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Es muss alles anders werden - aber wie?

28.04.1966

Heute Abend lautet das Thema: „Es muss alles anders werden, aber wie?“

Die Geschichte des jungen Ingenieurs und die Lebensbrücke

In meiner Jugend las er mit Begeisterung die Novellen eines Schriftstellers, der heute vergessen ist, namens Max Eid. Dieser war eigentlich Ingenieur und berichtete so aus den Anfängen des technischen Zeitalters.

Er hat eine Novelle geschrieben mit dem Titel „Berufstragik“. Darin schildert er einen jungen Ingenieur, der eines Tages durch merkwürdige Umstände einen ganz großen Auftrag erhält. Er soll über einen Fluss, der eigentlich schon ein Meeresarm ist, eine Brücke bauen.

Es ist eine sehr schwierige Brücke, weil dort bereits Ebbe und Flut wirken. Man muss bedenken, dass es Anfang des technischen Zeitalters ist. Damals war es noch nicht möglich, die Zwischenschritte so genau zu berechnen. Der junge Mann baut also diese riesige Brücke über einen Meeresarm.

Als die Brücke fertig ist, findet eine riesige Einweihungsfeier statt: Zeitungen berichten darüber, es gibt Musik und Fahren, und er wird großartig gefeiert. Prominente fahren in einem Zug über die Brücke, alle Zeitungen sind voll von seinem Namen, und nun ist er ein gemachter Mann.

Er hat in London ein riesiges Architektenbüro, heiratet eine reiche Frau und besitzt alles, was das Herz begehrt. Doch in seinem Leben gibt es ein merkwürdig dunkles Geheimnis, von dem nur seine Frau weiß.

Wenn es Herbst wird und die Herbststürme anfangen zu toben, dann ist er verschwunden. Er reist an den Meeresarm zu seiner Brücke. Wenn nachts der Sturm tobt und es regnet, steht er in einem Pelzmantel gehüllt draußen und hat Angst. Er spürt, wie der Sturm auf die Pfeiler dieser Brücke drückt.

Dann rechnet er immer wieder durch: Hat er die Pfeiler stark genug gemacht? Hat er den Winddruck auf die Pfeiler richtig berechnet? Wenn die Stürme vorüber sind und der Winter kommt, ist er wieder in London. Dort ist er der große Mann, spielt im gesellschaftlichen Leben eine wichtige Rolle. Niemand merkt ihm an, dass er im Grunde immer eine geheime Furcht hat.

Wenn der Frühling kommt und die Frühlingstürme einsetzen, wohnt er wieder in dem kleinen Fischerhaus an der Flussmündung. Dann geht er nachts hinaus, wenn der Sturm auf seine Brücke drückt. Er fragt sich: Ist die Brücke richtig gebaut? Ist sie stark genug?

Dies ist das dunkle Geheimnis in seinem Leben: Ob seine Brücke richtig ist und den Stürmen gewachsen ist. Max Eid schildert es erschütternd, wie er eines Nachts in einer furchtbaren Sturmnacht den Zug kommen sieht. Er steht da und beobachtet, wie der Zug auf die Brücke fährt. Er sieht die Schlusslichter, doch plötzlich sind sie verschwunden im Turm des Sturms.

Er weiß: Jetzt ist die Brücke in der Mitte zusammengestürzt und der Zug ins Meer gestürzt.

Die Lebensbrücke und die menschliche Furcht vor Veränderung

Als ich die Geschichte als junger Bursche zum ersten Mal las, ging mir heimlich der Gedanke durch den Kopf: Ist das nicht die Geschichte eines jeden Menschen? Wir bauen alle an der Brücke unseres Lebens. Ab und zu, wenn wir eine schlaflose Nacht haben oder etwas uns bewegt, dann erhebt sich die Furcht: Habe ich die Brücke meines Lebens eigentlich richtig gebaut?

Dann wissen wir ganz genau, wie dieser Ingenieur weiß: Es stimmt nicht ganz. Er wusste, dass an den Mittelpfeilern gespart wurde, um einen niedrigen Kostenanschlag zu erreichen. Nein, meine Brücke ist ja gar nicht in Ordnung. Seine ganze Furcht ist ein Wissen: Stimmt ja gar nicht!

Sehen Sie, ich bin ein alter Großstadtpfarrer. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, alt oder jung, bei dem ich wirklich nachgehakt habe mit der Frage: „Sag mal, ist die Brücke deines Lebens in Ordnung?“ – und der nicht plötzlich herausgekommen wäre mit: Nein, es müsste vieles anders sein.

Hier sind etwa neunhundert Menschen versammelt. Ich kann natürlich nicht sagen, wo bei Ihnen der schwache Punkt der Brücke Ihres Lebens ist. Aber Sie wissen alle genau, dass es anders werden müsste. Und dann fasst man ab und zu einen Vorsatz und sagt: Ich will mich ändern, ich will mich auf diesem und jenem Gebiet ändern.

Sagen Sie, glauben Sie wirklich, dass ein Mensch sich ändern kann? Nein, ein Mensch kann sich nicht ändern. Die Bibel sagt das ganz brutal. Sie sagt: Kann auch ein Panther seine Flecken verändern oder ein Moor seine Farbe? Und so wenig er das kann, so wenig könnt ihr Gutes tun, die ihr ein böses Herz habt.

Die Welt ist voll mit moralischen Reden und moralischen Vorsätzen. Aber das kann sich kein Mensch ändern. Das ist ein hartes Wort. Und sehen Sie, ich stehe oft erschüttert zwischen den Menschen, mit denen ich zusammenkomme, und spüre: Ihr wisst genau, die Brücke eures Lebens ist nicht in Ordnung.

Und dann stehen Sie da und fragen: Ja, was soll ich denn tun? Ich kann mich doch nicht ändern. Da: „Unkeusche können sich kein reines Herz geben.“ Und wir, die wir lügen, können uns nicht wahrhaftig machen. Wenn wir selbstsüchtig sind, können wir nicht plötzlich altruistisch sein. Wir können ein bisschen lieber heucheln und grinsen, wenn ein anderer kommt, aber wir bleiben genauso selbstsüchtig wie vorher.

Und der Unehrliche kann sich nicht ehrlich machen. Wenn ich Sie doch kennen würde und wüsste, wo die Brücke Ihres Lebens nicht stimmt – aber Gott kann es Ihnen jetzt zeigen. Das ist eine erschütternde Wahrheit, die die Bibel zeigt.

Ich sage ja nicht meine Ideen, ich sage, was Gottes Wort sagt.

Die atemberaubende Botschaft der Veränderung durch Jesus Christus

Und sehen Sie, nun kommt die Bibel mit einer unerhörten, atemberaubenden Botschaft und sagt: Der lebendige Gott hat einen in die Welt gesandt, der uns und unser ganzes Leben ändern kann. Und zwar nicht irgendeinen, sondern seinen Sohn, den Herrn Jesus.

Meine Freunde, ich weiß nicht, ob es an der Kirche liegt, dass viele Menschen denken, das Christentum sei eine langweilige Angelegenheit. Ich finde, das ist die atemberaubendste Botschaft überhaupt. Stellen Sie sich vor, wie ein junger Offizier da stand, völlig überfordert, und wusste: So komme ich in die Hölle. Er wusste nicht, wie er anders werden sollte.

Dann erfährt er: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das Leben haben (Johannes 3,16). Darf ich in Klammern sagen: Wenn Ihnen jemand von Jesus erzählt und ihn als Religionsstifter oder bloß als einen Menschen wie wir beschreibt, dann glauben Sie ihm nicht. Der redet von jemand anderem. Ich rede von Jesus, dem Sohn Gottes, der einmal sagte: „Ihr seid von unten, ich bin von oben“ (Johannes 8,23). Von dem reden wir.

Denn Gott gibt uns die einzige Chance. Dieser Jesus sagt das unerhörte Wort: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Er kann Menschen verändern. Ich habe Trinker gesehen, die frei geworden sind, selbstsüchtige alte Frauen, die die ganze Menschheit mit ihrer Selbstsucht gequält haben, wurden auf einmal verwandelt und sahen die anderen. Männer, die gebunden waren in ihrer schmutzigen Unreinheit, wurden frei. Jesus verändert Menschen, Verhältnisse und Familien, die zerstritten waren. Jesus kommt hinein und ordnet alles neu.

Das ist kein Märchen. Ich könnte Ihnen zahlreiche Beispiele erzählen. Wer war es, der das sagte: „Siehe, ich mache alles neu“? Und sehen Sie, darum brauchen wir, die wir genau wissen, dass die Brücke unseres Lebens nicht stimmt, diesen Heiland. Wir brauchen diesen Heiland, wir brauchen den Herrn Jesus – nicht das Christentum, sondern Christus.

Verstehen Sie den Unterschied? Ich brauche keine Lehre, keine Religion, kein Dogma, keine Kirchlichkeit, sondern einen lebendigen Heiland. Und der ist da. Und den dürfen Sie heute Abend noch anrufen und ihm den ganzen Jammer Ihres Lebens erzählen.

Das ist eigentlich die Botschaft, die ich habe.

Das Bild vom Holz im Strudel als Symbol für das menschliche Leben

Lassen Sie mich das, was ich eben sagte, an einem Beispiel deutlich machen. Vor kurzem war ich eine Woche in München. Mein Hotel lag in der Nähe des Englischen Gartens. München ist ja beinahe so schön wie Lübeck, nicht wahr? Zu den Schönheiten Münchens gehört der riesige Park mitten im Herzen der Stadt, der Englische Garten.

Jeden Morgen, wenn ich im Englischen Garten spazieren ging, kam ich an einer Stelle vorbei, an der ein kleines Flüsschen fließt. Dort führte eine Holzbrücke darüber. Links von der Brücke stürzte das Wasser über ein Wehr hinunter. Eines Tages sah ich genau an dieser Stelle ein großes Stück Holz, das im Wasser tanzte. Da ich Zeit hatte, beobachtete ich, wie das Holz sich immer im Kreis drehte. Ab und zu sah es so aus, als würde es in die Strömung kommen und weiterfließen können. Doch dann packte es der Strudel wieder und drehte es herum.

Am nächsten Tag war das Holz immer noch da. Es sah weiterhin so aus, als würde es versuchen, in die Strömung zu gelangen, aber der Wirbel packte es immer wieder. Können Sie sich das vorstellen? Immer im Kreis herum, immer wieder im Kreis herum. Da fließt eine lebendige Strömung, aber das Holz bleibt im Kreis. So ist das Leben der meisten Menschen: immer derselbe alte Kreis, dieselben Sünden, dieselben Nöte, dieselbe Gottlosigkeit, dieselbe Verzweiflung im Herzen – immer im Alltag im selben Kreis.

Doch es gibt eine Strömung, eine mächtige Strömung, die vom Sohn Gottes ausgeht, von Jesus. Dieser Jesus ist am Kreuz für uns gestorben. Glauben Sie, wenn Gott seinen Sohn so grausam sterben lässt – auch wenn Sie das nicht ganz verstehen –, dass das etwas zu bedeuten hat? Sehen Sie den Geist mit den angenagelten Händen! Auch mich erlöst er da. Das muss doch etwas sein! Da könnte ich nicht einfach vorbeigehen. Ich muss mich darum bemühen, das zu verstehen.

Und dann hat Gott ihn am dritten Tag von den Toten auferweckt. Von diesem Jesus geht eine Strömung der Erlösung aus. Aber wir sind wie das Holz im Englischen Garten, immer im Kreis. Ich dachte, es bedarf nur eines Anstoßes, dass ich das Holz anstoße, und dann kommt es in die Strömung. Aber ich konnte nicht ins Wasser gehen, ich wollte nicht. Wir sind kein Stück Holz, können Sie das verstehen? Wir sind kein Stück Holz. Den einen Schritt aus dem immer alten Kreis, den einen Schritt in die Strömung der Erlösung, die vom Sohn Gottes ausgeht, den müssen wir selbst tun.

Am Ende sehen wir, dass Gott zieht, nicht wahr? Aber ich muss Ihnen sagen: Sie müssen es selbst tun. Es gibt Menschen, die spüren ganz deutlich, dass Gott in ihrem Herzen zieht und dass sie diesen Schritt tun müssen – aus dem ewig alten Kreis in die Strömung der Erlösung, die von Jesus ausgeht. Was das bedeutet, haben wir in den letzten Tagen viel besprochen. Ich möchte es Ihnen an ein paar biblischen Geschichten deutlich machen. Ich erzähle gern Geschichten aus der Bibel.

Haben Sie schon vom Apostel Paulus gehört? Ohne ihn gäbe es in Lübeck keine christliche Kirche, und wie viele gäbe es hier nicht, wenn Paulus nicht gewesen wäre! Er hat im ersten Jahrhundert das Evangelium in die Völkerwelt getragen. Dadurch wurde das Abendland christlich.

Paulus war ins Gefängnis gekommen und saß in Caesarea, wo der römische Landpfleger Felix seine Residenz hatte. Dieser römische Prokurator war ein einflussreicher, stolzer Mann. Er hatte eine Frau aus dem Volk Israel, die Drusilla hieß. Eines Tages sagte Drusilla zu ihm: „Du hast da einen Gefangenen, lieber Mann, von dem sprechen alle. Du wirst ihn doch in den nächsten Tagen verhören. Kann ich dabei sein?“ Frauen sagen so etwas gern, wenn sie bei den Männern dabei sein wollen, nicht wahr? Felix antwortete: „Gut, Drusilla, geh mit.“

So wurde ein großer Schauprozess vorbereitet. Drusilla und Felix erschienen, und die römischen Soldaten mit Speer und Schild waren aufmarschiert. Ich sehe das Bild förmlich vor mir – stellen Sie sich das vor! Dann wurde der Gefangene Paulus hereingeführt. Nach fünf Minuten hatte sich die Szenerie geändert: Paulus war nicht mehr der Angeklagte, sondern die ganze Gesellschaft um ihn herum war angeklagt. In der Bibel heißt es, Paulus sprach von Gerechtigkeit. An dieser Stelle stimmte die Lebensweise des römischen Landpflegers nicht. Diese Männer waren bestechlich.

Paulus sprach von Gerechtigkeit, Keuschheit und vom Gericht Gottes. Felix hielt das nicht mehr aus, sprang auf und sagte: „Stop, Paulus, das sind wichtige Dinge, die du da sagst, aber ich habe heute keine Zeit mehr. Wenn ich Gelegenheit habe, wollen wir wieder darüber sprechen.“ Dann ließen sie Paulus abführen.

Spüren Sie, wie in diesem Augenblick dem römischen Prokurator Felix bewusst wurde, wie sein Leben immer im alten Kreis von Ungerechtigkeit, Geldgier, sexueller Unsauberkeit und Gottlosigkeit sich dreht? Er spürte etwas von der lebendigen Strömung, die vom Sohn Gottes ausgeht, von dem Leben. Und dann packte ihn die Angst: „Nein, nein, später mal!“ Felix sprach nie wieder mit Paulus. Es blieb alles beim Alten.

Hier sitzen viele Leute, die mich heute Abend hören, und alles bleibt, wie es ist. Gott hat sie vergeblich gerufen, und Jesus starb vergeblich für sie. Der Sohn Gottes ist auferstanden, und sie hatten keinen Nutzen davon – keine Vergebung, keine Freiheit, keinen Frieden mit Gott. Alles blieb beim Alten, wie das Stück Holz im Englischen Garten.

Felix trieb es zu weit und wurde abgelöst. Sein Nachfolger war Festus, ein neuer Landpfleger. Eines Tages bekam Festus Besuch vom jüdischen König Agrippa und seiner Frau Bernice. Die beiden sagten: „Festus, du hast da einen interessanten Gefangenen, den möchten wir gern sehen.“ So erlebte Paulus das zweite Mal einen Schauprozess, diesmal vor König Agrippa, Bernice und dem römischen Prokurator Festus. Für den Thronsessel waren nur drei Plätze vorgesehen, und wieder gab es eine große Schau.

Diesmal sprach Paulus vielleicht nicht so viel von Sünde, sondern malte vor ihren Augen den Sohn Gottes aus, der gesagt hat: „Wer da dürstet, der komme zu mir und trinke.“ Ihr mit eurem Lebensdürsten, eurem Lebenshunger, mit eurem beladenen Gewissen, eurer Sehnsucht nach Gott und eurer Angst vor dem Sterben – Jesus breitet die Hände aus und sagt: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ So hat Paulus es vor ihre Augen gestellt.

Als er fertig war, sagte der Landpfleger: „Reden kannst du großartig, Paulus, aber ich glaube, was du sagst, ist ein bisschen verrückt. Du lässt dich von deinem Temperament mitreißen. Du hast gar nichts begriffen.“ In der Bibel steht von manchen Menschen, ihr Herz sei wie mit Schmalz bestrichen, da läuft alles Wasser ab. Vielleicht sitzen hier auch Leute, die ein Herz wie Schmalz haben. So war Herr Festus.

Aber König Agrippa war ganz erschüttert und sagte ein Wort, das mich schrecklich erschüttert hat: „Paulus, es fehlt nicht viel, du überredest mich, ein Jesusjünger zu werden.“ Es fehlte nicht viel. Dann ging er, und alles blieb beim Alten. Das Holz dreht sich immer im alten Wirbel, im alten Alltag, im alten Leben. Bis zum Tod und in die Hölle hinein immer das alte Lied von Sünde: „Ich bin doch richtig, und ich habe keinen Frieden mit Gott.“ Es fehlt nur ein Schritt, und doch bleibt alles beim Alten.

Das ist erschütternd. Ja, es gibt Menschen, die christlich sind und doch nicht Kinder Gottes, Menschen, die christlich sind und doch verloren gehen, Menschen, die christlich sind und doch friedlos hier leben.

Sehen Sie, nun will ich das Gegenstück zeigen. In der europäischen Stadt Philippi kam Paulus an. Dort gab es Theater und Kino – nein, Kino gab es noch nicht. Da gehörte auch ein Gefängnis zur Stadt, verwaltet von einem Gefängnisdirektor. Das waren meist ehemalige römische Offiziere, die wegen Kreislaufstörungen solche Posten bekamen. Verstehen Sie mich? Der Kerkermeister bekam also den Posten.

Eines Tages wurden dem Kerkermeister zwei Gefangene gebracht, wie er sie selten hatte: der Apostel Paulus und Silas. Sie hatten kräftig gepredigt, und es gab Tumult in der Stadt. Die Obersten ließen sie verhaften und übergaben sie dem Kerkermeister mit dem Auftrag: „Verwahr sie bis morgen.“ Der Kerkermeister, ein richtiger Kommisskopf, sagte: „Gut, verwahren, jawohl.“

Er führte sie in das Gefängnis ganz unten, wo das Wasser von den Wänden lief, brachte sie dorthin und legte ihnen Ketten an. Wenn Sie mich gefragt hätten, was der Mann für eine Religion hatte, hätte ich gesagt: Wie die meisten Lübecker, glaubte er an einen Herrgott, vielleicht auch an mehrere Herrgötter. In Rom hatte man Religion, die man selbst nicht ernst nahm. So ist es heute in Deutschland auch: Man ist christlich, aber nicht ernsthaft.

Es gab Staatsgötter, und der Kaiser galt auch als Gott, dem man Weihrauch streute. Aber daran glaubte man nicht wirklich. Man machte nur mit, weil es dazugehörte. Wer Freidenker war, galt als Kommunist und war nicht salonfähig. Können Sie sich den Kerkermeister vorstellen?

Dann geschah etwas Merkwürdiges, das man nie ganz erklären kann. Das Erste war, dass Paulus um Mitternacht anfing, ein Loblied auf Jesus zu singen. Suchen Sie, wer da will, an diesem Ziel die Seligkeit zu finden. Nur so ein Lied. Ich denke, Paulus brauchte bis Mitternacht, um damit fertig zu werden, dass er so ungerecht behandelt wurde, so grausam eingekerkert und geschlagen. Ein Mann ist nicht schnell damit fertig.

Dann fiel ihm ein: „Mich hat der Sohn Gottes mit seinem Blut erkauft. Ich bin ein Kind Gottes. Ich habe Frieden mit Gott. Hier bin ich auch in seiner Hand.“ Da begann er zu singen. Silas sang die zweite Stimme dazu, vielleicht einen Bass, ganz herrlich. Die anderen Gefangenen hörten zu. Das waren Klänge, die sie im Gefängnis nie gehört hatten.

Meine Freunde, ich habe Staatspolizeigefängnisse als Gefangener kennengelernt. Dort gibt es Flure voller Schreien, Verzweiflung und brüllender Wächter. Als ich mal ein Loblied singen wollte, wurde es mir schnell verboten. Das haben Sie bis heute verstanden, dass das gefährlich ist. Damals war das noch nicht so.

Paulus und Silas sangen, und das verwunderte den Kerkermeister sehr. „Was singen die da?“, dachte er. „Geistliche Lieder? Gibt es so etwas, dass man das ernst nehmen kann? Hier im Gefängnis, im Loch da unten? Da geht doch jede Stimmung verloren, und die singen von ihrem Gott!“

Dann erlebte der Kerkermeister etwas Außergewöhnliches: Ein großes Erdbeben, das von Gott kam. Die Türen des Gefängnisses sprangen auf, und die Gefangenen wurden frei. Der Kerkermeister zog sich notdürftig an und sah, dass die Türen offen waren. „Mann, meine Gefangenen sind weg! Jetzt werde ich degradiert, ich bin erledigt!“, dachte er und wollte sich umbringen.

Doch da rief Paulus von unten: „Rechne dich nicht auf, wir sind alle hier.“ Die Bibel erzählt nichts von den inneren Vorgängen, aber dem Mann wurde in diesem Moment klar: Es gibt einen lebendigen Gott, der sich seinen Knechten bekennt. Es gibt einen lebendigen Gott, den ich mit meinem ganzen Wesen gelästert habe. Es gibt einen lebendigen Gott, der zu mir Nein sagen muss. Es gibt einen lebendigen Gott, der meine Sünde kennt, all meine schmutzigen Dinge. Es gibt einen lebendigen Gott, und ich bin verloren.

Da stürzte er in die Zelle zu Paulus mit dem Ruf: „Ihr Männer, was soll ich tun, dass ich errettet werde?“ Er spürte plötzlich: Sein Leben ist wie das Holz im Englischen Garten, immer nur im Kreis herum, immer im Kreis herum. Was kann ich tun, um in die Strömung der Errettung zu kommen?

Paulus hätte vielleicht eine große Predigt gehalten oder einen moralischen Vortrag. Er hätte vielleicht gesagt: „Hol mich erst mal hier raus!“ Aber Paulus sagte nur einen Satz: „Du musst Jesus haben.“ Der Kerkermeister wusste nicht viel, er hatte nur vom Hörensagen gehört. Aber Jesus rettet vor dem Zorn Gottes, vom Gericht, von der Hölle, vom alten Leben.

In diesem Augenblick bekam er den Stoß aus dem alten Leben, aus dem Kreis heraus, hinein in die Strömung. Er wurde Jesu Eigentum. Es wird wundervoll erzählt, wie Paulus ihn aus dem Kerker holt, wie er sich berichten lässt und wie er sich in der Nacht taufen lässt, um Jesu Eigentum zu werden. Dann schließt die Geschichte: Er freute sich mit seinem ganzen Haus, dass er an Gott gläubig geworden war.

Jetzt war er in die Lebensströmung gekommen, jetzt hatte er Frieden mit Gott. Bei dem einen fehlte nicht viel, bei dem anderen war der Stoß da hinein. Wie soll es bei Ihnen werden?

Liebe Freunde, ich müsste jetzt eigentlich abschließen, aber ich möchte Ihnen am Schluss dieser Evangelisation noch einmal alles zusammenfassen und vier Ratschläge geben, die notwendig sind zu einem Leben aus Gott und mit Gott. Die vier G – G wie Gustav, Gebi, Göring: Glaube, Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft.

Lassen Sie mich Ihnen diese vier Dinge kurz erklären, die Sie in Ihr Leben bringen müssen.

Erstens: Glaube. Meine Freunde, ich stand einmal auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Da kam ein Reisender, der im letzten Moment noch durch die Passstelle ging. Der Beamte sagte: „Passwort zeigen.“ Der Mann zog seinen Pass heraus. Der Beamte sagte: „Moment mal, der Pass ist abgelaufen.“ Der Reisende antwortete: „Ach, Hauptsache, ich habe einen Pass – mit meinem Bild und meinem Namen.“ Der Beamte sagte: „Nein, nicht Hauptsache, dass Sie einen Pass haben, sondern dass Sie einen richtigen Pass haben.“

So möchte ich sagen: Es gibt viele Leute, die sagen: „Ich habe Glauben, ich glaube an Gott.“ Was haben wir im Dritten Reich geglaubt? An Führer, Deutschland, an Engel, an Wunderwaffen, an Großmutter, an Omnibus – an alles Mögliche haben wir geglaubt. Liebe Freunde, es kommt darauf an, ob ich den rechten Glauben habe. Es genügt nicht, dass ich an Gott glaube – dazu glaubt der Teufel auch, der weiß, dass Gott lebt. Ich muss Frieden mit Gott haben, und den bekomme ich nur durch Jesus. „Glaube an den Herrn Jesus Christus“, hat Paulus gesagt.

Nun will ich Ihnen sagen, was Glauben heißt. Ich kann es nur an einem eigenen Erlebnis deutlich machen. Einmal war ich an einem Samstag in Oslo, der Hauptstadt Norwegens. Ich hatte Vorträge bei Studenten gehalten und sollte am nächsten Sonntag in Wuppertal sprechen. Es gab Verspätung, weil es nebelig war. Wir sollten in Kopenhagen zwischenlanden, aber dort war es auch nebelig. Also flogen wir weiter nach Malmö in Schweden, dem einzigen nebelfreien Flughafen.

Dort landeten wir, obwohl ich nie nach Malmö wollte. Es war ein kleiner Flughafen, und wir konnten nicht weiterfliegen, weil wir nicht wussten, wie es weitergeht. Jeder Stuhl war besetzt. Ich hatte einen österreichischen Freund bei mir, einen Fabrikanten, und wir standen, weil wir keinen Sitzplatz mehr fanden.

Ich sagte: „Das kann lustig werden, wenn wir hier 24 Stunden stehen.“ Plötzlich wurde durchgegeben, man wolle versuchen, eine viermotorige Maschine der PAA nach Süden fliegen zu lassen. Man wisse aber nicht, ob sie in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt landen könne. Man müsse es versuchen.

Eine Dame neben mir schrie: „Nein, da steige ich nicht ein, das ist zu riskant!“ Sie machte uns etwas unsicher. Mein Freund und ich gingen raus. Im Augenblick ging der Pilot an uns vorüber. Ein Mann von etwa 35 Jahren. Als ich ihn ansah, dachte ich: „Dem kann ich mich anvertrauen.“ Er strahlte Verantwortung aus, ein gesammeltes Gesicht. Man merkte, das ist kein Kinderspiel, jetzt so ins Nebelgebiet loszufliegen.

Ich sagte zu meinem Begleiter: „Guck den an, da können wir es riskieren.“ Er antwortete: „Ja, dem können wir uns anvertrauen.“ Dann stiegen wir ein und landeten erst in Frankfurt wieder. Von dort musste ich nach Wuppertal weiterreisen.

So ist es mit Glauben: Ich vertraue mein Leben jemandem an, dem ich vertrauen kann. Ich habe mein junges, verwirrtes Leben Jesus anvertraut. Ich erkannte, er hat mehr für mich getan als jeder andere. Er hat sein Leben für mich hingegeben, um meine Sünde wegzutragen. Er hat die himmlische Herrlichkeit verlassen, um mich zu suchen. So viel hat niemand für mich getan. Er ist von den Toten auferstanden, wie mächtig ist er! Das packte mich, den jungen Mann, mit Vertrauen zu Jesus. Ich stieg bei ihm ein.

Liebe Freunde, wenn ich in ein Flugzeug steige, kann ich nicht sagen: „Für alle Fälle bleibe ich mit einem Bein am Flughafen.“ So können Sie auch bei Jesus nicht halbherzig bleiben. Viele sagen: „Mit einem Bein bleibe ich im alten Leben, mit dem anderen steige ich bei Jesus ein.“ Glauben heißt, wie in so ein Flugzeug einzusteigen, bei dem Jesus der Pilot ist. Also entweder bleiben Sie da – Sie brauchen ja nicht, wie die Frau, die heute vielleicht noch in Malmö ist – oder Sie vertrauen sich Jesus an, der lebt. Da müssen Sie sich entscheiden. Aber Sie können nicht mit einem Bein dastehen und mit dem anderen bei Jesus sein. Das geht nicht, klar?

Das heißt: Glauben an den Herrn Jesus Christus. Ich studiere ihn, lerne ihn kennen und sage: „Nimm mein Leben, Jesu, dir, übergebe ich es für und für. Wem anders sollte ich mich ergeben als dir, o König, der am Kreuz verblieb?“ Das ist Glauben.

Zweitens: Gottes Wort. Meine Freunde, ich kann es Ihnen nicht ersparen: Sie müssen anfangen, die Bibel selbst zu lesen. Die Bibel ist nicht nur ein Buch für Pastoren, sondern für Menschen, die selig werden und Kinder Gottes sein wollen. Ich bitte Sie: Kaufen Sie sich ein Neues Testament, das Sie in die Handtasche stecken können.

Ich komme in eine Wohnung, und da sagt die Frau: „Wir sind so christlich, da haben Sie auch eine Bibel?“ Sie zeigt eine Bibel aus dem Jahr 1708. Dann holt sie Fritzchen, und der bringt so ein altes Buch mit Holzdeckel. Ich sage: „Mutti, hör doch auf, das liest doch kein Mensch.“ So ein Museumsstück! Jemand hat mal gesagt: Die christlichen Evangelischen sollen das Wort lassen starren auf dem Bücherbrett und ja nicht runterholen.

Liebe Freunde, so geht das nicht. Holen Sie sich ein Neues Testament, das Ihnen gehört, und fangen Sie mit dem Evangelium nach Johannes an. Was Sie nicht verstehen, lassen Sie auf sich beruhen. Auf einmal kommt ein Wort, das markieren Sie. Schreiben Sie daneben: 1. Mai 66 oder so. Dann lesen Sie das Lukasevangelium, dann die Apostelgeschichte, dann wagen Sie den Römerbrief.

Fangen Sie an, jeden Tag wenigstens eine stille Viertelstunde zu lesen, mindestens ein halbes Kapitel ganz still für sich, im Neuen Testament. Glauben Sie keinem Menschen, was er über die Bibel sagt, denn an dieser Stelle redet der jetzt lebende Herr.

Ich muss noch ein Beispiel erzählen. Können Sie mir noch zuhören? Danke. Ich habe immer gesagt: Um neun ist Schluss, heute kann es drei Minuten länger dauern. Es ist der letzte Abend.

Im Ersten Weltkrieg war ich Soldat, und da gab es noch keinen Funk, nur Telefon. Ich war Telefonist und musste meine Leitung legen für unseren Hauptmann auf dem Bergeshöhe, der die Artillerieeinschläge beobachten wollte. Ich kroch auf allen Vieren, zog den Draht hinter mir her und baute meinen Apparat auf.

Da kam ein Infanterist vorbei, der einen Heimatschuss hatte und sich freute. Ich sagte: „Mensch, du hast aber einen Heimatschuss.“ Er war froh, weil er nach Hause durfte. Sein Arm war noch dran, aber so, dass es für ein Heimatlazarett reichte.

Der Mann sagte: „Du hast aber ein altes Modell von Telefonapparat.“ Ich antwortete: „Ja, ja, ein altes Modell.“ Er begann, an den Klemmen zu spielen. Ich sagte: „Hör schon auf, ich muss hören!“ Wenn ich die Bibel aufschlage, dann redet Jesus mit mir.

Jetzt kommen Professoren und sagen, die Bibel sei nur ein Menschenbuch und voller Widersprüche. Das ist Quatsch! Ich will die Stimme Jesu hören, nicht die der Menschen. Ich will ihn hören!

Also Neues Testament, Johannesevangelium anfangen, morgen früh ein halbes Kapitel, nächsten Tag wieder, sonntags vielleicht ein ganzes, wenn Sie Zeit haben. Glaube, Gottes Wort.

Drittens: Gebet. Können Sie beten? Ach du liebe Zeit! Das ist eigentlich ganz einfach: Der Herr ist da, mit ihm reden. Und doch ist es so schwer. Ich habe Seelsorgeleute erlebt, die sagten: „Wollen wir mal beten?“ „Mensch, nun beten Sie mal!“ „Ich kann nicht.“ „Du kannst doch einen Satz sagen!“ Es ist schwer.

Jesus erzählte eine wunderbare Geschichte von einem Pharisäer und einem Zöllner. Der Zöllner blieb hinten stehen und sagte nur einen Satz: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Und dann ging er. Da hatte er beten gelernt.

Ich habe sechs Kinder gehabt, zwei Jungen sind tot. Das erste Kind, das mir geboren wurde, war ein Junge. Ich habe meine Frau ins Krankenhaus gebracht und war dabei in dieser schweren Stunde. Ich hörte ihren ersten Lebensschrei. Das kam mir im Moment schöner vor als alles, was Mozart und Beethoven zusammen musizierten.

Der erste Lebensschrei eines neuen Lebens. So betete der Mann: „Gott, lass mich nicht verloren gehen.“ Da brachen in der unsichtbaren Welt der Engel Jubel aus – ein erster Lebensschrei eines neuen Lebens aus Gott.

Haben Sie Ihren ersten Lebensschrei schon getan? Beten heißt nicht, dem lieben Gott eine schöne Rede zu halten, sondern dass ich meine Sünde, meine Not und meine Probleme ihm hinschreie und meine Freude ihm hindanke. Ja, und wenn es nur ein Satz ist, der erste Lebensschrei. Sie müssen beten lernen.

Viertens: Gemeinschaft. Wer von Ihnen schon mal gewandert ist, kennt Jugendgruppen, die bekommen einen Jugendherbergsausweis. Es gibt verschiedene Gruppen: Schüler, Schulklassen, konfessionelle Gruppen und dann die deutschen Einzelwanderer – die Individualisten, die allein wandern.

Die deutschen Einzelwanderer haben mir immer viel Spaß gemacht. Aber darf ich Ihnen sagen: Auf dem Weg ins Himmelreich gibt es keine deutschen Einzelwanderer, sondern nur eine Gemeinde. Wenn ein Mensch Leben aus Gott haben will, muss er sich mit denen zusammenschließen, die denselben Weg gehen.

Sehen Sie, heute in acht Tagen hat Pastor Brauer hier eine Bibelstunde der St.-Lorenz-Gemeinde um halb acht im Gemeindehaus am Steinrader Weg. Ich möchte, dass alle, die hier sitzen und zur St.-Lorenz-Gemeinde gehören, am nächsten Donnerstag um halb acht dort sind. Ich mache keine Werbung für den Laden, sondern weil Sie spüren: Ich muss zusammenkommen mit denen, die auch zum Himmelreich wandern.

Wir haben uns die ganze Woche so über den Chor gefreut, der da oben so schön gesungen hat und geblasen hat. Die gehören zu einer christlichen Gemeinschaft in der Glockengießerstraße. Ich habe mir heute die Katharinenkirche angesehen. Das ist eine christliche Gemeinschaft, wo Junge und Alte zusammenkommen. Warum? Weil sie den Ruf Jesu gehört haben und spüren: Wir können nicht allein stehen. Da muss man zusammenkommen.

Kurz gesagt: Wo Sie auch landen, liebe Freunde: Wenn Sie Leben aus Gott haben wollen, müssen Sie sich mit anderen Christen zusammenschließen, die denselben Weg gehen.

So, nun muss ich schließen. Ich danke Ihnen, dass Sie so geduldig zugehört haben, so lange. Meine Frau wird sagen: „Du hast viel zu lange geredet.“ Aber denken Sie, das ist eine Alterserscheinung.

Wollen Sie sich diese vier Ratschläge einprägen? Glaube – das heißt, bei Jesus einsteigen –, Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft.

Die befreiende Begegnung mit Jesus am Beispiel des Kerkermeisters von Philippi

Sehen Sie, nun möchte ich das Gegenstück zeigen. In der europäischen Stadt Philippi kam Paulus an. Dort gab es allerlei Theater, aber noch kein Kino. Da es sich um eine anständige Stadt handelte, gehörte auch ein Gefängnis dazu.

Das Gefängnis wurde von einem Gefängnisdirektor verwaltet, meist ehemalige römische Offiziere, die aufgrund von Kreislaufstörungen solche Posten erhielten. Verstehen Sie mich gut, oder soll ich lauter sprechen? Gut. Dieser Mann bekam also den Posten als Kerkermeister.

Eines Tages wurden diesem Kerkermeister zwei Gefangene gebracht, wie er sie selten gesehen hatte: der Apostel Paulus und Silas. Sie hatten heftig gepredigt, was in der Stadt für Aufruhr sorgte. Die Obersten ließen sie geißeln und übergaben die beiden dann dem Kerkermeister mit den Worten: „Bewahre sie bis morgen gut auf!“ Der Kerkermeister, ein strenger Mann, antwortete: „Gut, ich werde sie sorgfältig verwahren!“

Er brachte sie in das unterste Gefängnis, wo Wasser an den Wänden herunterlief, und legte ihnen Ketten an. Wenn Sie mich gefragt hätten, welche Religion dieser Mann hatte, würde ich sagen wie die meisten Menschen in Lübeck damals: Er glaubte an einen Herrgott, vielleicht auch an mehrere Götter. In Rom hatte man eine Religion, die man selbst nicht ernst nahm. So ist es auch heute in Deutschland: Man ist christlich, nimmt es aber oft nicht wirklich ernst.

Es gab Staatsgötter, und der Kaiser galt als Gott, dem man Weihrauch darbrachte, obwohl man nicht wirklich daran glaubte. Man machte einfach mit, weil es dazugehörte. Wer Freidenker war, galt als Kommunist, und das war nicht gesellschaftsfähig. Können Sie sich diesen Mann vorstellen?

Dann geschah etwas Merkwürdiges, das man nie ganz erklären kann. Paulus begann um Mitternacht, ein Loblied auf Jesus zu singen. Er sang von der Seligkeit, die man nur bei Jesus finden kann. Ich denke, es hat Paulus bis Mitternacht gedauert, um zu akzeptieren, dass er so ungerecht behandelt, grausam eingekerkert und geschlagen wurde. Ein Mensch verarbeitet so etwas nicht schnell.

Dann erinnerte er sich: „Der Sohn Gottes hat mich mit seinem Blut erkauft. Ich bin ein Kind Gottes, ich habe Frieden mit Gott. Auch hier bin ich in seiner Hand.“ Und so begann er zu singen. Silas stimmte als zweite Stimme oder Bass mit ein – es war ganz herrlich.

Die anderen Gefangenen hörten das. Solche Klänge hatten sie im Gefängnis noch nie gehört. Ich selbst habe Staatspolizeigefängnisse als Gefangener kennengelernt. Dort gibt es Schreie, Verzweiflung und brüllende Wächter. Als ich einmal ein Loblied singen wollte, wurde es mir schnell verboten. Das versteht man bis heute, denn es ist gefährlich.

Damals war das noch nicht so streng. Paulus und Silas sangen also, und das verwunderte den Kerkermeister natürlich. „Was singen die hier? Geistliche Lieder? Gibt es das, dass ein Mensch das ernst nehmen kann? Hier im Gefängnis, im Loch unten, da verliert man doch jede Stimmung. Und die singen von ihrem Gott!“

Dann erlebte der Kerkermeister etwas Außergewöhnliches: Ein starkes Erdbeben, das von Gott kam. Die Türen des Gefängnisses sprangen auf, und alle Gefangenen wurden befreit. Der Kerkermeister zog sich hastig an und sah, dass die Türen offenstanden. „Meine Gefangenen sind weg, ich werde degradiert, ich bin erledigt!“ Er wollte sich selbst umbringen.

Doch da rief Paulus von unten: „Beruhige dich, wir sind alle hier!“ Die Bibel erzählt nichts von den inneren Vorgängen in diesem Moment. Dem Mann wurde plötzlich klar: Es gibt einen lebendigen Gott, der sich seinen Dienern offenbart. Einen lebendigen Gott, den er mit seinem ganzen Wesen gelästert hatte. Einen lebendigen Gott, der zu ihm „Nein“ sagen musste. Einen lebendigen Gott, der seine Sünden und schmutzigen Taten kennt.

Er erkannte, dass er verloren war. Daraufhin stürzte er in die Zelle des Paulus und rief: „Männer, was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ Er spürte, dass sein Leben wie das Holz im Englischen Garten immer nur im Kreis herumging. Was konnte er tun, um in die Strömung der Errettung zu gelangen?

Paulus hätte vielleicht eine große Predigt gehalten oder einen moralischen Vortrag. Vielleicht hätte er gesagt: „Holt mich erst mal hier raus!“ Aber Paulus sagte nur einen Satz: „Du musst Jesus haben!“ Der Kerkermeister wusste nicht viel, er hatte nur vom Hörensagen gehört, aber Jesus rettet vor Gottes Zorn, dem Gericht, der Hölle und dem alten Leben.

In diesem Augenblick erhielt er den Anstoß, aus dem alten Leben, das sich immer nur im Kreis drehte, in die Lebensströmung einzutreten. Er wurde Jesu Eigentum. Es wird wundervoll erzählt, wie Paulus den Kerker verließ, sich von Jesus berichten ließ und sich in der Nacht taufen ließ, um Jesu Eigentum zu werden.

Die Geschichte endet damit, dass er sich mit seinem ganzen Haus freute, weil sie an Gott glaubten. Nun waren sie in die Lebensströmung gekommen und hatten Frieden mit Gott gefunden.

Bei dem einen fehlt nicht viel, bei dem anderen ist es der entscheidende Anstoß. Wie wird es bei Ihnen werden?

Vier Ratschläge für ein Leben aus Gott

Liebe Freunde, ich bin... Eigentlich müsste ich jetzt abschließen. Doch am Ende dieser Evangelisation möchte ich Ihnen noch einmal alles zusammenfassen und vier Ratschläge geben, die notwendig sind für ein Leben aus Gott und mit Gott.

Diese vier Ratschläge beginnen alle mit dem Buchstaben G, wie Gustav: Glaube, Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft.

Lassen Sie mich Ihnen diese vier Dinge kurz vorstellen. Sie müssen diese in Ihr Leben integrieren.

Glaube

Erstens: Glaube.

Meine Freunde, ich stand einmal auf dem Tempelhof, das ist in Berlin, und da kam ein Reisender, der im letzten Moment noch durch die Passkontrolle gehen wollte. Der Beamte sagte: „Passwort zeigen!“ Der Mann zog seinen Pass heraus und zeigte ihn vor. Daraufhin sagte der Beamte: „Moment mal, der Pass ist hier abgelaufen.“

Der Reisende antwortete: „Ach, ach, ach, Hauptsache ich habe einen Pass, mit meinem Bild und Namen.“
Der Beamte erwiderte: „Nein, nein, nicht Hauptsache Sie haben einen Pass, sondern Hauptsache Sie haben einen richtigen Pass.“

So möchte ich sagen: Es gibt viele Leute, die sagen, sie hätten Glauben, sie glauben an Gott. Aber was haben wir Alten im Dritten Reich geglaubt? An Führer, an Deutschland, an Engel, an Wunderwaffen, an Großmutter, an Omnibus – an alles Mögliche haben wir schon geglaubt.

Liebe Freunde, es kommt darauf an, ob ich den rechten und richtigen Glauben habe. Es genügt nicht, dass ich an Gott glaube. Auch der Teufel weiß, dass Gott lebt. Ich muss Frieden mit Gott haben – Frieden mit Gott!

Diesen Frieden bekomme ich nur durch Jesus. „Glaube an den Herrn Jesus Christus“, hat Paulus gesagt.

Nun will ich Ihnen mal sagen, was Glauben heißt. Ich kann es nur an einem eigenen Erlebnis deutlich machen.

Da war ich an einem Samstag in Oslo, der Hauptstadt von Norwegen. Dort hatte ich Vorträge bei Studenten gehalten. Ich sollte am nächsten Sonntag in Wuppertal in einer großen Versammlung sprechen.

Nun gab es in Oslo Verspätung, weil es sehr nebelig war. Wir sollten in Kopenhagen zwischenlanden, doch dann hieß es plötzlich, wir könnten nicht landen, es sei zu nebelig. Also flogen wir nach Schweden, nach Malmö.

Plötzlich landete unsere Maschine in Malmö, wohin ich im Leben nicht wollte, denn das war der einzige nebelfreie Flughafen. Nun kam eine Maschine nach der anderen. Das war die einzige Gegend ohne Nebel. Malmö ist ein ganz kleiner Flughafen, und wir konnten nicht weg, weil wir nicht wussten, wie es weitergehen sollte.

Schließlich war jeder Stuhl besetzt. Ich hatte einen österreichischen Freund bei mir, einen Fabrikanten, und wir standen, weil wir keinen Sitzplatz mehr fanden. Ich sagte: „Das kann doch lustig werden. Mensch, schauen wir, ob wir hier 24 Stunden stehen müssen.“

Da wurde plötzlich durchgegeben, man wolle versuchen, eine viermotorige Maschine der PAA nach Süden fliegen zu lassen. Man wisse allerdings nicht, ob sie in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt landen könne. Man müsse es versuchen.

Neben mir schrie eine Dame: „Nein, da steige ich nicht ein, das ist zu riskant!“ Sie meinte, man solle es lieber bleiben lassen. Doch sie machte uns auch etwas unsicher.

Mein österreichischer Freund und ich gingen raus. Im Augenblick ging der Pilot an uns vorüber. Ein Mann von vielleicht 35 Jahren. Als ich ihn ansah, dachte ich: „Dem kann ich mich anvertrauen.“

Er wirkte verantwortungsbewusst, mit einem gesammelten Gesichtsausdruck. Man konnte einfach sagen: Der merkt, dass das kein Kinderspiel ist, jetzt so ins Ungewisse loszufliegen.

Ich sagte zu meinem Begleiter: „Guck den an, da können wir es riskieren.“
Er antwortete: „Ja, dem können wir uns anvertrauen.“

Dann stiegen wir ein. Wir landeten erst wieder in Frankfurt. Von dort musste ich zurück nach Essen, nach Wuppertal.

Sehen Sie, so ist es mit Glauben: Ich vertraue mein Leben jemandem an, dem ich vertrauen kann. Ich habe mein junges, verwirrtes Leben Jesus anvertraut.

Ich erkannte, dass er mehr für mich getan hat als jeder andere. Er hat sein Leben für mich hingegeben, um meine Sünden wegzutragen. Er hat die himmlische Herrlichkeit verlassen, um mich zu suchen. So viel hat niemand für mich getan.

Er ist von den Toten auferstanden – wie mächtig ist er! Das packte mich als jungen Mann: das Vertrauen zu Jesus! Und ich stieg bei ihm ein.

Liebe Freunde, wenn ich in ein Flugzeug steige, kann ich nicht sagen: „Für alle Fälle bleibe ich mit einem Bein am Flughafen.“ Das können Sie auch bei Jesus nicht.

Es gibt viele Leute, die sagen: „Mit einem Bein bleibe ich im alten Leben, und mit einem Bein steige ich bei Jesus ein.“ Glauben heißt aber, wie beim Einsteigen in ein Flugzeug, bei dem Jesus der Pilot ist.

Also entweder bleiben Sie da, Sie brauchen ja nicht wie die Frau, die vielleicht heute noch in Malmö ist – ich weiß es nicht – oder Sie vertrauen sich Jesus an, der lebt.

Da müssen Sie sich entscheiden. Aber Sie können nicht mit einem Bein hier stehen und mit einem Bein bei Jesus. Das geht nicht, klar?

Das heißt Glauben: Glaube an den Herrn Jesus Christus! Ich studiere ihn, lerne ihn kennen und sage: „Nimm mein Leben, Jesus, dir übergebe ich es für und für. Wem anders sollte ich mich ergeben, o König, der am Kreuz verblieb?“

Das ist Glauben.

Gottes Wort

Zweitens Gottes Wort. Meine Freunde, ich kann Ihnen nicht ersparen, dass Sie anfangen müssen, die Bibel selbst zu lesen. Die Bibel ist nicht nur ein Buch für Pastoren, sondern für alle, die selig werden und Kinder Gottes sein wollen. Ich bitte Sie, kaufen Sie sich ein Neues Testament, das Sie in Ihre Handtasche stecken können.

Ich komme in eine Wohnung, und die Frau sagt: „Wir sind so christlich, da haben Sie auch eine Bibel.“ Ja, sagt sie, „aus dem Jahr 1708.“ Sie ruft Fritzchen, und der bringt so ein Ding, das aussieht wie ein Buch mit Holzdeckel. Ich sage zu Mutti: „Hören Sie doch auf, das liest doch kein Mensch, oder? So ein Museumsstück!“ Jemand hat mal gesagt, die Christlich-Evangelischen singen das Wort, aber lassen es starr auf dem Bücherbrett liegen und holen es ja nicht herunter. Liebe Freunde, so geht das nicht.

Holen Sie sich ein Testament, das Ihnen gehört. Fangen Sie im Neuen Testament an. Das Alte Testament kommt später, dafür braucht man schon ein bisschen geistliches Verständnis. Kaufen Sie sich ein Neues Testament, das Ihnen gehört, und lesen Sie das Evangelium nach Matthäus. Was Sie nicht verstehen, lassen Sie auf sich beruhen. Und plötzlich kommt ein Wort, das Sie anstreichen. Schreiben Sie daneben „1. Mai 66“ oder so.

Dann lesen Sie das Lukasevangelium, dann die Apostelgeschichte, und dann wagen Sie sich an den Römerbrief. Beginnen Sie jeden Tag mit einer stillen Viertelstunde, wenigstens ein halbes Kapitel, ganz still für sich in der Bibel – nicht in der Losung, sondern in der Bibel, im Neuen Testament. Glauben Sie keinem Menschen, der Ihnen sagt, was die Bibel bedeutet, denn an dieser Stelle redet der jetzt lebende Herr.

Ich muss noch ein Beispiel erzählen. Können Sie mir noch zuhören? Danke. Ich habe immer gesagt, um neun ist Schluss, heute kann es drei Minuten länger dauern. Es ist der letzte Abend.

Im Ersten Weltkrieg war ich Soldat, und da gab es noch keinen Funk, nur Telefon. Ich war Telefonist. Ich musste die Leitung für unseren Hauptmann auf den Bergeshöder legen, damit er die Artillerie-Einschüsse beobachten konnte. Einmal kroch ich auf allen Vieren und zog den Draht hinter mir her, baute meinen Apparat auf.

Da kommt ein Infanterist aus der Gegend, der einen richtigen Heimatschuss hat und sich freut. Ich sage: „Mensch, die Finnen, wir sind hier eingekesselt.“ Er wirft sich hin und kriecht zu mir her. Er freut sich nur: „Ich gehe nach Hause, ich habe so einen richtig schönen Heimatschuss. Der Arm ist noch dran, aber so, dass es reicht für ein Heimatlazarett.“ So war das im Krieg. Die Begeisterung war nicht mehr groß, sie hatten nur noch Heimweh.

Der Bursche sagt dann: „Mensch, du hast aber ein altes Modell von Telefonapparat.“ Es war so ein Kasten. „Ja, ja,“ sage ich, „ein altes Modell. Tü tü tü, Batteriestellung, ich muss die Verbindung mit der Batterie herstellen.“ Er sagt: „Mensch, deine Klemmen sind ja ganz locker.“ „Ja, ja, locker, tü tü, Batterie da.“ Dann sagt er: „Da ist ja sogar ein Stück weggeschlagen.“ Ich nehme den Telefonhörer und sage: „Hör schon auf, so viel zu schwätzen! Ich muss hören!“

Sehen Sie, wenn ich die Bibel aufschlage, dann redet Jesus mit mir. Jetzt kommen Professoren und Leute, die sagen, die Bibel sei nur ein Menschenbuch und voller Widersprüche. Das ist nur Gerede! Ich will Jesu Stimme hören. Ich will ihn hören!

Ich wäre ja schön dumm, wenn ich auf all das hören würde, was die Leute über die Bibel sagen. Ich will Jesu Stimme hören! Also, Neues Testament hier, Johannesevangelium anfangen. Morgen früh ein halbes Kapitel, am nächsten Tag wieder ein halbes, und sonntagnachmittags, wenn Sie Zeit haben, ein ganzes. Glauben Sie Gottes Wort!

Gebet

Und das dritte Gebet: Können Sie eigentlich beten? Können Sie beten? Ach du liebe Zeit! Das ist doch eigentlich ganz einfach. Der Herr ist doch da, mit ihm zu reden. Und doch ist es so schwer, nicht wahr?

Ich habe wieder Seelsorgeleute erlebt, da habe ich gesagt: Wollen wir mal beten? „Mensch, nun beten Sie mal!“ – „Kann ich nicht.“ „Mensch, du kannst doch einen Satz sagen!“ – „Das ist so schwer.“

Der Herr Jesus hat mal eine wunderbare Geschichte erzählt. Da war eine Kirche, und sie war offen. Es kamen ein Pharisäer und ein Zöllner. Ich würde sagen, also ein Pastor und ein Schwarzhändler oder so etwas, so ein Ganove.

Dieser Ganove blieb hinten stehen und sagte: „Da passe ich gar nicht rein.“ Aber sein Herz schrie nach Gott. Als er hinten stehen blieb, sagte er nur einen Satz: „Gott, lass mich nicht verloren gehen.“ Er sagte so: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“

Dann ging er, und da hatte er beten gelernt. Sehen Sie, ich habe sechs Kinder gehabt, zwei Jungen sind tot. Das erste Kind, das mir geboren wurde, war ein Junge. Ich habe meine Freundin ins Krankenhaus gebracht und war dabei in dieser schweren Stunde. Ich habe es mit ihr durchgekämpft. Noch einmal höre ich, ich sah nur ihr Gesicht an, höre diesen kleinen, quäkenden Schrei.

Dann muss ich an das erste Lebensschreien des Kindes denken. Wissen Sie, das kam mir im Moment schöner vor als alles, was Mozart und Beethoven zusammen musizierten: der erste Lebensschrei eines neuen Lebens. So wie der Mann betete: „Gott, lass mich nicht verloren gehen.“

Da brachen sie in der unsichtbaren Welt, in der Engelwelt, in Jubel aus – ein erster Lebensschrei eines neuen Lebens aus Gott. Haben Sie Ihren ersten Lebensschrei schon getan?

Beten heißt nicht, dass ich dem lieben Gott eine schöne Rede halte, sondern dass ich meine Sünde und meine Not und meine Probleme ihm hinschreie und meine Freude ihm hindanke. Ja, und wenn es bloß ein Satz ist, der erste Lebensschrei – Sie müssen beten lernen.

Gemeinschaft

Ganz alleine – Glaube, Gottes Wort, Gebet – und zum Schluss möchte ich sagen: Gemeinschaft.

Wer von Ihnen schon einmal gewandert ist, kennt vielleicht Jugendgruppen, die einen Jugendherbergsausweis bekommen. Dort sind verschiedene Gruppen vorgesehen: Schüler wandern, Schulklassen, konfessionelle Gruppen. Dann gibt es eine Abteilung für deutsche Einzelwanderer. Das sind die Individualisten, die alleine für sich wandern. Die deutschen Einzelwanderer haben mir immer viel Spaß gemacht.

Darf ich Ihnen sagen, dass es auf dem Weg ins Himmelreich keine deutschen Einzelwanderer gibt, sondern nur eine Gemeinde? Wenn ein Mensch Leben aus Gott haben will, muss er sich mit denen zusammenschließen, die denselben Weg gehen.

Sehen Sie: In acht Tagen hat Pastor Brauer hier eine Bibelstunde der Sankt-Lorenz-Gemeinde. Sie findet um halb acht im Gemeindehaus am Steinrader Weg statt. Ich möchte, dass alle, die hier sitzen und zur Sankt-Lorenz-Gemeinde gehören, am nächsten Donnerstag um halb acht dabei sind. Und zwar nicht, weil ich Reklame für so einen Laden machen möchte, sondern weil sie spüren: Ich muss zusammenkommen mit denen, die auch zum Himmelreich wandern.

Wir haben uns die ganze Woche so über den Chor da oben gefreut. Die haben doch schön gesungen, nicht? Und schön geblasen, muss ich einfach sagen. Sie gehören zu einer christlichen Gemeinschaft in der Glockengießerstraße, die ich mir heute angesehen habe. Wissen Sie, die Katharinenkirche da hinten? Genau, eine christliche Gemeinschaft. Dort kommen Junge und Alte zusammen. Warum eigentlich? Weil sie den Ruf Jesu gehört haben und spüren: Wir können nicht alleine stehen. Da muss man zusammenkommen.

Kurz gesagt: Wo Sie auch landen, meine Freunde – wenn Sie Leben aus Gott haben wollen, dann müssen Sie zusammenkommen mit anderen Christen und denselben Weg gehen.

Schlusswort und Dank

So, nun muss ich schließen. Ich danke Ihnen, dass Sie heute so geduldig und so lange zugehört haben. Meine Frau wird sagen, ich hätte viel zu lange geredet, aber denken Sie daran, das ist eine Alterserscheinung.

Möchten Sie sich diese vier Ratschläge mitnehmen? Glaube – das heißt, bei Jesus einzusteigen. Gottes Wort, Gebet und Gemeinschaft.