
Ist Gottes Erwählung ungerecht?
Erwählung, Verwerfung, Gnade: Wer rettet wirklich – und warum?
Römer 9,11-1814.06.2026
Serie•Teil 46 / 47Wir betrachten den Römerbrief
Generierte Mitschrift
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Begrüßung und Hinführung zum Bibeltext
Guten Morgen, liebe Gemeinde. Ich heiße euch alle herzlich willkommen und begrüße auch unsere Freunde am Livestream zu diesem Gottesdienst.
Dieses Lied ist passend für Römer 9, auch wenn wir heute noch nicht ganz zu dem Text kommen, sondern vermutlich erst nächste Woche. Dort heißt es: Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre, das andere zur Unehre zu machen? Dennoch wird auch heute die Souveränität Gottes und seine Majestät in unserem Bibeltext zum Thema sein. Und ja, wir sagen: Herr, du bist der Töpfer, wir sind der Ton. Mach aus uns, was dir gefällt. Das soll die Haltung sein, mit der wir uns heute Morgen auch dem Bibeltext nähern und unsere Herzen entsprechend einstellen. Herr, rede du zu uns, wir wollen lernen von dir.
Ich lade uns ein, dass wir aufstehen und den Römerbrief aufschlagen. Wir sind in Kapitel neun angelangt, und der Predigttext ist heute von Vers vierzehn bis Vers achtzehn. Aber ich möchte um des Kontextes willen schon bei Vers elf beginnen, also Römer 9 ab Vers elf bis achtzehn.
Als die Kinder, das ist Jakob und Esau, noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden, wurde zu ihr, das ist Rebekka, der Mama, gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Wie auch geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst.
Was wollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! Denn zu Mose spricht er: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao: Eben dazu habe ich dich aufstehen lassen, dass ich an dir meine Macht erweise und dass mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde. So erbarmt er sich nun über wen er will und verstockt wen er will.
Amen. Nehmt doch Platz!
Die Frage nach Erwählung und Verwerfung
Hier in Römer 9 haben wir es mit dem grossartigen Thema der Erwählung zu tun, und das bereitet manch einem Christen Kopfzerbrechen. Und ich muss ehrlich sagen: Das ist auch nachvollziehbar. Wie kann es denn sein, dass Gott einige Menschen zum Heil erwählt und andere nicht? Ist er nicht ungerecht, wenn er so handelt?
Zu Beginn von Römer 9 fängt Paulus an, sein Herz auszuschütten. Das ist die Basis, auf der er die Lehre der Auserwählung und Verwerfung, über die wir heute hören, weitergibt. Er schüttet sein Herz aus. In den Versen 1-5 schreibt er, dass er seine Landsleute, die Juden, sehr lieb hat. Dass sie Christus in weiten Teilen ablehnen, das schmerzt ihn.
Ab Vers 6 führt er das Thema der Erwählung ein, aber nicht, weil er eine trockene, abstrakte theologische Debatte führen will, sondern weil er Traurigkeit für die Israeliten empfindet. Das ist der Startpunkt: Traurigkeit darüber, dass seine Brüder und seine Verwandten nach dem Fleisch den Messias Christus nicht annehmen.
Warum? So fragt er. Warum lehnen sie Christus ab? Ihnen, wir erinnern uns an letzten Sonntag, gehören doch die Verheissungen, sie haben doch die Herrlichkeit, die Bündnisse und die Gesetzgebung. Warum glauben sie nicht an Christus, den Messias?
Seine Antwort lautet: Weil die Verheissungen, von denen hier die Rede ist und die im Alten Testament deutlich werden, niemals für ganz Israel, sondern nur für den Überrest vorgesehen waren. Sie galten nicht allgemein allen, nicht allen biologischen Nachkommen Abrahams, sondern nur den von Gott Auserwählten. Das ist sein Argument. Denn in Vers 6 heisst es: Nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. Wir erinnern uns.
Und dann gibt er uns drei Beispiele: Abraham, dann Isaak, und dann erzählt er uns auch von Jakob und Esau. Bei den beiden wird es besonders deutlich, als sie, Vers 11, also Jakob und Esau, noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten. Damit der gemäss der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden, wurde zu ihr gesagt: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Wie auch geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst.
Da sind also Zwillinge im Mutterleib. Sie haben bis dahin weder Gutes noch Böses getan, und doch beschliesst Gott schon vor ihrer Geburt, den einen zu lieben und zu segnen und den anderen nicht. Dies führt uns zu der Frage nach der Erwählung und ihrer Kehrseite, der Verwerfung.
Punkt Nummer eins meiner Predigt: Aufgrund des gelesenen Bibeltextes empfangen nicht alle Gnade. Erwählung und Verwerfung.
Wenn wir also diese beiden ungeborenen Jungs vor uns sehen, dann fragen wir ganz intuitiv: Herr, wie kann das sein? Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich gehasst, sagst du. Paulus nimmt das auf, und er erwartet es förmlich von seinen Lesern, dass diese Frage jetzt gestellt wird. Und so schreibt er in Vers 14: Was sollen wir nun sagen? Was gibt es auf diese göttliche Wahl anzumerken? Wie kann sie erklärt werden?
Was uns, dir und mir, als Erstes in den Sinn kommt, ist die Frage nach der Gerechtigkeit. Die greift Paulus umgehend auf. Vers 14: Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Vielleicht hast du mit dieser Frage in der vergangenen Woche gerungen, nachdem du am letzten Sonntag hier warst, und heute legt sie Paulus uns vor. Und er beantwortet sie auch.
Klar, diese Frage liegt auf der Hand: Wieso Jakob und nicht Esau? Was ist denn mit Esau? Wenn er nicht erwählt ist, ist er dann verworfen? Was ist überhaupt Verwerfung? Dann kommt ja auch noch in unserem Abschnitt, Vers 18, dazu. Da haben wir gelesen: So erbarmt er sich nun über wen er will und verstockt wen er will.
Ihr Lieben, an dieser Stelle sollten wir einen Augenblick innehalten. Unsere menschlichen Reaktionen und unsere menschlichen Schlussfolgerungen auf Gottes Souveränität, die uns intuitiv in den Sinn kommen, sollten wir unbedingt anhand der Bibel überprüfen. Wir sollten unsere Emotionen mit der Bibel abgleichen.
Tatsächlich gibt es eine Kehrseite der Erwählung: die Verwerfung. Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich gehasst. So erbarmt er sich nun über wen er will und verstockt wen er will. Diese Aussagen wollen uns grossen Kummer bereiten, besonders wenn wir an uns nahestehende Menschen denken. Ja, was ist denn mit meinem ungläubigen Ehemann, Vater, Sohn, Tochter, Nachbarn, Arbeitskollegen?
Biblische Zeugnisse für Gottes souveränes Handeln
Der Theologe Wayne Grudem hat in seiner biblischen Dogmatik etwas dazu geschrieben, das ich sehr hilfreich finde. Es hört sich wie folgt an:
In vielerlei Hinsicht, schreibt er, fällt es uns unter allen Lehren der Bibel am allerschwersten, über die Lehre von der Verwerfung nachzudenken und sie zu akzeptieren, weil es in ihr um solch schreckliche und ewige Konsequenzen für Menschen geht, die im Bilde Gottes geschaffen sind. Die Liebe, die Gott uns zu unseren Mitmenschen gibt, und die Liebe, die er uns gebietet, unserem Nächsten zu erweisen, lassen uns zitternd vor dieser Lehre zurückschrecken. Es ist durchaus richtig, dass wir eine solche Furcht empfinden, wenn wir über sie nachsinnen.
Sie ist etwas, woran wir nicht gerne glauben möchten, und was wir nicht glauben würden, würde es die Bibel nicht eindeutig lehren. Ich bin der Ton, du bist der Töpfer; ich beuge mich vor dem Zeugnis deiner Heiligen Schrift, o Herr, auch wenn wir zunächst einmal zurückschrecken. Die Lehre der Verwerfung ist etwas, woran wir nicht gerne glauben möchten, und was wir nicht glauben würden, würde es die Bibel nicht eindeutig lehren. Und das tut sie. Sie lehrt es.
Hier einige Beispiele:
Sprüche 16,4: Alles hat der Herr zu seinem bestimmten Zweck gemacht, sogar den Gottlosen für den Tag des Unheils.
Johannes 12,39-40: Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen: Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.
1. Petrus 2,7-8: Für euch nun, die ihr glaubt, ist er, das ist Christus, kostbar. Für die aber, die sich weigern zu glauben, gilt: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, gerade der ist zum Eckstein geworden, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Weil sie sich weigern, dem Wort zu glauben, nehmen sie Anstoß, wozu sie auch bestimmt sind.
Jesus spricht in ähnlicher Weise in Matthäus 11,25-26: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir. Den einen hat der Vater es offenbart, und vor den anderen hat er es verborgen gehalten. Und Jesus sagt: Das ist wohlgefällig vor dir, o Herr.
Wir sehen: Es gibt noch eine Menge anderer Verse in der Heiligen Schrift, die das bestätigen. Erwählung und auch die Umkehrseite der Medaille, die Verwerfung, ist Sache Gottes.
Der Unterschied zwischen Erwählung und Verwerfung
Nun müssen wir an dieser Stelle sehr deutlich machen, was wir unter Erwählung oder was die Bibel unter Erwählung und Verwerfung versteht. Es gibt nämlich einen wesentlichen Unterschied, insbesondere im Handeln Gottes, wenn wir uns die Erwählung und die Verwerfung anschauen.
Denn während die Erwählung, und das ist ja die Botschaft des Römerbriefes bisher, klar und deutlich ein gnädiges, aktives Eingreifen Gottes in das Leben eines Sünders ist, ist es bei der Verwerfung anders. Bei der Verwerfung zieht sich Gott schlicht zurück, und wir können auch sagen: Er überlässt den Sünder sich selbst.
Bei der Erwählung beschenkt Gott den Sünder mit Gnade und Wohltat seiner rettenden Liebe. Bei der Erwählung, noch einmal, beschenkt Gott den Sünder mit Gnade und Wohltat; es ist ein Gnadengeschenk. Den Verworfenen aber überlässt er schlicht sich selbst.
Deswegen wird auch in der Theologie von Gottes in diesem Fall asymmetrischem Handeln gesprochen. Bei der Erwählung handelt Gott zum Heil der Erlösten. In der Verwerfung handelt Gott aber nicht zum Unheil. Er arbeitet nicht an dem Verderben des Menschen, und er wirkt auch nicht in ihnen Unglauben. Das braucht er auch gar nicht. Das ist überhaupt nicht nötig, das besorgt der gefallene Mensch aufgrund seiner gefallenen Natur schon von ganz allein.
Das Westminsterbekenntnis drückt es so aus, wenn es zunächst die Errettung beschreibt, also die Erwählung beschreibt. Das ist Gottes gnädiges, aktives Eingreifen in das Leben eines Sünders. Wie beschreibt das Westminsterbekenntnis dies? Es formuliert wie folgt:
Diejenigen, die aus dem menschlichen Geschlecht zum Leben vorherbestimmt sind, hat Gott vor Grundlegung der Welt nach seinem ewigen und unwandelbaren Vorsatz und verborgenen Ratschluss und Wohlgefallen seines Willens in Christus zur ewigen Herrlichkeit erwählt, dies aus seiner völlig freien Gnade und Liebe, ohne jede Rücksicht auf Glauben und gute Werke oder die Beharrung in beiden. Auch hat ihn keine in den Kreaturen vorhandene Voraussetzung oder Ursache dazu bewogen, und all das zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, ohne Rücksicht auf Werke, ohne Rücksicht auf Glauben, ohne Rücksicht auf Herkunft, ohne Rücksicht auf Bildung, sondern alles zum Lob der Herrlichkeit Gottes. Das ist Gottes aktives Eingreifen in das Leben eines Menschen, der in seiner Sünde so verblendet und verdorben auf dem Weg geradeaus in die Hölle ist. Und Gott greift ein und sagt: Nein, ich bin dir gnädig, ich habe dich bestimmt zum ewigen Heil, du sollst nicht verloren gehen, sondern du sollst mein Kind sein. Du sollst versöhnt sein mit Gott dem Vater durch das Werk Jesu Christi.
Und das hat Gott aktiv in jedem einzelnen Herzen von uns, die wir hier versammelt sind und an Christus glauben und ihm gehören, getan. Und das zum Lob seiner Herrlichkeit. Amen!
Gottes Gnade, Gottes Zurückhaltung und menschliche Verantwortung
Bei der Verwerfung ist es anders, was die betrifft, die nicht glauben. Das Westminster Bekenntnis formuliert es wie folgt:
Nach dem unerforschlichen Ratsschluss seines eigenen Willens, aufgrund dessen er Barmherzigkeit walten lässt oder zurückhält, wie es ihm gefällt, hat Gott beschlossen, die übrige Menschheit zur Ehre seiner höchsten Macht über seine Geschöpfe zu übergehen und sie zum Lob seiner vollkommenen Gerechtigkeit wegen ihrer Sünde zu Schmach und Zorn zu bestimmen.
Hier ist dieses Wörtchen sehr hilfreich: Gott hat sich entschlossen, sie zu übergehen. Nicht hat er sich entschlossen, sie zu motivieren in ihrer Sünde oder ihnen noch Böses einzuflößen. Nein, er wird und wird nicht aktiv. Er überlässt sie schlicht sich selbst.
Wenn Gott rettet, dann rettet er aus Gnade und Liebe, Halleluja! Und wenn er übergeht und den Sünder sich selbst überlässt, dann handelt er aus Gerechtigkeit.
Häufig, wenn wir den Mitgliedskurs haben und wir dieses Thema berühren oder auch präsentieren oder besprechen, dann sind da ja immer viele Fragen. Was ich gemerkt habe, was hilfreich ist, auch für mich persönlich, was mir geholfen hat, ist dieses Bild, das wir von Gott haben, wenn wir an die Erwählung und Verwerfung denken. Dann haben wir häufig ein falsches Bild vor Augen.
Wir glauben, oder wir denken, die Menschheit als Ganzes, auch in ihrer Verlorenheit, steht im Prinzip an der Pforte zum Himmel und klopft und will rein und sagt: Gott, lass mich rein. Und Gott sagt: Du ja und du nein, und du ja und du nein, du ja, nein, nein, nein, nein, nein. Und so kommt das zustande.
Das ist aber ein falsches Bild, das wir haben. Die Menschheit in ihrer Sünde und Verblendung ist nicht auf dem Weg zum Himmel und will da unbedingt rein, und Gott sagt: Du ja und du nein. Sondern was hat uns Paulus schon in Römer 3 gelehrt? Der Mensch will nicht zu Gott, sondern er läuft vor ihm weg. Wir laufen kollektiv in unserer Sünde, Verblendung und Verdorbenheit auf den Abgrund der Hölle zu.
Römer 3,10-12: Es ist keiner gerecht, haben wir gelernt. Auch nicht einer. Es ist keiner, der verständig ist, und keiner, der nach Gott fragt. Da fragt keiner. Wir fragen nach uns selbst. Und wenn, dann tünchen wir unsere Frage nach uns selbst mit dem frommen: Gott, segne mich.
Das mag ein Mensch in der Welt vielleicht mal sagen, aber einen inneren Zerbruch und eine innere Erkenntnis unserer Sündhaftigkeit und ein Auf-die-Knie-Gehen und sich Beugen vor Christus, dem Sohn Gottes, das ist dem Unerretteten vollkommen fern. Er will das nicht. Er will sich nicht beugen, er will aufgerichtet sein. Er läuft weg. Er sagt: Nein, ich will dich nicht.
Und jetzt kommt Gott und sagt: Hör mal, obwohl du rebellisch bist, liebe ich dich, ich will dich retten. Ich habe dich erwählt vor Grundlegung der Welt. In deinen Sünden warst du tot und verloren, aber ich handle aus Gnade und aus reiner Barmherzigkeit. Da ist nichts in dir, was mich, Gott, dazu veranlasst, dich zu retten. Nein, du bist hässlich und gegen mich feindlich gesinnt, und dennoch will ich dich retten.
Und was macht er bei den anderen? Er übergeht sie, er überlässt sie sich selbst, und sie rennen in ihr Verderben, in ihren Abgrund.
James Montgomery Boyce drückt es in seinem Römerkommentar so aus:
Der Grund, warum manche an das Evangelium glauben und dadurch gerettet werden, ist, dass Gott in ihr Leben eingreift, um sie zum Glauben zu führen. Er tut dies durch die Wiedergeburt oder Erneuerung. Diejenigen jedoch, die verloren sind, werden nicht von Gott zum Unglauben getrieben, das tun sie aus eigenem Antrieb. Um ihr Schicksal zu besiegeln, muss Gott ihnen lediglich die besondere Gnade der Erneuerung vorenthalten.
Was haben wir am letzten Sonntag gesagt? Hier nimmt Gott den Vorhang beiseite und lässt uns hineinschauen in den wahren Grund, warum einige gerettet sind und andere nicht.
Der seelsorgerliche Umgang mit den Verlorenen
Nun, was machen wir jetzt persönlich damit, besonders hinsichtlich unserer Gedanken an die Verlorenen, die in deinem Umfeld?
Das Erste, was wir tun, ist: Wir handeln wie Paulus. Wir lassen einen großen Schmerz für die Verlorenen in unserem Herzen zu, so wie Paulus es als Startrampe tat, bevor er uns in diese Theologie und in diese Wahrheit hineingeführt hat. Er hatte, wie wir gesagt haben, große Traurigkeit und unablässigen Schmerz in seinem Herzen für die verlorenen Juden.
Und auch Gott ist betrübt über den Tod der Gottlosen. Hesekiel 33,11: Ich habe, sagt Gott, kein Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern daran, dass der Gottlose umkehre von seinem Weg und lebe. So haben auch wir Schmerz für die, die Christus ablehnen. Und wir lassen dieses Empfinden, wie Paulus es auch getan hat, zu. Es ist auch Ausdruck unserer Liebe.
Was tun wir noch? Wir beten für die Verlorenen. Schau, Gebet ist gerade auch im Kontext von Gottes Souveränität und Erwählung keine Trockenübung. Die Bibel erklärt uns vielmehr, dass Gott das Gebet als ein Mittel einsetzt, um seinen Ratschluss zu vollführen. In wundersamer Weise bindet Gott seine Kinder mit ein, um seinen Heilsplan zu vollenden.
Deswegen ruft er uns auf: Matthäus 28. Geht in alle Welt, verkündigt das Evangelium allen Kreaturen, macht zu Jüngern, tauft sie, lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Müsste er das tun? Nein, er ist souverän. Er könnte mit einem Schlag alle seine Kinder erretten. Will er das auf diese Weise tun? Offensichtlich nicht. Sondern er will dich einbinden, genauso wie er dich einbinden will in das Erreichen von Unerreichten, dass wir hingehen und missionieren. Genauso will er auch dein Gebet mit einbinden in die Vollendung seines Ratschlusses.
Und deswegen beten wir im Glauben: Herr, rette meinen Vater. Herr, erlöse du mein Kind. Gott, ich flehe dich an, übergehe ihn nicht. Erweise du dich als gnädig in seinem Leben oder in ihrem Leben. Das Gebet benutzt Gott, um Menschen zu retten. Er bindet dein Gebet in die Vollendung seines Ratschlusses mit ein.
Wir kennen nicht Gottes geheimen Ratschluss, sondern nur seinen geoffenbarten Willen. Und der gebietet uns, für alle Menschen zu beten, 1. Timotheus 2. Auch der Apostel Paulus ist uns hier ein Vorbild. Nachdem er die Lehre der Erwählung und der Verwerfung in Römer 9 darlegt, schreibt er in Römer 10,1: Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, dass sie gerettet werden.
Die Quintessenz aus der heiligen Lehre der Erwählung und Verwerfung ist Gebet. Paulus betet: Rette du meine Brüder dem Fleisch nach.
Also, was ist unsere Reaktion? Wir haben Schmerz für die Verlorenen. Wir beten für die Verlorenen. Und wir evangelisieren die Verlorenen.
Nachdem Gott selbst durch Hesekiel gesagt hat, was ich eben zitierte, dass er keinen Gefallen am Tode des Gottlosen hat, ruft Gott selbst unmittelbar, nachdem er das gesagt hat, aus: Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen. So ähnlich wie Petrus in seiner Pfingstpredigt. Er erklärt die Souveränität Gottes, die Vorhersehung Gottes, dass sie ihn ans Kreuz geschlagen haben, war der Ratschluss Gottes, für den sie aber Verantwortung haben. Und was sagt er dann? Tut Buße, kehrt um, bekehrt euch, lasst euch taufen und glaubt an den Namen Jesu Christi.
Und das tun wir auch. Wir tragen Schmerz und Trauer für die Verlorenen in unserer Umgebung. Wir beten für sie, und wir hören nicht auf, zu evangelisieren und ihnen das Evangelium zu verkündigen.
Das soll auch heute Morgen der Ruf von dieser Kanzel sein: Wenn du hier bist und Christus noch nicht glaubst, glaube ihm. Setze dein Vertrauen auf ihn. Bring ihm deine Schuld und Last. Bring ihm dein Leben, gib ihm dein Leben. Er ist da, und er lädt dich ein. Er will dein Herr, Retter und Erlöser sein. Amen.
Die Frage nach Gottes Gerechtigkeit
Zweitens: Nachdem wir nun über die Frage der Erwählung und Verwerfung gesprochen haben, oder über das Übergehen, das heißt das Sich-selbst-Überlassen des Sünders, steht immer noch die zweite Frage nach der Gerechtigkeit im Raum. Ist Gott nicht ungerecht? Jakob, Esau, wir haben es gesagt. Was ist die Antwort des Paulus auf diesen Einwand?
Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich gehasst. Archie Sproul sagt in Bezug auf diesen Vers: Wenn die Heilige Schrift davon spricht, dass Gott hasst, bedeutet dies, dass er Esau keine Gunst erwies. Gott gewährte ihm weder Gnade noch die Wohltaten der rettenden Liebe. Das bedeutet nicht, dass Gott in dem Sinne hasst, wie Menschen hassen. Also: Jakob erwies er Gunst, Esau erwies er diese Gunst nicht.
Was wollen wir nun sagen? Ist Gott nicht ungerecht? Die Antwort des Paulus ist zweifach. Erstens sagt er: Das sei ferne. Nein, Gott ist nicht ungerecht, sondern Gott ist barmherzig. Jeder Gedanke, der sich bei der Beschäftigung mit diesem Thema in uns einnistet und uns einreden will, Gott sei ungerecht, sollte keinen Raum in uns haben, sondern muss verbannt werden.
Denn Gerechtigkeit ist Gottes Essenz. Gerechtigkeit ist sein Wesen. Sie zeichnet ihn und auch seine Herrschaft aus. 5. Mose 32,4: Er ist der Fels. Vollkommen ist sein Tun, ja, alle seine Wege sind gerecht. Psalm 89,15: Recht und Gerechtigkeit sind die Grundfeste deines Thrones. Er regiert mittels Recht und Gerechtigkeit. Gnade und Wahrheit gehen vor deinem Angesicht her. Psalm 145,17: Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.
Paulus kann mit tiefer Überzeugung und mit großer Klarheit auf die Frage: Ist Gott etwa ungerecht? sagen: Das sei ferne. Und mögen wir das so aufnehmen. Mögen auch wir, wenn es zu diesem Thema kommt, sagen: Nein, da ist keine Ungerechtigkeit bei Gott.
Gnade statt Fairness
Paulus erklärt dann auf eine zweite Weise, warum Erwählung und Verwerfung nicht im Widerspruch zu Gottes Gerechtigkeit stehen. Nicht nur, dass es seinem Wesen entgegensteht, denn er ist gerecht. Sondern er sagt in Vers 15 und 16:
Denn zu Mose spricht er, also Gott: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Hoch interessant. Ich stelle uns jetzt mal allesamt in die Schuhe derer, die hier diese Frage stellen. Und sie ist ja auch wirklich naheliegend: Ist denn da Ungerechtigkeit bei Gott? Wir fragen nach der Gerechtigkeit, das ist unsere intuitive Antwort. Auf Jakob habe ich geliebt, Esau habe ich gehasst.
Aber in seiner Antwort, die Paulus jetzt hier gibt, benutzt er das Wort Gerechtigkeit überhaupt nicht. Stattdessen spricht er hier nur von Gnade und Erbarmen. Schau mal, Vers 15 und 16: Gnade, wem ich gnädig bin, bin ich gnädig; über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Er redet nur von Gnade und Erbarmen.
Herr Paulus, mein Klassenlehrer, der hätte drunter geschrieben: Thema verfehlt, sechs. Ich frage nach Gerechtigkeit, und du redest von Gnade und Erbarmen. Das ist nicht die Antwort auf die Frage. Ah, vielleicht doch.
Sollten wir den Apostel tadeln, dass er an dieser Stelle nicht auf die Frage eingeht? Nein. Stattdessen lernen wir etwas Wesentliches durch seine Antwort. Das ist jetzt auch wichtig für uns, dass wir das verinnerlichen. Nämlich, dass es bei unserer Erlösung, unserer Errettung von unseren Sünden, unserem ewigen Heil, nicht um Fairness geht, sondern um Erbarmen.
Wenn wir nämlich Fairness einfordern, dann bekommen wir, was wir verdienen. Und das ist die Hölle. Das ist gerecht. Wir denken tatsächlich in den falschen Kategorien, wenn wir hinsichtlich der Verlorenheit des Menschen nach Gerechtigkeit rufen. Wir sind völlig auf dem falschen Weg. Gerechtigkeit wollt ihr, könnte Gott sagen, könnt ihr haben. Das ist die ewige Verdammnis, Gericht und Zorn Gottes.
Die Kategorien, in denen wir denken sollen und lernen sollen zu denken, wenn es um unsere Erlösung und unsere Errettung geht, sind nicht Gerechtigkeit, sondern Gnade und Erbarmen. Die Gottesgerechtigkeit bestätigt: Ist Gott ungerecht? Das sei fern! Er ist gnädig und voller Erbarmen. Allein die göttliche Gnade und sein Erbarmen, allein die göttliche Gnade und sein Erbarmen, ist letzten Endes gerecht.
Warum Gnade allein gerecht ist
Bleibt noch kurz bei mir, das ist jetzt interessant. Jetzt verspreche ich hier etwas.
Letztlich ist wirklich nur Gottes Erbarmen und Gnade gerecht. Wie meine ich das? Wenn nicht Gnade und Erbarmen, wenn nicht Gottes Gnade und Erbarmen die Grundlage unserer Errettung wäre, was könnte es denn dann sein? Wenn nicht Gnade und Erbarmen die Grundlage unserer Rettung wäre, was wäre denn dann als Grundlage möglich?
Nun, einige schlagen vor, dass es Werke seien, Taten seien, tief verankert in den Köpfen der Menschen. Ich bin ein guter Mensch gewesen, Gott wird mit mir zufrieden sein. Einige schlagen vor, dass es Werke seien und diese die Grundlage für unsere Rettung bilden. Wenn jemand sich recht verhält, sagt man dann, er verdiene sich Gottes Gunst und den Himmel. Und das wäre ja wohl gerecht, sagen sie, weil der eine das macht und der andere keine Lust dazu hat. So sei es eben.
Wäre das wirklich gerecht? Ich sage: nein. Denn manche erben ein gütigeres Temperament als andere. Sie sind eher geneigt dazu, freundlich zu sein, gute Werke zu tun und sich sozial zu engagieren als andere. Das hat ganz viel mit dem Charakter und dem Temperament zu tun.
Auch das Umfeld, in dem wir aufwachsen, prägt uns. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob du von zwei liebevollen Eltern in gutem Haus aufgezogen wirst oder dich als Waisenkind in Kalkutta durch das Leben schlagen musst. Das macht etwas mit dir. Du bist ein anderer Mensch.
Einigen fällt es allein aufgrund ihres Umfeldes, in dem sie aufgewachsen sind, leichter, Gutes zu tun. Sie haben ihre Eltern Gutes tun sehen und sie ahmen sie nach. Andere haben ihre Eltern nie Gutes tun sehen, weil sie ihre Eltern nie gesehen haben. Oder wenn sie sie gesehen haben, dann haben sie gesehen, wie sie sich in Kriminalität und Morast gewühlt haben und darin gesuhlt haben.
Einige sind in bösen und moralisch verwerflichen Umfeldern groß geworden. Sie haben nichts anderes gelernt, als zu stehlen, zu lügen, sich zu prügeln. Das mussten sie, um zu überleben. Und jetzt kommen wir daher und sagen, es wäre aber gerecht, wenn wir die Werke berücksichtigen würden. Gott, du müsstest die Werke berücksichtigen, dann wärst du gerecht.
Stimmt doch gar nicht. Dann müssten wir alle in derselben Glocke geboren werden und unter denselben Randbedingungen aufwachsen. Tun wir nicht. Insofern ist die Frage nach Werken nicht die Antwort auf Gerechtigkeit.
Und wie ist es dann mit unserer Entscheidung, die wir treffen, nachdem wir das Evangelium gehört haben? Das ist dann die etwas frommere Werkeantwort. Das ist der freie Wille, meine freie Entscheidung auf das Angebot Gottes an alle Menschen. Das ist gerecht, so meinen wir.
Ich glaube nicht. Denn auch hier spielt unser Umfeld eine Rolle. Nicht alle hören im gleichen Maß vom Evangelium. Nicht alle haben Eltern oder Großeltern, die für sie beten. Das heißt nicht, dass alle, die Großeltern und Eltern haben, automatisch glauben. Aber es sind unterschiedliche Rahmenbedingungen da.
Während einige von Natur aus vertrauensvoller sind, auch vom Charakter her, sind andere instinktiv skeptisch und hinterfragen alles und wollen Beweise für alles und jedes haben. Wenn Gottes Erwählung auf unsere Fähigkeit, auf ihn zu reagieren, beruhen würde, dann wäre das nicht gerecht. Denn wir sind nicht alle gleich.
Wir sind nicht alle hier heute sitzend in der Arche in Hamburg-Stellingen. Es gibt Millionen Menschen, die niemals so eine Predigt hören oder überhaupt einmal die Bibel lesen können. Es ist ein Trugschluss zu glauben, Gerechtigkeit wäre dann gegeben, wenn unsere freie Entscheidung berücksichtigt wird.
Nein, wenn Gottes Erwählung auf unsere Fähigkeit, auf ihn zu reagieren, beruhen würde, dann wäre Gottes Wahl nicht gerecht. Einige wären zutiefst benachteiligt, und andere wären zwangsläufig privilegiert.
Daher ist es absolut gerecht, und allein ausschließlich gerecht, wenn Gott sagt: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Gott handelt richtig, wenn er einige erwählt, und er handelt richtig, wenn er an anderen vorübergeht. Die Erwählung ist das einzige, was wirklich gerecht ist. Warum? Weil nur in der Erwählung, und weil nur die Erwählung damit beginnt, dass alle Menschen am selben Punkt stehen und auf derselben Ebene sind.
Wir sind allesamt verlorene Sünder. Bei Gott sind wir tatsächlich gleich. Das ist das einzige System in dieser Welt, nicht der Kommunismus, sondern nur bei Gott sind wir wirklich alle gleich: gleich verloren.
Und deswegen kann nur Gottes Erbarmen und Gnade gerecht sein. Denn die Randbedingungen sind egal, wo du herkommst, egal wie intelligent du bist, egal wie dick dein Portemonnaie ist. Die Randbedingungen sind gleich. Wir sind verloren, wir brauchen Christus als Rettung unserer Seele.
Wir alle verdienen die Hölle, und das ist die einzige gerechte Gleichbehandlung. Und dann kommt Gott, und was tut er? Er rettet. Er rettet nicht aufgrund von Werken, nicht aufgrund von Glauben, den wir in uns produziert haben. Nicht aufgrund von Hintergründen und Umständen, sondern er rettet aufgrund seiner Gnade und Barmherzigkeit.
Unter anderem geht er vorüber, was uns schmerzt, weswegen wir für sie beten und weswegen wir sie evangelisieren und weswegen wir dafür wirken, dass noch mehr gerettet werden. So war es bei Jakob und Esau, als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden.
Das ist das einzig gerechte System.
Trost, Anbetung und Dankbarkeit als Antwort
Was machen wir damit zum Schluss? Das eine haben wir schon aufgenommen: Wir sind betrübt um die Verlorenen, wir beten für sie, und wir evangelisieren. Und wir nehmen die Lehre der Erwählung als einen großen Trost mit. Das ist jetzt an die Gläubigen gerichtet.
Weil dein Heil von Gottes Gnade und Barmherzigkeit abhängt, darfst du getröstet sein. Niemand von uns könnte seine Hand ins Feuer dafür legen, dass er es bis zum Ende schafft. Ich habe keine Ahnung, ob ich morgen noch so denken würde wie heute. Ich weiß es nicht. Aber weil meine Errettung und Erlösung in Gottes ewigem Vorsatz und Ratschluss begründet ist, weiß ich: Er hält mich fest, er trägt mich zum Ziel, er bringt mich heim.
Das ist keine Motivation zur Sünde. Nein, das haben wir schon oft gesagt. Wenn du meinst, das als Vorwand zum Sündigen nehmen zu können, dann überprüfe dich. Nein, es erfüllt unsere Herzen mit Trost und Dankbarkeit. Wir sind, weil wir berufen sind, weil wir vorherbestimmt sind, auch gerechtfertigt. Römer 8,30. Und wir sind aufgrund der Vorherbestimmung auch verherrlicht. Das Ziel ist sicher, egal was uns widerfährt. Wir sind sicher in Gottes Händen.
Und das Weitere, was wir mitnehmen, ist, dass wir durch die Lehre der Erwählung angehalten sind, Gott zu preisen. Ich meine: Wer von uns kann hier sitzen, wenn er das hört und auf sich wirken lässt, und sagen: Na ja, Gott 80 Prozent, mir 20 Prozent Ehre? Dann hör dir die Predigt noch einmal an, heute Nachmittag. Du darfst noch einmal eine Ehrenrunde drehen. Aber ganz ehrlich: Da bleibt doch kein Ruhm mehr für uns. Da ist kein Raum für Selbstverherrlichung, weil unser Heil allein von Gottes Gnade und Barmherzigkeit abhängt und bei ihm gegründet ist. Deshalb bekommt Gott auch alles Lob.
Das ist der Zündstoff für den Lobpreis. Das ist der Antrieb zur Verherrlichung Gottes, wenn wir ihn als den Souverän erkennen und anbeten. Deswegen schreibt Paulus in Epheser 1: Er, also Gott, hat uns vorherbestimmt, da haben wir es wieder, zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade. Oh je, je. Amen! Ja, ihr sagt, das ist doch besser.
Paulus dankt Gott, jetzt lasse ich hier den Wolfgang Weger draus, merkt ihr schon. Paulus dankt Gott für die Thessalonicher. Was macht er denn, was sagt er denn? Wir danken Gott alle Zeit für euch alle. Warum? Wir wissen ja von Gott, geliebte Brüder, um eure Auserwählung. 2. Thessalonicher 2,13.
Wir aber sind es, sagt er, nennt es hier sogar schuldig, wir aber sind es Gott schuldig, alle Zeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an zur Errettung auserwählt hat. Wir sind es Gott schuldig zu danken, wir sind es ihm schuldig, ihn zu preisen. Und wir fallen auf unsere Knie, wir weinen vor Erbarmen, vor Rührung und vor Glück, dass Gott aus Gnade bestimmt hat, seine Kinder zu sein. Nicht aufgrund unserer Werke oder unserer klugen Entscheidung, sondern allein aufgrund seines Erbarmens und seiner Gnade.
Insofern ist es angemessen, wenn wir dem Herrn danken, uns vor ihm verneigen und ihn preisen. Das wünsche ich meinem Herzen zuallererst, und dann wünsche ich es auch deinem Herzen. Amen.
Gebet und Schlusssegen
Wollen wir das jetzt machen? Wollen wir den Herrn preisen? Das tun wir, indem wir singen und beten. Wir stehen zusammen auf.
Vater im Himmel, wir danken dir für dein reiches Wort, das uns heute viel gelehrt hat. Das war echtes Vollkornbrot für unsere Seele. Du nährst uns damit, und wir wollen es anwenden und auch mitnehmen. Und in diesem Zusammenhang wollen wir uns heute Morgen diese Last aufs Herz legen lassen, für die Verlorenen zu beten, Herr.
Hier sind Geschwister in der Gemeinde, die in ihren Familien, unter ihren Freunden und in ihren Freundeskreisen unerrettete Menschen haben. Herr, wir beten: Erbarme dich über sie. Wir bitten dich, mache du das Licht an in ihren Herzen. Lass sie erkennen, dass sie dich brauchen, Herr.
Wir beten für die Familien, wir beten für die Freunde, ja, wir beten aber auch für unsere Stadt Hamburg und wir beten für unser Land, dass du es neu heimsuchst mit einer Erweckung. Wir bitten für die Verlorenen, Herr, dass du Einzug hältst in ihre Herzen und dass sie erkennen, dass sie ohne dich verloren sind.
Und gleichzeitig danken wir dir für die Gnade der Erlösung. Wir danken dir für die Erwählung. Wir danken dir, dass unser Heil in dir gesichert ist. Wir danken dir, dass es nicht an uns und unserem Wollen oder unserem Laufen hängt, sondern dass alles bei dir begründet ist.
Und weil du der ewige Gott bist, unveränderlich, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit, können wir uns darauf verlassen, dass du, wenn du angefangen hast, uns damals schon, bevor wir geboren wurden, zu erlösen und zum ewigen Heil zu bestimmen, diesen Plan auch vollziehst bis zum Ende.
Und eines Tages werden wir gemeinsam vor dir stehen und dich mit vielen Menschen aus allen Völkern und Nationen preisen. Und wir wollen jetzt schon einstimmen in diesen Lobgesang und dir von Herzen danken für deine Güte, für deine Gnade, für deine Barmherzigkeit, für deine Gerechtigkeit, die sich im Evangelium offenbart.
Gelobt sei dein Name. Amen!