Noch eine kleine Korrektur zum Römerbrief
Bei Zeit und Ort der
Abfassung darf natürlich nicht Apostelgeschichte 19 stehen,
sonst kommt die ganze Chronologie durcheinander. Das war bei einem
späteren Korinthbesuch, den man in Apostelgeschichte 20 einordnen muss.
Philemonbrief
Jetzt noch zur Grobstruktur des Philemonbriefes. Es ist ja nur ein
Kapitel.
I.) Begrüßung und Dank, Verse 1-7
II.) Fürsprache zugunsten des
Osenimus, Verse 8-21
III.) Grußübermittlung und Segen, Verse 22-25
Hebräerbrief
Jetzt gehen wir zum Hebräerbrief. Jetzt haben wir dreizehn Paulusbriefe
behandelt und es ist ja üblich, dass man dauernd so vorsichtig sagt: Der
Schreiber des Hebräerbriefes. Und jetzt schreibe ich da einfach Paulus bei
Autor. Ja es ist so, der Hebräerbrief richtet sich ja nicht ausdrücklich an
eine Gemeinde. Es muss irgendwie ein Rundschreiben sein, und zwar an Juden,
eben an Hebräer. Sonst sind die Paulusbriefe an bestimmte Einzelpersonen
oder an bestimmte Gemeinden gerichtet; hier im Hebräerbrief wird solches
nicht gesagt. Aber es richtet sich an Juden. Und nun, in 2. Petrus 3, 15schreibt der alte Petrus kurz vor seinem Märtyrertod im Jahr 66/67 n.
Chr.:
Und achtet die Langmut unseres Herrn für Errettung, so wie auch
unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch
geschrieben hat, wie auch in allen seinen Briefen, wenn er in denselben von
diesen Dingen redet, von denen etliche schwer zu verstehen sind, welche die
Unwissenden und Unbefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu
ihrem eigenen Verderben.
An wen schrieb Petrus seine beiden Briefe? Das
kommt nächstes Mal, aber das nehme ich vorweg. Sie sind gerichtet an Juden
in der Zerstreuung, die in verschiedenen Provinzen der heutigen Türkei
lebten. 1. Petrus 1,1 macht das deutlich. Es ist also ein Rundschreiben an
Juden. Der zweite Brief wurde an die gleichen Leute geschrieben, 2. Petrus
3,1. Und nun sagt er: "wie auch unser Bruder Paulus euch geschrieben hat."
Welcher Brief des Paulus richtet sich an Juden und zwar überörtlich? Es
gibt keinen. Ja gut, es könnte ja ein Brief sein, der nicht in den Kanon
aufgenommen wurde. Aber dieser Brief soll zum Kanon gehören, denn Petrus
sagt: "wie auch die übrigen Schriften". Also gehörten diese Briefe, die er da
erwähnt, zu den Schriften. Es muss ein kanonischer Brief sein und es gibt
keinen anderen als den Hebräerbrief, der passen würde. Und dann kommt noch
dazu, dass Petrus sagt: "Achtet die Langmut unseres Herrn für Errettung." Das
ist doch genau das Thema des Hebräerbriefes. Dort heißt es doch dauernd:
"Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht." Und das
wird immer wieder wie ein Refrain wiederholt. Achtet die Langmut des Herrn
als Gelegenheit, um noch errettet zu werden. Das ist auch genau das Thema
hier. Und dann sagt er noch: "Wie unser geliebter Paulus euch nach der ihm
gegebenen Weisheit geschrieben hat." Gut, die Weisheit des Paulus finden wir
in allen Briefen, aber gerade im Hebräerbrief ist das ein besonderes
Kennzeichen, die Weisheit alttestamentlicher Schrifterkenntnis. Also der 2.
Petrusbrief verrät uns den Autor des Hebräerbriefes. Schön, oder, wie die
Bücher des Neuen Testaments sich gegenseitig zitieren und wie der Apostel
der Beschneidung den Apostel der Vorhaut als kanonisch bestätigt. Da haben
wir schon die 14 Paulusbriefe beieinander.
Also die Adressaten sind Juden in Israel und in der Zerstreuung. Zeit und
Ort der Abfassung: 62 n. Chr., erste Gefangenschaft in Rom. Der Brief
kommt nämlich aus Italien, das passt doch wieder. Hebräer 13,23-24:
Wisset, dass unser Bruder Timotheus freigelassen ist, mit welchem, wenn er
bald kommt, ich euch sehen werde. Grüßet alle eure Führer und alle
Heiligen. Es grüßen euch die von Italien.
Das können wir ganz schön
einordnen. Paulus in Italien und auch Timotheus werden frei und so kann er
mit ihm wieder herumreisen. Da haben wir wieder so ein Zeugnis dafür, dass
es eine erste Gefangenschaft gab, aus der Paulus wieder freigelassen wurde,
62 n. Chr..
Die Grobstruktur ist eine Dreiteilung.
Kapitel 1-7 zeigen die Erhabenheit
des Messias.
Kapitel 8,1-10,18 zeigen die Erhabenheit des
messianischen Bundes.
Kapitel 10,19-13,25 die Erhabenheit des
messianischen Glaubensweges.
Und da kommt dann Kapitel 11 drin vor, über
den Weg der Glaubenshelden und der Weg, hinschauend auf Jesus, so zum Ziel
hingehen.
Die Detailstruktur können wir auf dem Blatt selber
durchlesen.
Also es geht um die Erhabenheit der Person des Messias, die
Erhabenheit seines Werkes und dann die Erhabenheit des Weges des Glaubens
hinter ihm her.
Titusbrief
Nun haben wir weitere Paulusbriefe nach der ersten Gefangenschaft in
Rom. Nach der Freilassung ist Paulus, wie wir aus außerbiblischen
Zeugnissen ersehen können, wohl nach Spanien gereist. Das war ja sein
Wunsch, den er schon in Römer 16,24 Jahre zuvor geäußert hatte. Und es
gibt eine frühchristliche Überlieferung, die davon spricht, dass er also
bis an das äußerste Ende des Westens gegangen sei. Dann ging er
offensichtlich nach Kreta, denn in Titus 1,5 sagt er zu Titus:
Deswegen
ließ ich dich in Kreta, dass du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und
in jeder Stadt Älteste anstellen möchtest, wie ich dir geboten hatte.
Und
dann kommen die Kriterien für einen Ältesten. Ja, diesen Kretabesuch können
wir in der Apostelgeschichte nicht einordnen und diesen Befehl an Titus.
Das muss also offensichtlich nachher gewesen sein.
Weiter ging er dann nach
Nikopolis, eine Stadt auf einer griechischen Insel. In Titus 3,12 sagt er:
Wenn ich Artemas oder Tychikus zu dir senden werde, so befleißige dich, zu
mir nach Nikopolis zu kommen, denn ich habe beschlossen, daselbst zu
überwintern.
Das finden wir in der Apostelgeschichte in den vier
Missionsreisen nicht, diese Überwinterung in Nikopolis. Und er muss auch nach
Mazedonien gereist sein, denn in 1. Timotheus 1,3 liest man:
So wie ich
dich bat, als ich nach Mazedonien reiste, in Ephesus zu bleiben, auf dass
du etlichen gebötest, nicht andere Lehren zu lehren, noch mit Fabeln und
endlosen Geschlechtsregistern sich abzugeben, die mehr Streitfragen
hervorbringen, als die Verwaltung Gottes fördern, die im Glauben ist ...
Das müssen wir auch in die Zeit der ersten Gefangenschaft ansiedeln.
Und der letzte Brief des Paulus ist der zweite Timotheusbrief, wie wir
sehen werden, den er aus der Todeszelle in Rom geschrieben hat. Und dort
sagt er in 2. Timotheus 4,13:
Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus
zurückließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die
Pergamente.
Also, jedenfalls ist Paulus nach Troas gekommen und dort hat
er seinen Mantel und viele Bücher gelassen. Das könnte der Ort gewesen
sein, wo er verhaftet worden ist. Und nun bittet er Timotheus den Mantel zu
bringen, weil der Winter in Rom vor der Tür stand. Er sagt ihm ja, er solle
bitte noch vor dem Winter kommen, darum brauchte er den Mantel, um in der
kalten Zelle in Rom besser ausharren zu können. Und dann noch Bücher lesen.
Jetzt weiß man, er lebt doch jetzt nicht mehr lange. Er braucht doch jetzt
keine Bücher, da muss man doch keine Bücher mehr lesen. Es gibt ja andere,
die denken, ich lebe noch lange, aber ich lese keine Bücher. Das zeigt uns
den Wert. Und das waren nicht irgendwelche Bücher, also keine Romane, und
die Pergamente waren ja sowieso die ganz wertvollen Schriftrollen. Also
insbesondere war es ein Bibellesen in der Todeszelle.
Ja, das hilft uns, den Titusbrief einzuordnen, geschrieben an Titus, der
in Kreta war. Zeit und Abfassungsort, ca. 65 n. Chr. Wir müssen den
ja jetzt einordnen zwischen der ersten und der zweiten Gefangenschaft.
Geschrieben wurde dieser Brief in Nikopolis.
Die Grobstruktur ist ganz
einfach.
I. Lehre über den Ältestendienst, Kapitel 1
II. Lehre über das
Verhalten in verschiedenen Positionen, Kapitel 2
Es wird dort über ältere
Männer und Frauen gesprochen, über junge Männer und Frauen und über Herren
und Knechte. Es wird erklärt, wie ein christliches Verhalten in allen
möglichen Altersklassen und Positionen genau aussieht. Sehr praktisch
III. Lehre über das Verhalten gegenüber Staat und Gesellschaft, Kapitel 3
Also
wie verbindlich es ist, was der Staat uns sagt. Das betrifft viele
praktische Bereiche unseres Lebens.
1. Timotheusbrief
Der 1. Timotheusbrief wurde an Timotheus geschrieben, der in Ephesus war.
Zeit und Ort: ungefähr 65 n. Chr. Wir müssen ihn noch vor dem
zweiten Brief einordnen. Er wurde in Mazedonien geschrieben. Er ist ja
abgereist nach Mazedonien, 1. Timotheus 1,3.
Die Grobstruktur.
I. In
Kapitel 1 geht es um die gesunde Lehre.
Er soll aufpassen und sich gegen
all das Üble zur Wehr setzen, was in die Gemeinde hineingebracht werden
will. Gesunde Lehre ist natürlich ein Gegensatz zur Irrlehre, aber es ist
auch ein Gegensatz zu kranker Lehre. Es gibt nämlich manche Lehren, da
hätten wir Probleme, sie als Irrlehre zu bezeichnen, aber sie sind trotzdem
so leicht daneben. Aber kranke Lehre macht auch die Leute und das
Glaubensleben krank. Und genau daran erkennt man sie nämlich auch. Das
bringt Schäden in die Gemeinde hinein. Darum ist die gesunde Lehre ganz
wichtig.
II. Gebet und Gott wohlgefälliges Verhalten, Kapitel 2
III. In
Kapitel 3 geht um Älteste und Diakone, welches ihre Qualifikationen und
Kennzeichen sind, Kapitel 3
IV. Die Umsetzung der gesunden Lehre im
täglichen Leben, Kapitel 4-6
Wir sehen, wie Lehre und Leben einfach
unzertrennlich verknüpft sind.
2. Timotheusbrief
Und nun geht es weiter während der zweiten Gefangenschaft in Rom. Der 2.
Timotheusbrief ist adressiert an Timotheus, der damals offensichtlich in
Ephesus war. Es ist noch interessant, es gibt Handschriften, die manchmal
noch am Schluss Bemerkungen machen darüber, wo zum Beispiel der Adressat
gerade war. Also die gehören nicht zur Bibel, aber es sind doch sehr alte
frühchristliche Überlieferungen, die eben dabei helfen, die Dinge richtig
einordnen zu können. Und gerade beim 2. Timotheusbrief hat man auch solch
eine Nachschrift, so habe ich es in Erinnerung, die sagt, dass Timotheus in
Ephesus war. Zeit und Abfassungsort ist 66/67 n. Chr. im Gefängnis zu
Rom, kurz vor dem Märtyrertod. Ich lese 2. Timotheus 1,16-18:
Der Herr
gebe dem Hause des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft
erquickt und sich meiner Kette nicht geschämt; sondern als er in Rom war,
suchte er mich fleißig auf und fand mich. Der Herr gebe ihm, dass er von
Seiten des Herrn Barmherzigkeit finde an jenem Tage! Und wie viel er in
Ephesus diente, weißt du am besten.
Also da sehen wir Paulus in Rom und
wie er sich da noch erinnert an diese spezielle Person, die ihn da in Rom
gesucht und auch gefunden hatte. In Kapitel 4 sagt Paulus zuerst in Vers 5:
Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tue das Werk eines
Evangelisten, vollführe deinen Dienst.
Also bringe es zum Abschluss. Und
dann Vers 6:
Denn ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit
meines Abscheidens ist vorhanden.
Nicht wahr, wenn das Opfer am Ende war, auf dem Brandopferaltar in
Jerusalem, hat man dann noch einen Krug genommen mit Wein und hat ihn in
der Ecke des Altars in ein Gefäß hineingeleert. Das war das Trankopfer, das
gewissermaßen das Opfer abschloss. Das Ausleeren des Weines war symbolisch
das, was man in Jesaja 53 liest von dem Messias: Er hat seine Seele
ausgeschüttet in den Tod. Und Paulus sagt: Ich werde schon als Trankopfer
gesprengt. Also sehr feierlich, was er da sagt. Vers 7-8:
Ich habe den
guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben
bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche der
Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tage;
nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben.
Also da sehen wir wirklich, dass Paulus weiß: Ich habe nun alles vollbracht
in meinem Leben, was ich tun musste. Wenn ich jetzt sterbe, ist das kein
Zufall. Es ist nicht, weil ein furchtbarer Diktator an der Macht ist,
Nero, sondern es ist Gottes Plan.
Aber tragisch, das habe ich schon letztes Mal gesagt, er sah
gleichzeitig, wie sein Werk in der Provinz Ephesus, so groß wie die
Schweiz, zusammenbrach. In Kapitel 1,15 sagt er:
Du weißt dieses,
dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben, unter welchen
Phygelus ist und Hermogenes.
Also dort wo er besonders viel gearbeitet
hat, verglichen mit allen anderen Missionsorten, hat man Paulus aufgegeben.
Das kennen wir auch. Die Leute, die Leute, die einen Paulus aufgeben, die
gibt es auch heute. Also so sah er gewissermaßen sein Lebenswerk
zerbröckeln und trotzdem wusste er, jetzt ist der Zielpunkt erreicht und
die Belohnung steht bevor. Und das Eindrückliche ist, unter diesem
feierlichen Aspekt ist die Tatsache zu sehen, dass wir hier einen
Endzeitbrief haben. Kapitel 3,1:
Dieses aber wisse, dass in den letzten
Tagen schwere Zeiten da sein werden; denn die Menschen werden eigenliebig
sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam,
undankbar, heillos, ohne natürliche Liebe, unversöhnlich, Verleumder,
unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, verwegen,
aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der
Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen; und von diesen wende dich
weg.
Also er schreibt über die letzten Tage, über schwere Zeiten. Der
Ausdruck schwer hier im Text, chalepos im griechischen Text, kann übersetzt
werden mit: schwer, schwer zu behandeln, schwierig, schwer zu ertragen,
schmerzhaft, schmerzlich, rauh, wütend (oder bösartig, schlimm). Zum Bespiel in Matthäus 8, wo
die besessenen Gardarener nackt aus den Grüften kamen, da heißt es: sie
kamen wütend heraus, chalepos. Das kommt nur an diesen Stellen vor. Das
drückt gut die Wut der Dämonen aus.
Also die letzte Zeit ist eine rauhe, winterliche Zeit. Und Paulus sah zu
seiner Zeit schon voraus, wie alles zerbröckelt. Und das war gewissermaßen
wie ein Vorgeschmack für das Zerbröckeln am Ende der Zeit. Und denken wir
daran, die letzten Tage, das ist in der Bibel immer die Zeit, in der das
jüdische Volk aus seiner weltweiten Zerstreuung zurückkehrt ins Land der
Väter. Darum ist der Brief so aktuell. Und dann wird erklärt, wie man sich
in solch einer Zeit als Gläubiger bewähren soll. Und da werden dreißig
Befehle durchgegeben, wie man sich verhalten soll. Und schauen wir noch in
Kapitel 4,20. Dort sagt er:
Trophimus aber habe ich in Milet krank
zurückgelassen. Befleißige dich, vor dem Winter zu kommen.
Also Paulus sah
vor sich die kalte, rauhe Zeit und bereitet sich darauf vor. Und so ist der
2. Timotheusbrief eigentlich ein Vorbereitungsbrief für die kalte, rauhe
Endzeit, in der man bestehen soll. Es haben sich doch schon manche gefragt
in Zusammenhang mit der Inspiration der Bibel: Also wenn die Bibel
inspiriert ist, warum kommen dann Sätze vor wie: "Den Mantel, den ich in
Troas bei Karpus zurückließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher,
besonders die Pergamente." Ja müssen wir wissen, dass er da den Mantel
vergessen hat und dass er ihn jetzt braucht? Ja, so wird gefragt. Aber das
hat alles seine Bedeutung. Also er wollte sich für die bevorstehende kalte
Zeit anziehen.
Und was sagt das Neue Testament immer wieder? In Römer 13,11-14 heißt
es:
Und dieses noch, da wir die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da
ist, dass wir aus dem Schlaf aufwachen sollen; denn jetzt ist unsere
Errettung näher, als da wir geglaubt haben: Die Nacht ist weit vorgerückt,
und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und
die Waffen des Lichts anziehen. Lasst uns anständig wandeln wie am Tage;
nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und
Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesus
Christus an, und treibet nicht Vorsorge für das Fleisch zur Erfüllung
seiner Lüste.
Zieht den Herrn Jesus Christus an. Das ist so wichtig, dass
wir eine ganz persönliche Beziehung zu dem Herrn pflegen, tagtäglich, und
zwar so, dass uns dabei warm wird. Wir müssen ja auch unser Wissen, das wir
in der Schule sammeln, umsetzen und praktisch verwerten, wenn wir einen
Nutzen daraus haben wollen. Aber wir müssen sehen, dass es in unserem
Glaubensleben unser Wissen nicht allein Werkzeug bleibt, sondern dass dabei
unsere innerlichen Gefühle der Verbundenheit mit dem Herrn aufgewärmt
werden. Also wenn wirklich dabei eine innere Freude erleben, dann können
wir sicher sein, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und wenn froh darüber
sind, wie viel Wissen wir erworben haben, dann sind wir auf dem falschen
Weg. Also das ist der Mantel, und dann sagt er im gleichen Satz: und die
Bücher, besonders die Pergamente. Also Mantel und Bücher, das brauchen wir
für die Endzeit. Die Heilige Schrift und diese engste Verbindung mit dem
Sohn Gottes, wie eben ein Mantel einem ganz nah ist, wenn man ihn trägt.
Fragen
Ja, ich bin schneller als sonst. Aber so haben wir jetzt noch Zeit für
Fragen.
Teilnehmer:
Ich habe eine Frage zu dem Matthäus. Ich bin da grad drüber gestolpert. Im Markusevangelium heißt es bei der Berufung von Levi, dem Zöllner, der Levi, der Sohn des Alphäus. Und dann in Kapitel 3, wo es um die Berufung der zwölf Apostel geht, wird Jakobus genannt, der Sohn des Alphäus. Sind das jetzt Brüder, weiß man das von irgendwoher? Da wird ja auch der Matthäus genannt.
Ich habe eine Frage zu dem Matthäus. Ich bin da grad drüber gestolpert. Im Markusevangelium heißt es bei der Berufung von Levi, dem Zöllner, der Levi, der Sohn des Alphäus. Und dann in Kapitel 3, wo es um die Berufung der zwölf Apostel geht, wird Jakobus genannt, der Sohn des Alphäus. Sind das jetzt Brüder, weiß man das von irgendwoher? Da wird ja auch der Matthäus genannt.
Liebi:
Also, dass Väter gleich heißen können, das ist nicht so ungewöhnlich. Es gab damals in der Gesellschaft durchaus Namen, die häufiger vorkamen als andere. Es gibt sogar gewisse Statistiken darüber. Also wenn der Vater gleich heißt, ist das noch kein Beweis dafür, dass es Brüder waren. Und wenn es Brüder gewesen wären, könnte man ja davon ausgehen, dass gerade hier im Text, wo ja beide erwähnt werden, dies gesagt worden wäre. Grad hier in Markus 3 werden diese Namen nicht so in Beziehung zueinander gesetzt, dass man erkennen könnte, dass diese Brüder sind. Dagegen wird das bei Johannes und Jakobus sehr deutlich gemacht, dass es Brüder sind.
Also, dass Väter gleich heißen können, das ist nicht so ungewöhnlich. Es gab damals in der Gesellschaft durchaus Namen, die häufiger vorkamen als andere. Es gibt sogar gewisse Statistiken darüber. Also wenn der Vater gleich heißt, ist das noch kein Beweis dafür, dass es Brüder waren. Und wenn es Brüder gewesen wären, könnte man ja davon ausgehen, dass gerade hier im Text, wo ja beide erwähnt werden, dies gesagt worden wäre. Grad hier in Markus 3 werden diese Namen nicht so in Beziehung zueinander gesetzt, dass man erkennen könnte, dass diese Brüder sind. Dagegen wird das bei Johannes und Jakobus sehr deutlich gemacht, dass es Brüder sind.
Teilnehmer:
Ich bin ja nur darüber gestolpert, dass zweimal kurz hintereinander vom Sohn des Alphäus gesprochen wird.
Ich bin ja nur darüber gestolpert, dass zweimal kurz hintereinander vom Sohn des Alphäus gesprochen wird.
Liebi:
Ja, aber an zwei verschiedenen Stellen, oder?
Ja, aber an zwei verschiedenen Stellen, oder?
Teilnehmer:
Ja, einmal Kapitel 2, Vers 14 und dann in Kapitel 3, Vers 18.
Ja, einmal Kapitel 2, Vers 14 und dann in Kapitel 3, Vers 18.
Liebi:
Ja, aber zum Beispiel Matthäus 10,3 wird auch gesagt: Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus. Ja, da wird das doch auch abgesetzt voneinander. Das würde doch vermerkt werden, wenn die aus einer Linie kommen würden. Aber so wie es geschrieben ist, kann man es als Hinweis sehen, dass es eher keine Brüder waren.
Ja, aber zum Beispiel Matthäus 10,3 wird auch gesagt: Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus. Ja, da wird das doch auch abgesetzt voneinander. Das würde doch vermerkt werden, wenn die aus einer Linie kommen würden. Aber so wie es geschrieben ist, kann man es als Hinweis sehen, dass es eher keine Brüder waren.
Teilnehmer:
Was heißt eigentlich Kanon genau?
Was heißt eigentlich Kanon genau?
Liebi:
Kanon heißt Messschnur. Damit sind die Bücher gemeint, die der göttlichen Messschnur entsprechen. Das sind die Bücher, die zur Heiligen Schrift gehören. Also die Kanonizität ist somit die Zugehörigkeit eines Buches zum Kanon, will sagen zur Heiligen Schrift.
Kanon heißt Messschnur. Damit sind die Bücher gemeint, die der göttlichen Messschnur entsprechen. Das sind die Bücher, die zur Heiligen Schrift gehören. Also die Kanonizität ist somit die Zugehörigkeit eines Buches zum Kanon, will sagen zur Heiligen Schrift.
Teilnehmer:
Kannst du uns noch was zu den Kriterien sagen? Ich hab mal gehört, dass es da besondere Kriterien gab für die Kanonizität.
Kannst du uns noch was zu den Kriterien sagen? Ich hab mal gehört, dass es da besondere Kriterien gab für die Kanonizität.
Liebi:
Also fürs Neue Testament, das habe ich ja am ersten Abend erklärt, galt, es musste von einem der zwölf Apostel Jesu Christi geschrieben sein oder von Paulus, die direkt vom Herrn Autorität bekommen haben, oder von einem Propheten, der von den Aposteln anerkannt war, weil aufgrund von Epheser 2,20 die Gemeinde auf der Grundlage der Apostel und Propheten gegründet ist.
Also fürs Neue Testament, das habe ich ja am ersten Abend erklärt, galt, es musste von einem der zwölf Apostel Jesu Christi geschrieben sein oder von Paulus, die direkt vom Herrn Autorität bekommen haben, oder von einem Propheten, der von den Aposteln anerkannt war, weil aufgrund von Epheser 2,20 die Gemeinde auf der Grundlage der Apostel und Propheten gegründet ist.
Und im Alten Testament ist es so, dass Mose durch die Zeichen und Wunder in
Ägypten und am Sinai als Prophet Gottes bestätigt wurde. Und darum empfing
man die fünf Bücher Mose direkt von Gott. Und die späteren Propheten wurden
immer an den fünf Büchern Mose geprüft. Wenn ein Prophet von den fünf
Büchern Mose abwich, war er als falscher Prophet entlarvt. Und ebenso wenn
er für die nahe Zukunft etwas voraussagte und dies nicht eintraf. In 5.
Mose 13 und 18 werden diese Grundsätze gezeigt. Und so wurden also die
echten Propheten erkannt, aufgrund ihrer zutreffenden Voraussage und ihrer
völligen Übereinstimmung mit dem Gesetz Mose.
Weitere Fragen?
Teilnehmer:
In Judas 9 steht: Michael aber, der Erzengel, als er, mit dem Teufel streitend, Wortwechsel hatte um den Leib Moses', wagte nicht ein lästerndes Urteil über ihn zu fällen, sondern sprach: Der Herr schelte dich!
In Judas 9 steht: Michael aber, der Erzengel, als er, mit dem Teufel streitend, Wortwechsel hatte um den Leib Moses', wagte nicht ein lästerndes Urteil über ihn zu fällen, sondern sprach: Der Herr schelte dich!
Woher kommt dieser Gedanke, dass der Teufel
um den Leib Mose stritt?
Liebi:
Also es gibt ein pseudepigraphisches Buch, in dem dieses Ereignis erwähnt wird. Ein pseudepigraphisches Buch ist ein Buch, das unter falschem Namen in alttestamentlicher Zeit verfasst wurde. Zum Beispiel das Buch Henoch, das unter dem Namen von Henoch geschrieben wurde, aber es war nicht von Henoch. Pseudo heißt gelogen.
Also es gibt ein pseudepigraphisches Buch, in dem dieses Ereignis erwähnt wird. Ein pseudepigraphisches Buch ist ein Buch, das unter falschem Namen in alttestamentlicher Zeit verfasst wurde. Zum Beispiel das Buch Henoch, das unter dem Namen von Henoch geschrieben wurde, aber es war nicht von Henoch. Pseudo heißt gelogen.
Pseudepigraphisch heißt ein Buch mit einem gelogenen Namen. Davon gab es
eine ganze Reihe und aus der Überlieferung wissen wir, dass das in einem
solchen Buch vorkam, nämlich in der Himmelfahrt des Jesaja. Aber in Judas
wird nicht gesagt, wie geschrieben steht in der Schrift. Also hier wird
nicht ein gefälschtes Buch zitiert, sondern diese Geschichte einfach kurz
erwähnt.
Es gab eben Dinge, die geschehen sind, und in der jüdischen
Tradition mündlich weiter gegeben wurden, mündlich, aber auch
aufgeschrieben. Das heißt aber nun nicht, dass Judas hier diese gefälschte
Schrift im Auge hatte. Diese Sache war im Judentum jedenfalls bekannt und
ganz korrekt.
Das Gleiche haben wir auch später in diesem Brief mit Henoch,
Vers 14: Es hat aber auch Henoch, der siebte von Adam, von diesen
geweissagt und gesagt:
«Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner
heiligen Tausende, Gericht auszuführen wider alle und völlig zu überführen
alle ihre Gottlosen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie
gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, welche gottlose Sünder
wider ihn geredet haben».
Und dieses Zitat finden wir in einem gefälschten
Buch, im Buch Henoch. Das kommt dort vor. Und da hat man gesagt: Seht ihr,
Judas zitiert ein pseudepigraphisches Werk, das Buch Henoch. Stimmt es,
dass er das zitiert? Er sagt überhaupt nicht: wie im Buch Henoch
geschrieben steht. Und er sagt auch nicht: Wie die Schrift sagt. Sondern er
sagt nur: Henoch hat das geweissagt.
Und wir finden diese Prophetie nirgends im Alten Testament. Henoch kommt
ja vor in 1. Mose 5. Woher hat er es? Das war auch etwas, das überliefert
wurde, neben der Bibel her. Und so war es natürlich möglich, dass der
Schreiber des gefälschten Buches Henoch, auch diese richtige Überlieferung
in sein Buch einbaute. Nun, manchmal wird gesagt, Judas hat dieses Buch
zitiert, aber er zitiert es ja nicht als Heilige Schrift, sondern einfach,
weil das richtig war. Das wäre ja theoretisch eine Möglichkeit. Aber er
zitiert es offensichtlich nicht, denn der Wortlaut ist nicht so wie im Buch
Henoch. Im Buch Henoch ist eine ganz falsche Lehre drin, dort heißt es
nämlich: "Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausenden,
um sie zu richten." Das steht hier nicht. Das Gericht geht nur über die
Gottlosen. Und im Buch Henoch steht: um sie zu richten. Das ist eine
falsche Lehre. Der Herr wird nie kommen mit den Gläubigen und sie dann
richten. Und da sehen wir, das ist gar nicht das Zitat aus dem Buch Henoch.
Das äthiopische Buch Henoch, das wir heute kennen.
Also, wir können gut
davon ausgehen, dass das im Judentum bekannt war und Judas hat das
übernommen. Aber gar nicht unbedingt aus dieser falschen Quelle. Und so
gibt es noch mehr Dinge im Neuen Testament, die erwähnt werden, ohne dass
man sie im Alten Testament finden würde. In 2. Timotheus 3 zum Beispiel
werden die Namen der Zauberer in Ägypten zur Zeit Mose genannt, Jannes und
Jambres. Das steht nirgends im 2. Buch Mose, aber in der aramäischen
Übersetzung im Judentum, im Targum zu 2. Mose 7, kommen diese Namen sehr
wohl vor. Also, das war eine richtige Überlieferung, die Paulus benutzt hat,
aber das heißt nicht, dass das Targum zu 2. Mose von Gott inspiriert war.
Aber das, was Judas geschrieben hat und das, was Paulus geschrieben hat,
das ist inspiriert. Und so gibt es keine Stelle, die uns in irgendeiner
Weise Bauchschmerzen bereiten müssen.

