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Söhne Gottes

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 32/33
11.01.2026Römer 8,12-17
SERIE - Teil 32 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Wie verändert der Heilige Geist das Leben eines Christen? Warum reicht Vergebung allein nicht aus, sondern Gott macht uns zu Söhnen und Erben? Erfahre, warum es nicht um Moral und Werke geht, sondern um ein neues Leben aus Glauben, das uns Sicherheit und Freude schenkt. Was bedeutet es wirklich, durch den Geist Gottes geleitet zu werden und als Kind Gottes zu leben?

Begrüßung und Einführung in das Thema

Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite. Schön, dass ihr alle da seid, trotz Glätte und Schnee. Wir sind eine richtige Wintergemeinde, wie in alten Zeiten. Wie schön, dass Gott das Wetter macht und nicht Menschen, sonst hätten wir noch mehr Kriege.

Jetzt wollen wir uns wieder dem Römerbrief zuwenden. Habt ihr Freude? Nach diesen wunderschönen Festmahlzeiten und den Schlemmergerichten über Weihnachten und Neujahr gibt es heute wieder Normalkost. Habt ihr das gehört? Ja, dann ist ja gut.

Stehen wir auf miteinander und lesen einen wunderbaren Text: Römer 8,12-17.

So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, nach dem Fleisch zu leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben.

Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, indem wir rufen: Abba, Vater!

Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gotteskinder sind. Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus, wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. Amen!

Nehmen wir Platz miteinander.

Die zentrale Frage des Römerbriefes und die Rechtfertigung aus Glauben

Ihr erinnert euch: Das wesentliche und große Thema des Römerbriefes war bisher die Frage, wie ich vor Gott gerecht werden kann, wie ich vor der heiligen Gerechtigkeit Gottes bestehen kann. Die revolutionäre Antwort des Paulus lautete, dass das nicht durch menschliche Mühen geschieht, nicht durch unsere Werke und das, was wir tun und Gott bringen.

Sondern: Wir können vor Gott nur aus dem Glauben an Jesus Christus gerecht werden. Für das orthodoxe Judentum seiner Zeit war das die größte Ketzerei, denn diese Lehre sprengte alles. Wenn wir fragen, warum Paulus in seinem Brief an die Römer so viel Raum dafür nimmt, die Rechtfertigung aus Glauben zu lehren, und warum er Kapitel für Kapitel immer wieder penetrant dieses Thema behandelt, dann liegt das daran, dass wir diese Evangeliumslehre, diese Glaubenslehre, so schwer in uns hineinbekommen.

Auch die heutige christliche religiöse Welt ist tief in dem Gedanken verstrickt, dass wir in den Himmel kommen, wenn wir uns bemühen, moralisch gute Menschen zu sein. Wenn wir unser Bestes tun, dann werden wir es irgendwie schaffen, Gott zu gefallen. Für Paulus aber ist diese Lehre der sogenannten Werkegerechtigkeit Gift. Sie ist toxisch, verderblich und fluchwürdig. Trotzdem steckt sie tief in unserem Fleisch und Blut.

Eine sehr prominente Frau des öffentlichen Lebens, die als Christin gilt, wurde von einem TV-Moderator gefragt – ich habe diese Sendung selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verfolgt –, worauf sie am Ende des Lebens denn hofft. Die Frage richtete sich an diese prominente Christin. Sie antwortete: „Ach wissen Sie, ich gebe mir Mühe, ein guter Mensch zu sein, und hoffe, dass es dann ausreicht.“

Das ist diese fromme, ja – Paulus nennt sie verfluchte – Werkegerechtigkeit, die uns alle umbringt. Dieses religiöse, fromme, moralische Christentum, das gar kein Christentum ist. Die fromme Werkegerechtigkeit, die Paulus brandmarkt.

Liebe Gemeinde, ihr wisst, die Reformation führte genau denselben Kampf. Bis heute steckt diese Werkegerechtigkeit, bewusst oder unbewusst, immer noch im Innern von Millionen Christen fest. Deshalb kann der Apostel nicht lassen, sich zu wiederholen und immer wieder die Gerechtigkeit als Glauben zu erklären, die in Jesus Christus ist.

Allein auf sie kommt es an, wenn wir selig werden wollen.

Herausforderungen und Missverständnisse in der heutigen Glaubenspraxis

Manchmal wird uns im Zusammenhang mit dem Römerbrief vorgeworfen, wir würden es mit der Rechtfertigungslehre übertreiben. Kann man das überhaupt übertreiben? Nach einigen Monaten der Beschäftigung mit dem Römerbrief habe ich auch aus unseren Reihen solche Stimmen gehört.

Ich kann das Wort Rechtfertigung nicht mehr hören. Viele von euch sind voller Jubel und Freude, diesen Römerbrief Kapitel für Kapitel, Wort für Wort, Vers für Vers durchzugehen, zu verstehen, immer wieder zu hören und noch einmal zu hören. Aber einige sagen auch: Nein, es ist jetzt genug davon.

Ja, ich verstehe euch. Manche fragen sich, ob die Pastoren nichts anderes zu sagen haben als immer nur Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit. Eine Schwester rief mir sogar zu: Ich kann das Wort Gnade nicht mehr hören. Das finde ich nett.

Doch nicht selten sind es gerade solche lieben Christen, die im Laufe ihres Lebens scheitern. Ich habe sie gesehen: Bei der nächsten Krise, die um die Ecke kommt, geraten sie in tiefe Glaubenskrisen und Unsicherheiten. Dann weinen sie, die Schuldgefühle drücken sie, und am Ende rufen sie aus: „Was ist bloß mit mir los? Ich habe meinen Kompass verloren. Kann ich Gott überhaupt noch glauben? Warum ist er so hart zu mir?“

Dann haben sie Schwierigkeiten mit Gott. Liebe Geschwister, das liegt daran, dass wir in den Fundamenten des Evangeliums nicht wirklich gefestigt sind. Deshalb reden wir im Römerbrief so viel und so oft über Gerechtigkeit aus Glauben. Letztlich müsst ihr euch bei Paulus beklagen, der hier so viel darüber spricht – und nicht nur im Römerbrief, sondern auch im Galaterbrief und an vielen anderen Stellen. Er weiß, worauf es ankommt.

Die Notwendigkeit geistlicher Nahrung und geistlicher Fitness

Ich verstehe das, ich weiß das ja auch. Ich kämpfe mit Schokolade, mit Eiscreme und Sahne. Ich mag das so gerne. Und ihr sagt auch: Können Sie nicht mal ein bisschen was Süßes auf der Kanzel vortragen und nicht immer so viel Schweres? Das muss man lernen und begreifen usw.

Aber ihr wisst, ihr Lieben, unsere Gesellschaft leidet an der Zuckerkrankheit. Wisst ihr das? Es gibt Christen, die leiden auch unter Zuckerkrankheit. Ihr wollt immer etwas Süßes, ihr wollt Pralinen. Aber Paulus sagt: Ihr braucht in eurer Ernährung Nährstoffe. Jemand sagt, wir brauchen Schwarzbrot, Vollkornbrot. Ja, immer wieder dasselbe, aber das ist das Grundnahrungsmittel.

Ich möchte euch Mut machen, auch für die weitere Reise durch den Römerbrief, dass ihr mit Freuden dabei seid. Gott möchte, dass wir uns gesund ernähren und nicht an Überfettung leiden. Sondern dass wir sportlich sind, fit, geistlich fit, gesund, kraftvoll, überwinden, stark sein.

Und dazu brauchen wir das gesunde Wort Gottes. Und alles Volk sagt: Von der Seite war es kräftiger.

Die neue Natur der Christen und die Führung durch den Geist

Also, ihr Lieben, heute führt Paulus einen neuen Gedanken ein. Noch einmal zeigt er in unserem Text, dass wiedergeborene Christen nicht mehr wie Weltmenschen unter der Pflicht stehen, nach dem Fleisch zu leben (Vers 12). Sondern aufgrund der hinzugekommenen neuen Natur leben sie nach dem Geist und töten die Taten des Leibes.

Dann folgt Vers 14: „Ihr habt eure Bibeln auf dem Schoß.“ Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, sind Söhne Gottes.

Was heißt hier „durch den Geist geleitet“? Viele Christen glauben, dass damit die sogenannte Geistesleitung gemeint sei, durch die wir im Alltag merklich, ja nahezu von Augenblick zu Augenblick, geführt werden. Der Heilige Geist gibt uns demnach Impulse, ob wir hierhin oder dorthin fahren sollen, ob wir dieses oder jenes anziehen sollen und so weiter.

Vor einiger Zeit – das ist schon einige Jahre her – war das, wie ich empfinde, für mich persönlich das stärkste Erlebnis, zu erkennen, was Geistesleitung nicht sein soll bzw. was keine Geistesleitung ist. Ich fuhr mit der S-Bahn, an der Haltestelle Altona stieg eine Frau zu, sah mich und rief mir laut zu: „Wie wunderbar ist doch der Heilige Geist, der mich geleitet hat, dich zu treffen!“ Ich kannte die Schwester und fragte, wie sie das meine.

Da erzählte sie, dass sie schon eine Reihe von S-Bahn-Stationen hinter sich hatte und auf den Bahnsteigen häufiger den Waggon gewechselt hatte. Zu Beginn hatte eine innere Stimme zu ihr gesagt: „Steige in den zweiten Wagen!“ Eine Station später hieß es: „Steige um in den vierten Wagen!“, und dann wieder: „Jetzt steige in den fünften!“ und schließlich „in den dritten“. Und nun, Pastor Weger, bin ich hier und habe Sie getroffen – Halleluja! Welch eine wunderbare Leitung des Geistes, meinte sie.

Ich sagte ihr: „Wenn Sie nicht bald mit dieser Art Geistesleitung aufhören, werden Sie bald in der Psychiatrie landen.“ Denn unter Geistesleitung versteht die Bibel ganz etwas anderes. Das sehen wir hier. Unser Text erklärt es uns: „Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, sind Söhne Gottes.“

Aus dem kleinen Wörtchen „denn“ geht hervor, worauf sich das „durch den Geist Gottes geleitet werden“ bezieht. Es bezieht sich nicht darauf, zu knobeln, ob man die roten oder die schwarzen Schuhe anziehen soll, sondern auf den vorhergehenden Vers, den Kontext, wie wir immer so schön sagen. Der lautet:

„So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, gemäß dem Fleisch zu leben; denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben. Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“

Das ist die Geistesleitung, von der Paulus spricht. Wiedergeborene Menschen werden in der Weise durch den Geist geleitet, dass sie die Taten des Leibes töten – das meint die Begierden des Fleisches.

Ein Weltmensch wird nicht durch den Geist geleitet. Ihn leitet das Fleisch, ihn motiviert die Lust nach der Sünde. Aber ein Christ hat den Heiligen Geist empfangen und wird vom Geist geleitet.

Die Wirklichkeit der Geistesleitung im Leben eines Christen

Wir kennen den Satz im Römerbrief: Wisst ihr nicht, dass euch die Güte Gottes zur Buße leitet. Gott, der Heilige Geist, führt uns am Anfang unseres Christseins zur Buße. Menschen tun Buße aufgrund der Geistesleitung. Der Geist Gottes überführt sie von der Sünde und Ungerechtigkeit. Danach leitet und führt der Heilige Geist ihr Herz zur Buße.

Das ist die erste Erfahrung von Geistesleitung. Im Gegensatz zu einem Nichtgläubigen wird ein Christ durch Gott, den Heiligen Geist, angehalten, den Weg der Nachfolge zu gehen. Er wird ermutigt, den guten Kampf des Glaubens zu führen, der Versuchung zu widerstehen und der Heiligung nachzujagen.

Der Heilige Geist begleitet dich auf diesem Weg des Glaubens und der Nachfolge. Er führt dich in ein gottseliges Leben hinein. Er lehrt uns die Bibel zu leben, das Gebet zu pflegen, die Gemeinschaft mit Gott zu suchen, die Gottesdienste mit Freude zu besuchen und die Gemeinschaft der Heiligen wertzuschätzen.

Der Heilige Geist hält uns auf dem Weg und erquickt unsere Seele. So heißt es schon im Psalm: Er erquickt unsere Seele und führt uns auf rechter Straße um seines Namens willen.

Deswegen spricht die Bibel davon, dass der Heilige Geist uns in aller Wahrheit leitet. Er leitet zur Buße, zur Erkenntnis, zur Nachfolge und in alle Wahrheit. Er erleuchtet.

Wir haben jetzt nicht die Zeit, es wäre ein Thema für sich allein, an endlos vielen Bibelstellen zu zeigen, wie der Heilige Geist leitet, erleuchtet und erinnert. Er wird euch an alles erinnern, was von Jesus gesagt ist.

Er drängt, zieht, ermahnt, tröstet und salbt. Und das für immer. Er bleibt für immer bei uns und führt uns sicher an das Ziel unserer ewigen Verherrlichung.

Die Bedeutung der Sohnschaft im Glauben

An solchen Stellen werde ich immer wieder an die alten Lieder erinnert. Sie sind alt und zugleich neu. Vielleicht kennen einige sie noch: „Heiland, führe du dein Kind, deine Hand ist stark und lind, meine Burg, mein Fels, mein Licht, Jesu, meine Zuversicht.“

Im Refrain heißt es dann: „Führe, führe, führe mich durch Nacht zum Licht, und wenn alles wankt und bricht, bleibst du meine Zuversicht.“

In Vers drei heißt es: „Drum, so nimm denn meine Hand, führ mich bis ins Vaterland, heiter folge ich Schritt für Schritt, denn mein Jesus geht ja mit.“

Also, Geistesleitung bedeutet, dass der Heilige Geist einen Menschen in das Reich Gottes hineinführt. Er führt in die Jüngerschaft, in den Glauben, in die Erkenntnis, in die Lehre der Wahrheit und in die Buße.

Es ist der gegenwärtige Heilige Geist in unserem Leben, der uns garantiert, dass wir uns nicht verirren und nicht vom Weg abkommen. Stattdessen gelangen wir sicher nach Hause, in unser Vaterland.

Nun sagt der Apostel: „Denn alle, die durch den Geist geleitet werden, die lernen, den Glaubensweg zu gehen, die lernen, die Taten des Fleisches zu töten, die sind – und jetzt kommt etwas Neues, das ganz neu im Römerbrief ist – die sind Söhne Gottes, die vom Heiligen Geist geleitet werden.“

Das sind Söhne Gottes. Alle, die durch den Heiligen Geist auf dem Weg des Lebens geführt werden, sind Söhne Gottes. Der Herr hat sie an die Hand genommen. Durch die Kraft des Geistes leben sie nicht mehr nach dem Fleisch, sondern sie wandeln nach dem Geist.

Das sind die Söhne Gottes, die von Neuem geboren sind.

Die sprachliche und geistliche Bedeutung von "Söhne Gottes"

Es soll geschlechtergerechte Bibeln geben, die es als Anstoß empfinden, dass hier nur von „Söhnen Gottes“ die Rede ist und nicht auch von „Töchtern Gottes“.

Nein, die im lebendigen Glauben sind, liebe Gemeinde, sind alle Söhne Gottes. Ich fühle mich nicht befugt, irgendjemandem zu folgen, der versucht, die Bibel nach seiner eigenen Ideologie umzuformulieren. Wir bleiben bei dem, was der Text und auch der Urtext sagt: Sie sind Söhne Gottes.

Die im lebendigen Glauben sind, sind alle Söhne Gottes – ganz gleich, ob Mann oder Frau. Auch die Schwestern im Glauben sind Söhne Gottes. Geistlich sind wir alle, die wir durch den Geist getrieben und geleitet sind, Söhne Gottes.

Was für eine Erhebung, was für eine Würdigung, Söhne des Allerhöchsten genannt zu werden! Hier müssen wir einen Augenblick innehalten. Und das ist jetzt neu, wie gesagt, im Römerbrief. Bisher waren wir Glaubende, Gerechtfertigte, Bekehrte, Wiedergeborene – aber nun sind wir... was sind wir?

„Oh, seid ihr!“ flüstern die Söhne. „Wir sind Söhne! Was sind wir?“ – „Wir sind Söhne Gottes!“

Die umfassende Bedeutung der Sohnschaft und Erbschaft

Gott hätte uns in Jesus unsere Sünden vergeben können und uns einfach als bußfertige Sünder in den Himmel aufnehmen können. Das hätte doch völlig ausgereicht. Aber einem Christen sind nicht nur seine Sünden vergeben – ja, dem Herrn sei Dank, sie sind ihm vergeben –, Christen sind gerechtfertigt und versöhnt. Halleluja, gewaltig, gewaltig!

Doch wir müssen hier nicht stoppen, es geht noch weiter. Gott sagt nicht nur: „Ihr seid meine Bekehrten, ihr seid meine Schafe.“ Er sagt nicht nur: „Ihr seid meine Gerechtfertigten und Versöhnten.“ Sondern er sagt: „Ihr seid jetzt meine Söhne.“ Da steckt etwas Großes drin.

Der Herr konnte damals in Rom seinem Sklaven vergeben, aber das machte ihn nicht gleich zum Sohn. Ihm ist vergeben, aber er bleibt Sklave. Paulus zeigt uns jedoch noch mehr. Mit dem Bild unserer Sohnschaft zeigt er die überragende Herrlichkeit des Evangeliums. Das Evangelium ist nicht nur Vergebung, Versöhnung und Rechtfertigung, die uns dann in unserem Stand als Knecht belassen.

Ihr erinnert euch an die Geschichte vom verlorenen Sohn. Er hatte alles verprasst, was sein Vater ihm als Gabe mitgegeben hatte. Am Schweinetrug angekommen, kam er zu sich selbst und dachte: „Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, und ich verderbe vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht wert, dein Sohn zu heißen. Bitte mach mich zu einem deiner Tagelöhner, das reicht mir!“

Als er nach Hause kam, bat er tatsächlich: „Vater, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“ Mit anderen Worten: „Bitte zähle mich zu deinen Knechten, aber vergib mir und nimm mich wieder bei dir auf.“ Wäre es in Ordnung gewesen, wenn der Vater gesagt hätte: „Komm, schön, dass du da bist. Du möchtest bei den Tagelöhnern sein. Ich habe dir vergeben, lass uns alles vergessen, geh zu den Tagelöhnern, dort hast du zu essen.“ Hat der Vater so reagiert? Nein!

Hier kommt es jetzt: Es wäre ein großes Geschenk seitens des Vaters gewesen, seinem Sohn zu vergeben und ihn als Knecht im Haus zu beschäftigen. Aber der Vater ging weiter. Er hat ihn nicht als Tagelöhner eingesetzt. Er sprach: „Bringt das beste Festgewand her, zieht es ihm an, gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße! Bringt das gemästete Kalb her, schlachtet es, und lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“ Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Der junge Heimkehrer wurde nicht nur versöhnt und als Knecht eingesetzt, sondern in die volle Sohnschaft aufgenommen. Darüber wollen wir Gott loben und preisen. Nimm das in dein Herz auf: Welch eine Würdigung, welch eine unbeschreibliche Liebe!

Gott sagt zu dem Sünder: „Komm nach Hause! Du bist für mich nicht ein Obdachloser, dem ich in einem Nebenraum meines Hauses etwas Wärme und Brot gebe, und es soll wieder alles gut sein zwischen uns.“ Nein, „komm, du bist mein Sohn! Ich nehme dich auf in die Familie, du gehörst ganz und gar zur Familie Gottes. Du bist erhoben!“ Was für eine Gnade!

Das will Paulus den Römern nahebringen und auch uns klarmachen, indem er weiterschreibt – lest es: „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, indem wir rufen: Abba, Vater!“ (Römer 8,15)

Wenn wir als verlorene Sünder in Buße zu Gott nach Hause kommen, geschieht das Unglaubliche: Er vergibt nicht nur, er versöhnt sich nicht nur mit dir, sondern er macht dich zum Sohn und – in Vers 17 – sogar zum Erben. Dort heißt es: „Wenn wir aber Kinder sind, dann sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi.“ Hast du das gehört? Miterben mit seinem großen Sohn Jesus Christus.

Gott erhebt uns – hör mal, ich will ganz langsam sprechen – Gott erhebt uns zum Bruder seines echten, vor ewigen Zeiten in himmlischer Herrlichkeit einzig gezeugten Sohnes. Und wir werden Miterben seiner Herrlichkeit.

Ihr lieben Römer, ihr lieben Hamburger, wie gewaltig ist das! Denn viele Christen haben das noch nicht verstanden. Sie freuen sich über ihre Vergebung – ja, das sollst du, das darfst du! Sie freuen sich über ihre Annahme bei Gott, aber sie leben im Reich Gottes immer noch im Geist der Knechtschaft.

Sie haben nicht verinnerlicht, was ihre Errettung wirklich bedeutet. Sie leben im Geist der Furcht. Denn Knecht in einem noch so edlen Adelshaus zu sein, bedeutet keine Sicherheit. Knechte sind kündbar, sie können rausgeschmissen werden, wenn sie sich verfehlen.

Weil viele Christen ihre Sohnschaft noch nicht erfasst haben, leben sie immer noch so, als gelte die Werkgerechtigkeit: Machst du deine Sache ordentlich, kannst du bleiben; machst du sie verkehrt, dann fliegst du raus. Falsch!

Du bist nicht mehr Knecht, du bist Sohn! Christen, die im Reich Gottes immer noch im Geist der Knechtschaft leben, haben Angst, ihr Heil wieder verlieren zu können. Sie werden von Verdammnis- und Verlorenheitsängsten gequält. Dabei helfen viele Prediger mit, auch in unserem Land, indem sie den Söhnen Gottes, den Miterbenchristen, erklären, dass alles noch nicht sicher sei.

Mein Pastor setzte mir einmal die Pistole auf die Brust und fragte frei heraus: „Bruder, glaubst du die Irrlehre ‚einmal gerettet, immer gerettet‘?“ Da antwortete ich ihm: „Glaubst du denn ‚einmal gerettet‘ heißt noch lange nicht gerettet? Was ist das für eine Errettung, in der ich doch noch nicht wirklich errettet bin?“

Das ist so ähnlich, als wenn mir jemand sagt: „Wolfgang, du hast ein Millionen-Erbe gemacht, du bist Erbe von dem und dem.“ Oh, darf ich mich darüber freuen? Freude, Jubel, du bist reich, du bist Erbe, du hast Millionen!

Am nächsten Tag kommt er wieder und sagt: „Du hör mal, aber ich habe vergessen zu sagen, du musst Bedingungen erfüllen, und wenn du die nicht erfüllst, ist das Ganze nicht sicher.“ Ach so, ja, habe ich gedacht, der Besserherde hat mir noch niemals erzählt, dass es ein Erbe für mich gibt.

Nein, ihr Lieben, Paulus erklärt: Du bist Sohn, und du bist Erbe, und das ist sicher. Wenn du in Buße und echtem Glauben zu deinem himmlischen Vater kommst, nimmt er dich nicht als Sklaven in sein Haus auf, um dich bei der nächsten Gelegenheit, wenn du Mist baust, wieder rauszuwerfen.

Sondern er adoptiert dich, macht dich zu seinem Sohn und Erben – und das ist unwiderruflich. Das gilt in unserem deutschen Recht auch: Wenn jemand ein geborenes Kind hat, ist es rechtlich sein Kind und Erbe. Und wenn es adoptiert wird, gilt genau dasselbe. Dann wird das Kind nicht wieder los.

Und das ist gut so. Gott hat uns adoptiert und will uns nicht wieder loswerden. Er sagt: „Was ich gesagt habe, habe ich gesagt. Meine Rede ist Ja und Amen und ändert sich nicht: Du bist mein Sohn!“

Alle, die nach dem Heiligen Geist geleitet werden, sind Söhne Gottes. Sie sollen nicht mehr im Geist der Knechtschaft und der Furcht leben, sondern sich freuen und im Geist der Sohnschaft und Sicherheit leben – in Jesu wunderbaren Namen. Halleluja, Amen!

Raus aus den Depressionen! Hinein in die Freude, hinein in die Gewissheit, in die herrliche Heilsgewissheit der Kinder Gottes – in Jesu Namen. Wie köstlich ist das!

Das vertraute Verhältnis zum Vater und die Bedeutung von „Abba“

Zum Schluss kommt noch das unterschiedliche Verhältnis von Knecht und Sohn zum Vater hinzu. Das Verhältnis des Knechtes zum Vater, wie wir gehört haben, ist rein geschäftlich und rechtlich. Das Verhältnis des Sohnes zum Vater hingegen ist privat, familiär und vertraulich.

Das Vater-Sohn-Verhältnis ist von Liebe geprägt und nicht von Pflicht. Deshalb schreibt Paulus in Vers 15: Ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, indem wir rufen: „Abba, lieber Vater“. Der Geist unserer Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn heißt Abba. Abba ist das aramäische Wort für Vater. Oft wird angenommen, man könne es auch mit Papa oder Papi übersetzen. Das ist jedoch nicht richtig. Gott ist nicht unser Daddy oder unser Vater im umgangssprachlichen Sinn. Vater bedeutet hier: Er ist unser zu ehrender Vater, aber auch unser lieber Vater.

Abba kann richtig übersetzt werden mit „Vater, lieber“. Man muss es zusammen sagen, aus der Tiefe des Herzens: Vater, lieber Vater. Stell dir einen Richter vor, der im Gerichtssaal sauber Recht spricht und Kriminelle unbestechlich verurteilt. Er wirkt eisern und unbarmherzig, dem harten Buchstaben der Rechtsprechung verpflichtet. Da ist kein Geist der Vaterschaft, im Gerichtssaal herrscht die Furcht, verurteilt zu werden.

Aber wenn dieser Richter nach Hause kommt und seine Kinder an die Tür kommen, dann ist er Vater. Er nimmt seine Kinder in den Arm und küsst sie. Das wird er mit den Kriminellen nicht tun, die gerecht verurteilt werden müssen. Seine Kinder haben Zugang zu ihm. Sie haben das Privileg, nah bei ihm zu sein und herzlichen Umgang mit ihm zu haben.

Ja, Gott ist Richter. Unbestechlich wird er nach seinem Gesetz die Sünder richten, die unbußfertig sind. Doch wohl dem, den er aus Gnade als Kind angenommen hat. Der hat freien Zugang zu ihm und steht in einem väterlichen Verhältnis der Liebe zu ihm. Darum haben wir vor ihm keine Angst mehr. Die Kinder haben keine Angst vor ihrem Vater, sondern dürfen voller Zuneigung zu ihm sagen: Vater, lieber Vater – was ja gewaltig ist.

Jesus hat genau das auch im Garten Gethsemane gebetet. Wisst ihr noch? Er war in großer Angst, doch dann rief er in Markus 14,36: „Abba, lieber Vater, alles ist dir möglich, nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Stell dir vor, dieselbe vertrauensvolle Vaterbeziehung zu Gott, dem Allerhöchsten, die Jesus zu seinem Vater hatte.

Jesus sagt „Abba, Vater“, genau wie er. Er ist unser Bruder, der Erstgeborene, und auf vielen Brüdern sind wir ihm in unserer Beziehung zum Vater gleichgestellt. Wir dürfen sagen: Vater, lieber Vater! Wir sind Söhne, Kinder Gottes und gehören zur Familie. Gott hat uns zu Söhnen und Erben des Himmelreichs gemacht.

Martin Lloyd-Jones hat gesagt, das ist die Krönung des herrlichen Evangeliums, und darüber können wir nur jubeln. Wir können sicher sein, dass Gott uns nicht nur in Jesus Christus gerechtfertigt hat, sondern uns auch verherrlicht. Er führt uns bis ans Ende.

Das Zeugnis des Heiligen Geistes und die Gewissheit des Glaubens

Und nur noch ganz kurz, Christian: Über Vers 16 müsste man eine extra Predigt halten, oder sogar zwei oder drei.

Der Geist selbst – Vers 16 – der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

Jetzt kommt noch eine weitere Komponente hinzu. Der Apostel Paulus sagt: Ich schreibe euch das aus dem Evangelium heraus, ich schreibe euch das aus der Offenbarung Gottes und seiner Selbstvorstellung heraus, ich schreibe euch das aufgrund der Heiligen Schriften. Aber es gibt auch noch ein persönliches Zeugnis.

Der Heilige Geist vermittelt den Glaubenden eine tiefe Gewissheit, ein seliges Wissen. Wir haben vorhin das Lied gesungen: „Seliges Wissen, Jesus ist mein, erfüllt mir das Herz mit himmlischem Schein, wiedergeboren, frei von der Sünd unseres Gottes, herrliches Kind.“

Es ist die Gewissheit durch den Heiligen Geist, das Zeugnis des Heiligen Geistes. Damit ihr mich nicht falsch versteht und auch Paulus nicht falsch versteht: Paulus sagt nicht, wenn ihr das Zeugnis des Heiligen Geistes nicht habt und nicht fühlt in euch, dass ihr Kinder Gottes seid, dann seid ihr keine Kinder Gottes.

Nein, damit ist nicht der Gedanke beziehungsweise der Grundsatz des Glaubens ausgeräumt. Wir leben im Glauben, nicht im Schauen. Wir leben im Glauben und nicht aus dem Gefühl.

Und doch zeigt uns der Apostel, dass aus diesem nüchternen Glauben – wenn ich auch nichts fühle, nichts sehe und nichts spüre, aber ich glaube an meinen Jesus Christus, meinen Erlöser – wenn dieser Glaube fest in deinem Herzen ist und bleibt durch den Heiligen Geist, dann wird das auch zu einer Freude führen. Mehr oder weniger, nicht immer, aber manchmal oder auch oft.

Das kennen fast alle Christen. Wenn du das noch nicht kennst, dann darf ich dir Mut machen: Der Heilige Geist wirkt in deinem Leben. Dann dauert es nicht lange, bis du eine große Freude über dein Heil entdeckst, und du spürst, wie der Heilige Geist dir Zeugnis gibt.

Hiob hat plötzlich mitten in seiner Krankheit und Not gerufen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Paulus sagt auch im Römerbrief am Ende des Kapitels: „Ich bin gewiss, ich bin gewiss, weder Tod noch Leben kann uns scheiden von der Liebe Gottes.“

„Freude im Herrn, die Freude am Herrn ist meine Stärke, vor deinem Angesicht ist Freude die Fülle, liebliches Wesen zu deiner Gerechtigkeit ewiglich.“

Liebe Gemeinde, wir befinden uns hier in einer Herrlichkeit, in einer Schönheit, in einer Wahrheit, in einer Kraft, in einem Segen, den wir nicht fassen können.

Ich bitte dich nur: Geh hinein und spring hinein, bade in diesem Segen, bade in diesem Heil. Du bist ein Sohn Gottes, durch den Heiligen Geist geleitet. Du lebst nicht mehr in der Furcht der Knechtschaft, in dem Geist der Knechtschaft und der Furcht, sondern du erfreust dich der Sohnschaft und jubelst.

Denn der Heilige Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gotteskinder sind. Mehr kann ich heute Morgen nicht zu euch sagen. Nehmt und macht, was ihr wollt damit, in Jesu Namen. Amen.

Wir stehen auf miteinander, Halleluja.

Schlussgebet und Lobpreis

Mein Gott, ich danke dir, dass wir so erfüllt sein dürfen. Während ich auch darüber sprechen darf, hast du mein Herz so erfüllt, Herr. Du erfüllst die Herzen der Hörer, sodass Jubel in ihrer Seele ausbricht.

Du reißt sie aus ihrer Traurigkeit und Verzagtheit heraus und zeigst ihnen: Nun sind wir nicht nur versöhnt. Ja, wir sind nicht nur versöhnt und gerechtfertigt. Uns ist nicht nur vergeben, sondern wir sind Söhne Gottes.

Herr, ich danke dir, dass die Gemeinde das volle Heil empfangen darf und darin fröhlich ist im Heiligen Geist. Halleluja, Amen.