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Das Evangelium, Gottes Kraft, Gottes Gerechtigkeit

Römer 1,16-1724.05.2025
SerieTeil 3 / 4Der Römerbrief
Juden und Nichtjuden werden auf der gleichen Grundlage gerettet. Es gibt keinen Sonderweg für Juden. Judenmission hat sogar eine Priorität. Deshalb hat Paulus auf seinen Missionsreisen immer wieder zuerst den Kontakt mit den Synagogen in den Großstädten aufgenommen.

Einleitung und Rahmen der Betrachtung

Wir fahren heute weiter mit Teil 2 über den Römerbrief, also zum zweiten Mal. Wir teilen ja jedes Mal die Betrachtung in zwei Abschnitte auf. Darum ist auf dem Skript von heute, das übrigens auch die über den Livestream Zugeschalteten hier unter dem Bild über den Link downloaden können, überschrieben: Römerbrief, Teile 3 bis 4, ab Kapitel 1, Vers 16.
Darum lese ich auch gleich zu Beginn Römer 1,16, und des Zusammenhangs wegen möchte ich nochmals die Verse 14 und 15 dazunehmen:
Sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen bin ich ein Schuldner. So bin ich denn, so viel an mir ist, bereitwillig, auch euch, die in Rom seid, das Evangelium zu verkündigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn das Unsichtbare von ihm wird geschaut, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie Gott kennend ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständliches Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für weise ausgaben, sind sie zu Toren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren.
Darum hat Gott sie hingegeben in den Begierden ihrer Herzen zur Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, die die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauscht und dem Geschöpf Verehrung und Dienst oder Gottesdienst dargebracht haben anstatt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen!
Deswegen hat Gott sie hingegeben in schändliche Leidenschaften; denn sowohl ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen vertauscht, als auch ebenso die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen haben und in ihrer Wollust zueinander entbrannt sind, indem sie Männer mit Männern Schande trieben und den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfingen. Und weil sie es nicht für gut befanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie hingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt, erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Hurerei, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder, Gott hassende, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern ungehorsam, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unversöhnliche, Unbarmherzige; die, obwohl sie das gerechte Urteil Gottes erkennen, dass die, die so etwas tun, des Todes würdig sind, es nicht allein ausüben, sondern auch Wohlgefallen an denen haben, die es tun.
Bis dahin.
Wir haben letztes Mal die Verse 1 bis 15 betrachtet und gesehen: Paulus war bis dahin, wir sind hier im Jahr 57 nach Christus, noch nie in Rom auf Besuch gewesen. Aber er drückt hier aus, dass er ein sehr großes Verlangen hat, die Gemeinde in Rom zu besuchen, um dort einen Dienst an diesen Gläubigen in der Reichshauptstadt tun zu können. Und weil er bis dahin verhindert war, nach Rom zu gehen, hatte er schließlich den Römerbrief geschrieben. Es war also wichtig, dass er verhindert war, denn sonst hätte er, menschlich gesprochen, den Römerbrief nicht geschrieben, und damit wären seine Predigten in Rom längst verhallt. Aber dadurch, dass er den Römerbrief schreiben musste, haben wir diese Belehrung für alle Zeiten mitbekommen.
Paulus hatte den Wunsch, in diesem Brief das Evangelium, die frohe Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus, systematisch und zusammenhängend darzustellen, für Gläubige, damit sie besser verstehen, was eigentlich geschehen ist, damals bei ihrer Bekehrung, und was eigentlich der Erlösungsplan Gottes beinhaltet. Das wird hier so zusammenhängend dargelegt.
Wir haben nochmals Vers 15 gesehen: So bin ich denn, so viel an mir ist, bereitwillig, auch euch, die in Rom seid, das Evangelium zu verkündigen. Das Wort Evangelium, griechisch Euangelion, heißt eben gute Botschaft, gute Nachricht, frohe Botschaft. Das ist alles korrekt.
Und dann kommt eben neu Vers 16 dazu. Paulus sagt, dass er sich des Evangeliums nicht schämt. Warum muss er das speziell sagen? Wieso könnte man sich für das Evangelium schämen? Einfach deshalb, weil das zwar die beste Botschaft ist, aber wenn man sie weitererzählt, erlebt man sehr oft Ablehnung, Verachtung und Widerstand. Komisch: die beste Botschaft, aber sie wird so leicht abgelehnt, und deshalb wird man eben auch selber abgelehnt, wenn man diese frohe Botschaft weitergibt.
Darum musste auch schon Timotheus ermutigt werden. Paulus hat Timotheus ja als jungen Mann so richtig herangezogen im Dienst, und ihm schreibt er in 2. Timotheus 2,3: Nimm teil an den Trübsalen als ein guter Streiter Christi Jesu. Niemand, der Kriegsdienste tut, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.
Also er macht klar: Wenn man eben in diesem Dienst des Evangeliums steht, dann ist das mit Trübsal verbunden. Es ist wie ein Krieg, in dem wir stehen, und in diesem Kampf erlebt man Ablehnung. Das macht traurig, und das muss man aushalten. Darum sagt er ihm: Nimm teil an den Trübsalen. Es war also eine wichtige Ermahnung für ihn, sich da nicht des Evangeliums zu schämen, sondern sich voll einzugeben.
Das war eben auch für Paulus selbst mit dieser Überwindung verbunden. Darum sagt er: Aber ich schäme mich nicht des Evangeliums. Das ist eine Entscheidung. Ich stehe zu dieser Botschaft. Und warum? Denn es ist Gottes Kraft zum Heil. Also muss er sich immer sagen, auch wenn es massive Ablehnung und massiven Widerstand gibt, und das ist ganz so zu erwarten, da muss ich mir immer wieder neu sagen: Aber es ist die einzige Möglichkeit, wie Menschen gerettet werden können. Darum sagt er: Denn es ist Gottes Kraft zum Heil, nicht automatisch für alle Menschen, nur für die, die bereit sind, das auch anzunehmen. Darum sagt er: Denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden.
Aber dann betont er: sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Diese Botschaft ist also nicht nur für einen Teil der Menschheit bestimmt, sondern für die ganze Menschheit, und zwar zuerst einmal für das Volk Israel, das sind die Juden. Dieses Volk hat Gott auserwählt, dass aus diesem Volk der Retter kommen würde, und darum musste dieses Volk die frohe Botschaft auch als erstes Volk hören. Darum ist Jesus Christus als Prediger in Israel zunächst aufgetreten. Er ist allerdings über die Grenzen Israels hinausgegangen. In den Evangelien sehen wir, dass der Herr Jesus auch in den Libanon ging, und er ging auch bis nach Jordanien. Also er ging über die Grenzen Israels hinaus, aber das war so andeutungsweise. Er hat dann seinen Jüngern den Auftrag gegeben, das Evangelium der ganzen Welt zu verkündigen, und zwar bis ans Ende der Erde, das heißt bis zu den entferntesten Teilen des Festlandes, Apostelgeschichte 1,8.
Er sagt also: sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Ich muss erklären, warum sagt er hier Griechen? Mit Grieche hat man damals im Altgriechischen Bürger des Römischen Reiches bezeichnet. Das heißt also: Das Römische Reich hatte ja die griechische Kultur übernommen. Die Römer waren nicht sehr erfinderisch, die haben wirklich die griechische Kultur übernommen und integriert.
Wichtig ist: Der östliche Teil des Römischen Reiches war der Bereich, in dem Griechisch die erste Sprache war und nicht Latein. Das wissen viele nicht. Und zwar war es so, dass man mit Griechisch im Römischen Reich im ganzen Mittelmeerbereich, also im Osten des Reiches und sogar im Westen auch, durchkam. Rund ums Mittelmeer, Nordafrika und dann eben Europa rund ums Mittelmeer bis nach Spanien. In Spanien musste man Latein können, mit Griechisch kam man dort nicht durch, aber sonst ging das so überall. Und auch im westlichen Teil, also da, wo nicht Griechisch die erste Sprache war, sondern Latein, kam man mit Griechisch durch im Mittelmeerraum.
Das erklärt übrigens, warum Paulus den Römerbrief nicht auf Lateinisch schreiben musste. Das hätte er ja auch können, aber er hat den Römerbrief griechisch geschrieben, in der Sprache, die einheitlich gilt für das ganze Neue Testament. Man muss sich vorstellen: In Rom, in der Gemeinde, obwohl Latein die erste Sprache war, hat man den Römerbrief in der Gemeinde auf Griechisch vorlesen können. Hat funktioniert.
Und nochmals: Grieche war die Bezeichnung für Menschen, die zum Römischen Reich gehörten und von der griechischen Sprache und Kultur geprägt waren. Also auf den Punkt gebracht: sowohl Juden, also Griechen meint sowohl Israel als auch die heidnischen Völker. Griechen steht hier stellvertretend für alle anderen.
Aber natürlich ist es, genau genommen, ein kleiner Unterschied: Die Barbaren hat man nicht Griechen genannt, sondern die wurden als eine Art minderwertige Menschen gesehen. Schon bei den Griechen: Barbaren, also die Menschen aus den Stammesgemeinschaften, die wurden als minderwertige Menschen gesehen. Das Wort Barbar, griechisch Barbaros, das kommt ja vor in Vers 14: sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen bin ich ein Schuldner.
Für Barbaren steht da im Griechischen Barbaros. Das ist ein lautmalerisches Wort. Die wenigsten Wörter in der Sprache sind lautmalerisch. Also man kann nie aufgrund des Klanges herausfinden, was Wörter in einer anderen Sprache bedeuten. Wenn man sagt: Tisch, dann würde jemand, der nicht Deutsch kann, nie auf die Idee kommen, Tisch, das muss wahrscheinlich irgend so etwas wie das hier bedeuten. Auf Hebräisch ganz anders: Schulchan klingt völlig anders, aber wir bezeichnen den gleichen Gegenstand. Die meisten Wörter sind arbiträr, sagt man in der Linguistik. Arbiträr heißt mutwillig, das heißt, man kann nicht irgendwie sagen, aufgrund von dem klingt das Wort so und so.
Und dann gibt es eben Wörter, die sind lautmalerisch, wie zum Beispiel hebräisch Flasche: Backbuk. Das kommt eben vom Klang beim Ausgießen: Backbuk, Backbuk, Backbuk. Und Barbar ist eben auch klangmalerisch. Ich betone das jetzt so, Darwin war der Meinung, dass die Sprachen entstanden sind durch Nachahmung. Er glaubte, Urmenschen, Höhlenmenschen, die hätten zuerst gar nichts sprechen können, aber dann mussten sie ja irgendwie zusammenarbeiten und zusammen große Steine von außen in die Höhle oder aus der Höhle nach draußen bringen. Irgendwie mussten die ja so miteinander kommunizieren, und die hätten dann einfach zum Beispiel den Klang von Tieren nachgeahmt, ja, das Kläffen des Hundes, also wau wau, oder eben das Schreien des Hahns als Kikeriki, und so seien die Sprachen entstanden, also durch Lautnachahmung. Aber das funktioniert überhaupt nicht. Das ist alles in der Linguistik Schnee von gestern, aber es steht noch so in seinem Buch Die Entstehung der Arten von 1859, das ist sein erstes Evolutionsbuch gewesen.
Aber es gibt eben lautmalerische Wörter, und Barbaros kommt von dem. Die Griechen hatten den Eindruck, die Stammesangehörigen können gar nicht richtig sprechen, so wie die Zivilisierten, die Griechisch können oder Latein. Die sprechen so bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar bar. Das sind die Barbaren, ja, und der Name Barbara heißt eben die Barbarin, die so spricht: bar bar bar bar bar bar bar. Aber das sind natürlich alles ganz falsche Vorstellungen.
Nach der Bibel sind die Sprachen nicht die Erfindung der Menschen, sondern die Erfindung Gottes. Also 1. Mose 11 sagt, dass Gott die verschiedenen Sprachen erschaffen hat. Und darum kann man sagen: Die Sprachen der Welt, die sind alle vollwertig und nicht irgendwie etwas irgendwo auf einer Evolutionsstufe stehen gebliebenes Kommunikationsmittel. Gott hat sie gegeben, und aus Gottes Sicht sind alle Sprachen wertvoll. Und heute wissen wir aus linguistischen Gründen: Die Bibel kann man in alle Sprachen, auch alle Stammsprachen, übersetzen. Es gibt keine primitiven Sprachen auf der ganzen Welt, die sind alle funktionsfähig und sind ein ideales Mittel, damit man Gottes Wort darin verkündigen kann.
Und wir sehen: In der Bibel gibt es keine Untermenschen. Und darum sagt der Apostel Paulus: Ich bin ein Schuldner für alle Menschen, ob die nun Griechen genannt werden, das sind die Hochzivilisierten, oder ob sie verachtet sind, Barbaren. Ich bin ein Schuldner für alle Menschen.
Und wir sehen auch übrigens in Offenbarung 5 und Offenbarung 7, dass schlussendlich einmal Menschen aus allen Nationen, allen Völkern, das ist eine kleinere Einheit als Nationen, wir unterscheiden heute etwa zweihundert Nationen, aber über zehntausend Völker, und aus allen Stämmen und aus allen Sprachen gerettet werden. Heute unterscheiden wir etwa über siebentausend Sprachen weltweit, die heute noch gesprochen werden, und da zählt man die Dialekte nicht mit in dieser Zahl. Wunderbar: Aus allen Sprachen werden Menschen gerettet werden.
Darum war es dem Apostel Paulus wichtig: keine rassistischen Unterschiede. Ich bin Griechen und Barbaren, Weisen und Unverständigen, also solchen, die die Chance hatten, eine großartige Formalausbildung zu machen, und solchen, die das nie konnten. Das spielt alles keine Rolle. Das Evangelium gilt allen, und Paulus sieht sich als Schuldner.
Aber jetzt Vers 16: Er sagt, ich schäme mich des Evangeliums nicht, es ist Gottes Kraft für alle. Aber er sagt trotzdem: sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Und warum dieses zuerst? Nun, weil Gott Israel als erstes Volk auserwählt hatte, damit der Erlöser aus diesem Volk käme, aber im Blick auf alle Völker. Das ist wichtig. Die Erwählung Israels sollte von Anfang an die Chance sein für alle anderen Völker. Und darum in der Berufung Abrahams, als er noch in Ur in Chaldäa war, 1. Mose 12,1-3, sagt Gott: In dir werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. Also die Erwählung Israels bedeutete nicht, Gott verwerfe die anderen Völker, sondern die Erwählung Israels sollte ein Segen sein, die Chance für alle anderen Völker.
Und darum wird betont: sowohl dem Juden als auch dem Griechen, aber dem Juden zuerst, weil Gott eben dieses Volk doch speziell erwählt hatte. Und das hat der Apostel Paulus auch umgesetzt. Wenn wir schauen, Apostelgeschichte 13, da wird ja die erste Missionsreise beschrieben. Paulus hatte den Auftrag, das Evangelium gerade eben zu den nichtjüdischen Menschen hinauszutragen. Aber schauen wir mal: Er geht aus von Antiochia in Syrien, Apostelgeschichte 13,1-3, und in Vers 4 lesen wir: Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia, und von dort segelten sie nach Zypern. Und als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden.
Ja, jetzt geht er auf die Heidenmission, er geht auf die Insel Zypern, und wo beginnt er? In der Synagoge der Juden. Und nachher verkündet er es auch den Nichtjuden. Aber wir sehen ganz getreu diesem Prinzip: dem Juden zuerst.
Später sehen wir in Kapitel 13: Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück. Sie aber zogen von Perge aus durch und kamen nach Antiochia in Pisidien. Da sind wir in der heutigen Türkei, und das war ein ganz schwieriger Aufstieg dort eben von Perge Pamphylien hinauf bis nach Antiochia. Da geht man einen sehr steilen Weg von der Mittelmeerküste empor. Wie man mit dem Flugzeug gerade über diese Stelle geflogen war, es war schon eindrücklich. Es gibt dort übrigens einen speziellen Weg für wirklich ausdauernde gute Sportler, dort hinaufzugehen. Jetzt versteht man auch, warum Markus sich dort trennte. Dieser Aufstieg war ihm zu viel, also ging er mit nach Hause.
Aber eben, da gehen sie hinauf, heutige Türkei, Antiochia in Pisidien, und was heißt es dann weiter? Und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. Natürlich, nachher werden sie den Nichtjuden dort das Evangelium verkündigen, aber es ist wirklich so: dem Juden zuerst.
Und so könnte man weitergehen, zum Beispiel in Kapitel 14, Vers 1: Es geschah aber in Ikonium, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge glaubte. Ja, jetzt wieder eine andere Ortschaft, aber zuerst in der Synagoge. Und so könnten wir jetzt weitergehen: Apostelgeschichte 14, 15, 16, 17, und wir sehen immer wieder das gleiche Prinzip.
Sogar dann, wenn in einer Stadt keine Synagoge da war. Apostelgeschichte 16 war das so. Was macht er da? Apostelgeschichte 16,11: Wir fuhren aber von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teils von Mazedonien ist, eine Kolonie. In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage, und am Tag des Sabbats gingen wir vor das Tor hinaus an einen Fluss, wo es gebräuchlich war, das Gebet zu verrichten, und wir setzten uns nieder und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren.
Das war ein Frauengebetskreis am Fluss draußen vor Philippi. In dieser Stadt gab es keine Synagoge. Es war sehr üblich in den Großstädten rund ums Mittelmeer, dass es da Synagogen gab von Juden, die im Ausland Handel trieben. In Philippi nicht, aber sie suchen, bis sie einen Frauenkreis finden, einen Frauengebetskreis. Und das Prinzip ist: dem Juden zuerst.
Das zieht sich so weiter. Also der Apostel Paulus hat das hier nicht nur einfach so ein bisschen theoretisch gesagt, sondern das war seine Vorgehensweise. Natürlich hatte das einen besonderen weiteren Grund. Es war ja sehr schwierig, das Evangelium unter den römischen Bürgern und Barbaren zu verkündigen, und zwar weil das so etwas anderes war als ihr Denken und ihr Leben, dass sie auch Mühe hatten, überhaupt zu verstehen, was er meint.
Wir sehen das hier eindrücklich in Athen, Apostelgeschichte 17. Paulus hat dort versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen über das Evangelium auf dem Markt, und dann wird er zu einer Konsultativuntersuchung abgeführt vom Areopag und muss erklären, was er eigentlich da verkündigt. Und zwar wurde er nämlich angeklagt: Es scheint, dass dieser Mann ein Verkündiger fremder Götter sei. Man muss sich mal vorstellen, wie kommt man auf eine so abstruse Idee? Da kommt einer und verkündigt, dass es nur einen wahren Gott gibt und nicht Tausende, wie das im Heidentum üblich war. Übrigens, in der griechisch-römischen Religion gab es nicht nur diese paar Götter, die man vielleicht in der Schule gelernt hat im Zusammenhang mit den griechischen Sagen, das sind schon einige, ja, von Zeus über Apollos und Artemis und Athene und so weiter, aber es gab viel, viel mehr, Hunderte mehr, die aber nicht gerade mit Namen geläufig sind.
Nun, er kommt in diese Welt und sagt: Es gibt nur einen einzigen Gott, und die vermuten, er bringt fremde Götter. Lukas erklärt dort in Apostelgeschichte 17, das war, weil er das Evangelium von Jesus und der Auferstehung verkündigte. Die haben also immer den Namen Jesus gehört, sie wussten nicht, was es ist, und sie dachten: irgendein Gott, ein fremder Gott, von dem wir noch nie etwas gehört haben. Und dann hat er gesprochen von der Auferstehung, Anastasis. Ja, das versteht man schon auf Griechisch, das ist ana wieder, stehen, wieder aufstehen. Aber das Konzept von Auferstehung war überhaupt nicht geläufig in der griechischen Welt. Man dachte: Man stirbt, die Seele geht ins Jenseits und endlich erlöst von diesem mühsamen Körper. Aber dass dieser Körper einmal wieder aufstehen soll? Nein, sicher nicht. Das Gefängnis wieder zurück? Manche in der griechischen Philosophie dachten, der Körper sei ein Gefängnis. Und so haben sie also gedacht: Anastasis, das ist wahrscheinlich eine Göttin. Die kam nicht raus, auf Anhieb.
Es war also so schwierig, das zu verkündigen. Und so war dem Apostel Paulus klar: Wenn ich in einer Stadt das Evangelium verkündige und dann kommen Menschen zum Glauben, aber die haben nur schon Mühe, überhaupt die Grundlagen des Evangeliums zu verstehen, da müsste er ja an einem Ort während Jahren bleiben, um die weiterzuführen. Aber ihm war es wichtig, dass er so weit wie möglich herumkommt, also möglichst kurz an einem Ort und dann weiter. Das Ideale war: Es gab diese Synagogen der Juden. Das waren Leute, die kannten das hebräische Alte Testament, die kannten das hebräische Alte Testament auch ohne bekehrt zu sein. Und wenn solche zum Glauben kamen, dann waren sofort von Anfang an Bibellehrer da, die den Heiden erklären konnten: Übrigens, so wie ihr lebt, das ist überhaupt nicht nach Gottes Gedanken. Das Alte Testament sagt: Die Ehe ist geschützt, du sollst nicht Ehe brechen. Aber Ehebruch und Unzucht war in der heidnischen Welt völlig normal. Und wir konnten ihnen das gerade erklären und auch zeigen: Wir sind auch so aufgewachsen, wir haben nicht einfach so zusammengelebt oder wir haben nicht einfach sexuell ausschweifend gelebt, wie ihr das macht.
Die waren also von Anfang an gerade in der Lage, die Heiden, die sie bekehrten, weiterzuführen. Und deshalb konnte der Apostel Paulus dann sehr schnell von einem Ort zum anderen gehen, weil die bekehrten Juden sofort die Aufgabe zur Stabilisierung der örtlichen Gemeinde übernehmen konnten. Dahinter steckt ein System. Und das sehen wir in der Apostelgeschichte.
Aber hier im Römerbrief sehen wir: Das war das Prinzip, dem Juden zuerst, als auch dem Griechen. Und übrigens in dem Zusammenhang noch ergänzend: Wir sehen, dass der Apostel Paulus von einer Großstadt, man kann sagen von einem Ballungszentrum zum anderen gegangen ist. Aber was ist mit all diesen Bauernhöfen auf dem Hinterland? Sind die es nicht wert, dass die auch das Evangelium hören? Natürlich. Aber das sollte eben die Aufgabe sein von diesen Gemeinden in den Ballungszentren, die in kurzer Zeit nacheinander entstanden, dass die danach ins Hinterland gingen. Darum hat sich das Christentum im ersten und zweiten Jahrhundert vor allem eben verbreitet in den großen Städten, und von den großen Städten hat man es ins Hinterland gebracht, zu denen, die auf der Heide wohnten, auf Lateinisch die Pagani, das sind die auf der Heide. Und jetzt versteht man auch, warum man auf Deutsch sagt Heiden, das sind die, die Gott nicht kennen. Warum? Weil sie draußen auf der Heide wohnen und auch erst später erreicht wurden.
Also das hängt zusammen mit dieser wunderbaren Strategie. So konnte der Apostel Paulus wirklich das Maximum in all den Jahren, die Gott ihm gab für seinen Dienst, erreichen. Und er sollte das ja nicht alleine machen. Und so konnten andere die Arbeit weiterführen am Ort und im Hinterland auf der Heide. Ja, wenn man das so vor Augen hat, dann klingt das doch irgendwie noch viel großartiger.
Nochmals Vers 16: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.
Und dann Vers 17: Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Interessant: Jetzt möchte ja Paulus erklären, was das Evangelium ist. Und das Evangelium beginnt nicht mit der Barmherzigkeit Gottes oder mit der Liebe Gottes oder mit der Gnade Gottes, sondern es beginnt mit dem Thema Gerechtigkeit. Ich habe dazu auf dem Skript geschrieben: Der Ausgangspunkt des Evangeliums ist die Gerechtigkeit Gottes. Gott hasst Sünde. Er hat mit dem Bösen gar nichts zu tun. Er kann mit Ungerechtigkeit absolut keine Gemeinschaft haben. Diese Tatsache führt zu dem großen Problem: Alle Menschen sind doch sündig und ungerecht. Wie kann es da noch eine gute Botschaft geben? Die Menschen passen doch überhaupt nicht zu einem heiligen Gott.
Und effektiv, dann wird das so richtig eröffnet wie eine Fanfare in Vers 18: Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen. Das Evangelium beginnt mit Gottes Gerechtigkeit und mit Gottes gerechtem Zorn gegen die Menschheit. Also, ich habe da zu Vers 18 geschrieben: Gott ist zornig über die gesamte Menschheit, die Menschheit ist gottlos, ungerecht und verlogen.
Wir hätten das uns anders vorgestellt, aber wir sind uns das doch gewohnt von dem Arztbesuch hier. Der Arzt beginnt nicht mit der Gesundheit, sonst würde man ja gar nicht zum Arzt gehen. Wenn man gesund ist, muss man nicht zum Arzt gehen. Aber beim Arzt geht es zuerst um eine Diagnose, und die Diagnose kann je nachdem katastrophal sein, kann auch ein Schock sein, aber das ist der Ausgangspunkt für eine mögliche Heilung. Und wenn man zum Arzt geht und sagt: Also falls Sie irgendetwas finden mit Krankheit, dann gehe ich wieder und möchte nichts davon hören, so geht Therapie nicht.
Ja, und darum beginnt eben das Evangelium nicht mit dem Heil und mit der Herrlichkeit des Himmels und der Liebe Gottes, sondern es beginnt mit dem Problem, das da ist und so groß ist, dass man zuerst denken könnte, es gibt gar keine Lösung. Gott ist absolut gerecht, und er geht keine Kompromisse ein gegenüber dem Bösen.
Ich lese mal aus Habakuk 1: Habakuk sagt in Kapitel 1, Vers 13: Du bist zu rein von Augen, um Böses zu sehen, und Mühsal vermagst du nicht anzuschauen. Also für Habakuk war klar: Gott ist so absolut gerecht, dass er nichts an Sünde bei uns Menschen einfach so stehen lassen kann und darauf blicken kann, wie wenn nichts wäre.
Ja, und darum beginnt der Römerbrief mit der Gerechtigkeit Gottes und zeigt in den Versen die Folgen, und der Mensch ist genau das Gegenteil: Er ist völlig ungerecht, gemein und böse. Es ist nicht erstaunlich, man begegnet immer wieder Menschen, die sind sehr böse auf Gott. Und ich habe das schon erlebt, dass der Wunsch geäußert wurde: Wenn ich einmal Gott begegnen werde, dann werde ich ihm sagen, was er in dieser Welt da angerichtet hat. Also Menschen erheben sich über die Gerechtigkeit Gottes. Und da muss man sagen: Was er in dieser Welt da angerichtet hat. Aber das sind Menschen, die sich wirklich nicht bewusst sind, wer sie selber sind und wie ungerecht und gemein wir alle schon in unserem Leben waren. Ich sage nicht, jeden Tag sind wir so ungerecht und gemein und hinterhältig und so weiter, aber wir waren das alle schon. Das steckt in unseren Herzen.
Und Menschen, die eben so Ungerechtigkeit in ihrem Herzen haben, wie können die auf Gott böse sein, der absolut gerecht ist, vollkommen heilig ist, von dem es in 1. Johannes 1,5 heißt: Gott ist Licht, das heißt, sein Wesen ist Licht, und gar keine Finsternis ist in ihm. Sich über ihn zu heben und ihn einmal zur Rechenschaft ziehen zu wollen? In Hiob 9 lesen wir: Auf tausend wirst du ihm nicht eines antworten können. Das könnte man als Antwort sagen, wenn jemand sagt: Wenn ich mal Gott begegnen werde, dann werde ich ihm sagen. Man kann ihm schon ankündigen: Du wirst auf tausend Punkte, die Gott sagen wird, keinen einzigen Punkt beantworten können. Er ist so erhaben.
Darum heißt es in Jesaja 55, dass Gottes Wege höher sind als unsere Wege und seine Gedanken als unsere Gedanken, und zwar so, wie der Himmel hoch ist über der Erde. Nicht wahr, in der Bibel wird die Atmosphäre Himmel genannt, das sind schon einige Kilometer, ja, aber das Weltall wird auch Himmel genannt. Und wenn wir denken an die entferntesten Galaxien, die man mit Hubble und in den Deep-Space-Bildern sehen konnte, sieht man die entferntesten Galaxien als ganz kleine rote Punkte im Bereich von zehn und mehr Milliarden Lichtjahren. Das ist nicht eine Zeitangabe, sondern eine Distanz. Theoretisch, wenn das Licht den Weg gehen müsste mit 300 Kilometern pro Sekunde, wäre das Licht während zehn und mehr Milliarden unterwegs. Natürlich, der Schöpfer hat ein Universum erschaffen, das fertig war von Anfang an, und darum musste das Licht nicht diesen Weg gehen über so lange Zeit, sondern es war fertig erschaffen. Es war nicht so, dass zur Zeit von Adam gewisse Sterne, und sei es der nächste Stern mit etwa vier Lichtjahren Abstand, noch nicht zu sehen gewesen wären. Der war schon zu sehen bei Adam, aber auch bei Abraham war es nicht so, dass plötzlich immer mehr Sterne kamen, weil bis Abraham schon einige eben all diese Lichtjahre überbrückt hätten. Dazu kamen nicht mehr Sterne, sondern es war fertig.
Aber ich will nur sagen: Das sind die Dimensionen des Weltalls. Und warum hat Gott ein so riesiges Weltall erschaffen? Um uns eben auch damit zu zeigen, dass wir nie auf die Idee kommen sollten, dass wir Gottes Gerechtigkeit beurteilen wollen und Gott zur Rechenschaft ziehen wollen. Sein Denken ist so unendlich höher, und es wird immer so sein, dass er Recht hat und wir Unrecht. Und das sehen wir ja selber, wenn wir ganz ehrlich unser Leben anschauen und schauen, wo wir uns verschuldet haben. Und ich meine jetzt auch nicht diese Verschuldungen, wo wir sagen würden: Eigentlich tut mir das so leid, das hätte ich ja gar nie so gewollt. Ja, das gibt es ja auch. Aber denken wir ganz besonders an die Punkte, wo wir wissentlich, bewusst unser eigenes Gewissen übertreten haben. Es gibt niemanden, der sagen könnte: Also bei mir war einfach alles aus Versehen. Ja, wer sollte das sein? Aber wir wissen so bewusst, und solche Menschen wollen Gott sagen, was richtig ist und was falsch, was gerecht ist und was ungerecht ist.
Und darum beginnt also das Evangelium hier mit der Gerechtigkeit Gottes, und die wird offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht, und jetzt kommt ein Zitat aus Habakuk 2,4: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Ha, grandios! Da wird ein Mensch genannt: gerechter. Aber alle Menschen sind ja ungerecht. Also irgendwie wird hier schon angedeutet, es gibt eine Möglichkeit, dass ungerechte Menschen gerechter werden, die der Gerechtigkeit Gottes entsprechen. Das ist grandios. Ja, aber das wird eben dann im Weiteren im Römerbrief erklärt.
Also der Römerbrief ist die Antwort, kann man sagen, auf die alte Frage von Hiob: Wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott? Das ist die alttestamentliche Frage von Hiob, und der Römerbrief erklärt das. Es gibt einen Weg, aber dieser Weg führt über den Glauben und nicht über die Leistung des Menschen. Darum heißt es hier: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Man kann also sagen, das Wort, das am meisten betont hier ist, das ist der Gerechte. Aber es wird dann schon gezeigt, wie kann einer gerecht werden? Das hängt zusammen mit dem Thema Glauben und nicht mit eigener Leistung.
Interessant, dieses Wort aus Habakuk 2,4. Schlagen wir das kurz mal auf. Wir hatten ja Habakuk schon offen, jetzt findet man ihn schneller wieder, ohne dass es so raschelt. Ich befürchte immer, wenn ich die kleinen Propheten zitieren will, dass es dann so raschelt. Aber man muss sich die einmal aneignen. Jeder kleine Prophet ist eine Perle, und die sind nicht klein, weil sie nicht bedeutend wären, sondern die heißen kleine Propheten, weil sie so kurz sind. Im Hebräischen nennt man die Haktanim, das sind die Kleinen, aber das bedeutet die Kurzen. Weil die ja so wenige Kapitel bestehen. Aber die sind nicht klein im Inhalt, sondern jedes Buch ist eine Perle.
Jetzt habt ihr aber Habakuk offen, da muss er die Zeit überbrücken. Sinnvoll. Und darum Kapitel 2, Vers 4: Siehe, aufgeblasen, nicht aufrichtig ist in ihm seine Seele. Da wird auch über die Bosheit des Menschen gesprochen. Und dann heißt es: Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
Ich will ganz kurz erklären, was der Zusammenhang ist in Habakuk und in welchem Zusammenhang dieses Wort hier steht. Habakuk lebte in den Jahren vor der babylonischen Invasion in Israel. Die babylonische Invasion war 606 bis 582 vor Christus, und gerade in den Jahren davor wirkte Habakuk, und die Situation in Israel, im Königreich Juda, war schlimm. Die Gottlosigkeit in Juda war furchtbar, und Habakuk sagt am Anfang: Ich schreie schon so lange zum Herrn, dass er da eingreift unter seinem Volk und straft. Es gibt so viel Ungerechtigkeit, und Habakuk ruft: Wie lange her? Warum muss ich all das Böse hier anschauen? Und die Bibel gilt einfach nichts mehr hier, Verse 2 bis 4.
Und dann antwortet Gott und sagt: Es ist nur eine Frage der Zeit. Die Chaldäer, die Babylonier, werden kommen, und es wird eine furchtbare Strafe geben. Also Gott greift ein. Er bestraft das Böse nicht immer gerade sofort, aber er tut es, und kann eben auch ein anderes Volk, eine andere Armee benutzen, um ein Volk zu bestrafen. Das kam 606 bis 582. 586 wurde Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht und der Tempel in Staub und Asche gelegt, das jüdische Volk wurde abtransportiert in die Gefangenschaft nach Babylon.
Nun, als Habakuk diese Antwort bekommen hatte: Gott wird eingreifen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, aber noch in dieser Generation, darum wissen wir, dass Habakuk gerade vor diesen Jahren lebte, noch in dieser Generation. Nein, das weckt neue Fragen. Ab Vers 12 sagt er, ich sage es mit meinen Worten: Ich weiß, Herr, du bist absolut heilig, völlig gerecht, du kannst das Böse nicht anschauen. Ich habe trotzdem eine Frage: Wie kannst du ein Volk und eine Armee benutzen, um das jüdische Volk zu bestrafen, aber eine Armee, ein Volk, das eigentlich noch böser und noch gottloser ist? Schwierig, ja? Ich meine, in der Weltgeschichte sehen wir das, dass ein Volk für seine Ungerechtigkeit wirklich Folgen erlebt, indem eine andere Armee kommt, aber die sind je nachdem noch viel schlimmer. Wie geht das mit der Gerechtigkeit Gottes?
Aber Habakuk gibt wirklich Gott Recht, und er sagt: Ich weiß, du bist heilig, aber ich verstehe es einfach nicht. Solche Fragen dürfen wir Gott stellen. Aber es ist wichtig: Wir müssen Gott von Anfang an Recht geben. Dann dürfen wir alle Fragen stellen: Warum musste ich das erleben? Warum hast du das in meinem Leben nicht verhindert? Fragen, indem wir uns im Herzen immer wieder sagen: Aber ich weiß, Gott hat Recht. Auch wenn ich es jetzt nicht verstehe, aber Gott hat nie etwas mit dem Bösen zu tun. Das ist wirklich wichtig.
Und dann geht Habakuk in Kapitel 2, Vers 1, nach diesen Fragen auf einen Turm und wartet, bis Gott ihm antwortet. Und Gott antwortet. Und er sagt ihm: Du musst das alles jetzt aufschreiben, und diese Antwort, diese Vision, die geht bis in die Endzeit. Und das ist diese Zeit, wenn einmal, wie beschrieben in Kapitel 3, der Messias kommen wird als Richter der Welt in Macht und Herrlichkeit, und er wird alles Böse auf dieser Erde gerecht bestrafen.
Und Gott macht ihm klar: Die Babylonier, die ja eigentlich noch gottloser waren als das Königreich Juda, die werden für ihre Bosheit auch bestraft werden. Und in Rätselsprüchen wird in Kapitel 2 Habakuk klargemacht, dass diejenigen, die aber Babylon bestrafen werden, die werden für ihre Bosheit auch wieder bestraft werden. Und die, die die strafen werden, die die Babylonier bestraft haben, die werden auch wieder bestraft werden. Also das klingt wie ein Domino, das nicht mehr aufhört, nicht wahr? Und so war das. Die Babylonier wurden bestraft durch die Medo-Perser, und die Medo-Perser wurden bestraft vom Griechenreich von Alexander dem Großen, und das Reich von Alexander dem Großen wurde später bestraft durch das Römische Reich, und das Römische Reich wurde später bestraft durch die Barbaren aus dem Norden und aus dem Osten. Die wurden auch wieder bestraft. Die Geschichte geht so wie ein Domino hindurch, bis wir im zwanzigsten Jahrhundert sind, und die Nazis wurden auch bestraft durch die Alliierten. Aber die Alliierten waren nicht Heilige.
Und so geht die Geschichte weiter, und man könnte denken: Ja, aber das geht ja ewig weiter. Nein, Habakuk 3 sagt: Gott kommt von Teman her, und der Heilige vom Gebirge Paran, Jesus Christus, der Messias, wird kommen, und er wird die letzte Antwort der Gerechtigkeit geben und dann sein Reich, das tausendjährige Reich, aufrichten. Aber da muss man schon einen langen Atem haben, wenn man diese ganze Geschichte von offenen Fragen vor sich sieht, ja, einen sehr langen Atem. Und wie kann man das haben? Da kommt dieser Satz: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Wenn man als Gläubiger sein Vertrauen setzt auf Gottes Wort, auf den Herrn selbst, dann darf man wissen: Er wird einmal die letzte Antwort geben, und dann wird es klar sein, was Gerechtigkeit ist. Nicht wahr, heute sagen uns die Menschen: Warum greift Gott nicht ein, wenn er gerecht ist? Dann müssen doch diese Kinder recht. Das Unrecht, das an Kindern angetan wird in dieser Welt, das ist so schrecklich, und nicht nur an Kindern. Nicht wahr, diese Tage, diese Ermordung von diesem verlobten Paar in Washington, diese Juden, die kamen aus dem jüdischen Museum heraus, und dann hat einer, der für Gerechtigkeit in dieser Welt und für Palästina kämpfen wollte, sie brutal erschossen. Das waren Gläubige, das waren messiasgläubige Juden. Und ich warte, der Mann, der war vor vier Jahren in einer messianischen Gemeinde in Jerusalem, ist er ausgewandert nach Amerika, und er hatte den Ring schon bereit, die Braut hätte ihn wohl die nächste Woche bekommen. Also, wie kann man eine Welt mit solcher Ungerechtigkeit, wo Menschen meinen, sie würden für Gerechtigkeit kämpfen und richten ein solch abscheuliches Blutbad in Ungerechtigkeit an? Wie kann man das ertragen?
Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben, weil wir das Wort Gottes haben, und das Wort Gottes sagt: Die letzte Gerechtigkeit wird kommen. Wir wissen das aus der Bibel, aber wir müssen uns mal in die Haut versetzen von den Menschen rund um uns herum, die wissen das nicht. Und die fragen sich: Was soll diese Welt, wohin führt das alles? Aber da haben wir es schon gut, weil wir durch den Glauben an Gottes Wort das überschauen können. Das ganze Domino ist nicht ewig, sondern die letzte Antwort wird kommen. Wie es in Hiob 19 heißt, wo Hiob aus der Depression plötzlich so einen Aufstieg hat, einen Lichtblick, und er sagt: Ich weiß, Vers 25, dass mein Erlöser lebt. Und als der Letzte wird er auf der Erde stehen, er wird das letzte Wort sprechen in Gerechtigkeit über diese Welt. Und das ist der Sinn von: Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
Und nun haben wir gesehen, das war jetzt ein längerer Exkurs, aber das hilft uns, eben Römer 1,17 noch besser zu schätzen. Jetzt nimmt Paulus aus dieser kleinen Perle, dem Buch Habakuk, diesen Vers heraus: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Und zwar, um zu zeigen: Das, was ich hier als Evangelium präsentiere, das ist nicht einfach eine neue Sache, das ist tief im Alten Testament verankert. Obwohl Gott vollkommen gerecht ist und der Mensch ein ungerechtes Wesen ist, ist es möglich, dass Menschen diese Gerechtigkeit Gottes bekommen.
Da steht hier in Habakuk: Der Gerechte, nicht der Ungerechte, wird durch seinen Glauben leben. Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben. Und bei diesem Thema der Gerechte spielt das Thema Glauben eine ganz wichtige Rolle. Und so zeigt uns der Römerbrief: Das ist die große Botschaft, das Thema der Rechtfertigung aus Glauben. Das ist das Thema des Römerbriefes: Rechtfertigung aus Glauben, also nicht durch Werke, wie die römisch-katholische Kirche durch die Jahrhunderte hindurch gelehrt hat. Aber Paulus hat nach Rom, an die Kirche in Rom, den Brief geschrieben, den reformatorischen Brief, eben Rechtfertigung durch Glauben allein, ohne Werke. Merkt man diese ganze Ironie, die darin steckt, dass das eben der Römerbrief ist und nicht der Korintherbrief oder Epheserbrief. Rom wusste von Anfang an, dass der Gerechte eben durch Glauben leben würde und nicht durch Werke und dass der Mensch eben gerechtfertigt wird, das heißt von Gott gerecht gesprochen, durch Glauben.
Also die erste Betonung liegt hier auf dem Gerechten, aber wird aus Glauben leben, weil es hier um das Thema Gottesgerechtigkeit geht, als Ausgangspunkt der Darstellung des Evangeliums. Und jetzt bin ich dran, ein größeres Gebäude aufzubauen. Dieser Satz aus Habakuk 2,4 kommt noch mehr im Neuen Testament vor, und zwar können wir kurz aufschlagen im Galaterbrief: Galater 3,11: Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn der Gerechte wird aus Glauben leben.
Das gleiche Zitat, Habakuk 2,4. Und jetzt kann man die Finger benutzen: Lass den Römerbrief offen, den Galaterbrief auch, und Habakuk kann man zulassen. Aber dann gehen wir noch zum Hebräerbrief. Hebräer 10,37: Denn noch eine ganz kleine Zeit, und der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben; der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Nochmals der gleiche Satz.
Wir haben also drei Briefe im Neuen Testament, die Habakuk 2,4 zitieren: der Römerbrief, der Galaterbrief und der Hebräerbrief. Ich habe mir überlegt, was verbindet diese drei Briefe? Das ist ja immer bei den Intelligenztests so, man muss herausfinden, verschiedene Dinge, wie man die miteinander verbindet, was das Gemeinsame ist. Da stellt sich die Frage: Was ist das Gemeinsame?
Nun, in allen drei Briefen geht es ganz stark um das Thema Gesetz Mose und Gnade durch Jesus Christus. Dieser Kontrast von Gesetz und Gnade, alle drei Briefe, aber mit anderen Akzenten. Und zwar ist es eben im Römerbrief so: Da wird ausgegangen von der Gerechtigkeit Gottes. Und darum wird zitiert: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Und im Galaterbrief geht es auch um Gesetz und Gnade, aber dort ist ganz stark das Thema in Galater 3, der Mensch kann nicht durch Werke gerettet werden, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Und dort ist wirklich, wenn man das nochmals im Zusammenhang durchliest, Galater 3 ist die Betonung: Der Gerechte aber wird aus Glauben, nicht aus Werken leben. Im Römerbrief: Der Gerechte, nicht der Ungerechte, der Gerechte wird durch seinen Glauben leben. Galaterbrief: Der Gerechte wird aus Glauben leben. Und in Hebräer 10, da haben wir gerade die Eröffnung zu dem großen Kapitel der Glaubenshelden des Alten Testaments, Hebräer 11, wo gezeigt wird, wie Menschen im Alten Testament, Männer und Frauen, wie die durch ihr Leben durch Glauben geführt haben. Und da wird ganz konkret beschrieben, wie die durch Glauben lebten. Also die Betonung in Hebräer 10 ist: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.
Das ist grandios. Wir sind dran, Design in der Bibel zu entdecken. Die biblischen Bücher wurden nicht einfach so mutwillig zusammengestellt, sondern Gott hat diese Bücher zusammengestellt. Der Kanon musste nie beschlossen werden. Es gab auch kein internationales Konzil, das jemals die Kanonfrage bestimmt hätte. Der Kanon musste erkannt werden, und zwar nach Epheser 2,20 daran: Man musste prüfen, ist ein Buch im Neuen Testament geschrieben von einem Apostel Jesu Christi, von den Zwölfen, für Israel, von Paulus für die Heiden? Ja, nein, ja, also muss man anerkennen. Die Gemeinde ist aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und neutestamentlichen Propheten. Und dann die Frage: War es geschrieben von einem Propheten, der von diesen Aposteln anerkannt war? Ja, nein, Markus ja, Lukas ja, Jakobus ja, Judasbrief ja, okay. Und so musste man den Kanon nie beschließen, sondern erkennen.
Man musste ganz genau nach Forschung, Nachprüfung machen: Stammt Matthäus wirklich von Matthäus, dem Apostel Jesu Christi? Stammt das Johannesevangelium von Johannes, dem Apostel Jesu Christi? Das musste geklärt werden, und das wurde geklärt. Darum hat die ganze Christenheit genau diese 27 Bücher angenommen. Aber darin liegt göttliches Design.
Jetzt haben wir gesehen: drei Briefe, Gesetz und Gnade, und alle zitieren Habakuk 2,4, aber immer mit einer anderen Betonung. Römerbrief: Ich sage, ich wiederhole das, damit man das daheim nicht nochmals als Hausaufgabe lernen muss. Das sitzt jetzt schon. Ein Teil sollte in der Schule bereits in der Schule sitzen, und anderes muss man dann noch nacharbeiten zu Hause, das ist normal. Aber die Wiederholung ist wirklich die Mutter des Lernens, und darum sage ich noch mal: Römerbrief, der Gerechte wird aus Glauben leben; Galaterbrief, der Gerechte wird aus Glauben leben; und der Hebräerbrief, der Gerechte wird aus Glauben leben.
Und dann habe ich mir, ich weiß nicht, vor wie vielen Jahrzehnten das war, die Frage gestellt, wie es eigentlich im hebräischen Text geschrieben ist. Nicht wahr: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Sieben Wörter in Hebräisch, also Habakuk 2,4: Wetzadik be’emunato jichje. Drei Wörter. So kompakt ist Hebräisch. Wir brauchen vielleicht sieben Wörter. Auf Hebräisch drei, und zwar: Wetzadik, das ist ein Wort, das heißt und oder aber, we kann beides bedeuten, je nach Zusammenhang. Wetzadik, ein Wort: der Gerechte. Be’emunato, das ist ein Wort. Natürlich kann man die Wortteile auseinanderhalten: Be heißt durch, Emunah Glauben, Emunat Glauben von, O ihm. Ein Wort, wirklich ein Wort: Be’emunato heißt durch seinen Glauben. Und dann noch ein Wort: Jichje, das heißt, er wird leben. Ein Wort. Also die Zukunft muss man nicht noch wird sagen und dann in den Infinitiv anhängen. Nein, Jichje, er wird leben.
Ja, so knapp ist das. Und in Israel macht man das Hebräischsprechen noch viel, viel knapper. Vor kurzem habe ich einen Israeli gefragt: Ich habe dir doch gesagt, hat Ducha la Tedli, das heißt, mit Fragepartikel vorausgesetzt, ha, könntest du mir das geben? Aber er sagt mir: Weißt du, das sagen wir nicht so. Wir sagen: Tedli, gib mir. Ja, also ich spreche mit dem Akzent so ungefähr, wie Juan dort spricht, aber die Art und Weise ist einfach zu höflich. Das ist, weil ich eben in der Schweiz aufgewachsen bin. Und da sagt man also ganz kontinuierlich: Gib mir.
Darum nennt man ja die, die in Israel geboren sind, Sabra. Aber Sabra, das ist von diesen indischen Kakteen die Frucht mit den Stacheln. Die sind wirklich mühsam, diese Stacheln. Einmal eine Chinesin, die mit uns reiste, die wollte das einfach so essen. Nicht wahr, Chinesen essen alles, aber es war noch nicht so ganz gut mit den Stacheln. Die muss man feinsäuberlich entfernen, und dann innen, das ist wirklich gut, das ist süß. Zwar abführend, nicht so viel, aber je nachdem ist man ja froh um ein Medikament. Ja, und Sabra, die sind außen stachelig und innen süß. Da sind die: Tedli, gib mir, gib mir. Und innen dann doch eben süß.
Aber eben, das Hebräische ist an sich schon kompakter als Sprache. Wetzadik, be’emunato, jichje: Der Gerechte aber durch seinen Glauben wird leben. Und jetzt sehen wir drei Wörter, und das erste Wort wird betont im Römerbrief, das zweite Wort wird betont im Galaterbrief und das dritte Wort wird betont im Hebräerbrief. Wunderbar!
Aber das zeigt uns: Es ist schwierig. Manchmal gibt es Leute, die sich nicht so sehr interessieren, dass sie sich nicht so sehr interessiert, dass sie sich nicht so sehr interessiert, dass sie sich nicht so sehr interessiert, dass sie sich nicht so sehr interessiert, dass sie sich nicht so sehr interessiert, dass sie sich nicht so sehr interessiert. Die legen jedes Wort von mir auf die Goldwaage. Ich versuche schon, mich genau auszudrücken, aber man schafft das nie. Man schafft es nie, Missverständnisse zu umgehen, auch wenn man sich Mühe gibt. Und dann legen Leute noch die Wörter auf die Goldwaage. Das ist manchmal schwierig, aber Gottes Wort können wir auf die Goldwaage legen. Kein Wort ist zu viel. Darum ist die Bibel auch so knapp und kurz geschrieben. Die einzelnen biblischen Geschichten sind ja oft verblüffend kurz, nicht wahr. Wir würden wenigstens hundert Seiten schreiben. Und das Wort Gottes sind fünf Verse, dieser Abschnitt, und jener Abschnitt sechs Verse. So knapp. Und so können wir alles, was Gott sagt, auf die Goldwaage legen, es ist nichts zu viel gesagt und es fehlt auch nichts.
Jetzt zeigen uns der Römerbrief, der Galaterbrief und der Hebräerbrief: Wir können einen Vers nehmen, und dann können wir auf diesem Wort drücken, und dann können wir auf jenem Wort drücken, und dann können wir auf jenem Wort noch drücken, und jedes Mal kommt wieder ein Reichtum heraus. Aber das ist alles gegeben, als Habakuk schreiben musste, er gesehen: Die Welt ist so schwierig. Eine Welt der Ungerechtigkeit, unterstraft ein Ungerechter den anderen Ungerechten, wo führt das hin? Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Man muss warten, geduldig, aber einmal kommt der Moment, wo wir sehen: Jetzt sind alle Fragen nach Gerechtigkeit beantwortet und gelöst.
Ja, sehen wir, wir haben einen Riesenexkurs gemacht, aber das war eben ein Gebäude, das ich aufbauen wollte. Und nun gehen wir weiter in Römer 1,17. Da war ein gewisser Martin oben im Turmzimmer in Wittenberg. Man kann das heute noch sehen. Also Wittenberg ist ja wirklich eine wunderbare Stadt, also nicht nur einfach so wie in der Schweiz, dass man kaum irgendwelchen Müll am Straßenrand sieht, alles schön, aber dort ist es wunderschön. Keine Autos, nichts, alles autofrei, wunderbare Stadt, und jedes Haus schöner als das andere. Und dort eben steht man da vor diesem Turm, und da war Luther drin. Er hat so Mühe gehabt mit sich. Gut, das kann man verstehen, es war wirklich ein schwieriger Mensch. Also der hatte einen sehr schwierigen Charakter, aber darum wurde er Reformator, weil man muss so sein, wie er war, sonst hätte man nie bestehen können.
Aber eben, da hatte er so Mühe mit sich, und er fragte sich als Mönch der Augustiner: Wie kann ein gerechter Gott mit einem so verknarzten Menschen? Und er sagte natürlich nicht verknorzt, sondern sündigen Menschen. Und das war es ja, das war ihm bewusst. Gnädig sein, und das hat ihn so geplagt. Und er ist zu seinem Beichtvater gegangen und hat ihm gesagt: Es ist so schrecklich mit mir. Und er sagt ihm: Martin, andere sind viel schlimmer als du. Aber das hat ihn nicht beruhigt. Wirklich, er hat ein Gewissen, das hat ihn angeklagt und geplagt: Wie kann Gott gerecht sein, und wie soll ich mit meinen Leistungen vor Gott stehen können? Das reicht doch nicht. Natürlich muss er gute Werke tun. Es hat ihm keine Ruhe gegeben.
Da war er im Turmzimmer und liest Römer 1,17: Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Und dann wurde es ihm klar: Es kommt nicht auf meine Leistung an, um gerettet zu werden. Ich muss einfach mein Vertrauen darauf setzen, was Jesus Christus am Kreuz für mich getan hat. Er hat alles gut gemacht.
Das war dieses Turmerlebnis. Das führte zu seiner Bekehrung, und das hat schließlich Europa umgekrempelt und dann über Europa hinaus. Das hat die Reformation ausgelöst, dieser eine Satz plötzlich verstanden. Das war wie eine Bombe, wie eine Atombombe, aber wirklich eine gute Atombombe, und das hat zur Befreiung aus dem Gefängnis der römischen religiösen Diktatur geführt. Und das hat er im Römerbrief gefunden, wenn man sich vorstellt: In dem Brief, der eben, bevor dieses römische Machtsystem, religiöse Machtsystem entstanden war, schon an die Kirche in Rom geschrieben war, im Jahr 57. Also schon wunderbar, wie Gott das geführt hat, dass durch den Römerbrief, da sagen wir rund eineinhalb Tausend Jahre später, die Befreiung kam, durch Römer 1,17.
Und ich würde sagen, da machen wir jetzt Pause mit Kuchen, eine halbe Stunde und

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