Serie•Teil 8 / 12 Auf den Spuren der Stammväter Israels
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Einordnung der Begegnung mit Melchisedek
Wir fahren weiter in 1. Mose 14. Wir haben gesehen, dass Melchisedek Abraham im Namen von El Elyon segnet und Abraham das anerkennt und diesen Segen annimmt, denn er gibt ja nach Vers 20 am Schluss den zehnten von der ganzen Kriegsbeute diesem kanaanitischen König Melchisedek.
Und interessant ist, was danach folgt. Lies nochmals Verse 21, Christian.
Und der König von Sodom sagte zu Abram: Gib mir die Seelen, die Habe aber nimm für dich. Da sagte Abram zum König von Sodom: Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, zu Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde geschaffen hat.
Danke, das reicht.
Also, Abraham spricht jetzt mit dem König von Sodom und sagt, dass er zu Gott als Schwur seine Hand erhebt. Und zwar nennt er Gott hier wie? Wo? Ja, also da, wo es heißt: zu Gott, dem Höchsten. Das ist wieder El Elyon, und zwar El Elyon, der Himmel und Erde besitzt. Genau diesen Namen gab Melchisedek in Vers 19: Gesegnet sei Abraham von Gott, dem Höchsten, von El Elyon, der Himmel und Erde besitzt. Das ist der ganze Name Gottes: El Elyon, der Himmel und Erde besitzt. Und so nennt Abraham ihn auch, aber noch etwas dazu.
Ja, er sagt: Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn. In der deutschen Bibel steht das mit Großbuchstaben, und das bedeutet, ich habe es schon gehört. Im Grundtext steht hier Yahweh, also nicht Ch, nicht ein Ch, nicht Yahweh, sondern Yahweh, ein hörbares H, nicht das gleiche. Es ist also nicht wie Chevron, das ist Chet, aber eben ein H, das man hört: Jahweh.
Und damit haben wir einen Namen, den die Kanaaniter nicht für ihre Götter benutzt haben. Jahweh war für die Kanaaniter kein Begriff. Damit wird wirklich der Gott der Bibel bezeichnet. Nun identifiziert also Abraham den Gott, der ihm in Ur in Chaldäa erschienen ist und ihn herausgerufen hat, um Stammvater Israels und Stammvater des Messias zu werden, Yahweh, mit diesem El Elyon, an den Melchisedek glaubte. Das ist schon erstaunlich, oder?
Aber für Abraham wurde klar: Der glaubt noch an den ursprünglichen Gott, den die Kanaaniter noch von Noah und seinen Söhnen kennen konnten. Das haben sie eben ihren Nachkommen weitergegeben, und ganz besonders ab dem Turmbau zu Babel sind die verschiedenen Stämme auseinandergegangen und haben sich von dem Herrn abgewandt. In der folgenden Weltgeschichte wurden die Stammesreligionen und später die großen Religionen viel später aufgebaut: zuerst Hinduismus und noch viel später dann Taoismus, Buddhismus usw. Die Völker haben sich so von Gott abgewandt.
Paulus sagt in der Rede auf dem Areopag, dass damals die Zeiten der Unwissenheit begonnen haben. Genau. Und gewisse haben aber die Kenntnis von dem wahren Gott noch behalten. Und darum habe ich ja heute schon gesagt: Das Buch Hiob handelt ja von einer Geschichte, die noch stattgefunden hat, gerade in der Zeitepoche vor Abraham. Und Hiob, seine drei Freunde Eliphas, Bildad und Zophar, dann auch dieser jüngere Freund Elihu, die kannten alle den wahren Gott. Das ist bei ihnen nicht verloren gegangen.
Und so gab es eben manche, die diese Kenntnis von dem wahren Gott noch gehabt haben, ebenso dieser Melchisedek. Der hatte eben nichts zu tun mit dieser Mythologie und mit dieser ganzen Perversion der Kanaaniter. Die Geschichte wird ganz kurz erzählt. Wie Abraham das genau festgestellt hat, wird uns nicht erzählt, aber das ist geschehen. Und darum konnte er ihn so anerkennen und identifizieren. Und das hat sehr wichtige Bedeutung, jetzt auch für die Mission.
Spuren des Schöpfers in den Völkern
Ich war in Afrika, als die Missionare, ganz besonders seit dem neunzehnten Jahrhundert, in die Stämme gegangen sind. Da erlebt man eine Überraschung: Praktisch alle afrikanischen Stämme wussten von einem Schöpfergott und gaben ihm auch schöne Namen.
Die zweite Überraschung: Die Missionare stellten fest, dass dieser Schöpfergott in den Stämmen kaum verehrt und angebetet wurde. Und wenn sie dann gefragt haben, warum betet ihr nicht zu ihm, dann konnte je nach Stammesgruppe die Antwort lauten: Unsere Vorfahren haben gegen den Schöpfergott gesündigt. Er ist zornig auf uns und hat sich von uns abgewendet.
Andere Stämme sagten: Er ist so erhaben, er ist viel zu erhaben. Wir sind so unbedeutend klein, wir sind gar nicht würdig, ihn anzubeten.
Und wieder andere Stämme, und wirklich, das ist so eine komische Argumentation, sagten: Dieser Gott ist gut, und er hat uns nicht zu Leide getan, und darum müssen wir ihm keine Opfer bringen. Aber die bösen Geister, die machen uns Angst, und darum besänftigen wir sie mit Opfern.
Nichtsdestotrotz war das Wissen um den Schöpfergott da. Und da konnten die Missionare ansetzen und zeigen: Doch, dieser Gott ist zwar zornig über unsere Sünde, aber er liebt uns und hat seinen Sohn gesandt.
Das erklärt auch, warum in Afrika so viele das Christentum übernommen haben, viele äußerlich und oft mit Vermischung mit ihren Kulten, aber ganz viele auch echt, ganz, ganz viele.
Wie war es in China? Das war auch so eine Überraschung der Missionare, die ja besonders im neunzehnten Jahrhundert, im großen Erweckungszeitalter, die Weltmission entdeckt haben. Da stellten sie fest: Ja, die Chinesen kennen aus ihrer frühesten Geschichte eben Shangdi, den Herrn des Himmels. Shangdi wurde nie durch ein Bild dargestellt und wurde verehrt als der Schöpfer.
Darum haben die Missionare gemerkt: Wir können dort ansetzen. Und sie haben dann, nicht alle von Anfang an, aber doch mit dem Mut, das Wort für Gott in der Bibel zu nehmen, Shangdi verwendet.
Johannes 3,16: Also hat Shangdi die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab.
Und das erklärt auch, warum heute so viele Millionen Chinesen echte Christen sind, die zur Untergrundkirche gehören und verfolgt werden. Sie haben gemerkt: Die haben uns nicht einen fremden Gott gebracht, sondern den Gott, den unsere Väter kannten, den wir aber vergessen haben. Und so konnten sie ihn wieder zurückbringen.
Oder zum Beispiel die Bergstämme: Man findet sie in Thailand und Burma, aber ursprünglich kamen sie von China her, die Karen und diverse weitere solche Bergstämme. Die hatten sogar die Tradition: Unsere Vorfahren hatten vom Schöpfergott ein Buch, und sie haben eben nicht darauf Acht gegeben und es verloren.
Dabei waren diese Stämme Analphabeten. Aber unsere Vorfahren hatten ein Buch und hatten auch die Tradition: Eines Tages werden weiße Männer kommen und uns dieses verlorene Buch zurückbringen.
Darum, als der erste Missionar zu den Karen kam, waren sie wie elektrisiert. Sie hatten schon ein Haus bereit gemacht für den Botschafter, wenn er eines Tages kommen würde. Dann sind in kürzester Zeit Tausende von Karen zum Glauben ans Evangelium gekommen.
Also etwas, was man immer wieder antrifft: Dieses Wissen war noch da von Noah her, an manchen Orten so verschüttet, aber da. Und ebenso sogar in bedeutenden Teilen der Welt, übrigens auch bei den Indianern in Nord-, Mittel- und Nordamerika, war dieses Wissen vom Schöpfergott da. Und Missionare konnten eben immer wieder da anknüpfen.
Anknüpfungspunkte in Mission und Verkündigung
Aber wir haben hier das Beispiel von Abraham und im Neuen Testament das Beispiel von Paulus. Er kam nach Athen, machte zuerst einen Spaziergang durch die Stadt und fand diesen Altar für den unbekannten Gott. Als er dann abgeführt wurde zum Areopag, vor den Gerichtshof, und man ihn befragte, was er da Neues verkündige, konnte er sagen: Ich bin herumgegangen in eurer Stadt und habe einen Altar gesehen mit der Aufschrift: „Für den unbekannten Gott.“ Diesen verkünde ich euch.
Wie bitte? Er sagt: Diesen verkünde ich euch. Das heißt also, er konnte anknüpfen, weil er die Hintergrundgeschichte kannte. Um 600 vor Christus war eine Pest in Athen. Die Menschen starben massenweise. Man hat allen Göttern geopfert, es hat nichts genützt, bis der Areopag eine Delegation nach Kreta schickte zu Epimenides. Der wurde nach Athen gebracht und sagte vor dem Gericht: Ihr habt allen Göttern geopfert, es hat nichts genützt. Also der Gott, der hinter dieser Plage steht, ist von euch nicht verehrt worden. Macht Altäre, opfert Lämmer und schreibt darauf: „Für den unbekannten Gott.“ Das haben sie gemacht, die Pest ist weggegangen.
Und so konnte Paulus da ansetzen und sagen: Diesen Gott verkündige ich. Und er nennt ihn dann unter anderem den Herrn des Himmels und der Erde. Wenn wir „Herr des Himmels“ auf Chinesisch zurückübersetzen, ist das Shangdi. Diesen Ausdruck verwendet er dort.
Und da sehen wir also auch: Da konnte er mit dem, was noch ein bisschen vorhanden war, anknüpfen. Er sagt ja den Athenern: den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen. Und das war keine Beleidigung, denn sie haben dasselbe darauf geschrieben: dem unbekannten Gott. Aber er konnte ansetzen, und diese Möglichkeit gibt es also. Man muss aber sehr, sehr aufpassen. Denn es kann auch Traditionen geben, die so mit dem Falschen verknüpft sind.
Gerade in Afrika war das einfach, weil die Stammesreligion und die damit verbundene Hexerei und schwarze Magie ganz getrennt waren. Das war nicht miteinander vermischt. Sie haben normalerweise den Schöpfer gar nicht verehrt, sie wussten von ihm und praktizierten eben diese dunklen Stammesreligionen. Darum war das natürlich einfach; da muss man nicht irgendwie etwas auseinanderdividieren.
Und in China war das eben auch so. Shangdi hat dann eben nicht eine Rolle gespielt im späteren Buddhismus usw., und darum konnten die Missionare dort anknüpfen.
Sprachliche Grenzen und religiöse Verwechslungen
Jetzt haben wir aber noch ein Problem. Ich weiß, die Kanaaniter haben dasselbe Wort El benutzt für einen falschen Gott, für El, den Vater von Baal. Und das war ja auch ein Problem, als das Evangelium zu den arabischen Stämmen gebracht wurde.
Es musste in der Bibel übersetzt werden: Welches Wort soll man für Gott nehmen? Und das war vor Jahrhunderten. Dann die Entscheidung der Missionare: Wir benutzen das Wort Allah. Aber ihnen war klar, Allah im Islam ist nicht derselbe Gott wie der Gott der Bibel. Denn es wird auch ganz klar gelehrt: Allah hat keinen Sohn. Und die Bibel sagt, Gott hat einen Sohn, den einzigen Sohn. Und so war für sie klar: Wir nehmen das Wort Allah.
Allah ist zusammengezogen aus al-ila. Ila ist das normale Wort für Gott in den semitischen Sprachen. Also warum sagen wir auf Deutsch Gott? Das haben wir ja nicht aus der Bibel. Das haben auch die alten Germanen benutzt. Gott ist einfach das Wort für eben die höhere Macht. Ja, und so haben sie ila genommen. Und al ist einfach der Artikel, also: der Gott.
Und die vorislamischen Araber, die haben Allah verehrt als einen von 360 Göttern in Mekka. Das war der Gott des schwarzen Steines. Und diese Götter hatten Symbole. Für Allah benutzten sie das Symbol des Halbmondes. Jetzt versteht man, warum auf Moscheen immer wieder Halbmonde zu sehen sind. Es ist eine Art Mondgottheit. Und sie lehrten auch, er habe drei Töchter, und das sind so Sterngottheiten.
Ja, und der wurde Allah genannt. Die Missionare haben das gleiche Wort benutzt für den Gott der Bibel. Mohammed, wie soll man heute sagen? Ich stolpere immer wieder. Früher haben wir gesagt Mohammed, oder? Und die Gläubigen hat man genannt Mohammedaner. Jeder Muslim wäre schockiert, wenn wir ihm sagen würden, er sei ein Mohammedaner. Oder eine Muslimin würde sagen, sie sei eine Mohammedanerin. Das akzeptiert sie gar nicht. Und darum haben wir uns in der Sprachwahl geändert. Wir sagen Muslim, Muslima, und eben: Die glauben an einen dieser dreihundertsechzig Götter. Muhammad hat alle weggetan und nur den Gott des schwarzen Steines beibehalten. Und das war ein Götze von Mekka.
Darum haben die Missionare klar sehen müssen: Wir können nicht den Gott der Bibel mit dem Gott des schwarzen Steines identifizieren. Das geht gar nicht. Aber sie haben das gleiche Wort benutzt. Sie können sagen: Ja, Alila, das ist der normale Ausdruck für „der Gott“. Auf Deutsch wäre das „der Gott“. Aber das hat jetzt in der Praxis eben Vorteile, wenn man jemanden auf der Straße begrüßt: Wie geht es dir? Dann sagt er: Gott sei Dank. Aber er sagt: Hamdulahi, also Allah sei Dank.
Und die Christen in Ägypten, in Jordanien und im Libanon, in Syrien, da gibt es ja viele Christen, die sagen das Gleiche. Wenn ein Muslim sie auf der Straße fragt: Wie geht es dir? Dann sagen sie: Hamdulahi. Es gibt keinen Streit im Alltag. Natürlich, wenn sie dann miteinander sprechen, wird klar, er meint mit Allah etwas anderes als der andere. Aber erst nachher im Gespräch wird das klar. Sonst hätte man ständig Konflikte. Aber geklärt muss die Sache werden. Man kann das nicht einfach so offen lassen.
Ich weiß, manchmal, wenn ich Muslime begrüße: Kifarlak, und er sagt: Hamdullahi, und dann fragt er mich auch, und ich sage: Hamdullahi. Wenn der wüsste, was ich ganz genau damit meine. Ja, aber dann im Gespräch muss man das eben klar machen. Und das ist auch so, wenn Muslime zum Glauben kommen. Dann erkennen sie ganz klar: Der Gott im Koran ist nicht der Gott der Bibel.
Und wie heißt Jesus im Koran? Isa. Und wie sagen die ägyptischen Christen oder die jordanischen Christen für Jesus? Die sagen eben nicht Issa. Im Türkischen schon, wieder anders. In der Türkei sagen sie gleich Issa, und dann müssen sie im Gespräch klären: Aber mit Issa meine ich den Jesus der Bibel und nicht den Jesus des Korans. Es ist nicht dasselbe. Denn im Koran wird Isa beschrieben als von Allah erschaffen aus dem Nichts im Mutterleib der Maria. Also wird geleugnet, dass Jesus im Fleisch gekommen ist, 1. Johannes 4. Das ist der Geist des Antichristen, wird doch gesagt, 1. Johannes 4.
Also in der Türkei muss man das dann klären. Aber bei Jesus ist es einfacher im Arabischen. Da sagt man eben in Ägypten, überall in der arabischen Welt sagt man Jesua, Jesua al-Masih, Jesua Hamashiach: Jesus, der Messias, der Christus. Also, da ist es sofort klar. Bei dem Wort Gott ist es zuerst nicht klar, man muss es definieren. Aber wenn man über Jesus spricht, dann ist es sofort klar. Dann sagt man Jesua, und man weiß sofort: Er glaubt nicht an den Jesus des Korans, sondern an den Jesus der Bibel.
Aber jetzt ist die Frage: Wie soll man das handhaben? In 2. Korinther 11 sagt der Apostel Paulus, Vers 4: Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr es recht gut. Denn Paulus ist entsetzt über die Korinther. Die waren im Glauben so in einem schlechten Zustand. Also wahre Gläubige, dass er sagt: Wenn einer kommt und einen anderen Jesus predigt, das würdet ihr akzeptieren. Und wenn einer kommt und ihr dabei einen anderen Geist empfangt – sehr aktuelles Thema im Zusammenhang mit dem Problem der Charismatik, ein anderer Geist, wenn Menschen nach hinten umfallen usw. –, sagt er: Das würdet ihr ertragen. Schockierend! Und er sagt sogar, ein anderes Evangelium würdet ihr akzeptieren. So schlimm war es.
Aber jetzt geht es mir vor allem darum: Er sagt einen anderen Jesus. Das ist der gleiche Ausdruck. Und so ist es nämlich, wenn man mit einem Zeugen Jehovas spricht. Dann spricht er über Jesus, und wir auch. Aber im Gespräch muss klar werden: Der Jesus der Zeugen Jehovas ist nicht der Jesus der Bibel. Und zwar glauben sie, Jesus sei der Erzengel Michael. Ziemlich schockierend, das sagen sie nicht zuerst an der Tür. Das kommt dann erst später.
Und bei den Mormonen genau ähnlich. Die sagen, Jesus sei ein Bruder von Lucifer gewesen. Gotteslästerung! Auch die benutzen Jesus. Und die benutzen das Evangelium, die benutzen alle unsere Ausdrücke. Am Anfang hat man das Gefühl, das sind evangelikale Christen, und sie verraten einem nicht, was alles dahinter steckt. So ein totaler Sumpf, wirklich.
Aber dieser Jesus ist eben nicht der Jesus der Bibel. Die Zeugen Jehovas sagen, er sei der Erzengel Michael und nicht von Ewigkeit her Gott. Und darum muss man sagen: Das gleiche Wort, aber etwas anderes. Darum ist es eben nicht unbedingt ein Problem in der arabischen Welt, wenn Christen und Muslime von Allah sprechen. Das gleiche Wort. Aber man muss dann erklären, was man genau glaubt. Das ist der wichtige Punkt.
Der höhere Priester und die Ordnung des Friedens
Und da war es bei Abraham eben auch so. Er sprach von El, Melchisedek, so wie die anderen Kanaaniter. Aber Abraham musste erkennen: Die anderen Kanaaniter meinen mit El einen anderen Gott, doch Melchisedek glaubt noch an den wirklichen Gott, an Gott den Höchsten. Und Abraham identifiziert ihn mit Jahwe, dem Herrn, in Vers 22.
Und jetzt, ich habe das noch ein bisschen angedeutet, wird uns auch klar, dass diese Bundesgenossen von Abraham, Aner, Eschkol und Mamre in Vers 24, und in Vers 13 heißt es ja von ihnen, das waren seine Bundesgenossen. Wir hatten ja gelesen in 1. Mose 13,18 ganz am Anfang: Abraham wohnte unter den Terebinthen Mamres. Mamre, das waren offensichtlich auch Kanaaniter, die noch an den wahren Gott glaubten. Die gab es unter den Kanaanitern.
Und im Neuen Testament wird Melchisedek wieder aufgenommen. Wo? Wer hilft? Hebräer, jawohl! Das Thema Melchisedek spielt eine ganz große Rolle im Hebräerbrief. Aber lesen wir doch mal Hebräer 7,1-3, bitte Christian!
Denn dieser Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes des Höchsten, der Abraham entgegenging und ihn segnete, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte, dem auch Abraham den Zehnten von allem zuteilte, heißt zunächst übersetzt König der Gerechtigkeit, dann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens. Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, hat er weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. Er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester für immer.
Da haben wir neutestamentlich eine Anweisung, wie man predigen soll oder wie man Kommentare schreiben soll, nicht wahr? Wir haben jetzt heute 1. Mose 14,17 gelesen. Und nun macht der Hebräerbrief in Kapitel 7 den nächsten Schritt: Er fasst ganz kurz die Hauptpunkte im Text zusammen. Er sagt: Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes des Höchsten, so wird er beschrieben. Dann sagt er: Er ging Abraham entgegen, als er von der Schlacht der Könige zurückkehrte. Also fast ganz kurz zusammen, was im Text steht. Dann hat er ihn gesegnet, und Abraham hat ihm den Zehnten von allem gegeben.
Wir haben doch ganz am Anfang 1. Mose 14 gelesen mit diesen Namen von all diesen Königen, da vier Könige und fünf Könige, und es ist oft für den Bibelleser zunächst einmal ein bisschen verwirrend. Da muss man eben Ordnung schaffen. Erklären: Das sind diese fünf Könige, das sind die vier Könige, und hier jetzt muss man sagen: Melchisedek, der war König von Salem, Priester Gottes usw. Und einfach mal feststellen, was im Text steht, das ist das Erste.
Und dann geht er einen Schritt weiter, also übrigens ohne Zweifel Paulus, der den Hebräerbrief geschrieben hat. Da sagt er, der Name bedeutet erstens übersetzt: „König der Gerechtigkeit“. Jetzt übersetzt er den Namen Melchisedek, auf Hebräisch Malki-Zedek, das heißt „König der Gerechtigkeit“. Er übersetzt die Namen. Da wird uns gezeigt, wir sollten beim Bibellesen auf diese Namen achten und sie übersetzen. Eine gute Hilfe ist, man findet im Internet allerlei über die Namen der Bibel. Es gibt auch andere Lexika, die gut sind, aber eben: Namen übersetzen.
Und wir werden jetzt sehen, der Hebräerbrief macht klar, dass dieser Melchisedek ein Hinweis ist auf den Herrn Jesus, der einmal König sein wird über die Welt, von Jerusalem aus, im tausendjährigen Friedensreich. Und darum ist wichtig: Der Name Melchisedek, König der Gerechtigkeit, ist ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der einmal als der gerechte König über die Welt regieren wird.
Und dann sagt er: Er ist König von Salem. Aber Salem muss man auch übersetzen, haben wir auch schon gemacht. Das heißt König des Friedens, weil Salem Frieden heißt. So wird eben der Jesus als König in Frieden einmal über die ganze Welt regieren.
Und dann sagt Paulus weiter: ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. Nicht wahr, wenn man von Melchisedek liest, dann muss man das lesen, was da steht, und sich auch überlegen, was nicht dasteht. Da steht nicht, wer sein Vater war und seine Mutter. Es wird nichts gesagt in der Bibel über seine Geburt, und sein Tod wird auch nirgends erwähnt in der Abrahamsgeschichte beschrieben.
Und jetzt macht der Hebräerbrief klar: Das hat auch eine Bedeutung. Der Heilige Geist hat das so beschrieben, um ihn so ähnlich darzustellen, wie der Sohn Gottes ist. Der Herr Jesus ist der ewige Sohn Gottes, ohne Anfang, ohne Ende. Es gibt auch die verrückte Auslegung, zum Beispiel die Mormonen lehren das, dass man Melchisedek mit Jesus Christus identifiziert. Dass das eine Erscheinung von Jesus Christus gewesen sei. Das stimmt nicht. Hier wird ja klar gesagt in Vers 3, dass er dem Sohn Gottes verglichen wird. Ganz wörtlich sagt die Fußnote der Elberfelder, Fußnote 8: ähnlich gemacht. Das heißt, der Heilige Geist beschreibt Melchisedek so, extra ohne Geburt, ohne Tod, ohne Vorfahren, um ihn in der Beschreibung dem Sohn Gottes ähnlich zu machen, der als Sohn Gottes keinen Anfang hat und kein Ende.
Und es ist interessant: Das heißt nicht, aber dem Herrn verglichen bleibt Priester auch immer da, sondern es heißt dem Sohn Gottes verglichen. Das macht klar, der Herr Jesus ist der ewige Sohn. Er wurde nicht erst Sohn Gottes durch seine Menschwerdung. Natürlich, er wurde von Gott gezeugt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Der Herr Jesus ist als Mensch Gottes Sohn, aber in seiner Gottheit ist er von Ewigkeit her Gottes Sohn. Der Vater ist sein Vater von Ewigkeit her, und er ist von Ewigkeit her Sohn. Er ist nicht geworden.
Aber eben in der Beschreibung ist Melchisedek so beschrieben, dass er ähnlich ist dem Herrn Jesus, gleich. Und so lernen wir, wie man auslegen muss und wie man Typologie, also diese vorbildlichen Hinweise auf die Zukunft, wie man das angehen muss.
Das Priestertum des Messias und die Kraft des Brotes
Und weiter, Christian, Vers 4 in Hebräer 7: Schaut aber, wie groß dieser ist, dem Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab.
Und zwar haben die von den Söhnen Levi, die das Priestertum empfangen, ein Gebot, den Zehnten von dem Volk nach dem Gesetz zu nehmen, das ist von ihren Brüdern, obwohl auch sie aus der Lende Abrahams hervorgegangen sind. Er aber, der sein Geschlecht nicht von ihnen ableitete, hat den Zehnten von Abraham genommen und den gesegnet, der die Verheißung hatte. Ohne jeden Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet. Und hier zwar empfangen sterbliche Menschen die Zehnten, dort aber einer, von dem bezeugt wird, dass er lebt. Und sozusagen ist durch Abraham auch von Levi, der die Zehnten empfängt, der Zehnte erhoben worden. Denn er war noch in der Lende des Vaters, als Melchisedek ihm entgegenging.
Also, hier wird noch deutlich gemacht, eine ganz interessante Argumentation: Abraham hat Melchisedek den Zehnten gegeben. Aber später wird ja Levi von Abraham abstammen, nicht wahr? Über Abraham, Isaak, Jakob und einen der zwölf Söhne Jakobs war Levi, und aus Levi kam dann das Priestertum Israels. Alle Priester mussten Nachkommen von Levi sein. Aber dadurch, dass das Prinzip in der Bibel gilt: Der Größere segnet den Geringeren, wird klar: Abraham wurde von Melchisedek gesegnet. In dem Fall ist seine Position vor Gott, ist Melchisedek höher gestellt als Abraham. Und weil eben Abraham ihm den Zehnten gegeben hat, hatte eigentlich auch gerade sein Nachkomme, nämlich das Priestertum aus dem Stamm Levi, gezähntet.
Damit wird klar, dass das Priestertum, das Aaron und seine Söhne und ihre Nachkommen hatten, niedriger ist als das Priestertum von Melchisedek. Und dann macht Paulus so etwas Grandioses: Er verweist im Hebräerbrief auf Psalm 110, auf einen messianischen Psalm. Schauen wir in Kapitel 5, Hebräer 5, Vers 5:
So hat auch der Christus sich nicht selbst verherrlicht, um Hoher Priester zu werden, sondern der, welcher zu ihm gesagt hat: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Wie er auch an einer anderen Stelle sagt: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.
Ja, dieses Wort: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks, ist ein Zitat aus Psalm 110, Vers 4. Da ist dieser Psalm, wo es heißt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich gelegt habe deine Feinde zum Schemel deiner Füße. Da spricht Gott, der Vater, zu dem Herrn Jesus, dem Messias: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten.
Und dieser Psalm bezieht sich also auf den Messias. Der Herr Jesus ist nach seiner Auferstehung in den Himmel gegangen und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt, wo Psalm 110, Vers 1 erfüllt wird. Aber in Vers 4 heißt es: Gott, der Vater, sagt ihm: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Und darum steht hier in Hebräer 5, Vers 10, dass der Herr Jesus, als er in den Himmel ging, von Gott begrüßt wurde, von Gott begrüßt als Hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks.
Und damit will der Hebräerbrief zeigen: Das Hohepriesteramt von Jesus Christus ist höher als das Priestertum aus dem Stamm Levi. Und wir wissen: Ab dem Jahr 70, als der Tempel zerstört wurde, hat der ganze Opferdienst aufgehört bis heute. Aber in dieser Zeit wissen wir: Der Herr Jesus ist im Himmel als Hoher Priester. Und Hebräer 7 sagt, dass er für uns betet als Hoher Priester im Himmel. Aber er ist eben Hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks, was eine höhere priesterliche Ordnung ist, die höchste.
Und das ist so grandios, wie der Hebräerbrief diese Dinge aufgreift: die Geschichte in 1. Mose 14, dann die Verknüpfung mit Psalm 110. Da mussten diese Hebräer, das waren ja alles Juden, nur staunen. Da haben wir nie dran gedacht, so grandios, wie das hier erklärt wird. Und so ist also Melchisedek ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der König und Priester in einer Person sein würde.
Ich war in Israel: Die Könige waren immer aus dem Stamm Juda und die Priester immer aus dem Stamm Levi. Es gab Gewaltentrennung, man konnte nicht König und Priester zugleich sein. Weil diese große Machtkonzentration eine Gefahr ist, wurde getrennt. Aber der Messias wird beides vereinen, und wir sehen: Bei Melchisedek war das so. Er hat auch beides in sich vereint und ist damit ein Hinweis eben auf den Messias.
Und so sehen wir also hier etwas ganz Grandioses: Dieser Melchisedek kommt da ins Tal, ins Königstal runter, das eben neben der Königsstadt war, auf dem Südabhang des Berges Zion, und er gibt Brot und Wein. Und das weist natürlich hin auf das Blut und den Leib des Herrn Jesus. Das war nicht das Abendmahl, aber die Symbolik ist da. Und der Herr Jesus erklärt ja in Johannes 6: Ich bin das Brot aus dem Himmel.
Wir können damit schließen, Johannes 6, Vers 35:
Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.
Und dann führte der Herr Jesus das weiter aus in Vers 51:
Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit.
Ja, also wer Jesus sagt, wer ihn aufnimmt, wirklich so wie man isst und das Brot in sich aufnimmt, wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. Und ganz wichtig: Das Wort Essen hier ist im Griechischen ein Aorist, das heißt, wer den Akt des Essens vollzieht, wird leben in Ewigkeit. Also, wer sich einmal richtig bekehrt, der ist für ewig errettet. Das sagt dieser Vers aus.
Aber dann haben wir Vers 54:
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank.
Hier haben wir auch das Wort ist, nicht wahr? Im Deutschen, wie in Vers 51, aber im Griechischen ist das eine andere Form. Hier ist es Essen im Durativ, das heißt etwas, was man immer wieder tut. Der Sinn ist also hier: Wer mein Fleisch immer wieder isst und mein Blut immer wieder trinkt, hat ewiges Leben. Da sagt der Herr nicht, der bekommt ewiges Leben, sondern er hat ewiges Leben. Einer, der ewiges Leben hat, ein Wiedergeborener, der ernährt sich von dem Herrn, der beschäftigt sich mit dem, was der Herr Jesus in seiner Liebe für uns getan hat am Kreuz. Und davon nährt er sich. Immer wieder.
Nun habe ich aber in Vers 35 gelesen: Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird niemals dürsten. Aber wenn man immer wieder isst, dann hat man doch einen geistlichen Hunger. Nun, es ist eben so, dass in Vers 35 wer zu mir kommt, erchomenos, das ist durativ, also wer immer wieder zu mir kommt, der wird nicht hungern, wird nicht dürsten. Das heißt, der muss nie eine geistliche Hungersnot erleben.
Ist das nicht auch ein Parallel zur Situation, die in Johannes 4 beschrieben wird, des lebendigen Wassers? Ja, natürlich. Dort sagt der Herr auch zu dieser Frau: Wer von dem Wasser trinkt, das er gibt, den wird in Ewigkeit nicht mehr dürsten. Das will sagen, dass man in dem Herrn Jesus die volle Befriedigung bekommen kann, und das wird gelten für die ganze Ewigkeit. Aber das bedeutet nicht, dass man als Gläubiger nicht Durststrecken erlebt, nicht wahr? Aber da muss man immer wieder zum Herrn kommen. Also der, der immer wieder kommt, der wird nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten. Der wird in dem Herrn völlig befriedigt und gesättigt werden, das ist die Aussage.
Und nun bringt eben Melchisedek diese Symbole wunderbar zu Abraham, nachdem er eben erschöpft war, was der hinter sich hatte. Das war nicht mit dem Auto von Jerusalem aus gesehen bis nach Tel Dan hoch und dann bis nach Damaskus und noch weiter und wieder zurück, Hunderte von Kilometern. Er kommt da, und Melchisedek kommt mit Brot und Wein, um ihn zu stärken. Der immer wieder zu mir kommt, der wird nicht hungern, wird nicht dürsten.
Ja, wollen wir an dieser Stelle schließen für heute?
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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