Guten Tag, ich möchte alle ganz herzlich zu unserer Bibelklasse begrüßen. Wir befinden uns in Matthäus 13, wo es um die Geheimnisse des Reiches der Himmel geht, insbesondere Vers 11.
Wir haben begonnen, die sieben Gleichnisse über das Reich der Himmel zu betrachten. Das letzte Mal haben wir die Gleichnisse eins bis vier behandelt. Dabei haben wir auch die dazugehörigen Erklärungen bis einschließlich Vers 43 besprochen.
Heute kommen wir zu Matthäus 13, Vers 44, und werden bis zum Ende des Kapitels lesen.
Einführung in die Gleichnisse des Reiches der Himmel
Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg. Aus Freude darüber geht er hin, verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht. Als er eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Noch einmal ist das Reich der Himmel gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische aller Art zusammenbrachte. Als es voll war, zogen sie es ans Ufer. Dann setzten sie sich nieder und sammelten die guten Fische in Gefäße, die schlechten aber warfen sie weg.
So wird es auch in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen, die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussortieren und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Weinen und Zähneknirschen sein.
Jesus fragte sie: „Habt ihr dies alles verstanden?“ Sie antworteten ihm: „Ja, Herr!“ Er sprach zu ihnen: „Darum ist jeder Schriftgelehrte, der im Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.“
Als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dannen hinweg.
Ablehnung in Jesu Heimatstadt und Beginn eines Wendepunktes
Und er kam in seiner Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge. Dabei waren sie sehr erstaunt und sprachen: „Woher hat dieser diese Weisheit und die Wunderwerke? Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus, Joseph, Simon und Judas? Und sind nicht alle seine Schwestern bei uns? Woher hat er nun all dies?“ Sie ärgerten sich an ihm.
Jesus aber sprach zu ihnen: „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und in seinem Hause.“ Und wegen ihres Unglaubens tat er dort selbst nicht viele Wunderwerke.
Vielen Dank! Wir haben beim letzten Mal gesehen, dass mit Matthäus 13 ein ganz grundsätzlicher Wendepunkt im Evangelium erfolgt. In den Kapiteln 1 bis 12 haben wir verfolgt, wie der Messias, Jesus, in diese Welt kam und als Lehrer in Israel auftrat.
Durch all diese Kapitel hindurch nimmt die Ablehnung immer mehr zu beziehungsweise wird die bereits vorhandene Ablehnung immer sichtbarer. Kapitel 12 stellte einen Höhepunkt dar: Herr Jesus vollbrachte ein ganz spezielles messianisches Wunderzeichen. Die Führer, die dabei waren, bezeichneten dieses bewusst als Werk des Teufels. Sie lehnten den Herrn also nicht aus Verblendung ab, sondern ganz bewusst.
Die Geheimnisse des Reiches der Himmel und ihre Offenbarung
Und dann haben wir beim letzten Mal gesehen, dass Jesus ab Kapitel 13 beginnt, sich von Israel als Nation abzuwenden und sich den Heidenvölkern zuzuwenden.
Das steht in Verbindung mit dem Ausdruck „die Geheimnisse des Reiches der Himmel“. Deshalb könntest du noch einmal die Verse 10 und 11 vorlesen:
Die Jünger traten herzu und sprachen zu ihm: „Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?“ Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben.“
Hier spricht Jesus also über die Geheimnisse des Reiches der Himmel. Von Anfang an hat Jesus das Reich der Himmel verkündigt.
Wir können noch einmal auf Kapitel 4 schauen, wo der öffentliche Dienst ganz am Anfang beschrieben wird. Dort lesen wir in Kapitel 4, Vers 17:
„Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“
Wir haben schon mehrfach gesehen, dass der Ausdruck „das Reich der Himmel“ ein typisch rabbinischer Ausdruck ist. Er kommt 32 Mal im Matthäusevangelium vor, aber nur dort. In Markus, Lukas und Johannes findet man diesen Ausdruck nicht.
Es ist ein typischer jüdischer Ausdruck, Malchut Schamayim, was „das Königreich des Herrn“ bedeutet. „Herr“ war bei den Rabbinern ein Ersatzname für den unaussprechlichen Namen Gottes, Yahweh, der als J-H-W-H geschrieben wird.
In der Synagoge war es üblich, dass man immer, wenn der Name Yahweh vorkam, stattdessen „Adonai“, also „Herr“, aus Ehrfurcht las. In den Diskussionen unter Rabbinern wurde stattdessen oft „Schamayim“, also „Himmel“, gesagt.
Es ist also ein Name für Gott. Das kennen wir sehr gut aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der verlorene Sohn sagt zu sich: „Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich.“
Gegen den Himmel? Damit meint er Yahweh. So bedeutet „das Reich der Himmel“ einfach das Reich des Herrn und bezeichnet das Königreich des Messias, wie es im Alten Testament angekündigt wurde.
Wenn der Messias als König kommt, wird er weltweit ein Reich des Friedens von Israel aus, von Jerusalem aus, aufrichten.
Das Reich der Himmel im Wandel und die Bedeutung der Geheimnisse
Nun, dieses Reich hat der Herr Jesus angeboten, als er kam. Zusammengefasst beinhaltet seine Botschaft: Tut Buße, also bereut in Staub und Asche über eure Sünde, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.
Er kam als König, doch er wurde verworfen. Dadurch hat sich das Reich der Himmel verändert. Diese Veränderung wird im Alten Testament nirgends vorausgesagt. Das war ein Geheimnis im Alten Testament.
Erst jetzt wird dieses Geheimnis enthüllt. Darum spricht der Herr Jesus in Matthäus 13,11 über die Geheimnisse des Reiches der Himmel. Es ist ganz wichtig, das zu wissen, denn so versteht man viele andere Stellen im Neuen Testament besser.
Immer wenn im Neuen Testament von Geheimnissen die Rede ist, handelt es sich um Wahrheiten, die im Alten Testament verhüllt waren und erst im Neuen Testament offenbart wurden.
Das Geheimnis des Christus und die Gemeinde in den Paulusbriefen
Wir können das ganz konkret betrachten. In den Paulusbriefen finden sich acht Geheimnisse. In Epheser 3 spricht Paulus über das Geheimnis des Christus, und das ist ganz konkret das Geheimnis der Gemeinde. Die Gemeinde war im Alten Testament nicht offenbart.
In Epheser 2,11-22 beschreibt Paulus, wie Gott Gläubige aus dem jüdischen Volk und aus den Heidenvölkern zu einem Leib, der Gemeinde, zusammengefügt hat. Anschließend sagt er, dass ihm dieses Geheimnis in spezieller Weise offenbart worden ist (Epheser 3,3 und folgende). Dort heißt es: „Mir ist durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden, wie ich zuvor in kurzem beschrieben habe, woran ihr beim Lesen bemerken könnt, mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus, welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt geoffenbart worden ist, seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin, nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, nach der Wirksamkeit seiner Kraft.“
Hier sagt Paulus, dass er dieses Geheimnis bereits kurz zuvor beschrieben hat. Das sind die Verse 11 bis 22 im vorherigen Kapitel. Nun erklärt der Apostel Paulus das, was er dort beschrieben hat. Es ist nichts anderes als das Geheimnis des Christus (Epheser 3,4).
Dabei ist man erstaunt: Christus ist einfach griechisch für Messias. Der Messias wurde ja im Alten Testament angekündigt. Das war ein zentrales Thema des Alten Testaments: der Messias, der verheißene Erlöser, kommt. Aber hier benutzt Paulus den Ausdruck „der Christus“ in Verbindung mit der Gemeinde. Er sagt, Christus ist das Haupt und die Gemeinde ist der Leib.
So etwas wird im Alten Testament nie vorausgesagt. Das Ganze, also das Haupt Christus und die Gemeinde als Leib, wird zusammengenannt „der Christus“.
Die Einheit von Gläubigen in Christus als Leib
Wenn wir Epheser 3 offen lassen und kurz aufschlagen, sowie 1. Korinther 12, wo der Apostel ebenfalls über den Leib Christi spricht, sehen wir das in einem Vers ganz deutlich.
Lies bitte Kapitel 12, Verse 12 und 13: „Denn gleichwie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind, so auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“
Paulus sagt hier in Vers 12, dass der Leib einer ist, aber viele Glieder hat. Alle Glieder des Leibes, obwohl viele, sind ein Leib. So ist es auch mit Christus. Der Leib wird hier genannt: der Christus. Das heißt, die Gläubigen sind zusammen mit Christus organisch zu einem Leib vereinigt. Das ist das Geheimnis des Christus.
In Vers 13 lesen wir, dass zu diesem Leib durch die Geistestaufe gehört wird. Diese Taufe ist kein mystisches Erlebnis, sondern der Moment, in dem Gott bei der Bekehrung jemanden organisch in den Leib Christi hineinversetzt. Paulus sagt: „Zu einem Leib sind wir getauft worden, es seien Juden oder Griechen“, also aus dem jüdischen Volk und aus den Heidenvölkern zusammengefügt zu einem Leib.
Das ist eben das Geheimnis des Christus nach Epheser 3, und wir können dort noch mehr dazu lesen. Paulus sagt: „Das Geheimnis des Christus“ und erklärt in Vers 5: „Dieses Geheimnis war in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden.“ Das bedeutet, in früheren Generationen wurde dieser Plan von Gott keinem Propheten mitgeteilt.
Im Kontrast dazu, wie es jetzt offenbart wurde, sagt Paulus, dass es seinen heiligen Aposteln und Propheten offenbart wurde. Das sind die neutestamentlichen Propheten, die im Geist oder in der Kraft des Geistes sprechen. Er fasst den Inhalt knapp zusammen: Die aus den Nationen, also aus den heidnischen Völkern, sind Miterben und Miteinverleibte. Wörtlich steht im Griechischen „Mitleib“ – sie bilden mit den jüdischen Gläubigen zusammen einen Leib. Das ist das Geheimnis.
Für Paulus war das von großer Bedeutung. Wenn man weiterliest, ab Vers 8, heißt es: „Mir, dem allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat, auf dass jetzt den Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung kundgetan werde, die gar mannigfaltige Weisheit Gottes nach dem ewigen Vorsatz, den er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn.“
Das ist natürlich ein konzentrierter Abschnitt, aber hier macht Paulus klar, dass er eine besondere Aufgabe hatte: dieses Geheimnis unter den Heidenvölkern bekannt zu machen. Jetzt ist es kein Geheimnis mehr, sondern es ist enthüllt. Es ist der unergründliche Reichtum des Christus, und damit ist Christus und die Gemeinde gemeint.
Paulus sagt weiter, dass dieses Geheimnis von den Zeitaltern her verborgen war. In allen früheren heilsgeschichtlichen Zeitaltern war es nie enthüllt, sondern verborgen. Es war verborgen in Gott, der alle Dinge geschaffen hat, durch Jesus Christus.
Dieses Geheimnis war also in Gott verborgen. Es wird sogar als „ewiger Vorsatz“ bezeichnet (Vers 11). Das bedeutet, Gott hat von Ewigkeit her diesen Gedanken, diesen Plan, diesen Ratschluss gehabt, die Gemeinde einmal zu bilden. Doch während der gesamten Heilsgeschichte wurde dieser Plan niemandem mitgeteilt – weder Engeln noch Propheten. Er war in Gott verborgen.
Mit dem Kommen des Herrn Jesus und dem Vollbringen seines Erlösungswerks wurde dieses Geheimnis schließlich voll entfaltet.
Die Offenbarung des Geheimnisses vor der Engelwelt
Und noch etwas Besonderes: In Vers 10 wird gesagt, damit jetzt den Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Gemeinde kundgetan werde die gar mannigfaltige Weisheit Gottes nach dem ewigen Vorsatz.
Das heißt also, die Engelwelt, die hier bezeichnet wird – die Fürstentümer und die Gewalten – erfährt dieses Geheimnis erst jetzt. Sie wussten vorher nichts davon.
Wenn wir uns zum Beispiel Hiob vergegenwärtigen: Das war ja von Paulus aus gesehen über zweitausend Jahre früher. Vor Gottes Thron erscheint die Engelwelt, und Gott fordert Rechenschaft. Auch der Satan muss kommen, und Gott fordert Rechenschaft. Dabei erfahren die Engel von Gott, dass Er die Erlaubnis gibt, dass Satan Hiob antasten darf. Die ganze Engelwelt wusste das. Die Menschen wussten nichts davon; ihnen war das verborgen. Aber die Engelwelt wusste mehr.
Jetzt muss man sich vorstellen: Gott hat in diesem himmlischen Rat nie etwas verraten von dem Geheimnis der Gemeinde. Und jetzt hat Er es Menschen geoffenbart, nicht Engeln. Menschen – nämlich den Aposteln und neutestamentlichen Propheten. Die Gemeinde muss nun der Himmelswelt, also der Engelwelt, dieses Geheimnis kundtun. Und zwar, indem wir als Gemeinde zusammenkommen, diese Wahrheiten der Bibel verkündigen und sie auch im Alltag umsetzen. Die Engelwelt ist erstaunt und schaut zu.
In 1. Petrus 1 heißt es sogar, dass Engel in die Dinge im Zusammenhang mit unserer Rettung hineinzuschauen begehren. Das Griechische bedeutet wörtlich „einen langen Hals machen“. Die Engel, die selbst keinen Anteil an der Erlösung haben, staunen darüber, was Gott mit Menschen gemacht hat. Nicht nur, dass er sie erlöst hat, sondern dass er sie zu diesem Gebilde gemacht hat, das die Bibel nennt: der Christus, der Messias. Christus und die Gemeinde zusammen sind ein Leib.
In Epheser 5 wird außerdem gesagt, Christus ist der Mann und die Gemeinde die Ehefrau. Paulus nennt das auch ein Geheimnis.
In Epheser 5,25-27 heißt es: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, auf dass er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.“
Hier wird die Liebe von Christus gegenüber der Gemeinde vorgestellt – eine Liebe, die bereit war, alles zu geben, sogar das eigene Leben. Das wird als Vorbild für Ehemänner hingestellt, das Maß, wie die Ehefrau geliebt werden soll.
In Vers 30 bis 32 lesen wir: „Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen. Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß, ich aber sage es in Bezug auf Christus und auf die Versammlung.“
In der Ehe werden Mann und Frau ein Fleisch. Jetzt wird diese Einheit aber auf Christus und die Gemeinde bezogen. In jedem Zusammenhang sagt Paulus in Vers 32: „Dieses Geheimnis ist groß.“
Das ist auch wieder eines dieser acht Geheimnisse. Jetzt haben wir schon zwei von den acht: das Geheimnis des Christus, bei dem es um den Leib geht, und hier das Geheimnis von Mann und Frau. Und das wird genannt: „Dieses Geheimnis ist groß.“
Übrigens, bei Kapitel 3, Vers 10, wo es um die Engelwelt geht, die durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes nach dem ewigen Vorsatz kundtut: Der Ausdruck „mannigfaltig“ bedeutet im Griechischen auch „vielfarbig“. Die vielfarbige Weisheit Gottes zeigt also, dass es sich um ein absolut vollendetes Meisterwerk Gottes in seinem Ratschluss handelt.
Und das wird jetzt der Engelwelt so bekannt gemacht durch die Gemeinde.
Nun verstehen wir also auch den Begriff „die Geheimnisse des Reiches der Himmel“ besser. Es geht um Wahrheiten, die im Alten Testament verhüllt waren, aber im Neuen Testament enthüllt werden.
Rückblick auf die Gleichnisse und ihre Bedeutung für die Gemeinde
Bei den sieben Gleichnissen, die wir in Matthäus 13 finden, haben wir, wie gesagt, bereits das erste betrachtet. Dabei geht es um den Acker, der mit Samen besät wird. Dieser Samen steht symbolisch für das Wort Gottes.
In Matthäus 13,38 sagt der Herr Jesus, was die Bedeutung des Ackers in dieser Symbolsprache ist. Liest man nur den Anfang von Vers 38, heißt es: „Der Acker aber ist die Welt, der gute Samen aber, dies sind die Söhne des Reiches.“
Der Acker ist also die Welt. Das Gleichnis vom vierfältigen Acker in Matthäus 13 bedeutet, dass das Wort Gottes nicht nur in Israel verkündet wird, sondern auf der ganzen Erde. Die ganze Welt soll mit dem Wort Gottes erreicht werden. Das ist natürlich auch Voraussetzung für die Gemeinde, die aus allen heidnischen Völkern gesammelt werden soll. Das Wort muss also weit verbreitet werden.
Im zweiten Gleichnis, ab Vers 24, sehen wir, dass guter Same, Weizen, auf den Acker gesät wird. Doch dann kommt ein Feind und sät Unkraut dazwischen. Wir haben letztes Mal gesehen, dass es sich dabei um ein bestimmtes Unkraut handelt. Das griechische Wort bezeichnet den Taumellolch, der dem Weizen anfangs ähnlich sieht. Man kann ihn erst eindeutig unterscheiden, wenn er ausgereift ist.
Hier wird deutlich, dass das Wort in der ganzen Welt verkündet wird. Es kommen Menschen zum Glauben, doch es entstehen auch viele Namenschristen. Diese werden durch das Unkraut dargestellt, das manchmal schwer vom echten Weizen zu unterscheiden ist. Das Gleichnis macht klar, dass es zu einer totalen Vermischung in der Christenheit kommen wird.
Jetzt wird auch deutlich, dass der Ausdruck „Reich der Himmel“ hier verwendet wird. Wie gesagt, kommt dieser Ausdruck in den anderen Evangelien so nicht vor. In den parallelen Stellen, in denen hier vom Reich der Himmel die Rede ist, sprechen Markus und Lukas vom Reich Gottes. Das Reich Gottes bezeichnet hier also das, was die Christenheit überall umfasst, wo Menschen sich zu Christus bekennen – ob echte Gläubige (Weizen) oder bloße Bekenner (Unkraut). Das ist das Reich Gottes heute.
Im Gleichnis vom Senfkorn, Vers 31, sehen wir, dass die Christenheit ganz klein beginnt. Ein Mensch sät auf seinen Acker ein Senfkorn. Dabei geht es um den schwarzen Senf, der besonders klein ist – etwa 0,9 bis 1,6 Millimeter groß und wiegt nur ein Milligramm, also tausendstel Gramm. So begann alles ganz klein, an Pfingsten (Apostelgeschichte 2), als 3000 Menschen zum Glauben kamen. Im Vergleich zur ganzen Welt und zum Volk Israel war das eine kleine Gemeinschaft.
Doch die Christenheit breitete sich immer mehr aus. Der Herr Jesus sagt, dass aus diesem Senfkorn schließlich ein Baum wird. Das griechische Wort „Dendron“ kann sowohl „Baum“ als auch „Busch“ bedeuten. Der schwarze Senf kann zu einem Busch von 1,5 bis drei oder sogar dreieinhalb Metern heranwachsen. Das ist überraschend: Aus etwas ganz Kleinem entsteht so ein großes Machtsystem.
Im Gleichnis vom Sauerteig, Vers 33, sehen wir etwas Ähnliches. Eine Frau nimmt dreimal Mehl, das sind etwa 39 Liter. Das entspricht etwas mehr als der Menge für ein Kilo Brot. In das Mehl gibt sie etwas Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert.
Der Sauerteig hat die Kraft, überall durchzugehen. Im Alten und Neuen Testament wird Sauerteig immer als Bild für Sünde benutzt. In 1. Korinther 5 steht er für moralisch Böses, Unmoral oder allgemein böses Leben. In Matthäus 16 steht er für Irrlehre. Jesus spricht dort über den Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer. Die Pharisäer haben zur Bibel hinzugefügt, die Sadduzäer von der Bibel weggenommen. Beides wird als Sauerteig beschrieben.
Das macht klar: Die ganze Christenheit wird von Irrlehre und Unmoral durchdrungen sein. Dieses Chaos, das wir heute weltweit in der Christenheit sehen, hat der Herr Jesus vorausgesagt. Wenn dieses Chaos nicht entstanden wäre, wäre das für manche Muslime ein Argument gegen die Wahrheit des christlichen Glaubens und der Bibel. Sie sagen: „Schaut mal, diese Zersplitterung, dieses Chaos und diese Unmoral in der Kirche, ja, sogar von Kirchenleitungen sanktioniert – unfassbar.“
Man muss sagen: Wenn das nicht so wäre, würde die Bibel nicht stimmen. Sie sagt dies voraus. Darum durchdringt der Sauerteig alles.
Nun kommen wir zu einem sehr schönen Abschnitt ab Vers 44. Dort gibt es nicht nur Chaos im Reich der Himmel, sondern auch gewaltige Wunder. Wir kommen jetzt zum Gleichnis vom Schatz im Acker.
Der Grund für das Sprechen in Gleichnissen
Ich habe letztes Mal noch nichts gesagt, deshalb möchte ich vor dem Thema Schatz auf eine wichtige Stelle eingehen, die der Herr Jesus in den Versen 34 und 35 anführt. Darin erklärt er, warum er plötzlich beginnt, in Gleichnissen zu sprechen.
Sven, liest du das bitte noch einmal vor?
„Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redet er nichts zu ihnen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, welcher spricht: Ich werde meinen Mund auftun in Gleichnissen, ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.“
Der Herr Jesus beginnt also plötzlich in Matthäus 13 ständig in Gleichnissen zu sprechen. Letztes Mal haben wir gesehen, dass er erklärt, dass diejenigen, die verstehen wollen, die Gleichnisse auch wirklich verstehen sollen. Diejenigen aber, die ihn ablehnen, sollen gar nichts mehr verstehen.
Es gibt also eine klare Scheidung: Diejenigen, die Christus ablehnen, bleiben völlig im Unklaren. Sie denken, das sei alles Märchen, Erfindung oder überhaupt nicht wahr. Die Bibel soll für sie gerade nicht verständlich sein. Die Gläubigen hingegen sollen die Gleichnisse verstehen.
Diese Schere öffnet sich also zwischen den Ablehnenden und den Glaubenden. Das steht in Verbindung mit Jesaja 6, das wir letztes Mal sehr genau angeschaut haben. Matthäus 13, Vers 14 zitiert diesen Text, in dem Gott sagt, dass er Israel verblenden wird, weil sie den Messias abgelehnt haben. Nicht alle, aber die Masse Israels hat den Messias verworfen. Deshalb soll eine Verblendung über sie kommen, sodass sie nichts mehr sehen.
Diejenigen aus Israel, zum Beispiel die Jünger, sollen durch die Gleichnisse gerade noch besser verstehen. So wird klar: Es gibt eine Scheidung, die schon im Alten Testament angekündigt wurde. Der Messias wird in Gleichnissen sprechen.
Vers 35 ist ein Zitat aus Psalm 78, Vers 2. Hier macht der Herr Jesus deutlich, dass dieser Vers eine Prophetie im Alten Testament ist. Man hört darin die Stimme des Messias, der sagt: „Ich werde meinen Mund auftun in Gleichnissen.“
Das erklärt, warum Jesus in Gleichnissen spricht. Aber noch mehr: „Ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.“
Er wird also Wahrheiten verkündigen, die man im Alten Testament vor dem Kommen des Messias nicht finden kann. Das sind die Geheimnisse des Reichs der Himmel.
Deutung der Gleichnisse vom Schatz und der Perle
Also ist die Frage: Wer ist dieser Mensch? Wie muss man das deuten? Du sagst, Manfred, der Herr Jesus, es gibt Ausleger, die sagen, das sind wir, die Gläubigen, und Jesus Christus ist der Schatz. Die Gläubigen, die Gott, Jesus Christus suchen und dann finden, das sind die, die den Schatz finden.
Das zeigen sie auch beim nächsten Gleichnis. Dort geht es um einen Kaufmann, der schöne Perlen sucht. Dann findet er eine kostbare, sehr kostbare Perle und verkauft alles, was er hat, um sie zu erwerben. Auch hier wird gesagt: Der Kaufmann sind wir, und Jesus Christus ist die Perle.
Aber schauen wir genauer hin. Wir hatten in Vers 24 beim Gleichnis vom Unkraut Folgendes gelesen. Liest du, Sven?
Vers 24: "Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinen Acker säte."
Jawohl, also da haben wir auch einen Menschen, der etwas macht. Und übrigens auch beim Senfkorn, Vers 31: "Ein Mensch nimmt da ein Senfkorn und sät es auf den Acker."
Und jetzt aufgepasst: Beim Sauerteig ist es eine Frau, nicht ein Mann, sondern eine Frau, die das Böse des Sauerteigs hineinbringt.
Und jetzt dieser Mensch, der auf den Acker gesät hat, Vers 24, wurde von Jesus selbst in Vers 37 gedeutet. Liest du nochmals?
Vers 37: "Er aber antwortete und sprach: Da er den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, der Acker aber ist die Welt."
Ja, hier wird erklärt: Dieser Mensch ist Jesus Christus, der Sohn des Menschen. Das war ja ein bekannter Titel für den Messias. Der Messias wird ja angekündigt in Daniel 7, Vers 14, wo er einen Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sieht, der die Weltmacht übernimmt. Darum war das ein fester Begriff: Der Sohn des Menschen ist der Messias.
Also dieser Mensch in ihrem Gleichnis wird gedeutet als Jesus Christus.
Und jetzt haben wir in Vers 44 genau dasselbe: "Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg." Das ist die gleiche Formulierung wie in den Gleichnissen. Wenn es heißt, ein Mensch, ist das Jesus Christus, der Sohn des Menschen. Er findet diesen Schatz.
Und jetzt die Frage: Wer ist der Schatz? Das ist die Gemeinde. Und zwar ist das diese Gemeinde, die Gott von Ewigkeit her geplant hat, in seinem ewigen Ratschluss, die für ihn den höchsten Wert in der ganzen Schöpfung hat. Das ist eben dieser Schatz.
Und jetzt: Was stellt man sich unter einem im Acker verborgenen Schatz vor? Landläufig eine Schatztruhe mit allen möglichen Werten von Gold, Silber, Edelsteinen. Aber das ist ein bestimmter Ausdruck im Alten Testament.
Schlagen wir mal auf: 1. Chronik 27. Dort geht es um die Regierung von König David. Er hatte alle möglichen Beamten in seinem ganzen Staat eingesetzt. Und da lesen wir über bestimmte Leute in Vers 25: "Und in den Städten und in den Dörfern und in den Türmen war Jonathan, der Sohn Usias."
Ja, also da wird gesprochen über die Vorräte auf dem Feld. Und in der griechischen Übersetzung, der sogenannten Septuaginta, der ältesten griechischen Übersetzung der Bibel, die von Juden in Ägypten in Alexandria im dritten Jahrhundert vor Christus hergestellt wurde, wird über die Schätze in den Äckern, in den Städten, in den Dörfern und in den Türmen gesprochen. Dort war Jonathan, der Sohn Usias.
Der Ausdruck "Schätze in den Äckern" meint hier Vorräte auf dem Feld oder im Feld.
Jetzt schlagen wir noch eine Stelle auf, die das noch klarer macht, wo man diese Schätze im Acker auch findet, und das ist Jeremia. Kurz der Zusammenhang: Die Babylonier haben Jerusalem und den Tempel zerstört und die Juden zu Abertausenden in die Gefangenschaft nach Babylon gebracht. Dann hat Nebukadnezar einen Juden, Gedalja, als Statthalter über die Juden eingesetzt, die noch im Land bleiben durften. Dieser Gedalja wurde dann ermordet. Er war ein ganz treuer Mann, und da kam ein Mordkommando, das ihn umbrachte. Sie wollten noch andere töten.
Lesen wir mal in Jeremia, Kapitel 41, Verse 7 und 8:
Vers 7: "Und es geschah, als sie in die Stadt hineingekommen waren, da schlachtete Ismael, der Sohn Netanjas, sie und warf sie in die Grube, er und die Männer, die mit ihm waren."
Vers 8: "Es fanden sich aber unter ihnen zehn Männer, die zu Ismael sprachen: Töte uns nicht, denn wir haben verborgene Vorräte im Felde, Weizen und Gerste und Öl und Honig. Und er ließ ab und tötete sie nicht inmitten ihrer Brüte."
Jawohl, und die Septuaginta übersetzt hier in Vers 8: "Denn wir haben verborgene Vorräte im Feld, denn wir haben Schätze im Acker." Genau dieser Ausdruck.
Dann wird erklärt, was in diesen Schätzen drin ist: Weizen, Gerste, Öl und Honig. Das sind also unterirdische Speicher im Acker.
Im Gleichnis findet jemand einen solchen verborgenen Speicher. Er konnte den Eingang kaum ausmachen, so richtig geheim. Dann entdeckt er, dass er voll von diesen Reichtümern ist, wie beschrieben: Weizen, Gerste, Öl und Honig.
Darum hat er den Schatz verborgen, also den Zugang wieder getarnt. Dann ging er hin und kaufte den ganzen Acker.
Jetzt ist klar, warum er den Acker gekauft hat und nicht nur den Schatz oder die paar Quadratmeter, wo die Schatztruhe gewesen wäre. Weil es ein riesiger unterirdischer Speicher war, musste er den ganzen Acker kaufen. Damit hatte er auch ein Anrecht auf den Schatz im Acker.
Man sieht auch, wie wertvoll die Vorräte waren. Das Mordkommando ließ ab, weil sie wussten, diese Leute haben verborgene Schätze im Acker. Wenn sie sterben, weiß niemand mehr, wo die sind. Also mussten sie leben, damit man sie dann hinführen kann, und sie sagen können, wo diese verborgenen wertvollen Speicher sind.
Jetzt wird klar: Die Gemeinde wird hier verglichen mit einem solchen unterirdischen Speicher. Alles, was darin ist, hat natürlich eine geistliche Bedeutung.
Weizen ist zum Beispiel ein Bild von Jesus Christus. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, sagte der Herr Jesus in Johannes 12, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Also ist der Weizen ein Hinweis auf Jesus Christus, der sterben sollte und durch seinen Tod eine riesige Frucht, eine riesige Ernte bewirken sollte. Das sind die Gläubigen.
Das ist eines dieser geistlichen Schätze im Acker.
Dann haben wir noch Gerste. Sie wird in der Bibel auch als Bild auf Jesus Christus gebraucht, gerade beim Erstlingsfest, das in der Passawoche stattfindet. Das ist die erste Gerste, die geerntet wird. Dieses Fest fiel übrigens genau auf den Auferstehungstag des Herrn Jesus. Das Erntefest der Gerste wird in 3. Mose 23 beschrieben.
Was besonders ist: Die Gerste ist gekennzeichnet durch ausgeprägte lange Haare. Das lange Haar hat in der Bibel eine symbolische Bedeutung: Treue. Der Naziräer zum Beispiel bedeutete völlige Hingabe an Gott.
Darum weist die Gerste ganz besonders auf den Herrn Jesus hin, der sich völlig hingegeben hat, bis in den Tod, zur Verherrlichung des Vaters und zu unserer Rettung.
Dann das Öl. Es ist ein bekanntes Bild für den Heiligen Geist.
Und der Honig ist ein Bild für das Wort Gottes. "Ist Honig, mein Sohn, denn er ist gut", und wird verglichen mit der Weisheit Gottes.
Übrigens hat der Honig noch einen besonderen Aspekt: Er wird von ganz vielen Bienen gebracht. So ist der Honig ganz besonders ein Bild der Weisheit, die durch die verschiedenen Gaben in der Gemeinde zusammengetragen wird.
Das sind alles Reichtümer, die einen Zusammenhang mit dem Thema Gemeinde haben.
Nun dieser Mann, der diesen Acker findet, diesen verborgenen Acker, weiß wieder darauf hin, dass dieser Plan von Ewigkeit her verhüllt war.
Jesus ist in diese Welt gekommen. Er hat die Gemeinde gesehen und sich völlig für sie hingegeben. Er verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. Es gibt nur noch das.
Dazu ein Vers aus 2. Korinther 8, Vers 9:
"Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um eurer Willen arm wurde, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet."
Ja, er hat alles aufgegeben und ist in diese Welt gekommen, um uns durch seine Armut reich zu machen. Er verkaufte alles, was er hatte, und kaufte jeden Acker.
Oder wir können dazu noch Philipper 2 lesen, wo wir eine siebenfache Erniedrigung des Herrn Jesus finden.
Zuerst wird klargemacht, er ist gottgleich, und er hat das nicht als Raub betrachtet, also als etwas, das er sich anmaßen müsste, gottgleich zu sein. Aber vielmehr war er bereit, sich durch seine Menschwerdung zu erniedrigen.
Lesen wir Philipper 2, Vers 5-8:
"Wenn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu war, welcher da in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, in dem er in Gleichheit der Menschen geworden ist und in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam ward bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz."
Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der himmlischen und irdischen und unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes des Vaters.
Wir haben sieben Stufen der Erniedrigung:
Vers 7 zuerst: Er hat sich selbst zu nichts gemacht. Wörtlich steht im Griechischen: sich selbst hat er entleert oder entäußert.
Dann heißt es, er hat Knechtsgestalt angenommen. Engel sind auch Knechte, aber er wurde nicht ein Engel, sondern ein Mensch. Das ist der nächste Punkt, Punkt drei: Er wurde in Gleichheit der Menschen.
Also er wurde ein Mensch. Aber er hat sich so erniedrigt, dass man sich vorstellen könnte, ein Mensch, aber völlig abgehoben und ganz anders als die anderen Menschen. Zum Beispiel jemand, der gar nicht schlafen muss oder nichts essen muss.
Aber es heißt weiter: "Und in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden wurde." Gestalt meint hier die Haltung, die äußere Erscheinung. Das heißt, er wurde müde. Nach der Nachtwanderung in Johannes 4 kommt er am Morgen zum Brunnen in Sichar, müde von der Reise und durstig – ein richtiger Mensch.
Dann der fünfte Punkt: Als Mensch hat man eine gewisse Würde, aber er hat sich noch weiter erniedrigt. Darum heißt es, er erniedrigte sich selbst, indem er gehorsam wurde bis zum Tod.
Er hat sich also als Mensch erniedrigt, und zwar bis zum Tod. Aber nicht irgendein Tod, sondern den schändlichsten, der damals möglich war: den Tod am Kreuz. Darum heißt es: "Ja, zum Tod am Kreuz." Das ist der siebte Punkt.
Sieben Stufen der Erniedrigung, alles hergegeben um diesen Schatz, die Gemeinde.
Dabei dachte er auch an jeden einzelnen von uns. Als Sohn Gottes konnte er konkret an jeden Einzelnen denken, der später zum Glauben kommen und zur Gemeinde hinzugefügt würde.
Das ist also dieser Schatz.
Jetzt gehen wir zur Perle. So ähnlich. Man fragt sich, warum ein zweites Gleichnis, das auch die Gemeinde bezeichnet, haben wir hier nicht mehr als den Schatz im Acker, sondern als diese schöne Perle.
Der Kaufmann hier ist auch der Herr Jesus, die Perle ist die Gemeinde. Und es gibt nur eine, die als sehr kostbare Perle bezeichnet werden kann, und für die gibt er alles hier.
Nun können wir einmal darüber nachdenken: Wie entsteht eine Perle? Ein Sandkorn kommt in die Muschel hinein, und die Muschel spürt das. Wenn die Muschel versucht, das Störende zu überziehen, entsteht Schmerz, man kann sagen, diese Fremdkörper stören. Ein Sandkorn ist wirklich nicht gerade wertvoll.
Dann wird das Sandkorn überzogen mit einem Sekret, das die Muschel liefert, und daraus entsteht die Perle.
Was waren wir von Natur aus? Wildert sagt: der Mensch, der Wurm, das Menschenkind, die Made (Job 25). Das ist eine Fotografie von unserem Zustand in den Augen Gottes.
Welche Schmerzen haben wir dem Herrn Jesus zugefügt, dass er für jede Sünde am Kreuz sterben musste! Aber dadurch hat er uns zu dem gemacht, was er als das Kostbarste überhaupt betrachtet.
Jetzt ist noch etwas festzustellen: Die Perle kommt woher? Aus dem Meer. Und der Schatz? Aus der Erde, aus dem Land.
Und wovon ist in der Bibel das Meer ein Bild? Von den Völkern, also den Heidenvölkern speziell.
Wir können dazu aufschlagen Jesaja 17, Verse 12 und 13. Die Bibel erklärt ihre Symbolsprache selber.
Jesaja 17, Vers 12: "Fehe dem Getümmel vieler Völker, wie das Brausen der Meere brausen sie, und im Rauschen von Völkerschaften, wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie."
Vers 13: "Völkerschaften rauschen wie das Rauschen vieler Wasser, und es schillt sie, und sie fliehen weithin."
Ja, also ist klar: Das unruhige Völkermeer wird so dargestellt wie das Brausen und lärmige Rauschen des Wassers im Meer.
Darum ist in einem ganz anderen Zusammenhang klar, dass das Tier aus dem Meer in Offenbarung 13 ein kommender Diktator über Europa, den Westen, ist, der aber aus den heidnischen Völkern kommen wird.
Dann beschreibt Johannes in Offenbarung 13, Vers 11, ein zweites Tier, das aus der Erde kommt. Das bezeichnet den falschen Propheten, den falschen Messias, den Antichristen. Er wird sich als Messias in Israel ausgeben.
Darum dieser Kontrast: Das Tier aus dem Meer und das Tier aus der Erde, aus Israel.
Israel ist das Land im Kontrast zu den Heidenvölkern.
Übrigens interessant: Wenn man auf Hebräisch sagt, dass man nach Israel geht, sagt man einfach "Aninasea la'aretz", ins Land. Land ist das gleiche Wort wie Erde – Eretz bedeutet Land und Erde. Man sagt einfach: Ich gehe ins Land, in die Erde. Aber es ist klar, es gibt nur ein Land, das damit gemeint ist: Israel.
So ist in der Bibel effektiv das Land im Kontrast zum Meer, sprich Israel im Gegensatz zu den Heidenvölkern.
Jetzt haben wir hier in diesen beiden Gleichnissen, die parallel gestellt sind, in der ganzen Formulierung einen Hinweis auf die Gläubigen aus Israel und die Gläubigen aus den Heidenvölkern, die zusammen die Gemeinde bilden. Eben aus Juden und Griechen, wie wir in 1. Korinther 12,13 gelesen haben, oder auch in Epheser 3, dass die aus den Nationen mit einverleibt werden, zusammen mit den gläubigen Juden.
So haben wir hier bereits im Gleichnis angedeutet, was der Apostel Paulus in seinen Briefen richtig im Klartext entfaltet.
An dieser Stelle machen wir jetzt zehn Minuten Pause.
Das Gleichnis vom Netz und die Fischerei am See Genezareth
Wir fahren nun mit dem nächsten Gleichnis fort, Vers 47: Das Reich der Himmel ist gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde. Dabei ist es sehr wichtig, genau zu verstehen, um was für ein Netz es sich handelt. In der Elberfelder Bibel findet sich bei „Netz“ eine Fußnote, die eigentlich „Schleppnetz“ angibt. Das griechische Wort „sagene“ bezeichnet nämlich ein Schleppnetz.
So funktionierte es: Wir befinden uns hier in Matthäus 13, beim See Genezareth, der in Vers 1 erwähnt wird. Damals gingen mehrere Männer zu Fuß vom Strand ins Meer hinein, breiteten ein Netz aus und zogen es dann gemeinsam ans Ufer zurück. Das ist das Schleppnetz. Es wird auch heute noch verwendet, allerdings meist von Schiffen, zum Beispiel in den Ozeanen. Ein Schiff zieht ein Schleppnetz durchs Meer, und alles wird mitgezogen.
Es ist interessant, wie präzise Matthäus ist, wenn er über Fischerei spricht. Er spricht hier also über das Schleppnetz. Bereits in Kapitel 4, Vers 18, hatten wir die Berufung der ersten Jünger studiert. Dort lesen wir:
„Als er aber am See von Galiläa wandelte, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen; denn sie waren Fischer.“ (Matthäus 4,18)
Auch hier steht in der Übersetzung „Netz“, aber die Elberfelder Bibel gibt in der Fußnote an, dass es sich wörtlich um ein Wurfnetz handelt. Das ist ein ganz anderes griechisches Wort. Es bezeichnet ein Netz, das man als Fischer ins Wasser wirft und dann wieder einholt. Das ist das Wurfnetz.
In Matthäus 17 spricht Matthäus über die Angelrute. Der Herr Jesus sagt zu Petrus im Blick auf die Steuermünze, die jedes Jahr in Israel bezahlt werden musste, in Vers 27:
„Auch dass wir Ihnen aber kein Ärgernis geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt; tu seinen Mund auf, und du wirst eine Drachme finden. Den nimm und gib ihn für mich und dich.“
Hier wird also eine Angel benutzt. Ein Fisch wird gefangen, der eine Drachme verschluckt hat. Oft wird gesagt, es sei ein Petrusfisch gewesen. Diese Petrusfische sind im See Genezareth sehr zahlreich. Sie sind die größten Fische, die in Schwärmen schwimmen.
Man muss einmal Petrusfisch gegessen haben – die Araber nennen ihn „Muscht“. Sie sind groß und füllen einen Teller wunderbar aus, haben aber einen sehr kleinen Mund. Es wäre unmöglich, dass sie eine Doppel-Drachme, gemeint ist die Tetradrachme, verschlucken könnten. Die Tetradrachme ist eine Vierfach-Drachme.
Im See Genezareth gibt es zwei Arten von Barben. Das sind Raubfische und Gründler, die am Boden leben. Sie schlucken irgendwann etwas herunter. Die Barben können bis zu 80 Zentimeter lang und sieben Kilo schwer werden, die anderen bis zu 50 Zentimeter und vier Kilo. Diese Fische können eine solche Münze verschlucken. Das passt also auch biologisch wunderbar zum Bericht.
Der Petrusfisch, lateinisch Tilapia Galilea, ist eigentlich ein Fisch, der gar nicht in den See gehört, sondern ein tropischer Fisch ist. Ich habe ihn schon in Thailand gegessen. Er ist genauso gut wie in Israel, aber eben ein tropischer Fisch.
Was suchte er im See Genezareth? Genau bei Kapernaum, wo Petrus wohnte. Neben der Stadt lag der Fischereihafen Ein Sheva. Dort gibt es sieben warme Quellen mit bis zu 28 Grad. Das bewirkt, dass sich gerade in der Winterzeit der Muscht, der Petrusfisch, aus dem ganzen See dort in Schwärmen sammelt.
Die Geschichte von einem großen Fischfang in Lukas 5, bei dem so viele Fische gefangen werden, dass die Netze zu reißen beginnen, spielt genau an diesem idealen Ort. Man muss wissen, Petrus hat nicht irgendwo gefischt. Damals war genau festgelegt, an welchen Stränden man fischen durfte. Es wäre sogar ein Kriegsgrund gewesen, am falschen Ort zu fischen. Daher ist ganz klar, dass bei Kapernaum der große Fischfang großer Fische in Schwärmen nur für Tilapia Galilea in Frage kommt.
Die Evangelien sprechen auch von kleinen Fischen, die ein Junge bei sich hatte, als der Herr vor Tausenden predigte (Johannes 6). Das sind kleine Fische. Der See Genezareth ist ein See der Sardinen. Dort kann man in einer Nacht tonnenweise Sardinen fangen.
Man sagt, der See Genezareth sei nicht salzig. Ja, aber es gibt auch Süßwassersardinen, und das sind diese kleinen Fische.
So sehen wir, wie die Bibel Angaben macht, die es ermöglichen, die Barbe in Matthäus 17, den Petrusfisch in Lukas und die Süßwassersardine in Johannes 6 sowie an anderen Stellen zu identifizieren.
Die Evangelisten sprechen präzise über das Schleppnetz, das Wurfnetz, die Angel und auch über das Spiegelnetz. Das Spiegelnetz bestand eigentlich aus drei Netzen: Die erste Schicht hatte weite Maschen, die zweite Schicht ganz enge Maschen, und die dritte Schicht wieder weite Maschen.
Wenn die Fische kommen, schwimmen sie durch die engen Maschen hinein, ahnen nichts Böses, und verfangen sich dann mit den Kiemen. Wenn sie zurückschwimmen wollen, sind sie völlig verwickelt und können so gut gefangen werden.
In Lukas 5 wird beschrieben, wie das Netz für den großen Fischfang geworfen wird. Lesen wir ab Vers 4:
„Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zum Fang hinab! Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz hinablassen. Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und das Netz riss. Sie winkten ihren Genossen im anderen Schiff, dass sie kämen und ihnen helfen sollten; und sie kamen und füllten beide Schiffe, so dass sie sanken.“ (Lukas 5,4-7)
Interessant ist, dass der Herr Jesus in Vers 4 sagt: „Lasst eure Netze zum Fang hinab!“ Er sagt nicht „euer Netz“, sondern „Netze“ im Plural. Das Spiegelnetz besteht eben aus drei Netzen, daher die Mehrzahl.
Ein Detail des Mehrheitstextes, der mit den meisten Handschriften eine erstaunliche Einheit bildet: Am Ende von Vers 5 steht dort „Aber auf dein Wort hin will ich das Netz hinablassen“ – im Singular. Du hast also einmal Mehrzahl („Netze“) und einmal Einzahl („Netz“). Das ist korrekt, weil das Spiegelnetz zwar ein Netz ist, aber aus drei Netzen besteht. Darum kann man sowohl im Singular als auch im Plural davon sprechen.
Das Spiegelnetz wurde üblicherweise von einem Schiff aus in den See geworfen. Es gab auch eine spezielle Art, das Spiegelnetz mit der Verandamethode. Das wird genau in Johannes 21 beim Fischfang nach der Auferstehung beschrieben. Dort wird auch angegeben, wie weit sie vom Strand entfernt waren – etwa 90 Meter. Üblich ist bei der Verandamethode, das Spiegelnetz etwa 100 Meter vom Strand entfernt auszuwerfen.
Da der Muscht, der Petrusfisch, besonders intelligent ist – sofern man Fischen überhaupt Intelligenz zuschreiben kann – merken die Fische schnell die Gefahr und springen über das Netz. Um das zu verhindern, legt man schwimmende Stäbe mit einem Netz, sodass die Fische, die springen wollen, gefangen werden.
Nach dem Fang sprang bei dieser Methode ein Fischer mit einem Wurfnetz ins Wasser. Genau das wird in Johannes 21 beschrieben, wie Petrus mit seinem Netz in den See springt und einen großen Fischfang mit 153 großen Fischen macht – Petrusfische. Immer große Fische im Schwarm, es kann nur der Petrusfisch sein.
Es wird auch gesagt, dass zwei Boote dieses Netz hinausbrachten. Das ist typisch für die Spiegelnetze nach der Verandamethode, da braucht man zwei Fischerboote. All diese Details stimmen genau überein. Es ist sensationell.
Warum erzähle ich das? Kurz gesagt: In der liberalen Theologie wird oft behauptet, Matthäus habe das Evangelium nicht selbst geschrieben, obwohl die frühe christliche Überlieferung das klar bezeugt. Auch Markus, Lukas und Johannes würden nicht von den Namensträgern selbst stammen, sondern seien spätere kirchliche Bearbeitungen und daher historisch nicht zuverlässig.
Man muss sich vorstellen: Wenn jemand kein Augenzeuge war und keine Informationen aus erster Hand hatte, wie hätte er die Evangelien so präzise mit den Details über den großen Fischfang, den Fisch, der eine Tetradrachme verschluckt, und all das beschreiben sollen?
Ich selbst bin kein Fischer. Mendel Nun, ein Israeli und Pionier des Kibbutz Ein Gev an der Ostseite des Sees Genezareth, hat jahrelang Forschung rund um den See betrieben. Er konnte eine ganze Reihe antiker Fischerhäfen ausmachen und hat sich mit Fischerei im Licht der rabbinischen Literatur und des Neuen Testaments beschäftigt – als nicht messianisch gläubiger Jude.
Er war überwältigt, wie präzise die Evangelien die Fischerei beschreiben, die am See Genezareth ganz besondere Kennzeichen hatte. Darüber hat er ein Buch geschrieben: „Mendel Nun über Fischerei im See Genezareth“. Dieses Material ist sehr hilfreich, weil man damit die liberale Theologie mit einer völlig überraschenden „Waffe“ angreifen kann.
Niemand erwartet, dass man anhand der Fischerei zeigen kann, wie authentisch und genau die Evangelien sind.
Wer war nicht schon bei Kapernaum, bei Ein Sheva? Dort sind Kirchen errichtet, und das ist der Ort, wo alle Pilger ständig hingehen. Es ist der authentische Fischereihafen von Petrus. Dort kann man noch heute die warmen Quellen besuchen und die Details aus den Evangelien nachvollziehen.
Wenn wir noch einmal zu den Netzen zurückkehren, lesen wir nochmals Matthäus 13, Verse 47 und 48:
„Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und von jeder Gattung zusammenbrachte. Als es voll war, zogen sie es ans Ufer, setzten sich nieder und sammelten die guten Fische in Gefäße, die schlechten aber warfen sie hinaus.“
Hier finden wir nochmals Details zum Schleppnetz. Die Fischer können mit diesem Schleppnetz einfach alles zusammenbringen – gute und schlechte Fische.
Frage: Was ist ein schlechter Fisch? Er wird wieder hinausgeworfen und kann schwimmen. Was bedeutet das? Es gibt Fische, die haben so viele Gräten, dass man sie kaum essen kann. Andere sind vielleicht noch zu klein, um gefangen zu werden, und werden deshalb wieder freigelassen.
Diese Fische werden als schlecht oder faul bezeichnet. Das griechische Wort bedeutet „schlecht“ oder „faul“. Nach 3. Mose 11 wird klar zwischen reinen und unreinen Fischen unterschieden. Ich schlage das kurz auf: Dort finden wir die Kaschrut-Gebote für Israel, die für das Volk Israel sehr wichtig waren.
Man bedenke: In Matthäus 13 befinden wir uns noch in der Zeit unter dem Gesetz. Erst in Römer 10, Vers 4 heißt es, dass Christus das Ende des Gesetzes ist. Das wurde erst mit seinem Tod am Kreuz vollendet, als er den Fluch des Gesetzes auf sich nahm (Galater 3). Aber hier sind wir noch voll in der Zeit des Gesetzes.
In 3. Mose 11 werden zuerst die Kriterien genannt, wie man Säugetiere als koscher oder nicht koscher unterscheidet. Koschere Tiere müssen gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sein.
Dann kommen die Fische. Lesen wir ab Vers 9:
„Dies sollt ihr essen von allem, was in den Wassern ist: alles, was Flossen und Schuppen hat in den Wassern, in den Meeren und in den Flüssen, das sollt ihr essen. Aber alles, was keine Flossen und Schuppen hat in den Meeren und in den Flüssen, von allem Gewimmel in den Wassern und von jedem lebendigen Wesen, das in den Wassern ist, soll euch ein Gräuel sein. Von ihrem Fleisch sollt ihr nicht essen, und ihr Aas sollt ihr verabscheuen.“ (3. Mose 11,9-10)
Koschere Fische, die man im Judentum essen darf, müssen also Flossen und Schuppen haben.
Der Katzenfisch, der Wels, hat keine Schuppen. Er ist im See Genezareth in großer Menge vorhanden. Ich habe sie bei Tiberias beobachtet – richtig viele Welse, die sich in der Untiefe des Sees übereinander, untereinander und nebeneinander bewegten.
Von alters her wurden diese Fische im Judentum nicht gegessen. Sie wurden zwar gefischt, aber dann weggetan, weil sie unrein sind.
Diese Fische sind die, die als Gräuel bezeichnet werden, die man nicht essen darf. Nur Fische mit Flossen und Schuppen sind erlaubt.
Noch etwas: Wenn man nach Ein Sheva bei Kapernaum geht, gibt es dort eine Kirche mit einem berühmten, sehr schönen Mosaik, das auf das Wunder der Brotvermehrung hinweist. Es zeigt Brote im Korb und zwei Fische. Das Mosaik stammt aus etwa 400 nach Christus und ist künstlerisch gut gemacht.
Ein Haken: Auf dem Rücken der Fische sind zwei Flossen abgebildet, aber im See Genezareth gibt es keine Fische mit zwei Flossen. Ein Künstler, der von irgendwo hergeholt wurde, hat eine schöne Darstellung der Fische und Brote gemacht, aber er wusste nicht, welche Fische im See sind. Es ist also künstlerisch schön, aber falsch.
In den Evangelien stimmen alle Details genau überein und geben dem Evangelium das klare Gepräge, dass es von Augenzeugen geschrieben wurde. Matthäus kam aus Kapernaum, der Stadt von Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Johannes war einer dieser Fischer von Kapernaum.
Markus und Lukas haben das Material von den ersten Zeugen erhalten und deshalb so präzise und genau beschrieben. Lukas sagt in Lukas 1, Vers 1, dass er den Augenzeugen nachgegangen ist wie ein Historiker und alles akribisch und präzise zusammengetragen hat, bevor er unter Inspiration des Heiligen Geistes das Lukas-Evangelium verfasste.
Es ist einfach authentisch. Das konnten nur Leute wissen, die wirklich aus dieser Gegend stammten.
Also, so viel zu den schlechten Fischen: Das ist der Wels, und der darf wieder schwimmen, wird ausgeworfen.
Nun ist das Netz im Meer ein Bild des Evangeliums, das in die ganze Welt ausgehen sollte. Der See Genezareth, auch Meer von Tiberias genannt, wird in den Evangelien so bezeichnet, weil das griechische Wort „Thalassa“ sowohl „Meer“ als auch „See“ bedeutet.
Im Deutschen unterscheiden wir klar zwischen Meer und See, aber das griechische Wort bezeichnet beides mit demselben Begriff.
Der See ist nach Jesaja 17,12 ein Bild der Heidenvölker. Dieses Schleppnetz fährt durch den See und bringt alles zusammen: echte Menschen, die zur Bekehrung kommen, und solche, die nur Bekenner sind.
Das ist weltweit geschehen. Auf allen fünf Kontinenten hat sich das Christentum ausgebreitet. Dabei kam es immer zu einer Vermischung.
Wir haben das schon im Gleichnis vom Weizen und Unkraut, vom Lolch, gesehen. Hier macht Jesus nochmals klar: Es gibt gute Fische und schlechte Fische.
Wenn man Matthäus 13 studiert, könnte man frustriert sein und denken, dass es eine völlige Vermischung von Gläubigen und Ungläubigen, von Christen und Namenschristen geben muss.
Es muss so sein, dass daraus ein Machtsystem entsteht. Aus dem Senfkorn wird ein großes Gewächs, in dem die Vögel nisten können. Die politische Macht, die die Christenheit an sich gerissen hat, muss so sein. Der Sauerteig durchdringt alles.
Was soll man als örtliche Gemeinde noch tun? Auf reine Lehre achten oder auf reinen Wandel? Wenn es sowieso so kommen muss?
Ganz wichtig: Jesus sagt das im Blick auf die Gesamtheit der Christenheit – die totale Vermischung.
Im Gleichnis ist aber gezeigt, dass, wenn man fischt und alles zusammenkommt, die guten Fische in Gefäße gesammelt werden. Die schlechten werden hinausgeworfen, aber nicht getötet, sie schwimmen wieder.
Es ist wichtig, dass man, wenn Menschen zum Glauben kommen, und man sieht, dass es nur eine Scheinbekehrung war, entsprechend handelt.
Die Gemeinde ist nach Gottes Plan im Neuen Testament die Gemeinde der echten Gläubigen. Der Gedanke einer Volkskirche, in der Bekenner und Echte zusammen sind und das als richtig gilt, widerspricht der Bibel völlig.
Wo ist die sogenannte „Hammerstelle“? Im 2. Korintherbrief 6.
Lesen wir dort einige Verse ab Vers 14:
„Seid nicht in einem ungleichen Joch mit den Ungläubigen; denn welche Gemeinschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial? Oder welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Darum geht aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch aufnehmen, und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ (2. Korinther 6,14-18)
Hier wird ganz klar gesagt, dass Gläubige und Ungläubige keine Gemeinde bilden können. Es heißt deutlich: „Darum geht aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab!“
Das heißt, wir müssen uns von Systemen und Kirchensystemen absondern, wenn dort Gläubige und Ungläubige zusammengehören.
Es geht dabei nicht um Besucher, die immer willkommen sind, sondern um die Zugehörigkeit zur Gemeinde. Paulus sagt in 1. Korinther 14, dass Unkundige oder Ungläubige in die Gemeinde kommen können, aber nicht zur Gemeinde dazugehören oder am Abendmahl teilnehmen dürfen, wenn sie nur Bekenner sind.
Man muss sich also absondern.
Ist das heute noch möglich? Die Christenheit können wir nicht mehr korrigieren. Das ist abgefahren, seit mehr als tausend Jahren. Da sind wir zu spät.
Aber vor Ort müssen die guten Fische, also die wahren Gläubigen, in örtlichen Gemeinden gesammelt werden. Die anderen dürfen wieder schwimmen.
Das entspricht genau dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut. Als die Knechte des Bauern das Unkraut entdeckten, fragten sie:
„Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er dann Unkraut?“
Der Herr antwortete:
„Ein Feind hat dies getan.“
Die Knechte fragten:
„Willst du, dass wir hingehen und es zusammenlesen?“
Er aber sprach:
„Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen das Unkraut zugleich mit dem Weizen ausreißt. Lasset beides zusammenwachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune.“ (Matthäus 13,27-30)
Jesus, der Herr, sagt, dass man nicht zu früh aussortieren soll, weil man sonst den guten Weizen mit herausreißen könnte.
Das war ein großes Übel in der Kirchengeschichte, besonders bei der Kirche von Rom, die in vergangenen Jahrhunderten Tausende als angebliche Irrlehrer und Häretiker umbrachte.
Viele Hugenotten und Waldenser wurden getötet, obwohl sie das Evangelium wiederentdeckt hatten: dass wir nur durch Glauben an Jesus Christus gerettet werden können, nicht durch gute Werke.
Sie wurden als Lolch bezeichnet und ausgerissen.
Darum ist das eine ernste Warnung.
Jesus sagt, die Scheidung kommt erst in der Endzeit, der Zeit der Ernte, die in Vers 30 erwähnt wird.
Lesen wir Vers 39:
„Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, und die Schnitter sind die Engel.“ (Matthäus 13,39)
Weiter heißt es:
„Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzlosigkeit tun, und sie werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird sein das Weinen und das Zähneknirschen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.“ (Matthäus 13,40-43)
Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Hier wird klar gesagt, dass diese Ernte erst in der Vollendung des Zeitalters kommt. Wir leben jetzt im gegenwärtigen Zeitalter.
Das tausendjährige Reich, das nach der Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit kommt, wird als das zukünftige Zeitalter bezeichnet.
In Matthäus 12 hatten wir diesen Unterschied: Jesus spricht von einer Sünde, die in diesem Zeitalter vergeben werden kann, aber nicht im zukünftigen.
Die Vollendung des Zeitalters ist der Abschluss dieser Zeit, in der wir jetzt leben – die Endzeit.
In Matthäus 24 werden wir den Ausdruck „Vollendung des Zeitalters“ wiederfinden. Die Jünger fragen: Was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters? Was ist das Zeichen deiner Wiederkunft?
Sie wollen zwei Zeichen, und der Herr gibt ihnen mehr als fünfundzwanzig Zeichen, Endzeitzeichen, an denen man erkennen kann, dass wir in der Vollendung des Zeitalters leben. Die meisten dieser Zeichen sind bereits erfüllt.
Wir leben also in dieser Zeit.
Die Endzeit ist eine Epoche, in der das Volk Israel aus allen Völkern heimkehrt, den Staat wieder gründet und Jerusalem zur Hauptstadt macht. Das muss alles geschehen.
Später kommt zum Abschluss Jesus Christus als König der Welt mit allen seinen Engeln. Diese werden ausgehen und die Namenschristen zusammenlesen.
Alle Ärgernisse und die, die Gesetzlosigkeit tun, werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Weinen und Zähneknirschen sein – die Hölle.
Interessant ist, dass das nicht die Knechte des Bauern tun, sondern die Engel. Das ist nicht die Aufgabe der Gemeinde.
Darum sagt Paulus in Epheser 6, Vers 12:
„Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen.“
Der Kampf der Gemeinde richtet sich also nicht gegen Menschen, sondern gegen geistliche Mächte.
Die Engel werden eine konkrete Funktion bei der Scheidung haben.
Jetzt versteht man auch Vers 49 besser, nachdem der Herr gesagt hat, die schlechten Fische werden ausgeworfen und das tut ihnen nicht weh. Sie sind noch froh.
Lesen wir Vers 49:
„So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird sein das Weinen und das Zähneknirschen.“ (Matthäus 13,49)
Man könnte denken, das sei die Auslegung des Gleichnisses. Das ist es aber nicht, sondern eine Ergänzung.
In der jetzigen Zeit werden die unkoscheren Fische wieder ausgeworfen, die koscheren gesammelt.
In der Vollendung des Zeitalters werden die Engel ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und in den Feuerofen werfen.
Parallel zum anderen Gleichnis wird der Lolch von Engeln verbrannt, und auch die Namenschristen kommen unter das Gericht Gottes.
Es ist sehr wichtig, diesen Unterschied zu machen, denn das hat gewaltige Konsequenzen.
Wenn die Christenheit das richtig verstanden hätte, wären in der Vergangenheit viele Menschenleben gerettet worden.
Das war vollkommen gegen die Bibel.
Wir haben keine Aufgabe, in der Christenheit für Ordnung zu sorgen oder aufzuräumen.
Aber vor Ort, bei den einzelnen Gefäßen, müssen wir die wahren Gläubigen sammeln, sie im Glauben fördern, ermutigen und belehren.
Gibt es bis hierhin Fragen?
Die verschiedenen griechischen Wörter für die Netze lauten: Das Schleppnetz ist „sagene“, das Wurfnetz „amphiblestron“ (amphi = herum, lestron = geworfen), und die Angel in Matthäus 17 heißt „anküstron“.
Netz und Netze ist „diktion“ im Singular und „diktion“ im Plural.
In Vers 51 ist die Frage wichtig: „Habt ihr dies alles verstanden?“ Sie antworteten: „Ja.“
Dann erklärt der Herr Jesus:
„Darum ist jeder Schriftgelehrte, der im Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.“ (Matthäus 13,51-52)
Die Rolle der Schriftgelehrten im Reich der Himmel
Nun spricht der Herr Jesus hier über Schriftgelehrte, die im Reich der Himmel unterrichtet sind. Das sind nicht die Rabbiner, die den Herrn Jesus abgelehnt haben, sondern die Jünger. Diese sind dem Herrn Jesus nachgefolgt. Er ist der Rabbi, der Lehrer, und hat sie gesammelt – so, wie es im Judentum üblich war, dass ein Rabbiner Schüler, also Studenten, versammelt. Er sagte: „Folgt mir nach“ (Matthäus 4). So sammelten Rabbiner ihre Schüler, und so hat der Herr Jesus seine Jünger gesammelt.
Wichtig zu wissen ist, dass das Wort „Jünger“ eigentlich „Schüler“ bedeutet. Auf Hebräisch übersetzt man das mit „Talmid“, und das ist auch das Wort für Studenten oder Schüler. Die Mehrzahl heißt „Talmidim“. Also waren das Schüler des Herrn Jesus, die er zu Schriftgelehrten ausbildete. Aber nicht zu Schriftgelehrten, die nur das Alte Testament kannten, sondern zu solchen, die auch die Geheimnisse des Messias verstanden. Darum sind das Schriftgelehrte, die im Reich der Himmel unterrichtet sind.
Im Judentum weiß man nichts über diese Geheimnisse, und die letzten zweitausend Jahre sind eigentlich ein Rätsel. Wie ist das möglich? Seit zweitausend Jahren gibt es keinen Tempel mehr in Jerusalem, keine Opfer mehr, und das Volk ist unter allen Völkern zerstreut. Damals, wegen Götzendienst, gab es diese siebzig Jahre Gericht durch Babel und die Gefangenschaft in Babylon. Danach konnten sie zurückkehren und den Tempel wieder aufbauen.
Aber jetzt sind es zweitausend Jahre! Was bedeutet das? Das Neue Testament macht klar: Diese Zwischenzeit, in der das jüdische Volk zerstreut ist, ist die Zeit, in der das Evangelium alle Nationen der Welt erreichen sollte. Jesus sagt in Matthäus 24, Vers 14, dass dieses Evangelium des Reiches allen Nationen gepredigt werden wird – zu einem Zeugnis – und dann wird das Ende kommen.
Das Ende sind die letzten dreieinhalb Jahre vor der Vollendung des Zeitalters. Diese Zeit wird in der Bibel als „das Ende“ bezeichnet. Heute sind alle Nationen erreicht. Das griechische Wort für Nation ist „Ethnos“, und es bezeichnet immer die größte soziale Einheit. „Volk“ ist kleiner: Indien besteht aus vielen verschiedenen Völkern, und ein Volk wird „Laos“ genannt, nicht „Ethnos“. Dann gibt es noch kleinere Einheiten, die Stämme, „Phylä“ genannt.
Jesus sagt, alle Nationen („Ethnos“) werden mit dem Evangelium erreicht, nicht alle Menschen, nicht alle Stämme oder Völker. Heute zählt man etwa zehntausend Völker, aber Nationen sind nur rund zweihundert. Das wird mit „Ethnos“ bezeichnet, und der Herr Jesus sagt, alle Nationen werden erreicht werden – und das ist geschehen.
In dieser Zwischenzeit sollte das Evangelium auf dem Acker gestreut werden, das heißt in der Welt. Das führt zu einer Vermischung von Weizen und Unkraut, guten und schlechten Fischen, die eingesammelt werden. Erst dann wird der König in Macht und Herrlichkeit kommen und das Königreich aufrichten, so wie es im Alten Testament vorausgesagt ist.
So haben wir beim Reich Gottes drei Phasen: Phase A, in der der König auf Erden war und verkündete: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahegekommen.“ Doch er wurde von der Masse verworfen. Daher entstand die neue Form des Reiches Gottes in verborgener Form. Dann folgt das Reich Gottes, wie es im Alten Testament bekannt ist und im Judentum erwartet wird. Wir erwarten dasselbe.
Ein Schriftgelehrter, der im Reich der Himmel unterrichtet ist, kann diese drei Phasen genau unterscheiden. Er weiß, was die Bedeutung der Gemeinde in der Phase ist, in der der König im Himmel ist und die Knechte auf der Erde. In dieser Phase erleben wir eine wunderbare Zeit: den Schatz im Acker und die sehr kostbare Perle, für die Jesus alles hingab.
So ist der Schriftgelehrte ein Gläubiger in der Gemeinde, der heute die Bibel wirklich kennt. Jesus nennt ihn Schriftgelehrter. Wichtig ist, dass Jesus ganz klar sagte, wir sollen nie den Titel „Rabbi“ als geistlichen Titel annehmen. In Matthäus 23, Vers 6 und folgende heißt es:
„Sie leben den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten, um von den Menschen ‚Rabbi, Rabbi‘ genannt zu werden. Ihr aber lasst euch nicht Rabbi nennen, denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch nicht Meister nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Jesus macht hier ganz klar deutlich, und das sagt er den Aposteln: „Ihr aber lasst euch nicht Rabbi nennen.“ Heute gibt es Leute, die sagen: „Ich bin ein messianischer Rabbi, ich habe eine messianisch-jüdische Gemeinde, und ich bin nicht Pfarrer oder Pastor, sondern Rabbi.“ Das gibt es, aber das ist nicht biblisch. „Einer ist euer Lehrer, das ist der Herr Jesus, und ihr alle seid Brüder.“
Dann wird gesagt: „Nennt auch niemanden auf der Erde euren Vater, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.“ Man darf also nie einen Menschen „Papst“ nennen. Das heißt ja „Vater“ oder auf Italienisch „Il Papa“ – der Vater. Man nennt ihn sogar „Heiliger Vater“, ein Titel, den Jesus in Johannes 17 für den ewigen Vater verwendet. Das ist schrecklich und geht gar nicht.
Was ist aber mit Kindern, die „Papa, Papa“ sagen? Das ist natürlich erlaubt und wichtig. Es geht hier um „Vater“ als geistlichen Titel. Wir dürfen das Natürliche nicht mit dem Geistlichen verwechseln. Väter müssen richtige Väter sein, die auch Verantwortung übernehmen. Das sind nicht „Eltern eins“ – da haben wir schon wieder eine Hierarchie – oder „Eltern zwei“, sondern Väter müssen wirklich Väter sein.
Es ist wichtig, dass Kinder ihre Väter „Papa“ oder „Vater“ nennen, weil das eine einzigartige Beziehung ist. Man kann zu vielen Menschen irgendeine Beziehung haben, aber nur zu einem eine Vaterbeziehung. Es ist traurig, wenn es Erziehungssysteme gibt, in denen Kinder die Eltern mit dem Vornamen ansprechen. „Ursula? Nein, Mami!“ Nicht „Ursula“, sondern „Mami“ oder „Mama“, aber eben nicht als geistlicher Titel „Vater“.
Dann sagt Jesus weiter: „Lasst euch auch nicht Meister nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus.“ Aber wie ist das mit einem Uniabschluss? Dort wird man ja „Magister“ genannt. Das ist nicht gemeint, wenn es ein geistlicher Titel wäre, hätten wir ein Problem. Ein Magister in Naturwissenschaften oder Sprachwissenschaften ist etwas ganz anderes. Als geistlicher Titel darf „Meister“ aber nie verwendet werden.
Wie ist es mit dem Doktortitel? „Doktor“ heißt „Lehrer“. Einer ist euer Lehrer. Wenn „Doktor“ ein geistlicher Titel wäre, hätten wir ein Problem. Ich habe darauf geachtet, dass mein Doktortitel in Archäologie und jüdischer Literatur niemals als geistlicher Titel verwendet wird. Sonst hätte ich ein riesiges Problem mit mir selbst. Es geht hier nicht um den Ausweis in einer wissenschaftlichen Arbeit, sondern um geistliche Titel – das geht gar nicht.
Jesus spricht trotzdem von Schriftgelehrten, die im Reich der Himmel unterrichtet sind. Aber nicht, dass man sich mit dem Titel „Schriftgelehrter“ bezeichnet. Es sind Schriftgelehrte, gelehrt in der Heiligen Schrift. Dann heißt es, sie sind gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.
Wir hatten ja den Schatz im Acker. Dort gibt es altes Öl, das schon ein gewisses Alter hat, und auch frisch geerntetes Öl, Weizen usw. In der heutigen Zeit holt ein Schriftgelehrter alten Wein aus dem Alten Testament und ganz neue Wahrheiten, die Geheimnisse im Neuen Testament. Das ist das Wunderbare aus dem Schatz: Neues und Altes.
Das Neue hat das Alte Testament nicht ungültig gemacht, sondern gibt die ganze Sicht auf den Heilsplan. Im Judentum sind die letzten 2000 Jahre irgendwie unverständlich. Noch nie habe ich aus jüdischer, rabbinischer Sicht eine klare Erklärung gefunden, was die Bedeutung dieser 2000 Jahre ist. Für sie ist es wie ein Loch.
Die Geheimnisse des Reiches der Himmel machen klar: Das ist die Zeit der Perle, die Zeit des Schatzes im Acker. So bekommt plötzlich alles einen Sinn.
Zum Schluss noch eine Frage: Wie ist das mit dem Titel „Pastor“? Ist das auch ein geistlicher Titel? „Pastor“ heißt „Hirte“. In Epheser 4 werden verschiedene Gaben aufgezählt: Jesus hat vom Himmel her einige als Apostel gegeben, andere als Propheten, die das Fundament bilden. Dann spricht er von Hirten und Lehrern, auch Evangelisten. Hirte wäre also mit „Pastor“ zu übersetzen.
Aber nirgends in der Bibel wird „Pastor“ als Titel verwendet. Darum habe ich immer darauf geachtet, mich nie „Pastor“ zu nennen. Das wäre ein geistlicher Titel. Es ist etwas anderes, wenn man Hirten- oder Lehrdienst tut, aber ich nenne mich nicht „Rabbi“, denn das wäre Lehrer – das geht gar nicht.
So sieht uns die Schrift, und sie möchte, dass wir alle Schriftgelehrte werden – richtig erzogen durch die Worte Gottes.
Verständnis der Jünger und das Herz als Erkenntnisquelle
Ist das Jahr der Jünger ein überzeugtes Jahr oder ein Jahr, das der Herr gewandt ist? In Johannes 16, Vers 29 heißt es: „Jetzt tretet ihr offen hervor und sprecht kein Gleichnis mehr.“ Daraus könnte man annehmen, dass die Jünger Jesu Worte erst später vollständig verstanden haben.
Wenn der Herr Jesus sagt: „Ja, du sagst richtig“ (Johannes 16), befinden wir uns zeitlich noch später als an der vorherigen Stelle. Die Jünger sagen plötzlich: „Jetzt sprichst du ganz klar und offen.“ Quasi jetzt verstehen wir. Trotzdem antworten sie auf die Frage, ob sie alles verstanden haben, mit „Ja“.
Die Antwort darauf ist, dass sie der Überzeugung waren, alles verstanden zu haben. Aber damals war es noch gar nicht möglich, wirklich zu verstehen, was dieser Schatz, diese Perle bedeutet. Dennoch haben sie alles, was der Herr gesagt hat, in ihrem Herzen aufgenommen und verstanden. Es ist oft so, dass das Herz mehr versteht als nur der Intellekt.
Ein Beispiel dafür ist die Geschichte aus Johannes 11. Lazarus war gestorben, und seine Schwestern Maria und Martha waren sehr traurig. In dieser schwierigen Situation sagt der Herr Jesus in Vers 25: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“
Dann fragt er Martha: „Glaubst du das?“ Sie antwortet: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“
Sie hat mit dem Herzen geglaubt, weil der Herr Jesus das gesagt hat. Aber damals konnte sie noch nicht in der Tiefe verstehen, was das wirklich bedeutet. Mit dem Licht des gesamten Neuen Testaments können wir das heute besser verstehen.
Der Herr Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Dann spricht er von zwei Gruppen: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Und: „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“
Wer sind diese zwei Gruppen? Die erste Gruppe sind all die Gläubigen der vergangenen zweitausend Jahre. Sie haben an den Herrn Jesus geglaubt und sind gestorben, aber sie werden leben und auferstehen, weil der Herr Jesus die Auferstehung ist: „Ich bin die Auferstehung.“
Die zweite Gruppe sind diejenigen, „die leben und an mich glauben“ – im Griechischen ein Durativ, also wer fortdauernd lebt und an mich glaubt. Diese Gruppe wird nicht sterben in Ewigkeit. Hier spricht der Herr von der letzten Generation der Gemeinde. Diese werden noch am Leben sein auf der Erde, wenn Jesus kommt (1. Thessalonicher 4,13-18). Dann werden sie in die Wolken entrückt, dem Herrn entgegen. Sie werden mit den auferstandenen Gläubigen zusammen sein. Alle gehen hin, aber diese werden nicht sterben.
Wer also fortdauernd lebt und an Jesus glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Sie werden nicht durch den Tod hindurchgehen. Warum? Weil der Herr Jesus nicht nur die Auferstehung ist – das ist er für die verstorbenen Gläubigen –, sondern auch das Leben. Darum leben sie und werden nicht sterben.
Man merkt, dass diese zwei Titel wunderbar geformt sind: „Ich bin die Auferstehung, ich bin das Leben.“ Gruppe eins glaubt, stirbt, wird aber leben. Gruppe zwei lebt und glaubt und wird gar nicht sterben. Das ist das Geheimnis der Entrückung.
Dieses Geheimnis wird erst offenbart in 1. Korinther 15,51: „Seht, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden in einem Nu, in einem Augenblick.“
Damals war das noch nicht offenbart, sondern der Herr hat es nur angedeutet. Martha sagt „Ja, ich glaube das.“ Sie hat es mit dem Herzen aufgenommen. Aber das Herz kann manchmal mehr aufnehmen als der reine Intellekt.
Blaise Pascal hat einmal gesagt: „Le cœur a ses raisons que la raison ne connaît point.“ Das Herz erkennt Dinge, die der Intellekt nicht begreift.
So sagten also die Jünger: „Ja, wir haben alles verstanden.“ Doch später muss der Herr in Johannes 16 sagen: „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen sein wird, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“
Das sind dann die Geheimnisse, die Paulus und auch die anderen Apostel im weiteren Neuen Testament offenbart haben. Damit wurde die volle Offenbarung des Wortes Gottes gebracht.
Wollen wir hier schließen?
