
Begrüßung und Einführung in den Predigttext
Guten Morgen, liebe Gemeinde, schön, euch zu sehen! Habt ihr euch auch schon gegenseitig gesehen? Ja, das habt ihr. Und euch begrüßt. Wir freuen uns auch über alle, die sich über den Livestream eingeschaltet haben.
Es war schön, viele von euch am letzten Wochenende bei uns zu haben, bei der Eckstein-Konferenz. Wir sind dankbar, dass wir weiterhin verbunden sind, auch über das Medium Internet.
Heute wollen wir im Römerbrief weitermachen. Wir sind immer noch im sechsten Kapitel. Ich lade euch ein, aufzustehen zur Textlesung: Römer 6,15-23.
„Wie nun sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Wisst ihr nicht, wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen? Dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen, es sei der Sünde zum Tod oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit.
Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen seid, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist.
Nachdem ihr aber von der Sünde befreit wurdet, seid ihr der Gerechtigkeit dienstbar geworden. Ich muss menschlich davon reden wegen der Schwachheit eures Fleisches.
Denn so, wie ihr einst eure Glieder in den Dienst der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit gestellt habt zur Gesetzlosigkeit, so stellt jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit zur Heiligung.
Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr frei gegenüber der Gerechtigkeit. Welche Frucht hattet ihr nun damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt schämt? Ihr Ende ist ja der Tod.
Jetzt aber, da ihr von der Sünde frei und Gott dienstbar geworden seid, habt ihr als eure Frucht die Heiligung, als Ende aber das ewige Leben.
Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Amen.
Das Lernen im Glauben – Eine Parallele zum Schreibenlernen
Nehmt gerne Platz. In meiner Schulzeit an der Grundschule habe ich schreiben gelernt. So ging es den meisten von uns. Ich erinnere mich gut an die Herausforderungen, die das Lernen der Schreibschrift mit sich brachte.
Wir hatten als Hausaufgabe ein Schreibheft mit leeren Zeilen. Eines Tages sollte ich immer wieder das kleine „f“ schreiben. Der kleine Christian ist an diesem kleinen „f“ fast gescheitert. Irgendwann rief ich: „Mama, wie oft muss ich das noch machen?“
Ähnlich verhält es sich mit unserem heutigen Predigttext. Er ist wie eine weitere Zeile in Gottes Schulheft, wenn man so will. Meine Lehrerin damals, Frau Gresslin, meinte es gut mit uns, als sie uns das Schreiben beibringen wollte. Deshalb ließ sie uns immer wieder das kleine „f“ schreiben.
So macht es Gott auch mit unserem Bibeltext heute Morgen. Er möchte uns helfen, dass wir lernen zu schreiben und zu buchstabieren, was es heißt, ein Christ zu sein. Es geht darum, zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.
Insbesondere geht es unserem Vater im Himmel darum, dass wir das Evangelium der Gnade Gottes verinnerlichen. Er möchte, dass es uns immer leichter von der Hand geht.
Römer 6 ist ein wichtiges Kapitel, das uns in dieser Sache hilft.
Die neue Identität in Christus und die Herrschaft der Gnade
Wir erinnern uns: Einst waren wir in Adam. Durch seine Sünde kam die Sünde in die Welt, und mit der Sünde kam der Tod zu uns allen.
Doch durch den Glauben an Jesus Christus haben wir ein neues Bundeshaupt. Durch den Heiligen Geist werden wir so eng mit Jesus vereint, dass sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung uns zugerechnet werden.
Wir sind in Christus der Sünde gestorben und mit Christus zu einem neuen Leben, zu einem Wandel in der Heiligkeit befreit worden. Nun herrscht nicht mehr die Sünde über uns, wie damals unter Adam, sondern jetzt herrscht die Gnade über uns, weil wir in Christus sind.
Paulus drückt das in Vers 14 vor unserem Predigttext nochmals so aus: „Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“
Das Gesetz sind die Gebote Gottes. Dieses Gesetz verdammt uns, weil wir die Gebote nicht halten. Es erklärt uns für schuldig aufgrund unserer Sünden. Doch die Strafe, die uns gerechtweise zusteht, hat Jesus getragen, weil er allein das ganze Gesetz erfüllt hat. Es gibt niemand anderen, der das getan hat.
Deshalb heißt es später in Römer 8,1: „So gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“
Noch einmal: „Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid – die Verdammnis des Gesetzes hat Christus getragen –, sondern ihr seid unter der Gnade.“
Die kritischen Reaktionen auf die Gnadenbotschaft
Ähnlich wie zu Beginn des Kapitels, wenn man noch einmal am Anfang von Kapitel 6 nachschaut, gab es dort eine ähnliche Diskussion. Auch bei der Aussage des Paulus in Vers 14 melden sich Skeptiker und Gegner des Evangeliums zu Wort.
Man kann grob zwei Gruppen unterscheiden. Die erste Gruppe bilden die Gesetzeslehrer. Sie sagen: Wenn du, Paulus, behauptest, dass wir nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade stehen, dann öffnest du der Sünde Tür und Tor. Dann haben wir kein Druckmittel mehr, um die Frommen bei der Stange zu halten. Wir verlieren alle Leitplanken. Paulus sagt, Gnade sei wichtig, aber das Gesetz muss trotzdem erhalten bleiben als eine Forderung, die wir erfüllen müssen. Ansonsten herrscht Chaos. Wir müssen doch etwas tun, um Gott wohlgefällig zu leben. Daher brauchen wir das Gesetz. Wie kannst du also sagen: Wir sind nicht unter dem Gesetz? Wir brauchen es, damit der Christ weiß, was er beizusteuern hat. Das ist die eine Reaktion.
Die andere Reaktion kommt von denen, die sowieso alle Fünfe gerade sein lassen wollen – die Liberalen, die Antigesetzlichen. Sie reiben sich die Hände und sagen: So ist es recht, Paulus! Wenn wir nicht unter dem Gesetz stehen, dann sind wir auch frei zu sündigen. Also los, lasst uns ohne schlechtes Gewissen in der Sünde schwelgen.
Das ist genauso wie zu Beginn von Kapitel 6. Es ist eigentlich ein Spiegelbild. Deshalb sage ich: Es ist eine neue Zeile im Schreibheft. Paulus geht jetzt auf diesen Einwand ein.
Wie macht er das? Rudert er zurück? Relativiert er seine Aussage aus Vers 14? Gibt er den Gesetzeslehrern Recht, indem er die Gnade beschneidet? Auch in dieser Zeile des Übungshefts bleibt er dabei und sagt auch dir und mir heute Morgen: Schreib noch einmal! Schreib noch einmal! Die Gnade herrscht! Noch einmal: Die Gnade herrscht! Noch einmal: Die Gnade herrscht! Frau Gresslin, wie oft denn noch? Die Gnade herrscht! Schreib noch einmal: Die Gnade herrscht! So lange, bis wir es verstehen.
Die Aufforderung zur Sinneserneuerung und zur Erkenntnis der neuen Identität
Wie können wir nun diese wesentliche Grundlage verstehen: Wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade? Paulus versucht, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Diesen wollen wir uns unter zwei Punkten ansehen.
Erstens ruft er uns alle – nicht nur die Römer damals, sondern auch uns heute – dazu auf: Erneuere deinen Sinn! Zweitens richtet er sich an dich, lieber Christ, und sagt: Du bist kein Sklave der Sünde mehr.
Das sind die zwei Aspekte, auf die ich eingehen möchte. Also zuerst: Erneuere deinen Sinn.
Erneuere deinen Sinn
Der Apostel schweigt diese kritische Anfrage nicht tot, sitzt sie nicht aus und übergeht sie auch nicht, sondern stellt sich ihr und beantwortet sie.
Vers 15: Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Damit keine Missverständnisse aufkommen und nicht lange um den heißen Brei geredet wird, kommt die klare Aussage vorweg: Das sei ferne! Sündigen ist keine Option, keine Möglichkeit. Also doch Gesetz? Nein, warte ab!
Denn in Vers 16 haben wir es wieder: „Wisst ihr nicht?“ Das ist die Frage. Wisst ihr nicht? Wie schon in Vers 3 zu Beginn des sechsten Kapitels appelliert Paulus hier erneut an unser Wissen. Wir können auch sagen, er appelliert an unser Verständnis, an unseren Verstand. Wisst ihr nicht? Habt ihr nicht gelernt? Habt ihr es nicht verstanden?
Das ist ein großes Problem von uns Christen: Wir sind vergesslich. Oft wissen wir nicht, wer wir sind, besonders in unseren täglichen Anfechtungen, wenn die Sünde uns verführen will. Wenn sie wieder an deine Herzenstür klopft, haben wir zu selten verinnerlicht, dass Jesus Christus wirklich alles für uns getan hat. Er ist die Basis nicht nur für unsere Errettung, sondern auch für unsere Heiligung.
Stattdessen möchten wir etwas leisten und Aufgaben erfüllen. Wir rufen nach dem Gesetz. Doch Paulus sagt: Bevor du jetzt etwas tust, musst du wissen, wer du bist. Bevor du etwas tust, musst du wissen, wer du bist.
Denk mal daran, als Saulus damals, bevor er Paulus wurde, die Gemeinde verfolgte. Schnaubend ritt er auf einem Pferd die Straße nach Damaskus entlang mit der Absicht, die ersten Christen zu töten, zu verschleppen und gefangen zu nehmen. Doch plötzlich begegnete ihm der auferstandene Herr in einer übernatürlichen Begegnung.
Wir lesen das oft und gehen darüber hinweg, aber wir müssen verstehen: Diese Begegnung hat den Apostel bis in die Grundfesten seines Seins erschüttert. Sie hat ihn sein Leben lang geprägt. Das ist gut nachvollziehbar, wenn Christus dir in solch machtvoller Weise begegnet. Dieses Treffen hat sein Denken und seine Lehre, die er später verkündete, tiefgreifend geprägt.
Was rief Jesus ihm zu? „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Paulus braucht viele Seiten in der Bibel, viel Tinte, um uns klarzumachen, was das bedeutet. Warum sagt Jesus, als Saulus Christen verfolgte, „Warum verfolgst du mich?“ Warum sagt Jesus nicht: „Warum verfolgst du die Gemeinde?“ Er sagt nicht das, sondern: „Warum verfolgst du mich?“
In diesem einen Satz steckt eine unfassbar tiefe theologische Wahrheit, die dein und mein Christenleben festmachen und verankern will. Nämlich, da ist eine Beziehung zwischen Jesus und seinen Nachfolgern, die so intensiv, so innig, so verschmolzen ist, dass die Reichtümer Jesu deine Reichtümer geworden sind. Seine Gerechtigkeit durch seinen Gehorsam im Leben, Sterben und Auferstehen wurde zu deiner Gerechtigkeit. Sein Gehorsam den Geboten Gottes gegenüber wurde zu deinem Gehorsam.
So eng bist du mit ihm verschmolzen. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass deine Verfolgung seine Verfolgung geworden ist. Das hat Paulus tief erschüttert, als Jesus zu ihm sagte: „Warum verfolgst du mich?“, während er hinter den Christen her war. Da verstand er: Ein Christ ist so sehr mit Christus vereint, dass wenn wir hinter den Christen her sind, wir hinter Jesus her sind.
Statt nach Werken zu rufen, müssen wir lernen – und ich glaube, das ist die Zeile, die hier nochmal neu kommt – und ich sitze selbst immer wieder auf der Schulbank Gottes und muss das lernen. Gerade in dieser Woche habe ich mich mit meiner Frau über die Frage unterhalten, wie oft wir in den letzten Tagen bewusst an die Realität gedacht haben, dass wir in Christus sind. Zu meiner Schande musste ich bekennen: viel zu selten, wenn überhaupt.
Deswegen sitzen wir hier, um uns daran neu zu erinnern, uns erinnern zu lassen und wieder neu zu schreiben: Statt nach Werken zu rufen, müssen wir lernen, was es heißt, ein Christ zu sein. Wir sind aufs Innigste mit Jesus vereint.
Deshalb fragt Paulus: Verstehst du nicht, was es bedeutet, dass du auf diese Weise so eins mit ihm bist? Wir müssen es immer wieder in Erinnerung rufen: Durch den Glauben sind wir nicht länger mit Adam vereint. Wir gehören nicht mehr der alten Familie an. Wir leben auch nicht mehr im alten Reich der Sünde und des furchtbaren Todes.
Sondern Kolosser 1,13 sagt: Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Wir leben nicht mehr im Königreich der Finsternis, sondern im Reich des Lichts, im Reich Gottes.
Durch unsere Einheit, durch unser Verschmolzensein mit Jesus sind wir der Herrschaft der Sünde gestorben. Wir sind mit ihm durch seine Auferstehung freigesetzt zu einem neuen Leben.
Deswegen kann der Apostel kühn behaupten: Die Sünde wird nicht herrschen über euch (Vers 14), weil ihr anders seid. Es ist interessant, dass er das so sagt. Das ist kein Befehl, sondern eine Feststellung, eine Tatsache.
Ja, die Gegenwart der Sünde ist real, wie wir oft gesagt haben. Wir wissen es, sie ist nicht fort. Erst wenn wir bei Jesus sind, wird die Gegenwart der Sünde nicht mehr sein. Aber wir sind in Jesus nicht länger unter ihr, nicht unter ihrer Herrschaft, sondern unter Christi Herrschaft.
Und erst wenn wir diese Basis, unser Verschmolzensein, unser Verwobensein mit Christus verstanden haben, können wir auch den Aufforderungen zu einem heiligen Lebenswandel nachkommen.
Wenn wir gleich mit den Aufforderungen kommen und appellieren, dann werden wir scheitern. Wenn wir uns nicht der Gnade und unserer Einheit mit Christus bewusst sind, werden uns alle Imperative in der Bibel zermalmen.
Wenn wir nicht wissen, dass wir in der Gemeinschaft mit Jesus eine göttliche Kraft zur Verfügung haben, die uns hilft, gehorsam zu sein, werden wir scheitern.
Dies ist dem Apostel so wichtig, dass er dreimal dieselbe Frage stellt: Vers 3: „Oder wisst ihr nicht?“ Vers 16: „Wisst ihr nicht?“ Kapitel 7 Vers 1: „Oder wisst ihr nicht?“ Viel zu oft lautet die Antwort: Nein, ich weiß diese Dinge nicht.
Deswegen sage ich als Punkt eins: Wir brauchen immer wieder ein erneuertes Denken, immer wieder Übung. Das heißt in Römer 12,2: „Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch in eurem Wesen verwandeln, ja wie denn? Durch die Erneuerung eures Sinnes.“
Durch die Erneuerung unseres Denkens, durch das Erfassen der Realität, was mit mir passiert ist: Ich bin nicht mehr in Adam, ich bin jetzt in Christus.
Wie ist es bei dir? Ist dein Sinn in dieser Weise erneuert? Wie oft denkst du über dein Einssein mit Jesus nach? Auf wie vielen Zeilen hast du schon geübt zu schreiben? Das Üben ist mitunter mühselig. Wir wollen lieber eine schnelle Antwort.
Wie viele Zeilen hast du schon geübt? Einige von uns sind neu im Glauben – preis dem Herrn, Halleluja! Wir haben Neubekehrte unter uns, das beweisen die Taufen in den letzten Monaten. Dein Heft ist noch recht leer, was die Nachfolge angeht, aufgrund der Frische deiner Nachfolge. Du hast noch sozusagen ein neues Schuljahr, ein neues Heft, alles ist noch schön.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du geprägt vom Evangelium der Gnade schreiben lernst. Dass du von „klein auf“ verstehst, wer du in Jesus bist. Dass du nicht in eine Werkgerechtigkeit abdriftest, sondern aus der Gnade und der Erneuerung deines Sinnes und Herzens, aus dem Stand, dass du jetzt in Jesus bist, den Aufforderungen Gottes von Herzen nachkommst.
Nicht, weil dir jemand sagt: „Du bist jetzt Christ, deswegen musst du dies, dies, dies und dies tun, und das musst du lassen und das auch.“ Dann haben wir nichts verstanden.
Andere unter uns haben schon einige Zeilen geschrieben. Euer Heft ist schon recht voll, schon ein bisschen zerfleddert. Aber manch einer von uns – und ich will mich da gar nicht ausnehmen – hat auch zeitlang falsch geschrieben, falsch begonnen. Es haben sich Fehler eingeschlichen. Wir haben vergessen, dass die Gnade herrscht.
Gott ist dabei, uns zu korrigieren und uns die Augen zu öffnen für die Wirklichkeit unserer Einheit mit Christus.
Also wollen wir weiter lernen, Zeile für Zeile, dass wir der Sünde gestorben sind, mit Christus zu einem neuen Leben auferstanden sind. Und während wir das immer wieder üben, gehen wir los und wollen auch demgemäß leben.
Erstens also: Erneuere deinen Sinn!
Zweitens: Wisse, wer du bist – kein Sklave der Sünde mehr!
Wisse, wer du bist – kein Sklave der Sünde mehr
Die Frage lautet also: Wie kann Paulus in Vers 14 sagen, die Sünde werde nicht über euch herrschen, weil ihr nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade seid? Einige befürchteten, dass damit der Sünde Tür und Tor geöffnet wird. Paulus rückt jedoch keinen Zentimeter von seiner Aussage ab. Stattdessen erinnert er uns an unseren neuen Stand, den wir in Christus haben.
Diesen vergleicht er nun mit dem Sklavenstand. In Vers 16 heißt es: Wisst ihr nicht, wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen? Dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen – sei es der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit.
Der Apostel fügt der herrschenden Gnade im Leben eines Christen also kein Gesetz und kein Werk bei, sondern führt uns zurück zu dem, wer wir einst waren: Sklaven der Sünde. Gleichzeitig zeigt er auf, wer wir jetzt in Jesus sind. Vers 17 sagt: Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen seid, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid, dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist. Nachdem ihr von der Sünde befreit wurdet, seid ihr der Gerechtigkeit dienstbar geworden.
Schau, sagt er, wie kannst du fragen, ob wir weiter sündigen dürfen, wenn wir nicht länger unter dem Gesetz sind? Weißt du nicht, wer du bist? Das ist die Antwort. Wir können es auch anders ausdrücken: Wenn die Versuchung an dein Herz anklopft und dich zur Sünde verleiten will, dann wisse, wer du bist. Du bist nicht länger ein Sklave der Sünde. Das ist vorbei. Du bist ihr nicht mehr dienstbar und folgst ihrem Ruf nicht – weil du weißt, wer du bist.
Stell dir die Frage: Will ich wirklich diesen Schritt gehen und mich damit zurück in die Ketten des Todes und in den Kerker des Elends begeben? Will ich in das Verlies der Schande hinabsteigen? Es wäre töricht, aus der Sklaverei befreit zu werden, nur um wieder in sie zurückzukehren.
Das Problem ist ja – da gebe ich dir recht – dass die Sünde uns etwas anderes vorgaukelt. Sie stellt sich nicht als Sklaverei vor. Sie sagt nicht: „Hallo, ich habe hier die Kette, komm, gib mal deine Hand, ich führe dich in den Kerker.“ Der Teufel ist ein Lügner. Er verkauft seine fiesen Absichten unter einem anderen Namen.
Statt sich als Sklaverei darzustellen, präsentiert sich die Sünde als Wesen der Freiheit selbst. Das war schon im Garten Eden der Fall. Der Teufel sagte sinngemäß zu Eva: Lasst euch nicht durch Gottes Wort binden, seid frei, esst von dem Baum und werdet wie Gott, indem ihr gut und böse erkennt.
Wenn die Sünde dich mit solchen Aussichten verführen will, dann erinnere dich daran, wer du bist: nicht mehr in Adam, sondern in Christus. Frei von der Sünde, kein Sklave des Bösen mehr. Ich will nicht zurück in den Kerker, ich will nicht zurück in die Kälte und Isolation.
Paulus gibt uns eine weitere Hilfe im Kampf mit der Sünde, nachdem wir verstanden haben, wer wir sind. Er erinnert uns daran, wohin die Sünde führt: zum Tod. Mehrfach erwähnt er, wie wichtig es ist, das zu verstehen.
In Vers 16 heißt es: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen, sei es der Sünde zum Tode. Vers 21 sagt: Welche Frucht hattet ihr nun damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt schämt? Ihr Ende ist ja der Tod. Und in Vers 23: Denn der Lohn der Sünde ist der Tod.
Auch dies steht uns zu selten vor Augen, wir vergessen es. Auch das war im Garten Eden Thema. Gott hatte gesagt: Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben.
Der Teufel jedoch entgegnete: Keineswegs werdet ihr sterben, sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, euch die Augen geöffnet werden und ihr sein werdet wie Gott und erkennen werdet, was gut und böse ist.
Da war es ein echter Konflikt für Eva. Gott sagt, du wirst sterben, der Teufel sagt, ihr werdet keinesfalls sterben. Wer hat denn jetzt Recht? Wem sollte sie glauben? Also beschloss sie, das Dilemma selbst zu lösen. Sie untersuchte den Baum und sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum sei, weil er weise macht.
Sie nahm von seiner Frucht, aß und gab auch ihrem Mann davon, der bei ihr war, und er aß. Was geschah? Sie starben – augenblicklich in ihrem Geist, denn die Gemeinschaft, die sie bis zu diesem Moment mit Gott genossen hatten, war sofort unterbrochen. Deswegen versteckten sie sich vor ihm, als er später in den Garten zu ihnen kam.
Auch ihre Persönlichkeiten begannen zu zerfallen. Sie begannen zu lügen und die Schuld einander zuzuschreiben. Schließlich starben auch ihre Körper, ihre Leiber, wie Gott gesagt hatte: „Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“
Daher wollen wir nicht auf jene hören, die uns sagen, dass Sünde harmlos sei. Wir wollen auch nicht unserem eigenen Urteil vertrauen und den Baum selbst untersuchen, ob er vielleicht doch angenehm wäre. Wir müssen Gott vertrauen, der uns sagt, dass Sündigen sterben heißt.
In unseren Anfechtungen erinnern wir uns daran, wer wir sind: nicht länger Sklaven der Sünde, nicht länger dem Tod geweiht, denn wir sind befreit – befreit durch Jesus Christus. Vers 17 sagt: Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen seid, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid, dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist. Du bist frei – durch Jesus zum Leben.
Der neue Dienst – Sklave Gottes statt Sklave der Sünde
Paulus macht hier noch etwas deutlich: Es gibt nur zwei Wege. Entweder sind wir Sklaven der Sünde oder Diener Gottes. Er sagt sogar selbst „Sklave Gottes“, Knecht, Thulos.
Vers 18: „Nachdem ihr aber von der Sünde befreit wurdet, seid ihr der Gerechtigkeit dienstbar geworden.“ Siehst du das? Du hast jetzt einen anderen Dienst; du dienst jemand anderem.
Vers 22: „Jetzt aber, da ihr von der Sünde frei und Gott dienstbar geworden seid, habt ihr als eure Frucht die Heiligung, als Ende aber das ewige Leben.“
Also, du warst einst, bevor du an Jesus geglaubt hast, Sklave der Sünde. Du wurdest von Christus befreit und nun zu seinem Diener gemacht. Durch seine Erlösung hat Jesus Menschen für sich selbst erkauft.
Es ist wichtig, dass wir das verstehen: Er hat dich nicht einfach aus den Ketten der Sünde erlöst und dich in ein neutrales Land gestellt. Dort könntest du gar nicht überleben, weil ein riesiges Vakuum in deiner Seele ist, das gefüllt werden muss. Das wäre nicht die Freiheit, zu der er dich berufen hat.
Stattdessen hat er dich erlöst aus den Ketten Satans und dich zu seinem Knecht gemacht, zu seiner Dienerin. Wir können sogar sagen, zu seinem Sklaven, denn so steht es geschrieben.
Vielleicht fragst du jetzt: Was ist denn das für ein Gewinn? Welchen Vorteil hat es, von einem Herrn befreit zu werden, wenn es nur bedeutet, dass wir Sklaven eines anderen werden?
Schau, die Bibel ist an dieser Stelle tatsächlich schwarz-weiß. Es sind zwei Wege. Jesus spricht vom schmalen Weg mit der schmalen Pforte, die zum ewigen Leben führt. Und er spricht von der breiten Pforte und dem breiten Weg, der in die Verdammnis führt. Er spricht nicht von einem dritten Weg.
Psalm 1 beschreibt es so: Da ist der Gottlose, und da ist der Gerechte. Es gibt keinen dazwischen. Der Gerechte wird blühen wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und was er tut, das gerät wohl. Aber so ist der Weg der Gottlosen nicht; ihr Ende ist das Verderben.
Hier stellt sich nun die Frage: Was ist denn wirklich Freiheit? Frei von der Sklaverei der Sünde – das können viele Menschen noch nachvollziehen. Aber dann hineinversetzt zu werden in eine neue Abhängigkeit gegenüber Gott, das empfinden sie nicht als Freiheit.
Doch was ist denn Freiheit? Jemand hat gesagt: Freiheit ist nicht Autonomie. Freiheit ist nicht die Lizenz, absolut alles tun zu können. Wahre Freiheit ist die Fähigkeit, seine Bestimmung zu erfüllen. Wirkliche Freiheit bedeutet, das zu tun, was richtig ist.
Gott zu dienen und ihm zu gehorchen, ist unsere Bestimmung. Das ist das Wasser, in dem wir uns als Fisch wohlfühlen. Das ist die Luft, die wir als Menschen atmen. In Christus können wir nun tun, was richtig ist und was gerecht ist. Und das ist wahre Freiheit.
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Freiheit absolutes Losgelöstsein bedeutet von anderen und von äußeren Umständen oder Mächten in dir oder um dich herum. Es gibt de facto keinen Menschen auf der Welt, der in dieser Weise frei ist. Es ist immer jemand da, der über dir, neben dir, unter dir oder sonst wo ist und dich einzwängt.
Das einzige absolut freie Wesen im gesamten Universum ist Gott allein. Wenn du Freiheit suchst, wahre Freiheit suchst, dann musst du zu Gott kommen. Dort findest du echte Freiheit.
Gott zu dienen und ihm zu gehorchen, ist unsere Bestimmung. Dabei darfst du nicht vergessen: Unser Vater im Himmel ist kein grausamer Sklavenhalter, sondern ein guter, gütiger und liebevoller Herr. Ihm zu dienen führt in die wahre Freiheit.
Nun bist du nicht mehr Sklave der Sünde, sondern Diener Gottes, der dir echte Freiheit schenkt. Denn der Lohn
Vers 23: „Der Sünde ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“
Der Ruf zur Nachfolge und das Gebet um Gnade und Gehorsam
Unser Herr Jesus ruft uns heute Morgen. Er ruft Menschen, er ruft Menschen. Es geht ihm nicht um abstrakte Theologie, sondern um dein Herz. Er will dich retten, er will dich befreien. Er will dich aus der Sklaverei der Sünde in die Nachfolge Jesu und in die wahre Freiheit rufen.
Die, die ihm schon folgen, lernen immer wieder neu eine Zeile: Schreibe es noch einmal auf – die Gnade regiert, Christus regiert. Wir lernen, gehorsam zu sein durch sein Wort. Vers 17: Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen seid, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert wurde.
Ja, wir sind gehorsam geworden aus Gnade. Wir sagen: Herr, alles, was du sagst, das höre ich. Alles, was du befiehlst, das tue ich. Alles, was du liebst, liebe ich. Herr, wo immer du mich sendest, ich gehe. Ich werde gehen, ich möchte dir gehorchen.
Unser neuer Stand in Jesus soll nicht vergessen werden. Im Alten Testament durfte ein Sklave nach sechs Jahren Dienst für seinen Herrn in die Freiheit entlassen werden. Aber wenn er sagte, 2. Mose 21: „Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht freigelassen werden“, dann sollte er bleiben. Als Erinnerung dafür bekam er einen Pfriemen durch sein Ohr geschlagen.
Sein Herr war so gut zu ihm, dass er sich nichts Besseres vorstellen konnte, als auf ewig mit ihm verwoben zu sein. Mein Gebet ist, dass diese Wahrheit wie ein Pfriemen in unseren geistlichen Ohren durchgetrieben wird: Ich bin ein Sklave Gottes, und das bringt mir Freiheit.
Also, wenn du befreit wurdest aus der Sklaverei der Sünde, dann wirst auch du sagen: Ich liebe meinen Herrn, ich will nicht freigelassen werden. Vergiss nicht, wer du bist: ein Sklave Christi, ein Diener Gottes mit einem Pfriemen im Ohr, der uns erinnert: Ich gehöre Jesus, ich will nicht mehr weg.
Es ist zu gut bei dir, Herr. Ich möchte dir gehorchen, nicht unter Gesetzeszwang, sondern aufgrund eines neuen Herzens. Ich stehe nämlich nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Amen!
Lasst uns beten: Herr, ja, wir wollen lernen, immer wieder neu. Schreiben, schreiben, schreiben: Die Gnade regiert, die Gnade regiert. Ja, Herr, du änderst uns in unserem Herzen, in unserem Sinn, in unserem Verstand.
Ich bete für mich zuallererst, dass ich es lerne und nicht aufhöre zu lernen, was es heißt, ein Diener Gottes zu sein. Ich bete für meine Brüder und Schwestern, für uns alle. Herr, führe uns immer weiter in diese Wahrheit hinein und entlasse uns nicht aus der Schule.
Und ich bete auch für Menschen, die heute Morgen diesen Ruf hören. Denn du sehnst dich nach Freiheit, nach echter Freiheit. Und du hast heute verstanden, dass sie nicht darin zu finden ist, frei von jeglicher Autorität zu sein, sondern dass sie zu finden ist unter der Autorität des liebevollen Gottes, der dir in seinem Sohn Jesus Christus begegnet.
Willst du nicht umkehren und Jesus dein Leben geben? Er ruft dich, er ruft dich jetzt. Kero! Und das tust du, Herr, durch die lebendig machende Kraft deines Heiligen Geistes. Du schaffst neues Leben, Menschen werden neugeboren! Danke dafür! Amen!