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Rückkehr aus Ägypten und Wohnort in Nazareth

Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi, Teil 5/90
21.03.2018Matthäus 2,19-23
SERIE - Teil 5 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi

Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du uns an diesem Nachmittag zusammengeführt hast. Danke, dass wir die Zeit haben, dein Wort zu studieren.

Wir danken dir auch, dass wir unter dem Schutz des Staates stehen und die Freiheit des Glaubens genießen dürfen. Für dieses besondere Vorrecht möchten wir dir von Herzen danken.

Wir bitten dich um deinen Segen. Öffne unsere Herzen und unsere inneren Augen, damit wir die Wahrheit deines Wortes erkennen und deine Herrlichkeit sehen können. Amen!

Einführung und Lesung des Predigttextes

Ich möchte alle ganz herzlich begrüßen. Wir setzen heute unsere fortlaufende Betrachtung des Matthäusevangeliums aus messianisch-jüdischer Sicht fort, und zwar in Kapitel 2.

Ich bitte, dass uns jemand ab Vers 19 vorliest und dann gleich weiter bis Kapitel 3, Vers 12.

Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien ein Engel des Herrn Joseph in Ägypten im Traum und sprach: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und zieh in das Land Israel, denn die, die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind gestorben.“

Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter zu sich und zog in das Land Israel.

Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrschte anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen.

Als er aber im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in das Gebiet von Galiläa und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: Er wird Nazarener genannt werden.

Johannes der Täufer kündigt das Reich der Himmel an

In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa. Er spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.

Denn dieser ist der, von dem durch Jesaja, den Propheten, geredet ist. Er sagt: Stimme eines Rufenden in der Wüste, bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade.

Johannes aber hatte seine Kleidung aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Lenden. Seine Nahrung aber war Heuschrecken und wilder Honig.

Da ging zu ihm hinaus ganz Jerusalem, ganz Judäa und die ganze Umgebung des Jordan. Sie wurden von ihm im Jordan getauft, als sie ihre Sünden bekannten.

Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzeer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Ihr Otternbrut, wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?

Bringt nun der Buße würdige Frucht und denkt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag.

Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße. Der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, dem die Sandalen zu tragen ich nicht wert bin.

Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen, dessen Worfschaufel in seiner Hand ist. Er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln.

Die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

Rückkehr aus Ägypten und historische Einordnung des Todes von Herodes

Wir haben also beim letzten Mal gesehen, wie die Eltern Maria und Joseph mit dem Kind nach Ägypten geflohen sind. Außerdem haben wir erfahren, wie der Kindermord von Bethlehem in Jeremia vorausgesagt wurde. Heute geht es ab Vers 19 um die Rückkehr aus Ägypten.

In Vers 19 heißt es: „Als aber Herodes gestorben war...“ Hier stellt sich die Frage, die wir bisher noch nie so genau beantwortet haben: Wann ist Herodes eigentlich gestorben? War es vier Jahre vor Beginn der Zeitrechnung? Haben Sie in Ihrer Bibel eine Bemerkung dazu? Ja, was steht dort? „Caesar eingesetzt.“ Genau, Herodes wurde vom römischen Senat zum König der Juden ernannt, also von Rom.

Es wird meist angegeben, dass sein Tod Mitte des Jahres 4 vor Christus stattfand. Aber wir haben allen Grund, diese Angabe zu hinterfragen. Woher kommt eigentlich die Zahl „4 vor Christus“? Sie ergibt sich aus den Schriften von Josephus Flavius, einem Juden aus dem ersten Jahrhundert. Er wurde 37 nach Christus geboren, war Priester im Tempel in Jerusalem und später als Geschichtsschreiber bekannt.

Josephus verfasste zum Beispiel das Werk „Jüdische Altertümer“, in dem er die jüdische Geschichte vom Alten Testament bis ins erste Jahrhundert beschreibt. Dieses Werk ist eine Fundgrube an Informationen über das Judentum zu biblischen und neutestamentlichen Zeiten. Außerdem schrieb er „Der jüdische Krieg“, das den Krieg beschreibt, der zum Untergang Jerusalems im Jahr 70 führte. Diesen Krieg erlebte er als Augenzeuge mit. Auch hier liefert er enorme Informationen über die Zeitgeschichte des Neuen Testaments.

Josephus Flavius berichtet, dass vor dem Tod von Herodes noch eine Mondfinsternis stattfand. Das ist keine bloße Behauptung, denn in der Astronomie kann man nachrechnen, wann es in Israel eine Mondfinsternis gab. Tatsächlich gab es eine partielle Mondfinsternis im Jahr 4 vor Christus. Allerdings gab es auch eine vollständige Mondfinsternis im Jahr 1 vor Christus.

Bei dieser vollständigen Mondfinsternis lassen sich die Ereignisse im laufenden Jahr zwischen der Finsternis und dem Tod von Herodes viel besser einordnen. Bei 4 vor Christus wird die zeitliche Abfolge sehr eng. Man sieht also, auf welch wackeligen Füßen die Behauptung in vielen Bibellexika ruht – nämlich allein auf der Mondfinsternis.

Jetzt stellt sich die Frage, welche Mondfinsternis gemeint ist. Der entscheidende Punkt ist, dass die spätere Mondfinsternis viel besser zu den biblischen Ereignissen passt. Sie erlaubt eine klarere Einordnung der Ereignisse zwischen der Mondfinsternis und dem Tod von Herodes. Außerdem stimmt sie perfekt mit weiteren biblischen chronologischen Angaben überein.

Der lange Rede kurzer Sinn: Unsere Zeitrechnung ist nicht falsch, wie manche behauptet haben. Es wird oft gesagt, dass sich ein Mönch im Mittelalter bei der Berechnung geirrt habe. Doch das stimmt nicht. Die Zeitrechnung ist genau richtig. Damit fand die Geburt Jesu tatsächlich in den Monaten vor dem astronomischen Nullpunkt statt, historisch etwa 2 vor Christus, astronomisch aber 1 vor Christus – etwas sehr Seltsames.

In der Geschichte gibt es tatsächlich kein Jahr Null. Das ist kein Scherz, sondern Tatsache. Das heißt, von 1 vor Christus bis 1 nach Christus vergeht nur ein Jahr, nicht zwei. In der Astronomie dagegen braucht man eine X-Y-Achse mit einem Nullpunkt, um alles grafisch und mathematisch darzustellen. Deshalb kennt die Astronomie das Jahr Null. Das führt dazu, dass sich alle Vor-Christus-Daten um ein Jahr verschieben.

Ganz praktisch: Wer heute ein Astronomie-Programm benutzt, um den Sternenhimmel beispielsweise 1000 vor Christus über Jerusalem zu betrachten, bekommt 990 vor Christus angezeigt. Obwohl man 1000 eingegeben hat, zeigt das Programm 990. Das liegt daran, dass das Programm astronomisch rechnet, während man historisch denkt. Astronomisch ist das Jahr 1000 vor Christus das Jahr 999.

So verschiebt sich alles um ein Jahr, aber nach Christus sind alle Daten gleich. Historisch ist 1 nach Christus auch astronomisch 1 nach Christus, und 2018 ist astronomisch ebenfalls 2018. Das muss man wissen.

Das Grandiose ist: Wir können aufgrund starker historischer Argumente davon ausgehen, dass die Geburt Jesu astronomisch genau vor dem Nullpunkt stattfand, etwa im August. In dieser Zeit – um die Zeitenwende – starb Herodes. So konnten die Eltern mit dem Kind wieder zurückkehren. Man muss also nicht davon ausgehen, dass die Zeit in Ägypten sehr lang war, aber sie war eine sehr wichtige Zeit.

Die Bedeutung Ägyptens als Zufluchtsort

Ägypten hat dem Messias Asyl gegeben. Das ist etwas Besonderes. Er war im Asyl in Ägypten, und wenn wir über die Bedeutung Ägyptens nachdenken, fällt auf, dass Ägypten schon früher dem Volk Israel Asyl gewährt hat.

Die Israeliten kamen als Asylanten mit Vater Jakob, einer Familie von etwa siebzig Personen, nach Ägypten. Sie durften in Goschen, dem besten Ort im fruchtbaren Nil-Delta, wohnen. Aus dieser Großfamilie ist schließlich das Volk Israel entstanden.

Das war jedoch eine traurige Geschichte. Ein späterer Pharao war nicht mehr freundlich gegenüber Israel. Er wandte sich gegen dieses Volk und machte es zum Sklavenvolk. Dies führte zum Zusammenbruch des ägyptischen Reiches und zum Auszug der Kinder Israel aus Ägypten.

In der Bibel wird festgehalten, dass Ägypten damals Israel Asyl gegeben hat, solange sie es brauchten. Danach sind sie wieder nach Hause gegangen. So kann es also gehen.

Auch der Herr Jesus wurde nach Ägypten gebracht, solange es nötig war. Als die Todesgefahr vorbei war, kehrten sie wieder nach Hause zurück. Das sehen wir hier vor uns.

Warum betone ich das so für Ägypten? Das Lieblingskapitel der Christen in Ägypten ist eines der absoluten Lieblingskapitel des Alten Testaments: Jesaja 19. Es ist ein ganzes Kapitel über Ägypten, eine Prophetie über Ägypten. Darin wird vorausgesagt, dass Ägypten zukünftig unter einen ganz besonderen Segen Gottes kommen wird. Es wird auch Gericht beschrieben, aber dann folgt ein Segen.

Könnte uns bitte jemand Jesaja 19, Vers 21 vorlesen? Dort heißt es: „Und der Herr wird sich den Ägyptern zu erkennen geben, und die Ägypter werden an jenem Tag den Herrn erkennen. Sie werden ihm mit Schlachtopfern und Speisopfern dienen, sie werden dem Herrn Gelübde ablegen und sie auch erfüllen.“

Und dann, in Vers 23: „An jenem Tag wird von Ägypten eine gebahnte Straße nach Assyrien gehen. Der Assyrer wird nach Ägypten und der Ägypter nach Assyrien kommen. Die Ägypter werden mit den Assyrern dem Herrn dienen. An jenem Tag wird sich Israel als Drittes zu Ägypten und Assyrien gesellen und inmitten der Erde ein Segen sein. Denn der Herr der Heerscharen segnet es, indem er sagt: ‚Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assyrien, das Werk meiner Hände, und du, Israel, mein Erbteil!‘“

Das ist eine Prophetie für das tausendjährige messianische Friedensreich. Wenn der Herr Jesus als König der Welt kommen wird und Ordnung in das heutige Chaos bringen wird, wird Ägypten eine ganz besondere Stellung einnehmen.

Ägypten, in der Mitte Israel, und dann Assyrien – das ist der Irak, speziell der Nordirak, das Kerngebiet von Assyrien. Diese drei Länder werden zusammen einen Segen inmitten der Erde darstellen.

Wir müssen bedenken, dass Israel die Landbrücke zwischen den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika ist. Das ist eine einzigartige Position, darum wird Israel auch als „der Nabel der Erde“ bezeichnet. Manche Übersetzungen sprechen vom „Mittelpunkt der Erde“. Das steht in Hesekiel 38, Vers 12.

Im Hebräischen steht dort „Dabur“, was Bauchnabel bedeutet. Dieses Land ist wirklich sehr speziell, so wie der Bauchnabel, der in den Körper hineinführt. Der tiefste Punkt der Welt ist am Toten Meer in Israel. Das ist der absolute Tiefpunkt. Andere Länder rühmen sich, unter dem Meeresspiegel zu liegen, aber nicht vierhundert Meter darunter. Der Nabel der Erde ist wirklich im Land Israel.

In Afrika haben wir Ägypten, in Asien den Irak, und das Land Israel ist genau der Knotenpunkt, die Landbrücke zwischen den Kontinenten. Darum wird dieses Kapitel von den Ägyptern sehr geliebt.

Ägypten wird hier von Gott genannt: „Gesegnet sei mein Volk Ägypten!“ Gott vergisst nicht, dass Ägypten damals Israel Asyl gegeben hatte, zur Zeit von Jakob, dem Patriarchen, und dass dieses Land auch dem Erlöser der Welt Asyl gegeben hatte.

Das ist etwas sehr Feierliches: Der Messias war in Ägypten und kehrte dann von dort mit seinen Eltern nach dem Tod von Herodes zurück in das Land Israel (vgl. Matthäus 2,21).

Politische Umstände bei der Rückkehr nach Israel

Übrigens heißt es wirklich „das Land Israel“, auch im Neuen Testament. Manche Bibelausgaben geben jedoch hinten im Anhang „Palästina“ an. Wie kommt das eigentlich, dass in manchen Bibeln nicht „Israel“, sondern „Palästina“ steht? Woher stammt dieser Name „Palästina“ für das Land Israel?

Die Antwort geht auf die Römer zurück. Die Römer hatten als erstes den Gedanken, alles, was mit Israel zu tun hatte, auszulöschen. Das ist historisch nachweisbar. Allerdings geschah dies nicht im Jahr 70 bei der Zerstörung Jerusalems und des Tempels, sondern erst später, im zweiten jüdischen Krieg gegen die Römer unter Kaiser Hadrian von 132 bis 135 nach Christus. In diesem Krieg starben nochmals mehr als eine Million Juden, ähnlich wie um das Jahr 70.

Hadrian war so wütend auf die Juden, dass er Jerusalem erneut zerstören ließ. Die Stadt wurde unter einem neuen Namen wieder aufgebaut: Elia Capitolina. „Capitolina“ weist auf den Gott Jupiter hin. Die Stadt wurde also nicht mehr Jerusalem genannt, sondern Elia Capitolina und dem Jupiter geweiht. Auf dem Tempelplatz, dort wo das Allerheiligste war und heute der Felsendom der Muslime steht, ließ Hadrian einen Jupiter-Tempel errichten.

Das Land selbst nannte Hadrian „Palästina“. Der Name existierte natürlich schon zuvor als Bezeichnung für das Land der Philister. Die Philister oder „Philistea“ sind im Alten Testament als Bezeichnung für den Gazastreifen und das umliegende Gebiet bekannt. Im Lateinischen entspricht dies „Palästina“. Im Arabischen gibt es diesen Unterschied nicht. Dort sagt man für Philister im Alten Testament „Filastini“. Für die heutigen Palästinenser verwendet man dasselbe Wort „Filastini“.

Die Römer wollten also den Namen Israel auslöschen und gaben dem Land den Namen Palästina. Dieser Name wurde bis ins 20. Jahrhundert für das Gebiet des heutigen Israel verwendet. Dazu gehörten auch der Gazastreifen, das Westjordanland und Jordanien. Während des Ersten Weltkrieges, als die Engländer dieses Gebiet von den Türken eroberten, erklärten sie in der Balfour-Erklärung, dass sie sich dafür einsetzen, in Palästina eine nationale jüdische Heimstätte zu schaffen. Sie verwendeten den Ausdruck „in Palestine“, nicht „im Land Israel“.

Nach dem Krieg erhielt Großbritannien vom Völkerbund das Mandat über Palästina. Schließlich wurde 1948, also vor etwa 70 Jahren, nach Erlaubnis der UNO, ein jüdischer Staat in Palästina gegründet – Israel. Seither spricht man wieder vom Land Israel. Die Römer als Feinde der Juden bewirkten also, dass man nur noch von Palästina sprach.

Daher ist es heute problematisch, wenn man von Palästina spricht. In Vorträgen, wenn ich historisch spreche, sage ich zum Beispiel, die Juden seien 1882 in der ersten Einwanderungswelle nach Palästina gekommen – weil man damals so sprach. Man muss aber erklären, dass die Engländer in der Balfour-Erklärung gesagt haben, die Juden dürfen in Palästina einen Staat gründen. Heute heißt dieses Land wieder „das Land Israel“, und es ist richtig, diesen Ausdruck zu benutzen. Das entspricht auch dem, was wir im Neuen Testament finden, nicht nur im Alten.

In Matthäus 2, Vers 21 heißt es: „Und seine Mutter nahm ihn zu sich und zog in das Land Israel.“ Es ist also das Land Israel, von dem hier die Rede ist.

Es gibt hier aber noch eine politische Besonderheit. Was geschah laut unserem Bibeltext, die Joseph wirklich überraschte? Ein Engel sprach zu ihm. Das war für Joseph nicht völlig neu, denn er hatte solche Erfahrungen schon gemacht. Aber diesmal geschah etwas politisch Großes: Herodes hatte seinen Sohn enterbt und einen anderen als König eingesetzt.

Herodes hatte den vorgesehenen Nachfolger enterbt und einen anderen Sohn zum Herrscher gemacht. In Matthäus 2, Vers 22 steht: „Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrschte – anstatt seines Vaters Herodes –, fürchtete er sich, dorthin zu gehen.“ Archelaus war ein Sohn Herodes’, bekannt für seine Grausamkeit. Er war eigentlich nicht für Judäa vorgesehen. Ursprünglich sollte ein anderer Sohn König werden, doch kurz vor seinem Tod änderte Herodes in einem Wutanfall sein Testament.

Solche Testamentänderungen können Überraschungen bringen. In diesem Fall war es eine sehr schlechte Nachricht. Joseph hatte Angst und wollte nicht nach Judäa gehen. Seine Heimatstadt war Nazareth im Norden, in Galiläa, nicht Judäa. Warum wollte er trotzdem offensichtlich nach Bethlehem gehen? Der Gedanke war, in die Vaterstadt zurückzukehren. Die Vaterstadt Josephs war jedoch Nazareth, nicht Judäa.

Warum also war es ein Schrecken für ihn, dass Archelaus König über Judäa geworden war? Bethlehem liegt in Judäa, und Joseph hatte Angst, dorthin zu gehen, weil Archelaus blutrünstig war.

Doch warum wollte Joseph überhaupt nach Judäa und nicht nach Galiläa, wo er herkam? Vielleicht wollte er in das Haus und die Familie Davids zurückkehren. Joseph war Nachkomme Davids. Um die Zeit der Geburt, so wissen wir aus dem Lukas-Evangelium, Kapitel 2, musste er wegen einer Volkszählung des Kaisers Augustus nach Judäa gehen.

So kam es zur Erfüllung der Prophezeiung in Micha 5, Vers 1. Ich zitiere Matthäus 2, Verse 5 und 6: „Sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht es im Propheten geschrieben: ‚Und du, Bethlehem im Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorgehen, der mein Volk Israel hüten wird.‘“

Diese Prophezeiung stammt aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Der Erlöser, der Messias, sollte in Bethlehem geboren werden. Maria und Joseph wohnten jedoch in Nazareth. Hätte die Geburt dort stattgefunden, wäre die Prophezeiung nicht erfüllt worden. Sie hatten nicht geplant, dringend nach Bethlehem zu gehen, sondern lebten in Nazareth.

Dann kam der Erlass von Kaiser Augustus, dass alle sich einschreiben lassen mussten. Dazu musste man in die Heimatstadt gehen. Weil Maria und Joseph beide von David abstammten, mussten sie nach Bethlehem reisen. Genau zu dieser Zeit wurde Jesus geboren – am richtigen Ort. So erfüllte sich die Prophezeiung.

Dieser Erlass war keine Steuereintreibung, wie oft angenommen. Unter Kaiser Augustus, der ab 27 v. Chr. regierte, gab es drei Steuereintreibungen: 9/8 v. Chr., 7/6 v. Chr. und 13/14 n. Chr.

In Lukas 2, Vers 1 heißt es, dass eine Verordnung des Kaisers Augustus erging, den ganzen Erdkreis (griechisch „oikumenä“, ein Fachausdruck für das römische Reich) einzuschreiben. Die Einschreibung selbst geschah als erste.

Das Wort für Einschreibung ist nicht das typische Wort für Steuereinschreibung („apothimesis“), sondern „apographä“, ein allgemeines Wort für die Erfassung in Listen. Es geht also nicht unbedingt um eine Steuer, sondern um eine Listenerfassung.

Im Jahr 2 v. Chr. war das 25-jährige Jubiläum von Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 2 v. Chr.). Er wurde zum „Pater Patriae“ (Vater des Vaterlandes) ausgerufen, und es wurde verlangt, dass alle im römischen Reich einen Treueeid ablegen. Wie sollte man das kontrollieren? Viele Pharisäer wollten das nicht akzeptieren. Deshalb wurden die Daten in Listen erfasst.

Historisch entspricht 2 v. Chr. astronomisch 1 v. Chr. – das passt wunderbar. So hat Gott diesen Kaiser mit seinem Jubiläum benutzt, damit Maria und Joseph an den richtigen Ort gingen und die Prophezeiung erfüllt wurde.

Offensichtlich überlegte Joseph später, dass, wenn der Messias in Bethlehem geboren werden musste, er auch dort aufwachsen sollte – in der Stadt Davids, wo König David groß geworden war. Nach der Rückkehr aus Ägypten erfuhr Joseph jedoch, dass Herodes in einem Wutanfall alles verändert hatte. Joseph wollte dort nicht bleiben.

Daher war ihm klar, dass sie nach Galiläa ziehen mussten. Dort wurde ein anderer Sohn Herodes’ eingesetzt – nicht als König, sondern als Tetrarch. Ein Tetrarch ist ein Titel niedriger als König. Antipas wurde Tetrarch, und er war zwar auch nicht ideal, aber weniger schlimm.

Das brachte Joseph dazu, nach Galiläa zu gehen. Doch es brauchte noch eine göttliche Weisung. Matthäus 2, Vers 22 sagt: „Als er aber im Traum eine göttliche Weisung empfing, zog er in das Gebiet von Galiläa.“ So kam er zurück nach Nazareth.

Matthäus erklärt, dass das sehr wichtig war. Wären sie in Bethlehem geblieben, hätte sich die Schrift nicht erfüllt. Im Alten Testament heißt es, der Messias werde „Nazaräer“ genannt werden. Jesus war nicht bekannt als „Jesus von Bethlehem“. Er wurde zwar in Bethlehem geboren, wuchs aber in Nazareth auf und hieß deshalb „Jesus von Nazareth“, „Jesus der Nazaräer“.

Diese Prophezeiung findet sich bei Sacharja.

Prophetien über den Messias als Spross und Nazaräer

Schlagen wir auf, Zacharja! In Kapitel 3, Vers 8 haben wir eine Prophetie auf den verheißenden Retter, den Messias. Ich muss erklären, dass auch im Judentum die Rabbiner der Antike diese Stelle als Bezug auf den Messias verstanden haben. Es gibt hier also keine Interpretationsschwierigkeiten.

Was steht über den Messias? Lest doch bitte jemand vor, Zacharja 3, Vers 8, eine Botschaft an den damaligen Hohenpriester von Israel: „Höre doch, Joshua, du hoher Priester, du und deine Gefährten, die vor dir sitzen! Denn Männer des Wunders sind sie, denn siehe, ich will meinen Knecht, Spross genannt, kommen lassen.“

Und dann noch in Kapitel 6, Vers 12 eine weitere Stelle, von der die Rabbiner im Altertum bereits sagten, dass sie vom Messias spricht: „So spricht der Herr der Heerscharen und sagt: Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross, und er wird von seiner Stelle aufsprossen und den Tempel des Herrn bauen.“

Ja, noch weiter: „Ja, er wird den Tempel des Herrn bauen, und er wird Herrlichkeit tragen, und er wird auf seinem Thron sitzen und herrschen, und er wird Priester sein auf seinem Thron, und der Rat des Friedens wird zwischen ihnen beiden sein.“

Hier wird also gesagt: „Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross“, und in 3,8 wird gesagt: „Siehe, ich will meinen Knecht, Spross genannt, kommen lassen.“ Die Interpretation ist im Judentum und im Christentum einhellig: Das ist der Messias.

In Sacharja 6, Vers 13 wird noch erklärt, dass er Priestertum und Königtum in einer Person vereinen wird. Das war im Alten Testament immer getrennt. Gott hat die Gewaltenteilung für Israel eingeführt. Könige sollten aus dem Stamm Juda kommen, aus der Familie Davids, und Priester aus dem Stamm Levi, aus der Familie Aarons.

So war es biblisch gesehen unmöglich, Königtum und Priestertum miteinander zu vereinen. Gott führte die Gewaltenteilung ein, damit nicht zu viel Macht in einer Person vereinigt ist. Denn wir Menschen haben ein Problem: Sobald wir zu viel Macht haben, sind wir in höchster Gefahr, korrupt zu werden.

Das Prinzip der Gewaltentrennung ist also keine Erfindung der Aufklärungszeit. Oft heißt es, die Aufklärungsphilosophie habe das Prinzip geprägt. Tatsächlich ist die Gewaltenteilung ein biblisches Prinzip. In unseren modernen Staaten ist es wichtig, dass es eine Gewaltenteilung gibt.

Aber im Messias wird diese Gewaltenteilung nicht mehr sein, weil er der Vollkommene ist, der von Gott als vollkommener Erlöser gegeben ist. Machtkonzentration ist für ihn kein Problem, darum wird er Priester sein auf seinem Königsthron.

Nun, aber er heißt Spross. Und überall hörte man „Jesus von Nazareth“. Jesus von Nazareth wuchs in Nazareth auf, bis er etwa dreißig Jahre alt war. Dann begann er, öffentlich im Land herumzureisen und zu predigen. Überall war er bekannt als der Nazaräer.

Das Wort Nazareth, dieser geografische Ortsname, kommt im Alten Testament nirgends vor. Alttestamentlich ist Nazareth ein Nobody. Diese Stadt ist geschichtlich später erst entstanden. Es war übrigens, wenn ich „Stadt“ sage, ein armseliger Ort. Zur Zeit Jesu wohnten manche Juden dort sogar in Höhlen.

Man sieht also, man braucht keine Hunderttausenden oder schon gar nicht Millionen von Jahren, um von Höhlenmenschen zu sprechen. Steinzeit ist alle Zeit. Auch heute gibt es Steinzeitkulturen. Das ist nicht eine Frage des Datums, sondern des Lebensstils.

Wenn ein Haus zu teuer ist, kann eine Höhle eben etwas ganz Tolles sein. Ich habe keine persönlichen Erfahrungen, aber ich kann es mir so vorstellen. Man kann sich auch schön einrichten.

Das war Nazareth. Man muss daran denken, dass Nathanael in Johannes 1, als er von Jesus von Nazareth hört, sagt: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ Das zeigt uns, dass dieses Nest nicht gerade ein begehrter Ort war.

Der Name Nazareth hat die Wurzel n-z-r. Die meisten Wörter im Hebräischen und Aramäischen kann man auf eine Wortwurzel zurückführen, normalerweise drei Konsonanten. Das ist etwas ganz Tolles, denn es macht die Wörter in der Sprache durchsichtig. Bei den meisten Wörtern kann man sofort sagen, warum sie so heißen.

Zum Beispiel „Stier“. Wenn ich jemanden frage, warum das Wort „Stier“ so heißt, bekomme ich meist nur die Antwort: „Das hat man immer so gesagt.“ Aber die eigentliche Herkunft müsste man im Duden unter Wortherkunft oder Etymologie nachschauen.

Im Hebräischen ist das kein Problem. Zum Beispiel kommt „Par“ von „Parar“, was „niedertreten“ bedeutet, also der Niedertrampler. So kann man die Wörter ganz allgemein sofort herleiten.

Nun kommt Nazareth von „Näzer“, und das heißt „Spross“, eigentlich „grüner Spross“. Auf gut Deutsch könnte man Nazareth mit „Sprosslingen“ oder „Zweiglingen“ übersetzen. Damit hat sich die Prophetie erfüllt: „Siehe, mein Knecht, Spross genannt, wird kommen.“ Und er wird Nazaräer genannt.

Interessant ist, dass gerade Leute, die dem Christentum fernstehen, oft distanziert von „Jesus von Nazareth“ sprechen. Doch jedes Mal, wenn sie diesen distanzierten Ausdruck benutzen, erfüllen sie selbst die Heilige Schrift: „Er soll Nazaräer genannt werden.“

Vielleicht noch eine weitere Stelle dazu, Zacharja und Jesaja 11. Das ist auch im Judentum eine bekannte Stelle, die vom Messias spricht, also auch hier keine Interpretationsprobleme.

Roland, liest du? Jesaja 11, Verse 1 und 2: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.“

Hier erklärt sich übrigens, woher das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ kommt. Da von Jesse sprach Jesaja. Aber es ist keine Rose gemeint, sondern eben dieses Reis, das hervorsprosst aus dem Stumpf Isais.

Das Bild ist hier ein abgeschlagener Baum. Im Stammbaum geht es zurück auf Isai, den Vater von König David. Das Traurige ist, dass David König in Israel wurde, ebenso seine Söhne, Salomo, Rehabeam und so weiter, bis zur babylonischen Gefangenschaft.

Das Königtum wurde abgeschnitten, und diese Linie hat die königliche Würde verloren. Das ist der Stumpf, abgeschnitten bis auf Isai, der selbst nicht König war. Das Königtum ist abgeschnitten.

Aber aus diesem Stumpf wird ein Reis hervorkommen, ein Baum, der plötzlich wieder beginnt zu sprießen. Ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Das Wort „Schössling“ heißt auf Hebräisch „Näzer“.

Maria stammt auch von David ab, aber nicht über die königliche Linie. Darum ist die Königslinie quasi abgeschnitten, aber aus einer Seitenlinie, aus dem Stumpf Isais, kommt ein Schössling – das ist der Messias, der Näzer.

So haben wir also genau dieses Wort, das in Nazareth enthalten ist. In Zacharja 3 und 6 steht für Spross „Zemach“, was ebenfalls „Spross“ oder „Schössling“ bedeutet.

Das war natürlich ein Wortspiel: Jesaja spricht von „Er wird Zemach, Spross genannt werden“, und dann redet man dauernd von „Jesus von Nazareth“. Nazareth, Netzer, Spross – das ist es ja. Er wird Spross genannt.

Das sind zwei gleichbedeutende Wörter, die sich so überschneiden: Zemach und Nezer. Darum habe ich noch hingewiesen: In Jesaja 11 haben wir sogar direkt das Wort Nezer.

Habe ich deine Frage beantwortet, Philipp, oder bin ich darüber hinweggegangen?

Nein, nein, Herr Ebensack. Ich habe nur angemerkt, dass Maria zwar von David abstammt, aber nicht über die königliche Linie, denn die wurde abgeschnitten und sogar verflucht. Jeremia 22, letzter Abschnitt, verflucht den letzten König dieser Linie und sagt, dass nie mehr ein Same aus dieser Linie König werden wird.

Das haben wir ja schon im Zusammenhang mit Matthäus 1 besprochen, wie Jesus Christus das Anrecht auf den Königsthron hat, ohne aus dieser verfluchten Königslinie zu stammen.

Es ging um die Verheißung an David, dass aus ihm der Messias kommen soll. Das hatten wir damals ausführlich im Zusammenhang mit dem Geschlechtsregister in Matthäus 1 besprochen.

Darum können wir sofort weitermachen und auch die Zeit bis zur Pause ausnutzen.

Ja, natürlich, klar. Wir sind flexibel – oder sollten es wenigstens sein.

Mir ist noch aufgefallen, dass in Matthäus 2, Vers 23 kein wörtliches Zitat steht. Du hast aber sehr gut mit den anderen Stellen, Zacharja und Jesaja, begründet.

Im Unterschied zu anderen wörtlichen Zitaten steht hier nicht „Durch den Propheten“ oder „Durch den Propheten Jeremia“ oder „Jesaja“. Stattdessen heißt es „Durch die Propheten“ und es wird keine Stellenangabe genannt.

Dieser Ausdruck „Er wird Nazarener genannt werden“ steht dort und dort nicht explizit, aber ich denke, das zeigt noch mehr, dass wenn man Jesaja 53 liest – er war verachtet und verlassen von den Menschen – oder Jesaja 45, er war der von jedermann Verachtete, und Gott hat ihn als den Heiligen Israels erwählt – dann bezeugen es alle Propheten, dass er der leidende Messias sein wird, der verachtet wird.

Wie du sagst, die Mehrzahl „Propheten“ bedeutet, dass man es in Sacharja 3 und 6 findet, in Jesaja 11, Vers 1, in Jeremia 23, Vers 5 – wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht – auch in Jesaja 53 steht es, wie ein Wurzelspross, ganz genau. Und das war Jeremia 23, Vers 5.

Darum sprechen die Propheten davon, dass er „Spross“ genannt werden soll.

Übrigens hat das mit „Nasir“ gar nichts zu tun. Das Wort „Nasir“ in 4. Mose 6 bezeichnet speziell Gott Geweihte und ist ein ganz anderer Wortstamm. Nicht „Nazar“ ist die Wurzel, sondern „Nazar“ wie das französische „Zero“ – Nazar.

Der Nasir und der Nazaräer sind also verschieden. Nazaräer kommt von „Nezer“.

Gut, jetzt haben wir etwas ganz Interessantes in Matthäus 2: Der Messias sollte in Bethlehem geboren werden, er sollte aus Ägypten kommen – Micha sagt, er kommt aus Bethlehem, Hosea 11 haben wir letztes Mal gesehen, er kommt aus Ägypten, und die Propheten Sacharja, Jeremia, Jesaja sagen, er kommt aus Nazareth.

Wie geht das zusammen? Ganz einfach: Er wird in Bethlehem geboren, aus Ägypten gerufen.

 Matthäus 2, Vers 15: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Nicht dort geboren, aber er ging hin, um Asyl zu haben, und kam zurück.

So hat sich erfüllt: „Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.“ Nazaräer wird er genannt – nicht in Nazareth geboren, aber er wird Nazaräer genannt, weil er dort aufgewachsen ist.

So ist Gottes Wort, und am Schluss erfüllt sich alles und fügt sich zusammen wie ein Puzzle.

Auftreten von Johannes dem Täufer und historische Einordnung

Und nun gehen wir weiter zu Kapitel drei. In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer.

Ja, aber jetzt machen wir einen Zeitsprung. Wie viele Jahre springen wir da? Wie? Oder 28? Ja, so ungefähr können wir das sagen. Warum? Weil das Auftreten von Johannes dem Täufer ab dem fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius stattfand.

Schlagen wir das auf Lukas 3,1. Würdest du, Andreas, uns diese Stelle vorlesen? Lukas 3,1-5:

„Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war, und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Vierfürst von Iturea und der Landschaft Drachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene, unter dem hohen Priestertum von Annas und Caiaphas, erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Umgebung des Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas des Propheten: Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade! Jedes Tal wird ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zu einem geraden Weg, und die Unebenen werden zu ebenen Wegen, und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.“

Vielen Dank! Also, da wird genau datiert, wann Johannes der Täufer auftrat. Lukas schreibt vom fünfzehnten Jahr des Kaisers Tiberius.

In Wikipedia kann man nachschauen, wann Kaiser Augustus gestorben ist und wann Tiberius ihm folgte: Vierzehn nach Christus. Also 14 plus 15 ergibt 29 nach Christus. Übrigens muss man nicht unbedingt in Wikipedia nachschauen, man kann auch ein noch renommiertes Lexikon nehmen, zum Beispiel die Encyclopaedia Britannica. Dort steht dasselbe.

Vierzehn plus fünfzehn bringt uns also in das Jahr 29 nach Christus. Aber sehen wir, wie Lukas das datiert. Er sagt nicht nur, dass Kaiser Tiberius im fünfzehnten Jahr regierte, sondern auch, dass Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war.

Das wissen wir aus anderen Quellen, er war Statthalter von 26 bis 36 nach Christus. Das deckt sich also mit dem Jahr 29. Und das ist noch nicht alles: Er sagt auch, dass Herodes Tetrarch von Galiläa war. Das ist eben dieser Herodes, der auf den Thron kam in Galiläa. Weil er nicht so schlimm war, ging Joseph nach Nazareth.

Herodes herrschte also auch in dieser Epoche noch. Dann wird gesagt, sein Bruder Philippus war Tetrarch von Iturea, der Landschaft von Drachonitis. Und ein weiterer, Lysanias, war Vierfürst von Abilene, auch ein kleines Gebiet auf der anderen Seite des Jordans, heute in Jordanien.

Annas und Kajaphas waren in dieser Zeit Hohepriester. Sieben historische Personen werden herangezogen, um das genau zu datieren. So arbeitet ein gründlicher Historiker, aber nicht ein Märchenschreiber.

Man muss sich das mal anhören, wenn Freidenker über die Bibel spotten, besonders im Dezember, der Zeit der Märchenbücher usw. Wie schreibt man ein Märchen? Zum Beispiel die Brüder Grimm: „Es war einmal...“ und dann kommt das mit Hänsel und Gretel.

Man möchte gerne wissen, wo das war, in welchem Wald sie sich verirrt haben. Vielleicht im Schwarzwald, aber wer weiß, vielleicht auch in den Vogesen. Und dann die Frage: Zu welcher Zeit war das? Vielleicht zur Zeit Karls des Großen um 800.

Aber Märchenschreiber bemühen sich nicht, das war zur Zeit, als Karl der Große Herrscher des Heiligen Römischen Reiches war, und als der und der Fürst dort und dort über Preußen herrschte. Nein, das ist nicht wichtig, es ist ja auch nie geschehen.

Es kommt nicht darauf an, wann und wo, ob im Schwarzwald oder in den Vogesen oder sonst wo, denn es ist nirgendwo geschehen und hat nie stattgefunden.

Aber hier geht es um wirkliche Dinge, die in Raum und Zeit passiert sind. Darum ist die Bibel ganz anders geschrieben. Man kann es nachvollziehen und sehen: Aha, das war also zur Zeit dieser Leute, da trat Johannes der Täufer als Prediger auf und brachte ganz Israel in Bewegung.

Haben wir das in Matthäus 3 gesehen? Dort heißt es in Vers 5: „Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa, das ist ganz Süd-Israel, und die ganze Umgebung des Jordan.“

Da haben wir also das Jordantal und die ganze Umgebung darum herum. Und alle kamen aus ganz Israel an den Jordan, um Johannes den Täufer zu hören und sich von ihm taufen zu lassen.

Nun schreibt Josephus Flavius, der Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert, aus Sicht des Judentums, in „Jüdische Altertümer“ Buch 18, Kapitel 5, Abschnitt 2, über Johannes den Täufer.

Er beschreibt ihn aus außerbiblischer Sicht als einen Juden, der nie messianischer Jude wurde, aber das Judentum jener Zeit vertrat. Dort heißt es, manche Juden seien der Ansicht gewesen, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorn Gottes zuzuschreiben.

Dieser Zorn sei die gerechte Strafe für die Tötung Johannes des Täufers gewesen. Herodes Antipas, der Tetrarch in Galiläa, hatte Johannes den Täufer entthront und hinrichten lassen.

Johannes hatte Herodes immer wieder gesagt: „Diese Frau, die du hast, die darfst du gar nicht haben.“ Denn Herodes hatte die Frau seines Bruders genommen — eine perverse Handlung.

Herodes ärgerte sich darüber sehr, ließ Johannes deshalb einkerkern. Dann kam die bekannte Geschichte mit dem Geburtstag, bei der ein Mädchen tanzte, und man ihm sagte: „Wünsche dir, was du willst.“ Die Mutter des Mädchens forderte den Kopf von Johannes dem Täufer.

So ließ Herodes diesen edlen Mann hinrichten, obwohl Johannes die Juden ermahnte, nach Vollkommenheit zu streben, Gerechtigkeit gegeneinander zu üben und Frömmigkeit gegenüber Gott zu zeigen, um zur Taufe zu kommen.

Denn Johannes verkündete, die Taufe Gottes werde angenehm sein, wenn sie nicht nur zur Heiligung des Leibes, sondern auch zur Vergebung der Sünden angewandt werde.

Interessant — das hätten die Lutheraner damals schon hören sollen, obwohl es sie noch nicht gab.

Johannes lehrte, dass die Taufe nur eine äußere Waschung sei, die jedoch ausdrücke, dass jemand vorher einen Gesinnungswandel durchgemacht habe. Die Taufe selbst bewirke nichts Mystisches.

Die Seele sei dann schon vorher durch ein gerechtes Leben quasi entzündet, und das geschah durch Buße und Umkehr, so sagt uns das Neue Testament.

Nun, aufgrund der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden strömte eine große Menschenmenge zu Johannes. Herodes fürchtete das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien.

Er befürchtete, Johannes könnte das Volk zum Aufruhr treiben. Daher hielt er es für besser, ihn rechtzeitig aus dem Weg zu räumen, bevor eine Wendung der Dinge eintrat, bei der es zu spät wäre, Reue zu empfinden.

Auf diesen Verdacht hin ließ Herodes Johannes in Ketten legen und in die Festung Machärus bringen, die im heutigen Jordanien liegt, und dort hinrichten.

Sein Tod war nach Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb Herodes’ Heer vernichtet wurde. Gott habe in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen verhängt.

Das ist ein interessantes außerbiblisches Zeugnis, das ganz klar bezeugt, dass Johannes Israel in Bewegung gebracht hatte.

Und dieser Johannes hat nach Johannes 1,29 gesagt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.“

Er hat ganz klar auf den Nazarener hingewiesen, dass dieser derjenige ist, der Jesaja 53 erfüllen wird. Dort wird der Messias als Lamm beschrieben, das zur Schlachtung geführt wird.

Darum muss man sagen, Johannes war eine Sensation in ganz Israel. Er brachte das ganze Volk in Aufruhr und stellte es vor die Frage: Wer ist der Mann von Nazaret? Der Messias oder ein Aufrührer?

Jetzt machen wir eine Pause und fahren dann gleich mit Johannes weiter.

Wir haben gesehen, dass das Auftreten von Johannes dem Täufer im Jahr 29 nach Christus stattfand, das kann man genau nach Lukas 3 datieren.

Übrigens steht gerade in den Versen davor, in Lukas 3,23, dass Jesus damals begann, etwa dreißig Jahre alt zu werden. Er war noch nicht genau dreißig, aber begann, dreißig Jahre alt zu werden.

Wenn wir von 29 nach Christus knapp dreißig Jahre zurückrechnen, kommen wir astronomisch auf das Jahr minus eins. Das zeigt, dass es korrekt ist, mit der vollständigen Mondfinsternis vor dem Tod von Herodes dem Großen zu rechnen.

Wir hatten gesehen, dass Josephus Flavius im Zusammenhang mit einem Wutanfall eines unbeherrschten Königs berichtet — dazu möchte ich noch eine Stelle aus Psalm 76 aufschlagen.

Darf ich bitten, Andreas, bitte Vers 9 vorzulesen?

„Du ließest Gericht hören vom Himmel her, die Erde fürchtete sich und wurde still, als Gott aufstand zum Gericht, um zu retten alle Demütigen auf Erden.“

Und jetzt kommt der nächste Vers, in deiner Zählung Vers 11, richtig?

„Denn selbst der Grimm des Menschen wird dich preisen, auch noch mit dem Rest des Grimms wirst du dich gürten.“

Genau so war es. Der Grimm des Menschen diente letztlich Gottes Plänen.

Das ist ein Beispiel für die sogenannte Souveränität Gottes. Gott steht über allem. Er hat mit dem Bösen nichts zu tun. Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm (1. Johannes 1,5).

Aber selbst die bösen Entscheidungen der Menschen müssen letztendlich Gottes Plänen dienen, und das ist auch hier geschehen.

Wir waren ja bei Johannes dem Täufer. In Kapitel 3, Vers 1 steht: „In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer.“

Wir haben schon gesagt, das sind etwa 28 Jahre nach den Ereignissen in Kapitel 2. Das hilft uns zu verstehen, wie man sich in dieser Sprache ausdrückte.

Matthäus war übrigens Jude, seine Muttersprache war Hebräisch oder Aramäisch — zwei eng verwandte Sprachen. Er sprach so, wie es damals üblich war.

Im Deutschen würde man nie so schreiben: „In jenen Tagen“ und dann 28 Jahre später. Aber man muss, das ist ganz wichtig, an Fremdsprachen immer so herangehen, dass man ihnen nicht vorschreibt, wie sie funktionieren sollen, sondern einfach wahrnimmt, wie sie tatsächlich sind.

Das ist in der Linguistik wichtig, in der Sprachwissenschaft hat sich das stark geändert. Grammatik ist nicht mehr preskriptiv, sondern deskriptiv.

Das bedeutet: Grammatik schreibt nicht vor, wie man sprechen und schreiben soll, sondern beschreibt, wie man spricht und schreibt.

Das ist wichtig, dann kommt man nicht auf die Idee zu sagen, das sei nicht korrekt. Natürlich ist es korrekt. Zu jener Zeit hat man sich so ausgedrückt, so war die Sprache üblich.

Schauen wir mal im Alten Testament, Jesaja 11, Verse 1 und 2. Dort wird der Messias beschrieben, aus dem Stumpf Isais. In den weiteren Versen wird beschrieben, wie er in der Zukunft als gerechter König auf der Erde auftreten wird.

In diesem Zusammenhang möchte ich jemanden bitten, Jesaja 11,11 vorzulesen.

Dort heißt es: „An jenem Tag wird der Herr ein zweites Mal seine Hand ausstrecken, um den Überrest seines Volkes, der übrig bleiben wird, loszukaufen aus Assyrien und Ägypten, aus Patros, Äthiopien, Elam, Sinea, Hamad und von den Inseln des Meeres.“

Da wird die Zeit des Messias beschrieben, wenn er auf Erden herrschen wird, mit anderen Worten: das tausendjährige Friedensreich.

Was bedeutet „an jenem Tag“? Bedeutet das einen bestimmten Kalendertag? Nein. „Bejom“ auf Hebräisch, „jenem Tag“, ist ein fester Ausdruck, um eine Zeitepoche zu beschreiben.

Wenn man „heutzutage“ sagt, dann kommt das Wort „heute“ darin vor. Aber „heute“ hat dort nichts zu tun mit dem Datum, das wir heute haben. „Heutzutage“ meint die Epoche, in der wir heute leben.

Und so ist es auch bei „an jenem Tag“ oder „in jenen Tagen“ in der Prophetie: Es meint eine Epoche.

Man kann alle Propheten durchlesen, aber ich empfehle besonders Zacharja 12 bis 14. Dort heißt es ständig „in jenen Tagen“, „an jenem Tag“. Der Ausdruck meint die Endzeit als Epoche.

Es ist wichtig zu sehen, dass Jesaja 11,11 sagt, Gott wird sein Volk zum zweiten Mal sammeln und zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken.

Das erste Mal, als Gott seine Hand ausstreckte, war, als er Israel aus Ägypten führte.

Hier wird gesagt, in jener Epoche wird Gott zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken und sein Volk sammeln aus Assyrien (heute Nordirak), Ägypten (Mitzraim, Unterägypten, Alexandria, Nil-Delta bis Kairo), Patros (Oberägypten, Nil aufwärts), Äthiopien (Kusch, Sudan), Elam (Persien), Sinea (Südirak), Hamad (Syrien) und von den Inseln des Meeres (Iyim).

„Iyim“ ist im Alten Testament ein spezieller Begriff für Europa, die griechischen Inseln im Mittelmeer auf der europäischen Seite, aber auch das Festland.

Das hat sich bereits erfüllt. Die ägyptischen Juden sind in den vergangenen Jahrzehnten ausgewandert und viele nach Israel gekommen.

Die irakischen Juden sind praktisch alle aus Assyrien und Sinea gegangen, heute gibt es dort vielleicht noch 30 Juden, aber Abertausende sind in den letzten Jahrzehnten ausgewandert.

Die persischen Juden sind zu Aberzehntausenden ausgewandert, schon bei der Revolution 1978, als der Schah gestürzt wurde.

Auch aus Syrien in Hamad sind Juden in großer Zahl gegangen und natürlich Hunderttausende aus Europa.

Gerade als die Nazizeit begann, sind viele Juden, die wach waren, gegangen. Die meisten blieben, und dann kam die Katastrophe. Aber etwa 250.000 sind vorher noch gegangen.

So sind sie losgekauft worden und ins Land zurückgekehrt. Das hat sich heute schon erfüllt.

Darum ist es umso interessanter: Es wird geschehen an jenem Tag, in dieser Epoche, dass der Messias regieren wird.

Wir leben in der Epoche, in der Jesus Christus als König der Welt kommen wird. Ich habe kein Datum genannt, nicht drei Jahre oder 15 Jahre, aber wir sind in dieser Epoche.

„In jenen Tagen“ kann mehrere Jahrzehnte umfassen, so wie in Matthäus 3.

Was ist das im Vergleich zu den vergangenen 2000 Jahren, als die Juden weltweit zerstreut waren?

Jetzt sehen wir: Sie sind aus Ägypten gegangen, und ich habe genau kontrolliert, woher sie kamen — aus Oberägypten, Unterägypten, ich kann genau die Ortschaften angeben, und aus Irak, Sudan und Äthiopien. Auch dort sind Tausende nach Hause gegangen.

Alles hat sich so erfüllt. Wir leben in der Epoche der Endzeit.

Vielleicht noch eine Stelle aus Joel 3. Dort hört man die Stimme des Messias in Ich-Form.

Wer liest Joel 3,1? Wahrscheinlich ist es in deiner Bibel Joel 4,1 und 2. Es steht dasselbe, nur mit anderer Zählung.

„Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich die Gefangenschaft Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie in die Talebene Josaphat hinabführen. Dort werde ich mit ihnen rechten über mein Volk und über mein Erbteil Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben, und mein Land haben sie geteilt.“

Die Gefangenschaft oder das Schicksal Judas und Jerusalems wird gewendet.

Der gleiche Ausdruck wird in Hiob 42 verwendet. Hiob wurde aus einer schweren Krankheit geheilt, und es heißt, der Herr habe die Gefangenschaft Hiobs gewendet.

Das bedeutet natürlich nicht, er war im Gefängnis, sondern sein Schicksal wurde gewendet.

Und auch hier: „Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Schicksal Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln in die Talebene Josaphat.“

Der Messias sagt, er wird dort sein und mit ihnen rechten.

Das ist die Epoche, in der das jüdische Schicksal eine Wende erfährt, ebenso das Schicksal der Stadt Jerusalem.

Das Tal Josaphat ist das Tal zwischen Tempelberg und Ölberg, dort, wo es breit ist, gerade unterhalb des Goldenen Tores.

Dort wird er die Völker versammeln und mit ihnen rechten.

Wir leben genau in der Zeit, in der das jüdische Schicksal sich zu wenden begann. Ab 1882 kam die erste massive Einwanderung von Tausenden Juden, damals aus Russland, heim ins Land.

Dann folgten weitere Wellen: zweite, dritte, vierte, fünfte und so weiter, bis heute drei Millionen.

Wir sind zurückgekehrt.

In den vergangenen Jahrhunderten war das unmöglich. Nach jedem Passafest in aller Welt grüßte man sich mit „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Doch im nächsten Jahr war man wieder am gleichen Ort, nichts geschah, es war unmöglich.

Plötzlich kam die Wende ab 1882, mit vielen Einwanderungswellen aus aller Welt.

Das Schicksal Judas wird gewendet, ebenso das Jerusalems.

Zuerst wollte die UNO Jerusalem nicht den Juden geben. Der UNO-Beschluss von 1947 sah vor, Jerusalem als internationalen Korpus zu verwalten.

Die Araber wollten die Juden vernichten, und die mussten Westjerusalem verteidigen. Dann teilten die Araber Jerusalem mit einer Mauer, bis zum Sechstagekrieg.

Sie sagten, sie würden die Juden total vernichten. Doch dann wurde Ostjerusalem erobert. Später erklärte die Knesset Jerusalem zur Hauptstadt Israels, doch die Welt erkannte das nicht an.

Jetzt sagte Mr. Trump: „Okay, wir machen aus unserem Konsulat in Jerusalem gleich die Botschaft.“ Man muss nicht Jahre warten, bis es so weit ist.

Die Fakten werden einfach geschaffen.

Man sieht, wie das Schicksal Jerusalems in einem Prozess gewendet wird.

Gerade 1967 war das dramatisch, als Tempelberg und Ostjerusalem erobert wurden und die Mauer entfernt wurde, ähnlich der Berliner Mauer.

So sehen wir, wie sich das Schicksal Judas und Jerusalems in einem Prozess wendet.

Die Bibelstelle sagt: „In jenen Tagen und in jener Zeit, wenn dieses Schicksal gewendet wird, dann wird der Messias in der Talebene Josaphat sein und die Völker zur Rechenschaft ziehen.“

Unter anderem, weil sie das Land geteilt haben.

Wann haben sie das Land geteilt?

Die Engländer erklärten in der Balfour-Deklaration, in Palästina solle ein Judenstaat entstehen.

Nach dem Krieg gaben die Engländer 77 Prozent des Landes, das ganze Palästina im Osten, heute Jordanien, den Arabern. Das war die erste Teilung Palästinas.

Dann kam 1947 die zweite Teilung durch die UNO-Abstimmung im November.

Die Juden bekamen nicht 23 Prozent, sondern nur 12,7 Prozent. Das war die zweite Teilung Palästinas.

Sie bekamen nicht einfach den Rest auf der anderen Seite. Nein, 23 Prozent für Juden, 77 Prozent für die Araber — nein, nur 12,7 Prozent für die Juden.

Da wurde das Land nochmals geteilt.

Gott wird die Völker zur Rechenschaft ziehen über diese offiziellen Teilungen Palästinas.

Hier steht nicht Palästina, sondern: „Sie haben mein Land geteilt.“ Es ist das Land Gottes.

Das war also ein kleiner Exkurs, ausgehend von Matthäus 3,1: „In jenen Tagen“, also etwa dreißig Jahre.

„In jenen Tagen“ — der Ausdruck kann eine geschichtliche Epoche von längerer Dauer umfassen.

Im Kontrast zu den fast 2000 Jahren der Staatenlosigkeit und Zerstreuung des jüdischen Volkes wird diese Epoche gesehen als verbunden mit dem tausendjährigen Friedensreich, das folgen wird.

Historische Argumente für das Recht Israels auf das Land

Nur eine Verständnisfrage: Wenn man jemandem den Konflikt zwischen der Landteilung und Israel erklären möchte, ohne sich auf das Wort Gottes zu berufen – denn wir glauben ja, dass es das Land Gottes ist und es Israel gehört – wie kann man das tun?

Genau, diejenigen, die sich nicht auf die Bibel berufen oder nicht daran glauben, sagen meistens, die Araber oder Palästinenser seien die letzten gewesen, die dort gelebt haben. Die Israeliten hätten sie praktisch aus dem Land vertrieben. Gibt es eine Möglichkeit, ohne zu sagen: „Es ist das Land Gottes, weil es die Bibel sagt“, das so zu erklären, dass jemand verstehen könnte, dass es trotzdem das Land Israel ist?

Gut, also ich versuche, deine Frage am Mikrofon zu wiederholen und auf den Punkt zu bringen: Gibt es eine Möglichkeit, solchen Menschen, die die Bibel nicht anerkennen, klarzumachen, dass Israel, das jüdische Volk, ein Anrecht auf das Land Israel hat, obwohl gesagt wird, die Juden hätten in der heutigen Zeit den Arabern das Land weggenommen?

Ja, das geht sehr wohl. Das Problem ist, dass die Öffentlichkeit im Allgemeinen die Geschichte nicht kennt – weder die Geschichte der Juden noch die Geschichte des Landes Israel. Es gibt die Meinung, die Juden seien in aller Welt gewesen, aber nicht in Palästina, und jetzt kämen sie und würden die bisherigen Einwohner vertreiben.

Der Punkt ist: Es gab immer eine jüdische Präsenz im Land, durch alle Jahrhunderte hindurch. Natürlich, im Jahr 70 nach Christus, als Jerusalem zerstört wurde und der Tempel, gab es massive Fluchtwellen. Und dann beim zweiten Krieg der Römer gegen die Juden um 135 nach Christus unter Kaiser Hadrian gab es wieder eine riesige Fluchtwelle. Zusammen sind zum Beispiel über eine Million Juden nach Mesopotamien geflohen, dem heutigen Irak. Aber die jüdische Bevölkerung war immer noch da.

Auch später, als die Muslime aus Saudi-Arabien kamen und Jerusalem 638 nach Christus eroberten – kurz nach dem Tod von Mohammed, als sie die Welt erobern wollten – waren die Juden weiterhin dort. Durch den Islam und seine Unterdrückung wurden wieder Juden vertrieben, aber nicht alle. Es gab eine jüdische Präsenz durch alle Jahrhunderte hindurch, sodass der Faden nie abgebrochen wurde.

Durch Verfolgung und Unterdrückung erreichte die jüdische Bevölkerung um 1800 einen absoluten Tiefpunkt. Da gab es noch etwa 5.000 Juden. Aber man muss sich auch klar sein: Es gab damals auch nicht viele Araber. Als Mark Twain 1866 das Land der Bibel, also Palästina, besuchte, schrieb er in „Innocence Abroad“ („Die Unsträflichen im Ausland“): Das Land sei spärlich bewohnt, habe nichts Liebliches für das Auge, sei ein Land ohne Perspektive, gebrochen, ohne Hoffnung. Es war also kein reich bewohntes Land, sondern spärlich besiedelt.

Ab 1882 begann dann die erste massive Einwanderung von Juden. Aber zu sagen, die Juden hätten kein Anrecht auf das Land, weil sie immer vertrieben wurden, ist nicht richtig. Die Europäer, insbesondere die Römer, spielten eine wesentliche Rolle bei der Vertreibung der Juden. Europa sollte sich deshalb in dieser ganzen Sache zurückhalten. Die Verbindung zwischen den Juden und dem Land war immer noch da.

Noch ein wichtiger Punkt: Mit der jüdischen Einwanderung entstanden Arbeitsplätze. Kibbutzim wurden gegründet, Moschawim – sozialistische Siedlungen mit Bauernhöfen. Das zog die Araber aus den Nachbarländern in Massen an. Es gab eine Einwanderung von Abertausenden Arabern ins Land, gleichzeitig zur Einwanderung der Juden.

Das ist interessant, denn Journalisten schreiben kaum über das Thema arabische Einwanderung. Haben die Araber ein Recht, in das Land zu gehen? Ja, wie die Juden. Sie sind ja auch gekommen. Das wird oft ausgeblendet, aber es ist ganz wichtig in der Diskussion. Wenn man das sagt, sieht die Sache ganz anders aus, wenn es um die Frage geht, wem das Land gehört.

Übrigens kann man das sogar anhand der Familiennamen nachweisen. Leute, die sich mit arabischen Familiennamen auskennen, wissen genau: Das ist kein Name von hier, sondern typisch für Syrien oder andere Regionen. Diese Familiennamen sind starke Indikatoren dafür, wie viele Menschen erst in der modernen Zeit dorthin eingewandert sind. Dann wurden sie Palästinenser genannt, weil sie von überall her kamen.

Ich habe das auch schon in anderen Zusammenhängen erklärt: Juden haben große Ländereien aufgekauft. Mit ihrer Einwanderung kauften sie von Großgrundbesitzern in Beirut, Kairo und Damaskus verwüstete Landstriche, malariaverseuchte Sümpfe zu sehr hohen Preisen auf. Sie machten dieses Land fruchtbar. Es war wirklich eine kaputte Wüste, und heute ist es ein blühendes Land. Jetzt interessieren sich auch andere dafür.

Kehren wir zurück zu Matthäus 3. Die Botschaft von Johannes ist: „Tut Buße!“ (Vers 2). Dieses Wort bedeutet, die Gesinnung zu ändern und die Schuld im Leben zu bereuen. Das ist sein Aufruf.

Warum kommt dieser Prophet? Das wird gleich in Vers 3 erklärt. Er ist die Erfüllung, sagt Matthäus, von Jesaja 40, wo steht: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!“ Jesaja hat angekündigt, dass es einen Rufer in der Wüste geben wird, der den Messias einführen und auf ihn hinweisen wird.

Schlagen wir Jesaja 40, Vers 3 auf: „Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gott!“ Hier wird klar gesagt, dass dieser Rufer in der Wüste auftreten wird.

In Matthäus 3 lesen wir, dass Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa predigt. Er ging in die Wüste hinunter, in die Nähe von Jericho. Dort trat er am Jordan auf, ganz nah an der Stelle, wo der Jordan schließlich ins Tote Meer mündet.

Dieses Tal heißt geographisch die Arava. Das Wort Arava bezeichnet eine Steppe, aber nicht irgendeine Steppe, sondern genau dieses tiefe Tal, das Jordantal. Dort sind wir immer am tiefsten Punkt, am „Nabel der Erde“ angelangt.

Dort hat Johannes der Täufer gepredigt. In Jesaja 40, Vers 3 steht: „In der Wüste bahnt der Weg des Herrn, ebnet in der Steppe…“ Aber auf Hebräisch steht Arava. Ich würde allen Bibelübersetzern heute empfehlen, das nicht mehr mit „Steppe“ zu übersetzen. Es ist zwar korrekt, aber es meint genau geografisch die Arava, diese Steppe in der Wüste Judäa beim Toten Meer.

Das war auch so bei der „Schlacht der Zweitausend“, als wir die revidiert hatten. Ich habe mich dafür eingesetzt, zum Beispiel im Buch Josua, bei der Eroberung des Landes, all diese vielen geografischen Ausdrücke mit den heute bekannten Begriffen zu verwenden. Zum Beispiel nicht mehr „die Niederung in Judäa“ – was ist die Niederung? Man muss einfach das Wort lassen: die Scheffela. Die Leute in Israel wissen sofort, was die Scheffela ist – die Abhänge der Berge Judäas im Westen gegen das Mittelmeer.

So müssen diese Begriffe durchsichtig werden. Darum haben wir das auch im Buch Josua so gemacht, in der „Schlacht der Zweitausend“. Heute hat man einen Bezug zu diesen geografischen Begriffen, besonders weil so viele Leute nach Israel gehen.

Plötzlich sind diese Dinge uns viel näher. Man stelle sich vor, zu Luthers Zeiten war es egal, ob dort „Steppe“ oder „Arava“ stand. Für Bibelleser war das kein großer Unterschied. Aber heute, wo man genau weiß, was die Arava ist und vielleicht schon mehrmals dort war, ist das anders.

Es gibt ja ein „Virus“: Wenn man einmal nach Israel geht – manche Christen sagen, warum sollte ich nach Israel gehen? Es ist ja nicht heilsentscheidend, hat auch nie jemand gesagt. Ich weiß nicht, wie diese Idee entsteht. Aber wenn sie sich einmal überwinden und gehen, melden sie sich oft schon im nächsten Jahr wieder an. Wir haben schon zu wenig Plätze.

Es ist auf eine Art schön, denn man bekommt plötzlich den Bezug zu diesem Land und damit auch zum Bibeltext. Es wird konkret, man könnte sagen, anstatt 2D plötzlich 3D.

Auch dort, wenn man „Arava“ liest – genau dort unten – predigte Johannes der Täufer und rief das Volk auf: „Tut Buße!“ Damit alle Hindernisse aus ihrem Herzen entfernt werden und sie den Messias, der jetzt auftritt, mit offenem Herzen empfangen können.

In Vers 4 wird gesagt: Johannes hatte seine Kleidung aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um die Lenden. Seine Nahrung waren Heuschrecken und wilder Honig. Er war schon speziell, dieser Johannes.

Sein Mantel war unverkennbar ein Prophetenmantel. Im Alten Testament trugen Propheten oft Ziegenhaarmäntel, Elija war so bekannt (2. Könige 1). Wer war dieser Mann? Er trug einen besonderen Mantel, und man erkennt ihn als Propheten.

Natürlich gab es auch falsche Propheten, die als „Wölfe im Schafspelz“ auftraten – sie waren keine Hirten, sondern fraßen die Herde der Gläubigen.

Johannes trägt keinen Ziegenhaarmantel oder Schafskleid, sondern Kamelhaar. Das Kamel ist eigentlich ein unrein koscheres Tier. Damit wollte er deutlich machen: Wir sind alle unrein. Wenn der Messias kommt, können wir nicht sagen, wir sind Israeliten und müssen keine Buße tun. Alle müssen Buße tun und ihre Schuld bereuen, nur so können wir den verheißenden Erlöser richtig aufnehmen.

Johannes der Täufer wuchs in der Wüste auf. Seine alten Eltern starben, als sie im hohen Alter das Baby bekamen (Lukas 1). Am Schluss von Lukas 1 lesen wir, dass er in der Wüste Judäa aufwuchs.

Das war nicht mehr in den Bergen von Judäa. Dort war Elisabeth, als Maria sie besuchte, aber offensichtlich wurde Johannes nach dem Tod seiner Eltern von Leuten in der Wüste aufgezogen.

Es gab damals verschiedene Gruppen des Judentums in der Wüste Judäa, die auf das Kommen des Messias warteten. Eine davon waren die Leute von Qumran, in der Siedlung am Toten Meer, am Nordende, nicht weit von dem Ort, wo Johannes getauft hat.

Der Ort heißt heute „Qasr al-Yahud“ auf Arabisch. Dort hat Johannes gepredigt und getauft.

Manche sagen, Johannes der Täufer sei vielleicht einer von Qumran gewesen und von ihnen aufgezogen worden. Es war eine Männergesellschaft, die tatsächlich auch Kinder aufgezogen hat. Aber es gab auch andere Gruppen in der Wüste.

Die Bibel sagt uns nichts Genaues über seinen genauen Aufwuchs. Aber wir können sagen: Johannes war nicht von Qumran geprägt, denn die Qumran-Leute trugen keine Kamelhaare, sondern weiße Kleider.

Wer schon in Qumran war, weiß das oder sollte es wissen. Aufgrund von Daniel 12 werden die Treuen, die Verständigen, weiß gemacht. Sie nahmen das wörtlich und trugen weiße Kleider.

Johannes trägt Kamelhaar, um den Leuten klarzumachen: Wir sind nicht weiß vor Gott, sondern brauchen Buße und Umkehr. Nur dann können wir den Messias empfangen.

Seine Diät war Heuschrecken und wilder Honig. Ich liebe Honig! Heuschrecken – na gut, als ich in Thailand war, habe ich mit meiner jüngsten Tochter eine Mutprobe gemacht: Wer nimmt die Heuschrecke vom Markt? Wir haben den Test bestanden. Nicht so schlecht. Die Beine waren komisch – ohne Beine wäre besser gewesen. Aber sie waren tot und geröstet.

Warum lebte Johannes so? Der Herr Jesus lebte anders. Später, im Lukasevangelium, sagen die Leute in Lukas 7, dass Johannes der Täufer besessen sei. Von Jesus heißt es, er habe mit Zöllnern und Sündern gegessen und Wein getrunken. Die Feinde nannten ihn „Fresser und Weinsäufer“ (Lukas 7,34).

Aber was hat das zu bedeuten? Johannes lebte karg, um den Menschen zu zeigen, was im Leben wichtig ist. Es geht nicht darum, dass wir tolle Nahrung und Kleidung haben. Das Wichtigste ist, unser Leben mit Gott in Ordnung zu bringen.

Das war kein Hinweis, dass alle so leben sollen – Kamelhaar und nur Honig und Heuschrecken. Johannes wollte mit seinem Lebensstil zeigen, worauf es ankommt: echte Umkehr und die Bereitschaft, den Herrn Jesus, das Lamm Gottes, zu empfangen.

Der Herr Jesus wurde eingeladen, zum Beispiel von Matthäus, und er aß mit vielen Sündern und Zöllnern. Er zeigte damit, dass er diese Leute nicht verachtet, sondern gekommen ist, Sünder zu retten und zur Buße zu rufen.

Jede Art hatte eine Bedeutung. Johannes war anders als die anderen, aber gerade durch seinen konsequenten Lebensstil war er wie ein Mahnmal in Israel.

Wir haben aus der Bibel und von Josephus das übereinstimmende Zeugnis, dass Johannes Israel in Bewegung brachte und die Chance gab, sich vorzubereiten, um dem Erlöser zu begegnen.

Ich würde vorschlagen, dass wir nächstes Mal ab Matthäus 3, Vers 7 weitermachen.

Zum Schluss wollen wir beten:

Herr Jesus, danke, dass du gekommen bist, um uns das wahre Leben zu bringen. Hilf uns allen, wirklich zu sehen, worauf es ankommt und wofür wir hier in dieser Welt sind.

Mögest du der Wichtigste für unsere Herzen werden, denn du bist der Einzige, der alle Bedürfnisse des menschlichen Herzens erfüllen kann.

Nur du konntest Rettung bringen durch dein Opfer am Kreuz, das Lamm Gottes.

Schenke uns deine Gnade, dir nachzufolgen, entschlossen zu sein und zu erkennen, in welcher Zeit wir leben – dass wir wirklich in der Endzeit leben und dein Kommen vor uns steht.

So empfehlen wir uns dir und deiner Gnade für unseren weiteren Weg.

Schenke uns deinen Segen und lass uns für andere zum Segen sein. Amen.

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