
David entdeckt Sauls Lager und handelt aus Glauben
Wir fahren weiter in 1. Samuel 26. Ich lese nochmals Vers 2:
Da machte sich Saul auf und zog in die Wüste Sif hinab. Mit ihm gingen dreitausend auserlesene Männer von Israel, um David in der Wüste Sif zu suchen. Saul lagerte auf dem Hügel Hakila, der vor der Wildnis am Weg liegt. David aber wohnte in der Wüste.
Als David sah, dass Saul ihm in die Wüste nachgekommen war, sandte er Kundschaft aus. Er erfuhr mit Gewissheit, dass Saul gekommen war. Daraufhin machte sich David auf und kam an den Ort, wo Saul lagerte.
David sah den Ort, wo Saul lag, und Abner – oder heute in Israel würde man es Avner aussprechen – Avner, der Sohn Neers, sein Heeroberster. Saul lag in der Wagenburg, und das Volk lagerte um ihn herum.
David hob an und sprach zu Ahimelech, dem Hethiter, und zu Abischai, dem Sohn der Zeruja, dem Bruder Joabs: „Wer will mit mir zu Saul in das Lager hinabgehen?“ Abischai antwortete: „Ich will mit dir hinabgehen.“
David und Abischai kamen bei Nacht zu dem Volk. Sie sahen, dass Saul schlafend in der Wagenburg lag. Sein Speer war in die Erde gesteckt an seinem Kopfende. Avner und das Volk lagen rings um ihn herum.
Abischai sprach zu David: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand geliefert. Lass mich ihn doch mit dem Speer an die Erde spiessen – ein einziges Mal, und ich werde es nicht zweimal tun.“
Aber David erwiderte: „Töte ihn nicht, denn wer streckte seine Hand gegen den Gesalbten des Herrn aus und bliebe schuldlos?“
David sprach weiter: „So wahr der Herr lebt“ – das ist eine typische Schwurformel – „wenn nicht der Herr ihn schlagen wird, sei es, dass sein Tag kommt, dass er stirbt, oder dass er in den Kampf hinabzieht und weggerafft wird.“
Wir sehen hier eine Situation, die der aus 1. Samuel 24 ähnelt, als David in Engedi war. Auch dort waren es Davids eigene Leute, die ihn versuchten. Sie sagten ihm: „Schau, das ist die Gelegenheit, das hat der Herr so gewirkt, jetzt könntest du ihn umbringen.“
Doch die Gelegenheit allein ist kein Beweis dafür, dass David handeln soll. Vielmehr hatte der Herr die Gelegenheit gegeben, um Saul nochmals eine Möglichkeit zur Buße zu bieten. Es sollte ihm gezeigt werden, wie falsch sein Weg und wie falsch sein Hass gegen David ist.
Damals wirkte das auch, aber es war nur eine oberflächliche Buße, keine echte Reue.
Die Bedeutung echter Buße und Irrlehren über Bekehrung
Dazu ein Vers aus 2. Korinther 7. Aber lassen wir Samuel offen. Bevor wir den Vers lesen, noch eine kleine Anekdote zu den Versen 9 und 10.
Gerade vor kurzem hat mir ein Mann geschrieben, ein Kurde, ehemaliger Jeside, also von der Religion her. Er hat sich bekehrt und mir geschrieben, dass ein Evangelist ihm gesagt hat, man müsse gar nicht den Leuten predigen, sie müssten ihre Sünden nicht bereuen, um sich zu bekehren. Sie müssten einfach umdenken. Metanoia, das ist das griechische Wort im Neuen Testament für Buße. Metanoia bedeutet umdenken. Man muss also einfach umdenken: „Ich habe früher so gelebt, und jetzt mache ich es anders.“ Das mit der Reue komme erst viel später. So ein Unsinn!
Das ist ja gerade das Mittel, um Scheinkristen zu erzeugen, um Namenschristenheit zu schaffen. Und die Sache ist schlimmer: Das ist wirklich ein ganz bekannter Bibellehrer, der als bibeltreu gilt. Ich nenne jetzt keinen Namen, aber wenn man damit konfrontiert wird, weiß man, worum es geht. Er hat eine ganze Serie darüber gemacht, in der es um Errettung geht. Dort wird unter anderem eben erklärt, dass Reue nicht nötig sei.
Vor einiger Zeit hatte mir eine Schwester einen zehnseitigen Brief geschrieben. Sie wollte mir wirklich beibringen, wie falsch ich liege, wenn ich fordere, dass zur Bekehrung Reue über die Sünde nötig ist. Nein, es brauche nur ein Umdenken. Und dann hat sie auch wieder diesen Bibellehrer aus Amerika zitiert.
Was macht man da? Ich habe dann auf 2. Korinther 7,9-10 verwiesen. Dort sagt Paulus: „Jetzt freue ich mich nicht, dass ihr betrübt worden seid, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid, denn ihr seid gottgemäß betrübt worden, damit ihr in nichts von uns Schaden erlittet.“ Auch als Gläubige müssen wir, wenn wir den falschen Weg gegangen sind, Buße tun. Das bedeutet, man muss traurig sein über die Sünde.
Und jetzt kommt es in Vers 10: „Denn die Betrübnis gottgemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil.“ Hier sieht man, dass die Betrübnis sogar die Voraussetzung dafür ist, dass die Buße richtig ist. Das Umdenken ist also verbunden mit Reue über das Begangene, das Böse, über die begangene Sünde. Und das bewirkt eine Buße zum Heil, zur Rettung. Heil und Rettung sind gleichbedeutend.
Dann sagt Paulus weiter: „Die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod.“ Wir haben gesehen, wie Saul in En-Gedi weint. Aber das muss man sagen: Das war Betrübnis, aber keine gottgemäße Betrübnis, sondern die Betrübnis der Welt.
Wie Judas, der sich gedacht hatte, nachdem er die dreißig Silberlinge bekommen hatte: „Oh, sonst hat sich Jesus immer wieder befreit aus allen Situationen. Das hätte ja auch jetzt geschehen können, aber ich habe das Geld.“ Plötzlich sieht er, dass er verhaftet wurde, vom Sanhedrin verhört und verurteilt wird. Dann bekommt er Reue und geht zu den Priestern und sagt: „Ich habe gesündigt.“ Er hätte zum Herrn gehen sollen.
Viele Menschen in dieser Welt gehen mit ihrer Schuld zu Priestern, um zu beichten. Aber sie sollten zum Herrn gehen. Natürlich kann ein Mensch seelsorgerlich helfen und im Gebet unterstützen, aber das Wesentliche ist, zum Herrn zu gehen.
Aber das war bei Judas eine Betrübnis der Welt. Er denkt: „Was sind jetzt die Konsequenzen meines Handelns?“ Er hätte es sich anders vorgestellt. Dann begeht er Selbstmord und erhängt sich.
Die Betrübnis der Welt bewirkt den Tod. Wir werden sehen, dass in Kapitel 31 dasselbe mit Saul geschieht: die Betrübnis der Welt. Echte Buße setzt Betrübnis voraus.
Damit ist diese Irrlehre vom Tisch. Diese Lehre ist falsch, was die Bibel sagt, wie man errettet wird. Also über die Lehre des Heils ist das eine Irrlehre. Das muss man ganz klar vor Augen haben, wenn man plötzlich unversehens damit konfrontiert wird und vielleicht auch einen zehnseitigen Brief bekommt. Was soll's? Altpapier!
David anerkennt die Regierung und vertraut Gottes Zeitplan
Und jetzt gehen wir zurück zu 1. Samuel 26. Auch hier kommt David wieder in eine Situation, in der man meinen könnte, der Herr habe die Umstände so geführt, damit David endlich Rache an Saul nehmen könne. David wusste, dass er König werden würde. Die Verheißung des Wortes war eindeutig, aber die Frage war, ob das zu diesem Zeitpunkt oder erst später geschehen würde.
Ganz ähnlich wie bei Abigail hat er sich damals geirrt und den falschen Zeitpunkt gewählt. Hier aber erkannte er richtig: Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen. Er akzeptiert diese Regierung, obwohl sie völlig versagt hat.
An dieser Stelle können wir Römer 13 aufschlagen. Vers 1 lautet: "Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan, denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott; diejenigen aber, die bestehen, sind von Gott eingesetzt." Paulus schrieb dies im Jahr 54, zu einer Zeit, als Kaiser Nero regierte – ein gottloser Mann und Götzendiener. Trotzdem schreibt Paulus, dass man die bestehende Regierung anerkennen muss.
Weiter heißt es: "Wer sich der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes. Die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen, denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das Böse." Das ist der Grundsatz.
Willst du dich aber von der Obrigkeit nicht fürchten, so übe das Gute, und du wirst Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse tut.
Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen. Es gibt also zwei Gründe, warum man die Regierungsanordnung respektieren soll: um eine Strafe zu vermeiden und wegen des Gewissens. Wenn die einzige Motivation die Vermeidung von Strafe ist, dann ist das nicht sehr geistlich.
Paulus sagt daher: "sondern auch des Gewissens wegen." Unser Gewissen wird verletzt, wenn wir gegen die Regierungsanordnung handeln.
Weiter heißt es: "Denn deswegen entrichtet ihr auch Steuern, denn es sind Gottes Beamte, die hierzu unablässig tätig sind. Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer dem, der Steuer gebührt, den Zoll dem, der Zoll gebührt, die Furcht dem, der Furcht gebührt, die Ehre dem, der Ehre gebührt."
Natürlich ist hier nicht alles gesagt, wie das so oft in der Bibel ist. An einer Stelle wird nicht alles erklärt. Darum sagt Petrus in 2. Petrus 1 am Schluss: "Dieses zuerst wissend, dass keine weissagende Schrift von eigener Auslegung ist." Das heißt, kein Abschnitt erklärt sich vollständig. Man braucht andere Abschnitte. Bibelwort erklärt Bibelwort.
Auch hier wird natürlich nicht erklärt, was wir aber aus Apostelgeschichte 4 und 5 wissen. Dort sagt Petrus, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen, wenn die Regierung etwas verlangt, was dem Recht vor Gott widerspricht, was unser Gewissen verletzen würde, was dem Wort widerspricht. Dann ist das eine Ausnahme.
Aber das macht nicht die Regierung ungültig. Es zeigt, dass sie versagt hat, weil sie Dinge fordert, die nicht in Ordnung sind. Das ist aber keine Türöffnung für Anarchie. Wir können nicht sagen: Wenn die Regierung in einem Punkt so handelt, dann erkennen wir sie gar nicht mehr an und bezahlen keine Steuern mehr. Das geht nicht.
Das wird hier so gesagt, und das im Zusammenhang mit einer Regierung unter Kaiser Nero.
David hat diese Regierung anerkannt. Er nennt Saul immer wieder den Gesalbten des Herrn, weil er wusste, dass Samuel ihn gesalbt hatte – zwar mit einer Flasche. Das Königtum wird zerbrechen, aber David wird erst König, wenn die Flasche zerbrochen ist, und zwar nicht von ihm, sondern von Gott.
Darum sagt er, es kann sein, dass Saul plötzlich stirbt oder in den Krieg zieht und dort umkommt – was in Kapitel 31 auch geschieht. Dann wird David König.
Interessant ist noch hinzuzufügen, dass wir Titus 3,1 als Hausaufgabe betrachten sollten. Dort wird ebenfalls gesagt, dass man die Regierung respektieren soll – gewissermaßen um des Zeugnisses willen, also wegen unseres Zeugnisses gegenüber den Menschen. Wir sollen zeigen, dass wir nicht rebellisch sind.
Früher waren wir alle Rebellen, hatten ein rebellisches Herz. Die ungläubigen Menschen sind Rebellen und rebellieren gegen die Obrigkeit, aber wir Christen sind das nicht. Wir sind nicht staatsgefährdend. Das müssen wir klar machen.
Gegenwärtige böse Entwicklungen in der Politik, in Deutschland und anderswo, zielen darauf ab, Christen und die biblische Gerechtigkeit zu kriminalisieren. Das ist ein großes Unrecht.
Trotzdem werden wir keine Anarchisten und rebellieren nicht. Die Regierung muss keine Angst haben, dass wir sie stürzen. Unser Kernauftrag ist es, das Evangelium zu verbreiten.
Wir haben die Augen offen und sind nicht naiv, was gerade geschieht und was sich noch weiter Böses entwickelt. Dafür überlassen wir alles dem Herrn.
Darum Titus 3: Anerkennung der Obrigkeit um des Zeugnisses willen, gerade um zu zeigen, dass wir keine Rebellen sind.
Dann 1. Petrus 2: Hier geht es um Gehorsam allen menschlichen Einrichtungen der Regierung gegenüber, um des Herrn Willen. Ich gebe den Vers genau an: 1. Petrus 2,13: "Unterwerft euch nun jeder menschlichen Einrichtung um des Herrn Willen, es sei dem König als Oberherrn oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden, zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob der, die Gutes tun."
Weiter in Vers 17: "Ehrt alle, liebt die Brüderschaft, fürchtet Gott, ehrt den König." Das sagte Petrus in einer Zeit, als Kaiser Nero an der Macht war.
Man kann sagen, zur Zeit von Römer 13 war Nero vielleicht noch nicht der schreckliche Herrscher, der er einige Jahre später wurde. Aber beim ersten Petrusbrief sind wir genau in dieser bösen Zeit, im Jahr 64.
Einige argumentieren, Römer 13 sei okay, solange Nero noch nicht der Christenverfolger war. Aber im ersten Petrusbrief ist es bereits diese Zeit, und trotzdem wird dort über Gehorsam gesprochen.
In allen drei Stellen fehlt die Ausnahmeklausel. Darum müssen wir Apostelgeschichte 4 und 5 hinzunehmen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
So ist es auch bei Kindern in der Familie. Ein Kind kann zum Glauben kommen, obwohl die Eltern gottlos sind. Wenn die Eltern etwas verlangen, das gegen die Schrift ist, ist das kein Anlass, gar nichts mehr zu gehorchen. Aber wenn sie etwas verlangen, das Sünde ist, hat man das Recht und die Pflicht, sich zu weigern.
Auch im Berufsleben gibt es Situationen, in denen man Nein sagen muss, weil sonst das Gewissen verletzt wird.
Wenn man alle Stellen zusammennimmt, bekommt man ein Gesamtbild.
Hier das Beispiel von David: Er weiß, der Herr hat einen Zeitplan und wird es richten. Er ist zuversichtlich.
In Kapitel 26 sehen wir David als Mann des Glaubens, mit einem Glauben, der ihn mutig macht. Dass er sich wagt, zusammen mit Abischai in die Wagenburg einzudringen, ist unglaublich. Aber das war wirklich der Glaube, der ihn mutig machte. Nicht unüberlegt oder unvorsichtig, sondern der Glaube gab ihm diesen Mut.
Die Gelegenheit war nicht der Beweis, dass er Saul töten sollte. Die Gelegenheit war etwas anderes.
In Vers 11 heißt es: "Der Herr lasse es fern von mir sein, dass ich meine Hand gegen den Gesalbten des Herrn ausstrecke."
Wir haben gesehen, dass David in Kapitel 25 durch reine Gnade bewahrt wurde. Jetzt wird er vor einer falschen Tat bewahrt durch Treue gegenüber dem Herrn.
Genauso wie in 1. Samuel 24 in En-Gedi wurde er bewahrt, Saul zu töten, weil er dem Herrn treu war.
Auch seine eigenen Leute, alles Gläubige, sahen das anders. Sie sahen es als Gelegenheit. David aber sah es anders. Kann ich mich denn nicht anderen auch beugen? Nein, das ist nicht der Wille des Herrn, und darum hat er nicht auf sie gehört.
Auch hier hat der Rat nicht darauf gehört und sich geweigert. Das kam aus seinem lebendigen Glauben heraus.
In Vers 11b heißt es: "Und nun nimm doch den Speer, der an seinem Kopfende ist, und den Wasserkrug, und lass uns gehen."
Jetzt schneidet er ihm nicht ein Stück vom Kleid ab, sondern nimmt andere Beweisstücke: Speer und Wasserkrug.
Der Speer hat eine besondere Bedeutung. Wenn man zurückdenkt, wie oft David den Speer im Palast Sauls erlebt hat, der hinter ihm in die Wand stieß, und er gerade noch ausweichen konnte.
Dieses Stück sagt er zu Abischai: Nimm ihn, nimm den Speer mit, die Mordwaffe gegen David.
Und der Wasserkrug – das war die Erfrischung, die Saul in der Wüste bekommen sollte. Also ziemlich wichtig.
Er nimmt ihm den Wasserkrug, und sagt: Lass uns gehen.
In Vers 12 heißt es: "Und David nahm den Speer und den Wasserkrug vom Kopfende Sauls weg."
Wer hat das gemacht – Abischai oder David? David sagt doch zu Abischai, nimm den Krug, nimm den Speer, aber jetzt heißt es, David nahm sie selbst. Offenbar ging es zu langsam.
Das erinnert mich an eine Geschichte aus Richter 1,12-14: Othniel eroberte Kirjath-Sefer und bekam seine Tochter Aksa zur Frau. Als sie einzog, trieb sie ihn an, das Feld ihres Vaters zu fordern.
Sie sprang vom Esel herab – so wie Abigail auch vom Esel sprang, was etwas über ihren Charakter aussagt. Jemand muss vom Pferd oder Esel heruntersteigen, und man erkennt etwas über die Person.
Kaleb fragte sie: Was hast du? Sie antwortete: Gib mir einen Segen, denn ein Mittagsland hast du mir gegeben, also ein heißes Land, den Negev. So gib mir auch Wasserquellen.
Kaleb gab ihr die oberen und unteren Quellen.
Diese Frau motivierte ihren Mann zum Guten und trieb ihn an, das Feld ihres Vaters zu fordern. Aber es ging ihr zu langsam, darum machte sie es selbst.
Auch hier sagt David zu Abischai: Nimm, es geht zu langsam. David nimmt es selbst.
Das war gut so, dass er die Beweiszeichen nahm.
David nahm den Speer und den Wasserkrug vom Kopfende Sauls weg. Er hatte auch das Stück vom Kleid Sauls in En-Gedi selbst abgeschnitten, nicht seine Freunde.
Hier nimmt er den Speer und den Wasserkrug und sie gehen davon.
Man muss sich vorstellen, Saul schlief dort. Im anderen Fall war er auf der Toilette, jetzt schlief er.
Niemand sah es, niemand merkte es, niemand erwachte, denn ein tiefer Schlaf von dem Herrn war auf sie gefallen.
Das zeigt: Gott kann Schlaf schenken. Wenn wir keinen haben, sollen wir beten: Herr, gib mir den Schlaf.
David ging hinüber zur anderen Seite und stellte sich auf den Gipfel des Berges von fern.
Der Raum zwischen ihnen war groß.
David rief dem Volk und Avner, dem Sohn Neas, zu: "Antwortest du nicht, Avner?"
Avner antwortete: "Wer bist du, der dem König zurufst?"
David sprach zu Avner: "Bist du nicht ein Mann? Wer ist wie du in Israel? Warum hast du nicht über deinen Herrn, den König, gewacht? Denn einer vom Volk ist gekommen, um den König, deinen Herrn, zu töten. Nicht gut ist diese Sache, die du getan hast. So wahr der Herr lebt, ihr seid Kinder des Todes, weil ihr nicht über euren Herrn, den Gesalbten des Herrn, gewacht habt. Nun sieh nach, wo der Speer des Königs ist und der Wasserkrug, die an seinem Kopfende waren."
Das war eine große Blamage, eine Peinlichkeit für Avner.
David rief ganz klar Avner, den General der Armee, den Mann mit der größten Verantwortung als Leibwache des Königs. Und er hatte total versagt. Seine ganze Generalkarriere war in Frage gestellt.
David konnte auf die Beweisstücke Speer und Wasserkrug hinweisen.
Dann kam Saul hinein.
Vers 17: "Saul erkannte die Stimme Davids und sprach: Ist das deine Stimme, mein Sohn David?"
Man merkt das Deja-vu. So war es schon einmal in En-Gedi. Dort tat Saul noch Buße, jetzt macht er wieder dasselbe. Gott gibt Saul nochmals eine Chance – Gottes Gnade wollte ihn zur Buße führen.
Römer 2,4 sagt: "Weißt du nicht, dass es die Güte Gottes ist, die dich zur Buße leitet?"
Gott schuf solche Gelegenheiten, um Saul zur Buße zu führen. Doch nach seiner Sturheit und seinem unbußfertigen Herzen häufte er sich selbst Zorn auf.
Saul sagt: "Ist das deine Stimme, mein Sohn David?" Dabei hatte er ihm die Schwiegertochter weggenommen und sie einem anderen gegeben.
David antwortete: "Es ist meine Stimme, mein Herr König."
Interessant ist, dass er Saul nicht einfach "Saul" nennt, sondern "mein Herr König". Das entspricht dem Grundsatz aus Römer 13: "Gebt die Ehre dem, dem die Ehre gebührt."
Von Amts wegen hat jemand Würde, und diese müssen wir anerkennen.
Heute stellen manche Christen das infrage und reden verwerflich über Leute, die zum Teil tatsächlich verwerflich handeln. Aber von ihrer Position her haben wir kein Recht, sie zu lästern.
Das zeigt auch der Judasbrief: Endzeitlich ist es normal, dass Menschen in Würdestellungen gelästert werden.
Judas schreibt, dass der Engel Michael, als er eine Auseinandersetzung mit dem Teufel hatte, ihn nicht lästerte, sondern ihm widerstand, aber die Sache dem Herrn übergab.
Davon lernen wir.
David nennt Saul weiterhin "mein Herr König". Das ist in der Schweiz etwas schwieriger, weil wir nicht so titelsüchtig sind. In Österreich ist das anders, da wird man oft mit Titeln angesprochen.
David macht das hier mit Saul.
In Vers 18 spricht er weiter: "Warum verfolgst du deinen Knecht? Was habe ich getan, und was Böses ist in meiner Hand? Höre doch, mein Herr der König, auf die Worte deines Knechtes."
David weiß, dass er von Gott zum König erwählt ist, aber noch nicht jetzt. Er ist immer noch untertan und nennt sich selbst "Knecht".
Er sagt weiter: "Wenn der Herr dich gegen mich aufgereizt hat, so möge er ein Speisopfer riechen. Wenn es aber Menschenkinder sind, so seien sie verflucht von dem Herrn, weil sie mich heute vertrieben haben, dass ich mich dem Erbteil des Herrn nicht anschließen darf, indem sie sprechen: Geh hin, diene anderen Göttern."
David bittet, dass sein Blut nicht fern vom Angesicht des Herrn zur Erde fallen möge.
"Der König von Israel ist ausgezogen, einen Floh zu suchen, wie man einem Rebhuhn nachjagt auf den Bergen."
Das ist sehr eindrücklich.
Es könnte sein, dass der Herr einen Plan hat und einen Widersacher aufgereizt hat, um David zu züchtigen.
David überlegt, ob die Verfolgung mit persönlicher Sünde zusammenhängt.
Wenn nicht, dann sind es böse Menschen, die Saul aufgestachelt haben, und die stehen unter einem Fluch des Herrn, weil sie David ständig bedrängt haben.
Die Konsequenz wäre gewesen, dass David ins Ausland zu den heidnischen Völkern geht, wo man falsche Götter verehrt.
Das war schlimm, weil man ihn aus dem Erbteil des Herrn vertreiben wollte.
Das heißt gewissermaßen: "Geh hin, diene anderen Göttern."
In Vers 20 sagt David: "Es möge doch nicht so sein, dass ich auf fremder Erde sterben muss, weil ich von Saul verfolgt werde."
Er zeigt wieder seine Demut, indem er sich als Floh bezeichnet – im Hebräischen sogar betont, einen Floh.
Er sieht sich wie ein einzelnes Rebhuhn, das man auf den Bergen jagt. Rebhühner fliehen wild und unkontrolliert.
David fühlt sich so, wie er von Ort zu Ort gejagt wird.
Was bringt ein Rebhuhn? Ein bisschen Fleisch, aber sonst nichts.
Einem Floh nachzugehen, nicht einer Horde Flöhe, sondern einem einzelnen.
In En-Gedi hatte David gesagt, Saul gehe ihm nach wie einem Floh.
Er nennt sich auch einen toten Hund – sehr demütig.
Wenn andere so über ihn sprechen, verletzt ihn das tief. Wenn man von sich selbst so erniedrigend spricht, geht das, aber wenn andere es sagen, tut es weh.
Das hat David herausgefordert, aber er hatte gelernt und handelt in Kapitel 26 nicht mehr so wie in Kapitel 25, wo er zu seinem eigenen Schaden hätte handeln wollen.
Ich lese weiter in Vers 21: "Saul sprach: Ich habe gesündigt."
Das ist Sauls dritte Buße.
Schon bei Samuel in 1. Samuel 15 hatte er gesagt: "Ich habe gesündigt, so ehre mich nun vor den Ältesten."
Jeder weiß, das ist keine echte Buße.
Im nächsten Atemzug will er Ehre, obwohl er sich demütigen sollte.
Hier sagt er: "Ich habe gesündigt, kehre zurück, mein Sohn David."
Das muss jedes Mal ein Stich gewesen sein, wenn er sagt "mein Sohn", denn David war nicht mehr sein Schwiegersohn.
Saul fährt fort: "Ich will dir nichts Böses mehr tun, weil mein Leben an diesem Tag teuer gewesen ist in deinen Augen. Siehe, ich habe töricht gehandelt und sehr gefehlt."
Das ist schön, aber ich habe in meiner Bibel 2. Korinther 7,10 hingeschrieben: "Die Betrübnis der Welt bewirkt den Tod, die Betrübnis Gottes bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil."
In Vers 22 antwortete David: "Seht hier den Speer des Königs. So komme einer von den Knaben herüber und hole ihn.
Der Herr wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten, denn der Herr hat dich heute in meine Hand gegeben, und ich wollte meine Hand nicht gegen den Gesalbten des Herrn ausstrecken.
Siehe, wie deine Seele an diesem Tag hochgeachtet gewesen ist in meinen Augen."
Übrigens bedeutet das Wort "Nefesch" (Seele) Verschiedenes, je nach Zusammenhang.
Nefesch kann die Seele im Sinne des Ichs, der Persönlichkeit bedeuten – nicht materiell, nicht Teil des Körpers.
Psalm 104 sagt: "Lobe den Herrn, meine Seele." Das heißt, ich soll den Herrn loben.
In 3. Mose 17 heißt es, das Leben, die Seele ist im Blut. Bedeutet das, dass unsere Persönlichkeit im Blut fließt? Nein, Nefesch heißt einfach Leben.
Das Blut ist der Inbegriff des Lebens. Wenn das Blut ausgeflossen ist, ist man tot.
Darum sind Brot und Wein im Abendmahl getrennt – als Symbol des Todes.
Nefesch kann also Leben bedeuten, aber auch Person.
In Hesekiel 18 wird erklärt, dass Menschen nicht für die Sünden der Väter leiden müssen, wenn sie den Weg mit dem Herrn gehen wollen.
Dort heißt es: "Die Seele, welche sündigt, soll sterben."
Die Zeugen Jehovas sagen, das sei der Beweis, dass die Seele nach dem Tod stirbt und es kein Leben beim Herrn gibt.
Doch der Herr sagte: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lukas 23).
Dort bedeutet Seele Person – die Person, die sündigt, muss sterben.
Darum heißt es in Apostelgeschichte 2, am Pfingsttag kamen dreitausend Seelen zum Glauben und wurden getauft. Das heißt nicht dreitausend Persönlichkeiten, sondern dreitausend Personen.
Hier bedeutet Nefesch also Seele im Sinne von Leben.
David sagt: "Siehe, wie deine Seele an diesem Tag hochgeachtet gewesen ist in meinen Augen."
So möge meine Seele hochgeachtet sein in den Augen des Herrn.
Es geht ums Leben.
Er hat Saul nicht getötet, hat ihm nicht das Leben genommen.
David bittet, dass seine Seele hochgeachtet wird in den Augen des Herrn und dass er ihn aus aller Bedrängnis rettet.
David war immer noch nicht draußen – eine Not, eine Bedrängnis nach der anderen.
Er hat viel gebetet, und wir haben viele Psalmen, in denen David betet: "Herr, rette mich."
In manchen Psalmen dankte er bereits prophetisch für die Rettung, obwohl sie noch nicht eingetreten war.
Hier ist wirklich der Wunsch: Möge er mich retten aus aller Bedrängnis.
Das wird eines Tages kommen. Dann schreibt David Psalm 18, den Titel "An dem Tag, als der Herr ihn aus der Hand Sauls und aller seiner Bedränger rettete."
Aber er musste lange warten und lernte, sein Vertrauen zu vertiefen und sich auf den Herrn zu verlassen, auch wenn es so aussah, als würden die Verheißungen nicht in Erfüllung gehen.
Gott hat nicht gesagt, die Verheißung werde sich erfüllen, wenn wir das Datum setzen. Er setzt das Datum. Aber was er verheißt, hält er auch ein.
Nun die Reaktion Sauls:
Er sprach zu David: "Gesegnet seist du, mein Sohn David. Du wirst es sicher ausrichten und sicher siegen."
Er kennt die Prophetie und weiß, dass sie stimmt.
Er hat bewusst gegen den Willen Gottes gehandelt, indem er David verfolgte.
David ging seines Weges, Saul kehrte zurück an seinen Ort.
Man sieht David hier wirklich auf einer Glaubenshöhe, wie er sieht, dass sein Leben in der Hand des Herrn ist und von ihm geführt wird.
Jetzt ist die Zeit vorüber.
Ich möchte einen Ausblick geben auf heute Nachmittag um 16 Uhr.
Wir gehen weiter mit 1. Samuel 27,1:
"Und David sprach in seinem Herzen: Nun werde ich eines Tages durch die Hand Sauls umkommen. Mir ist nichts besser, als dass ich schnell in das Land der Philister entkomme. Saul wird von mir ablassen, mich weiterhin im ganzen Gebiet Israels zu suchen, und ich werde aus seiner Hand entkommen."
Aus der Höhe des Glaubens kommt David plötzlich zu Boden und sagt: "Ja, wahrscheinlich wird es Saul irgendwann gelingen, mich umzubringen."
Wie kommt das?
So sind wir. Die Bibel beschreibt echte Menschen.
David war ein Glaubensheld, aber auch er war manchmal am Boden.
Gerade vorher hatte er noch gesagt: "Möge meine Seele hochgeachtet sein in den Augen des Herrn, und er möge mich erretten aus aller Bedrängnis."
Saul bestätigt: "Jawohl, die Prophetie wird sich erfüllen, du wirst siegen."
Und jetzt plötzlich denkt David: "Ich komme um."
Plötzlich ist die Gewissheit weg, die er hatte, und Unglaube kommt in sein Herz.
Das stellt seinen wahren Glauben nicht in Frage; er ist nicht plötzlich kein echter Gläubiger mehr.
Echte Gläubige können so denken, völlig enttäuscht sein.
Er hatte doch gerade gesagt: "Möge mein Blut nicht irgendwo im Ausland fließen."
Jetzt geht er ins Ausland, ins Land der Philister.
Er hat gesagt: "Verflucht sind die, die mich vertrieben haben, dass ich mich dem Erbteil des Herrn nicht anschließen darf."
Sie sprechen: "Geh hin, diene anderen Göttern."
Jetzt geht David aus eigener Entscheidung ins Ausland.
Er denkt: "Ich komme um, wenn ich in Israel bleibe, selbst in der Wüste."
Also geht er zu den Feinden, den Todfeinden, und sucht Zuflucht in der Welt.
Davon wird heute Nachmittag die Rede sein.
Sauls Reaktion und Davids Demut
Dann kommt Saul mit hinein.
Vers 17: Und Saul erkannte die Stimme Davids und sprach: „Ist das deine Stimme, mein Sohn David?“ Merken wir alles ein Déjà-vu? So war es also schon einmal in En-Gedi, und dort hat David noch Buße getan. Jetzt macht er wieder ganz das Gleiche. Gott gibt nochmals eine solche Chance, aber das war Gottes Gnade gegenüber Saul. Er wollte ihn zur Buße leiten.
Römer 2,4 sagt: „Weißt du nicht, dass es die Güte Gottes ist, die dich zur Buße leitet?“ Gott hat solche Gelegenheiten geschaffen, um Saul zur Buße zu führen. Aber nach seiner Sturheit und seinem unbußfertigen Herzen hat er sich selbst Zorn aufgehäuft, wie es in Römer 2,4 steht.
„Ist das deine Stimme, mein Sohn David?“ Wieder sagt er „mein Sohn David“, dabei hat er ihm ja die Schwiegertochter weggenommen und einem anderen gegeben. Er hat seine Tochter dem Schwiegersohn weggenommen.
David sprach: „Es ist meine Stimme, mein Herr König.“ Interessant, er sagt ihm nicht einfach „Saul“, sondern genau nach dem Grundsatz von Römer 13: Gebt die Ehre dem, dem Ehre gebührt. Von Amtes wegen hat jemand eine Würde, und die müssen wir anerkennen.
Das wird auch heute von manchen Christen in Frage gestellt. Sie reden auf eine verwerfliche Art über Leute, die zum Teil tatsächlich verwerflich handeln. Aber von ihrer Position her, die sie haben, haben wir kein Recht, sie zu lästern.
Das wird auch sehr eindrücklich im Judasbrief gezeigt. Dort wird dargestellt, dass es endzeitlich etwas ganz Normales ist, dass Menschen in Würdestellungen gelästert werden.
Judas schreibt, dass der Engel Michael, als er eine Auseinandersetzung mit dem Teufel hatte – der in der Engelwelt ein Fürst ist, über einen Drittel der Engel, die abgefallen sind – ihn nicht gelästert hat. Er hat ihm aber klar widerstanden in der Argumentation und die Sache dem Herrn übergeben.
Da lernen wir davon. Auch David in dieser Situation sagt immer noch „Mein Herr König“. Er gibt ihm also den Titel.
Das ist natürlich bei uns in der Schweiz etwas schwieriger, weil wir nicht so titelsüchtig sind. Es ist nicht üblich, dass man Leute mit ihren Titeln anspricht. In Österreich ist das ganz anders. Dort wird man beispielsweise als Doktor angesprochen.
David macht das hier mit Saul: „Es ist meine Stimme, mein Herr König.“
Vers 18: Und er sprach: „Warum verfolgst, verfolgt mein Herr seinen Knecht? Denn was habe ich getan, und was für Böses ist in meiner Hand? Und nun höre doch, mein Herr der König!“ Nochmals der Titel „mein Herr der König“.
Auf die Worte seines Knechtes weiß Saul, dass David der von Gott ersehnte König ist, aber noch nicht jetzt. David ist immer noch Untertan und nennt sich selbst Knecht.
„Wenn der Herr dich gegen mich aufgereizt hat, so möge er ein Speisopfer riechen. Wenn es aber Menschenkinder sind, so seien sie verflucht vom Herrn, weil sie mich heute vertrieben haben, dass ich mich dem Erbteil des Herrn nicht anschließen darf, indem sie sprechen: ‚Geh hin, diene anderen Göttern!‘ So möge nun mein Blut nicht zur Erde fallen, fern vom Angesicht des Herrn.“
Denn der König von Israel ist ausgezogen, einen Floh zu suchen, wie man einem Rebhuhn nachjagt auf den Bergen.
Auch das ist sehr eindrücklich. Es könnte ja sein, dass der Herr einen Plan hat und darum so einen Widersacher aufgereizt hat, um David zu züchtigen. David musste sich überlegen, warum er das alles erleidet. Hängt das vielleicht mit persönlicher Sünde zusammen?
Er sagt, dann braucht es diese Verfolgung nicht mehr. Aber wenn es Menschen sind, böse Menschen, die Saul aufgestachelt haben, hinter David herzugehen, dann stehen diese unter einem Fluch des Herrn.
Denn sie haben David ständig gedrückt, gedrückt, gedrückt. Die Konsequenz wäre gewesen, dass er ins Ausland zu den heidnischen Völkern geht, wo man falsche Götter verehrt.
Das war schlimm, weil man ihn aus dem Erbteil des Herrn vertreiben wollte, sodass er sich dem Erbteil des Herrn nicht anschließen darf. Das heißt gewissermaßen: „Geh hin, diene anderen Göttern!“
In Vers 20 sagt David: „Es möge doch nicht so sein, dass ich auf fremder Erde sterben muss, weil ich verfolgt werde von Saul.“
Und dann zeigt er wieder seine Demut: Er bezeichnet sich als einen Floh, im Hebräischen sogar betont, „einen Floh“. Ein Floh ist ein kleines Tierchen. Das Wort „echad“ bedeutet „einen“.
Er sagt, dass Saul ihm nachjagt wie einem Rebhuhn auf den Bergen. Ein einzelnes Rebhuhn. Die fliehen auf eine sehr eigenartige Art, sie springen wild hin und her, unkontrolliert. So sieht sich David, wie er von hier nach dort gejagt wird.
Und was bringt ein Rebhuhn? Ein bisschen Fleisch, aber sonst nichts. Einen Floh nachzugehen, nicht einen Haufen Flöhe, sondern einen einzelnen Floh.
In En-Gedi hat David gesagt: „Du gehst mir nach wie einem Floh.“
Dann sagt er sogar: „Ein toter Hund.“ Sehr demütig.
Aber wie war es, wenn ein anderer sagt: „Wer ist dieser Benjeschai, dieser Sohn Isaies? Wer ist David?“ Das hat ihn zutiefst verletzt.
Und wir kennen das: In Demut kann man sagen, ja, so ist es. Aber wenn andere uns runtermachen, dann tut das weh. Es ist einfach anders.
Das ist so: Wenn man von sich selbst so erniedrigend spricht, geht das. Aber wenn es andere sagen, dann tut es weh.
Das hat David dann herausgefordert. Er sagt: „So, jetzt reiche ich mich.“
Aber er hatte etwas gelernt und handelt in Kapitel 26 nicht mehr so, wie er in Kapitel 25 hätte handeln wollen, zu seinem eigenen Schaden.
Sauls dritte Buße und Davids Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit
Ich lese weiter in Vers 21: Und Saul sprach: „Ich habe gesündigt.“ Oh, das ist Sauls dritte Buße. Er war schon bei Samuel, hat er gesagt, in 1. Samuel 15: „Ich habe gesündigt, so ehre mich nun vor den Ältesten.“ Und jeder weiß, dass das keine echte Buße ist. Im nächsten Atemzug, gewissermaßen, will er Ehre, obwohl er sich demütigt vor Gott. Buße heißt, sich vor Gott zu demütigen.
„Ich habe gesündigt, kehre zurück, mein Sohn David.“ Das muss jedes Mal ein Stich gewesen sein, wenn er „mein Sohn“ sagt. David war ja nicht mehr sein Schwiegersohn. Denn Saul fährt fort: „Ich will dir nichts Böses mehr tun, weil mein Leben an diesem Tag teuer gewesen ist in deinen Augen. Siehe, ich habe töricht gehandelt und sehr gefehlt.“ Schön, aber ich habe in meiner Bibel wieder 2. Korinther 7,10 hingeschrieben: „Die Betrübnis der Welt bewirkt den Tod, die Betrübnis Gottgemäß eine nie zu bereuende Buße zum Heil.“
Vers 22: Und David antwortete und sprach: „Seht hier, der Speer des Königs! So komme einer von den Knaben herüber und hole ihn. Und der Herr wird jedem seine Gerechtigkeit und seine Treue vergelten. Denn der Herr hat dich heute in meine Hand gegeben, und ich wollte meine Hand nicht ausstrecken gegen den Gesalbten des Herrn. Und siehe, wie deine Seele an diesem Tag hochgeachtet gewesen ist in meinen Augen.“
Übrigens, das Wort „Nefesh“ (Seele) bedeutet Verschiedenes, je nach Zusammenhang. Nefesh kann bedeuten: Seele im Sinn des Ich, der Persönlichkeit, nicht materiell, nicht Teil des Körpers. Psalm 104 sagt: „Lobe den Herrn, meine Seele.“ Das heißt, ich soll den Herrn loben.
Aber in 3. Mose 17 heißt es, das Leben, die Seele, ist im Blut. Bedeutet das, dass unsere Persönlichkeit im Blut fließt? Nein. Nefesh heißt eben einfach Leben. Das Blut ist der Inbegriff des Lebens. Wenn man das Blut ausfließen lässt, dann ist man tot. Darum ist im Abendmahl Brot und Wein getrennt, und so ist das ein Symbol des Todes.
Also kann Nefesh auch Leben bedeuten. Und dann kann Nefesh auch einfach Person bedeuten. In Hesekiel 18 wird erklärt, dass die Menschen nicht für die Sünden der Väter leiden müssen, wenn sie den Weg mit dem Herrn gehen wollen. Das überträgt sich nicht so. Dort wird gesagt: „Die Seele, welche sündigt, soll sterben.“ Da sagen die Zeugen Jehovas: „Seht ihr, da ist der Beweis, die Seele stirbt nach dem Tod. Es gibt kein Leben beim Herrn.“
Obwohl der Herr gesagt hat: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23). Nein, da bedeutet Seele Person, also die Person, die sündigt, die muss sterben. Darum heißt es in Apostelgeschichte 2: „Am Pfingsttag kamen dreitausend Seelen zum Glauben und wurden getauft.“ Das heißt nicht dreitausend Persönlichkeiten, sondern dort hat es den Sinn „dreitausend Personen“. Nefesh bedeutet hier Person.
Und hier: „Und siehe, wie deine Seele an diesem Tag hochgeachtet gewesen ist in meinen Augen.“ So möge meine Seele hochgeachtet sein in den Augen des Herrn. Es geht ums Leben. Er hat ihn nicht getötet, dieser Person nicht das Leben genommen, also Nefesh im Sinne von Seele.
Nefesh im Sinne von Leben, hochgeachtet in den Augen des Herrn. „Meine Seele hochgeachtet in den Augen des Herrn, und er möge mich retten aus aller Bedrängnis.“ Er war immer noch nicht draußen. Eine Not, eine Bedrängnis nach der anderen. Und er hat so viel gebetet, und wir haben so viele Psalmen, in denen David betet: „Herr, rette mich, rette mich.“
In manchen Psalmen dankte er bereits für die Rettung, das war aber prophetisch. Es war immer noch nicht so. Hier ist wirklich der Wunsch: „Möge er mich retten aus aller Bedrängnis.“ Das wird er aber eines Tages tun. Dann schreibt er Psalm 18 mit dem Titel: „An dem Tag, als der Herr ihn aus der Hand Sauls und aus allen seinen Bedrängern gerettet hat.“ Aber da musste er lange warten.
Und eben, er lernte so, das Vertrauen zu vertiefen und sich auf den Herrn zu verlassen, auch wenn es ganz so aussah, als würden die Verheißungen nicht in Erfüllung gehen. Aber Gott hat nicht gesagt: „Die Verheißung wird sich dann erfüllen, wenn wir das Datum setzen.“ Er setzt das Datum. Aber was er verheißen hat, das hält er auch ein.
Und nun die Reaktion: Und Saul sprach zu David: „Gesegnet seist du, mein Sohn David. Du wirst es sicher ausrichten und wirst sicher siegen.“ Er kennt die Prophetie, er weiß, dass es stimmt. Er hat wirklich bewusst gegen den Willen Gottes gehandelt, indem er David verfolgte.
Und David ging seines Weges, Saul aber kehrte zurück an seinen Ort. Man sieht hier David wirklich auf einer Glaubenshöhe, wie er wirklich sieht, wie sein Leben in der Hand des Herrn ist und von ihm geführt wird.
Ausblick: Davids Entscheidung in Kapitel 27
Und jetzt ist die Zeit vorüber, aber ich möchte gerne einen Ausblick geben für heute Nachmittag um sechzehn Uhr. Wir setzen nämlich die Betrachtung bei 1. Samuel 27,1 fort. Dort heißt es:
„Und David sprach in seinem Herzen: Nun werde ich eines Tages durch die Hand Sauls umkommen. Mir ist nichts Besseres, als dass ich schnell in das Land der Philister entkomme. Und Saul wird von mir ablassen, mich weiterhin im ganzen Gebiet Israels zu suchen, und ich werde aus seiner Hand entkommen.“
Es ist möglich, dass jemand aus der Höhe des Glaubens plötzlich am Boden ist und sagt: Ja, wahrscheinlich wird es Saul irgendwann gelingen, und er wird mich umbringen. Wie kommt das? So sind wir Menschen. Die Bibel beschreibt echte Menschen.
David war ein Glaubensheld, aber wir sehen auch, dass dieser Glaubensheld plötzlich am Boden ist. Gerade vorher hatte er noch gesagt: „So möge meine Seele oder mein Leben hochgeachtet sein in den Augen des Herrn, und er möge mich erretten aus aller Bedrängnis.“ Und Saul bestätigt: „Jawohl, die Prophetie wird sich erfüllen, du wirst siegen.“
Und jetzt plötzlich komme ich um. Plötzlich ist irgendwie alles verflogen, alle Gewissheit, die er hatte. Es kommt ein Unglaube in sein Herz hinein. Aber das hat seinen wahren Glauben nicht in Frage gestellt. David war nicht plötzlich kein echter Gläubiger mehr.
Echte Gläubige können so plötzlich denken: Was soll's? Völlig enttäuscht. Er hat doch gerade vorhin gesagt: „Möge mein Blut nicht irgendwo im Ausland fließen.“ Und jetzt geht er ins Ausland, ins Land der Philister.
Er hat gesagt, verflucht sind die, die mich vertrieben haben (Vers 19), weil er sich dem Erbteil des Herrn nicht anschließen darf. Sie sprechen: „Geh hin, diene anderen Göttern.“ Und jetzt geht er aus eigener Entscheidung.
Also denkt er: Eben mal, ich komme um, wenn ich in Israel bleibe – selbst in der Wüste. Also gehe ich zu den Feinden, den Todfeinden, und suche Zuflucht in der Welt.
Davon wird heute Nachmittag die Rede sein.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Noch mehr Inhalte von Roger Liebi gibt es auf seiner Webseite unter rogerliebi.ch