
Römer 8,12-1711.01.2026
Serie•Teil 32 / 48Wir betrachten den Römerbrief
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Hinführung zum Bibeltext
Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite. Schön, dass ihr alle da seid, trotz der Glätte und des Schnees. Wir sind eine richtige Wintergemeinde, wie in alten Zeiten. Wie schön, dass Gott das Wetter macht und nicht Menschen; dann hätten wir noch mehr Kriege.
Jetzt wollen wir uns wieder dem Römerbrief zuwenden. Habt ihr Freude? Nach diesen wunderschönen Festmahlzeiten, diesen Schlemmergerichten über Weihnachten und Neujahr, gibt’s heute wieder Normalkost. Habt ihr gehört? Ja, dann ist ja gut.
Stehen wir auf miteinander und lesen einen wunderbaren Text.
Römer 8,12-17
So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, nach dem Fleisch zu leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gotteskinder sind.
Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus, wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. Amen!
Nehmen wir Platz miteinander!
Die bleibende Notwendigkeit der Rechtfertigung aus Glauben
Ihr erinnert euch: Das wesentliche und große Thema des Römerbriefes war bisher die Frage, wie ich vor Gott gerecht werden kann, wie ich vor ihm, der heiligen Gerechtigkeit Gottes, bestehen kann. Die revolutionäre Antwort des Paulus war nicht: durch menschliche Mühen, nicht durch unsere Werke und durch das, was wir tun und Gott bringen, sondern vor Gott können wir nur aus dem Glauben an Jesus Christus gerecht werden.
Das war für das orthodoxe Judentum seiner Zeit die größte Ketzerei. Diese Lehre sprengte alles. Und wenn wir fragen, warum Paulus in seinem Brief an die Römer so viel Raum dafür nimmt, die Rechtfertigung aus Glauben zu lehren, warum er Kapitel für Kapitel immer und immer wieder dieses Thema lehrt und bespricht, dann liegt das daran, liebe Gemeinde, dass wir diese Evangeliumslehre, diese Glaubenslehre, so schwer in uns hineinkriegen.
Auch die heutige christliche religiöse Welt ist tief in dem Gedanken verstrickt, dass wir in den Himmel kommen, wenn wir uns bemühen, moralisch gute Menschen zu sein. Wenn wir das Unsere tun, dann werden wir das irgendwie doch schaffen, Gott zu gefallen. Aber für Paulus ist diese Lehre der sogenannten Werkegerechtigkeit Gift. Das ist toxisch, das ist verderblich und fluchwürdig. Und trotzdem steckt sie tief in unserem Fleisch und Blut.
Eine sehr prominente Frau des öffentlichen Lebens, die als Christin gilt, wurde von einem TV-Moderator gefragt – ich hatte diese Sendung selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verfolgt –, worauf sie am Ende des Lebens denn hoffe. Das war die Frage an diese prominente Christin. Da antwortete sie: „Ach, wissen Sie, ich gebe mir Mühe, ein guter Mensch zu sein, und hoffe, dass es dann ausreicht.“
Das ist diese fromme, ja, Paulus nennt sie verfluchte Werkegerechtigkeit, die uns alle umbringt. Dieses religiöse, fromme, moralische Christentum, das gar kein Christentum ist. Die fromme Werkegerechtigkeit, die Paulus brandmarkt.
Und liebe Gemeinde, ihr wisst: Die Reformation hatte genau denselben Kampf. Bis heute steckt diese Werkegerechtigkeit, bewusst oder unbewusst, immer noch im Innern von Millionen Christen fest. Und deshalb kann der Apostel nicht lassen, sich zu wiederholen, noch einmal und noch einmal die Gerechtigkeit aus Glauben zu erklären, die in Jesus Christus ist. Allein auf sie kommt es an, wenn wir selig werden wollen.
Warum die Wiederholung des Evangeliums nötig ist
Manchmal wird uns jetzt auch im Zusammenhang mit dem Römerbrief vorgeworfen: Ihr übertreibt das mit der Rechtfertigungslehre. Kann man das überhaupt übertreiben?
Nach einigen Monaten der Römerbriefbetrachtung habe ich es auch hier aus unseren Reihen gehört: Ich kann das Wort Rechtfertigung nicht mehr hören. Viele von euch sind voller Jubel und Freude, diesen Römerbrief Kapitel für Kapitel, Wort für Wort, Vers für Vers durchzugehen, zu verstehen und wiederzuhören, noch einmal zu hören und noch einmal zu hören. Aber einige sagen auch: Nein, nun ist auch genug davon.
Ja, ich verstehe euch. Wissen die Pastoren nichts anderes zu sagen als immer nur Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit? Eine Schwester rief mir sogar zu: Ich kann das Wort Gnade nicht mehr hören. Das finde ich nett.
Aber nicht selten sind es solche lieben Christen, die im Laufe ihres Lebens dann scheitern. Ich habe sie gesehen: Bei der nächsten Krise, die um die Ecke kommt, geraten sie in tiefe Glaubenskrisen und in Unsicherheiten. Dann weinen sie, und die Schuldgefühle drücken sie. Und dann rufen sie am Ende aus: Ja, was ist bloß mit mir los? Ich habe meinen Kompass verloren. Kann ich Gott überhaupt noch glauben? Warum ist er so hart zu mir? Und dann haben sie Schwierigkeiten mit Gott.
Ihr lieben Geschwister, das kommt daher, weil wir in den Fundamenten des Evangeliums nicht wirklich gesettelt sind. Und deswegen ist dieser Römerbrief letzten Endes so wichtig. Dass wir so viel und so oft über Gerechtigkeit aus Glauben reden, dafür müsst ihr euch letzten Endes bei Paulus beklagen, der hier so viel darüber redet. Und nicht nur im Römerbrief, auch im Galaterbrief und immer an allen Orten ist er dabei, weil er weiß, worauf es ankommt.
Ich verstehe das. Ich weiß das ja auch. Ich kämpfe mit Schokolade und mit Eiscreme und Sahne. Ich mag das so gerne. Und ihr sagt auch: Können Sie nicht mal ein bisschen was Süßes auf der Kanzel vortragen und nicht immer so viel Schweres? Das muss man lernen und begreifen und so weiter.
Aber ihr wisst, ihr Lieben, unsere Gesellschaft leidet an der Zuckerkrankheit. Wisst ihr das? Und es gibt Christen, die leiden auch unter Zuckerkrankheit. Ihr wollt immer etwas Süßes. Ihr wollt Pralinen. Aber Paulus sagt: Ihr braucht in eurer Ernährung Nährstoffe. Jemand sagt: Wir brauchen Schwarzbrot, Vollkornbrot. Ja, immer wieder dasselbe, aber das ist das Grundnahrungsmittel.
Und ich möchte euch Mut machen, auch für die weitere Reise durch den Römerbrief, dass ihr mit Freude dabei seid. Gott möchte, dass wir uns gesund ernähren und dass wir nicht an Überfettung leiden, sondern dass wir sportlich sind, fit, geistlich fit, gesund, kraftvoll, überwindend und stark. Und dazu brauchen wir das gesunde Wort Gottes.
Und alles Volk sagt: Na ja, von der Seite war es kräftiger.
Ja, also ihr Lieben, heute führt Paulus nun einen neuen Gedanken ein.
Der Geist Gottes als Weg in Nachfolge und Wahrheit
Noch einmal zeigt er in unserem Text, dass wiedergeborene Christen nicht mehr wie Weltmenschen unter der Pflicht stehen, nach dem Fleisch zu leben, Vers zwölf, das habt ihr, sondern dass sie aufgrund der hinzugekommenen neuen Natur nach dem Geist leben und die Taten des Leibes töten.
Dann folgt Vers 14. Ihr habt eure Bibeln auf dem Schoß: Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
Was heißt hier: vom Geist geleitet? Viele Christen glauben, dass damit die sogenannte Geistesleitung gemeint sei, durch die wir im Alltag merklich, ja nahezu von Augenblick zu Augenblick, geleitet werden. Der Heilige Geist gibt uns demnach Impulse, ob wir hierhin oder dahin fahren sollen, ob wir dieses oder jenes anziehen sollen und so weiter.
Vor einiger Zeit, das ist schon einige Jahre her, war das für mich persönlich das stärkste Erlebnis, zu erkennen, was Geistesleitung nicht ist oder was keine Geistesleitung ist. Ich fuhr mit der S-Bahn an der Haltestelle Altona. Da stieg eine Frau zu, sah mich und rief mir laut zu: Wie wunderbar ist doch der Heilige Geist, der mich geleitet hat, dich zu treffen.
Ich kannte die Schwester und fragte, wie sie das meine. Da erzählte sie, dass sie schon eine Reihe von S-Bahn-Stationen hinter sich hatte und auf den Bahnsteigen häufiger den Waggon gewechselt hatte. Zu Beginn hatte eine innere Stimme zu ihr gesagt: Steige in den zweiten Wagen. Eine Station später hieß es: Steige um in den vierten Wagen. Und dann wieder: Jetzt steige in den fünften. Und dann in den dritten. Und nun, Pastor Weger, bin ich hier und habe Sie getroffen. Halleluja! Welch eine wunderbare Leitung des Geistes, meinte sie.
Ich sagte ihr, wenn sie nicht bald mit dieser Art Geistesleitung aufhört, wird sie bald in der Psychiatrie landen, denn unter Geistesleitung versteht die Bibel ganz etwas anderes.
Das sehen wir hier. Unser Text erklärt es uns: Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Aus dem kleinen Wörtchen denn geht hervor, worauf sich das „durch den Geist Gottes geleitet werden“ bezieht. Es bezieht sich nicht darauf, zu knobeln, ob man die roten oder die schwarzen Schuhe anziehen soll, sondern auf den vorhergehenden Vers, den Kontext, wie wir immer so schön sagen.
Der hieß: So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, gemäß dem Fleisch zu leben. Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben.
Das ist die Geistesleitung, von der Paulus spricht. Wiedergeborene Menschen werden in der Weise durch den Geist geleitet, dass sie die Taten des Leibes töten, was die Begierden des Fleisches meint. Ein Weltmensch wird nicht durch den Geist geleitet. Ihn leitet das Fleisch, ihn motiviert die Lust nach der Sünde. Aber ein Christ hat den Heiligen Geist empfangen und wird vom Geist geleitet.
Wir kennen den Satz im Römerbrief: Wisst ihr nicht, dass euch die Güte Gottes zur Buße leitet? Gott, der Heilige Geist, leitet uns beim Anfang unseres Christseins zur Buße. Menschen tun Buße aufgrund von Geistesleitung. Der Geist Gottes überführt sie von Sünde und Ungerechtigkeit. Und dann leitet der Heilige Geist ihr Herz zur Buße. Das ist die erste Erfahrung von Geistesleitung.
Im Gegensatz zu einem Nichtgläubigen wird ein Christ durch Gott, den Heiligen Geist, angehalten, den Weg der Nachfolge zu gehen, den guten Kampf des Glaubens zu führen, der Versuchung zu widerstehen und der Heiligung nachzujagen. Der Heilige Geist nimmt dich mit auf diesen Weg des Glaubens, auf diesen Weg der Nachfolge, und er führt dich in ein gottseliges Leben hinein. Er lehrt uns, die Bibel zu lieben, das Gebet zu pflegen, die Gemeinschaft mit Gott zu suchen, die Gottesdienste mit Freude zu besuchen und die Gemeinschaft der Heiligen wertzuschätzen.
Der Heilige Geist hält uns auf dem Weg. Er erquickt unsere Seele, wie es schon im Psalm heißt: Er erquickt meine Seele und führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Deswegen spricht die Bibel davon, dass der Heilige Geist uns auch in alle Wahrheit leitet. Jetzt kommt wieder das Wort leitet: Der Heilige Geist leitet in alle Wahrheit. Er leitet zur Buße, er leitet zur Erkenntnis, er leitet zur Nachfolge, er leitet in alle Wahrheit, er erleuchtet.
Wir haben jetzt nicht die Zeit, es wäre ein Thema für sich allein, an endlos vielen Bibelstellen zu zeigen, wie der Heilige Geist leitet, er erleuchtet, er erinnert: Er wird euch an alles erinnern, was von mir gesagt ist. Er drängt, er zieht, er ermahnt, er tröstet, er salbt, und das für immer. Er bleibt für immer bei uns und führt uns sicher an das Ziel unserer ewigen Verherrlichung.
Die Würde der Sohnschaft und das Bild der Heimkehr
An solchen Stellen werde ich dann immer wieder an die alten Lieder erinnert. Sie sind alt, und sie sind neu. Vielleicht kennen einige das noch: Eiland, führe du dein Kind, deine Hand ist stark und lind, meine Burg, mein Fels, mein Licht, Jesu, meine Zuversicht. Und im Refrain heißt es dann: führe, führe, führe mich durch Nacht zum Licht, und wenn alles wankt und bricht, bleibst du meine Zuversicht. Und in Vers drei: Drum so nimm denn meine Hand, führ mich bis ins Vaterland, heiter folg ich Schritt für Schritt, denn mein Jesus geht ja mit.
Also, ihr Lieben: Geist ist Leitung. Das bedeutet, der Heilige Geist führt einen Menschen in das Reich Gottes hinein, in die Jüngerschaft, in den Glauben, in die Erkenntnis, in die Lehre der Wahrheit, in die Buße. Es ist der gegenwärtige Heilige Geist in unserem Leben, der uns garantiert, dass wir uns nicht verirren und dass wir nicht vom Weg abkommen, sondern sicher nach Hause in unser Vaterland gelangen.
Und nun sagt der Apostel: Denn alle, die durch den Geist geleitet werden, die lernen, den Glaubensweg zu gehen, die lernen, die Taten des Fleisches zu töten, die sind – und jetzt kommt etwas Neues, das ist ganz neu im Römerbrief – die sind Söhne Gottes. Die vom Heiligen Geist geleitet werden, das sind Söhne Gottes. Alle, die durch den Heiligen Geist auf dem Weg des Lebens geführt werden, die sind Söhne Gottes. Die hat der Herr an die Hand genommen. Er hat sie durch die Kraft des Geistes geleitet. Sie leben nicht mehr nach dem Fleisch, sondern sie wandeln nach dem Geist. Das sind die Söhne Gottes, die von neuem geboren sind.
Es soll geschlechtergerechte Bibeln geben, denen es ein Anstoß ist, dass es hier nur heißt Söhne Gottes und nicht auch Töchter Gottes. Nein, die im lebendigen Glauben sind, liebe Gemeinde, sind alle Söhne Gottes. Ich fühle mich nicht befugt, irgendjemandem zu folgen, der die Bibel nach seiner Ideologie versucht umzuformulieren. Wir bleiben bei dem, was der Text und auch der Urtext sagt: Die sind Söhne Gottes. Die im lebendigen Glauben sind, sind alle Söhne Gottes, einerlei, ob Mann oder Frau. Auch die Schwestern im Glauben sind Söhne Gottes. Geistlich sind wir alle, die wir durch den Geist getrieben, geleitet sind, Söhne Gottes.
Was für eine Erhebung, was für eine Würdigung, Söhne des Allerhöchsten genannt zu werden. Hier müssen wir einen Augenblick stehenbleiben. Und das ist jetzt neu, wie gesagt, im Römerbrief. Bisher waren wir Glaubende, Gerechtfertigte, Bekehrte, Wiedergeborene. Aber nun sind wir – was sind wir? Oh, seid ihr flüstern: die Söhne. Wir sind Söhne. Was sind wir? Wir sind Söhne Gottes.
Gott hätte uns in Jesus doch unsere Sünden vergeben können und schlicht als bußfertige Sünder in den Himmel aufnehmen können. Das hätte doch völlig ausgereicht. Aber einem Christen sind nicht nur seine Sünden vergeben, ja, dem Herrn sei Dank, sie sind ihm vergeben. Christen sind gerechtfertigt und versöhnt. Halleluja, gewaltig, gewaltig. Aber wir müssen noch da nicht stoppen. Es geht noch weiter. Gott sagt nicht nur: Ihr seid meine Bekehrten, ihr seid meine Schafe. Er sagt nicht nur: Ihr seid meine Gerechtfertigten, und ihr seid meine Versöhnten, sondern er sagt: Ihr seid jetzt meine Söhne.
Da ist etwas drin. Der Herr konnte damals in Rom seinem Sklaven vergeben, aber das machte ihn doch nicht gleich zum Sohn. Ihm ist vergeben, aber er bleibt Sklave. Paulus zeigt uns aber noch mehr. Mit diesem Bild von unserer Sohnschaft zeigt er die überragende Herrlichkeit des Evangeliums. Das Evangelium ist nicht nur Vergebung, Versöhnung und Rechtfertigung und belässt uns dann in unserem Stand als Knecht.
Die Annahme als Kinder und Erben Gottes
Ihr erinnert euch an die Geschichte von dem verlorenen Sohn. Er hatte alles verprasst, was sein Vater ihm als Gabe mitgegeben hatte. Am Schweinetrog gelandet, kam er zu sich selbst. Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, und ich verderbe vor Hunger. Ich will mich aufmachen zu meinem Vater und sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Und ich bin jetzt, pass, hör gut zu, und ich bin nicht wert, dein Sohn zu heißen. Bitte mach mich zu einem deiner Tagelöhner, das reicht mir.
Als er nach Hause kam, bat er tatsächlich: Vater, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Mit anderen Worten: Bitte zähle mich zu deinen Knechten, aber vergib mir und nimm mich wieder bei dir auf.
Wäre das in Ordnung gewesen, wenn der Vater gesagt hätte: Komm, schön, dass du da bist. Du möchtest bei den Tagelöhnern sein, ich habe dir vergeben, und lass uns alles vergessen. Geh da hin zu den Tagelöhnern, dann hast du was zu essen. Hat der Vater so reagiert? Nein, hier kommt es jetzt.
Es wäre ein großes Geschenk seitens des Vaters gewesen, seinem Sohn zu vergeben und ihn als Knecht im Hause zu beschäftigen. Aber der Vater ging weiter. Er hat ihn nicht als Tagelöhner beschäftigt. Er sprach: Bringt das beste Festgewand her, zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße. Bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es, und lasst uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Der junge Heimkehrer wurde nicht als Versöhnter, nicht als Knecht eingesetzt, sondern in die volle Sohnschaft. Und darüber wollen wir Gott loben und preisen. Nimm das auf in dein Herz: welch eine Würdigung, welch eine Liebe, unbeschreiblich.
Gott sagt zu dem Sünder: Komm nach Hause. Du bist für mich nicht ein Obdachloser, dem ich in einem Nebenraum meines Hauses etwas Wärme und etwas Brot gebe, und es soll wieder alles gut sein zwischen uns. Nein, komm, du bist mein Sohn. Ich nehme dich auf in die Familie. Du gehörst dazu, in die Familie Gottes ganz und gar. Du bist erhoben, aus Gnade!
Das will Paulus den Römern nahebringen und auch uns klar machen, indem er weiterschreibt. Lest es: Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!
Wenn wir als verlorene Sünder in Buße zu Gott nach Hause kommen, dann geschieht das Unglaubliche. Er vergibt nicht nur, er versöhnt sich nicht nur mit dir, sondern er macht dich zum Sohn und, in Vers 17 sogar, zum Erben. Wenn wir aber Kinder sind, Söhne also, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus. Hast du das gehört? Miterben mit seinem großen Sohn Jesus Christus.
Gott erhebt uns, ich will ganz langsam sprechen, Gott erhebt uns zum Bruder seines echten, vor ewigen Zeiten in himmlischer Herrlichkeit einzig gezeugten Sohnes, und wir werden zu Miterben seiner Herrlichkeit.
Freiheit von Furcht und die Sicherheit der Adoption
Ihr lieben Römer, ihr lieben Hamburger, wie gewaltig ist das! Denn viele Christen haben das noch nicht verstanden. Sie freuen sich über ihre Vergebung, ja, das sollst du, das darfst du. Sie freuen sich über ihre Annahme bei Gott, aber sie leben im Reich Gottes immer noch in diesem Geist der Knechtschaft. Sie haben nicht verinnerlicht, was ihre Errettung wirklich bedeutet.
Sie leben im Geist der Furcht, denn Knecht in einem noch so edlen Adelshaus zu sein, bedeutet keine Sicherheit. Knechte sind kündbar. Sie werden wieder rausgeschmissen, wenn sie sich verfehlen. Weil viele Christen noch nicht ihre Sohnschaft erfasst haben, leben sie immer noch so, als gelte die Werksgerechtigkeit. Machst du deine Sache ordentlich, kannst du bleiben. Machst du sie verkehrt, dann fliegst du raus. Falsch! Du bist nicht mehr Knecht, du bist Sohn!
Christen, die im Reiche Gottes immer noch im Geist der Knechtschaft leben, haben Angst, ihr Heil wieder verlieren zu können. Sie werden von Verdammnis- und Verlorenheitsängsten gequält. Und dabei helfen viele Prediger mit, auch in unserem Lande, indem sie den Söhnen Gottes, den Miterben Christi, erklären, dass alles noch nicht sicher sei.
Ein Pastor setzte mir einmal die Pistole auf die Brust und fragte frei heraus: Bruder, glaubst du die Irrlehre „einmal gerettet, immer gerettet“? Da antwortete ich ihm: Glaubst du denn „einmal gerettet, noch lange nicht gerettet“? Was ist das für eine Errettung, in der ich doch noch nicht wirklich errettet bin?
Das ist so ähnlich, als wenn mir jemand sagt: Wolfgang, du hast ein Millionenerbe gemacht. Du bist Erbe von dem und dem. Oh, darf ich mich darüber freuen? Freude, Jubel! Du bist reich, du bist Erbe, du hast Millionen! Oh, am nächsten Tag kommt er wieder und sagt: Du, hör mal, aber ich habe vergessen zu sagen, du musst Bedingungen erfüllen. Und wenn du die nicht erfüllst, sicher ist das Ganze nun nicht. Ach so, ja, habe ich gedacht, wer besser hätte mir noch niemals erzählt, dass es ein Erbe für mich gibt.
Nein, ihr Lieben, Paulus erklärt: Du bist Sohn und du bist Erbe, und das ist sicher. Wenn du in Buße und in echtem Glauben zu deinem himmlischen Vater kommst, nimmt er dich nicht als Sklave in sein Haus auf, um bei der nächsten Gelegenheit, wenn du Mist baust, wieder rausgeschmissen zu werden, sondern er adoptiert dich und macht dich zu seinem Sohn und Erben. Und das ist unwiderruflich.
Das gilt in unserem deutschen Recht auch. Wenn jemand ein geborenes Kind hat, ist es rechtlich sein Kind und Erbe. Und wenn es adoptiert wird, dann gilt genau das Gleiche. Dann wird das Kind nicht wieder los. Und das ist gut so. Und Gott hat uns adoptiert. Und er will uns nicht wieder loswerden, sondern er sagt: Was ich gesagt habe, habe ich gesagt. Meine Rede ist Ja und Amen und ändert sich nicht. Du bist mein Sohn.
Alle, die nach dem Heiligen Geist geleitet werden, dies sind Söhne Gottes. Und sie sollen nicht mehr im Geist der Knechtschaft und der Furcht leben, sondern sie sollen sich freuen und im Geist der Sohnschaft und Sicherheit leben, in Jesu wunderbaren Namen. Halleluja, Amen!
Raus aus den Depressionen, hinein in die Freude, hinein in die Gewissheit, in die herrliche Heilsgewissheit der Kinder Gottes, in Jesu Namen. Wie köstlich ist das!
Das vertrauensvolle Rufen des Glaubens
Ja, zum Schluss: Was noch dazukommt, ist das unterschiedliche Verhältnis von Knecht und Sohn zu dem Vater. Das Verhältnis des Knechtes zum Vater, wie wir gehört haben, ist rein geschäftlich, es ist arbeitsrechtlich. Aber das Verhältnis des Sohnes zum Vater ist privat, familiär, vertraulich. Das Vater-Sohn-Verhältnis ist von Liebe geprägt und nicht von Pflicht.
Deshalb schreibt Paulus in Vers 15: Ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, indem wir rufen: „Abba, lieber Vater.“ Der Geist unserer Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn heißt also: „Abba“. „Abba“ ist das aramäische Wort für Vater. Oft wird gemeint, man könne auch mit „Papa“ oder „Papi“ übersetzen. Das ist nicht richtig. Gott ist nicht unser Daddy. Er ist unser Vater, unser zu ehrender Vater, aber auch unser lieber Vater. „Abba“ kann richtig übersetzt heißen: „Vater, lieber Vater!“
Man muss es einmal zusammen sagen. Aus der Tiefe deines Herzens kannst du es sagen: „Vater, lieber Vater!“
Stell dir einen Richter vor, der im Gerichtssaal sauber Recht spricht und Kriminelle unbestechlich verurteilt. Er wirkt eisern und unbarmherzig, dem harten Buchstaben der Rechtsprechung verpflichtet. Da ist kein Geist der Vaterschaft. Im Gerichtssaal ist Furcht, verurteilt zu werden.
Aber wenn dieser Richter nach Hause kommt und seine Kinder kommen an die Tür, dann ist er Vater. Er nimmt die Seinen in den Arm und küsst sie. Das wird er mit den Kriminellen nicht tun, die gerechterweise verurteilt werden müssen. Aber seine Kinder haben Zugang zu ihm. Sie haben das Privileg, nah bei ihm zu sein und herzlichen Umgang mit ihm zu haben.
Ja, Gott ist Richter. Unbestechlich wird er nach seinem Gesetz die Sünder, die unbußfertigen Sünder, richten. Aber wohl dem, den er aus Gnade als Kind angenommen hat. Der hat freien Zugang zu ihm und steht in einem väterlichen Verhältnis der Liebe zu ihm. Darum haben wir vor ihm keine Angst mehr. Die Kinder haben keine Angst vor ihrem Vater, sondern sie dürfen voller Zuneigung zu ihm sagen: „Vater, lieber Vater.“
Das ist ja gewaltig. Jesus hat genau das auch gebetet im Garten Gethsemane, wisst ihr noch? Er war in großer Angst, aber dann rief er in Markus 14,36: „Abba, Vater, mein geliebter Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir; doch nicht ich, doch nicht was ich will, sondern was du willst.“
Stell dir vor: Dasselbe vertrauensvolle Vaterverhältnis zu Gott, dem Allerhöchsten, das Jesus zu seinem Vater hatte. Jesus sagt: „Abba, Vater“, genau wie er. Er ist unser Bruder, er ist der Erstgeborene, und auf vielen Brüdern sind wir ihm in unserer Beziehung zum Vater gleich. Wir dürfen sagen: „Vater, lieber Vater.“ Wir sind Söhne, wir sind Kinder Gottes und gehören zur Familie. Gott hat uns zu Söhnen und Erben des Himmelreichs gemacht.
Martin Lloyd-Jones hat gesagt: Das ist die Krönung des herrlichen Evangeliums. Und darüber können wir nur jubeln. Wir können sicher sein: Gott hat uns nicht nur gerechtfertigt in Jesus Christus, sondern er verherrlicht uns auch. Er führt uns bis ans Ende.
Das innere Zeugnis des Heiligen Geistes
Und nur noch ganz kurz, Christian: Über Vers 16 müsste man eigentlich eine Extra-Predigt halten, oder zwei oder drei.
Der Geist selbst, Vers 16: Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Jetzt kommt noch eine weitere Komponente hinzu. Jetzt sagt der Apostel Paulus: Ich schreibe euch das aus dem Evangelium heraus. Ich schreibe euch das aus der Offenbarung Gottes und seiner Selbstvorstellung heraus. Ich schreibe euch das aufgrund der heiligen Schriften. Aber es gibt auch noch ein persönliches Zeugnis.
Der Heilige Geist vermittelt den Glaubenden eine tiefe Gewissheit, ein seliges Wissen. Wir haben vorhin das Lied gesungen: seliges Wissen, Jesus ist mein. Es erfüllt das Herze mit himmlischem Schein, wiedergeboren, frei von der Sünd, unseres Gottes herrliches Kind. Das ist die Gewissheit durch den Heiligen Geist, das Zeugnis des Heiligen Geistes.
Dass ihr mich nicht falsch versteht und auch Paulus nicht falsch versteht: Paulus sagt nicht, wenn ihr das Zeugnis des Heiligen Geistes nicht habt und nicht fühlt in euch, dass ihr Kinder Gottes seid, dann seid ihr keine Kinder Gottes. Nein, damit ist nicht der Gedanke beziehungsweise der Grundsatz des Glaubens ausgeräumt. Wir leben im Glauben, nicht im Schauen. Wir leben im Glauben und nicht aus dem Gefühl.
Doch zeigt uns der Apostel, dass aus diesem nüchternen Glauben, wenn ich auch nichts fühle, nicht sehe und nicht spüre, aber ich glaube an meinen Jesus Christus, meinen Erlöser, dass dieser Glaube fest in deinem Herzen ist und bleibt durch den Heiligen Geist. Dann wird das auch zu einer Freude führen, mehr oder weniger, nicht immer, aber manchmal oder auch oft. Das kennen fast alle Christen. Wenn du das noch nicht kennst, dann darf ich dir Mut machen: Der Heilige Geist wirkt in deinem Leben. Und dann dauert es nicht lange, dann wirst du eine große Freude über dein Heil entdecken, und du spürst, wie der Heilige Geist dir Zeugnis gibt.
Hiob hat plötzlich mitten in seiner Krankheit und Not gerufen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Paulus sagt auch im Römerbrief am Ende des Kapitels: Ich bin gewiss, weder Tod noch Leben kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Freude im Herrn, die Freude am Herrn ist meine Stärke. Vor deinem Angesicht ist Freude die Fülle. Liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich.
Liebe Gemeinde, wir befinden uns hier in einer Herrlichkeit, in einer Schönheit, in einer Wahrheit, in einer Kraft, in einem Segen, das können wir nicht fassen. Ich bitte dich nur: Geh hinein und spring hinein, bade in diesem Segen, bade in diesem Heil! Du bist ein Sohn Gottes, durch den Heiligen Geist geleitet. Du lebst nicht mehr in der Furcht der Knechtschaft, in dem Geist der Knechtschaft und der Furcht, sondern du erfreust dich der Sohnschaft und jubelst, denn der Heilige Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
Mehr kann ich heute Morgen nicht zu euch sagen. Nehmt und macht, was ihr wollt damit, in Jesu Namen, Amen!
Schlussgebet und Segensbitte
Wir stehen miteinander auf. Halleluja, mein Gott, ich danke dir, dass wir so erfüllt sein dürfen. Und während ich auch darüber sprechen darf, hast du auch mein Herz so erfüllt, Herr, und du erfüllst die Herzen der Hörer, dass der Jubel in ihrer Seele ausbricht. Du reißt sie aus ihrer Traurigkeit und Verzagtheit und zeigst ihnen: Nun sind wir nicht nur versöhnt, und nicht nur gerechtfertigt, uns ist nicht nur vergeben, sondern wir sind Söhne Gottes.
Herr, ich danke dir, dass die Gemeinde das volle Heil empfangen darf und darin fröhlich ist im Heiligen Geist. Halleluja, Amen.
