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Psalm 110a

Der Messias im Alten Testament (AT), Teil 27/60
03.05.2009Psalm 110,1-7
SERIE - Teil 27 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)

Einführung in die messianischen Psalmen und Psalm 110

In der Reihe der messianischen Psalmen, die wir bisher betrachtet haben, sind wir bis Psalm 107 gekommen. Weitere ganz ausgesprochene messianische Psalmen sind Psalm 109 und Psalm 110.

Heute nehmen wir zuerst Psalm 110 durch, und beim nächsten Mal widmen wir uns Psalm 109. Es ist nämlich sehr wichtig, dass wir dann auch die Verbindung zwischen beiden Psalmen herstellen. Die Reihenfolge ist hier wieder sehr augenscheinlich von Gott inspiriert. Wir werden den Zusammenhang besser verstehen, wenn wir bereits verstanden haben, was Psalm 110 wirklich beinhaltet.

Liest bitte jemand Psalm 110 zu Beginn?

 Psalm 110: Bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache. Der Herr wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion, herrsche mitten unter deinen Feinden. Wenn du dein Heer aufbietest, wird dir dein Volk willig folgen in heiligem Schmuck. Deine Söhne werden dir geboren wie der Tau aus der Morgenröte. Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmettern die Könige am Tag seines Zorns. Er wird richten unter den Heiden, wird viele erschlagen, wird Häupter zerschmettern auf weitem Gefilde. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege, darum wird er das Haupt emporheben.

 Psalm 110 ist einer der am meisten zitierten Psalmen im Neuen Testament. Das zeigt uns, dass der Heilige Geist hier in ganz besonderer Weise auf Christus hingewiesen hat.

Die Bedeutung des ersten Verses von Psalm 110 im Neuen Testament

Wir schauen uns zunächst den ersten Vers genauer an und betrachten, was der Herr Jesus dazu selbst gesagt hat. Dies finden wir im Matthäusevangelium, und zwar in Matthäus 22, Verse 41-46.

Im Zusammenhang geht es hier um den Dienstag vor Karfreitag. Jesus war den ganzen Tag über im Tempel und wurde von verschiedenen Gruppen des Judentums angesprochen. Diese versuchten, ihn anzugreifen – offen oder auch hinterhältig. Jesus wehrte alle diese Angriffe mit überwältigenden Antworten ab. Am Ende konnten sie einfach nichts mehr sagen.

Da er so alle Gegner zum Schweigen gebracht hatte, stellte er an diesem Tag noch eine Frage, die jedoch nicht beantwortet wurde. Dies ist der Abschnitt, den wir jetzt betrachten.

In Matthäus 22, Vers 41 und folgende heißt es:
"Als aber die Pharisäer versammelt waren, fragte Jesus sie und sagte: Was haltet ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?"
Sie antworteten: "Davids."
Er sprach zu ihnen: "Wie nennt David ihn denn im Geist Herr, indem er sagt: 'Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege'?
Wenn nun David ihn Herr nennt, wie kann er sein Sohn sein?"
Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem Tag an, ihn weiter zu befragen.

Diese Frage stellte Jesus dem orthodoxen Judentum, und sie ist bis heute nicht beantwortet worden – weder vom Judentum insgesamt noch von Abertausenden, die im Laufe der vergangenen zweitausend Jahre als Juden zum Glauben an den Messias gekommen sind.

Der Verfasser von Psalm 110 und die Bedeutung des Messias-Titels

Nun, ganz wichtig ist: Wer hat den Psalm geschrieben? Das wurde nämlich nicht vorgelesen. Jawohl, die Bemerkung in Psalm 110 stammt von David. Ein Psalm, der ebenfalls inspiriert ist und zum Text gehört. Das ist also nicht einfach ein eingefügter Zwischentitel, wie es solche je nach Bibelausgabe gibt, um sich besser zurechtzufinden. Nein, diese Titel sind ursprünglich und gehören mit dazu.

Es ist also wichtig zu wissen, hier spricht David. Und nun: Was will der Herr Jesus wissen? Er sagt ganz allgemein: „Was dünkt euch über den Christus?“ Dabei müssen wir immer wieder daran denken, dass „Christos“, latinisiert Christus, nichts anderes ist als die Übersetzung des hebräischen „Messias“. Wenn wir „Christus“ hören, denken wir normalerweise spontan, das sei ein Name. Aber eigentlich ist es ein Titel. „Christos“ meint auf Griechisch das Gleiche wie das hebräische „Messias“.

Die Frage ist hier also: Was denkt ihr eigentlich über die Person des Messias, so wie sie im Alten Testament dargestellt wird? Dabei müssen wir wissen, dass das pharisäische Judentum bis heute behauptet, der Messias, wenn er kommt, sei ein gewöhnlicher Mensch. Er sei nicht Gott, sondern einfach ein Mensch.

Nun nimmt Jesus Psalm 110 auf und fragt: Wie ist das mit dem Messias? Von wem soll er abstammen? Wessen Sohn soll er sein? Das wussten sie sofort: Davids Sohn. Aus welchen Stellen sehen wir das im Alten Testament, dass der Messias von David abstammen sollte?

Biblische Belege für die davidische Abstammung des Messias

Ja, wo sehen wir, dass der Messias aus dem Haus Davids kommen muss, wie es im Alten Testament steht? Ich bin mir nicht sicher, ob es im zweiten oder ersten Buch Samuel steht. Jawohl, es ist im zweiten Buch Samuel Kapitel 7. Vielleicht nehmen wir aber eine noch deutlichere Stelle. Das wäre schon eine Antwort, aber noch eindeutiger ist Jeremia 23, Verse 5 und 6.

Dort heißt es: „Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da werde ich dem David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König regieren, verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit im Land üben. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der Herr unsere Gerechtigkeit.“

Vielleicht lesen wir noch bis Vers 8, denn das gehört alles zusammen: „Darum siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da wird man nicht mehr sagen: ›So wahr der Herr lebt, der die Söhne Israel aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat‹, sondern: ›So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und sie gebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin ich sie vertrieben hatte, und sie sollen in ihrem Land wohnen.‹“

Also klar, ein Spross, der von David abstammt, wird der Herrscher der Endzeit sein. Dabei ist die Endzeit hier die Zeit, in der das Ereignis des Auszugs aus Ägypten durch ein noch großartigeres Phänomen ersetzt wird: die Rückkehr der Juden nicht aus einem einzigen Land wie Ägypten, sondern aus allen Ländern. Besonders wird das Land des Nordens erwähnt.

Heute ist es tatsächlich so, dass Juden aus allen fünf Kontinenten zurückgekehrt sind. Ein Drittel kam aus dem Land des Nordens, also aus Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten. Darum steht hier auch das Land des Nordens im Vordergrund: „aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin ich sie vertrieben hatte.“

In der Endzeit wird dann der Herrscher kommen, ganz klar aus dem Haus David. Es ist also eindeutig, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein muss, ein biologischer Nachkomme. Deshalb wird er auch mit einem Spross verglichen, denn im Pflanzenreich ist ein Spross eine biologische Fortsetzung der bereits bestehenden Pflanze.

So hat man im Judentum gesagt: Ja, der Messias wird ein Mensch sein, er stammt von David ab. Aber er wird nicht mehr sein als ein gewöhnlicher Mensch.

Die Frage nach der Herrschaft und Göttlichkeit des Messias

Und jetzt stellt der Herr Jesus welche Frage? Ja, der Herr sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten.“

Er nennt also den Messias. Im Judentum ist von alters her ganz klar, dass Psalm 110 vom Messias spricht. Das bezweifelt niemand. Darum konnte der Herr diese Frage so stellen.

Aber wie ist das nun? David nennt seinen Sohn „mein Herr“. Das ist doch ziemlich ungewöhnlich. Wer von uns würde seinen Sohn oder seine Söhne „mein Herr“ oder „meine Herren“ nennen? Das ist ja nicht nötig, oder?

Es gibt zwar das Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, aber in dieser Weise gibt es kein Gebot, dass der Vater seine Söhne wie Herren behandeln müsste.

Nun, das ist die Frage. Wenn es sich um einen ganz normalen Menschen handelt, der von David abstammt, warum nennt David ihn dann „mein Herr“?

Sie konnten darauf keine Antwort geben. Die Frage ist bis heute im Judentum offen. Sie kann nur beantwortet werden, wenn man anerkennt: Der Messias muss Gott und Mensch in einer Person sein. Dann ist alles erklärt.

Hinweise auf die Gottheit des Messias im Alten Testament

Wo finden wir im Alten Testament Hinweise oder klare Zeugnisse, dass der Messias wirklich Gott sein soll? Schlagen wir Jesaja 11 auf!

Meinst du wirklich Jesaja 11 oder Jesaja 9? Ja, welche Stelle wäre in Jesaja vorgeschlagen? Aber wo steht dort etwas über die Gottheit des Messias? Dort wird einfach gesagt, dass er ein Reis, ein Schössling ist aus dem Stumpf Isaies, also aus der Linie von David. Isaia war ja der Vater von David. Hier wird nicht David erwähnt, sondern Isaia, um eben klarzumachen, dass der Messias der große David sein wird.

So wie der direkte Nachkomme von Isaia David war, wird hier über den Nachkommen von Isaia gesprochen, der einmal über die ganze Welt herrschen wird. Das soll zeigen: Der große David ist der Messias. Aber hier wird jetzt nicht die Gottheit betont.

Wir bleiben gleich in der Nähe, Jesaja 9, Vers 6. Je nach Bibelausgabe sind die Verse vielleicht anders gezählt, da muss man ein paar Verse verschoben lesen. Es steht aber dasselbe drin, nur eine andere Verseinteilung.

Wer liest Jesaja 9,6? „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Man nennt seinen Namen Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Friedefürst.“

Jawohl, hier wird der Messias mit mehreren Namen bezeichnet, und einer dieser Namen ist „Starker Gott“, El-Gibbor. Das ist eine sehr klare Aussage, was die Gottheit Christi anbetrifft.

Dieser Ausdruck El-Gibbor kommt übrigens noch einmal in der Bibel vor, und zwar in Jesaja 10. Es ist interessant, gerade diese beiden Stellen nacheinander zu lesen: Jesaja 9,6 und Jesaja 10.

Wer liest Jesaja 10, Vers 20 und 21? Dort geht es um den Überrest Israels, der sich in der Endzeit bekehren wird.

„An jenem Tag wird es geschehen, dass der Überrest Israels und was vom Haus Jakob entkommen ist, sich nicht mehr länger auf den stützen wird, der es schlägt, sondern es wird sich auf den Herrn, den heiligen Israel, stützen in Treue. Ein Überrest wird umkehren, ein Überrest Jakobs zu dem starken Gott.“

Jawohl, der Überrest wird umkehren zu dem starken Gott. Dieser starke Gott wird im Vers 20 beschrieben als Jahwe, der Ewige, der Heilige Israels.

Das Ganze ist natürlich umso brisanter, weil es so nahe bei Jesaja 9,6 steht. Dort ist ja vom Messias die Rede. Er ist ein Mensch, denn ein Kind ist uns geboren. Er ist ein Mensch, aber trägt den Namen El-Gibbor.

Zu diesem Messias, der Gott ist, wird der Überrest Israels in der Endzeit umkehren, indem er ihn als Gott und Mensch anerkennen wird. Das ist ein sehr eindrückliches Zeugnis.

Persönliche Begegnung und weitere biblische Belege zur Gottheit des Messias

Einmal, ich habe das auch schon erzählt, auch für diejenigen, die es noch nie gehört haben: Ich war auf dem Zürcher Bahnhof und hatte Traktate verteilt. Dabei kam ich ins Gespräch mit einer Person. Dieser Mann sagte zu mir: „Ihr seid Götzendiener.“ Auf meine Frage warum, antwortete er: „Ihr betet einen Menschen an.“

Dann wurde klar, dass er Jude war. Ich sagte: „Ja, natürlich ist Jesus Christus Mensch, aber er, der Messias, ist eben auch Gott. Und das steht im Alten Testament.“ Gegenüber Juden muss man sagen: Im Tanach, so wird das Alte Testament im Judentum genannt. Er war interessiert, die Argumente zu hören.

Ich erwähnte Jesaja 9 und noch ein paar andere Stellen. Schließlich sagte er: „Sie können gut reden.“ Das Wort Gottes ist wirklich… Das war der Hammer, denn er konnte nichts dagegen sagen.

Wollen wir vielleicht noch ein paar Stellen dazunehmen, außer Jesaja 9, Vers 5? Jesaja 35, ja. Und zwar liest du vor oder jemand anders?

 Jesaja 35,4 und etwas weiter: „Dann werden die Augen der Blinden aufgehen und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge der Stummen jauchzen.“

Jawohl, und das ganze Kapitel beschreibt eigentlich das messianische Königreich am Ende der Zeit. Aber das Kommen des Messias wird hier so beschrieben: Vers 4 – „Seid stark, fürchtet euch nicht, siehe, euer Gott“, im Sinne von „euer Gott kommt“. Denn danach heißt es: „Er selbst kommt und wird euch retten.“

Ja, und dann könnten wir noch Micha 5, Vers 1 aufschlagen: „Und du Bethlehem Ephrathah, die du klein bist unter den Tausendschaften von Juda.“ Auch hier wird mir derner vorgehen, dass der Herrscher über Israel sein soll. Und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.

Auch hier ist es wichtig zu wissen, dass in der rabbinischen Literatur, also von Alters her, Micha 5, Vers 1 auf den Messias bezogen wurde. Im wichtigen Targum zu den Propheten von Jonathan ben Uzziel, einer aramäischen Übersetzung der Propheten, die man üblicherweise in den Rabbinerbibeln findet.

Mit der größten Schrift hat man den hebräischen Grundtext, und dann in etwas kleinerer Schrift die Targumim, also die Übersetzungen ins Aramäische, von Jonathan ben Uzziel. Danach folgen die mittelalterlichen großen Kommentatoren wie Raschi, Abrabanel usw. in noch kleinerer Schrift. Die Schriftgröße zeigt immer an, was wie wichtig ist.

Die Targumim kommen also direkt nach dem Grundtext in der Größe. Dort wird es so übersetzt: „Du betelst Himmelfrata, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher in Israel sein soll.“ Und da wird gleich noch eingefügt, auf Aramäisch: „Meshicha“, der Messias.

Also sind das kleine erläuternde Zufügungen in der Übersetzung, die ganz klar machen: Das ist der Messias. Nun, was wird vom Messias hier gesagt? Er wird aus Bethlehem kommen, und darum wusste man von Alters her, dass der Messias einmal in Bethlehem geboren werden wird.

 Jesaja 9, Vers 5 sagt: „Ein Kind ist uns geboren“, und zwar in Bethlehem. Aber sagt der Bibeltext weiter: Seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.

Dann sagte ich eben diesem Mann am Bahnhof: „Ja, wenn er in Bethlehem geboren wird, ist er ein Mensch. Und wenn seine Ursprünge von der Ewigkeit her sind, dann ist er Gott.“

Zum Schluss vielleicht noch eine Stelle. Es gäbe ja noch viel mehr, aber noch eine: Sacharja 12, Vers 10.

Da wird über die Zeit gesprochen, wenn der Messias kommen wird, um das Königtum hier auf Erden zu übernehmen.

„Über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden auch mich sehen, den sie durchbohrt haben. Und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und sie werden bitterlich über ihn weinen, wie man bitterlich weint über einen Erstgeborenen.“

Danke.

Die göttliche Rede in Sacharja 12 und die Dreieinigkeit

Nun stellt sich die Frage: Wer ist der Sprecher? Wer sagt: „Ich werde ausgießen“? Vers 1 macht das klar, nämlich bitte ja, oder sogar vorher noch als Ausspruch des Wortes des Herrn, also Jachwe, über Israel. Dann spricht Jachwe, also der Eigenname Gottes, das heißt der Ewigseiende, der Unwandelbare, ohne Anfang, ohne Ende, der das Sein in sich selbst hat, in sich selbst ist.

Die ganze Rede danach ist immer, immer Jachwe. Das heißt, die ganzen Kapitel zwölf, dreizehn und vierzehn sind sein Reden. Da ist also klar Vers 10: „Und ich werde über das Haus Davids, über die Bewohner von Jerusalem, den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen.“ Es spricht Jachwe. „Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“

Und da bekommen wir ein Problem: Wie kann man den Ewigen durchbohren? Ja, ich meine, Gott kann man ja nicht durchbohren. Wenn ein Jude diesen Text nüchtern liest, sagt er sich ganz klar: Hier spricht Jachwe. Und jetzt heißt es hier: „Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“ Jachwe durchbohren – wie soll das gehen?

Das geht, indem eben Gott Mensch wurde. Als Mensch. Und da wird wieder klar: Der Messias muss Gott und Mensch in einer Person sein. Es ist auch noch wichtig zu wissen, dass auch im Talmud, im Traktat Sukka 52a im babylonischen Talmud und im Jerusalemer Talmud im Traktat Sukka 55a, diese Stelle auf den Messias bezogen wird.

Es ist unglaublich. Man wüsste es ganz genau, und trotzdem werden dann die Schlussfolgerungen nicht gezogen. „Ist er Messias?“ Aber es spricht ja Gott: „Sie werden ihn durchbohren.“ Es ist Gott, der sagt: „Sie werden ihn durchbohren.“ Also geht es hier um jemanden, der Gott und Mensch in einer Person ist.

Natürlich könnte dann jemand sagen: „Ja, halt, halt, halt, plötzlich ändert es sich hier im Satz: ‚Und werden über ihn wehklagen, gleich der Wehklage über den Eingeborenen.‘“ Also sie werden weinen, wie wenn Eltern den einzigen Sohn verlieren, der stirbt, bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen Leid trägt.

Wie kann man das jetzt erklären? Jetzt spricht doch jemand anders! Zuerst spricht jemand: „Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“ Aber der Satz ist noch nicht zu Ende: „Und sie werden über ihn wehklagen.“

Ja, aber die Frage ist: Wenn im Kapitel zwölf, Vers 1, gesagt wird, hier im ganzen Kapitel spricht Jachwe, wie kommt es denn, dass plötzlich die Person im Satz wechselt? Genau, und das ist auch der Punkt: Ohne die Lehre der Dreieinigkeit Gottes geht das gar nicht auf. Das ist die Klärung.

Es spricht immer noch Jachwe. Es ist Jachwe, der spricht: „Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“ Es ist immer noch Jachwe, der sagt: „Und sie werden über ihn wehklagen.“ Da wird klar, dass also mehr als eine Person in der Gottheit ist. Aber es gibt nur einen Gott, nur einen Jachwe, nur einen Herrn.

Aber es ist mehr als eine Person in der Gottheit. Und natürlich wird mit dem Licht des Neuen Testaments, aber eigentlich auch mit dem Alten Testament, klar, dass eben der Sohn Gottes kommen musste in die Welt.

Das haben wir ja auch schon in Psalm 2: Denn Gott nennt den Messias seinen Sohn: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Und in den Sprüchen geht es natürlich um seinen Sohn Gottes, seinen Sohn als Mensch. „Heute habe ich dich gezeugt.“ Aber er ist auch der ewige Sohn.

Darum steht in Sprüche 30: „Kennst du den Namen Gottes, des Schöpfers, und den Namen seines Sohnes?“ Da wird von Jachwe, alttestamentlich gesprochen, und von seinem Sohn gesprochen. Können wir das kurz aufschlagen?

 Sprüche 30, das ganze Kapitel stammt von Agur Ben Jaket, einem Weisen, der von sich sagt in seiner Demut, er habe keine große Erkenntnis. Er beschreibt dort Gottes Schöpfung. In Sprüche 30, Vers 4 heißt es:

„Wer ist hinaufgestiegen in den Himmel und herabgefahren? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? Wer hat die Wasser in ein Tuch gebunden? Wer hat aufgerichtet alle Enden der Erde? Was ist sein Name und was ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?“

Und das ist jetzt auch noch interessant: Der Name seines Sohnes. Nicht wahr? Es werden ja die Engel im Alten Testament an verschiedenen Stellen Söhne Gottes genannt, Benei Elohim, Hiob 1,2; 1. Mose 6 usw. Das meint, weil sie vernünftige Geschöpfe sind, mächtige Geschöpfe von Gott, werden sie so genannt.

Aber hier wird gesagt: „Was ist der Name seines Sohnes?“ Nicht eines seiner Söhne, der Name seines Sohnes. Das ist der einzige Sohn. Und das ist die Bedeutung übrigens auch in Johannes 3, Vers 16 von dem eingeborenen Sohn, das heißt der Einzige.

Dieser Unterschied ist wichtig. Zum Beispiel in Psalm 110 heißt es doch: Ein Psalm von David. Da steht „Le David, Mismor“. Wenn hier stehen würde „Mismor David“, dann würde es heißen: Der Psalm von David. Ja, dann würde das bedeuten, es gibt nur einen Psalm von David, „Mismor David“. Aber hier steht „Le David“, von David ein Psalm, weil er eben noch viel mehr Psalmen geschrieben hat.

So könnte man einen Unterschied machen im Hebräischen. Aber wenn man sagt: „Was ist der Name und der Name seines Sohnes?“, dann gibt es nur einen Sohn. Das ist der einzige Sohn, eben von Ewigkeit her.

Gibt es bis dahin noch eine Frage? Ja, bitte?

Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes

Ja, die Sache mit der Dreieinigkeit, die du gerade angesprochen hast: Geht das irgendwo in der Bibel vor? Ich kenne nur den Satz, wo Jesus sagt: „Der Vater und ich sind eins.“ Das würde ja bedeuten, dass sie zwei Einheiten sind. Es gibt auch bestimmte Gruppen, die das bezweifeln, vor allem im künstlichen Bereich. Die Dreieinigkeit wird da infrage gestellt. Natürlich ist nichts gegen den Heiligen Geist gesagt, aber ich kenne keine Stelle, in der Jesus sagt, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist eins sind. Es ging hier ja um die Frage der Gottheit des Heiligen Geistes, nicht wahr?

Zum Begriff „Dreieinigkeit“: Den finden wir nirgends in der Bibel. Er wurde nämlich von Tertullian geprägt. Tertullian war ein bekehrter römischer Rechtsanwalt, der viele Wörter für die Bibellehre geprägt hat. Es gibt etwa 800 lateinische Begriffe, die von ihm stammen sollen, und einer davon ist „Trinitas“, was „Drei-Einigkeit“ bedeutet. Ich benutze diesen Begriff eigentlich nicht so gern, obwohl er der übliche Ausdruck ist. Es geht ja nicht um eine Einigkeit im Sinne von Einheit, sondern deutlicher wäre es, wenn wir von „Drei-Einheit“ sprechen würden. Beide Ausdrücke kommen vor, aber nicht das lateinische Wort „Trinitas“. Tertullian wollte damit ausdrücken, was die Bibel lehrt: dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist eins sind.

Ihr habt die Stelle in Johannes 10, Vers 30 angeführt. Schauen wir uns die zuerst an, bevor ich die eigentliche Frage beantworte. Es ist ganz wichtig, dass man das korrekt versteht. Johannes 10, Vers 30: „Ich und der Vater sind eins.“ Auf Französisch ist es viel schwieriger, diesen Vers zu erklären, da man dort nicht zwischen männlich, weiblich und sächlich unterscheiden kann. Aber hier sagt Jesus nicht „ich und der Vater sind einer“, sondern „ich und der Vater sind eins.“ So ist es auch im Griechischen.

Tertullian hat das sehr schön erklärt: Er sagte „non unus sed unum“ – nicht eine Person, nicht „einer“, sondern „eins“ im Wesen. Wenn der Herr gesagt hätte: „Ich und der Vater sind einer“, dann würde das bedeuten, es gibt nur eine Person in der Gottheit. Das wäre die Leugnung der Lehre der Dreieinigkeit. Aber er sagt: „Ich und der Vater sind eins.“

Was die Gottheit des Heiligen Geistes betrifft, schlagen wir mal Apostelgeschichte 5 auf. Interessant ist, dass die Frage der Gottheit Christi im dritten Jahrhundert nach Christus heftig angegriffen wurde. Die Christenverfolgungen in etwa zehn Wellen waren grausam und brutal, unzählige Christen wurden ermordet. Doch als die Verfolgungen mit Diokletian und Konstantin zu Ende gingen, kam plötzlich ein Angriff nicht mehr durch physische Gewalt, sondern durch lehrmäßige Gewalt.

Überall wurde im Römischen Reich diskutiert. Selbst Nichtchristen interessierten sich für diese Fragen: Glaubst du an die Dreieinigkeit? Oder hat man gefragt: Glaubst du, dass der Sohn dem Vater gleich ist? Das war das große Diskussionsthema. Schließlich kam es zum Konzil von Nicäa 325. Dort wurde durch das Konzil das Bekenntnis abgelegt, dass der Vater dem Sohn wesensmäßig gleich ist. Das heißt, er ist ewig wie der Vater, allmächtig wie der Vater, allwissend wie der Vater. Das brachte etwas Ruhe.

Die Frage, ob der Heilige Geist Gott ist, blieb jedoch offen. Die Diskussion ging weiter bis 381, als das Konzil von Konstantinopel stattfand. Dort wurde das Bekenntnis abgelegt, dass der Heilige Geist Gott ist.

Dabei ist es wichtig, festzuhalten, wie die Reformatoren das gesehen haben. Sie erkannten die katholische Kirche und ihr Machtsystem als unbiblisch und verworfen. Trotzdem sagten die Reformatoren: Wir glauben an das Bekenntnis, das in Nicäa und Konstantinopel abgelegt wurde. Nicht, weil Konzile es beschlossen haben, sondern weil es in der Bibel steht.

Sie betonten: Allein die Schrift ist das Entscheidende. Es zählt nicht, was ein Papst, Kardinal oder Konzil beschließt. Wenn sie etwas Falsches beschließen, das gegen die Heilige Schrift ist, verwerfen wir es. Wenn sie aber etwas Richtiges beschließen, akzeptieren wir es. So schlossen sie sich dem Bekenntnis an, ohne irgendeine Konzilsgewalt anzuerkennen.

Zur Gottheit des Heiligen Geistes: Apostelgeschichte 5 berichtet die Geschichte von Ananias, der vorgab, besonders treu zu sein. Schauen wir uns Apostelgeschichte 5, Vers 3 an: „Petrus aber sprach zu Ananias: Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen hast und von dem Kaufpreis des Feldes etwas zurückbehalten hast? War es nicht dein eigenes? Und nachdem es verkauft war, lag es nicht in deiner Gewalt? Was hast du dir in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.“

Und dann fiel Ananias tot um. Das ist völlig klar und eindeutig: Der Heilige Geist wurde belogen, und damit wurde nicht ein Mensch belogen, sondern Gott. Der Heilige Geist ist Gott.

Eine weitere Stelle dazu ist Hebräer 9. Dort wird der Heilige Geist als der „ewige Geist“ bezeichnet. Hebräer 9, Vers 14. Außerdem möchte ich noch eine Stelle aus Hiob angeben, die wir in der Rede des vierten Freundes Elihu finden: Hiob 33, Vers 4.

Noch einmal zurück zu Apostelgeschichte 5, Vers 3: Wer liest kurz diesen Vers?

 Hiob 33, Vers 4 lautet: „Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen erhält mich am Leben.“ Hier wird der Geist Gottes als Schöpfer des Menschen bezeichnet. Der Geist Gottes hat mich gemacht. Damit wird auch klar, was der Plural in 1. Mose 1, Vers 27 bedeutet: „Lasst uns Menschen machen in unserem Bild.“ Es war das Werk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Jetzt noch einmal zurück zu Apostelgeschichte 5: War das nun die Sünde gegen den Heiligen Geist? Besser gesagt müsste man von der Lästerung des Geistes sprechen. Das ist gemeint, wenn man von der Sünde gegen den Heiligen Geist spricht. Eigentlich müsste man sagen: die Lästerung des Geistes.

Das ist etwas anderes. Es ist das, was in Matthäus 12 beschrieben wird, wo die Pharisäer im vollen Bewusstsein, dass Jesus der Messias sein muss, sein Werk, das er durch den Heiligen Geist getan hat, als Werk des Teufels verleugneten. Das ist die Lästerung des Geistes.

Grundsätzlich ist jede Sünde, die ein Gläubiger tut, eine Sünde gegen den Heiligen Geist, denn in Epheser 4, Vers 30 heißt es: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist, mit dem ihr versiegelt worden seid.“ Danach wird gesagt, dass wir alle Bitterkeit, Wut, Geschrei und fehlende Bereitschaft zum Vergeben ablegen sollen. Das ist alles im Sinne von Sünde gegen den Heiligen Geist, der im Gläubigen wohnt.

Die Lästerung des Geistes ist jedoch die Sünde, wenn ein Mensch ganz bewusst und endgültig den Geist Gottes lästert und das Werk Christi verwirft. In Hebräer 10 wird das so umschrieben: „Den Sohn Gottes mit Füßen treten und den Geist der Gnade schmähen.“ Und in Hebräer 6 ist beschrieben, dass solche Menschen abfallen und Christus wiederum kreuzigen und der Schmach preisgeben.

Noch eine Frage?

Ja, genau, das ist der Punkt: Es war eine Sünde zum Tode bei Ananias. In 1. Johannes 5 wird erwähnt, dass es Sünde zum Tode gibt und Sünde, die nicht zum Tode führt. Man kann nicht sagen, dass genau diese Sünde zum Tod führt, sondern das hängt von den Umständen ab.

In Apostelgeschichte 5 war es die erste offene Sünde in der Gemeinde, und Gott gab damit ein Exempel, um zu zeigen, wie heilig er ist. Darum hat er Ananias und Saphira weggenommen. Das sagt jedoch nichts über ihr ewiges Schicksal aus, sondern ist ein irdisches Gericht – die Sünde zum Tod.

Danke!

Rückkehr zu Psalm 110 und die Bedeutung des Sitzen zur Rechten Gottes

Gut, dann gehen wir zurück zu Psalm 110, Vers 1. Wir sehen hier die Dramatik in diesem messianischen Psalm, der vom Judentum als messianisch anerkannt wird. Allerdings wird nicht erklärt, warum David den Messias seinen Herrn nennt. Diese Frage lässt sich erst beantworten, wenn man die Gottheit des Messias anerkennt, die sowohl im Alten als auch im Neuen Testament bezeugt ist.

Es wurde bereits erwähnt, dass heute immer mehr die Gottheit Christi geleugnet wird. Diese Lehre breitet sich wieder aus, und zwar sehr hinterhältig, oft über die Schiene des Interesses an Israel und dem Judentum. Viele Christen haben in unserer Zeit ein wachsendes Interesse für Israel und das Judentum entwickelt, weil sie sehen, wie sich die Prophetie in der Bibel in Bezug auf dieses Volk erfüllt.

Das hat bei vielen zu einem unkritischen Enthusiasmus geführt, sodass der Eindruck entsteht, es gäbe nichts Höheres als das Judentum. Dabei sollten wir erkennen, dass wir als Christen eigentlich alle jüdisch sind. Das ist jedoch eine falsche Lehre. Das Christentum, die Gemeinde Gottes, ist keine jüdische Unterkategorie. Gott hatte diesen Plan von Ewigkeit her, aber er war als Geheimnis in seinem Herzen verborgen.

Erst als der Messias von der Mehrheit seines Volkes verworfen wurde, in den Himmel zurückkehrte und den Heiligen Geist sandte, wurde dieses Geheimnis der Gemeinde offenbart. Dort werden Juden und Nichtjuden zu einer neuen Einheit zusammengefügt. Die Gemeinde Gottes ist weder jüdisch noch heidnisch, sondern das ist das Geheimnis Gottes, das von Ewigkeit her verborgen war und jetzt enthüllt wurde.

Das haben wir beim letzten Mal ziemlich ausführlich im Zusammenhang mit den sieben Zeitaltern behandelt. Dabei wurde erklärt, wie dieses Geheimnis Gottes zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche im prophetischen Plan für Israel Wirklichkeit wurde.

Wenn man nicht mehr klar sieht, was die Gemeinde ist und was Israel ist, sondern die Dinge vermischt, entsteht die Versuchung, jüdische Bräuche zu übernehmen. Man denkt vielleicht, man sollte jüdisch essen, sich jüdisch kleiden und so weiter. Dadurch entsteht eine Art Verehrung, die schließlich dazu führt, dass man das Judentum überhöht.

Man betont die Einheit Gottes so stark, dass man sagt, es gibt nur eine Person in der Gottheit. Das ist eine Gefahr für die Christenheit. Heute gibt es immer mehr solche Irrlehren unter Christen, die unter dem Deckmantel „Wir wollen zurück zu den jüdischen Wurzeln“ verbreitet werden. Diese Irrlehre ist tödlich, denn hier wird eine klare Grenze überschritten.

Ich muss sagen: Wer die Gottheit Christi und die Gottheit des Heiligen Geistes nicht anerkennt, ist kein Christ. Das wurde vom Herrn selbst so festgelegt. Die christliche Taufe, die der auferstandene Messias für die Weltmission angeordnet hat, geschieht nach Matthäus 28,18-20 so: „Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Nicht auf die Namen, sondern auf den Namen. Das heißt, der Täufling bekennt sich mit der Taufe zu dem einen Gott, der sich uns offenbart hat. Dabei erkennen wir den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist als unterschiedliche Personen. Die Bibel macht klar, dass der Vater nicht der Sohn ist, der Sohn nicht der Vater, der Vater nicht der Heilige Geist und der Heilige Geist nicht der Sohn.

Die Einheit und Verschiedenheit in der Gottheit

Ganz schön umschreibt das übrigens das erste Kapitel des Hebräerbriefes, wenn wir das noch kurz aufschlagen können. Ich denke, es ist wichtig, dass wir diesen Exkurs machen, ausgehend von Psalm 110, weil man hier gewappnet sein muss, um auch argumentieren zu können.

Liest jemand Hebräer 1,1-3? Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern in den Propheten geredet hat, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn. Diesen hat er zum Erben aller Dinge eingesetzt. Durch ihn hat er auch die Welten gemacht. Er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens. Alle Dinge trägt er durch das Wort seiner Macht und hat sie zu Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat.

Hier wird also das Kommen des Messias beschrieben. Gott hat durch seinen Sohn gesprochen. Dann werden sieben Herrlichkeiten des Sohnes aufgezählt: Er ist der Erbe aller Dinge, durch ihn wurden die Welten gemacht, er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und so weiter. In den weiteren Versen wird diese Herrlichkeit Christi anhand von sieben Zitaten aus dem Alten Testament untermauert.

Jetzt, worum es mir geht, ist diese eine Herrlichkeit in Vers 3: Der Sohn ist der Abdruck seines Wesens. Also der Sohn ist der Abdruck des Wesens Gottes, des Vaters. Hier steht für Abdruck das griechische Wort „Charakter“. Charakter bedeutet einen Siegelabdruck. Der Siegelabdruck ist genau die gleiche Aufschrift wie das Siegel selbst. Trotzdem gibt es einen Unterschied, einen ganz wesentlichen Unterschied. Ja, es ist spiegelverkehrt, spiegelbildlich. Also genau gleich und trotzdem verschieden.

So entspricht der Sohn in seinem Wesen hundertprozentig dem Wesen des Vaters. Er ist Gott von Ewigkeit her, allmächtig, allwissend und allgegenwärtig. Trotzdem ist er nicht der Vater. Und trotzdem bezeugt die Bibel, dass es nur einen Gott gibt. Aber in der Gottheit gibt es einen Dialog, eine Kommunikation und eine Gemeinschaft.

Interessant ist auch, was in Hebräer 1,7-8 steht. Liest jemand ab Vers 7? Dort heißt es: „Mit Bezug auf die Engel spricht er zwar, der seine Engel zu Dienern macht und seine Diener zu einer Feuerflamme, mit Bezug auf den Sohn aber: ‚Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.‘“

Hier spricht wieder Gott, der Vater, und er spricht über die Engel, dass diese Diener sind. Dann heißt es in Bezug auf den Sohn: „Dein Thron, o Gott!“ (Vers 8). Also der Vater spricht seinen Sohn an mit „O Gott“. Das ist gewaltig, oder? So spricht der Vater zum Sohn: „O Gott.“ Er sagt nicht „mein Gott“, das geht nicht.

Jesus sagt ja in Psalm 22, in diesem Kreuzpsalm, zu Gott, dem Vater: „Von Mutterschoß an bist du mein Gott.“ Dadurch, dass er Mensch wurde und sich als Mensch erniedrigt hatte, nannte er Gott „mein Gott“. Aber das hängt mit seiner Menschwerdung zusammen. Der Vater nennt den Sohn hingegen „O Gott“.

Damit ist doch etwas Munition gegeben, um solchen Argumenten, die heute immer mehr gegen die Gottheit Christi gebracht werden, wirksam begegnen zu können.

Übrigens noch nebenbei als Anregung: Die drei Kapitel Johannes 1, Kolosser 1 und Hebräer 1 haben in zweitausend Jahren Kirchengeschichte alle Irrlehren in Bezug auf die Person Jesu zerschlagen. Dort findet man schon alles, was man braucht, um solche Irrlehren zu widerlegen.

Fragen zur Bezeichnung „Ewigvater“ und zur Kreuzesfrage

Herr Rusche, ich habe eine Frage im Kischer, und zwar in Jesaja 9. Dort wird dieses Kind ewig Vater genannt.

Jawohl, das Wort „Vater“ hat den Sinn von Ursprung und Quelle. Ich möchte nicht sagen, dass der Sohn dadurch quasi jetzt Gottvater wäre, sondern er ist der Vater der Ewigkeit oder auch Vater des Zeitalters, wie man es übersetzen kann. Denn Jesus wird im tausendjährigen Reich, dem letzten Zeitalter, der Fülle der Zeiten, als König herrschen. In Bezug auf die Welt ist er somit vergleichbar mit Joseph.

Sonst wäre jetzt eigentlich Zeit für eine Pause. Ich suche schnell die Stelle, und dann fahren wir nachher weiter, damit wir keine Zeit verlieren. Wir sind bei der Frage stehen geblieben, was es bedeutet, dass Jesus Vater der Ewigkeit ist. Ewigkeit heißt „Olam“ und kann auch Zeitalter bedeuten. Hier bezieht es sich speziell auf das Zeitalter des tausendjährigen Friedensreiches.

Wir finden bei Joseph eine ganz interessante Bezeichnung in 1. Mose 45,8. Dort spricht Joseph zu seinen Brüdern, die ihn erkannt haben. Joseph wird zum Herrscher über die Familie Jakobs, Israels, und er herrscht über die Heiden, die Ägypter. Er ist ein Vorbild für den Herrn Jesus im tausendjährigen Reich.

In Kapitel 45, Vers 8 sagt Joseph: „Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott; und er hat mich zum Vater des Pharao gemacht und zum Herrn seines ganzen Hauses und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten.“

In Vers 13 heißt es weiter: „Und berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit in Ägypten und alles, was ihr gesehen habt.“ Joseph wurde also Herrscher über das ganze Land Ägypten, alles war ihm unterworfen. Der Ausdruck „Vater“ wird hier verwendet.

Das bedeutet nicht, dass der Pharao von ihm abstammt oder das Land Ägypten von ihm abstammt. Vielmehr ist Joseph der Schützer und Regent über alles, quasi der Vater in diesem Sinn. So ist Jesus eben auch Vater der Ewigkeit. Der Ministerpräsident wird im Allgemeinen auch Landesvater genannt.

Genau, ihr sagt also genau dasselbe. Jawohl, in diesem Sinn.

Nun noch eine Frage zu dem Thema, das wir behandelt haben: Es kommt immer wieder die Frage auf, warum Jesus am Kreuz ruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wie ist das zu erklären, wenn er doch Gott ist?

Wichtig ist, dass er dort nicht sagt: „Mein Vater, mein Vater, warum hast du mich verlassen?“, sondern „Mein Gott“. Es geht hier um die Beziehung des Herrn Jesus als Mensch zu Gott. Das müssen wir unterscheiden, wie Psalm 22 deutlich macht. Dort heißt es, dass der Herr Jesus von Mutterleib an sagt: „Bist du mein Gott?“

Am Kreuz hat Jesus als Mensch unsere Schuld auf sich genommen, und Gott hat sich von ihm abgewandt, als er der Sündenträger war. Deshalb sagt Jesus: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Ich würde niemals sagen, der Vater habe ihn verlassen, denn die Bibel sagt das nicht so. Wir sollten die Ausdrucksweise verwenden, wie die Bibel sie gibt. Was die Gottheit und Menschheit des Herrn Jesus betrifft, übersteigt das unser menschliches Erkenntnisvermögen vollständig.

Wir können es nicht erfassen, sondern nur darüber sprechen und nachdenken, so wie Gott es uns offenbart. Dabei müssen wir Zurückhaltung üben. Auch die Beziehung des Herrn Jesus als Mensch und als ewiger Sohn Gottes zum Vater ist etwas, das uns übersteigt. Doch das, was Gott darüber offenbart, können wir aufnehmen.

Das ist ähnlich wie in der Wissenschaft. Man kann über Elektronen und Protonen sprechen und noch kleinere Teilchen, aber im Grunde weiß niemand, was das wirklich ist. Das Wesen eines Elektrons kann uns niemand erklären. Wir wissen nur, dass es eine negative Ladung hat und können es messen, aber wirklich erfassen können wir es nicht.

Wir können über Licht sprechen, und in der Physik gibt es Modelle der Wellenbewegung und der Teilchenbewegung. Diese Modelle widersprechen sich eigentlich, haben aber beide ihre Berechtigung.

Das ist merkwürdig, oder? Selbst im natürlichen Bereich gibt es Dinge, die unser Verständnis übersteigen. Wir können nur modellhaft von der einen Seite oder der anderen sprechen, aber wirklich verstehen, was Licht ist, ist für uns Menschen eigentlich schon zu hoch.

Wie viel weniger können wir uns dann anmaßen zu behaupten, dass wir das Wesen Gottes erfassen können! Wir können darüber sprechen, und Gott hat es offenbart. Durch sein Wort spricht er verständlich über diese Dinge – aber mit Zurückhaltung und Achtung.

Diese Haltung ist vergleichbar mit der Gesinnung, die Mose hatte, als Gott ihm im Dornbusch erschien und sagte: „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heiliges Land.“ Das zeigt die Ehrfurcht vor Gott und seinem Wesen.

Vor einigen Tagen habe ich im Internet gelesen, dass selbst für etwas Alltägliches wie Wasser die Wissenschaft noch viele Details nicht vollständig kennt, etwa Zusammensetzung und Kristallstruktur, obwohl es Hunderttausende von Forschungsseiten gibt.

Das ist gerade der Punkt in der Wissenschaft: Man macht viele Fortschritte, aber am Ende muss man sagen, wie der Prediger es ausdrückt. Ich kann es kurz zitieren: In Prediger 8,17 heißt es: „Da sah ich an dem ganzen Werk Gottes, dass der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das geschieht unter der Sonne. Obwohl der Mensch sich Mühe gibt, es zu erforschen, so kann er es nicht ergründen, und wenn er behauptet, es zu verstehen, so kann er es dennoch nicht erfassen.“

Das ist genau das, was man in der Naturwissenschaft bis heute wiederholen muss. Es ist genau so: Wir können es nicht erfassen. Dabei geht es um das Werk Gottes, nicht um das Wesen Gottes.

Gut, wir gehen zurück zu Psalm 110.

Die Erhöhung des Messias und das Sitzen zur Rechten Gottes

In Psalm 22, im dritten Vers, findet man die Begründung: „Doch du bist heilig, der du wohnst unter den Lobgesängen Israels.“ Gott ist rein von Augen, um Sünde zu sehen. Nachdem alle Wehen und Bogen des göttlichen Gerichts über den Herrn ergangen sind, kann man erkennen, dass Gott sich zu seinem Sohn verlassen hat.

Als Jesus zur Sünde gemacht wurde – von der sechsten bis zur neunten Stunde – geschah dies wegen der Heiligkeit Gottes. Es wird hier nicht gesagt: „Mein Vater, warum hast du mich verlassen?“, sondern „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das betont besonders das Verhältnis des Herrn Jesus als Mensch zu Gott. Es geht weniger um das Verhältnis des ewigen Sohnes zum ewigen Vater.

Der Grund, warum Gott den Menschen Jesus verlassen musste, der mit unserer Schuld beladen war, ist grundlegend wichtig zu verstehen. Es geht darum, dass Gott Sünde hasst. Deshalb musste der Herr Jesus am Kreuz von Gott getrennt werden, damit er immer bei uns sein kann. So war er das vollkommene Sündopfer.

Jesus konnte nicht durch einen menschlichen Mann gezeugt werden, weil die Sünde über den Samen des Mannes vererbt wird. Das war schon von vornherein ausgeschlossen. Darum musste der Herr Jesus absolut vollkommen sein, um das Sündopfer zu werden. Und deshalb musste Gott ihn verlassen, weil er unseren Platz im Gericht eingenommen hatte. Unser Teil wäre die ewige Trennung von Gott gewesen.

Kehren wir zurück zu Psalm 110. Wir sind bisher nur so weit gekommen: „Der Herr sprach zu meinem Herrn“, sagt David, „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.“ Die Erfüllung davon wird zum Beispiel in Markus 16 beschrieben. Dort wird die Auferstehung des Herrn Jesus geschildert.

Doch es geht hier weiter in Markus 16, Verse 19 und 20. Wer liest? „Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauffolgenden Zeichen bestätigte.“

Wir haben in diesem Kapitel drei Dinge: Erstens, wie der Herr Jesus aus dem Grab erhoben wurde; zweitens, dass er in der Himmelfahrt in den Himmel aufgenommen wurde; und drittens, dass er den Ehrenplatz zur Rechten Gottes auf dem Thron erhielt.

 Psalm 110 spricht also über dieses dritte Ereignis aus Markus 16, das Sitzen zur Rechten Gottes. Warum zur Rechten und nicht zur Linken? Das ist der Platz des Rechtsgelehrten, also des Fürsprechers und Fürbittenden, aber auch ein gerichtliches Zeichen der Macht – die rechte Hand.

Aus dem menschlichen Alltag ist es uns noch viel naheliegender: Die rechte Seite ist die Seite der aktiven Ausführung. Wenn ein Mann seine Frau ehrt, auf welche Seite setzt er sie? Auf die rechte! Es ist die Seite der Ehre. So bekommt der Herr Jesus hier zur Rechten Gottes den Ehrenplatz, den höchsten Platz, den es gibt.

Das entspricht dem, wie der Apostel Paulus es in Philipper 2 beschreibt. Dort zeigt er, wie der Herr Jesus sich siebenfach erniedrigt hat bis zum Tod am Kreuz. Können wir das kurz aufschlagen? Deshalb wurde er erhöht und erhielt den höchsten Platz der Ehre – den Platz zur Rechten Gottes.

Wer liest Philipper 2, Verse 5 bis 11? Zunächst wird darüber gesprochen, was der Herr Jesus vor seiner Menschwerdung war. Schon vor seiner Menschwerdung war er in der Gestalt Gottes. Interessant ist Folgendes: „Gestalt“ ist hier das griechische Wort „Morphä“. Einen ähnlichen Ausdruck finden wir in Vers 7, „Gleichheit der Menschen“. Das ist nicht mehr „Morphä“, sondern ein Ausdruck, der die äußere Übereinstimmung, das äußere Erscheinen meint.

„Morphä Gottes“ bedeutet also, dass er die Gestalt, das Wesen Gottes hatte – allmächtig, allgegenwärtig, allwissend und so weiter. Aber er hat es nicht als Raub angesehen, Gott gleich zu sein. Das war nicht etwas, das er begehren oder an sich reißen musste. Er war Gott gleich.

Der Satan, einer der höchsten Engel, wollte sein wie Gott und sah es als Raub an, Gott gleich zu sein: „Ich will mich gleich machen dem Höchsten“ (Jesaja 14, Verse 12 und folgende). Jesus jedoch nicht. Im Gegensatz dazu strebte er nicht danach, sondern erniedrigte sich selbst.

Darum wird er in Philipper 2 als unser Vorbild für Demut vorgestellt. Sein Weg war: Erstens, er erniedrigte sich. Zweitens, er nahm die Gestalt eines Knechtes an. Drittens, er wurde in Gleichheit der Menschen. Viertens, er wurde in der Gestalt eines Menschen erfunden, das heißt, er verhielt sich auch so wie Menschen sich verhalten – wirklich menschlich. Das war eine weitere Erniedrigung.

Er wurde also nicht nur einfach ein Mensch, sondern war auch im Verhalten wirklich menschlich. Fünftens erniedrigte er sich, indem er gehorsam war bis zum Tod. Sechstens, es war nicht irgendein Tod, sondern der schändlichste Tod: der Tod am Kreuz. Das sind sieben Stufen.

Daraufhin kam die Antwort Gottes: Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben. Das geschah durch die Auferstehung, durch die Himmelfahrt und durch das Sitzen zur Rechten Gottes. Gott hat ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist.

Welcher Name ist hier gemeint? In Vers 10 heißt es: „Damit in dem Namen Jesus jedes Knie sich beuge.“ Den Namen Jesus hatte er schon bei der Menschwerdung erhalten. Weiter heißt es: „Damit jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Kyrios ist, Herr.“

Darum sagt auch Petrus in der Pfingstpredigt, dass Christus auferstanden ist und Gott ihn zum Herrn gemacht hat. Er bezieht sich dabei auf Psalm 110: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten.“ Gott hat ihm also den Titel „Herr“ gegeben. Als Mensch erhielt er diesen Ehrentitel und sitzt nun zur Rechten Gottes.

Es fällt auf, dass in den Evangelien der Sohn Gottes meistens „Jesus“ genannt wird. Wenn man dann die Apostelgeschichte weiterliest, beginnt Petrus schon in Apostelgeschichte 1, über den Herrn Jesus zu sprechen. Diese Bezeichnung wird in der Apostelgeschichte und in den Briefen immer wieder als „Herr Jesus“ oder „Herr Jesus Christus“ verwendet.

Das hängt damit zusammen, dass er diesen Titel als Gottes Antwort auf seine Erniedrigung erhalten hat. Ebenso erklärt Jesus in Matthäus 23: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Das vollkommenste Beispiel ist seine Erhöhung zur Rechten Gottes.

Das Neue Testament ist voll von diesem Zeugnis, dass er zur Rechten Gottes sitzt – dem höchsten Ehrenplatz. Weil er heute diesen Ehrenplatz einnimmt, ist es wichtig, ihm diese Ehre zu geben, indem wir ihn bewusst „Herr Jesus“ nennen und nicht einfach nur „Kyrios“, das griechische Wort für Herr.

Im Neuen Testament gibt es eine Nuancierung: Wenn der Name Yahweh aus dem Alten Testament gemeint ist, wird oft „Kyrios“ ohne Artikel verwendet. Das unterscheidet sich von „ho Kyrios“ mit Artikel, was eher „der Herr“ bedeutet. Ich kann das kurz zeigen anhand von Matthäus 1.

Schon von Alters her hat man begonnen, den Namen Yahweh beim Vorlesen zu vermeiden. Aus Respekt vor der Heiligkeit Gottes und gemäß dem dritten Gebot („Du sollst den Namen Yahwehs nicht zum Eitel aussprechen“) wurde der Name durch „Adonai“ ersetzt. So wird es heute in Synagogen weltweit gehandhabt.

In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments aus dem dritten Jahrhundert vor Christus wurde der Name Yahweh durch „Kyrios“ ersetzt. Im Neuen Testament wird diese Art der Redeweise fortgeführt, bestätigt durch den Heiligen Geist.

Schauen wir kurz in Matthäus 1, Verse 22 und 23. Dort steht im Griechischen nicht „von dem Herrn“, sondern „was vom Herrn geredet ist“. Das macht klar, dass hier „Herr“ den Namen Yahweh meint.

In Matthäus 22 zitiert Jesus Psalm 110. Dort kommt „Kyrios“ zweimal mit Artikel vor. Darum muss man korrekt sagen: „Kyrios“ ohne Artikel meint speziell Yahweh, manchmal auch mit Artikel. Wenn es auf den Herrn Jesus als Mensch bezogen ist – seit der Himmelfahrt und seinem Sitzen zur Rechten Gottes – ist „ho Kyrios“ oft der Titel, den Gott ihm als Ehre für seine Erniedrigung gegeben hat.

Tendenziell ist „Kyrios“ ohne Artikel speziell Yahweh, aber nicht ausschließlich. Eine Frage dazu: Es gibt eine Stelle, wo die Jünger ihn selbst so nennen. Das ist in Johannes 21, Vers 7. Dort sagt jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Petrus, als er das hörte, hürte das Oberkleid um, denn er war nackt und war auf dem See.

Das ist die letzte Schilderung von Jesu Erscheinung nach der Auferstehung. Es fällt auf, dass der Ausdruck „Herr“ sich in den Evangelien nach der Auferstehung häuft. Vorher kommt er nur an einzelnen Stellen vor, meistens wird Jesus genannt. „Herr“ bezeichnet ihn als den Sohn Gottes, der sich erniedrigt hat.

Ab der Auferstehung und besonders seit der Himmelfahrt wird „Herr“ gehäuft verwendet. In den Briefen ist die übliche Bezeichnung „Herr Jesus“ oder „Herr Jesus Christus“. Genau das ist die Sache.

Die Zeugen Jehovas haben an vielen Stellen „Jehova“ eingesetzt, obwohl im Grundtext nie „Jehova“ steht, sondern „Kyrios“. Sie gehen davon aus, dass „Jehova“ ursprünglich in den Handschriften stand. Das ist jedoch nicht belegbar.

Im Neuen Testament kommt der Name „Jehova“ oder „Yahweh“ nicht vor, nur das Ersatzwort „Kyrios“. Im Judentum wurden auch andere Ausdrücke benutzt, um Yahweh zu ersetzen, zum Beispiel „Himmel“. Deshalb sagt der Sohn im Gleichnis vom verlorenen Sohn: „Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“, also gegen Yahweh.

Auch der Ausdruck „Majestät“ wurde verwendet. In Hebräer 1 heißt es, der Herr Jesus habe sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe – das ist Yahweh. In den aramäischen Targumim wird Yahweh oft durch „Memra Adonai“ ersetzt, das Wort des Herrn.

Das ist auch der Bezug zu Johannes 1, Vers 1: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Das Wort ist nichts anderes als Yahweh. Das bestätigt, dass der Sohn Gottes Yahweh ist – genauso wie der Vater und der Heilige Geist.

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte Ihnen eine Frage stellen: Wie stehen Sie zu den Wörtern? Selbst wenn jemand es anders ausspricht, kann man nicht sagen, es sei vollkommen falsch. Man versteht es dennoch.

Effektiv ist es aber nicht die korrekte Aussprache. Es gibt Umschriften mit griechischen Buchstaben, die zeitlich sehr weit zurückreichen und zeigen, dass die Aussprache zur Zeit Jesu „Yahweh“ war.

Bis zum Jahr 70 sprach der Hohepriester den Namen Yahweh am Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag, zehnmal aus. Auch täglich segneten die Priester das Volk im Tempel mit „Jewerachacha, Yahweh, wejeschmerecha“ – „Der Herr segne dich und behüte dich“ (4. Mose 6).

Nun zurück zu Psalm 110. Wir haben gesehen, was es bedeutet, zur Rechten Gottes zu sitzen, und die Verheißung: „Bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.“ Damit wird klar, der Messias wird den höchsten Platz bekommen. Danach folgt eine Zeitperiode, in der man warten muss, bis alle Feinde ihm sichtbar unterworfen sind.

Aus dem Alten Testament entnehmen wir, dass der Messias sterben wird. Das haben wir zuletzt in Daniel 9, Vers 25 angeschaut: Nach den 62 Jahrwochen wird der Messias ausgerottet werden und nichts haben.

Doch er musste auferstehen, wie wir früher schon in Psalm 16 gesehen haben: „Du wirst meine Seele nicht dem Scheol überlassen und nicht zulassen, dass dein Frommer die Verwesung sieht.“ Er musste auferstehen, in den Himmel fahren und schließlich den Platz zur Rechten Gottes einnehmen.

Diese drei Stufen sind schön zusammengefasst in Jesaja 52 (die Kapitelgliederung ist nicht optimal, denn die Prophetie über den leidenden Gottesknecht beginnt eigentlich hier und nicht erst in Kapitel 53).

Lesen wir kurz vor: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein, wie sich viele über dich entsetzt haben. So entstellt war sein Aussehen mehr als das irgendeines Mannes und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder. Ebenso wird er viele Nationen besprengen.“

Ab Vers 14 werden die schrecklichen Leiden des Messias beschrieben: Sein Aussehen war entstellt, mehr als das irgendeines Mannes. Es heißt weiter: „Er hatte keine Gestalt, keine Pracht, als wir ihn sahen; er hatte kein Ansehen, dass wir ihn begehrt hätten.“

Bevor der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja die tiefe Erniedrigung und die Leiden des Messias beschreibt, fasst er in einem Vers den Triumph des Gekreuzigten zusammen: „Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln, er wird erhoben, erhöht werden und sehr hoch sein.“

Man kann sagen: Er wurde erhoben aus dem Grab, erhöht in der Himmelfahrt und sehr hoch sein zur Rechten Gottes. Die Antwort Gottes auf die Leiden seines Christus wird hier vorweggenommen.

Der Midrasch Tanchuma, ein rabbinisches Buch aus dem wahrscheinlich neunten Jahrhundert, sagt zu dieser Stelle: „Siehe, mein Knecht wird klug handeln. Dies ist der König Messias, welcher hoch und erhöht und sehr erhaben ist, erhabener als Abraham, erhöht über Mose, höher als die dienenden Engel.“

Man meint, man liest den Hebräerbrief. Das ist genau die Argumentation dort. Das macht deutlich, dass der Schreiber des Midrasch Tanchuma solche Gedanken im Judentum aus früher Zeit überliefert hat. Auch der Apostel Paulus, der zu den Füßen Gamaliels saß, hörte damals schon solche Auslegungen.

Das erklärt die frappante Parallele zwischen Hebräerbrief und Midrasch Tanchuma. Es gibt übrigens noch viele weitere solcher Parallelen.

Das war zu den drei Stufen der Erhöhung Christi. Dann steht da: „Bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.“ Hier wird klar, dass eine Zeit des Wartens notwendig ist, bis alle Feinde besiegt sind. Das geschieht nicht plötzlich.

Wenn wir an das letzte Mal zurückdenken, wo wir ausführlich den langen Einschub zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche betrachtet haben, ist dies genau die Periode des Wartens, bis alle Feinde zu den Füßen des Messias gelegt sind. Dieses „bis“ ist sehr wichtig.

Schlagen wir auf in Matthäus 23. Ich habe erklärt, dass Kapitel 22 und 23 an einem Tag, einem Dienstag vor dem Karfreitag, stattfanden. Am Schluss dieses Tages, an dem deutlich wurde, dass die jüdische Führung den Messias verwirft, sagt Jesus in Matthäus 23, Vers 37:

„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind, wie oft wollte ich deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprecht: ‚Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!‘“

Jesus kündigt also den Untergang des Tempels an: „Siehe, euer Haus, euer Tempelhaus, wird wüst gelassen.“ Und ihr werdet ihn nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, in der ihr ihn willkommen heißen werdet.

Dieser Satz stammt aus Psalm 118, der bald noch behandelt wird. Dort wird der Gruß wiedergegeben, mit dem der Messias empfangen werden soll: „Baruch haba b’schem Adonai.“ „Baruch haba“ heißt wörtlich „Gesegnet sei, der da kommt“, wird aber im Hebräischen als „Willkommen“ verstanden.

Auch heute in Israel, wenn jemand zu Besuch kommt, öffnet man die Tür und sagt „Baruch haba“ oder in der Mehrzahl „Bruchim habaim“ – „Willkommen“. Das ist der Gruß für den Messias.

„Baruch“ heißt „gesegnet“ oder „gepriesen“, besser wäre hier „gesegnet“ oder „willkommen“. Diesen Ruf hatten die Menschen am Palmsonntag gerufen, aber das war eine äußerliche, rein gefühlsmäßige Sache.

Am Freitag nach Palmsonntag wurde der Messias gekreuzigt. Deshalb sagt Jesus: Euer Tempel wird verwüstet, und ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, in der ihr mich wirklich herzlich begrüßt mit „Baruch haba b’schem Adonai.“

Dann wird der Herr Jesus seine Herrschaft als König der Welt übernehmen und seinen Fuß auf seine Feinde setzen. Das ist die Aussage in Psalm 110: „Bis ich gelegt habe deine Feinde als Schemel deiner Füße.“ Wörtlich: Die Feinde bilden den Schemel der Füße.

Im Altertum war es ein Zeichen des Sieges und Triumphs, den Fuß symbolisch auf den Feind zu setzen. Damit sind wir einen Vers weitergekommen. Das nächste Mal fahren wir fort und betrachten weitere messianische Psalmen.

Schlussgebet

Im Juni haben wir das Spezialthema. Peter wird uns dieses gleich noch einmal kurz erklären. Zuvor wollen wir jedoch gemeinsam beten.

Herr Jesus Christus, wir möchten dich preisen, weil du den höchsten Platz der Ehre eingenommen hast. Heute sehen wir noch nicht, dass dir alles unterworfen ist. Noch ist es nicht sichtbar geworden, dass du deine Macht über alle deine Feinde antrittst.

Aber wir wissen, dass du diesen Platz innehast. Wir stellen uns auf deine Seite, so wie sich damals treue Männer auf die Seite von David stellten, als er noch der verworfene König war.

Herr Jesus, wir wissen, dass wir eines Tages auch an deiner Seite stehen werden, wenn du deine Rechte als König wirklich antreten wirst. Wir freuen uns darauf und danken dir, dass wir dich mit den Augen des Glaubens schon jetzt in deiner Herrlichkeit sehen dürfen. Dieses Bewusstsein dürfen wir auch ausdrücken, indem wir dich Herr Jesus nennen.

Hilf uns, dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt. Lass sich deine Herrschaft wirklich darin zeigen, dass du alle Bereiche und Gebiete in unserem Leben regierst und leitest – zum Segen für uns persönlich, für unsere Ehen, für unsere Familien und für den Ort, an dem du uns hingestellt hast.

Wir danken dir dafür. Amen.

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