Einführung in die Verkündigung Jesu und die Ablehnung Israels
Guten Tag, ich möchte alle ganz herzlich zu dieser Bibelklasse begrüßen, heute mit Matthäus 13,10.
Wir haben gesehen, dass der erste Teil des Matthäusevangeliums, also der erste Hauptteil von Kapitel 1 bis 12, zeigt, wie Jesus Christus als König in diese Welt gekommen ist und Israel das messianische Königreich angeboten hat.
In diesen Kapiteln wird jedoch immer deutlicher, dass es eine Ablehnung gibt, insbesondere durch die Führerschaft Israels. Das Maß ist voll mit Kapitel 12, wo der Herr Jesus, wie wir gesehen haben, ein ganz besonderes messianisches Wunderzeichen getan hat. Ein Stummer, der besessen war, wird geheilt. Entgegen ihrer eigenen Überzeugung sagen die Führer, dass dies nicht von Gott, sondern von Satan sei.
Ab Kapitel 13 beginnt der Herr Jesus als Konsequenz auf diese Ablehnung, sich den Heidenvölkern zuzuwenden. Das ist dann das Thema von Kapitel 13 bis 28: Der Messias wendet sich den Heidenvölkern zu.
Als Erstes hatten wir letztes Mal in Kapitel 13 das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld betrachtet. Dort haben wir bereits gesehen, dass der Acker in Kapitel 13,38 erläutert wird. Der Acker ist die Welt. Das heißt, der Acker stellt nicht nur Israel dar, sondern die ganze Welt. Und...
Das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld und die Bedeutung des Samens
In dem Gleichnis geht der Sämann aus, um zu säen.
Wir haben bereits in der Auslegung, speziell in Kapitel 13, Verse 18-23, gesehen, dass der Sämann Jesus Christus ist. Der Same steht für sein Wort. Dieses Wort fällt jedoch nicht nur auf gute Erde, also auf Menschen, die das Evangelium mit offenem Herzen aufnehmen. Es fällt auch auf den Weg, auf steinigen Boden und unter Dornen, wo es nicht zur Entfaltung kommt.
Damit wollte Jesus deutlich machen, dass das Wort Gottes in die ganze Welt hinausgehen wird, über Israel hinaus. Da Israel Jesus als Messias verworfen hat, soll das Wort nun zu den heidnischen Völkern gelangen. Doch auch dort werden nicht alle das Wort annehmen.
Die gute Erde steht für diejenigen, die wirklich zum echten Glauben kommen. Der Weg, der steinige Boden und die Dornen symbolisieren Menschen, die sich dem Wort verschließen. Der Acker ist die Welt, in der auch Israel eingeschlossen ist, doch das Wort geht über Israel hinaus.
Die Frage der Jünger zu den Gleichnissen (Matthäus 13,10-17)
Und jetzt kommen wir zu Kapitel 13, Vers 10. Darf ich bitten, Matthias, dass du uns vorliest?
Die Jünger traten herzu und sprachen zu ihm: „Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?“ Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen, ihnen aber ist es nicht gegeben.
Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch verstehen.
Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die sagt: ‚Mit Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen; denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen wahrnehmen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.‘
Glückselig aber sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören! Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr anschaut, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“
Ja, bis dahin, vielen Dank!
Also, der Herr Jesus hat der Öffentlichkeit dieses Gleichnis vorgetragen. Jetzt kommen die Jünger plötzlich zum Herrn und fragen ihn ganz persönlich: „Was ist das, dass du jetzt plötzlich in Gleichnissen sprichst?“ Seine Art zu predigen verändert sich ab Kapitel 13.
Die Bedeutung der Gleichnisse in Jesu Verkündigung
In einer späteren Stelle wird klargemacht, dass der Herr Jesus ständig in Gleichnissen zur Volksmenge gesprochen hat. Ohne Gleichnis hat er nicht mehr gesprochen. Das finden wir in Vers 34. Matthias, lies uns das bitte noch vor:
„Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: ‚Ich werde meinen Mund auftun in Gleichnissen, ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.‘“
Darum stellt sich die Frage: Warum spricht Jesus jetzt plötzlich anders? Warum predigt er anders? Wir sehen, dass das ein wesentliches Kennzeichen der Verkündigung des Herrn wird: Er spricht in Gleichnissen.
Ein Gleichnis ist nicht auf Anhieb klar. Man muss das Gleichnis deuten. Jesus macht den Jüngern in Vers 11 klar, dass nicht mehr alle verstehen sollen, was er sagt. Nur noch ein Teil soll es verstehen. Das sind diejenigen, die ihn als Retter und Messias annehmen wollen. Die, die ihn nicht wollen, sollen nicht verstehen.
Hier gibt es eine Scheidung. Man kann sagen, dass über Israel eine Verblendung kommt. Die Menschen können nicht mehr einfach verstehen, was Jesus sagt, nur noch ein Teil kann es. Dabei müssen wir bedenken, dass die Jünger selbst Israeliten waren.
Der Herr Jesus sagt ihnen in Vers 16: „Glückselig aber eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.“ Sie konnten sehen und hören. Der Herr hat ihnen auch später noch ganz besonders die Gleichnisse erklärt.
Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann und die Scheidung in Israel
Das haben wir letztes Mal auch gesehen, wie Jesus in Vers 18 spricht, nachdem die Jünger zu ihm gekommen sind. Wichtig ist dabei Vers 10: Zuvor befand sich Jesus mit der Volksmenge am Ufer, während er auf dem Schiff war und zu ihnen sprach.
In Vers 10 kommen die Jünger zu Jesus und fragen ihn, warum er in Gleichnissen spricht. Daraufhin spricht er weiterhin zu ihnen. In Vers 18 sagt er: „Hört ihr nun das Gleichnis vom Sämann? So oft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war. Dieser ist es, der an den Weg gesät ist.“
Hier wird erklärt, dass die Vögel, die die Körner des Wortes Gottes wegpicken, den Teufel, den Bösen, symbolisieren. Auch das Steinige und andere Aspekte des Gleichnisses werden den Jüngern erläutert.
Schauen wir uns noch einmal Vers 36 an, indem wir etwas vorgreifen. Matthias, kannst du bitte vorlesen? „Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers.“
Jesus antwortete und sprach: „Der, der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, der Acker aber ist die Welt“ usw.
Der Herr entlässt also die Volksmengen und geht ins Haus, vermutlich in Kapernaum, in das Haus von Petrus. Dann kommen die Jünger erneut zu ihm, und er erläutert das Gleichnis. Die Deutung gibt er jedoch nur den Jüngern. Sie sollen verstehen, weil sie verstehen wollten. Die Massen hingegen sollen zwar hören, aber nicht verstehen.
Es gibt hier eine klare Trennung zwischen Israeliten: solche, die Jesus als Messias aufnehmen, und solche, die ihn nicht aufnehmen oder sogar ablehnen. Deshalb sagt Jesus in Vers 11b: „Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen, ihnen aber ist es nicht gegeben.“
Es gibt also Menschen, die sehen, und solche, die nicht sehen.
Grundsatz der Scheidung bei der Evangeliumsverkündigung und Blaise Pascal
Und das ist ein Grundsatz Gottes: Es kommt immer zu einer Scheidung, wenn das Evangelium verkündigt wird. Es gibt Menschen, die hören es und lehnen es ab. Für sie ist völlig unklar, wie die Bibel wahr sein kann. Andererseits gibt es solche, die glauben wollen. Für sie ist klar, dass die Bibel wahr ist. Sie können nicht verstehen, wie andere Menschen sagen, die Bibel sei ein Märchenbuch.
Es gibt also eine klare Scheidung, und diese hat hier ganz deutlich begonnen.
Hierzu ein Wort von Blaise Pascal, einem Mann, der von 1623 bis 1662 lebte. Er ist bekannt als Erfinder einer Rechenmaschine. In der Mathematik kennt man vielleicht das Pascal-Dreieck, das auf ihn zurückgeht. Auch in der Physik ist das Druckmaß "Pascal" nach ihm benannt.
Pascal war ein gläubiger Mann. In der Zeit der Aufklärung, als Philosophen behaupteten, die Bibel sei ein Märchenbuch, sagte er: „Nein, die Bibel ist die Wahrheit und hat für die Wahrheit gekämpft.“
Als Mathematiker schrieb er in seinem Buch „Pensées“ (Gedanken) den Satz: „Il y a assez de lumière pour ceux qui ne désirent que de voir, et assez d'obscurité pour ceux qui ont une disposition contraire.“ Auf gut Deutsch bedeutet das: „Es gibt genügend Licht für die, die unbedingt sehen möchten. Aber es gibt genügend Dunkelheit oder Unklarheit für die, die genau das Gegenteil wollen.“
Das wird hier also sehr deutlich. Der Herr sagt: „Aber die, die wollen, dem ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen.“
Das Reich der Himmel und seine Geheimnisse
Und was sind das für Geheimnisse des Reiches der Himmel? Das Reich der Himmel war allen klar, denn Jesus hatte schon früher davon gesprochen. Wenn wir zum Beispiel in Matthäus 4 nachschlagen, wo der Beginn seiner Verkündigung beschrieben wird, finden wir in Kapitel 4, Vers 17 folgende Worte: "Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen."
Ganz kurz zusammengefasst ist das die Verkündigung des Herrn: Die Menschen müssen Buße tun. Das heißt, sie sollen ihre Schuld bereuen, traurig darüber sein und sie Gott bekennen. Buße tun bedeutet also, sich bewusst zu werden und umzukehren. Zugleich sollen sie wissen, dass das Reich der Himmel nahegekommen ist.
Auf Hebräisch heißt Reich der Himmel „Malchut Schamayim“. Das wussten die Juden allgemein, denn die Rabbiner erklärten, dass man aus Ehrfurcht den Gottesnamen, der mit den Buchstaben J H W H geschrieben wird und richtig „Jahwe“ ausgesprochen wird, nicht ausspricht. Im Judentum wird dieser Name aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen, und deshalb wurden Ersatznamen verwendet.
Zum Beispiel liest man in der Synagoge immer „Adonai“ anstelle von „Jahwe“, wenn der Gottesname kommt. In Diskussionen gebrauchten die Rabbiner auch andere Ersatzwörter, wie zum Beispiel „Himmel“ – Schamayim. Es gibt noch weitere. So bezeichneten sie das Königreich des Herrn, das Königreich Jahwes.
Das wussten alle Juden aus dem Alten Testament: Wenn der Messias kommt, wird er ein Weltreich aufrichten und über die ganze Erde regieren. Besonders bekannt war damals die Stelle aus Daniel 7, die sehr beliebt war. Wir lesen aus dem Traum des Propheten, Daniel 7, Verse 13 und 14:
„Ich schaute in Gesichten der Nacht, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschensohn. Und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor ihn gebracht, und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ist ein solches, das nie zerstört werden wird.“
Danke! Von daher wusste man, dass der Messias, der Sohn des Menschen, mit den Wolken des Himmels kommen wird. Dann wird er weltweit über alle Völker seine Herrschaft aufrichten. Damals war das jüdische Volk unter Fremdherrschaft der Römer. Deshalb war es eine sehr beliebte Erwartung, dass der Messias kommen und die Herrschaft übernehmen würde.
Die drei Phasen des Reiches Gottes
Der Herr Jesus verkündet in Matthäus 4,17: Das Reich Gottes, das Reich des Herrn, ist nahegekommen. Er ruft zur Buße auf. Doch die folgenden Kapitel zeigen, dass die Masse nicht Buße tut und nicht bereit ist, den Herrn als Messias anzunehmen. Gerade die Fürsten lehnen ihn massiv ab. Deshalb soll etwas geschehen, das im Alten Testament nicht verkündigt worden war.
Das Reich sollte eine ganz neue und andere Form annehmen, als sie im Alten Testament prophezeit wurde. Deshalb nennt der Herr Jesus das die Geheimnisse des Reiches der Himmel. Immer wenn im Neuen Testament von Geheimnissen die Rede ist, zum Beispiel in den Paulusbriefen, gibt es acht verschiedene Geheimnisse. Diese haben immer mit der gegenwärtigen Zeit zu tun, die im Alten Testament so nicht offenbart wurde.
Paulus erklärt das in Epheser 3. Dort spricht er über das Geheimnis des Christus und erklärt, dass es in früheren Generationen den Menschen nicht mitgeteilt worden war. Jetzt aber ist es den Aposteln und neutestamentlichen Propheten offenbart worden. Ein Geheimnis ist also eine neue Wahrheit, die früher noch nicht offenbart war.
Die Geheimnisse des Reiches der Himmel sind somit Geheimnisse, die damit zusammenhängen, dass das Reich Gottes jetzt eine neue Form annimmt. Wir werden in den weiteren Versen von Matthäus 13 und auch später in weiteren Kapiteln sehen, wo der Herr Jesus weiterhin über dieses Thema spricht: Er macht klar, dass der König, der jetzt gekommen ist und Israel das Reich in einer ersten Phase angeboten hat, in den Himmel zurückkehrt, weil er verworfen wird. Er wird sterben, auferstehen und dann in den Himmel gehen.
Seine Nachfolger aber lässt er hier auf Erden zurück. Das Reich wird also auf Erden sein, aber ganz anders als erwartet. Nicht so, dass der Messias in Zion regiert, als König auf dem Thron Davids, und ein Friedensreich weltweit errichtet wird. Nein, ganz anders. Der König ist im Himmel abwesend, und seine Knechte sollen ihm auf der Erde dienen.
Wir werden sehen, dass viele falsche Knechte in das Reich eintreten werden. Reine Bekenner werden sich darunter mischen. Es entsteht etwas, das wir heute als die Christenheit bezeichnen. Der Ausdruck „Christenheit“ bezeichnet weltweit alle, die sich irgendwie Christen nennen – egal ob sie wirklich glauben oder nicht, völlig unabhängig davon.
In der Christenheit herrscht ein totales Durcheinander von echten Gläubigen und unechten, bloßen Bekennern. Der Herr Jesus macht in den Gleichnissen klar, dass es zu einer völligen Durchdringung der Christenheit mit falschen Lehren und Unmoral kommen wird. Rückblickend auf die letzten zweitausend Jahre können wir sagen: Genau so ist es gekommen. Das sagt er hier voraus.
Das gehört zu den Geheimnissen des Reiches der Himmel. Das war im Alten Testament nicht bekannt, aber jetzt wird es offenbart. Diese Geheimnisse durften nur die wahren Gläubigen verstehen. Für die anderen blieb das verborgen. So erhalten wir unglaubliche Informationen, die uns helfen, das Chaos der letzten zweitausend Jahre der Geschichte der Christenheit zu verstehen.
Dieses Chaos musste kommen. Wenn es nicht so gekommen wäre, wäre die Bibel nicht wahr. Viele sagen heute: „Die Christenheit ist so unglaubwürdig, es gibt so viele Meinungen, sie sind überhaupt nicht einig, und es wurden viele Kriege geführt und Unrecht getan.“ Deshalb können sie nicht glauben. Doch genau das bestätigt, was die Bibel sagt.
Erst am Ende dieser Periode, in der das Reich Gottes anders geworden ist, wird der Messias nochmals vom Himmel her auf den Wolken des Himmels kommen. Nicht mehr als Kind geboren in Bethlehem, sondern auf den Wolken des Himmels, genau wie wir es in Daniel 7 lesen. Dort wird nichts von Bethlehem oder der Geburt im Stall gesagt. Er kommt als König und Richter der Welt.
Dann erst wird er das Friedensreich weltweit aufrichten.
Die drei Phasen des Reiches Gottes (Zusammenfassung)
Wichtig beim Thema Reich Gottes ist, dass wir drei Phasen unterscheiden müssen:
Phase 1 – Der König kommt. Während er auf Erden ist, ist das Reich Gottes gewissermaßen nahegekommen. Doch der König wird abgelehnt und geht wieder weg.
Dann folgt Phase 2 – Der König ist im Himmel, und seine Knechte sind hier auf der Erde. Es entsteht ein völliges Chaos, eine Durchmischung.
Schließlich Phase 3 – Der König kommt als Richter der Welt, wird alles ordnen, was in Phase 2 unordentlich war, und sein Friedensreich aufrichten.
Jesus sagt: „Euch ist es gegeben, diese Geheimnisse zu verstehen, aber den übrigen nicht.“ Er spricht in Vers 12: „Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben.“ Die Jünger hatten, weil sie das, was Jesus ihnen gesagt hatte, festhielten. Nun bekommen sie noch mehr und dürfen die Geheimnisse wissen.
Weiter sagt Jesus: „Wer aber nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.“ Viele, die Jesus gehört hatten, nahmen das Wort nicht auf und hatten deshalb nichts. Doch sie hatten zumindest etwas – sie haben ja gehört, was er gesagt hat. Auch von ihnen wird das noch weggenommen. Es gibt eine totale Scheidung.
In Vers 13 erklärt Jesus: „Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch verstehen.“ Damit erfüllt sich die Prophezeiung aus Jesaja 6. In Matthäus 13, Verse 14 bis 15, finden wir ein langes Zitat aus Jesaja 6, Verse 9 und 10.
Jesaja durfte Gott in seiner Herrlichkeit auf seinem Thron sehen, umgeben von Seraphim, die rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen!“ In Jesaja 6, Vers 8, heißt es: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich!“
Gott beruft hier den Propheten zum Dienst, und Jesaja ist bereit, für den Herrn als Prophet zu dienen. Er soll Israel sagen, dass sie verstockt werden: Sie werden zwar hören, aber nicht verstehen. Jesaja fragt: „Wie lange, Herr, soll das dauern, dass Israel verblendet ist?“
In Matthäus 13 erklärt Jesus, dass ab dem Moment, wo er als Messias gekommen und abgelehnt wurde, die Erfüllung dieser Verblendung Israels beginnt. Deshalb wird hier Jesaja 6 zitiert.
Weiter in Jesaja 6, Verse 11 bis 13, heißt es: „Und ich sprach: Wie lange, Herr? Und er sprach: Bis die Städte verwüstet sind, ohne Bewohner, und die Häuser ohne Menschen, und das Land zur Öde verwüstet ist, und der Herr die Menschen weit entfernt hat und die Verlassenheit inmitten des Landes groß ist. Und ist noch ein Zehntel darin, so wird es wiederum vertilgt werden, wie die Terebinte und wie die Eiche von denen, wenn sie gefällt sind, ein Wurzelstock bleibt, ein heiliger Same ist sein Wurzelstock.“
Die Frage, wie lange das dauert, ist in Matthäus 13 offen. Es wird nicht mit einer Jahreszahl angegeben, sondern mit dem Zustand des Landes: Städte verwüstet, Häuser leer, Land öde, Menschen zerstreut.
Den Jüngern war damals noch nicht klar, was etwa vierzig Jahre später geschehen sollte. Die Römer sammelten einen Großteil ihrer Legionen in Israel, zerstörten das Land. 70 n.Chr. wurde Jerusalem nach einer 140-tägigen Belagerung dem Erdboden gleichgemacht. Über eine Million Juden starben, fast hunderttausend wurden in Kriegsgefangenschaft geführt.
Doch die Römer waren noch nicht fertig. Sie zerstörten auch die Ökologie Israels, um die Lebensgrundlage für die nächste Generation zu entziehen. Ihre Methode war die Politik der verbrannten Erde.
Das jüdische Volk war aber noch nicht am Ende. Sie erholten sich und versuchten 132 n.Chr. einen zweiten Aufstand gegen das römische Joch. Kaiser Hadrian führte drei Jahre Krieg, zerstörte Jerusalem erneut und tötete wieder etwa eine Million Juden. Auch diesmal wurde das Land so verwüstet, dass eine schnelle Erholung unwahrscheinlich schien.
Viele Juden, die nicht umkamen, flohen meist nach Babylonien (heutiger Irak). Insgesamt starben in beiden Kriegen etwa zwei Millionen Juden, und eine weitere Million floh. Dennoch blieben Juden im Land.
Im 7. Jahrhundert kamen die Muslime, und weitere Juden flohen aus dem Land. So entvölkerte sich das Land über Jahrhunderte immer mehr. Der Tiefpunkt wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erreicht, als nur noch wenige Tausend Juden in Palästina lebten.
Im 16. Jahrhundert begannen die Türken zu regieren. Sie erhoben eine Baumsteuer, was viele dazu brachte, ihre Bäume zu fällen, um die Steuer zu vermeiden. Im 19. Jahrhundert bauten die Türken eine große Eisenbahn im Nahen Osten, für die viel Holz benötigt wurde. Die fruchtbare Sharon-Ebene wurde abgeholzt, und das Land wurde zunehmend zur Wüste.
So wurde das Land verwüstet, wie Jesaja es vorausgesagt hatte: „Bis die Städte verwüstet sind ohne Bewohner und die Häuser ohne Menschen und das Land zur Öde verwüstet ist.“ Die Menschen wurden zerstreut über alle fünf Kontinente, die Verlassenheit im Land war groß.
„Und ist noch ein Zehntel darin, so wird es wiederum vertilgt werden.“ Ein Zehntel war immer noch zu viel. Doch es blieb ein Rest im Land, wie ein Wurzelstock einer gefällten Eiche oder Terebinte. Diese Bäume markieren Landschaften; wenn sie gefällt werden, bleibt der Wurzelstock.
Dieser Rest ist ein heiliger Same, der Same für einen Neuanfang des Volkes Israel. Tatsächlich kam im 19. Jahrhundert eine Wende: Hunderttausende Juden begannen zum Glauben zu kommen, auch Rabbiner bekehrten sich.
Martin Luther wollte die Juden zum Herrn führen und erwartete eine Erweckung ähnlich der Reformation in Europa. Doch es geschah nichts, und Luther wurde enttäuscht und verfiel später zu üblen Aussagen gegen das jüdische Volk.
Das lag daran, dass es noch nicht die Zeit war. Die Entvölkerung und Verwüstung des Landes erreichte erst im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt.
Ab dem 19. Jahrhundert begann die Wende: Viele Juden kamen zum Glauben, besonders in den USA, Kanada und auch in Israel wächst diese messianische Bewegung ständig.
Zur gleichen Zeit begann ab 1882 die erste Aliyah, die erste massive Einwanderungswelle von Juden, vor allem aus Russland und Jemen, nach Palästina. Es folgten weitere Einwanderungswellen, und heute sind über drei Millionen Juden aus allen Kontinenten zurückgekehrt. In unseren Tagen wurde sogar der Staat Israel gegründet.
Doch die Verblendung bleibt, bis die Wende mit dem Land kommt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Land wieder angebaut, 230 Millionen Bäume wurden gepflanzt. Gleichzeitig öffnete sich eine neue Offenheit für das Evangelium, wie seit dem ersten Jahrhundert nicht mehr.
Im ersten Jahrhundert gab es Zehntausende gläubige Juden (Apostelgeschichte 21), aber im Verhältnis zu Millionen war das nur ein kleiner Überrest. Dieser Überrest konnte sehen, im Gegensatz zur Masse, die verblendet war.
Jesus sagt in Vers 16: „Glückselig aber eure Augen, dass sie sehen, eure Ohren, dass sie hören! Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“
Die Propheten prophezeiten vom kommenden Messias, seiner Herrlichkeit als König, aber auch von seinem Leiden. Ihnen war nicht klar, wie die zeitlichen Verhältnisse sind. Petrus schreibt in 1. Petrus 1, dass sie nachgeforscht haben, wann diese Zeiten eintreten würden.
Die Jünger waren überglücklich, den Messias unter sich zu haben und seine Lehre zu hören, auch die Geheimnisse des Reiches Gottes.
Nun folgt ein weiteres Gleichnis (Matthäus 13,24): „Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufspross und Frucht brachte, erschien auch das Unkraut.“
Die Knechte fragen: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?“ Der Herr antwortet: „Ein feindseliger Mensch hat dies getan.“ Die Knechte wollen das Unkraut ausreißen, doch der Herr sagt: „Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich den Weizen ausreißt. Lasst beides zusammenwachsen bis zur Ernte. Zur Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es zum Verbrennen, den Weizen aber sammelt in meine Scheune.“
Im Gleichnis heißt es: „Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden.“ Das ist eine genaue Übersetzung. Manche Bibelübersetzer übersetzen nur „gleich“, doch hier ist „gleich geworden“ richtig. Das zeigt eine Veränderung im Reich Gottes, die im Alten Testament nicht angekündigt war.
Auch in Matthäus 18,23 heißt es: „Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der mit seinen Knechten Abrechnung halten wollte.“ Und in Matthäus 22,2: „Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.“
In Matthäus 25,1 heißt es: „Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.“
Diese Veränderung war ein Geheimnis für Israel und auch für die Jünger. Im Judentum kennt man diese Geheimnisse bis heute nicht und versteht das Phänomen der Christenheit nicht.
Nun kehren wir zu Matthäus 13, Vers 36: Jesus erklärt das Gleichnis vom Unkraut. Der, der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen – ein Titel für den Messias.
Der Acker ist die Welt, nicht nur das Land Israel. Das zeigt, dass die Christenheit weltumspannend sein wird und sich über alle Kontinente ausbreitet. Jesus sagt in Matthäus 24,14: „Dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“
Das griechische Wort für Erdkreis ist „Oikoumene“, das bedeutet das bewohnte Festland der Erde. Alle Nationen (griechisch „Ethnos“) werden erreicht, nicht unbedingt alle Menschen. „Ethnos“ ist die größte soziale Einheit, größer als „Laos“ (Volk) oder Stamm.
Heute ist die Christenheit tatsächlich auf allen Kontinenten verbreitet, und alle Nationen wurden mit dem Evangelium erreicht.
Im Gleichnis heißt es weiter: „Der gute Same sind die Söhne des Reiches, das Unkraut sind die Söhne des Bösen.“ Die Söhne des Reiches sind die wahren Gläubigen, die zum Königreich Gottes gehören.
Der Feind, der das Unkraut säte, ist der Teufel. Die Knechte sind entsetzt und wollen das Unkraut ausreißen, doch der Herr verbietet es, um den Weizen nicht zu beschädigen.
Das Unkraut ist im Griechischen „Zizanion“, Taumellolch, eine Pflanze, die dem Weizen sehr ähnlich sieht. Erst bei der Reife kann man sie unterscheiden. Der Lolch ist giftig wegen eines parasitären Pilzes, der in der Pflanze wächst.
Der Verzehr von Lolch kann zu schweren Vergiftungen mit Symptomen wie Schwindel, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen, Erbrechen und sogar Atemlähmung führen.
Glücklicherweise ist der Lolch heute auf den Äckern fast ausgerottet, aber er kommt noch an bestimmten Orten vor.
Jesus erklärt, dass man das Unkraut nicht frühzeitig ausreißen soll, da sonst der Weizen beschädigt wird. Man soll es bis zur Ernte wachsen lassen.
Die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters. Die Schnitter sind die Engel, die dann die Bösen aussondern und verbrennen werden.
In Matthäus 24,3 fragen die Jünger Jesus nach dem Zeitpunkt der Vollendung des Zeitalters. Jesus nennt zahlreiche Zeichen, die sich heute erfüllen und zeigen, dass wir in der Endzeit leben.
Die Endzeit ist nicht Weltuntergang, sondern der Abschluss dieses Zeitalters, bevor Jesus als König das kommende Tausendjährige Friedensreich aufrichtet.
In Matthäus 16,27 heißt es: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er jedem vergelten nach seinem Tun.“
Die Engel werden aktiv eingreifen und die Bösen aussondern. Die Christenheit wird dann ausgesondert.
Historisch gesehen versuchten Menschen, das Gericht selbst auszuüben, indem sie Ketzer verfolgten und töteten, wie die Waldenser und Hugenotten. Jesus verbietet das und überlässt das Gericht den Engeln.
In Vers 41 heißt es: „Sie werden sie in den Feuerofen werfen, dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.“ Das ist ein Bild für die Hölle.
Das Weinen und Zähneknirschen steht für Verbitterung und Reue, die keine Umkehr bewirken.
Im Gegensatz dazu werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Verblendung nicht einfach Schicksal ist. Wer das Reich ablehnt, wird verblendet; wer sich beugt und Buße tut, darf sehen.
Im Gleichnis vom Senfkorn (Matthäus 13,31-32) wird das Reich der Himmel einem Senfkorn gleichgesetzt, das klein beginnt, aber zu einem großen Busch wird, in dem die Vögel des Himmels nisten.
Die Vögel stehen für das Böse, die Dämonen, die sich in der Christenheit einnisten. Offenbarung 18 beschreibt Babylon als eine Behausung von Dämonen und unreinen Vögeln.
Das zeigt, dass die Christenheit ein Zuhause für dämonische Mächte geworden ist, was die vielen Irrlehren und den Götzendienst erklärt.
Im Gleichnis vom Sauerteig (Matthäus 13,33) heißt es, dass eine Frau Sauerteig unter drei Maß Mehl mischt, bis alles durchsäuert ist.
Im Gegensatz zu den anderen Gleichnissen handelt es sich hier nicht um den Messias (Sohn des Menschen), sondern um eine Frau, was einen Kontrast darstellt.
Viele Kommentatoren sehen den Sauerteig positiv als das Evangelium, das die Welt durchdringt. Doch das ist falsch.
In der Bibel ist Sauerteig meist negativ. Im Alten Testament mussten die Israeliten beim Passah ungesäuertes Brot essen, ein Bild für Jesus als sündloses Lamm.
Ungesäuertes Brot steht für Lauterkeit und Wahrheit, während Sauerteig für Lüge und Sünde steht, die alles durchdringt.
Paulus fordert in 1. Korinther 5, den Sauerteig aus der Gemeinde zu entfernen, um die Ausbreitung von Sünde zu verhindern.
Auch in Galater 5,9 vergleicht Paulus falsche Lehre mit Sauerteig, das sich ausbreitet.
Jesus warnt in Matthäus 16,6 vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer – falsche Lehren und Heuchelei.
Sauerteig steht für falsche Lehre und Unmoral, die die Christenheit durchdringen wird.
Im Gegensatz dazu zeigt das Gleichnis vom Netz (Matthäus 13,47-50), dass gute und schlechte Fische zusammen gefangen werden. Die Guten werden gesammelt, die Schlechten ausgeworfen.
Das zeigt die Vermischung von echten und falschen Gläubigen in der Christenheit.
Bei der Wiederkunft Jesu werden die Engel die Bösen aussondern und in den Feuerofen werfen.
Die wahren Gläubigen sollen in örtlichen Gemeinden gesammelt werden, niemals in einer Volkskirche, wo alles vermischt ist.
Zum Schluss die Frage: Wann begann dieses Zeitalter?
Es begann nicht erst bei der Kreuzigung oder Pfingsten. Schon vor dem Kreuz gab es dieses Zeitalter.
Die Heilsgeschichte lässt sich in sieben Bündnisse und Zeitalter einteilen, die jeweils mit einem Bund und Segen beginnen, dann durch menschliche Untreue und Gericht enden.
Das sechste Zeitalter begann mit Nebukadnezar, als Israel die Herrschaft verlor (Zedekiah-Bund, Hesekiel 17).
Heute leben wir in diesem Zeitalter der Nationen, das von der UNO repräsentiert wird, bis es vom tausendjährigen Friedensreich abgelöst wird.
Damit schließen wir.
Die Glückseligkeit der Jünger und die Erfüllung der Prophezeiungen
Und nun sagte Herr Jesus in Vers 16: Die Jünger, die glaubten, waren überglückliche Menschen. Glückselig aber sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr anschaut, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Die Propheten haben vom kommenden Messias prophezeit und über seine Herrlichkeit als König gesprochen, aber auch über seine Leiden. Ihnen war jedoch nicht klar, wie die zeitlichen Verhältnisse genau waren.
Darüber schreibt Petrus in 1. Petrus 1, dass sie nachgeforscht haben, auf welche Zeit und welche Zeitpunkte sich das genau bezieht. Sie hätten das erleben wollen, was die Jünger erlebten: dass sie den Herrn, den Messias, unter sich hatten und er sie lehrte.
Er lehrte sie das Wort – das Wort, das alle hören und verstehen konnten – und dann auch das Wort, das ein Geheimnis war. Der Herr sagt: Ihr seid überglücklich, dass ihr die erfüllte Prophetie auf den Messias direkt erleben und aufnehmen dürft.
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13,24-30)
Und dann folgt ab Vers 24 ein zweites Gleichnis. Liest du das, Matthias?
Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg.
Als die Saat aufspross und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. Die Knechte des Hausherrn kamen herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut?
Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sagen zu ihm: Willst du denn, dass wir hingehen und es zusammenlesen?
Er aber spricht: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit diesem den Weizen ausrauft. Lasst beides zusammenwachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es im Bündel, um es zu verbrennen, den Weizen aber sammelt in meine Scheune.
Also, am besten schauen wir uns gerade die Erklärung des Herrn Jesus an. Ab Vers 36 haben wir schon gelesen.
Zuerst muss ich noch betonen, in Vers 24 heißt es: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden. Er sagt nicht einfach, es ist einem Menschen gleich. Wenn das in euren Bibelübersetzungen nicht so steht, dann ist es zu wenig genau übersetzt.
Manche Bibelübersetzer sind einfach darüber hinweggegangen. „Gleich geworden“ kann man auf Deutsch ja nicht so leicht sagen, es ist hier ein Vergleich, ein Gleichnis. Also übersetzen sie: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich, der guten Samen säte. Nein, es heißt: gleich geworden.
Das Reich der Himmel, das in seiner ersten Phase schon da war – der König war in der Mitte Israels und predigte –, aber jetzt hat es sich eben verändert. Jetzt kommt eine Veränderung hinein, und das wird hier so ausgedrückt.
Übrigens auch später, im Kapitel 18, Vers 23. Lest dort nach. Die alte Elberfelder und die Elberfelder CSV machen diesen Unterschied auf jeden Fall ganz klar.
Deswegen heißt es: Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der mit seinen Knechten Abrechnung halten wollte. Gleich geworden!
Und noch weiter, gerade in Kapitel 22, ein anderes Gleichnis, Vers 2, auch über das Reich der Himmel: Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Auch hier die korrekte wörtliche Übersetzung: Das Reich der Himmel ist gleich geworden.
Und dann noch Kapitel 25, Vers 1, mit den zehn Jungfrauen: Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und ausgingen dem Bräutigam entgegen.
Jawohl, das macht klar, es gibt eine Veränderung – und zwar eine Veränderung, die im Alten Testament nie angekündigt worden war. Das war ein Geheimnis, und das war für Israel die völlige Überraschung und damit auch für die Jünger.
Aber sie durften diese Geheimnisse wissen. Im Judentum kennt man diese Geheimnisse bis heute nicht, und im Judentum versteht man nicht dieses Phänomen Christenheit.
So etwas Komisches, das eigentlich aus dem Judentum herausgekommen ist. Aber was da geschehen ist mit Götzendienst und so einem Chaos, ganz verschiedenen Lehren usw. Was ist denn das? Und so viel Unrecht in der Geschichte – was ist denn das?
Sie kennen die Geheimnisse nicht, aber wir dürfen sie kennen.
Und dann würde ich sagen, machen wir jetzt zehn Minuten Pause. Danach steigen wir so richtig voll ins Thema ein.
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen – Deutung (Matthäus 13,36-43)
Wir kommen also zu Matthäus 13,24. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinen Acker säte. Die Erklärung dazu haben wir bereits ab Vers 36 gefunden. Dann entließ er die Volksmengen und ging in das Haus. Seine Jünger traten zu ihm und baten ihn: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers.
Er antwortete und sprach: Der, der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen. Hier haben wir also diesen Titel für den Messias, den Sohn des Menschen – nicht den Sohn der Menschen. Zum Beispiel werden wir in Epheser 3 als Söhne der Menschen bezeichnet. Warum? Weil wir immer zwei Eltern haben. Nicht Eltern eins und Eltern zwei, das findet man nie in der Bibel, sondern Vater und Mutter. Darum sind wir Söhne der Menschen.
Der Messias wird aber Sohn des Menschen genannt, weil er nur eine Mutter haben sollte, und zwar eine Jungfrau. Jesaja 7,14 kündigte an, dass der Messias von einer Jungfrau geboren werden würde. Das wird durch den messianischen Titel „Sohn des Menschen“ ausgedrückt.
Im Gleichnis sagte Jesus, das Reich der Himmel sei einem Menschen gleich, und in der Erklärung sagt er, das ist der Sohn des Menschen. Also im Gleichnis ein Mensch, aber im Klartext ist das der Messias. Das hilft uns auch später, zum Beispiel in Vers 31, wo es heißt: Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte. Wieder ein Mensch. Und wir werden sehen, dass auch hier der Mensch der Sohn des Menschen, also der Messias, ist.
Im nächsten Gleichnis heißt es dann in Matthäus 13,33: Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. Hier ist es kein Mann, der der Messias ist, sondern eine Frau. Das zeigt einen Kontrast an. Das macht also nicht der Messias, sondern jemand anders. Das ist wichtig und wird für die Auslegung sehr bedeutsam sein.
Später, in Vers 44, haben wir das fünfte Gleichnis von den sieben Gleichnissen in Matthäus 13: Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg. Wer ist dieser Mensch? Der Sohn des Menschen, der Messias, der diesen Schatz findet.
Jetzt gehen wir weiter zum Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen in Matthäus 13,37. Dort heißt es: Der, der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen. Dann kommt Vers 38: Der Acker aber ist die Welt. Wichtig: Dieser Acker mit dem Weizen und dem Unkraut ist nicht einfach das Land Israel, sondern es geht um die ganze Welt. Damit wird klar, dass die Christenheit etwas Weltumspannendes werden wird – die ganze Welt gehört dazu.
Die Geschichte zeigt, dass die Christenheit sich im Laufe der Jahrhunderte auf allen fünf Kontinenten ausgebreitet und alle Nationen der Welt erreicht hat. Jesus sagt ja in Matthäus 24,14, dass das Evangelium des Reiches auf dem ganzen Erdkreis gepredigt wird, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.
Liest du Matthäus 24,14? Dort heißt es: Dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. „Erdkreis“ ist hier das griechische Wort Oikoumenē, das eigentlich „das bewohnte Festland“ bedeutet. Also auf dem gesamten bewohnten Festland der Erde wird das Evangelium verkündigt werden, bevor der Herr Jesus als König kommt.
Weiter heißt es: Alle Nationen zum Zeugnis. Das bedeutet, alle Nationen auf allen Kontinenten werden mit dem Evangelium erreicht werden, bis der Herr Jesus kommt. Was hier aber nicht steht, ist „alle Menschen“. Es ist also keine Voraussetzung für die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit, dass alle Menschen zuerst das Evangelium hören. Aber alle Nationen müssen erreicht werden.
Im Griechischen steht hier das Wort Ethnos, und Ethnos ist die größte soziale Einheit. In der Bibel gibt es auch den Ausdruck Laos, das bedeutet Volk und ist kleiner als Ethnos. Ethnos ist die größte Einheit. Zum Beispiel Indien umfasst nicht einfach ein Volk der Inder – das gibt es gar nicht. Dort gibt es viele verschiedene Volksgruppen und Stämme. Ähnlich ist es in Russland, wo es nicht das eine russische Volk gibt, sondern verschiedene Völker bis in den fernen Osten.
Diese verschiedenen Völker werden in der Bibel als Laos bezeichnet, und es gibt noch den Begriff Stamm, der eine noch kleinere Einheit ist. Ein Stamm ist kleiner als ein Volk. Zum Beispiel in Thailand gibt es das Volk der Thai und im Osten des Landes das Volk der Isan – das sind jeweils ein Laos. In den Bergen gibt es dann Stämme wie die Karen, Hmong oder Lahu. Das sind Stämme, also kleinere Einheiten.
Jesus sagt, alle Nationen werden erreicht werden. Das ist heute schon längst Tatsache geworden. Alle Nationen sind mit dem Evangelium erreicht worden, und die Christenheit hat sich über das ganze bewohnte Festland ausgebreitet. Es gibt keine Nation, die nicht erreicht wurde. Die meisten sind in der UNO zusammengefasst, es gibt noch ein paar, die nicht dabei sind, aber es gibt keine Ausnahme – alle sind erreicht worden.
Das ist unheimlich wichtig für das Gleichnis vom Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Jesus sagt: Der Acker aber ist die Welt. Dann erklärt er weiter in Vers 38: Der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen. Die Söhne des Reiches sind diejenigen, die zum Königreich Gottes gehören, also die wahren Gläubigen.
Im Gleichnis vom vierfachen Äckerfeld sind das die, wo das Same des Wortes auf gute Erde fällt. Vers 23: Der aber auf die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht und wirklich Frucht bringt. Der eine bringt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.
Der Ausdruck „Söhne des Reiches“ ist im deutschsprachigen Raum ungewöhnlich. So würden wir das nicht sagen. Es ist ein typisch semitischer Ausdruck. Im Hebräischen benutzt man „Söhne“ in vielen Zusammenhängen, um zu zeigen, dass jemand zu einer bestimmten Kategorie gehört. Zum Beispiel sagt man heute im Hebräischen für einen Gesprächspartner „Ben Sicha“, was Sohn des Gesprächs bedeutet – also jemand, der zur Kategorie der Gesprächsführer gehört.
Oder ein dreistöckiges Haus wird im heutigen Hebräisch als „Haus, Sohn von drei Stockwerken“ bezeichnet – also ein Haus, das zur Kategorie der drei Stockwerke gehört. Deshalb heißen die Gläubigen hier „Söhne des Reiches“ – sie gehören zur Kategorie des Königreiches Gottes.
Das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen, also diejenigen, die zur Kategorie des Teufels gehören. Er wird als der Böse beschrieben, schon im Gleichnis, wo die Vögel gedeutet wurden. Vers 19: So oft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war. Im Gleichnis heißt es, die Vögel kommen und picken weg, und Jesus sagt, die Vögel bedeuten den Bösen – ein Name für den Teufel.
Die Söhne des Bösen stehen also unter der Herrschaft des Teufels. Epheser 2,1 sagt, dass die Ungläubigen unter dem Einfluss dieses bösen Geistes stehen. Er ist der Fürst dieser Welt, Johannes 12,31.
Also: Der Acker ist die Welt, der gute Same sind die Söhne des Reiches, das Unkraut sind die Söhne des Bösen. Dann wird erklärt: Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel.
Im Gleichnis kommen die Knechte zu dem Mann, der den guten Weizen gesät hat, und sagen, da ist etwas geschehen – da ist Unkraut. Der Herr erklärt in Vers 28: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Dieser feindselige Mensch ist der Teufel.
Die Knechte des Bauern sind entsetzt, dass Unkraut zwischen den Weizen gesät wurde, und sie schlagen vor, es gleich auszureißen. Doch der Bauer sagt nein, das wäre riskant. Warum?
Das Wort für Unkraut, das in Vers 25 zum ersten Mal auftaucht, ist im Griechischen nicht irgendein Unkraut, sondern Zizanion. Es bezeichnet ein bestimmtes Unkraut, nämlich den Taumellolch. Lolch ist auch richtig, genauer gesagt Taumellolch. Im Englischen nennt man es manchmal „False Wheat“ – falscher Weizen –, weil diese Pflanze dem Weizen erstaunlich ähnlich sieht. Erst wenn die Frucht reif ist, kann man den Unterschied klar erkennen.
Das Problem ist, dass es so ähnlich aussieht. In früheren Zeiten war Lolch ein großes Problem, auch in Europa, weil er giftig ist. Weiß jemand, warum er giftig ist? Es liegt an einem Pilz. Es gibt eine bestimmte Pilzart, einen endoparasitischen Pilz, der in der Pflanze wächst, nicht an der Pflanze, sondern in ihr. Dieser Pilz ist sehr giftig.
Wenn man Brot isst, das Weizen und Lolch enthält, kann man Symptome wie Schwindel, Sehstörungen bis hin zu Tagblindheit bekommen. Tagblindheit bedeutet, dass alles Licht zu hell ist, man verträgt es nicht mehr. Es kommt zu Verwirrung, Bewusstseinsstörungen, Aphasie (also Sprachverlust), eingeschränktem Denkvermögen, starkem Erbrechen, Magen- und Darmbeschwerden sowie Schläfrigkeit bis hin zu Schlafsucht. Die Atmung kann gelähmt werden, und an dieser Atemlähmung kann man sterben. Also ist es nicht Corona, sondern Lolch, an dem man erstickt.
Lolch gibt es immer noch, in bestimmten Gegenden, aber glücklicherweise nicht mehr auf den Äckern. Durch moderne Methoden kann man ihn schon bei der Ernte unterscheiden und ausrotten. Biologisch ist er noch an manchen Orten zu finden, optisch sieht man ihn überall im Garten. Die falsche Hirse ähnelt dem Weizen, wenn sie klein ist, aber wenn sie groß wird, unterscheidet sie sich deutlich. Die falsche Hirse bleibt klein und kriecht, der Weizen wächst höher. Beim Lolch ist die Höhe schwer zu merken, aber im Alter sieht man den Unterschied.
Das Entscheidende hier ist, dass der Lolch dem Weizen so ähnlich sieht, was Verwirrung stiftet. Deshalb sagt Jesus: Nein, nicht frühzeitig ausreißen, sonst könnte man auch den guten Weizen herausreißen. Man muss warten, bis zur Ernte.
Aber was bedeutet die Ernte? Das wird alles erklärt. In Vers 39 heißt es nochmals: Der Feind, der das Unkraut gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters. Die Schnitter sind die Engel.
Die Vollendung des Zeitalters ist ein wichtiger Ausdruck, der mehrfach in diesem Kapitel vorkommt. In Vers 40 heißt es: Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Bei einem anderen Gleichnis steht: So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein, die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussortieren.
Man muss verstehen: Die Rabbiner sprechen oft von „diesem Zeitalter“ und dem „kommenden Zeitalter“. Mit „dieses Zeitalter“ ist die Zeit gemeint, in der wir jetzt leben, und „kommendes Zeitalter“ bezeichnet das Königreich, wenn der Messias kommt. Also gibt es hier die Unterscheidung von zwei Zeitaltern.
Das ist ein Problem für diejenigen, die den Dispensationalismus ablehnen. Dispensationalismus bedeutet die Auslegung der Bibel unter Berücksichtigung verschiedener Zeitabschnitte in der Heilsgeschichte. Im Judentum spricht man von diesem Zeitalter und dem zukünftigen Zeitalter.
Wer sich an Matthäus 12 erinnert: Jesus spricht dort im Zusammenhang mit der Lästerung des Geistes. Er sagt in Vers 32: „Dies wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen.“ Er benutzt dieselbe Formulierung, und damit bestätigen die Rabbiner in diesem Punkt ihre Lehre.
Nebenbei gesagt, in Kolosser 1 wird am Schluss über frühere Zeitalter gesprochen, in denen das Geheimnis „Christus in euch“ unbekannt war. Der Apostel Paulus spricht also von mehreren vergangenen Zeitaltern. Auch in Epheser 1 wird zwischen diesem und dem zukünftigen Zeitalter unterschieden.
Das zeigt, dass es mindestens vier verschiedene Zeitalter in der Bibel gibt, die unterschieden werden müssen. Damit ist das Argument, die Einteilung in Dispensationen sei falsch und nicht biblisch, widerlegt. Es ist absolut biblisch.
Wir leben also in diesem Zeitalter, aber Jesus spricht hier von der Vollendung dieses Zeitalters. Das heißt, die Vollendung des Zeitalters ist der Abschluss der jetzigen Zeit. Das ist ein anderer Ausdruck für die Endzeit.
Die Endzeit ist nicht die Zeit des Weltuntergangs, sondern die Vollendung, der Abschluss dieses Zeitalters. Dann kommt Jesus Christus als König, um das zukünftige Zeitalter aufzurichten.
In Matthäus 24 wollen die Jünger mehr über die Vollendung des Zeitalters wissen. Sie fragen Jesus auf dem Ölberg, am Dienstag vor Karfreitag, Matthäus 24,3: Als er auf dem Ölberg saß, traten die Jünger für sich allein zu ihm und fragten: „Sag uns, wann wird das sein und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?“
Da haben wir drei Fragen: Wann wird das sein – mit der Zerstörung des Tempels, die zuvor angekündigt wurde? Was ist das Zeichen deiner Ankunft, also welches Zeichen wird zeigen, dass der Sohn des Menschen kommt? Und was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters, also dass wir in der Endzeit leben?
Jesus gibt nicht zwei, sondern eine Fülle von über zwanzig Zeichen in diesem Kapitel. Diese Zeichen erfüllen sich heute vor unseren Augen. Das zeigt klar, dass wir in der Vollendung des Zeitalters leben. Damit ist das Kommen Jesu in Macht und Herrlichkeit ganz nahe.
Jesus sagt, die Ernte ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind die Engel. In Vers 40 heißt es: Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen, die Gesetzlosigkeit tun, und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Weinen und Zähneknirschen sein.
Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat zu hören, der höre.
In der Vollendung des Zeitalters kommt also das Gericht. Aus Matthäus 24 lernen wir, dass viele Endzeitzeichen wie Massenkriege, Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich nicht einfach Kriege zwischen einzelnen Ländern sind, sondern großflächige Kriege. Jesus sagt: Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören.
Man hört von Kriegen, wenn sie in der Nähe sind. In der Schweiz hörte man von Krieg in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich. Doch man hörte auch von Pearl Harbor, das am Ende der Welt lag – das waren Kriegsgerüchte. Das drückt Massenkriege aus, geografisch weit verbreitet.
Wie viele Weltkriege gab es? Zwei, beide im 20. Jahrhundert, in der Zeit, in der die Juden wieder aus aller Welt heimkehrten. Die Bibel macht klar: Die Endzeit beginnt, wenn das jüdische Volk wieder heimkehrt.
Jesus spricht auch von Erdbeben, Seuchen – dazu gehört auch Corona, das ist endzeitlich. Wichtig: Matthäus 24 spricht nicht über Impfungen. Auch die Offenbarung spricht nicht über Impfungen, sondern über schreckliche Seuchen, Kriege und in der Zukunft von einem Zeichen an der rechten Hand mit der Zahl 666, mit dem man nur noch kaufen oder verkaufen kann. Das ist nicht die Impfung, sondern etwas anderes.
Es ist wichtig, diese biblischen Zeichen zu beachten. Was wir heute erleben, ist, weil wir in der Vollendung des Zeitalters leben. Diese Periode begann, als die Juden 1882 in Massen zurückkehrten, dann kamen der Erste und Zweite Weltkrieg. Noch ist der Sohn des Menschen nicht auf den Wolken des Himmels gekommen. Das wird noch geschehen.
Die Vollendung des Zeitalters ist eine Zeitspanne, die mit dem Kommen des Herrn Jesus als Messias abgeschlossen wird, um die Phase drei des Königreichs aufzurichten. Wir leben noch in Phase zwei, aber am Ende, wenn die ganze Erde mit dem Evangelium erreicht ist, allen Nationen, wird Jesus das kommende Zeitalter aufrichten – das tausendjährige Friedensreich.
Darum ist es wichtig zu verstehen: Die Zeit der Ernte ist die Vollendung des Zeitalters. Jesus wird mit allen Engeln kommen, das haben wir schon gelesen.
Später, in Matthäus 16, spricht Jesus auch über sein Kommen. Lies Matthäus 16,27: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er jedem vergelten nach seinem Tun.“
Darum wird von den Engeln gesprochen, die ihn begleiten und ausgesandt werden, um aktiv einzugreifen und auszusondern. Die Christenheit wird dann ausgesondert werden. Wir müssen also nicht selbst den Weizen ausreißen, das heißt, das Gericht ausüben.
Wenn wir an die Geschichte der Christenheit denken, wie Ketzer und sogenannte Ketzer, die oft keine waren, zu Tausenden oder Hunderttausenden getötet wurden – die katholische Kirche hat sich genau so verschuldet.
Hier sagt Jesus: Nein, damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts auch den Weizen ausreißt. Aber was geschah bei der Verfolgung der Waldenser? Sie hatten schon vor der Reformation erkannt, dass wir durch Gnade gerettet werden, nicht durch Leistung. Trotzdem wurden sie verfolgt und Abertausende getötet.
Ich war einmal in Dorebelice in Norditalien für Vorträge. Dort gibt es Höhlen, in die die Waldenser flohen. Sie wurden gefangen genommen und in diesen Höhlen verbrannt. Das ist wirklich so geschehen.
Oder in der Reformationszeit mit den Hugenotten: Allein in der Bartholomäusnacht wurden Tausende von Hugenotten abgeschlachtet, weil sie glaubten, dass wir nur durch Gnade und Glauben an Jesus gerettet werden. Es waren keine Ketzer, sondern Menschen, die die Wahrheit erkannt hatten.
Man muss das alles vor diesem Hintergrund lesen. Wenn die Knechte fragen: „Willst du, dass wir hingehen und das Unkraut zusammenlesen?“ sagt der Herr: Nein. Das Gericht ist aufgespart für die Endzeit, und das machen dann die Engel.
Jesus erklärt auch, was das Verbrennen bedeutet. In Vers 41 heißt es: Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, sie werden alle Ärgernisse aus seinem Reich zusammenlesen, die Gesetzlosigkeit tun, und sie in den Feuerofen werfen. Das ist ein Bild für die Hölle. Dort wird Weinen und Zähneknirschen sein. Diese Engel werden das ausführen, nicht wir Knechte.
Die Schnitter sind nicht die Söhne des Reiches, sondern die Engel. So erklärt Jesus das Gleichnis Punkt für Punkt.
Er nennt die Söhne des Bösen in Vers 41 „Ärgernisse“. Das griechische Wort bezeichnet jemanden, der anderen eine Falle stellt, wo man darüber stolpert und zu Fall kommt.
Was ist dieses Unkraut? Es sieht ähnlich aus? Ja, ich bin auch Christ, ich glaube an die Bibel, bin getauft. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Lolch und Weizen. Aber was bewirkt der Weizen? Er ist gesund.
Der Lolch verursacht Schläfrigkeit, Sehstörungen, undeutliches Sprechen, Kopfschmerzen und eingeschränktes Denkvermögen. Das sind die Ärgernisse, die sich genau so in der Christenheit ausbreiten. Sie werden auch genannt: die, welche Gesetzlosigkeit tun.
Gesetzlosigkeit ist im Griechischen anomia, also alles, was gegen Gottes Gesetz im Wort verstößt. Sie gehen einfach darüber hinweg und sagen: „Das kann man heute nicht mehr so sehen.“ Das sind diejenigen, die Gesetzlosigkeit tun.
Dort wird das Weinen und Zähneknirschen erwähnt – ein furchtbarer Ausdruck, den wir in den Evangelien siebenmal finden, sechsmal in Matthäus und einmal in Lukas 13,28. Die Hölle wird unter anderem das ewige Weinen sein und das Zähneknirschen.
Wovon spricht Zähneknirschen? Zum Beispiel von Verbitterung. Es ist keine echte Reue, sondern ein verbissener „Hätte ich doch“-Gedanke, ohne echte Umkehr.
Manche haben nachts Probleme mit Zähneknirschen, was Schäden am Kiefer und besonders an den Backenzähnen verursachen kann. Man braucht dann eine Schiene vom Zahnarzt. Aber hier geht es um eine innere Verkrampfung, nicht um ein körperliches Problem.
Es geht darum, dass Menschen genau wussten, was die Wahrheit ist, und es nicht wollten. Wie Pascal sagte: Es gibt genügend Licht für die, die sehen wollen, und genügend Finsternis für die, die nicht sehen wollen.
Diese Verbitterung drückt sich im Zähneknirschen aus. Im Kontrast dazu werden die Erlösten leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters.
Wer hat das so schön vertont? Mendelssohn, ein gläubiger Jude. Er hat diesen wunderbaren Satz in seinem Elias-Oratorium so schön vertont.
Jesus sagt nochmals: Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Es ist also kein Schicksal, dass die einen verstockt werden und die anderen sehen können. Das ist nicht calvinistisch: Die einen sind so, die anderen so bestimmt. Nein, es gibt solche, die wollen und können sehen, und solche, die nicht wollen und deshalb blind werden.
Israel war nicht von Anfang an verblendet, sondern das kam als Antwort Gottes, ein Gericht, auf die Ablehnung in den Herzen. Es ist keine göttliche Bestimmung, dass einige blind sind und andere sehen. Die, die in eigener Verantwortung ablehnten, wurden verblendet. Die, die sich beugten und dem Ruf zur Buße folgten – „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe“ –, durften sehen.
Jesus sagt in diesem Gleichnis: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden. Beim Gleichnis mit den Jungfrauen in Matthäus 25,1 heißt es: Das Reich der Himmel wird in der Zukunft gleich sein. Hier aber heißt es „gleich geworden“.
Wenn wir an die zwölf Jünger denken, die mit Jesus waren und denen er sagte, ihnen sei es gegeben, diese Geheimnisse zu kennen, gab es einen unter ihnen, den Judas. Die Elf hätten das nie gedacht. Das mit dem Lolch hatte also schon begonnen, und es nahm immer mehr zu.
Schauen wir, was der Apostel Paulus als Warnung schreibt, in Apostelgeschichte 20,29: „Ich weiß, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger hinter sich her abzuziehen.“
Es war klar: Die Vermischung würde kommen. In Galater 2,4 sagt Paulus, und zwar schon vor seinem Abschied, Vers 4: „Es war aber der wegen der eingeschlichenen falschen Brüder, die sich heimlich eingeschlichen hatten, um unsere Freiheit in Christus Jesus auszukundschaften, damit sie uns in Knechtschaft bringen. Deren sind wir nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bleibt.“
Schon damals gab es solche, die sich einschlichen. Das ist der Lolch. Paulus hat sie nicht ausgerissen, also nicht getötet, aber er hat ihnen nicht nachgegeben.
In Apostelgeschichte 15,1-2 kamen Irrlehrer in die Gemeinde in Antiochien und brachten die Jünger durcheinander. Das war ein Eindringen falscher Lehren.
In 2. Petrus 2 schreibt der Apostel aus der Todeszelle, in seinem letzten Brief, Kapitel 2, Vers 1: „Es werden aber auch falsche Propheten unter dem Volk sein, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die verderbliche Sekten heimlich einschleusen und den Gebieter verleugnen, der sie erkauft hat, und sich selbst schnelles Verderben zufügen.“
In Vers 2 heißt es weiter: „Viele werden ihren Ausschweifungen nachfolgen, wegen ihnen wird der Weg der Wahrheit gelästert werden.“
Er sagt klar, dass Irrlehrer in die Christenheit kommen werden, falsche Lehren bringen und zu Unmoral verführen. Sie sagen: Das und das ist gar keine Sünde mehr, das galt früher so, heute nicht mehr.
Das ist heute in extremem Maße in evangelischen und reformierten Kirchen verbreitet und wird gerechtfertigt. Aber das musste so kommen. Es hängt mit dieser totalen Vermischung zusammen.
Der Zustand, wie er heute ist, entspricht genau dem, was Jesus vorausgesagt hat. Menschlich hätte man damals nie gedacht, dass sich die Christenheit weltweit über alle Kontinente ausbreiten und dass es eine totale Vermischung von Gläubigen und Ungläubigen, von echten Gläubigen und bloßen Bekennern geben würde.
Das Gleichnis vom Senfkorn (Matthäus 13,31-32)
Und jetzt führt uns das zum nächsten Gleichnis, Matthäus 13,31-32. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte. Es ist zwar kleiner als alle Samenkörner, aber wenn es gewachsen ist, ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und sich niederlassen in seinen Zweigen.
Hier spricht der Herr Jesus über den schwarzen Senf, den es auch in Israel gab und gibt. Das ist eine typische Pflanze im Mittelmeerraum. Die Samen des schwarzen Senfs sind noch kleiner als die des weißen Senfs, etwa 0,95 bis 1,6 Millimeter, manchmal auch etwas mehr im Gewicht. Man muss sich etwa 700, sagen wir mal 750 Körner auf die Hand tun und dann auf eine gute Waage legen – ein Milligramm bis ein Gramm. Sie sind also in der Größenordnung von etwa einem Milligramm pro Korn, sodass 750 Körner zusammen ein Gramm ergeben.
Der Herr Jesus sagt, ein Mensch säte dieses Korn auf seinen Acker. Das ist der Herr Jesus selbst. Er hat die Gemeinde gegründet. In Apostelgeschichte 2 sehen wir, dass die hundertzwanzig Jünger zusammen versammelt waren. Dann wurde der Heilige Geist ausgegossen und die Gemeinde entstand. An diesem Pfingsttag kamen 3000 Menschen zum Glauben. Man denkt, das sind unglaublich viele. Doch wenn man bedenkt, dass damals mehrere Millionen Juden lebten, war das nur ein kleiner Überrest.
Nachher stieg die Zahl der Männer auf fünfzig, wie in Apostelgeschichte 5 beschrieben. Und in Apostelgeschichte 21 lesen wir: „Siehe, wie viele Myriaden, also Zehntausende von Juden, gibt es, die glauben, und alle sind Eiferer für das Gesetz.“ Es kamen viele zum Glauben, aber es blieb ein kleiner Überrest unter Millionen von Juden. Dann kamen immer mehr dazu durch die Ausbreitung des Evangeliums, aber eben auch immer mehr Falsche.
Jesus sagt, aus diesem Senfkorn, das kleiner ist als alle Samenkörner, die man im Garten benutzt, wird, wenn es gewachsen ist, etwas Größeres als die Kräuter, ein Baum. So dass die Vögel des Himmels kommen und sich in seinen Zweigen niederlassen. Ganz klein beginnt es. Das griechische Wort „dendron“ kann Baum oder Busch bedeuten. Es ist also eher ein Busch mit sehr dicken Stängeln, der sich bis zu 1,5 Meter, manchmal bis drei oder sogar dreieinhalb Meter entfalten kann.
Das Wesentliche ist hier, dass aus einem ganz kleinen Anfang etwas Riesiges und Mächtiges wird. Jesus zeigt damit, dass sich die Christenheit zu einem Machtfaktor entwickeln wird. Die Vögel des Himmels lassen sich in seinen Zweigen nieder. Was bedeuten die Vögel in Matthäus 13? Die Vögel sind böse, also der Teufel.
Schauen wir in die Offenbarung: Dort wird die falsche Kirche Babylon beschrieben. In Kapitel 18 heißt es von ihr, sie sei eine Behausung für Vögel. Das ist ein Parallel. Dort wird das Gericht über Babylon beschrieben, das zukünftige Gericht. In Offenbarung 18,2 heißt es: „Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels.“
Interessant ist, dass hier Vögel als Bilder für Dämonen gebraucht werden. Der Böse ist der Fürst über die Dämonen, und die Vögel des Himmels sind der Ausdruck der teuflischen Macht. Diese finden Platz, können sich niederlassen, Nester bauen und sind dort zu Hause. Die Christenheit wird also ein Zuhause für Dämonen.
Jetzt versteht man den ganzen Götzendienst durch die Kirchengeschichte hindurch, mit all diesen Statuen, die verehrt werden. Es ist ganz klar, dass in 1. Korinther 10 erklärt wird, dass hinter den Bildern, die verehrt werden, Dämonen sind. Das Dämonische wird sich in der Christenheit einnisten. Das macht der Herr Jesus klar.
Aus einem kleinen Anfang wird ein Machtfaktor in dieser Welt. Und dort fühlt sich die dämonische Welt zuhause. Nun muss man sich überhaupt nicht mehr wundern über das ganze Durcheinander in der Christenheit.
Das Gleichnis vom Sauerteig (Matthäus 13,33)
Und dann haben wir gerade ein weiteres Gleichnis. Sehen wir, es sind eigentlich drei Gleichnisse beieinander.
In Vers 33 heißt es: "Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war."
Das mit dem Sauerteig macht nicht der Sohn des Menschen. Darum ist im Gleichnis eine Frau, und es ist klar zu sagen, dass dies nicht der Herr ist. Sie bringt den Sauerteig ein.
Alle diese drei Gleichnisse, von Vers 24 bis dahin, zeigen die negative Entwicklung in der Christenheit.
Aber wir werden beim nächsten Mal die Freude haben, die Gleichnisse in Vers 44 bis 50 zu studieren. Das sind wieder drei Gleichnisse, und dort wird das Schöne, das Positive im Reich Gottes vorgestellt. Nämlich die wahre Gemeinde und ihre Schönheit.
Also ist es so aufgebaut: Matthäus 13 beginnt mit dem Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld als Einführung. Danach folgen drei Gleichnisse über die böse Entwicklung in der Christenheit. Am Ende des Kapitels gibt es nochmals drei Gleichnisse über die wunderbare Entwicklung im Zusammenhang mit den wahren Gläubigen, mit der Gemeinde.
Eins plus drei plus drei ergibt somit die sieben Gleichnisse.
Die Bedeutung des Sauerteigs
Was bedeutet der Sauerteig?
In vielen Kommentaren liest man, dass der Sauerteig das Evangelium symbolisiert, das sich weltweit ausbreitet und alles durchsäuert. Dieses Verständnis entspricht der heutigen Transformationstheologie, die besagt, Christen müssten die Welt transformieren, die Gesellschaft verändern und Missionen soziale Aufgaben erfüllen, um die Welt besser zu machen. Wenn Jesus Christus dann kommt, wäre die Welt gewissermaßen bereit, ihn zu empfangen.
Das ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was der Herr gezeigt hat. In der Endzeit wird es einen totalen Abfall geben. Der Sauerteig ist in der Bibel immer negativ besetzt. Er kommt zum ersten Mal in 2. Mose 12 vor. Beim Auszug aus Ägypten mussten die Israeliten das Passalam essen, ein Bild für Jesus Christus, das Lamm, das sie als Retter aufnehmen. Dazu mussten sie Matzen essen, also ungesäuertes Brot. Das wird vom Apostel Paulus in 1. Korinther 5 als Brot der Lauterkeit und Wahrheit bezeichnet. Warum? Weil Matzen keine Lügen enthalten.
Das normale Brot, das mit Sauerteig oder heute mit Hefe aufgeht, ist symbolisch ein lügnerisches Brot. Es geht auf, bläht sich auf und gibt vor, mehr zu sein, als es wirklich ist. Matzen hingegen werden kurz gebacken und bleiben unverändert. Sie geben nicht mehr vor, als sie sind, sie sind echt.
Der Sauerteig hat die Eigenschaft, dass, wenn man nur ein wenig davon in ungesäuerten Teig gibt, alles durchsäuert wird. So ist auch das Böse ansteckend. Jesus macht klar, dass das Reich Gottes in wunderbarer Weise wie ungesäuertes Brot beginnt. Paulus sagt in 1. Korinther 5 zur Gemeinde der wahren Gläubigen in Korinth: „Ihr seid ein ungesäuerter Teig.“ Dann fordert er sie auf, den Sauerteig zu entfernen. In der Gemeinde war ein Mann, der Ehebruch begangen hatte. Paulus sagt, man müsse ihn ausschließen, den Bösen von sich selbst entfernen und keinen Umgang mit ihm haben, bis er zur Umkehr kommt. Das soll verhindern, dass das Böse sich ausbreitet und alles durchsäuert.
Jesus macht hier deutlich, dass der Sauerteig die ganze Christenheit durchdringen wird. Dieses Chaos, eine Christenheit voller Irrlehren, wird vorausgesagt. Paulus vergleicht in Galater 5,9 den Sauerteig mit falscher Lehre, die bei den Galatern Eingang gefunden hatte. Dort ging es um Gesetzlichkeit, die Gläubigen sollten wieder unter den Sabbat gestellt und beschnitten werden. Diese Irrlehre wird dort bekämpft und mit Sauerteig verglichen, weil sie sich ausbreitet.
Zum Beispiel die Einführung des Sabbats in der Gemeinde: Der Sabbat war für Israel ein Zeichen des Bundes mit Gott (2. Mose 31), aber nicht für die Gemeinde. Paulus bezeichnet das Eindringen dieser falschen Lehre in Galatien als Sauerteig. In 1. Korinther 5 bezeichnet er die Unmoral als Sauerteig. Sauerteig bedeutet also falsche Lehre und Unmoral, die die Christenheit durchsäuern werden.
In Matthäus 16 wird klargestellt, dass Sauerteig nicht das Evangelium ist. Jesus sagt dort: „Gebt Acht und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.“ Was haben die Pharisäer gemacht? Sie haben eigene Gesetze zur Bibel hinzugefügt – Bibel plus. Die Sadduzäer waren Liberale, die an der Bibel Abstriche machten und nur die fünf Bücher Mose als inspiriert anerkannten – Bibel minus. Jesus sagt also, dass alles durchsäuert werden wird, falsche Lehre und Unmoral, Bibel plus und Bibel minus, anstatt sich an das zu halten, was die Reformatoren aus der Bibel erkannt hatten.
Das Wort allein soll gelten, wie es im Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ heißt: „Das Wort sie sollen lassen starren und keinen Dank dafür haben.“ Das Wort allein – dafür braucht man keinen Dank.
Diejenigen, die die Ausbreitung des Evangeliums mit dem Sauerteig positiv deuten, verweisen oft auf eine Stelle im Lukas-Evangelium, vermutlich Lukas 13,11. Doch in Lukas 12,1 wird ebenfalls vor dem Sauerteig der Pharisäer gewarnt, der Heuchelei ist. In Lukas 13,20-21 vergleicht Jesus das Reich Gottes mit Sauerteig, der eine große Menge Mehl durchsäuert. Warum sollte das Evangelium hier mit Sauerteig gemeint sein?
Es wird nichts Positives über den Sauerteig gesagt, nur, dass er alles durchdringt. In den vorherigen Versen wird das Reich Gottes auch mit einem Senfkorn verglichen, das wächst und Vögel des Himmels beherbergt. In Lukas 12,1 heißt es am Schluss: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, der Heuchelei ist!“ Und dann soll es in Kapitel 13 plötzlich das Evangelium sein? Das passt nicht zusammen. Das ist eine falsche Auslegung der Bibel.
Die Israeliten mussten den Sauerteig aus ihren Häusern entfernen, um sich auf die Bekehrung vorzubereiten. Sünde bedeutet einen Bruch, deshalb durften sie nur ungesäuertes Brot essen.
Manche gehen noch weiter und verweisen auf das Alte Testament, etwa 3. Mose 2, wo von den Erstlingsbroten die Rede ist. Dort durfte kein Sauerteig in den Speisopfern verwendet werden. Die Erstlingsbrote wurden am Pfingstfest zum Tempel gebracht und weisen auf die Gemeinde hin. Die Speisopfer ohne Sauerteig weisen auf den Herrn Jesus hin, dessen Leben vollkommen sündlos war.
Die Erstlingsbrote enthalten Sauerteig, weil sie ein Bild der Gemeinde sind. Die Gemeinde besteht aus begnadigten Sündern, darum hat sie Sauerteig. Doch dieser Sauerteig wird durch das Backen neutralisiert. Erlöste Menschen wissen: „Ja, ich bin ein Sünder, in mir ist Sauerteig.“ Aber durch das Gericht Jesu, symbolisiert durch Ofen und Feuer, ist die Macht des Bösen in ihnen gebrochen und neutralisiert.
Der Sauerteig ist nicht positiv, sondern zeigt die Realität der Erlösten und wie diese Realität gestoppt werden kann. Das wird oft missverstanden, wenn man diese Verknüpfungen herstellt. Man muss verstehen, dass die Erstlingsbrote in 3. Mose 2 ein Bild für Gläubige sind, die Sünde in sich tragen. Der Sauerteig ist immer negativ.
Die drei Gleichnisse zeigen immer die negative Seite. Die positiven Gleichnisse werden wir beim nächsten Mal betrachten. Dabei möchte ich noch auf die Vermischung hinweisen.
Im Gleichnis in Matthäus 13,47 wird das Reich der Himmel mit einem Netz verglichen, das im See ausgebreitet wird. Darin werden gute und schlechte Fische gefangen. Gute Fische sind klar, aber was sind schlechte Fische? In 3. Mose 11 wird erklärt, dass Juden nur Fische essen dürfen, die Schuppen und Flossen haben. Alles andere ist unrein.
Beispielsweise der Katzenfisch hat keine Schuppen und ist unrein. Im See Genezareth gibt es viele Katzenfische. Bei Tiberias sieht man sie zuhauf. Das sind die unreinen Fische. Im Gleichnis sagt Jesus, dass diese mit den guten Fischen zusammen gefangen werden. Durch die weltweite Evangeliumsverkündigung kommen alle Arten von Menschen zusammen: solche, die sich echt bekehren, und solche, die es nicht tun.
Dann heißt es, die guten Fische werden in Gefäße gesammelt, die schlechten aber ausgeworfen – nicht nur zurück ins Wasser geworfen, sondern wirklich ausgeworfen. Jesus fügt hinzu, dass in der Vollendung des Zeitalters die Engel ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussortieren und in den Feuerofen werfen, wo Weinen und Zähneknirschen sein wird.
Das ist keine Auslegung des Gleichnisses, sondern die Weiterführung. Die Fischer sammeln die Guten in Gefäße, die anderen werden ausgeworfen. Am Ende wird Jesus die Trennung der Menschheit vornehmen, nicht wir.
In Bezug auf die örtliche Versammlung bedeutet das, dass die Gemeinde aus wahren Gläubigen bestehen muss, niemals aus einer Volkskirche. Dort werden nämlich Katzenfische und Reinfische zusammengeworfen, was nicht biblisch ist.
Die wahren Gläubigen müssen in Gefäßen gesammelt werden, die anderen sollen wieder schwimmen gelassen werden. Wenn Jesus wiederkommt, wird er die endgültige Trennung vollziehen. In der Gemeinde ist es unsere Aufgabe, die wahren Gläubigen zu sammeln und die anderen ziehen zu lassen.
An dieser Stelle müssen wir nun zum Schluss kommen.
Wann begann dieses Zeitalter?
Ah, eine sehr, sehr gute Frage: Wann begann eigentlich dieses Zeitalter?
Was meinst du, war es bei der Ausgießung des Heiligen Geistes, also an Pfingsten, oder bei der Kreuzigung? Nein, das kann es nicht sein. Ich wollte darauf eigentlich nicht eingehen, weil es zu weit führen würde, aber ganz kurz: In Matthäus 12 spricht Herr Jesus schon über dieses Zeitalter. Das war jedoch vor dem Kreuz und vor Pfingsten. Also gab es dieses Zeitalter schon damals.
Es ist so: Die ganze Heilsgeschichte kann man in sieben Bündnisse einteilen, die jeweils am Anfang einer neuen Zeit stehen. Jedes Zeitalter beginnt mit dem Segen Gottes und einem Bund. Danach folgt die Untreue des Menschen, woraufhin Gott richten muss. Dann kommt ein neuer Bund, wieder mit Segen, und es geht erneut bergab. Am Ende steht wieder ein Gericht, und es beginnt ein neuer Bund. Dieses Muster zieht sich konsequent von der Schöpfung bis zum tausendjährigen Friedensreich durch.
So ergeben sich sieben Zeitalter mit sieben Bündnissen.
Im Internet gibt es einen Vortrag von mir, in dem ich das ausführlich darlege. Dort ist genau das beschrieben, was du gesagt hast: Das sechste Zeitalter beginnt bei Nebukadnezar, als Israel die Herrschaft und das Königtum verlor. Das ist der Zedekiah-Bund, der in Hesekiel 17 als Gottesbund bezeichnet wird. Viele kennen den Bund mit Zedekia nicht, aber er ist sehr wichtig, um zu verstehen, dass dies das Zeitalter ist, das der Herr Jesus in Lukas 21 als die Zeit der Nationen nennt. In dieser Zeit herrschen die Völker, nicht Israel.
Auch heute herrscht die UNO, nicht Israel. Israel muss sich nach den Vorgaben der UNO richten. Dieses Zeitalter wird dann vom tausendjährigen Friedensreich abgelöst werden.
Das ist also die Kurzantwort. Ich kann nur bestätigen, was du schon selbst gesagt hast.
Ja, dann wollen wir hier schließen.
