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Verachte nicht Gottes Langmut!

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 7/33
02.03.2025Römer 2,1-4
SERIE - Teil 7 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Was passiert, wenn wir andere verurteilen, obwohl wir selbst Fehler machen? Warum ist Gottes Geduld mit uns kein Freibrief, sondern eine Einladung zur Umkehr? Diese Predigt zeigt: Jeder von uns lebt noch, weil Gott seine Gerechtigkeit zurückhält und uns Zeit zur Buße schenkt. Wie oft übersehen wir den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut – und verachten damit genau das, was uns Leben schenkt? Warum lässt Gott uns überhaupt weiterleben?

Einleitung: Das Wort Gottes als lebendige Rede

Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von mir! Ihr habt euch gerade hingesetzt, aber das Wort Gottes lässt uns doch wieder in Ehrfurcht aufstehen, wenn ihr könnt. Wir wollen euch nicht überfordern, auch die Älteren, aber es ist immer ein Segen, der uns bewusst macht, dass wir jetzt vor Gott stehen und nicht einfach irgendeinen Text hören, so gewohnheitsmäßig.

Es soll uns klar sein: Jetzt redet der lebendige Gott zu uns, wirklich wörtliche Rede von Gott. So spricht Gott. Und ich finde, wenn Gott direkt zu uns redet, dann stehen wir auf oder wir fallen auf unser Angesicht.

Hier haben wir jetzt also Römer 2. Ich lese noch einmal die drei Verse, die wir letzten Sonntag schon hatten, und den vierten Vers, auf den ich mich heute im Wesentlichen beschränken möchte:

Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest. Denn indem du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst, denn du verübst ja dasselbe, was du richtest. Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, welche solche Dinge verüben. Oder denkst du, o Mensch, der du richtest, welche solche Dinge verüben, und doch das Gleiche tust, dass du dem Gericht Gottes entrinnen wirst?

Und jetzt kommt unser Vers: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Langmut? Und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leiten will.

Amen!

Die Gleichheit aller Menschen vor Gott

Ja, wir nehmen Platz, liebe Gemeinde.

Wir haben durch den Dienst von Christian am letzten Sonntag gelernt und eben in diesem Text noch einmal gehört, dass alle Menschen – Juden und Heiden, Groß und Klein – schuldig sind vor Gott. Deshalb kann sich niemand über den anderen erheben oder sich ereifern, wie verkehrt und schrecklich der andere doch sei.

Deshalb noch einmal Vers 1: Bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest? Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst, denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe.

Es ist entsetzlich, wenn Christen sich geradezu wütend darüber aufregen, wie lasterhaft die Gesellschaft sei. Ich finde, es ist manchmal ein ganz schlechter Geist unter die Christenheit geraten, sodass wir auch unsere Politiker und Regierungen mit Empörung und Ärger überziehen, sie richten und verurteilen.

Wenn Prediger sich lautstark auf den Kanzeln über die unmoralischen Politiker empören, über die Regierung – Paulus’ Antwort lautet: Wer du auch seist, der du richtest, du verübst ja dasselbe.

Jesus hat gesagt: Wer von euch ohne Sünde ist, der nehme den ersten Stein und werfe ihn auf die Ehebrecherin.

Die Bibel lehrt uns nicht, uns über andere Menschen zu entrüsten, sondern ihnen im demütigen Bewusstsein unserer eigenen Sündhaftigkeit Jesus zu bezeugen.

Die Unvermeidlichkeit des göttlichen Gerichts

Vers 3: Wie wir gehört haben, geht Paulus noch einen Schritt weiter.

Denkst du etwa, o Mensch, der du richtest, welche solche Dinge verüben, und du doch dasselbe tust, dass du dem Gericht Gottes entfliehst? Vielleicht tun wir das Gleiche nicht mit unseren Händen und Füßen, aber haben wir nicht alle schon in unserem Herzen die Ehe gebrochen und auch unmoralische Gedanken gehabt und manchmal auch gepflegt?

Woher nehmen wir es, andere zu entrüsten oder niederzumachen? Deshalb verbietet sich jegliches Richten. Die Botschaft von Paulus ist: Wir sind alle schuldig vor Gott; da ist keiner besser als der andere.

Jesus hat gesagt in Johannes 12,47: „Wenn jemand meine Worte hört und nicht glaubt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern damit ich die Welt rette.“

Wenn Jesus schon sagt, dass er nicht gekommen ist, um zu richten, wie viel weniger haben wir die Berufung, unsere Mitmenschen und unsere Gesellschaft bei all ihren Verehrungen zu richten? Auch wir Prediger sind nicht berufen, die Welt von der Kanzel her zu richten. Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern allein Gottes Sache. Er ist Richter, und wehe uns, wenn wir aus der Kanzel einen Richterstuhl machen.

Gewiss sollen wir Sünde beim Namen nennen, damit man mich nicht falsch versteht und auch Paulus nicht, aber nicht in Überheblichkeit und aggressiver Entrüstung.

Die Gefahr des Verachtens von Gottes Güte

Was droht uns, wenn wir, obwohl wir selbst vor Gott schuldig sind, dennoch andere Menschen richten? Denkst du etwa, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Genau das hat auch Jesus gesagt. Er warnte: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“

Denn wer sich zum Richter über andere aufspielt, vergisst die Güte, Geduld und Langmut Gottes, die er in seinem Leben selbst erfahren hat. Er vergisst diese Eigenschaften Gottes nicht nur, sondern verachtet sie sogar.

Deshalb heißt es nun: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ Hier haben wir ein wichtiges Thema vor uns: die Geduld, Güte und Langmut Gottes.

Wenn jemand mehr darüber lesen und Grundsätzliches erfahren möchte, ist es sehr wichtig, liebe Gemeinde, dass wir Christen in den Grundlehren des Evangeliums und der Heiligen Schrift wirklich fest stehen. Wir müssen Klarheit haben, denn ohne diese haben wir keine Kraft, um in dieser Welt standzuhalten.

Die Bedeutung der Langmut Gottes verstehen

Deshalb – es wurde ja schon angesprochen – dieses Buch, das Wort der Wahrheit. In den ersten Kapiteln durfte ich über die Charaktereigenschaften und Wesenszüge Gottes schreiben. Unter anderem auch über die oft missverstandene Langmut Gottes.

Ich möchte euch ermutigen, dieses Buch vielleicht auch zu lesen. Mit der Frage, die Paulus uns stellt, dass wir die Güte, Geduld und Langmut Gottes verachten, sind wir gezwungen – oder sagen wir besser genötigt –, uns Gedanken über die Langmut Gottes aus der Bibel heraus zu machen. Um sie zu verstehen, müssen wir uns an Grundsätzliches erinnern.

Nämlich daran – jetzt hört gut zu, sitzt fest –, dass wir eigentlich gar nicht mehr leben dürften. Denn der Grundsatz der Heiligen Schrift lautet: Der Lohn der Sünde ist der Tod.

Immer wieder hören wir die Beschwerde, dass Gott doch zu hart sei, wenn er Menschen für ihre Sünde mit dem ewigen Tod bestraft, mit der Hölle. Muss er denn gleich mit so einer Keule kommen? Die Menschen, die so fragen, haben noch nicht verstanden. Und manchmal gilt das auch für Christen.

Ich komme, wenn ich noch Zeit habe, zum Schluss noch darauf zurück, welch ein Skandal die Sünde für Gott ist. Das ist uns oft nicht bewusst. Er hat uns Menschen das höchste Privileg gegeben, nämlich Träger seines Ebenbildes zu sein. Er machte uns nur wenig niedriger als die Engel und vertraute uns die Herrschaft über die ganze Erde an.

Wir sind keine Schildkröten, keine Fliegen, keine Raupen oder Mäuse. Wir sind Menschen – verantwortliche Menschen, ausgestattet mit Vernunft und Verantwortung. Gerade wir Menschen, die Gott verantwortlich gemacht hat für seine Schöpfung, haben alles in den Dutt gehauen.

Wir sind es, die unseren Planeten in einen Sumpf des Bösen oder in einen Schauplatz der Verwüstung verwandelt haben. Wir haben die gesamte Schöpfung und ihren Schöpfer verraten.

Alles nicht so schlimm, meinen wir. Gott ist sehr grob und böse mit uns. Warum eigentlich? Wir verweigern uns ihm und sagen dem Gott ab, dem wir alles zu verdanken haben. Wir setzen ihm unser arrogantes Nein entgegen.

Und du sagst zu Gott: Dein Gesetz ist nicht gut, und meine Beurteilung der Dinge ist besser als deine. Deine Autorität gilt für mich nicht. Ich stehe nicht unter deiner Aufsicht. Ich will das Recht haben, zu tun, was ich will. Gott, du kannst mir nichts befehlen.

Und wenn es schiefgeht, dann sagen wir: Wo ist Gott gewesen? Merken wir die Perversität solchen Denkens? Wenn Gott diesem bösen Treiben durch seine Gerechtigkeit ein Ende setzt, dann drehen wir den Spieß um, klagen ihn an und nennen ihn unbarmherzig und ungerecht. Welch ein Frevel!

Die Ernsthaftigkeit der Sünde und Gottes Gerechtigkeit

Nein, schon Mose sagt: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten. Es steht auch geschrieben, dass Gott niemand ungestraft lässt.

Denn unsere Sünde, liebe Gemeinde und Freunde, ist nicht nur Verrat und Verschwörung gegen Gott selbst, sondern sie ist auch ein Verbrechen an unseren Mitmenschen. Sünde tut dem anderen immer Gewalt an. Sünde ist nicht für dich allein, sondern sie schädigt immer deinen Nächsten.

Das ist keine abstrakte Behauptung. Mit deinen Sünden und mit meinen Sünden füge ich anderen Menschen Schmerz zu. Ich verletze sie, ich zerstöre ihre Träume, ihr Streben, ihre Hoffnung, ich zerstöre ihr Glück. Wenn ich Gott mit meiner Sünde beleidige, dann beleidige ich zugleich auch Menschen, die sein heiliges Bild tragen.

Wundern wir uns da noch, dass Gott Sünde und Übertretung ernst nimmt? Gottes Gerechtigkeit wurzelt in seiner heiligen Wesensart und in seiner absoluten Reinheit. Deshalb kann er auch die kleinste Sünde nicht mit seinem Wesen in Einklang bringen.

Gott ist allmächtig, aber er kann Sünde nicht dulden. Das kann er nicht, weil er heilig ist. Darum muss er den Aufsässigen an der Sünde festhalten, wegtun, verurteilen und verdammen. Das ist die Botschaft der Bibel, und das ist es, was Paulus uns hier lehrt in den Eingangsversen von Kapitel 2, auch schon davor.

Das müssen wir verstehen, das ist der Ausgangspunkt.

Die Geduld Gottes als Ausdruck seiner Gnade

Da stellt sich die Frage, weshalb nicht sofort alle Menschen sterben, wenn sie sündigen. Diese Frage ist besonders wichtig im Hinblick auf die Langmut Gottes. Adam starb doch nicht am selben Tag, an dem er sündigte. Nach dem Bericht der Bibel lebte er noch 800 Jahre, trotz seiner Sünde.

Wo ist also der Lohn, wo ist der Tod, der der Lohn der Sünde ist? Das ist richtig, aber das hebt nicht Gottes gerechte Festsetzung auf, dass jede Sünde den sofortigen Tod verdient. Der leibliche Tod von Adam und Eva trat deshalb nicht sofort ein, weil Gott ihnen noch seine große Geduld und Langmut erweisen wollte.

Hören wir das? Er wollte seine Gnade an ihnen wirken lassen. Darum heißt es schon in 4. Mose 14,18: „Der Herr ist langsam zum Zorn und groß an Gnade, der Schuld und Treubruch vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt.“

Hier müssen wir aufpassen und sind gewarnt, die Langmut und Güte Gottes im Leben eines Menschen nicht falsch zu verstehen. Niemand bleibt ungestraft. Weil Gott langsam zum Zorn ist, glauben viele Menschen, dass gar kein Gericht mehr kommt. Wo ist er denn?

Freunde, das ist der fatale Irrtum, in den Menschen geraten. Es heißt nicht, dass Gottes Zorn überhaupt nicht mehr kommt, sondern nur, dass der Herr langsam zum Zorn ist. Er hat noch Geduld. Würde er nach seiner Gerechtigkeit verfahren, müssten alle Menschen auf der Stelle sterben und auf ewig verloren sein.

Aber aus Gründen seiner Barmherzigkeit verzögert Gott die Vollstreckung seines gerechten Urteils.

Die Herausforderung des Leidens und der Ungerechtigkeit

Und weil das auch unter der Christenheit und in der Welt kaum oder gar nicht mehr bedacht wird, wird bei Unglücksfällen oder Katastrophen oft empört gefragt: Wie kann Gott das zulassen? Wahrscheinlich hast auch du schon einmal so gesprochen, aber dabei vergessen, dass das die völlig falsche Frage ist.

Du solltest nicht fragen, wie Gott das zulassen kann, dass hier oder dort Menschen umkommen. Stattdessen solltest du fragen: Wie kann es sein, dass ich noch am Leben bin und es nicht mich getroffen hat?

Wir sollten nicht fragen: Wie kann Gott dieses schreckliche Unglück zulassen? Du solltest vielmehr fragen: Wie kann Gott zulassen, dass es mich nicht getroffen hat und ich noch lebe? Denn eigentlich hättest du ebenso sterben müssen wie die anderen.

Das sagt uns der Herr Jesus ausdrücklich, indem er uns an den Turm zu Silua erinnert, der plötzlich einstürzte und achtzehn Menschen begrub, die alle ums Leben kamen. Dieses schreckliche Unglück war in aller Munde – ebenso wie heute, wenn schwere Katastrophen geschehen. Und da stand natürlich sofort die verschleierte Anklage im Raum: Wie kann Gott das zulassen?

Das war damals auch schon so, und das ist immer so, weil wir nichts von der langen Geduld Gottes verstehen. Die Erschlagenen waren nur die Straße entlang am Turm vorbeigegangen. Sie waren die typischen Unschuldigen, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren, und dann waren sie tot.

Wir würden jetzt erwarten, dass Jesus Blumen bringt und sein Beileid bekundet. Wir wissen, dass Jesus auch mit geweint hat, wenn Menschen starben. Aber an dieser Stelle lesen wir davon überhaupt nichts – weder von Beileid noch von Blumen. Stattdessen sagt der Meister hier Folgendes:

Wie bewertet er dieses Unglück des Turmes? Er sagt in Lukas 13,5: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“

Das ist eine Perspektive. Was heißt das? Für Jesus war klar, dass dieses Unglück ein gerechtes Gericht Gottes war. Und für ihn war auch klar, dass dieses Gericht die Überlebenden ebenso verdient haben. Dass die Überlebenden noch da sind, ist nichts anderes als die Langmut Gottes, seine Geduld.

Die Bedeutung des Lebens als Geschenk der göttlichen Geduld

Deshalb ist die falsche Frage nicht, wie Gott das zulassen kann, sondern wie es möglich war, dass ich davon gekommen bin. Das bedeutet, dass auch die Nichtbetroffenen ein solches Unglück verdient hätten. Wenn sie noch leben, sollten sie dies als ein Zeichen unverdienter Güte ansehen.

Heutzutage werden diese Grundsätze oft auf den Kopf gestellt. Man tut so, als ob Gott uns das Leben schuldig wäre. Wenn er es uns nimmt, gilt er als schrecklich, ungerecht, böse und brutal.

Aus biblischer Sicht bedeutet die Dahingabe eines Menschen in sein Unglück und Gericht, dass die Zeit der göttlichen Geduld und Langmut zu Ende ist. Gott kehrt dann von Geduld und Langmut zurück zur Gerechtigkeit. Er geht wieder zum Recht über.

Gott tut nichts Böses, wenn ein Mensch den Tod, den ewigen Tod, erfährt, ohne Jesus Christus im Herzen zu haben. Dennoch setzt der Mensch seinen Schöpfer auf die Anklagebank, als wäre Gottes Güte ein Rechtsanspruch.

Paulus sagt: Verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Du verachtest ihn so, wie du lebst. Dein ganzes Leben ist eine Verachtung der Güte Gottes.

Die Einladung zur Buße als Antwort auf Gottes Geduld

Paulus zeigt uns in diesem Satz auch, wozu die Langmut Gottes da ist und welches ihr Ziel ist. Noch einmal Vers 4, den zweiten Teil: Verachtest du die Langmut und Güte nicht? Erkennst du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Mit diesem Wort ist mir als Prediger klar, was ich mit euch zu teilen habe. Ich soll dir, mein Freund, sagen, warum du bis heute noch nicht umgekommen bist, sondern noch am Leben bist. Was ist der wahre Grund, dass dir bisher so viele Jahre gegeben worden sind? Du bist 15, 20, 30 Jahre alt, vielleicht schon 50, vielleicht auch 80 oder 90.

Die erste Ursache dafür, dass du noch lebst und so alt möglicherweise geworden bist, ist nicht ein gesunder Lebensstil. Es ist auch nicht eine private Krankenversicherung mit dem Zugang zu guten Ärzten. Nein, der wahre Grund, dass du immer noch lebst, ist die Langmut Gottes, die dich noch nicht seinem gerechten Gericht zuführen will.

Der Grund, dass du immer noch da bist und heute hier sitzt, ist der gnädige Aufschub des Gerichts Gottes. Das ist der Grund. Schuldig und sündhaft, wie wir sind, lässt Gott uns dennoch am Leben und beschenkt uns mit so viel Segen, mit so viel Güte und mit so viel Gnadenerweisen.

Wir glauben aber, wir hätten Anspruch und Recht auf unser Leben. Und wenn Gott etwas dazwischenkommen lässt und nicht jemanden aus dem Leben reißt, dann halten wir ihn für einen ganz schlimmen Gott. Wir haben etwas falsch verstanden.

Verachtest du die Güte Gottes, erkennst du nicht, dass sie dich zur Buße leiten will. Das ist es, was er mit der dir geschenkten Lebenszeit bewirken will. Er schenkt dir deine Jahre nicht, weil er dir ein langes Leben geben will, damit du noch öfter in Urlaub fahren kannst oder damit du noch etwas von deiner Rente hast.

Deshalb lässt Gott dich nicht so lange leben, sondern er gibt dir noch Zeit, damit du umkehren und Buße tun kannst. Das müssen wir verstehen. Du lebst aus dem einfachen Grund, aus dem tieferen Grund – aus Gottes Sicht – deshalb, weil er dir noch Buße schenken will.

Der wahre Grund, dass du nicht schon früh gestorben bist oder vor vielen Jahren einem Unglück entkommen bist, ist, dass du noch die Möglichkeit haben sollst, dich zu deinem Gott zu bekehren. Allein aus diesem wichtigen Grund bist du noch am Leben. Einen anderen Grund für dein Nochleben gibt es aus Gottes Sicht nicht.

Schlussappell: Die Einladung zur Umkehr und Vorbereitung auf das Abendmahl

Aber die Menschen wollen das nicht sehen und begreifen. Nur ich bitte dich, mein Freund: Dies ist jetzt deine Stunde. Ich glaube, dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Er lässt dich verstehen, warum du noch atmest und warum du noch denken kannst. Warum du noch hören kannst.

Es ist der lebendige Gott in seiner Güte und Gnade, der dich heute hierher geführt hat. Er will, dass du dich bekehrst. Dass du heute am Livestream bist und diese Botschaft hörst, ist Gottes Güte und seine Langmut in deinem Leben. Er will dich zur Buße leiten.

Was für eine gewaltige Botschaft! Paulus versteht dich, wenn du innerlich aufgewühlt bist, wenn du den Römern schreibst: Verachtest du den Reichtum der Güte, der Geduld und der Langmut Gottes? Verachtest du den Reichtum?

Er sagt nicht: Verachtest du die Güte, die Langmut und die Geduld, sondern: Verachtest du den Reichtum? Gott hat dich reichlich und in Fülle beschenkt – mit Leben, mit Bewahrung, mit Gnade, mit Hilfe, mit Durchtragen.

Wir müssen doch wissen, warum Gott uns diese Liebe erweist. Er hätte seine Gerechtigkeit anwenden müssen. Aber was sagt der Prophet? Die Güte Gottes ist der Grund, dass wir nicht gar aus sind.

Mein Gott, verzeih mir! Liebe Geschwister, das hat mich sehr bewegt, als ich diesen Text auf mich wirken ließ. Ich habe Gott auch um Verzeihung gebeten, weil ich so oberflächlich lebe.

Deshalb: Heute ist der Tag, heute ist der Ruf. Heute möchte Gott, dass du Buße tust.

Ich weiß nicht, wie lange wir noch haben. Ich muss Schluss machen. Ich glaube, das ist immer so bei einer Predigt: Sie fesselt dich selbst so, dass der zweite Teil manchmal nicht mehr kommt. Ich möchte euch ermutigen, lest auch den zweiten Teil. Es gibt ja den Kanzeldienst, oder hört euch das noch einmal an.

Im zweiten Teil geht es um die Frage: Auch wenn wir Christen sind, haben wir doch sehr stark zu Menschen gesprochen, die noch in ihrem Unglauben verharren und im Widerspruch zu Gott leben. Sie sollen verstehen und lernen dürfen, dass Gott sie erhalten hat, um sie zur Buße zu führen.

Aber wir müssen auch lernen, liebe Geschwister, dass wir als Christen ganz schnell, ohne es zu merken, die Güte und Langmut Gottes verachten können. Indem wir ein oberflächliches Leben führen, Sünde nicht mehr ernst nehmen und unser tägliches Leben nicht als ein Leben in Buße und Zerbruch führen.

Das habe ich im zweiten Teil ausgeführt.

Ich möchte, dass wir jetzt zum Abendmahl kommen. Wir sollen diesen heiligen Augenblick als Gemeinde nicht einfach hinten anhängen. Jesus lädt uns ein.

Buße bedeutet, dass du dich vorbereiten darfst und sagen kannst: Herr Jesus, vergib mir meine Sünde, vergib mir, dass ich deine Langmut verachtet habe. Wasche mein Herz durch dein teures Blut und schenk mir ein neues Leben.

Ja, möge Gott uns schenken, dass wir in tiefem Bewusstsein, in Beugung und Buße, in Dankbarkeit zum Tisch des Herrn kommen und seine Gnade, sein Heil empfangen.

In Jesu Namen, Amen.