Sicher in unsicheren Zeiten
Daniel 2,1-4926.05.2024
Serie•Teil 2 / 10Daniel
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Generierte Mitschrift
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Einleitung: Angst als Spiegel der Gottesferne
Wenn irgendetwas die Verlorenheit des Menschen unserer Tage sichtbar macht, so ist es das Ausmaß von Angst und Furcht, die unter uns umgeht. Das sagte Gustav Heinemann beim Kirchentag 1950. Gustav Heinemann war damals Bundesinnenminister, und er war auch Präses der EKD-Synode. So sprach er dort in dieser Abschlussrede diese Worte.
Ich denke, seine Gesellschaftsanalyse trifft heute wie damals zu, vielleicht sogar heute noch mehr: Wenn irgendetwas die Verlorenheit des Menschen unserer Tage sichtbar macht, so ist es das Ausmaß von Angst und Furcht, die unter uns umgeht.
Unsere Zeit ist geprägt von Angst und Furcht. Wir sehen es, wenn wir die Zeitungen lesen, wenn wir mit Menschen reden. Die Angst: Kommt ein Krieg auch zu uns nach Deutschland? Werden wir das noch einmal erleben? Manche aus der älteren Generation kennen das nur aus den Nachrichten. Die Angst vor der Klimakatastrophe. Und manche lächeln darüber, aber redet einmal mit jungen Menschen: Sie haben teilweise wirklich Panik davor, dass das Klima verrückt spielt und diese Welt untergeht. Die Angst, ob das Geld noch etwas wert sein wird. Die persönliche Angst, dass liebe Menschen in meinem Umfeld krank werden, dass sie sterben, dass ich selber krank werde, dass ich sterbe.
Und wie Gustav Heinemann das schon vor über siebzig Jahren festgestellt hat, glaube ich, dass es auch heute genauso ist. Es zeigt so viel darüber, wie wir zu Gott stehen, was wir über Gott wissen, ob wir ihn kennen. Er sagt, es zeigt die Verlorenheit des Menschen, weil die Menschen eben von Gott entfremdet sind, weil sie ihn nicht kennen, weil sie nicht wissen, wer er ist und wie er ist.
Wir setzen heute unsere Predigtserie durch das Buch Daniel fort, und wir sehen im zweiten Kapitel den Unterschied zwischen einem Leben ohne Gott und dem Leben mit Gott. Wir lesen von den Sorgen und von der Angst eines Mannes, der Gott nicht kannte. Und wir sehen einen anderen Mann, der eine große Ruhe und einen Frieden hatte, und das in einer ganz, ganz schwierigen, in einer lebensbedrohlichen Situation.
Und er hatte diesen Frieden, weil er wusste: Gott hat die Kontrolle. Er regiert. Er steht über den Mächtigen dieser Welt. Er hat alle Umstände in seiner Hand, und auch mein kleines Leben.
Und meine Hoffnung und mein Gebet für diese Predigt ist, dass wir durch diese Worte aus Daniel 2 tiefer verstehen: Wenn wir zum lebendigen Gott gehören, dann sind wir auch sicher, ganz sicher, auch in unsicheren Zeiten, die diese Zeiten zweifellos sind.
Rückblick auf die Lage in Babylon
Ich möchte noch, bevor wir in diesen Text einsteigen, kurz etwas zum Kontext sagen, einen ganz kurzen Rückblick.
Wir schauen uns hier in diesen Wochen in dieser Predigtserie das Buch Daniel an. Wir sehen dort ein Volk, das Volk Israel, in sehr unsicheren Zeiten. Ein Volk, das von Nebukadnezar, dem großen König von Babylon, überfallen wurde. Er hat ganz viele Menschen von dort verschleppt, vor allem die Elite, die Jungen, die Hoffnungsträger des Landes. Er hat sie nach Babylon geführt, ihnen neue Namen gegeben und wollte sie dort umerziehen. Ein großes Umerziehungsprogramm.
Wir haben in Kapitel 1 gesehen, dass uns dort Daniel begegnet ist und seine Freunde Hananja, Mischael und Asarja. Und wir haben gesehen, dass sie in diesem neuen Umfeld in Babylon Gott doch treu bleiben konnten. Dass Gott sie festgehalten hat. Dass er ihnen Weisheit geschenkt hat, keine Kompromisse zu machen. Eine Weisheit, die so groß war, dass auch die Menschen dort das erkannt haben. Sogar der König hat gesagt, dass das beeindruckend ist. Gott hat sie bewahrt.
In diesen Schwierigkeiten bedeutet das aber nicht, dass es jetzt locker weiterging und sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage lebten, wie im Märchen. Überhaupt nicht. Es blieb schwierig, und wir lesen heute von der nächsten großen Glaubensprüfung, die diese Männer erleben mussten und durch die Gott sie aber hindurchgeführt hat.
Lasst uns zuerst die ersten dreizehn Verse aus Daniel 2 lesen.
Der Traum des Königs und die Unruhe der Macht
Im zweiten Jahr seiner Herrschaft hatte Nebukadnezar einen Traum, über den er so erschrak, dass er aufwachte. Und der König ließ alle Zeichendeuter, Weisen, Zauberer und Wahrsager zusammenrufen, damit sie ihm seinen Traum sagen sollten. Und sie kamen und traten vor den König.
Der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, der hat mich erschreckt, und ich wollte gerne wissen, was es mit dem Traum gewesen ist.
Da sprachen die Wahrsager zum König auf Aramäisch: Der König lebe ewig! Sage deinen Knechten den Traum, so wollen wir ihn deuten.
Der König antwortete und sprach zu den Wahrsagern: Mein Wort ist deutlich genug. Werdet ihr mir nun den Traum nicht kundtun und deuten, so sollt ihr in Stücke gehauen werden, und eure Häuser sollen zu Schutthaufen gemacht werden. Werdet ihr mir aber den Traum kundtun und deuten, so sollt ihr Geschenke, Gaben und große Ehre von mir empfangen. Darum sagt mir den Traum und seine Deutung.
Sie antworteten noch einmal und sprachen: Der König sage seinen Knechten den Traum, so wollen wir ihn deuten.
Der König antwortete und sprach: Wahrlich, ich merke, dass ihr Zeit gewinnen wollt, weil ihr seht, dass mein Wort deutlich genug ist. Aber werdet ihr mir den Traum nicht sagen, so ergeht ein Urteil über euch alle, weil ihr euch vorgenommen habt, Lug und Trug vor mir zu reden, bis die Zeiten sich ändern. Darum sagt mir den Traum, so kann ich merken, dass ihr auch die Deutung trefft.
Da antworteten die Wahrsager vor dem König und sprachen zu ihm: Es ist kein Mensch auf Erden, der sagen könnte, was der König fordert. Ebenso gibt es auch keinen König, wie groß oder mächtig er sei, der solches von irgendeinem Zeichendeuter, Weisen oder Wahrsager fordern würde. Denn was der König fordert, ist zu hoch, und es gibt auch sonst niemand, der es vor dem König sagen könnte, ausgenommen die Götter, die nicht bei den Menschen wohnen.
Da wurde der König sehr zornig und befahl, alle Weisen von Babel umzubringen. Und das Urteil ging aus, dass man die Weisen töten sollte. Auch Daniel und seine Gefährten suchte man, um sie zu töten.
Bevor wir hier reingehen, möchte ich noch einmal mit uns beten.
Vater im Himmel, wir kommen vor dich und wir sind uns bewusst: Du kennst unsere Herzen, du kennst unsere Sorgen, du kennst unsere Ängste. Und wir wollen beten, dass dein Wort da hinein spricht, dass es uns trifft, dass du uns zeigst, wo wir wahre Sicherheit finden bei dir. Stärke du unseren Glauben, oder wecke du ganz neu Glauben durch dein heiliges Wort. Das beten wir in Jesu Namen. Amen.
Es klackt hier manchmal. Bin ich das? Darf ich mich nicht zu sehr bewegen? Ich mache mal so lange weiter, der Max kommt gleich und checkt das noch einmal.
Das ist ein ganz langer Text. Wir haben jetzt erst die ersten dreizehn Verse, wir haben noch einige Verse vor uns, und ich habe gar nicht den Anspruch, auf alle Details einzugehen. Ich werde auch manches Interessante wirklich liegen lassen. Aber ich möchte uns mit hineinnehmen in die Hauptbotschaft, in einige ganz, ganz wichtige Punkte und auch in das, was sie mit uns zu tun haben.
Deshalb habe ich die Gliederung mit drei Fragen formuliert. Und der erste Punkt ist: Was raubt dir den Schlaf?
Wir wollen als Erstes schauen auf das, was den Nebukadnezar so unruhig hat schlafen lassen, auf seine quälende Unruhe. Und wir wollen auch kurz darüber nachdenken, was das mit uns zu tun hat.
Was die Angst im Herzen sucht
Geschichte fängt ja an mit einem Albtraum, einem Traum, der diesen Nebukadnezar so erschütterte, dass er davon erschrak, heißt es hier. Er wachte auf, er war in Panik. Wahrscheinlich hat sein Herz gerast, er war schweißgebadet. Er wachte auf und wollte wissen: Was ist mit diesem Traum?
Wir sind alle alt genug, dass wir das gut kennen. Albträume hat jeder von uns schon mal gehabt. Und wenn du dann groß bist, dann brauchst du eigentlich niemanden mehr, der dir Händchen hält. Du wachst auf, machst dir bewusst: Es war nur ein Traum. Und du drehst dich um und schläfst dann hoffentlich entspannt weiter. Alles doch nicht so schlimm gewesen.
Aber für diesen Nebukadnezar war dieser Albtraum sehr schlimm. So schlimm, dass er in Panik seine Zeichendeuter, die Zauberer, alle Weisen seines Hofstaates zu sich ruft. Und er will wissen: Was hat es mit diesem Traum auf sich? Und weil er seinen eigenen Leuten, seinen Traumdeutern, nicht vertraut, sagt er: Ich verrate euch nicht, was ich geträumt habe. Da könnt ihr euch ja irgendeine Geschichte ausdenken. Ich will erst mal wissen, dass ihr es könnt. Sagt mir, was ich geträumt habe, und dann sagt mir, was es heißt.
Sehen wir in Vers 9, er sagt: Sagt mir den Traum, so kann ich merken, dass ihr auch die Deutung trefft. Er setzt ihnen die Pistole auf die Brust. Er sagt: Wenn ihr es nicht tut, dann Kopf ab, ich töte euch alle. Dann gibt er ihnen noch ein bisschen Zuckerbrot: Wenn ihr es mir sagt, dann werde ich euch reich belohnen.
Der Mann ist im Ausnahmezustand. Wir sehen hier einen Mann, der keinen Frieden hat, und das, obwohl er der mächtigste König seiner Zeit war. Ja, man kann sagen, einer der mächtigsten Könige aller Zeiten. Er hat ein riesiges Weltreich beherrscht, das große Babylon. Reich war er, extrem einflussreich. Wenn sich ihm jemand in den Weg gestellt hat, dann hat er kurz einen Prozess gemacht, ihn um die Ecke gebracht. Ein Machtmensch durch und durch.
Aber dieser Mann hat Angst, weil er befürchtet, dass sein Traum etwas Schlechtes für ihn bedeuten könnte. Woher diese quälende Unruhe? Der Nebukadnezar suchte seine Sicherheit in etwas Vergänglichem. Er war ganz auf diese Welt fokussiert, auf seine Macht, die er hatte, auf sein Reich. Und er hatte Angst, dass er es verlieren könnte.
Wir kommen noch zu dem Traum, wir schauen uns das genauer an. Aber dieser Traum hat ihn so aus der Bahn geworfen, weil er gemerkt hat: Das könnte bedeuten, dass meine Macht ein Ende findet, dass ich als Herrscher abgesägt werde, dass ich mein großes Reich verliere. Er hatte Panik um sein Reich, um das, was ihm in dieser Welt, in diesem Leben Sicherheit gegeben hat. Darum hat er gefürchtet. Wir sehen das hier: Das war seine Sicherheit, sein Reich.
Das scheint erst mal ganz weit weg für uns zu sein. Babel um das Jahr sechshundert vor Christus, ein großer König, ein Machtmensch. Ganz weit weg. Und doch ist das näher bei uns, als wir das vielleicht auf den ersten Blick denken, wenn wir diese Geschichte lesen. Denn diese Unsicherheit Nebukadnezars, das, was ihn schlecht schlafen lassen hat, ist ein urmenschliches Problem. Das kennt jeder Mensch in seinem Herzen, der in diese Welt hineingeboren wird. Jeder kennt dieses Problem, das Nebukadnezar hatte.
Wir suchen unseren Frieden und unsere Sicherheit in vergänglichen Dingen: darin, gesund zu sein, darin, dass das Bankkonto gefüllt ist, dass ich alle wichtigen Versicherungen abgeschlossen habe, in meiner Ehe, wenn ich eine habe, oder in einer möglichen Ehe, wenn ich keine habe. Das soll mir Sicherheit geben. In der Karriere, im Erfolg der Kinder, in was auch immer. Da kann man eigentlich alles einsetzen, wonach man streben kann in dieser Welt. In allem können wir Frieden und Sicherheit suchen, und doch werden wir es da nicht finden.
Nicht immer ist es ein Traum, der uns erschüttert. Oft ist es das nicht. Aber die Umstände: Du wirst krank, die Ehe kommt in eine schwere Krise, das Geld ist nichts mehr wert, was auch immer. Es kann dich erschüttern. Und oft reicht es ja schon nur der Gedanke daran, dass du darüber nachdenkst, was alles passieren könnte, dass es dich unruhig schlafen lässt. Und es zeigt dir, wenn du nicht schlafen kannst, worum deine Sorgen kreisen, wovon du dir Sicherheit versprichst, was dir Frieden geben soll in deinem Leben.
Was raubt dir den Schlaf? Gibt es Dinge, um die du dich sorgst, die dich wirklich unruhig machen? Am Tag und auch in der Nacht kann es sein, dass es vergängliche Dinge sind, um die du dich da drehst, Dinge, von denen du dir Sicherheit erhoffst.
Das ist nicht nur eine Frage für diejenigen, die Jesus Christus noch gar nicht kennen. Das wäre ja sehr einfach, wenn man sagen würde: Na, das ist ein Problem der Nichtchristen, wir kennen ja den großen Gott, wir haben das Problem nicht. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Als Christen kennen wir das auch noch. Dass wir falsche Sicherheiten suchen und dass wir uns klammern an Dinge in dieser Welt. Die Versuchung ist so groß, und die Unruhe auch, die uns quält, wenn wir nicht das haben, was wir meinen, zu brauchen, um glücklich zu sein, um sicher zu sein.
Vertrauen statt Selbstsicherheit
Jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Wir sehen nämlich im nächsten Abschnitt Daniel, der einen grossen Frieden hat, eine grosse Sicherheit in Umständen, wo wir sagen müssen: Das hat noch keiner von uns erlebt, dass ein König sagt: Ab mit dem Kopf. Dieses Urteil hat noch keiner von uns erlebt.
Aber wir sehen, wie Daniel damit umgehen konnte, und wir sehen auch sein Geheimnis. Lasst uns das lesen, Verse 14 bis 30.
Da wandte sich Daniel klug und verständig an Arjoch, den Obersten der Leibwache des Königs, der auszog, um die Weisen von Babel zu töten. Und er fing an und sprach zu Arjoch, dem der König Vollmacht gegeben hatte: Warum ist ein so strenges Urteil vom König ergangen? Und Arjoch teilte es Daniel mit. Da ging Daniel hinein und bat den König, ihm eine Frist zu geben, damit er die Deutung dem König sagen könne.
Und Daniel ging heim und teilte es seinen Gefährten Hananja, Mischael und Asaja mit, damit sie den Gott des Himmels um Gnade bitten wegen dieses Geheimnisses, und Daniel und seine Gefährten nicht samt den anderen Weisen von Babel umkämen. Da wurde Daniel dies Geheimnis durch ein Gesicht in der Nacht offenbart, und Daniel lobte den Gott des Himmels, fing an und sprach:
Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Denn ihm gehören Weisheit und Stärke.
Er ändert Zeit und Stunde,
er setzt Könige ab und setzt Könige ein,
er gibt den Weisen ihre Weisheit
und den Verständigen ihren Verstand.
Er offenbart, was tief und verborgen ist,
er weiss, was in der Finsternis liegt,
denn bei ihm ist lauter Licht.
Ich danke dir und lobe dich, Gott meiner Väter, dass du mir Weisheit und Stärke verliehen und jetzt offenbart hast, was wir von dir erbeten haben; denn du hast uns das Königssache offenbart.
Da ging Daniel hinein zu Arjoch, der vom König Befehl hatte, die Weisen von Babel umzubringen, und sprach zu ihm: Du sollst die Weisen von Babel nicht umbringen, sondern führe mich hinein zum König, ich will dem König die Deutung sagen. Arjoch brachte Daniel eilends hinein vor den König und sprach zu ihm: Ich habe einen Mann gefunden unter den Gefangenen aus Juda, der dem König die Deutung sagen kann.
Der König antwortete und sprach zu Daniel, den sie Belschad sah nannten: Bist du es, der mir den Traum, den ich gesehen habe, und seine Deutung kundtun kann? Daniel fing an vor dem König und sprach: Das Geheimnis, nach dem der König fragt, vermögen die Weisen, Gelehrten, Zeichendeuter und Wahrsager dem König nicht zu sagen. Aber es ist ein Gott im Himmel, der kann Geheimnisse offenbaren. Der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in künftigen Zeiten geschehen soll. Mit deinem Traum und deinen Gesichten, als du schliefst, verhielt es sich so: Du, König, dachtest auf deinem Bett, was dereinst geschehen würde. Und der, der Geheimnisse offenbart, hat dir kundgetan, was geschehen wird.
Mir aber ist dieses Geheimnis offenbart worden, nicht als wäre meine Weisheit grösser als die Weisheit aller, die da leben, sondern damit dem König die Deutung kund würde und du deines Herzens Gedanken erführst.
Daniel reagiert ganz anders in einer sehr, sehr unsicheren Lage als dieser König auf seinen Albtraum. Daniel reagiert erstaunlich anders.
Der zweite Punkt: Wem vertraust du? Eine Frage für uns.
Wir sehen hier Daniels erstaunliche Ruhe. Und ist das nicht wirklich erstaunlich, wie dieser Daniel auf das Todesurteil reagiert? Man kann sich ja alles vorstellen: tiefe Verzweiflung, der Mann weint, er bricht zusammen, er versucht noch wegzulaufen. Aber er bleibt ganz gelassen.
Ich denke schon, dass sein Herz ein bisschen schneller geschlagen hat. Aber er bleibt trotzdem gelassen. Er fragt Arjoch, den Obersten dieser Wache vom König: Was ist da los, um was geht es eigentlich genau? Und dann erfährt er, es geht um diesen Traum, darum, diese Bedeutung herauszufinden.
Und Daniel sagt zum König: Gib mir ein bisschen Zeit. Ich werde herausfinden, was es mit diesem Traum auf sich hat. Ich werde herausfinden, was du geträumt hast. Ohne Sicherheiten. Er weiss nicht, ob das klappt, er kann es nicht wissen. Aber er sagt zum König: Ich brauche Zeit, ich komme wieder, ich sage dir, was du geträumt hast.
Woher dieser Mut? Wie kann Daniel so ruhig bleiben? Sehen Sie: In diesem ganzen Abschnitt vertraute er nicht auf sich selbst, sondern er vertraute auf seinen Herrn, auf den Gott des Himmels, den er kannte, zu dem er gehörte.
Und wir sehen sein Gottvertrauen in mindestens drei Punkten hier in diesem Abschnitt.
Gebet als erster Reflex
Wir sehen es zuallererst daran, dass Daniel seine Freunde zusammenruft. Dann gehen sie ins Gebet, und sie bitten den Gott des Himmels um Weisheit und um Offenbarung, damit er ihnen zeigt, was da los ist.
Das mag uns selbstverständlich erscheinen: Na klar beten die, was sollen sie auch anderes tun? Aber so selbstverständlich ist das nicht, wie man beim flüchtigen Lesen vielleicht denkt. Das wissen wir auch, wenn wir ehrlich auf unser Leben schauen.
Wie oft beten wir nicht, selbst wenn wir in Not sind, wenn wir große Probleme haben, große Schwierigkeiten? Wir machen alles Mögliche, aber wir beten nicht. Wir googeln nach einer Diagnose, nach einer Lösung. Wir lesen gute Ratgeberliteratur zu unserem Thema. Wir gehen zu Freunden oder zu Fachmännern und Fachfrauen und lassen uns beraten. Vielleicht sagen wir sogar zu anderen in der Gemeinde: Bete für mich um Weisheit und um Kraft in einer bestimmten Situation. Aber wir selbst beten nicht so oft.
Ich weiß, dass das in meinem eigenen Leben so ist, und ich ahne, dass das auch bei vielen von euch so ist: dass das wirklich die letzte Station ist und nicht die erste. Daniel geht als Erstes mit seinen Freunden ins Gebet.
Der Theologe William Macdonald hat einmal gesagt, die Schwierigkeit bei den meisten von uns liege darin, dass wir nicht genug beten oder dass wir, wenn wir beten, nur um so wenig bitten. Wir knabbern nur am Möglichen, anstatt mit beiden Händen nach dem Unmöglichen zu greifen. Unsere Gebete sind schüchtern und fantasielos, gerade dann, wenn sie kühn und wagemutig sein sollten.
Es ist erstaunlich, dass dieser Daniel mit circa zwanzig Jahren so viel Vertrauen in Gott hat, dass er sagt: Ich weiß, mein Gott kann. Das ist eine Ermutigung für alle jungen Menschen unter uns. Du musst nicht erst warten, bis du irgendwie dreißig Jahre mit Jesus unterwegs warst, dann kannst du so beten. Du kannst jetzt dem Herrn so vertrauen, dass du sagen kannst: Mein Gott kann.
Es fordert uns heraus, wenn wir schon ein bisschen länger mit ihm unterwegs sind: Haben wir noch diesen Glauben? Ist er tiefer geworden? Vertrauen wir ihm? Unser Gott kann.
Daniel durfte erleben, dass Gott dieses Gebet erhört hat. Er hat ihm den Traum gezeigt. Wir wissen, dass das bei uns nicht immer so sein wird. Wir wissen auch, dass Gott selbst dann, wenn wir kühn und wagemutig beten, nicht immer in dieser Weise Gebete erhört, wie er das hier tut. Das wissen wir.
Aber lasst uns nicht den falschen Schluss daraus ziehen, dass es ja dann eh nicht darauf ankommt, dass wir dann eh nicht beten sollten, dass der Herr ja eh macht, was er will. Die Bibel ist voller Verheißungen für das Bittgebet, dafür, dass wir den Herrn bitten.
Ich höre gerade auf meinen Laufrunden eine Biografie über Georg Müller, den Waisenvater von Bristol, der vor allem ein Mann des Gebets war und den Herrn um ganz viel gebeten hat. Er hat nie um Spenden gefragt. Er hat gesagt, ich möchte, dass es Gebetserhörungen sind. Muss man nicht so machen, kann man aber so machen.
Er hat sein Zeugnis geteilt. Er wollte nicht selbst groß herauskommen. Er wollte, dass die Menschen sehen: Unser Herr kann. Er ist der, der Gebete erhört. Er hat sie immer versorgt, seine Arbeit in dem Waisenhaus, das, was sie gebraucht haben. Er hat ihnen immer genau das gegeben, was sie gebraucht haben.
Lasst uns dem Herrn vertrauen. Lasst uns beten zu dem Gott, der Wunder tut, der alle Weisheit und alle Macht hat.
Gottes Größe im Lobpreis
Das bringt uns zum zweiten Punkt: Daniels Gottvertrauen zeigt sich hier auch darin, dass er dem Herrn dankt und ihn lobt. Das ist ebenfalls ein Gebet, ein weiteres Gebet, das er spricht. Und auch das ist erstaunlich. Wie viele von uns würden, wenn sie die Lösung haben, erst einmal loslaufen und sich freuen? Ja, die Sache ist gelöst. Aber bevor Daniel zu Nebukadnezar geht und ihm sagt, was er geträumt hat, geht er ins Gebet. Er betet seinen Gott an, lobt ihn und dankt ihm.
Wir sehen in diesem Gebet in den Versen 20 bis 23 viel. Oder wir lernen noch einmal tiefer, warum Daniel so ruhig bleiben konnte, so besonnen: weil er hier zeigt, wer Gott ist, und es vor Gott bekennt. Er sagt ihm: Mein Gott, du bist der Gott, der die Zeiten und die Stunden ändert. Du hast die Geschichte in deiner Hand und führst alles gut. Er bekennt ihm: Du bist der Herr, der die Könige absetzt und die Könige einsetzt. Er regiert über alles, über die ganze Welt, über die allermächtigsten Menschen. Der Herr regiert.
Du bist der Gott, der Weisheit und Stärke hat, und sie kommt von dir. Du hast mir das geschenkt. Ich lobe und preise dich dafür.
Ich möchte uns als Christen herausfordern, so über Gott zu denken und das in unserem Leben anzuwenden. Das eine ist es, zu beten und es in Liedern zu singen. Das andere ist es, sich wirklich auf diese Verheißungen zu stellen, darauf zu bauen, wer Gott wirklich ist.
Ich kann euch sagen: Ich schaue manchmal ängstlich die Nachrichten. Ich war vor jetzt bald 20 Jahren bei der Bundeswehr, ich bin auch Reservist der Bundeswehr, und ich frage mich manchmal, ob ich noch einmal eingezogen und in den Krieg geschickt werde. Kann sein. Was passiert mit der Familie? Was passiert in diesen unsicheren Zeiten? Ich frage mich das manchmal, wenn ich Markus Lanz schaue oder das Heute Journal schaue. Was wird sein?
Und dann lese ich so ein Gebet, wie Daniel es hier spricht, und viele, viele andere Stellen in der Bibel, die mir Gott groß machen und mir zeigen: Er ist der Herr, der alles in seiner Hand hält, und keine Umstände sind ihm entglitten. Er ist der Gott, der regiert. Er regiert auch über Wladimir Putin. Er regiert auch über Donald Trump, wenn er wiederkommt. Er setzt Könige und Präsidenten ein, und er setzt sie auch wieder ab. Nichts geht an seinem Schreibtisch vorbei. Der Herr regiert, und er ist mein Gott.
Das gibt Mut, und das gibt Kraft. Daniel hat es viel tiefer begriffen als ich. Und ich möchte uns ermutigen: Lasst uns solche Gebete lesen und sie zu unserem Gebet machen. Lasst uns solche Lieder, wie wir sie heute schon gesungen haben und nach der Predigt noch singen werden, die den Herrn aller Zeit groß machen, zu Herzen nehmen. Darauf kann man sich stellen. Das gibt eine Sicherheit, die die Welt nicht geben kann.
Demütiges Zeugnis vor den Mächtigen
Deines Gottvertrauen zeigt sich als Drittes auch noch darin, dass er es wagte, mit dem, was Gott ihm gezeigt hat, zu dem König zu gehen. Das war nämlich erst einmal gar nicht unbedingt eine gute Botschaft für den König, nur ganz bedingt.
Henrik hat uns ja vorhin schon den Traum erzählt, wir kommen auch gleich dazu, aber lass uns kurz noch da stehen bleiben. Daniel darf sehen, was Nebukadnezzar geträumt hat, und er geht mit einer Botschaft zum König, die dem König unter Umständen nicht gefallen wird. Aber er vertraut darauf, dass Gott mit ihm sein wird und dass er auch da seine Hand darüber hält.
Auch das darf uns ermutigen. Und was ich an dieser Stelle doch noch kurz mit euch anschauen möchte, ist, wie er auch da bei diesem König auftritt. Auch darin zeigt sich sein Vertrauen auf den Herrn. Er macht sich nicht selbst groß, und das könnte er tun. Der Arjoch gibt ihm eine Steilvorlage. Arjoch sagt: Unter den Leuten von Juda habe ich einen gefunden, der kann dem König sagen, was er geträumt hat.
Es wäre so einfach, dass Daniel sich jetzt aufspielt als der, der weiß, was der König geträumt hat, und sich in den Mittelpunkt stellt. Aber er sagt dem König, er bekennt es vor dem König: Es ist ein Gott im Himmel. Der kann Geheimnisse offenbaren. Ich, Daniel, kann überhaupt nichts. Es ist ein Gott im Himmel, der kann.
Er nutzt die Gelegenheit, um Zeugnis zu geben. Er sagt in Vers 30: Mir aber ist dieses Geheimnis offenbart worden. Ich habe es mir nicht selber ausgedacht, nicht als wäre meine Weisheit größer als die Weisheit aller, die da leben. Ich kann es nicht, aber Gott kann.
Auch das darf uns herausfordern, weil es so schnell passiert, dass wir uns in den Mittelpunkt stellen. Ich denke an Erlebnisse in meinem Leben zurück, wo ich sagen muss, da habe ich komplett versagt, was mein Zeugnis anging. Ich denke ganz besonders immer wieder an ein Erlebnis. Ich habe mich mit einer Freundin unterhalten über ihre Beziehung, und sie hat mir erzählt, wie es einfach nicht gut lief in ihrer Partnerschaft, wie sie sich auch Hilfe geholt haben und wie es einfach immer schwieriger wurde.
Da habe ich ihr erzählt, dass das bei der Ruth und mir in der Ehe auch eine Zeit lang mal sehr schwierig war, über Jahre, und dass wir dann eine gute Seelsorgerin gefunden haben, die uns geholfen hat. Mit der Beratung haben wir es dann geschafft, die Ehe wieder in gutes Fahrwasser zu kriegen. Ich bin heimgegangen, und es hat mich tief getroffen, wie ich dieser Freundin die Geschichte erzählt habe. Da kam Gott überhaupt nicht drin vor.
Die Heldin war die Seelsorgerin, und die Ruth und ich kamen auch ganz gut weg. Aber Gott habe ich in dem Zeugnis nicht die Ehre gegeben, und es war eine verpasste Chance. Denn ich hätte ihr bezeugen können, dass das, was ich eigentlich in meinem Herzen weiß, nicht unsere Weisheit und unsere Kraft war, sondern Gottes wunderbares Eingreifen, durch das er unsere Ehe gerettet hat.
Ich hoffe, ich bin klüger geworden aus diesem Erlebnis. Ich möchte euch aber auch ermutigen: Es ist für die Menschen erstaunlich in unserem Land, die Gott nicht kennen, wenn wir Gott mit in unser Zeugnis hineinnehmen, wenn wir nicht die Helden unserer Geschichten sind, sondern unseren Gott bekennen und sagen, was er tut. Von ihm kommt alle Weisheit und Macht. Das haben wir uns nicht selber zuzuschreiben. Allein schon, wie wir gemacht sind, was er uns an Gaben und an Talenten anvertraut hat: Wer könnte denn stolz sagen, dass das ich bin? Alles vom Herrn.
Das kommende Reich Gottes
Und jetzt dürfen wir endlich sehen, was er geträumt hat. Manche haben vielleicht schon einmal ein wenig vorgelesen, jetzt interessiert es mich aber doch. Lasst uns das lesen und zum dritten Punkt kommen: Wo findest du ewige Sicherheit? Die Botschaft des Traums.
Also, Daniel sagt ihm hier: Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. Da saß du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden, der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, sodass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, sodass er die ganze Welt füllte. Das ist der Traum. Nun wollen wir die Deutung vor dem König sagen.
Du, König, bist ein König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat und dem er alle Länder, in denen Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel in die Hände gegeben und dem er über alles Gewalt verliehen hat. Du bist das goldene Haupt. Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines. Danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist, und über alle Länder herrschen wird. Und das vierte wird hart sein wie Eisen. Denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen.
Dass du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: Das wird ein zerteiltes Königreich sein, doch wird etwas von des Eisens Härte darin bleiben, wie du ja gesehen hast, Eisen mit Ton vermengt. Und dass die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen und teils von Ton sind, bedeutet: Zum Teil wird es ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Und dass du gesehen hast, Eisen mit Ton vermengt, bedeutet: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander festhalten, so wie sich Eisen mit Ton nicht mengen lässt.
Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird, und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören, aber es selbst wird ewig bleiben. Wie du ja gesehen hast, dass ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte, so hat der große Gott dem König kundgetan, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung ist richtig.
Der König hat also gesehen, und Daniel durfte es durch eine Vision auch sehen: ein großes Standbild, ein Haupt aus Gold, die Brust und Arme aus Silber, der Bauch aus Kupfer, die Beine aus Eisen, die Füße gemischt aus Eisen und Ton. Wir wissen aus Daniels Erklärung hier, dass das goldene Haupt Nebukadnezar selbst ist, sein Reich Babylon. Da konnte er sich erst einmal geschmeichelt fühlen, er ist obenauf.
Es gibt große Diskussionen unter den Auslegern, was jetzt die anderen Reiche sind, die hier beschrieben werden. Wenn Gold Babylon ist, müssen die anderen ja auch Reiche sein, die folgen. Es gibt unterschiedliche Auslegungen. Ich denke, die beste ist, dass das Silberne für das Perserreich steht, was später kam. Das Kupfer für das griechische Reich und das Eisen dann für das römische Reich, das dann auch später ja zerteilt war, in zwei Teile zerfallen ist. Das passt auch mit diesen eisernen Beinen, das auf zwei Beinen stand, kann man sagen.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf die Details eingehen, auf die Diskussionen um diese Abfolge der Reiche. Es ist nämlich wichtig, dass wir vor allem die Hauptbotschaft verstehen, dieses Traums. Und die ist ganz klar: Kein Reich dieser Welt hat Bestand, jedes Reich wird früher oder später vergehen. Das große goldene Babylon würde abgelöst werden von einem anderen Reich, wahrscheinlich vom Perserreich. Das Perserreich würde untergehen, und die Griechen unter Alexander dem Großen haben Macht und Einfluss bekommen. Auch die, die zerfielen, die Römer, bekamen die Vorherrschaft. Und so geht das von Reich zu Reich, kein Reich hat Bestand.
Das sieht nicht so aus, wenn man mittendrin lebt. Nebukadnezar, wer konnte sich das vorstellen? Der König wahrscheinlich nicht, die Menschen dort auch nicht, dass das jemals vergeht. Aber dieser Traum zeigt: Alle Reiche vergehen. Doch es gibt ein Reich, das ist anders als alle diese Menschenreiche, viel größer und viel mächtiger und ewig. Und auch das sah Nebukadnezar in seinem Traum. Er sah diesen Stein, der vom Himmel herabkam, nicht von Menschenhänden, und der dieses Standbild zertrümmerte. Pulverisierte, kann man sagen. Wie die Spreu wurden alle Teile in der Welt verstreut, und da war nichts mehr da, nichts mehr übrig von diesem Standbild. Und dieser Stein wächst und wächst und wird immer größer, wächst zu einem Berg heran, bis er die ganze Welt einnimmt.
Daniel gibt uns auch eine Erklärung für das, was hier geschah, wofür der Stein steht. Er zeigt uns: Am Ende der Zeit wird Gott selber eine Herrschaft aufrichten, Gott selber einen Stein, nicht von Menschenhänden, eine Herrschaft, die alle menschliche Herrschaft überstrahlt, vernichtet, zunichte macht und ewig ist. Ein ewiges Reich auf dieser Welt.
Wann wird es passieren? Es hat schon angefangen. Als Jesus Christus anfing zu predigen, als der Sohn Gottes in diese Welt kam, als er anfing zu predigen, da hat er gesagt: Tut Buße, das heißt: Kehrt um zu Gott, denn das Himmelreich Gottes ist nahe herbeigekommen. Als er den Menschen gepredigt hat, da hat er sie gerufen: Kehrt um, folgt mir nach! Ihr könnt Teil von diesem Reich werden, wenn ihr mir vertraut. Er hat ihnen deutlich gemacht, er ist der Herr, den man anerkennen muss, um in dieses Reich zu kommen.
Und wir haben vorhin in der Textlesung gehört: Jesus hat sich sogar mit dem Stein verglichen, mit einem Stein. Es ist wunderbar, wie wir diesen roten Faden sehen durch die ganze Bibel und wie es alles auf Jesus zuläuft, auf ihn hinweist. Wir haben diese Worte gehört aus Matthäus 21, wo Jesus aus Psalm 118 zitiert und er sagt zu den Schriftgelehrten: Habt ihr nie gelesen in der Schrift, der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Und dann in Matthäus 21, Vers 44 greift er genau das auf, was Nebukadnezar hier in seinem Traum sieht. Jesus sagt: Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen. Und der Kontext macht ganz deutlich: Jesus spricht hier von sich selber.
Das heißt, Jesus kann für uns entweder der Eckstein sein, der, der uns eine Sicherheit gibt im Leben, die wir nirgendwo sonst finden, eine Stabilität, auch die richtige Orientierung, die richtige Ausrichtung, das, was wir Menschen wirklich brauchen, mehr als alles andere. Oder er kann uns zum Fall werden. Er kann uns wirklich ja vernichten, weil wir in seiner Gegenwart, in der Gegenwart Gottes, nicht aus uns selber heraus bestehen können. Es hängt alles daran, ob wir Jesus vertrauen, ob wir darauf vertrauen, dass nur er das kann.
Jesus kam, er hat Gottes Reich gepredigt, und er hat den Weg freigemacht, wie Menschen in Gottes Reich hineinkommen können. Er hat sein Leben gegeben am Kreuz von Golgatha. Er hat für unsere Schuld bezahlt, dafür, dass wir unsere Sicherheit überall anders suchen, nur nicht bei dem, der sie uns geben kann, bei Gott. Er hat unsere Sünden auf sich genommen, er hat bezahlt am Kreuz von Golgatha. Und es sah für einen Moment in der Geschichte so aus, an dem Kreuz von Golgatha, dass diese Vision vom Himmelreich Gottes gescheitert ist. Und es sagen sogar manche: Ja, Gott ist gescheitert am Kreuz von Golgatha. Und nichts wäre verkehrter, nichts ist falscher. An diesem Kreuz von Golgatha hat Jesus den großen Sieg, den größten Sieg der Geschichte in alle Ewigkeit errungen. Er hat triumphiert über den Tod, er hat triumphiert über die Sünde, er hat über den Teufel triumphiert am Kreuz von Golgatha.
Und er hat es bewiesen, als er auferstanden ist von den Toten. Er ist aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, er regiert, er regiert über die Weltzeit, und er wird wiederkommen und sein Reich ganz aufrichten. In dieser Zwischenzeit, in der wir leben, wächst es schon, es wächst von Tag zu Tag. Mit jedem einzelnen Menschen, der sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt, der sagt: Ich glaube an den Herrn Jesus Christus, wächst dieses Reich. Aus dem Stein wird ein Berg, der die ganze Erde bedeckt.
Das Evangelium, das Wort von Jesus Christus, ist gekommen in die entlegensten Winkel dieser Welt, schon jetzt. Es ist erstaunlich, wie es sich von diesem kleinen Israel in die ganze Welt ausgebreitet hat. Es ist noch nicht überall angekommen, aber in die entlegensten Inseln kannst du gehen, und du wirst da Menschen finden, die Jesus bekennen und an ihn glauben. Dieses Wort kommt in Länder hinein, da kommen wir nicht hinein. Die schotten sich ab, die verfolgen diese Botschaft, die verfolgen Christen bis aufs Blut. Es gibt Christen in Nordkorea, preis den Herrn. Diese Botschaft breitet sich aus. Sein Reich kommt, sein Reich wächst wie ein Berg, der die ganze Erde füllt.
Die Frage für dich und mich ist: Wo stehst du? Bist du Teil seines Reichs, vertraust du auf diesen Stein, den Eckstein Jesus Christus? Es gibt tatsächlich nur diese beiden Möglichkeiten: Entweder werde ich Teil von Gottes Reich durch den Glauben an Jesus Christus, oder ich werde am Ende aller Tage, wenn Jesus wiederkommt, und wer weiß, wann das ist, es kann sehr bald sein, keine Sicherheit haben vor Gott, weil Jesus meine einzige Sicherheit sein kann.
Daran hängt alles. Daran hing alles für Daniel, der Jesus noch gar nicht so kannte, wie wir ihn kennen dürfen, und der doch Gott so vertraut hat, der wusste: Ich kann nichts aus eigener Kraft. Und wir sehen, dass das den ganzen Unterschied macht. Der Daniel, ich meine, die Jungs, muss man ja sagen, die haben richtig schwere Dinge erlebt dort in Babylon. Das heißt nicht, dass es dann alles leicht wird, aber sie konnten mit ihren Umständen anders umgehen, weil sie den Herrn aller Herren kannten. Alles hängt an Jesus Christus.
Schluss: Geborgenheit statt Furcht
Ich habe mit Worten von Gustav Heinemann angefangen, und ich möchte auch mit Worten von ihm enden, aus seiner Rede, die er 1950 am Kirchentag gehalten hat.
Das waren noch andere Zeiten. Da wurde noch wirklich erbaulich gepredigt, habe ich den Eindruck. Er hat den Menschen nicht nur gesagt, was das Problem ihrer Zeit ist, dass die Menschen verloren sind und dass sich das in ihrer Angst und in ihrer Furcht zeigt, sondern er hat ihnen auch ihre Sicherheit in Christus vor Augen gemalt. Mit diesen Worten möchte ich schließen, weil sie wirklich zu Herzen gehen. Er hat gesagt:
Aus der Verlorenheit führt Jesus Christus uns schon hier und heute in die Geborgenheit seiner göttlichen Allmacht. Lasst uns deutlich machen, dass es einen Weg gibt, um der Furcht zu entrinnen. Dieser Weg heißt, die Vergebung zu ergreifen, die Jesus Christus uns anbietet. Wer sich von ihm finden lässt, wird ein geretteter Mensch, wird sein Eigentum im Leben und Sterben und durch den Tod hindurch bis in sein himmlisches Reich. Lasst uns der Welt bezeugen, dass nichts diese Rettung zunichte machen kann, weil Gott stärker ist als alle Menschengewalt. Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft, niemand kann uns in neue Fesseln schlagen. Denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt.
Lasst uns beten!
Herr Jesus, wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir dich erkennen durften. Du bist der Herr, der mächtig regiert. Du hältst diese Welt in deinen Händen, du bestimmst über alle Umstände, du setzt die Könige ein und ab, du regierst. Herr, was für ein Trost in einer unsicheren Zeit, in der wir auch heute leben.
Und wir beten, Herr, dass wir Mut und Kraft darin finden bei dir, dass du uns hilfst, unsere Sicherheiten nirgendwo anders zu suchen. Wo könnten wir sie finden? Nur bei dir. Und wir wollen beten für unser Zeugnis in dieser Welt, die dich nicht kennt und die verloren ist ohne dich, dass du uns hilfst, immer wieder, wie Daniel das getan hat, auf dich hinzuweisen als die Quelle, als die Kraft unseres Lebens.
Wir loben und preisen dich, wir danken dir, dass wir zu deinem Reich gehören. Amen.
