
Schönen guten Morgen, liebe Gemeinde! Herzlich willkommen auch von meiner Seite sowie an alle Gäste, die sich online zugeschaltet haben.
Heute freuen wir uns, im Römerbrief weiterzumachen. Wir sind inzwischen in Kapitel 5 angekommen. Ich lade uns ein, noch einmal zum Textlesen aufzustehen.
Es sind heute zwei Verse mit der Überschrift "Frieden mit Gott", Römer 5,1-2:
„Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir im Glauben auch Zugang erlangt zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“ Amen!
Nehmt doch gerne Platz!
Die Freude des Friedens nach dem Krieg
Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, brach großer Jubel in den Großstädten der Siegermächte aus. In London, Paris und New York strömten Hunderttausende auf die Straßen und Plätze. Man tanzte, man jubelte, ließ Konfetti regnen und genoss einen unfassbar starken Moment kollektiver Freude.
Ein US-Militärarzt schrieb Folgendes: „The war is over“ – Der Krieg ist zu Ende. Und weiter schreibt er: „Die Menschen begrüßen uns mit Tränen in den Augen, schmücken uns mit Blumen, grüßen und winken.“ Endlich war Frieden da!
Auch Paulus bricht hier in Kapitel 5 des Römerbriefes in großem Jubel aus, denn für den Glaubenden hat ein verheerender Krieg ein Ende gefunden. Wir hatten nämlich Gott angegriffen, wir haben ihm den Krieg erklärt. Dabei haben wir uns maßlos überschätzt. In boshafter Absicht haben wir unsere Waffen auf ihn gerichtet, wir zettelten einen Konflikt an und waren, wie Paulus in Vers 10 schreibt, Feinde von Gott.
Um seine Gerechtigkeit und sein Wesen, seine Heiligkeit – all das, was ihn durch und durch ausmacht und definiert – zu bewahren, hat Gott das nicht einfach nur hingenommen, nicht unter den Teppich gekehrt und gesagt: „Na ja, das wird sich schon legen.“ Stattdessen hat er aus vollkommener Gerechtigkeit, absoluter Ehrlichkeit und Reinheit auf diesen Angriff geantwortet. Diese Antwort ist sein schrecklicher Zorn.
Gott ist uns drückend überlegen, wir sind ewig verloren. Viele, insbesondere fromm daherkommende Menschen, versuchen durch Reparationszahlungen für den entstandenen Schaden aufzukommen. Wir wollen Gott besänftigen, aber weder unser Verhandlungsgeschick noch irgendeine Wohltätigkeit macht es möglich, dass wir dieses Kriegsgeschehen beenden.
Paulus schreibt im Epheserbrief 2, wir hatten keine Hoffnung und waren ohne Gott in dieser Welt. Aber Gott hat den Status quo nicht festzementiert, sondern hat sich mit uns selbst durch seinen Sohn versöhnt. Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm, Jesus Christus, zur Gerechtigkeit Gottes würden.
Jesus starb am Kreuz, um unsere Schuld, für die wir vollumfänglich verantwortlich sind, zu bezahlen. Wer nun im Glauben auf diesen Jesus blickt – wie wir es letzten Sonntag gehört haben – und dieses Kreuzesgeschehen für sich in Anspruch nimmt und sagt: „Herr Jesus, vergib mir, ich habe einen Krieg mit dir angefangen. Ich glaube an dich und an deinen stellvertretenden Tod, dass du für mich bezahlt hast“ – der ist gerettet, für den ist der Krieg beendet.
Deshalb jubelt Paulus hier, denn wir können – und das ist die Botschaft – allein aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden.
Die Freude über Gottes Gnade und Barmherzigkeit
In seinen Vorlesungen zum Römerbrief kommentiert Martin Luther diesen Text einleitend zu Kapitel fünf wie folgt:
Mit Frohlocken und in jubelnder Freude spricht der Apostel in diesem Kapitel. In der gesamten Schrift findet sich kaum ein Text, der diesem Kapitel gleichkommt – zumindest nicht in einem so ausgeprägten Maß. Aufs Klarste beschreibt er hier Gottes Gnade und Barmherzigkeit, welche Art sie hat und wie groß sie über uns ist.
Jubel, Freude, Frohlocken – der Krieg ist vorbei, und echter Friede ist da.
Nun beginnt Paulus hier in Kapitel fünf, in unseren beiden Versen, mit Segnungen – oder wir können auch sagen mit Früchten, die aus dieser Rechtfertigung durch den Glauben dir zukommen. An den kommenden Sonntagen, wenn wir im Römerbrief weitergehen, werden wir sehen, dass es noch viel mehr Segnungen gibt. Aber in diesen ersten zwei Versen begegnen uns drei dieser Früchte, über die du dich heute Morgen freuen darfst und über die du jubeln darfst.
Es ist erstens: Frieden mit Gott.
Es ist zweitens: Zugang zu Gott.
Und es ist drittens: Hoffnung auf Gott.
Erste Segnung: Frieden mit Gott.
Erste Segnung: Frieden mit Gott
Vers 5 noch einmal: Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ich möchte gleich zu Beginn auf einen wesentlichen Unterschied aufmerksam machen, nämlich den zwischen Frieden von Gott und Frieden mit Gott. Hier in unserem Text heißt es nicht, wir haben Frieden von Gott, sondern Frieden mit Gott.
Frieden von Gott ist großartig. Wenn dein Chef dir kündigt und du nicht weißt, wie du die Rechnungen zahlen sollst, die schon im Postkasten auf dich warten, und du plötzlich einen Frieden von Gott bekommst, dann kommt dein Herz zur Ruhe. Das ist ein großer Segen: Frieden von Gott.
Frieden von Gott kann dich auch erfüllen, wenn du krank wirst, eine böse Diagnose erhältst oder dir nahestehende Menschen von einem schweren Leid ergriffen werden. Du bekommst einen übernatürlichen Frieden von Gott oder Trost, wenn ein geliebter Mensch von dir gegangen ist. Das ist der Friede von Gott.
Paulus beschreibt ihn im Philipperbrief so: „Sorgt euch um nichts“, schreibt er dort, weder um unbezahlte Rechnungen, noch um eine böse Diagnose, noch um Einsamkeit, weil jemand dich verlassen hat. Sondern: „Flehe zu Gott, komme zu ihm mit Danksagung, bring deine Anliegen vor Gott.“ Und was sagt er dann? „Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“ Das ist Friede von Gott.
Halleluja, ist das gut, Frieden von Gott zu haben! Oh, das ist wertvoll. Aber an dieser Stelle geht es nicht um Frieden von, sondern um Frieden mit Gott.
Bevor wir Frieden von Gott in Zeiten der Not und des Leides erwarten können, benötigen wir Frieden mit Gott. Denn wie kann ich Frieden von Gott erwarten, während ich mich noch im Krieg mit ihm befinde? Wir müssen das hier richtig sortieren. Du erwartest Segen von ihm, und das ist verständlich. Doch hast du auch Frieden mit ihm?
Nochmal Martin Luther: Darin liegt die menschliche Verkehrtheit, dass sie zuerst nach Frieden und danach nach Gerechtigkeit trachten. Darum finden sie ihn nicht, den Frieden.
Die Welt ruft und hält Ausschau nach Frieden, im besten Fall nach Frieden von Gott, will aber nicht einsehen, dass zuerst Frieden mit Gott nötig ist, bevor dein Herz mit Frieden von Gott gesegnet werden kann.
Bei Gott gilt eine andere Reihenfolge. Die Bedingung für Frieden mit ihm ist, wie unser Text sagt, die Rechtfertigung aus Glauben. Er erwartet kein Werk, keine Tat oder religiöse Zeremonie von dir, sondern nichts anderes als schlichten Glauben.
Die Voraussetzung für Frieden mit Gott ist Vers 5a: Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, und die Folge ist: so haben wir Frieden mit Gott.
Viele wollen Frieden von Gott, aber wenige wollen Frieden mit Gott.
Nun, vielleicht sagst du jetzt, wenn du das hörst, ich wusste gar nicht, dass ich im Krieg mit Gott bin. Und das ist auch nicht verwunderlich, weil das selten so gesagt wird, zumindest zu selten von vielen Kanzeln.
Vielleicht darf ich dir ganz kurz erklären, wie die Lage ist, so eine kleine Übersicht dir mal geben. Das hilft uns auch, dass wir uns erinnern, wo wir uns hier im Römerbrief gerade befinden.
Die Bibel sagt, dass wir von Natur aus Feinde Gottes sind. Diese Feindschaft ist durch unsere Sünde entstanden. Der Mensch ist, wie Paulus in Kapitel 1, Verse 29-31 beschreibt, voller Ungerechtigkeit, voller Unzucht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, voll Neid, Mordlust, Streit, Betrug, Tücke.
Wir sind Prahler, erfinderisch im Bösen, unverständlich, treulos, lieblos, unversöhnlich, unbarmherzig. Und die Bibel sagt, da ist niemand von ausgenommen.
Im Kapitel 2, Vers 1 sagt derselbe Paulus: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, egal wo du herkommst, wie du sozialisiert bist, was dein Hintergrund ist.“ Niemand ist ausgenommen. Wir alle kommen unter diese Anklage.
Aber Paulus fährt weiter in Kapitel 2: „Deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens hast du jetzt ein Problem. Du häufst dir nämlich, je mehr du dich in dieser Sündhaftigkeit bewegst und dich nicht Gott zuwendest, Zorn an, selbst Zorn an für den Tag des Gerichts und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der jedem nach seinem Werk vergelten wird.“
Ja, das ist das, was wir hier als Konflikt sehen.
Häufig hören wir vom lieben Gott, dem trauen wir nicht zu, dass er konsequent dem Straftäter folgt und ihn mit Konsequenzen belegt. Aber das ist die Lage: Es herrscht tatsächlich Krieg zwischen uns und Gott.
Wir neigen dazu, ihn zu hassen. Wir wollen niemanden, der uns sagt, was gut und recht ist, sondern wir wollen autonom sein. Wir weisen ihn als unseren Herrn ab.
Doch in seiner Gnade, motiviert aus vollkommener Liebe, sandte Gott seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, der stellvertretend für den Sünder die Gebote Gottes hielt und unschuldig an das Kreuz als ein Opfer ging.
Der berühmte Vers aus Johannes 3,16 macht es klar: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“
In diesem Friedensschluss spielt Jesus Christus die entscheidende Rolle: Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.
Dieser Friede mit Gott wird durch unseren Herrn Jesus Christus erreicht. Es ist seine Vermittlung, es ist seine Person, es ist sein Werk.
Wir hatten keine Möglichkeit, Wiedergutmachung zu leisten. Stattdessen leistet Gott selbst die Wiedergutmachung in der Person seines Sohnes.
Die Reparationszahlungen sind zu hoch für uns, wir können sie nicht schultern. So hat er die Begleichung der Schuld selbst übernommen und alles getan, was notwendig ist, um Frieden zu stiften zwischen Gott und dir.
Deshalb sagt Paulus: Der Friede mit Gott ist jetzt das Ergebnis deiner Rechtfertigung.
Für den Glaubenden gilt: Du bist nicht länger sein Feind, du bist jetzt nicht nur sein Freund, sondern sogar sein Kind, aufgenommen in die Familie des Vaters.
Und es ist ein dauerhafter Friede.
Als die Menschen in London, New York und Paris und an vielen Orten der Erde das Ende des Zweiten Weltkriegs feierten, war dieser Friede nur vorübergehend. Es dauerte nicht lange, da wurde ein neuer Krieg angezettelt, der eiserne Vorhang errichtet und ein kalter Krieg begann. Unzählige Kriege schlossen sich an.
Menschlicher Friede ist nicht dauerhaft.
Wenn aber Gott dir in Jesus Christus den Frieden erklärt, dann ist der wirklich vorbei. Er wird nie wieder sein Schwert gegen seine Kinder erheben, denn sein Schwert hat einmal seinen Sohn getroffen. Dieser hat vollständig bezahlt.
Und weil du an diesen Sohn glaubst, hast du nun sogar ewigen Frieden mit Gott.
Das Ende der Feindschaft zwischen dir und deinem Schöpfer.
Das ist die erste Segensfrucht der Rechtfertigung aus Glauben: Frieden mit Gott.
Halleluja! Amen!
Zweite Segnung: Zugang zu Gott
Dann haben wir hier eine zweite Segnung: das ist der Zugang zu Gott. Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir im Glauben auch Zugang erlangt zu der Gnade, in der wir stehen.
Dieser Zugang zu Gott steht in einem unmittelbaren Verhältnis zum Frieden mit Gott. Wir dürfen das nicht auseinanderdividieren. Es ist wichtig, dass wir bedenken: Der Friede mit Gott ist keine Art Betäubung. Das ist es, was Menschen häufig tun, wenn sie die Realität nicht mehr aushalten. Übrigens auch viele Soldaten an Frontabschnitten oder Menschen, die unter Kriegsgeschehen leiden. Vielfach betäuben sie ihre Realitätswahrnehmung mit Drogen oder Alkohol, weil sie es schier nicht mehr aushalten.
Das ist aber kein Frieden, sondern nur das Kaschieren von bösen Umständen. Der Frieden mit Gott ist kein Betäubungsmittel und auch in erster Linie keine emotionale Regung, die sich in deinem Herzen breitmacht. Vielmehr ist er eine objektive Wahrheit. Ich sage nicht, dass aus dieser objektiven Wahrheit nicht auch emotionale, warme Gefühle entstehen – absolut. Aber unsere Gefühle sind manchmal so und manchmal so. Frieden mit Gott ist eine objektive Wahrheit.
Wenn du an Jesus Christus glaubst, bist du gerechtfertigt aus Glauben, und die Frucht davon ist Frieden mit Gott – egal, was passiert. Es steht fest, egal wie du dich fühlst: Gott hat dir die Hand gereicht und Frieden mit dir geschlossen. Der Friede mit Gott ist keine psychologische oder emotionale Entlastung in Stresssituationen, sondern er ist echt und tragfähig. Warum? Das ist der Punkt: Weil durch den Frieden mit Gott eine neue Beziehung zwischen dir und ihm entstanden ist. Es ist eine Beziehung.
Auch das ist die Folge der Rechtfertigung aus Glauben. Der Friede zwischen Gott und dir ist nicht in erster Linie eine emotionale Veränderung deiner Wahrnehmung, sondern vielmehr eine objektive Realität. Denn im Kern und Wesen ist Frieden mit Gott die Wiederherstellung einer Beziehung zwischen dir und ihm. Das wird deutlich in 1. Korinther 5,3-12.
Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen. Du hast Zugang erlangt zu der Gnade, in der du stehst.
Dieser Zugang zur Gnade, der in Jesus Christus vollumfänglich verkörpert wird, ist alles andere als selbstverständlich. Verfeindete Parteien telefonieren ja nicht einmal miteinander. Häufig sind alle Kommunikationskanäle gekappt. Und wenn denn mal der eine zum Hörer greift und der andere abnimmt, reagiert der andere im Osten nach dem Auflegen, indem er wieder neue Raketen schickt. Zugang in die Nähe, in die Gemeinschaft, ist zwischen verfeindeten Parteien schlicht nicht möglich.
Und so ist es auch zwischen uns und Gott. Nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen aßen und sich somit gegen Gottes Gebot stellten, wurden sie aus dem Garten Eden vertrieben – ihr wisst es. Dann wurden Wachen postiert, und es gab kein Zurück. Die Distanz zwischen ihnen und Gott wurde dadurch sichergestellt.
Später ließ Gott Gnade walten und versprach Israel am Berg Sinai, dass er doch unter ihnen wohnen will. Was für eine Ankündigung! Nicht nur in einer Rauch- und Feuersäule, sondern: "Ich will Wohnung machen, baut mir ein Zelt, eine Hütte, eine Stiftshütte, und ich will unter euch wohnen, inmitten des Lagers."
Aber selbst als Gott das ankündigte, war der Zugang nicht wirklich frei. Wir haben es im Studium des zweiten Moses gelernt: Es gab einen Vorhang, der das Allerheiligste vom Heiligen trennte. Der normale Israelit kam nicht einfach hinein und hatte keinen Zugang. Stattdessen musste er Vertretung durch einen Hohenpriester herbeiführen. Dieser durfte einmal im Jahr, nachdem er eine komplexe Reinigung über sich ergehen ließ und ein Opfer schlachtete, Blut besprengte, hinein in das Allerheiligste, um Sühnung für das Volk zu erbitten. Es war kein Zugang für jeden, der wollte.
Das Hindernis zwischen Gott und Menschen musste beseitigt werden. Auch im Tempel später hing so ein Vorhang. Aber als Jesus am Kreuz starb, zerriss dieser Vorhang. Archibald Sproul hat Folgendes gesagt: Es war, als hätte eine riesige Hand vom Himmel herabgereicht und den Vorhang wie ein Stück Papier zerrissen. Es war ein schwerer Vorhang.
Das Hindernis zwischen Gott und Mensch wurde durch Jesus beseitigt. Unsere Sünden wurden gesühnt. Diejenigen, die an Jesus Christus glauben, sind nun gerechtfertigt, und die Frucht der Rechtfertigung ist der Zugang zur Gnade, in der du jetzt stehst – der Zugang zum Vater durch Jesus Christus, was nichts anderes ist als Gnade.
Wir können in seine Gegenwart kommen, immer, täglich. Durch den Glauben ist eine neue Beziehung entstanden, die Entfremdung und Barrieren sind abgebaut. Du stehst nun in der Gnade, und in dieser Gnade hast du Zutritt zum Vater.
Diese beiden Segnungen, Frieden mit Gott und Zugang zu Gott, stehen also im Zusammenhang. Das erklärt, warum Frieden mit Gott nicht emotionalen Schwankungen unterworfen ist, denn er bezeichnet eine Beziehung zu Gott. Aus dieser Beziehung kann auch ein emotionaler Segen kommen, aber der Friede Gottes selbst ist eine neue Beziehung zum Vater.
Und diese Beziehung, die du durch die Rechtfertigung aus Glauben geschenkt bekommen hast, dieser Zugang kann dir nicht genommen werden. Kein Mensch kann ihn dir nehmen, weil kein Mensch ihn dir gegeben hat. Gott hat ihn dir gegeben. Auch Umstände können diese Beziehung nicht verändern oder ablösen.
Sie entsteht nicht, weil alles gut läuft. Sie ist nicht abhängig von den Beziehungen in deiner Familie oder davon, ob du im Beruf Erfolg hast oder nicht. Selbst wenn es in der Gemeinde gut läuft, heißt das noch lange nicht – oder wenn es mal schlecht läuft –, dass diese Beziehung oder dieser Zugang unterbrochen ist.
Dieser Zugang zu Gott, dem Vater, durch die Rechtfertigung aus Glauben hat eine reale Folge und Wirkung auch für dein Leben. Weil du aus Glauben gerechtfertigt bist, kannst du nun zuversichtlich zu Gott kommen. Du hast Zugang zu ihm.
Der Hebräerbrief und auch Paulus im Epheserbrief beschreiben diesen Zugang mit anderen Worten. Da kommen wir zu einer Anwendung. Vielleicht sagst du: Das ist jetzt ein bisschen theologisch, was heißt das für mich? Pass auf, Geduld.
Was heißt das für dich? Du glaubst an Jesus Christus, Amen. So lala. Du glaubst an Jesus Christus, Amen, Amen. Du glaubst an Jesus Christus, kein Werk. Dieser Glaube wird dir zur Gerechtigkeit zugerechnet.
Die Folge ist: Du hast Frieden mit Gott und du hast Zugang zu Gott. Könnt ihr folgen? Amen. Ja, Zugang zu Gott.
Dieser Zugang zu Gott wird von der Bibel auch immer wieder in Zusammenhang mit unserem Gebet gesetzt. Wir kommen vor den Thron Gottes mit unseren Bitten, mit unserem Flehen, mit unseren Danksagungen. Halleluja! Das war vorher nicht möglich, weil wir getrennt waren. Aber Christus hat durch seinen Tod den Vorhang zerrissen. Wir kommen zu ihm mit unseren Anliegen.
Im Hebräerbrief Kapitel 10 steht dort: "Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in völliger Gewissheit des Glaubens."
Also: Du kannst mit völliger Gewissheit im Herzen in das Heiligtum durch Jesus Christus treten, vor Gott dem Vater, und ich bringe ihm alles, was mich bewegt.
Paulus schreibt im Epheserbrief 3,12: "Indem wir die Freimütigkeit und den Zugang haben in Zuversicht durch den Glauben an ihn." Das bedeutet: Du darfst als eine Anwendung zuversichtlich zu Gott, dem Vater, gehen und voller Hoffnung und Zuversicht beten, eintreten, Gemeinschaft haben mit ihm, ihm sagen, was dein Herz bewegt.
Du kannst Vertrauen haben, weil du durch den Glauben Zugang zur Gnade hast. Du kannst darauf vertrauen, dass er dich hört und deine Gebete gemäß seiner Weisheit und seines vollkommenen Willens erhört.
Nun, natürlich können wir auch aus falscher Motivation beten, und das tun wir auch oft, wenn wir irgendwelche Wunschlisten Gott vorlegen. Aber wenn wir gemäß dem Willen Gottes beten, können wir darauf vertrauen, dass er uns hört und unsere Gebete erhört.
Denn wir haben eine Frucht der Rechtfertigung: den Glauben. Das ist der Zugang zur Gnade, der Zugang in die Gegenwart des Vaters.
Martin Luther hatte einen guten Freund und Assistenten namens Friedrich Mykonius. Eines Tages wurde Mykonius krank, und man erwartete, dass er innerhalb weniger Tage sterben würde. Auf seinem Krankenbett schrieb dieser Mykonius noch einen liebevollen Abschiedsbrief an Luther.
Als Luther diesen Brief erhielt, setzte er sich sofort hin und schrieb eine Antwort. Und die Antwort lautete, und jetzt hört mit den Ohren von 1520, nicht mit denen von 2020:
Antwort Luther an Mykonius, der im Sterben liegt: "Ich befehle dir, im Namen Gottes zu leben, denn ich brauche dich noch für das Werk der Kirchenreform. Amen."
Der Herr wird niemals zulassen, dass ich höre, dass du tot bist, sondern er wird dir erlauben, mich zu überleben. Dafür bete ich. Das ist mein Wille, und mein Wille geschehe. Moment, der Satz ist noch nicht zu Ende: "Das ist mein Wille, und mein Wille geschehe, denn ich suche nur die Ehre Gottes."
Das ist ein ganz entscheidender Zusatz: Ihm zur Ehre, mir zu gut. Amen. Ja, ja, haben wir auch vorhin gesungen.
"Ich befehle dir, im Namen Gottes zu leben." Dies ist ein Beispiel. Ich glaube, wir verstehen uns richtig. Es geht hier nicht um irgendwelche abstrusen Wünsche, die wir gerne mal erfüllt haben wollen. Hier geht es um eine Kirchenreform, hier geht es um Gottes Handeln im Verlauf der Weltgeschichte, wenn du so willst.
Aber auch du und ich dürfen Zuversicht haben. Wir doch gehört: Zugang zum Vater. Wir dürfen mit Zuversicht beten. "Ich befehle dir, im Namen Gottes zu leben."
Luthers Gebet kam von Gott und war daher wirksam. Obwohl Mykonius bereits seine Sprache verloren hatte, als Luthers Brief eintraf, erholte er sich innerhalb kurzer Zeit und lebte noch sechs Jahre und zwei Monate länger als Luther. Er hat ihn überlebt.
Schau mal, wir kommen ja dahin. Wir können nicht in einer Predigt alles behandeln, aber wenn du mal hineinschaust, dann steht ja in Vers 3: "Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt. Standhaftes Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung, die Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden" usw.
Da kommen wir ja noch hin. Das ist eine weitere Frucht der Gerechtigkeit aus Glauben: in den Leiden standhaft zu sein.
Und ja, Gott handelt so und so. Aber hier geht es jetzt um die Zuversicht, mit der du Gott, dem Vater, begegnen darfst – in Demut, aber in Christus, weil du weißt: Ich bin es nicht, sondern ich bin gerechtfertigt durch den, der sein Leben für mich gab, der für mich ist, der mich sieht, der mich liebt, der mich kennt, der meine Bedrückungen weiß.
Und ich bitte ihn: Herr, tue du, wie es dir gefällt, und hilf mir.
Du hast Zugang zu Gott, der jetzt nicht mehr dein Feind, sondern dein Vater ist. Halleluja!
Dritte Segnung: Hoffnung auf Gott
Dritte Segnung zuletzt noch. Wir haben gesagt: Frieden mit Gott, Zugang zu Gott und dann auch noch Hoffnung auf Gott.
Nochmal unser Text:
„Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“
Wir rühmen uns – das ist jetzt kein menschliches Prahlen, sondern ein kräftiger Ausdruck für Freude. Hoffnung und Freude sind eng miteinander verbunden. Die Frucht der Rechtfertigung aus Glauben ist eine freudige Hoffnung, die du hast. Aber diese freudige Hoffnung ist nicht die Hoffnung, die wir normalerweise in der Gesellschaft und Welt als Hoffnung verstehen.
Ein Lexikon sagt: Hoffnung ist die Zuversicht, Freude ist die Erwartung, dass etwas Gutes eintritt oder sich günstig entwickelt. Das ist nicht die Hoffnung, von der hier die Rede ist. Für unsere Gesellschaft ist Hoffnung oft nur ein Wunsch und eine Sehnsucht, die sehr ungewiss sind.
Die Hoffnung der Bibel aber, die dir zuteilwird durch die Rechtfertigung aus Glauben, ist gewiss. Warum? Weil sie durch das Versprechen Gottes, der nicht lügen kann, bestätigt wird. Deine Hoffnung basiert auf den Zusagen Gottes, und sein Reden ist Ja und Amen.
Deswegen ist deine Hoffnung keine Unsicherheit, sondern eine Gewissheit. Die Hoffnung wird in uns durch das Wirken des Heiligen Geistes bestätigt. Diese Hoffnung ist ein Anker für deine Seele. Sie ist beständig, vertrauensvoll und solide.
Weil wir diese Hoffnung haben, die wirklich eine Gewissheit für die Zukunft ist, haben wir Anlass zur Freude. Du hast Hoffnung – Hoffnung durch die Rechtfertigung aus Glauben. Wir freuen uns über unsere Hoffnung auf, wie es heißt, die Herrlichkeit Gottes.
Herrlichkeit ist die Schwere Gottes in seiner ganzen Majestät, die wir eines Tages voll und ganz sehen und erben werden, wenn wir bei ihm sein werden und werden, wie er ist.
Die Herrlichkeit, Majestät, Schwere Gottes – der ein Reich des Friedens aufrichtet, in dem es kein Schmerz, kein Leid und kein Geschrei mehr gibt, sondern alle deine Sehnsüchte ein für alle Mal befriedigt werden in Gott selbst.
Dann wird das, was dich heute belastet und niederreißt, plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive gesehen. Denn: Durch Christus und den Glauben an ihn bin ich gerechtfertigt. Die Folge davon ist, dass ich eine feste Hoffnung habe.
Nun fragst du dich vielleicht: Wie fest ist diese Hoffnung? Ich möchte kurz einige Bibelstellen ansprechen, die uns den Zusammenhang zwischen Hoffnung und Gewissheit in der Bibel deutlich machen.
Apostelgeschichte 2:
„Zudem wird auch mein Fleisch auf Hoffnung ruhen, denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und nicht zulassen, dass dein Heiliger die Verwesung sieht.“
Hier ist die Hoffnung eine sichere Gewissheit, dass du leben wirst.
2. Korinther 1,7:
„Und unsere Hoffnung für euch ist gewiss.“
Kolosser 1,4:
„Da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus und von eurer Liebe zu allen Heiligen um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel.“
Da ist nichts Unsicheres.
Titus 1,2:
„Aufgrund der Hoffnung des ewigen Lebens, das Gott, der nicht lügen kann, vor ewigen Zeiten verheissen hat.“
Die Hoffnung auf das ewige Leben ist nichts anderes als Gewissheit auf das ewige Leben. Warum? Weil Gott es verheissen hat und er nicht lügen kann.
Hebräer 6:
„Diese Hoffnung halten wir fest als einen sicheren und festen Anker der Seelen, der auch hineinreicht ins Innere, hinter den Vorhang, das ist ins Allerheiligste, wohin Jesus als Vorläufer für uns eingegangen ist.“
Hoffnung ist die Gewissheit, dass Christi Tat für dich zählt und er den Zugang zum Vater geschaffen hat.
1. Petrus 1,3:
„Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.“
Lieber Bruder, liebe Schwester, wie geht es dir? Bist du heute Morgen bedrückt? Würdest du sagen: Ich bin hoffnungslos? Ich verstehe das. Es gibt Dinge, die uns in die Verzweiflung treiben können.
Aber heute Morgen kommt Gott zu dir und sagt: Mein Kind, du bist gerechtfertigt aus Glauben. Eine Frucht davon ist, dass du eine gewisse Hoffnung hast, eine feste Zuversicht. Du wirst den Tod nicht sehen, du wirst leben.
Christus hat bezahlt, du hast durch ihn Zugang zum Vater. Da ist ein Anker in deiner Seele – inmitten der Turbulenzen, des Windes und des Sturms in dieser Welt.
Du hast Sorgen vor Kriegen, Sorgen vor morgen, Sorgen vor Krankheit, Sorgen vor dem Tod – da ist Hoffnung. Und diese Hoffnung ist gewiss.
Wir rühmen uns dieser Hoffnung, wir feiern diese Hoffnung, wir jubeln über diese Hoffnung. Das ist es, was Paulus hier macht. Er freut sich über die Früchte der Rechtfertigung aus Glauben.
Diejenigen, die gerechtfertigt sind, hoffen mit großer Zuversicht auf ihre endgültige und vollständige Verherrlichung. Sie sind sich dessen gewiss.
Das möge uns in dieser Woche begleiten: Gewissheit darüber, dass ich Frieden mit Gott habe, Zugang zu Gott habe und Hoffnung auf Gott habe. Möge es unsere Herzen ermutigen. Amen.
Vater, so danken wir dir für die Segnungen der Rechtfertigung aus Glauben und dass sich das so in unser Leben hineinbricht. Wir haben heute Morgen so viel angesprochen.
Herr, ich möchte dich bitten, dass du durch deinen Heiligen Geist das, was du in den Herzen aktivieren willst, auch aktivierst. Sei es, dass Menschen heute das erste Mal verstehen: Ich bin im Krieg mit Gott, ich brauche Frieden.
O Herr, wir bitten dich von ganzem Herzen, dass du das Herz solcher Menschen berührst und mit Glauben beschenkst, nachdem du sie erweckt hast, so dass sie sagen: Ja, Jesus ist für mich gestorben, ich tue Buße und ich glaube. Der Friede kommt und ich darf mit Gott im Frieden leben.
Danke, Herr, für den Zugang zum Heiligtum, in deine Gegenwart, auch dass wir mit Zuversicht beten dürfen. Ich bitte dich auch für das Abendmahl und gleich das Krankengebet, Herr, dass wir in deinem Sinne voller Demut, aber auch Entschlossenheit und großer Erwartung beten.
Bewege deine Hand zu deiner Ehre, nicht zu unserer Ehre. Schenk den Niedergeschlagenen Hoffnung, eine Gewissheit: Du lebst, dein Wort ist wahr und du stehst dazu. Amen.