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Verheißung

16.02.2020

Einführung: Dank und Bitte um Verständnis

Ich möchte mit uns beten: Vater im Himmel, wir danken dir für dein gutes Wort. Wir danken dir, dass du hier bist und heute Morgen zu uns reden willst, auch durch diese ganz alte Geschichte aus dem Alten Testament.

Die Geschichte von Jakob, die du geschrieben hast, hat auch uns etwas zu sagen. Wir beten, dass wir sie verstehen und uns in ihr wiederfinden.

Möge unser Glaube wachsen und vor allem möchten wir dir begegnen, wenn wir auf dein Wort hören. Bitte sprich du zu uns. Amen.

Die Stiftung und die Realität von Not

Wir helfen Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Diesen Spruch hört man einmal im Jahr bei Antenne Bayern.

Dort wird eine große Spendenaktion für die eigene Stiftung durchgeführt. Das Motto lautet: Wir helfen Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Dabei werden dramatische Schicksale erzählt: Eltern, die plötzlich schwer krank geworden sind, und deren Kinder dadurch in Not geraten. Familien, deren Haus abgebrannt ist und die plötzlich vor dem Nichts stehen.

Diese dramatischen Geschichten erregen wirklich Mitleid, und die Menschen spenden. Die Beträge summieren sich jedes Jahr auf über eine Million Euro. Das liegt daran, dass es uns bewegt, wenn jemand unverschuldet in Not gerät.

Geschichten, die man dort nie hört, sind die von Menschen, die verschuldet in Not geraten sind. Zum Beispiel jene, die im Casino alles verzockt haben und dann auf der Straße sitzen. Oder Menschen, die auf der Arbeit faul waren, nichts getan haben und nach der x-ten Abmahnung die Kündigung bekamen.

Von solchen Personen hört man bei Antenne Bayern nie, weil niemand Mitleid mit ihnen hat und für sie niemand spendet.

Jakob – ein untypischer Empfänger von Gottes Gnade

Es wird dich vielleicht überraschen: Jakob war so ein Typ, für den keiner gespendet hätte. Viele von uns kennen ihn noch aus dem Kindergottesdienst und denken, Jakob war ein ganz toller Typ. Er hat immer mit Gott gelebt und war ein echter Glaubensheld.

Wenn wir jedoch an die Predigt von letzter Woche zurückdenken, die Jonas uns gehalten hat, merken wir: Jakob geriet in eine Krise. Er floh nicht, weil er unschuldig war oder besonders gut, sondern weil er ein ganz schöner Betrüger war. Er war nicht unschuldig in seiner Not, nein. Er hat seinen Vater, der blind war, betrogen und über seine Identität belogen.

Außerdem hat er seinen Bruder aufs Übelste provoziert. Er wusste genau, was für ein jähzorniger Typ Esau war, und hat ihn richtig gereizt. Jetzt erntet er die Früchte seines Handelns: Er muss von zuhause fliehen – selbstverschuldet und in Not.

Das Erstaunliche an der Geschichte, die wir heute lesen, ist Folgendes: Wir würden nicht spenden für so einen. Aber Gott kümmert sich um einen solchen Betrüger in der Not. Er sorgt für Jakob. Das ist wirklich erstaunlich.

Gottes Begegnung in der größten Krise

In der bisher größten Krise seines Lebens erlebt Jakob zum ersten Mal eine echte Begegnung mit dem lebendigen Gott. Diese Begegnung findet mitten in der Krise statt, kurz nach dem Betrug.

Er erfährt, dass dieser Gott ein Gott ist, der einen Neuanfang schenkt – und zwar ganz persönlich.

Diese Geschichte soll uns große Hoffnung geben. Wenn wir es mit Gott zu tun haben, dann haben wir es mit einem Gott zu tun, der Neuanfänge schenkt, der seine Menschen liebt und der Gnade bereithält.

Er kann wirklich jede Krise und jede Not, in der wir stecken, wenden und zum Guten gebrauchen. Er will uns darin begegnen.

Eine große Krise: Jakobs Flucht und Verzweiflung

Ich möchte die ersten beiden Verse lesen. Wir gehen Schritt für Schritt durch; ihr habt auf dem Handout die drei Punkte. Zuerst eine große Krise.

 1. Mose 28, ab Vers 10: Ich lese nur die Verse 10 und 11.

„Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran. Er kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte, legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.“

Das klingt wie ein romantischer Reisebericht, oder? Ich weiß, manche mögen das – so in der Wildnis, allein auf Steinen gebettet. Der Max lacht, der würde das mögen.

Aber was hier berichtet wird, ist wirklich eine Riesenkrise. Das ist die Lebenskrise in Jakobs Leben bis dahin. Ihr wisst, was für ein Typ Jakob war. Jakob war gern bei den Zelten, er war nicht gern in der Wildnis.

Jakob wird uns beschrieben als ein Muttersöhnchen. Er war ganz gern bei seiner Mutter, hat für sie gesorgt und sich von ihr bekochen und versorgen lassen.

Und plötzlich ist er da von einer Stunde auf die andere tatsächlich ganz allein. Man müsste sich überlegen: Am Morgen ist er noch aufgestanden und dachte, das wird ein ganz normaler Tag. Und dann endet der Tag so: Er muss fliehen, ist auf sich allein gestellt.

Der Boden unter den Füßen ist weg, nichts ist mehr so, wie es mal war. Seine Familie ist weg, das Zuhause ist weg, die Sicherheit ist weg. Er muss um sein Leben fürchten, denn Esau will ihn umbringen. Deshalb ist er auf der Flucht.

Der Vers 11 schildert uns dann ein erbärmliches Bild: Jakob legt sich bei Einbruch der Nacht schlafen, und er hat kein Zelt. Nicht mal ein Bett, nicht mal ein Kopfkissen, nur Steine, auf die er sich betten kann. Er ist wirklich tief gefallen.

Jakobs Verantwortung und Gottes fern scheinende Nähe

Ich habe das schon angedeutet: Jakob war nicht unschuldig an dieser Krise. Er war deutlich erkennbar verantwortlich für das, was ihm geschehen ist.

Er hat sich verkleidet, wie wir letzte Woche gesehen haben. Er tat so, als sei er sein Bruder Esau, als der Vater den Segen sprechen wollte. Nicht nur das: Er kommt zu seinem Vater, und der blinde Isaak fragt: „Bist du denn mein Sohn Esau?“ Jakob antwortet: „Ja, ja, Vater, ich bin’s.“ Er macht sogar viele Worte, weil er sich so sicher ist, den Vater betrügen zu können.

Noch schlimmer ist, dass er sogar mit Gottes Namen lügt. Könnt ihr euch erinnern? Isaak, sein Vater, fragt ihn: „Wie hast du denn so schnell ein Wild gefunden? Wie kann das sein? Das ging ja ganz, ganz schnell.“ Jakob antwortet: „Der Herr, dein Gott, hat es mir beschert.“ Das ist schon ganz schön heftig.

Das spricht viel dafür, dass Jakob zu diesem Zeitpunkt Gott noch gar nicht richtig kannte. Er mag um die Verheißungen Gottes gewusst haben, denn seine Eltern, besonders seine Mutter Rebekka, hatten ihm erzählt, dass große Verheißungen über seinem Leben stehen. Aber noch scheint es mehr der Glaube seiner Eltern gewesen zu sein, nicht sein persönlicher.

Zumindest eng kann seine Beziehung zu Gott nicht gewesen sein. Sonst hätte er nicht so leichtfertig sagen können: „Der Herr, dein Gott, hat mir dieses Wild beschert.“ Solche Lügen mit Gottes Namen im Mund kannst du nur erzählen, wenn du entweder glaubst, Gott gibt es überhaupt nicht, oder dass Gott sehr schwach und ganz weit weg ist.

Wie wir leben und was wir tun, zeigt viel mehr, was wir glauben, als das, was wir sagen. Das erkennen wir bei Jakob. Er hatte kein großes Bild von Gott. Vielleicht kannte er Gott überhaupt nicht. Er dachte, er müsse Gott nachhelfen, damit dieser seine Zusagen erfüllen kann. Deshalb hat er getrickst, getäuscht und seinen Vater sowie seinen Bruder hintergangen.

In dieser Phase war Jakob wirklich fern von Gott. Aber Gott war ihm nicht fern. Mitten in dieser Krise begegnet Gott Jakob. Das ist ein Wunder. Es ist erstaunlich, wie Gott ihm hier begegnet und ihm wirklich eine Veränderung schenkt, die sein ganzes Leben auf ein neues Fundament stellt und ganz neu ausrichtet.

Gottes Zusagen im Traum: Hoffnung in der Not

Und er tut das in einem Traum. Ich lese die Verse zwölf bis fünfzehn. Dort, in der tiefen Krise, träumt Jakob, und ihm träumte: „Und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel. Und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: ‚Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und Isaaks Gott. Das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden. Und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land, denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.‘“

Sind das nicht ganz erstaunliche Worte, die Gott hier spricht? Ist es nicht ganz erstaunlich, dass Gott in dieser Krise Jakob begegnet? Er gebraucht einen Traum. Jakob sieht in diesem Traum den Himmel geöffnet. Er sieht eine Leiter – oder man kann auch übersetzen eine Treppe – auf der die Engel auf- und niederfahren. Gerade noch völlig einsam, gerade noch alles im Chaos, alles zerstört in seinem Leben, und plötzlich merkt er: Es gibt viel mehr. Er bekommt einen Blick in die unsichtbare Welt, eine ganz andere Realität, die er plötzlich erkennen darf.

Gott ist viel näher, als ich gedacht habe. Er arbeitet hier auf dieser Welt, er arbeitet hier mitten in meinem Chaos. Er ist da, seine Engel sind da, Boten Gottes, die seine Arbeit tun auf dieser Welt. Er sieht die Engel und er sieht Gott selbst. Hier in diesem Text klingt das so, als würde Gott oben auf der Leiter stehen, oben an der Treppe, und er spricht zu ihm herab. Man kann aber auch anders übersetzen, und andere Übersetzungen tun das, dass auch in denen heißt es, der Herr stand dicht bei Jakob. Gott kommt an die Seite von Jakob und gibt ihm gewaltige Verheißungen.

Haben wir gerade gehört, was Gott ihm verheißt? Sind das nicht wirklich erstaunliche Worte? Man müsste doch eigentlich erwarten, dass Gott jetzt mit dem erhobenen Zeigefinger kommt und ihm, Jakob, erst mal den Kopf wäscht. Und ihm Jakob erst mal sagt: „Du Betrüger, meinst du wirklich, du kannst mir auf die Sprünge helfen und meine Pläne selber mit deinen Methoden umsetzen, mit deinen Tricks und deinen Täuschungen?“ Gott hat das nicht alles mitbekommen, aber Gott ermahnt ihn nicht, wie man das erwarten müsste. Er macht genau das Gegenteil. Er überschüttet ihn mit Segensworten, gibt ihm Verheißung um Verheißung.

Er sagt ihm: „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham, und ich bin der Gott Isaaks, und ich werde dir das Land geben, auf dem du jetzt liegst, aus dem du jetzt fliehst. Ich werde dir das geben, ich werde dir ganz viele Nachkommen schenken. Und durch deine Nachkommen, durch dein Volk, werde ich die ganze Welt segnen. Völker auf der ganzen Welt werden ein Segen bekommen durch dein Volk.“

Wie schon bei seinem Großvater Abraham wählte Gott dafür den unwahrscheinlichsten Zeitpunkt, den man sich vorstellen kann, um diese Verheißungen Jakob zu geben. Er sagt ihm: „Dieses Land, wo du gerade bist, das werde ich dir geben.“ Und Jakob ist gerade auf der Flucht. Das ist völlig unwahrscheinlich: Wie soll ich denn das Land bekommen? Ich muss gerade fliehen, da lauert mein Bruder Esau, der will mich umbringen.

Jakob hatte noch nicht mal eine Frau zu diesem Zeitpunkt. Abraham und Isaak hatten wenigstens schon mal Frauen, waren unfruchtbar, aber immerhin hatten sie schon mal Frauen. Jakob noch keine Frau. Und Jakob war zu diesem Zeitpunkt auch kein junger Hüpfer mehr. Das stelle ich mir auch aus dem Kindergottesdienst noch so vor, so ein junger Mann, der das Haus verlässt. Er war mindestens vierzig, vielleicht war er sogar schon um die siebzig.

Auf der Flucht, ohne Frau, und Gott gibt ihm diese Verheißungen. Es scheint fast so, als wollte Gott Jakob eine neue Chance geben. Vertraust du mir diesmal? Glaubst du diesmal, dass ich das hinbekomme, ohne dass du trickst und dass du täuschst, ohne dass du selbst Gott in deinem Leben spielst?

Gott wiederholt die Verheißungen, und es wird ganz deutlich: Der Jakob, dieser Betrüger, auch wenn er viel falsch gemacht hat, er kann die Verheißung Gottes, die über seinem Leben steht, nicht zerstören. Menschen können das nicht kaputtmachen, was Gott sich vorgenommen hat und geplant hat.

Und Gott redet nicht nur von einer fernen Zukunft, die Jakob mal erleben wird, dass er das erleben wird, dass er zu einem großen Volk wird, sondern er gibt ihm auch Zusagen für das Hier und Jetzt. Er sagt: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst. Will ich dich wieder herbringen in dieses Land, denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“

Es sind seelsorgerliche Worte. Genau in die Not von Jakob hinein spricht Gott zu ihm. Siehe, Jakob war auf der Flucht, war wirklich in großer, in riesengroßer Angst vor seinem Bruder Esau. Und Gott verspricht ihm: „Ich bin ganz nah bei dir. Ich bin ganz nah bei dir. Du musst dich nicht fürchten, du musst vor niemand Angst haben. Ich beschütze dich, ich passe auf dich auf.“

Jakob hatte noch eine weite, unsichere Reise vor sich. Hunderte von Kilometern lagen noch vor ihm, allein durch die Wildnis. Und Gott sagt ihm zu: „Ich werde dich auf dem Weg behüten, ich gehe mit an deiner Seite.“ Jakob hatte von einem Tag auf den anderen seine Familie verloren, seine Freunde, alles weg, ganz allein. Gott sagt: „Ich bin da.“ Was für ein Zuspruch, wie Balsam auf die Seele.

Gott kümmert sich ausgerechnet in dieser Krise. Er nutzt sie, um Jakob zu begegnen. Und auch wenn das Gottes einzigartige Geschichte mit Jakob ist – das hat nur er so erlebt, das erleben wir nicht genau gleich, wie Jakob das erlebt hat – aber wir lernen etwas über diesen großen Gott, was auch für uns gilt: Gott ist viel näher als gedacht.

Gott ist da, gerade wenn wir durch schwere Zeiten gehen, gerade wenn wir denken, die Welt bricht zusammen, es ist ein Riesenchaos, ob selbstverschuldet oder unverschuldet, Gott ist da. Manchmal klagen wir ja in solchen Phasen, so wie Jakob, wenn wir verlassen sind, wenn wir verlassen sind von Menschen, uns aber auch Gott verlassen fühlen. Klagen wir ja: Wie konnte ich denn in diese Situation kommen? Vielleicht hadern wir sogar mit Gott: Wie konnte er mein Leid zulassen? Ja, gibt es ihn denn überhaupt? Wo ist Gott?

Er ist ganz nah, nicht zurückgezogen, nicht irgendwo in den Wolken, nicht ganz fern, er ist nah. Er sorgt sich um diese Welt. Seine Engel, die Jakob hier erscheinen, sie sind da, sie sind seine Boten. Sie tun seine Arbeit in dieser Welt. Sie kommen, sie kriegen Aufträge von Gott, und sie wirken in dieser Welt. Sie gehen wieder zurück, sie bekommen neue Aufträge. Er kümmert sich um diese Welt, und Gott selbst ist da.

Paulus hat das später einmal gepredigt, den Menschen in Athen, als er eine Predigt gehalten hat. Dann hat er gesagt unter anderem: „Fürwahr, Gott ist nicht fern, Gott ist nicht fern von einem jeden unter uns.“ Er will auch uns begegnen. Und oft genug, das ist das Erstaunliche, gebraucht Gott gerade die Krisen unseres Lebens, um uns zu begegnen.

Wenn das Chaos da ist, wenn wir denken, wir kriegen das, wie soll das noch mal gut werden, dann ist Gott da. Und er kommt, und er zeigt uns, wer er ist. Es haben viele Menschen erlebt. Ich sammle solche Berichte von Menschen, denen Gott wirklich in der Not und in der Krise begegnet ist.

Einer von ihnen war der Countrysänger Johnny Cash. Das war ein Mann, der wirklich auch selbstverschuldet in Not geraten ist. Er hat wirklich das Country- und Rockstarleben gelebt, mit allem, was dazugehört, mit den Frauen und vor allem mit den Drogen. Irgendwann war er tief verstrickt in seiner Drogensucht, und er kam dann nicht mehr raus.

Irgendwann haben sie ihn sogar festgenommen und ins Gefängnis gesteckt für eine Nacht, weil er mit Drogen erwischt wurde. Und in dieser großen Krise, in dieser Not, merkt er: Gott ist da. Er lässt sich einladen, in den Gottesdienst zu gehen. Er hört die Predigt am Sonntag. Gott soll ja manchmal durch Predigten zu Menschen sprechen. Er hört diese Predigt, und der Prediger sagt die Worte Jesu: „Ich will dir geben das Leben in Fülle, ich will dir geben von dem Wasser des Lebens.“

Und Johnny Cash merkt: Das ist für mich. Ich kann bei Gott wirklich neu anfangen. Er hat Liebe für mich, er hat Gnade für mich, er ist mir ganz nah. Später hat er mal gesagt: Ich habe Drogen und viele andere Sachen ausprobiert, aber es gibt nichts, was die Seele mehr erfüllt, als Gottes Reich in sich zu tragen und zu fühlen, wie es wächst. Er hat erkannt, wie gut die Liebe und die Nähe Gottes tut.

Jakob hat das erkannt, wie gut die Liebe und die Nähe Gottes tut, da in der Einöde. Und wir können das auch erleben. Egal, wie verkorkst das Leben bis hierher gelaufen ist, egal wie chaotisch und wie turbulent es in unserem Leben zugeht – kann es sogar sein, dass dein Leben in der Krise steckt und im Chaos –, wenn du ganz regelmäßig im Gottesdienst bist und eigentlich denkst: Ja, ich bin doch Gott zu nah, aber dass du dich ganz weit weg fühlst – Gott ist nicht fern, er ist nah.

Egal, wie verkorkst dein Lebensweg ohne Gott war, ja, sogar egal, wie verkorkst er mit Gott war. Jakob hatte Gott schon gekannt, aber nicht so, wie er ihn da kennengelernt hat. Wir sehen, dass Jakob als neuer Mensch aus dieser Begegnung herausgeht, tief verändert, hat sein Leben an diesem Tag ganz neu ausgerichtet.

Jakobs Reaktion auf die Begegnung mit Gott

Als Jakob von seinem Schlaf erwachte, sprach er: „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht.“ Er fürchtete sich und sagte: „Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.“

Früh am Morgen stand Jakob auf, nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, richtete ihn zu einem Steinmal auf, goss Öl darüber und nannte die Stätte Bethel. Vorher hieß die Stadt Luz.

Jakob tat ein Gelübde und sprach: „Wird Gott mit mir sein und mich auf dem Weg behüten, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen, und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein. Und dieser Stein, den ich zu einem Steinmal aufgerichtet habe, soll ein Gotteshaus werden. Von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.“

Wir sehen, dass Jakob diesen Traum nicht einfach als einen Traum abtat, sondern wirklich verstand, dass es eine Vision war. Es mag uns heute vielleicht etwas seltsam erscheinen, dass Gott durch einen Traum zu Menschen spricht. Doch bis heute erleben Menschen so etwas. Vor allem hören wir das aus der arabischen Welt, wo Muslime berichten, Gott sei ihnen im Traum begegnet. Sie fangen an zu suchen, suchen Christen auf und kommen so zum Glauben an Jesus Christus. Erstaunlicherweise geschieht das bis heute.

Jakob hat das erlebt und erkannt, dass Gott selbst zu ihm gesprochen hat. Er war überwältigt. Interessant ist, dass Jakob sich fürchtete, obwohl Gott ihn nicht mit dem Zeigefinger ermahnte. Jakob wachte auf und fürchtete sich. Er sagte: „Wie heilig ist diese Stätte!“ Er erschrak. Wovor? Wahrscheinlich musste Gott nicht mit dem Zeigefinger drohen, weil Jakob in der Gegenwart Gottes spürte, wer Gott ist.

Man könnte vielleicht einen kleinen Hauch von Kritik darin sehen, dass Gott sich ihm vorstellt und sagt: „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham und Isaak.“ Erinnern wir uns, wie Jakob gelogen hatte und gesagt hatte: „Der Herr, dein Gott, Isaak, hat mir das Wild beschert.“ Das war seine Lüge. Nun hört er: „Oh, den Gott gibt es ja wirklich.“ Und er erschrickt, weil er merkt, dass sein bisheriges Leben nicht zu diesem Gott passt. Diesen Gott muss er fürchten, vor ihm Angst haben, so wie er vor ihm steht.

Doch dann erinnert sich Jakob an den Inhalt der Vision. Er erkennt, dass dieser Gott nicht als Richter gekommen ist, sondern eher wie ein Vater oder Freund an seiner Seite steht. Gott gibt ihm nicht das, was er verdient hätte, sondern das, was er nicht verdient hat: Gnade, Verheißungen und Zusagen. Jakob staunt über diesen Gott, der so mit ihm umgeht.

Er ist tief verändert und geht Schritte der Veränderung. Das sieht man sofort: Er steht auf und überlegt, was er tun kann, nachdem er diesem gewaltigen Gott begegnet ist. Das Erste, was er tut, ist, den Stein zu nehmen, der an seinem Kopfende lag. Er richtet ihn auf und sagt: „Hier machen wir ein Gedenkmal.“ Er erklärt: „Hier ist mir Gott erschienen, hier ist das Haus Gottes.“

Dann nimmt er Öl, das er für seine Reise dabei hatte – kostbares Öl. Vielleicht denkt er kurz: „Das könnte ich gut gebrauchen für die nächsten hunderten Kilometer.“ Aber nein, er bringt es als Opfer dar. Er sagt, das ist für Gott das Kostbarste, und er opfert es gern. Er schüttet das Öl über den Stein – ein Zeichen der Anbetung, das uns heute vielleicht etwas fremd ist. Für ihn ist es ein Ausdruck der Hingabe: Ich bete Gott mit meinem Leben an.

Er überlegt weiter, was er noch tun kann. Er sagt, dieser Ort braucht einen neuen Namen. Luz hieß er vorher, jetzt nennt er ihn Bethel, das heißt „Haus Gottes“. In diesem Moment wusste nur Jakob davon, später das ganze Volk. Man kann sich vorstellen, wie sie am Lagerfeuer sitzen und der Sohn fragt: „Papa, warum heißt der Ort Bethel?“ Der Vater erzählt: „Weil hier Gott unserem Vater Jakob begegnet ist und gezeigt hat, dass er ein guter und gnädiger Gott ist, der gewaltige Verheißungen für unser ganzes Volk hat.“

Dann legt Jakob ein Gelübde gegenüber Gott ab. Er verspricht ihm etwas als Antwort auf die Zusagen, die er von Gott erhalten hat. Er sagt: „Wird Gott mit mir sein und mich auf dem Weg behüten, den ich reise, mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein. Und dieser Stein, den ich zu einem Steinmal aufgerichtet habe, soll ein Gotteshaus werden. Von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.“

Manche Ausleger haben dieses Versprechen sehr negativ gedeutet. Sie sagen, in Vers 21 heißt es ja, dass Jakob sagt: „Also, wenn das alles passiert, wenn das alles eintrifft, was mir Gott versprochen hat, dann soll der Herr mein Gott sein.“ Wenn man die Übersetzung so liest, kann man verstehen, wie man zu der Überzeugung kommt, dass Jakob immer noch derselbe war, nicht verändert, immer noch höchst misstrauisch gegenüber Gott.

Man kann das aber auch anders übersetzen. Ich möchte nicht in die sprachlichen Feinheiten des Hebräischen eintauchen, das will ich euch nicht zumuten und mir selber auch nicht. Doch schon der Kontext zeigt, dass Jakob ein anderer ist und nicht mehr hier Spielchen mit Gott spielt.

Wir haben gerade gesehen, dass er Gott ein Opfer bringt, die Stadt umbenennt, tief bewegt ist, Gott fürchtet und ein Versprechen abgibt. Jakob ist nicht jemand, der hier einen neuen Deal mit Gott macht und ihn herausfordert. Er hat wirklich eine Veränderung erlebt. Er ist nicht perfekt und hat nicht ohne Fehler diesen Ort verlassen, aber er hat sein Leben völlig neu ausgerichtet.

Wir sehen in seinem Leben keinen Mangel an Glauben, sondern genau das Gegenteil. Jakob richtet sein Leben ganz neu auf Gott aus. Er will mit den Verheißungen Gottes leben. Er fordert nicht mehr als das, was Gott ihm versprochen hat: dass Gott für ihn da ist und für ihn sorgt.

Er macht es noch konkreter: Wenn Gott ihm Essen und Kleidung gibt – das ist nur das, was Gott ihm zugesagt hat –, dann will er Gott als Herrn anerkennen. Er verspricht, für ihn zu leben, ihm ein Haus zu bauen, in dem Menschen Gott anbeten. Von den Segnungen, die Gott ihm schenkt – und er weiß, dass alles, was er bekommt, ein Geschenk Gottes ist –, will er den Zehnten zurückgeben, zehn Prozent. Er möchte Gott zurückgeben, was ihm ohnehin gehört.

Jakob ist nicht mehr derselbe wie zuvor. Er zeigt uns, dass Gottes Gnade einen Menschen tief verändert und ihn zu einem neuen, anderen Leben befreit. Das ist mir wichtig: Er hat weiterhin Fehler gemacht. Wir werden das sehen, wenn wir in dieser Serie weitermachen. Er ist nicht sündenfrei und hat nicht immer perfekt Gottes Willen getan. Aber in dieser Krise bekommt sein Leben eine völlig neue Ausrichtung.

Wieder ist das Gottesgeschichte mit Jakob, aber es gilt auch für uns: Wenn wir Gott wirklich begegnen, wenn er uns wirklich begegnet, dann erhält unser Leben eine Neuausrichtung. Das ist ein Zeichen, woran man erkennen kann, ob man Gott schon kennt und ihm wirklich nachfolgt: Wenn man in sich das Bedürfnis spürt, für ihn zu leben und Dinge anders zu tun – sein Leben für ihn zu leben.

Es reicht nicht zu sagen, ich möchte seine Segnungen und Verheißungen, ich will, dass er mir nahe ist, aber ich lebe einfach weiter wie zuvor. Das würde bedeuten, dass wir Gott noch nicht wirklich kennen. Dass er nur der ist, der im Himmel sitzt und alles Gute für uns tut, aber wir uns nicht für ihn interessieren.

Nein, wir sehen bei Jakob – und wir müssen das auch für uns erkennen –, dass wer Gott begegnet, anders lebt, ein anderes Lebensfundament hat und die Dinge anders tun will.

Nur ein Beispiel, das in diesem Text vorkommt: Wenn wir Gott kennen und ihn als den guten, gnädigen Gott erkannt haben, der uns liebt, dann gehen wir mit unserem Besitz anders um. Jakob beschließt, von seinem Besitz den Zehnten zu geben.

Im Neuen Testament finden wir kein Gebot, dass Christen den Zehnten geben müssen, also zehn Prozent von allem, was sie haben. Aber wir finden sehr wohl, dass Christen großzügig mit dem umgehen, was sie haben, weil Gott so großzügig zu uns war.

Wir haben das neulich in der Predigtserie über die Liebe gehört: Menschen haben Felder verkauft, Häuser verkauft und das Geld in die Gemeinde gegeben. Sie sind großzügig mit ihrem Besitz geworden, egal wie das in unserem Leben ganz konkret aussieht.

Als Christen denken wir nicht anders über unseren Besitz als Jakob: Er ist uns von Gott anvertraut, und wenn wir geben, geben wir nur zurück, was Gott uns ohnehin geschenkt hat.

Es gibt viele weitere Schritte der Nachfolge, die wir von Jakob lernen können. Er betet an, kommt wirklich zu Gott und bringt ihm Opfer. Er weiht sein Leben Gott und sagt: „Ab heute will ich nach deinem Willen leben, will nach deinem Willen fragen, will anders leben.“

Jesus Christus – Gottes greifbare Nähe

Ein letztes Mal: Das ist Gottes Geschichte mit Jakob. Doch Gott begegnet uns auf ähnliche Weise. Vielleicht nicht in einem Traum, aber er ist den Menschen noch viel nähergekommen.

Er ist uns so nahegekommen, dass er einer von uns wurde. Jesus Christus, Gottes Sohn, ist auf diese Welt gekommen. Nicht wie ein Traum, nicht schwer greifbar, sondern sehr greifbar. Die Menschen konnten ihn anfassen, sie konnten ihn umarmen. Sie konnten ihn auch bespucken, auspeitschen und ans Kreuz schlagen – so zum Anfassen ist Gott geworden.

Er ist zu uns gekommen, obwohl wir ihn nicht gesucht haben. Unsere Not hat ihn bekümmert, so wie damals Jakobs Not ihn bekümmert hat. Er ist gekommen – Jesus, Gottes Sohn –, der am Anfang seines Dienstes, ziemlich am Anfang, in Johannes sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.“ (Johannes 1,51)

Kommt euch das bekannt vor? Es ist kein Zufall, dass Jesus hier dieses Bild von den Engeln benutzt, die herauf- und herabfahren. Wer kannte seine Bibel? Wer kannte Gottes Wort? Jesus kannte es. Und er benutzt dieses Bild, um deutlich zu machen: Wenn ihr mir begegnet, dann steht euch der Himmel offen. Wenn ihr mir nah seid, dann seid ihr Gott ganz nahe. Wenn ihr mir vertraut, dann habt ihr den Weg zum Himmel wirklich gefunden.

Warum? Weil er den Weg freigemacht hat, weil er den Himmel aufgerissen hat. Er hat sich um die größte Krise gekümmert, die wir haben – um unser größtes Problem. Nämlich, dass wir keine Beziehung zu Gott haben. Dass wir, wie Jakob, so oft Betrüger sind, nicht nach Gottes Willen fragen und unseren eigenen Weg gehen.

Er hat das Problem gelöst, als er am Kreuz für unsere Schuld bezahlt hat.

Veränderung trotz anhaltender äußerer Schwierigkeiten

Ich bin nicht anders als ihr. Auch bei mir sind die Probleme im Alltag manchmal viel größer als das Sündenproblem. Aber wenn wir zu Gottes Wort kommen und es neu erkennen, dürfen wir froh sein, dass Gott wirklich das größte Problem gelöst hat, das wir hatten. Diese größte Krise, in die wir je hineingeraten sind und die wir definitiv nicht selbst lösen konnten, hat Gott durch Jesus gelöst.

Es ist wichtig zu sehen, dass Jakob verändert von diesem Ort gegangen ist, obwohl sich seine Umstände zunächst gar nicht verändert haben. Seine Lage war äußerlich immer noch sehr schlimm. Er war weiterhin in der Wildnis, immer noch hunderte Kilometer vom Zielort entfernt und immer noch von seinem Bruder Esau verfolgt.

Es sollte zwanzig Jahre dauern, bis er wieder nach Hause in dieses Land kommen würde – zwanzig Jahre, in denen er nur mit der Verheißung lebte, dass er irgendwann wieder dort sein würde. In Jakobs Leben folgten noch viele Krisenjahre, viele heftige Krisen. Doch in ihm selbst hat sich durch die Begegnung mit Gott etwas verändert.

Er hat verstanden, dass Gott der Herr über seine Umstände ist. Dass Gott mit ihm durch diese Zeit geht, ihm nahe ist und dass das Ziel wunderbar ist. Das müssen wir uns auch zu Herzen nehmen. Oft wünschen wir uns, dass sich alles sofort in Wohlgefallen auflöst: die Probleme, in denen wir stehen, die Krisen, die wir haben. Für diese gibt es keine Verheißung von Gott.

Er ist so liebevoll und gnädig, dass er immer wieder eingreift, aber eine Verheißung, dass sich alle Umstände sofort ändern, haben wir nicht. Dennoch haben wir die Verheißung, dass Gott uns ganz anders mit den Umständen unseres Lebens hier auf der Erde umgehen lässt. Er geht mit uns, ist uns nah und gibt uns die Kraft, durchzuhalten.

Er kann auch aus den dunklen Kapiteln unseres Lebens etwas sehr Schönes machen, das ihn verherrlicht und ehrt. Es ist keine Floskel, wenn David, der König, später schreibt: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Psalm 23,4)

Das hat Jakob schon lange vor David erlebt. David hat es in seinen Krisen erfahren, und wir können es ebenfalls erfahren, weil Gott uns nahe ist.

Schlussgebet: Bitte um Gottes Nähe und Trost

Ich möchte darum beten, dass Gott uns gerade in schweren Zeiten zeigt und spüren lässt, dass er bei uns ist.

Wir danken dir von ganzem Herzen, dass du ein Gott bist, der unsere Not sieht. Du schaust nicht einfach aus dem Himmel von irgendwo herab, sondern du hast Mitleid mit uns, obwohl wir es nicht verdient haben. Du hast Jesus in unsere Welt geschickt. Er ist hineingekommen und hat unser Schicksal geteilt. Er hat noch mehr getan: Alle Schuld ans Kreuz getragen, sodass der Himmel offensteht und wir eine Beziehung zu dir haben können. Diese Beziehung verändert alles und lässt alles in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Heute Morgen wollen wir besonders für diejenigen beten, die das gerade nicht sehen können. Für die, die nur Dunkelheit sehen, die tief verstrickt sind im Chaos und denen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Wir wollen beten, dass du kommst und ihnen eine Begegnung mit dir schenkst. Eine Begegnung, die neue Hoffnung und neue Freude bringt. Ein Staunen über deine Liebe, deine Gnade und deine Treue. Dass sie erfahren, dass du da bist und mitgehst durch das finstere Tal.

Möge ihr Trost auch zum Zeugnis werden für diese Welt, die keinen Trost hat im Chaos und im Leid. Mögen sie ein strahlendes Licht in dieser finsteren Welt sein.

Bitte segne uns und halte uns nah bei dir. Amen.