Serie•Teil 1 / 2Der Ausländer in Gottes Heilsplan
Einleitung
Das Thema heute Morgen lautet: Der Ausländer in Gottes Heilsplan. Wir
wollen den Ausländer versuchen zu sehen mit den Augen Gottes und dabei
beginnen wir mit dem großen Thema: Der Ausländer in der Thora, im Gesetz
Mose. Da werden wir verschiedene Unterthemen behandeln. Und dann unter
einem zweiten großen Punkt kommt das Thema: Mission im Alten und im Neuen
Testament. Und dann haben wir noch einen dritten Hauptpunkt: Der Ausländer
im Neuen Testament.
Die Grundsatzlehre in der Thora
Wir beginnen also mit dem ersten Punkt und zwar mit der Grundsatzlehre,
die wir in der Thora zum Thema Ausländer finden können. Das erste Buch der
Bibel beginnt ja mit dem Menschen, der in dem paradiesischen Eden in der
Gemeinschaft mit Gott zu Hause war. Das steht in 1. Mose 1 und 2. Dann
kommt der große Bruch. Durch den Sündenfall entstand der totale Bruch. Der
Mensch wurde aus seiner Heimat vertrieben (1. Mose 3, 24) und so wurde er
zum Ausländer. In diesem Sinn sind alle Menschen Ausländer. In Epheser 4,
18 werden die Heidenvölker allgemein beschrieben und mit dem Ausdruck
«entfremdet dem Leben Gottes» bezeichnet. Der Mensch ist seit dem
Sündenfall ein Ausländer in Bezug auf Gott. Ich möchte auch noch 1. Mose 3,
23-24 lesen: Und der HERR Gott schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, um
den Erdboden zu bebauen, davon er genommen war; und er trieb den Menschen
aus und ließ lagern gegen Osten vom Garten Eden die Cherubim und die Flamme
des kreisenden Schwertes, um den Weg zum Baume des Lebens zu bewahren." Der
Mensch entfremdet und er kann nicht zurück, von sich aus. Wenn wir das 1.
Buch Mose weiter unter die Lupe nehmen, dann sehen wir, wie bereits
bemerkt, wie es mit dem Menschen beginnt, der im paradiesischen Eden in der
Gemeinschaft mit Gott zu Hause war, aber mit Israel im Ausland endet,
Israel in Ägypten. 1. Mose 50, 26: Und Joseph starb, 110 Jahre alt; und
sie balsamierten ihn ein, und man legte ihn in eine Lade in Ägypten. So
beginnt also das erste Bibelbuch mit dem Menschen, der das Leben von Gott
eingehaucht bekommen hat, in der Weite des Gartens von Eden, in der
Gemeinschaft mit Gott und es endet mit einer Leiche, in der Enge eines
Sarges, im Ausland. Das ist doch eindrücklich. Der Wendepunkt dazu war der
Sündenfall, Rebellion gegen Gott, Bruch mit Gott.
Rechte der Ausländer
Aber wenn wir in der Bibel nun ein bisschen weiter gehen, dann kommen wir
zum 2. Buch Mose. Dieses Buch beginnt mit Israel im Ausland, in Ägypten,
und es endet mit einem erlösten, nach Hause zurückgekehrten Volk in der
Gemeinschaft mit Gott. Das letzte Kapitel von 2. Mose beschreibt die
vollendete Stiftshütte, die Schechinah, das Zeichen der Gegenwart Gottes,
diese geheimnisvolle Wolken- und Feuersäule. Ich lese 2. Mose 40, 34: Und
die Wolke bedeckte das Zelt der Zusammenkunft, und die Herrlichkeit des
HERRN erfüllte die Wohnung. Also wir haben hier ein zurückgekehrtes Volk,
wörtlich: nach Hause, zum Hause Gottes zurückgekehrtes Volk, in der
Gemeinschaft mit Gott. Der Wendepunkt im 2. Buch Mose ist das Kapitel 12,
die Erlösung durch das Blut des Lammes. Das ist gewissermaßen das
Gegenstück zu 1. Mose 3, das den Menschen in die Entfremdung gebracht hat.
Aus diesen Beobachtungen schließen wir: Israel weiß von Ägypten her, was es
heißt, ein Fremdling, ein Ausländer zu sein. An diese Tatsache schließt die
Bibel eine Menge an grundsätzlichen Belehrungen über die Rechte der
Ausländer an. Wir schlagen 2. Mose 22, 21 auf und da beginnen wir mit
unserer Betrachtung der Rechte des Ausländers in Israel: Und den Fremdling
sollst du nicht bedrängen und ihn nicht bedrücken, denn Fremdlinge seid ihr
im Lande Ägypten gewesen." Also ein erstes Recht, der Fremde darf nicht
bedrängt oder unterdrückt werden. Und das Ganze wird begründet,
verständlich gemacht, mit: Ihr seid ja selbst auch Fremdlinge gewesen in
Ägypten. Ihr wisst, was das bedeutet.
2.Mose 23, 9: Und den Fremdling sollst du nicht bedrücken; ihr selbst
wisset ja, wie es dem Fremdling zu Mute ist, denn Fremdlinge seid ihr im
Lande Ägypten gewesen. Hier wird sogar noch auf das seelische Empfinden
des Ausländers hingewiesen. Ihr wisst ja, wie es einem Ausländer zumute ist
und das soll euch dazu führen, Ausländern gegenüber richtig zu handeln. 3.
Mose 19, 33: Und wenn ein Fremdling bei dir weilt in eurem Lande, so sollt
ihr ihn nicht bedrücken. 5. Mose 24, 14: Du sollst nicht bedrücken den
dürftigen und armen Mietling von deinen Brüdern oder von deinen
Fremdlingen, die in deinem Lande, in deinen Toren sind. Also erstes Recht:
Der Fremde darf nicht bedrängt und unterdrückt werden.
Zweitens: Der Fremde soll sich von seiner Arbeit erholen können. 2. Mose
23, 12: Sechs Tage sollst du deine Arbeiten tun; aber am siebten Tage
sollst du ruhen, damit dein Ochse und dein Esel raste und der Sohn deiner
Magd und der Fremdling sich erhole. Entsprechend ist 5. Mose 5, 14. Weiter
soll dem Fremdling im Weinberg eine Nachlese ermöglicht werden. 3. Mose 19,
10: Und in deinem Weinberge sollst du nicht nachlesen, und die
abgefallenen Beeren deines Weinberges sollst du nicht auflesen: für den
Armen und für den Fremdling sollst du sie lassen. Ich bin der HERR, euer
Gott. Da sehen wir, Gott hat in Israel eine Sozialversicherung
eingerichtet. Das soll gerade eben auch für den Fremdling eine Sicherheit
sein für die Ernährung. Desgleichen auch 5. Mose 24, 21. Dann soll der
Fremde wie der Eingeborene sein, 3. Mose 19, 34: Wie ein Eingeborener
unter euch soll euch der Fremdling sein, der bei euch weilt, und du sollst
ihn lieben wie dich selbst; denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande
Ägypten. Ich bin der HERR, euer Gott. Also der Fremdling soll nicht ein
Mensch zweiter Klasse sein. Man soll ihn lieben, wie sich selbst und es
wird wieder der Vergleich gezogen: Ihr wisst ja, was es heißt, ein
Fremdling zu sein.
Dann gehen wir weiter, 3. Mose 19, 34 (5. Mose 10, 19). Das haben wir ja
schon gelesen. Man soll den Fremden lieben wie sich selbst. 3. Mose 23, 22enthält wieder ein Element der Sozialversicherung: Und wenn ihr die Ernte
eures Landes erntet, sollst du den Rand deines Feldes nicht gänzlich
abernten, und sollst keine Nachlese deiner Ernte halten; für den Armen und
für den Fremdling sollst du sie lassen. Ich bin Jehova, euer Gott. Diese
Anweisung steht grad in Zusammenhang mit dem Pfingstfest, mit dem Fest der
Wochen, welches den Beginn der Weizenernte markierte. Also hier geht es
darum, dass der Fremdling die Möglichkeit haben sollte, auch beim Getreide
seine Nahrung zu sichern. Eine Illustration dazu gibt uns das Buch Ruth.
Ruth als Ausländerin kommt von Moab nach Israel und konnte sich so vom Feld
des Boas ernähren, indem sie dort eben Getreide auflas, sowohl bei der
Gerstenernte (ab der Zeit des Passahs), als auch in der Weizenernte. Beides
findet man im Buch Ruth.
Dann kommt ein wichtiger Grundsatz, 3. Mose 24, 22: Einerlei Recht sollt
ihr haben; wie der Fremdling, so soll der Eingeborene sein, denn ich bin
der HERR, euer Gott. Vergleiche auch 4. Mose 15, 16. Der Fremde ist also
vor dem Gesetz genau gleich zu behandeln wie der eingeborene Israelit. Es
gibt da keine Doppelmoral, für Eingeborene so und für Ausländer so. In 3.
Mose 25, 23 wird das Selbstbild vermittelt, das die Israeliten haben
sollten: Und das Land soll nicht für immer verkauft werden, denn mein ist
das Land; denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir. Die Israeliten
werden also selber als Fremde in dem Land der Verheißung gesehen. Gott
gehört das Land und sie sollen sich quasi bewusst sein, dass es nicht ihr
Eigentum ist unabhängig von Gott. Sondern es ist Gottes Eigentum und sie
dürfen es aus seiner Hand genießen. 4. Mose 15, 14 zeigt, wie auch Fremde
dem HERRN Opfer bringen konnten. Sie hatten also auch eine Möglichkeit, am
Gottesdienst Israels teilzunehmen. Dann Nach 4. Mose 15, 26 kann der Fremde
auch Vergebung von Gott erlangen, so wie Israel: Und es wird der ganzen
Gemeinde der Kinder Israel vergeben werden und dem Fremdling, der in ihrer
Mitte weilt; denn von dem ganzen Volke ist es geschehen aus Versehen. Also
die Opfer konnten nicht nur Vergebung für Israel bewirken, sondern auch für
die Fremdlinge unter ihnen.
In 4. Mose 35, 15 finden wir eine Schutzanordnung im Zusammenhang mit
Haftpflicht. Auch der Fremdling darf bei einem unabsichtlichen Totschlag in
eine der sechs Zufluchtsstädte fliehen: Den Kindern Israel und dem
Fremdling und dem Beisassen in ihrer Mitte sollen diese sechs Städte zur
Zuflucht sein, dass dahin fliehe ein jeder, der einen Menschen aus Versehen
erschlagen hat. Auf Mord stand die Todesstrafe und bei einem Unfall stand
nun der Totschläger in Gefahr, als Mörder behandelt zu werden. Und deshalb
hat Gott im Gesetz Mose sechs Zufluchtsstädte im Land Israel bestimmt und
zwar so verteilt, dass man möglichst von allen Gebieten aus sehr schnell
eine davon erreichen konnte. Und so konnte sich also der Totschläger in
eine dieser Städte flüchten. Die Aufgabe der Bewohner dieser Stadt war es
dann, diesen Totschläger vor Rache zu schützen, bis die ganze Sache vor
Gericht gekommen war und so weiter. Also auch dieser Fremde hat diese
Sicherheit im Fall eines schweren Vorkommnisses in Verbindung mit
Haftpflicht.
5.Mose 1, 16-17. Merken Sie? Wir gehen da nicht nach Themen geordnet
durch, sondern nach Bibelstellen geordnet. Also wir haben schon gesehen,
der Fremde hat die gleichen Rechte vor dem Gesetz. Aber hier wird nun
betont: Und ich gebot euren Richtern in selbiger Zeit und sprach: Höret
die Streitsachen zwischen euren Brüdern und richtet in Gerechtigkeit
zwischen einem Manne und seinem Bruder und dem Fremdling bei ihm. Ihr sollt
nicht die Person ansehen im Gericht; den Kleinen wie den Großen sollt ihr
hören; ihr sollt euch vor niemand fürchten, denn das Gericht ist Gottes.
Die Sache aber, die zu schwierig für euch ist, sollt ihr vor mich bringen,
dass ich sie höre. Auch der Fremdling musste also genau angehört werden
vor Gericht. Darauf hatte er ein Recht. In 5. Mose 10, 18 heißt es über
Gott: Der Recht schafft der Waise und der Witwe, und den Fremdling liebt,
so dass er ihm Brot und Kleider gibt. Und ihr sollt den Fremdling lieben;
denn ihr seid Fremdlinge gewesen im Lande Ägypten. Gott liebt den
Fremdling und gibt ihm Brot und Kleidung. Dazu noch eine Stelle, Psalm 146,
9: Der HERR bewahrt die Fremdlinge, die Waise und die Witwe hält er
aufrecht; aber er krümmt den Weg der Gesetzlosen. Dann wird in 5. Mose 14,
21 erklärt, dass der Fremde, im Gegensatz zu einem Israeliten, Aas essen
darf. Das heißt also, gewisse Rechtsbestimmungen der Thora waren nur für
Israeliten, nicht aber für die Fremdlinge unter ihnen verbindlich. Das
zeigt also, dass es schon einen Unterschied machte, ob man Israelit war
oder Ausländer. Man war als Ausländer also zu weniger verpflichtet. 5. Mose 14, 28-29: Am Ende von drei Jahren sollst du allen Zehnten
deines Ertrages in jenem Jahre aussondern und ihn in deinen Toren
niederlegen; und der Levit - denn er hat kein Teil noch Erbe mit dir - und
der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren sind, sollen
kommen und essen und sich sättigen; auf dass Jehova, dein Gott, dich segne
in allem Werke deiner Hand, das du tust. Also der Fremde darf zusammen mit
den Leviten, Witwen und Waisen von der speziellen Sozialeinrichtung des
Dreijahres-Zehnten profitieren. Nicht wahr, das Abgabesystem nach dem
Gesetz ist kompliziert. Es gibt nicht einfach nur den Zehnten. Wenn man
alle Abgaben zusammen rechnet nach dem Gesetz, die verschiedenen Zehnten
und weiteren Abgaben, die gefordert waren, so bedeutete das für die
ländliche Bevölkerung im Durchschnitt vielleicht 40 Prozent Abgabe. Das
kommt dann schon eher in die Region unserer heutigen Steuerbelastung. Hier
sieht man übrigens auch, wie manchmal so übertragen wird vom Alten aufs
Neue Testament und dann wird gesagt: Christen geben den Zehnten. Das gab es
im Alten Testament gar nicht, einfach den Zehnten, sondern es gab mehrere
Zehnten und viele weitere Abgaben, so dass man schließlich eben etwa 40
Prozent vom Jahreseinkommen abgeben musste. Das Neue Testament spricht
nicht über den Zehnten, sondern sagt im Blick auf Unterstützung der Mission
und der Armen, 2. Korinther 9: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Ohne
eine spezielle, prozentuale Bestimmung zu geben. Es soll im Herzen durch
Gottes Geist gewirkt werden.
Dann wird in 5. Mose 16, 11 in Verbindung mit dem Pfingstfest gesagt:
Und du sollst dich vor Jehova, deinem Gott, freuen, du und dein Sohn und
deine Tochter, und dein Knecht und deine Magd, und der Levit, der in deinen
Toren ist, und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deiner
Mitte sind, an dem Orte, den Jehova, dein Gott, erwählen wird, um seinen
Namen daselbst wohnen zu lassen. Der Fremde darf sich beim Pfingstfest in
Jerusalem mitfreuen. Das Gleiche in 5. Mose 16, 14 beim Laubhüttenfest in
Jerusalem. Dann 5. Mose 23, 7: Den Edomiter sollst du nicht verabscheuen,
denn er ist dein Bruder. Den Ägypter sollst du nicht verabscheuen, denn du
bist ein Fremdling in seinem Lande gewesen. Also die Israeliten dürfen
Ägypter nicht verabscheuen. Man könnte ja einem Fremdling seine
Sozialversicherung gewähren, man könnte ihn vor Gericht recht behandeln,
ihn aber trotzdem verabscheuen. Dieses Problem kennen wir in unserer
Gesellschaft. Aber hier wird speziell die Anordnung gegeben, dass sie ihn
nicht verabscheuen dürfen. In 5. Mose 24, 19 finden wir nochmals eine
Versicherungseinrichtung: Wenn du deine Ernte auf deinem Felde hältst und
eine Garbe auf dem Felde vergissest, so sollst du nicht umkehren, um sie zu
holen: für den Fremdling, für die Waise und für die Witwe soll sie sein,
auf dass Jehova, dein Gott, dich segne in allem Werke deiner Hände. Also
vergessene Garben auf dem Feld sind unter anderem für die Fremden.
In 5. Mose 24, 17 steht, dass das Recht des Fremden nicht gebeugt werden
darf. Und wir lesen 5. Mose 27, 19: Verflucht sei, wer das Recht des
Fremdlings, der Waise und der Witwe beugt! Und das ganze Volk sage: Amen!
Israel musste also zustimmen, dass im Fall von Unrecht vor Gericht
gegenüber einem Ausländer, ein Fluch Gottes über sie käme. Mit dem Amen
wurde das bestätigt. 5. Mose 24, 20 besagt, dass die Oliven-Nachlese unter
anderem den Fremden ermöglicht werden muss. 5. Mose 26, 11 besagt, dass der
Fremde sich beim Erntedank der Erstlingsfrüchte mitfreuen soll. Und in 5.
Mose 28, 43 besagt, sollte Israel als Nation ungehorsam sein, dann würde
der Fremde politisch über sie hinauswachsen: Der Fremdling, der in deiner
Mitte ist, wird höher und höher über dich emporkommen, und du, du wirst
tiefer und tiefer hinabsinken. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht
leihen; er wird zum Haupte, du aber wirst zum Schwanze werden. Also die
Verhältnisse im Land sollen umgekehrt werden, der Fremdling soll
schließlich bestimmend werden im Land, im Gegensatz zu den Eingeborenen.
Dann eine ganz wichtige Sache, nun nicht aus dem Gesetz, sondern im Blick
auf die Zukunft, Hesekiel 47, 22. Da wird etwas gesagt über die
Einbürgerung von Fremden. In diesem Kapitel geht es in der zweiten Hälfte
um die neue Landverteilung Israels im 1000-jährigen Reich. Da wird Israel
das Land Israel von heute zusammen mit großen Teilen von Libanon, Syrien
und Jordanien zugesprochen, ein Großisrael für die Zukunft. Und nun lese
ich ab Vers 21: Und dieses Land sollt ihr unter euch verteilen nach den
Stämmen Israels. Und es soll geschehen: euch und den Fremdlingen, die in
eurer Mitte weilen, welche Kinder in eurer Mitte gezeugt haben, sollt ihr
es als Erbteil verlosen; und sie sollen euch sein wie Eingeborene unter den
Kindern Israel; mit euch sollen sie um ein Erbteil losen inmitten der
Stämme Israels. Und es soll geschehen, in dem Stamme, bei welchem der
Fremdling weilt, daselbst sollt ihr ihm sein Erbteil geben, spricht der
Herr, Jehova." Auch die Fremdlinge, die also schon Nachkommen gezeugt
hatten im Land Israel, sollen dann die gleiche Stellung bekommen, wie die
Eingeborenen. Es wird also eine totale Einbürgerung stattfinden mit dem
Recht auf Grundbesitz.
Pflichten der Ausländer
Ja, jetzt haben wir über die Rechte der Ausländer gesprochen, – und das
hören ja alle Menschen sehr gerne und das wird manchmal den Schülern in der
Schule so beigebracht, was sie alles für Rechte haben, aber von Pflichten
haben sie keine Ahnung. – aber jetzt wollen wir uns auch die Pflichten der
Ausländer in Israel anschauen. Der Fremde musste sich Gottes Ordnung in
Israel unterwerfen. Er musste sich beschneiden lassen, 2. Mose 12, 19.43.48-
49. Er war verpflichtet den Sabbat einzuhalten, 2. Mose 20, 10. Er musste
am Bußtag fasten, am Jom Kippur, 3. Mose 16, 29. Er musste also auch Buße
tun über seine persönliche Schuld. Er musste Opfer zum Tempel bringen, 3.
Mose 17, 8-9. Es war ihm verboten Blut zu essen; der Blutgenuss war
verboten nach 3. Mose 17, 12-13. Auch er musste sich rituell immer wieder
reinigen in einem Ritualbad, 3. Mose 17, 15. Auch er durfte keine Gräuel
begehen, 3. Mose 18, 26. Das kann Götzendienst bedeuten, Homosexualität
oder sonstige Perversionen. Es galt für ihn die Todesstrafe im Fall von
Gotteslästerung, 3. Mose 24, 16. Und ebenso galt die Todesstrafe bei
vorsätzlicher Sünde, 4. Mose 15, 30. Das Gleiche galt natürlich auch für
Israeliten. Und noch zuvor, es gab auch die Todesstrafe bei Kinderopferung,
3. Mose 20, 2. Das ist übrigens in Verbindung mit dem Problem der
Abtreibung, eine ganz bedenkenswerte Regelung. Ich habe grad vor Kurzem im
Internet einen Artikel eingesehen von der WHO und die schreiben: Die
weltweite Abtreibungsrate beträgt 40 -50 Millionen jährlich. Das ist also
keine hochstilisierte Zahl von Abtreibungsgegnern, sondern die WHO schreibt
das offiziell. Und sie gehen davon aus, dass es weltweit 210 Millionen
Schwangerschaften gibt pro Jahr. Das heißt also gegen ein Viertel aller
Schwangerschaften in der ganzen Welt enden mit der Ermordung Kinder. Der
Fremdling durfte auch nur einwandfreie Opfer bringen, 3. Mose 22, 18.
Weiter, das Gesetz der Reinigung durch die Asche der jungen roten Kuh war
auch für ihn vorgeschrieben, 4. Mose 19, 10. Und ganz wichtig, das können
wir aufschlagen, ist 5. Mose 29, 10-13: Ihr stehet heute allesamt vor
Jehova, eurem Gott: eure Häupter, eure Stämme, eure Ältesten und eure
Vorsteher, alle Männer von Israel, eure Kinder, eure Weiber und dein
Fremdling, der inmitten deiner Lager ist, von deinem Holzhauer bis zu
deinem Wasserschöpfer, damit du in den Bund Jehovas, deines Gottes,
eintretest und in seinen Eidschwur, den Jehova, dein Gott, heute mit dir
macht; auf dass er dich heute als sein Volk bestätige, {oder einsetze} und
er dein Gott sei, wie er zu dir geredet, und wie er deinen Vätern, Abraham,
Isaak und Jakob, geschworen hat. Hier geht es um die Abschiedsrede von
Mose am Ende der 40-jährigen Wüstenreise, vor dem Eintritt ins verheißene
Land. Und hier wird gewissermaßen der Bund vom Sinai, den die
Elterngeneration mit Gott geschlossen hatte, mit der zweiten Generation
erneuert. Aber hier wird gleich gesagt, all die Fremdlinge, die unter
Israel waren, mussten mit in diesen Bund mit Israel eintreten.
Weiter mussten sie zuhören beim Verlesen des Gesetzes, 5. Mose 31, 12.
Ich lese ab Vers 9: Und Mose schrieb dieses Gesetz nieder; und er gab es
den Priestern, den Söhnen Levis, welche die Lade des Bundes Jehovas trugen,
und allen Ältesten von Israel. Und Mose gebot ihnen und sprach: Am Ende von
sieben Jahren, zur Zeit des Erlassjahres, am Feste der Laubhütten, wenn
ganz Israel kommt, um vor Jehova, deinem Gott, zu erscheinen an dem Orte,
den er erwählen wird, sollst du dieses Gesetz vor dem ganzen Israel lesen,
vor ihren Ohren. Versammle das Volk, die Männer und die Weiber und die
Kindlein, und deinen Fremdling, der in deinen Toren ist; auf dass sie
hören, und auf dass sie lernen, und Jehova, euren Gott, fürchten und darauf
achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun. Das galt also auch für den
Fremdling; er musste auch in der Bibel unterrichtet werden. Er musste
wissen, was Gott von den Menschen nach dem Gesetz verlangt. Das waren also
die Pflichten des Ausländers in Israel. Es gab also keinen separaten
Religionsunterricht.
Ein wunderbares Beispiel: Ruth
Nun haben wir eine Ausländerin als wunderbares Beispiel in den späteren
Schriften, die den wahren Gott suchte, Ruth. Sie bezeichnet sich als
Fremde, ist nach Israel gekommen und Boas gegenüber sagt sie in Ruth 2, 10:
Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich zur Erde nieder und sprach
zu ihm: Warum habe ich Gnade gefunden in deinen Augen, dass du mich
beachtest, da ich doch eine Fremde bin? Also ein schönes Beispiel wie Boas
sich gegenüber einer Ausländerin verhalten hat. Und ihr Wunsch im Blick auf
Gott wird beschrieben in Ruth 1, 16. Ihre Schwiegermutter wollte sie in
Moab zum Bleiben bewegen, aber Ruth wollte unbedingt nach Israel. Ruth 1,
16-17: Aber Ruth sprach: Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, hinter
dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst,
will ich weilen; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott; wo
du stirbst, will ich sterben, und daselbst will ich begraben werden. So
soll mir Jehova tun und so hinzufügen, nur der Tod soll scheiden zwischen
mir und dir!"
Der Gegensatz zu Ruth
Dann wird in Hesekiel 46, 9 von dem Fremden gesprochen, der sich Gott
nicht unterstellen will. Dies ist nun der Gegensatz zu Ruth. Hesekiel 44,
9: So spricht der Herr, Jehova: Kein Sohn der Fremde, unbeschnitten am
Herzen und unbeschnitten am Fleische, von allen Söhnen der Fremde, welche
inmitten der Kinder Israel sind, soll in mein Heiligtum kommen. Also im
Blick auf jemanden von den Fremdlingen in Israel, der sich diesen Gesetzen
nicht anschließen will, gibt es einen Ausschluss vom Gottesdienst. Dann
finden wir in Psalm 144 das negative Bild des Ausländers, der Ausländer als
Gefahr. In Psalm 144, 7 betet David: Strecke deine Hände aus von der Höhe;
reiße mich und errette mich aus großen Wassern, aus der Hand der Söhne der
Fremde. Vers 11: Reiße mich und errette mich aus der Hand der Söhne der
Fremde, deren Mund Eitelkeit redet, und deren Rechte eine Rechte der Lüge
ist." Also es gibt beides, es gibt den Ausländer, der Gott sucht, der sich
Gott unterstellen will, der sich auch in Israel einfügen will, und den
Ausländer, der eine Gefahr darstellt.
Die Fremdlingsschaft der Patriarchen
Ein nächster Punkt schließt eigentlich wieder daran an, was wir am Anfang
hatten, die Fremdlingsschaft der Patriarchen und des Gesetzgebers Mose. Ja
schon lange vor dem Aufenthalt Israels in Ägypten waren ja die Stammväter
Abraham, Isaak und Jakob Fremde im Land Kanaan. Das wird in 2. Mose 6, 4betont. Und Mose, bevor er Volksführer geworden war, lebte ja 40 Jahre als
Hirte in der Wüste, in Midian. Und in 2. Mose 2, 22 und 18, 3 wird Mose
beschrieben, wie er als Fremdling dort gelebt hatte. Also bereits die
Patriarchen und Mose wussten, was es heißt, jahrzehntelang ein Leben als
Fremdling zu führen. Und den Nachkommen dieser Stammväter hat Gott dann
diese Gesetze gegeben im Blick auf das gerechte Verhalten gegenüber
Fremdlingen. Nun wird uns natürlich deutlich, dass wir all diese
Anordnungen nicht 1:1 auf die Schweiz übertragen können. Und zwar: Warum?
Weil Israel unter dem Gesetz vom Sinai eine Theokratie war, eine
Gottesherrschaft. Die Schweiz ist keine Gottesherrschaft. Die Schweiz hat
christliche Wurzeln, aber sie war in dem Sinn nie ein von Gott regiertes
Land und Volk. Das Gleiche gilt für Deutschland. Also würden wir sagen, das
sollte man auch 1:1 auf unser Land übertragen, dann müssten wir zum
Beispiel auch die ganze Wirtschaftsform ändern, denn die Wirtschaftsform
Israels war ein Kapitalismus, der jeglicher Form bei uns weit überlegen
ist, und war ein Sozialstaat, der jegliche andere Form des Sozialismus in
den Schatten stellt.
Privateigentum
Jeder Israelit hatte ja vom Gesetz her ein Recht auf Grund und Boden.
Also Gott wollte das Privateigentum. Als die Kommunisten gesagt haben,
Eigentum ist Diebstahl, dann ist das eine Lüge. Gott will den Privatbesitz
und schützt ihn auch. Darum wird in den Zehn Geboten gesagt, dass man nicht
stehlen soll. Gott schützt das Eigentum und Gott will das Eigentum. Aber es
war so, dass, wenn jemand zum Beispiel durch Krankheit oder
Schicksalsschläge verarmte, er sein Land an jemand anderen verkaufen
konnte, aber alle 50 Jahre, im Erlassjahr, musste das verkaufte Land wieder
an die ursprüngliche Familie zurück gegeben werden. Dadurch war es
unmöglich, dass sich Großgrundbesitzer beliebig vergrößerten, während die
Masse verarmte. Denn die Großgrundbesitzer waren ganz klar eingeschränkt
und wurden immer wieder auf das normale Niveau zurückgeführt, spätestens
nach 50 Jahren. Und so waren also all diese Exzesse des Kapitalismus bei
uns, einige Wenige besitzen fast alles, nach dieser Gesetzgebung gar nicht
möglich. Und es war auch nicht möglich, dass ein Proletariat entstand, denn
die Familien waren so geschützt, dass sie immer wieder zu ihrem Grundbesitz
kommen konnten. Es gab weitere Anweisungen. In Israel war es verboten,
Zinsen zu nehmen. Nicht nur Wucher war verboten, sondern auch Zinsen. Geld
musste zinsfrei geliehen werden. Ja, sollen wir das auf die Schweiz
übertragen? Ich habe das alles nur aufgezeigt, um damit zu sagen, dass das
Gesetz vom Sinai für Israel, für diese Gottesherrschaft, ein ganzes Paket
ist. Das umfasst alle Gebiete der Wirtschaft, des sozialen Lebens, der
Politik und so weiter. Nun, nur Israel ist das auserwählte Volk und nur mit
Israel hat Gott diesen Bund geschlossen. Aber andere Nationen, die unter
den Einfluss der Bibel gekommen sind, hatten die Möglichkeit, ihre Gesetze
nach diesen Grundprinzipien, nach den Prinzipien der Gerechtigkeit, zu
regeln. Gerade heute, wo es zu so gewaltigen Völkerwanderungen gekommen
ist, sind natürlich all diese Gesetze über die Rechte und auch Pflichten
des Ausländers wichtige Dinge, die es zu bedenken gibt. Und wir sehen, in
welchen Bereichen vielleicht unsere Gesetzgebung völlig versagt hat, also
dass sehr oft nur die Rechte betont werden, aber nicht die Pflichten. Aber
Gott will immer beides.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch

