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Einführung zum Brief und zum Apostel Paulus

Römer 1,112.04.2025
SerieTeil 1 / 4Der Römerbrief
Der Römerbrief ist eine umfassende Darstellung der Bedeutung, die der Kreuzestod des Herrn Jesus für die Menschen aus allen Völkern der Welt hat. Wer ist der Verfasser Paulus?

Begrüßung und Hinführung zum neuen Thema

Ich begrüsse alle herzlich zu diesem Nachmittagsprogramm. Besonders begrüsse ich diejenigen, die heute Morgen nicht da waren, aber jetzt neu mit uns sind.
Diejenigen, die über den Livestream zuschauen, können auch später unten unterhalb des Bildes einen Link anklicken. Dann kann man das Skript mit den vier Seiten, das wir heute benutzen, herunterladen und ausdrucken. Das hilft wirklich, besser zu verstehen und besser mitzugehen.
Wir beginnen heute ein neues Thema: den Römerbrief. Dazu lese ich das Wichtigste aus Gottes Wort, Römer 1,1-7:
Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, abgesondert zum Evangelium Gottes, das er durch seine Propheten in heiligen Schriften zuvor verheißen hat über seinen Sohn, der aus dem Geschlecht Davids gekommen ist dem Fleisch nach und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft dem Geist der Heiligkeit nach durch Totenauferstehung Jesu Christi, unseres Herrn, durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen für seinen Namen, unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi, allen Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen, die in Rom sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Einmal bis dahin.
Ich habe versucht, den Römerbrief in ein paar Sätzen zusammenzufassen und zu beschreiben. Auf dem Skript lese ich ab:
Der Römerbrief ist eine umfassende Darstellung der Bedeutung, die der Kreuzestod des Herrn Jesus für die Menschen aus allen Völkern der Welt hat. Der Brief ist klar erkennbar in drei Hauptteile gegliedert.
In Teil 1, das sind die Kapitel 1 bis 8, wird zuerst der Beweis geführt, dass alle Menschen, sowohl Nichtjuden als auch Juden, ohne Ausnahme vor Gott schuldig sind. Im Anschluss daran wird die Befreiung von der Sündenlast und von der Macht der Sünde im Menschen eindrücklich vor Augen gemalt.
Obwohl Nichtjuden und Juden ohne Unterschied als Sünder vor Gott stehen, hat Israel als irdisches Volk Gottes dennoch eine Sonderstellung auf dieser Erde. Deshalb wird in Teil 2, das sind die Kapitel 9 bis 11, ausführlich über Gottes Plan mit Israel gesprochen.

Die Grundstruktur des Römerbriefs und ihre Bedeutung

Deshalb ist es ganz wichtig: In Römer 1 und 2 wird gezeigt, dass die ganze Menschheit vor Gott schuldig ist. Dabei wird unterschieden zwischen den Heidenvölkern, also den Nichtjuden, und ausdrücklich den Juden. Alle sind schuldig.
Und schauen wir in Kapitel 3: Dort haben wir diesen berühmten Kernvers. Man sagt normalerweise Römer 3,23, aber der Satz beginnt schon in Vers 22. Man sieht in Vers 22 am Schluss, dass der Satz beginnt: Denn es ist kein Unterschied. Dann kommt Vers 23: Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.
Also: Alle Menschen haben gesündigt. Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Aber dieses „Es gibt keinen Unterschied“ könnte jemanden auf die falsche Idee bringen. Dann könnte man meinen, dass es heute überhaupt keine Bedeutung mehr hat, dass es Juden gibt, die wirklich biologisch von Abraham, Isaak und Jakob abstammen.
Aber Kapitel 9 bis 11, Teil 2, zeigt: So ist es nicht gemeint. Gott hat im Alten Testament wirklich ein Volk aus allen Völkern auserwählt, als sein irdisches Volk. Und dieses Werk Gottes, dieser Plan Gottes, ist nicht am Ende. Wir wissen allerdings, dass es die Ersatztheologie gibt, die sagt: Natürlich ist Israel als Nation am Ende. Nein, darum steht in Römer 9 bis 11, dass man das mit dem „Es ist kein Unterschied“ nicht falsch verstehen darf. Dieses Volk hat in Gottes Plan noch eine ganz grandiose Zukunftsverheißung, die Gott erfüllen wird. Das ist Römer 9 bis 11.
Und jetzt lese ich weiter, wir sind ja immer noch bei dieser Zusammenfassung: Der Schluss, also Römer 12 bis 16, zeigt, welche praktischen Auswirkungen die Erlösung im alltäglichen Leben des Gläubigen hat, beziehungsweise haben muss.
Also nochmals: Im ersten Teil wird der Erlösungsplan Gottes wunderbar und zusammenhängend vorgestellt, systematisch dargelegt. Und da wird auch klargemacht: Die Rettung kann sich niemand selbst zuschreiben. Nochmals Römer 3,23, aber ich beginne bei Vers 22, denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.
Das ist ein Nein zu allen Religionen der Welt. In allen Religionen sehen wir, dass der Mensch sich bemüht, bemüht, bemüht, um sich, ich sage jetzt nicht einfach Gott, sondern etwas schwammiger, um sich zum Göttlichen hinaufzuarbeiten. Und das Evangelium, das im Römerbrief ebenso systematisch dargelegt wird, sagt: Nein, alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.
Also, so wie die Elberfelder das übersetzt, ist es korrekt übersetzt. Der Mensch kann sich nicht zu Gott hinauf schaffen. Es geschieht alles durch Gnade. Gott hat von sich aus den Weg geschaffen. Und darum habe ich Römer 3 noch nicht ganz fertig gelesen.

Glaube, Werke und die Ergänzung durch den Jakobusbrief

Zweiundzwanzig nochmals am Schluss, jetzt können es dann alle auswendig. So lernt man auswendig: wiederholen, wiederholen, wiederholen.
Manche staunen, warum der oder die so viele Sprachen kann. Ganz einfach: wiederholen, wiederholen, wiederholen.
Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes, und werden umsonst gerechtfertigt. Umsonst heißt gratis, ohne eigene Leistung. Umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.
Also ist die Erlösung des Menschen nicht, wie die Religionen der Welt es sagen, die Leistung des Menschen. Das macht Gott.
Aber jetzt könnte jemand sagen: Ah, schön, man wird durch Glauben ohne Werke gerechtfertigt, dann kann man nachher leben, wie man will. So ein Unsinn! Gerade der Römerbrief macht deutlich: Das geht gar nicht, das sei ferne! 6,1.
Und darum dieser letzte Teil, 12 bis 16: Da wird gezeigt, wenn jemand erlöst ist, dann ist das in seinem Leben, in seinen Werken sichtbar. Und wie sich das zeigt im konkreten Leben, in konkreten Werken, in konkreten Taten, das zeigt der Schlussteil.
Und damit ist auch gleich die Frage beantwortet: Römerbrief, Jakobusbrief, ein Gegensatz? Der Römerbrief sagt, man wird gerechtfertigt nur durch Glauben, der Jakobusbrief sagt, man wird gerechtfertigt durch Werke.
So, und Luther hat hier ein Problem gehabt, nicht alle Reformatoren. Zum Beispiel Calvin hatte da kein Problem, er hat anderswo Probleme gehabt. Aber da hatte er kein Problem, sondern hat ganz klar bezeugt und das auch so ausgelegt: Der Jakobusbrief ergänzt den Römerbrief.
Man wird gerechtfertigt durch Glauben, wenn es um die Errettung geht. Und gerechtfertigt heißt ja: von Gott erklärt, du bist ein Gerechter. Rechtfertigen heißt, jemanden als Gerechten erklären. Und das geschieht eben durch Glauben, nur so wird man gerettet.
Aber im Jakobusbrief geht es darum, dass man, wenn man bekehrt und errettet ist, so lebt, wie Gott das will. Dann wird das ja sichtbar, auch für die Menschen. Und so wird man gerechtfertigt vor den Menschen, das heißt: Die guten Werke machen klar, das ist ein Gerechter.
Aber der Jakobusbrief sagt nicht, indem man gute Werke macht, wird man ein Gerechter, sondern: gerechtfertigt durch Glauben heißt, jawohl, man sieht an seinen Werken, das ist einer, der sich bekehrt hat und ein echter Erlöster ist. So ergänzt sich das miteinander.

Auswendiglernen, Ordnung und der Nutzen von Zusammenhängen

Und wichtig: In 1. Mose 15 heißt es von Abraham: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Aufgrund dieses Verses erklärt der Römerbrief das Thema Rechtfertigung durch Glauben.
Im Jakobusbrief wird aus 1. Mose 22 zitiert, wo wir sehen, dass Abraham bereit war, das Größte herzugeben, nämlich seinen eigenen Sohn. Dann sagt Jakobus: Seht ihr, Abraham ist durch Werke gerechtfertigt worden. Ja, vor den Menschen. Die Menschen haben gesehen, dass dieser Mann bereit war, seinen Sohn Gott zurückzugeben. Das konnten sie sehen.
In 1. Mose 15 glaubte Abraham. Das war in seinem Herzen, und das konnten die Menschen nicht sehen, nur Gott. Aber Gott hat ihm erklärt: Das ist ein wirklicher Gerechter. Durch den Glauben in seinem Herzen wurde das sichtbar für Gott. In 1. Mose 22 wurde dann die Rechtfertigung sichtbar durch die Werke.
Aber ganz wichtig: zuerst 1. Mose 15 und dann 1. Mose 22. Und darum zuerst der Römerbrief und dann der Jakobusbrief. Wobei man sagen muss, der Jakobusbrief wird aber schon vorweggenommen in Römer 12-16. Das ist also nicht nur eine Ergänzung von dem, was im Römerbrief fehlt. Der Römerbrief zeigt das auch schon.
So, jetzt haben wir das schon mal im Kopf, diese Dreiteiligkeit. Und warum diese Dreiteiligkeit? Eins bis acht, neun bis elf, zwölf bis sechzehn. So lernt man es auswendig. Und wenn man das auswendig lernt, dann hat man nachher viel mehr Ordnung im Kopf, wirklich. Und sobald man angesprochen wird, kann man das benutzen.
Der Römerbrief ist so aufgeteilt: Römer 1 bis 8 wird aber ergänzt durch 12 bis 16, genauso wie der Jakobusbrief den Römerbrief ergänzt. Warum sage ich das so? Weil ich groß geworden bin in einer Schule, wo man uns beigebracht hat: Diejenigen, die in der Geschichte die Zahlen auswendig lernen, die sind ein bisschen zurückgeblieben.
Heute ist es so: Man muss einfach die Zusammenhänge verstehen und wiedergeben können. Aber die, die einfach so auswendig lernen, die sind ein bisschen zurückgeblieben. Und wirklich, ich habe das gelernt, zum Beispiel in Thailand. Das ist unglaublich. Alles ist auf Auswendiglernen aufgebaut, das ganze Schulsystem. Es beginnt schon so: Der Lehrer kommt rein, und die wissen genau, welche Frage sie stellen müssen und welche Antwort der Lehrer geben muss. Ja, das läuft nach Schema.

Der Verfasser, die Adressaten und die Entstehungssituation

Ich habe dann einmal sehr eindrücklich erlebt, meine zweitälteste Tochter. Sie war eine Zeit lang Englischlehrerin in Thailand, und dann kam sie in das Zimmer hinein und hat das Ritual nicht gemacht. Und dann kam das auch schon mit der Antwort, die sie hätte geben müssen. Ja, und dann sagt man eben, dass sie einfach auswendig lernt, dass sie die Zusammenhänge nicht verstehen. Aber ich habe mir gesagt: Warum nicht beides miteinander? Dass man sich die Zahlen in der Geschichte einprägt, und dann hat man nämlich das Gerüst wirklich im Kopf. Sonst weiss man ja nicht, welche Zusammenhänge mit welcher Epoche verbunden sind. Wann war die Aufklärungszeit? Wann begann das Mittelalter? Wann hört das Mittelalter auf? Die meisten wissen das nicht. Und dann ist es ja eben nützlich. Also bringen wir beides zusammen: stur auswendig lernen und die Zusammenhänge lernen. Und so wird das Bibellesen noch fruchtbarer, noch klarer und hilfreicher.
Also, jetzt gehen wir weiter auf dem Skript Einführung in den Römerbrief. Es ist wichtig, dass man sich immer bestimmte Fragen stellt, wenn man an ein Bibelbuch herangeht. Die Bibel ist eine Bibliothek von Dutzenden von Büchern im Alten und Neuen Testament, und jedes Buch hat eine Besonderheit. Man muss sich das vorstellen: Jedes Buch ist ein Edelstein, ein einzigartiger Edelstein mit einer eigenartigen, das wird wirklich im Sinn des Ursprünglichen, eigenartigen Ausstrahlung und Herrlichkeit.
Also, wir fragen uns: Wer hat den Römerbrief geschrieben, der Verfasser? An wen wurde der Römerbrief geschrieben? Es gibt Bibelbücher, da ist es ein bisschen schwieriger, und da gibt es Bibelbücher, da ist es ganz einfach. Hier ist es wirklich einfach. Der Römerbrief, wir haben gelesen, beginnt mit Paulus. Paulus ist der Verfasser. Und an wen hat er geschrieben? Das haben wir gelesen in Vers sieben: Allen Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen, die in Rom sind. Er schreibt an die Erlösten in der Stadt Rom, in der damaligen Welthauptstadt.
Und vielleicht noch die Frage: Wer hat den Brief aufgeschrieben? Nicht wahr, der Verfasser kann auch der Schreiber sein, aber nicht immer. Und wir lesen in Römer 16,22, dass Paulus den Römerbrief diktiert hat. Und darum haben wir diesen Satz in Kapitel 16,22: „Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüsse euch im Herrn.“ Der durfte noch diesen Satz für sich dazuschreiben. Warum? Weil der Apostel Paulus das wollte. Und noch wichtiger: weil der Heilige Geist, der Paulus inspiriert hat, mit jedem Wort das so haben wollte.
Wir sollten wissen, dass also einer, der das dritte Kind in der Familie war, das geschrieben hat. Tertius heisst der Dritte. Die Römer waren nicht immer so fantasievoll, wie sie bei uns in der Schule dargestellt wurden. Ich war, als ich da als kleiner Junge mit zwölf ins Gymnasium kam, und dann musste ich von da an sechseinhalb Jahre Latein lernen. Ich weiss noch, wie das begonnen hat: Agricola arat, der Bauer pflügt. So haben wir Latein begonnen zu lernen, und man hat uns die Römer dargestellt. Die haben eine Hochkultur aufgebaut, und unsere moderne Zivilisation Europas und natürlich auch Nordamerikas, denn das sind ja unsere Leute, die vor noch nicht so langer Zeit rüber über den Teich gegangen sind, aus verschiedenen Gründen. Also unsere ganze moderne Kultur fusst auf dieser Hochkultur der alten Römer. Und uns wurde vorgestellt: Das war grandios, diese Zivilisation, die die Römer aufgebaut haben.
Aber erst später habe ich dann gemerkt, das Bild hat aber ganz viele Löcher und Risse. Ja, als ich dann später lernte, dass die Frauen, wenn es Einladungen gab im Römischen Reich, nicht am Tisch mitessen durften. Das war der Hausvater und die Gäste, aber die Frau war nicht dabei. Das geht gar nicht. Gefahr. Was ist das für ein Frauenbild, auf dem unser Europa aufgebaut ist, unser modernes Europa? Das ist in der Bibel dann schon ganz anders. Oder ich habe später gelernt, wie das war mit der Abtreibung im Römischen Reich und mit dem Kinderaussetzen. Schrecklich, und noch viel mehr. Aber das ist ja nicht das Thema.
Ich will nur sagen: Also die Phantasielosigkeit war eben auch zuweilen da. Man hat die Kinder durchnummeriert. Zuerst kam der Primus auf die Welt, nicht in allen Familien, aber Primus, das war der Erste, das heisst der Erste. Und dann der Secundus, der Zweite, das heisst nicht Sekunde, sondern der Zweite. Und dann der Tertius.

Rom als Ort der Abfassung und die geschichtliche Einordnung

Jetzt wissen wir, dass der Schreiber des Römerbriefes Tertius war. Und es ist so: Man wird als Kind irgendwie ein bisschen anders geformt, wenn man das erste Kind ist. Und wenn man dann als erstes Kind noch das einzige Kind ist, ist das nicht einfach. Wenn man das erste ist, dann muss man sich eben mehr durchsetzen. Man lernt irgendwie, sich mehr durchzusetzen. Und wenn dann andere Kinder kommen, dann lernt man die Seite des Fürsorglichen.
Wenn man keine anderen Kinder hat, dann muss man so vieles selber erfinden. Wirklich. Aber das prägt einen. Das gibt Eigenständigkeit und vielleicht auch mehr Reife. Es kann auch negative Dinge geben, aber da muss man selber dafür schauen. Das zweite Kind orientiert sich sehr stark am ersten, nicht wahr? Und vieles wird einfacher, weil die Eltern viel besser wissen, wie man Kinder erzieht. Mit dem ersten machen sie die meisten Fehler, wirklich, weil man ja learning by doing macht. Natürlich kann man Kurse besuchen, aber Erziehungskurse ... Ich meine, ich konnte am besten erziehen, als ich noch keine Kinder gehabt hatte. Und ich habe auch erlebt, gerade da, wo keine Kinder da sind, wie man aus der Reihe solcher Ehepaare die besten Erziehungsratschläge bekommt, die aber nicht aufgehen, weil das spezielle Kind anders ist. Die haben nicht berücksichtigt, was das ist: ADHS.
Ja, also es ist so schwierig, ein erstes Kind zu erziehen. Man macht viele Fehler und sagt sich nachher: Bei einem zweiten machen wir es besser. Und das ist für das zweite ein bisschen einfacher, ja. Aber das dritte, das ist dann so unter ferner liefen. Ich weiss noch, als wir ein Kind hatten, das gab so viel Arbeit, und nicht nur für die Mutter. Auch für den Vater muss man sehen: Wo muss ich helfen, unterstützen? Ich mache die Wäsche, ich hänge die Wäsche auf und so weiter. Also sehr herausfordernd, so streng. Und dann kommt das zweite, noch strenger. Und dann denkt man: Ja, wie kann man mehrere Kinder haben, das wird ja immer strenger. Aber mit dem dritten, das geht so. Ziemlich locker vom Hocker. Ja, und die anderen Kinder helfen ja auch noch. Ist nicht einfach, jetzt dreimal so streng. Aber das dritte ist dann vielleicht ein bisschen unter ferner liefen. Da muss man als Eltern sehr aufpassen.
Ja, und man kann sich fragen: Dieser Tertius, was hat er so erlebt in seinem Leben? Und dieser Tertius durfte den Römerbrief schreiben, wo man lernt, dass Gott ein Herz hat für die ganze Menschheit, aber auch für jeden einzelnen Menschen. Und er hat seinen Sohn gegeben, er hat alles gegeben, um den Einzelnen zu retten. Auch wenn man das dritte Kind ist, natürlich. Auch wenn man das erste Kind ist und das zweite. Aber da steckt eine Geschichte dahinter: Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe.
Ja, das war jetzt ein kleiner Exkurs zu dem Schreiber. Und nun Ort und Zeit der Abfassung. Paulus hat diesen Brief in Korinth geschrieben, also in Griechenland, und hat ihn dann gesendet nach Italien. Und zwar sehen wir in Kapitel 16, Vers 1, da sagt er Folgendes: Ich empfehle euch aber Phöbe, unsere Schwester, die auch eine Dienerin der Versammlung in Kenchreä ist, damit ihr sie, dem Herrn würdig, aufnehmt und ihr beisteht, in welcher Sache irgend sie euch nötig hat; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst.
Da schreibt Paulus gerade noch einen Empfehlungsbrief, weil eine Schwester aus Kenchreä, Griechenland, nach Italien reisen wollte. Und Kenchreä ist eine Ortschaft ganz nahe bei Korinth. Weil Paulus, als er in Korinth war, eben auch die Gemeinde von Kenchreä kannte, konnte er gleich noch ein Empfehlungsschreiben ausstellen für diese Schwester, die nach Italien, nach Rom gehen wollte. Das war wichtig, dass die Gläubigen dort gleich Bescheid wussten: Diese Frau geht wirklich den Weg mit dem Herrn, und die ist übrigens nicht nur einfach bekehrt, sondern sie dient dem Herrn mit Hingabe. Also da mussten sie in Korinth nicht erst noch lange kennenlernen und wissen: Wer ist das? Ist die überhaupt gläubig? Ist die überhaupt bekehrt? Sondern sie hatte ein vertrauenswürdiges Zeugnis. Bitte, nehmt sie auf, der Heiligen würdig!
Also das zeigt uns schon mal, wo Paulus ungefähr war, denn Kenchreä ist gerade neben Korinth, als er den Römerbrief schrieb. Aber wir haben noch mehr in Römer 16, Vers 5. Da spricht er über die Gemeinde: Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mein Leben ihren eigenen Hals preisgegeben haben, denen nicht allein ich danke, sondern auch alle Gemeinden der Nationen, und die Gemeinde in ihrem Haus.
Das ist noch eine Ergänzung zur Frage der Adressaten. Wir haben ja einfach gesagt: Es wurde geschrieben an die Gläubigen in Rom. Aber in Rom, das war damals eine Millionenstadt, gab es mehrere örtliche Gemeinden. Und eine Gemeinde war in dem Haus von Priska und Aquila, die in Rom wohnten. Darum heißt es: die Gemeinde in ihrem Haus.
Dann lese ich jetzt eben bei den Adressaten 16,5, dann 16,14. Dort heißt es: Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die Brüder bei ihnen. Das war eine andere Adresse in Rom, auch eine Gemeinde. Und dann möchte ich noch dazulesen, Vers 15: Grüßt Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen. Also wieder ein anderer Ort in Rom. Und darum müsste man sagen: Der Römerbrief ist geschrieben an die Gemeinden in Rom. Es gab also mehrere örtliche Gemeinden.
Und Phöbe wird empfohlen, von Korinth aus. Und jetzt lese ich weiter 16,23: Es grüßt euch Gaius, mein und der ganzen Gemeinde Wirt. Das war bedeutsam, denn das war gewissermaßen der Wirt, der die Gemeinde bei sich aufgenommen hatte, da, wo Paulus den Brief schrieb. Und wenn wir das jetzt vergleichen mit 1. Korinther 1,14, da sagt Paulus: Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Crispus und Gaius, damit nicht jemand sage, dass ihr auf meinen Namen getauft worden seid. Also Gaius war eben einer aus Korinth, und zwar einer der ganz wenigen, die von Paulus getauft worden sind. Und das macht wieder klar, dass er da aus Korinth schrieb.
Und dann in Kapitel 15, aber das wird noch einige Zeit dauern, bis wir dort wären, und vielleicht ist die Entrückung schon vorher geschehen. Nicht weil ich ausgerechnet habe, dass die Entrückung nächstes Jahr stattfinden würde. Das wäre ja elend. Warum? Ja, dann könnte ich ja gar nicht mehr sagen: vielleicht heute. Vielleicht kommt der Herr heute, und damit müssen wir rechnen, nicht nächstes Jahr, vielleicht heute. Es muss ja nichts vorher erfüllt werden. Also, aber in Römer 15, ich habe einfach die Stellen angegeben, 25 und folgende, 30 und folgende, und das alles muss man vergleichen mit Apostelgeschichte 19,12-22, 1. Korinther 16,1-4. Ich habe ja gesagt, man soll das Skript herunterladen, 2. Korinther 8 bis 9, und dann wird klar, dass also der Römerbrief geschrieben wurde auf dem Weg des Paulus nach Jerusalem. Auf diesem Weg hat er eine große Geldsammlung aus Achaia, das ist die Provinz mit Korinth, und Mazedonien zu überbringen, und zwar auf der dritten Missionsreise während des Aufenthalts von drei Monaten in Griechenland. Man lese dazu eben Apostelgeschichte 20,2, und dann sieht man: Das war also um das Jahr 57 nach Christus, als Paulus dort nochmals in Korinth war. Von dort aus hat er diesen Brief geschrieben.

Der Römerbrief im Blick auf Rom, Reformation und Autorität

Und warum ist das wichtig? Der Brief wurde also an einem Ort geschrieben, an dem Paulus mit sehr vielen Problemen konfrontiert war. Das war nicht einfach Ferien. Es gibt Gemeindebesucher, die machen so Freude, das ist wie Ferien. Da ist alles so klar, alles so geordnet. Und dann gibt es Orte, an denen einfach sehr viel Chaos herrscht. So war es in Korinth.
Man liest nur den ersten und dann auch den zweiten Korintherbrief. Paulus war also mit ganz vielen Schwierigkeiten dieser Gemeinde konfrontiert. Und trotzdem hat er sich die Ruhe genommen, den Römerbrief zu schreiben. Und zwar ganz anders: nicht chaotisch wie in Korinth, sondern alles schön nach dem Plan Gottes, nach seinen gesunden Lehrgedanken systematisch dargelegt. Und das Ganze geht nach Rom.
Warum musste Paulus diesen Brief unbedingt den Römern schreiben? Nun, der Heilige Geist, Gott, wusste: In der Geschichte der Christenheit wird es einige Zeit dauern, und dann wird Rom einen ganz besonderen Platz einnehmen in der ganzen Christenheit. Denn ein Ältester in Rom, den nannte man Bischof, bekam die Überzeugung, so um 440 nach Christus, dass er der oberste Bischof sei von allen Bischöfen, von allen Ältesten weltweit. Und damit war das Papsttum geboren.
Von Rom aus wurde gelehrt: Der Mensch wird errettet durch gute Werke, niemals nur durch Glauben. Aber ausgerechnet Rom bekam den Römerbrief, in dem so deutlich gesagt wird, dass durch Werke niemand gerettet werden kann, sondern nur durch Glauben allein.
Wie war die Reformation? Sie kam erst im sechzehnten Jahrhundert und griff dann wieder auf den Römerbrief zurück, um im sechzehnten Jahrhundert anhand des Römerbriefes dieses System zum Einsturz zu bringen, das gegen Gottes Wahrheit, gegen Gottes Evangelium über Jahrhunderte aufgebaut, zementiert und befestigt worden war. Also, das ist nicht von ungefähr, warum eben der Römerbrief der Römerbrief ist. Und nicht der dritte Korintherbrief oder der zweite Epheserbrief oder so etwas, sondern der Römerbrief. Aber das ist nur ein wenig vorweggenommen, wir kommen darauf zurück.
Auf dem Blatt haben wir weiter die Grobstruktur, die wir aber bereits auswendig können: 1 bis 8 die Lehre des Heils in Christus, 9 bis 11 Israels Stellung im Heilsplan, 12 bis 16 praktische Konsequenzen der Lehre des Heils. Und jetzt sind wir in der Lage, den Römerbrief anzugehen, und zwar Vers für Vers.
Wir haben die Verse 1 bis 7 gelesen. Das ist wichtig, dass man die Bibel liest, so im Zusammenhang der Verse, und dass man beim Lesen bereits auf die Zusammenhänge im Verlauf der Verse achtet. Das haben wir in der Schule gelernt. Ich bin dem heutigen Schulsystem bei uns sehr, sehr kritisch gegenüber eingestellt, und ich denke, mindestens die meisten von uns auch. Wir haben unsere Gründe. In den letzten Jahren ist so viel kaputtgemacht worden von dem christlichen Erbe.
Woher kommt die Idee allgemeiner Schulunterricht? Das kommt aus der Reformation. Als Luther das Evangelium im Römerbrief neu entdeckt hatte, hatte er auch die Idee: Wenn wir Gottes Wort übersetzen, so in die Landessprache, damit die Menschen Gottes Wort jetzt wirklich verstehen können, im Gegensatz zu früher, wo nur Latein der Bibeltext sein sollte und die meisten Leute gar kein Latein konnten. Und dann kommt dazu: Man sagte, selbst wenn man Latein könnte, soll man nicht lesen, das kann nur der Klerus lesen.
Also hat er gelehrt: Wir brauchen ein allgemeines Schulsystem, und zwar eben damit die Menschen fähig sind, Gottes Wort zu lesen und zu verstehen. Und so hat er das gefordert, und so wurden die Schulen aufgebaut. Also so ein Kurzgang erklärt.

Vom Namen des Apostels bis zur Frage nach seiner Autorität

Und wir müssen sagen: Unser Schulsystem ist ein Erbe der Rückkehr zum Evangelium. Das wird ja schon im Missionsauftrag begründet, wenn der Herr Jesus sagt: Geht hin, Matthäus 28 am Schluss, macht alle Nationen zu Jüngern und lehret sie!
Dieses Lehren von dem, was der Herr Jesus weitergegeben hat, bedeutete eben Bibelunterricht. Und für Bibelunterricht sind Lesen und Schreiben ganz, ganz wichtig.
Aber eben: So vieles im Schulsystem wird kaputt gemacht. Es ist aber immer noch manches da. Zum Beispiel lernen wir im Deutschunterricht, Texte zusammenhängend zu lesen und zu verstehen. Und das ist wirklich etwas Wunderbares.
Nur als kleiner Vergleich: In Thailand hat man eben ein buddhistisches Schulsystem. Das ist wirklich nicht dasselbe wie ein Schulsystem mit einer christlichen Vergangenheit. Und dort ist es so: Wenn ich Videotexte erklärt habe, war es für sie so schwierig, den Zusammenhang von einem Vers zum nächsten zu verstehen. Wirklich schwierig.
Ich mag mich noch erinnern: Der Übersetzer, ich spreche nicht Thai, ich habe auf Englisch gesprochen, und er übersetzte auf Thai. Immer wieder zwischendurch musste ich ihm erklären: Weisst du, so und so. Dann sagte er: Ja, natürlich, ja, da steht es ja, genau. Aber das war nicht auf Anhieb klar. Wirklich, das musste man ganz neu lernen: Zusammenhänge von einem Satz zum nächsten.
Und wir haben da einen Vorteil bekommen. Dafür kann man dem Herrn danken und das auch benutzen. Darum wollen wir so jetzt Vers für Vers durchgehen.
Das erste Wort ist Paulus, das heisst: der Kleine. Nicht wahr, wir wissen, dass dieser Mann ursprünglich Saulus hiess, beziehungsweise Saul. Wir finden beides in der Bekehrungsgeschichte in Apostelgeschichte 9 und 22, 26, also drei Kapiteln, die die Bekehrung von Paulus beschreiben. Wir finden dort beide Ausdrücke: Saul und Saulus.
Saul, so schreibt Lukas das hebräische Wort Shaul. Auf Griechisch gibt es kein Sch, und dann muss man es eben mit einem Sigma schreiben, also mit S. Saul, Shaul, heisst auf Hebräisch: der Gefragte.
Und natürlich die Eltern, sie waren beide aus dem Stamm Benjamin, sagt Philipper 3, die haben ihr Söhnchen nach der Geburt am achten Tag Shaul genannt. Da dachten sie an den grossen Mann aus dem Stamm Benjamin, König Shaul. Das war ein Mann, der schon durch sein Auftreten Eindruck machte, und er war einen Kopf höher als der Durchschnitt. Wirklich, das begehrte Volk damals einen König nach ihrem Herzen, das war Shaul.
Und so haben die Eltern gedacht: Unser kleiner Sohn, der ist etwas ganz Besonderes. Das wussten sie schon damals. Und der wird eine besondere Karriere machen.
Die wohnten ja in Tarsus in Zilizien, Provinz Zilizien, im heutigen Türkei. Das waren aber Hebräer. Damals gab es Juden, die nannte man Hellenisten, und es gab solche, die nannte man Hebräer. Die Hellenisten, das heisst die von griechischer Kultur Geprägten. Hellen heisst Griechisch, also ist die hellenische Kultur einfach die von griechischer Kultur geprägte.
Also die Hellenisten, Apostelgeschichte 6, das waren Juden, deren Muttersprache, weil sie typischerweise im Ausland wohnten, Griechisch war, die Weltsprache der Römer im Osten des Reiches. Im Westen war Latein die Sprache. Aber Hebräer nannte man die Juden, die Hebräisch als Muttersprache noch konnten.
Und jetzt muss ich mir vorstellen: Die Eltern von Shaul, die wohnten zwar in Tarsus, und die haben zuhause mit dem kleinen Sohn Hebräisch gesprochen. Damit war eben Saulus ein Hebräisch-Muttersprachler, und zuhause und draussen hat er natürlich Griechisch gesprochen. Darum war er bilingual. Also er sprach auch akzentfrei Griechisch.
Ja, und die Eltern haben sich gesagt: Wenn er ein bisschen grösser ist, dann geht er in die Lehre des Vaters und lernt den Beruf des Vaters, wie das damals üblich war. So ging das. Er wurde ja Zeltmacher.
Anstatt in den Kindergarten zu gehen, übrigens auch eine christliche Erfindung, der Kindergarten. Aber das kam in der Geschichte viel, viel später. Zuerst die allgemeine Schule, und dann später kam die Idee mit dem Kindergarten. Das hat auch christliche Wurzeln, der Kindergarten. Aber ich meine jetzt eben den guten Kindergarten, nicht das, was man heute an manchen Orten daraus gemacht hat.

Saulus, Paulus und der Weg der Berufung

Aber eben: Anstatt in den Kindergarten zu gehen, hat man in der Lehre als Fünfjähriger oder Sechsjähriger den Beruf des Vaters gelernt. Danach ging es nach Jerusalem, und zwar zum Studium nicht bei irgendeinem Rabbi, wie es so viele Tausende Rabbis gab, sondern er musste zu Gamaliel. Und das war einer der berühmtesten Rabbis damals.
Zu den Füßen von Gamaliel wurde er aufgezogen. In Galater 1 schreibt er, wie er dann eine Karriere gemacht hat und über seine Zeitgenossen hinaus wirklich eine Blitzkarriere gemacht hat. Hochbegabt also, wirklich: Die Eltern konnten nur stolz sein. Es war richtig dieser Name Shaul.
Übrigens: Saulus in der Bibel steht für Saulos. Das ist einfach nur die griechische Endung. Später in der lateinischen Bibel hat man dann eben aus Saulos Saulus gemacht. Und wir haben vieles von den Bibelnamen über die lateinische Bibel übernommen. So ging das. Also Saulos, das war der hebräische Name, so zugänglich gemacht für die Nichtjuden. Darum: Er wurde genannt Shaul, das entspricht Saul, so haben sie das ausgesprochen, und Saulos, das war so, wie die Heiden ihn genannt haben. Aber beides drückt aus: der Begehrte, der, der vorgesehen ist für eine große Karriere.
Und dann kam der Zusammenbruch vor den Toren von Damaskus. Und dieser Große, der noch größer werden sollte, nach der Meinung seiner Eltern, wurde gedemütigt und bekehrte sich. Und weil er so auf den Boden gefallen ist, begann er mit der Frage: Wer bist du, Herr? Nicht einfach: Wer bist du?, sondern: Wer bist du, Herr, der über mir steht? Und die Antwort war: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Und er kam zur Bekehrung, lernte den Herrn Jesus kennen, aber die erste Frage war: Wer bist du?
Und wenn man denkt, was aus diesem Menschen in den folgenden Jahrzehnten geworden ist, dann sagt er in seinem letzten Brief aus der Todeszelle in Rom in 2. Timotheus 1: Ich weiß, wem ich geglaubt habe. Es begann damit: Wer bist du, Herr? Und er kann enden mit: Ich weiß, wem ich geglaubt habe.
Aber eben: Dieser menschlich gesehen großartige Mensch musste richtig gedemütigt werden, sich bekehren, und nur so konnte er errettet werden. Mit seinem theologischen Studium wäre er ewig verloren gegangen. Das konnte ihn nicht retten. Er musste sich bekehren. Und dann hat er sich offensichtlich selbst als Paulus bezeichnet. Und das heißt auf Lateinisch: der Kleine. Merkt man das Wortspiel: Saulus, Paulus.
In Apostelgeschichte 14, auf der ersten Missionsreise, da wird er immer noch Saulus genannt. Und plötzlich heißt es dort in Apostelgeschichte 13: Saulus, der auch Paulus genannt wird. Und fortan wird er dann als Paulus beschrieben, der Kleine. Und in keinem Brief hat er sich Saul oder Saulus genannt, sondern eben bewusst als erstes Wort Paulus, der Kleine. Warum? Weil er damit schon mal klar macht: Ich habe mich bekehrt, und so bin ich gerettet worden.
Und darum, weil er durch Bekehrung errettet wurde, war er in der Lage, diesen Brief über die Lehre der Errettung zu schreiben. Wir merken: In einem Wort ist so viel geballt enthalten. Paulus, dann schreibt er: Knecht Christi Jesu.
Und denken wir daran: Christus, das ist nicht ein Name, sondern ein Titel. Das ist die griechische Übersetzung von dem Gesalbten. Das entspricht dem hebräischen Maschiach. Das kann man mit griechischen Buchstaben nicht schreiben: Maschiach. Wir wissen ja, es gibt kein Sch auf Griechisch, und das Ch gibt es auch nicht. Man könnte sagen: Ja, aber es gibt ja ein Chi. Nein, das Chi, der Buchstabe Chi, so wie ein Kreuz, da sprach man aus. Also man sagt nicht Christus so richtig schweizerdeutsch, sondern Christus. Darum hat man auf Griechisch geschrieben: Messias.
In Johannes 1 da erklärt Johannes das Wort Messias und erklärt es mit Christus. Messias steht also für die Aussprache „Mashiach“. Das heißt: der Gesalbte, und das ist der Titel im Judentum für den verheißenden Erlöser, der kommen sollte für Israel und alle Völker, der die Rettung schaffen würde durch seinen Tod, wie in Jesaja 53 beschrieben. Und der aber auch ein zweites Mal kommen wird. Man kann im Alten Testament zeigen: Der Messias wird dann ein zweites Mal kommen, viel später, als König der Welt. Das ist enthalten in dem Wort Messias.

Der Name Jesu, die Schrift und die Frage nach der rechten Bezeichnung

Und nun sagt Paulus hier: Paulus, Knecht Christi Jesu. Warum steht hier nicht Knecht Jesu Christi?
Ich mag mich an so eine kleine Anekdote erinnern. Das habe ich früher kaum gemacht, Anekdoten aus meinem Leben zu erzählen, und jetzt immer mehr. Das hängt damit zusammen, dass ich mich selber anders empfinde als mit 30. Da bin ich nie väterlich aufgetreten. Das empfand ich irgendwie als komisch. Mit 30 kann mein Vater sein, nicht wahr? Und man gibt sich total Mühe. Aber väterlich sein ist gut. Es gibt andere, die sind anders als ich, und die konnten das auch viel früher. Aber bei mir war das nicht so, und ich habe das auch nicht versucht. Mit einem gewissen Alter habe ich gedacht: Es ist schon anders.
Und ich wollte auch früher nicht viel von mir erzählen. Es ist ja nicht der Sinn, einfach so Geschichten zu erzählen, sondern der Sinn ist ja, das Wort Gottes weiterzugeben. Aber gut, manchmal als Illustration, ja. Früher habe ich das anders empfunden. Und heute gebe ich viel mehr preis als früher. Also eben, da auch so eine kleine Geschichte.
Das war im französischen Unterricht. Ich habe einen Aufsatz geschrieben und dann über Jesus Christus gesprochen. Ich habe einmal den Ausdruck gebraucht: Christ Jésus. Und dann hat meine französische Lehrerin, Doktorin in Philologie, das angestrichen. Was soll das? Da habe ich gesagt: Nein, das ist so. In der Bibel wird ein Unterschied gemacht zwischen Jésus Christ und Christ Jésus. Und zwar: Wenn eben Christus vorgestellt wird, dann wird der Titel betont, der Messias Jesus. Und wenn gesagt wird Jesus Christus, dann wird gesagt: Jesus, der der Messias ist. Und eben, das ist kein Familienname, sondern ein Titel: Jesus, der Messias. Aber Christus Jesus, da wird betont: der Messias.
Und auf Deutsch empfindet man das eben als Familienname. Wenn wir sagen Jesus Christus, und wenn man von Leuten spricht: Jesus Christus, dann ist das für viele Jesus als Vorname und Christus als Familienname. Da muss man erklären: Nein, das bedeutet der Messias. Das ist der verheißene Erlöser, der durch sein erstes Kommen über dreihundert Prophezeiungen erfüllt hat, der aber bald wiederkommen wird als König der Welt. Und so muss man erklären, was das effektiv heißt.
Und jetzt hier, der langen Rede kurzer Sinn: Paulus sagt, ich bin ein Knecht des Messias. Ich diene dem, den Gott vor Jahrtausenden schon im Alten Testament angekündigt hatte als Erlöser im Blick auf Israel und alle Völker. Diesem Messias diene ich. Und der Eigenname des Messias, übrigens, ist Jesus. Das ist etwas sehr Spezielles.
Denn im Alten Testament wurde nie gesagt, dass der Name, der dem Messias gegeben werden soll, nach der Geburt, im Judentum geht man nicht bei der Geburt, sondern nach der Geburt, am achten Tag bei der Beschneidung, da gibt man den Namen. In Lukas 1, im Zusammenhang mit Johannes dem Täufer, spielt das eine wichtige Rolle, dass da am achten Tag dann der Name gegeben wurde.
Ja, und dieser Name, dieser Beschneidungsname des Messias, wurde im Alten Testament nie verraten. Und das wird auch gesagt in Jesaja 49. Es gibt ja fünf Gottesknechtgedichte in Jesaja, und da haben wir eins. Jesaja 53 gehört dazu, über den leidenden Messias, und eben auch 49. Und damit man gleich versteht, dass hier der Messias gemeint ist, lese ich zuerst Jesaja 49,6: Ja, er spricht, Gott spricht, Gott, der Vater: Ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde, also bis zu den von Israel aus gesehen entferntesten Teilen des Festlandes. Das sind die Enden oder das Ende der Erde.
Und Jesaja 49,1: Er spricht: Hört auf mich, ihr Inseln, und hört zu, ihr Völkerschaften in der Ferne! Der Herr hat mich berufen von Mutterleib an, hat von meiner Mutterschoß an meinen Namen erwähnt, er machte meinen Mund usw. Also der Name wurde erwähnt im Zusammenhang mit dem Mutterschoß von Maria.
Und jetzt verstehen wir, warum es so war. In Lukas 1, da hat der Engel Gabriel Maria gegenüber angekündigt, das Kind, das sie gebären wird, wird der Messias sein, der Sohn Gottes, und sie soll ihm den Namen Jesus geben. Ausgesprochen hat Gabriel Jeshua. Auf Hebräisch sagt man Jesus: Jeshua. Aber weil man auf Griechisch eben nicht ein Sch hat, merkt man, was ich mache, das ist nicht Gehirnwäsche. Sondern das ist eben so: lernt man. Man repetiert, und wenn man es ein paarmal sagt, dann weiß man es nachher immer.
Also Jesu schreibt man, weil man nicht Jesch, Jeschu schreiben kann. Und dann ist es noch so: Im Griechischen empfindet man einen Namen als Männername, wenn am Schluss noch ein S steht. Und darum hat man eben auf Griechisch umgeschrieben: Jeshua, Jesu, ein Jeshua, so ein Kehllaut am Schluss. Jeshua, das konnten die Heiden sowieso nicht gut aussprechen. Da haben wir am Anfang gemacht: Jesu, ein bisschen einfacher, und ein S, Jesus. Dann war klar, das ist ein Männername.
Aber wenn man in Israel gesprochen hat, hat man gesagt Jeshua. Also der Engel Gabriel kam in Nazareth zu dieser jungen Frau, die eine Jungfrau war, und sagt ihr: Du sollst ihm den Namen Jesus geben. Aber da hat er gesagt Jeshua. Das heißt: Der Ewige ist Rettung. Jeshua ist nämlich die Kurzform von Jehoshua, wie Joshua im Hebräischen steht: Jehoshua. Und das heißt: Der Ewige ist Rettung. Kurzform: Jeshua. Und das gibt dann auf Griechisch Jesus, Retter.
Und dieser Name wurde im Zusammenhang mit der Empfängnis im Mutterleib kundgetan. Und in Matthäus 1, dort sehen wir einen Engel, der zu Joseph geredet hatte und ihm erklärt hat, er muss kein Problem haben mit Maria. Sie hat sich nicht moralisch vergangen, indem sie vorehelich schwanger geworden wäre durch irgendeinen Mann. Sie ist die Mutter des Messias. Er soll sie heiraten. Und der Engel sagt in Matthäus 1, er soll diesem Kind den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Da sagte der Engel natürlich Jeschua. Aber wenn man das umschreibt, auf Griechisch: Jesus.
Warum sage ich das alles? Weil man heute konfrontiert wird mit so vielem, früher auch, aber jetzt noch mehr. Die Irrlehren, die schießen wie Pilze aus dem Internet. Ja, und da gibt es solche, die sagen, man müsse Jeshua sagen auf Deutsch und nicht Jesus, das sei heidnisch, sondern Jeshua. Nein, das müssen wir nicht auf Deutsch sagen. Wenn wir Deutsch sprechen, dann sprechen wir Deutsch, und auf Deutsch sagt man Jesus, Jesus Christus, ja, so spricht man Deutsch.
Wenn ich in Israel predige, dann sage ich Jeshua Hamashiach, weil auf Hebräisch sagt man das so. Aber man ist nicht ein bisschen näher am Original, wenn man Jeshua sagt. Das ist nicht so. Und darum ist das auch kein Problem auf Italienisch, da sagen wir Gesù, weil auf Italienisch sagt man nicht Jesus, sondern Gesù. Und auf Englisch sagen wir Jesus. Das ist ganz normal.
Aber wir müssen uns da nicht jetzt verkrampfen und sagen, wir müssen Jeshua sagen. Ja, aber es ist dann auch nicht falsch, wenn jemand von Jeshua spricht. Aber sobald er meint, er sei jetzt näher am Original, dann dürfen wir ihm ruhig widersprechen: Das stimmt überhaupt nicht.

Berufung, Apostelamt und die Frage nach der apostolischen Autorität

Also, wir gehen zurück. Wir sind immer noch in Vers 1.
Also, er war ein Knecht des Messias, der Jesus heisst. Jesaja 49 sagt: Im Alten Testament war dieser Name nicht geoffenbart, der Beschneidungsname. Viele andere Namen waren offenbart, wie zum Beispiel Immanuel, Gott mit uns, Jesaja 7, oder Wunderbarer Berater, Starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens, die vier Doppelnamen aus Jesaja 9. Immanuel, Jesaja 7, Jesaja 9, und so gibt es ganz, ganz viele Namen des Messias im Alten Testament. Und der Herr Jesus trägt alle diese Namen.
Vor Kurzem hat uns jemand über das Frageformular auf der Webseite roschelibe.ch gefragt: Ja, wenn in Jesaja 7 steht, dass die Jungfrau einen Sohn gebären wird und sie wird seinen Namen Immanuel nennen, warum hat dann Maria ihn Jesus genannt? Ja, auch. Aber der Rufname war Jesus, nicht Immanuel. Die Leute haben allgemein nicht Immanuel gesagt. Mir sagen ja auch die meisten Leute nicht Erik. Das war mein dritter Name. Und unseren jüngsten Sohn: Normalerweise hört man nicht, dass die Leute Menashe, Manasse, sagen. Und sie sagen auch nicht den schönen Namen Jedidjahu, der Geliebte des Ewigen. Und wir haben am Schluss eben noch alle schönen Namen, die wir wussten, dem sechsten Kind gegeben. Ja, und dann hiess er halt Haniel Jedidjahu Menashe.
Und Salomo, König Salomo, der hiess Jedidjahu, aber das war nicht sein Rufname. Darum, wenn die Bibel über diesen König spricht, sagt sie Salomo, Salomo, Salomo. Aber wir finden an einer Stelle, dass der Prophet Nathan extra kam, um David klarzumachen, dass Gott möchte, dass er Jedidjahu heisst, der Geliebte des Herrn. Und so gibt es viele andere. Der König Usija heisst in der Zweiten Chronik so, aber in der Parallelstelle in Könige heisst er Asarja. Das ist kein Fehler. Nein, die hatten mehr als einen Namen, je nachdem, oder ganz viele.
Und der Messias hat ganz, ganz viele Namen. Aber der Name der Beschneidung war Jeschua, Jesus. Und darum sagt Paulus: Knecht des Messias, Jesus. Und vielleicht noch ein Tipp: Auf Deutsch sagt man Jesus Christus oder Christus Jesus. Aber weil wir das Problem haben, in unseren Ohren sind wir so eingespielt, dass wir das irgendwie als Familienname empfinden. Dann ist es hilfreich, wenn man beim Lesen im Neuen Testament nicht immer, aber mal wieder anstatt Christus Messias liest. Dann wird klar: Das ist ein Titel, und das bedeutet etwas.
Also darum: Paulus, Knecht des Messias, Jesus. Der Grosse wurde ganz klein, und als solcher Kleiner wollte er dem Messias dienen. Und dann sagt er: berufener Apostel. Das ist grandios. Der Ausdruck Apostel heisst ja Gesandter. Aber im Neuen Testament wird der Begriff Apostel verwendet für Männer, die vom Messias einen ganz besonderen Auftrag bekamen und auch eine ganz besondere Autorität. Das waren aus all den Jüngern Jesu heraus, das waren ja Dutzende. Allein in Lukas 10 wird ja einmal gesprochen über die Siebzig, die der Herr aussandte. Aber es gab noch viel mehr. Und in Johannes 6 lesen wir von solchen Jüngern, die plötzlich nicht mehr mit ihm gingen. Es gab ganz viele Nachfolger, echte und unechte. Und zwölf Männern gab er den Titel Apostel, Matthäus 10. Und einer davon war Petrus. Und Petrus nennt sich ja in seinen Briefen Apostel Jesu Christi. Und diese Kombination Apostel Jesu Christi ist ganz speziell.
Diesen Titel kann man nur für die Zwölf verwenden, die einen Auftrag hatten, speziell für das zwölfstämmige Volk Israel, und für Paulus, der einen speziellen Auftrag bekam für die nichtjüdischen Völker der Welt. Das Wort Apostel wird zum Beispiel im Zweiten Korintherbrief auch verwendet für Missionare. Zum Beispiel geht es dort um Gesandte der Gemeinden, nicht Gesandte Jesu Christi, Apostel Jesu Christi, sondern Apostel der Gemeinden. Der Begriff wird weiter gebraucht, auch für solche, die einen speziellen Auftrag bekamen von Gemeinden. Und er wird auch anderswo verwendet im Sinne von Missionar. In Apostelgeschichte 14 wird Barnabas und Paulus gesagt, die Apostel. Jetzt muss man nicht meinen, Barnabas war ein Apostel Jesu Christi, sondern das Wort wird eben an verschiedenen Stellen, die ich jetzt nicht erwähnt habe, es ist Hausaufgabe, dem nachzugehen, verwendet für Missionar. Missionar ist aber ein lateinisches Wort, und Apostel ist eben ein griechisches Wort.
Das Problem: Jemand hat mich gefragt: Ja, aber warum nennen wir dann Missionare und solche, die Gemeinden gründen, nicht Apostel? Kommt darauf an, wer. Das ist modern geworden. Man sagt Apostel, endifon. Und dann meint man nicht einfach einen Missionar, dann meint man einen, der da kommt mit einer unglaublichen Autorität, und der kann alle möglichen Krankheiten heilen. Aber diesen behinderten Jungen aus unserem näheren Umfeld konnte er trotzdem nicht heilen. Ja gut, ich will nur sagen, das wird eben so gebraucht, weil heute behauptet wird, diese Apostel Jesu Christi, die gäbe es heute wieder. Und das geht gar nicht.

Das Fundament der Gemeinde und die Abgrenzung gegen spätere Irrlehren

Wir lernen aus Epheser 2,20, dass die Gemeinde, die weltweite Gemeinde, das Haus Gottes ist. Es wächst mit jedem Baustein, der dazukommt, wenn jemand sich bekehrt. Und dann heißt es dort in Epheser 2,20: Die Gemeinde ist aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten.
Damit sind die Apostel Jesu Christi gemeint und die von ihnen anerkannten neutestamentlichen Propheten. Zum Beispiel: Markus war kein Apostel, aber ein inspirierter Bibelschreiber. Damit war er eben ein anerkannter Prophet, durch die Apostel anerkannt. Dann auch Lukas. Er war kein Apostel. Der Schreiber des Jakobusbriefes, Jakobus, der Bruder des Herrn, Halbbruder des Herrn, war kein Apostel, aber ein Prophet. Judas, der den Judasbrief geschrieben hat, war auch Halbbruder des Herrn, Matthäus 13, und er war ein Prophet, aber kein Apostel.
Wir sind aufgebaut auf das Fundament der Apostel und Propheten, und jetzt wird seit bald zweitausend Jahren daran gebaut. Aber oben macht man kein Fundament mehr. Welcher Architekt würde so etwas machen? Da muss man gerade damit aufhören. Wenn man so einen Architekten bekommt, der oben nochmals ein Fundament machen will, dann kommt es schief heraus. Aber das geht nicht. Es ist also nicht so, dass in der Endzeit plötzlich diese Apostel wiederkommen.
Darum ist es natürlich im Deutschen wichtig, dass man nicht das Wort Apostel für Missionare benutzt. Das gibt auf Deutsch nur Verwirrung. Und wir müssen uns bemühen, so zu sprechen, dass wir keine Verwirrung auslösen. Es gibt dann manchmal, auch wenn man normal Deutsch spricht, immer noch die Möglichkeit, dass etwas unklar und verwirrend ist. Dann muss man versuchen, das sofort zu klären, wie man das meint und wie man dieses Wort verwendet. Das ist ganz wichtig.
Aber hier sagt der Apostel Paulus, berufener Apostel. Und anderswo nennt er sich eben auch Apostel Jesu Christi. So werden Missionare im Neuen Testament nie genannt. Das ist wichtig, um das klar zu unterscheiden. Das heißt: Ich bin ganz klein geworden. Aber Gott hat mir einen Dienst gegeben. Warum? Weil er das so wollte. Gott konnte wählen: Ich nehme Paulus, nicht Petrus. Und es waren eben nicht einfach alle gleich. Auch nicht alle Apostel waren gleich. Welchen Brief gibt es von Andreas oder von Nathanael? Nein, Gott hat unterschiedlich gebraucht. Und Paulus hat wirklich einen ganz besonderen Dienst bekommen, eben speziell für die Heidenvölker. Das sagt er hier: berufener Apostel.
Der Herr hat ihm eine besondere Autorität gegeben. Und in Matthäus 10 sagt der Herr Jesus zu den Aposteln Jesu Christi: Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf; wer euch verwirft, verwirft mich. Das ist jetzt sehr wichtig.
Wenn wir noch 1. Johannes 4 aufschlagen, dann schreibt der Apostel Jesu Christi namens Johannes über falsche Propheten und falsche Lehre. Er sagt in 1. Johannes 4,4 schließlich: „Ihr seid aus Gott und habt sie, die falschen Lehrer, die falschen Propheten, überwunden, weil der, der in euch ist, größer ist als der, der in der Welt ist.“ Der Heilige Geist in euch hilft euch, sie zu erkennen und zu überwinden.
Und dann sagt er weiter: Sie, diese falschen Lehrer, sind aus der Welt. Deswegen reden sie aus der Welt, das heißt nach den Grundsätzen der Weltlichkeit, und die Welt hört sie. Und jetzt sagt er: Wir. Und zwar betont in der Elberfelder sieht man, das ist betont im Grundtext. Wir sind aus Gott. Nicht wahr, er sagt in Vers 4: Ihr, das sind die Adressaten, an die der Brief geschrieben wurde. Und dann in Vers 6 sagt er im Kontrast: Wir. Wer ist das? Nun, der Brief beginnt ja schon mit: Was von Anfang war, was wir gesehen und gehört haben, was wir angeschaut haben, was unsere Hände betastet haben. Das spricht Johannes von den Aposteln Jesu Christi, die vom Herrn als Augenzeugen gehört hatten, die ihn als Ohrenzeugen gehört hatten, als Augenzeugen gesehen haben, aber noch mehr: Die haben den Herrn angeschaut, nicht nur ein bisschen, wirklich.
Ich weiß, es gibt ja manche Menschen, wenn sie andere Menschen sehen, dann sehen sie sie einfach. Und da gibt es solche, die merken jedes Detail. Das ist eben anschauen. Das haben sie gemacht bei dem Herrn Jesus. Sie haben ihn angeschaut und ihn sogar berührt, betastet. Sie haben erlebt: Er ist ein wirklicher Mensch, nicht ein Scheinmensch. Der Sohn Gottes ist wirklicher Mensch geworden.
Und da sagt er: Wir sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört uns. Wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Jetzt sieht man, was das heißt: berufener Apostel. Wer irgendwelche Lehren aus dem Neuen Testament ablehnt und sagt: Ja, das ist von Paulus. Das geht gar nicht. Daran können wir erkennen den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Also wirklich, das ist nicht zum Spassen.
Und nun wird also hier klargemacht: Paulus, Knecht des Messias Jesus, berufener Apostel. Das, was jetzt kommt, das hat totale Autorität.
Und jetzt muss ich noch etwas sagen: Die Apostel haben keine Nachfolger eingesetzt. Kein einziger Vers spricht von Nachfolgern der Apostel, der Zwölf, und für Israel, von Paulus für die Heidenvölker. Und es gab also biblisch keine apostolische Sukzession. Sukzession ist lateinisch für Nachfolge. Die haben nicht anderen die Hände aufgelegt, damit sie als Apostel für die nächste Generation weiterfahren. Das ist in Übereinstimmung mit Epheser 2,20: aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Das ist der Punkt. Keine apostolische Sukzession.
Und das betont Paulus hier am Anfang des Römerbriefes. Merkt man, wie brisant das ist, weil Gott wusste: Der Tag wird kommen, wo man in Rom behauptet, aber der Bischof in Rom, das ist nicht nur der höchste Bischof über alle Bischöfe der Welt, sondern das ist ein direkter Nachfolger von Petrus. Nein, es gibt keine Sukzession. Und das bedeutet: Das, was dieser Apostel Paulus an Rom geschrieben hat, das gilt. Und das, was sogenannte Nachfolgeapostel in Rom gelehrt haben – man wird gerettet durch Werke, man wird gerettet durch Ablasshandel, man wird und so weiter –, hat überhaupt keine Autorität.
Aber das, was im Römerbrief für Rom geschrieben wurde, das gilt, und zwar für alle Jahrhunderte. Merkt man, da ist unglaublich viel Dynamit drin.

Absonderung, Lebensweg und Gottes Führung von Anfang an

Und dann sagt er: Abgesondert zum Evangelium Gottes. Abgesondert heißt: auf die Seite gestellt.
In Galater 1 sagt derselbe Paulus, wie das war, mit seinem Leben vor der Bekehrung, seiner Blitzkarriere und wie dann schließlich die Bekehrung gekommen ist und wie es weitergegangen ist. Aber in diesem Zusammenhang schreibt er in Galater 1,14: Und ich nahm im Judentum zu über viele Altersgenossen in meinem Geschlecht, indem ich übermäßig ein Eiferer für meine väterlichen Überlieferungen war. Also für die rabbinischen Überlieferungen nach der Schule der Pharisäer.
Und dann kommt Vers 15, als es aber, wieder so ein schönes göttliches Aber, als es aber Gott, der mich von Mutterleib an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich sogleich nicht und so weiter.
Sehen wir: Hier sagt er, dieses Abgesondert geschah von Mutterleib an. Also schon damals in Tarsus, als dieser hoffnungsvolle Sprössling auf die Welt kam und die Eltern dachten: Shaul. Ja, das erinnert an das, was eben immer wieder vorkommt in jüdischen Familien, so eine typische jiddische Mama in der Vergangenheit, die sagte: Das ist Michael, fünf Jahre, das ist unser Arzt, und das ist Shmuel, sieben, das ist unser Rechtsanwalt. Die weiß schon, was aus denen wird, ja? Und der Shaul, und einmal schicken wir ihn nach Jerusalem, und dann ...
Aber Gott hat ihn von Mutterleib an schon abgesondert und hat den Plan gehabt. Das heißt, auch dieses Aufwachsen in dieser Familie, die Tatsache, dass er Hebräisch lernen musste, akzentfrei, dann draußen Griechisch lernte, akzentfrei, das war alles schon Vorbereitung für den späteren Dienst. Nicht für die Karriere und die Ehre bei den Menschen, sondern für den späteren Dienst.
Und dann, dass er beim Vater Zeltmacher lernte, ja. Darum konnte er später nach Ephesus und vorher noch nach Korinth, und dort kam gerade in der kritischen Zeit ein Ehepaar, die waren Zeltmacher, und da konnte Paulus bei ihnen arbeiten, teilzeitlich. Er musste nie von den Korinthern unterstützt werden, und das war so wichtig.
Später haben die Korinther ihm frech, nicht alle, aber es gab viele Freche in der Gemeinde, gesagt: Du machst das ja sowieso wegen der Finanzen. Da konnte er sagen: Es tut mir so leid, dass ich von euch nie Geld genommen habe. Von anderen habe ich das angenommen, von euch nicht. Das konnte er nur, weil Gott es so geführt hatte, dass Priscilla und Aquila gerade von dem Erlass von Kaiser Claudius aus Rom hinausgeworfen waren. Dann gehen sie von Italien nach Rom, und genau im richtigen Moment kommen sie eben nach Korinth, und Paulus kann dort bei ihnen Teilzeitarbeit machen, weil er das gleiche Handwerk hatte.
Aber das ist nur so ein kleines Beispiel. Das war ein Gefühl, dass er genau diesen Beruf lernte. Gott hat einen Plan, und das war natürlich aus anderen Gründen noch wichtig. Aber ich muss das nicht alles ausführen. Ich möchte nur sagen: Die ganze Entwicklung war in der Hand Gottes, und dann kam die Bekehrung. Und dann konnte Gott so vieles, was er gelernt hatte, heiligen und für den Dienst gebrauchen.
Das ist sehr beruhigend für uns zu wissen, dass die Zeit vor der Bekehrung, bei den einen war es zehn Jahre, bei den anderen zwanzig und noch mehr, nicht für nichts war. Man kann manchmal denken: Oh, was war die Zeit vorher? Nein, Gott hatte schon einen Plan. Er hat auch geplant, mit welchen Menschen wir damals zusammenkamen, was da war und dort und dort.
Wenn ich so zurückschaue, ist es unglaublich. Man sieht diesen roten Faden. Das musste dort sein, mit zwölf kam ich genau mit dem zusammen und wurde mir dort die Tür geöffnet. Ich habe nichts davon ahnen können, was das für später bedeuten sollte. Das ist, weil Gott von Mutterleib an absondert und einen Plan hat. Und das betont der Apostel Paulus so nebenbei.
Jetzt machen wir aber richtig Pause.

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