
Die Polizei im Licht der Bibel

Heute werde ich euch durch den Abend begleiten und möchte besonders Holger Clas begrüßen, den Vorsitzenden der CPV. Ebenso herzlich begrüße ich den Vorstand der CPV, der vollständig anwesend ist, sowie den Vorsitzenden der CPV Österreich.
Auch die Kollegen aus der Schweiz sind dabei, und wir haben Gäste aus Luxemburg und sogar aus Ungarn mit dabei. Ganz besonders möchte ich natürlich Rocher Liby begrüßen, der uns heute das Wort bringen wird.
Bevor wir tiefer in den Abend einsteigen, möchte ich Holger bitten, für den Abend zu beten.
Ja, das mache ich gerne. Es ist wichtig, unsere Veranstaltung unter Gottes Segen zu stellen. Lasst uns kurz beten:
Lieber Jesus, wir danken dir, dass du uns diese Möglichkeiten schenkst, dass wir uns so zusammenschließen dürfen und im gesamten deutschsprachigen Raum verbunden sind. Herr, wir danken dir dafür. Wir wollen den Abend unter deinen Segen stellen. Segne die Sprecher und segne die Hörer, Herr! Amen!
Vielen Dank!
Einführung in das Thema und biblische Grundlagen der Staatsautorität
Ich möchte alle ganz herzlich zu diesem Thema begrüßen, das aus sehr aktuellem Anlass gewählt wurde: die Polizei im Licht der Bibel.
Bevor ich etwas zur Polizei in der Bibel sage, möchte ich zunächst einige Stellen aufzeigen, die grundsätzlich das Machtmonopol des Staates in der Bibel bestätigen. Ich lese zuerst aus Römer 13, die bekannte Stelle ab Vers 1:
„Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan, denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott; diejenigen aber, die bestehen, sind von Gott eingesetzt.“
Zunächst eine kurze sprachliche Erklärung: Der Ausdruck, der hier in der Elberfelder Übersetzung mit „Obrigkeit“ wiedergegeben wird, ist im Griechischen „exousia“. Das bedeutet Macht, Gewalt, aber auch speziell Regierungsgewalt, Rechtsprechung und Autoritätsträger.
Warum steht hier immer die Mehrzahl „Obrigkeitlichen Gewalten“? Der Grund ist, dass die Regierung aus verschiedenen Amtsträgern besteht. Wir werden sehen, dass eine davon eben die Polizei ist. Hier wird also biblisch festgeschrieben, dass diese Autorität von Gott gegeben ist.
Ich lese weiter in Vers 2:
„Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes. Die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen.“
Das ist ganz interessant: Es ist nicht nur eine obrigkeitliche Gewalt mit Autorität, sondern diese wird sogar mit einer Anordnung Gottes gleichgesetzt.
Dann Vers 3:
„Denn Dirigenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das Böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten, so übe das Gute aus und du wirst Lob von ihr haben, denn sie ist Gottes Dienerin, die zum Guten dient.“
Hier geht es noch weiter: Die Obrigkeit wird als Gottes Dienerin bezeichnet. Man muss sich vor Augen halten, dass der Römerbrief in den fünfziger Jahren des ersten Jahrhunderts geschrieben wurde. Das war gerade die Zeit von Kaiser Nero. Zur Zeit des Römerbriefes war die Regierungsart dieses Kaisers noch recht positiv.
Er ist bekannt als der verrückte Herrscher, der später eine schreckliche Christenverfolgung im Jahr 64 nach Christus eingeleitet hat, aber das war alles später. Wir sind hier noch in einer besseren Zeit, doch es ist trotzdem ein heidnischer Herrscher, der sich göttlich verehren ließ. Und trotzdem gilt der Grundsatz: Anordnung Gottes, Gottes Dienerin, dir zum Guten.
Weiter in Vers 4:
„Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin, dir zur Strafe.“
Hier wird sogar über das Schwert gesprochen. Das bedeutet, dass Gott – und das wird im Neuen Testament so ausgedrückt – der Obrigkeit, also dem Staat, die Schwertgewalt gegeben hat. Das kann bedeuten, dass das Schwert nicht nur symbolisch ist, sondern bis zum Tod gehen kann.
Ich lese weiter in Vers 5:
„Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen.“
Paulus erklärt hier, dass man der Obrigkeit nicht nur gehorchen soll, weil man eine Strafe oder eine Busse befürchtet. Das ist zu wenig Motivation. Es geht vielmehr um das christliche Gewissen, das verletzt wäre, wenn man dagegen verstößt.
Vers 6:
„Denn deswegen entrichtet ihr auch Steuern, denn es sind Gottes Beamte, die eben hierzu unablässig tätig sind.“
„Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer dem, der Steuer, den Zoll dem, der Zoll, die Furcht dem, der Furcht, die Ehre dem, der Ehre gebührt.“
Hier wird noch einmal betont: Sie sind Gottes Beamte. Wir werden sehen, dass dazu eben auch der einzelne Polizist als Gottesbeamter gehört. Es ist ganz grundsätzlich gesagt: Die Ehre dem, der Ehre gebührt.
Weitere neutestamentliche Hinweise zur Staatsautorität und Gehorsam
Eine zweite Stelle, die im Neuen Testament die Autorität der Obrigkeit eines Staates bestätigt, ist Titus 3. Paulus sagt dort zu Titus: „Erinnere sie daran, Obrigkeiten und Gewalten untertan zu sein, Gehorsam zu leisten, zu jedem guten Werk bereit zu sein, niemanden zu lästern, nicht streitsüchtig zu sein, mild und alle Sanftmut zu erweisen gegen alle Menschen.“
Hier wird der Gehorsam gegenüber der Staatsgewalt begründet. Er dient dazu, ein christlich gutes Zeugnis zu geben. Man kann also gehorchen, um der Strafe willen, dann um des Gewissens willen. Und hier haben wir einen weiteren Grund: um des Zeugnisses willen.
In weiteren Versen sagt Paulus, dass wir in der Vergangenheit ganz anders waren: unverständlich, ungehorsam, irregehend usw. Aber jetzt, als Christen, haben wir eine ganz andere Haltung gegenüber dem Staat.
Der Titusbrief wurde in den sechziger Jahren geschrieben, also in der Zeit, in der Nero ein sehr schlimmer Herrscher war. Grundsätzlich sorgte die römische Obrigkeit damals jedoch für Ordnung und Stabilität, auch wenn es zum Missbrauch der Macht kam. Daraus lernen wir, dass Missbrauch nicht dazu führt, die Autorität grundsätzlich abzulehnen. Das muss man unterscheiden.
Dann gibt es noch 1. Petrus 2, wo ich ab Vers 13 lese: „Unterwerft euch nun jeder menschlichen Einrichtung um des Herrn willen, es sei dem König als Oberherrn oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob der, die Gutes tun. Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr dadurch, dass ihr Gutes tut, die Unwissenheit der unverständlichen Menschen zum Schweigen bringt.“
Hier möchte ich auf ein interessantes Detail hinweisen: Es heißt, ihr unterwerft euch nun jeder menschlichen Einrichtung im Zusammenhang mit dem Staat. Das drückt aus, dass nicht alle Vorschriften des Staates unhinterfragbar sind, sondern manchmal sehr menschlich sein können. Trotzdem sagt Petrus: „Unterwerft euch nun jeder menschlichen Einrichtung.“
Ganz praktisch kann das so aussehen: An einer Stelle ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf fünfzig festgelegt. Man ist überzeugt, dass es ohne Probleme möglich wäre, mit achtzig zu fahren und denkt, diese Begrenzung sei unvernünftig. Aber es geht nicht darum, zu entscheiden, ob die Angabe unhinterfragbar ist oder ob man es anders machen könnte. Sie ist festgelegt worden auf fünfzig, und auch dieses Menschliche soll vom Christen akzeptiert werden.
Der einzige Ausnahmefall ist in Apostelgeschichte 4 und 5 festgehalten. Dort lernen wir, dass, wenn der Staat etwas verlangt, was gegen das Wort Gottes verstößt, also wenn der Christ dem Staat Gehorsam leisten würde und sich dabei gegen klare Gebote Gottes versündigen würde, es einen Ausnahmefall gibt. Petrus sagt, man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Dieser Ausnahmefall führt jedoch nicht dazu, dass grundsätzlich die Autorität des Staates in Frage gestellt wird. Das ist sehr wichtig.
Man sieht das manchmal bei Kindern: Sie stellen fest, dass Eltern in einem Punkt völlig versagt haben, und denken dann, sie müssten ihnen überhaupt nicht mehr gehorchen. Aber das Versagen in einem Punkt bedeutet nicht, dass die elterliche Autorität völlig am Boden ist und verloren wäre. Ähnlich ist es mit dem Staat.
Die Rolle der Polizei in biblischer Zeit und Beispiele gläubiger Ordnungshüter
Und nun stellt sich die Frage: Wo steht in der Bibel etwas über die Polizei?
Die Polizei, wie wir sie heute in unseren modernen Nationalstaaten kennen, ist eine relativ neue Erscheinung in der Geschichte. In der Schweiz gibt es sie seit etwa hundertfünfzig Jahren, in Deutschland und Österreich ist es ähnlich. Jedes Land hat jedoch seine eigene Geschichte. Insgesamt handelt es sich um eine Entwicklung der letzten 150 bis 200 Jahre.
Was geschah früher? Zum Beispiel im Römischen Reich zur Zeit des Neuen Testaments wurden die Polizeiaufgaben, also die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit, von der Armee übernommen. Die Armee hatte damals auch den Auftrag, die Sicherheit nach außen zu gewährleisten. Heute sind diese Aufgaben aufgeteilt: Die Polizei kümmert sich vor allem um die innere Sicherheit, während die Armee hauptsächlich für die äußere Sicherheit zuständig ist. Es kann Ausnahmen geben, aber grundsätzlich gilt das so.
Deshalb ist es wertvoll, im Neuen Testament auf die Beispiele von Soldaten, Hauptleuten und ähnlichen Personen zu achten, die zur römischen Besatzungsmacht in Israel gehörten. Ein Beispiel ist der Hauptmann von Kapernaum. Er war nicht für den Krieg nach außen eingesetzt, sondern sollte die Ordnung in Kapernaum am See Genezareth aufrechterhalten. Er hatte also eine Polizeifunktion.
In Lukas 7 wird dieser Mann beschrieben. Er liebte das Volk Israel. Die führenden Juden in Kapernaum bestätigen dies in Lukas 7, Vers 5: „Er liebt unsere Nation.“ Außerdem hat er die Synagoge erbaut. Er war also ein Spender in Kapernaum und sorgte für die Synagoge, in der Jesus Christus immer wieder gepredigt hat. Die Fundamente dieser Synagoge sind heute noch sichtbar.
Dieser Hauptmann, wie er in Vers 2 genannt wird, war ein Zenturio, also ein Hauptmann über hundert Soldaten. Er hatte ein Anliegen wegen eines Soldaten, eines ihm unterstellten Polizisten, der krank war. Er bat Jesus Christus, ihn zu heilen. Jesus war von dem Glauben dieses Mannes tief bewegt. In Vers 9 sagt Jesus: „Als aber Jesus dies hörte, verwunderte er sich über ihn. Und er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst nicht in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.“
Das ist ein sehr ermutigendes Beispiel eines gläubigen Polizisten in Lukas 7.
Ein weiteres Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 10: Cornelius war stationiert in Caesarea, dem Hauptsitz der römischen Armee in Israel. Im Jahr 63 vor Christus hatte die römische Armee das Land Israel erobert. Soldaten wurden stationiert und mussten die öffentliche Ordnung aufrechterhalten.
Der Bericht über Cornelius, den Hauptmann, ist sehr interessant. In Apostelgeschichte 10, Vers 1, wird er als Zenturio beschrieben, einer, der über hundert Soldaten herrschte. Er wird als fromm und gottesfürchtig dargestellt, der mit seinem ganzen Haus dem Volk viele Almosen gab und stets zu Gott betete.
Cornelius hatte sich als Nichtjude dem Judentum angenähert und begann, den Gott der Bibel durch die Synagoge kennenzulernen. Schließlich kam er in Kontakt mit dem Apostel Petrus, der ihn zu Hause besuchte und das Evangelium predigte. Cornelius und alle in seinem Haus kamen zum Glauben.
Auch dies ist ein Beispiel für einen gläubigen Polizisten in einer höheren Verantwortungsposition.
Drittens sei noch auf Lukas 3 hingewiesen. Zeitlich gehen wir damit zurück. Johannes der Täufer trat als Vorläufer des Messias Jesus auf und predigte dem Volk Israel Buße, also Umkehr. Sie sollten sich auf das Kommen des Messias vorbereiten.
Interessant ist, dass auch Nichtjuden zuhörten, darunter Soldaten, die damals die öffentliche Ordnung aufrechterhalten mussten. Nach der Predigt von Johannes kamen sie zu ihm und fragten, was sie tun sollten.
In Lukas 3, Vers 14 heißt es: „Es fragten ihn aber auch Soldaten und sprachen: Was sollen wir tun?“ Johannes antwortete: „Misshandelt und erpresst niemand, und begnügt euch mit eurem Sold.“
Bemerkenswert ist, dass er nicht sagte, sie sollten ihren Job aufgeben oder eine andere Arbeit suchen. Stattdessen forderte er sie auf, ihre Autorität nicht zu missbrauchen.
Das Wort „misshandelt“ wird in der Elberfelder Übersetzung mit „misshandeln“ wiedergegeben, im Griechischen bedeutet es auch „erpressen“ und „in Schrecken versetzen“. Es geht also um den Missbrauch von Gewalt.
„Erpresst“ bedeutet hier, die eigene Position auszunutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Der Ausdruck umfasst auch „falsch anklagen“ und „verleumden“.
Johannes forderte die Soldaten also auf, ihre Aufgabe gerecht zu erfüllen und sich mit dem Lohn zu begnügen, ohne diesen durch unrechtmäßigen Machtmissbrauch zu erhöhen.
Auch hier sehen wir ein Beispiel von Menschen, die durch die Predigt zur Buße kamen.
Ein weiteres Beispiel findet sich auf der ersten Missionsreise von Paulus. Er war nicht mehr im Land Israel, sondern reiste zunächst auf die Insel Zypern. Dort kam ein gewisser Sergius Paulus zum Glauben. In Apostelgeschichte 13, Vers 7 wird er als Prokonsul bezeichnet.
Der Prokonsul hatte in der Armee den Rang eines Offiziers. Er hatte also schon eine höhere Stellung in der Armee zur Aufrechterhaltung der Ordnung inne, bevor er Prokonsul wurde.
Dasselbe gilt für Apostelgeschichte 16. Dort sind wir bereits in Europa. Es geht um den Kerkermeister in Philippi, der durch das Zeugnis von Paulus und Silas zum Glauben kam.
Paulus und Silas hatten nachts im Gefängnis trotz ihrer Misshandlungen gesungen. Der Kerkermeister war innerlich so erschüttert, dass er fragte: „Ihr Herren, was muss ich tun, um errettet zu werden?“
Sie antworteten: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.“
Wichtig ist zu wissen, dass Kerkermeister damals ebenfalls den Rang eines Offiziers in der Armee hatten.
So finden wir in der Bibel eine ganze Reihe von Polizisten, die zum Glauben kamen und ihren Weg finden mussten, wie sie ihren Beruf zur Ehre Gottes ausüben konnten.
Polizei im Dienst des Apostels Paulus und Schutz durch Ordnungshüter
Dann finden wir auch weitere Beispiele – nicht von solchen, die zum Glauben kamen, sondern von Menschen, die eine wichtige Rolle im Leben von Paulus spielten.
Wenn man an Apostelgeschichte 21 denkt, kam Paulus nach Jerusalem und wurde im Tempel von einem Mob, einer wilden Volksmenge, angegriffen. Sie wollten ihn töten und waren gerade dabei, ihn zu schlagen.
Ich lese aus Apostelgeschichte 21, Vers 30: „Und die ganze Stadt kam in Bewegung. Es entstand ein Volksauflauf, sie ergriffen Paulus und schleppten ihn aus dem Tempel. Sogleich wurden die Türen geschlossen.“ Während sie ihn zu töten suchten, erhielt der Oberste der Schar die Meldung, dass ganz Jerusalem in Erregung sei.
Ich muss erklären: Paulus war also im Tempel in Jerusalem. Das entspricht dem heutigen Tempelplatz mit seinen 140.000 Quadratmetern – also sehr groß. Man könnte alle berühmten Kathedralen Englands dort unterbringen und hätte noch Platz übrig.
Dort, in der Nordwestecke, befand sich die Burg Antonia. Das war der Sitz der römischen Ordnungshüter in Jerusalem. Sechshundert Soldaten waren dort untergebracht, um sicherzustellen, dass kein Aufstand oder Aufruhr in der Stadt ausbrach.
Die Soldaten standen unter der Leitung eines Chiliachen, der hier in der Übersetzung mit „Oberster“ angegeben ist. Ein Chiliach ist ein Befehlshaber über 600 bis 1.000 Mann. Chiliach bedeutet eigentlich „Tausender“. Hier war es eine Kohorte von 600 Soldaten, über die dieser Oberste gesetzt war. Außerdem gab es mehrere Hauptleute, sogenannte Zenturionen, die jeweils für hundert Mann verantwortlich waren.
Nun lesen wir ausgerechnet von diesem Obersten Polizisten, Vers 31: „Und während sie ihn zu töten suchten, kam an den Obersten der Schar die Meldung, dass ganz Jerusalem in Erregung sei.“ Er nahm sofort Soldaten und Hauptleute, also Zenturionen, mit und lief zu ihnen hinab.
Als die Leute den Obersten und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen. Allein seine Präsenz brachte die Menge etwas zur Vernunft.
Weiter näherten sich der Oberste, ergriff Paulus und befahl, ihn mit zwei Ketten zu binden. Wir haben hier also eine Verhaftung. Der Oberste erkundigte sich, wie es Paulus gehe und was er getan habe. Einige aus der Volksmenge riefen dies, andere jenes.
Da er wegen des Tumults nichts Gewisses erfahren konnte, befahl er, Paulus in die Burg zu führen. Das Wort „Parambolet“ bedeutet hier „Burg“ und bezeichnet die Burg Antonia.
Als sie an die Stufen kamen, geschah es, dass Paulus wegen der Gewalttätigkeit der Volksmenge von den Soldaten getragen wurde. Die Menge folgte und schrie: „Weg mit ihm!“
Wir sehen hier eine Stresssituation für die Polizei. Die ganze Volksmenge war im Tumult und wollte Paulus am liebsten sofort töten. Die Soldaten mussten ihn sogar die Treppe der Burg Antonia hochtragen.
Dann stellte Paulus dem Obersten, dem Chiliachen, eine Frage, Vers 37: „Ist es mir erlaubt, dir etwas zu sagen?“ Als er sprach, fragte der Oberste: „Verstehst du Griechisch?“ Er dachte: „Du bist also nicht der Ägypter, der vor einigen Tagen einen Aufruhr ausgelöst und 4.000 Sikarier in die Wüste geführt hat.“ Er meinte damit einen jüdischen Theoretiker aus Ägypten und war erstaunt, dass Paulus so gut Griechisch sprach.
Der Oberste gab ihm daraufhin die Erlaubnis. Paulus konnte dann in Kapitel 22 von der obersten Stufe der Treppe, die gerade in die Burg Antonia führte, sprechen. Wir wissen genau, wo die Treppe war. Wer nach Jerusalem geht, sieht in der Nordwestecke ein Minarett, das sogenannte Raue Nima Minarett. Es ist genau in die ursprüngliche Aussparung der Treppe hineingebaut.
Dort oben stand Paulus und konnte zur Volksmenge sprechen. Er gab ein Zeugnis davon, wie er zum Glauben gekommen war. Das führte jedoch dazu, dass die Volksmenge wieder schrie, er müsse sterben.
Dann wurde Paulus vom Chiliachen und den Soldaten in die Burg Antonia evakuiert. Schließlich setzte sich dieser Chiliach für Paulus so ein, dass er bei einer Nachtaktion aus Jerusalem gebracht wurde. Er hatte erfahren, dass es eine Verschwörung gab, Paulus auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung zu töten.
Über 40 Männer hatten sich verschworen. Sie wollten nicht mehr essen und trinken, bis Paulus tot sei. Solche Leute sind sehr gefährlich. Menschen, die sagen, sie würden nie wieder essen, bevor eine Person getötet ist, drehen völlig durch.
Der Chiliach erfuhr von dieser Verschwörung und beschloss, Paulus nachts mit einem großen Aufgebot nach Caesarea zu bringen.
In Kapitel 23 lesen wir: „Als er zwei der Zenturionen herbeigerufen hatte, sprach er: ‚Macht zweihundert Soldaten bereit, damit sie bis Caesarea ziehen, sowie siebzig Reiter und zweihundert Lanzenträger von der dritten Stunde der Nacht an.‘“ Das war also gegen neun Uhr abends.
Mit 470 Soldaten wurde Paulus evakuiert und nach Caesarea gebracht. Das ist ganz erstaunlich. Der größte Teil der Besatzungsmacht in Jerusalem wurde von ihrem eigentlichen Sitz abgezogen – nur wegen Paulus.
Das zeigt, welche Rolle die Polizei im Leben von Paulus gespielt hat. Wir kennen auch die Geschichte aus Apostelgeschichte 12, als Petrus im Gefängnis war und übernatürlich durch einen Engel befreit wurde – also durch Gottes direktes Eingreifen.
Hier bei Paulus liest man nichts von Übernatürlichem. Es war einfach so, dass dieser Chiliach eine gute Gesinnung hatte. Er erfuhr zufällig von der Verschwörung und wollte diesen Gefangenen gerecht behandeln.
So brachte er Paulus mit 470 Soldaten weg. Nichts Übernatürliches, aber wir sehen Gottes Handeln. Er benutzt diese Ordnungshüter, um seine Pläne durchzuführen.
Weil Paulus so gerettet wurde, konnte er später die meisten Briefe des Neuen Testaments schreiben. Wäre er damals umgebracht worden, gäbe es keinen Philipperbrief, keinen Kolosserbrief, keinen Titusbrief und keine ersten und zweiten Timotheusbriefe, die alle erst später entstanden sind. (Der Römerbrief wurde bereits früher geschrieben.)
Gott kann direkt eingreifen, aber er wirkt in seiner Vorsehung auch durch Menschen, wie hier durch die Polizei, und führt so seine Pläne aus.
Herausforderungen der Polizei in der Endzeit und gesellschaftliche Entwicklungen
Nun möchte ich noch auf einen Aspekt im Zusammenhang mit der Prophetie hinweisen. In Matthäus 24 finden wir die Endzeitrede von Jesus Christus. Parallelstellen dazu sind Markus 13 und Lukas 21. Die Jünger fragten: Wie wird es sein in der Zeitepoche, wenn du wiederkommst in Macht und Herrlichkeit?
Sie wollten insgesamt zwei Zeichen erfahren, doch der Herr gibt ihnen mehr als zwanzig Endzeitzeichen. Interessant ist dabei, dass unter diesen Endzeitzeichen in Matthäus 24, Vers 10 – ich meine Vers 12, Verzeihung – gesagt wird: „Und weil die Gesetzlosigkeit Überhand nimmt, wird die Liebe der vielen erkalten.“
Hier wird also gesagt, dass die Gesetzlosigkeit in der Endzeit Überhand nehmen wird. Gesetzlosigkeit heißt im Griechischen „anomia“. Anomia bedeutet eigentlich „außer Gesetz“ – also Verachtung von Recht und Ordnung sowie von verbindlichem Maßstab.
Das heißt, die Endzeit ist in der Bibel immer die Zeit, in der das jüdische Volk aus der weltweiten Zerstreuung wieder heimkehrt ins Land der Vorfahren. Und in dieser Zeit leben wir. Im zwanzigsten Jahrhundert sind in diversen Einwanderungswellen Juden aus allen fünf Kontinenten zurückgekehrt und haben schließlich den Staat Israel gegründet.
Daran erkennen wir unter anderem, dass die Gesetzlosigkeit, also die Verachtung von Recht, Ordnung und verbindlichem Maßstab, Überhand nimmt. Damit wird auch klar, dass die Aufgabe der Polizei immer schwieriger wird. Dies hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen.
Einen Aspekt möchte ich erwähnen, und das ist Karl Marx. Im neunzehnten Jahrhundert hat Karl Marx, der in Trier aufgewachsen ist, eine Theorie der Revolution aufgestellt. Er behauptete, dass die ganze Geschichte darauf hinausläuft, die herrschende Schicht zu stürzen.
Er baute eine Theorie auf, nach der von Revolution zu Revolution schließlich am Ende ein Paradies entstehen würde – ein sozialistisches Paradies. Dort gäbe es keine Ordnungshüter mehr, keinen Staat, alle Menschen wären gleich und würden alles teilen. Niemand würde sagen „das gehört mir“, es gäbe kein Privateigentum mehr, alles würde geteilt. Auch Ehepartner würden nicht mehr als „meine Frau“ betrachtet, sondern alles wäre gemeinschaftlich.
Diese Theorie führte zu zahlreichen Aufständen und Revolutionen. Aufstände gab es zwar schon immer, aber seit dieser Theorie im neunzehnten Jahrhundert ist etwas Neues geschehen. Ich habe einmal ausgezählt: Im zwanzigsten Jahrhundert gab es weltweit über 300 Revolutionen – so viele wie nie zuvor.
Wir kennen aus der Schule die Französische Revolution von 1789, die Glorious Revolution in England und weitere. Aber wenn man bedenkt, dass es über 300 Revolutionen gab, hängt das ganz genau mit dieser Theorie zusammen. Sie besagt, dass es richtig ist, sich gegen Autorität aufzulehnen.
Dadurch erklärt sich auch, warum im zwanzigsten Jahrhundert ein immer größerer Hass auf Autorität in unserer Gesellschaft entstand. Gerade vor einigen Tagen fand in Zürich eine nicht erlaubte, illegale Demonstration statt. Teilnehmer dieser Demonstration riefen auf den Straßen: „Ganz Zürich hasst die Polizei.“
Man fragt sich, woher dieser Hass kommt. Er ist natürlich noch viel eindrücklicher, wenn man bedenkt, was im letzten Jahr in den USA geschehen ist – dort gab es einen weit verbreiteten Hass auf die Polizei.
Dieser Hass hängt stark mit der linksgerichteten Ideologie zusammen, die vermittelt, dass der Mensch das Recht hat, Autorität in Frage zu stellen, sie zu stürzen und zu hassen. Autorität wird als etwas Falsches dargestellt.
Auflehnung gab es zwar zu allen Zeiten in der Geschichte, doch die Menschen wussten eigentlich, dass sie falsch ist. Durch diese Ideologie wird jedoch vermittelt: Nein, genau das ist das Richtige – Autorität ist falsch.
Darum wird die Aufgabe der Polizei immer schwerer. Es ist mein Wunsch, dass diese Beispiele, die wir uns jetzt angeschaut haben, eine Ermutigung sein können. Sie sollen zeigen, wie man auch als gläubiger Mensch in dieser schwierigen Situation die Aufgabe zur Ehre Gottes ausführen kann.
Diskussion: Verhalten gegenüber Unrecht und aktuelle Herausforderungen
Roger, ich hätte mal eine Frage, die man vielleicht oft stellt: Wie hätte man sich im Dritten Reich gegenüber Hitler verhalten sollen, der ja auch die Autorität dargestellt hat? Wie hätte sich die Polizei verhalten sollen? Die Frage wird wahrscheinlich oft gestellt, aber mich interessiert es persönlich, wie sich Leute deiner Ansicht nach verhalten sollten.
Ja, also da, wo ein Staat Unrecht verlangt, gelten die wichtigen Worte aus Apostelgeschichte 4,20. Johannes und Petrus standen vor dem obersten Gerichtshof von Israel, dem Sanhedrin. Sie sagten: „Ob es vor Gott Recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt ihr. Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“
Der Sanhedrin hatte also verboten, das Evangelium weiter zu verkünden. Doch sie sagten, ob das vor Gott Recht sei, jetzt auf euch mehr zu hören als auf Gott – das könnten sie nicht. In diesem Punkt verweigerten sie den Gehorsam. Auch in Apostelgeschichte 5,29 antworteten Petrus und die Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Dieser Grundsatz galt auch in der Zeit des Nazireiches. Interessant ist, dass eure Verfassung in Deutschland einen Zusatz hat, den wir in der Schweiz nicht haben. Ich wünschte, man hätte den auch bei uns. Nach dem Krieg, im Blick auf das, was geschehen war, baute man extra das Recht auf Widerstand ein. Dieses Recht kommt jedoch nur dann zum Zug, wenn die Regierung eine Unrechtsregierung wird.
Heute wollen manche Leute dieses Recht missbrauchen für das, was sie denken, aber das geht nicht. Das war natürlich ganz im Blick auf das Regime, das Millionen umgebracht hatte. So wurde dieser Zusatz eingefügt und ist im Geist genau der Ausdruck von Apostelgeschichte 4 und 8.
Nun kämen natürlich Detailfragen: Wie hätte man sich in bestimmten Situationen verhalten müssen? Viele haben ja genau das getan. Sie haben Juden versteckt, und viele Juden wurden so gerettet, weil Menschen wussten, dass Gehorsam in solchen Fällen nicht gilt.
Roger, ich hätte da auch gerne noch eine Frage. Ich bin der Wolfgang. Du hast kurz die USA und die Aufstände dort gegen die Polizei angesprochen. Siehst du nicht, dass diese Aufstände zu großen Teilen berechtigt sind, wegen des Übermaßes an Gewalt, das man meines Erachtens recht offensichtlich sieht?
Die Situation in den USA ist anders als in der Schweiz oder in Deutschland. Die Ausbildung der Polizei verläuft dort ganz anders. Sie haben nicht eine so detaillierte Ausbildung, die helfen würde, angemessen in schwierigen Situationen zu handeln. Darum kommt es immer wieder zu solchen Übergriffen.
Natürlich gibt es solche Fälle überall, aber dort offensichtlich sehr gehäuft. Das Problem ist aus meiner Sicht, dass diese Aufstände mit unglaublicher Gewalt erfolgten. Die Medien haben aus meiner Sicht sehr verhalten und nur selektiv berichtet. Die Zerstörungen, die angerichtet wurden, sind unglaublich.
Das wurde ausgenutzt von Leuten, die grundsätzlich Hass gegen Autorität haben. Sie haben den Mob aufgeheizt. Man müsste die Sache gerecht angehen und das Ganze an der Wurzel befassen. Aber nicht so, dass man die Polizei generell unter Verdacht stellt.
Ja, ich habe auch mal eine Frage, Roger. Ich bin der Jonathan. Hallo! Wo siehst du die größten Schwierigkeiten oder Herausforderungen hier in Deutschland, in der Polizei, für uns als Christen? Was möchtest du uns auf den Weg geben? Was hast du für Gedanken, wenn du an uns denkst, wenn wir von den USA und China wegschauen und ganz konkret zu uns kommen?
Aus meinen persönlichen Kontakten habe ich erlebt, wie gläubige Polizisten sehr entmutigt wurden durch das, was sie in ihrem Dienst erleben. Ein Stichwort ist zum Beispiel der Umgang mit der sogenannten Flüchtlingswelle. Da habe ich schon richtige Frustration erlebt.
Es ist mir heute Abend ein Anliegen, euch zu ermutigen, mit Beispielen von Ordnungshütern, die im Glauben ihre Arbeit getan haben und so versucht haben, wirklich gerecht zu handeln.
Wir haben Stellen gesehen, die vor dem Missbrauch der Macht warnen – genau das, was die Proteste in den USA ausgelöst hat. Aber es gibt auch den richtigen Gebrauch der polizeilichen Gewalt. Euch als Christen kommt hier eine ganz besondere Aufgabe zu, darin ein Zeugnis zu sein.
Die Aufgabe ist nicht nur der Umgang mit Widerstand und Gewalt. Von euch wird eigentlich alles verlangt: Ihr müsst je nachdem Seelsorger sein, Sozialpädagogen, einfach alles können. Darum braucht es umso mehr die Weisheit Gottes, um in den einzelnen Situationen angemessen und weise zu handeln.
Ich finde es immer wieder schwierig, weil uns im Alltag sehr viel Respektlosigkeit entgegenkommt. Oft wird der zivilrechtliche Streit auf unserem Rücken ausgetragen. Wir werden immer wieder vor den Pranger gestellt. Wie geht man mit solchen unverschämten Bürgern um?
Wir sind sehr stark darauf getrimmt, deeskalativ vorzugehen und uns viel gefallen zu lassen. Wenn ich Römer 13 lese, mit dem Schwert und diesen ganzen Dingen, stelle ich mir bei den Römern damals schon etwas mehr Konsequenz vor. Ich weiß nicht, wie das für uns als Christen in der Polizei eine Rolle spielen kann.
Ja, ihr könnt natürlich nur im Rahmen des staatlichen Auftrags handeln. Aus deinen Worten geht für mich hervor, dass der Umgang mit respektlosen Menschen aus der Gesellschaft sehr belastend ist.
Darum denke ich, ist es wichtig zu sehen, dass, auch wenn die Gesellschaft diesen Beruf oft schmählich behandelt, Gott dieser Arbeit eine Würde gibt. Deshalb war es mir wichtig, auf die Worte hinzuweisen, dass wir Beamte Gottes sind, Diener Gottes und so weiter.
Ich denke, das war auch das Anliegen, als man mich bat, etwas zur biblischen Grundlage der Polizei zu sagen. Es soll die Überzeugung stärken, dass dieser Auftrag eine würdevolle Aufgabe ist, auch wenn sie oft geschmäht wird.
Gerade in der heutigen Zeit war es mir wichtig, auf Matthäus 24 hinzuweisen. Wir leben in einer Zeit, in der Revolutionen und der Gedanke von Revolution viele Menschen innerlich nähren. Das führt dazu, dass sie Autorität verachten.
Polizei und Ordnung im Alten Testament
Eine Frage: Im Alten Testament – war da mehr das Militär, die Polizei oder waren es die Priester und Leviten? Das hatten wir bisher noch gar nicht betrachtet.
Ja, ich habe mich eigentlich besonders jetzt auf das Neue Testament gestützt, weil mein Anliegen nicht war, die ganze Bibel hindurchzugehen und das Thema Polizei aufzuzeigen, sondern mal anhand des Neuen Testaments insbesondere das zu zeigen.
Aber korrekt: Im Alten Testament werden ja in 4. Mose 11 die 70 Ältesten erwähnt, die Mose als seine Unterstützung einsetzen musste. In 4. Mose 11 liest man auch von Beamten der Ältesten. Das hebräische Wort dort ist "Schoter". Dieses Wort wird heute in Israel für die Polizei bzw. für den Polizisten verwendet. Die Polizei heißt dann "Mischtara", was ebenfalls von "Schoter" kommt. Diese Beamten als Helfer der Ältesten hatten also schon von Anfang an polizeiliche Funktionen.
Man könnte das natürlich durch das Alte Testament hindurch noch weiter aufzeigen, was alles über diese Funktion gesagt wird. Diese Beamten hatten auch die Aufgabe, jemanden zu verhaften oder zu bestrafen, wenn es nötig war.
Später, als Israel im Land war, war es in größeren Städten mit jeweils eigener Verwaltung organisiert. Es ist interessant, dass der Staat Israel im Alten Testament schon ganz stark republikanisch war – also nicht einfach zentral geführt, sondern jede Stadt hatte viel Eigenständigkeit. Dort spielten die Wächter eine wichtige Rolle.
Wenn man sich mit dem Thema Wächter beschäftigt, findet man viele Stellen, die mit Polizei zu tun haben. Im Hohen Lied zum Beispiel wird eine Szene berichtet, in der Schulamit nachts alleine in die Stadt geht. Dabei kommt sie in Kontakt mit den Wächtern der Stadt. In einer Szene fragt sie um Rat und sagt: „Wo ist mein Geliebter hingegangen?“ Das ist ein Beispiel für die Polizei als Freund und Helfer.
In einer anderen Szene wenden die Wächter Gewalt gegenüber der Frau an und reißen ihr den Schleier weg. Das war natürlich ein Schock für die Wächter, als sie feststellten, dass sie nicht wussten, dass sie die Frau von König Salomo war. Diese beiden Stellen sind sehr markante Beispiele für die Polizei im Hohen Lied.
Die Wächter hatten also die Aufgabe, für die Ordnung in der Stadt und die Verhandlung verantwortlich zu sein. In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Hinweis auf einen bekannten Psalm, und zwar den einzigen von König Salomo: Psalm 127, ein Stufenlied von Salomo.
Dort heißt es: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, vergeblich arbeiten daran die Bauleute. Und jetzt kommt’s: Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, vergeblich wacht der Wächter.“ Der Wächter ist der „Schomer“.
Über die Studentensprache im Mittelalter kam das Wort dann ins Deutsche als „Schmiere“ – von „Schomer“. „Schmiere stehen“ bedeutet eigentlich, die Wächterfunktion zu übernehmen. Das Wort ist also übernommen von dem biblischen Begriff „Schomer“.
Dieser Vers sagt also: Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, vergeblich wacht der Wächter. So ist es auch in eurem Beruf: Wenn Gott nicht darüber steht und seine Gnade schenkt – gerade in unvorhergesehenen, gefährlichen und schwierigen Situationen – dann reicht alles menschliche Tun nicht.
Deshalb ist es sehr wichtig, in eurer Aufgabe ganz bewusst jeden Tag mit dem Herrn, der die Stadt bewacht und über euch steht als höchster Polizist, in das Tagewerk zu gehen.
Christsein und Beruf: Die richtige Haltung im Alltag
Ich hätte noch eine Frage: Egal welchen Beruf man ausübt – ob Polizist oder Pädagoge – als Christ ist unsere erste Berufung nicht, Polizist oder Pädagoge zu sein, sondern Christ zu sein, in Christus zu leben. Ich bin kein Polizist, sondern Pädagoge, aber als Christ gilt das zuerst.
Ich denke, es gibt viele Anweisungen, wie wir uns auch bei Anfeindungen verhalten sollen, oder?
Genau. Unsere erste Berufung ist es, als Christen zu leben, und danach als Polizist oder Pädagoge. Es ist wichtig, das zu verstehen. Manche Leute sagen, die Bergpredigt in Matthäus 5 bis 7 sei ein Staatsprogramm. Aber das ist falsch. Die Bergpredigt ist kein Staatsprogramm, sondern das Programm für Jünger Jesu. Es geht dabei um zivilrechtliche Dinge, also darum, wie Gläubige sich in der Gesellschaft verhalten sollen.
Wenn es um den Staat geht, würde dieser untergehen, wenn er die Bergpredigt als Staatsprogramm verstehen würde. Denn dann könnte die Autorität und das Gewaltmonopol, das Gott dem Staat gegeben hat – und nicht dem einzelnen Bürger –, nicht mehr durchgesetzt werden.
Darum muss man das ganz klar unterscheiden: Römer 13, wo über die Obrigkeit gesprochen wird, ist klar von dem Programm zu trennen, das zivilrechtlich für den einzelnen Gläubigen gilt, nämlich Matthäus 5 bis 7.
Natürlich ist das ganze Neue Testament voller praktischer Anweisungen, wie wir uns verhalten sollen – wie vorhin gesagt wurde – im gesamten Leben, in jeder Hinsicht: in der Familie, im Beruf, im Umgang miteinander und in der Gesellschaft.
Gesellschaftliche Entwicklungen und der Einfluss auf Polizei und Rechtsprechung
Ich habe auch gerne noch eine Anmerkung. Vielen Dank für den wunderbaren Vortrag. Ich fand es sehr spannend, den Bezug zu hören, den du hergestellt hast zwischen der kommunistischen Idee und der Vorstellung, dass Autorität etwas Schlechtes sei. Dadurch haben wir zunehmend Probleme mit der Akzeptanz der Polizei in der Bevölkerung.
Leider sehe ich diese Entwicklung auch in unserer Rechtsprechung, insbesondere beim Bundesverfassungsgericht. Ich beobachte das sehr genau. In Konfliktsituationen zwischen Eingriffsrechten staatlicher Organe wie Polizei oder Verfassungsschutz und den Freiheitsrechten der Bürger geht die Tendenz immer mehr in Richtung Autonomie und Freiheitsrechte der Bürger. Der Staat hat dadurch immer weniger Handlungsmöglichkeiten.
Das zeigt sich beispielsweise im Bereich Datenschutz oder bei Telefonüberwachungsmaßnahmen. Dinge, die früher selbstverständlich waren, dürfen wir heute immer weniger durchführen.
Natürlich sind wir als Polizei verpflichtet, die staatliche Ordnung zu bewahren und dürfen nur im Rahmen der geltenden Gesetze agieren. Das ist richtig. Aber wie sollen wir uns im Gebet verhalten, wenn wir manchmal sehen, dass wir jemanden verfolgen oder vor Gericht bringen könnten, wo er hingehört, es aber nicht dürfen, weil bestimmte Beweise nicht verwertet werden dürfen?
Ich denke, in solchen konkreten Fällen sind einem die Hände gebunden. Dennoch müsste man diese Fälle sammeln und auf dem Rechtsweg vorbringen, in der Hoffnung, dass zumindest in einem kleinen Rahmen etwas geändert werden könnte. Als Einzelner kann man das kaum ändern. Aber wenn solche Fälle bekannter würden, könnten sie bestimmte Dinge auf den Tisch bringen, die dann Folgen hätten und eine Nachkorrektur erforderlich machen.
Diese Ideologie hat die Gesellschaft so stark geprägt und durchdrungen, dass zwangsläufig alle Ordnungen immer mehr umgestürzt werden sollen. Das führt letztlich zu dem antichristlichen Reich in der Zukunft, das ein Unrechtsregime im großen Rahmen sein wird.
Es ist interessant, wenn wir Matthäus 24 lesen: Die Gesetzlosigkeit wird überhandnehmen. Und wenn dann der Antichrist kommt, wird er im 2. Thessalonicherbrief 2 als der Gesetzlose bezeichnet. Wir leben heute in einer Entwicklung, die weitergeht und schließlich im Höhepunkt mündet, wenn der Gesetzlose kommt. Dann wird alles auf den Kopf gestellt.
Das soll uns aber nicht fatalistisch machen, sondern dazu anregen, im Rahmen des Möglichen den Handlungsspielraum auszuschöpfen.
Kritik an Autorität und der richtige Umgang damit
Ich habe noch eine Frage: Wie sieht man das, wenn man als Christ und Polizist den Staat, also die Autorität, kritisiert? Ist das dann schon eine Untergrabung der Autorität, wo Gott doch sagt, man solle der Autorität untertan sein – auch wir als Polizisten? Wenn ich als Christ und Polizist die Regierung kritisiere, ist das dann quasi eine Untergrabung der Autorität?
Nein, überhaupt nicht. Es ist immer die Frage, wie das geschieht. Auf Französisch sagt man: C'est le ton qui fait la musique – es ist der Ton, der die Musik ausmacht. Wir haben dazu auch biblische Beispiele.
Johannes der Täufer hat den Vierfürsten Herodes immer wieder auf seine illegale Ehe mit Herodias angesprochen. Matthäus 14 berichtet davon. Im Griechischen ist das ein Durativ, das heißt, er sagte es immer wieder. Er hat also nicht nur einmal diesem Herrscher von Galiläa gesagt, dass seine Ehe illegal ist, sondern immer wieder. Das hat ihm schließlich den Kopf gekostet. Er hat aber auf Missstände hingewiesen, ohne damit die Autorität zu negieren oder zu einem Aufstand aufzurufen.
Ein weiteres Beispiel aus einem anderen Bereich findet sich in 1. Timotheus 5. Paulus gibt dem jungen Timotheus Anweisungen, wie er andere in der Gemeinde ermahnen soll. Dort heißt es zum Beispiel, ältere Männer sollen nicht hart angefahren werden. Ich lese vor:
1. Timotheus 5,1: "Einen älteren Mann fahre nicht hart an, sondern ermahne ihn als einen Vater, jüngere als Brüder, ältere Frauen als Mütter, jüngere als Schwestern in aller Reinheit."
Ein älterer Mann hat also Autorität nach der Bibel. Aber das bedeutet nicht, dass ein jüngerer Mann ihm nicht Fehler und Irrtümer vorwerfen kann. Die Art und Weise ist entscheidend. Paulus sagt also: Überlege dir, wenn du einen älteren Mann ansprichst, ihn nicht hart anzufahren – das wäre eine Form von Achtungslosigkeit. Stell dir vor, wie du es deinem eigenen Vater sagen würdest, den du achtest, und sage es ihm auch so.
In diesem Sinn ist es also wichtig, wenn die Regierung kritisiert werden muss, dies in einer würdigen Art zu tun, sodass die Menschen nicht verletzt oder herabgesetzt werden. Das, denke ich, ist ein ganz wichtiger Punkt.
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