Zeitliche Einordnung der Ereignisse in der Passionswoche
Wir haben gesehen, dass im Markus-Evangelium genaue Zeitangaben gemacht werden. Dadurch kann man feststellen, was an welchem Tag und an welchem Wochentag in der Passionswoche geschehen ist.
Deshalb haben wir auch Klarheit über Matthäus 21,12: Dieses Ereignis fand nicht mehr am selben Tag wie der Einzug statt, sondern am nächsten Tag. Das wird eindeutig aus Markus 11,12 deutlich.
Im Folgenden werde ich immer wieder die Stellen aus Markus zitieren, in denen angegeben wird, wann ein neuer Tag beginnt.
Aber warum hat Matthäus die Ereignisse einfach so zusammengestellt, also mit der Methode der unbestimmten Zeitangabe?
In den Versen 1 bis 11 zeigt Matthäus, dass der Herr Jesus der Messias, der Fürst ist. Deshalb ist er derjenige, der über den Tempel in Jerusalem bestimmt – nicht die Führerschaft der Hohenpriester, der führenden Priester, Schriftgelehrten oder Ältesten, sondern der Messias selbst.
Darum zeigt Matthäus, dass Jesus das Recht hat, im Tempel aufzuräumen. Dieses Aufräumen fand jedoch am Montag statt. An diesem Tag wurde die Unordnung im Tempel aufgedeckt und wieder in Ordnung gebracht.
Die Tempelreinigung und ihre Bedeutung
Wir haben es hier mit dem Thema Geld und Geist zu tun. Das ist besonders schlimm im Haus Gottes. Wenn es bei Geldangelegenheiten nicht stimmt, ist das eine Katastrophe.
Dann muss der Sohn Gottes als „Herr über sein Haus“, wie er in Hebräer 3 genannt wird, also der Sohn, der über sein Tempelhaus herrscht, eingreifen. Jesus zitiert in Vers 13 Jesaja 56,7: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden.“
Doch dann sagt er: „Ihr macht es zu einer Räuberhöhle.“ Das ist eine Anspielung auf Jeremia 7,11, wo im Zusammenhang mit dem Tempel von einer Räuberhöhle gesprochen wird.
Warum eine Räuberhöhle? Im Talmud liest man von schweren Klagen darüber, dass die Opfertiere zu überhöhten Preisen verkauft wurden. Das war zwar praktisch, wenn man zum Beispiel von Nazaret kam – eine mehrtägige Reise nach Jerusalem – und nicht einen Stier über den gesamten Weg mitnehmen musste. Wenn man ein Brandopfer mit einem Stier darbringen wollte, konnte man diesen in Jerusalem kaufen.
Aber die Preise für die Opfertiere waren völlig überhöht. Menschen machten ein dickes Geschäft im Haus Gottes. Wenn so etwas geschieht, ist das absolut unakzeptabel.
Darum hat der Herr so massiv eingegriffen. Er, der in den Evangelien als gnädig vorgestellt wird, tritt hier mit großer Autorität auf. Er treibt alle aus dem Tempel hinaus und bezeichnet das Haus Gottes als Räuberhöhle.
Zwei Tempelreinigungen im Neuen Testament
Aber es gab noch ein Problem: Die erste Tempelreinigung – wo finden wir die? In Johannes, und zwar in Johannes 2. Das ist also gerade bevor der Herr Jesus öffentlich zu predigen begann. Das war etwa drei Jahre früher.
Es gab eine Tempelreinigung vor seinem öffentlichen Dienst und eine am Ende seines Dienstes. Das muss man unterscheiden, denn es sind nicht dieselben Ereignisse. Man sieht auch die Unterschiede. Was in Johannes 2 berichtet wird, ist nicht einfach eine Parallele zu dem, was wir gelesen haben.
Können wir Johannes 2,13 vorlesen? Nur gerade mal zwei Verse:
„Das Passa der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Er fand im Tempel die Ochsen, Schafe und Taubenverkäufer sowie die Wechsler sitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, auch die Schafe und Ochsen. Die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um. Zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!“
Also sehen wir, dass dort nicht nur Tauben verkauft wurden, sondern auch andere Opfertiere. Denn man sollte eigentlich nicht „Ochsen“ übersetzen, sondern „Rinder“. Ochsen waren nämlich kastrierte Tiere und wurden nicht geopfert. Rinder waren nicht brauchbar, aber Rinder, Schafe und Tauben schon.
Jetzt sehen wir, dass der Herr hier nichts von einer Räuberhöhle sagt. Er sagt: „Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!“ Es geht also grundsätzlich darum, dass im Tempel kein Handel getrieben werden soll.
Der Aufbau und die Nutzung des Tempelplatzes
Wo hat das stattgefunden? Ganz im Süden des Tempelplatzes, der ja gigantisch ist – 144 Quadratmeter. Das ist so groß, dass man alle berühmten Kathedralen von England hier unterbringen könnte und trotzdem noch Raum übrig hätte.
Ganz am südlichen Ende befand sich die schönste Halle, die sogenannte Königliche Säulenhalle. Sie wurde im Stil einer Basilika erbaut. Eine Basilika ist eine Säulenhalle in der römisch-griechischen Kultur, die man in größeren Städten als Sitz des Gerichts und als Marktplatz errichtete.
So wurde auch diese Halle gebaut. In der Südostecke dieser Halle befand sich der Sitz des obersten Gerichts, des Sanhedrin, unter der Leitung des Hohenpriesters – und zwar ab dem Jahr 30. Früher tagten sie in einem anderen Gebäude, ganz nahe beim Tempelhaus, in der sogenannten Quaderhalle. Im Jahr 30 sind sie in diese Säulenhalle umgezogen.
Deshalb wissen wir, wo der Prozess Jesu stattgefunden hat: in der Königlichen Säulenhalle. Der Prozess war im Jahr 30. Wenn wir also zusammen auf den Tempelplatz gehen würden, könnte ich genau die exakten Quadratmeter zeigen, wo der Prozess Jesu stattfand – und auch, wo der Verkauf der Opfertiere abgewickelt wurde.
So wurde das also auf diese Weise ausgeführt.
Die Erweiterung des Tempels und die Aufnahme der Heiden
Dieser Bereich gehörte nämlich zur Erweiterung des Tempels. Unter König Herodes, dem Kindermörder von Bethlehem, wurde der Tempel vom jüdischen Volk massiv ausgebaut. Er war etwa doppelt so groß wie der Salomontempel.
Diese Erweiterung erfolgte besonders im Hinblick auf die vielen Menschen aus anderen Völkern, die damals Interesse daran hatten, den Gott der Bibel kennenzulernen. Vor etwa zweitausend Jahren war im Römischen Reich bei vielen Menschen die Sehnsucht weit verbreitet, einen persönlichen, ewigen und absolut gerechten Gott zu finden.
Viele hatten genug von den furchtbaren Göttergeschichten mit Zeus, Apollo und all den Kriegen, Ehebrüchen und Vergewaltigungen unter den Göttern. Solche Geschichten wollte man nicht seinen Kindern erzählen. Man war offen für Neues und hörte, dass das jüdische Volk einen Gott kennt, der nicht dargestellt wird. Sie hatten nur einen Tempel, im Gegensatz zu den Heiden, die viele Tempel als Zeichen dafür hatten, dass es viele Götter gibt. Israel hingegen hatte nur einen Tempel, weil es nur einen wahren Gott gibt.
Darum kamen viele Menschen nach Jerusalem, um den Gott der Bibel kennenzulernen. Ein besonders schönes Beispiel ist der Kämmerer aus Äthiopien, der damals das Gebiet des heutigen Sudan südlich von Ägypten bezeichnete. Er unternahm die Reise von Schwarzafrika über Ägypten durch die Sinai-Halbinsel nach Israel, um dort anzubeten (Apostelgeschichte 8).
Dort kaufte er auch eine Jesajarolle, was damals schon ein gewisses Vermögen bedeutete.
Wir lesen außerdem in Johannes 12 von Heiden, die zum Tempel in Jerusalem kamen. Johannes 12,20 berichtet: „Es waren aber einige Griechen unter denen, die hinaufkamen, um auf dem Fest anzubeten.“ Diese kamen zu Philippus von Betsaida in Galiläa und baten ihn: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging daraufhin zu Andreas, und Andreas und Philippus sagten es Jesus.
Das Ziel dieser Menschen war es, nach Jerusalem zu kommen, um dort Gott anzubeten. Nicht Zeus oder Apollo, sondern den Gott der Bibel. Selbst solche Ausländer suchten den Kontakt zu den Jüngern, hier speziell zu Philippus, und wollten Jesus sehen. Sie hörten, dass der Messias da sei, und wollten ihn im Tempel kennenlernen. So hatten sie schließlich eine Begegnung mit Jesus im Tempel.
Der Tempel wurde also erweitert, gerade für diese Menschen, weil ein großes Interesse bestand. Sie kamen, durften aber nicht über die Zwischenwand der Umzäunung hinausgehen. Der innere Bereich des Tempels war nur für Juden zugänglich. Es gab also eine gewisse Einschränkung. Dennoch wurde so viel hinzugefügt, dass die Heiden Platz hatten, um im Tempel den wahren Gott anzubeten.
Zu diesem Bereich gehörte auch die königliche Säulenhalle.
Unterschiedliche Aussagen Jesu zur Tempelreinigung
Und wenn sie dort ihre Waren zu überhöhten Preisen verkauften, dann war das eine aktive Störung der Andacht und Anbetung.
In Johannes 2 sagt der Herr Jesus jedoch noch nichts von der Räuberhöhle. Er sagt: Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus. Dabei geht es nicht um die Räuberhöhle oder zu hohe Preise, sondern darum, dass hier nicht verkauft werden soll.
Wenn man das Wort „Kaufhaus“ zurückübersetzt ins Hebräische, lautet es „Chanut“. Im Talmud wird die königliche Sonnenhalle ebenfalls „Chanut“ genannt, was ein ganz normaler Begriff ist. Der Herr sagt also: Macht aus dem Haus meines Vaters keinen „Chanut“, keinen Laden.
Zum Beispiel gab es auf dem Ölberg eine Verkaufsstelle für Opfer. Dort konnte man hingehen, ebenso in anderen Bereichen Jerusalems, aber nicht im Tempelbezirk. Deshalb hat Jesus zu Beginn seines Dienstes ganz klar gesagt: Das geht nicht.
Am Ende seines Dienstes betont er es erneut und fügt hinzu, dass auch die überhöhten Preise nicht akzeptabel sind. Er sagt: Geht alle raus!
Parallele zur Schöpfung: Trennung und Ordnung
Und dazu können wir jetzt den ersten Schöpfungstag betrachten, ebenso den zweiten Schöpfungstag.
Am ersten Schöpfungstag ist die Erde vollständig von Wasser bedeckt. Dabei meint der Begriff „Erde“ den Planeten als Ganzes, nicht das Festland. Das Festland wird erst am dritten Tag sichtbar, wenn das Trockene erscheint. Die Erde ist von Wasser bedeckt und zugleich von Finsternis umhüllt. Dann lässt Gott Licht leuchten, wodurch der Wechsel von Tag und Nacht entsteht.
Am zweiten Schöpfungstag beginnt es wieder mit einer Erdoberfläche, die noch immer von Wasser bedeckt ist. In 1. Mose 1,6-8 heißt es: „Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern, und sie scheide Wasser von Wasser. Und Gott machte die Wölbung und schied das Wasser unterhalb der Wölbung von dem Wasser oberhalb der Wölbung. Und es geschah so. Und Gott nannte die Wölbung Himmel. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag.“
Was geschieht an diesem Tag? Es wird eine Trennung gemacht zwischen dem Wasser unterhalb und dem Wasser oberhalb. Dazwischen schafft Gott eine Ausdehnung. In der Übersetzung, die wir gelesen haben, steht das Wort „Wölbung“. Im Hebräischen heißt es „Rakia“. Rakia bezeichnet etwas Hauchdünnes und Weit Ausgedehntes. Es bezeichnet also nicht ein festes Firmament.
In der lateinischen Übersetzung wurde „Rakia“ mit „firmamentum“ übersetzt. Das Wort „firm“ bedeutet „fest“, als hätte Gott eine feste Kuppel geschaffen. Das ist jedoch ein heidnisches Weltbild aus der Antike. Die Bibel spricht von einer Ausdehnung, die die Atmosphäre beschreibt. Diese ist hauchdünn und weit ausgedehnt.
Das Wasser unten ist der Urozean. Gott nimmt Wasser von unten und hebt es empor. So entsteht das Phänomen der Wolkenbildung, bei dem große Mengen Wasser gebunden werden. Im Buch Hiob wird das Wunder beschrieben, wie Gott die Wolken schweben lässt, obwohl sie Abertonnen an Wasser enthalten. Diese Wolken schweben oben in der Luft.
Der Schöpfer hat dies mit großer Weisheit geschaffen. Er hat eine Trennung gemacht zwischen unten und oben. Ebenso hat der Herr Jesus im Tempel eine Trennung vollzogen zwischen dem, was gottgemäß ist, und dem, was nach den Menschen ist, und hat Letzteres hinausgetan. Genau diese Trennung ist hier gemeint.
Psalm 48: Lobpreis des Tempelbergs und des Königs
Wir können jetzt noch Psalm 48 betrachten. An diesem Tag wurde Psalm 48 vom professionellen Chor und Orchester aufgeführt – den ganzen Psalm.
Es ist ein Lied, ein Psalm von den Söhnen Korachs:
„Groß ist der Herr und sehr zu loben in der Stadt unseres Gottes.
Sein heiliger Berg ragt schön empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion im äußersten Norden, die Stadt des großen Königs.
Gott ist in ihren Palästen bekannt als Zuflucht.
Denn siehe, die Könige hatten sich verabredet und waren miteinander herangezogen.
Sie sahen es, da staunten sie, sie wurden bestürzt und von Angst fortgetrieben.
Zittern ergriff sie dort, Wehen wie die Gebärende.
Durch den Ostwind zertrümmerst du die Tarsischschiffe.
Wie wir gehört haben, so haben wir es gesehen in der Stadt des Herrn, der Herrscharen, in der Stadt unseres Gottes.
Gott wird sie fest gründen bis in Ewigkeit.
Wir haben nachgedacht, o Gott, über deine Gnade im Innern deines Tempels.
Wie dein Name, Gott, so ist dein Ruhm bis an die Enden der Erde.
Mit Gerechtigkeit ist gefüllt deine Rechte.
Es freue sich der Berg Zion, es sollen frohlocken die Töchter Judas über deine Gerichte.
Zieht rund um Zion und umkreist ihn, zählt seine Türme, richtet euer Herz auf seine Wallung, mustert seine Paläste,
damit ihr sie den künftigen Geschlechtern erzählt.
Ja, dieser ist Gott, unser Gott, immer und ewig; er wird uns leiten.“
Hier geht es um den Tempelberg in Jerusalem, der Berg Zion. Heute nennt man einen Nachbarhügel Zion, aber das ist erst seit nachbiblischer Zeit so. In biblischer Zeit wurde immer der Tempelberg als Zion oder auch Moria bezeichnet.
Wir lesen in Vers 3: „Schön ragt er empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion“, also der Tempelberg, an der Nordseite, „die Stadt des großen Königs“. Der große König ist der Messias.
An diesem Montag ist der große König in der königlichen Säulenhalle. Ich habe schon erklärt, dass die königliche Säulenhalle ein Gebäude in der alten Welt war, das für das Gericht und den Markt genutzt wurde. Was ich aber nicht gesagt habe: Das war auch der ideale Ort, wenn ein König in einer größeren Stadt zu Besuch kam. Dann musste er einen königlichen, triumphalen Auftritt machen – und das erfolgte in der königlichen Säulenhalle.
So kommt also der König, der am Tag zuvor in Jerusalem eingezogen war, dann in den Tempel ging, aber keine Zeit mehr für den königlichen Auftritt in der Säulenhalle hatte. Er kehrt zurück nach Britannien. Am nächsten Tag kommt er wieder und macht jetzt diesen triumphalen Auftritt in der königlichen Säulenhalle. Er ist eben der große König. Diese Stadt zusammen mit dem Berg Zion ist die Stadt des großen Königs.
Es heißt hier: „Schön ragt er empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion an der Nordseite.“ Was bedeutet das? Das kann man sehr schön sehen, wenn man auf dem Ölberg steht. Der ist etwas höher als der Tempelberg und bietet einen wunderbaren Ausblick, ein Panorama über den Tempelberg.
Wenn ich mit Gruppen dort bin, erkläre ich: „Jetzt schauen wir darüber hinweg.“ Man sieht den Südabhang des Tempelbergs, der sehr langgezogen ist, die Davidstadt, dann den Ofel, so heißt der Zwischenbereich, und ganz oben im Norden den Tempelplatz. Der Tempelplatz liegt also wirklich im Norden. Deshalb heißt es: „Schön ragt er empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion an der Nordseite.“ Dort im Norden, nach diesem langen Südaufgang, ist der Tempel.
Dann heißt es, dass Gott als Richter auftritt. Noch einmal Vers 11 und folgende: „Wie dein Name, Gott, so ist dein Ruhm bis an die Enden der Erde. Mit Gerechtigkeit ist gefüllt deine Rechte.“ Dann wird über Gottes Gerichte gesprochen, in Vers 12: „Es freue sich der Berg Zion, es mögen frohlocken die Töchter Judas um deiner Gerichte willen.“
Es ist wunderbar, wenn der König als Richter auftritt. Da kann sich der Berg Zion freuen. Ja, der Herr trat als Richter auf und jagte alle Verkäufer hinaus. Es geht hier also um den König auf dem Berg Zion, um den Richter, der für Ordnung sorgt.
Genau das haben sie an diesem Tag gesungen, als all dies geschah.
Widerstand gegen Jesus und Heilungen im Tempel
Und jetzt gehen wir zurück zu Matthäus 21. Das hat aber Widerstand hervorgerufen. In Vers 15 heißt es: Als aber die führenden Priester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: „Hosanna dem Sohn Davids“, wurden sie unwillig und sprachen zu ihm: „Hörst du, was diese sagen?“
Ja, der Herr hat dann gleich noch Blinde und Lahme im Tempel geheilt. In Jesaja 35 finden wir diese Prophetie: Gott kommt, der Messias kommt, und dann werden die Augen der Blinden geöffnet werden.
Können wir kurz aufschlagen? Jesaja 35,4 sagt: „Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, da ist euer Gott. Rache kommt, die Vergeltung Gottes, er selbst kommt und wird euch retten.“
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und jauchzen wird die Zunge des Stummen.
Gleichzeitig, als Retter, kommt die Vergeltung Gottes. Er selbst kommt und wird euch retten. Er hat als Richter die einen hinausgeworfen und die Lahmen und Blinden geheilt.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan, und der Lahme wird springen wie ein Hirsch. Es ist genau so geschehen.
Konfrontation mit den religiösen Führern
Dann kommt jedoch Opposition von den führenden Priestern, also vom Sanhedrin. Der Sanhedrin bestand zum Teil aus dem Hohenpriester und den führenden Priestern sowie den Schriftgelehrten.
Als die führenden Priester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, ertrugen sie das nicht. Doch vor Ort war der Beweis: Das ist der Messias! Dabei muss man bedenken, dass der Sanhedrin die Erlaubnis gegeben hatte, dass diese Opfer verkauft werden, und auch die Preise dafür festgelegt hatte.
Nun kommt ein Mann aus Nazareth, der nicht einmal ein ordinierter Rabbi ist. Ordinierung bedeutet, dass ein Rabbi die Hände auflegt und man so ein anerkannter Rabbi wird. Dieser Mann lehrte jedoch ohne Ordination. Trotzdem erfüllt er genau die Prophezeiungen über den Messias.
Jetzt sind sie gezwungen, Stellung zu beziehen. Entweder ist dieser Mann jemand, der nicht auf den Sanhedrin hört – und so jemand muss sterben. Nach 5. Mose heißt es, wenn jemand nicht auf die Stimme der Richter im Tempel hört, muss er sterben. Wenn dieser Mann aber höher ist als der Sanhedrin, dann muss der Sanhedrin auch ihm gehorchen.
Man merkt die Konfrontation, die zwischen oben und unten stattfindet.
Dann kommen noch die Kinder ins Spiel. Kinder schreien im Tempel – aber nicht einfach wild, sondern sie rufen „Hosanna dem Ben David“, dem Sohn Davids. Das ist der Titel, mit dem man den Messias nannte, weil dieser von David abstammen musste. Dieser Mann aus Nazareth stammte nachweislich über Maria von David ab.
Das Geschlechtsregister konnte man damals noch einsehen, denn es war alles im Archiv in Jerusalem bis zum Jahr 70 n. Chr. gelagert. Lukas zitiert das in Lukas 3. Die Kinder sind auch der Meinung, dass er der Messias ist.
Die Führer werden unwillig und sagen: „Hörst du nicht, was die sagen? Jetzt musst du doch für Ordnung sorgen, das geht ja nicht.“ Doch der Herr antwortet: „Habt ihr nie gelesen?“ Diese Leute hatten ihr Leben lang die Bibel gelesen.
Es gibt jedoch Lesen und Lesen. Wir hatten das schon in Matthäus 12, wo der Herr auch sagt: „Habt ihr nie gelesen?“ In Matthäus 19 wendet er sich an die Pharisäer mit den Worten: „Habt ihr nie gelesen?“ Dabei wird auf 1. Mose 2 hingewiesen.
Später wiederholt er das in Vers 42: Jesus spricht zu ihnen: „Habt ihr nie in den Schriften gelesen?“ Unglaublich – sie haben so viel gelesen, aber verstehen es nicht.
Man kann theologisch gebildet sein, intellektuell, und doch nichts verstehen. Und Kinder verstehen es. Das ist erstaunlich!
Es gibt Lesen und Lesen. Der Herr Jesus zitiert aus Psalm 8, einem messianischen Psalm, der auf den Sohn des Menschen hinweist, also auf den Titel des Messias. In Psalm 8 heißt es: „Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet.“
Das muss so sein. Wenn die Kinder ein bisschen länger gestillt wurden – zwei, drei, vier Jahre – konnten sie auch im Chor mit einstimmen. Das sind Säuglinge, die sprechen können: „Hosanna dem Sohn Davids!“
Es endet also mit einer Konfrontation. Danach geht Jesus aus der Stadt hinaus und übernachtet wieder in Bethanien. Das war an einem Montag.
Beginn der Diskussionen im Tempel am Dienstag
Geht das weiter? Wir haben dann diesen Abschnitt ab Vers 8 mit dem Feigenbaum. Ich möchte diesen Teil jetzt kurz übergehen, da wir noch ungefähr zwei Minuten Zeit haben. Nächstes Mal werde ich dann auf die Verfluchung des Feigenbaums eingehen.
Um jedoch jetzt die Verbindung zu dem, was geschehen ist, herzustellen, wollen wir sofort auf Vers 23 eingehen. Dort heißt es: „Und als er in den Tempel kam, traten die führenden Priester und die Ältesten des Volkes zu ihm und sprachen“. Diesen Abschnitt werden wir uns beim nächsten Mal nochmals genauer anschauen.
Wir sind jetzt bereits am Dienstag. Was geschieht hier? Die führenden Priester und Ältesten kommen zu Jesus und stellen ihm Fragen. Den ganzen Tag über, an diesem Dienstag, gibt es Diskussionen. Eine Gruppe des Judentums nach der anderen kommt, und der Herr widerlegt jede Gruppe. Am Schluss, als sie nichts mehr zu sagen hatten, stellt er noch eine Frage. Diese Frage ist bis heute vom Judentum, insbesondere vom orthodoxen Judentum, nicht beantwortet worden. Die Frage ist offen.
Um die Linie aufzuzeigen: An diesem Dienstag kommen sie und fragen in Vers 23, in welchem Recht oder in welcher Autorität, in welcher Vollmacht Jesus diese Dinge tut. Wer hat ihm dieses Recht oder diese Autorität gegeben?
Wir haben gesehen, dass in der königlichen Säulenhalle eine Opposition zwischen dem Sanhedrin, der dort seinen Sitz hatte, und Jesus bestand. Dies geschah im Zusammenhang mit den Opfern, die dort verkauft wurden, auf Anordnung des Sanhedrin. Jetzt kommt ein Mann und sagt, das ist alles falsch. Sie fragen: „In welchem Recht tust du das? Woher hast du die Autorität, dem Sanhedrin zu widerstehen?“
Was macht der Herr Jesus? Er stellt eine Gegenfrage. In einem hebräischen Lehrbuch habe ich gelesen, dass es unanständig sei, Gegenfragen zu stellen, aber es sei eben sehr jüdisch. Es gibt eine Anekdote, in der jemand einen Juden fragt: „Warum stellt ihr immer Gegenfragen?“ Die Antwort lautet: „Warum nicht?“
Man muss jedoch den Unterschied sehen. Der Herr Jesus stellt hier eine Gegenfrage, die nicht unhöflich oder einfach nur jüdisch ist, sondern unbedingt nötig war. Manchmal sind Gegenfragen Ausflüchte, um sich der Sache nicht zu stellen. Aber manchmal sind Gegenfragen notwendig, damit der andere sich selbst die Antwort überlegt. Wenn er darauf kommt, ist die Antwort noch wertvoller.
Darum sagt Jesus: „Ich will euch auch etwas fragen. Wenn ihr mir sagt, dann werde ich euch auch sagen, in welchem Recht oder in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.“ Dann fragt er: „War die Taufe von Johannes von Gott oder von Menschen?“
Johannes trat als Prophet in der Wüste auf, und die Masse des Volkes ging damals zu ihm hinaus. Sogar außerbiblisch wird berichtet, etwa von Josephus Flavius, dass Johannes’ Auftreten eine Sensation in Israel war. Es bewegte das ganze Volk. Johannes war bekannt als unantastbar und gerecht und hatte eine unglaubliche Autorität.
Die meisten Menschen gingen zu ihm, bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen, um bereit zu sein für den Messias. Johannes sah auch den Herrn Jesus, der zum Jordan herabkam, in der Nähe von Jericho in der Wüste. Er sagte: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Johannes 1). Damit machte er dem ganzen Volk klar, dass Jesus der Messias ist, der nach Jesaja 53 als Lamm Gottes sterben wird.
Die Pharisäer und die führenden Priester jedoch ließen sich nicht von Johannes taufen. Nun stellt sich die Frage: War Johannes von Gott oder war es etwas Menschliches? Die Masse war überzeugt, dass Johannes ein von Gott anerkannter Prophet war.
Wenn sie aber sagen würden, dass die Taufe von Menschen sei, würde das Volk einen Aufstand machen. Wenn sie jedoch sagen würden, dass sie von Gott sei, würde die Gegenfrage kommen: „Warum habt ihr dann nicht Buße getan?“ Die Antwort darauf war: „Wir wissen es nicht.“ Und das war eine Lüge, eine bewusste Lüge.
Wenn Führer im Volk Gottes lügen, ist das ein absolutes No-Go. Man muss sich klar sein: Wenn man beginnt zu lügen, ist man im geistlichen Leben blockiert. Wie könnte es weitergehen? Das ist so schwerwiegend.
Sie haben gelogen, lebten weiter, wirkten weiter und leiteten das Volk Gottes weiter. Der Herr sagt dann: „Dann sage ich euch auch nicht, in welchem Recht ich das tue.“ Aber sie waren vor sich selbst entlarvt. Sie hatten gelogen und konnten keine Antwort geben.
Hätten sie gesagt, Johannes sei von Gott, dann hätten sie gewusst, in welchem Recht Jesus das tut, denn Johannes hatte gesagt: „Siehe, das Lamm Gottes.“ Es war für ganz Israel völlig klar verkündet, dass Jesus der verheißene Messias ist, der für unsere Sünden sterben wird.
Das sollte gerade in den nächsten Tagen, wie Matthäus beschreibt, stattfinden. Diesen Zusammenhang muss man unbedingt sehen.
Psalm 82: Gottes Gericht über ungerechte Richter
Und dazu noch Psalm 82 zum Schluss lesen, wo wir den Text finden, der an diesem Tag im Tempel offiziell gesungen wurde. Das ist der Psalm für Dienstag. Dürfen wir noch kurz hören?
Ein Psalm von Asaf:
Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Götter richtet er.
Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Gottlosen begünstigen?
Schafft Recht dem Geringen und der Weise!
Dem Elenden und dem Bedürftigen lasst Gerechtigkeit widerfahren!
Rettet den Geringen und den Armen, entreißt ihn der Hand der Gottlosen!
Sie erkennen nichts und verstehen nichts, im Dunkeln laufen sie umher.
Es wanken alle Grundfesten der Erde.
Ich sagte zwar: Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle.
Doch wie ein Mensch werdet ihr sterben, wie einer der Obersten werdet ihr fallen.
Stehe auf, o Gott, richte die Erde,
denn du sollst zum Erbteil haben alle Nationen.
Jetzt muss ich noch erklären: Im Alten Testament bedeutet das Wort Elohim „Gott“, aber an verschiedenen Stellen, wie zum Beispiel in 2. Mose 21,6, ist es die Bezeichnung für die Richter.
In 2. Mose 21 kann man lesen: Wenn irgendeine Sache war in Israel, dann soll man sie zu den Richtern bringen, die Betroffenen. Und für Richter steht dort Elohim, man soll also zu den Elohim bringen.
Das liegt daran, dass die Richter Gott und seine Autorität repräsentieren sollten und im gerechten Gericht eben wiedergeben. Hier wird nun gesprochen über die Gemeinde der Richter, die Gemeinde Gottes. Damit ist gemeint die Versammlung der Richter, der Sanhedrin, mit 71 Richtern unter der Leitung des Hohen Priesters.
Dann heißt es aber von Gott: Er ist da in dieser Gemeinde Gottes, inmitten der Elohim richtet er, also inmitten der Richter Israels. Gott ist der Richter, und da mussten sie ja Richter sein im Tempel, da wo Gott wohnte.
Und dann lesen wir: „Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen?“ Das wurde an diesem Tag gesungen, und die waren so verlogen.
In den nächsten Tagen werden sie den Herrn verhaften lassen, den Römern übergeben, damit er gekreuzigt wird. „Verschafft Recht dem Geringen und ganz allgemein dem Weisen! Dem Elenden und dem Armen lasst Gerechtigkeit widerfahren!“ Alles andere ist in Bezug auf den Herrn geschehen.
Der größte Justizmord aller Zeiten sollte in den nächsten Tagen stattfinden, in der Passionswoche. „Befreit den Geringen“, aber sie haben gerade den Herrn verhaften lassen. Und den Armen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen? Nein, er wurde in die Hand der Sünder übergeben.
Und dann heißt es von diesen Richtern: „Sie wissen nichts und verstehen nichts, in Finsternis gehen sie umher. Sie wissen nichts, sie verstehen nichts.“
Wir werden dann weiterlesen in Matthäus, da kommen all diese verschiedenen Gruppen des Judentums, führende Leute. Und bei allen muss man sagen: Sie wissen nicht, sie verstehen nicht. Und der Herr sagt: „Habt ihr nicht gelesen?“ Sie wissen nichts, verstehen nichts. Und in Finsternis gehen sie umher.
Und dann als Kontrast wird Gott aufgerufen, dass er für Gerechtigkeit sorgen soll: Vers 8
„Steh auf, o Gott, richte die Erde, denn du wirst alle Nationen zum Erbteil haben.“
Also, es ist sensationell, nicht wahr, diese Konfrontation mit dem obersten Gerichtshof. Psalm 82 sagt, der oberste Gerichtshof ist blind in der Finsternis, sie wissen nichts, sie sind ungerecht. Aber es war alles ein Reden Gottes.
Jemand, der der Aufmerksamkeit wieder zugehört hat, was wird da eigentlich gesungen? Durch diese Lieder zu uns.
Abschluss und Ausblick
Ja, hier wollen wir also aufhören, denn die zwei Minuten sind schon vorbei.
Johannes, der Wegbereiter von Jesus, der gesagt hat, dass Jesus das Land Gottes ist, welches die Sünde der Welt trägt, geriet später im Gefängnis in Zweifel. Er schickte daraufhin seine Jünger zu Jesus mit der Frage: „Bist du der Verheißene, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortete darauf mit den Worten, dass Blinde sehen und Lahme gehen, also eine klare messianische Prophetie aus dem Alten Testament. Ähnlich wie bei der Frau in Johannes 8, als Jesus in den Sand schrieb, verstanden die Menschen diese Zeichen ohne Worte. Sie wussten durch die Zeugnisse, mit oder ohne Worte, dass Jesus der Messias sein musste.
Für diejenigen, die den Livestream hören und nichts verstanden haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Johannes der Täufer hatte klar erkannt, dass Jesus der Messias ist. Doch als er im Gefängnis war, bekam er Zweifel und schickte jemanden, um zu prüfen, ob Jesus wirklich der Kommende ist. Das hatten wir ja früher ausführlich in Matthäus betrachtet. In Matthäus 11,2-6 sagte Jesus dann zu Johannes’ Jüngern, dass Blinde sehen, Lahme gehen und andere Wunder geschehen, um zu zeigen, dass Jesaja 35 erfüllt wird. Dies sollte Johannes im Glauben stärken.
Man sieht also, dass selbst ein führender Mann in eine Krise fallen und Zweifel bekommen kann. Doch das Wort Gottes hilft, aus solchen Krisen wieder herauszukommen.
Nun wollen wir hier schließen.
