Einleitung
Der dänische Schriftsteller Jens Peter Jacobsen, der auf Rilke einen
besonderen Einfluß ausübte, schrieb ein Buch: Die Pest von Bergamo."
In diesem Buch beschreibt er die Situation eines Volkes und von
Menschen, die von der Pest heimgesucht werden. Menschen, die den Tod
vor Augen haben, Menschen, die wissen, daß ihre Augenblicke gezählt
sind. Das Volk tobt sich aus. Es ist von einem Sinnentaumel
ohnegleichen hingerissen. Dieser Sinnentaumel und Rauschzustand sind
wie der Tanz auf dem Vulkan, der jeden Augenblick losgehen kann. Mitten
in jenes Treiben kommt ein Bussprediger, der Gottes Wort mit Vollmacht
predigt. Jacobsen schildert, wie der Bußprediger den Kreuzestod Christi
seinen Mitmenschen vor Augen hält. Aber seine Predigt wird nicht
gehört. Darum ruft er ihnen die unvergeßlichen Worte zu.
"Wenn Christus heute gekreuzigt werden sollte, würde er darauf
verzichten und würde lieber zum Himmel fahren und sein letzter Blick
würde nicht dieser verdorbenen und von Sinnenlust verpesteten Masse
gelten, und sein letztes Wort würde nicht sein: Es ist vollbracht,
sondern: Es lohnt sich nicht."
Hier irrt Jacobsen. Sein Bußprediger denkt menschlich. Seine Reaktion
leuchtet ein. Seine Geduld ist am Ende. Aber Gott ist der Geduldsfaden
nicht gerissen. Seine Liebe zu uns ist größer als unsere Sünde und
Sinnenlust. Er kennt uns und die Menschen in Bergamo. Er kennt sie in
Berlin und in London, in Paris und in New York und hier in Zürich.
Hätte Gott so gedacht, wäre weder Bethlehem noch Golgatha ein Begriff
für uns. Das Wort - "Es ist vollbracht' wäre ein frommer Wunsch
geblieben. Wie sehr muß Gott uns liebhaben!
Gott schickte seinen Sohn gerade in diese gottlose Welt. Und ich kann es
ihnen garantieren, wäre Jesus nicht schon vor 2000 Jahren in diese Welt
gekommen, so würde er bestimmt noch kommen. Die Liebe Gottes zu uns ist
zu gross, als dass er sich einfach abwenden würde.
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Es ist aber nicht das Fest der
Liebe, weil wir uns in dieser Zeit beschenken und uns Mühe geben
freundlich zu sein. Weihnachten ist das Fest der Liebe, weil wir der
Liebe Gottes gedenken.
So wollen wir uns zu Beginn der Adventszeit einmal mehr vor Augen führen
wie gross Gottes Liebe zu uns ist. Im Johannesevangelium wird es uns
deutlich gesagt: Joh. 3, 16 – 18
I. Einer liebt dich immer
Ein alter Mann, der neunzig Jahre alt war, wurde gefragt: Haben Sie
den Herrn Jesus lieb?
Und der alte Mann antwortete mit einem freundlichen Lächeln: Ja, ich
habe ihn lieb, aber ich kann Ihnen noch etwas Besseres sagen."
Der Freund, der ihn angeredet hatte, fragte: Kann es noch etwas
Besseres geben, als Jesus lieben? Was könnte das sein?"
Der Alte erwiderte: Er hat mich lieb![1]
Das ist doch die Botschaft von Weihnachten: Gott liebt uns! Gott liebt
Dich!
Warum hätte er sonst seinen Sohn in die Welt schicken sollen? Was gab es
denn für Jesus reizvolles auf dieser Welt? Er wurde geboren, um zu leiden
und zu sterben. Wer will denn so etwas freiwillig auf sich nehmen? Was
kann jemand dazu bewegen so etwas zu tun?
Es gibt nur eine einzige Antwort! Es ist Liebe.
Ich bin mir nicht sicher, ob uns das wirklich genug beeindruckt, dass
Gott aus Liebe zu uns seinen Sohn geschickt hat. Was gibt es denn an uns
so Liebenswertes?
Im Römerbrief werden wir folgendermassen charakterisiert:
Niemand ist da, der Gutes tut, nicht einer. / Ihre Worte bringen Tod
und Verderben, von ihren Lippen kommen böse Lügen, tödlich wie
Natterngift sind ihre Reden. / Nur Fluch und Drohung quillt aus ihrem
Mund. / Rücksichtslos opfern sie Menschenleben. / Wo sie gehen,
hinterlassen sie Trümmer und Elend. / Was zum Frieden führt, ist ihnen
unbekannt. / Sie wissen nichts von Gottesfurcht.« (Röm 3,12b-18)Wer wollte sich für solche verabscheuungswürdige Wesen aufopfern? Wer
will auch nur den kleinen Finger für sie krümmen? Kaum jemand von uns,
aber Gott hat es getan.
Er tat es nicht weil wir so freundlich und nett wären. Er tat es einzig
und allein, weil er uns liebt obwohl wir ihn missachten und verachten.
Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn
hergab.
Erst durch die Liebe Gottes beginnen wir zu verstehen, was Liebe
wirklich bedeutet. Er hat seinen Sohn in die Welt geschickt ohne dass ihn
jemand dazu gezwungen hätte. Die Liebe drängte ihn. Die Liebe zu Dir und
zu mir.
Mit Jesus hat uns Gott unmissverständlich seine Liebe bewiesen. So kann
Paulus dem Titus schreiben:
Die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters ist
erschienen. (Tit 3,4)Glaubst Du wirklich, dass Gott Freundlich ist und Menschen liebt?
Anwendung
Vielleicht fragst Du warum sollte Gott mich lieben. Ich weiss es auch
nicht, warum er mich lieben sollte. Ich weiss aber eines, dass er mich
liebt.
Schliesslich weiss ich auch nicht warum mich meine Frau oder meine
Freunde lieben. Hauptsache ist doch, dass sie mich lieben.
Gott liebt Dich und mich mit einer unvorstellbaren Liebe! Glaubst Du
das?
Wenn Du denkst, dass Dich kein Mensch liebt, dann kannst Du in einem
ganz gewiss sein: Gott liebt Dich mit einer unbegreiflichen Liebe.
Wieviel innere Nöte und wieviel Minderwertigkeitsgefühle könnten aus
unserem Leben weichen, wenn wir Gott glauben, dass er uns liebt.
In einer Sonntagsschule fragte die Lehrerin: Was meint ihr, warum wohl
liebt Gott uns alle so sehr?"
Eine Zeitlang blieb es still. Dann streckte die kleine Christina den
Finger, und ohne den geringsten Zweifel an der Richtigkeit ihrer
Antwort kam'': " Weil er doch jeden von uns nur einmal hat."
Welch eine einfache und doch tiefgründige Aussage! Bsp.1309.
Wir sollen uns aber nicht nur der Liebe bewusst sein, die Gott für mich
hat. Gott liebt auch Deinen NachbarIn, Deinen ArbeitskollegIn auch wenn
sie Dir nicht besonders liebenswert erscheinen.
II. Er will dich retten
Die Liebe Gottes zielt aber auf einen Punkt. Er will uns Retten.
Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn
hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht
zugrunde gehen, sondern ewig leben. (Joh 3,16)Gott weiss wie verloren und hoffnungslos wir sind. Jesus ist eben nicht
in die Welt gekommen, weil wir uns entscheiden sollten zwischen Himmel
und Hölle, als ständen wir auf einem neutralen Boden.
Gott schickte seinen Sohn, weil wir verloren sind. Das Gerichtsurteil
ist bereits gesprochen. Wir sind auf dem besten und direkten Weg in die
Verdammnis, in die Hölle oder wie man diesen Ort auch immer bezeichnen
will.
Wir haben keine Wahl. Es gibt nichts zu entscheiden. Wir sitzen in
einem brennenden Haus, aus dem wir aus eigener Kraft nicht fliehen
können.
Das bewegt Gott seit dem Sündenfall. Seine Liebe zu uns Menschen
eiferte und kämpft, um uns aus dieser verfahrenen Situation zu retten.
Wir sind eben schon gerichtet. Es gibt nur noch eine einzige Chance,
dass wir von einer höheren Instanz gerettet und begnadigt werden.
Oder mit einem anderen Bild, das wir in unseren Seminaren über den
christlichen Glauben verwenden.
Folie: eigentlich möchte ich nach Zürich
Nichts kann das Herz Gottes mehr bewegen als die Rettung von Menschen.
Wie wichtig ihm das ist, erklärte Jesus mit dem verlorenen Schaf.
Was meint ihr: Was wird ein Mann tun, der hundert Schafe hat, und eines
davon hat sich verlaufen? Wird er nicht die neunundneunzig allein im
Bergland weitergrasen lassen und wird losziehen und das verirrte
suchen?(Mt 18,12)Es bewegt in so stark, dass er seinen einzigen Sohn opferte und es
zuliess, dass er vor der ganzen Welt verachtet, geschlagen und gepeinigt
wurde.
Es gibt für Gott wohl keinen grösseren Sieg, keine grössere Freude, als
wenn Menschen durch den Glauben an seinen Sohn gerettet werden.
Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis
der Wahrheit kommen. Er freut sich nicht über die Menschen, die verloren
gehen. Sonst hätte er seinen Sohn nie und nimmer in die Welt geschickt.
Gottes Zorn entbrennt aber auch über denen, die wohl sein Liebensbeweis
kennen, aber sich darüber lustig machen oder einfach achtlos daran vorbei
gehen.
Anwendung
Advent und Weihnachten, das Fest der Liebe und Freude kann man nur dann
verstehen, wenn man verstanden hat, wer Gott ist.
Mit seiner Liebe will uns Gott zu sich ziehen. Paulus warnt die Römer:
Missachtet ihr die grosse Güte, Nachsicht und Geduld, die Gott euch bis
jetzt erwiesen hat? Seht ihr nicht, dass er euch durch seine Güte zur
Umkehr bewegen will? (Röm 2,4)
Schluss
Gottes Liebe zu uns hat sich darin gezeigt, daß er seinen einzigen Sohn
in die Welt sandte. Durch ihn wollte er uns das neue Leben schenken.
(1.Joh 4,9)Denken wir doch in dieser Adventszeit besonders daran, was Gott in
seiner Liebe an uns getan hat. Paulus sagt das dem Titus:
Wir wollen nicht vergessen, daß wir selbst früher unverständig und
ungehorsam waren. Wir waren vom rechten Weg abgeirrt und wurden von
allen möglichen Wünschen und Leidenschaften beherrscht. Wir lebten in
Bosheit und Neid, waren hassenswert und haßten uns gegenseitig. (Tit
3,3)
Aber dann erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres
Retters. (Tit 3,4) Wir selbst hatten keine guten Taten vorzuweisen, mit denen wir vor ihm
hätten bestehen können. Nein, aus reinem Erbarmen hat er uns gerettet
durch das Bad der Taufe - das Bad, in dem wir zu einem neuen Leben
geboren wurden, erneuert durch den Heiligen Geist. (Tit 3,5)35. Amen.
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[1] Bsp. Nr. 234.

