Mordochai und Esther am königlichen Hof
Und nun kommen wir zu Vers 19.
Als zum zweiten Mal Jungfrauen zusammengebracht wurden und Mordechai im Tor des Königs saß, gab Esther ihre Abstammung und ihr Volk nicht bekannt, wie Mordechai ihr geboten hatte. Sie tat, was Mordechai sagte, so wie zur Zeit, als sie bei ihm erzogen wurde.
In jenen Tagen, als Mordechai im Tor des Königs saß, erzürnten Bigtan und Teresch, zwei Hofbeamte des Königs, die die Schwelle hüteten, und sie trachteten danach, Hand an König Ahasveros zu legen. Die Sache wurde Mordechai bekannt, und er berichtete sie der Königin Esther.
Esther gab die Information im Namen Mordechais an den König weiter. Die Angelegenheit wurde untersucht und für wahr befunden. Beide Verschwörer wurden an ein Holz gehängt, und ihr Fall wurde vor dem König in das Buch der Chroniken eingetragen.
Sie hatten den Plan geschmiedet, Ahasveros zu töten.
Die Bedeutung von Mordochais Position und die Rettung des Königs
Mordochai, von dem gesagt wird, dass er im Tor des Königs saß, hatte eine hohe Position im Persischen Reich inne. Dieser Ausdruck bedeutet, dass er ein hoher Beamter war.
Diese Linie wird in der Bibel mehrfach fortgeführt. So finden wir zum Beispiel Joseph, der nach dem Pharao der höchste Beamte in Ägypten wurde. Auch Daniel erhielt unter Nebukadnezar eine sehr hohe Stellung, ebenso wie seine drei Freunde. Nehemia wiederum hatte unter dem König Artaxerxes, dem Nachfolger von Ahasveros, einen bedeutenden Posten als Mundschenk inne. Diese Personen waren höchste Minister und standen in verantwortungsvollen Positionen.
Solche treuen Zeugen erhielten also oft hohe staatliche Ämter, um an ihrem Platz ein Zeugnis zu sein. Ein weiteres Beispiel ist Mordochai. Durch seine Stellung erfuhr er von einem Anschlag auf den König. Zwei Wächter namens Wigdan und Teresch planten, den König zu ermorden. Dies wurde der Königin Esther, seiner Verwandten, berichtet. Sie informierte den König darüber.
Interessanterweise wurde der Vorfall gründlich untersucht. Es zeigt sich hier ein wichtiges Prinzip: Manchmal hört man Dinge und verurteilt sofort, ohne die Wahrheit zu prüfen. Es ist wichtig, zunächst zu klären, ob die Anschuldigungen wahr sind oder nicht. Dieses Prinzip galt sogar im Heidentum. Wenn eine Anklage vorgebracht wurde, musste sie klar bewiesen werden, bevor gehandelt werden konnte.
Auch unter Christen ist es nicht immer selbstverständlich, wie wichtig es ist, genau zuzuhören, Zeugen hinzuzuziehen und erst dann ein Urteil zu fällen. Im Fall von Wigdan und Teresch wurde die Sache sorgfältig geprüft und als wahr befunden. Beide wurden daraufhin an ein Holz gehängt.
Symbolik von Biktan und Teresch und die Natur der Sünde
Nun, was bedeuten diese Bikdan und Teresch? Wir haben beim Schlüssel schon gesehen, dass sie ein Bild für die Sünden sind. Dabei ist nicht die Sünde im Singular gemeint, denn das ist ein anderer Begriff für das Fleisch. Die sündige Natur, die wir von Adam geerbt haben, wird im Neuen Testament im Singular als die Sünde bezeichnet. Der Zusammenhang macht deutlich, ob eine einzelne Tatsünde gemeint ist oder eben diese sündige Natur.
Gerade Römer 5,12 zeigt, dass die Sünde die verdorbene Natur ist, die nichts anderes kann, als zum Sündigen anzuregen. Diese Natur wird auch das Fleisch genannt. Warum eigentlich? Unsere Hände sind erst einmal Fleisch, ebenso unsere Füße und unsere Augen. Diese böse Natur möchte unsere Hände missbrauchen, zum Beispiel zum Stehlen. Sie möchte unsere Füße missbrauchen, um an falsche Orte zu gehen, an die wir nie hätten gehen sollen. Auch unsere Augen möchte sie missbrauchen, damit wir Dinge anschauen, die wir nicht anschauen sollten.
Der Psalmist sagt in Psalm 119: „Wende meine Augen ab, damit sie nicht sehen auf Nichtiges“ oder „Götzendienerisches nicht sehen“, also Sündiges. Das Fleisch möchte also unseren Körper missbrauchen, und darum wird es so genannt. Denn das Fleisch kann nicht handeln, ohne unseren Körper und auch unser Gehirn zu benötigen. Die Gehirnmasse, etwa eineinhalb Kilogramm, wird durch die Sünde so missbraucht, und deshalb wird sie ebenfalls als Fleisch bezeichnet.
Hier geht es nun bei Bikdan und Teresch – und übrigens bedeutet Teresch „finster“ – um die Sünden. Deshalb werden sie durch zwei Männer dargestellt, denn Sünden im Plural sind zwei oder mehr, während die Einzahl Sünde eben nur eine ist. So wird Haman, der die Sünde darstellt, als eine Person gezeigt, und Bikdan und Teresch, die Sünden im Plural, sind zwei Personen.
Die Folge der Sünde und die Rettung durch Mordochai
Und jetzt sehen wir also die Seele, Asweros, und wie ich dem ewigen Tod durch meine Sünden verfalle. Ich verweise noch auf Jakobus 1, wo die Großmutter des Todes beschrieben wird. Zuerst wird dort die nächste Generation genannt.
Jakobus 1, Vers 14: „Jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde oder seinem eigenen bösen Verlangen fortgezogen und gelockt wird.“ Danach, wenn die Begierde empfangen hat, also schwanger geworden ist, gebiert sie die Sünde. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Hier haben wir drei Generationen: Die Großmutter des Todes ist die Begierde, das böse Verlangen. Wenn das böse Verlangen, das im Griechischen feminin ist, schwanger geworden ist, wird die Sünde geboren. Auch die Sünde, „Hamartia“, ist feminin. Hier wird das Geschlecht also personifiziert.
Wenn die Sünde vollendet ist, also die Schwangerschaft abgeschlossen ist, gebiert sie den Tod. Beim nächsten Liedl-Quiz könnte die Frage lauten: Wie heißt die Großmutter des Todes? Die Antwort wäre: die Begierde.
Mir geht es darum zu zeigen, dass die Sünde, die Tatssünde, zum Tod führt. Jetzt hat Mordochai dafür gesorgt, dass es zu einer Rettung kommt. Mordochai rettet also Ahasveros.
Man kann sagen, Mordochai ist hier ein Bild des Sohnes Gottes, Gott der Sohn, Jesus, der meine Seele gerettet hat. In Hebräer 10, Vers 39 lesen wir über die Rettung der Seele. Es geht mir nur um den Ausdruck dort, ohne den Zusammenhang weiter zu erklären.
Hebräer 10, Vers 39: „Wir aber sind nicht von denen, die sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Errettung der Seele.“ Die Errettung der Seele ist die Rettung von Ahasveros.
Wir lesen auch in 1. Petrus 2, wie der Herr Jesus unsere Sünden getragen hat, Sünden in der Mehrzahl, am Kreuz.
1. Petrus 2, Vers 24: „Der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, damit wir den Sünden abgestorben der Gerechtigkeit leben, durch dessen Striemen ihr heil geworden seid.“
Jesus hat uns von den Sünden gerettet, beziehungsweise mich von den Sünden, und zwar durch das Holz. Bigdan und Teresch werden an dieses Holz gehängt.
Hier ist es wichtig zu wissen: Die alten Perser haben die Kreuzigung erfunden. Das habe ich auch im Skript aufgeführt.
Bei Mordochai, der Ahasveros rettet, habe ich hinzugefügt, dass es um die Sünden am Kreuzesholz geht. Es handelt sich hier um Kreuzigung, also ans Holz hängen bedeutet kreuzigen. Das ist eine persische Erfindung.
In Esra 6, Vers 11, einer anderen Geschichte aus der Perserzeit, wird ausdrücklich von der Kreuzigung an einem Holz gesprochen.
Die Verbindung zur Kreuzigung Jesu und die Chronik der Rettung
Wichtig ist auch die Septuaginta, die älteste griechische Übersetzung des Alten Testaments. Sie wurde von Juden im dritten Jahrhundert vor Christus angefertigt und war die Bibel der Apostel. Wenn die Apostel auf Griechisch predigten, zitierten sie im Neuen Testament immer wieder direkt aus dieser Übersetzung.
In der Septuaginta wird im Buch Esther an zwei Stellen der Ausdruck „ans Holz hängen“ mit dem Wort „stauroo“ übersetzt. Dieses Wort bedeutet im Neuen Testament „kreuzigen“. So heißt es, dass Bigdan und Teresch „am Holz“ hingen.
Vorhin haben wir in 1. Petrus 2 gelesen, dass der Herr Jesus unsere Sünden „am Holz“ getragen hat. Als er gekreuzigt wurde, hat er unsere Sünden getragen. Das ist genau das, was hier vorweggenommen wird.
In der Septuaginta wird in Esther 7,9 das Holzhängen mit „kreuzigen“ übersetzt. Auch in Kapitel 8, Vers 12 wird das nochmals erwähnt – allerdings nur in der Septuaginta, wo ein Zusatz vorhanden ist.
Die Rettung wird dann schriftlich festgehalten – und zwar im Buch der Chroniken. Die Elberfelder Bibel hat dazu eine Fußnote, die erklärt, dass in Chroniken von „Tagesereignissen“ die Rede ist. In das Buch der Tagesereignisse wurde also alles eingeschrieben.
Dieses Buch wird später noch einmal erwähnt, wie wir in Kapitel 6, Vers 1 lesen: „In jener Nacht floh den König der Schlaf, und er befahl, das Buch der Denkwürdigkeiten der Tagesereignisse zu bringen.“ Das ist ein anderer, ausführlicherer Name für das Buch der Chroniken, nämlich das Buch der Denkwürdigkeiten der Tagesereignisse.
Dort wird die Rettung Asveros vor Bigdan und Teresch durch Mordochai aufgeschrieben.
Und wo lesen wir davon, wie der Herr Jesus unsere Seele errettet hat? Im Buch der Denkwürdigkeiten der Tagesereignisse. Die Bibel ist ein Geschichtsbuch, weil sie zeigt, wie Gott in Raum und Zeit gehandelt hat. Wie Jesus an einem Tag alle Schuld abgeschafft hat, sagt Zacharja 3 am Schluss.
Das ist wirklich wunderbar, was wir dort finden.
Die Erhebung Hamans trotz Mordochais Treue
Und wenn wir jetzt weiterlesen, erleben wir einen Schock.
Kapitel 3, Vers 1: Nach diesen Begebenheiten machte der König Ahasveros Haman, den Sohn Hamedatas, den Agagiter, groß.
Jetzt wäre doch die logische Folge gewesen, dass Mordochai den höchsten Platz bekommen hätte – nach all diesen Begebenheiten, zu Beginn von Kapitel 3. Das wäre normal, wenn man sich bekehrt, den Herrn Jesus als Retter annimmt und sich bewusst wird: Ich bin gerettet von meinen Sünden durch das Kreuz des Herrn Jesus, ich bin jetzt von Gott adoptiert. Dann sollte Jesus den höchsten Platz in meinem Leben haben. Doch stattdessen wird Haman erhoben.
Haman ist ein Bild für das Fleisch. Es läuft also ganz, ganz verkehrt. Man fragt sich manchmal, warum Menschen sich bekehren, aber Jesus trotzdem nicht den ersten Platz in ihrem Leben bekommt. Das ist genauso tragisch wie hier in Esther 3.
Und er erhob ihn und setzte seinen Stuhl über alle Fürsten, die bei ihm waren. Alle Knechte des Königs, die am Tor des Königs standen, beugten sich und warfen sich nieder vor Haman. Im Hebräischen heißt das „kor'im“ – die Knie beugen, also wirklich auf die Knie gehen und sich niederwerfen. Denn so hatte der König es wegen ihm geboten.
Aber Mordochai beugte sich nicht und warf sich nicht nieder. Da sprachen die Knechte des Königs, die am Tor des Königs waren, zu Mordochai: Warum übertrittst du das Gebot des Königs?
Und es geschah, als sie es Tag für Tag zu ihm sagten und er nicht auf sie hörte, berichteten sie es Haman, um zu sehen, ob die Worte Mordochais bestehen würden. Denn er hatte ihnen kundgetan, dass er ein Jude sei.
Als Haman sah, dass Mordochai sich nicht vor ihm beugte und niederwarf, wurde Haman von Grimm erfüllt. Aber es war in seinen Augen verächtlich, die Hand allein an Mordochai zu legen, denn man hatte ihm das Volk Mordochais kundgetan.
Daraufhin suchte Haman alle Juden im ganzen Königreich des Ahasveros, das Volk Mordochais, zu vertilgen.
Der Konflikt zwischen Fleisch und Geist am Beispiel von Haman und Mordochai
In Galater 5,17 heißt es: „Das Fleisch strebt oder gelüstet gegen den Geist.“ Und dann geht es weiter: „Der Geist aber gegen das Fleisch.“ Hier haben wir diese Opposition zwischen Haman und Mordochai.
Man muss sich noch Folgendes vor Augen halten: Haman wird hier genannt, in Vers 1, als der Agagitter. Agag ist ein Titel für amalekitische Könige. Die Elberfelder Bibel, die Alte und auch die Revision CSV, Höckiswagen jedenfalls, haben hier eine Fußnote und erklären, dass Agag der Titel der amalekitischen Könige war. Vergleiche 4. Mose 24,7 und 1. Samuel 15,8.
Und wer waren die Amalekiter? Das war ein Volk, das zum Todfeind Israels wurde – von Anfang der Geschichte an. Als die Israeliten ausgezogen waren und in die Wüste kamen, stellte sich Amalek ihnen entgegen (2. Mose 17).
Jetzt lese ich noch aus dem fünften Buch Mose, also aus der Tora, ein Gebot für Israel vor: 5. Mose 25,17-19: „Erinnere dich daran, was Amalek dir getan hat auf dem Weg, als du aus Ägypten zogst, wie er dir auf dem Weg entgegentrat und einen Nachzügler schlug – alle Schwachen hinter dir her, alle, die nicht schnell genug gehen konnten wie die anderen, als du erschöpft und müde warst. Und er fürchtete Gott nicht. Es soll geschehen, wenn der Herr, dein Gott, dir Ruhe verschafft hat vor allen deinen Feinden ringsum in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir als Erbteil gibt, es zu besitzen, so sollst du das Gedächtnis Amaleks unter dem Himmel austilgen. Vergiss es nicht!“
Dieser Mordochai war ein treuer Jude, der an dem Wort Gottes, der Tora, festhielt. Nun sollte er sich vor einem Agagitter niederbeugen, einem aus dem königlichen Geschlecht der Amalekiter. Das ging gar nicht! Deshalb hat er es nicht getan.
Die Mitarbeiter am Hof bemerkten, dass Mordochai nicht nach der Regel handelte. Haman selbst merkte es nicht. Die Mitarbeiter fragten Mordochai, in Vers 3: „Warum übertrittst du das Gebot des Königs? Warum machst du das?“
Die Antwort findet sich in Apostelgeschichte 4,19 und Apostelgeschichte 5,29: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Es ging gegen ein Gebot der Tora. Er konnte sich nicht vor Agag beugen. Deshalb tat er es nicht.
Die Mitarbeiter sagten ihm Tag für Tag, warum er das Gebot des Königs übertritt. Das ist eine Situation, die wir auch von manchen Arbeitsplätzen kennen: Minderheiten werden unter Druck gesetzt, und es entsteht ein Anpassungsdruck. Doch Mordochai hört nicht auf sie. Er ist fest überzeugt und geht seinen Weg in Treue.
Als die Mitarbeiter sahen, dass er nicht aufhörte, berichteten sie es Haman. Sie wollten testen, ob die Sache Mordochais in den Augen Hamans Bestand haben würde oder nicht. Ein harter Test!
Hinzu kam, dass Mordochai sagte, er sei Jude. Das war für viele schon ein Grund, gegen jemanden vorzugehen – einfach, weil er Jude war. Für die Gläubigen der Gemeinde ist es eine Erfahrung, dass es reicht, Christ zu sein, um Nachteile zu haben. Mordochai sagte es offen: „Ich bin Jude.“
Mordochai verhielt sich weiterhin so. Haman bemerkte das und dachte: „Ha, der hat die Frechheit, mich nicht auf diese Art zu ehren!“ Er wurde von Grimm erfüllt. Das ist ganz typisch für das Fleisch. Morgen werden wir noch aus Galater 5 die Werke des Fleisches lesen, und dazu gehören eben auch Zorn und Grimm – dieser sündige Zorn.
Haman sagte sich: „Den bringe ich um.“ Jemandem den Tod zu wünschen, das kommt aus dem Fleisch. Das ist typisch. Doch Haman dachte, das reicht ihm nicht, nur Mordochai umzubringen. Er plante, auch sein ganzes Volk zu vernichten.
Das Fleisch hasst das Volk Gottes, und das müssen Gläubige wissen. Auch nach der Bekehrung haben wir das Fleisch noch. Diese falschen Begierden und Gedanken kommen jeden Tag auf. Die Frage ist, was wir damit machen. Erst wenn die Begierde empfangen wird, gebiert sie die Sünde.
Wir müssen wissen, dass dieses Fleisch alle Gläubigen hasst. Nun versteht man auch, warum es so viele Streitfälle unter Gläubigen gibt. Weil Haman, das Fleisch, am Ruder ist und alle Gläubigen hasst.
Morgen erfahren wir mehr dazu. Jetzt wird es richtig dramatisch. Und so ist es oft: Man muss dort aufhören, wo es besonders dramatisch wird.
