicht alles schön, aber ich habe manches lernen dürfen.
Zum Beispiel, als ich als Jugendlicher bei einem Weihnachtsmusical wochenlang in den Proben mich immer daneben benommen habe. Das haben sie wirklich konsequent durchgezogen, das kann ich sagen.
Und dann war Weihnachten, wir haben das Musical aufgeführt. Ich habe mich schon gefreut auf die schönen Ferien, die jetzt vor mir liegen.
Und dann sind doch tatsächlich die Leiter dieses Musicals, diese Verräter, zu meinen Eltern gegangen und haben denen erzählt, wie ich mich aufgeführt habe.
Und meine Eltern haben es nicht bei ein paar lieben Worten belassen, sondern sie haben gesagt: Sohn, jetzt kriegst du die ganzen Ferien Hausarrest, es sei denn, du gehst zu diesen Leitern und entschuldigst dich für das, was du getan hast.
Drei Tage lang habe ich in meinem Zimmer getobt. Ich wollte nicht gehen. Es war ein großer Schmerz, dass ich Hausarrest hatte, aber ich wollte mir diese Demütigung doch nicht antun.
Dann war die Freiheitssehnsucht größer und ich habe gedacht: Okay, ich gehe diesen schweren Gang.
Das war wirklich hart. Das hat wehgetan, aber es hat mir geholfen, das würde ich bis heute sagen, dass ich mich seitdem entschuldigen kann, dass es mir leichter fällt, das zu tun.
Und dann gibt es aber ja auch im Leben schon von unseren Familien Erziehungsmaßnahmen, die sind überhaupt keine Strafen.
Also meine Eltern haben gesagt: "Mäh den Rasen, räum die Spülmaschine aus, mach deine Hausaufgaben." Es hat auch alles immer wieder wehgetan, aber das waren keine Strafen, sondern das waren Erziehungsmaßnahmen, die am Ende nach ihrer Hoffnung – ich unterstelle ihnen die besten Motive – einen anständigen Menschen hervorbringen.
Gott hat in jedem Fall die besten Motive mit uns. Bei unseren Eltern ist es manchmal ein bisschen fragwürdig, und das sagt auch der Hebräerbrief, Hebräer 12, aber Gott hat auf jeden Fall die besten Absichten.
Und Jakob musste in seiner Schule eine schwere Lektion lernen, eine ganz persönliche, die bei uns anders aussieht.
Aber Jakob musste diese Lektion lernen: "Dein Betrug – so fühlt sich das an. Das hast du anderen Menschen angetan, Jakob, du sollst fühlen, wie das ist."
Nicht nur ein paar Worte, sondern du musst spüren, was du getan hast.
Nur am Rande will ich sagen: Das macht gar nicht besser, was Laban gemacht hat. Es macht seinen Betrug überhaupt nicht besser, aber Gott gebraucht ihn, um Jakob diese Lektion zu lehren.
Und das möchte ich nicht nur am Rande sagen: Es ist klar, dass es auch Leid in unserem Leben gibt und ganz schwere Nöte und Umstände, wo wir sagen, da kann ich beim besten Willen gerade nicht erkennen, welche Lektion Gott mich hier lehren will.
Es geht uns manchmal wie Hiob, dass wir fragen: Warum? Wir haben doch nichts falsch gemacht, wir haben doch wirklich zur Ehre Gottes gelebt, warum dieses Leid?
Aber selbst in Hiobs Leben hat Gott das Leid gebraucht, um ihn in der Beziehung näher zu sich zu bringen.
Das müssen wir sehen.
Und das Zweite ist: Ganz oft in unserem Leben sind wir nicht Hiob, sondern ganz oft sind wir Jakob.
Ganz oft haben wir wirklich Schuld auf uns geladen, und ganz oft lässt Gott daraus auch Nöte entstehen, wo wir nicht einfach sagen können: "Das hat nichts mit mir zu tun, Herr, warum lässt du das zu?"
Sondern wo wir uns fragen sollten: "Herr, was hat das mit mir zu tun? Willst du mich eine Lektion dadurch lehren? Soll ich da was wirklich daraus lernen?"
Und ich befürchte, dass wir uns zu oft wie Hiob fühlen und zu selten wie Jakob fragen. Oder er fragt ja hier noch nicht in dieser Situation, aber zu selten fragen: "Herr, was willst du mich lehren durch die Not, durch die ich gehe?"
Sein Ziel ist nicht in erster Linie, dass wir ein entspanntes und möglichst einfaches Leben auf dieser Erde haben, sondern dass wir in der Beziehung zu ihm wachsen, dass wir ihm näherkommen, dass wir wirklich mit ihm zusammen durch dieses Leben gehen.
Auch auf eine Ewigkeit zu, die wir ja die ganze Ewigkeit mit ihm in einer ganz engen Beziehung leben.
Das bereitet er hier vor. Er arbeitet auch an uns, und wie Jakob haben wir da noch viel zu lernen.
Viele von uns können das bestätigen, davon gehe ich aus, dass man mit Gott sehr schöne Dinge erleben kann, großen Segen erleben kann, aber dass wir in der Beziehung zu ihm tatsächlich gewachsen sind, richtig gewachsen sind, erst in Nöten und in Schwierigkeiten, dann wenn das Leben härter wurde.
Es ist kein Automatismus, aber da gibt es eine richtig große Chance, dass wir uns Gott an den Hals werfen und sagen: "Ich schaffe das nicht mehr, Gott, ich brauche dich, ich will meine Lektion lernen."
Das macht Krisen nicht schön, aber das kann sie zu sehr wertvollen Zeiten machen.
Abschluss mit einer ermutigenden Geschichte
Ich möchte mit einer Geschichte schließen, die genau das verdeutlicht. Der Evangelist Billy Graham hat sie einmal erzählt. Er schreibt:
Ich kenne einen Mann, der während der Weltwirtschaftskrise seine Arbeit, sein Vermögen, seine Frau und sein Zuhause verlor. Doch er hielt beharrlich an seinem Glauben fest, denn das war das Einzige, was ihm noch geblieben war.
Eines Tages ging er spazieren und kam zu einer großen Kirche, wo Männer Steine bearbeiteten. Einer von ihnen meißelte einen dreieckigen Stein. Der Mann fragte ihn: „Was machen Sie mit dem?“
Der Arbeiter antwortete: „Sehen Sie die kleine Öffnung da oben an der Kirchturmspitze? Ich gestalte den Stein hier, damit er dort oben passt.“
Dem Mann kamen die Tränen, als er weiterging. Es schien ihm so, als habe Gott diesen Arbeiter gebraucht, um ihm seine schwere Prüfung zu erklären. Gott gestaltete ihn hier, um ihn passend für „da oben“ zu machen.
Lasst uns beten!
Vater im Himmel, wir danken dir für dein Wort und dafür, dass du auch in diesen Geschichten vorkommst, die dich nicht ausdrücklich erwähnen. Dass du da bist, auch wenn es nicht direkt gesagt wird. Du warst auch nah in diesen turbulenten Zeiten in Jakobs Leben. Du hast sein Leben gesehen, du hast ihn geführt. Du hast ihn sogar in diese Krise hineingeführt, um ihn zu lehren.
Wir haben andere Lektionen zu lernen, aber ich möchte darum beten, dass wir unsere Not und unsere Krisen nicht einfach abtun und nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen. Sondern dass wir wirklich innehalten, uns an dich wenden und es als Chance begreifen, dir näherzukommen.
Vater, wir haben darüber nachgedacht, wie wenig wir beten. Wir wollen dich bitten, dass du uns hilfst, beständig die Beziehung zu dir zu suchen. Und wenn es Krisen dafür braucht, dann müssen wir diese auch erleiden.
Wir beten, dass uns das wirklich zum Besten dient, dass es niemand von uns von dir wegbringt, sondern jeden von uns näher zu dir führt. Danke, dass du uns festhältst und dass du einen guten Plan für unser Leben hast. Amen.