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ab Josua 8, 30

Josua - Das Buch des Sieges - Sieg und geistiger Reichtum in Jesus Christus, Teil 8/23
25.09.2018Josua 8,30-35
SERIE - Teil 8 / 23Josua - Das Buch des Sieges - Sieg und geistiger Reichtum in Jesus Christus

Josuas Altarbau auf dem Berg Ebal

Wir fahren weiter in Josua 8, und zwar lese ich ab Vers 30:

Damals baute Josua dem Herrn, dem Gott Israels, einen Altar auf dem Berg Ebal, so wie Mose, der Knecht des Herrn, den Kindern Israel geboten hatte, wie im Buch des Gesetzes Mose geschrieben steht. Es war ein Altar von ganzen Steinen, über die kein Eisen geschwungen worden war.

Sie opferten darauf dem Herrn Brandopfer und schlachteten Friedensopfer. Außerdem schrieb Josua dort auf die Steine eine Abschrift des Gesetzes Moses, das er vor den Kindern Israel geschrieben hatte.

Ganz Israel mit seinen Ältesten, Vorstehern und Richtern stand an dieser und jener Seite der Lade den Priestern, den Leviten, gegenüber, die die Lade des Bundes des Herrn trugen. Dabei standen Fremde wie Einheimische: Die eine Hälfte schaute zum Berg Garizim hin, die andere Hälfte zum Berg Ebal hin. So, wie Mose, der Knecht des Herrn, im Anfang geboten hatte, das Volk Israel zu segnen.

Danach las Josua alle Worte des Gesetzes vor, den Segen und den Fluch, genau nach allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht. Es gab kein Wort von allem, was Mose geboten hatte, das Josua nicht der ganzen Versammlung Israels vorlas – einschließlich der Frauen, der kleinen Kinder und der Fremden, die in ihrer Mitte wandelten.

Jetzt kommen wir zu einem ganz erstaunlichen Thema: Josua baut einen Altar auf dem Berg Ebal. Wenn wir bei Jericho sind, an der Mündung des Jordans ins Tote Meer, dann müssen wir nur dem Jordanlauf hinaufwandern, Richtung See Genezareth. Einige Kilometer nördlich von Jericho gelangen wir dann zur Ortschaft Adam.

Dieser Ort ist aus dem Buch Josua bekannt, als die Wasser des Jordans abgeschnitten wurden und sich bei Adam wie ein Damm aufgetürmt haben. Von dort aus gibt es ein Tal, das zwischen den Bergen des Westjordanlandes hinaufführt.

Wandern wir durch dieses Tal weiter, kommen wir nach Sichem. Sichem ist eine Ortschaft, die genau in der Talsenke zwischen zwei Bergen liegt: dem Garizim, 881 Meter über Meer, und dem Ebal, 940 Meter über Meer. Garizim heißt auf Hebräisch eigentlich „Schulter“, und Sichem liegt sozusagen zwischen den Schultern dieser beiden Berge.

Wir wissen, dass der Herr dort Abraham erschienen ist, als er ins Land kam, und ihm verheißen hat: „Deine Nachkommenschaft werde ich dieses Land geben“ (1. Mose 12,7). Dort hat Abraham einen Altar gebaut, zwischen Ebal und Garizim.

Mose und die Anweisungen für das Land Kanaan

Nun hat Mose in seinen Abschiedsreden in der Ebene von Moab auf der anderen Seite des Jordans Anweisungen gegeben, wie man vorgehen soll, wenn man ins Land Kanaan kommt.

Dazu lesen wir in 5. Mose 27. Ich lese ab Vers 1: „Und Mose und die Ältesten von Israel geboten dem Volk und sprachen: Beobachtet das ganze Gebot, das ich euch heute gebiete. Und es soll geschehen an dem Tag, da ihr über den Jordan hinüber in das Land zieht, das der Herr, dein Gott, dir gibt, sollst du dir große Steine aufrichten und sie mit Kalk bestreichen.“

Übrigens noch eine kleine sprachliche Bemerkung: Hier heißt es „Und es soll geschehen an dem Tag, da ihr über den Jordan zieht.“ Das hebräische Wort „be-yom“ meint normalerweise nicht den 24-Stunden-Tag oder einen Kalendertag. Vielmehr ist „be-yom“ eine feste Redewendung, um „zu jener Zeit“ oder „in jener Epoche“ auszudrücken. Gerade in der Prophetie kommt das ständig vor: „an jenem Tag, an jenem Tag, an jenem Tag“. Zum Beispiel in Sacharja 12 bis 14 muss man sich in seiner Bibel oft am Rand eine Markierung machen, weil „an jenem Tag“ dort mehrfach vorkommt. Das bedeutet in der Regel die Epoche der Endzeit.

Auch hier, wenn es heißt „wenn du an jenem Tag in der Epoche, da ihr über den Jordan zieht“, dann ist damit eben diese Zeitspanne gemeint.

Darum mussten sie, als sie über den Jordan gingen, sich zuerst in Chittim beschneiden lassen und warten, bis sie geheilt waren. Danach zogen sie gegen Jericho vor, und das dauerte sieben Tage. Dann kam die ganze Sache mit Ai: Zuerst wurden Kundschafter ausgeschickt, doch alles ging schief. Danach kam es zur eigentlichen Eroberung von Ai und Bethel.

So wird klar, dass der Ausdruck „in dieser Epoche“ gemeint ist, nicht nur ein einzelner Tag.

Die Monumentalinschrift des Gesetzes Mose

Jetzt ist der Moment gekommen, in Josua 8 zu schauen, was dort steht.

Dort heißt es: „Du sollst dir große Steine aufrichten und sie mit Kalk bestreichen. Wenn du hinübergegangen bist, sollst du alle Worte dieses Gesetzes auf dieselben schreiben. Damit du in das Land kommst, welches der Herr, dein Gott, dir gibt, ein Land, das von Milch und Honig fließt, so wie der Herr, der Gott deiner Väter, zu dir geredet hat.“

In diesen Versen sehen wir, dass Josua auf dem Ebal eine Abschrift des Gesetzes Mose anfertigte und diese auf die mit Kalk bestrichenen großen Steine schrieb. Das war also eine monumentale Inschrift mit dem Gesetz Mose darauf.

Weiter heißt es: „Und es soll geschehen, wenn ihr über den Jordan gezogen seid, so sollt ihr diese Steine, betreffs welcher ich euch heute gebiete, auf dem Berg Ebal aufrichten. Du sollst sie mit Kalk bestreichen und dort dem Herrn, deinem Gott, einen Altar bauen – einen Altar aus Steinen. Du sollst kein Eisen über dieselben schwingen. Von ganzen Steinen sollst du den Altar des Herrn, deines Gottes, bauen. Du sollst dem Herrn, deinem Gott, Brandopfer darauf opfern und Friedensopfer darbringen. Und da sollst du essen und dich freuen vor dem Herrn, deinem Gott.“

Genau das hat Josua gemacht. All das wird in Josua 8 erläutert: Er baute diesen Altar und es wird ausdrücklich gesagt, dass sie Brandopfer und Friedensopfer darauf darbrachten.

Dies sollte verbunden sein mit Freude und der Gemeinschaft mit Gott.

Bedeutung der Opfer und der Gemeinschaft mit Gott

Das Brandopfer ist das Opfer, das ausschließlich für Gott verbrannt wurde, zu seiner Verherrlichung. Es war ein Hinweis darauf, dass der Messias, wenn er einmal kommen und für uns sterben wird, dies in erster Linie tun wird, um Gott zu verherrlichen. Wie in Epheser 5,2 heißt es: ein lieblicher Geruch dem Herrn. Das bedeutet also, dass es zur Verherrlichung Gottes geschieht.

Das Friedensopfer war ein Opfer, bei dem ein Teil des Opfers für Gott verbrannt wurde. Einen anderen Teil durfte man essen und auch mit anderen teilen. So hatten die Menschen Gemeinschaft untereinander und zugleich Gemeinschaft mit Gott. Denn wenn man sich an denselben Dingen erfreut, entsteht Gemeinschaft. Deshalb wird das Friedensopfer auch als Gemeinschaftsopfer bezeichnet, das mit Freude verbunden sein sollte.

In 1. Johannes 1 heißt es: Der alte Apostel schreibt, dass unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn ist. Er schreibt dies, damit eure Freude vollkommen sei. Die Menschen unter Josua haben all dies genau so gemacht, wie der Herr es ihnen im Voraus aufgetragen hatte.

In Vers 8 steht: „Und auf die Steine sollst du alle Worte dieses Gesetzes schreiben, indem du sie deutlich eingräbst.“ Mose und die Priester, die Leviten, redeten zu ganz Israel und sprachen: „Schweige und höre, Israel.“ Interessant ist dieser Ausdruck: Nicht nur „höre, Israel“, sondern „schweige“. Wenn man zu viel spricht, kann man das Reden Gottes nicht gut hören. Deshalb heißt es: Schweige und höre, Israel.

Die Verkündigung von Segen und Fluch

An diesem Tag bist du dem Herrn, deinem Gott, zum Volk geworden. So gehorche der Stimme des Herrn, deines Gottes, und tue seine Gebote und Satzungen, die ich dir heute gebiete.

Mose gebot dem Volk am selben Tag und sprach: Wenn ihr über den Jordan gezogen seid, sollen diese auf dem Berg Garizim stehen, um das Volk zu segnen: Simeon, Levi, Issachar, Joseph und Benjamin.

Diese sollen auf dem Berg Ebal stehen, um zu fluchen: Ruben, Gad, Aser, Zebulon, Dan und Naphtali.

Die Leviten sollen anheben und zu allen Männern von Israel mit lauter Stimme sprechen, von den Bergabhängen von Ebal und Garizim. Dort hatten sie die Bundeslade.

Wenn man also nach Sichem geht, kann man wissen, dass dort ursprünglich einmal die Bundeslade in der Talsohle stand. Das Volk war versammelt, und ein Teil der Stämme hatte den Auftrag, auf dem Abhang des Garizim zu stehen. Ein anderer Teil, der sechs Stämme vertrat, sollte auf dem Ebal stehen.

Von dort aus sollten Segen und Fluch verkündet werden. Hier wird der Fluch vorgestellt: Es sind zwölf Flüche, ab Vers fünfzehn bis zum Schluss. Zum Beispiel: Verflucht sei der Mann, der ein geschnitztes oder gegossenes Bild macht, einen Gräuel vor dem Herrn, ein Machwerk von Künstlerhand, und es im Geheimen aufstellt. Das ganze Volk antwortet und sagt Amen. Wie wir, Männer und Frauen, alle im Chor Amen sagen: So sei es!

Verflucht sei, wer seinen Vater oder seine Mutter verachtet, und das ganze Volk sagt Amen.

Man muss sich vorstellen, dass dies akustisch eine besondere Situation ist, in Sichem. Denn die Bergabhänge ermöglichen es, dass durch die Bodenbeschaffenheit die Stimme sehr deutlich zu hören ist, ohne Mikrofon. So konnte das ganze Volk hören, was von den Bergen herabgerufen wurde.

Die Bedeutung der Höhenunterschiede von Garizim und Ebal

Was auffällt, ist, dass der Ebal, der Berg des Fluches, höher ist als der Garizim, der Berg des Segens. Ebal misst 940 Meter, Garizim 881 Meter. Wir werden gleich sehen, dass das alles seine Bedeutung hat.

Denn wir haben bereits gesehen, dass der Apostel Paulus in Galater 3 aus 5. Mose 27 zitiert. Er bezieht sich dabei genau auf dieses Wort in Vers 26: "Das ist der zwölfte Fluch, der vom Ebal herab verkündigt wurde: Verflucht sei, wer nicht aufrecht hält, die Worte dieses Gesetzes, sie zu tun, und das ganze Volk sage Amen!"

Dieser Fluch wurde verkündigt, und damit war klar festgehalten: Wenn jemand einmal versagt, die Gebote zu halten, steht er automatisch unter dem Fluch.

Das erklärt, warum Mose im nächsten Kapitel in seiner Rede ausführlich den Segen Gottes und den Fluch Gottes verkündet. Wenn wir in Kapitel 28 schauen, dann sind für den Segen die Verse 1 bis 14 bestimmt. Dort werden wunderbare Segnungen beschrieben.

Die Verheißungen des Segens und die Realität des Fluchs

Und es wird geschehen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, fleißig gehorchst und darauf achtest, alle seine Gebote zu tun, die ich dir heute gebiete, dass der Herr, dein Gott, dich zur Höchsten über alle Nationen der Erde machen wird.

Israel wird die führende Nation der Welt werden. Das war verheißen, sofern sie treu sind. Alle diese Segnungen werden über dich kommen und dich erreichen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchst.

Gesegnet wirst du sein in der Stadt und gesegnet auf dem Felde. Gesegnet wird die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Landes und die Frucht deines Viehs sein, das Geworfene in deiner Rinde und die Zucht deines Kleinviehs. Gesegnet wird dein Korb und dein Backtrug sein. Gesegnet wirst du bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang sein.

Der Herr wird deine Feinde, die gegen dich aufstehen, geschlagen vor dir dahingeben. Und alle Völker der Erde werden sehen, dass du nach dem Namen des Herrn genannt bist, und sie werden sich vor dir fürchten.

Also werden alle möglichen irdischen Segnungen dem irdischen Volk Israel verheißen.

Nebenbei gesagt ist es ein großer Irrtum, diese Verheißungen auf die Gemeinde im Neuen Testament zu übertragen. Denn die Gemeinde ist nicht Israel und ersetzt auch nicht Israel, das irdische Volk. Die Gemeinde ist das himmlische Volk Gottes und hat darum himmlische Segnungen.

Viele nehmen diese alttestamentlichen Texte, die für das irdische Volk Gottes eine Verheißung darstellen, und übertragen sie direkt auf die Gemeinde. Daraus entsteht dann das Wohlstandsevangelium. Also,

Die richtige Anwendung der Verheißungen auf die Gemeinde

Aber wie soll ich dann wissen, was ich aus dem Alten Testament auf mich anwenden soll und was nicht? Der Grundsatz ist, dass man vom Neuen Testament her eine Grundlage haben muss, einen Beleg dafür, dass eine bestimmte Verheißung im Alten Testament auch für die Gemeinde gilt.

Es gibt natürlich viele Stellen im Neuen Testament, die Verheißungen an die Gemeinde sind und genau mit dem übereinstimmen, was Gott auch Israel gesagt hat. Dann darf man diese Verheißungen auf sich übertragen. Zum Beispiel haben wir kürzlich Hebräer 13 gelesen. Dort wird über Geldliebe gesprochen und dass wir uns davon fernhalten sollen. Es heißt: „Ich werde dich nicht versäumen, noch dich verlassen.“ Das war ein Zitat aus Josua 1, das an Josua gerichtet war.

Das Neue Testament sagt aber, dass diese Verheißung auch für die Gläubigen der Gemeinde gilt. Der Herr hat seine Treue zugesagt und lässt uns nicht im Stich, auch in finanziellen Dingen. Das heißt aber nicht, dass unser Konto automatisch überfließt. Und wenn es trotzdem überfließt, dann ist das möglich, ja?

Der Apostel Paulus spricht in 1. Timotheus 6 zu den Reichen Christen und gebietet ihnen, nicht hochmütig zu sein und nicht ihr Vertrauen auf den Reichtum zu setzen. Das Neue Testament gibt jedoch keine Verheißung, dass die Gläubigen der Gemeinde durch ihre Treue reich werden.

Es besteht zwar die Möglichkeit, dass sie reich sind, aber in 1. Timotheus 6, Vers 10 wird gesagt: „Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen.“ Wenn wir Geld lieben, ist das eine gefährliche Sache. Gerade in diesem Zusammenhang sagt Paulus, dass diejenigen, die reich werden wollen, sich in viele schädliche Dinge verstricken.

Das ist etwas anderes: Es gibt Leute, die sind reich, und es gibt Leute, die reich werden wollen. Das ist nicht dasselbe. Manche sind durch ihre Arbeit gesegnet worden, weil sie treu waren und darauf geachtet haben, keine krummen Geschäfte zu machen. Das stärkte das Vertrauen in ihren Handelsbeziehungen, und der Herr hat das gesegnet. Aber ihre Absicht war nicht, immer reicher zu werden.

Das ist gefährlich und absolut unerlaubt. Aber wenn der Herr segnet und man dadurch reich wird, ist das etwas anderes. Diejenigen aber, die reich werden wollen, sind ganz gefährliche Leute. Das geht überhaupt nicht.

Das Neue Testament gibt also keine Verheißung für Wohlstand bei Treue. Aber ganz klar wird die Verheißung aus Josua 1 in Hebräer 13 zitiert: Der Herr lässt uns nicht im Stich, das dürfen wir wissen. Darum müssen wir uns nicht in das Geld verlieben. Das darf nicht sein.

Die Bedeutung von Segen und Fluch im Gesetz

Und jetzt ist also klar: Diese Verheißungen sind irdische Verheißungen an Israel. In Kapitel 28, Verse 1 bis 14, und dann ab Vers 15 bis einschließlich Vers 68, sind die Flüche aufgeführt. So sieht man das Verhältnis zwischen Verheißungen und Flüchen.

Warum wird der Fluch so betont? Weil für Gott klar war, dass das Gesetz ein Spiegel ist. Natürlich hat Gott in 3. Mose 18, Vers 5 gesagt: Wer diese Dinge einhält, wird dadurch leben, fortdauernd leben, das heißt ewig leben. Aber das Gesetz wurde gerade gegeben, um als Spiegel zu dienen und zu zeigen: Das könnt ihr nicht.

Wer unter dem Gesetz steht, kommt automatisch unter den Fluch, sobald er ein Gebot bricht. Dann gibt es heute natürlich noch Leute, die sagen, die Gemeinde stehe auch unter dem Gesetz Mose. Wenn man dann fragt: Wo sind deine Quasten?, antworten sie: Das sind rituelle Gesetze, die gelten nicht, sondern nur die moralischen Gesetze.

Aha, moralische Gesetze. In Jakobus 2 erklärt Jakobus, dass wer ein Gebot der Tora bricht, aller Gebote schuldig geworden ist. Das macht klar: Das Gesetz ist ein Paket. Man kann es nicht in zwei Pakete aufteilen. Die Bibel macht keine Unterscheidung zwischen Quasten und anderen Geboten. Nein, alles ist ein Paket.

Wer in einem Gebot schuldig wird, ist des gesamten Gesetzes schuldig geworden, der gesamten Tora. Gott wusste, dass die Menschen, dass Israel unter den Fluch kommen würden. Aber das Gesetz wurde gegeben, um uns Menschen zu beweisen, dass wir einen Erlöser brauchen.

Das ist ja das Jammervolle, dass es so viele Menschen gibt, die gar nicht die Notwendigkeit für Erlösung und Vergebung erkennen. Darum ist das Gesetz so wichtig: Es dient dazu, von der Sünde zu überführen und die Notwendigkeit eines Erlösers zu zeigen.

Deshalb sagt der Apostel Paulus in Galater 3, in den weiteren Versen, dass das Gesetz unser Zuchtmeister war, hinführend auf Christus, auf den Messias. Zuchtmeister klingt ein bisschen hart übersetzt. Auf Griechisch ist es das Wort Paidagogos, ein Pädagoge, also jemand, der Kinder aufzieht.

So hatte das Gesetz eine pädagogische Bedeutung. Es sollte uns erziehen und uns klar machen, dass wir den Erlöser brauchen.

Die Erfüllung der Flüche in der Geschichte Israels

Israel hat in seiner Geschichte die Flüche aus 5. Mose 28,15-68 auf schreckliche Weise erlebt. Der Chasan in der Synagoge, also der Vorleser, liest den Text nicht einfach vor, sondern singt ihn nach den masoretischen Zeichen im Text.

Zum Beispiel sagt man in 1. Mose 1 nicht einfach „Bereschid bara Elohim et ha-Shamayim ve-ta-aretz“, sondern singt den gesamten Text. Weltweit ist es in den Synagogen vorgeschrieben, dass der Chasan im Jahresverlauf, wenn die Lesung von 5. Mose 28 ansteht, den Text nur mit gedämpfter Stimme vorträgt. Man weiß, wie schrecklich sich jedes Wort erfüllt hat.

Ich lese zum Beispiel aus Kapitel 28, Vers 64: „Und der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde.“ Und genau so hat es sich erfüllt. Das jüdische Volk wurde ab dem Jahr 70 nach der Verwerfung des Messias Jesus zerstreut – von Chile und Argentinien bis nach China, Japan, Thailand und Indonesien. Es wurde zerstreut von Alaska, Kanada und den USA bis nach Australien, Neuseeland und Tasmanien. Ebenso von Schweden und Norwegen bis nach Südafrika – wörtlich von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde.

Dann heißt es weiter: „Und du wirst daselbst anderen Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, du noch deine Väter – Holz und Stein. Und unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden. Und der Herr wird dir daselbst ein zitterndes Herz geben, erlöschende Augen und Verschmachten der Seele. Und dein Leben wird schwebend vor dir hängen, und du wirst dich fürchten, Nacht und Tag, und deinem Leben nicht trauen. Am Morgen wirst du sagen: Wäre es doch Abend! Und am Abend wirst du sagen: Wäre es doch Morgen! Wegen der Furcht deines Herzens, womit du dich fürchtest, und wegen des Anblicks deiner Augen, den du erblicken wirst.“

Man könnte meinen, Mose sei im Konzentrationslager gewesen, in Auschwitz. Aber er hat das 1566 vor Christus geschrieben. Und es hat sich alles so erfüllt. Wir können durch die ganzen Abschnitte gehen und zeigen, wie sich das in der jüdischen Geschichte erfüllt hat.

Dreimal wird in diesen Versen vom Verlust des Landes gesprochen. Das hat sich erfüllt: Der erste Fluch war, als die zehn Stämme nach Assyrien deportiert wurden und in der Zerstreuung untergingen.

Der zweite Fluch steht in 5. Mose 28,36: „Der Herr wird dich und deinen König, den du über dich setzen wirst, zu einer anderen Nation führen, die du nicht gekannt hast.“ Das hat sich erfüllt in der babylonischen Gefangenschaft. Dort hatte Israel noch Könige, und diese wurden nicht unter die Völker zerstreut, sondern zu einer anderen Nation geführt. Das war die Wegführung nach Babylon.

Die Zerstreuung der zehn Stämme ist angedeutet in Kapitel 28, Vers 25: „Du wirst umhergetrieben werden in allen Königreichen der Erde.“ Das war 722 vor Christus. Vers 36 beschreibt die Wegführung zu einer anderen Nation ab 606 vor Christus, die babylonische Gefangenschaft. Und dann haben wir gelesen in Vers 64: „Der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen.“ Das geschah ab dem Jahr 70 nach Christus.

Jedes Wort hat sich so erfüllt. Der Schrecken dieser Geschichte – ab dem Jahr 70 bis in unsere Zeit, mit der Verfolgung der Juden – ist furchtbar und unbegreiflich.

Aber warum hat Gott das gegeben? Um uns Menschen zu zeigen: Wenn wir Gott gehorchen und seinen Segen in Anspruch nehmen, ist das der Weg, den wir gehen sollen. Lehnen wir das ab, dann kommt der Fluch.

Die Realität der ewigen Verdammnis und der Ruf zur Umkehr

Und natürlich, wenn man heute den Leuten sagt, die Bibel spricht im Neuen Testament über eine ewige Verdammnis, dann sagen sie, das gibt es doch gar nicht. Und das sei mittelalterlich, als ob die Bibel im Mittelalter geschrieben worden wäre.

Ja, da sieht man schon, wie genau sich die Leute damit auseinandersetzen. Das gibt es doch gar nicht. Und wer war schon in der Hölle und ist zurückgekehrt? Ja gut, nein. Aber diese Schrecken des jüdischen Volkes, die geschehen auf dieser Erde, und das können alle überprüfen. Jedes Wort hat sich erfüllt. So eindrücklich, dass weltweit gesagt wird, in den Synagogen darf man diese Stelle nur gedämpft vortragen. Es ist so offenkundig, jedes Wort hat sich erfüllt.

Dann kann ich sagen, und habe auch volles Vertrauen, dass wenn die Bibel über eine ewige Pein spricht – ich war nie dort, konnte das nicht kontrollieren – ich dennoch Vertrauen in diese Aussage haben kann. Denn da hat sich alles innerweltlich erfüllt. Dieses Gericht über das jüdische Volk war zeitlich begrenzt, aber die Verdammnis ist ewig.

 Matthäus 25,46 sagt: „Und sie werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ Wenn jemand sagt, die ewige Pein sei nicht ewig, dann muss ich sagen: Dann wäre das ewige Leben auch nicht ewig. Und das wäre ziemlich unlogisch, ja? Im gleichen Vers stehen ewige Pein und ewiges Leben gegenüber.

Darum können wir vollständig vertrauen, was die Bibel sagt, denn das Wort Gottes hat sich so erfüllt. Aber das, was noch kommt, ist viel schrecklicher als das, was das jüdische Volk innerweltlich auf dieser Erde erlebt hat.

Dazu möchte ich noch 5. Mose 30,19 lesen: Mose sagt: „Ich nehme heute den Himmel und die Erde zu Zeugen gegen euch. Das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch. So wähle das Leben, auf dass du lebst, du und dein Same, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst; denn das ist dein Leben.“

Hier wird klar gesagt: Leben und Tod, Segen und Fluch sind vorgestellt. Aber das Schöne ist, die Bibel sagt nicht: Jetzt könnt ihr wählen, was ihr wollt. Es gibt manche, die verkündigen das Evangelium so und sagen, jeder Mensch müsse sich entscheiden und sei frei, sich so oder so zu entscheiden. Das ist falsch. So sollte man nie evangelisieren.

Man muss sagen: Das ist der Segen und der Fluch. Und Gott befiehlt, dass wir den Segen wählen müssen. Das ist ein Befehl. Paulus sagt auf dem Areopag in Athen: „Deshalb gebietet Gott heute allen Menschen an allen Orten, dass sie Buße tun.“ Das ist ein Befehl. Die Menschen müssen ihre Schuld bereuen, Gott bekennen und den Segen empfangen.

Es ist ein Befehl Gottes. Wenn man den Segen nicht annimmt, dann ist das eine Auflehnung, eine Rebellion gegen Gottes Gebot im Evangelium. Der Mensch ist nicht frei, zu wählen, was er will. Man müsste es so sagen: Der Mensch hat die Möglichkeit, frei zu wählen. Aber das ist nicht dasselbe wie „Du kannst wählen, was du willst.“

Aber das ist ja so wunderbar, so ist Gott. Das ist eben der Gott der Liebe, der sagt: Wähle das Leben, auf dass du lebst. Das ist ein Befehl. Wähle das Leben! Aber Gott sagt nie: Du kannst wählen, wenn du willst, den Tod.

Wähle das Leben, denn Gott ist dieser Gott aus 1. Timotheus 2,4. Er ist ein Heilandgott, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und so ist es ganz wichtig, dass man das Evangelium richtig verkündigt.

Die Erfüllung der Prophezeiung in der Geschichte und die Bedeutung des Altars

Ich möchte noch auf 5. Mose 28,68 hinweisen: „Und der Herr wird dich auf Schiffen nach Ägypten zurückführen, auf dem Weg, von dem ich dir gesagt habe, du sollst ihn nie mehr wiedersehen. Und ihr werdet da selbst euren Feinden zu Knechten und zu Mägden verkauft werden, aber niemand wird kaufen.“

Das hatte ich vorhin noch nicht dazugelesen, nicht wahr? Nun, das hat sich so erfüllt. Im Jahr 70 kamen in Jerusalem über eine Million Juden ums Leben in diesem brutalen Krieg der Römer gegen Israel.

Das muss man übrigens den Leuten sagen, die behaupten, das Buch Josua sei ein schreckliches Buch. Diese ganzen Völker sollen da vernichtet werden durch Josua und Israel, und das wäre heute ein Kriegsverbrechen. Wie war das mit Europa im Jahr 70? Die römische Armee war eine europäische Armee. Und was haben sie den Juden im Jahr 70 angetan?

Mehr als eine Million Menschen kamen in diesem Krieg um, und unzählige wurden rund um Jerusalem gekreuzigt. 97.000 wurden in die Kriegsgefangenschaft abgeführt und auf Schiffe verfrachtet. Solche Kriegsgefangenen wurden nach Ägypten gebracht und dort auf dem Sklavenmarkt angeboten. Aber das Angebot war damals so groß, dass die Sklavenpreise im Römischen Reich zusammenbrachen und niemand mehr kaufte. Genau wie es hier vorausgesagt ist – im Jahr 1566 v. Chr. – und sich dann im Jahr 70 n. Chr. nachweislich erfüllte.

Diese ganzen Kriegsverbrechen der Europäer muss man sich bewusst machen. Das wird alles vorausgesagt hier in 5. Mose 28, und man muss es so verstehen: Gott hat Israel, als sie gegen ihn rebellierten, fallen lassen in die schrecklichen Hände der Menschen. Und diese sind so schrecklich, dass König David sagt: „Ich will lieber in die Hand Gottes fallen als in die Hände der Menschen.“ Er wusste, wie unberechenbar Menschen sein können.

Es ist sehr wichtig, zu wissen, was Europa dem jüdischen Volk angetan hat – ab dem Jahr 70 und dann durch die ganze Geschichte bis ins zwanzigste Jahrhundert und heute erst recht. Was da geschieht, gerade von Europa, das ständig Israel in den Rücken fällt und damit eigentlich die Terrorseite unterstützt, ist schwerwiegend. Damit verschuldet sich Europa sehr schwer.

Der Altar auf dem Berg Ebal als Zeichen der Hoffnung

Nun habe ich die Verbindung zwischen Josua 8 und 5. Mose 27 etwas ausführlicher dargelegt. Dabei habe ich erklärt, warum das Übergewicht der Flüche auf dem höheren Berg Ebal liegt. Es soll zeigen, dass der Mensch, wenn er sich unter das Gesetz stellt und mit eigenen guten Werken vor Gott erscheinen will, keine Chance hat.

Genau an dieser Stelle, in 5. Mose 27, wird der Befehl gegeben, auf dem Ebal einen Altar zu bauen – nicht auf dem Garizim, dem Berg des Segens. Übrigens ist der Garizim auch heute noch sichtbar und gilt als Berg des Segens. Dort gibt es rund 25 Quellen. Der Ebal hingegen ist ein kahler Berg auf der anderen Seite und wird als Berg des Fluches bezeichnet. Er sieht ganz anders aus.

Doch genau dort musste ein Altar gebaut werden, und es musste ein Schlachtopfer dargebracht werden. Das ist ein Hinweis im Gesetz selbst: Es gibt einen Ausweg für die Menschen, die unter dem Fluch stehen. Dieser Ausweg ist das stellvertretende Opfer.

Das ist also ein wunderbarer Hinweis. Vor einigen Jahren hat Zertal, ein israelischer Archäologe, auf dem Ebal den Altar gefunden, den man hier sieht – den Altar von Josua. Zertal war ein säkularer Archäologe, der zunächst wenig mit der Bibel zu tun hatte. Diese Entdeckung jedoch brachte ihn dazu, sich für die Bibel zu interessieren. Seine ganze Sicht auf die Bibel veränderte sich dadurch.

Zertal ist inzwischen verstorben. Ich könnte kein Zeugnis ablegen, dass er wirklich zum Glauben an den Messias gekommen wäre. Aber was man auf jeden Fall weiß: Diese Entdeckung hat sein Leben und seine Haltung zur Bibel grundlegend verändert.

Dieser Altar ist eine wunderbare Botschaft. Er zeigt, dass es Hoffnung für alle gibt, die unter dem Fluch Gottes stehen. Diese Hoffnung ist das Opfer des Herrn Jesus. So hat die Tora, das Gesetz, bereits den Weg zum Erlöser, zum Herrn Jesus, aufgezeigt.

Darum sagte der Herr Jesus auch in Johannes 5 zu den führenden Juden: „Mose hat von mir geschrieben.“ Das Wort „Tora“ (Gesetz) kommt eigentlich von der Wurzel „jara“ oder „hora“. Das bedeutet „ausstrecken“ oder „den Finger zeigen“.

Darum übersetzte Martin Buber die Tora einst sehr schön mit „Weisung“. Denn die Tora weist mit ausgestrecktem Finger auf den Erlöser hin, der uns durch sein stellvertretendes Opfer vom Fluch des Gesetzes befreit.

Damit schließen wir jetzt pünktlich ab und fahren heute Nachmittag mit Josua 9 weiter.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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