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Der Zorn Gottes

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 4/16
16.02.2025Römer 1,18-32
SERIE - Teil 4 / 16Wir betrachten den Römerbrief
Gott zeigt Zorn über unsere Gottlosigkeit – doch was bedeutet das für unser Leben? Warum ist die Erkenntnis der eigenen Schuld die Voraussetzung, um echte Vergebung und Rettung zu erfahren? Und wie passt Gottes Zorn zur Liebe? Entdecke, warum das Evangelium zuerst mit der schlechten Nachricht beginnt und wie echte Umkehr und Gnade zusammenhängen. Wie kann Gottes Zorn zugleich Ausdruck seiner Liebe sein?

Einführung und Lesung des Textes

Nun geht es heute weiter im Römerbrief, Kapitel eins. Daher der Hinweis an die Regie: Ihr könnt jetzt schon auf Aufnahme drücken. Mein Vater bat mich nämlich, den Text vorzulesen.

Nun stehen wir gemeinsam auf und lesen Römer 1,18-32.

 Römer 1,18: Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten. Das, was von Gott erkennbar ist, ist unter ihnen offenbar, denn Gott hat es ihnen offenbart.

Denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben.

Obwohl sie Gott erkannten, haben sie ihn nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Stattdessen verfielen sie in ihren Gedanken in nichtigen Wahn, und ihr unverständliches Herz wurde verfinstert.

Weil sie sich für weise hielten, wurden sie zu Narren. Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln, vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.

Darum hat Gott sie dahingegeben in die Begierden ihrer Herzen, zur Unreinheit, sodass sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren.

Sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen, anstatt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen!

Darum hat Gott sie auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften. Ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen.

Gleichweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde. Sie haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.

Und ebenso, wie sie Gott nicht der Anerkennung würdigten, hat Gott sie dahingegeben in unwürdige Gesinnung, um Dinge zu tun, die sich nicht geziemen.

Sie sind voll von aller Ungerechtigkeit, Unzucht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, Neid, Mordlust, Streit, Betrug und Tücke.

Sie sind solche, die Gerüchte verbreiten, Verleumder, Gottesverächter, Freche, Übermütige, Prahler, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unverständlich, treulos, lieblos, unversöhnlich und unbarmherzig.

Obwohl sie das gerechte Urteil Gottes erkennen, dass diejenigen des Todes würdig sind, die solche Dinge tun, tun sie sie nicht nur selbst, sondern haben auch Gefallen an denen, die sie tun.

Amen.

Die Gemeinde darf sich setzen. Wir wünschen Gottes Segen, Papa, bei der Predigt.

Die Bedeutung des Zorns Gottes im Evangelium

Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite. Der Text ist enorm herausfordernd, besonders auch in unserer Zeit. Wir beten, dass wir vom Herrn Hilfe empfangen, diesen Text zu verstehen, denn er ist Gottes Wort.

Was wir bisher im Römerbrief behandelt haben, war lediglich die Einleitung. Diese schloss mit dem gewaltigen Satz: „Ihr erinnert euch, der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Mit diesen Worten zeigte uns Paulus die Eingangspforte zum Evangelium und somit auch zum Römerbrief – das Tor zu unserem Heil. Wir werden nicht aus Werken, sondern aus Glauben gerettet. Das ist sozusagen die Überschrift über den gesamten Brief und über das gesamte Evangelium.

Was der Apostel jetzt macht, ist, dass er beginnt zu entfalten, was dieser Satz „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ eigentlich bedeutet und was dahintersteckt. Er erklärt uns der Reihe nach das Evangelium. Um die gute Nachricht vom Glauben erfassen zu können, ist es nämlich nötig, zuerst die schlechte Nachricht zu verstehen: die Nachricht von unserer Sünde und vom Zorn Gottes.

Wenn ich keine Sünde habe, von der ich gerettet werden muss, welchen Sinn ergibt dann noch das Evangelium? Gar keinen. Wenn es gar nicht nötig ist, dass ich von Sünde gerettet werde, klingt die Botschaft vom Kreuz zwar ganz nett, aber sie ist überhaupt nicht relevant. Deshalb war es für Paulus von großer Bedeutung, erst einmal die Grundlage zu legen und die schlechte Nachricht zu erzählen. Denn sonst weiß niemand, worin die gute Nachricht besteht.

Niemand könnte die Geschichte von Gottes errettender Gnade und Liebe verstehen, wenn er nicht zuvor hören würde, dass Gott entschlossen ist, uns wegen unserer Sünde zu richten. Darum geht es Paulus in den Kapiteln 1 bis 3, Vers 20. In diesem langen Abschnitt befasst sich Paulus zunächst einmal mit unserer fatalen Ausgangslage.

Die Ablehnung Gottes durch den Menschen

Darum kann ich nicht verstehen, warum die Botschaft vom Zorn Gottes so unter Beschuss steht – auch nicht selten unter Christen und auf Kanzeln. Eher macht man Witze über die Hölle, und Pastoren, die über die ernste Seite des Evangeliums reden, werden als Feuer- und Schwefelprediger bezeichnet.

Es sticht uns Menschen, vom Zorn Gottes zu hören und von unserer totalen Verdorbenheit. Wir wollen gestreichelt werden und nicht gestört, das ist doch klar. Heute möchte man einen angenehmen Gottesdienst haben, einen Wohlfühlgottesdienst. Und nun kommt Paulus und redet vom Zorn Gottes. Das macht manche Leute nervös, letztlich uns alle.

Weil wir das nicht mögen, haben wir den Begriff Sünde aus unserem kollektiven Gewissen einfach gestrichen. Unsere Gesellschaft glaubt nicht mehr an das Böse im Menschen. Wenn dennoch jemand davon redet, meint er höchstens Hitler. Alle anderen seien gut, irgendwie mindestens. Wir glauben an das Gute im Menschen.

Also soll man doch nicht vom Zorn Gottes reden – das sei aus dem Mittelalter. Aber Paulus beginnt seine Entfaltung des Evangeliums mit diesem Begriff. In Vers 18 hören und lesen wir: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her.“ So fängt er an, über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen zu sprechen.

Damit ist die Grundhaltung der Menschengemeinde gemeint, die gottlos werden will. Daher kommt das Wort „gottlos“. Man will gottlos werden, obwohl Gott ihr Schöpfer und auch ihr Erhalter ist. Der Mensch stellt sich gegen den, von dem er abstammt und von dem er Sekunde um Sekunde auch abhängt.

Denn wenn Gott jetzt seine Hand von dir zurückziehen würde, würdest du aufhören zu atmen. Wir hängen von Gott ab und schlagen ihm ins Gesicht, indem wir sagen: „Mit dir habe ich nichts zu tun.“ Diese Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit, wie unser Text unsere Rebellion gegen den Allerhöchsten bezeichnet, ist dadurch kenntlich, dass der Mensch nicht auf Gott, sondern nur auf sich selbst bezogen leben will.

Er macht sich zum Zentrum alles Seins. Er will Gott ausschließen – aus seinem Denken, aus seinem Glauben, aus seinen Plänen, seinen Zielen, aus seinem gesamten Leben. Er überhebt sich und maßt sich an, sich gegen den Allmächtigen zu stellen. Und schlägt dem ins Angesicht, dem er alles, aber auch alles zu verdanken hat.

Das ist gottlos, das ist gottlos und ungerecht. Und das, liebe Freunde, das ist es, was Gott erzürnt. Ja, er offenbart seinen Zorn vom Himmel, sagt Paulus.

Gottes Zorn als Ausdruck seiner Gerechtigkeit und Liebe

Dabei denken viele, der Zorn Gottes sei eine Art Wutausbruch, bei dem jemand seine Fassung verliert und in Raserei gerät. Sie meinen, Zorn sei Gott nicht würdig und passe nicht zu seiner Liebe. „Gott ist doch Liebe“, sagen sie, und das schließe den Zorn Gottes aus.

Aber, liebe Gemeinde, ist das wirklich so?

Wir sehen, wie die Gesellschaft über die aktuellen Terrorakte in unserem Land empört ist. Die Vertreter unserer Gesellschaft, besonders aus Politik und Regierung, gehen zu den Tatorten und drücken sofort ihre Empörung aus – und ganz Deutschland soll es hören. Was sagen sie? Diese Täter müssen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Damit hoffen sie, das Empfinden der Menschen im Land ein wenig zu beruhigen, denn sie wissen: Die Menschen sind zornig über das, was passiert ist. Die Offiziellen drücken diesen Zorn öffentlich aus.

Das ist für uns, ihr Lieben, Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist nicht böse, sondern Liebe. Politiker, die ihr Land lieben, liefern es nicht der Anarchie und Kriminalität aus, sondern greifen durch und schaffen Gerechtigkeit für das Volk. Deshalb ist Gottes Zorn absolut kein Widerspruch zu seiner Liebe.

Pastor Liggen Duncan, den wir als Hauptredner auf einer E21-Konferenz hier in der Arche kennengelernt haben, erzählt in seiner Predigt von einem Gerichtsprozess in Amerika gegen einen Arzt. Dort gibt es sogenannte Partial-Birth Abortions, auf Deutsch Teilgeburtsabtreibungen, die im Rahmen sogenannter Spätabtreibungen durchgeführt werden.

Pastor Liggen-Duncan berichtet wie folgt, ich zitiere:

Vor Gericht sollte eine Geburtshelferin genau beschreiben, was sie unerwartet und ungewollt bei einer solchen Spätabtreibung miterleben musste. Sie trat als Zeugin gegen den Arzt auf. Sie berichtet: „Auf dem laufenden Ultraschall konnte ich das Baby sehen und auch seinen Herzschlag. Der Arzt ging mit der Zange in den Mutterleib, erfasste die Beinchen des Kindes und zog es den Geburtskanal hinunter, bis der kleine Körper draußen war – bis auf den Kopf. Die Fingerchen bewegten sich, die Füßchen strampelten. Dann stieß der Doktor dem Baby mit der Schere in den Hinterkopf. Die Ärmchen und Beine zuckten zusammen. Dann stieß der Arzt einen Absaugkanal in die Öffnung des Kopfes. Das Baby wurde schlaff. Ich war völlig unvorbereitet auf das, was ich sah. Schließlich zog er auch den Kopf aus dem Mutterleib, durchtrennte die Nabelschnur, holte die Plazenta heraus und warf das Kind zusammen mit ihr in die Instrumentenschale.“ Und dann sagte die Krankenschwester noch: „Der kleine Junge hatte ein Gesichtchen wie ein Engel, wie ich es in meinem Leben noch nie gesehen habe.“

Warum erzählt Pastor Liggen diese Geschichte? Er sagt: „Ich möchte meine Zuhörer nicht schockieren, und ich selbst auch nicht. Aber wir stellen uns sofort die Frage: Was macht das mit uns, ihr Lieben?“ Wenn dann sogar noch entsprechende Bilder gezeigt werden, kommt doch eine innere Abscheu in uns hoch.

Der Arzt ist ja hoffentlich auch verurteilt worden.

Empörung, Entrüstung, Zorn – und was ich dich einfach fragen möchte: Ich glaube, niemand hier kann bei solch einer Ungerechtigkeit ohne Zorn bleiben. Wenn das so wäre, kann ich mir schwer vorstellen, dass ein solcher Mensch zu mitmenschlicher Liebe fähig ist.

Wenn du von Gott verlangst, dass er nicht zornig sein soll, verlangst du einen unmoralischen Gott. Hast du das verstanden? Zornig zu sein gegen das Unrecht ist nicht die Antithese von Liebe, sondern notwendig für die Liebe.

Was können wir also aus unserer eigenen Entrüstung über diese Abscheulichkeit ablesen? Sie gibt uns einen kleinen Einblick in Gottes Herz und wie es über die Sünde der Menschen fühlt. Sie ist ein Skandal für Gott, so wie wir empfunden haben, dass es ein Skandal ist, was wir gehört haben. Und da Gott ein absolut moralisches Wesen ist, kann der lebendige Gott unsere Bosheit nicht ertragen. Gott ist erschüttert. Jede Sünde ist für ihn ein abscheulicher Skandal. Gott ist zornig – das ist der Ausgangspunkt des Evangeliums.

Deshalb fängt Paulus mit den Worten an: „Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen“ (Römer 1,18).

Pastoren – und Gott möge uns davor bewahren – sollten niemals in die Falle tappen, den Zorn Gottes wegzulassen, nur weil sie seine Liebe betonen möchten. Eine solche Idee, wie wir eingangs sagten, macht das Evangelium zunichte. Sie zerstört es von Kopf bis Fuß.

Denn das Evangelium macht keinen Sinn, es sei denn, wir erkennen unsere Sünde, unsere Verdammnis und unseren ewigen Tod.

Die Bedeutung der Vergebung im Licht der Sünde

Manchmal hören wir, wie jemand salopp sagt: „Ja, Gott vergibt allen ihre Sünden.“ So, als wollten sie damit ausdrücken, dass es doch sein Geschäft sei. Selbstverständlich vergibt Gott Sünde. Na klar, das ist so eine Gewohnheitssache.

Doch wir verstehen dabei nicht, dass Vergebung keine Selbstverständlichkeit ist. Vergebung ist nichts, was ein Mensch einfach so verdient hat. Sie ist das allererstaunlichste und unbegreiflichste, was die Welt je gesehen hat. Vergebung ist ein Wunder.

Das verstehen wir erst, wenn wir die schlechte Nachricht des Evangeliums wirklich begriffen haben. Sonst bleibt alles nur heiße Luft. Erst wenn wir sagen: „Ja, Herr, dein Zorn ist gerecht, mir steht nichts als Verdammnis zu,“ dann erst erkennen wir die Herrlichkeit und das Wunder der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Dazu möge uns Gott durch den Heiligen Geist an diesem Morgen helfen. Gott möge euch alle segnen und unsere Herzen ergreifen.

Die Erkenntnis Gottes durch die Schöpfung und die Verantwortung des Menschen

Paulus beschreibt in seinem Text nun genauer den Skandal, den sich die Menschen Gott gegenüber leisten. Er schreibt, worin dieser Skandal in seinem Wesen besteht. Wir hören noch einmal seine Worte: „Denn das, was von Gott erkennbar ist, ist ihnen offenbar; Gott selbst hat es ihnen offenbart. Sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben.“

Gott ist deshalb erzürnt, weil die Menschen wissen, was sie tun. Sie sind nicht unwissend, sondern das, was von Gott erkennbar ist, ist unter ihnen offenbar. Sie haben keine geistliche Erkenntnis, die der Heilige Geist einem Menschen in der Wiedergeburt schenkt. Ihr Sinn und Verstand sind fleischlich. Deshalb spricht Paulus auch nur von dem, was von Gott erkennbar ist, „unter ihnen“. Er meint damit, dass alle Menschen, auch wenn sie noch keine erneuerten Herzen haben, Gottes Macht und Schöpferkraft erkennen können. Sie haben von Natur aus einen Hinweis darauf und wissen, dass es einen Gott gibt.

Ein Atheist besuchte einen gläubigen Lehrerkollegen und bewunderte dessen phantastische Uhr. Er fragte: „Aus welcher Schmiede stammt denn dieses wunderbare Ding?“ Da antwortete der Christ: „Von keiner Schmiede, sie ist von selbst entstanden.“ Daraufhin sagte der Atheist: „Jetzt spinnst du aber.“ Der christliche Bruder entgegnete: „Du kannst nicht glauben, dass diese kleine Uhr von selbst entstanden ist, behauptest aber, dass die große Uhr unseres Sonnensystems, nach der sich alle Uhren dieser Welt richten, von allein entstanden ist. Ich glaube, du spinnst mehr als ich.“ Da kratzte sich der Atheist am Kopf und sagte: „Wenn jemand sagt, diese Uhr ist von selbst entstanden, dann bin ich ein Spinner, jetzt ist das klar. Aber das Uhrwerk der Schöpfung, das ist von selbst entstanden? Ja, wer spinnt?“

Alle Menschen wissen, dass es einen Gott gibt. Sie wissen es. Trotzdem leugnen sie ihn und verwerfen ihn. Sie sündigen wider besseres Wissen. Jesus hat einmal gebetet: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Aber wenn sich ein Mensch offen gegen seinen Schöpfer stellt, weiß er grundsätzlich, was er tut.

Manche Leute sind sehr stolz und behaupten, Atheisten zu sein. Aber laut der Bibel gibt es gar keine Atheisten, denn sie sagt, dass jeder Mensch Gott kennt. Die Bibel sagt, jeder Mensch kennt Gott, deswegen kann es niemanden geben, der wirklich Atheist ist. Niemand kann Unwissenheit beanspruchen.

Wer diese Predigt und diesen Text heute hört und sagt: „Ich bin Atheist“, dem sei gesagt: Das ist nicht die Wahrheit. Auch du, mein Freund, weißt es tief in deinem Innern, dass es einen Gott gibt. Schon im Alten Testament lesen wir: „Gott hat die Ewigkeit dem Menschen ins Herz gelegt.“ Deshalb wird niemand, auch kein sogenannter Atheist, die Frage nach der Ewigkeit los.

Ich habe von Menschen gehört, die tagsüber auf theologischen Lehrstühlen endlos argumentierten, dass es keinen Gott gibt. Doch abends, wenn sie still und allein mit ihren Problemen, Sorgen und Nöten waren, schrien sie im Kissen zu Gott. Den ganzen Tag lang haben sie gesagt, es gibt keinen Gott, und wenn sie alleine waren, haben sie geweint.

Die Bibel sagt in Römer 2, dass Gott sich in seinem Gesetz an deinem Gewissen bezeugt. Paulus sagt, dass Gottes ewige Kraft und Gottheit seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen werden. Dafür hat Gott uns doch einen Verstand gegeben. So haben sie keine Entschuldigung.

Kein Mensch hat eine Entschuldigung, dass er Gott nicht angebetet, ihn nicht geehrt und ihm nicht gedankt hat. Manchmal behaupten Christen, dass Menschen, denen zu Lebzeiten nie das Evangelium gepredigt wurde, im Jenseits noch eine Chance bekommen. Das müsse so sein, weil sie ja unwissend seien. Das stimmt nicht.

Paulus sagt von allen Menschen, auch von denen, die nie gehört haben und nie einen Missionar gesehen haben, definitiv: Sie haben alle keine Entschuldigung. Er spricht hier in diesem Kapitel insbesondere zu den Heiden, gewiss auch zu den Juden, die aber später noch stärker in den Fokus kommen.

Sie haben von Natur aus keine Entschuldigung. Warum nicht? Weil sie Gott kennen – nicht geistlich, aber natürlich. Und obwohl sie Gott erkannt haben, behaupten sie das Gegenteil. Sie halten bewusst, wie Paulus wörtlich formuliert, die Wahrheit durch Ungerechtigkeit nieder. Sie unterdrücken die Wahrheit, die in ihnen aufschreit und die sie kennen.

Sie, die gut kennen, bekämpfen sie. Sie sündigen vorsätzlich, und das ist es, was Gott gegen sie aufbringt. Deshalb steht jeder Mensch eines Tages vor seinem Gericht und hat keine Ausrede. Das Urteil lautet: schuldig.

Später, in Römer 3, wenn auch die Juden ins Spiel kommen, sagt Paulus zu Juden und Heiden, damit jeder Mensch „den Mund verschließe und die ganze Welt vor Gott schuldig sei.“ Das ist ein starkes Wort: Jeder Mund wird vor Gott verschlossen werden, denn niemand kann sagen: „Ich habe es nicht gewusst.“

Das ist der biblische Befund über alle Menschen, auch über uns, über dich.

Die Folgen der Verwerfung Gottes

Und nun sagt Paulus: Führt er das weiter aus? Das ist der Zustand, von dem wir ausgehen müssen. Er fragt, wohin das führt, wenn Menschen, die Gott kennen, ihn doch verachten, ihn nicht ehren und ihm nicht danken. Wo führt das hin?

In Vers 21 sagt er: „Habt ihr gehört?“ Lest es mit mir. „Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Stattdessen sind sie in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen. Sie sind wahnsinnig geworden, ihr unverständliches Herz wurde verfinstert. Immer mehr, da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden.“

Das ist das Ergebnis, wenn wir den lebendigen Gott, unseren Schöpfer und Herrn, so brutal verwerfen. Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln, vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.

Obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn nicht geehrt. Sie sind zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit Gottes vertauscht. Stattdessen haben sie Bilder von Vögeln und Tieren an seine Stelle gesetzt. Das heißt, sie sind Götzendiener geworden.

Dabei brauchen wir gar nicht verächtlich auf die primitiven Religionen von Naturvölkern zu schauen. Was machen wir denn, wenn wir für jemanden nicht beten, sondern ihm sagen: „Ich drücke dir die Daumen“? Was machen wir, wenn wir jemandem zurufen „Toi, toi, toi“ und dabei dreimal auf die Tischplatte hauen, aufs Holz klopfen?

Der aufgeklärte, moderne Mensch tut das, weil er glaubt, dass es dem anderen Glück bringt und Pech abhält. Er will das Glück beschwören. Hunderte, ja Millionen Menschen auf der ganzen Welt, auch im hochgebildeten Deutschland, lesen täglich ihr Horoskop. Sie glauben an Wahrsagerei und an die magische Kraft von Sternen und Tierkreiszeichen.

Ich dachte, wir seien aufgeklärt. Aber die Wahrheit ist: Aberglaube und Spiritismus sind heute kaum weniger verbreitet als im Mittelalter. Statt Gott anzubeten, machen sie sich Götter, Götzen, Aberglauben und Spiritismus.

Der moderne Mensch steckt also nicht nur in animalischer Abgötterei, sondern er betet auch sich selbst an – sein großes Selbst.

Paulus schreibt weiter: Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen gleicht. Er macht den vergänglichen Menschen zu seinem Gott.

Der selbstbestimmte, autonome Mensch ist heute das Maß aller Dinge. Mein Bedürfnis, mein Wille, das, was ich fühle, ist entscheidend. Das Selbstbestimmungsgesetz, das heute herausgekommen ist, ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sehr sich der Mensch selbst verherrlicht.

Er möchte nicht mehr, dass Gott bestimmt, ob du Junge oder Mädchen bist. Das machen wir selbst. Und wenn Gott sich falsch entschieden hat, dann sagen wir schon Bescheid und ändern das. Das bin ich, der Mensch. Er betet sich an und will sein eigener Schöpfer sein.

Ja, sie sind in nichtigen Wahn verfallen. Aber das ist noch nicht alles. Es heißt weiter: „Darum hat sie Gott auch dahingegeben in die Begierden ihrer Herzen zur Unreinheit, sodass sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren.“

Damit will Paulus sagen, dass der Weg der Gottesverweigerung, der Weg der Gottlosigkeit und des Unglaubens nicht nur in die Abgötterei und den Aberglauben führt, sondern auch schnurstracks in die moralische Verirrung.

Manche Christen geben sich in der Evangelisation große Mühe. Sie wollen Menschen mit Argumenten intellektuell überzeugen. Sie wollen Gott mit klugen Argumenten beweisen und sogar die Wissenschaft heranziehen. Das ist gut gemeint, liebe Brüder und Schwestern, wenn ihr einem Menschen intellektuell Gott beweisen möchtet.

Aber ich sage euch: Der Mensch hat kein intellektuelles Problem, Gott zu erkennen, sondern ein moralisches Problem. Die Sünde hat sein Herz verfinstert. Dass Gott da ist, wissen die Menschen bereits selbst, wie wir gesehen haben.

Darum lasst uns davon absehen, den Menschen mit wissenschaftlichen Argumenten zu begegnen und Gott „schmackhaft“ zu machen. Das Problem der Menschen ist ein moralisches.

Deshalb sagt Paulus: „Darum hat sie Gott auch dahingegeben in die Begierden ihrer Herzen zur Unreinheit, sodass sie ihre Leiber untereinander entehren.“ Und wie kam das? Weil sie die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten.

Darum schreckt der Apostel jetzt nicht davor zurück, auch noch das zu schreiben: „Darum hat Gott sie dahingegeben.“ Wir sehen, dieses Wort „dahingegeben“ kommt mehrfach in dieser Passage vor. Gott hat sie dahingegeben – das ist der Ausdruck seines Zorns.

Wir glauben oft, dass der Zorn Gottes erst am Jüngsten Tag entbrennen wird. Das stimmt nicht. Es heißt, dass jetzt der Zorn Gottes vom Himmel her offenbart wird.

Und wie wird er offenbart? Indem Gott sich einfach zurückzieht. Die allgemeine Gnade, die die Sünde und Schande der Menschen immer noch einigermaßen im Zaum hält, damit sie zivilisiert miteinander leben können, nimmt Gott weg.

Seinen aufhaltenden Einfluss gegen das Böse nimmt Gott weg und lässt das Böse in ihren Herzen walten. Er hat sie dahingegeben. Hörst du? Das heißt, er lässt sie machen. Dabei ist er nicht aktiv.

Manche meinen immer, Gott schickt die Leute in die Hölle. Das ist der größte Quatsch, den man sagen kann. Gott schickt keinen Menschen in die Hölle. Der Mensch schickt sich selbst in die Hölle.

Er tut, was ihm gefällt, und Gott lässt ihn. Er lässt ihn. Dass er ihn lässt, ist Gottes Zorn. So bringt sich der Mensch selbst um.

Liebe Gemeinde, das ist tragisch, ist es nicht? Das ist zum Weinen, der Homo sapiens.

Was macht ihr? Gott sagt: Mach nur! Du bist dahingegeben. Darum hat Gott sie auch dahingegeben in entehrenden Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen.

Gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde. Sie haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.

In Kirchen und Gemeinden wird viel diskutiert und gestritten, was Paulus hier gemeint haben könnte. Aber jeder, der lesen und schreiben gelernt hat, versteht sofort, wovon der Apostel hier redet.

Das sind alles nur verrückte Ausflüchte, die nicht wahrhaben wollen, was in der Bibel steht. Auch die vielen anderen gleichlautenden Bibelstellen im Alten und Neuen Testament sind klar. Jeder weiß, wovon hier die Rede ist.

Deshalb sehe ich mich nicht genötigt, euch diese Sünde, von der hier geschrieben steht, näher zu erläutern. Ich habe keine Ahnung davon.

Charles Haddon Spurgeon erklärt diesen Vers so: Ein Mensch, der nicht am reinen und heiligen Tisch seines Gottes satt werden will, der geht woanders hin. Und der, der mit dem Becher nicht zufrieden ist, den Gott ihm gefüllt hat, wird bald aus dem Becher der Finsternis trinken.

Was wir aber jetzt im weiteren Zusammenhang sehen: Paulus fokussiert sich nicht auf diese Männer und Frauen, von denen wir eben gehört haben. Er spricht noch weiter.

Und das wollen wir auch nicht tun, so als wären sie schlimmere Sünder als die anderen. Jesus sagt einmal: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“

Ich möchte niemals einen Stein auf andere Menschen werfen, die sündigen, denn der größte Sünder bin ich selbst. Gott bewahre uns davor, Menschen herabzusetzen, während wir doch selbst die größten Sünder sind.

Unsere Aufgabe ist es auch hier in der Arche, alle Menschen ohne Ansehen der Person gleich wertzuschätzen und sie herzlich und voller Liebe zu Christus einzuladen. Denn sie alle haben gesündigt.

Sagt ihr dazu Amen?

Die umfassende Liste menschlicher Sünden

Deshalb vervollständigt der Apostel die Liste der Sünden, in die Menschen fallen. Damit komme ich zum Schluss: Die Liste der Sünden in Römer 1,28-32 beschreibt Menschen, die Gott Lob und Dank verweigern.

Genauso wie sie Gott nicht die Anerkennung zollen, die ihm gebührt, hat Gott sie dahingegeben, eine unwürdige Gesinnung zu haben. Sie verüben Dinge, die sich nicht geziemen, als solche, die voll sind von aller Ungerechtigkeit.

Nun sehen wir die ganze Palette dieser Sünden, nicht nur eine einzelne Ungerechtigkeit. Dazu gehören Unzucht, alle Arten sexueller Sünde, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, Neid, Mordlust, Streit, Betrug, Tücke und das Verbreiten von Gerüchten.

Weiterhin sind sie Verleumder, gottesverächtlich, frech, übermütig, Prahler und erfinderisch im Bösen. Sie sind den Eltern ungehorsam, unverständlich, treulos, leblos, unversöhnlich und unbarmherzig.

Obwohl sie das gerechte Urteil Gottes kennen, nämlich dass sie des Todes würdig sind, tun sie diese Dinge nicht nur selbst, sondern haben auch Gefallen an denen, die sie verüben.

Dorthin gelangen wir, wenn wir dem lebendigen Gott nicht die Ehre erweisen, die ihm gebührt, wenn wir ihm nicht den Dank und die Anbetung geben, die ihm zustehen. Denn wir haben ihm alles zu verdanken.

Wenn wir das versäumen, geraten wir in allerlei Verstrickungen auf allen Gebieten.

Gott, meine Freunde, bewahre uns davor!

Dies ist zusammengefasst die notwendige schlechte Nachricht, von der Paulus hier spricht.

Ausblick auf die gute Nachricht und Einladung zur Umkehr

Ich kann nicht schließen, ohne noch ein oder zwei Sätze zur guten Nachricht zu sagen. Ihr wisst das, im ganzen Brief wird später noch lange darüber gesprochen werden. Heute geht es jedoch um die Ausgangslage der Menschen.

Jesus hat gesagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Diese Verirrung der Menschen in Sünde und Gebundenheit macht müde. Sie macht dich auch kaputt. Sie bereitet dir schlaflose Nächte und psychische Nöte. Du weißt nicht mehr ein noch aus. Dieses Leben ohne Gott, dieses Leben im Unglauben, macht die Menschen fertig. Es macht auch dich fertig.

Deshalb sagt Jesus jetzt mit seinem Evangelium: Ja, ihr seid schuldig, aber ich sehe, ihr seid belastet. Kommt! „Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid.“ Er weiß, dass viele Menschen unter ihren Irrwegen bitter leiden. Sie haben bereits selbst gemerkt, dass ihnen der rebellische Unglaube zum Verhängnis wird.

Darum auch für dich, mein geliebter Freund, heute Morgen hier oder draußen, wo immer du diese Botschaft hörst: Komm zu Jesus mit der Last deiner Leidenschaft! Du weißt selbst, dass sie dich kaputt macht. Egal, welche Gebundenheit dich quält, erkenne die schlechte Nachricht: Du bist ein schuldiger Mensch und verdienst das Gericht Gottes.

Darum erinnere dich wieder an deinen Schöpfer. Heute erinnere dich an ihn und freue dich über die gute Nachricht: Gott will dir um Jesu Willen vergeben. Er will deine Seele retten, dich für immer aufnehmen und selig machen. Halleluja!

Und jetzt erst kann ich mich richtig freuen. Gelobt sei der Name des Herrn. Sagt ihr Amen dazu? Halleluja, wir stehen miteinander auf.