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Der einzigartige Sohn

Jesu Leben und Lehre, Teil 8/673
26.01.2021Johannes 1,14
SERIE - Teil 8 / 673Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Menschwerdung Gottes

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben zugleich.

Episode acht: Der einzigartige Sohn.

 Johannes 1,14: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Gott, das Wort, wird Mensch. Und dieser Mensch, Jesus von Nazareth, wohnte unter uns. Johannes greift hier ein wenig vor, denn er beschreibt, was er und die anderen Apostel mit Jesus erlebt haben.

Wörtlich steht hier: „Er zeltete unter uns.“ Das klingt erst einmal ungewöhnlich, oder? Doch die Idee dahinter stammt aus dem Alten Testament.

Die Stiftshütte als Symbol der Gegenwart Gottes

Im Alten Testament befreit Gott das Volk Israel durch zehn Plagen aus Ägypten. Mit Mose als Anführer ziehen sie aus Ägypten in die Wüste und schließen mit Gott am Berg Sinai einen Bund, den sogenannten „Alten Bund“.

Zu dieser Zeit lässt Gott einen Tempel errichten, die Stiftshütte. Mose steigt dazu auf den Berg Sinai, bekommt dort das Muster der Stiftshütte gezeigt, steigt wieder herab und baut sie auf der Erde nach.

Der Clou ist nun: Dieser Tempel ist eigentlich kein Tempel, wie man ihn sich vorstellt, wenn man das Wort Tempel hört. Es handelt sich vielmehr um ein großes Zelt, das man auseinandernehmen, transportieren und am nächsten Lagerplatz wieder zusammensetzen konnte.

Die Stiftshütte ist das Symbol dafür, dass Gott unter seinem Volk wohnt. So wie mitten im Lager der Israeliten die Stiftshütte zeltete, so zeltete Gott jetzt in der Person Jesu mitten unter seinem Volk.

Für die Apostel muss das eine irgendwie komische Sache gewesen sein. Stellt euch vor, ihr wacht morgens auf, vielleicht habt ihr irgendwo draußen übernachtet. Jesus ist auch schon wach und gerade damit beschäftigt, das Feuer fürs Frühstück anzumachen. Ihr schaut rüber zu ihm und während ihr ihm ein paar Momente zuschaut, fragt ihr euch vielleicht: Wer ist er? Er ist so anders, er sagt so komische Sachen. Kann es wirklich sein, dass er Gott ist, dass Gott Mensch wurde?

Ich weiß nicht, wann es bei den Jüngern Klick gemacht hat. Aber irgendwann war ihnen klar, was Johannes hier mit den Worten „und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ zum Ausdruck bringt (Johannes 1,14). Gott ist da in Gestalt eines Menschen.

Erklärung der Begriffe „Herrlichkeit“ und „Eingeborener“

Bevor wir weitermachen, müssen wir kurz zwei schwierige Begriffe erklären: Herrlichkeit und Eingeborener.

In Johannes 1,14 heißt es: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Beginnen wir mit dem Begriff Herrlichkeit und der Feststellung, dass es gefährlich ist, Gottes Herrlichkeit direkt anzuschauen. Mose wollte dies tun, doch Gott verbot es ihm. In 2. Mose 33,18 sagt Mose: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“ Darauf antwortet Gott in den Versen 20 bis 23: „Du kannst mein Angesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“

Gott fährt fort: „Siehe, hier ist ein Platz bei mir, da sollst du dich auf den Felsen stellen. Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, werde ich dich in die Felsenhöhle stellen und meine Hand schützend über dich halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann nehme ich meine Hand weg, und du wirst mich von hinten sehen, aber mein Angesicht darf nicht gesehen werden.“

Was Mose sehen darf, ist also Gottes Herrlichkeit von hinten, quasi das Nachglühen der vorübergezogenen Herrlichkeit Gottes. Mehr ist nicht möglich.

Doch Gott hat eine Idee, wie wir seine Herrlichkeit auf eine Weise sehen können, die uns nicht umbringt. Johannes 1,14 sagt: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut.“

Mit Herrlichkeit ist hier der Charakter Jesu gemeint, seine Ausstrahlung als Mensch. Ich habe gestern gesagt, dass, wenn Gott Mensch wird, die Eigenschaften Gottes, die ihn zu Gott machen, nicht auf der Strecke bleiben. Was jedoch nicht verloren geht, ist sein Charakter, also wer er ist.

Wir schauen Jesus an und beschäftigen uns mit seinem Charakter. So entdecken wir die Herrlichkeit Gottes. Paulus hat das nicht ganz einfach formuliert in 2. Korinther 4,6: „Denn Gott, der gesagt hat: ‚Aus Finsternis wird Licht leuchten‘, ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist, zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“

Wir erkennen also die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu.

Jesus als Spiegelbild Gottes

Gott selbst erleuchtet unsere Herzen, damit wir seine Herrlichkeit sehen können, wenn wir uns mit dem Herrn Jesus beschäftigen. Wenn wir Gottes Herrlichkeit, also seinen Charakter, verstehen wollen, gibt es kein besseres Studienobjekt als den Herrn Jesus.

Im Hebräerbrief, Kapitel 1, Verse 1 bis 3, heißt es: Nachdem Gott früher vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern durch die Propheten gesprochen hat, hat er am Ende dieser Tage zu uns durch den Sohn gesprochen. Diesen hat er zum Erben aller Dinge eingesetzt. Durch ihn hat er auch die Welten geschaffen. Er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens.

Möchtest du wissen, wie Gott ist? Dann schau dir Jesus an. Er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit. Es gibt das Sprichwort: „Wie der Vater, so der Sohn.“ Ganz besonders trifft das auf Jesus zu.

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut – eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Die Bedeutung des Begriffs „Eingeborener“

Seine Herrlichkeit ist eine Herrlichkeit wie die eines Eingeborenen vom Vater. Das ist zunächst schwer zu verstehen. Das Wort „Eingeborener“ ist hier eher irreführend. Für uns bedeutet „Eingeborener“ meist „Ureinwohner“. Doch das hat mit dem hier verwendeten Wort nichts zu tun.

Im Grundtext steht „monogenes“. Dieses Wort bedeutet zunächst einmal „einzigartig“ oder „einzig“. Der Eingeborene ist also der einzigartige oder einzige Sohn.

Ich übernehme jetzt diese Übersetzung in Johannes 1,14: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit wie die eines einzigartigen Sohnes von einem Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Worum geht es Johannes eigentlich? Es geht um Familienähnlichkeit. Wenn du meinen beiden Töchtern eine Aufgabe überträgst, dann setzen sie alles daran, diese Aufgabe zu erfüllen. Warum? Weil sie treu sind. Warum sind sie treu? Weil ich sie so erzogen habe. Ich bin treu in dem, was ich tue, und sie sind es auch.

Genau darum geht es hier. So wie sich der Charakter eines Vaters im Sohn widerspiegelt, so zeigt sich der Charakter Gottes in Jesus. Er ist der einzigartige Sohn, der den himmlischen Vater auf vollkommene Weise repräsentiert. Der Charakter Gottes strahlt uns entgegen, wenn wir Jesus sehen.

Jesus als Offenbarung des Vaters

Deshalb antwortet Jesus etwas vorwurfsvoll, als Philippus zu ihm sagt: „Herr, zeige uns den Vater.“

Was sagt Jesus darauf? In Johannes 14,9 spricht er zu ihm: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie kannst du sagen: ‚Zeige uns den Vater‘?“

Jesus zu sehen und zu erleben bedeutet, Gott zu sehen und zu erleben – zumindest so weit, wie es in der Gestalt eines Menschen möglich ist.

Die Gründe für die Menschwerdung Gottes

Gott wird Mensch, weil er uns ganz nahe kommen will. Er möchte erkannt und gefunden werden.

Gott wird Mensch, damit wir uns nicht an Prinzipien und abstrakten Ideen, sondern an einer konkreten Person orientieren können. Außerdem wird Gott Mensch, um uns aus der Macht des Teufels zu retten und unsere Sünden zu sühnen.

Wie es im Hebräerbrief heißt, Kapitel 2, Verse 14 und 17:
„Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel. Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer hoher Priester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen.“ Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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