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Der Heilige Geist als Kraft aus der Höhe

Apostelgeschichte 1,4-824.05.2025
SerieTeil 9 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Wie bleibst du im Glauben nicht leer? Nicht mehr Druck, sondern neue Kraft kommt, wenn Gottes Wort dir Jesus groß macht – und dein Herz wieder Hoffnung schöpft.

Ein persönlicher Auftakt und die Freude am gemeinsamen Dienst

Ja, den jungen Mann kenne ich auch, so lange er lebt und uns verbindet, wie Christian schon gesagt hat. Eben nicht nur das Familiäre, sondern das Geistliche, das herrliche Evangelium.
Und wir sind Gott sehr dankbar. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch so eine Strecke noch gemeinsam zurücklegen konnten, auch im Dienst. Und so ist es mir auch eine besondere Ehre, Mathias. Ich bin ja nun hier derjenige, der sich schon in der Abflughalle befindet. Und meine Maschine hat noch ein bisschen Verspätung, aber vielleicht, ich weiß es nicht, mein Flieger, der geht bald los.
Aber es ist eine große Freude und Ehre, dass ich hier heute noch dabei sein darf und dienen darf. Und ich habe auch diese Tage sehr genossen, das muss ich wirklich sagen. Ich habe das schon zu dir beim Mittagstisch gesagt: Ich empfinde, dass E21 eine geisterfüllte Reformbewegung ist, nicht nur eine orthodox ausgerichtete Reinheitstheologie, sondern voll Leben und kraftpulsierendem Leben. Und das hat ja auch das Thema deutlich gemacht.
Und so ist natürlich schon viel gesagt worden, liebe Konferenzgeschwister, zu diesem Thema. Es kann sein, dass das, was ich jetzt noch dazu beitrage, ihr auch schon gehört habt aus anderem Mund. Das ist halt so: Der Letzte kann letztlich nur zusammenfassen. Aber schön: der Heilige Geist als Kraft aus der Höhe.
Lasst uns doch noch einmal zusammen aufstehen und Römer 15,13 lesen:
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, dass ihr überströmt in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Und die bekannten Worte aus Apostelgeschichte 1,4-8:
Und als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, nicht von Jerusalem zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, die ihr, so sprach er, von mir vernommen habt. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen.
Da fragten ihn die, welche zusammengekommen waren, und sprachen: Herr, stellst du in dieser Zeit wieder für Israel die Königsherrschaft her? Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat; sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Amen.

Hoffnung, Freude und Frieden als Werk des Geistes

Setzen wir uns doch in Römer 15. Dort haben wir gelesen, dass Gott ein Gott der Hoffnung ist und nicht ein Gott der Mutlosigkeit. Seine Leute erfüllt er mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, und das tut er so sehr, dass sie, wörtlich, in seiner Hoffnung überströmen.
Und auf welche Weise vermittelt Gott den Seinen diese überströmende Hoffnung, diese Freude und diesen Frieden? Paulus sagt: durch die Kraft des Heiligen Geistes. Christen sind Hoffnungsmenschen, Freuden- und Friedensmenschen durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Die Bibel spricht also nicht nur vom Heiligen Geist als solchem, sondern sie nennt ihn auch die Kraft des Heiligen Geistes. So zum Beispiel unser Herr Jesus in unserem zweiten gelesenen Text, Apostelgeschichte 1,8: Ihr aber werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.
In Lukas 24 kommt unser Thema, wie es heißt, wörtlich vor: Siehe, ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters; ihr aber bleibt in der Stadt Jerusalem, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.
Deswegen das Thema: Der Heilige Geist als Kraft aus der Höhe.
Und im Wesentlichen, was ich euch noch mitgeben möchte, sind diese beiden Sachen: erstens die Taufe im Heiligen Geist und zweitens Erfüllungen mit dem Heiligen Geist. Diese Begriffe sind ja auch schon oft gefallen.

Die erste Gabe: Geistestaufe und Wiedergeburt

Jesus erklärt: Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden. Die Kraft aus der Höhe, die in Jerusalem auf die Menschen kommen sollte, war also eine Taufe mit dem Heiligen Geist. Wenn ihr das zusammenfassen wollt als ein Substantiv, dann sagt man eine Geistestaufe.
Die Worte Johannes des Täufers, die Jesus hier zitiert, lauteten insgesamt: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, der wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer zur Buße taufen.“ Als am Pfingsttag dreitausend Seelen gerettet wurden, da erfüllte sich diese Prophezeiung.
Denn was wollte Johannes mit seiner Prophetie sagen? Oder was sollte er sagen? Dass er am Jordan nämlich nur eine äußere Bußtaufe vornehmen kann, mit Wasser, nur eine mit symbolischem Wert. Wenn aber Jesus nach ihm kommt, dann bringt er eine echte, tiefgreifende Buße. Nämlich nicht die Taufe mit Wasser, sondern die Taufe mit Geist und Feuer, die Kraft hat zu wirklicher Lebensveränderung.
Wenn die Taufe mit dem Heiligen Geist ein Herz erfüllt, dann ist sie nicht nur wie bei Johannes ein Sinnbild, ein Zeichen, sondern sie hat durchgreifende Wirkung. Johannes’ Wassertaufe war nur ein Hinweis, ein Zeichen auf die Wirklichkeit, die Jesus gebracht hat, nämlich die Taufe mit Heiligem Geist und mit Feuer. Sie schafft göttliches Leben, sie schafft Buße und tatsächliche Umkehr. Sie bewirkt Wiedergeburt. Johannes deutete mit Wasser nur an, aber Jesus brachte die echte Taufe, die mit dem Heiligen Geist und Feuer.
Wenn wir von der Errettung eines Menschen sprechen, dann sagen wir gern, dass er zum Glauben gekommen ist, dass er Christus angenommen hat, dass er sich bekehrt hat, dass er wiedergeboren ist. Wir sagen auch, dass er Buße getan hat, dass er ein Kind Gottes geworden ist. Und noch manch andere Begriffe und Synonyme können wir nutzen. Aber wir dürfen auch sagen, dass er mit Geist und Feuer getauft wurde, mit Heiligem Geist.
Diesen Gedanken bringt Paulus mit ein, wenn er in 1. Korinther 12,13 sagt: Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft und sind alle mit einem Geist getränkt. Hier spricht der Apostel nicht von der Glaubenstaufe, sondern von der Taufe durch den Heiligen Geist, was er ja bestätigt, wenn er hinzufügt: Wir sind alle mit einem Geist getränkt.
Und wann geschah das? Als wir zu Gliedern am Leib Christi wurden. Und ab wann gehört man zum Leib Christi? Wenn man von neuem geboren wird, wenn Gottes Geist in unsere Herzen ausgegossen wird, wenn wir getränkt und getauft werden mit Geist und Feuer.
Damit, so meine ich, ist die Lehre der Bibel deutlich: Wer wiedergeborener Christ ist, ist immer auch ein geistgetaufter Christ. Wer aber Christi Geist nicht hat, sagt Paulus im Römerbrief, der ist nicht sein. Wer aber sein ist, der hat auch Christi Geist. Ohne den Heiligen Geist gibt es nicht. Wenn jemand Christ ist, dann ist er auch mit Geist und Feuer erfüllt. Das ist ein wichtiger Grundsatz, den wir festhalten dürfen.

Wachstum, Reife und das fortlaufende Wirken des Geistes

Den Heiligen Geist als Kraft aus der Höhe zu empfangen, bildet den Anfang eines jeden christlichen Lebens. Es gibt kein christliches Leben ohne die Kraft aus der Höhe.
Den Heiligen Geist als Kraft aus der Höhe zu empfangen, bedeutet die Wiedergeburt, in der wir alle durch den Heiligen Geist zu einem Leib getauft sind. Aber wir sollen den Heiligen Geist nicht nur einmal zu Beginn unseres Glaubenslebens als Kraft aus der Höhe erfahren, sondern fortlaufend, damit unser geistliches Leben auch erhalten bleibt.
Das eine ist die Kraft des Heiligen Geistes zur Wiedergeburt, und das andere ist die Kraft des Heiligen Geistes, lasst es mich sagen, zum Wachstum, zur Entwicklung, zur Reife und zum Dienst. Wiewohl wir den Heiligen Geist zu Beginn unseres Glaubenslebens empfangen haben, brauchen wir täglich neu seine Kraft. Denn Gott möchte, dass seine Kinder geistlich reifen. Er möchte sie dienstfähig machen, und das geschieht in der Regel in Form eines dauerhaften Prozesses.
So wie ein Baby langsam zum Kind, zum Jugendlichen und später zum Erwachsenen wird, so geschieht es auch im geistlichen Leben. Die Durchbruchskraft zum Leben geschah bei der Geburt, aber diese Kraft zum Leben braucht das Kind weiter. Das ist der Gedanke. Es gibt ein anhaltendes Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben hin zu Kraft und Wachstum.
Dabei erleben Eltern das besonders. Sie sehen manchmal bei ihren Kindern regelrechte Wachstumsschübe. Ich habe manchmal einen jungen Menschen in unserer Gemeinde gesehen. Da war er vielleicht noch ein bisschen kleiner als ich, ein paar Wochen oder ein paar Monate, ich weiß nicht wie. Auf einmal muss ich zu ihm hochgucken. Dann sage ich zu ihm: Gestern warst du noch so klein, und heute guckst du auf mich herunter. Seine Mutter daneben sagt: Ja, ich wundere mich auch, der hat so einen Schub gekriegt.
Interessant, wie die Natur so wirkt. So gibt es im Glaubensleben bisweilen auch regelrechte Wachstumsschübe. Christen machen in solchen Fällen starke Erfahrungen mit Gott, mit dem Heiligen Geist, sodass sie beispielsweise in eine neue Dimension des Dienstes hineingeführt werden. Und durch solche Zufuhren göttlicher Wachstumskraft zeigt sich auch die Kraft aus der Höhe.

Wiederkehrende Erfüllung und persönliche Zeugnisse

Die Bibel nennt das Erfüllungen mit dem Heiligen Geist. Wir werden also nicht nur einmal mit dem Heiligen Geist in der Wiedergeburt erfüllt, sondern immer wieder. Ein Christ hat es ein Leben lang nötig, immer wieder neu mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden. Deswegen sagt Paulus in 1. Korinther 5,18: Werdet voll Geistes.
Dieser Satz gilt jeden Tag für dich. Jedes Mal, wenn du die Bibel an dieser Stelle liest: Werdet voll Geistes, dann ist das aktuell für dich. Jetzt, heute: Werde voll Geistes.
Und ich glaube, diese Konferenz hat dazu beigetragen, dass Menschen voll Geistes geworden sind. Das heißt: Immer wieder, jeden Tag neu, dürfen wir die Kraft aus der Höhe erfahren. Das zeigt uns besonders die Apostelgeschichte.
Die Jünger aber wurden, so heißt es in 1. Korinther 13,52, erfüllt von Freude und Heiligem Geist. Sie waren wiedergeboren. Aber Lukas sagt: Die Wiedergeborenen und die, die den Geist schon hatten, wurden erfüllt von Freude und Heiligem Geist.
Und da sie gebetet hatten, Apostelgeschichte 4,31, wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt, die Gläubigen. Sie waren wiedergeboren, sie hatten den Heiligen Geist empfangen, aber sie wurden neu erfüllt.
Ich darf auch von solchen wunderbaren Erfahrungen in meinem Leben erzählen, und ihr könnt das alle. Jeder von uns kann berichten, wie er Momente in seinem Leben hatte, in denen er eine starke Gottesbegegnung hatte, die sein Leben veränderte, sein Denken veränderte und die Weichen stellte, die vorher unmöglich schienen. Es passierte etwas in deinem Leben.

Berufung, Entschlossenheit und das Überwinden innerer Hindernisse

Als ich vor der Frage stand, Verkündiger des Evangeliums zu werden, war ich lange unentschlossen und mutlos. Die berufliche Karriere saß mir im Nacken. Ich hatte einen inneren Kampf. An einem Tag wollte ich meiner Berufung folgen, und am anderen Tag dachte ich: Wie sollst du das alles finanzieren?
Meine Frau und ich hatten damals eine Zeit der Trockenheit und auch der geistlichen Not. Da begegnete mir Gott in einer Jugendveranstaltung. Der Pastor predigte von A bis Z mein Leben, meine Lebenssituation. Auch redete er über meine Wankelmütigkeit. Ich dachte: Ich bin unter den tausend Leuten ganz allein da, und er erzählt meine Geschichte.
Ein Satz zum Thema Prophetie: Diese Predigt hatte eine prophetische Dimension. Der Mann hatte keine Ahnung, wem das insbesondere galt, als er sprach. Aber ich wusste es. Gott begegnete mir so stark in der Predigt, dass ich die Kraft bekam, die Entschlossenheit und die heilige Freude, endgültig die Weichen in meinem Leben zu stellen. Kein Opfer war mir mehr zu groß, und kein Preis war zu hoch. Die Würfel waren gefallen. Gottes Kraft war auf mein Leben gekommen.
Und der Durchbruch war da, bis heute. Das war für mich eine Erfüllung mit Heiligem Geist. Ich empfinde auch, während ich hier diese Tage mit euch verbrachte und die vielen jungen Leute sah, dass ich gewiss bin: In diesen Tagen sind junge Menschen mit Gottes Heiligem Geist erfüllt worden. Ihr habt Gottes Ruf gehört.
Und all eure Schwierigkeiten und all eure Sachen, von denen ihr geglaubt habt, sie stünden allem im Wege, sind weg, wie weggeblasen, weil Kraft in euer Leben gekommen ist, eine heilige Entschlossenheit.

Beispiele aus der Missionsgeschichte und die Bereitschaft zum Gehorsam

Ich habe von Colin Campbell gehört. Als man ihm vortrug, ihn nach Indien auszusenden, fragte man ihn, wie lange sie brauchen, bis sie abreisen können. Da antwortete er: vierundzwanzig Stunden. Und tatsächlich bestieg er vierundzwanzig Stunden später das Schiff.
Vorher gab es in seinem Leben so viele Barrieren, so viele Hindernisse, so viele Wenns und so viele Abers. Aber Gott begegnete ihm. Mir begegnete er in einer Predigt unter Gottes Wort.
Die Herrnhuter Brüder suchten einen Missionar und fragten einen frischen Bewerber: Bist du bereit, nach Grönland zu gehen? Damals wusste man noch gar nicht, wo das lag. Obwohl er von diesem Land noch nie gehört hatte und auch nicht wusste, wo auf der Welt es ist, sagte er: Ja, ich bin bereit. Auf die Frage, wann er dorthin aufbrechen könne, antwortete er prompt: Wenn meine Stiefel vom Schuster zurück sind. Mehr als seine besohlten Stiefel brauchte er nicht.
Verstehen wir: Der Geist Gottes befreit uns, gibt uns Zuversicht, Entschlossenheit, Gehorsamkeit und Freudigkeit. Wir brauchen heute so viel, um bereit zu sein. Erst passt das nicht, und dann das andere nicht. Das erinnert an jene Geladenen, von denen Jesus erzählt, und von denen einer erst den neu gekauften Acker besehen wollte. Der andere wollte die zuvor gekauften fünf Joch Ochsen überprüfen, und der dritte konnte nicht, ihr wisst es, weil er geheiratet hatte.
Es ist alles so schwerfällig. Alle haben sich entschuldigt, keiner war bereit. Warum nicht? Weil ihr Herz an so viel anderem hing.
Es ist wie mit einem kleinen Steinchen im Schuh. Hast du das schon auf Wandertouren erlebt? Da piekst und drückt ein winziger Gegenstand im Schuh. Und nach kurzer Zeit ist der Fuß entzündet, du hast Schmerzen und kannst nur noch humpeln. Ich rate dir: Halte sofort an, zieh den Schuh aus und entferne das kleine Ding in deinem Leben. Sonst wirst du dein Ziel nicht erreichen.
Und ich bitte alle Nachfolger Jesu: Entfernt die Kleinigkeiten in eurem Leben, die euch binden und die euch aufhalten. Seid bereit, für Jesus und sein Evangelium zu sein. Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, und ihr werdet meine Zeugen sein.
Und was haben sie gemacht? Sie haben nicht mehr gezögert. Der Durchbruch zu Pfingsten war da. Die Dienstbereitschaft von Paulus haben wir gesehen, die Apostel krempelten den ganzen Erdkreis um.
So war es auch mit mir. Gottes Geist kam in mein Leben, er erfüllte mich neu, gab mir Richtung und Zuversicht. Und das schenkt der Herr auch dir heute in Kraft und in Herrlichkeit.
Es gibt also die Geisterfüllung zur Errettung, aber es gibt auch die immer wiederkehrende Stärkung durch die Gegenwart des Heiligen Geistes, damit wir in besonderen Situationen und im Alltag durch Gottes Gnade und Kraft unseren Weg finden.

Wie Erfüllung geschieht: Sehen, Staunen und vom Wort ergriffen werden

Lasst uns noch kurz anschauen, wie man mit Heiligem Geist erfüllt wird. Wie ereignet sich das?
Was bei der Geist- und Feuertaufe in der Wiedergeburt geschieht, haben wir besprochen. Sie ist der Moment, in dem der Heilige Geist grundsätzlich ins Herz eines Menschen einzieht, Wohnung bei ihm macht und ihn errettet. Aber wie haben wir uns anschließende Erfüllungen in unserem Leben vorzustellen, von denen wir gesagt haben, dass wir sie ein Leben lang nötig haben?
Sie beginnen mit Offenbarung durch das Wort Gottes. Wenn Menschen biblische Inhalte erschlossen werden, sie ihnen groß werden, sie staunen und überwältigt werden, dann erleben sie Beglückung und Erfüllung.
Ein kleines, mangelhaftes Beispiel, aber mir hat es sehr geholfen: Es ist wie mit einem selten schönen Sonnenaufgang. Deine Nacht war schlecht, die Sorgen drückten dich, aber nun schaust du den majestätischen, lautlosen Aufgang der Sonne an. Was passiert jetzt in dir? Du bist überwältigt, erfüllt, erfrischt. Du rufst deiner Frau zu: Schau dir das mal an, Liebling. Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen, aber sieh die Farben, die Glut, das Licht, welch ein wunderbarer Morgen!
Und nachdem du dich satt gesehen hast, sagst du zu ihr: Schatz, lass uns ans Tagewerk gehen. Gott wird uns Kraft geben, wir werden unsere Not überwinden.
Was ist da abgelaufen? Ich sage einfach: eine Erfüllung. Dein Herz, deine Seele, dein Gemüt ist erfüllt von der Herrlichkeit der Natur, wenn du dir einen Sonnenaufgang anschaust. Dein Auge hat etwas Wunderbares gesehen, was dir neue Kraft gegeben hat.
Hör gut zu: Dein Auge hat etwas Wunderbares gesehen, etwas, das dir neue Kraft gegeben hat. Wenn du nichts gesehen hättest, wärst du auch nicht erfüllt worden und hättest keine neue Kraft bekommen. Wäre der Himmel an jenem Morgen grau gewesen, das Wetter neblig und nasskalt, wirst du wahrscheinlich nicht in diese Freude gekommen sein, sondern hättest dir die Bettdecke über den Kopf gezogen und weiter in deinen Depressionen gegrübelt.
Aber Gott hatte vor, dich durch die Kraft der Schöpfung, sag ich jetzt mal, zu trösten und dich zu stärken. Dieses Erlebnis kann man nun nicht eine Erfüllung mit der Kraft des Geistes nennen, aber eine Erfüllung mit der Kraft der Schöpfung. Aber beide Erfüllungen funktionieren auf ähnliche Weise.

Geistliche Erfüllung durch das Wort, nicht durch künstliche Stimmung

Auch die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist keine erregte Emotion. Niemals wirst du schwärmen: „Oh, schau den herrlichen Sonnenaufgang“, ohne einen zu sehen. Aber im geistlichen Bereich gibt es leider häufig solche Schwärmerei um nichts.
Oft habe ich gesehen, wie sich Versammlungen künstlich in Wallung gebracht haben, meist durch einen emotionalen Einpeitscher. Aber das ist nicht die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Sich gegenseitig hochzujubeln, geschieht nicht aus sich selbst heraus, sondern nur, wenn wir wirklich etwas geschaut haben.
Es ist interessant, wie auch Paulus zum Beispiel seine Bekehrung formuliert und davon berichtet. Dann sagt er: Als Gott seinen Sohn in mir offenbarte, da wurde mein Leben verändert. Was muss deine Seele schauen? Golgatha, Jesus, den Auferstandenen. Wenn die Erkenntnis Christi dir herrlicher wird als der schönste Sonnenaufgang, dann wird deine Seele von Wahrheit durchflutet, und du wirst mit Kraft erfüllt.
Immer wenn Menschen durch das Wort Gottes erleuchtet werden, sind sie überwältigt und reagieren mit großer Dankbarkeit, mit ehrfürchtiger Anbetung und freudigem Dienst.
Meine Frau und ich haben uns das schon von den frühen Tagen unserer Eheschließung an angewöhnt: morgens eine Andacht miteinander zu haben und einen Bibeltext zu lesen. Bevor wir beten, besprechen wir diesen Bibeltext. Es ist so häufig vorgekommen, dass dieser Bibeltext uns plötzlich so groß und so herrlich geworden ist, dass Freude aufkam. Manchmal hat meine Frau geweint, manchmal habe ich geweint, manchmal haben wir beide geweint, und manchmal haben wir gelacht. Und am Ende haben wir uns um den Hals gelegen und gesagt: Wie herrlich ist es, mit Jesus zu leben! Und wir haben einander gesagt: Gott ist so nah!
Unser Bruder Bartholomä Philipp hieß er, hat einen Satz in seiner Predigt gesagt. Wenn ich alles vergesse, aber den will ich aufbewahren: Jesus, er sagt nicht nur: „Ich liebe dich“, sondern er nimmt dich auch in den Arm. Halleluja!
Und das erleben wir als Gotteskinder in der Gemeinschaft mit dem Wort Gottes, in der Andacht.

Gemeinschaft, Ehe und die Kraft geistlicher Offenbarung

Nicht selten kommen christliche Ehepaare zu uns, auch zu mir, mit ihren zerrütteten Verhältnissen. Die erste Frage ist: Wann habt ihr das letzte Mal zusammen gebetet? Das wussten sie nicht mehr. Ja, das ist bestimmt schon zehn Jahre her, sagt der Mann. Das macht jeder mit sich selber ab.
Natürlich kannst du das, und du sollst es auch. Aber die Gemeinschaft in der Ehe, wir sind eins.
Sehnst du dich nach neuer Kraft, nach neuer Zuversicht, nach Hilfe von Gott, nach einem Weg in deinem Leben, den du nicht siehst, sehnst du dich nach der Kraft aus der Höhe, dann ist es so dringend nötig, dass du einen Sonnenaufgang schaust, einen geistlichen Sonnenaufgang, dass du die Herrlichkeit des Evangeliums siehst, die Vergebung deiner Sünden, deine Erwählung vor Grundlegung der Welt, deine Bewahrung bis an dein seliges Ende, Jesu Wiederkunft, seine Herrlichkeit in Ewigkeit.
Dir fehlen die Worte. Du kannst es nicht beschreiben. Paulus sagt: Deine Hoffnung wird überströmend werden. Und dieser Strom von Kraft, der geht einher mit Schauen, mit Sehen, mit Offenbarung.
Und deshalb immer wieder der Hinweis, den wir in diesen Tagen ja auch gehört haben: Lass das Wort Christi reichlich in eurem Leben wohnen.
Als sie das hörten, lesen wir in Apostelgeschichte, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott. Als sie das hörten, führte der Bericht von Gottes großen Taten sie zu einer Anbetung voller Inbrunst, und wir lesen, dass sie alle mit Heiligem Geist erfüllt wurden. Zuerst war die Botschaft da, das Wort, und dann die Erfüllung.
Wir erinnern uns auch an das Haus des Cornelius. Zuerst predigte Petrus, er zeigte ihnen Christus, den Sohn Gottes, und dann heißt es in dem Bericht: Während Petrus noch diese Worte redete, fiel Gottes Geist auf alle, die dem Wort zuhörten.
Du darfst auch als Verkündiger damit rechnen, wenn du das Wort Gottes verkündigst, dass der Heilige Geist auf die Zuhörer fällt und sie mit neuer Freude erfüllt.

Das Wort Gottes als Ort der Gegenwart des Geistes

Ich sitze ja am Sonntagmorgen meistens auch dort auf der ersten Reihe. Und wenn der Gottesdienst beginnt, haben wir Lobpreis, wir singen Lieder. Das ist wirklich schön, die ersten drei Lieder, der Lobpreis ist da. Aber die halbe Gemeinde ist noch nicht da, sie kommen fast alle zu spät. Da laufen sie umher, da rennen sie hierhin und dorthin, begrüssen sich da noch mit Küsschen, da mit Küsschen, und dann: Ach ja, jetzt müssen wir anbeten.
Ich überspitze so ein bisschen. Also Christian, ganz so schlimm ist es in deiner Gemeinde nicht. Aber ich hoffe, ihr versteht, was ich euch beschreiben will. Es ist ja so: Der Lobpreisleiter gibt sich unglaublich Mühe. Er sagt: Meine Geschwister, sammelt euch jetzt bitte, seid artig, und jetzt konzentriert euch, Jesus ist hier, Halleluja! Aber irgendwie will das nicht kommen.
Aber jetzt hört mal: Dann hat es eine von Gott gesalbte Predigt gegeben, eine Auslegung irgendeines Textes im Alten Testament, irgend so ein Wort aus der Ecke der Bibel. Kein Mensch würde darüber predigen. Aber wir machen Auslegungspredigten, ist halt dran. Ja, was willst du machen? Dann sagt Christian manchmal zu mir: Was willst du machen? Dann sagt Christian zu mir: Papa, über den Text bist du ja jetzt dran, nicht wahr? Und nächstes Mal sage ich: Jetzt hast du aber den nicht das grosse Losgeworden, nicht wahr?
Ja, ich möchte auch immer gerne die Bibelstellen haben, wo nicht nur Knochen sind, sondern auch Fleisch dran ist. Aber ich kriege oft die, die mir den Knochen nicht weiter. Aber es spielt gar keine Rolle, liebe Gemeinde, Gottes Wort ist Gottes Wort. Und wenn es hingegeben gepredigt wird, was passiert? Die Gemeinde steht nach der Predigt auf, hier unten, da oben, von hinten kommt ein machtvoller Gesang, ganz anders als zu Beginn des Gottesdienstes. Warum? Weil die Gemeinde mit dem heiligen Wort Gottes erfüllt worden ist. Die Kraft aus der Höhe war da in der Versammlung, und die Menschen sind bewegt. Und sie wissen: Gott ist gegenwärtig, und sie beten ihn an.
Das ist Erfüllung mit dem Heiligen Geist dadurch, dass wir etwas schauen, dass uns etwas gezeigt wird, dass wir etwas sehen können.

Warnung vor Ersatzformen und der Ruf zur Treue am Wort

An einer anderen Stelle berichtet Petrus den jüdischen Brüdern von seinem Dienst unter den Heiden. Er sagt: Als ich aber anfing zu reden, fiel der Heilige Geist auf sie, ebenso wie bei uns am Anfang.
Also fiel auch hier der Heilige Geist als Begleitung zur Predigt und bestätigte das Wort.
Was lernen wir daraus? Wollen wir mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, dann lassen wir uns am besten mit der Herrlichkeit des göttlichen Wortes erfüllen.
Manche meinen, man müsse besondere Warte- und Fastenzeiten einführen, damit der Heilige Geist kommt. Da kann ja etwas dran sein. Andere wollen im Gottesdienst äußerst lange Musik machen, denn je länger man singt, desto eher fällt der Heilige Geist, sagen sie. Sie suchen, wie es auf Englisch schön heißt, the flow of the spirit.
Letztens meinte ein Pastor: Wenn du einen guten flow of the spirit im Gottesdienst hast, dann verzichte am besten auf die Predigt und zieh den flow durch. Solche Worte zeigen, dass man eher ein emotionales Aufputschmittel sucht als die Kraft des Heiligen Geistes.
Wenn ich die Bibel richtig verstehe, kommt der Heilige Geist gerne da, wo das Wort ist, und nicht da, wo man das Wort verdrängt. Denn immer noch gilt: So kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Christi.
Und Andi hat vorhin heute Morgen bei der Talkrunde mit euch da Zitate gebracht, unter anderem eins von Johannes Calvin: Das vornehmste Werk des Heiligen Geistes ist der Glaube, und der Glaube kommt aus der Predigt, und die Predigt kommt durch das Wort Gottes.
Jesus versteht den Dienst des Heiligen Geistes darin, wie wir auch in den letzten Tagen immer wieder gehört haben, dass er in alle Wahrheit leiten wird. Darum ist unsere feste Überzeugung, dass das lebendige Wort im Zentrum einer Gemeinde stehen muss.

Die Gemeinde als Ort der Offenbarung Christi

Und da hat mir ja auch Matthias, dein Mark Dever – ich sage: dein, es ist ja auch dein Lehrer –, hier auf E 21 gesprochen. Er hat einmal einen fantastischen Satz gesagt, den ich nie wieder vergessen werde. Ein Stück weit durften wir das auch hier in der Arche erleben.
Er hat gesagt: Richte in deiner Gemeinde einen gesunden Auslegungspredigtdienst ein und achte darauf. Höre nicht auf das, was die Experten sagen, sondern schau nur darauf, was Gott tut. Male den Menschen Jesus vor die Augen, wie Paulus es einmal formuliert. Gib ihnen ein Gemälde, zeige ihnen die Offenbarung Gottes in Jesus Christus, lege ihnen die Schrift aus, lege ihnen die Wahrheit aus, sei darin treu, hingegeben, leidenschaftlich, passioniert. Frag nicht nach den Experten, sondern bleib dran. Dann schaut die Gemeinde auf Jesus, sie erlebt das Evangelium, sie wird erfüllt mit dem Heiligen Geist, die Kraft Gottes ist da, einzelne Menschen wachsen, und die ganze Gemeinde wächst insgesamt. Das ist die Kraft aus der Höhe durch das Wort Gottes.
Wir müssen als Christen dringend unterscheiden, dass die Gemeinde nicht nur zwischen künstlich aufgeheiztem Spektakel und echter Freude im Heiligen Geist steht. Diese Freude kommt durch das Wort. Jesus betet: Meine Freude in ihnen sei vollkommen. Und im nächsten Satz erklärt er, wie diese vollkommene Freude entstehen soll: Ich habe ihnen dein Wort gegeben.

Geistliche Erkenntnis, Freude und die Kraft der Schrift

Erinnert euch an die Geschichte von Elisa und Gehasi. Der Diener war verzweifelt, voller Depression. Er sah die feindliche Übermacht, Elisa aber sah die Herrlichkeit Gottes, die Engelheere und die himmlischen Herrscher.
Der Diener wollte in Depressionen zerfallen, und Elisa betete: Herr, öffne ihnen die Augen. Unser Dienst ist es, die Augen zu öffnen und den Menschen die Herrlichkeit, die Liebe, die Güte und die rettende Kraft Gottes zu zeigen.
Biblische Lehre ist nämlich nicht toter Buchstabe, sondern sie macht glücklich. Sie füllt unsere Herzen mit dem Heiligen Geist. Lebendige Theologie bringt Freude, vollkommene Freude, Kraft und geistliche Gesundheit. Deswegen sagt schon das Alte Testament: Ich freue mich über dein Wort, wie einer, der große Beute macht.
Wir haben von Martin Luther gehört, wie er sich mit aller Kraft um das Verständnis des Römerbriefes bemühte. Als Gott ihm dann das Geheimnis dieses Briefes offenbarte, wurde er so mit dem Heiligen Geist erfüllt, dass er schrieb und sagte, es sei gewesen, als wenn Gott ihm das Paradies vor seinen Augen geöffnet habe.
Gott hat ihn durch die Entdeckung des Inhalts des Römerbriefes so mit Kraft ausgerüstet, dass sich quasi die ganze Welt veränderte. Wenn dir der Heilige Geist zum Beispiel die Wahrheit von der Herrlichkeit des Evangeliums offenbart, dann wirst du immer wieder neu erfüllt sein.

Ein abschließender Ruf zur geistlichen Erneuerung

Wann hat dich das letzte Mal eine biblische Wahrheit ergriffen? Wann bist du von einem Sonnenaufgang in der Bibel erfasst worden, sodass du niedergefallen bist und den Lobpreis ausgebrochen hast?
Beschäftigst du dich überhaupt noch mit der Bibel, oder lässt du dir am Sonntagmorgen vom Pastor nur ein paar Rosinen herauspicken? Bist du auf Entdeckungsreise in der Bibel? Sinnst du über Gottes Wort Tag und Nacht nach? Wann hast du das letzte Mal über das Evangelium und das vollkommene Werk Jesu gejubelt?
Wir beten zum Herrn, dass er uns allen neu den Heiligen Geist schenkt, die Kraft aus der Höhe. Wer will wieder neu mit Gottes Kraft erfüllt werden?
Liebe Geschwister, ich glaube, wir sollten am Ende auch dieser wunderbaren Konferenz füreinander beten. Ihr seid dem Herrn begegnet, haltet das fest. Gott hat euch Kraft gegeben. Der Herr gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Knaben werden müde und matt, und junge Männer straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Das wünsche ich euch durch die Kraft des Heiligen Geistes, in Jesu Namen. Amen.