
Einleitung: Konflikte und Eifersucht im Königreich Israel
Wir befinden uns in 2. Samuel 20.
Wir haben gesehen, dass es ein Problem der Eifersucht zwischen dem Stamm Juda und den zehn Stämmen Israels gab. Dabei wurde deutlich, wie unweise mit diesem Konflikt umgegangen wurde. Statt den Streit zu besänftigen, wurde er sogar noch verschärft.
Die zehn Stämme behaupteten, sie hätten ein viel größeres Anrecht auf David, weil David zwar nicht aus ihnen, sondern aus dem Stamm Juda stammte. Doch sie waren zehn Stämme, und deshalb hätten sie zehn Anteile an David, der König über ganz Israel ist.
Dann jedoch änderte sich plötzlich die Stimmung. Dieselben, die zuvor gesagt hatten, sie hätten zehn Anteile, erklärten nun, dass sie nichts mit David zu tun hätten.
So kann sich eine Meinung schnell ändern, wenn keine Beständigkeit vorhanden ist. Was uns Beständigkeit gibt, ist das Wort Gottes. Doch das Wort Gottes war in den Herzen der Beteiligten offenbar nicht verwurzelt.
Der Aufstand des Sheba: Ein Mann Belials und die Spaltung Israels
Ich lese ab 2. Samuel 20, Vers 1: Dort war zufällig ein Mann namens Sheba, ein Sohn Bikris, ein Benjaminiter und ein Mann Belials. Er blies in die Posaune und rief: „Wir haben kein Teil an David und kein Erbteil am Sohn Isais. Jeder zurück zu seinen Zelten, Israel!“ Daraufhin zogen alle Männer von Israel von David weg, um Sheba, dem Sohn Bikris, nachzufolgen.
Die Männer von Juda hingegen blieben ihrem König treu, vom Jordan bis Jerusalem. Jetzt, wo es schwierig wird, zeigt sich, wer wirklich von Herzen mit David verbunden war. Dabei muss man sagen, dass es beim Stamm Juda anders aussah als bei den zehn anderen Stämmen.
Doch gehen wir der Reihe nach vor. Es gab eine Schwierigkeit, eine Auseinandersetzung. Jede solche Auseinandersetzung hat eine gewisse destabilisierende Wirkung, und genau das nutzt Satan aus. An dieser Stelle kommt Sheba, der Sohn Bikris, ein Benjaminiter, ins Spiel. Gerade in dieser Schwäche hatte er bei Israel Erfolg.
Das ist also eine ganz klare Taktik des Feindes.
Die geistlichen Hintergründe des Konflikts: Die Listen des Teufels
Wir lesen nämlich in Epheser 6 etwas Interessantes diesbezüglich.
Epheser 6,10: „Im Übrigen, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels. Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.“
In Vers 11 finden wir den Ausdruck „damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels“. Das griechische Wort für Listen ist „methodia“. Es bedeutet strategische Methoden. Der Teufel hat ganz klare strategische Pläne, wie er dem Volk Gottes schaden kann.
Er kann den Erlösten das Heil nicht nehmen, aber er kann ihnen die Freude am Heil rauben und Verwirrung stiften. Das möchte er. Deshalb sollten wir solche sein, die mit Paulus sagen können:
2. Korinther 2,11: „damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden.“ Satan möchte uns übervorteilen, und das gelang ihm gerade durch diesen Schäber.
Doch hier steht: „damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden, denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt.“ Durch das Wort Gottes können wir erkennen, wie seine Methoden funktionieren.
Die Methode Satans: Zweifel säen und Gottes Wort leugnen
Das wird uns ab dem Garten von Eden deutlich gemacht. Dort hat Satan mit einer bestimmten Methode begonnen: Zuerst stellt er einfach eine Frage.
Die Frage lautet: "Sollte Gott wirklich gesagt haben?" Nicht direkt: "Gott hat nicht gesagt", sondern zunächst nur die Frage, ob man Gott überhaupt vertrauen kann.
Im gleichen Zusammenhang folgt die erste Frage: "Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?"
Eva ist über diese Frage sehr erstaunt. Sie erklärt, dass sie von allen Bäumen essen dürfen, nur von einem nicht. Doch Satan sagt: "Hat Gott wirklich gesagt, ihr sollt von keinem Baum essen?"
Diese Frage finden wir typischerweise im Deutschen in 1. Mose 3,1. Dort heißt es: "Hat Gott wirklich gesagt?" Die Aussage "ihr sollt nicht essen von jedem Baum des Gartens" ist allerdings nicht korrekt übersetzt.
Richtig müsste es auf Deutsch heißen: "Ihr sollt von keinem Baum des Gartens essen." Im Hebräischen sagt man nicht "von allem essen", sondern "von keinem". Es gibt kein Wort für "kein" im Hebräischen, deshalb muss man es anders ausdrücken.
Auf Deutsch muss man diese Ausdrucksweise korrekt übersetzen, und das heißt eben: "von keinem Baum essen."
Was ist die Methode dahinter? Zuerst wird Zweifel an dem geweckt, was Gott genau gesagt hat: "Hat Gott wirklich gesagt?" Dann wird der Zweifel verstärkt, indem man fragt: "Meint Gott es wirklich gut mit euch, wenn er euch alles verbietet?" Dabei hat Gott ja gar nicht alles verboten, nur einen Baum. Dennoch wird dieser Zweifel eingebaut.
Es war ein Gehorsamstest, doch so versucht Satan, den Zweifel zu säen.
Wie es weitergeht, zeigt sich daran, dass Satan schließlich Gottes Wort völlig leugnet und sagt: "Mitnichten werdet ihr sterben." Damit behauptet er im Klartext, Gott sei ein Lügner.
Das hat er nicht sofort gesagt, sondern in Stufen. Und diese Methode war wirkungsvoll: Eva ließ sich verführen.
So haben wir also ganz klare Anweisungen im Wort Gottes, die uns über die Methoden Satans aufklären. Seine Gedanken sind uns nicht unbekannt.
Zufall oder göttliche Vorsehung? Ein Exkurs zum Begriff „zufällig“
Aber gut, jetzt könnte jemand sagen: Ja, von Strategie und Methode zu sprechen, ist vielleicht nicht so angebracht. Denn wir haben ja in 2. Samuel 20,1 gelesen. Dort war zufällig ein Mann namens Belial. Das war reiner Zufall, und Zufall bedeutet keine Planung, nicht wahr? Also war da kein satanischer Plan dahinter, sondern einfach zufällig so ein Mann da.
Nur die Frage ist: Gibt es Zufall? Ich glaube, wenn man Gläubige so fragt, völlig unabhängig von einer Schriftstelle, dann würden sie im Allgemeinen antworten: Nein, Zufälle gibt es nicht. Gott kontrolliert alles. Aber die Bibel spricht über Zufall. Hier heißt es: Dort war zufällig ein Mann.
Denken wir auch an den Spaziergang, der in 5. Mose 22,6 erwähnt wird. Wenn sich zufällig ein Vogelnest vor dir auf dem Weg befindet, auf irgendeinem Baum oder auf der Erde, mit Jungen oder mit Eiern, und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht die Mutter samt den Jungen nehmen. Du sollst die Mutter jedenfalls fliegen lassen, und die Jungen darfst du dir nehmen, damit es dir wohler geht und du deine Tage verlängerst.
Also ist das so ein Zufallstreffer beim Spaziergang. Das haben wir ja nicht geplant. Und plötzlich sind wir bei einem Vogelnest mit Jungen oder Eiern im Nest, und da ist auch eine Vogelmutter, zufällig.
Um dem noch eines draufzusetzen: Ruth 2,3. Ruth aus Moab kommt gewissermaßen als Asylantin nach Israel. Ich sage jetzt nicht Migrantin, ich sage, sie war eine Asylantin. Ja, ich lasse mir nicht alle paar Jahre vorschreiben, dass sich die Sprache wieder ändern muss, nur weil die linke Politik die Sprache ändert. Die wissen natürlich, dass man über die Sprache das Denken beeinflussen kann, und darum erfinden sie immer wieder neue Ausdrücke.
Also war sie eben eine, die Asyl und Heimat suchte in Israel als Fremde, und sie wollte arbeiten. Wir kennen das Problem, wenn Asylanten kommen und die Regierung sagt: Aber die dürfen nicht arbeiten, da machen sie Blödsinn. Nicht unbedingt, aber viele wissen nicht, was sie mit der Zeit anfangen sollen.
Aber Ruth wollte gleich arbeiten, sie war fleißig. Und da lesen wir in Ruth 2,3: Sie ging hin und kam auf das Feld hinter den Schnittern und las auf. Dabei traf sie zufällig auf das Feldstück des Boas, der aus der Familie Elimelechs war. Das war ein absoluter Zufallstreffer, dass sie genau dieses Feldstück in Bethlehem traf.
Und was folgt daraus? Nun, Boas ermöglichte ihr eine gute Arbeitsstelle. Sie war geschützt und konnte gefördert werden. Später wird daraus eine Liebesgeschichte, die einige Umstände und Umwege hatte. Aber letztlich führt das dazu, dass Ruth Boas heiratet.
Aus dieser Verbindung kommt später König David, der von Gott geplante König über Israel nach seinen Gedanken. Und aus dieser Linie sollte später der Messias, der Erlöser für Israel und die Völker, kommen. Und das alles aus diesem Zufallstreffer heraus.
Da lohnt es sich doch, über Zufall nachzudenken.
Objektiver und subjektiver Zufall im göttlichen Plan
Ja, wie soll man das einordnen? Nun, wenn wir von Zufall sprechen, dann haben wir noch nicht geklärt, ob wir objektiven oder subjektiven Zufall meinen.
Objektiver Zufall würde bedeuten, dass wir in einem Universum leben, das zufällig, also ohne Planung entstanden ist und keinen Sinn oder kein Ziel hat. Viele Menschen leben so. Sie denken, dass alles ohne Planung ins Dasein gekommen ist und deshalb auch kein Ziel oder Sinn besteht. Darum glauben manche junge Leute, das Leben habe gar keinen Sinn.
Es gibt auch solche, die sagen: Ja, es ist zwar alles ohne Plan entstanden, aber man muss sich selbst einen Sinn geben. Man soll also aus der Planlosigkeit heraus einen Sinn entwickeln. Das wäre dann der subjektive Sinn, der aus objektivem Zufall entsteht.
Die Bibel macht von Anfang an aber ganz klar, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat. Er hatte einen Plan, schon vor der Erschaffung der Welt. Diesen Plan hat er ausgeführt. Gott hat auch einen Heilsplan. Er hat vor Grundlegung der Welt bereits den Herrn Jesus als Retter vorgesehen. Das sagt der erste Petrusbrief (1. Petrus 1), wo es heißt, dass das Lamm Gottes zuvor erkannt wurde.
Außerdem hat Gott Menschen zuvor erkannt, wie es ebenfalls in 1. Petrus 1, Vers 2 steht. Diese hat er auserwählt. So sagt der Epheserbrief (Epheser 1), dass die Erlösten vor Grundlegung der Welt auserwählt sind, um heilig und tadellos vor Gott, dem Vater, in Liebe zu sein. Er hat sie zuvor zur Sohnschaft bestimmt, zur Adoption, damit er sie als Söhne und Töchter annehmen würde.
Wie kann man dann dennoch in der Bibel von Zufall sprechen? Zum Beispiel von subjektivem Zufall. Als Ruth nach Bethlehem kam, ging sie auf ein Feld. Sie hat sich nicht bewusst überlegt, dass sie genau dieses Feld aufsuchen muss, sondern ist einfach hingegangen. Für sie war keine besondere Planung erkennbar, also subjektiv kein Plan. Für Gott war es jedoch nicht Zufall, sondern Teil seines Plans. Aus diesem Plan sollte König David entstehen und später der Erlöser der Welt, geboren von Maria aus dem Haus Davids.
Wie ist das mit dem Spaziergang? Wenn man spazieren geht, hat man meist keinen genauen Plan, an welchem Ort man ein Vogelnest finden wird. Man geht einfach und sieht plötzlich ein Nest. Das ist zufällig, subjektiv. Aber Gott wusste das natürlich schon im Voraus. Er weiß alles, was geschehen wird. Er weiß sogar, was geschehen würde, wenn etwas anders wäre.
Der Herr Jesus sagt in Matthäus 11, dass, wenn die Wunderwerke in Tyrus und Sidon geschehen wären, diese Städte Buße getan hätten. Er wusste also, wie sie reagiert hätten, wenn Zeichen und Wunder dort passiert wären. Das zeigt Gottes Allwissenheit. Er weiß nicht nur alles, was kommt, sondern auch alles, was gekommen wäre, wenn bestimmte Dinge anders verlaufen wären. Es gibt unendlich viele Varianten, wie die Welt sein könnte, und Gott kennt sie alle.
Also gibt es objektiv keinen Zufall, aber subjektiv schon. Deshalb heißt es in 5. Mose 22, dass man ein Vogelnest mit Jungen oder Eiern nehmen darf, aber nicht die Vogelmutter. Der Grund ist, dass die Vogelmutter einen Instinkt hat, der sie antreibt, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um ihre Jungen zu schützen. Dieser mütterliche Instinkt wird geachtet, indem man die Vogelmutter nicht nimmt, denn sie wäre leicht zu fangen. Darum muss man sie fliegen lassen. Das ist die Gesetzgebung an dieser Stelle.
Weitere Beispiele für scheinbaren Zufall in der Bibel
Und dann haben wir noch mehr Zufälle. Man denke an 2. Chronik 20: Ein Soldat aus der syrischen Armee spannt aufs Geratewohl seinen Bogen und trifft Ahab, den verkleideten König von Israel, genau an der Stelle, an der sein Schutzpanzer gerade eine Lücke hatte. Er stirbt.
Aber Gott hatte ihm ganz klar im Voraus durch den Propheten angekündigt, dass Ahab von Ramoth-Gilead aus die Schlacht nicht mehr in Frieden nach Hause zurückkehren würde. Trotzdem war es ein zufälliger Treffer. Ja, das zeigt uns, wie es mit dem Zufall wirklich ist.
Vielleicht noch eine kleine Perle: Wir haben vorhin über Epheser 1 nachgedacht. Wir sind von Ewigkeit her geplant, vor Grundlegung der Welt. Gott wusste durch sein Vorwissen, 1. Petrus 1,2, wer einmal dem Evangelium glauben würde. Wenn Gott zieht und zur Buße leitet, hat er diese Menschen von Ewigkeit her bestimmt, auserwählt und zuvorbestimmt, um seine Kinder zu werden.
Und wer durfte diesen wunderbaren Brief über den ewigen Ratschluss Gottes überbringen? Das war Tychikus. Am Schluss von Epheser 6 wird erklärt, dass Tychikus den Brief gebracht hat.
Was bedeutet Tychikus? Er war ein Heide mit einem griechischen Namen, der „Zufallstreffer“ bedeutet. Seine heidnischen Eltern gaben ihm diesen Namen. Das kann auch „Glückstreffer“ oder „ungeplanter Glückstreffer“ heißen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie dachten, dieses Kind sei ein Unfall. Ein solcher Ausdruck ist ohnehin abwertend und widerlich. Jedes Kind sollte in einer Ehe erwünscht sein, auch wenn man nicht daran gedacht hat, dass ein Kind kommen würde. Es soll immer wissen, dass es willkommen ist.
Es gibt jedoch Menschen, die sagen: „Meine Eltern haben mich als Zufallstreffer angesehen, den sie gar nicht wollten.“ Das ist schmerzhaft. Aber wenn so jemand zum Glauben kommt, wie Tychikus, darf er wissen: Ich bin von Gott von Ewigkeit her geplant, völlig unabhängig von der heidnischen Meinung meiner Eltern.
So durfte der Zufallstreffer den Epheserbrief von Rom nach Ephesus bringen, das heutige Westtürkei, und dort übergeben: „Ihr seid von Ewigkeit her geplant.“
Ja, das war jetzt ein kleiner Exkurs zu dem Wort „zufällig“ in 2. Chronik 20,1.
Die Prüfung Israels durch den Aufstand Shebas und Gottes souveräne Kontrolle
Und was soll das jetzt bedeuten? Niemand hat geplant, dass plötzlich ein Aufrührer auftaucht, der die Situation im Volk Gottes weiter schwächt. Es gab bereits Streit, Uneinigkeit, gegenseitiges Beneiden und Spannungen. Niemand hat das so geplant, doch Satan hat es vorausgesehen.
Natürlich kann Satan nicht einfach tun, was er will. Es ist immer so wie in Hiob 1 und 2: Er muss vor Gottes Thron um Erlaubnis bitten. Gott sagt dann Ja – bis zu einem bestimmten Punkt, aber nicht darüber hinaus. Gott bestimmt die Grenzen. In diesem Fall hat Gott es zugelassen, als eine Prüfung für das Volk.
Diese Prüfung soll uns lehren, dass sobald Streit und Uneinigkeit in der Gemeinde entstehen, eine Schwächung eintritt. Dann nutzt der Feind seine Methoden, um eine Person auf den Plan zu bringen, die noch mehr Schaden anrichtet.
Frech sagt dieser Sheba, ein Mann Belials: „Wir haben kein Teil an David und kein Erbteil an dem Sohn Isais.“ Weil sie so wütend auf den Stamm Juda waren, sagten sie: „Vergessen wir die zehn Teile, wir haben eigentlich gar nichts mit ihm zu tun.“ So kam es zu einer Spaltung.
Bedeutung des Begriffs „Mann Belials“ und die Skrupellosigkeit Shebas
Ein Mann Belials – Belial ist ein hebräisches Wort, ausgesprochen „Bliyal“. Auf Hebräisch bedeutet „Bli“ „ohne“. Zum Beispiel, wenn man in einem Restaurant einen Kaffee ohne Zucker möchte, sagt man „Bli Zucker“, also „ohne Zucker“.
„Bli“ bedeutet also „ohne“ und „yal“ steht für Nutzen. „Bliyal“ heißt demnach „ohne Nutzen“. Ein „Sohn Belials“ ist demnach ein nutzloser Mensch, der nichts Gutes hervorbringt. Diesen Ausdruck finden wir oft im Alten Testament.
Später wird dieser Begriff schließlich zu einem Namen für Satan. In 2. Korinther 6 wird beschrieben, wie unvereinbar Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit sind, ebenso wie Licht und Finsternis. Dort heißt es in Vers 14: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen; denn welche Gemeinschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welches Teil hat Licht mit Finsternis?“
Weiter heißt es: „Welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial? Oder welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“
Hier wird der Kontrast zwischen Christus und Belial deutlich. Weil Satan nur kommt, um zu zerstören, wird er Belial genannt. Ein „Sohn Belials“ entspricht somit dem Wesen des Teufels.
Die Spaltung Israels und Davids Reaktion
2. Samuel 20,2: Da zogen alle Männer von Israel von David weg und folgten Sheba, dem Sohn Bikris. Zuvor hatten sie sich geirrt und die falsche Seite mit Absalom gewählt. Es gab eine Wiederherstellung, wie wir beim Studium von Kapitel 19 festgestellt haben.
Die zehn Stämme begannen sofort nach dem Tod Absaloms zu diskutieren. Eigentlich war es schon gut, was David in der Vergangenheit für sie getan hatte. Nun wollten sie den König zurückführen.
In Kapitel 19, Verse 10 bis 11, wechselten sie die Seite. Doch sie zeigten keine Reue. Sie sagten nicht, dass ihr Verhalten töricht war oder fragten, wie sie nur so falsch handeln konnten. Es war offensichtlich, dass dies nicht Gottes Plan war. Stattdessen erkannten sie einfach, dass es mit David doch gut war und dass Absalom nicht mehr da war. Daraufhin kehrten sie zurück.
Dies zeigt keine Stabilität und kein Verwurzeltsein im Wort Gottes.
Davids Rückkehr und der Umgang mit den Nebenfrauen
Vers 3: David kam zurück in sein Haus in Jerusalem. Nun war er wieder in der Davidstadt, die sich am Südabhang des Tempelbergs Zion befindet, oberhalb des Millo, dieser großen Steinaufschüttung, die er errichtet hatte (2. Samuel 5). Dort stand sein Palast.
Der König nahm die zehn Nebenfrauen, die er zurückgelassen hatte, um das Haus zu bewachen. Er setzte sie in Gewahrsam und versorgte sie. Doch er ging nicht zu ihnen ein. Sie blieben eingeschlossen bis zu ihrem Tod und lebten als Witwen. Das muss schrecklich gewesen sein.
Eigentlich war das ein großer Erfolg. Alles hatte sich zum Guten gewendet. Er wurde von den Stämmen Israels, die ihn durch die Wüste am Jordan bis nach Jerusalem geleiteten, begleitet. Nun zog er in den Palast ein. Das Erste, woran er sich erinnerte, war, wie töricht es gewesen war, die zehn Nebenfrauen zurückzulassen.
Übrigens bedeutet „Nebenfrauen“ nicht, dass sie nicht richtig verheiratet waren. Es war ein erbrechtlicher Begriff. Sie waren einfach nicht erbberechtigt. Ähnlich wie bei einem Ehevertrag, der aus bestimmten Gründen erbrechtliche Regelungen trifft. So war es auch bei ihnen vereinbart: Sie waren nicht als Erbinnen eingesetzt wie andere Frauen. Aber es waren richtige Frauen.
Er hatte sie zurückgelassen, um den Palast zu bewachen, als der Krieg ausbrach. Das war eine törichte Entscheidung. Er hatte ihnen nicht den Schutz gegeben, den er hätte geben müssen. Nun kam er nach Hause, gab ihnen diesen Schutz und versorgte sie bis ans Lebensende.
Doch für ihn waren diese Frauen durch seinen eigenen Sohn missbraucht worden. Deshalb konnte er sich nicht mehr vorstellen, wieder eheliche Gemeinschaft mit ihnen zu haben. Er behandelte sie so, als wären sie Witwen, gebrochene Frauen. Schrecklich, nicht wahr?
Aber der Herr war auch für jede dieser Frauen da.
Die militärische Krise und die Berufung Amasas
Vers 4 sagt: „Und der König sprach zu Amasa: Berufe mir die Männer von Juda binnen drei Tagen und stell dich selbst hier ein.“ Ja, jetzt muss er wieder in den Krieg, weil sich die ganze Sache mit Sheba zu einer Katastrophe entwickelt hat. Kaum war das eine Problem gelöst, kommt das nächste. Es ist wieder ein Revolutionär. Nur ist es diesmal nicht sein Sohn. Er wird nie sagen können: „Sheba, Beni, Beni, Sheba, mein Sohn, mein Sohn.“ Nein, es ist irgendein Frecher, der einen Aufstand veranstaltet hat.
Dann sagt der König zu Amasa: „So, jetzt musst du die Armee einberufen und das Problem angehen. In drei Tagen sind die Soldaten da, und dann geht es los.“ Warum Amasa? Warum sagt er nicht Joab? Wir haben gesehen, dass es seine Entscheidung war, Joab abzusetzen und Amasa als Obersten einzusetzen.
In 2. Samuel 19,14 heißt es: „Und du, Amasa, sollst sagen: Bist du nicht mein Gebein und mein Fleisch? So soll mir Gott tun und so hinzufügen, wenn du nicht alle Tage Heeroberster vor mir sein sollst an Joabs Stadt.“ Warum hat er das so entschieden? Weil Joab seinen Sohn Absalom getötet hat, also seinen Jüngling, muss man sagen. Er hat als oberster Richter nicht wirklich festgehalten, dass Absalom den Tod verdient hat. Dann kam es anders mit Joab. Joab wollte jetzt strafen, aber er ist nicht mehr General.
Damit hat er eine Eifersucht ausgelöst. In den Sprüchen lesen wir: „Zorn ist etwas, aber das Unerträglichste ist Eifersucht. Sie ist noch glühender als jegliche Wut und jeglicher Zorn.“ Das sehen wir auch hier. Dieser Fehlentscheid, Amasa zum General zu machen, führt zu dem weiteren Fehlentscheid, Amasa jetzt gegen Sheba mobilisieren zu müssen.
Amasas Versagen und Joabs skrupelloses Handeln
Vers 5: Amasa ging hin, um Juda zu berufen. Doch er blieb über die festgesetzte Zeit hinaus aus, die man ihm gegeben hatte. Er schaffte die Mobilisierung nicht innerhalb von drei Tagen und versagte somit.
David sprach zu Abisai: „Nun wird uns Sheba, der Sohn Bikris, mehr Böses tun als Absalom.“ Er gab Abisai den Auftrag, Sheba nachzujagen, nicht Joab. Das war erneut ein Grund für Eifersucht.
Die Männer Joabs zogen aus, um Sheba, dem Sohn Bikris, nachzujagen. Joab selbst ging ebenfalls mit. Die Keretiter, die Pelletiter und alle Helden verließen Jerusalem, um Sheba zu verfolgen.
Nun ereignete sich eine üble Geschichte. Sie waren bei dem großen Stein in Gibeon. Amasa kam ihnen entgegen. Joab war mit seinem Waffenrock bekleidet, darüber trug er den Gürtel mit dem Schwert in der Scheide an seiner Hüfte. Als Joab hervortrat, fiel das Schwert heraus. Es schien so arrangiert, dass das Schwert plötzlich zu Boden fiel. Was macht man dann? Man muss das Schwert wieder aufnehmen.
Vers 9: Joab sprach zu Amasa: „Geht es dir gut, mein Bruder?“ Das klingt freundlich, fast vertraut. Doch wir kennen die Stelle aus Sprüche 26, Vers 24: „Der Hasser verstellt sich mit seinen Lippen, aber in seinem Inneren hegt er Trug.“ Wenn jemand seine Stimme holdselig macht, also lieblich, sanft und süß klingt, sollte man ihm nicht trauen. Denn sieben Gräuel sind in seinem Herzen verborgen. Der Hass versteckt sich in Trug, und seine Bosheit wird sich in der Versammlung offenbaren.
Dazu passt auch Vers 23: „Ein irdenes Geschirr mit Schlackensilber überzogen.“ Das bedeutet, es sieht edel aus, ist aber nur äußerlicher Schein. Ein irdenes Gefäß, überzogen mit Bleioxid, einem Abfallprodukt bei der Silbergewinnung in der Antike, das benutzt wurde, um gewöhnliche Gefäße edel erscheinen zu lassen. So sind auch feurige Lippen oft nur äußerlich lieblich, während dahinter ein böses Herz steckt.
Joab sagte also: „Geht es dir gut, mein Bruder?“ und fasste Amasa mit der rechten Hand am Bart, um ihn zu küssen. Das wirkt zunächst freundlich, doch es ist trügerisch. Amasa achtete nicht auf das Schwert, das Joab in der Hand hielt.
Das Herunterfallen des Schwertes war kein Versehen, sondern geplant. Amasa musste es aufnehmen, und während Joab ihn am Bart hielt, schlug er ihm mit dem Schwert in den Bauch und entleerte seine Eingeweide auf die Erde. Joab handelte skrupellos und gab ihm keinen zweiten Schlag. Amasa starb.
Joab und Abisai, sein Bruder, jagten weiter Sheba, den Sohn Bikris, nach. Sie hatten keine Zeit, sich um Amasa zu kümmern.
Ein Mann aus Joabs Gefolge blieb bei Amasa stehen und rief: „Wer zu Joab hält und für David ist, folge Joab nach!“ Amasa lag blutend mitten auf der Straße. Als der Mann sah, dass niemand sich bewegte, trug er Amasa von der Straße auf ein Feld und legte ihm ein Oberkleid darüber, damit die Schaulustigen nicht alles sehen konnten.
Nachdem Amasa von der Straße weggebracht worden war, zogen alle weiter, um Joab zu folgen und Sheba zu verfolgen. Diese Szene war äußerst grausam.
Obwohl in Vers 10 kurz gesagt wird „und er starb“, lebte Amasa noch eine Weile, bevor er endgültig verendete. Das ist schrecklich!
Die Belagerung Abels und die Weisheit der Frau
Vers 14: Er durchzog alle Stämme Israels bis Abel und Bet Ma'aka sowie ganz Berim. Dort versammelten sich die Menschen und folgten ihm ebenfalls. Die Ortschaft Abel liegt ganz im Norden Israels, also nicht weit von Dan entfernt. Dan befindet sich, wie wir wissen, an der Nordspitze Israels.
Sie kamen und belagerten ihn in Abel Beit Ma'aka. Dabei errichteten sie einen Wall gegen die Stadt, der bis an die Vormauer reichte. Das ganze Volk, das bei Joab war, grub unter der Mauer, um sie zum Einsturz zu bringen. Sie unterwühlten die Stadtmauer, damit diese zu Fall käme.
In dieser Situation rief eine kluge Frau aus der Stadt. Das ist ein großer Kontrast: Auf der einen Seite haben wir einen Mann voller Bosheit, und hier in Abel gibt es eine wirklich gescheite Frau, und zwar mit göttlicher Weisheit. Wir haben ja schon einige kluge Leute kennengelernt. Der Ratgeber von Amnon besaß teuflische Klugheit, dann gab es die thekoitische kluge Frau, die ebenfalls teuflische, betrügerische Klugheit zeigte. Auch den schrecklichen Ratgeber Ahitophel haben wir gesehen, der fast übermenschliche Intelligenz besaß, obwohl sein Name „Bruder der Torheit“ bedeutet. Und jetzt begegnet uns hier eine kluge Frau.
Die Frau rief: „Hört, hört, sprecht doch zu Joab, tritt hierher, damit ich zu dir reden kann.“ In dieser Kriegssituation hat eine Frau den Mut, Initiative zu ergreifen. Joab ging auf sie zu. Die Frau fragte: „Bist du Joab?“ Er antwortete: „Ich bin es.“ Sie sprach weiter: „Höre die Worte deiner Magd.“ Er sagte: „Ich höre.“
Dann erklärte sie: „Früher pflegte man zu sagen: Man frage nur in Abel.“ So war man fertig, oder wie es auch übersetzt werden kann: So kam man zum Ziel (Fußnote der Elbefelder). In dieser Stadt Abel gab es also immer wieder kluge Leute. Wenn man eine Frage oder Unklarheit hatte, ging man nach Abel, um eine Antwort zu erhalten, die zum guten Ziel führte.
Die Frau sagte weiter: „Ich bin von den Friedfertigen.“ Jetzt geht es um einen Bürgerkrieg, das Volk Gottes kämpft gegen das Volk Gottes. Sie bezeichnet sich als eine der Friedfertigen, der Friedenstifter, die der Herr in Matthäus 5 in der Bergpredigt selig preist. Sie sagt: „Ich bin von den Friedfertigen, den Getreuen Israels.“ Die Getreuen Israels sind diejenigen, die sich an das Wort Gottes halten und sich an den Herrn klammern.
Die Frau fährt fort: „Du suchst eine Stadt und Mutter in Israel zu töten.“ Wenn Joab so weitermachen würde, wäre vielleicht die ganze Bevölkerung der Stadt umgekommen, eine Stadt des Volkes Gottes. Diese Frau überlegt und sagt sich, dass das nicht sein darf. Deshalb hat sie den Mut, von der Stadtmauer aus Joab zu rufen.
Sie bezeichnet sich als „Mutter in Israel“. Wenn der Krieg weitergegangen wäre, hätte man auch diese kluge Frau getötet. Sie ist nicht die erste, die sich so nennt. Deborah bezeichnet sich in ihrem wunderbaren Lied in Richter 5 ebenfalls als „Mutter in Israel“. Sie sah sich nicht als Vaterfigur, sondern lebte in einer Zeit, in der Männer nicht bereit waren zu führen. Es gibt Parallelen zu unserer heutigen Zeit: Damals waren Männer offensichtlich zu faul, heute werden Männer oft verdrängt. Auch durch solche Forderungen wie die Frauenquote wird das berücksichtigt. Mit der Zeit wird ein Mann frustriert und sagt: „Dann trete ich zur Seite, dann habe ich meine Ruhe.“ Das ist nicht gerade ermutigend in einer Zeit, in der man sofort als patriarchalischer Mensch von gestern betrachtet wird, wenn man als Mann Verantwortung übernehmen will.
So ähnlich war es auch in der Zeit Deborahs. Niemand wollte Richter sein. Richter zu sein bedeutete, nach dem Wort Gottes, der Tora, zu handeln. Wenn ein Problem zwischen zwei Menschen auftrat, wurde es nach der Bibel gelöst. Deborah überlegte, was sie als Frau tun könne. Sie richtete zu Hause unter einer Palme eine Anlaufstelle ein (Richter 4). Diese Deborah konnte man dort aufsuchen.
Sie ging nicht ins Stadttor, wo die offiziellen Gerichtssäle waren. Das Stadttor diente als öffentlicher Gerichtssaal, wo Leute vorbeikommen und zuhören konnten, was die Richter beschlossen. Das machte sie nicht. Sie dachte darüber nach, wie sie ihre Stellung als Frau bewahren und trotzdem Verantwortung übernehmen könne. Deshalb handelte sie von zu Hause aus.
Sie wohnte im Gebirge Ephraim, im Bergland nördlich von Jerusalem, im sogenannten Westjordanland, das wir in Zukunft mehr und mehr als Samaria und Judäa bezeichnen werden. Dort sind Palmen eigentlich nicht heimisch. Wer sich mit Ökologie und Biologie der Bibel beschäftigt, weiß, dass Palmen eher in der Arava oder anderen Gegenden wachsen, aber nicht im Bergland. Das heißt, Deborah hatte dort eine Palme, die biologisch eigentlich nicht zu Hause war. Deshalb konnte man von Weitem erkennen: Dort bei der Palme ist die Anlaufstelle.
Deborah nennt sich in ihrem Lied „Mutter in Israel“. Wir brauchen Väter in der Gemeinde und wir brauchen Mütter in der Gemeinde. Diese Frau sagt zu Joab: „Du zerstörst eine Stadt in Israel und wirst dabei eine Mutter in Israel umbringen.“
Weiter fragt sie: „Warum willst du das Erbteil des Herrn verschlingen?“ Das Erbteil des Herrn meint das Land Israel und das Zeugnis des Volkes Gottes in diesem Land. Durch einen Bürgerkrieg im Volk Gottes zerstört man das Erbteil des Herrn. Sie waren dabei, die Stadt zu zerstören.
Doch sie nimmt den Herrn in die Sache hinein. Es war nicht einfach ein politisches Aushandeln oder eine Friedensverhandlung, sondern der Herr wurde hineingenommen. Sie benutzt den Namen Yahweh, hier den deutschen Begriff „Herr“ mit Großbuchstaben, den Eigennamen Gottes, des Ewigen.
Sie fragt: „Warum willst du das Erbteil des Herrn verschlingen?“ Mit dieser Frage will sie Joab in seinem Eifer und Kriegseifer bremsen. Fragen sind eine gute Hilfe.
Joab antwortete: „Fern sei es von mir, dass ich verschlinge oder verderbe.“ Sie hat ihn erreicht, denn ihre Worte haben bei ihm etwas ausgelöst. Interessanterweise nennt er den Namen des Herrn nicht.
Er sagt weiter: „Es ist nicht so. Ein Mann vom Gebirge Ephraim, sein Name ist Sheba, der Sohn Bichris, hat seine Hand gegen den König, gegen David, erhoben. Gib ihn allein heraus, dann will ich von der Stadt abziehen.“
Die Frau sprach zu Joab: „Siehe, sein Kopf soll dir über die Mauer zugeworfen werden.“
Mit ihrer Klugheit kam die Frau zum ganzen Volk. Auch dort in der Stadt erkannten sie, dass die Frau wirklich intelligent war. Sie verhinderte einen Krieg, und das Problem war ein Mann.
Sie hieben Sheba, den Sohn Bikris, den Kopf ab und warfen ihn Joab zu. Damit war alles vorbei.
Joab stieß in das Schofahorn, das Posaunenhorn, und das Volk zerstreute sich von der Stadt weg – jeder kehrte zurück zu seinen Zelten. Es ging also nicht einfach zurück zu den Häusern, sondern zu den Zelten.
Die Wiederherstellung der Ordnung und Davids Hofstaat
Joab kehrte zum König nach Jerusalem zurück. Er war über das ganze Heer Israels gesetzt. Benaja, der Sohn Jojadas, war über die Keretiter und die Peletiter gesetzt. Adoram war über die Frohen, und Josaphat, der Sohn Ahiluts, war Geschichtsschreiber.
Scheia war Schreiber, und Zadok sowie Abiatar waren Priester. Auch Ira, der Jairitter, war Krondiener Davids.
Der erste und der zweite Krieg sind nun vorbei. Joab ist wieder in Jerusalem. Hier folgt eine Auflistung von fähigen Männern, die David unterstützten. Er war nicht allein. David hatte eine ganze Reihe von fähigen Leuten an seiner Seite. Diese werden nun genannt, um klarzumachen, dass Joab wieder Heerführer ist.
David hatte falsche Entscheidungen getroffen, die schlimme Konsequenzen nach sich zogen.
Hungersnot als Folge von Sünde: Das Urteil Gottes über Saul
Und dann kommen wir zu dem Kapitel: „Und es war Hungersnot in den Tagen Davids – drei Jahre, Jahr auf Jahr.“ David suchte das Angesicht des Herrn, und der Herr sprach: „Es ist wegen Sauls und wegen des Bluthauses, weil er die Gibeonitter getötet hat.“
Jetzt haben wir hier die letzten Kapitel von 2. Samuel. Das ist eigentlich eine Art Anhang, in dem uns noch einige wichtige Dinge über David in seinen letzten Tagen erzählt werden. Es gibt auch Rückgriffe auf die Vergangenheit. Dabei wird etwas Besonderes erwähnt: Saul hatte sich in übler Weise an den Gibeonittern vergangen. Diese waren Kanaaniter.
In Josua 9 wird berichtet, wie diese Kanaaniter sich in der Stadt Gibeon fragten, wie sie dem Gericht Gottes entgehen könnten. Sie wendeten eine List an und schlossen mit Josua einen Bund. Josua versprach ihnen: „Ich werde euch nichts antun.“ So waren sie gebunden. Gott hatte ganz klar gesagt, dass diesen Gibeonittern nichts angetan werden darf.
Im Gegenzug mussten die Gibeonitter Israel Dienste erweisen, und zwar als Wasser- und Holzträger im Zusammenhang mit der Stiftshütte. Sie bekamen also eine Aufgabe für das Heiligtum – eine sehr untergeordnete, aber dennoch eine Aufgabe für den wahren Gott.
Nun aber ging Saul in seinem Übereifer über das Wort Gottes hinaus und hat sich an diesen Gibeonittern vergangen, indem er sie tötete. Das liegt viele Jahre zurück, und in der Zwischenzeit ist viel Gras gewachsen. Doch dieses Kapitel zeigt uns: Bei Gott gibt es keine Verjährung. Vergebung ist etwas anderes, Verjährung etwas ganz anderes.
Schuld, für die keine Vergebung da ist, wird nicht einfach aufgehoben. In unserer Rechtsprechung ist der Begriff der Verjährung wichtig. Man möchte damit schwierige Situationen vermeiden. Darum gibt es die Möglichkeit, dass nach einer bestimmten Zeit eine Untat nicht mehr geahndet werden kann, weil sie verjährt ist.
Bei Gott jedoch gibt es diese Verjährung nicht. Es gibt Vergebung, aber Vergebung gibt es nur durch Reue, Umkehr und Sündenbekenntnis. Nach 1. Johannes 1,9 vergibt Gott dann.
Nun lesen wir aber hier: In den Tagen Davids gab es Hungersnot. Wie entsteht Hungersnot in Israel? Nach dem Laubhüttenfest setzt normalerweise im ökologischen Ablauf die Regenzeit ein. Diese Regenzeit wird in der Bibel als Frühregen bezeichnet.
Während des ganzen Winterhalbjahres hat Israel Regenzeit, die bis März oder April dauert, also bis kurz vor das Passafest. Während der Passawoche kommt es dann zur Gerstenernte. Ab dem Tag nach dem Sabbat, so steht es in 3. Mose 23, beginnt diese Ernte. Die Schlussphase der Regenzeit, gerade vor dem Passafest, gibt der Natur nochmals einen letzten Ruck, um alles grün zu halten, bevor die Ernte beginnt.
Diese Schlussperiode wird in der Bibel als Spätregen bezeichnet. Wir haben hier also zwei wichtige Begriffe geklärt, die immer wieder vorkommen: Frühregen und Spätregen, Anfang und Schluss der Regenzeit im Winterhalbjahr.
Wenn nun der Regen nicht einsetzt, hat man im nächsten Frühjahr ein Problem – es entsteht Hungersnot. Genau das ist hier geschehen. Man könnte meinen, das sei einfach eine natürliche Erscheinung, die manchmal vorkommt und sich nicht steuern lässt.
Aber in 5. Mose 11 sagt Gott, dass er über dem verheißenden Land den Regen zurückhält, wenn Israel sündigt. Das heißt also, Israel muss sich fragen: Wenn Hungersnot entsteht, was ist der Grund? Wo liegt die Sünde?
Und so war es auch im zweiten Jahr und im dritten Jahr. Man merkt, dass es nicht einfach ein Zufall ist, dass es nicht regnet. David stellt sich diese Frage. Darum heißt es: „David suchte das Angesicht des Herrn.“ Und er bekam von dem Herrn eine prophetische Antwort: „Es ist wegen Sauls und wegen des Bluthauses, weil er die Gibeoniter getötet hat.“
Die Forderungen der Gibeoniter und die Strafe für Sauls Haus
Diese Blutschuld war vorhanden. Daraufhin rief der König die Gibeoniter zusammen und sprach mit ihnen.
Es wird erklärt, dass die Gibeoniter nicht zu den Kindern Israel gehörten. Dies ist ein Rückbezug auf Josua 9, den man für sich nachlesen kann. Sie stammten vielmehr vom Rest der Amoriter ab. Die Amoriter waren der wichtigste Stamm unter den alten Stämmen der Kanaaniter, vom Rest der Amoriter.
Die Kinder Israel hatten ihnen geschworen, doch Saul versuchte, sie zu vernichten. Er handelte aus Eifer für die Kinder Israel und Juda, nicht aber für den Herrn, sondern für die Menschen. Er wollte als besonders hingebungsvoller und eifriger König erscheinen, doch er handelte falsch, entgegen der Bibel.
David sprach zu den Gibeonitern: „Was soll ich für euch tun, und womit soll ich Sühnung tun, damit ihr das Erbteil des Herrn segnet?“ Die Gibeoniter antworteten ihm: „Es geht uns nicht um Silber und Gold in Bezug auf Saul und sein Haus, und es geht uns auch nicht darum, jemanden in Israel zu töten.“
Interessant ist, dass sie also nicht auf Rache aus waren. Sie sagten, wenn sie jetzt Silber und Gold als Entschädigung erhielten, sei das eigentlich nicht das, worauf sie warteten. Und sie wollten auch nicht, dass deswegen Menschen in Israel sterben müssten. Dennoch hatten sie das Geschehene nicht vergessen.
David, von dem es heißt, er sprach: „Was ihr sagt, will ich für euch tun.“ Darauf antworteten sie dem König: „Der Mann, der uns vernichtet hat und gegen uns sann, dass wir vernichtet würden und nicht mehr im ganzen Geschlecht Israels bestehen, das ist Saul.“
Saul hatte also vor, ein Massaker unter den Gibeonitern anzurichten – gegen das Wort Gottes. Die Gibeoniter sagten: „Ja, dieser Mann ist schuldig, aber er lebt nicht mehr.“ Dann forderten sie: „Gib uns sieben Männer von seinen Söhnen, damit wir sie dem Herrn aufhängen in Gibea, seiner Königstadt nördlich von Jerusalem.“
Gibea war Sauls Königstadt. Der König sprach: „Ich will sie geben.“ Nun entsteht ein Problem: Die Nachkommen sollen für das bestraft werden, was Saul getan hat.
In Hesekiel 18 wird jedoch ganz grundsätzlich gesagt, dass nach Gottes Plan die Kinder nicht für die Sünden ihrer Vorfahren bestraft werden sollen. Jeder soll für seine eigene Sünde sterben. Das ist ein klares biblisches Prinzip. Es ist nicht zulässig, die Schuld der Vorfahren der nächsten Generation anzulasten.
Man könnte einwenden, dass im 2. Mose 20 beim zweiten Gebot steht, dass der Herr Recht bis ins dritte und vierte Glied übt. Das zeigt doch, dass es Auswirkungen auf die nächsten Generationen hat, was die Eltern getan haben. Dort geht es um Götzendienst.
Man muss jedoch genau und vollständig lesen: Es heißt nicht einfach „bis ins dritte und vierte Glied“, sondern „bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen“. Wenn die Nachkommen also denselben Weg wie die Eltern gehen, kann das Gericht über sie kommen.
So war es auch mit den Königen in Israel, in den zehn Stämmen. Nach Salomo gab es nur gottlose Könige. Schließlich, nach 19 Königen, zerstörten die Assyrer das Königreich, und die zehn Stämme wurden in dieser Zeit nach Assyrien, in den Nordirak, abgeführt.
Die letzten Generationen erlebten dieses Gericht. Sie hatten die Sünde aufgehäuft, und schließlich kam das Gericht. Doch weil die Nachkommen denselben bösen Weg gingen wie Jerobeam damals, der den Götzendienst in Israel eingeführt hatte, traf das Gericht sie wegen ihrer eigenen Sünde.
Die Vollstreckung der Strafe und Rizpas treues Wachen
Wie sollen wir das hier verstehen? Nun, es heißt auch in Kapitel 21, Vers 1: Es ist wegen Sauls und wegen des Bluthauses, weil er die Gibeonitter getötet hat. Das Bluthaus ist ein anderer Ausdruck für Familie in der Bibel.
Wenn der Apostel Paulus zum Kämmerer – nein, was sage ich, zum Kerkermeister in Philippi – sagt: „Glaube an Jesus, so wirst du und dein Haus errettet werden“ (Apostelgeschichte 16), dann meint er dich und deine Familie. Also wird das Haus Sauls Familie genannt, ein Bluthaus. Das heißt, in dieser Sache mit dem Massaker war nicht nur Saul schuldig geworden, sondern auch seine Söhne.
Und nun werden die Schuldigen bestraft. So lesen wir in Vers 6: „Man gebe uns sieben Männer von seinen Söhnen, dass wir sie dem Herrn aufhängen, in Gibeon, Saul, des Erwählten des Herrn.“ Der König sprach: „Ich will sie geben.“ Aber der König verschonte Mephiboseth, den Sohn Jonathans, des Sohnes Sauls, um des Schwures des Herrn willen, der zwischen David und Jonathan, dem Sohn Sauls, bestand. Mephiboseth wird hier verschont, weil er durch einen Schwur geschützt war.
In Vers 8 heißt es: Der König nahm die beiden Söhne Ritzbars, der Tochter Ayas, die sie Saul geboren hatte, Amoni und Mephiboseth. Und die fünf Söhne Michals – hier wird übrigens Merab mit dem Namen ihrer Schwester genannt, also wäre der volle Name Merab Michal, der Tochter Sauls, die sie Adriel geboren hatte, dem Sohn Basileis des Meholatiters. Er gab sie in die Hand der Gibeoniter, und sie hängten sie auf dem Berg vor dem Herrn auf. Die sieben fielen zugleich und wurden getötet in den ersten Tagen der Ernte, zu Beginn der Gerstenernte.
Damit sind wir im Frühjahr, also März oder April, zur Gerstenernte. In Vers 10 lesen wir, dass Ritzbar – das war also eine Frau von Saul – Rizpa, die Tochter Ayas, nahm. Sie breitete ein Sacktuch auf einem Felsen aus vom Anfang der Ernte an bis das Wasser vom Himmel über die Gehängten tropfte. Das heißt, über sechs Monate, von März oder April bis Oktober, der zweiten Hälfte des Monats, wenn dann die Regenzeit beginnt. Und die Regenzeit kam wieder.
Die Hungersnot war vorbei, und sie ließ die Vögel des Himmels nicht auf ihnen ruhen bei Tag, noch die Tiere des Feldes bei Nacht. Die Schuldigen wurden also für ihre Mordtat bestraft. Aber für die Mutter war das ein Schrecken. Darum sorgte sie dafür, dass sie nicht einfach von Tieren und Vögeln als Gehängte aufgefressen wurden. Sechs Monate lang setzte sie sich dafür ein, dass ihre Söhne nicht so verunehrt wurden.
Wir lesen: „Und sie ließ die Vögel des Himmels nicht auf ihnen ruhen bei Tag, noch die Tiere des Feldes bei Nacht.“ Es wurde David berichtet, was Rizpa, die Tochter Ayas, die Nebenfrau Sauls, getan hatte. Da ging David hin und nahm von den Bürgern von Jabbes-Gilead die Gebeine Sauls und die Gebeine seines Sohnes Jonathan. Diese hatten sie heimlich vom Marktplatz in Betjean weggenommen, wo die Philister sie aufgehängt hatten, an dem Tag, als die Philister Saul auf dem Gilboa schlugen.
David wurde berichtet, was diese Rizpa gemacht hatte – wie sehr diese Frau für ihre schuldigen Söhne gelitten hatte. Doch sie hatte Achtung vor ihren Söhnen, und das bewegte ihn. David verließ Jerusalem und ging nach Jabbes-Gilead. Diese Stadt wird in 1. Samuel 31,11-13 erwähnt.
Saul war auf dem Berg Gilboa gefallen, durch Selbstmord im Kampf gegen die Philister, ebenso Jonathan. Die Philister nahmen die Leichname und hängten sie an der Stadtmauer in Bet She'an auf, ganz nahe bei den Gilboa-Höhen, südlich vom See Genezareth. Wenn man vom See Genezareth in Richtung Jericho fährt, passiert man auf der rechten Seite Betjean, und etwas weiter sieht man die Höhen von Gilboa.
Die Leichname wurden an der Stadtmauer von Betjean aufgehängt, um sie auszustellen und zu schänden. Mutige Männer aus Jabbes-Gilead kamen heimlich und nahmen die Leichname von der Stadtmauer herunter. Sie begruben sie dann.
Jetzt geht David dorthin und holt die Gebeine von Saul und Jonathan. Was hat er vor? Er hat einen Plan. In Vers 13 lesen wir: „Er brachte die Gebeine Sauls und die Gebeine seines Sohnes Jonathan von dort herauf, und man sammelte die Gebeine der Gehängten und begrub sie bei den Gebeinen Sauls und Jonathans, seines Sohnes, im Land Benjamin, in Zäla, im Begräbnis seines Vaters Kis.“ Man tat alles, was der König geboten hatte, und danach ließ Gott sich für das Land erbitten.
David ist bewegt von dieser Mutter, die die Schändung ihrer Söhne nicht akzeptieren kann. Sechs Monate lang kämpfte sie darum, dass die Leichname nicht einfach von Tieren gefressen werden. David sagt sich: Jetzt hole ich die Gebeine von Saul und Jonathan. Sie sind am falschen Ort begraben. Sie sollen in die Hauptstadt, die einstige Königsstadt Sauls, kommen und dort ordentlich begraben werden – zusammen mit den hingerichteten Söhnen.
So bekam Ritzpa Recht, die für die Würde ihrer Söhne gekämpft hatte. David ehrt das Anliegen dieser Mutter, indem er dafür sorgt, dass alle ehrenhaft bestattet werden in Gibeon. Damit ist die Sache abgeschlossen, und Gott gab wieder den Regen für Israel.
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